Da kurvt der Knoblauch im Olivenöl fast wie die Vinylscheibe auf dem Plattenteller. Kreisrund ist der Kochtopf auf die Bühnenleinwand projiziert. Frische Tomatenpassata rein, ein paar Basilikumblätter drauf: Diese rot-grüne Koalition rührt in "Station Paradiso", der aktuellen Uraufführung an der Stuttgarter Oper, die Geschmacksnerven und das Herz derer, die sie entbehren mussten. So wie die süditalienische Mutter (mit feiner Mezzo-Lyrik: Stine Marie Fischer), angekommen aus dem sonnigen Napoli im verregneten Stuttgart damals in den frühen 60ern, der großen Zeit der Anwerbeabkommen, als die beim Daimler schuftenden Bandarbeiter wie italienische Barockkomponisten hießen. Die politisch engagierte Tochter (Martina Mikelić mit dichtem, intensivem Alt) versteht das heute nicht mehr: Wie konnte man sich nur so ausnehmen lassen!
Was es damals alles noch nicht gab in teutschen Landen! Espresso, Pizza, Pasta – allenfalls bekannt vom Teutonengrill an der Adria, dem Migrationsziel deutscher Gäste. Nur dass die nichts arbeiteten. Jahrzehnte später ist er dann abtrünnig geworden, der Neapolitaner aus Germania (Joseph Tancredi mit Belcanto-Tenor). Schon sein Vater hat rübergemacht: von Lavazza zu Dallmayr. Der Sohn trägt jetzt Neapolitanerwaffeln nach Neapel, gebacken in Deutschland. Doch immerhin auch die Asche seines Vaters, verborgen in einer Tupperdose.
Das sind so Geschichten aus der Gastarbeiter-Geschichte. Sie und andere hat sich die kroatisch-deutsche Komponistin Sara Glojnarić erzählen lassen von Angehörigen der sogenannten zweiten Generation. Tanja Šljivar machte aus den Interviews ein Libretto für "Station Paradiso", Glojnarićs Musiktheater-Projekt mit Stuttgart-Bezug über Arbeitsmigration, Sehnsucht und die Frage, was Heimat ist.




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