KONTEXT Extra:
Fahrverbote beschlossen – Nordost-Ring vom Tisch

Wie ein Gespenst geisterte seit Wochen ein vor fast 40 Jahren beerdigtes Verkehrsprojekt durch die Debatte um Feinstaubalarmtage und Fahrverbote in der Landeshauptstadt: der Nordost-Ring. Jetzt hat Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) allen Spekulationen eine Absage erteilt. Auch deswegen, weil die Baumaßnahme entgegen den Behauptungen von Teilen der CDU keineswegs bereits im Bundesverkehrswegeplan steht. "Dort geht es um neun Kilometer der B 29", so Hermann nach dem heutigen Kabinettsbeschluss zu Fahrverboten ab 1.1.2018 an Feinstaubtagen, den schlussendlich auch die CDU-Landtagsfraktion mittrug.

Prompt gab es Lob von Umwelt- und Naturschützern. Hermann habe erkannt, so die BUND-Landesvorsitzende Brigitte Dahlbender, "wenn nicht zeitnah effiziente Maßnahmen greifen, so werden die Gerichte die Entscheidungen zum Schutze der Bürger*innen treffen und die Politik das Heft aus der Hand geben müssen". Die Stuttgarter CDU ist noch nicht ganz so weit. Für den Kreisvorsitzenden Stefan Kaufmann sind Fahrverbote weiterhin "politisch klar abzulehnen". Und er träumt von Nordost-Ring: Jetzt gelte es "endlich neue Verkehrsprojekte wie den Nord-Ost-Ring auf den Weg zu bringen". Hermann machte dagegen deutlich, dass das nach dem eben erst in Kraft gesetzten Bundesverkehrswegeplan gar nicht möglich ist. 

In den Sechzigern und Siebzigern waren zwei Varianten durchdacht worden: eine größere mit einem Autobahnzubringer bei Mundelsheim und eine kleinere etwa auf der Gemarkungsgrenze zwischen Waiblingen und Fellbach. Schon damals vertraten Verkehrswissenschaftler allerdings die Ansicht, dass ein Ringschluss rund um Stuttgaart weniger die Stadt, sondern die Autobahnen im Westen und Süden entlasten würde.


Korntal: Opfervertreter verlangen mehr Engagement der Landeskirche

Die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in der evangelischen Brüdergemeinde Korntal ist unterbrochen. Die Opfervertreter verlangen einstimmig, dass sich Frank Otfried July endlich entscheidend einbringt. "Wir werden nicht mehr mit den Brüdern sprechen", so Netzwerk-Sprecher Detlev Zander. Jetzt müsse "der Oberhirte, also der Bischof, ran". Im Betroffenen-Netzwerk organisiert, werfen mehr als 300 ehemalige Heimkinder der Brüdergemeinde vor, in den 1950er- bis 1980er-Jahren in deren zwei Einrichtungen sexuell missbraucht, misshandelt und gedemütigt worden zu sein.

Dass mehr Engagement von July gefordert wird, ist nicht neu. Im Sommer 2016 hatte einer der Betroffenen in einem langen Schreiben an den Landesbischof appelliert: "Die Kir¬che ist mit in der Verantwortung und wenn Sie als Oberhirte weiter schweigen, machen Sie sich persönlich schuldig. Die Heimopfer warten auf ein klärendes Wort von Ihnen." Denn die Korntaler Fürsorge habe "einen menschlichen Scherbenhaufen hinterlassen". (20.02.2017)


NSU-Ausschuss will weitere Akten

Der zweite parlamentarische Untersuchungsausschuss zum "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) geht auf die Suche nach zusätzlichen Akten, um dessen Verbindungen nach Baden-Württemberg besser auszuleuchten. Die Abgeordneten meinen, beim Generalbundesanwalt und/oder im Bundesamt für Verfassungsschutz fündig werden zu können. Beauftragt ist Bernd von Heintschel-Heinegg. Der Rechtswissenschaftler war schon für den ersten Ausschuss des Landtags und als Sonderermittler auch für den Bundestag tätig.

Zurückgestellt wurde in diesem Zusammenhang die Ladung von Mike Markus Friedel. Vor allem der NSU-Experte Hajo Funke hatte immer wieder darauf gedrängt, dass der gebürtige Sachse gehört wird. Dessen Name stand auf der sogenannten Garagenliste, die 1998 in Jena sichergestellt, aber erst mit großer zeitlicher Verzögerung detailliert ausgewertet wurde. Vor fast zwanzig Jahren zog er nach Heilbronn. "Markus Friedel war mit 'Erbse' (V-Mann), Torsten Ogertschnig, zusammen im Ländle im Gefängnis", schreibt Funke. Und von Friedel habe "Erbse" seine Kenntnisse über den NSU und Mundlos.

Bei einer Veranstaltung der "Anstifter" im Stuttgarter Kunstverein hat Rainer Nübel, der im ersten Ausschuss als Sachverständiger aufgetreten war, erneut von den Abgeordneten verlangt, sich ernsthafter mit der Anwesenheit ausländischer Geheimdienste am 25. April 2007 in Heilbronn zu befassen. An diesem Tag waren die Polizistin Michèle Kiesewetter ermordet und ihr Kollege Martin Arnold schwer verletzt worden. Der zweite Ausschuss hat bereits mehrere Zeugen vernommen. Jetzt ist ein Bericht beim Bundesnachrichtendienst angefordert.

Die nächste Ausschusssitzung beginnt am Freitag, den 24. Februar, um 9.30 Uhr im Landtag. Zwei Kriminalbeamtinnen sollen Auskünfte über die rechte Szene geben und die Verbindungen des NSU in den Südwesten. Geladen sind außerdem drei Zeuginnen, die Kontakt zu Beate Zschäpe gehabt haben sollen.

Auch die weiteren Sitzungstermine bis zur parlamentarischen Sommerpause sind festgelegt: 20. März, 28. April, 15. Mai, 19. Juni und der 17. Juli 2017.

Mehr zum Thema: "Geheimdienste im Fokus", "Eh-wurscht-Akten" 


WKZ liest mit

Anfang Januar hatte der Waiblinger Lokalhistoriker und Anstifter Ebbe Koegel sich darüber beschwert, dass das Land dem Firmengründer Andreas Stihl eine Kunstmedaille gewidmet hat. "Andreas Stihl war ein überzeugter Nazi, NSDAP-Mitglied seit 1933, seit 1935 SS-Mitglied mit dem Rang eines Hauptsturmführers (seit 1939)", schrieb er an Finanzministerin Edith Sitzmann. Die Waiblinger Kreiszeitung (WKZ) schwieg dazu - bis Kontext den Fall am 25. Januar aufgriff. Nun erschien am 11. Februar ein zweiseitiges Extra mit ausdrücklichem Bezug auf den Kontext-Artikel. Der Redakteur Peter Schwarz zitiert darin aus der 100-seitigen Entnazifizierungsakte. Die beiden Kinder Stihls, der langjährige IHK-Präsident Hans Peter Stihl und seine Schwester Eva Mayr-Stihl wurden befragt. Die Recherche ergibt, wie die WKZ selbst schreibt, ein "außerordentlich schillerndes Bild."

Der Redakteur zitiert mehrere Fremdarbeiter - den Begriff Zwangsarbeiter meidet er - die sich im Verfahren positiv über Stihl geäußert haben. Ein Slowake berichtet, Stihl habe einem Freund geholfen zu fliehen, der sich den Partisanen anschließen wollte. Ein Jugoslawe meinte, der Patriarch habe sich "mit großer Empörung geäußert über die Gemeinheit und den Terror des dritten Reiches", ein Holländer, er habe "gelitten, als er sehen musste, wie schmutzig dieses System war, und konnte doch nicht mehr von demselben weg." Der Betriebsrat sagte dagegen aus, Stihl sei "100 Prozent Nationalsozialist" gewesen, habe "mehrere seiner Lehrlinge zum Eintritt in die SS" bewogen und Regimekritiker als "Eiterbeulen" bezeichnet, denen er "in die Fresse" schlagen wolle. (16.2.2017)


Wüstenjubiläum: Fünf Jahre Parkräumung

Vor genau fünf Jahren, am 14. Februar 2012, räumten rund 2500 Polizeibeamte das Protestcamp der Stuttgart-21-Gegner im Mittleren Schlossgarten. Drei Tage später waren rund 180 teils bis zu 300 Jahre alte Bäume gefällt oder (ein kleiner Teil der jüngeren) verpflanzt, und einer der ehemals schönsten innerstädtischen Parks Deutschlands hatte sich in eine Schlammwüste verwandelt.

Zum fünften Jahrestag der Parkräumung wollen die Parkschützer am heutigen Dienstag daran erinnern, mit einer Versammlung und Kundgebung an der Lusthausruine im Mittleren Schlossgarten um 17 Uhr. Es soll Reden, Musik und Gedichte geben, anschließend einen Demozug durch die Königstraße.

Kontext hat damals mit einer Reportage von der Parkräumung berichtet – und danach immer wieder von der erstaunlich langen Untätigkeit oder auch von Baufortschritt vorgaukelnden Alibi-Arbeiten. (14.2.2017)


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Einsatz im Stuttgarter Schlossgarten: 120 Liter Reizgas dürfen an Bord Baden-Württembergischer Wasserwerfer sein. Foto: privat

Einsatz im Stuttgarter Schlossgarten: 120 Liter Reizgas dürfen an Bord Baden-Württembergischer Wasserwerfer sein. Foto: privat

Ausgabe 178
Politik

Den Joystick drücken und – schweigen

Von Jürgen Bartle und Dieter Reicherter
Datum: 27.08.2014
Der Steuerknüppel einer Wasserwerfer-Kanone heißt tatsächlich "Joystick". Um ihn möglichst effektiv zu bedienen, braucht es ein Händchen "mit viel Gefühl". Und noch eine Eigenschaft müssen Polizisten offenbar mitbringen, die den "Freudenstab" bedienen dürfen: Sie müssen schweigen können. Realsatiren aus dem Wasserwerfer-Prozess am Stuttgarter Landgericht.

Georg Sch., 51, Polizeihauptkommissar bei der Bundespolizei in Sankt Augustin bei Bonn, hat fast sein ganzes Berufsleben lang mit Wasserwerfern zu tun gehabt, hat selber welche kommandiert, hat an ihrer Weiterentwicklung mitgearbeitet, aber auch an den Dienstvorschriften über die zu gewährleistende Verhältnismäßigkeit beim Einsatz. Im Wasserwerfer-Prozess am Landgericht Stuttgart ist Sch. als Gutachter einbestellt und darf zunächst mal über Funktionsweise und Funktionen in der Kabine der bis zu 26 Tonnen schweren Fahrzeuge referieren. Fast anderthalb Stunden, ohne Punkt und Komma, redet Sch. - wie ein Wasserfall. Und spricht vom "Joystick" und davon, dass jüngere Kollegen ein besseres Gefühl im Händchen haben, weil sie schon aufgewachsen sind mit solchen Sachen. Die Spielekonsole als Berufsfindungsmaßnahme gewissermaßen.

Für die Zuhörer im Gerichtssaal, für die am Schwarzen Donnerstag von Wasserstößen verletzten Nebenkläger erst recht, ist das mal wieder schwer verdauliche Kost. Aber immerhin redet da einer und gibt sich dabei redlich Mühe, immer auch darauf hinzuweisen, dass Wasserwerfer gefährliche Geräte sind und ihr Einsatz von Vorschriften streng reglementiert wird. Die sind allerdings von Bundesland zu Bundesland verschieden. In Baden-Württemberg ist mehr erlaubt als andernorts. Zum Beispiel auch das Mitführen von Reizgas. Sechs 20-Liter-Behälter dürfen an Bord sein. Zwei 20-Liter-Kanister "Spülmittel" müssen in dem Fall auch mitgeführt werden, um hinterher die Rohre wieder sauber zu kriegen.

Fragen gerade auch dazu hätte das Gericht, lieber als dem Gutachter, sicher jenen Beamten der Biberacher Wasserwerfer-Staffel gestellt, die am 30.9.2010 den Einsatz im Stuttgarter Schlossgarten fuhren. Doch die wollen die Antworten schuldig bleiben: Acht von ihnen waren für den heutigen Mittwoch als Zeugen einbestellt, sieben hatten schon vor der Sommerpause beantragt, nicht aussagen zu müssen, der achte hat dieser Tage nachgezogen. Allerdings lehnte das Gericht dessen Antrag ab.

Verdacht auf Reizgas-Zusatz

Laut Gutachter Georg Sch. ist Reizgas in Deutschland zwar "seit 30 Jahren nicht mehr" eingesetzt worden, dennoch waren die Wasserwerfer am Schwarzen Donnerstag damit ausgerüstet: Und der Biberacher Staffelführer sah auch die Lage als gegeben und beantragte bei der Einsatzleitung den Reizgas-Zusatz. Die beiden angeklagten Einsatzabschnittsleiter Andreas F. und Jürgen von M-B. haben vor Gericht bereits ausgesagt, sie hätten die Genehmigung ausdrücklich nicht erteilt. Dies entspricht auch der offiziellen Darstellung, die Chemikalie sei zwar mitgeführt worden, die Verpackungen seien aber hinterher unversehrt gewesen. Dennoch gibt es Zweifel. Zeugenaussagen und Videos, die im Prozess gezeigt wurden, nähren diese.

Kollektive Hustenanfälle, gereizte Augen, geschwollene Gesichter. Dennoch wurde nie ermittelt, ob dem Wasser aus den Wasserwerfern Reizgas beigemischt war. Foto: Martin Storz
Kollektive Hustenanfälle, gereizte Augen, geschwollene Gesichter. Dennoch wurde nie ermittelt, ob dem Wasser aus den Wasserwerfern Reizgas beigemischt war. Foto: Martin Storz

Wie nahezu alle Verletzten, die bislang ausführlich als Zeugen vernommen wurden, berichtet beispielsweise Alexander S. von kollektiven Hustenanfällen nach dem Einsatz von Wasserregen. Außerdem sei ihm übel geworden. Dass viele Menschen, die anfangs ja nur mit Wasser "benetzt" wurden, heftig husten mussten, ist auf Polizei-Videos im Gerichtssaal immer wieder zu sehen. Außerdem sind bei Kontext:Wochenzeitung in den vergangenen Wochen neue Hinweise und Aussagen von Betroffenen eingegangen, die vielleicht noch eine Rolle spielen werden. Beispielhaft (auch in manch anderer Hinsicht) ein Auszug aus dem Schreiben von Petra H., die wie ihr Mann Christoph auch zu den bislang behördlich nicht erfassten Personen gehört, die am Kopf getroffenen wurden: 

"Als die Durchsage der Polizeilautsprecher uns aufforderte, die Straße freizumachen, kam ich dieser Aufforderung nach und stellte mich in einiger Entfernung auf die Wiese. Als ich nach meinem Mann schaute, traf mich ein wahnsinnig starker Strahl Wasser mitten ins Gesicht, so dass ich zurück taumelte. Ich war so erschrocken und wusste erst nicht, was mir da geschehen war; ich stand doch in der Wiese und war der Aufforderung nachgekommen! Meine Brille war weg. Ich fand sie dann völlig verbogen in der Wiese. Ich musste husten und stellte dann fest, dass die Menschen neben und hinter mir genauso husten mussten. Da wurde mir klar, dass sich im Wasser Reizgas befunden hatte. Daher auch das Brennen meiner Augen. Ich bekam Angst und ging bis zum Biergarten zurück. Die Aufforderungen der Polizei, die Straße zu verlassen, gingen weiter, worauf mich jedoch der Strahl des Wassers immer noch am Rücken und am Hinterkopf traf. Der Wasserstrahl wurde also weiterhin gezielt auch auf die Menschen gerichtet, die die Straße verlassen hatten." 

Notarzt erhebt schwere Vorwürfe

Auch Dr. med Markus D. hat sich bei Kontext gemeldet. Der Arbeitsmediziner ist für den Rettungsdienst ausgebildet und war einige Jahre als Notarzt tätig. Als er am 30.9.2010 gegen 14 Uhr im Internet den Aufruf las, dass im Schlossgarten dringend medizinische Hilfe benötigt werde, machte er sich mit seiner Notfallausrüstung auf den Weg. Ab etwa 14.30 Uhr behandelte er zunächst auf der Wiese "hinter der Linie" Verletzte, bis er selbst - an seiner Notarztjacke deutlich als Helfer erkennbar - unter Beschuss des Wasserwerfers geriet und seine Hilfeleistung in das Behelfslazarett beim Biergarten verlegte.

In seiner ausführlichen Schilderung, die Kontext vorliegt, erhebt Markus D. schwere Vorwürfe, weil keine notfallmedizinische Versorgung organisiert gewesen sei, und äußert die Vermutung, bei schneller und professioneller Hilfe hätten Verletzungsfolgen geringer ausfallen können, insbesondere bei schweren Augenverletzungen. D. ist überzeugt, dem Wasser der Wasserwerfer sei CS-Gas beigemischt worden. Auch hierzu verfüge er über frühere Erfahrungen. Als er selbst getroffen wurde, roch er Tränengas, verspürte ein brennendes Gefühl im Mund- und Rachenbereich und hatte tränende Augen.

Bei der Behandlung Verletzter konnte er zwei Gruppen deutlich unterscheiden: Opfer von Pfefferspray mit starker Reizwirkung im Bereich der Augen, die ohne Betäubung der Hornhaut kaum zu öffnen waren, dazu starke Rötungen im Bereich der getroffenen Hautpartien um Augen, Lider und Wangen. Hingegen seien bei CS-Gas-Beimischungen viele Verletzte gleichzeitig zur Behandlung gekommen mit Augenreizungen und Reizungen der Atemwege, jedoch ohne Hautrötungen im Augenbereich. 

Der erste Untersuchungsausschuss fragte nicht nach

Dem Vorwurf, dass zumindest zeitweise Reizgas dem Wasser beigemischt gewesen sein könnte, wurde nie gründlich nachgegangen, obwohl er schon früh erhoben wurde. Zum Beispiel von Volker Lösch im ersten Untersuchungsausschuss des Landtags. Der Regisseur, der als einer der wenigen Augenzeugen des Schwarzen Donnerstags im Ausschuss zu Wort kam, hatte ausführlich von ähnlichen Beobachtungen wie weiter oben beschrieben berichtet. Dies gab aber keinerlei Veranlassung zu Nachfragen. Mitglieder der Ausschussmehrheit hatten stattdessen mit Volker Lösch wichtigere Fragen zu klären. Zum Beispiel entspann sich mit der CDU-Abgeordneten Nicole Razavi folgender Dialog, nachdem Lösch berichtet hatte, seine 14-jährige Tochter habe an der Schülerdemo teilgenommen: 

Razavi: Da frage ich mich: Was tut Ihre 14-jährige Tochter tagsüber im Park? Ist man mit 14 eigentlich nicht schulpflichtig?

Lösch: Das wissen Sie doch, was sie da getan hat. Es ist - -

Razavi: Ich stelle die Frage nur in den Raum. Ein 14-jähriges Mädchen und schulpflichtig ist - -

Lösch: Wahrscheinlich wären Sie als 14-Jährige nur hingegangen, wenn Ihnen das jemand gesagt hätte. Meine Tochter ist - -

Razavi: Nein, ich wäre als 14-Jährige gar nicht hingegangen, weil ich war damals, genauso wie Ihre Tochter, schulpflichtig. Deswegen wäre ich in der Schule gewesen. Andernfalls hätten mir meine Eltern etwas erzählt.

Lösch: Das haben Sie ja schon so dargelegt, dass Sie autoritär aufgewachsen sind.

Razavi: Aber ich habe Sie etwas gefragt - - Ich bin nicht autoritär aufgewachsen, sondern ich bin als guter Staatsbürger erzogen worden. Lassen wir mal die Fragestellung."

Kein Wunder, dass auch folgender Vorhalt des heutigen Kultusministers Andreas Stoch (SPD) während der Zeugenvernehmung des Polizeipräsidenten Stumpf ohne Konsequenzen in der Aufklärung blieb: "Es gibt einen Punkt, an dem wurde Reizgas eingesetzt, und an dem wurde Wasserwerfer unmittelbar gegen Personen eingesetzt. Es gibt Zitate aus dem Funk. Beispiel: "Die schießen wir aus dem Baum." Das sind für mich Punkte, wo ich für mich nach meiner rechtlichen Wertung nicht mehr die Deckung durch das, was Sie als Rechtsgrundlage im Polizeigesetz genannt haben, sehe."

Dazu die aufschlussreiche Antwort des Zeugen Stumpf: "Dann die Frage Zitat aus dem Funk. Da wird noch darzulegen sein, ob diese Funkaussage aus der Position derer, die diesen Funkspruch gemacht haben, überhaupt zu sehen war. Möglicherweise muss man derer, ist man hier ohnehin im Ermittlungsverfahren - ich hab's vorhin erwähnt - gegen die Wasserwerfer, und jetzt wird dann die Frage sein: Was ergibt das Ermittlungsverfahren? War es so oder war es nicht so, was aus der Position derer gekommen ist, die jetzt hier die Funkdurchsage gemacht haben?"

Asthmakranke und Kontaktlinsenträger in großer Gefahr

Die Gesundheitsgefahren als Folge unterbliebener Notfallversorgung, auf die Dr. Markus D. hinweist, werden - soweit es sich um den Einsatz von Pfefferspray handelt - durch die uns vorliegenden polizeilichen Handhabungshinweise bestätigt. Auf einige wurde bereits in unserem Bericht "Fürsorglich geblendet" eingegangen. Am gefährlichsten sind Treffer mit Pfefferspray jedoch für Kontaktlinsenträger. Bei denen besteht die Gefahr, dass sie ihre Kontaktlinsen nicht mehr entfernen können. Dann kann es zu einer irreversiblen Schädigung des Auges kommen. Deshalb ist sofortiges Handeln erforderlich. 

Auch in zahlreichen anderen Fällen der Anwendung von Pfefferspray ist nach der polizeilichen Vorschrift ein Rettungsdienst oder Notarzt erforderlich, zum Beispiel bei starker Atemnot sowie bei Asthmatikern und Allergikern, Kindern, Schwangeren, Alten, Betrunkenen, unter Rauschgifteinwirkung Stehenden. Laut einer Internetveröffentlichung der "Lungenärzte im Netz" sind bis zu 30 Prozent der Bevölkerung asthmakrank. Das hieße, dass im Schlossgarten möglicherweise cirka 1000 Asthmatiker der Gefahr ausgesetzt waren, Pfefferspray - das auch in der Luft war - abzubekommen, und zwingend hätten medizinisch betreut werden müssen.

Chilisauce und Volksmusik

Der Volksmusikstar Stefan Mross lieferte erst kürzlich mit seinem spektakulären Zusammenbruch in seiner TV-Show ein Beispiel für die Gefahr eines Allergieschocks, nachdem er mehrere Chilisaucen getestet hatte. Dazu berichtete der SWR unter dem Titel "Brandanschlag auf den Gaumen", das in Chili enthaltene Capsaicin sei dafür verantwortlich, dass der Körper wie auf eine schwere Verbrennung reagiere. Die Schärfe werde in der Einheit Scoville gemessen. Peperoni wiesen 500, Tabasco 8500 und Polizei-Pfefferspray 5 000 000 Scoville auf. Als Folgen seien Kreislaufschocks, akuter Bluthochdruck und selbst Herzinfarkte beobachtet worden. Gut für ihn, dass Stefan Mross kein Konzert im Schlossgarten gab.


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Kommentare

Ks, 08.09.2014 15:54
Das der Einsatz völlig überzogen war, darüber sidn wir uns einig.

Man muß aber auch mal "die Kirschen im Dorf lassen". Das gilt auch gerade für den Koautpr als ehemaligen Richter: Die beteiligten Wasserwerferbesatzungen haben grundsätzlich ein Auskunftsverweigerungsrecht, wenn sie sich selbst belasten könnten. Wenn dieses besteht und sie davon Gebraucht machen, ist dies ihr elementares Recht, ob sie mir nun sympatisch sind oder nicht.

Stuttgarterin, 03.09.2014 09:15
Wer behauptet, dass dem Wasser kein CS-Gas beigemischt war, lügt vorsätzlich und wie gedruckt.
Ich kann nur hoffen, dass diese Leute, wenn schon nicht die Rechtssprechung, zumindest ihr Gewissen, sofern sie eines haben, heimsuchen wird.
Irgendwann fällt alles auf einen selbst zurück. Abwarten.

Seppl, 02.09.2014 11:05
trollig Peter Illert trollig
Sie als "Experte" wissen es natürlich besser als 500 andere. Und die Reizungen/Verletzungen durch das Wasser mit dem "merkwürdigen Geruch" (komisch das dies noch niemand erwähnt hat) waren natürlich alle nur gespielt bzw. verursacht durch höchstwahrscheinlich (unbeabsichtigte) Rückstände im Tank - schon klar!
trollig Peter Illert trollig

Peter Illert, 02.09.2014 10:05
Im Vergleich mit Wasserwerfereinsätzen an der Frankfurter Startbahn West (CN-Gas-Beimischung) und Wackersdorf (CS-Gas-Beimischung) hatte ich am 30.9.2010 den Eindruck, dass dem Wasser kein Reizstoff beigemischt war.
Allerdings hatte das Wasser einen merkwürdigen Geruch, den ich mir nicht erklären konnte. So, als ob irgendwelche Beimischungen oder auch Rückstände om Tank gewesen wären.

Mich wundert eigentlich bis heute, warum kein CS- oder CN-Gas beigemischt wurde. Das Zug hat allerdings ein Verfallsdatum. Das Tränengas wurde meist bei sogenanntem Sprühregen benutzt, um eine Menschenmenge zu vertreiben. Bei gezieltem Einsatz gegen Personen oder Gruppen , wie im Schlossgarten geschehen, kommt es eher durch die Stärke des Wasserstrahls zur "Wirkung" - die schlimmen Folgen haben wir erlebt.

historischen repeating, 01.09.2014 23:42
Heute kam im TV die Ausarbeitung des Falles "Metzger".
Warum ich das hier erwähne?
Damals verstoße ein Beamter gegen das Folterverbot und drohte einem Mörder Gewalt an.
Der Polizist wurde verurteilt, obwohl Aussage gegen Aussage stand und es um ein zu rettende Kinderleben ging.
Hier geht es um friedliche Demonstranten, einen hirnrissigen Bahnhofsumbau und die Fakten sind eindeutig - alle Beteiligten Staatsdiener haben weit über das Erlaubte und Notwendige gehandelt und die Unversehrtheit von hunderten von Menschen gefährdet und real verletzt.
Wie es aussehen wird in unserem - inzwischen unRechtsstaat kann man sich denken...
Eine Schande!

Bei NahderHeimat stellt sich die Frage:, 01.09.2014 12:56
Ist NahderHeimat auch NachderGewaltbefürwortung? Wie könnte man das überprüfen? Tscha.

NahderHeimat, 31.08.2014 20:00
@Hilde Glave

Sie stellen eine Behauptung auf, die bisher weder nachgewiesen oder noch bewiesen wurde ...

So stellt sich einem die Frage:

Sind Sie objektiv in Ihrer Behauptung, oder wollen Sie einfach nur provozieren?

Der Wahrheitsgehalt Ihrer "Behauptung" bedürfte einer dringlichen Überprüfung!

Sonst bliebe einem nur der Schluss:

Sagt Frau Glave die Wahrheit???

Hilde Glave, 31.08.2014 16:48
2 Tage lang hatte ich Augenreizungen und gerötete Augen.
Nur durch ständiges Auswaschen mit klarem Wasser wurde es dann besser. Wer von der Polizei behauptet, daß kein Reizgas in den Wasserwerfertanks war, lügt oder leidet an kollektiver Amnesie.
Ich vermute eher kollektive Schweigepflicht.
Für alle, die an diesem "schwarzen Donnerstag" durch den Polizei-
einsatz verletzt wurden, ist dieser Prozess eine weitere Demütigung.

hajomueller, 31.08.2014 15:33
In Rheinland-Pfalz wird derzeit über die Kennzeichnungspflicht von Polizeibeamten diskutiert. Im SWR wird darüber berichtet. All die, die sich über diese Kennzeichnungspflicht erregen, u. a. die Polizeigewerkschaft und die CDU, sollten diese Berichte in Kontext über den Schwarzen Donnerstag lesen. Für mich haben Polizei, Justiz und Parteien keinen Vertrauensvorschuss mehr. Diese Koalition scheint nur eine Aufgabe zu haben, die derzeitigen Machtverhältnisse unter allen Umständen zu zementieren. Sollten die Menschen eines Tages auch noch gegen unsere "amerikanischen Freunde" auf die Straße gehen, werden die Daumenschrauben weiter angezogen und der Wasserdruck noch weiter erhöht.

By-the-way, 29.08.2014 00:05
... sogar in "schwarzen Quellen" zu finden:

hier:
http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.prozess-um-schwarzen-donnerstag-wasserwerfer-muss-wirkung-erzielen.49b0da4b-c065-4505-8cef-853ea31b89ed.html

"Von der obersten Einsatzleitung um Stuttgarts Polizeichef Siegfried Stumpf habe man keine Anweisung bekommen, nur Wasserregen einzusetzen, versicherte ein Angeklagter. Er hatte aus dem Schlossgarten heraus mit der Einsatzleitung im Polizeipräsidium kommuniziert. Der Einsatz sei „ohne Einschränkungen“ freigegeben worden."

und hier:

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.stuttgart-21-wasserwerfer-prozess-frage-nach-mitschuld-bleibt-offen.4af10b09-6aff-493e-8f9b-8a4d988c67ea.html

"„Die generelle Freigabe für einen Wasserwerfereinsatz gibt der Einsatzführer und zwar ohne Einschränkung“, sagte der Gutachter am Montag beim sogenannten Wasserwerferprozess am Landgericht."

Wir stellen fest fest:
EINSATZ OHNE EINSCHRÄNKUNGEN freigegeben !

Und dann das:

http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Politik/d/5301122/als-es-beinahe-einen-toten-gab.html

"Der Zeuge berichtete auch, dass in den Wasserwerfern Reizstoff für den Notfall mitgenommen, aber nicht eingesetzt worden sei. Dass S-21-Gegner das Gegenteil behauptet hätten, liege daran, dass der Wassernebel und das neben Schlagstöcken ebenfalls eingesetzte Pfefferspray sich vermischt hätten. "Aber mit uns, den Wasserwerfern, hat das nichts zu tun", versicherte er."

Wirklich sehr glaubwürdig !!! (Sarkasmus aus...)
Welcher "Notfall" bitte?!!

Selbstverständlich kann man voraussetzen, dass nach "uneingeschränkter Freigabe" alles eingesetzt wurde, was an Bord war.
Die Polizeiführung kann Gegenteiliges NIEMALS beweisen, da hier keine unabhängige und neutrale Kontrolle stattgefunden hat und deshalb beliebiger Spielraum für Manipulationen bestand.

Bei diesen skrupel- und gewissenlosen Bordbesatzungen der Wasserwerfer dürften hier keine Hemmschwellen vorhanden gewesen sein, nachdem sie ihren "Allmachts-Befehl" erhalten hatten...

Die Polizei (am 30.09.2010 besser bezeichnet als "Miliz") hat in Stuttgart jegliches Vertrauen als Beschützer eines sogenannten "demokratischen" Staates zerstört und ist alles andere, als glaubwürdig!

Übrigens:
der Einsatz von CS-("Tränen"-)gas ist nach Genfer Konvention verboten!
Das gilt leider nur für Kriege zwischen Staaten, nicht jedoch für Krieg gegen friedliche Bürger...

Noch eine Bitte:
welcher engagierte Jurist zeigt diesen Zeugen der Polizei, der oben genannte Aussage am 27.08.2014 vor Gericht gemacht hat, wegen uneidlicher Falschaussage an?
Damit´s nicht nur bei einem lächerlichen Strafbefehl bleibt....

PeterPan, 28.08.2014 15:57
@tillup
Demonstrationen (Versammlungen) müssen nur angemeldet, nicht aber genehmigt werden! - Die Teilnahme an Versammlungen ist "allen Deutschen" gestattet (siehe GG Artikel 8), von einer Altersgrenze weiß das Grundgesetzt hier nichts.
---
Dass Fr. Razavi zu einer guten Staatsbürgerin erzogen wurde bezweifle ich nicht. Und "gute Staatsbürger" sind gesetzestreu und folgsam. Vor allem letzteres. Und dann gibt es gar keinen Protest. Der gute Staatsbürger protestiert nicht, sondern geht arbeiten, zahlt Steuern, geht sein Kreuzle machen und hält sich ansonsten raus. Fürs Meckern ist der Stammtisch da. Es ist alles erlaubt was wirklungslos bleibt.
---
"Der Wasserstrahl wurde also weiterhin gezielt auch auf die Menschen gerichtet, die die Straße verlassen hatten." - Diesen Satz unterschreibe ich hiermit und bin auch gern bereit das zu bezeugen. Auch ich wurde gezielt von hinten beschossen, nachdem ich längst abseits in der Wiese stand. Auch kann ich das Auftreten von Hustenreiz im Zusammenhang mit dem Wasserstrahl bestätigen. Pfefferspray war dort auf der Wiese wo ich gezielt beschossen wurde nicht versprüht worden, dort waren gar keine Beamten! - Dem Wasser war ein Reizstoff beigemischt, egal was es war und in welcher Dosierung! - Punkt.

Rolf Steiner, 28.08.2014 15:11
Für manchen Beobachter stellt sich die oberste Führungsriege der Polizei, der Politik und der Justiz als eine Herde von Feiglingen dar. Genau eine solche Haltung wird in Stuttgart verteidigt, die nach unten prügelm lässt, nach oben kuscht und keinerlei Gewissen zeigt. Ich glaube schon lange nicht mehr an eine Verurteilung dieser Straftäter.

tillupp, 28.08.2014 13:26
@Ravazzi
Wenn eine Schülerdemo trotz Schulpflicht am Vormittag genehmigt wird, werden Schüler wohl auch daran teilnehmen dürfen. Aber nach Ansicht von Frau Ravazzi haben Jugendliche weder Demonstrationsrecht noch Recht auf freie Meinungsäußerung. Schreibt bitte zukünftig "sogenannte CDU" bzw. "CD"U denn sie ist mehrheitlich weder christlich noch demokratisch. ... obwohl wenn ich genau überlege, eine Union ist sie auch nicht wirklich.

tillupp, 28.08.2014 13:19
Wer die Aussage verweigert um sich nicht selbst zu belasten gehört zumindest wegen unterlassener Hilfeleistung verurteilt (Im Zweifel für den Angeklagten, obwohl wahrscheinlich sogar ein Täter).

Doris.L, 28.08.2014 09:22
Ich erinnere mich, daß die nassen Kleidungsstücke von den Leuten bei der Mahnwache im Park von einer Wäscherei zum waschen und trocknen abgeholt wurden, aber NIE zurück kamen.
So eine Aussage damals von den Leuten in der Mahnwache im Park.
Sie haben versucht die Kleidungsstücke im oder am Zelt zu trocknen und dann kam plötzlich diese Hilfe ???

Nina Picasso, 27.08.2014 23:43
Was für eine überwiegend kalte Polizeiführung, die sowas befehligt hat oder es zumindest mit zugelassen hat.
Eine Polizei, die sich normalerweise den "Schutz der Menschen auf die Fahnen geschrieben" hat, wird zum Täter nur weil sie Demonstranten vor sich hat - staatlich lügetimiert.

Immer wieder tauchen weitere unfassliche Tatsachen raus-wobei ich froh bin,dass sie wenigstens erzählt werden.

Man erfährt, dass dort beinahe ein Demonstrant durch `nen WAWE überfahren worden wäre, hätte das nicht ein Polizist rechtzeitig bemerkt.
http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.wasserwerfer-prozess-stuttgart-21-gegner-fast-ueberrollt.d3c12397-b8aa-44e4-a406-980178b5b9a0.html

Jeder depperte Karnevalsumzugswagen muss von mehreren Ordnern eng begleitet werden, damit eben keiner unter die Räder kommt - das wird im VORFELD so festgelegt. Wenn keine Ordner da sind, darf der Wagen nicht starten.

Hier galt das nicht bei den tonnenschweren Wawe`s, insbesondere bei unübersichtlichen Lagen? Gibt es hier keine Dienstvorschrift diesbezüglich?

Traurig, dass nach wie vor viele durch Video bewiesene Tatsachen weiter durch die Polizei bestritten werden oder die "Erinnerungslücken" halten her, wie eben hier der gute Bericht in Kontext bezüglich Reizgas etc. aufzeigen.
Unabhängige Staatsanwälte wären hier deutlich schärfer vorgegangen - so wie es sich gehört angesichts der mind. 400 Verletzten.

Nur noch ohne Worte:-(

Kontext:Redaktion, 27.08.2014 18:03
@Ulrich Frank: Zur Frage der Rettungsdienste bitte hier nachlesen:
http://www.kontextwochenzeitung.de/politik/177/wenn-die-taeter-ermitteln-2394.html

Ulrich Frank, 27.08.2014 17:50
Ein Gesamtbild des in vieler Hinsicht katastrophalen Polizei-Einsatzes am Schwarzen Donnerstag gibt sich leider immer noch nicht, und dies nicht zuletzt aufgrund einer, wie auch im NSU-Prozess hinsichtlich der zu erwartenden Aufklärung mauernden deutschen Gerichtsbarkeit.

Schön kann man sich insofern wieder justiziell verschanzen als es "nicht Aufgabe des Gerichtes ist die Vorgänge insgesamt aufzuklären". Die Zustände könnten zu deutlich ans Tageslicht treten. - Die vorgesehene Rolle des doch recht umfangreichen damaligen Lazaretts beim Cafe am See Nill ist m.E. bzw. meiner Kenntnis nach auch nicht ansatzweise aufgeklärt. Rechnete man, auf Grund des angeblich personell unterdimensionierten Polizeieinsatzes, bereits zynisch mit größeren Kollateralschäden durch kompensatorisch höheren Gewalt(mittel)einsatz?

Das Herumgeeiere des Herrn Stumpf ist kein Ruhmesblatt der Polizei, genausowenig wie auch die grundsätzliche Einstellung der durch Anonymität geschützten Polizeibeamten - ein Grinsen aus dem Wasserwerferstand wie auch der enthemmte Schlagstock- (und Pfefferspray-)Einsatz gegen Bürger werden mir immer lebhaft im Gedächtnis bleiben - obwohl ich mir über die mindere Qualität dieses Staates welcher immer noch Relikte des Dritten Reiches und früherer unseliger Gepflogenheiten in sich trägt (u.a. eine erhebliche Obrigkeitshörigkeit der Staatsangestellten) keine Illusionen gemacht habe. Beamte, die es leider in zu großer Zahl auch mit der Wahrheit alles andere als genau nehmen. Man fragt sich auch ob palliative Indoktrinationsmaßnahmen hinsichtlich Gewalteinsätze gegen Bürger in Polizeikasernen stattfinden oder nativ eine derartige Einstellung vorherrscht bzw. sich, zur Verwilderung führend, verbreitet. Man fragt sich gelegentlich überhaupt weshalb derartige Mengen an Sonder-bereitschaftspolizei vorgehalten werden wo doch ansonsten nur zu gerne "Personalmangel" behauptet oder vorgeschützt wird. Die Wahrheit bleibt vor der Macht auf der Strecke, und von Seiten der Polizei kommen politische Antworten.

Nicht daß anderswo derartige skandalöse enthemmte Ausraster von Polizeikräften nicht vorkämen - http://www.taz.de/Nach-der-Polizeigewalt-in-Schweden/!144921/ - allein, es zahlt das Hier und die Frage welche drahtziehende Methode zunehmend dahintersteckt.

Da wird das Selektionsverfahren für Polizeibeamte bei welchem ein Aspirant allein deswegen disqualifiziert wird weil er für die Prüfung ein Beruhigungsmittel genommen hatte auch nur zur Farce oder zur Karikatur der hiesigen Zustände.

Hermann Jack, 27.08.2014 17:10
Heutige Aussagen im Wasserwerferprozeß bestätigen meine Einschätzung. Interessant auch die dortigen Leserbriefe. Die üblichen Pöbeleten der S 21- Fraktion einfach überlesen.

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.wasserwerfer-prozess-stuttgart-21-gegner-fast-ueberrollt.d3c12397-b8aa-44e4-a406-980178b5b9a0.html

Hermann Jack, 27.08.2014 13:08
Ich bleibe bei meiner frühzeitigen Einschätzung: Reines Glück, daß es nicht mehrere Tote unter den Bürgern gab, die im Schlossgarten zu Stuttgart ihre unabdingbaren Grundrechte wahrnehmen wollten. Wer so plant und handelt, wie es Mappus, Rau, Gönner, Rech, Hauk, Strobl, Goll und Rülke sowie eine verantwortungslose Polizeiführung nebst willfährigen Vollstreckern in Uniform getan haben, nimmt der nicht auch Todesopfer billigend in Kauf!

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