KONTEXT Extra:
Satte 1,5 Prozent mehr für das schreibende Personal

Die JournalistInnen sitzen wieder an ihren Schreibtischen. Am Mittwoch (29. Juni) haben sich die Zeitungsverleger und die Gewerkschaften auf einen Abschluss geeinigt, der eine Gehalts- und Honorarerhöhung von 1, 5 Prozent rückwirkend zum 1. Juni vorsieht. Den nächsten Aufschlag um 1,6 Prozent soll es zum 1. August 2017 geben. Damit habe man einen „vertretbaren Abschluss“ erreicht, meinte der stellvertretende Verdi-Vorsitzende Frank Werneke. Dieses Ergebnis habe man nur dank der Streiks der KollegInnen in den vergangenen Tagen erreichen können, wodurch der Druck auf die Verleger erhöht worden sei. In der Öffentlichkeit war der Ausstand weitgehend unbemerkt geblieben, nachdem sich auch die Zeitungen große Zurückhaltung bei der Berichterstattung auferlegt haben. (30.6.2016)  


Bürgerfoyer "Zeitungen unter Druck" heute Abend abgesagt

Da kam der Journalisten-Streik dazwischen: Die Stuttgarter Volkshochschule hat das für heute geplante Podium mit Michael Maurer (Stuttgarter Zeitung), Susanne Stiefel (Kontext) und David Rau (Stuggi.TV) abgesagt. Viele KollegInnen - auch der Stuttgarter Blätter - streiken derzeit für mehr Lohn. Der Vize-Chefredakteur der Stuttgarter Zeitung kann daher heute Abend nicht diskutieren, sondern muss produzieren. Und auch die Gewerkschaftsvertretet haben abgesagt. Schweren Herzens hat sich die Stuttgarter vhs dazu entschlossen, das für heute geplante Bürgerfoyer abzusagen - aber nicht zu vergessen. "Die  Medienlandschaft Stuttgart ist uns wichtig", betont Ulrike Rinnert, Stabstelle Beteiligung, "wir wollen das Thema im Herbst wieder im Bürgerfoyer aufgreifen." (29.6. 2016)


Büttel der Bahn - nein danke

Vor dem S-21-Lenkungskreis am Donnerstag (30.6.) wird Verkehrsminister Winfried Hermann und Oberbürgermeister Fritz Kuhn (beide Grüne) heftig ins Gewissen geredet. Der Theologe Martin Poguntke vom Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 erklärt, die Projektgegner hätten es aufgegeben zu hoffen, dass "wir politische Helden an die Macht gebracht haben". Aber verlangt werden könne, dass sie ihr Amt "nicht so ganz der Würdelosigkeit preisgeben". Konkret bedeute das:

Fordern Sie von der Bahn die restlose Offenlegung aller Zahlen und deren Überprüfung durch eine wirklich unabhängige Stelle. Sie haben nicht das Recht, sich auf die Bahn einfach zu verlassen - denn Sie sind uns, dem Souverän, gegenüber verantwortlich.

Fordern Sie, dass die Bahn dem Vieregg&Rössler-Gutachten von mindestens 9,8 Milliarden nicht nur blumig widerspricht, sondern es Punkt für Punkt mit konkreten Zahlen widerlegt. Es geht hier nämlich nicht nur um eine Kostensteigerung von wenigen hundert Millionen, sondern seit 2009 sind die von der Bahn scheibchenweise eingestandenen Kosten um 3,4 Milliarden von 3,1 auf 6,5 Milliarden gestiegen - das sind über 100 Prozent in sieben Jahren.

Fordern Sie - wenn schon keinen Projekt-Abbruch - wenigstens ein Moratorium, bis alle strittigen Fragen geklärt sind. Denn in weniger als der Hälfte der geplanten Bauzeit hat die Bahn 99 Prozent des Risikopuffers von 1,5 Milliarden verbraucht. Es kann nicht sein, dass die Bahn jetzt immer weiter baut, immer mehr Verpflichtungen eingeht, ein immer höheres Erpressungspotenzial an schon ausgegebenem Geld aufhäuft - bevor geklärt ist, wie sie das bezahlen will.

Fordern Sie eine ergebnisoffene Gegenüberstellung der Chancen und Risiken von S21 mit den Chancen und Risiken eines Umstiegs auf den modernisierten Kopfbahnhof und verstecken Sie sich nicht hinter dem angeblichen Ergebnis der Volksabstimmung. Kein halbwegs verantwortlicher Politiker kann ignorieren, dass ein Umstieg auf eine Modernisierung des Kopfbahnhofs nur ca. 2 Milliarden kosten würde und dass nur 1,5 Milliarden des bereits verbauten Geldes wirklich verloren, also viele Milliarden gespart wären - dafür, dass wir einen besseren Bahnhof bekommen, als es S21 je hätte sein können.

Und schließlich bei all Ihren Forderungen: Nennen Sie Konsequenzen, für den Fall, dass Ihre Forderungen nicht erfüllt werden. Was tun Sie, wenn die Bahn nicht auf Ihre Forderungen eingeht? Denn Forderungen ohne Ankündigung von Konsequenzen sind leeres Gerede fürs Publikum.

Zeigen Sie einmal, dass Sie nicht die Büttel der Bahn sind! Zeigen Sie einmal ein klein wenig politische Größe! Zeigen Sie einmal, dass der Lenkungskreis wirklich lenkt!


Ein Zeichen für Europa

Über Stuttgart wehen EU-Flaggen! Mit der Verkündung des amtlichen Endergebnisses der Volksabstimmung in Großbritainnien über den Austritt aus der EU werden auf der Villa Reitzenstein und dem Neuem Schloss in Stuttgart europäische Flaagen gehisst. Die grün-schwarze Koalition möchte damit ein Zeichen für Europa setzen. "Wir wollen unsere proeuropäische Haltung deutlich zeigen", so Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Die gehöre in Baden-Württemberg "zur Staatsräson". Als "überzeugten Europäer" treffe ihn die Entscheidung der Briten "ganz persönlich ins Mark". Europa sei in den Grundfesten erschüttert.


AfD-Fraktion schließt Gedeon vorerst nicht aus

Die Zerreißprobe in der "Alternative für Deutschland" (AfD) ist aufgeschoben. Ihr Bundesvorsitzender Jörg Meuthen, zugleich Chef der baden-württembergischen Landtagsfraktion, hatte am Dienstag jedenfalls keine erforderliche Zweidrittelmehrheit für den Ausschluss von Wolfgang Gedeon. Über die Äußerungen Gedeons, Anhänger der antisemitischen "Protokolle der Weisen von Zion", wird jetzt statt dessen ein Gutachten bei drei Fachleuten in Auftrag gegeben – von Religionswissenschaftlern ist die Rede, ein Experte soll jüdischen Glaubens sein –, um die von Meuten selbst erhobenen Antisemitismus-Vorwürfe gegen den Singener Mediziner zu überprüfen. Der lässt vorerst seine Mitgliedschaft in der Fraktion ruhen und wird im Plenarsaal auch einen neuen Platz erhalten.

Fraktionsgeschäftsführer Bernd Grimmer erklärte nach den dreistündigen Beratungen, die für einen Ausschluss notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit sei nicht klar gewesen und etwa ein Drittel der Abgeordneten nicht bereit gewesen, Meuthen zu folgen. Sie schätzten den Stellenwert von Meinungsfreiheit höher ein als den einer "politisch korrekten Ausdrucksweise". Sollte die Fraktion nach der Sommerpause und der Bewertung des Gutachtens abermals nicht bereit sein, dem von Meuthen seit Tagen vehement verlangten Antrag auf Ausschluss Gedeons zuzustimmen, bleibt der dabei, seinerseits die Fraktion verlassen zu wollen. Außerdem gibt es Gerüchte, dass eine Handvoll Abgeordneter Gedeon – im Falle seines Ausschlusses – nicht allein gehen lassen, sondern mit ihm aus der Fraktion ausscheiden wolle.

Nicht nur im Internet tobt seit Tagen eine heftige Auseinandersetzung über den künftigen Kurs der Partei, die sich zur Retterin Deutschlands ernannt hat. Meuthens Co-Vorsitzende auf Bundesebene Frauke Petry hat sich öffentlich gegen ihn gestellt, ist damit aber im Bundesvorstand isoliert. Zahlreiche Mitglieder des rechten Flügels verlangen von dem Kehler Wirtschaftsprofessor, von sich aus die AfD zu verlassen. "Die Bewegung muss sich von Volksverrätern wie Meuthen trennen", postet ein Thorsten Baeuml. Und weiter: "Linksversiffte Gutmenschen braucht die Bewegung nicht! Ein Krebsgeschwür wird auch entfernt, so lange es noch geht und Meuthen hat sich zur Selbstoperation verdonnert. Gut so!" Den Ausdruck "linksversifft" hatte Meuthen selbst vor Wochen benutzt, ihn allerdings auf die ganze Bundesrepublik bezogen.


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Karikatur: Kostas Koufogiorgos

Karikatur: Kostas Koufogiorgos

Ausgabe 173
Politik

"Aufpassen auf die Laterne!"

Von Jürgen Bartle und Dieter Reicherter
Datum: 23.07.2014
Im Wasserwerferverfahren vor dem Stuttgarter Landgericht ist am Dienstag bereits der zweite Schöffe wegen Befangenheit aus dem Verkehr gezogen worden. Der ehemalige Berufsschullehrer Reinhold B. soll die Verletzten des Schwarzen Donnerstags verhöhnt haben. Die beiden nunmehr amtierenden Ersatzschöffen müssen nun durchhalten, andernfalls ist der bis Weihnachten terminierte Prozess geplatzt.

Vergangenen Freitag (18. 7.), gegen 16.20 Uhr, in der Tiefgarage der Landesbibliothek: Frank-Ulrich Mann steht am Kassenautomaten, um sein dort geparktes Auto auszulösen. Der Rechtsanwalt aus Freiburg, der im Wasserwerferprozess den Nebenkläger Dietrich Wagner vertritt, kommt geradewegs aus dem Gerichtssaal, in dem an diesem Tag sein Mandant als Zeuge ausgesagt hat. Ruhig und sachlich hat Wagner, der am Schwarzen Donnerstag vom Strahl der Wasserwerfer die schlimmsten Verletzungen erlitten hat, die Vorgänge am 30. 9. 2010 und den Schicksalsschlag geschildert, der sein Leben verändert hat.

Während Mann am Automaten sein Ticket bezahlt, tritt Reinhold B. zu ihm heran. Auch B. kommt direkt aus dem Gericht, er wohnt seit Prozessbeginn am 24. Juni als Schöffe der Verhandlung bei. Reinhold B. hat offenbar Gesprächsbedarf. Ein zäher Prozess sei das, sagt der ehemalige Berufsschullehrer zum Einstieg und legt dann los: Nach seiner Ansicht sei man selbst schuld, wenn man sich in solche Situationen bringe. Wenn man sich in Gefahr begebe, müsse man sich nicht wundern, wenn es nicht gut geht. Und weiter: Vielen Demonstranten ginge es gar nicht um die Sache. Er habe sich immer gewundert, dass bei den Protesten um S 21 auch so viele ältere Menschen teilnehmen würden. Er wisse, dass diese instrumentalisiert werden. Diese Menschen bekämen Kaffee versprochen, wenn sie mit einem Bus nach Stuttgart fahren, am Hauptbahnhof aussteigen und in die Trillerpfeifen blasen würden. Daher seien viele ältere Menschen bei den Protesten zu sehen.

Geringschätzung der S-21-Gegner

Mehr noch von ähnlicher Weltsicht gibt Reinhold B. von sich, bevor ihm Mann den Platz am Kassenautomaten überlässt. Noch in der Tiefgarage spricht der Anwalt das soeben Gehörte als Gedächtsnisprotokoll in ein Tonband. Übers Wochenende formuliert er namens seines Mandanten einen Befangenheitsantrag, der am Montag der 18. Großen Strafkammer des Landgerichts und der Vorsitzenden Richterin Manuela Haußmann per Fax zugeht. Manns Argumente: "Mit den Äußerungen bringt der Schöffe eine deutliche Geringschätzung der S-21-Gegner allgemein und der Nebenkläger im Besonderen zum Ausdruck, zumal die Äußerungen fielen, als kurz zuvor über die schweren Verletzungen des Nebenklägers Dietrich Wagner verhandelt wurde. Ferner spricht er den Projektgegnern die Wahrnehmung ernsthafter, berechtigter Anliegen ab und degradiert diese zu reinen Marionetten. In diesem Verfahren dreht es sich in erheblichem Maße um die Frage, ob der Polizeieinsatz vom Schwarzen Donnerstag verhältnismäßig war, mithin auch, ob sich die Bürger zu Recht im Mittleren Schlossgarten aufhalten durften."

Montagnachmittag: Richterin Haußmann hat sofort reagiert und den Schöffen Reinhold B. einbestellt. Im Beisein einer zweiten Richterin hält sie ihm alle Punkte vor, die der Anwalt zu Papier gebracht hat. Reinhold B. streitet erst alles ab, dann verstrickt er sich in Widersprüche, schließlich räumt er doch ein, diese Äußerung zumindest teilweise getan zu haben. Der Fall ist klar: Bei Reinhold B. besteht eindeutig die Besorgnis der Befangenheit, die Strafkammer schließt ihn vom Verfahren aus und schreibt in ihrem Beschluss zur Begründung: "... ist das von dem Nebenkläger Dietrich Wagner vorgebrachte Misstrauen gegen den Schöffen B. gerechtfertigt. Die ... Äußerungen dieses Schöffen lassen besorgen, dass er sich in einer für den Fall wesentlichen Frage, nämlich im Hinblick auf die Rechtmäßigkeit des Polizeieinsatzes am 30. 9. 2010 ... bereits unverrückbar festgelegt hat. Insbesondere seine Äußerungen, 'man sei selbst schuld, wenn man sich in solche Situationen bringe', lassen besorgen, dass er sich bezüglich des Verhaltens der am 30. 9. 2010 im Schlossgarten anwesenden Personen bereits ein abschließendes Bild gemacht hat."

Auch im ersten Fall war die Befangenheit eindeutig

Der Fall ist sogar so klar, dass selbst die Staatsanwaltschaft dem Ablehnungsantrag beitritt. Die Anklagebehörde hatte Mitte Juni ebenfalls mit einem Befangenheitsantrag dafür gesorgt, dass die andere ursprünglich ausgeloste Schöffin kurz vor Prozessbeginn ausgeschlossen werden musste. Die Frau, eine Kommunalpolitikerin aus Kornwestheim, war nach dem Schwarzen Donnerstag aus Protest gegen die Polizeigewalt aus der CDU aus- und den Freien Wählern beigetreten. Auch der Fall war glasklar.

Dienstag, 9 Uhr, im Gerichtssaal: Jetzt sitzt Günther A. als Schöffe auf der Gerichtsbank, er hat als letzter verbliebener Ergänzungsschöffe die Verhandlung von Beginn an verfolgt und ist drin im Thema. Allerdings hat das – vorerst bis Weihnachten durchterminierte – Verfahren nach nur vier Wochen nun keine Ersatzschöffen mehr zur Hand. Fällt jetzt aus welchen Gründen auch immer noch einer aus, dann wäre der Prozess geplatzt. 

Nach Dietrich Wagner am Freitag kommt gestern ein weiterer Nebenkläger als Zeuge zu Wort. Hans W. (Name geändert), über dessen Schicksal Kontext bereits berichtet hat, beschreibt in eindringlichen Worten, wie es zu seiner schweren Augenverletzung kam, die mehrere operative Eingriffe und Krankenhausaufenthalte nach sich zog, welche aber sein Sehvermögen nicht vollständig wiederhergestellt haben. Er sei mehrfach massiv vom Wasserwerfer getroffen worden, habe dabei mehrere Schläge gegen den Rücken erhalten, die durch seinen Rucksack gemildert wurden, schließlich aber einen gegen den Nacken, durch den seine Brille vom Kopf geschleudert wurde. Er habe sich gebückt, die Brille aus dem "Dreckwasser" gefischt und sich aufgerichtet. In dem Moment habe ihn der Strahl des Wasserwerfers im Auge getroffen "wie ein Schlag mit einer Eisenstange".

Die Rohrführer haben genau gezielt

Während Hans W., selbstständig und dreifacher Familienvater, bis heutigentags mit Gleichgewichtsstörungen, extremer Lichtempfindlichkeit und psychischen Problemen zu kämpfen hat, machen die im Gerichtssaal vorgespielten Videos von seiner Verletzung deutlich, wie sehr die Wasserwerfer-Besatzungen darum bemüht waren, bestimmte Ziele nicht zu treffen. So ist die Beschwerde an einen Rohrführer ("Du triffsch Kollega") ebenso gut zu hören wie die gleich dreimal geäußerte Warnung "Aufpassen auf die Laterne". Der rechts von Hans W. befindlichen Wegbeleuchtung ist dann tatsächlich auch nichts passiert.

Wasserwerfer-Opfer Dietrich Wagner mit Anwalt Frank-Ulrich Mann. Foto: Bernd Weißbrod
Wasserwerfer-Opfer Dietrich Wagner mit Anwalt Frank-Ulrich Mann. Foto: Bernd Weißbrod

Rückblende, nochmals Freitag, der 18.: Der Sitzungstag beginnt mit einem Paukenschlag: Die Vorsitzende gibt bekannt, die Staatsanwaltschaft habe gegen Polizeipräsident a. D. Siegfried Stumpf ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung im Amt eingeleitet. Dies sei durch die Erkenntnisse im Wasserwerferprozess ausgelöst worden. Die beiden Angeklagten hatten geschildert, Stumpf und Oberstaatsanwalt a. D. Bernhard Häußler hätten sich bereits zwischen 14.00 und 14.10 Uhr im Schlossgarten aufgehalten und massive Wasserwerfereinsätze erlebt. Das habe sich durch vorhandene Videoaufzeichnungen, die bislang übersehen worden seien, bestätigt. Stumpf werde nun vorgeworfen, entgegen seinen Verpflichtungen als Einsatzleiter nicht gegen rechtswidrige Wasserwerfereinsätze gegen Köpfe von Menschen eingeschritten zu sein und dadurch weitere Verletzungen verursacht zu haben.

Marsmännchen und Moorhuhnjagd

Dann kommt Dietrich Wagner zu Wort. Nach seiner Schilderung war Wagner am Morgen des 30. 9. 2010 zunächst aus Respekt vor dem Engagement der Jugendlichen zur Schülerdemonstration gekommen und hatte sich über die vielen Teilnehmer gefreut. Als nach Auslösen des Parkschützer-Alarms wegen des im Schlossgarten beginnenden Polizeieinsatzes viele Jugendliche dorthin wechselten, sei er auch in den Schlossgarten gegangen. Der Park sei voller Polizisten, anzusehen wie "Marsmännchen", gewesen. Später sei ein Wasserwerfer zum Einsatz gekommen mit "tropischem Regen". Auffallend für Wagner, dass Hunderte von Menschen zu husten begonnen hätten, für ihn ein Zeichen der Beimischung von Reizgas. Die anfangs sanften Wasserstöße seien immer heftiger geworden. Menschen seien umgeschossen worden und übereinandergestürzt, ein "unwürdiges Schauspiel". Als er habe weggehen wollen, habe ein Polizist ihn nicht aus dem gebildeten Kessel gelassen.

Seine Idee, sich darauf mit ausgebreiteten Armen winkend dem Wasserwerfer entgegenzustellen, um dadurch eine Pause der Angriffe zu erreichen, nennt Wagner, der ruhig und gefasst wirkt, rückblickend naiv. Die Besatzung des Wasserwerfers habe gefeixt. Es sei wie bei der Moorhuhnjagd gewesen. Er räumt ein, Kastanien, die der Wasserwerfer aus den Bäumen geschossen hatte, gegen diesen geworfen zu haben. Plötzlich habe er einen stechenden Schmerz gespürt, sei umgefallen und müsse bewusstlos geworden sein. Zwei Männer hätten ihn dann hochgehoben, die ersten Meter getragen und dann hinausgeführt.

Rettungskräfte Fehlanzeige

Wagners Erstversorgung schildert eine Augenärztin, die als interessierte Bürgerin in den Schlossgarten gegangen und unversehens in die Rolle einer Notärztin geraten war, da keinerlei offizielle Rettungskräfte im Schlossgarten waren. Von 12.30 Uhr bis 16 Uhr sorgte sie für die Erstbehandlung von Dutzenden Menschen mit Augenverletzungen in einem "Behelfslazarett". Medizinisches Gerät holte sie aus ihrer nahe gelegenen Praxis, Medikamente aus einer Apotheke. Andere anwesende Ärzte kümmerten sich ebenso um eine Vielzahl von Verletzten, eine irreale Situation wie in einem Kriegsgebiet ohne staatliche medizinische Versorgung, nach ihren Worten "wie auf dem Mars". Ab 16 Uhr verlegte sie ihren Dienst in ihre Praxis. Helfer brachten Verletzte dahin.

Die Augenärztin wirkt sichtlich mitgenommen. Verarbeitet hat sie diese Erlebnisse offensichtlich immer noch nicht. Im Saal herrscht atemlose Stille. Wagner sei in das Behelfslazarett gebracht worden. Sie habe sofort festgestellt, dass eine Behandlung vor Ort nicht möglich sei, aber immerhin dafür sorgen können, dass eine aus medizinischer Sicht nicht angebrachte Augenspülung unterblieb. Bestürzend auch ihre Schilderung, Sensationsreporter hätten sie zunächst von Wagner abgedrängt und die Erstversorgung behindert. Wagner ist seit seiner Entlassung aus dem Krankenhaus ihr Patient.

Alarm in der Augenklinik

Der damalige Leitende Ärztliche Direktor der Augenklinik im Katharinenhospital berichtet im Zeugenstand, die Klinik sei während des Schlossgarteneinsatzes verständigt worden, dass mit einer Vielzahl von Behandlungsbedürftigen zu rechnen sei. Von wem der Hinweis gekommen sei, wisse er nicht, jedenfalls nicht von der Polizei. Er habe deswegen seine Ärzte in Alarmbereitschaft versetzt und bereits Kontakt mit auswärtigen Augenkliniken für den Fall aufgenommen, dass die eigenen Kapazitäten nicht ausreichten. Wagner sei gegen 14.10 Uhr eingeliefert und etwa drei Wochen lang stationär behandelt worden. Etliche Operationen seien notwendig gewesen. Wagner habe an beiden Augen sehr schwere Verletzungen erlitten, unter anderem Bruch beider Augenhöhlenböden, Netzhauteinrisse und -ablösung. Die Linse sei aus der Halterung gerissen worden. Der Augeninnendruck habe sich erhöht.

Wagners Geisterfahrten

Auf die Frage von Rechtsanwalt Mann, der Wagner vertritt, ob sein Mandant mit den festgestellten Verletzungen in der Lage sei, Auto zu fahren, antwortet der Professor spontan "niemals". Hintergrund dieser Frage ist ein umfangreiches Dossier, das ein Kriminalbeamter über Wagner mit der Zielrichtung erstellt hatte, Wagner simuliere. Es lägen Hinweise vor, dass er mit dem Auto fahre, ohne Blindenstock zügig gehe, Menschen aus größerer Entfernung erkenne und Polizistinnen auf den Hintern schaue. Erst auf Nachfrage Manns an seinen Mandanten stellt sich heraus, dass der 70-Jährige – unter anderem wegen solcher Verdächtigungen, aber hauptsächlich aus Angst, völlig zu erblinden – an Depressionen leidet und mit Psychopharmaka behandelt werden muss.

Als Folge des Dossiers hatte die Staatsanwaltschaft die Begutachtung Wagners durch den Leiter der Augenklinik Ulm veranlasst. Dieser nimmt den ganzen Tag über an der Verhandlung teil und erstattet dann sein Gutachten. Demnach verblieb auf Wagners rechtem Auge eine restliche Sehkraft von fünf Prozent, auf dem linken kann er nur noch den Kontrast zwischen Hell und Dunkel erkennen. Wegen fortschreitender Eintrübungen als Folge erhöhten Innendrucks ist eine weitere Verschlechterung zu befürchten, eine völlige Erblindung nicht auszuschließen.

Keine Ermittlungen gegen E.

Als Fazit des Prozesstags bleibt, dass sich die Strafkammer sehr intensiv um Sachaufklärung bemüht und die Aussagen keinen der Beteiligten und Zuhörer unberührt lassen. Auch die am Freitag gezeigten polizeilichen Videoaufnahmen machen wieder sprachlos. Mitten im Geschehen und sehr oft als aufmerksamer Beobachter im Bild der den beiden Angeklagten zur Verstärkung bei der Einsatzabschnittsleitung zugeteilte Polizeibeamte Thomas E. Gegen ihn wird offenbar bislang von der Staatsanwaltschaft nicht ermittelt. Auf Nachfrage erklären die Angeklagten, E. habe sie über seine Beobachtungen nicht informiert. Seine Rolle wird noch zu thematisieren sein.


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Kommentare

Klaus Neumann, 02.08.2014 00:08
Solches erinnert mich so an manches medizynische "Gut"achten, das durch meine Hände ging: "Hintergrund dieser Frage ist ein umfangreiches Dossier, das ein Kriminalbeamter über Wagner mit der Zielrichtung erstellt hatte, Wagner simuliere. Es lägen Hinweise vor, dass er mit dem Auto fahre, ohne Blindenstock zügig gehe, Menschen aus größerer Entfernung erkenne und Polizistinnen auf den Hintern schaue."

Wenn es nicht so ernst wäre wäre es ein Witz. Das hat der Herr Kriminalbeamte von den Ärzten abgeschaut oder diese Art der bösenartigen Afterrede ist im Menschen dann wohl allgemein angelegt.

Da man hier die Fakten nicht verleugnen kann, indem man wie im medizinischen Gutachterwesen Befunde verschwinden lässt oder sie "übersieht", muss man sich eben so herausreden. Da es für so etwas für eine Medizinalperson nach § 278 StGB bis zu zwei Jahren geben kann, das aber nach meinem Kenntnisstand nie zur Anwendung kam, wird wohl auch dieses Menschenkind mit seinem Zeugnis in böser Absicht heil davon kommen. Warum nur hat Herr Wagner nicht fraglicher Beamtin in den Po gekniffen? Vielleicht aber findet sich gegen eine Beförderung noch jemand, der so bezeugen kann, dass Herr Wagner eigentlich noch sehr gut sehen muss, da er zielgenau den Po getroffen hat.

Die Chrakterlosigkeit unserer Eliten bewegt sich jenseits aller menschlichen Vorstellungskraft http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.aerzte-pfusch-bueroklammer-bei-op-vergessen.9d964e44-59c4-4cc6-8f70-7ddd50c15d6f.html

Stuttgart 21 wird das für unsere politische Elite belegen. Noch hält alles dicht. Das kann sich aber ändern.

@ Ich bin kein Spezialist für Strafverfahren, aber m.E., 24.07.2014 17:04
Den Haag ist da wohl nicht zuständig. Eher der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg. Da mal gucken
http://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ische_Menschenrechtskonvention
Gute Idee. Vor allem für den Anwalt für Herrn Wagner, die Bundesrepublik in der Sache zumindest rügen zu lassen. Dann kommt S21 auch mal als Retourkutsche da an, von wo es weiterhin seine Kraft bezieht: bei Mutti.

Klaus Neumann, 01.08.2014 23:02
Shoobidoo, 28.07.2014 11:39 fragt: "....Vor diesem Hintergrund erscheint ein immer noch völlig unbearbeitete Punkt geradezu als Lappalie: Warum stürmte die Polizei zuallererst gut sichtbar vom Planetarium in den Mittleren Schlossgarten, ….Um am Ende die Baustelle vom ehemaligen Zentralen Omnibusbahnhof her zu besetzen!......

Der Wasserwerferprozess verstellt den Blick auf die Frage, was die Wasserwerfer und ihre Ego-Shooter dort zu suchen hatten. Die Antwort lautet: NICHTS.."

Doch. Das Vorgehen der wie in einer Diktatur von aussen herbei geführten also ortsfremden Kräfte belegt für mich Weisungstäter im Hintergrund, von denen der Beitrag von Kornelia 11:15 spricht: es ging nicht um eine sinnlose Räumung, da die Zufahrt zum GWM-Gelände immer frei war. Es ging einzig um Bilder der Gewalt, die diese Polizeikräfte als für die Politik missbrauchte Exekutive produzieren sollten, um den Widerstand in der Öffentlichkeit so zu denunzieren, dass er sich nicht nur in sich spaltet sondern auch in der breiten Öffentlichkeit unmöglich gemacht werden kann. Daher das krampfhafte Suchen der Regierung Mappus nach Belegen der Gewalt schon am Abend durch Rech auf ARD aber auch in den nächsten Tagen mit "Belegvideos" der Polizei. Erinnern wir uns an den grössten Meinungsmacher des Boulevards mit einem Riesenbild von Herrn Wagner als Aufmacher, wie er mit einem Schwäbischen Pflasterstein ausholt als Aufhänger und Beleg für die Choaten, die den Protest im Schlosspark ausgemacht haben. Und die dahinter zu spürende Erleichterung mit dem Bericht nun endlich den Beleg beibringen zu können.

Ja, die von den politischen Weisungsträgern für politische Ziele missbrauchte Polizei hatte da nichts zu suchen sondern eine Aufgabe für Herr Mappus zu erfüllen. Und Häussler war als Zeuge geschickt und dürfte über das nach menschlichem Ermessen zu Erwartende, das dann nicht eintrat und damit Mappus und Co in diese arge Verlegenheit brachte, eingeweiht worden sein mit den entsprechenden Anweisungen. Aber das wird man Goll nie nachweisen können. Und Mappus seine abgrundtief böse Absicht nicht.

Shoobidoo, 28.07.2014 11:39
Wichtige Punkte, die fortwährend unbearbeitet bzw. unbeantwortet bleiben:
1. Auf welcher Rechtsgrundlage durfte die Polizei überhaupt einen öffentlichen Park am helllichten Tag besetzen und räumen?
Notabene:
- Es gab keinen Grund zur Gefahrenabwehr, lediglich die (zur Zeit des Polizeiangriffs und der nachfolgenden Rodung nicht genehmigten) Baumfällarbeiten für ein privates Bauvorhaben sollten vorbereitet werden.
- Es gab kein Betretungsverbot für den Mittleren Schlossgarten, eine Umwidmung in (privaten) Baugrund hatte nicht stattgefunden.
2. Mit der Feststellung der möglichen Befangenheit des Schöffen B. wird dessen ungeheuerliche Rechtsvorstellung ohne Hinterfragung zementiert, weil dabei erneut die grundlegende Frage unter 1. unbeantwortet bleibt.
Die Folge dieser Versäumnisse: In den Köpfen der breiten Masse setzt sich die Vorstellung fest, dass die Teilnahme an Demonstrationen keine durch unser Grundgesetz besonders geschützte Notwendigkeit für ein funktionierendes demokratisches Gemeinwesen ist, sondern eine gefährliche Absonderlichkeit, deren Folgen die Teilnehmer_innen gefälligst zu tragen hätten - getreu dem Motto "Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um" oder - auf schwäbisch - "halt di raus, no kommsch in nix nei".
Sowohl der zweite Untersuchungsausschuss als auch der Wasserwerferprozess geben vor, an der Aufklärung der ungeheuerlichen Rechtsbrüche des Schwarzen Donnerstags interessiert zu sein. In Wirklichkeit verschleiern sie den Blick auf diese Rechtsbrüche, in dem sie an der o.g. grundlegenden Frage vorbei ermitteln.
Vor diesem Hintergrund erscheint ein immer noch völlig unbearbeitete Punkt geradezu als Lappalie: Warum stürmte die Polizei zuallererst gut sichtbar vom Planetarium in den Mittleren Schlossgarten, warum fuhren die Wasserwerfer möglichst auffällig durch den halben Mittleren Schlossgarten, warum schlug die Polizei eine stundenlange Schlacht gegen die anwesenden Bürger_innen? – Um am Ende die Baustelle vom ehemaligen Zentralen Omnibusbahnhof her zu besetzen! –
Diese Möglichkeit hätte von Anfang an bestanden. Zweifellos wäre auch das ein rechtswidriger Übergriff auf öffentliches Parkgelände, in einer Nacht-und-Nebel-Aktion aber vergleichsweise geräuschlos durchzuführen gewesen.
Die Frage nach der politischen Einflussnahme und der Verhältnismäßigkeit mutet fast lächerlich an, wenn offensichtlich und leichtfertig Grundrechte mit Füßen getreten werden und geltendes Recht gebrochen wird in der trügerischen Hoffnung, einen größtmöglichen öffentlichen Abschreckungseffekt vor der Teilnahme an Demonstrationen zu erzielen.
Den Bürger_innen wird die falsche Vorstellung vermittelt, dass verboten sei, was nicht erlaubt ist.
Richtig ist jedoch: Erlaubt ist, was nicht verboten ist - ein sprachlich kleiner, inhaltlich jedoch fundamentaler Unterschied!
Fazit:
1. Der Wasserwerferprozess verstellt den Blick auf die Frage, was die Wasserwerfer und ihre Ego-Shooter dort zu suchen hatten. Die Antwort lautet: NICHTS.
2. Wir berufen uns gerne darauf, freie Bürger_innen in einem freien Land zu sein: Der Schwarze Donnerstag rührt an die Grundfesten unserer Demokratie.

Walter Steiger, 26.07.2014 13:50
Zur Präzisierung meines gestern (18:05 Uhr) hier verlinkten Videos mit Material zu den Wasserwerfereinsätzen ist folgendes zu ergänzen: Die letzte Sequenz zeigt den abschließenden Einsatz des WaWe 1 auf Höhe des in der folgenden Nacht (mutmaßlich rechtswidrig) zu rodenden Parkabschnitts nahe dem Eingang zur Klett-Passage. Ich hatte diese Dokumentation bereits am 01.10.10 unter dem Titel "Versuch der Polizei, Schüler aus 5 Metern Höhe von den Bäumen zu spritzen..." separat veröffentlicht.

http://www.youtube.com/watch?v=9LebcskoCqo

Von meinem Aufnahmestandort aus wirkte der gegen 16:31 Uhr beginnende Wasserwerfereinsatz tatsächlich wie der Versuch, mehrere in zwei der dortigen Platanen sitzende Jugendliche aus den Bäumen zu schießen: der erste, scharfe Wasserstrahl brach sich schließlich direkt auf Höhe der Personen in den Ästen.
So brisant diese Aufnahmen waren, wurden sie dann auch Gegenstand im 1. Untersuchungsausschuß (Dezember 2010), zumal auch mehrere dort gehörte Zeugen (u.a. Volker Lösch und Wolfgang Schorlau) diesbezüglich ähnliche Aussagen gemacht hatten.

Die im UA geladenen Polizeivertreter waren sehr bemüht, den schwerwiegenden Vorwurf zu entkräften, sie hätten absichtlich auf die Jugendlichen gezielt und führten zur Entlastung eigene Aufnahmen aus der Wasserwerferperspektive vor, die auch die Kabinengespräche enthielten. Die Dokumentation dieser Beweisführung findet sich dankenswerterweise noch heute bei fluegel.tv:

www.fluegel.tv/beitrag/1049

ab 00:37:10 mein Video;
ab 01:02:29 die Gegendarstellung durch den Polizei-Zeugen Baumann

Am 23.12.2010 setzte ich deshalb folgenden Nachtrag unter mein damaliges Video: "Diese Darstellung [Versuch, Schüler aus den Bäumen zu spritzen, Anm. d. Verf.], die sich aus dieser Perspektive geradezu aufzwingt, kann mittlerweile als teilweise widerlegt gelten. Im Landtags-Untersuchungsausschuß legte die Polizei (alternativ zu diesem Film) eigenes Material aus der Perspektive des Wasserwerfers vor, das zu beweisen scheint, dass die Personen in den Bäumen nicht absichtlich getroffen werden sollten, da diese vom Wasserwerfer aus angeblich gar nicht zu sehen gewesen seien. Zudem sei während des Vorgangs ein Funkspruch bei der WaWe-Besatzung eingegangen, der sie über die Personen und die Gefährlichkeit der Aktion informierte.
Dennoch bleibt festzuhalten, dass der erste Wasserstoß auf den Baumstamm in Höhe der Baumbesetzer zielte. Über deren Existenz muß zumindest der Beamte außerhalb des Wasserwerfers Bescheid gewußt haben. Bestehen bleibt auch der Vorwurf an die Polizei, dass zum wiederholten Male eher unbeteiligte Personen vorsätzlich nassgespritzt und
gedemütigt werden sollten, zumal der Einsatzzweck ja schon erreicht worden war und die Absperrgitter bereits standen. Danach folgten weitere Wasserstöße; beim zweiten bricht der Film ab, weil ich getroffen worden war."

Manfred Fischer, 26.07.2014 09:41
Thomas A, 24.07.2014 06:43
Sie fragen mich, was aus meiner Anzeige wurde. Wie in meinem Kommentar geschrieben "wurde ich viele Tage später noch telefonisch von der Kriminalpolizei kontaktiert, Sie wollte wissen, wie ich gekleidet war, um mich eventuell auf ihren Filmaufnahmen zu finden." Später wurde ich dann von der gleichen Stelle nochmals angerufen. Man teilte mir mit, dass ich auf einem Video gefunden wurde und auch der sprayende Polizist. Man werde sich überlegen, ob man gegen ihn vorgehen kann. Ich wiederholte bei diesem Anruf nochmals meine Meinung, dass nicht in erster Linie dieser Polizist verantwortlich sei, sondern jene, die den harten Einsatz angeordnet und zu verantworten haben ( Mappus, Rech. Stumpf). Gehört habe ich seither nichts mehr.

Walter Steiger, 25.07.2014 18:05
Ich habe mein Video-Material zu den Wasserwerfereinsätzen vom 30.09.2010 nochmals gesichtet und einen Zusammenschnitt davon neu veröffentlicht:

http://youtu.be/QOPPj4We5ks

Das gnadenlos brutale Vorgehen, insbesondere des WaWe-2-Teams [ab Min 3.21], bei dem schwere Körperverletzungen nach § 226 StGB in zahlreichen Fällen zumindest billigend in Kauf genommen (dolus eventualis, mithin Vorsatz), bzw. tatbestandsmäßig mehrfach erfüllt wurden, macht Polizeipräsident Siegfried Stumpf und OStA Bernhard Häussler zu Mitschuldigen, da sie diese schweren Straftaten hätten verhindern können (dokumentierte Anwesenheit ab ca. 14:10 Uhr!) und müssen. Darüber hinaus verdichten sich inzwischen Hinweise, dass beide, Häussler und Stumpf, strafrechtlich auch als Anstifter gelten könnten. Es bleibt also spannend, wie lange diese dem Druck standhalten und fortfahren, Mappus aus falsch verstandener Loyalität zu decken (und der seinerseits weiterhin Merkel und Pofalla).

Eine Sequenz des Films dokumentiert übrigens heftig hustende Menschen, die den angeblich reizgasfreien "leichten Sprühregen" nicht so ohne weiteres vertragen zu haben scheinen.
Am Ende findet sich - leicht gekürzt - die letzte Aktion von WaWe 1, als dieser (unter Anwesenheit eines offenbar höherrangigen Polizisten vor dem Lkw) in, oder (wie die Polizei im UA1 nachzuweisen versuchte), zwischen die von Jugendlichen besetzten Bäume schießt.
Falls prozeßrelevant, bitte ich um Weiterleitung an die beteiligten Nebenklagevertreter.

Donnawetta, 25.07.2014 14:38
@Schorsch und Redaktion

mir ist grad zufällig dieses Statement (der erste Kommentar ist auch sehr interessant) vor die Füsse gefallen:

http://www.parkschuetzer.de/statements/32975

Schorsch, 25.07.2014 12:44
Sehr geehrter Herr Reicherter,
besten Dank noch für die ausführliche Beantwortung meiner Fragen. Das gibt es nur bei Kontext, einfach klasse!

Eine Frage habe ich noch an die Redaktion, vielleicht kann die auch ein Leser beantworten. Bayern ist bekannt, aber aus welchen anderen Bundesländern kamen noch Polizeikräfte zum Einsatz? Manchmal habe ich den Eindruck, dass der 30.09. so eine Art "Probe aufs Exempel" war, wie weit man bei Einsätzen gegen Demonstranten gehen kann. Dann hätte nicht nur der Mappus die Hände im Spiel gehabt, sondern noch ganz andere. Mir ist bewusst, dass mein Eindruck in Richtung Verschwörungstheorie geht.

dichtbert, 25.07.2014 09:07
@Walter Steiger, 24.07.2014 10:02

es gibt m.E. bzgl. dem Thema Provokateure eindeutige Bilder: Wozu trägt man wohl eine gelbe Weste mit der Aufschrift Polizei "unter" einer dunklen Jacke? Ich glaube kaum, dass so etwas gängige Praxis bei gewöhnlichen Polizeieinsätzen ist.

E. Hader, 24.07.2014 22:35
Wenn man die Zeugenberichte hier so liest, müßte man fragen, ob eine rechtsstaatlich und gesetzestreu agierende Staatsanwaltschaft nicht ernsthaft darüber nachdenken sollte, ob nicht der Anfangsverdacht der Bildung eine kriminellen Vereinigung bei einigen Herrschaften aus Politik, Polizei und Staatsanwaltschaft erfüllt sein könnte. Ich weiß, daß die Stuttgarter Staatsanwaltschaft sowas nicht leisten kann, da ja dieser pensionierte Staatsanwalt Häussler verdächtigt wird, in die ganze Sauerei verwickelt zu sein scheint. Ist sie dann nicht eigentlich befangen? Da müßte es doch Konsequenzen geben, was Ermittlungen angeht? Oder irre ich mich da?

Sybille AK Jura, 24.07.2014 22:18
@Walter Steiger

Bereits am 1.10. wurde uns im AK Jura von diesen Pflastersteinen im Schlossgarten berichtet. Ich selbst habe im Vorfeld des 30.09. immer wieder Pflastersteine entsorgt. Diese waren vor dem Nordflügel in kleinen Häufchen gestapelt. Im Schlossgarten war mal ein ganzer Korb im Aufgang der Klett-Passage, ich habe ihn gemeinsam mit anderen Parkschützern entsorgt. Allerdings haben wir nie Bilder davon gemacht. Haben Sie vielleicht Bilder gemacht? Wenn ja, können Sie mit uns Kontakt aufnehmen? Danke im Voraus.
Sybille Kleinicke für den AK Jura

Dieter Reicherter, 24.07.2014 21:34
Erneut herzlichen Dank für die tollen Reaktionen und Unterstützungsangebote!!! Inzwischen kam die Frage, wer die Meldungen von Zeugen koordinieren könne. Da wir die Redaktion der Kontext damit nicht lahm legen wollen, haben wir eine Zusage, uns zu helfen, gerne angenommen:
Zeuginnen und Zeugen können sich beim AK Jura melden. Ebenso können dort auch sonstige Hinweise gegeben werden (z.B. Fotos).
Hier die Kontaktdaten:

AK Jura der Parkschützer

Büro: 0711-91 27 93 57 jeden Donnerstag von 15:00 Uhr bis 19:00 Uhr
Fax: 0711-91 27 93 56
E-Mail: jura@unser-park.de
Internet: http://www.bei-abriss-aufstand.de/jura
Postanschrift
Umkehrbar e.V. - Ref. Jura
Urbanstr. 49A
70182 Stuttgart

Donnawetta, 24.07.2014 18:39
ich kann den kommentierenden Notarzt hier nur bestätigen. Es war CS-Gas im Spiel. Das weiss ich nicht nur wegen dem Gestank, sondern weil ich eine Jacke an hatte, die klatschnass war vom "sanften Regen" des Wasserwerfers - oder anders ausgedrückt, konnte ich mich noch auf den Füssen halten, während eine alte Dame, die hinter mir stand, an mir vorbeiflog vom Wasserdruck und über den Beton gerutscht ist - und diese Fleecejacke nach dem Trockenwerden deutliche Pulverspuren aufwies und nicht nur das...

Wenn meine Aussage benötigt wird, kann gerne Kontakt aufgenommen werden.

Peter S., 24.07.2014 17:52
Da ich von 11-16 Uhr im Park war, kann ich die Beschreibungen hier nur bestätigen. Die Anzahl der wirklich Verletzten zu ermitteln wäre gute Idee um auch die politisch gelogene Zahl des Innenministeriums zu widerlegen. Kann Kontext da helfen? Jeder Verletzte meldet sich mit Klarnamen wie bei einer Petition? Ich erinnere mich auch, dass dort bei dem Zelt Listen waren, wo man sich eintragen konnte. Noch eine Frage an Herrn Reicherter: Wo kann ich zeitnah erfahren was an einem Prozesstag geschieht? In der Tagespresse sieht man ja fast nichts. Vielen Dank aber für Ihre Zusammenfassung in Kontext

Ich bin kein Spezialist für Strafverfahren, aber m.E., 24.07.2014 17:04
muß diese Angelegenheit nach Den Haag zu Europäischen Gerichtshof. Was die Justiz in Stuttgart hier vorführt, kann man ja in Worten nicht ausreichend beschreiben oder benennen. Ich bitte die qualifizierten Juristen dringendst diese Perspektive ins Auge zu fassen.

Michael P, 24.07.2014 12:03
@ Karl P., 24.07.2014 11:39

Ja, das Fällverbot des EBA am 30.9.2010. Das wurde, es wurde berichtet, wohl im Verkehrsministerium der Tanja Gönner (CDU) nicht weitergeleitet. Wobei ich das nicht glaube. ich denke, daß es da bewußte (?)Verzögerungen gab. Der Einsatz war rechtswidrig. Das ist völlig klar. Damit rückt die Gönner und vor allem auch ihr damaliger Amtsleiter Bauer mit in den Focus der noch zu leistenden Aufklärung des Schwarzen Donnerstages.

tillupp, 24.07.2014 11:54
In Anbetracht der Video-Beweislage wächst meine Hoffnung, daß die Wasserkanonenbesatzung doch nicht mit hundert Tagessätzen davon kommt. Ich bin sicher, wenn's für Jahre in den Knast geht, fällt jedem von denen doch noch das ein oder andere strafmildernde Detail ein, damit die Befehlsgeber auch dran kommen.

Karl P., 24.07.2014 11:39
Im Vorfeld des 30.9. war intensiv mit der Untersuchung der Fauna des Schlossgartens beschäftigt. Dass das Gutachten der Bahn zum Juchtenkäfer Lücken hatte, war ja allseits bekannt. Aber der Besatz der später gefällten Platane war gesichert und wurde in diesem Gutachten beschrieben. Das war auch dem EBA bekannt, das Fällverbot wurde noch am Tage des 30.9. ausgesprochen und liegt schriftlich vor. Die ganze Zeit, während ich im Schlossgarten war, verstand ich nicht, wieso der Einsatz überhaupt stattfand. Es lag doch ein Verbot vor. Selbst nachdem die Rodungsfläche mit Gitter abgesperrt war, war ich immer noch der festen Überzeugung, dass sich die Stadt Stuttgart, die Bahn und die Polizei in keinem Fall über europäisches Recht hinwegsetzen würden. Doch sie taten es. Und ich verlor meinen Glauben an Recht und Gesetz.

Kornelia, 24.07.2014 11:15
Es ist schon erschreckend wie ungebildet "unsere" sogenannte Elite ist!
-Haben "wir" denn nix aus dem 1000jährigen Reich gelernt?
http://www.dhm.de/archiv/ausstellungen/ordnung-und-vernichtung/docs/DHM_Ordnung%20und%20Vernichtung_Pressemappe.pdf
Die Polizei war ein zentrales Herrschaftsinstrument des NS-Regimes.

-Haben "wir" nichts aus dem Milgrim-Experimenten an Lehren gezogen? Standford Experiment?
http://de.wikipedia.org/wiki/Milgram-Experiment
http://www.youtube.com/watch?v=88YJTg1nETk
http://www.youtube.com/watch?v=98iK532OZgg

http://de.wikipedia.org/wiki/Stanford-Prison-Experiment

- haben "wir" denn gar nichts aus den erschütternden Bildern über Abu-Ghuraib ERFAHREN?
http://de.wikipedia.org/wiki/Abu-Ghuraib-Folterskandal


Ja in einer Demokratie gilt das höchste Gut des bewiesenen, doch wir wissen dass wir immer noch eine Untertanen Rechtssprechung haben!!!
eine kleinkindliche "Begreifende" sozusagen!

Leider hat unsere Justiz nach 45 nie den mutigen Weg beschritten auch die Weisungs-Täter anzu-greifen!

nicht umsonst gilt: Hitler wäre nach 45 nicht verurteilt worden.... sowie auch G.W.Bush nie für den 4. Weltkrieg Irak verurteilt wurde! incl Ramsfeld!! etc...

siehe auch der Diebstahl von Millirden Summen, liebevoll Steuerhinterziehung genannt... wird kaum geahndet, und kriegt auch noch Schutzbestimmungen!!!!.Warum wohl?

Kornelia, 24.07.2014 10:53
Veränderte Zeitrechnung:
ähnlich den USAnern habe ich ein vor und nach entwicklet
vor dem 30.09.10 habe ich wie viele: "Wessen Polizei? UNSERE Polizei" gerufen!!!
nach dem 30.09.10: niemals wieder!1
vor dem 30.09.10: war es mir um einen moderaten guten Stil gelegen! die armen hinter dem Zaun und vor dem Zaun wurden teilweise von uns mental und mit Ess- und Trinkangeboten versorgt!! (Wir waren das Anti-Konflikt-Team!!)
nach dem 30.09.10: sollen "die" doch zusehen wie die klarkommen!! reden kann ich mit "denen" nicht mehr!
vor dem 30.09.10 waren die Pferde im Park ein sogenannter romantischer Faktor
nach dem 30.09.10 flüchte ich wenn ich die Pferde sehe!!
vor dem 30.09.10: habe ich mich als Mutbürgerin definiert
seit dem 30.09.10 erlebe ich immer mehr die geballte Faust in meiner Tasche! der nicht gezeigte "ausgestreckte Mittelfinger"

UND ich bin wahnsinnig stolz, dass der Mob sich nicht als mob erweist sondern als FRIEDLICHer, sachlich kritisierender, den Institutionen-Schäregen komplett überlegener, menschlich fühlender udn denkender Schwarm.

Jeder Volksfesttag endet mit Schlägereien!!
viele Fussballspiele sind Agressor-Spiele!
und hier ḱommen sich nicht kennende Menschen zusammen und sind Menschlich!

Das kann ich von der Vereinigungen "Polizei", "Justiz", "Medien", "Politik" u.a. nicht sagen!

Wie oft haben "die" medial auf mich eingedrescht, haben ihre Gewalt-Handlungen geRECHtfertigt?

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