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Auch Hermann will Maut verzögern

Wenn es nach den Grünen geht, wird die Landesregierung gemeinsam mit Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz oder dem Saarland versuchen, die Einführung der PKW-Maut über den Bundesrat noch zu verzögern oder gar zu verhindern. Verkehrsminister Winne Hermann kündigte einen entsprechenden Vorstoß an. Er habe bereits im Verkehrsausschuss des Bundesrats Position bezogen und insbesondere kritisiert, dass "die Grenzregionen schwer tangiert sind, ausgerechnet in Zeiten, in denen wir den europäischen Geist betonen wollen". Die "Bürokratie-Maut" passe nicht in die Zeit. Außerdem würden Milliarden eingenommen, Milliarden an deutsche Autofahrer wieder zurückgegeben und "vielleicht bleiben ein paar Millionen übrig".

Saarland, Rheinland-Pfalz oder NRW wollen den Vermittlungsausschuss zwischen Bundesrat und Bundestag anrufen, nachdem letzterer die Maut am Freitag beschlossen hat. Das Gesetz ist allerdings nicht zustimmungspflichtig, weshalb die Einführung der Maut auf diesem Wege lediglich verzögert werden kann. Allerdings könnte Verzögerung am Ende auch das Scheitern bedeuten, weil womöglich nach der Bundestagswahl im September die Karten ganz neu gemischt werden, und die CSU bisher bekanntlich die einzige Partei ist, die die Maut wirklich will. (24.3.2017)


Aras legt sich mit Erdogan an

Die Stuttgarter Grünen-Abgeordnete und Landtagspräsidentin Muhterem Aras hat die deutschtürkische Community aufgefordert, sich mit dem Verfassungsreferendum am 16. April kritisch auseinanderzusetzen. Von den Imamen wünscht sich die Stimmenkönigin ihrer Partei bei den Landtagswahlen 2016, dass die "in den Freitagspredigten zu einem respektvollen und fairen Umgang miteinander aufrufen und die hier geltenden Werte von Meinungs-, Presse- und Religionsfreiheit entschieden weitergeben". Sie selber verzichte derzeit auf Reisen in die Türkei, "weil ich nicht weiß, ob ich mich dort frei bewegen könnte". Zugleich müssten sich Demokraten weigern, sich zu Feinden der Türkei machen zu lassen. Aras nutzte eine Landtagsdebatte zum 60. Geburstag der EU auch zu scharfer Krtik am türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, weil der "auf das Infamste" gebaute Brücken wieder einreißen und die Gesellschaft spalten wolle. Von den Vertretern AKP-naher Institutionen erwartet die Grüne eine öffentliche Distanzierung von den "die Opfer verhöhnenden Nazivorwürfen". Im Südwesten dürfen insgesamt rund 230 000 Türken am Referendum teilnehmen – und zwar vorab: Die Wahl beginnt bereits am 27. März und endet am 9. April. (22.3.2017)

Mehr zum Thema: "Meister der Feindbilder", "Unverschämt und dumm"


Stuttgart 21: Aktionsbündnis warnt Aufsichtsrat

Drei Tage vor einer Sitzung des DB-Aufsichtsrats verlangt das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 erneut eine "faktenehrliche Bestandsaufnahme". Sollte sich der Aufsichtsrat wieder um die Auseinandersetzung drücken oder gar unbeirrt den Weiterbau beschließen, so Eisenhart von Loeper, schädige er wider besseres Wissen das Vermögen der Deutschen Bahn AG. "Das würde", erklärt der Bündnissprecher weiter, "den Tatbestand der Untreue erfüllen." Eine strafrechtliche Aufarbeitung sei die Konsequenz; darauf habe das Bündnis zuletzt am 11. März 2017 den Aufsichtsrat per Brief hingewiesen.

Ihren Appell richten die Stuttgart-21-Gegner nicht nur an den Vorsitzenden des Aufsichtsrats Utz-Hellmuth Felcht, sondern auch an den designierten Vorstandsvorsitzenden Richard Lutz. Als erstes sei "eine Bestandsaufnahme der ungelösten Probleme und hohen Risiken notwendig, die sich an den Realitäten und nicht an den Gesichtswahrungsproblemen der politisch Verantwortlichen orientiert". Von Loeper argumentiert damit, dass sich das Projekt "jenseits aller wirtschaftlichen Rationalität bewegt", und mit dem weiter offenen Brandschutz. Außerdem solle der Aufsichtsrat "endlich zur Kenntnis nehmen, dass sich die DB mit S 21 einen Dauerengpass für viel Geld baut, der den Bahnverkehr behindert und den viel beschworenen Deutschlandtakt im Südwesten irreversibel unmöglich macht". Nach der Devise "Politik beginnt mit der Kenntnisnahme der Realität" will das Aktionsbündnis den neuen Bahnchef zu Gesprächen einladen, bei denen sie ihm auch die von der Bürgerbewegung entwickelten Alternativen zum Weiterbau erläutern wollen. Deren "ernsthafte Prüfung" wünscht sich nach einer repräsentativen Umfrage von infratest dimap in Baden-Württemberg sogar eine Mehrheit der Projektbefürworter. (19.3.2017)

Mehr zum Thema: "Bahnfeinde im Bahnvorstand"


IHK will nicht mehr gegen Kakteen polemisieren

Auch ein Vergleich kann ein Erfolg sein: Vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart akzeptierte die IHK Region Stuttgart die Feststellung, dass sie in der Vergangenheit mit Angriffen gegen die IHK-Rebellen der Kaktus-Initiative ihre Kompetenz überschritten hat. Stein des Anstoßes waren zwei IHK-Pressemitteilungen, in denen Hauptgeschäftsführer Andreas Richter gegen die Kakteen polemisiert habe, so Kaktus-Mitglied Klaus Steinke, der in der Folge Klage eingereicht hatte.

Konkret einigten sich die Streitparteien am heutigen Donnerstag, den 16. März, auf folgenden Vergleich: Die IHK Region Stuttgart erklärt, "dass ohne Beratung und Beschlussfassung durch die Vollversammlung keine weiteren öffentlichen Äußerungen der IHK und ihrer Organe über Binnenkonflikte, die keine wirtschaftspolitischen Positionen betreffen, abgegeben werden", und dass es den beiden strittigen Pressemitteilungen "an einer solchen Beratung und Beschlussfassung mangelte". Außerdem trägt die IHK trägt die Kosten des Verfahrens von 5000 Euro.

Für Steinke ist es "ein gutes Ergebnis, weil es die Transparenz innerhalb der IHK stärkt, und weil es deutlich die Frage artikuliert, was Geschäftsführer und Präsident dürfen und was nicht". Zwar wäre es, so Steinke, spannend gewesen, wenn das Gericht in einem Urteil Grundsatzregeln für die Öffentlichkeitsarbeit der IHK aufgestellt hätte. Aber er sei mit dem Vergleich zufrieden, "weil es mir in der Sache nicht darum geht, zu siegen, sondern eine Veränderung innerhalb der IHK zu bewirken". Zudem habe das Ergebnis, so hofft Steinke, auch "eine Signalwirkung auf andere IHKs".

Die Kaktus-Initiative, 2011 gegründet, kritisierte in den letzten Jahren immer wieder intransparente Wahlverfahren und die offizielle Pro-Haltung der IHK zu Stuttgart 21. (16.3.2017)

Mehr zum Thema: "Rebellen im Weinberghäusle" und "Die IHK wackelt nicht".


Afghanistan-Rückkehrer bekommt zweimonatiges Arbeitsvisum

Es ist ein kleines Wunder. Denn trotz der mannigfaltigen Unterstützung in den vergangenen Wochen, glaubten nicht viele seiner Freunde wirklich daran, dass der Zahnarzt Ahmad Shakib Pouya, der in einem französischen Krankenhaus in Herat gearbeitet hat, zurück in die Bundesrepublik kommen kann. Pouya war in seiner früheren Heimat von den Taliban bedroht, floh 2010 nach Deutschland. Hier war er einer der Hauptdarsteller in der vielbeachten Produktion der Mozart-Oper "Zaide" und hatte eine doppelte Zusage auf Festanstellung – vom Münchner Gärtnerplatztheater und der IG Metall. Dennoch wurde er zur Abschiebung vorgesehen, weshalb er am 20. Januar 2017 ausreiste. Seither machten seine Unterstützer vom im Mai 2014 gegründeten Stuttgarter Verein "Zuflucht Kultur. Entweder. Oder. Frieden." bundesweit auf sein Schicksal aufmerksam. Auch mit einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), mit der Bitte um "ein Visum und ein langfristiges Bleiberecht als wertvoller Bürger unseres Landes".

Jetzt kam die gute Nachricht. Der 33-Jährige kann für zwei Monate zurück nach Deutschland. Mitausschlaggebend dürfte ein Schreiben von Georg Podt gewesen sein, dem Intendanten des kommunalen Münchner Kinder- und Jugendtheaters "Schauburg", der Pouya in einer Neuinszenierung von Rainer Werner Fassbinders "Angst essen Seele auf" als Hauptdarsteller besetzt hat. Die Proben sollen in der kommenden Woche beginnen, Premiere wird am 22. April sein. Mitte Mai läuft das Visum aus. Pouya will gemeinsam mit dem Verein die Zeit nutzen, um das angestrebte dauerhafte Bleiberecht zu bekommen. Die Chancen stehen angesichts der 2015 eigentlich gelockerten Regelungen gar nicht so schlecht. Allerdings werden die nach den Erkenntnissen von Pro Asyl oder dem Flüchtlingsrat viel zu selten von den Behörden angewandt.


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Eine Zeitung sucht einen neuen Chefredakteur. Foto: Benny Ulmer

Eine Zeitung sucht einen neuen Chefredakteur. Foto: Benny Ulmer

Ausgabe 180
Medien

Ganz schnell weg

Von Josef-Otto Freudenreich
Datum: 10.09.2014
Die "Eßlinger Zeitung" braucht einen neuen Chefredakteur. Der alte, Alexander Marinos, hat nach nur einem halben Jahr das Handtuch geworfen. Er soll vorgehabt haben, den Esslinger Oberbürgermeister Jürgen Zieger zu kritisieren. Das geht natürlich nicht.

Angela Merkel hat gratuliert, Günther Oettinger und Jürgen Zieger. Das war vor sechs Jahren, als die "Eßlinger Zeitung" (EZ) 140 Jahre alt wurde. Alle haben gesagt, dass so ein Traditionsblatt unerlässlich sei für Pressevielfalt und Demokratie, und dass es die EZ sehr gut mache. Und Oettinger versäumte nicht, nochmals auf Otto Wolfgang Bechtle, bekannt unter dem Kürzel OWB, hinzuweisen. Der war der Verleger seit 1949, zugleich auch der Chefredakteur bis 1998, und für den EU-Kommissar einer der "profiliertesten Vertreter" der Vielfalt. Das stimmte insoweit, als der konservative Patriarch stets für die kleinen Zeitungen kämpfte, insbesondere aber für seine. Für die Vielfalt der Meinungen hat er weniger gestritten.

Chefredakteur Marinos mit kurzer Verweildauer.
Chefredakteur Marinos mit kurzer Verweildauer.

Die Amtszeiten der nachfolgenden Chefredakteure waren kürzer. Rainer Laubig kam von der "Stuttgarter Zeitung", stolperte über einen aus der "Zeit" abgekupferten Kommentar und wurde 2003 Tourismusmanager. Danach trat Markus Bleistein an, der zuvor in der Stuttgarter Staatskanzlei wirkte, als Erwin Teufels (CDU) Vizesprecher. Er stand bis März 2013 an der Spitze der Redaktion und musste krankheitsbedingt ausscheiden. Zum Frühjahr 2014 war ein neuer Mann gefunden: Alexander Marinos, vormals stellvertretender Chefredakteur beim "General-Anzeiger" in Bonn. Der 42-jährige Diplomjournalist sollte das Blatt "im Sinne der Leser weiter entwickeln", wie es in der Verlagsmitteilung hieß.

Marinos sollte Schwung in den angejahrten Laden bringen

Marinos mühte sich nach Kräften. Das Layout sollte aufgehübscht werden, regionale Themen wanderten verstärkt auf die Seite eins, bundesweit Interessantes wurde auf die Esslinger Ebene herunter gebrochen. Alles so weit okay, das lag im Trend der Zeitungen dieses Zuschnitts, die im Regionalen und Lokalen ihre Überlebenschance sehen. Auch der Plan, einen Newsdesk einzurichten, war nicht revolutionär, den sollte bereits der (inzwischen verstorbene) Vorgänger Bleistein installieren. Eine solche Sammelstelle hatten andere schon lange, nur die EZ werkelte weiter mit den klassischen Ressorts und ihren Leitern. Aus einem einfachen Grund: die Unterchefs hatten das schon immer so gemacht. Marinos aber, der Schwung in den angejahrten Laden bringen sollte, wollte keine Ressorts mehr, sondern acht Koordinatoren und 22 Schreiber. So viele sind es heute bei der "Eßlinger Zeitung", die stolz darauf ist, eine Vollredaktion zu haben. Vor sechs Jahren waren sie noch 40.

Traditionsblatt Eßlinger Zeitung. Foto: Benny Ulmer
Traditionsblatt Eßlinger Zeitung. Foto: Benny Ulmer

Wahrscheinlich war das zu viel der Bewegung, insbesondere für den Lokalchef Christian Dörmann, der wohl seine Rolle als Platzhirsch in Gefahr sah. Zumal der Neue auch noch als "Hoppla-jetzt-komme ich-Typ" aufgetreten ist, wie EZ-Kollegen erzählen. Vor allem die älteren unter ihnen sollen etwas verstört gewesen sein, wenn Marinos meinte, mit den Ü-50ern könne er nichts anfangen. Oder sie runzelten zumindest die Stirn, wenn er Honorarfragen zu "Peanuts" erklärte. Das hatten sie im Hause Bechtle noch nie gehört. Ganz hellhörig haben sie aber registriert, dass Marinos den Oberbürgermeister der Stadt, Jürgen Zieger (SPD), nicht mehr als sakrosankte Figur behandelt wissen wollte. Das gehe so nicht weiter, soll er gesagt haben.

Wenn er es gesagt hat, dann dürfte dem Rheinländer unklar gewesen sein, wie ein Monopolblatt in einer Stadt wie Esslingen funktioniert. Rathaus und Zeitung bilden in aller Regel eine Doppelspitze bei der Deutungshoheit aller Belange, die den Bürger berühren. Namentlich dann, wenn die Verlegerin Christine Kobarg-Bechtle und der Oberbürgermeister Zieger den engen Schulterschluss suchen. Vielleicht hätte Marinos gut daran getan, in der EZ-Festschrift von 2008 die Grußworte des Stadtoberhauptes zu lesen. "Stets am Puls der Zeit", schrieb Zieger, eine "Erfolgsgeschichte", die sich aus dem EZ-Motto "ganz nah dran" speise. In derselben Ausgabe erläuterte die Verlegerin, auch ihre Redakteure verfügten über "beste Kontakte" zu Politik und Wirtschaft.

Otto Hauser, der Kanzlersprecher, war mal EZ-Volontär

Manche erinnern sich womöglich auch noch an den berühmtesten Volontär des Hauses: Otto Hauser, früh bei der Jungen Union, später CDU-Bundestagsabgeordneter und sogar Kurzzeitsprecher von Kanzler Kohl. Berühmt wurde Hauser durch seine Warnung an die ostdeutsche Bevölkerung, ihr Kreuz bei der PDS zu machen. Das könne den Soli kosten. Inzwischen ist er Unternehmensberater und Honorarkonsul von Aserbeidschan.

Jubiläumsausgabe von 2008 mit Verleger-Gespann Otto Wolfgang Bechtle (verstorben 2012) und Christine Kobarg-Bechtle. Foto: Jo E. Röttgers
Jubiläumsausgabe von 2008 mit Verleger-Gespann Otto Wolfgang Bechtle (verstorben 2012) und Christine Kobarg-Bechtle. Foto: Jo E. Röttgers

Mit ihrem "Ganz-nah-dran"- Kurs ist die "Eßlinger Zeitung" über die vielen Jahre gut gefahren. Die Auflage (41 000) bricht längst nicht so dramatisch ein wie bei anderen Blättern, das Internet bedient sie mit einer Kraft, die geringer gewordenen Erlöse beim Druck der Bildzeitung sind zu kompensieren. Wenn da nicht die Querelen mit den anderen Gesellschaftern wären, wäre alles gut. Einer davon ist die Südwestdeutsche Medienholding (SWMH), die ein knappes Viertel hält, ein anderer die Familie Gottlieb, die den "Teckboten" in Kirchheim/Teck heraus gibt, und beide wollen natürlich (noch mehr) sparen - und die Gewinne steigern.

Letzteres ist schwieriger geworden in den Zeiten der Zeitungskrise, in der niemand weiß, wie's weiter geht. Auch Chefredakteure nicht, die heutzutage eierlegende Wollmilchsäue - siehe Spiegel, Stern, Focus - sein sollten. Sie sind es nicht, weder in Hamburg noch in München noch in Esslingen. Marinos hat's probiert, mit kleinen Korrekturen. "Er hat uns bei den Veränderungen mitgenommen", verlautete aus dem Unternehmen, "gezeigt, dass Veränderungen Teamarbeit sind".

Das waren die Worte zu Marinos Abschied - nach sechsmonatiger Amtszeit. Er habe sich, heißt es bei der EZ, mit Verlegerin Bechtle-Kobarg überworfen. Und das wiederum dürfte so schwer nicht sein, weil die Eigentümer in der Esslinger Zeppelinstraße schon immer in die Redaktion hinein regiert haben - bis hin zum Pro-S-21-Kurs. Jahrzehntelang war es der Patriarch und Axel-Springer-Freund Otto Wolfgang Bechtle, danach seine Tochter Christine, die auch noch als stellvertretende Vorsitzende des Verbandes Südwestdeutscher Zeitungsverleger fungiert. Dort wird gerne der Qualitätsjournalismus gepredigt.

Zu einem Gespräch war Bechtle-Kobarg nicht zu bewegen. Sie wolle zum Ausscheiden des Chefredakteurs nichts sagen, beschied sie eine Anfrage von Kontext. Es gelte das "wording", auf das sich Herr Marinos und der Verlag verständigt hätten. Und das lautet: "Dr. Alexander Marinos scheidet auf eigenen Wunsch aus dem Unternehmen aus".

 

Update 24.09.2014:
Den Zeitungen geht's schlecht. Das ist bekannt. Da haben wir uns gedacht, es wäre doch hilfreich, mal etwas Aufbauendes zu schreiben. Über die "Esslinger Zeitung" zum Beispiel. Es war zu berichten, dass das Traditionsblatt noch immer im schwarzen Bereich zu Hause ist. Finanziell gesehen. Aber das war dann auch wieder nicht recht. Flugs flatterte uns eine Abmahnung ins Haus, mit der Kontext untersagt werden sollte, eine bestimmte Rendite des Verlags zu veröffentlichen. Die genannte Zahl sei nicht nur eine unrichtige Tatsachenbehauptung, ließ uns die ehrwürdige Kanzlei Löffler-Wenzel-Sedelmeier wissen, sondern verletze ihre Mandantin auch in ihrem Unternehmenspersönlichkeitsrecht. Abgesehen davon, dass das immer Geld kostet – für jeden zukünftigen Fall der Zuwiderhandlung gleich angedrohte 6000 Euro –, lag es Kontext fern, jemanden Schmerzen zuzufügen. Also haben wir den Verletzten versichert, auf keinen Fall zu wiederholen, dass in Esslingen Renditen in der behaupteten Höhe erzielt werden. Den beanstandeten Halbsatz, bestehend aus sieben Worten, haben wir im obigen Artikel gestrichen. Wer sich für Zahlen interessiert, muss jetzt auf den Bundesanzeiger ausweichen, in dem die Bilanz 2012 der Bechtle Beteiligungs-GmbH veröffentlicht ist, deren Tochtergesellschaft die Bechtle Graphische Betriebe und Verlagsgesellschaft (Bechtle Verlag und Esslinger Zeitung) GmbH & Co. KG ist, die die Esslinger Zeitung verlegt. Zu finden unter diesem Link.

Übrigens: Verletzungsfrei ist der Abgang des EZ-Chefredakteurs Alexander Marinos verlaufen. Der 42-jährige Diplomjournalist wird zum 1. Oktober stellvertretender Chefredakteur der Essener WAZ.


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Kommentare

Nadine Monsen, 23.09.2014 15:49
Diese Zitate zu den Ü-50ern und zu den Honorar-Peanuts sind Marinos durchaus zuzutrauen. Das hat er schon früher beim General-Anzeiger in Bonn praktiziert, ebenso wie die Einführung eines schmal besetzten Newsdesks. Und da ist er gescheitert bzw. ist ihm empfohlen worden zu gehen.

Ich bin etwas verwundert, 16.09.2014 22:22
Sehr geehrter Herr Frank,

irgendwie verstehe ich gerade den Zusammenhang zwischen Ihrem Kommentar und dem Artikel von Kontext zur Eßlinger Zeitung und Herrn Dr. Marinos nicht ganz.
Was hat nun Stuttgart 21 und der verstorbene Dr. Markus Bleistein mit dem Artikel und den restlichen Kommentaren zu tun?

Mit freundlichen Grüßen
Ich bin etwas verwundert.

Ulrich Frank, 13.09.2014 20:22
Die Beleuchtung der Hintergründe der Medien und der dazugehörigen Personalien durch kontext-Autoren ist auf jeden Fall von stetigem Interesse und verdienstvoll. - Markus Bleistein, hier genannt als ehemaliger Vizesprecher von Herrn Teufel, war dann wohl auch derjenige der, (z.B. in der Untertürkheimer Zeitung) Leitartikel bzw. Kommentarspalten schrieb, z.B. eine zu einem der jüngeren Jahreswechsel in welchem das hiesige System über allen Klee gelobt wurde: anläßlich von unterschiedlichen Vorstellungen zu Stuttgart 21 gäbe es hierzulande - anders als anderswo - demokratische Veranstaltungen wie z.B. die Schlichtung? - Daß es nur zur "Schlichtung" kam weil sich Stuttgarter Bürger und Bürgerinnen am 30.09.2010 im Schloßgarten brutal "naßmachen" und verknüppeln lassen mußten wurde in diesem Leitartikel nicht erwähnt.

Klaus Wieschemeyer, 10.09.2014 22:01
Danke für die Klarstellung, Herr Marinos (sollten Sie es wirklich sein): aus meinem früheren Kennenlernen hatten mich die drei Punkte, die Sie ansprechen, im Artikel auch etwas verwundert.

Dr. Alexander Marinos, 10.09.2014 19:27
Der Artikel ist an drei Stellen schlecht recherchiert.

1. Es ging mir nicht um eine Berichterstattung gegen den Oberbürgermeister, sondern generell um eine kritischere Begleitung des gesamten Kommunalpolitik
2. Das Ü-50-Zitat ist, von wem auch immer, frei erfunden. Das widerspricht auch meinen eigenen Überzeugungen.
3. Das Peanuts-Zitat ist aus dem Zusammenhang gerissen und wirkt somit grob verfälschend.

Es wäre schön gewesen, wenn der Autor vor der Veröffentlichung versucht hätte, mit mir Kontakt aufzunehmen und mich zu befragen. Ich habe mal gelernt, dass das zu den Mindeststandards journalistischer Arbeit gehört.

Kurt Mueller, 10.09.2014 17:45
Wenn das so stimmt, kann man die Redakteure nur für die Dummheit der Eigentümerin bedauern.

Es soll ja Lokalblättchen geben, die aus eher nickeligen Gründen den örtlichen Bürgermeister runterschreiben. Das ist natürlich albern.

Aber wer seine Rolle als Lokalblatt darin sieht, der Lautsprecher des Bürgermeisters zu sein, der hat halt auch nur Bahnhof verstanden. Viele Bürger kaufen genau deshalb ihr Lokalblatt nicht mehr, wei die kritische Distanz zum Rathaus fehlt. Wie schnell das peinlich wird, hätte Frau Kobarg-Bechtle im benachbarten Schuttgart beobachten können. Dort machte sich der Chefredakteursdarsteller der Stuttgarter Nachrichten ohne Not zum Schrott-21-Jubelperser - wofür er sich bis ans Ende seiner Arbeitsleben schämen sollte und wird...

Allerdings sind auch Details aus Herrn Marinos Auftreten verstörend. Wer Mitarbeiter nach ihrem Alter und nicht nach ihrem Verhalten einschätzt, macht was falsch. Ich habe im Laufe meines Berufslebens sowohl festgefahrene Mittdreißiger wie wache Ü-Fuffis erlebt. Und Honorare sind weder für den Verlag noch für Mitarbeiter "Peanuts"...

tillupp, 10.09.2014 11:54
Ja so ist das mit der Pressefreiheit, bei den Eigentümerinteressen hört sie auf. Die Finanzeliten der Wirtschaft bestimmen die Themen und wie sie präsentiert werden. Wieder ein Grund mehr Kontext zu unterstützen.

Zeitungsmonopolisten unter sich, 10.09.2014 09:46
Ja, so sieht das aus. Aber ungepflegt sieht es in Esslingen auch an vielen Stellen aus. Mit oder ohne Herrn Zieger. Mit oder ohne die EZ. Das ist meine Wahrnehmung. Aber die Rendite stimmt. Fürs Jenseits wird das nicht gut ausgehen. Das ist meine Einschätzung. Aber Leute an der Macht interessieren sich "fier so Äbbes" nicht. Oder?

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Ausgabe 312 / Die unheiligen Apostel / CharlotteRath, 23.03.2017 14:51
Fußgängerstegle ... eine echt schwäbische Lösung. München hat sich einen Park gegönnt, um zwei voneinander getrennte Stadtteile über eine große Straße hinweg zusmmenzuführen: https://de.wikipedia.org/wiki/Petuelpark Mit...

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