KONTEXT Extra:
Parkschützer helfen Wolfgang Dietrich beim VfB

Überraschende Hilfe für den früheren S 21-Sprecher Wolfgang Dietrich: Ermuntert durch das Kontext-Editorial ("Dietrich for President") finden sich im Bahnhofsgegner-Forum "Parkschützer" bereits Vorschläge für Sprechakte, die der 68-Jährige als VfB-Präsident vornehmen könnte. Besonders hübsch die Ansage, der Zweitligist plane den Kauf von Messi, Ronaldo und Ibrahimovic - "die Kosten dafür werden unseren Etat nicht belasten". Sehr schön auch der Plan, keinen Torwart einzusetzen, denn: "Ich bin sicher, wir bekommen eine Sondergenehmigung, unser Tor mit Brettern vernageln zu dürfen". Außerdem brauche der VfB keine elf Spieler - "unsere Mannschaft ist mit sechs Spielern 30 Prozent leistungsfähiger". Grundsätzlich habe der Abstieg in die 2. Liga keinerlei Auswirkungen auf das Ziel, 2017 Deutscher Meister zu werden: "Wir liegen da voll im Zeitplan". (28.7.2016)


Zwei Afd-Fraktionen im Landtag zulässig

Nach dem von der Landtagsverwaltung in Auftrag gegebenen Gutachten zur Vertretung der "Alternative für Deutschland" (AfD) im baden-württembergischen Parlament gibt es keine Handhabe gegen die Parallelfraktion. Die Professoren Christofer Lenz, Martin Morlok und Martin Nettesheim schreiben in ihrer 35-seitigen Stellungnahme: Der unter der Bezeichnung "Fraktion der Alternative für Baden-Württemberg im Landtag von Baden-Württemberg" auftretende Zusammenschluss von 14 der AfD angehörenden Abgeordneten sei "seit seiner Konstituierung am 06.07.2016 eine Fraktion im Sinne der Geschäftsordnung des Landtags". Einer Anerkennung bedürfe es nicht. Es bestünden keine über den Wortlaut Geschäftsordnung "hinausgehende, rechtliche Anforderungen an die Zulässigkeit einer Fraktionsbildung".

Auch das "Verbot der Fraktionsvermehrung" greift nach Einschätzung der Gutachter nicht. "Der Landtag würde die verfassungsrechtlichen Grenzen seiner Geschäftsordnungsautonomie aber nicht überschreiten", heißt es weiter, "wenn er eine Regelung erließe, die die Gründung einer 'Parallelfraktion' untersagt." Einer bereits bestehenden Fraktion ist der Status aber auch dadurch nicht zu nehmen. Denn: "Eine derartige Regelung dürfte nur mit Wirkung für die Zukunft erlassen werden, zweckmäßigerweise zum Zeitpunkt des Zusammentritts des neuen Landtag."

Damit müssen sich die anderen Fraktionen, wenn der AfD-Bundes- und Landessprecher Jörg Meuthen mit den Bemühungen eines Zusammenschlusses unter seiner Führung keinen Erfolg hat, weiterhin mit mindestens zwei rechtspopulistischen Rednern und Rednerinnen zu jedem Tagesordnungspunkt abfinden. Die geschätzen Kosten der Spaltung für die Steuerzahler und Steuerzahlerinnen liegen bei drei Millionen Euro. Denn auch die zweite AfD-Fraktion hat ein Recht auf die allen anderen zustehende finanzielle Ausstattung. (25.7.2016)


Zweiter NSU-Ausschuss: Geheimdienste auf der Theresienwiese?

Der zweite NSU-Untersuchungsausschuss des Landtags hat in seiner konstituierenden Sitzung am Donnerstag die ersten zwei Zeugen benannt. Sie sollen nach den Worten des Vorsitzenden Wolfgang Drexler (SPD) Auskunft darüber geben, "ob sich am Tag des Anschlags auf die beiden Polizeibeamten in Heilbronn Geheimdienste am oder in der Nähe des Tatorts befunden" haben.

Im ersten Ausschuss in der vergangenen Legislaturperiode hatte der Journalist und NSU-Experte Rainer Nübel als Sachverständiger dazu Stellung genommen. "Er verwies", wie es im Abschlussbericht heißt, "zunächst auf die mutmaßliche Anwesenheit der Defence Intelligence Agency (DIA) zur Tatzeit am Tatort". Mitte November 2011 habe er, wie Nübel weiter zitiert wird, eine Nachricht von der "Stern"-Redaktion in Hamburg erhalten, wonach ein dort vorliegendes Papier ein mutmaßliches Observationsprotokoll des amerikanischen Militärgeheimdienstes DIA darstelle. Daraus gehe hervor, dass zur Tatzeit eine Observation von "M. K." und einer weiteren, nicht näher definierten Person durch US-Agenten stattgefunden habe. Zumindest eine dieser beiden Personen habe zuvor bei der Santander-Bank 2,3 Millionen Dollar oder Euro abgeholt. Und weiter: "Sicherheitsbeamte entweder aus Baden-Württemberg oder Bayern sollten präsent gewesen sein und die Operation aufgrund eines 'Shooting Incident' zwischen 'White Wings', also Neonazis bzw. Rechtsextremisten, und einer Polizeistreife abgebrochen worden sein."

Nübel hatte bei seinem Auftritt als Sachverständiger umfangreiche Ausführungen zu den eigenen Recherchen gemacht. Aus Zeitgründen und angesichts des Endes der Legislaturperiode, so Drexler, der auch den ersten Ausschuss führte, habe diesem Komplex aber nicht mehr detailliert nachgegangen werden können. Im Einsatzbeschluss des zweiten Gremiums heißt es jetzt, insbesondere sei zu klären, ob "Angehörige von ausländischen Sicherheitsbehörden auf der Theresienwiese oder in der Umgebung im Umfeld des Mordanschlags am 25. April 2007 anwesend waren, ob und welche Rolle diese beim Tatgeschehen gespielt und welche Erkenntnisse dazu bei deutschen Sicherheits- und Ermittlungsbehörden vorgelegen haben". Die erste öffentliche Sitzung des Untersuchungsausschusses findet am 19. September statt. Gehört werden zum Auftakt auch noch einmal vier Sachverständige.


Keine Nebenabsprache zu Stuttgart 21

Um Streit zu vermeiden, sind laut Winfried Kretschmann die bis zum Wochenanfang geheimen Nebenabreden mit der CDU zusätzlich zum Koalitionsvertrag getroffen worden. Die Aufregung darüber, dass Ausgaben von 1,3 Milliarden Euro ohne Finanzierungsvorbehalt an der Öffentlichkeit vorbei festgeschrieben wurden, versuchte der Regierungschef mit neuen Einblicken in seinen Politikstil zu kontern: "Auch ich muss mal mauscheln, auch ich muss mal dealen." Kein Mensch auf der Erde, der vernünftig Politik machen wolle, kriege das hin ohne Absprachen hinter den Kulissen. Da habe er kein schlechtes Gewissen, denn es sei "unspektakulär", einzelne Maßnahmen zu priorisieren, die grundsätzlich ohnehin im Koalitionsvertrag vereinbart seien.

Unter anderem ist im Detail aufgeführt, dass 325 Millionen Euro ohne Finanzierungsvorbehalt in die Digitalisierung fließen sollen, 100 Millionen in die bessere Ausstattung der Polizei oder 40 Millionen in die Elektromobilität. Der mit 500 Millionen Euro größte Betrag ist allerdings nicht mit konkreten Informationen versehen, die Summe steht für "Investieren/Sanieren (Straße/Schiene, Hochbau, Hochschulen, ...)" zur Verfügung. Der Ministerpräsident widersprach Mutmaßungen, dass in dieser halben Milliarde auch zusätzliche Mittel für Stuttgart 21 über den Kostendeckel hinaus versteckt sein könnten. Für die laufenden Zahlungen gebe es einen Sonderposten im Haushalt. Nebenabsprachen zu diesem Thema hätten nicht stattgefunden.

(19.07.2016)


Die Reichen sind noch viel reicher

Einkommenserhebungen bei Spitzenverdienern aus mehr als 1300 Firmen haben ergeben, dass alle offiziellen Einschätzungen zur wachsenden sozialen Kluft in der Bundesrepublik die Situation beschönigen. Nach den Zahlen, die das ARD-Magazin "Monitor" in diesen Tagen veröffentlichte, verdienen Manager und Vorstände im Durchschnitt nicht 200 000 Euro jährlich, sondern rund eine halbe Million. Die 200 000 Euro sind aber offiziell im sogenannten Sozioökonomischen Panel (SOEP) ausgewiesen, welches wiederum wichtiger Eckpfeifer der bisherigen Armuts- und Reichtums-Berichterstattung in Bund und Ländern ist.

Das Bundesarbeitsministerium will die Daten dort jetzt einfließen lassen, ebenso wie die Erkenntnisse einer in der vergangenen Woche von der Bertelsmann-Stiftung veröffentlichten Studie. Danach verdienen die einkommensstärksten zehn Prozent der Bevölkerung mehr als die unteren 40 Prozent zusammen. Und die Einkommensungleichheit wächst weiter. In "Monitor" präsentierte Wirtschaftsweise Peter Bofinger eine vergleichsweise einfache Lösung: "Aus meiner Sicht würde es naheliegen, wieder zu den Steuersätzen zurückzukehren, die wir in den Neunzigerjahren hatten, und das war ein Spitzensteuersatz in der Einkommenssteuer von 53 Prozent." Zurzeit liegt er bei 42 Prozent. Ab einer bestimmten Einkommenshöhe werden drei Prozentpunkte Reichensteuer hinzugerechnet. Von ihr sind aber nicht einmal ein halbes Prozent der Steuerzahler und Steuerzahlerinnen betroffen.


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SWR-Reporter Jürgen Rose hat verdeckt bei Daimler recherchiert. Foto: Joachim E. Röttgers

SWR-Reporter Jürgen Rose hat verdeckt bei Daimler recherchiert. Foto: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 175
Medien

Dicke Backen beim SWR

Von Josef-Oto Freudenreich
Datum: 06.08.2014
Daimler gegen den SWR – das erstaunt. Normalerweise sind sie nett zueinander, aber die Undercover-Reportage "Hungerlöhne am Fließband" hat den Autokonzern erregt. Das ist verständlich, aber warum zeigt sich die Anstalt plötzlich so kämpferisch?

"Man muss sich verkleiden, um die Gesellschaft zu demaskieren, muss täuschen und sich verstellen, um die Wahrheit herauszufinden."
Günther Wallraff 1985

 

Daimler-Sprecher Jörg Howe hat viel gelernt in seinem Berufsleben. Zuerst beim NDR, bei "ARD-aktuell", dann bei Sat 1, beim Erfinden des MDR-Boulevardmagazins "Brisant", bei Karstadt/Quelle, und seit 2008 beim Stuttgarter Sternkonzern. Er weiß also, wie Journalismus geht und wie PR, wobei ihm beide Felder nicht wesensfremd erscheinen. In beiden müsse man "schnell sein und auch mal was riskieren", verrät der 56-Jährige, und man dürfe "niemals lügen". Lieber gar nichts sagen. Im Landgericht Stuttgart hat er gesagt, der Südwestrundfunk (SWR) spiele sich als "Bannerträger der Pressefreiheit" auf. Das könnte Risiko und Wahrheit sein.

Howe bezieht sich auf die SWR-Reportage vom 13. Mai 2013, die den Titel trug: "Hungerlohn am Fließband – Wie Tarife ausgehebelt werden". Das Stück lief in der ARD zur besten Sendezeit, verdeckt auf dem Daimler-Werksgelände gedreht, und war für die schwäbischen Autobauer nicht besonders schmeichelhaft. Reporter Jürgen Rose hatte sich über eine Zeitarbeitsfirma anstellen lassen, verpackte Zylinderköpfe im Werk Untertürkheim und erhielt dafür acht Euro und 19 Cent in der Stunde, macht 1250 Euro brutto im Monat, ein Drittel des Lohnes der fest angestellten Kollegen. So wenig, dass er auch noch Anspruch auf Hartz IV gehabt hätte.

Mittendrin die Ikone der deutschen Industrie. Das tut weh

Was im Juristendeutsch harmlos "Arbeitnehmer-Überlassung" heißt, traf Daimler mit voller Wucht. Bei Frank Plasberg ("Hart, aber fair") war ein "schwarzer Tag für den deutschen Vorzeigekonzern" angebrochen, in den Zeitungen wurden daraus Schlagzeilen, in den Parlamenten Debatten darüber, ob Leiharbeit eigentlich nichts anderes sei als moderne Sklaverei. Und mittendrin die "Ikone der deutschen Industrie" (FAZ). Das tut weh.

Normalerweise hoffen die PR-Leute, zu Recht, dass sich der Sturm bald legt, eine andere Sau um die Ecke rennt und wieder Ruhe im Karton ist. Man schickt eine Pressemitteilung raus, die mehr oder weniger scharf dementiert, einen Vorständler ins Studio oder Zeitungshaus, und die Wogen sind geglättet. Nicht so Daimler. Der Konzern kam auf die Idee zu klagen, um den SWR an einer weiteren Ausstrahlung der Undercover-Reportage zu hindern.

Von links: Richter Christoph Stefani, Anwälte Löffler und Schertz. Fotos: Joachim E. Röttgers
Von links: Richter Christoph Stefani, Anwälte Emanuel Burkhardt und Christian Schertz. Fotos. Joachim E. Röttgers

Die Folgen sind neue Schlagzeilen, rote Fahnen vor dem Stuttgarter Landgerichtsgebäude und Daimler-Mitarbeiter, die sich in den überfüllten Saal 155 drängen, anprangernde Schilder ("Keine Billigarbeitsplätze auf den Philippinen und in Berlin") hochhalten, sowie ein irritierter Richter Christoph Stefani ("Bitte keine Transparente hochhalten") und ein zu großer Form auflaufender Daimler-Anwalt. Es ist Christian Schertz, ein Berliner Presserechtler, der schon Günther Jauch, Heino, Carmen Nebel und Karl-Theodor zu Guttenberg vertreten hat. Der Promianwalt geißelt die "perfide Vorgehensweise" des SWR, der nach seinem Dafürhalten so ziemlich jedes Recht gebrochen hat. Beim Beschaffen, Darstellen und Verbreiten von Informationen über "nicht rechtswidrige Vorgänge".

Die Leitlinie ist Günther Wallraff, der bei 2Bild" Hans Esser war

Richter Stefani hört lächelnd zu, spricht auch mal von Lohngerechtigkeit, aber weil er dafür nicht zuständig ist, mehr über grundsätzlich Juristisches. Er habe das Persönlichkeitsrecht des Unternehmens, vulgo das Hausrecht, gegen die Pressefreiheit abzuwägen, betont er, und damit gegen das öffentliche Interesse, das in diesem Fall gegeben sei. Als Leitlinie führt er das "Wallraff-Urteil" des Bundesverfassungsgerichts von 1984 an. Darin ist festgehalten, dass die Veröffentlichung rechtswidrig erlangter Informationen "vom Schutz der Meinungsfreiheit umfasst" ist. Streitgegenstand war das Buch "Der Aufmacher – Der Mann, der bei Bild Hans Esser war", gegen das der Springer-Verlag geklagt hatte. Günther Wallraff hatte sich unter falschem Namen in die Redaktion eingeschlichen und beschrieben, wie zynisch das Boulevardblatt arbeitet. Das sei wohl ein heikleres Gelände gewesen als die Untertürkheimer Fabrikhalle, in der ein SWR-Reporter Zylinderköpfe verpackt habe, meint Stefani. Sein Wink an die Daimler-Bank ist unübersehbar: Pressefreiheit schlägt Hausrecht. Die Kläger hätten sich daraufhin auch gerne mit einem Vergleich verabschiedet.

Protestplakate im Sitzungssaal. Foto: Joachim E. Röttgers
Protestplakate im Sitzungssaal. Foto: Joachim E. Röttgers

Nicht der Südwestrundfunk. Er hatte sich als Investigationsanstalt und darüber hinaus ein "ganz überragendes Interesse" an der Sache entdeckt. Der Sender habe ein "öffentlich-rechtliches Wächteramt" auszuüben, sprach sein Anwalt Emanuel Burkhardt von der Stuttgarter Kanzlei Löffler, Wenzel, Sedelmeier, und selbiges beinhalte auch die Aufdeckung von Missständen. Dies gehöre zur grundsätzlichen Glaubwürdigkeit des SWR. Das mag so manchen Zuhörer im Saal, das Wohlfühlprogramm des Senders im Hinterkopf, verwundert haben. Aber vom Prinzip her ist das schon richtig. Dafür sind die öffentlich-rechtlichen Funkhäuser einst eingerichtet worden. Außerdem hatte Intendant Peter Boudgoust sehr wohl registriert, welche Reputation ihm die Reportage eingebracht hatte. Beim Publikum, bei Rundfunkräten, bei der ARD. Schau einer an, heißt es: Der SWR kann noch etwas anderes als Heimat. Boudgoust ist deshalb auch derjenige, der die harte Linie vorgibt.

Schön also, wenn sich der Sender an seinen Auftrag erinnert. Das könnte in die Infooffensive passen, die er verspricht. Schön, wenn er es nicht nur aus Imagegründen tut, sondern auch als Signal nach innen verstehen würde. Die Programmreform im Herbst steht an, und die hätte noch viel Platz für viele Jürgen Roses. Arbeitswelt statt Landlust, das könnte ein Titel sein, der Relevanz und Glaubwürdigkeit stärkt, wovon jetzt so viel die Rede ist.

Der Film hat gewirkt – Leiharbeiter werden fest angestellt

Ja, die "Hungerlöhne am Fließband" hätten den "Finger in die Wunde gelegt", sagt Karl Reif, der stellvertretende Betriebsratschef im Daimler-Werk Untertürkheim. In einer persönlichen Erklärung hat er die Klage des Unternehmens gegen den SWR verurteilt, die Zurücknahme gefordert und den Film als Beitrag gewertet, die "überfällige gesellschaftliche Diskussion" in Gang zu setzen. Im Betrieb streiten sie seit vielen Jahren mit der Geschäftsleitung über Niedriglöhne, Werkverträge, Leiharbeit, Fremdvergaben, eben über alles, was prekäre Arbeitsverhältnisse schafft. Ihr Einfluss ist gering, weil es dazu keine tarifvertraglichen Regelungen gibt und Daimler auch keine will. Sonst könne man wieder zu den Kombinaten zurückkehren, betonte jüngst Personalvorstand Wilfried Porth in den "Stuttgarter Nachrichten".

Erst der Film, bundesweit gesendet um 20.15 Uhr, habe Daimler zum Handeln gezwungen, glaubt Reif. Das Unternehmen habe viele Werkverträge überprüfen lassen müssen, Fremdvergaben zurückgezogen und eine ganze Reihe von Leiharbeitern fest angestellt – immerhin. Und er habe, was nicht zu unterschätzen sei, auch in die Gewerkschaften hinein gewirkt. Die Presseerklärung der IG Metall Baden-Württemberg ("Journalismus darf und muss investigativ sein"), moniert Reif, hätte zwar schärfer sein können, auch weil sie Rose vorher den Willy-Bleicher-Preis verliehen hat – aber immerhin. Kollegen von ihm berichten, auch bei den Betriebsratsfürsten, deren Lieblingsthema Leiharbeit nicht ist, habe ein "Umdenken" stattgefunden. 

Die streitenden Parteien haben nun bis zum Ende des Monats August Zeit, sich zu sortieren. Daimler-Sprecher Howe hat seine Linie schon klar. Er denke "nicht im Traum daran", die Pressefreiheit einschränken zu wollen, sagt er. Dazu sei er zu lange Journalist gewesen. Aber "verscheißern" lasse er sich auch nicht. Dazu ist er zu lange im PR-Gewerbe. Sein Kollege Wolfgang Utz ("Wir lassen uns auf keinen Vergleich ein"), der Sprecher des SWR, kämpft natürlich auch für die Pressefreiheit. Und hoffentlich bald, zusammen mit seinem Personalrat ("Die Zitrone ist ausgepresst"), für die Leiharbeiter in seiner Anstalt.


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Kommentare

ein Mensch, 09.08.2014 08:36
@"Cource, 08.08.2014 08:32
So wie man nach der Wende die Regimeopfer ... entschädigte ..."
Siehe:
"Es widerspricht dem Art. 3 Abs. 1 des Grundgesetzes, daß das Gesetzes zur Regelung der Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts für Angehörige des öffentlichen Dienstes Beginn und Umfang der Wiedergutmachung für geprüfte Kandidaten und für entlassene Referendare verschieden geregelt hat. ..."
http://www.servat.unibe.ch/dfr/bv018288.html

Es widerspricht dem Art. 3 Abs. 1 des Grundgesetzes, daß das Gesetzes zur Regelung der Wiedergutmachung – Hartz IV – (etc.) Unrechts für Angehörige des öffentlichen Dienstes oder anderer Arbeitsstellen Beginn und Umfang der Wiedergutmachung für geprüfte Kandidaten und für entlassene Referendare oder aus Arbeitsstelle XY gemobbte/entlassene verschieden geregelt hat, und gar Zwangsarbeits/ ein Euro Jobs und ein Niedriglohnsektor der Unwürde / Sklaverei geschaffen hatte.

Die Ausgrenzungspolitik zur Bevorzugung der Arbeitgeber in allen Bereichen lässt sich mit der Rechtspolitik von vor 1945 etc. vergleichen.

Cource, 08.08.2014 08:32
So wie man nach der Wende die Regimeopfer der DDR entschädigte wird man u.U. auch irgendwann die Leiharbeiter in Deutschland entschädigen

ein Mensch, 07.08.2014 17:03
ist das nur Sommertheater?
".. Der Sender habe ein "öffentlich-rechtliches Wächteramt" auszuüben, sprach sein Anwalt Emanuel Burkhardt von der Stuttgarter Kanzlei Löffler, Wenzel, Sedelmeier, ..."

Wie sieht es den beim SWR etc. mit der verbotenen Willkür unter Hartz IV aus, die sich mit der verurteilten Willkür von vor 1945 fast vergleichen lässt?
http://www.servat.unibe.ch/dfr/bv006132.html Rn. 126 – 144

Das alles wie einst, vor 1945; vor 1900 u.s.w., wo Sklaverei für Globalplayer (Fürsten etc..) unter Lohndruck; Willkür; Diskriminierungen und Enteignungen von Menschen, nicht nur von den Gierigen sondern auch von den gierigen Staatsorganen (Gesetzgeber; Behörden & Richtern) geduldet und vollstreckt wurde.

Aber nicht nur bei Daimler wird für die Gier unter Zeitdruck gefuscht, gemobbt etc., so geht es auch bei Zulieferern für Airbus/EADS/MTU u.s.w. und zieht sich durch die ganzen Produktpaletten - Dienstleistungen (Mäusekot in Müller Brot; Rückrufe bei BMW etc.; neue Virenfielfalt in Krankenhäuser u.s.w.)
Und bist du nicht willig so schlägt (hilft) die Staatsgewalt mittels Hartz IV und Willkür zu, damit Daimler & Co. billig produzieren können. "Made in Germany"

Die unveräußerlichen Menschenrechte und die unantastbare Würde des Menschen, wurde wieder von Politikern und willigen Richtern etc., für die Todsünde der Gier billigst und unwürdigst verramscht.

Die nachlassende Qualität, Mobbing in der QS etc. (Made in Germany), ist auch die Würde und das Laster der Gier der Richter - Gesetzesgeber etc..
Muss in Deutschland gar zweifeln ob Richter das Wort – Menschenrechtsverletzungen – in einer Klage lesen, schreiben und umsetzen können? Denn bei christlichen Politikern der CDU; SPD; FDP & Grünen die der Todsünde der Gier frönen und der Lobby der Globalplayer hörig sind, ist jede Hoffnung, wie auch bei ein Großteil der Richter, in diesem angeblichen Rechtsstaat verloren.

Cource, 07.08.2014 08:32
In diesem System gibt es keine Zufälle alles ist unter Kontrolle es läuft nach dem mafiasystem wer nicht spurt muss gehen

Oeconomicus, 07.08.2014 07:54
Daimler im Spannungsfeld zwischen Rekordgewinnen und 'abgezetschter' Arbeiter mit Werkverträgen

http://oconomicus.wordpress.com/2014/02/08/daimler-im-spannungsfeld-zwischen-rekordgewinnen-und-abgezetschter-arbeiter-mit-werkvertragen/

Ulrich Frank, 06.08.2014 17:51
Tja, das ist schon eine Sache mit der Berichterstattung des swr im Bereich des Ernsthaften, dem öffentlich-rechtlichen Auftrag Geschuldeten. Im Zuge der Aufarbeitung des Sponsorings der letzten Stallwächterparty konnte man Zeuge eines swr-"Brennpunkts" werden der adäquate journalistische Spitzen hatte - die Journalist/Innen des swr können es also durchaus wenn sie es dürfen oder wollen. Auch wurde dort sehr gewieften Bürger/Innen auf den Mund geschaut welche zur Erhellung der Lage einen artikulierten Beitrag leisteten und nicht nur vage zum Stimmungsbild beitrugen. Das selbstbezügliche Aperçu des Plastillin-Landesvaters Winfried Kretschmann- "Doppelmoral ist besser als keine Moral" war nicht nur amüsant. - Allein, man fragte sich - kommt das aus ganz lauteren Quellen? und: wieso nicht öfter?

FernDerHeimat, 06.08.2014 13:17
Keine Angst, das ist nur ein Nebenschauplatz! Bei den wirklich relevanten Themen "vergisst" der SWR dann schnell wieder die journalistischen Ideale - oder kippt rechzeitig um.

Vermutlich hat Daimler nur dieses Mal Pech und kein Politiker fühlt sich gerade zuständig.

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