KONTEXT Extra:
Jetzt doch ein Koalitionsausschuss zu Afghanistan

Vor Weihnachten hatten Grünen und CDU eine inhaltliche Aussprache über die Abschiebepraxis nach Afghanistan vermieden. Stattdessen wurde im Koalitionsausschuss vor allem darüber diskutiert, ob Grünen-Landeschef Oliver Hildenbrand es "schäbig" nennen darf, wenn sein CDU-Pendant, Innenminister Thomas Strobl, auch alte oder kranke Menschen abschieben will. Zur bisher einzigen Sammelabschiebung wurde ein Mann sogar aus einer Psychiatrischen Klinik geholt, dann allerdings doch nicht ins Flugzeug nach Kabul gesetzt.

Am kommenden Dienstag werden dieser und andere Fälle sowie die grundsätzliche Vorgehensweise im Koalitionsausschuss diskutiert. Die Grünen, die die Debatte durchgesetzt haben, erinnern an die geltenden Leitlinien des Landes zu Abschiebungen und Rückführungen, nach denen eine Einzelfallprüfung ohnehin zwingend ist. Bisher hatte sich Strobl gegen eine inhaltliche Behandlung der von ihm mitinitiierten verschärften Abschiebepraxis im Koalitionsausschuss ausgesprochen. Die Grünen gehen davon aus, dass die Leitlinien und damit die Einzelfallprüfung bestätigt werden.

Auf dem Tisch liegt auch ein Papier der sogenannten G-Länder, also aller Koalitionen, an denen Grüne beteiligt sind. Diesem zufolge muss gewährleistet sein, "dass Ausreisepflichtige keinen Schaden an Leben und Gesundheit nehmen". Die Regierungspartner in Baden-Württemberg, Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen "betonen eine Reihe von Grundlinien und Anforderungen bezüglich Rückführungen nach Afghanistan". Sie fordern die Bundesregierung aber auch auf, die Sicherheitslage in Afghanistan "erneut zu überprüfen". (14.1.2017)


Ein zweites Raumwunder für Geflüchtete

Engagement kann sich lohnen. Im September hatte Kontext über die Initiative der Künstlerin Martina Geiger-Gerlach berichtet, eine Wohnung in einem zum Abriss vorgesehenen Haus im Stuttgarter Stadtteil Steckfeld monatsweise Flüchtlingen zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig finden dort immer Ausstellungen statt, die Nachbarn und Interessierten Gelegenheit geben, Künstlern und Geflüchteten zwanglos zu begegnen. Nun hat der Vermieter, das katholische Siedlungswerk, der Künstlerin eine zweite Wohnung im selben Haus als Lernwohnung zur Verfügung gestellt, damit Geflüchtete, die im Trubel ihrer Unterkunft nicht zur Ruhe kommen, eine Rückzugsmöglichkeit finden. Zudem bleibt das Haus länger stehen: voraussichtlich zwei Jahre. Dem Siedlungswerk gefällt das Projekt so gut, dass Martina Geiger-Gerlach gefragt wurde, ob sie sich vorstellen könnte, im Quartiersraum des Neubauareals an Stelle des früheren Olgahospitals eine Aufgabe zu übernehmen. Und: Ihr Wohnungs-Projekt ist für den Stuttgarter Bürgerpreis der Bürgerstiftung vorgeschlagen worden. Am 20. Januar um 19 Uhr eröffnet in der Karlshofstraße 42 in Steckfeld die nächste Ausstellung mit Gemälden von Ivan Zozulya und dem DJ Roman Levin. Am 31. Januar wird die Entscheidung zum Bürgerpreis bekannt gegeben. Jeder kann mit abstimmen!


Der Gewitterwanderer im Glück

Mitte November hatte der 33-jährige Göppinger Schriftsteller Kai Bleifuß noch geschimpft wie ein Rohrspatz. Der promovierte Goethe-Experte rackert sich seit Jahren mit Schreiben ab. Fabrizierte zuletzt einen Roman über den Dichterfürsten und wie der so wäre, würde er in unserer Zeit leben. "Goethes Mörder" heißt das gute Stück. Gutes Zeug. Guter Mann. Das weiß auch Bleifuß selbst. Kontext gegenüber machte er keinen Hehl daraus, dass er sich selbst für einen ziemlich duften Typen hält. Doch bislang schlug ihm seitens des ganzen "Literaturzirkus" und der Verlage kalter Wind entgegen. Niemand wolle mehr ein Risiko eingehen. Literatur würde immer mehr unter ökonomischen Abwägungen betrachtet, konstatierte der resolute Literaturnerd. "Schreiben ist das Idiotischste, was man machen kann. Nicht schreiben aber auch."

Ein Bleifuß lässt sich aber nicht unterkriegen – und jetzt hat es gerappelt im Karton: Am vergangenen Sonntag sackte der Göppinger für seinen Text "Fünf Variationen auf das Unsagbare" den Autorenpreis "Irseer Pegasus 2017" ein. 150 Schriftsteller aus dem ganzen Land hatten sich mit ihren Werken beworben, doch Bleifuß hat den mit 2000 Euro dotierten Preis gewonnen. Neben ihm auf dem Siegertreppchen der Preisverleihung im Kloster Irsee im Allgäu strahlte David Krause aus Kerpen.

"Der glücklose Autor hatte endlich einmal Glück!", schrieb Goethe-Glücksbärchen Bleifuß voller Freude an Kontext, mit der Bitte unseren LeserInnen mitzuteilen, dass man am 27.1. ab 21:05 Uhr im BR2 sein Hörspiel "Pinball" senden werde. Machen wir doch gerne. (11.1.2017) 


Abstand halten von den Volksverrätern

Aus 594 Wörtern haben die Sprachwissenschaftler um die Darmstädter Professorin Nina Janich das Unwort des Jahres 2016 ausgesucht: "Volksverräter". Aus dem Erbe der NS-Diktatur werde das Wort von Pegida, AfD und anderen Rechtsaußen verwendet, um PolitikerInnen  zu diffamieren. Mit der Folge, dass das "ernsthafte Gespräch" und notwendige Diskussionen in der Gesellschaft abgewürgt würden, begründet die Jury. Auf den weiteren Plätzen folgen "postfaktisch", "Populismus", "Gutmensch" sowie eine "Armlänge Abstand". Mit in der fünfköpfigen Jury saß auch Kontext-Autor Stephan Hebel. (10.1.2016)


Sichere Herkunftsstaaten: Kretschmann schon lange für längere Liste

Winfried Kretschmann hat sich mit jüngsten Äußerungen zur Einstufung von Marokko, Tunesien und Algerien als sichere Herkunftsländer derart in die Nesseln gesetzt, dass sich sein Staatsministerium zu einer "Klarstellung" aufgerufen sah. Tatsächlich handelt es sich um einen durchsichtigen Versuch der Schadensbegrenzung. Der grüne Regierungschef hatte auf Anfrage der "Rheinischen Post" in einer Stellungnahme zur aktuellen Sicherheitsdebatte erklärt: "Die kriminelle Energie, die von Gruppierungen junger Männer aus diesen Staaten ausgeht, ist bedenklich und muss mit aller Konsequenz bekämpft werden." Zugleich sprach er sich für die Aufnahme der drei Maghreb-Staaten auf die Liste sicherer Herkunftsländer aus: "Baden-Württemberg wird der Ausweitung zustimmen, sofern die Bundesregierung das Ansinnen in den Bundesrat einbringt."

Die Wirkung beider Sätze im Zusammenhang sind ihm und "meinen Leut", wie er seine engsten Mitarbeiter gern nennt, offenbar entgangen. Jedenfalls stellte "das Staatsministerium klar, dass die signalisierte Zustimmung weder aus aktuellem Anlass beschlossen wurde, noch ihre Begründung in der Gewaltbereitschaft mancher Gruppen junger Männer aus diesen Ländern hat". Vielmehr sei die Entscheidung "schon im Frühsommer 2016 nach einem langen Abwägungsprozess, in dem vor allem der Frage nachgegangen wurde, ob es angesichts der Menschenrechtssituation in den besagten Ländern vertretbar wäre, diese zu sicheren Herkunftsländern zu erklären (...), als sich die Bundesregierung dem Ministerpräsidenten gegenüber bereit erklärte, in einer Protokollerklärung festzuhalten, Personen aus sogenannten vulnerablen Gruppen wie Homosexuellen, verfolgten Journalisten, religiösen Minderheiten mit gleicher Sorgfalt zu prüfen wie Flüchtlinge aus sonstigen Ländern". Das Staatsministerium sagt allerdings nichts dazu, ob die Forderung erfüllt wurde und warum das Thema nicht längst endgültig ausgetreten ist. Denn laut dem Bundesamt für Flüchtlinge und Migration werden die drei Länder in der Statistik überhaupt nicht mehr einzeln ausgewiesen, weil die Zahl der einreisenden Asylbewerber so niedrig ist. Und bereits 2015 gehörten die drei Staaten nicht zu jenen zehn Ländern, aus denen die meisten Flüchtlinge nach Deutschland kamen. (5.1.2017)


KONTEXT
per E-Mail:
Immer informiert:

Durch diese Anmeldung erhalten Sie regelmäßig immer mittwochs um 9 Uhr unsere neueste Ausgabe unkompliziert per E-Mail.

Datenschutz-Hinweis

Screenshot Zapp

Screenshot Zapp

Ausgabe 168
Medien

Der "Hilfspolizist"

Von Josef-Otto Freudenreich
Datum: 18.06.2014
Ein "Glücksfall" für die "Stuttgarter Nachrichten" sei der Reporter Franz Feyder. So sprach einst der Chefredakteur des Blattes. Das war einmal. Danach beschäftigte sich der Presserat mit Feyder, Kontext ebenfalls und jetzt das TV-Magazin "Zapp". Es hält ihm vor, "Hilfspolizist" für die Staatsanwaltschaft gespielt zu haben.

Es ist ein gefährliches Gelände, auf dem sich Franz Feyder bewegt. Salafisten, Islamisten, Dschihadisten, Terroristen. Deshalb sagt er auch von sich, er sei ein Kriegsreporter. Zuletzt unterwegs in Syrien, wo sich alle versammeln. Seine Artikel tragen Überschriften wie "Die Sklavin und der Feuerwehrmann", "Auf der A 8 zum Dschihad" oder "Drei Brüder für den heiligen Krieg". Veröffentlicht in den "Stuttgarter Nachrichten" (StN), wo solcher Hardstuff nicht unbedingt erwartet wird, wo er aber von seinem Chefredakteur Christoph Reisinger als "Glücksfall" und Experte für Tiefenrecherche betrachtet wird.

Feyder-Beitrag in den StN. Screenshot Zapp
Feyder-Beitrag in den StN. Screenshot Zapp

Kontext hatte das schon einmal bezweifelt und wurde von Feyder verklagt (nachzulesen ganz rechts). Beim Presserat landete eine Beschwerde gegen "einen der stärksten Rechercheure des Landes" (Reisinger), wegen Verletzung der journalistischen Sorgfaltspflicht. Für das Landeskriminalamt (LKA) Baden-Württemberg aber blieb der StN-Reporter ein Glücksfall.

Auf dem Tisch hatten die Ermittler den Fall Sven Lau. Der ehemalige Feuerwehrmann aus Mönchengladbach war zum Islam konvertiert, mehrfach in Syrien, posierte dort als Blutspender und Salafisten-Propagandist, wurde verdächtigt, Jung-Dschihadisten angeworben zu haben, am 24. Februar 2014 festgenommen, in Mannheim in U-Haft gesteckt und von der Staatsanwaltschaft Stuttgart angeklagt, eine "schwere staatsgefährdende Gewalttat" angestiftet zu haben. Und das wollte belegt sein.

Gewiss haben die LKA-Beamten in der Cannstatter Taubenheimstraße auch die "Stuttgarter Nachrichten" gelesen und festgestellt, dass Fachmann Feyder helfen konnte. Zumal in seinen Berichten jener Sven Lau immer wieder auftauchte. Und so wurde der frühere Bundeswehroffizier zum ersten Zeugen in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Stuttgart. Das wiederum hat irgendjemand dem Hamburger Medienmagazin "Zapp" (Norddeutscher Rundfunk) gesteckt, das daran die Frage knüpfte, wie weit Journalisten gehen dürfen. Vierte Gewalt oder Hilfspolizisten? Verlängerter Arm des Staates oder Kontrolleure der Macht? (Hier geht es zum "Zapp"-Beitrag.)

Sven Lau. Screenshot "Zapp"
Sven Lau. Screenshot "Zapp"

Den Unterlagen zufolge ist Feyder sehr weit gegangen. Stundenlang habe er erzählt, "wichtige Vorgänge" selbst beobachtet zu haben, im gleichen Krankenhaus in Aleppo gewesen zu sein wie Lau und dort erkannt zu haben, dass es unter Kontrolle der berüchtigten Terrorgruppe ISIL stehe. 21 Seiten umfasse das Protokoll, berichtet "Zapp" und fügt an, Feyder seien nach Gesprächsabschluss noch nächtens "Ergänzungen" eingefallen, die er nachgereicht habe.

Das wird dem Landeskriminalamt gutgetan haben, nachdem es mit einer Journalistin im gleichen Fall ausgesprochen schlechte Erfahrungen gemacht hat. Marie Delhaes, die für den Norddeutschen Rundfunk arbeitet, will wissen, was junge Menschen aus Deutschland dem radikalen Islam zuführt. Sie recherchiert in der Szene, führt Interviews und Hintergrundgespräche, plant eine Dokumentation über den 33-jährigen Sven Lau. Mindestens eines ihrer Telefonate wird vom LKA Baden-Württemberg, ausweislich eines Protokolls, abgehört.

Franz Feyder. Screenshot
Franz Feyder. Screenshot

Delhaes soll als Zeugin aussagen. Sie wird gefragt, ob sie bereit sei, bestimmte Informationen mit dem Amt zu teilen. Sie lehnt ab und muss sich juristisch gegen eine schriftliche Vorladung wehren. Sogar ein Ordnungsgeld von 1000 Euro wird ihr angedroht. Von ihr kommt keine Hilfe, stattdessen der Vorwurf, auf eine Art und Weise behandelt worden zu sein, "wie man sich das als Journalistin in Deutschland nicht gefallen lassen muss". Noch immer haben Pressemenschen ein Zeugnisverweigerungsrecht, noch immer haben sie ihre Informanten zu schützen, noch immer ist es nicht ihre Aufgabe, Beschuldigte zu belasten.

Der angesehene Medienrechtler Götz von Olenhusen aus Freiburg sagt dazu: "Es war ein lang und schwer erkämpftes Recht der Medien und ihrer Verbände, nicht als Büttel der Staatsanwaltschaft oder Justiz, auch nicht als Generalanzeiger fungieren zu müssen. Aber das ist Geschmackssache, besser gesagt: Sache des Geschmacks."

Bei den "Stuttgarter Nachrichten" lösen die Rezeptoren andere Reize aus. Auf Anfrage von "Zapp" ließ Chefredakteur Reisinger wissen, die Zeugenaussage eines Journalisten sei eine "gesetzliche staatsbürgerliche Pflicht", der Auftritt Feyders freilich dessen "eigene Entscheidung".

Genützt hat die Zeugenaussage letztlich wenig. Sven Lau ist im Mai aus der U-Haft entlassen worden, die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat ihre Anklage zurückgezogen. Die Belege seien "zu dünn", räumte ihre Sprecherin ein, um einen Terrorverdacht nachzuweisen.


Gefällt Ihnen dieser Artikel?

Kommentare

Rainer Nübel, 23.06.2014 17:52
Nach Lektüre des eifrigen Journalisten-Bashings (als Nacherzählung eines TV-Beitrages) seien zwei thematische Anregungen gestattet. Das Stuttgarter Pressehaus, lange Jahre mediale Heimat des Autors und weiterer „Kontext“-Redakteure, muss ja nicht unbedingt immer nur die primäre Zielscheibe sein. Es könnte auch Alternativen geben: Wie wäre es etwa mit einer Recherche und Berichterstattung von „Kontext“ dazu, wie im NSU-Komplex in den vergangenen zweieinhalb Jahren einzelne Autoren der „taz“ wiederholt erstaunlich behördenbrav und willig die Positionen von Bundesanwaltschaft, Bundeskriminalamt oder Landeskriminalamt Baden-Württemberg eins zu eins wiedergaben. Also den „Büttel“ für Ermittlungsbehörden gaben. Wobei inzwischen evident ist, dass gerade diese Behörden mehr vertuschen als aufklären – und dies bei der größten Neonazi-Mordserie in der Geschichte der Bundesrepublik.

Die innige Nähe zur großen Medien-Schwester in Berlin dürfte einem kritischen Bericht eigentlich nicht entgegenstehen. Denn immerhin betont und beschwört ja die „Kontext“-Redaktion ihre Unabhängigkeit. Und größtmögliche Transparenz. A propos: Wie wäre es auch mit einer transparenztauglichen Darstellung dazu, warum man in „Kontext“ keine Berichte mehr von dem – behördenkritischen – NSU-Experten Thomas Moser lesen darf?

Journalisten-Bashing birgt immer ein Risiko: Vorsicht, Steinschlaggefahr im Glashaus!

Mett, 23.06.2014 05:12
Liebe Petra Bracht,

wenn Quellen sich nicht mehr darauf verlassen können, dass Journalisten, denen sie sich anvertrauen auch dicht halten, ist nicht nur dem Journalismus geschadet, sondern der ganzen Gesellschaft. Aber so weit denken Sie wahrscheinlich eher nicht.

Quertreiber, 21.06.2014 09:52
@Statistiker: Sie liegen mit Ihren Vermutungen zum Soldateneid offenbar völlig falsch:


§ 9 Soldatengesetzt: Eid und feierliches Gelöbnis


(1) 1Berufssoldaten und Soldaten auf Zeit haben folgenden Diensteid zu leisten:

"Ich schwöre, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen, so wahr mir Gott helfe."

2Der Eid kann auch ohne die Worte "so wahr mir Gott helfe" geleistet werden. 3Gestattet ein Bundesgesetz den Mitgliedern einer Religionsgesellschaft, an Stelle der Worte "ich schwöre" andere Beteuerungsformeln zu gebrauchen, so kann das Mitglied einer solchen Religionsgesellschaft diese Beteuerungsformel sprechen.

(2) Soldaten, die freiwilligen Wehrdienst nach § 58b oder Wehrdienst nach Maßgabe des Wehrpflichtgesetzes leisten, bekennen sich zu ihren Pflichten durch das folgende feierliche Gelöbnis:

"Ich gelobe, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen."


Text in der Fassung des Artikels 1 Fünfzehntes Gesetz zur Änderung des Soldatengesetzes G. v. 8. April 2013 BGBl. I S. 730 m.W.v. 13. April 2013

@jeeves: Sie haben vollkommen Recht: Ich finde in der Rechtsprechung nur den Hinweis, dass Journalisten zu ihren veröffentlichten Berichten als Zeugen Aussagen müssen. Das Zeugnisverweigerungsrecht gilt in diesem Zusammenhang zum Schutz Ihrer Quellen und unveröffentlichter Recherchen. Weder bei Zapp noch im Kontext wird klar, ob Feyder Quellen preisgegeben hat oder zu unveröffentlichten Recherchen ausgesagt hat. Insofern ist diese Berichterstattung zumindest unvollständig.

Übrigens hat ja selbst die NDR-Autorin Andrea Röpke umfangreich vor dem NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages ausgesagt, andere Journalisten vor dem NSU-Ausschuss in Thüringen.

Floh, 21.06.2014 09:18
@Jeeves
Feyder hat Kontext verklagt (in einem m.E. anderen zusammenhang bzw. anders gelagertem Fall), was ihm eine deftige und obendrein teure Niederlage einbrachte (trotz seinen Promi-Anwälten). Aber woher soll man so was auch wissen?! Kleiner Tip: Artikel vom 05.02.2014, "Kleinlauter Rückzug" (oben rechts).
"Außerdem geht's in diesem Fall (..) um einen offenbar wirklich gefährlichen Verbrecher." Wissen Sie mehr als die Staatsanwaltschaft? Und heiligt deshalb der Zweck die Mittel?

Statistiker, 21.06.2014 07:41
Jeeves, können Sie lesen:

"Sven Lau ist im Mai aus der U-Haft entlassen worden, die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat ihre Anklage zurückgezogen. "

Mit Aussgen wie "offenbar wirklich gefährlichen Verbrecher" kommen Sie sehr leicht in Gefahr, selbst zum Straftäter zu werden. Lesen Sie mal das StGB..... Verleumdung, üble Nachrede etc......

Jeeves, 20.06.2014 15:41
Wenn ich lese: "Kontext hatte das schon einmal bezweifelt und wurde von Feyder verklagt" klingeln bei mir alle Warnglocken. Zu Recht?

Der Journalist hat das RECHT, die Aussage zu verweigern, aber er MUSS nicht. Ist das so schwer zu verstehen?

Außerdem geht's in diesem Fall nicht um einen Whistleblower oder andere von den Mächtigen bedrohte Personen, sondern um einen offenbar wirklich gefährlichen Verbrecher.

Statistiker, 20.06.2014 10:41
Tja, Frau Bracht, nachdem Sie schon beim Eid eines Soldaten falsch lagen (btw: Bin selber ehemaliger Offizier und habe NIE auf die BRD geschworen. Im Eid kommt das Wort "BRD", auch ausgeschrieben, übrigens gar nicht vor..) gleich der nächste Faux Pas:

"Die eigenen Grundrechte (hier Pressefreiheit) hören bekanntlich dort auf wo diejenigen der anderen anfangen"

Nein. Die eigenen Grundrechte hören dort auf, wo die Grundrechtsbeeeinträchtigung anderer das Recht auf Wahrnehmung der eigenen Grundrechte übersteigt.

Und ein Recht kann durchaus eine Pflicht bedeuten, wie hier. Das Zeugnisverweigerungsrecht bedeutet nämlich, man hat die Pflicht zur Zeugnisverweigerung, wenn es nicht besonders schwerwiegende Gründe gibt, von dieser Pflicht abzusehen. "Recht" bedeutet hier eben nur, dass diese nicht absolut ist. Lernt man in der zweiten Stunde Verwaltungsrecht.

Petra Bracht, 19.06.2014 15:10
FernderHeimat schrieb: "Im BESONDEREN ist das auch ein Eid auf die Verteidigung der Verfassung (Grundgesetz) und der freiheitlich-demokratischen Grundordnung dieses Landes, um mal GANZ genau zu sein (was übrigens auch jeder wissen sollte, Frau Bracht)."

Es gibt für die Presse lediglich ein Zeugnisverweigerungsrecht und Beschlagnahmeverbot in der StPO. Ein Zeugnisverweigerungsrecht bedeutet aber nicht eine Zeugnisverweigerungspflicht. Die eigenen Grundrechte (hier Pressefreiheit) hören bekanntlich dort auf wo diejenigen der anderen anfangen. Ein Journalist hat demnach eigenverantwortlich zu prüfen ob und in wiefern diese Rote Linie überschritten wurde, selbst dann wenn er nicht Berufssoldat war. Diese Pflicht hat ihm der Staat nicht abgenommen und auch kein Pressekodex kann ihm die abnehmen.

Quertreiber, 19.06.2014 09:27
@Salim Spohr: Wie sieht denn das Foto eines guten Menschen aus? Das ist ja wohl ein Diskussionsniveau, das kaum noch zu unterbieten ist.

Kontext:Redaktion, 18.06.2014 20:19
Sorry, es gab heute technische Probleme mit dem Freischalten der Kommentare. Deshalb einige mit Verspätung. Aber jetzt tut's wieder!
Danke für die Geduld!

Salim Spohr, 18.06.2014 17:12
Allein die Titel seiner Artikel ("Die Sklavin und der Feuerwehrmann", "Auf der A 8 zum Dschihad" oder "Drei Brüder für den heiligen Krieg") geben einen Fingerzeig auf die dahinterstehenden Absichten. Es gilt, aufzufallen, mitzumischen, Sensationslust zu befriedigen. In Verbindung mit dem Photo des Helden wird Franz Feyder leicht als das erkennbar, was er ist: als mittelmäßiger, zugleich aber extrem erfolgssüchtiger Mensch. Was mich nur sehr wundert, ist, wie leicht die Redaktionsleitung so einem freie Bahn gibt. Es scheint, daß wenn von Islam die Rede ist, alles erlaubt sei. Daß da jeder Idiot dumm rumschätzen kann, weil sich bei der Redaktionsleitung damit ja ohnehin niemand recht auskennt.

Quertreiber, 18.06.2014 15:04
Wie sieht denn die Rechtslage aus. Im Internet finde ich den Passus, Journalisten müssten als Zeugen zu ihren Veröffentlichungen aussagen. http://www.initiative-tageszeitung.de/lexika/ol-presserecht/olp-artikel.html?LeitfadenID=66 Sie dürften dabei aber ihre Quellen und nicht veröffentlichte Recherchen verschweigen. Gleichzeitig finde ich, dass Journalisten auch vor dem Untersuchungsausschuss NSU ausgesagt haben. Hat Feyder Quellen verraten?

Tillupp, 18.06.2014 11:59
Ich denke Herr Feyder fühlt sich nicht wirklich als Journalist, sondern als Soldat mit Presseausweis. Den Journalismus nutzt er nur um an Quellen zu kommen die ihm sonst verschlossen blieben; ein Maulwurf also. Das wird vielen anderen investigativen Journalisten großen Schaden anrichten, was aber diesem Herrn wahrscheinlich gar nicht so unrecht ist, denn wie schon gesagt, eigentlich ist er Soldat.

FernDerHeimat, 18.06.2014 11:16
"einen lebenslang geltenden Eid auf die BRD abgelegt hat"

Im BESONDEREN ist das auch ein Eid auf die Verteidigung der Verfassung (Grundgesetz) und der freiheitlich-demokratischen Grundordnung dieses Landes, um mal GANZ genau zu sein (was übrigens auch jeder wissen sollte, Frau Bracht).

Und wenn da einer in seinem späteren Leben deutliche Defizite in der Rechtsauffassung aufweist - noch dazu in seiner Tätigkeit für die "vierte Säule" - dann sollte man ihn ggfs. mal daran erinnern, was bzw. worauf er damals geschworen hat.

Und als Privatermittler und Hilfspolizist hat man ihn bei der STN sicherlich auch nicht angestellt.

Ach So, 18.06.2014 11:12
Mir kommt das eher vor, als ob der ehrenwerte Journalist einfach seine Meinung geäussert hat. Das darf er natürlich. Auch als Ex-Bundeswehroffizier. Aber Behauptungen müssen bewiesen werden. Sonst ist das justiziabel. Hat Herr Lau eine Anzeige gegen den Hr. Journalisten geprüft wegen z.B. Verleumdung?

Petra Bracht, 18.06.2014 09:07
Wie Sie schon richtig feststellten war Franz Feyder ein Offizier der Bundeswehr. Dass er mit dieser Berufswahl einen lebenslang geltenden Eid auf die BRD abgelegt hat sollte eigentlich jeder wissen. Und es gibt auch in dieser Gesellschaft noch Menschen die einen einmal abgelegten Eid Ernst nehmen.
Die Kritik an ihm geht demnach fehl., denn er geht in der Tat seiner Pflicht nach. Man könnte höchstens diskutieren ob sich diese zwei Berufe nicht miteinander vereinen lassen - was aber müßig ist, da wir grundgesetzlich das Recht auf eine freie Berufswahl haben.

Dass Journalisten sich ein Zeugnisverweigerungsrecht erstritten haben ist nett, aber kaum von Belang. Ein Recht zu haben bedeutet noch lange nicht, dass jeder davon Gebrauch machen muss. Genausowenig geht es verloren wenn Einzelne nicht davon Gebrauch machen

FernDerHeimat, 18.06.2014 07:17
Danke! Dieser Artikel gehört eigentlich ausgedruckt und in ganz Stuttgart öffentlich plakatiert.

Bei diesem Blatt stinkt noch einiges mehr (vom Kopf her).

Kommentar hinzufügen




CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.


* Pflichtfeld!

Letzte Kommentare:

Ausgabe 302 / Eliten mit Sehschwäche / Renate Knapper, 16.01.2017 12:10
Hallo Kontext-Redaktion, Ich finde es super, dass ihr das Thema reich/arm zum Schwerpunkt machen wollt. Und dass ihr gleich in BaWü anfangt und v.a. auch Namen nennt. Bitte weiter so!! Hoch spannend ist in meinen Augen auch die Aussage...

Ausgabe 300 / Kopp auf der Resterampe / Barolo, 16.01.2017 11:30
@R.N. volle Zustimmung.

Ausgabe 302 / Lidl lohnt sich – für einen / Schwabe, 16.01.2017 10:47
"Produktion für die Tonne" - Fakten,Fakten, Fakten Tierleid, ungesundes Essen, miese Jobs: Die Lebensmittelindustrie hat viele unschöne Gesichter. Ein besonders herausragendes Problem ist die massive Überproduktion. Riesige...

Ausgabe 302 / Hilfe für Snowdens Helfer / Michael Müller, 15.01.2017 18:07
Ich schließe mich der Frage von Herrn Struwe an. Wohin kann jemand spenden der keine Paypal/Bitcoin/Kreditkarte hat? @partisan: Verstand hat Ihre Worte nicht geformt, es muss Reflex gewesen sein. Sie hätten stattdessen auch ein...

Ausgabe 300 / Kopp auf der Resterampe / R.N., 15.01.2017 15:38
Als die Kontext-Wochenzeitung erstmals erschienen ist, habe ich mich auf eine Zeitung gefreut, die ohne offensichtlichen politischen Einfluss auskommt. Zu früh gefreut. Nach dem Lesen dieses Artikels spürt man, woher der Wind...

Ausgabe 302 / Lidl lohnt sich – für einen / Gela, 15.01.2017 13:31
2 unterschiedliche Diskusionsstile: Manfred Lieb kennt die Fakten, wertet sie und kommt dadurch zu einer differenzierten Beurteilung, was zu lobenund was zu tadeln ist. Bei der Kritik fehlt mir allerdings die an dem erpresserischen...

Ausgabe 302 / Kobra ins Körbchen / Jan, 15.01.2017 12:17
Oh man, jetzt macht dieser Lowandorder auch noch die Kontext Kommentarfunktion zu seiner Dada Bühne....

Ausgabe 302 / Oh, wie schön ist Biberach / Hartmut Hendrich, 15.01.2017 11:54
@Fritz: Danke, der Schlag sitzt und schmerzt in der Magengrube. Dass mir die Nachsilbe „er“ doppelt in ein Wort geraten war und mir nicht beim Kontrollieren vorm Absenden, aber sofort nach der Veröffentlichung auffiel, war schon...

Ausgabe 302 / Weg mit den Klammern / Blender, 14.01.2017 23:12
Ein V-Mann (diesmal vom LKA) fuhr Herrn Amri nach Berlin. Vielen Dank auch (für die weitere staatliche Unterstützung einer weiteren terroristischen Vereinigung). These: Ohne V- Männer gäbe es keinen Terrorismus?...

Ausgabe 302 / Lidl lohnt sich – für einen / Schwabe, 14.01.2017 21:10
Manfred Lieb tut so als sei der Milliardär Schwarz ein ganz normaler Steuerbürger der sich an Recht und Gesetz hält "...aber dies ist nicht einem Steuerbürger (Manfred Lieb meint damit den Milliardär Schwarz) anzulasten..." oder "Man...

Die KONTEXT:Wochenzeitung lebt vor allem von den kleinen und großen Spenden ihrer Leserinnen und Leser.