KONTEXT Extra:
Parkschützer helfen Wolfgang Dietrich beim VfB

Überraschende Hilfe für den früheren S 21-Sprecher Wolfgang Dietrich: Ermuntert durch das Kontext-Editorial ("Dietrich for President") finden sich im Bahnhofsgegner-Forum "Parkschützer" bereits Vorschläge für Sprechakte, die der 68-Jährige als VfB-Präsident vornehmen könnte. Besonders hübsch die Ansage, der Zweitligist plane den Kauf von Messi, Ronaldo und Ibrahimovic - "die Kosten dafür werden unseren Etat nicht belasten". Sehr schön auch der Plan, keinen Torwart einzusetzen, denn: "Ich bin sicher, wir bekommen eine Sondergenehmigung, unser Tor mit Brettern vernageln zu dürfen". Außerdem brauche der VfB keine elf Spieler - "unsere Mannschaft ist mit sechs Spielern 30 Prozent leistungsfähiger". Grundsätzlich habe der Abstieg in die 2. Liga keinerlei Auswirkungen auf das Ziel, 2017 Deutscher Meister zu werden: "Wir liegen da voll im Zeitplan". (28.7.2016)


Zwei Afd-Fraktionen im Landtag zulässig

Nach dem von der Landtagsverwaltung in Auftrag gegebenen Gutachten zur Vertretung der "Alternative für Deutschland" (AfD) im baden-württembergischen Parlament gibt es keine Handhabe gegen die Parallelfraktion. Die Professoren Christofer Lenz, Martin Morlok und Martin Nettesheim schreiben in ihrer 35-seitigen Stellungnahme: Der unter der Bezeichnung "Fraktion der Alternative für Baden-Württemberg im Landtag von Baden-Württemberg" auftretende Zusammenschluss von 14 der AfD angehörenden Abgeordneten sei "seit seiner Konstituierung am 06.07.2016 eine Fraktion im Sinne der Geschäftsordnung des Landtags". Einer Anerkennung bedürfe es nicht. Es bestünden keine über den Wortlaut Geschäftsordnung "hinausgehende, rechtliche Anforderungen an die Zulässigkeit einer Fraktionsbildung".

Auch das "Verbot der Fraktionsvermehrung" greift nach Einschätzung der Gutachter nicht. "Der Landtag würde die verfassungsrechtlichen Grenzen seiner Geschäftsordnungsautonomie aber nicht überschreiten", heißt es weiter, "wenn er eine Regelung erließe, die die Gründung einer 'Parallelfraktion' untersagt." Einer bereits bestehenden Fraktion ist der Status aber auch dadurch nicht zu nehmen. Denn: "Eine derartige Regelung dürfte nur mit Wirkung für die Zukunft erlassen werden, zweckmäßigerweise zum Zeitpunkt des Zusammentritts des neuen Landtag."

Damit müssen sich die anderen Fraktionen, wenn der AfD-Bundes- und Landessprecher Jörg Meuthen mit den Bemühungen eines Zusammenschlusses unter seiner Führung keinen Erfolg hat, weiterhin mit mindestens zwei rechtspopulistischen Rednern und Rednerinnen zu jedem Tagesordnungspunkt abfinden. Die geschätzen Kosten der Spaltung für die Steuerzahler und Steuerzahlerinnen liegen bei drei Millionen Euro. Denn auch die zweite AfD-Fraktion hat ein Recht auf die allen anderen zustehende finanzielle Ausstattung. (25.7.2016)


Zweiter NSU-Ausschuss: Geheimdienste auf der Theresienwiese?

Der zweite NSU-Untersuchungsausschuss des Landtags hat in seiner konstituierenden Sitzung am Donnerstag die ersten zwei Zeugen benannt. Sie sollen nach den Worten des Vorsitzenden Wolfgang Drexler (SPD) Auskunft darüber geben, "ob sich am Tag des Anschlags auf die beiden Polizeibeamten in Heilbronn Geheimdienste am oder in der Nähe des Tatorts befunden" haben.

Im ersten Ausschuss in der vergangenen Legislaturperiode hatte der Journalist und NSU-Experte Rainer Nübel als Sachverständiger dazu Stellung genommen. "Er verwies", wie es im Abschlussbericht heißt, "zunächst auf die mutmaßliche Anwesenheit der Defence Intelligence Agency (DIA) zur Tatzeit am Tatort". Mitte November 2011 habe er, wie Nübel weiter zitiert wird, eine Nachricht von der "Stern"-Redaktion in Hamburg erhalten, wonach ein dort vorliegendes Papier ein mutmaßliches Observationsprotokoll des amerikanischen Militärgeheimdienstes DIA darstelle. Daraus gehe hervor, dass zur Tatzeit eine Observation von "M. K." und einer weiteren, nicht näher definierten Person durch US-Agenten stattgefunden habe. Zumindest eine dieser beiden Personen habe zuvor bei der Santander-Bank 2,3 Millionen Dollar oder Euro abgeholt. Und weiter: "Sicherheitsbeamte entweder aus Baden-Württemberg oder Bayern sollten präsent gewesen sein und die Operation aufgrund eines 'Shooting Incident' zwischen 'White Wings', also Neonazis bzw. Rechtsextremisten, und einer Polizeistreife abgebrochen worden sein."

Nübel hatte bei seinem Auftritt als Sachverständiger umfangreiche Ausführungen zu den eigenen Recherchen gemacht. Aus Zeitgründen und angesichts des Endes der Legislaturperiode, so Drexler, der auch den ersten Ausschuss führte, habe diesem Komplex aber nicht mehr detailliert nachgegangen werden können. Im Einsatzbeschluss des zweiten Gremiums heißt es jetzt, insbesondere sei zu klären, ob "Angehörige von ausländischen Sicherheitsbehörden auf der Theresienwiese oder in der Umgebung im Umfeld des Mordanschlags am 25. April 2007 anwesend waren, ob und welche Rolle diese beim Tatgeschehen gespielt und welche Erkenntnisse dazu bei deutschen Sicherheits- und Ermittlungsbehörden vorgelegen haben". Die erste öffentliche Sitzung des Untersuchungsausschusses findet am 19. September statt. Gehört werden zum Auftakt auch noch einmal vier Sachverständige.


Keine Nebenabsprache zu Stuttgart 21

Um Streit zu vermeiden, sind laut Winfried Kretschmann die bis zum Wochenanfang geheimen Nebenabreden mit der CDU zusätzlich zum Koalitionsvertrag getroffen worden. Die Aufregung darüber, dass Ausgaben von 1,3 Milliarden Euro ohne Finanzierungsvorbehalt an der Öffentlichkeit vorbei festgeschrieben wurden, versuchte der Regierungschef mit neuen Einblicken in seinen Politikstil zu kontern: "Auch ich muss mal mauscheln, auch ich muss mal dealen." Kein Mensch auf der Erde, der vernünftig Politik machen wolle, kriege das hin ohne Absprachen hinter den Kulissen. Da habe er kein schlechtes Gewissen, denn es sei "unspektakulär", einzelne Maßnahmen zu priorisieren, die grundsätzlich ohnehin im Koalitionsvertrag vereinbart seien.

Unter anderem ist im Detail aufgeführt, dass 325 Millionen Euro ohne Finanzierungsvorbehalt in die Digitalisierung fließen sollen, 100 Millionen in die bessere Ausstattung der Polizei oder 40 Millionen in die Elektromobilität. Der mit 500 Millionen Euro größte Betrag ist allerdings nicht mit konkreten Informationen versehen, die Summe steht für "Investieren/Sanieren (Straße/Schiene, Hochbau, Hochschulen, ...)" zur Verfügung. Der Ministerpräsident widersprach Mutmaßungen, dass in dieser halben Milliarde auch zusätzliche Mittel für Stuttgart 21 über den Kostendeckel hinaus versteckt sein könnten. Für die laufenden Zahlungen gebe es einen Sonderposten im Haushalt. Nebenabsprachen zu diesem Thema hätten nicht stattgefunden.

(19.07.2016)


Die Reichen sind noch viel reicher

Einkommenserhebungen bei Spitzenverdienern aus mehr als 1300 Firmen haben ergeben, dass alle offiziellen Einschätzungen zur wachsenden sozialen Kluft in der Bundesrepublik die Situation beschönigen. Nach den Zahlen, die das ARD-Magazin "Monitor" in diesen Tagen veröffentlichte, verdienen Manager und Vorstände im Durchschnitt nicht 200 000 Euro jährlich, sondern rund eine halbe Million. Die 200 000 Euro sind aber offiziell im sogenannten Sozioökonomischen Panel (SOEP) ausgewiesen, welches wiederum wichtiger Eckpfeifer der bisherigen Armuts- und Reichtums-Berichterstattung in Bund und Ländern ist.

Das Bundesarbeitsministerium will die Daten dort jetzt einfließen lassen, ebenso wie die Erkenntnisse einer in der vergangenen Woche von der Bertelsmann-Stiftung veröffentlichten Studie. Danach verdienen die einkommensstärksten zehn Prozent der Bevölkerung mehr als die unteren 40 Prozent zusammen. Und die Einkommensungleichheit wächst weiter. In "Monitor" präsentierte Wirtschaftsweise Peter Bofinger eine vergleichsweise einfache Lösung: "Aus meiner Sicht würde es naheliegen, wieder zu den Steuersätzen zurückzukehren, die wir in den Neunzigerjahren hatten, und das war ein Spitzensteuersatz in der Einkommenssteuer von 53 Prozent." Zurzeit liegt er bei 42 Prozent. Ab einer bestimmten Einkommenshöhe werden drei Prozentpunkte Reichensteuer hinzugerechnet. Von ihr sind aber nicht einmal ein halbes Prozent der Steuerzahler und Steuerzahlerinnen betroffen.


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Ausgabe 177
Medien

Talfahrt auf dem eigenen Schlitten

Von Henning Kornfeld
Datum: 20.08.2014
Die Tageszeitungen rutschen immer tiefer in den Keller. Vorne dabei ist das Stuttgarter Pressehaus. Ist daran wirklich das Internet schuld? Zeitungsforscher halten andere Faktoren für wichtiger – nicht zuletzt Fehler oder Versäumnisse der Blattmacher und Verlagsmanager selbst.

Viermal im Jahr müssen sich Manager und Chefredakteure in deutschen Verlagen einer Art chinesischer Wasserfolter unterziehen: Jeweils quartalsweise veröffentlicht die Informationsgesellschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) aktuelle Zahlen zur Auflagenentwicklung von Zeitungen und Zeitschriften – und die sind mit beängstigender Zuverlässigkeit mies.

Am 18. Juli war es wieder soweit: Die IVW-Statistik offenbarte, dass die Regionalzeitungen der Funke-Mediengruppe in Nordrhein-Westfalen binnen eines Jahres gut sieben Prozent ihrer Käufer verloren haben. Bei der "Abendzeitung" in München, gerade mit knapper Not dem Untergang entronnen, betrug der Verlust sogar 32 Prozent. Zu den wenigen Titeln mit einem Plus gehört der "Südkurier", der um 0,2 Prozent zulegte. In die schwarzen Zahlen schaffte es die Regionalzeitung aus Konstanz aber nur mithilfe stark rabattierter Exemplare, sogenannter sonstiger Verkäufe. Insgesamt haben die deutschen Tageszeitungen zwischen April und Juni 2014 im Vergleich zum Vorjahr vier Prozent ihrer Auflage verloren. Der stete Tropfen höhlt den Stein.

Die SWMH-Strategie 2020: Wo sind die Konzepte?

Zu den Verlierern zählt regelmäßig die Südwestdeutsche Medienholding (SWMH), einer der größten Medienkonzerne der Republik. Dort erscheinen unter anderem die "Süddeutsche Zeitung", die "Stuttgarter Zeitung" und die "Stuttgarter Nachrichten". Vor allem die beiden Letztgenannten verzeichnen die stärksten Verluste in Baden-Württemberg. Da wäre es geboten, dass die Marke noch eine Weile strahlt und entsprechend poliert wird. Eine selbstverständliche Einsicht ist das nicht: Der schwäbisch-pfälzische Medienkonzern hat gerade ein Strategiepapier "SWMH 2020" verfasst, in dem von allerhand "Projektaufträgen" à la "Identifikation neuer Geschäftsfelder" oder "Möglichkeiten der anknüpfenden Monetarisierung redaktioneller Themenfelder" die Rede ist. Man sucht hingegen vergeblich Aussagen darüber, mit welchen Konzepten und Inhalten die SWMH ihre Blätter weiter entwickeln will.

Vielleicht bald ein seltener Anblick: Tageszeitungen am Bahnhofskiosk. Foto: Joachim E. Röttgers
Vielleicht bald ein seltener Anblick: Tageszeitungen am Bahnhofskiosk. Foto: Joachim E. Röttgers

Für Internet-Aktivisten ist der Niedergang gedruckter Zeitungen und Zeitschriften das Spiegelbild zum Siegeszug digitaler Medien. Auch viele Verantwortliche in den Verlagen selbst erklären und entschuldigen die Auflagenverluste ihrer Titel damit, dass die Leser ins Internet abwandern, wo rund um die Uhr ein zumeist kostenloses, umfangreiches Nachrichtenangebot lockt.

Doch hinter diese populäre These setzen Zeitungsforscher ein dickes Fragezeichen. Professor Andreas Vogel, Leiter des Wissenschaftlichen Instituts für Presseforschung und Medienberatung in Köln, hat im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung die Ursachen der "Talfahrt der Tagespresse" untersucht. Sein Ergebnis: Die zunehmende Konkurrenz durch Online-Medien spiele nur eine kleine Rolle beim Niedergang der Tageszeitungen. Vogel nennt ein Indiz für seine These: Der Auflagenschwund begann schon, als es das Internet noch gar nicht gab beziehungsweise es sich noch nicht etabliert hatte. Die deutsche Tagespresse erreichte ihre höchsten Auflagen zu Beginn der 1980er-Jahre, seitdem geht es kontinuierlich bergab.

Wenn das Netz nicht der Hauptschuldige an der Print-Misere ist, was sind dann die Ursachen? Vogel meint, die beiden wichtigsten seien fehlende Kaufkraft eines erheblichen Teils der Bevölkerung und "mangelnde Produktdifferenzierung": Adressat der klassischen Tageszeitung sei weiterhin die "bürgerliche Mitte" der Gesellschaft, deren Bedeutung aber stetig abnehme; Migranten, Singles in großen Städten oder ärmere Menschen könnten mit solchen Blättern nichts anfangen. Anders formuliert: Viele Blattmacher und Journalisten, die ständig über gesellschaftliche Trends berichten, haben völlig ignoriert, dass diese Trends auch ihre eigene Arbeit betreffen.

Die Jüngeren lassen Regionalzeitungen links liegen

Dass die "Talfahrt der Tageszeitungen" nicht vorrangig auf das Internet zurückzuführen ist, ist keineswegs die Minderheitsmeinung eines einzelnen Print-Nostalgikers. Michael Haller, emeritierter Professor für Journalismusforschung an der Universität Leipzig, predigt das schon seit Jahren. In seiner Streitschrift "Brauchen wir Zeitungen?" hat er seine Thesen noch einmal zusammengefasst und eine Reihe von Vorschlägen gemacht, wie speziell die Regionalzeitungen zu retten seien. Haller nennt eine ganze Reihe von Versäumnissen und Fehlern. Zum Beispiel diese: Die Mehrheit der Jüngeren halte Regionalzeitungen zwar für glaubwürdig, lasse sie aber links liegen, weil ihr Inhalt mit ihrer Lebenswelt nichts mehr zu tun habe: "Viele junge Leute zeigen Respekt vor der Printzeitung wie vor einer Autoritätsperson, die man kennt, der man aber wen möglich aus dem Wege geht", meint Haller. 

Der Medienforscher polemisiert auch gegen Chefredakteure, die fragwürdigen Moden folgen oder etwa durch "eigensinnige Blattideen" wie "ganzseitige Firmenporträts in der Art eines PR-Prospekts" die grundlegende Aufgabe einer Regionalzeitung ignorieren, nämlich möglichst alle relevanten Ereignisse tagesaktuell zu vermitteln und Orientierung zu bieten. Ein Beispiel dafür ist die Seite eins der "Leipziger Volkszeitung" vom 8. November 2013: Das Aufmacherbild zeigte die Motorhaube eines Maserati, flankiert von zwei jungen Frauen und garniert mit der Information, dass man dieses Auto nun auch in Leipzig kaufen könne – in einer Stadt mit einem Durchschnittseinkommen von 2250 Euro brutto pro Monat.

Trügerische Vielfalt im Zeitungsständer. Immer weniger Relevanz, immer mehr PR. Foto: Joachim E. Röttgers
Trügerische Vielfalt im Zeitungsständer. Immer weniger Relevanz, immer mehr PR. Foto: Joachim E. Röttgers

Haller belegt seine Behauptung von der hausgemachten Krise der Regionalzeitungen mit dem Verweis auf "Top-" und "Flop-Zeitungen", deren Auflagenentwicklung sich diametral unterscheidet, obwohl sich ihre Erscheinungsgebiete im Hinblick auf Bevölkerungsentwicklung, Migrantenanteil oder Altersstruktur gleichen. In Baden-Württemberg zum Beispiel steht die "Schwäbische Zeitung" deutlich besser da als der "Schwarzwälder Bote", was sich durch Besonderheiten des jeweiligen Reviers nicht erklären lässt.

Den meisten Verlagen ist nichts anderes eingefallen als Sparen

Zuspruch für Vogels und Hallers Thesen zur Rolle des Internets kommt auch von Praktikern: Joachim Widmann war Chefredakteur der Nachrichtenagentur dapd und des "Fränkischen Tags" in Bamberg, heute leitet er die Berliner Journalisten-Schule. Obwohl die Leserforschung bereits in den 1980er-Jahren ergeben habe, dass das sinkende Publikumsinteresse auch "an der Abstraktion, am Textduktus und an der Aufmachung der gängigen journalistischen Produkte" liege, hätten die Verlage von "optischen Retuschen" abgesehen wenig bis nichts verändert, kritisiert er: "Im Gegenteil haben die meisten Verlage durch Sparen an Redaktionen und Rationalisierungen die Rendite stabilisiert und den Status quo zementiert." Doch diese Rechnung geht laut Widmann nicht mehr auf, weil Leser und Anzeigenkunden im Netz Alternativen zu den ausgedünnten Blättern finden. Seine Schlussfolgerung: Das Internet sei tatsächlich nicht Ursache der Krise der Tageszeitungen – aber es verstärkte sie in stetig zunehmendem Maße.

Lässt sich die Tageszeitung also retten, wenn Journalisten und Verlagsmanager einfach nur ihren Job vernünftig machen? Das wäre zu kurz gesprungen, weil es einen für ihr Überleben wichtigen Faktor gibt, den Vogel und Haller nur am Rande behandeln: das Anzeigengeschäft. Derzeit wenden sich nicht nur die Leser, sondern auch Werbekunden und Inserenten von den Zeitungen ab ­– und das hat sehr wohl mit dem Internet zu tun. Ein Beispiel dafür ist das Schicksal des Stellenmarkts der FAZ. Einst verdiente die Zeitung damit 200 Millionen Euro, heute ist es nur noch ein Zehntel davon. Dieses Geschäft machen jetzt vor allem Online-Jobbörsen.

Die beiden Zeitungsforscher Vogel und Haller haben zudem ganz verschiedene Vorstelllungen davon, was genau zu tun ist, um die Zeitung überlebensfähig zu machen. Vogel sieht in einer "Produktdifferenzierung" ihre "letzte Chance". Wenn die "Zeitung für alle" nicht mehr oder immer schlechter funktioniert, müssten die Verlage eben verschiedene Varianten anbieten, damit für möglichst viele Menschen etwas dabei ist. Er schlägt daher vor, neben der klassischen Ausgabe billigere Versionen auf den Markt zu bringen, die dünner sind: Wer keinen Lokalsport will, bestellt ihn einfach ab. Der Zeitungsforscher denkt auch laut darüber nach, warum es eigentlich keine speziellen Wochenendausgaben für Singles einerseits und Familien andererseits gibt.

Ganz anders Haller: Er will die Tageszeitung als "nachrichtliches Informationsmedium mit Universalanspruch" erhalten und erneuern und postuliert, dass ihre "Kernzielgruppe", gebildete Berufstätige zwischen 30 und 55 Jahren, genau das weiterhin erwartet. Vogel fehle es hingegen an "empirischem Wissen über Mediennutzung" und sein Plädoyer für "Differenzierung" stütze sich auf "Ansichten aus den 70er- und 80er-Jahren des vorigen Jahrhunderts", ätzt Haller.

Das Reich der SWMH: vom "Schwarzwälder Boten" bis zu "fernweh-aktuell". Grafik: SWMH
Das Reich der SWMH: vom "Schwarzwälder Boten" bis zu "fernweh-aktuell". Grafik: SWMH

Es ist allerdings ohnehin unwahrscheinlich, dass die Verlage genau den Weg beschreiten, den Vogel ihnen vorschlägt, und neben unterschiedlichen Lokalausgaben weitere Varianten eines Titels anbieten. Der logistische Aufwand wäre hoch, die Verlage müssten in Personal investieren, um ihr redaktionelles Angebot aufzufächern – und am Ende stünden sie vielleicht dennoch schlechter da als zuvor. Was tun, wenn plötzlich größere Gruppen von Abonnenten den Lokalsport, die Kultur oder den Wirtschaftsteil abbestellen?

Wie mache ich eine Zeitung für 17- und 70-Jährige?

"Produktdifferenzierung" mit einer anderen Stoßrichtung ist aber sehr wohl ein Thema in der Zeitungsbranche, und seine Bedeutung wächst stetig: Zeitungsverlage versuchen, Menschen mit speziellen Interessen oder in bestimmten Lebenslagen mit neuen Produkten zusätzlich zur herkömmlichen Zeitung als Leser zu gewinnen. Das können Print- oder Online-Medien sein. Häufig werden sie allerdings nicht mit dem bei Tageszeitungen üblichen redaktionellen Aufwand und nach den dort geltenden Qualitätsmaßstäben produziert.

Ein Haus, das eine solche Differenzierungsstrategie seit Längerem verfolgt, ist die "Saarbrücker Zeitung". Ihr Chefredakteur Peter-Stefan Herbst postulierte schon vor Jahren, es werde immer schwerer, eine Zeitung zu machen, die einen 17-Jährigen und eine 70-Jährige gleichermaßen anspricht. Die "Saarbrücker Zeitung" hat heute unter anderem eine Website für Jüngere ("sol.de") und eine für Feinschmecker ("finerio.de") im Angebot, sie gibt eine wöchentlich erscheinende Sportzeitung ("Saar.amateur") und ein "Familien Magazin" heraus. Zwischen 2005 und 2009 leisteten sich Herbst & Co. sogar eine tägliche Boulevardzeitung für junge Leute namens "20 Cent". Sie scheiterte jedoch am Mangel an Anzeigenkunden.

Bei der "Rheinischen Post" (RP), die zum gleichen Konzern wie die "Saarbrücker Zeitung" gehört, bastelt der junge Chefredakteur Michael Bröcker an einer ganzen Handvoll neuer Produkte: Dazu zählen ein Campus-Magazin, ein Weinportal, Schülermagazine und ein regionales Wirtschaftsblatt. Premiere hatte am 2. Mai bereits "RP+", eine Zeitung für jüngere Leser in der Stadt Düsseldorf. Sie soll an Brückentagen erscheinen, an denen die "RP" selbst nicht herauskommt.

Aus einer Tageszeitung mehr zu machen setzt aber voraus, dass sie noch eine Zeit lang existiert. Joachim Widmann sagt es so: "Um sich im Netz vom Kostenlos-Mainstream abzuheben und auf jeder Plattform mehr Zahlungsbereitschaft zu wecken, braucht es einen kompetenten und auch streitbaren, auf viele exklusive Aspekte zu aktuellen Themen bedachten Journalismus."


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Kommentare

Ulrich Frank, 26.08.2014 20:23
Es ist doch in der Tat auch so daß viele Redakteure bzw. Redakteurinnen an den Entwicklungen die ihre Zeitungen und ihre Arbeitsplätze betreffen - darunter der erwähnte Kaufkraftschwund relevanter Bevölkerungsteile - selber die Mitschuld tragen, den Kaufkraftschwund durch ihre großenteils hemmungslose Bejubelung der Agenda 2010 und von Hartz-IV förmlich selber herbeigeschrieben haben. Erst vor wenigen Tagen verkündete ein Schreiberling der Stuttgarter SWMH-Presse das Lob der "Erfolgsnation Deutschland". Gleichzeitig bzw. wenige Tage später ist zu lesen daß Stuttgarter Bürger - Bürger einer Stadt die zu den reichsten der Republik gehört - Nahrung aus Mülleimern fischen müssen und in deutschen Städten die Armut wächst.

Für diese erbärmlichen Zustände tragen JOURNALISTEN hierzulande die MITVERANTWORTUNG - sowie sie auch Verantwortung für den schlechten Zustand ihrer Blätter tragen.

Deutschland über alles und Autostadt und Stuttgart 21 ist natürlich wichtiger für einen vorherrschenden Typus von Redakteur.

Das gegenwärtige journalistische Resultat ist hinmit eine grassierende Schizophrenie, angereichert mit evasionistischen Elementen wie Berichten über Bikini-Wettbewerbe und Perkins-Park-Berichterstattung und ausuferndem Fußball: Heroisierung von Spielern für welche sogar die nächtliche Auslieferung der Blätter verzögert wird), wenn nicht manipulativer Meinungsmache a la Kornelius oder Denkler (SZ) (oder z.B. Hamann oder Gayer, in dieser Stadt).

Diese Schizophrenie und Beliebigkeit läßt sich auch in angeblichen Qualitätsblättern wie z.B. der Süddeutschen Zeitung feststellen, oder dem SPIEGEL der in der letzten Zeit stellenweise zu FOCUS- und gar BILD-Niveau verkommen ist. Die Chefredakteure welche Rechenschaft - und Haltung - schuldig wäre halten sich bedeckt oder führen eine merkwürdige Existenz im dubiosen Schattenreich des Hintergrunds.

Ob ein Aufstand der Leserschaft diesem Zustand Abhilfe schaffen kann ist fraglich. Die Borniertheit der zu oft in selbstgefälliger coolness verharrenden Verantwortlichen kann nicht überschätzt werden, zumal sie durch politische und wirtschaftliche (IHK) Einflüsse zementiert wird.

Peter Boettel, 23.08.2014 10:46
Ich bitte die Redaktion, die vorstehenden Kommentare den Stuttgarter, evtl. auch anderen zeitungen zukommen zu lassen, damit diese endlich erfahren, weshalb ihre Abos zurückgehen, wenn sie es denn auf andere Weise nicht wahrhaben wollen.

Alfred, 22.08.2014 11:41
Es soll Leser geben die älter als 70 sind und sehr wohl seriöse Beiträge des Qualitätsjournalismus suchen und lesen würden.

In den Stuttgarter SWMH Medien sind mir da leider zuviel kritiklos übernommene Presseerklärungen (wie z.B. PR, LPD transportiert von der dpA).
Bei SIR - der Internettochter der Stuttgarter Medien - ist das am deutlichsten.

Werbebeilagen in Farbdruck sind oberflächlich und uninformativ.
Beispiel : StZ Sonderbeilage "Leichter Wohnen im Alter" und einem Interview mit Wieland Backes "Wohnen muss wie eine zweite Haut sein" von Petra M.
Veröffentlicht ist ein Foto mit Herrn Backes auf seiner Gartentreppe - ohne sicherndes Geländer - mit mindestens 5 Stufen.
Da lässt sich gut zu Fuss angenehm wohnen.
Altersgerecht wäre allerdings ein ohnehin vorgeschriebens Gländer um komplizierte Brüche im Alter zu vermeiden.
Für Leser wäre eine Adressenliste mit altersgerechten
Angeboten eine wichtige Nachricht.
Eben eine Nachricht nach denen sich - auch Leser über 70 - richten könnten.

Das Grauen nimmt kein Ende, 22.08.2014 09:46
In Sachsen wird nächste Woche der Landtag gewählt. Laut Umfragen liegt die CDU bei rd. 40 %.
Wer mit unserer Medienlandschaft, dem Öffentlichen Personen Nah- und Fernverkehr, dem Gesundheitswesen, der Energiepolitik oder der Bildungspolitik zufrieden ist, wählt genau richtig.
Jeder Wähler der auch nur mit einem der oben genannten Politikfeldern unzufrieden ist und trozdem CDU, SPD, Grüne oder AfD wählt oder nicht zur Wahl geht, für den gilt: "Nur die dümmsten Lämmer wählen ihre Metzger selbst"

Liane, 21.08.2014 19:33
" Das Aufmacherbild zeigte die Motorhaube eines Maserati, flankiert von zwei jungen Frauen und garniert mit der Information, dass man dieses Auto nun auch in Leipzig kaufen könne – in einer Stadt mit einem Durchschnittseinkommen von 2250 Euro brutto pro Monat."

DAZU konnte ich mir doch ein breites Grinsen nicht verkneifen :-)
und musste an den viel gescholltenen Bericht Steinfest/Schorlau denken:
http://www.kontextwochenzeitung.de/gesellschaft/173/rasende-literaten-2338.html

"Die S-Klasse von Mercedes ist Stuttgarts vielleicht vornehmster Exportartikel, weltweit geschätzt von Diplomaten, Direktoren und Despoten"

Sind DAS die anvisierten Kunden der Kontext??? (die neuen Grünen?) o.k. garniert mit Schriftstellern :-))

Karl Pfaff, 21.08.2014 17:55
Wer in des Höllen Schlund schauen will, besorge sich ein Gratis-Abo der Esslinger Zeitung. Fröhliche Lokalnachrichten aus den Sportvereinen sind noch die spannendste Lektüre. Alles andere eignet sich gerade noch um die Grillkohle anzufeuern. Das Zeitungsbashing bringt uns aber leider nicht weiter. Dadurch werden die Zeitungen nicht besser. Ein ganze Kulturzweig bricht weg, die vierte Gewalt verschwindet sang und klanglos. Und so sehr sich Kontext bemüht, es ersetzt keine Meinungsführerschaft a la FAZ und BLIND. Was als Hofberichterstattung bei den Lokalzeitungen begann, hat sich bei den überregionalen fortgesetzt. Irgendwann einmal wird es keine divergierenden Meinungen mehr geben, wird es keine Diskussionen mehr geben, brauchen wir nicht einmal mehr zur Wahl gehen. Dann werden wir alle glücklich sein.

Heinz Beyrer, 21.08.2014 16:54
Meinem Vor-Kommentator muß ich recht geben:
"Gähnende Langweile", im allgemeinen. Ich bin 71 und lese die Stuttgarter Zeitung seit 50 Jahren, schon mein Vater hatte das Blatt abonniert, also ich weiß von was ich rede, wenn ich sage, dass die Stuttgarter Zeitung einfach "keinen Biß" hat, natürlich in erster L inie auch im Vergleich zu Kontext. Themen sind verwässert, werden so gut wie nie investigativ aufbereitet. Hintergründe bleiben oft im dunklen und recht schwammig. Nichtssagende Berichte, absolut nicht in einer Zeitung erwähneswerter Kleinkram, Seitenfüller die das Papier nicht wert sind auf dem sie geschrieben sind.
Aber so ist das halt heutzutage, wenn Redakteure bzw der Chefredakteur darauf achten müssen, nicht mit den Verlags/Holding-Veranwortlichen in Gegensatz zu treten, sie wollen ja schließlich ihren Arbeitsplatz behalten. Es ist schon traurig, wie das Niveau der Stuttgarter Zeitung immer mehr absinkt. Die extrem einseitige Berichterstattung über Stuttgart 21 als Befürworter des Projektes spricht für sich!

Stephantastisch, 21.08.2014 15:01
Die StZ war früher unbedingte Tageslektüre meines Vaters. Als Stuttgarter in Badisch Sibirien wollte auf seine tägliche Dosis "Heimat" nie und nimmer verzichten. Seit der unsäglichen Berichterstattung und Parteinahme dieser Zeitung zu Stuttgart 21: "...die Redaktion steht hinter dem Projekt...." und "...ohne die StZ wäre S21 nicht realisiert" (oder so ähnlich), möchte er nichts mehr von seinem einstigen Lieblingsblatt wissen. Er hat sich ,genau wie ich mir, die Kontext/TAZ abonniert und freut sich über gut recherchierte Artikel.

Lea, 21.08.2014 12:13
Viele Probagandablätter wie die FAZ werden nicht zufällig gratis überall massenhaft ans Volk verteilt (in Sportvereinen, bahnhöfen, Fußgängerzonen, etc., etc.).

Dada, 21.08.2014 12:01
Früher ersetzte die Lektüre des Wirtschaftsteils der FAZ ein BWL-Studium: Artikel von fähigen Journalisten, Hintergrundinformationen zu Unternehmen und Sachverhalten. Dem ist schon lange nicht mehr so! Auch im Politikteil ist seit Jahren eine dramatische Verflachung eingetreten, sicherlich auch eine Folge der Ausdünnung des Korrespondentennetzes.
Heute sehe ich die FAZ als reines Propagandamedium, das sich allenfalls im Feuilleton noch als lesenswert zeigte, alle anderen Bereiche wurden usurpiert von Polit-, Unternehmens-, Anzeigenkundeninteressen. Selbst die Sportredaktion ist nur noch ein Schattten ihrer selbst. Die Krone aufgesetzt hat dieser Entwicklung zuletzt das Nichtzulassen von Leserkommentaren zu allen Artikeln mit Ukraine-Bezug. Die Artikel waren derart tendenziös, daß man 1. der aufklärenden Leserkommentare nicht mehr Herr wurde und 2. sich beim Propagandamachen bzw. Lügen nicht mehr stören lassen wollte, bestes Beispiel zuletzt der vermeintliche Grenzübertritt russischer Militärs mit anschließender angeblicher Zerstörung durch Ukrainer.
Mein Fazit: Informationen kann ich mir nur noch selbst durch aufwendige Recherchen beschaffen, ich sehe im Inland keine Zeitung mehr, die meinen Bedarf an objektiven Informationen und -das wäre Handwerk- Trennung zwischen Fakten und Meinung gerecht wird. Für unser Gemeinwesen sehe ich schwarz, zumal der Befund bei Einbeziehung der elektronischen Medien (Fernsehen inkl. ÖR) noch weitaus schlimmer wird. Orwell läßt grüßen!

Christoph Kant, 21.08.2014 10:19
Solange es "Medien Holdings" oder "Media Groups" gibt - oder welch lächerliche Namen sie sich auch immer geben - die im Eigentum oder Teileigentum hunderte von Tageszeitungen unter sich vereinen wird es für die breite Masse der Bevölkerung keinen investigativen Journalismus geben. So ist gewährleistet das bei wichtigen wirtschaftspolitischen Themen eine Gleichschaltung stattfindet. Und genau das ist gewollt!

Hermann Jack, 20.08.2014 17:06
Man muß nur mal die Berichterstattung zu S 21 anschauen. Über die Jahre. Dann wird einem klar, warum z.B. die Stuttgarter Zeitungen massive Rückgänge zu verzeichnen haben. Dümmliche Bahnpropaganda kann man sich auch direkt beim Projektbüro anschauen oder bei Dietrich anhören. Wozu dann eine Tageszeitung?

Peter Boettel, 20.08.2014 16:39
Wenn ich in allen Tageszeitungen immer nur Wiedergaben von Agenturmeldungen ohne eigene Recherche - und wenn, dann gleichgeschaltete - lesen muss, nimmt es nicht wunder, wenn es nicht lohnt, zwischen den noch bestehenden wenigen Pressemogulen Springer, Schaub und Bertelsmann auszuwählen. Bleiben nur noch kontext, Spiegelfechter und nachdenkseiten.

zara, 20.08.2014 15:34
Toller Artikel!! Was ich als Abonnent einer Tageszeitung tatsächlich manchmal vermisse, ist eine Haltung. Ich finde zwar Ausgewogenheit und Liberalität wichtig, jedoch ist es bei manchen Themen einfach gut zu wissen, wo "meine" Zeitung steht. Wenn diese Haltung nicht die meine sein sollte, umso besser....:-) Hieran kann ein kritischer Blick nur wachsen.

Guter Jounalismus hilft auf jeden Fall!

Floh, 20.08.2014 12:38
Meines Erachtens betreffen alle Themen 17-jährige und 70-jährige gleichermaßen. Insbesondere wenn es sich um das Alltagsleben in einer Gesellschaft handelt (Gesundheit, Verkehr, Energie, etc.) oder um weltpolitische Themen (deutsche Außenpolitik, deutsche Wirtschaftsinteressen).
Ob diese gesellschaftsrelevanten Themen 17- jährige und 70-jährige auch gleichermaßen interessieren ist m.E. einzig und allein eine Frage der Einbeziehung, der Ansprache, sprich von investigativem Journalismus.
Wer dies bestreitet unterschätzt investigativen Journalismus bzw. den Intellekt einzelner Bevölkerungsschichten bzw. -gruppen.
Jedes gesellschaftsrelevante Thema (und das sind fast alle) in unserer Gesellschaft geht ALLE an! Nur eine Frage der Aufbereitung!

Würde investigativer Journalismus Einzug halten, der die Menschen über gesellschaftlich relevantes wieder vielfältig und differenziert informiert, ihnen echte Orientierungshilfen zur eigenen Meinungsbildung anbietet, bin ich davon überzeugt, dass auch die Printmedien wieder zulegen würden!
Spezielle Websites für Feinschmecker oder besonders sportliche sind nett aber gesellschaftlich uninteressant - solche Websites packen m.E. das Übel nicht bei der Wurzel. Weder hinsichtlich der Printmedien, noch hinsichtlich gesellschaftlicher Aufklärung.

Auch wenn es so mancher nicht mehr hören kann. Für flächendeckenden investigativen Journalismus sehe ich schwarz. Hier stehen zu mächtige egoistische Interessen dagegen (niedere Beweggründe). Da müsste die Bevölkerung (und da jeder einzelne) sich schon selbst drum kümmern. Zum Beispiel indem man/frau Kontext finanziell unterstützt (siehe weiter oben, rechts neben der Titelzeile)

hajomueller, 20.08.2014 10:32
Ich hoffe, dass der Niedergang unserer Zeitungen weniger darauf zurückzuführen ist, dass die Zeitungen nicht mehr das Lebensgefühl ihrer Leser treffen, sondern dass die Leser merken, wie manupulierend die Zeitungen agieren. Deutlich sichtbar wird das derzeit in den Kommentarspalten der Leser, in denen den Journalisten (oder ihrer Zeitung) kräftig die Leviten gelesen werden.

Vielleicht könnte man den Boykott der kritischen Leser so umschreiben: Nur die allerdümmsten Kälber, finanzieren ihre Metzger selber.

Cybertronic, 20.08.2014 10:32
Wenn alle Zeitungsverleger für die Nachhaltigkeit der Bäume , was bekanntlich für die Papierverschwendung durch kurzlebige Druckerzeugnisse kommt, selbst aufkommen würden, dann wären alle schon pleite. Das wäre mal eine Hausnummer !

FernDerHeimat, 20.08.2014 06:54
Am Erfolg gerade der Kontextwochenzeitung (aber auch z.B. Heise) sieht man noch viel besser, WAS genau Schuld am Niedergang der "etablierten" Zeitungen ist - politsche Einseitigkeit, offensichtliche Befangenheit und gähnende Langweile.

Jene Leserschaft aber, die nur nicht ihre Zeitung aufschlagen will, um damit ihre kleinbürgerliche Gesinnung bestätigt zu wissen oder von ausgesuchten Belanglosigkeiten gezielt eingelullt zu werden, sucht sich zwischenzeitlich bessere Alternativen.

Genau aus diesem Grund funktionieren die kostenpflichtigen Angebote der "Etablierten" auch nicht besser als die Printausgaben.

(Ausser vielleicht als Propagandaschleudern für allerlei Bezahltrolle und Soziopathen, wenn man sich die - häufig wortgleichen - Kommentare auf STZ/STN, WELT und FAZ antut.)

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Danke für Infos + Kommentare

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