KONTEXT Extra:
Jetzt doch ein Koalitionsausschuss zu Afghanistan

Vor Weihnachten hatten Grünen und CDU eine inhaltliche Aussprache über die Abschiebepraxis nach Afghanistan vermieden. Stattdessen wurde im Koalitionsausschuss vor allem darüber diskutiert, ob Grünen-Landeschef Oliver Hildenbrand es "schäbig" nennen darf, wenn sein CDU-Pendant, Innenminister Thomas Strobl, auch alte oder kranke Menschen abschieben will. Zur bisher einzigen Sammelabschiebung wurde ein Mann sogar aus einer Psychiatrischen Klinik geholt, dann allerdings doch nicht ins Flugzeug nach Kabul gesetzt.

Am kommenden Dienstag werden dieser und andere Fälle sowie die grundsätzliche Vorgehensweise im Koalitionsausschuss diskutiert. Die Grünen, die die Debatte durchgesetzt haben, erinnern an die geltenden Leitlinien des Landes zu Abschiebungen und Rückführungen, nach denen eine Einzelfallprüfung ohnehin zwingend ist. Bisher hatte sich Strobl gegen eine inhaltliche Behandlung der von ihm mitinitiierten verschärften Abschiebepraxis im Koalitionsausschuss ausgesprochen. Die Grünen gehen davon aus, dass die Leitlinien und damit die Einzelfallprüfung bestätigt werden.

Auf dem Tisch liegt auch ein Papier der sogenannten G-Länder, also aller Koalitionen, an denen Grüne beteiligt sind. Diesem zufolge muss gewährleistet sein, "dass Ausreisepflichtige keinen Schaden an Leben und Gesundheit nehmen". Die Regierungspartner in Baden-Württemberg, Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen "betonen eine Reihe von Grundlinien und Anforderungen bezüglich Rückführungen nach Afghanistan". Sie fordern die Bundesregierung aber auch auf, die Sicherheitslage in Afghanistan "erneut zu überprüfen". (14.1.2017)


Ein zweites Raumwunder für Geflüchtete

Engagement kann sich lohnen. Im September hatte Kontext über die Initiative der Künstlerin Martina Geiger-Gerlach berichtet, eine Wohnung in einem zum Abriss vorgesehenen Haus im Stuttgarter Stadtteil Steckfeld monatsweise Flüchtlingen zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig finden dort immer Ausstellungen statt, die Nachbarn und Interessierten Gelegenheit geben, Künstlern und Geflüchteten zwanglos zu begegnen. Nun hat der Vermieter, das katholische Siedlungswerk, der Künstlerin eine zweite Wohnung im selben Haus als Lernwohnung zur Verfügung gestellt, damit Geflüchtete, die im Trubel ihrer Unterkunft nicht zur Ruhe kommen, eine Rückzugsmöglichkeit finden. Zudem bleibt das Haus länger stehen: voraussichtlich zwei Jahre. Dem Siedlungswerk gefällt das Projekt so gut, dass Martina Geiger-Gerlach gefragt wurde, ob sie sich vorstellen könnte, im Quartiersraum des Neubauareals an Stelle des früheren Olgahospitals eine Aufgabe zu übernehmen. Und: Ihr Wohnungs-Projekt ist für den Stuttgarter Bürgerpreis der Bürgerstiftung vorgeschlagen worden. Am 20. Januar um 19 Uhr eröffnet in der Karlshofstraße 42 in Steckfeld die nächste Ausstellung mit Gemälden von Ivan Zozulya und dem DJ Roman Levin. Am 31. Januar wird die Entscheidung zum Bürgerpreis bekannt gegeben. Jeder kann mit abstimmen!


Der Gewitterwanderer im Glück

Mitte November hatte der 33-jährige Göppinger Schriftsteller Kai Bleifuß noch geschimpft wie ein Rohrspatz. Der promovierte Goethe-Experte rackert sich seit Jahren mit Schreiben ab. Fabrizierte zuletzt einen Roman über den Dichterfürsten und wie der so wäre, würde er in unserer Zeit leben. "Goethes Mörder" heißt das gute Stück. Gutes Zeug. Guter Mann. Das weiß auch Bleifuß selbst. Kontext gegenüber machte er keinen Hehl daraus, dass er sich selbst für einen ziemlich duften Typen hält. Doch bislang schlug ihm seitens des ganzen "Literaturzirkus" und der Verlage kalter Wind entgegen. Niemand wolle mehr ein Risiko eingehen. Literatur würde immer mehr unter ökonomischen Abwägungen betrachtet, konstatierte der resolute Literaturnerd. "Schreiben ist das Idiotischste, was man machen kann. Nicht schreiben aber auch."

Ein Bleifuß lässt sich aber nicht unterkriegen – und jetzt hat es gerappelt im Karton: Am vergangenen Sonntag sackte der Göppinger für seinen Text "Fünf Variationen auf das Unsagbare" den Autorenpreis "Irseer Pegasus 2017" ein. 150 Schriftsteller aus dem ganzen Land hatten sich mit ihren Werken beworben, doch Bleifuß hat den mit 2000 Euro dotierten Preis gewonnen. Neben ihm auf dem Siegertreppchen der Preisverleihung im Kloster Irsee im Allgäu strahlte David Krause aus Kerpen.

"Der glücklose Autor hatte endlich einmal Glück!", schrieb Goethe-Glücksbärchen Bleifuß voller Freude an Kontext, mit der Bitte unseren LeserInnen mitzuteilen, dass man am 27.1. ab 21:05 Uhr im BR2 sein Hörspiel "Pinball" senden werde. Machen wir doch gerne. (11.1.2017) 


Abstand halten von den Volksverrätern

Aus 594 Wörtern haben die Sprachwissenschaftler um die Darmstädter Professorin Nina Janich das Unwort des Jahres 2016 ausgesucht: "Volksverräter". Aus dem Erbe der NS-Diktatur werde das Wort von Pegida, AfD und anderen Rechtsaußen verwendet, um PolitikerInnen  zu diffamieren. Mit der Folge, dass das "ernsthafte Gespräch" und notwendige Diskussionen in der Gesellschaft abgewürgt würden, begründet die Jury. Auf den weiteren Plätzen folgen "postfaktisch", "Populismus", "Gutmensch" sowie eine "Armlänge Abstand". Mit in der fünfköpfigen Jury saß auch Kontext-Autor Stephan Hebel. (10.1.2016)


Sichere Herkunftsstaaten: Kretschmann schon lange für längere Liste

Winfried Kretschmann hat sich mit jüngsten Äußerungen zur Einstufung von Marokko, Tunesien und Algerien als sichere Herkunftsländer derart in die Nesseln gesetzt, dass sich sein Staatsministerium zu einer "Klarstellung" aufgerufen sah. Tatsächlich handelt es sich um einen durchsichtigen Versuch der Schadensbegrenzung. Der grüne Regierungschef hatte auf Anfrage der "Rheinischen Post" in einer Stellungnahme zur aktuellen Sicherheitsdebatte erklärt: "Die kriminelle Energie, die von Gruppierungen junger Männer aus diesen Staaten ausgeht, ist bedenklich und muss mit aller Konsequenz bekämpft werden." Zugleich sprach er sich für die Aufnahme der drei Maghreb-Staaten auf die Liste sicherer Herkunftsländer aus: "Baden-Württemberg wird der Ausweitung zustimmen, sofern die Bundesregierung das Ansinnen in den Bundesrat einbringt."

Die Wirkung beider Sätze im Zusammenhang sind ihm und "meinen Leut", wie er seine engsten Mitarbeiter gern nennt, offenbar entgangen. Jedenfalls stellte "das Staatsministerium klar, dass die signalisierte Zustimmung weder aus aktuellem Anlass beschlossen wurde, noch ihre Begründung in der Gewaltbereitschaft mancher Gruppen junger Männer aus diesen Ländern hat". Vielmehr sei die Entscheidung "schon im Frühsommer 2016 nach einem langen Abwägungsprozess, in dem vor allem der Frage nachgegangen wurde, ob es angesichts der Menschenrechtssituation in den besagten Ländern vertretbar wäre, diese zu sicheren Herkunftsländern zu erklären (...), als sich die Bundesregierung dem Ministerpräsidenten gegenüber bereit erklärte, in einer Protokollerklärung festzuhalten, Personen aus sogenannten vulnerablen Gruppen wie Homosexuellen, verfolgten Journalisten, religiösen Minderheiten mit gleicher Sorgfalt zu prüfen wie Flüchtlinge aus sonstigen Ländern". Das Staatsministerium sagt allerdings nichts dazu, ob die Forderung erfüllt wurde und warum das Thema nicht längst endgültig ausgetreten ist. Denn laut dem Bundesamt für Flüchtlinge und Migration werden die drei Länder in der Statistik überhaupt nicht mehr einzeln ausgewiesen, weil die Zahl der einreisenden Asylbewerber so niedrig ist. Und bereits 2015 gehörten die drei Staaten nicht zu jenen zehn Ländern, aus denen die meisten Flüchtlinge nach Deutschland kamen. (5.1.2017)


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Ausgabe 177
Medien

Talfahrt auf dem eigenen Schlitten

Von Henning Kornfeld
Datum: 20.08.2014
Die Tageszeitungen rutschen immer tiefer in den Keller. Vorne dabei ist das Stuttgarter Pressehaus. Ist daran wirklich das Internet schuld? Zeitungsforscher halten andere Faktoren für wichtiger – nicht zuletzt Fehler oder Versäumnisse der Blattmacher und Verlagsmanager selbst.

Viermal im Jahr müssen sich Manager und Chefredakteure in deutschen Verlagen einer Art chinesischer Wasserfolter unterziehen: Jeweils quartalsweise veröffentlicht die Informationsgesellschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) aktuelle Zahlen zur Auflagenentwicklung von Zeitungen und Zeitschriften – und die sind mit beängstigender Zuverlässigkeit mies.

Am 18. Juli war es wieder soweit: Die IVW-Statistik offenbarte, dass die Regionalzeitungen der Funke-Mediengruppe in Nordrhein-Westfalen binnen eines Jahres gut sieben Prozent ihrer Käufer verloren haben. Bei der "Abendzeitung" in München, gerade mit knapper Not dem Untergang entronnen, betrug der Verlust sogar 32 Prozent. Zu den wenigen Titeln mit einem Plus gehört der "Südkurier", der um 0,2 Prozent zulegte. In die schwarzen Zahlen schaffte es die Regionalzeitung aus Konstanz aber nur mithilfe stark rabattierter Exemplare, sogenannter sonstiger Verkäufe. Insgesamt haben die deutschen Tageszeitungen zwischen April und Juni 2014 im Vergleich zum Vorjahr vier Prozent ihrer Auflage verloren. Der stete Tropfen höhlt den Stein.

Die SWMH-Strategie 2020: Wo sind die Konzepte?

Zu den Verlierern zählt regelmäßig die Südwestdeutsche Medienholding (SWMH), einer der größten Medienkonzerne der Republik. Dort erscheinen unter anderem die "Süddeutsche Zeitung", die "Stuttgarter Zeitung" und die "Stuttgarter Nachrichten". Vor allem die beiden Letztgenannten verzeichnen die stärksten Verluste in Baden-Württemberg. Da wäre es geboten, dass die Marke noch eine Weile strahlt und entsprechend poliert wird. Eine selbstverständliche Einsicht ist das nicht: Der schwäbisch-pfälzische Medienkonzern hat gerade ein Strategiepapier "SWMH 2020" verfasst, in dem von allerhand "Projektaufträgen" à la "Identifikation neuer Geschäftsfelder" oder "Möglichkeiten der anknüpfenden Monetarisierung redaktioneller Themenfelder" die Rede ist. Man sucht hingegen vergeblich Aussagen darüber, mit welchen Konzepten und Inhalten die SWMH ihre Blätter weiter entwickeln will.

Vielleicht bald ein seltener Anblick: Tageszeitungen am Bahnhofskiosk. Foto: Joachim E. Röttgers
Vielleicht bald ein seltener Anblick: Tageszeitungen am Bahnhofskiosk. Foto: Joachim E. Röttgers

Für Internet-Aktivisten ist der Niedergang gedruckter Zeitungen und Zeitschriften das Spiegelbild zum Siegeszug digitaler Medien. Auch viele Verantwortliche in den Verlagen selbst erklären und entschuldigen die Auflagenverluste ihrer Titel damit, dass die Leser ins Internet abwandern, wo rund um die Uhr ein zumeist kostenloses, umfangreiches Nachrichtenangebot lockt.

Doch hinter diese populäre These setzen Zeitungsforscher ein dickes Fragezeichen. Professor Andreas Vogel, Leiter des Wissenschaftlichen Instituts für Presseforschung und Medienberatung in Köln, hat im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung die Ursachen der "Talfahrt der Tagespresse" untersucht. Sein Ergebnis: Die zunehmende Konkurrenz durch Online-Medien spiele nur eine kleine Rolle beim Niedergang der Tageszeitungen. Vogel nennt ein Indiz für seine These: Der Auflagenschwund begann schon, als es das Internet noch gar nicht gab beziehungsweise es sich noch nicht etabliert hatte. Die deutsche Tagespresse erreichte ihre höchsten Auflagen zu Beginn der 1980er-Jahre, seitdem geht es kontinuierlich bergab.

Wenn das Netz nicht der Hauptschuldige an der Print-Misere ist, was sind dann die Ursachen? Vogel meint, die beiden wichtigsten seien fehlende Kaufkraft eines erheblichen Teils der Bevölkerung und "mangelnde Produktdifferenzierung": Adressat der klassischen Tageszeitung sei weiterhin die "bürgerliche Mitte" der Gesellschaft, deren Bedeutung aber stetig abnehme; Migranten, Singles in großen Städten oder ärmere Menschen könnten mit solchen Blättern nichts anfangen. Anders formuliert: Viele Blattmacher und Journalisten, die ständig über gesellschaftliche Trends berichten, haben völlig ignoriert, dass diese Trends auch ihre eigene Arbeit betreffen.

Die Jüngeren lassen Regionalzeitungen links liegen

Dass die "Talfahrt der Tageszeitungen" nicht vorrangig auf das Internet zurückzuführen ist, ist keineswegs die Minderheitsmeinung eines einzelnen Print-Nostalgikers. Michael Haller, emeritierter Professor für Journalismusforschung an der Universität Leipzig, predigt das schon seit Jahren. In seiner Streitschrift "Brauchen wir Zeitungen?" hat er seine Thesen noch einmal zusammengefasst und eine Reihe von Vorschlägen gemacht, wie speziell die Regionalzeitungen zu retten seien. Haller nennt eine ganze Reihe von Versäumnissen und Fehlern. Zum Beispiel diese: Die Mehrheit der Jüngeren halte Regionalzeitungen zwar für glaubwürdig, lasse sie aber links liegen, weil ihr Inhalt mit ihrer Lebenswelt nichts mehr zu tun habe: "Viele junge Leute zeigen Respekt vor der Printzeitung wie vor einer Autoritätsperson, die man kennt, der man aber wen möglich aus dem Wege geht", meint Haller. 

Der Medienforscher polemisiert auch gegen Chefredakteure, die fragwürdigen Moden folgen oder etwa durch "eigensinnige Blattideen" wie "ganzseitige Firmenporträts in der Art eines PR-Prospekts" die grundlegende Aufgabe einer Regionalzeitung ignorieren, nämlich möglichst alle relevanten Ereignisse tagesaktuell zu vermitteln und Orientierung zu bieten. Ein Beispiel dafür ist die Seite eins der "Leipziger Volkszeitung" vom 8. November 2013: Das Aufmacherbild zeigte die Motorhaube eines Maserati, flankiert von zwei jungen Frauen und garniert mit der Information, dass man dieses Auto nun auch in Leipzig kaufen könne – in einer Stadt mit einem Durchschnittseinkommen von 2250 Euro brutto pro Monat.

Trügerische Vielfalt im Zeitungsständer. Immer weniger Relevanz, immer mehr PR. Foto: Joachim E. Röttgers
Trügerische Vielfalt im Zeitungsständer. Immer weniger Relevanz, immer mehr PR. Foto: Joachim E. Röttgers

Haller belegt seine Behauptung von der hausgemachten Krise der Regionalzeitungen mit dem Verweis auf "Top-" und "Flop-Zeitungen", deren Auflagenentwicklung sich diametral unterscheidet, obwohl sich ihre Erscheinungsgebiete im Hinblick auf Bevölkerungsentwicklung, Migrantenanteil oder Altersstruktur gleichen. In Baden-Württemberg zum Beispiel steht die "Schwäbische Zeitung" deutlich besser da als der "Schwarzwälder Bote", was sich durch Besonderheiten des jeweiligen Reviers nicht erklären lässt.

Den meisten Verlagen ist nichts anderes eingefallen als Sparen

Zuspruch für Vogels und Hallers Thesen zur Rolle des Internets kommt auch von Praktikern: Joachim Widmann war Chefredakteur der Nachrichtenagentur dapd und des "Fränkischen Tags" in Bamberg, heute leitet er die Berliner Journalisten-Schule. Obwohl die Leserforschung bereits in den 1980er-Jahren ergeben habe, dass das sinkende Publikumsinteresse auch "an der Abstraktion, am Textduktus und an der Aufmachung der gängigen journalistischen Produkte" liege, hätten die Verlage von "optischen Retuschen" abgesehen wenig bis nichts verändert, kritisiert er: "Im Gegenteil haben die meisten Verlage durch Sparen an Redaktionen und Rationalisierungen die Rendite stabilisiert und den Status quo zementiert." Doch diese Rechnung geht laut Widmann nicht mehr auf, weil Leser und Anzeigenkunden im Netz Alternativen zu den ausgedünnten Blättern finden. Seine Schlussfolgerung: Das Internet sei tatsächlich nicht Ursache der Krise der Tageszeitungen – aber es verstärkte sie in stetig zunehmendem Maße.

Lässt sich die Tageszeitung also retten, wenn Journalisten und Verlagsmanager einfach nur ihren Job vernünftig machen? Das wäre zu kurz gesprungen, weil es einen für ihr Überleben wichtigen Faktor gibt, den Vogel und Haller nur am Rande behandeln: das Anzeigengeschäft. Derzeit wenden sich nicht nur die Leser, sondern auch Werbekunden und Inserenten von den Zeitungen ab ­– und das hat sehr wohl mit dem Internet zu tun. Ein Beispiel dafür ist das Schicksal des Stellenmarkts der FAZ. Einst verdiente die Zeitung damit 200 Millionen Euro, heute ist es nur noch ein Zehntel davon. Dieses Geschäft machen jetzt vor allem Online-Jobbörsen.

Die beiden Zeitungsforscher Vogel und Haller haben zudem ganz verschiedene Vorstelllungen davon, was genau zu tun ist, um die Zeitung überlebensfähig zu machen. Vogel sieht in einer "Produktdifferenzierung" ihre "letzte Chance". Wenn die "Zeitung für alle" nicht mehr oder immer schlechter funktioniert, müssten die Verlage eben verschiedene Varianten anbieten, damit für möglichst viele Menschen etwas dabei ist. Er schlägt daher vor, neben der klassischen Ausgabe billigere Versionen auf den Markt zu bringen, die dünner sind: Wer keinen Lokalsport will, bestellt ihn einfach ab. Der Zeitungsforscher denkt auch laut darüber nach, warum es eigentlich keine speziellen Wochenendausgaben für Singles einerseits und Familien andererseits gibt.

Ganz anders Haller: Er will die Tageszeitung als "nachrichtliches Informationsmedium mit Universalanspruch" erhalten und erneuern und postuliert, dass ihre "Kernzielgruppe", gebildete Berufstätige zwischen 30 und 55 Jahren, genau das weiterhin erwartet. Vogel fehle es hingegen an "empirischem Wissen über Mediennutzung" und sein Plädoyer für "Differenzierung" stütze sich auf "Ansichten aus den 70er- und 80er-Jahren des vorigen Jahrhunderts", ätzt Haller.

Das Reich der SWMH: vom "Schwarzwälder Boten" bis zu "fernweh-aktuell". Grafik: SWMH
Das Reich der SWMH: vom "Schwarzwälder Boten" bis zu "fernweh-aktuell". Grafik: SWMH

Es ist allerdings ohnehin unwahrscheinlich, dass die Verlage genau den Weg beschreiten, den Vogel ihnen vorschlägt, und neben unterschiedlichen Lokalausgaben weitere Varianten eines Titels anbieten. Der logistische Aufwand wäre hoch, die Verlage müssten in Personal investieren, um ihr redaktionelles Angebot aufzufächern – und am Ende stünden sie vielleicht dennoch schlechter da als zuvor. Was tun, wenn plötzlich größere Gruppen von Abonnenten den Lokalsport, die Kultur oder den Wirtschaftsteil abbestellen?

Wie mache ich eine Zeitung für 17- und 70-Jährige?

"Produktdifferenzierung" mit einer anderen Stoßrichtung ist aber sehr wohl ein Thema in der Zeitungsbranche, und seine Bedeutung wächst stetig: Zeitungsverlage versuchen, Menschen mit speziellen Interessen oder in bestimmten Lebenslagen mit neuen Produkten zusätzlich zur herkömmlichen Zeitung als Leser zu gewinnen. Das können Print- oder Online-Medien sein. Häufig werden sie allerdings nicht mit dem bei Tageszeitungen üblichen redaktionellen Aufwand und nach den dort geltenden Qualitätsmaßstäben produziert.

Ein Haus, das eine solche Differenzierungsstrategie seit Längerem verfolgt, ist die "Saarbrücker Zeitung". Ihr Chefredakteur Peter-Stefan Herbst postulierte schon vor Jahren, es werde immer schwerer, eine Zeitung zu machen, die einen 17-Jährigen und eine 70-Jährige gleichermaßen anspricht. Die "Saarbrücker Zeitung" hat heute unter anderem eine Website für Jüngere ("sol.de") und eine für Feinschmecker ("finerio.de") im Angebot, sie gibt eine wöchentlich erscheinende Sportzeitung ("Saar.amateur") und ein "Familien Magazin" heraus. Zwischen 2005 und 2009 leisteten sich Herbst & Co. sogar eine tägliche Boulevardzeitung für junge Leute namens "20 Cent". Sie scheiterte jedoch am Mangel an Anzeigenkunden.

Bei der "Rheinischen Post" (RP), die zum gleichen Konzern wie die "Saarbrücker Zeitung" gehört, bastelt der junge Chefredakteur Michael Bröcker an einer ganzen Handvoll neuer Produkte: Dazu zählen ein Campus-Magazin, ein Weinportal, Schülermagazine und ein regionales Wirtschaftsblatt. Premiere hatte am 2. Mai bereits "RP+", eine Zeitung für jüngere Leser in der Stadt Düsseldorf. Sie soll an Brückentagen erscheinen, an denen die "RP" selbst nicht herauskommt.

Aus einer Tageszeitung mehr zu machen setzt aber voraus, dass sie noch eine Zeit lang existiert. Joachim Widmann sagt es so: "Um sich im Netz vom Kostenlos-Mainstream abzuheben und auf jeder Plattform mehr Zahlungsbereitschaft zu wecken, braucht es einen kompetenten und auch streitbaren, auf viele exklusive Aspekte zu aktuellen Themen bedachten Journalismus."


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Kommentare

Ulrich Frank, 26.08.2014 20:23
Es ist doch in der Tat auch so daß viele Redakteure bzw. Redakteurinnen an den Entwicklungen die ihre Zeitungen und ihre Arbeitsplätze betreffen - darunter der erwähnte Kaufkraftschwund relevanter Bevölkerungsteile - selber die Mitschuld tragen, den Kaufkraftschwund durch ihre großenteils hemmungslose Bejubelung der Agenda 2010 und von Hartz-IV förmlich selber herbeigeschrieben haben. Erst vor wenigen Tagen verkündete ein Schreiberling der Stuttgarter SWMH-Presse das Lob der "Erfolgsnation Deutschland". Gleichzeitig bzw. wenige Tage später ist zu lesen daß Stuttgarter Bürger - Bürger einer Stadt die zu den reichsten der Republik gehört - Nahrung aus Mülleimern fischen müssen und in deutschen Städten die Armut wächst.

Für diese erbärmlichen Zustände tragen JOURNALISTEN hierzulande die MITVERANTWORTUNG - sowie sie auch Verantwortung für den schlechten Zustand ihrer Blätter tragen.

Deutschland über alles und Autostadt und Stuttgart 21 ist natürlich wichtiger für einen vorherrschenden Typus von Redakteur.

Das gegenwärtige journalistische Resultat ist hinmit eine grassierende Schizophrenie, angereichert mit evasionistischen Elementen wie Berichten über Bikini-Wettbewerbe und Perkins-Park-Berichterstattung und ausuferndem Fußball: Heroisierung von Spielern für welche sogar die nächtliche Auslieferung der Blätter verzögert wird), wenn nicht manipulativer Meinungsmache a la Kornelius oder Denkler (SZ) (oder z.B. Hamann oder Gayer, in dieser Stadt).

Diese Schizophrenie und Beliebigkeit läßt sich auch in angeblichen Qualitätsblättern wie z.B. der Süddeutschen Zeitung feststellen, oder dem SPIEGEL der in der letzten Zeit stellenweise zu FOCUS- und gar BILD-Niveau verkommen ist. Die Chefredakteure welche Rechenschaft - und Haltung - schuldig wäre halten sich bedeckt oder führen eine merkwürdige Existenz im dubiosen Schattenreich des Hintergrunds.

Ob ein Aufstand der Leserschaft diesem Zustand Abhilfe schaffen kann ist fraglich. Die Borniertheit der zu oft in selbstgefälliger coolness verharrenden Verantwortlichen kann nicht überschätzt werden, zumal sie durch politische und wirtschaftliche (IHK) Einflüsse zementiert wird.

Peter Boettel, 23.08.2014 10:46
Ich bitte die Redaktion, die vorstehenden Kommentare den Stuttgarter, evtl. auch anderen zeitungen zukommen zu lassen, damit diese endlich erfahren, weshalb ihre Abos zurückgehen, wenn sie es denn auf andere Weise nicht wahrhaben wollen.

Alfred, 22.08.2014 11:41
Es soll Leser geben die älter als 70 sind und sehr wohl seriöse Beiträge des Qualitätsjournalismus suchen und lesen würden.

In den Stuttgarter SWMH Medien sind mir da leider zuviel kritiklos übernommene Presseerklärungen (wie z.B. PR, LPD transportiert von der dpA).
Bei SIR - der Internettochter der Stuttgarter Medien - ist das am deutlichsten.

Werbebeilagen in Farbdruck sind oberflächlich und uninformativ.
Beispiel : StZ Sonderbeilage "Leichter Wohnen im Alter" und einem Interview mit Wieland Backes "Wohnen muss wie eine zweite Haut sein" von Petra M.
Veröffentlicht ist ein Foto mit Herrn Backes auf seiner Gartentreppe - ohne sicherndes Geländer - mit mindestens 5 Stufen.
Da lässt sich gut zu Fuss angenehm wohnen.
Altersgerecht wäre allerdings ein ohnehin vorgeschriebens Gländer um komplizierte Brüche im Alter zu vermeiden.
Für Leser wäre eine Adressenliste mit altersgerechten
Angeboten eine wichtige Nachricht.
Eben eine Nachricht nach denen sich - auch Leser über 70 - richten könnten.

Das Grauen nimmt kein Ende, 22.08.2014 09:46
In Sachsen wird nächste Woche der Landtag gewählt. Laut Umfragen liegt die CDU bei rd. 40 %.
Wer mit unserer Medienlandschaft, dem Öffentlichen Personen Nah- und Fernverkehr, dem Gesundheitswesen, der Energiepolitik oder der Bildungspolitik zufrieden ist, wählt genau richtig.
Jeder Wähler der auch nur mit einem der oben genannten Politikfeldern unzufrieden ist und trozdem CDU, SPD, Grüne oder AfD wählt oder nicht zur Wahl geht, für den gilt: "Nur die dümmsten Lämmer wählen ihre Metzger selbst"

Liane, 21.08.2014 19:33
" Das Aufmacherbild zeigte die Motorhaube eines Maserati, flankiert von zwei jungen Frauen und garniert mit der Information, dass man dieses Auto nun auch in Leipzig kaufen könne – in einer Stadt mit einem Durchschnittseinkommen von 2250 Euro brutto pro Monat."

DAZU konnte ich mir doch ein breites Grinsen nicht verkneifen :-)
und musste an den viel gescholltenen Bericht Steinfest/Schorlau denken:
http://www.kontextwochenzeitung.de/gesellschaft/173/rasende-literaten-2338.html

"Die S-Klasse von Mercedes ist Stuttgarts vielleicht vornehmster Exportartikel, weltweit geschätzt von Diplomaten, Direktoren und Despoten"

Sind DAS die anvisierten Kunden der Kontext??? (die neuen Grünen?) o.k. garniert mit Schriftstellern :-))

Karl Pfaff, 21.08.2014 17:55
Wer in des Höllen Schlund schauen will, besorge sich ein Gratis-Abo der Esslinger Zeitung. Fröhliche Lokalnachrichten aus den Sportvereinen sind noch die spannendste Lektüre. Alles andere eignet sich gerade noch um die Grillkohle anzufeuern. Das Zeitungsbashing bringt uns aber leider nicht weiter. Dadurch werden die Zeitungen nicht besser. Ein ganze Kulturzweig bricht weg, die vierte Gewalt verschwindet sang und klanglos. Und so sehr sich Kontext bemüht, es ersetzt keine Meinungsführerschaft a la FAZ und BLIND. Was als Hofberichterstattung bei den Lokalzeitungen begann, hat sich bei den überregionalen fortgesetzt. Irgendwann einmal wird es keine divergierenden Meinungen mehr geben, wird es keine Diskussionen mehr geben, brauchen wir nicht einmal mehr zur Wahl gehen. Dann werden wir alle glücklich sein.

Heinz Beyrer, 21.08.2014 16:54
Meinem Vor-Kommentator muß ich recht geben:
"Gähnende Langweile", im allgemeinen. Ich bin 71 und lese die Stuttgarter Zeitung seit 50 Jahren, schon mein Vater hatte das Blatt abonniert, also ich weiß von was ich rede, wenn ich sage, dass die Stuttgarter Zeitung einfach "keinen Biß" hat, natürlich in erster L inie auch im Vergleich zu Kontext. Themen sind verwässert, werden so gut wie nie investigativ aufbereitet. Hintergründe bleiben oft im dunklen und recht schwammig. Nichtssagende Berichte, absolut nicht in einer Zeitung erwähneswerter Kleinkram, Seitenfüller die das Papier nicht wert sind auf dem sie geschrieben sind.
Aber so ist das halt heutzutage, wenn Redakteure bzw der Chefredakteur darauf achten müssen, nicht mit den Verlags/Holding-Veranwortlichen in Gegensatz zu treten, sie wollen ja schließlich ihren Arbeitsplatz behalten. Es ist schon traurig, wie das Niveau der Stuttgarter Zeitung immer mehr absinkt. Die extrem einseitige Berichterstattung über Stuttgart 21 als Befürworter des Projektes spricht für sich!

Stephantastisch, 21.08.2014 15:01
Die StZ war früher unbedingte Tageslektüre meines Vaters. Als Stuttgarter in Badisch Sibirien wollte auf seine tägliche Dosis "Heimat" nie und nimmer verzichten. Seit der unsäglichen Berichterstattung und Parteinahme dieser Zeitung zu Stuttgart 21: "...die Redaktion steht hinter dem Projekt...." und "...ohne die StZ wäre S21 nicht realisiert" (oder so ähnlich), möchte er nichts mehr von seinem einstigen Lieblingsblatt wissen. Er hat sich ,genau wie ich mir, die Kontext/TAZ abonniert und freut sich über gut recherchierte Artikel.

Lea, 21.08.2014 12:13
Viele Probagandablätter wie die FAZ werden nicht zufällig gratis überall massenhaft ans Volk verteilt (in Sportvereinen, bahnhöfen, Fußgängerzonen, etc., etc.).

Dada, 21.08.2014 12:01
Früher ersetzte die Lektüre des Wirtschaftsteils der FAZ ein BWL-Studium: Artikel von fähigen Journalisten, Hintergrundinformationen zu Unternehmen und Sachverhalten. Dem ist schon lange nicht mehr so! Auch im Politikteil ist seit Jahren eine dramatische Verflachung eingetreten, sicherlich auch eine Folge der Ausdünnung des Korrespondentennetzes.
Heute sehe ich die FAZ als reines Propagandamedium, das sich allenfalls im Feuilleton noch als lesenswert zeigte, alle anderen Bereiche wurden usurpiert von Polit-, Unternehmens-, Anzeigenkundeninteressen. Selbst die Sportredaktion ist nur noch ein Schattten ihrer selbst. Die Krone aufgesetzt hat dieser Entwicklung zuletzt das Nichtzulassen von Leserkommentaren zu allen Artikeln mit Ukraine-Bezug. Die Artikel waren derart tendenziös, daß man 1. der aufklärenden Leserkommentare nicht mehr Herr wurde und 2. sich beim Propagandamachen bzw. Lügen nicht mehr stören lassen wollte, bestes Beispiel zuletzt der vermeintliche Grenzübertritt russischer Militärs mit anschließender angeblicher Zerstörung durch Ukrainer.
Mein Fazit: Informationen kann ich mir nur noch selbst durch aufwendige Recherchen beschaffen, ich sehe im Inland keine Zeitung mehr, die meinen Bedarf an objektiven Informationen und -das wäre Handwerk- Trennung zwischen Fakten und Meinung gerecht wird. Für unser Gemeinwesen sehe ich schwarz, zumal der Befund bei Einbeziehung der elektronischen Medien (Fernsehen inkl. ÖR) noch weitaus schlimmer wird. Orwell läßt grüßen!

Christoph Kant, 21.08.2014 10:19
Solange es "Medien Holdings" oder "Media Groups" gibt - oder welch lächerliche Namen sie sich auch immer geben - die im Eigentum oder Teileigentum hunderte von Tageszeitungen unter sich vereinen wird es für die breite Masse der Bevölkerung keinen investigativen Journalismus geben. So ist gewährleistet das bei wichtigen wirtschaftspolitischen Themen eine Gleichschaltung stattfindet. Und genau das ist gewollt!

Hermann Jack, 20.08.2014 17:06
Man muß nur mal die Berichterstattung zu S 21 anschauen. Über die Jahre. Dann wird einem klar, warum z.B. die Stuttgarter Zeitungen massive Rückgänge zu verzeichnen haben. Dümmliche Bahnpropaganda kann man sich auch direkt beim Projektbüro anschauen oder bei Dietrich anhören. Wozu dann eine Tageszeitung?

Peter Boettel, 20.08.2014 16:39
Wenn ich in allen Tageszeitungen immer nur Wiedergaben von Agenturmeldungen ohne eigene Recherche - und wenn, dann gleichgeschaltete - lesen muss, nimmt es nicht wunder, wenn es nicht lohnt, zwischen den noch bestehenden wenigen Pressemogulen Springer, Schaub und Bertelsmann auszuwählen. Bleiben nur noch kontext, Spiegelfechter und nachdenkseiten.

zara, 20.08.2014 15:34
Toller Artikel!! Was ich als Abonnent einer Tageszeitung tatsächlich manchmal vermisse, ist eine Haltung. Ich finde zwar Ausgewogenheit und Liberalität wichtig, jedoch ist es bei manchen Themen einfach gut zu wissen, wo "meine" Zeitung steht. Wenn diese Haltung nicht die meine sein sollte, umso besser....:-) Hieran kann ein kritischer Blick nur wachsen.

Guter Jounalismus hilft auf jeden Fall!

Floh, 20.08.2014 12:38
Meines Erachtens betreffen alle Themen 17-jährige und 70-jährige gleichermaßen. Insbesondere wenn es sich um das Alltagsleben in einer Gesellschaft handelt (Gesundheit, Verkehr, Energie, etc.) oder um weltpolitische Themen (deutsche Außenpolitik, deutsche Wirtschaftsinteressen).
Ob diese gesellschaftsrelevanten Themen 17- jährige und 70-jährige auch gleichermaßen interessieren ist m.E. einzig und allein eine Frage der Einbeziehung, der Ansprache, sprich von investigativem Journalismus.
Wer dies bestreitet unterschätzt investigativen Journalismus bzw. den Intellekt einzelner Bevölkerungsschichten bzw. -gruppen.
Jedes gesellschaftsrelevante Thema (und das sind fast alle) in unserer Gesellschaft geht ALLE an! Nur eine Frage der Aufbereitung!

Würde investigativer Journalismus Einzug halten, der die Menschen über gesellschaftlich relevantes wieder vielfältig und differenziert informiert, ihnen echte Orientierungshilfen zur eigenen Meinungsbildung anbietet, bin ich davon überzeugt, dass auch die Printmedien wieder zulegen würden!
Spezielle Websites für Feinschmecker oder besonders sportliche sind nett aber gesellschaftlich uninteressant - solche Websites packen m.E. das Übel nicht bei der Wurzel. Weder hinsichtlich der Printmedien, noch hinsichtlich gesellschaftlicher Aufklärung.

Auch wenn es so mancher nicht mehr hören kann. Für flächendeckenden investigativen Journalismus sehe ich schwarz. Hier stehen zu mächtige egoistische Interessen dagegen (niedere Beweggründe). Da müsste die Bevölkerung (und da jeder einzelne) sich schon selbst drum kümmern. Zum Beispiel indem man/frau Kontext finanziell unterstützt (siehe weiter oben, rechts neben der Titelzeile)

hajomueller, 20.08.2014 10:32
Ich hoffe, dass der Niedergang unserer Zeitungen weniger darauf zurückzuführen ist, dass die Zeitungen nicht mehr das Lebensgefühl ihrer Leser treffen, sondern dass die Leser merken, wie manupulierend die Zeitungen agieren. Deutlich sichtbar wird das derzeit in den Kommentarspalten der Leser, in denen den Journalisten (oder ihrer Zeitung) kräftig die Leviten gelesen werden.

Vielleicht könnte man den Boykott der kritischen Leser so umschreiben: Nur die allerdümmsten Kälber, finanzieren ihre Metzger selber.

Cybertronic, 20.08.2014 10:32
Wenn alle Zeitungsverleger für die Nachhaltigkeit der Bäume , was bekanntlich für die Papierverschwendung durch kurzlebige Druckerzeugnisse kommt, selbst aufkommen würden, dann wären alle schon pleite. Das wäre mal eine Hausnummer !

FernDerHeimat, 20.08.2014 06:54
Am Erfolg gerade der Kontextwochenzeitung (aber auch z.B. Heise) sieht man noch viel besser, WAS genau Schuld am Niedergang der "etablierten" Zeitungen ist - politsche Einseitigkeit, offensichtliche Befangenheit und gähnende Langweile.

Jene Leserschaft aber, die nur nicht ihre Zeitung aufschlagen will, um damit ihre kleinbürgerliche Gesinnung bestätigt zu wissen oder von ausgesuchten Belanglosigkeiten gezielt eingelullt zu werden, sucht sich zwischenzeitlich bessere Alternativen.

Genau aus diesem Grund funktionieren die kostenpflichtigen Angebote der "Etablierten" auch nicht besser als die Printausgaben.

(Ausser vielleicht als Propagandaschleudern für allerlei Bezahltrolle und Soziopathen, wenn man sich die - häufig wortgleichen - Kommentare auf STZ/STN, WELT und FAZ antut.)

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Letzte Kommentare:

Ausgabe 302 / Eliten mit Sehschwäche / Renate Knapper, 16.01.2017 12:10
Hallo Kontext-Redaktion, Ich finde es super, dass ihr das Thema reich/arm zum Schwerpunkt machen wollt. Und dass ihr gleich in BaWü anfangt und v.a. auch Namen nennt. Bitte weiter so!! Hoch spannend ist in meinen Augen auch die Aussage...

Ausgabe 300 / Kopp auf der Resterampe / Barolo, 16.01.2017 11:30
@R.N. volle Zustimmung.

Ausgabe 302 / Lidl lohnt sich – für einen / Schwabe, 16.01.2017 10:47
"Produktion für die Tonne" - Fakten,Fakten, Fakten Tierleid, ungesundes Essen, miese Jobs: Die Lebensmittelindustrie hat viele unschöne Gesichter. Ein besonders herausragendes Problem ist die massive Überproduktion. Riesige...

Ausgabe 302 / Hilfe für Snowdens Helfer / Michael Müller, 15.01.2017 18:07
Ich schließe mich der Frage von Herrn Struwe an. Wohin kann jemand spenden der keine Paypal/Bitcoin/Kreditkarte hat? @partisan: Verstand hat Ihre Worte nicht geformt, es muss Reflex gewesen sein. Sie hätten stattdessen auch ein...

Ausgabe 300 / Kopp auf der Resterampe / R.N., 15.01.2017 15:38
Als die Kontext-Wochenzeitung erstmals erschienen ist, habe ich mich auf eine Zeitung gefreut, die ohne offensichtlichen politischen Einfluss auskommt. Zu früh gefreut. Nach dem Lesen dieses Artikels spürt man, woher der Wind...

Ausgabe 302 / Lidl lohnt sich – für einen / Gela, 15.01.2017 13:31
2 unterschiedliche Diskusionsstile: Manfred Lieb kennt die Fakten, wertet sie und kommt dadurch zu einer differenzierten Beurteilung, was zu lobenund was zu tadeln ist. Bei der Kritik fehlt mir allerdings die an dem erpresserischen...

Ausgabe 302 / Kobra ins Körbchen / Jan, 15.01.2017 12:17
Oh man, jetzt macht dieser Lowandorder auch noch die Kontext Kommentarfunktion zu seiner Dada Bühne....

Ausgabe 302 / Oh, wie schön ist Biberach / Hartmut Hendrich, 15.01.2017 11:54
@Fritz: Danke, der Schlag sitzt und schmerzt in der Magengrube. Dass mir die Nachsilbe „er“ doppelt in ein Wort geraten war und mir nicht beim Kontrollieren vorm Absenden, aber sofort nach der Veröffentlichung auffiel, war schon...

Ausgabe 302 / Weg mit den Klammern / Blender, 14.01.2017 23:12
Ein V-Mann (diesmal vom LKA) fuhr Herrn Amri nach Berlin. Vielen Dank auch (für die weitere staatliche Unterstützung einer weiteren terroristischen Vereinigung). These: Ohne V- Männer gäbe es keinen Terrorismus?...

Ausgabe 302 / Lidl lohnt sich – für einen / Schwabe, 14.01.2017 21:10
Manfred Lieb tut so als sei der Milliardär Schwarz ein ganz normaler Steuerbürger der sich an Recht und Gesetz hält "...aber dies ist nicht einem Steuerbürger (Manfred Lieb meint damit den Milliardär Schwarz) anzulasten..." oder "Man...

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