KONTEXT Extra:
Stuttgarter Filmwinter startet mit "Mut zur Lüge"

Der Stuttgarter Filmwinter – Eröffnung am 18. Januar – steht in diesem Jahr ganz im Zeichen der Lüge. So ist es natürlich auch nicht der 300. Filmwinter, wie auf den quietschgelben Werbeplakaten zu lesen ist, sondern der 30. – immerhin. Bis 22. Januar sind im FITZ! in der Eberhardstrasse, im Haus der Geschichte, im Kunstbezirk, und im Theater tri-bühne experimentelle Filme und Medienkunst zu sehen und zu erleben bei diesem "bedeutendsten Festival Experimentalfilm im süddeutschen Raum ". So die Eigenwerbung und das ist natürlich keine Lüge. Wie in den vergangenen Jahren auch, sollen die anspruchsvollen und meist auch anstrengenden experimentellen Filmkunstwerke einer größeren Öffentlichkeit spielerisch näher gebracht werden. Damit der Nachwuchs an interessierten Zuschauern nicht ausbleibt, gibt es auch bei diesem Filmwinter im Zeichen der Lüge ein spezielles Programm für Kinder und Jugendliche mit Kurzfilmen, Workshops, Führungen. Das Programm und mehr gibt es unter www.filmwinter.de.


Jetzt doch ein Koalitionsausschuss zu Afghanistan

Vor Weihnachten hatten Grünen und CDU eine inhaltliche Aussprache über die Abschiebepraxis nach Afghanistan vermieden. Stattdessen wurde im Koalitionsausschuss vor allem darüber diskutiert, ob Grünen-Landeschef Oliver Hildenbrand es "schäbig" nennen darf, wenn sein CDU-Pendant, Innenminister Thomas Strobl, auch alte oder kranke Menschen abschieben will. Zur bisher einzigen Sammelabschiebung wurde ein Mann sogar aus einer Psychiatrischen Klinik geholt, dann allerdings doch nicht ins Flugzeug nach Kabul gesetzt.

Am kommenden Dienstag werden dieser und andere Fälle sowie die grundsätzliche Vorgehensweise im Koalitionsausschuss diskutiert. Die Grünen, die die Debatte durchgesetzt haben, erinnern an die geltenden Leitlinien des Landes zu Abschiebungen und Rückführungen, nach denen eine Einzelfallprüfung ohnehin zwingend ist. Bisher hatte sich Strobl gegen eine inhaltliche Behandlung der von ihm mitinitiierten verschärften Abschiebepraxis im Koalitionsausschuss ausgesprochen. Die Grünen gehen davon aus, dass die Leitlinien und damit die Einzelfallprüfung bestätigt werden.

Auf dem Tisch liegt auch ein Papier der sogenannten G-Länder, also aller Koalitionen, an denen Grüne beteiligt sind. Diesem zufolge muss gewährleistet sein, "dass Ausreisepflichtige keinen Schaden an Leben und Gesundheit nehmen". Die Regierungspartner in Baden-Württemberg, Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen "betonen eine Reihe von Grundlinien und Anforderungen bezüglich Rückführungen nach Afghanistan". Sie fordern die Bundesregierung aber auch auf, die Sicherheitslage in Afghanistan "erneut zu überprüfen". (14.1.2017)


Ein zweites Raumwunder für Geflüchtete

Engagement kann sich lohnen. Im September hatte Kontext über die Initiative der Künstlerin Martina Geiger-Gerlach berichtet, eine Wohnung in einem zum Abriss vorgesehenen Haus im Stuttgarter Stadtteil Steckfeld monatsweise Flüchtlingen zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig finden dort immer Ausstellungen statt, die Nachbarn und Interessierten Gelegenheit geben, Künstlern und Geflüchteten zwanglos zu begegnen. Nun hat der Vermieter, das katholische Siedlungswerk, der Künstlerin eine zweite Wohnung im selben Haus als Lernwohnung zur Verfügung gestellt, damit Geflüchtete, die im Trubel ihrer Unterkunft nicht zur Ruhe kommen, eine Rückzugsmöglichkeit finden. Zudem bleibt das Haus länger stehen: voraussichtlich zwei Jahre. Dem Siedlungswerk gefällt das Projekt so gut, dass Martina Geiger-Gerlach gefragt wurde, ob sie sich vorstellen könnte, im Quartiersraum des Neubauareals an Stelle des früheren Olgahospitals eine Aufgabe zu übernehmen. Und: Ihr Wohnungs-Projekt ist für den Stuttgarter Bürgerpreis der Bürgerstiftung vorgeschlagen worden. Am 20. Januar um 19 Uhr eröffnet in der Karlshofstraße 42 in Steckfeld die nächste Ausstellung mit Gemälden von Ivan Zozulya und dem DJ Roman Levin. Am 31. Januar wird die Entscheidung zum Bürgerpreis bekannt gegeben. Jeder kann mit abstimmen!


Der Gewitterwanderer im Glück

Mitte November hatte der 33-jährige Göppinger Schriftsteller Kai Bleifuß noch geschimpft wie ein Rohrspatz. Der promovierte Goethe-Experte rackert sich seit Jahren mit Schreiben ab. Fabrizierte zuletzt einen Roman über den Dichterfürsten und wie der so wäre, würde er in unserer Zeit leben. "Goethes Mörder" heißt das gute Stück. Gutes Zeug. Guter Mann. Das weiß auch Bleifuß selbst. Kontext gegenüber machte er keinen Hehl daraus, dass er sich selbst für einen ziemlich duften Typen hält. Doch bislang schlug ihm seitens des ganzen "Literaturzirkus" und der Verlage kalter Wind entgegen. Niemand wolle mehr ein Risiko eingehen. Literatur würde immer mehr unter ökonomischen Abwägungen betrachtet, konstatierte der resolute Literaturnerd. "Schreiben ist das Idiotischste, was man machen kann. Nicht schreiben aber auch."

Ein Bleifuß lässt sich aber nicht unterkriegen – und jetzt hat es gerappelt im Karton: Am vergangenen Sonntag sackte der Göppinger für seinen Text "Fünf Variationen auf das Unsagbare" den Autorenpreis "Irseer Pegasus 2017" ein. 150 Schriftsteller aus dem ganzen Land hatten sich mit ihren Werken beworben, doch Bleifuß hat den mit 2000 Euro dotierten Preis gewonnen. Neben ihm auf dem Siegertreppchen der Preisverleihung im Kloster Irsee im Allgäu strahlte David Krause aus Kerpen.

"Der glücklose Autor hatte endlich einmal Glück!", schrieb Goethe-Glücksbärchen Bleifuß voller Freude an Kontext, mit der Bitte unseren LeserInnen mitzuteilen, dass man am 27.1. ab 21:05 Uhr im BR2 sein Hörspiel "Pinball" senden werde. Machen wir doch gerne. (11.1.2017) 


Abstand halten von den Volksverrätern

Aus 594 Wörtern haben die Sprachwissenschaftler um die Darmstädter Professorin Nina Janich das Unwort des Jahres 2016 ausgesucht: "Volksverräter". Aus dem Erbe der NS-Diktatur werde das Wort von Pegida, AfD und anderen Rechtsaußen verwendet, um PolitikerInnen  zu diffamieren. Mit der Folge, dass das "ernsthafte Gespräch" und notwendige Diskussionen in der Gesellschaft abgewürgt würden, begründet die Jury. Auf den weiteren Plätzen folgen "postfaktisch", "Populismus", "Gutmensch" sowie eine "Armlänge Abstand". Mit in der fünfköpfigen Jury saß auch Kontext-Autor Stephan Hebel. (10.1.2016)


KONTEXT
per E-Mail:
Immer informiert:

Durch diese Anmeldung erhalten Sie regelmäßig immer mittwochs um 9 Uhr unsere neueste Ausgabe unkompliziert per E-Mail.

Datenschutz-Hinweis

Ausgabe 293
Debatte

Tengelmann hoch zwei

Von Gerhard Manthey
Datum: 09.11.2016
Bei Tengelmann hängen sich der Vize- und der Alt-Kanzler rein. Wenn Zeitungsmonopole zuschlagen, rührt sich nichts. Dabei wäre es höchste Zeit für Gegenwehr, kommentiert unser Autor. Zum Beispiel beim Stuttgarter Pressemonopoly.

Ein sozialdemokratischer Wirtschaftsminister hat seine sozialpolitischen Wurzeln entdeckt, mit dem Bundeskartellamt monatelang herumgezerft, zuletzt noch den Ex-Bundeskanzler, seinen Freund Gerhard Schröder, als Schlichter beim Discounter-Deal Tengelmann versus Rewe/Edeka eingeschaltet. Die Genossen wollen 15 000 Arbeitsplätze sichern. Beim Lebensmittelmonopoly. Dann schalten wir schnell zur "Tagesschau": Fanfaren – Jobs gerettet. "Toll", das schnelle Lob für Gabriel. Sogar der Verdi-Vorsitzende Frank Bsirske steht medienwirksam zur Seite, weil die Schlacht um schlechte und gute Filialen der Kaiser's-Tengelmann-Kette nun erst beginnt, wenn Rewe seine Klage vor dem Kartellamt denn zurücknimmt.

Das Kartellamt schützt – wen?

Als im vergangenen Jahrzehnt mehr als zehntausend JournalistInnen an deutschen Tageszeitungen aus Pressekonzentrationsgründen entlassen wurden, hat kein Kartellamt interveniert. Nichts ist passiert, was die Marktmacht der Monopolisten in den Ein-Zeitungs-Kreisen eingeschränkt, Vielfalt und Pressefreiheit gestärkt hätte. Die Konzerne durften noch größer werden. Und wenn ihr Übernahmehunger nochmal größer wurde, kam die Verlegerlobby und forderte noch weniger Beschränkungen. Mit Erfolg.

Keine Kanzlerin, kein Ministerpräsident und auch kein Chinese wollte die "Eßlinger Zeitung" retten. Foto: Joachim E. Röttgers
Keine Kanzlerin, kein Ministerpräsident und auch kein Chinese wollte die "Eßlinger Zeitung" retten. Foto: Joachim E. Röttgers

JournalistInnen und Pressevielfalt haben keine Lobby beim Wirtschaftsminister, keine beim Justizminister. Weder eine Kanzlerin noch ein, zwei Ministerpräsidenten wurden gefunden, die sich gegen diesen Wort- und Schrifthandel wehrten. Die Kontrolle der Eigentumsverhältnisse in den Medien, die Beobachtung der Medienmärkte, der Verflechtungen von Wirtschaft und Medien, die Einschränkung von Pressevielfalt und damit auch der Pressefreiheit, das ist für Politiker ein Tabuthema. Da legen sich keine Parteien oder Volksvertreter quer.

Wenn wieder eine Zeitung über die Wupper, Spree oder den Neckar bei Esslingen geht, ist das, als würde ein Sack Reis in China umfallen. Ja, wenn wenigstens ein Chinese für die "Eßlinger Zeitung" geboten hätte, dann – Herr Oettinger, Herr Gabriel ...

Wen juckt's? Nur die meist älteren Journalisten, die noch genügend Erregungspotenzial im Leib haben, oder eine Zeitung wie "Kontext", die Pressevielfalt wichtig findet und eine Diskussion in der Öffentlichkeit haben will, um Mitstreiter zu finden. Wie eben jetzt beim Verkauf der "Eßlinger Zeitung" an den Konzern Südwestdeutsche Medienholding SWMH.

Jede Essiggurke ist Esslingens OB wichtiger

Was für die Bundesebene gilt, setzt sich im Regionalen und Lokalen fort: Der Oberbürgermeister der betroffenen Stadt will kein Sterbenswörtchen verlieren, wo ihm doch sonst jede Essiggurke am Standort und der dazugehörige Arbeitsplatz viel wert ist. Auch die Pressestelle des Ministerpräsidenten, die vor über 14 Tagen angeschrieben und gefragt wurde, ob sie einen Vertreter zu einer Podiumsdiskussion zur Situation der "Eßlinger Zeitung" entsenden wolle, schweigt laut. Warum also noch einen weiteren Artikel darüber schreiben, was Pressefreiheit und Pressevielfalt wert sind?

Mag lieber Essiggurken: Esslingens Oberbürgermeister Jürgen Zieger. Foto: Joachim E. Röttgers
Mag lieber Essiggurken: Esslingens Oberbürgermeister Jürgen Zieger. Foto: Joachim E. Röttgers

Die türkische Oppositionszeitung "Cumhuriyet" wurde verboten. Die Republik trauert. Der "Kölner Stadtanzeiger", der "Kölner Express", die "Berliner Zeitung", der "Berliner Kurier" werden fusioniert. Deutschland trauert nicht. Nicht ein Interview mit den betroffenen Beschäftigten, mit deren Betriebsräten, mit den Journalisten-Gewerkschaften. Keine Statements der Politik. Ein langes Interview in der "Zeit" mit dem DuMont-Chef Christoph Bauer (samt Foto, auf dem dessen Armbanduhr fünf vor zwölf zeigt), in dem aber keine saubere Analyse des Zeitungsmarktes Berlin vorgenommen und nicht gefragt wird, wie man ihn am Leben halten könnte. Stattdessen ein Kahlschlag des Controllers Bauer mit seiner Bertelsmann-Erfahrung. Die schlichte "Strategie" ist das Schrumpfen des Personals – wie bei SWMH-Chef Richard Rebmann. Redaktions-Pools, die möglichst viele Blätter beliefern, sollen es richten. Ein Blick nach Stuttgart genügt.

So viel Zorn und niemand regt sich auf

Es gab Zeiten in dieser Republik, da dürsteten die Menschen nach dem freien Wort. Da waren BürgerInnen ungeduldig, ein wahres Wort zur Lebens- und Gesellschaftssituation am Zeitungsstand und im Briefkasten vorzufinden. Das war nach dem Nationalsozialismus. Da wurde die Presse als unverzichtbares Lebensmittel geführt, als Brot der Demokratie.

Wann begann sich dies alles zu ändern? Mit der Kommerzialisierung unseres Alltags, aller Empfindungen, Ideen, Wünsche? Warum streichen wir nicht den Artikel 5 aus dem Grundgesetz, der uns die Meinungs- und Informationsfreiheit garantieren soll? Was ist er uns noch wert? Oder, andersherum gefragt: Wer macht Werbung für ihn? So viel Zorn und niemand regt sich auf!

Die jungen JournalistInnen nicht. Der Ministerpräsident nicht. Und Frau Bundeskanzlerin spricht auf dem Medien-Kongress in München, ohne ein Wort über den bedrohten Journalismus und die Pressevielfalt zu verlieren. Da ging es um die Gefahr der Digitalisierung in den Medien- und Konsummärkten. Stimmt, wir sind in unserem Konsumverhalten bald in Gänze per Strichcode der Konzerne durchleuchtet und markiert. Nur unser Schlaf und unsere Träume wurden noch nicht gescannt und ausgebeutet.

Kommt noch. Google, Youtube, Twitter, Facebook & Co. schaffen auch das noch mit Hilfe der NSA und des BND. Orwell ist wirklich und wir prosten uns mit frisch gepresstem Biosaft zu. Die stille Unzufriedenheit muss zum Zorn kulminieren und zur kreativen Gegenwehr genutzt werden. Wer macht mit? Wann ist die Zeit dafür reif?

Wie wär's mit einer Stiftung, Frau Bechtle-Kobarg?

Warum wird eine Verlegerin, die in über 50 Jahren mit ihrer Bechtle-Sippe neidlos Millionen Euro in ihrer privaten Schatulle ansammelte, nicht von der Stadt, den RedakteurInnen und der Landespolitik dazu aufgefordert, aus der "Eßlinger Zeitung" eine Stiftung zu machen? Wenn der Filius keine Lust zum Verleger hat, ist das okay. Aber warum nicht – wie weiland im "Ahlener Programm" der CDU – das Gemeinwohl stärken? Wenn das Alt-Verleger Hans W. Baur und seine Gattin in Karlsruhe mit den "Badischen Neuesten Nachrichten" konnten, warum sollte das in Esslingen nicht auch gehen? Seit 1994 sind die BNN eine Stiftung.

Christine Bechtle-Kobarg mit SWMH-Chef Rebmann auf dem Südwestdeutschen Verlegerkongress 2014. Foto: Oliver Hanser
Ein Herz und eine Seele: Christine Bechtle-Kobarg mit SWMH-Chef Rebmann beim Verlegerkongress 2014. Foto: Oliver Hanser

Wenn die BürgerInnen die Stromversorgung nicht in der Hand der EnBW belassen, sondern sie vom Konzern zurückkaufen wollen ­– warum nicht auch bei der "Eßlinger Zeitung" eine "Stiftung Lesen" für alle in der Stadt machen? Das wäre doch ein Versuch für die Journalisten-Organisationen wert. Dann könnte aus dem jetzt schon gemurmelten "Aber" ein lautes "Aber es geht doch!" werden, wenn sich alle daran beteiligten. Denn sicher ist: Die "Eßlinger Zeitung" war nicht das letzte Fusionsopfer. Vor den Toren Stuttgarts gibt es eine Reihe kleiner Zeitungen, die noch auf dem Einkaufszettel der SWMH stehen.

Stillhalten ist keine Lösung

Wenn's wieder einmal so weit ist, steht der Hintergrund in Kontext – und sonst wohl nirgendwo. Aber können solche Diskussionen nicht jetzt schon zum Wohle wenigstens der Beschäftigten geführt werden? Ist ein Sozialplan mit guter Abfindung das Höchste, was wir den KollegInnen zum Abschied vom aktiven Journalismus bieten können und wollen? Und bis dahin stillhalten?

Ohne Phantasie und Kreativität wird die Pressevielfalt ab- und die Pressekonzentration zunehmen. Es ist höchste Zeit, dass die RedakteurInnen, die Gewerkschaften und die Parteien beginnen, eine Lobby für den Journalismus zu bilden. Denn eines ist sicher: Pressefreiheit ist Tengelmann hoch zwei!

 

Gerhard Manthey, gelernter Journalist, war bis 2014 Leiter des Fachbereichs Medien bei Verdi in Baden-Württemberg und kennt die hiesige Presselandschaft wie kein anderer.


Gefällt Ihnen dieser Artikel?

Kommentare

Weltenbummler2016, 13.11.2016 03:56
Schreibt doch bitte Vermögensteuer, die taz macht's auch - in Kontext Extra!
SG

Horst Ruch, 12.11.2016 18:16
....ein zwar hinkender Vergleich,.... doch wer vermißt heute noch die Lebensmittel(Kolonialwaren)märkte Gaissmaier oder Nanz usw.?
Die Konzentration größer,weiter,schneller ist doch ein Zeichen einer jeden Epoche mit all ihren "Wende"nachteilen .
Wer kennt heute noch z.B. den Roman "die Weber" von Gerhard Hauptmann, in dem er das Schicksal bzw. den Aufstand der Weber beschreibt, als Handweben auf Maschinenweben umgestellt wurde.
Wer bekommt heute noch einen handgeschriebenen Brief mit der Post(kutsche) oder schreibt gar selbst noch von Hand.
So dient die Zeitung nur noch als 2.tes Informationsmedium, denn wir sind im Zeitalter der Elektronik angelangt.
So gesehen ist es verständlich, daß eine junge Generation nicht in "veraltete" Methoden investiert.
Und Hand aufs Herz, ob ich eine dpa-Nachricht vom Vorabend im Fernsehen gesendet, am nächsten Tag aus der Esslinger oder aus der Stuttgarter Zeitung lese, ist nun wirklich
egal. Kritischer wird es natürlich bei der Sichtweise von politischen, künstlerischen, literarischen Beiträgen.
Ich denke, es ist einfach die Kosten/Nutzenfrage, wieviele Ressorts man für welchen Leserkreis in wie hohen Auflagen sich als Verlag leisten kann.
Wirtschaftlichkeit spielt im Gegensatz zu unseren staatlich subventionierten Eigenbetrieben als Aktiengesellschaft getarnt,
beim Überleben schon die Hauptrolle.

Schwabe, 10.11.2016 13:01
Danke für den (grundsätzlich) guten Kommentar - da schließe ich mich dem Vorkommentator Fritz an!

Aus dem Artikel m.E. jedoch eine leichte - aus meiner Sicht verständliche - Verzweiflung herauszulesen,
Doch in Deutschland ist die Pressefreiheit nicht der einzigste Pfeiler einer Demokratie der - mit Billigung der etablierten Politik - unter die Räder kommt. Erinnert sei hier nur an die Privatisierung der Daseinsvorsorge (Volksvermögen einer starken, lebenswerten und demokratischen Gesellschaft) und die über die Medien lancierte Hetze gegenüber Gewerkschaften die ihren Job gut machen (Stichwort Union-Bashing).
Deshalb möchte ich den Auszug aus obigem Artikel "Es ist höchste Zeit, dass die RedakteurInnen, die Gewerkschaften und die Parteien beginnen, eine Lobby für den Journalismus zu bilden. Denn eines ist sicher: Pressefreiheit ist Tengelmann hoch zwei!" hinzufügen, dass z.B. auch die Daseinsvorsorge (Gesundheits-, Energieversorgung, Bildung, öffentlicher Personen Nah- und Fernverkehr, Wohnen, etc.) einer Lobby bedarf um die Demokratie zu retten. Denn hier herrscht die selbe Ignoranz bzw. Einigkeit unter den etablierten Parteien.

Manthey bzw. Kontext redet dennoch m.E. um den heißen Brei herum, ohne das Kind wirklich beim Namen zu nennen. Denn der Dreh- und Angelpunkt, für oder gegen die Mehrheitsbevölkerung sprich für oder gegen die Demokratie, liegt in der herrschenden Politik begraben. Und da weigert sich m.E. auch Manthey bzw. Kontext, politische Aufklärung/Bildung zu betreiben und so die verantwortlichen Parteien beim Namen zu nennen, sowie die mittlerweile Einzug gehaltene, parteiübergreifende Einigkeit bürgerlicher Parteien deutlich anzusprechen - Stichwort "marktkonforme Demokratie".
Um diese "marktkonforme Demokratie" (m.E. eine Diktatur des Kapitals) ohne Gewalt anwenden zu müssen zu erreichen, muss der Mediensektor unter Kontrolle gebracht werden, um so die öffentliche Meinung zu manipulieren.

Fritz, 09.11.2016 11:10
Danke für den guten Kommentar!

Aber die Presselandschaft in der Region war in den letzten Jahrzehnten sowieso schon weitestgehend "einheitlich" (schwarz).

Eine SZ, die (zumindest früher gelegentlich mal) duch kluge Kommentare auffällt, hat es bei uns sowieso nie gegeben. Koi oiga's G'wächs.

Insofern ist die "Bereinigung", dass die ganzen kleinbürgerlichen Blätter jetzt einem grossen Meinungsmacher gehören, eher nur der Abschluss dieser Entwicklung.

Die Printmedien hatten sich dank ihrer Muffigkeit und politischen Einseitigkeit - im Sinne der "Eigentümerausrichtung" - sowieso gründlich bei der jüngeren Generation erledigt. Den "alten Scheiss" der Eltern- und Grosselterngeneration wollen die nicht mehr lesen.

Die Alternativen lassen sich problemlos im Netz finden - so z.B. der Kontext.


Insofern ist es dann auch kein Wunder, wenn die Blogosphäre bei jeder Gelegenheit in den "etablierten" Medien verteufelt wird.

"Ungefilterte Berichterstattung" und "subjektive Meinungsmache" sind dabei noch die harmlosesten Schlagworte. Mit dem Scheinargument der "Plattformen für (politischen) Extremismus" (= alle anderen, unerwünschten Meinungen), der sich ja angeblich "virulent" über solche Medien verbreitet, wird mit Vorliebe dann zur Terrorismuskeule gegriffen. So würde quasi die Jugend "verdorben" werden.

Die eigenen Geschäftsmodelle im Internet wiederum stehen einem Erfolg der "Etablierten" natürlich auch im Weg. Wenn Springer und (leider auch) die SZ den Leuten den Adblocker (bis hin zum Gerichtsentscheid) verbieten wollen, dann fördert das sicherlich nicht die Begeisterung. (Insbesondere wenn man weiss, daß nicht die Werbung, sondern vor allem die sog. "Tracker" nicht nur als Belästigung sondern konkrete Gefahr empfunden werden. Und das zu Recht!)

Kommentar hinzufügen




CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.


* Pflichtfeld!

Letzte Kommentare:

Ausgabe 303 / Jeder zweite Baum – ein fürstlicher / Daniel, 19.01.2017 22:30
Abgesehen von einer angedeuteten, (überproportionalen) politischen Einflussnahme, erkenne ich jetzt nicht den eigentlichen (speziellen) Skandal. (im Artikel - während die zwei Erstkommentatoren den Ursprung dieser Eigentumsverhältnisse...

Ausgabe 303 / Jeder Zehnte am Abgrund / CharlotteRath, 19.01.2017 18:24
„2014 waren etwa 335.000 Menschen wohnungslos. Das ist ein Anstieg um fast ein Fünftel in gerade einmal zwei Jahren. Wohnungslos zu sein bedeutet, keinen festen Wohnsitz zu haben. Die meisten Betroffenen halten sich wenigstens...

Ausgabe 303 / Dann klopft mal schön / era, 19.01.2017 18:18
Es ist wohl begründet, im Internet nicht mit seinem Klarnamen zu posten. Während der Bahnhofproteste war es niederschwelliger den Klarnamen zu nutzen. Das war ein One-Issue, man war auf der Straße und sowieso zu sehen. Die Bewegungen...

Ausgabe 303 / Kein Platz für Heuschrecken / Barolo, 19.01.2017 17:05
In Stuttgart könnte man mal anfangen den Amis zu kündigen. Da würden in Vaihingen und Möhringen schon ein par Hektar frei werden. Und es gäb weniger Krieg und Flüchtlinge, da der von dort gesteuert wird.

Ausgabe 303 / Anti-Christen / Barolo, 19.01.2017 16:58
Zu dem Thema des Artikels bin ich heute auf eine unglaubliche Buchbesprechung ausgerechnet im Spiegel gestossen. Stammt von 1982, damals war Spiegel wirklich ganz anders als heute! Mir fällt ja selten die Kaffeetasse aus der Hand, aber...

Ausgabe 303 / Jeder Zehnte am Abgrund / Barolo, 19.01.2017 16:45
Danke für den guten Artikel über die Probleme die wir hier in Deutschland haben. Auch auf die Gefahr mal wieder durch die Ritze zu fallen, aber um nur zwei Fragen zu nennen, wie bei o.g. Projekten besser geholfen werden...

Ausgabe 303 / Dann klopft mal schön / a.weisshaupt, 19.01.2017 15:54
beim wort "fake-news" denke ich an die öffentlich rechtlichen zwangsgebühreneintreiber und an die mainstreammedien, die mir gerne jederzeit was von faulen griechen, bösen putins, gefährlichen rechten und sonstigen feindbildern...

Ausgabe 303 / Den Säcken ans Geld / adabei, 19.01.2017 14:15
Wer redet hier von Neid? Es geht um Gerechtigkeit. „Armut und Reichtum sind Zwillinge“, sagt schon ein albanisches Sprichwort. Oder anders, also "sachlich", wie Bolgheri verlangt: Da wir alle aus einem begrenzten, globalen Vorrat...

Ausgabe 303 / Anti-Christen / Bolgheri, 19.01.2017 13:08
@Herr Steiner, sowohl britische als auch chinesische Regierungsbehörden haben Reisewarnungen für Deutschland herausgegeben, diese Reisewarnungen bestehen weiterhin. Diese Warnungen kommen nicht von ungefähr. Und diese Warnungen sind...

Ausgabe 303 / Kein Platz für Heuschrecken / Bernd Oehler, 19.01.2017 12:15
@Anja Schmitt: Ich habe nicht behauptet, dass in den Projekte nur Kreditgeber wohnen - dass das genaue Gegenteil der Fall sei, dürfen Sie gerne mit Zahlen untermauern. Über das Modell habe ich mich recht genau informiert, ich habe...

Die KONTEXT:Wochenzeitung lebt vor allem von den kleinen und großen Spenden ihrer Leserinnen und Leser.