KONTEXT Extra:
Auch Hermann will Maut verzögern

Wenn es nach den Grünen geht, wird die Landesregierung gemeinsam mit Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz oder dem Saarland versuchen, die Einführung der PKW-Maut über den Bundesrat noch zu verzögern oder gar zu verhindern. Verkehrsminister Winne Hermann kündigte einen entsprechenden Vorstoß an. Er habe bereits im Verkehrsausschuss des Bundesrats Position bezogen und insbesondere kritisiert, dass "die Grenzregionen schwer tangiert sind, ausgerechnet in Zeiten, in denen wir den europäischen Geist betonen wollen". Die "Bürokratie-Maut" passe nicht in die Zeit. Außerdem würden Milliarden eingenommen, Milliarden an deutsche Autofahrer wieder zurückgegeben und "vielleicht bleiben ein paar Millionen übrig".

Saarland, Rheinland-Pfalz oder NRW wollen den Vermittlungsausschuss zwischen Bundesrat und Bundestag anrufen, nachdem letzterer die Maut am Freitag beschlossen hat. Das Gesetz ist allerdings nicht zustimmungspflichtig, weshalb die Einführung der Maut auf diesem Wege lediglich verzögert werden kann. Allerdings könnte Verzögerung am Ende auch das Scheitern bedeuten, weil womöglich nach der Bundestagswahl im September die Karten ganz neu gemischt werden, und die CSU bisher bekanntlich die einzige Partei ist, die die Maut wirklich will. (24.3.2017)


Aras legt sich mit Erdogan an

Die Stuttgarter Grünen-Abgeordnete und Landtagspräsidentin Muhterem Aras hat die deutschtürkische Community aufgefordert, sich mit dem Verfassungsreferendum am 16. April kritisch auseinanderzusetzen. Von den Imamen wünscht sich die Stimmenkönigin ihrer Partei bei den Landtagswahlen 2016, dass die "in den Freitagspredigten zu einem respektvollen und fairen Umgang miteinander aufrufen und die hier geltenden Werte von Meinungs-, Presse- und Religionsfreiheit entschieden weitergeben". Sie selber verzichte derzeit auf Reisen in die Türkei, "weil ich nicht weiß, ob ich mich dort frei bewegen könnte". Zugleich müssten sich Demokraten weigern, sich zu Feinden der Türkei machen zu lassen. Aras nutzte eine Landtagsdebatte zum 60. Geburstag der EU auch zu scharfer Krtik am türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, weil der "auf das Infamste" gebaute Brücken wieder einreißen und die Gesellschaft spalten wolle. Von den Vertretern AKP-naher Institutionen erwartet die Grüne eine öffentliche Distanzierung von den "die Opfer verhöhnenden Nazivorwürfen". Im Südwesten dürfen insgesamt rund 230 000 Türken am Referendum teilnehmen – und zwar vorab: Die Wahl beginnt bereits am 27. März und endet am 9. April. (22.3.2017)

Mehr zum Thema: "Meister der Feindbilder", "Unverschämt und dumm"


Stuttgart 21: Aktionsbündnis warnt Aufsichtsrat

Drei Tage vor einer Sitzung des DB-Aufsichtsrats verlangt das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 erneut eine "faktenehrliche Bestandsaufnahme". Sollte sich der Aufsichtsrat wieder um die Auseinandersetzung drücken oder gar unbeirrt den Weiterbau beschließen, so Eisenhart von Loeper, schädige er wider besseres Wissen das Vermögen der Deutschen Bahn AG. "Das würde", erklärt der Bündnissprecher weiter, "den Tatbestand der Untreue erfüllen." Eine strafrechtliche Aufarbeitung sei die Konsequenz; darauf habe das Bündnis zuletzt am 11. März 2017 den Aufsichtsrat per Brief hingewiesen.

Ihren Appell richten die Stuttgart-21-Gegner nicht nur an den Vorsitzenden des Aufsichtsrats Utz-Hellmuth Felcht, sondern auch an den designierten Vorstandsvorsitzenden Richard Lutz. Als erstes sei "eine Bestandsaufnahme der ungelösten Probleme und hohen Risiken notwendig, die sich an den Realitäten und nicht an den Gesichtswahrungsproblemen der politisch Verantwortlichen orientiert". Von Loeper argumentiert damit, dass sich das Projekt "jenseits aller wirtschaftlichen Rationalität bewegt", und mit dem weiter offenen Brandschutz. Außerdem solle der Aufsichtsrat "endlich zur Kenntnis nehmen, dass sich die DB mit S 21 einen Dauerengpass für viel Geld baut, der den Bahnverkehr behindert und den viel beschworenen Deutschlandtakt im Südwesten irreversibel unmöglich macht". Nach der Devise "Politik beginnt mit der Kenntnisnahme der Realität" will das Aktionsbündnis den neuen Bahnchef zu Gesprächen einladen, bei denen sie ihm auch die von der Bürgerbewegung entwickelten Alternativen zum Weiterbau erläutern wollen. Deren "ernsthafte Prüfung" wünscht sich nach einer repräsentativen Umfrage von infratest dimap in Baden-Württemberg sogar eine Mehrheit der Projektbefürworter. (19.3.2017)

Mehr zum Thema: "Bahnfeinde im Bahnvorstand"


IHK will nicht mehr gegen Kakteen polemisieren

Auch ein Vergleich kann ein Erfolg sein: Vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart akzeptierte die IHK Region Stuttgart die Feststellung, dass sie in der Vergangenheit mit Angriffen gegen die IHK-Rebellen der Kaktus-Initiative ihre Kompetenz überschritten hat. Stein des Anstoßes waren zwei IHK-Pressemitteilungen, in denen Hauptgeschäftsführer Andreas Richter gegen die Kakteen polemisiert habe, so Kaktus-Mitglied Klaus Steinke, der in der Folge Klage eingereicht hatte.

Konkret einigten sich die Streitparteien am heutigen Donnerstag, den 16. März, auf folgenden Vergleich: Die IHK Region Stuttgart erklärt, "dass ohne Beratung und Beschlussfassung durch die Vollversammlung keine weiteren öffentlichen Äußerungen der IHK und ihrer Organe über Binnenkonflikte, die keine wirtschaftspolitischen Positionen betreffen, abgegeben werden", und dass es den beiden strittigen Pressemitteilungen "an einer solchen Beratung und Beschlussfassung mangelte". Außerdem trägt die IHK trägt die Kosten des Verfahrens von 5000 Euro.

Für Steinke ist es "ein gutes Ergebnis, weil es die Transparenz innerhalb der IHK stärkt, und weil es deutlich die Frage artikuliert, was Geschäftsführer und Präsident dürfen und was nicht". Zwar wäre es, so Steinke, spannend gewesen, wenn das Gericht in einem Urteil Grundsatzregeln für die Öffentlichkeitsarbeit der IHK aufgestellt hätte. Aber er sei mit dem Vergleich zufrieden, "weil es mir in der Sache nicht darum geht, zu siegen, sondern eine Veränderung innerhalb der IHK zu bewirken". Zudem habe das Ergebnis, so hofft Steinke, auch "eine Signalwirkung auf andere IHKs".

Die Kaktus-Initiative, 2011 gegründet, kritisierte in den letzten Jahren immer wieder intransparente Wahlverfahren und die offizielle Pro-Haltung der IHK zu Stuttgart 21. (16.3.2017)

Mehr zum Thema: "Rebellen im Weinberghäusle" und "Die IHK wackelt nicht".


Afghanistan-Rückkehrer bekommt zweimonatiges Arbeitsvisum

Es ist ein kleines Wunder. Denn trotz der mannigfaltigen Unterstützung in den vergangenen Wochen, glaubten nicht viele seiner Freunde wirklich daran, dass der Zahnarzt Ahmad Shakib Pouya, der in einem französischen Krankenhaus in Herat gearbeitet hat, zurück in die Bundesrepublik kommen kann. Pouya war in seiner früheren Heimat von den Taliban bedroht, floh 2010 nach Deutschland. Hier war er einer der Hauptdarsteller in der vielbeachten Produktion der Mozart-Oper "Zaide" und hatte eine doppelte Zusage auf Festanstellung – vom Münchner Gärtnerplatztheater und der IG Metall. Dennoch wurde er zur Abschiebung vorgesehen, weshalb er am 20. Januar 2017 ausreiste. Seither machten seine Unterstützer vom im Mai 2014 gegründeten Stuttgarter Verein "Zuflucht Kultur. Entweder. Oder. Frieden." bundesweit auf sein Schicksal aufmerksam. Auch mit einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), mit der Bitte um "ein Visum und ein langfristiges Bleiberecht als wertvoller Bürger unseres Landes".

Jetzt kam die gute Nachricht. Der 33-Jährige kann für zwei Monate zurück nach Deutschland. Mitausschlaggebend dürfte ein Schreiben von Georg Podt gewesen sein, dem Intendanten des kommunalen Münchner Kinder- und Jugendtheaters "Schauburg", der Pouya in einer Neuinszenierung von Rainer Werner Fassbinders "Angst essen Seele auf" als Hauptdarsteller besetzt hat. Die Proben sollen in der kommenden Woche beginnen, Premiere wird am 22. April sein. Mitte Mai läuft das Visum aus. Pouya will gemeinsam mit dem Verein die Zeit nutzen, um das angestrebte dauerhafte Bleiberecht zu bekommen. Die Chancen stehen angesichts der 2015 eigentlich gelockerten Regelungen gar nicht so schlecht. Allerdings werden die nach den Erkenntnissen von Pro Asyl oder dem Flüchtlingsrat viel zu selten von den Behörden angewandt.


KONTEXT
per E-Mail:
Immer informiert:

Durch diese Anmeldung erhalten Sie regelmäßig immer mittwochs um 9 Uhr unsere neueste Ausgabe unkompliziert per E-Mail.

Datenschutz-Hinweis

Quo vadis, Stuttgart 21 – wird der Tiefbahnhof begraben? Foto: Joachim E. Röttgers

Quo vadis, Stuttgart 21 – wird der Tiefbahnhof begraben? Foto: Joachim E. Röttgers

So stellt sich die Arbeitsgruppe Umstieg 21 die künftige Bahnhofshalle vor. Ohne Pfeiler, ohne Engstellen durch Treppenauf- und -abgänge, komplett ebenerdig und barrierefrei, wirklich tageslichthell. Visualisierung: Edgar Bayer, kunz-av, Peter Gierhardt

So stellt sich die Arbeitsgruppe Umstieg 21 die künftige Bahnhofshalle vor. Ohne Pfeiler, ohne Engstellen durch Treppenauf- und -abgänge, komplett ebenerdig und barrierefrei, wirklich tageslichthell. Visualisierung: Edgar Bayer, kunz-av, Peter Gierhardt

Baustellenansicht vom letzten Herbst. In der Zwischenzeit kam eine dünne Betonschicht dazu, die ersten 10 cm der irgendwann einmal gut 2,5 m dicken "Sauberkeitsschicht". Visualisierung: kunz-av und Klaus Gebhard

Baustellenansicht vom letzten Herbst. In der Zwischenzeit kam eine dünne Betonschicht dazu, die ersten 10 cm der irgendwann einmal gut 2,5 m dicken "Sauberkeitsschicht". Visualisierung: kunz-av und Klaus Gebhard

Die Baugrube bietet Platz für eine zweistöckige Tiefgarage, Carsharing-Parkplätze inklusive. Rein und raus kommt man über Tunnel, um die Flächen drumrum vom Autoverkehr frei zu halten. Visualisierung: kunz-av und Klaus Gebhard

Die Baugrube bietet Platz für eine zweistöckige Tiefgarage, Carsharing-Parkplätze inklusive. Rein und raus kommt man über Tunnel, um die Flächen drumrum vom Autoverkehr frei zu halten. Visualisierung: kunz-av und Klaus Gebhard

Über den Parkdecks: das Deck für Fernbusse. Der ZOB kommt damit zurück ins Zentrum, aber aufs Bahnhofsgelände statt in den Schlossgarten. Visualisierung: kunz-av und Klaus Gebhard

Über den Parkdecks: das Deck für Fernbusse. Der ZOB kommt damit zurück ins Zentrum, aber aufs Bahnhofsgelände statt in den Schlossgarten. Visualisierung: kunz-av und Klaus Gebhard

Neben den Bussen soll's Platz für eine große Fahrradstation samt Reparaturwerkstatt geben, denn dank der E-Bike-Welle rollen auch durchs hügelige Stuttgart mehr und mehr Fahrräder. Visualisierung: kunz-av und Klaus Gebhard

Neben den Bussen soll's Platz für eine große Fahrradstation samt Reparaturwerkstatt geben, denn dank der E-Bike-Welle rollen auch durchs hügelige Stuttgart mehr und mehr Fahrräder. Visualisierung: kunz-av und Klaus Gebhard

Der Schlossgarten wird wieder angelegt. Darin ein Amphitheater, das als (Open-Air-)Kleinkunstbühne dienen soll, wie sie einst der Landespavillon geboten hat. Visualisierung: kunz-av und Klaus Gebhard

Der Schlossgarten wird wieder angelegt. Darin ein Amphitheater, das als (Open-Air-)Kleinkunstbühne dienen soll, wie sie einst der Landespavillon geboten hat. Visualisierung: kunz-av und Klaus Gebhard

Süd- und Nordflügel stehen wieder, Technik und Material hochmodern, Proportionen wie früher. Für die Öffentlichkeit zugänglich, mit Gastronomie und offen zum Park. Bonatz-Enkel Dübbers führte hier die Feder. Visualisierung: kunz-av, Klaus Gebhard

Süd- und Nordflügel stehen wieder, Technik und Material hochmodern, Proportionen wie früher. Für die Öffentlichkeit zugänglich, mit Gastronomie und offen zum Park. Bonatz-Enkel Dübbers führte hier die Feder. Visualisierung: kunz-av, Klaus Gebhard

Die große Bahnhofshalle bekommt Glas aufs Dach. Die Oberlichter bringen Tageslicht in den Kopfbahnhof und sparen Strom. Visualisierung: kunz-av und Klaus Gebhard

Die große Bahnhofshalle bekommt Glas aufs Dach. Die Oberlichter bringen Tageslicht in den Kopfbahnhof und sparen Strom. Visualisierung: kunz-av und Klaus Gebhard

Und auf dem Bahnhofsturm prangt statt des Logos der automobilen Konkurrenz das DB-Emblem. Visualisierung: kunz-av und Klaus Gebhard

Und auf dem Bahnhofsturm prangt statt des Logos der automobilen Konkurrenz das DB-Emblem. Visualisierung: kunz-av und Klaus Gebhard

Halbtransparente Solarmodule überspannen die Gleise. Sie sollen aus dem Kopf- einen Plusenergiebahnhof machen und so viel Strom gewinnen, dass sie 12 Prozent des Energieverbrauchs der Stuttgarter Stadtbahnen decken. Visualisierung: kunz-av, Klaus Gebhard

Halbtransparente Solarmodule überspannen die Gleise. Sie sollen aus dem Kopf- einen Plusenergiebahnhof machen und so viel Strom gewinnen, dass sie 12 Prozent des Energieverbrauchs der Stuttgarter Stadtbahnen decken. Visualisierung: kunz-av, Klaus Gebhard

Die Ebenen des Umstieg-21-Kopfbahnhofs im Aufschnitt. Sie machen ihn zu einem Tiefbahnhof, irgendwie. Visualisierung: kunz-av und Klaus Gebhard

Die Ebenen des Umstieg-21-Kopfbahnhofs im Aufschnitt. Sie machen ihn zu einem Tiefbahnhof, irgendwie. Visualisierung: kunz-av und Klaus Gebhard

Ausgabe 276
Politik

Wege aus dem Engpass

Von Dietrich Heißenbüttel
Datum: 13.07.2016
Für einen Plan B zu Stuttgart 21 müssten die Projektverantwortlichen eigentlich mehr als dankbar sein. Am kommenden Samstag finden sich dazu die Gegner des Tiefbahnhofs zu einer Großdemo auf dem Stuttgarter Schloßplatz ein.

"Die Deutsche Bahn AG und das Land Baden-Württemberg weisen Aussagen des Ingenieurbüros Vieregg-Rössler zu angeblichen Kostensteigerungen beim Projekt Stuttgart 21 als rein spekulativ zurück", heißt es in einer Pressemitteilung der Bahn vom 18. Juli 2008. "Tatsache ist vielmehr: Das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm ist eines der am besten und umfassendsten geplanten Projekte der Deutschen Bahn AG. Daher ist davon auszugehen, dass der derzeit vorgesehene Kostenrahmen eingehalten wird."

Milliardenspiel: von 2,8 auf 4,5 auf 6,5 auf 9,8 ...

Der Kostenrahmen belief sich damals auf 2,8 Milliarden Euro. Allerdings hatte das Büro Vieregg-Rössler im Auftrag von BUND und Bündnis 90/Den Grünen bereits 6,9 bis 8,7 Milliarden ermittelt. Der Bundesrechnungshof kam auf 5,3 Milliarden. Bei der Prellbockanhebung, dem offiziellen Baubeginn am 2. Februar 2010, schienen Bahnchef Rüdiger Grube und Ministerpräsident Günther Oettinger von der Behörde freilich noch nie etwas gehört zu haben. Sie rechneten mittlerweile mit 4,1 Milliarden.

Kurz zuvor hatte Grube die Zahl von 4,5 Milliarden als "Sollbruchstelle" bezeichnet. Im Oktober 2010 meinte er dann: "Stuttgart 21 rechnet sich für uns bis zu Baukosten von 4,8 Milliarden Euro." Ein Jahr später, kurz vor der Volksabstimmung über einen Ausstieg des Landes aus der Finanzierung, kam er auf die 4,5 Milliarden zurück und nannte den Rest einen "Risikopuffer". Ein Ausstieg würde 1,5 Milliarden kosten. Projektgegner kamen auf nur 350 Millionen.

Dann musste die Bahn im Dezember 2012 zugeben, dass sie inzwischen bei 6,8 Milliarden angekommen war, einschließlich Risikopuffer. Die Landesregierung sei damit nicht mehr an das Ergebnis der Volksabstimmung gebunden, gutachtete der Verfassungsrechtler Joachim Wieland. Nur mit Bauchgrimmen hat der Bahn-Aufsichtsrat den neuen Stand im März 2013 durchgewinkt. Zugleich suchten sich die Aufsichtsräte eilends einen Rechtsbeistand – denn für Entscheidungen, die dem Unternehmen wirtschaftlichen Schaden zufügen, können die Kontrolleure belangt werden.

Angeblich sollte der Weiterbau zu diesem Zeitpunkt noch 77 Millionen weniger kosten als ein Ausstieg aus dem Projekt. Dass der Risikopuffer mittlerweile fast aufgebraucht ist, hat nun Bahnvize Volker Kefer seinen Job gekostet. Nur drei Wochen später stellt sich allerdings heraus, dass der Bundesrechnungshof, dessen neuerliche Stellungnahme seit Langem erwartet wurde, dem Büro Vieregg-Rössler zustimmt, das bereits Ende 2015 eine Gesamtsumme von rund zehn Milliarden prognostiziert hatte.

... auf Ausstieg, auf Umstieg

Auch wenn die Bahn dementiert: Dass der Weiterbau damit immer noch günstiger kommt als ein Ausstieg, kann damit beim besten Willen niemand mehr ernsthaft behaupten. Damit stellt sich, unabhängig davon, wer das Projekt ursprünglich unbedingt gewollt hat, die Frage, wer an einem Weiterbau heute noch interessiert sein kann. Die Landes-CDU hatte im Frühjahr jedenfalls keine Probleme, sich mit den Grünen im Koalitionsvertrag darauf zu einigen, dass sich das Land an weiteren Kosten nicht mehr beteiligt. Auch die Stadt will nicht noch tiefer in die Tasche greifen. Bleibt nur der Bund, der aber auch ohne das Projekt nicht weiß, wie er die vielen Löcher in der Bahnbilanz stopfen soll.

Dass Angela Merkel von dem Projekt einmal die Zukunftsfähigkeit Deutschlands abhängig machen wollte, dass sie meinte, ohne Stuttgart 21 werde Deutschland unregierbar und Europa sei in Gefahr, macht den Rückzug natürlich nicht einfacher. Abgesehen von den vielen Problemen des Tiefbahnhofs – Gleisneigung, Brandschutz, zu enge Bahnsteige, Störanfälligkeit und anderes mehr – stehen die größten Schwierigkeiten wie der Bau des Nesenbachdükers in der Mineralwasser-Schutzschicht noch bevor. Für den Filderbahnhof fehlt bis heute eine Genehmigung, für den anschließenden Abschnitt nach Rohr sogar eine Bauplanung. Jeder "Baufortschritt" kann neue Probleme und Kosten bringen.

Bei der Wilhelma: Tunnel durch schwieriges Terrain. Foto: Joachim E. Röttgers
Bei der Wilhelma: Tunnel durch schwieriges Terrain. Foto: Joachim E. Röttgers

So hat die Bahn kürzlich eine Planänderung für den Abschnitt 1.6a, also die Unterquerung des Neckars, beantragt: eine besonders diffizile Stelle, da sich hier je zwei Tunnelröhren in Richtung Bad Cannstatt und Obertürkheim verzweigen und auf zwei Ebenen zwischen Mineralwasser führenden Schichten und Neckargrund hindurchsollen. Der Änderungsantrag weist darauf hin, dass am bisherigen Plan etwas nicht funktioniert. Selbst wenn das Eisenbahn-Bundesamt im Eilverfahren zustimmt, wird aber der Planabschnitt nach eigenen Angaben der Bahn nicht vor 2024 fertig sein, also noch ein Jahr später als der bisher genannte Fertigstellungstermin, wie die Ingenieure 22 monieren.

Es gibt einen Plan B – inklusive S-Bahn-Ringschluss

"Es gibt keinen Plan B", titelte die "Frankfurter Allgemeine" vor der Bahn-Aufsichtsratssitzung 2013. Trotz aller Probleme wiederholen die Verantwortlichen gebetsmühlenartig seit 15 Jahren: Stuttgart 21 "wird gebaut", sei unumkehrbar, nicht mehr zu stoppen. Sich auf eine einmal eingenommene Position zurückziehen ist einfach, aber wenn die Probleme erkennbar zunehmen, nicht sonderlich klug. Insofern sollten alle, die für das Projekt Verantwortung tragen, bis hin zu Angela Merkel, den Fachleuten aus dem Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 dankbar sein, die sich genau darum gekümmert haben: einen Plan B zu entwickeln.

Ein Umstieg, kein Ausstieg, betont Peter Dübbers, der Enkel des Bahnhofs-Architekten Paul Bonatz: "Durch einen Umstieg werden so viele Gelder eingespart, die jetzt in den Tunnelbau und die komplizierten Ingenhoven'schen Kelchstützen fließen." Der Plan, kurz gesagt: die Baugrube nicht wieder zuschütten, sondern als Busbahnhof und Parkhaus nutzen, die bereits betonierte "Sauberkeitsschicht" eines Bauabschnitts im früheren Schlossgarten als Fundament für einen Veranstaltungsort. Nicht weitere Tunnel bohren, sondern beim Kopfbahnhof bleiben, der viel besser funktioniert als ein Bahnhof in Schräg- und Tieflage.

Dies könnte in der Tat ein Befreiungsschlag auch für den Regionalverkehr sein. Denn trotz Verspätungen und überfüllten Zügen nützen immer mehr Menschen die S-Bahn und die Regionalzüge. Aber der unterirdische Bahnhof ist nicht ausbaufähig. Er entwickelt sich absehbar zum Engpass des gesamten öffentlichen Verkehrs, der auch aus anderen Gründen wie Feinstaub eigentlich wachsen sollte.

Dass dringend mehr Kapazität gebraucht wird, darauf sind auch stramme Stuttgart-21-Befürworter wie Wolfgang Arnold schon gekommen. Anfang April hat sich der SSB-Technikvorstand mit Oberbürgermeister Fritz Kuhn für einen Erhalt der Panoramabahn ausgesprochen. Der den Talkessel umrundende letzte Abschnitt der Gäubahn war schon aufgegeben, dient aber bei Störungen im Tunnel schon jetzt häufig dazu, den S-Bahn-Verkehr nach Stuttgart-Vaihingen aufrechtzuerhalten. Im Berufsverkehr fährt die S-Bahn an der Grenze ihrer Kapazität. Die unterirdische Stammstrecke im Stadtgebiet lässt sich nicht weiter ausbauen. Die Panoramabahn bietet eine Alternative. Allerdings will Arnold die Bahnlinie völlig unnötigerweise unterirdisch in den Bahnhof führen. Ein Nutzen ist nicht erkennbar.

Fraglich ist, ob die oberirdischen Gleise überhaupt zurückgebaut werden können. Foto: Joachim E. Röttgers
Fraglich ist, ob die oberirdischen Gleise überhaupt zurückgebaut werden können. Foto: Joachim E. Röttgers

Im Rosensteindialog, der Bürgerbeteiligung zum neuen Quartier, das einmal auf den frei werdenden Gleisflächen entstehen soll, ist kürzlich erstmals die Frage aufgeworfen worden, ob die Gleise überhaupt entwidmet werden können. Im August wird nun die Klage der Stuttgarter Netz AG verhandelt: Wenn auch wegen der hohen Feinstaubwerte mehr Pendler auf die Schiene umsteigen sollen, werden die Kopfbahnhof-Gleise noch gebraucht. Doch selbst wenn die Netz AG keinen Erfolg haben sollte: Ab 2019 übernehmen Abellio und Go-Ahead, Bahnunternehmen aus den Niederlanden und Großbritannien, den Regionalverkehr. Eigentlich hat der Einstieg in den Umstieg bereits begonnen.

Klaus Gebhard, Parkschützer und Diplomingenieur, hat sich die Planungen um den Filderbahnhof genauer angesehen und dafür einen Plan B entwickelt. Der Flughafenbahnhof selbst, tief unter der Erde, ist noch nicht genehmigt, nur vom Filderportal bis zum Ortsrand von Degerloch ist bisher eine der zwei Tunnelröhren gebohrt. Von da an soll es steil abwärts gehen, durch schwieriges Terrain. Gebhard hat ausgerechnet, dass die Fahrt von Ulm nach Stuttgart auf dieser Strecke ebenso lang dauern würde, wie wenn der Zug in Wendlingen auf die bestehende Strecke durchs Neckartal einbiegt.

Von Wendlingen zum Flughafen könnte stattdessen eine S-Bahn-Linie gebaut werden, die zwar die Fahrtzeit für die Fluggäste aus Ulm geringfügig erhöht, dafür aber eine Verbindung herstellen würde, die sehr vielen Menschen in der Region hilft. Denn auf diese Weise wären nicht nur Fluggäste aus Ulm, sondern auch aus Nürtingen, Kirchheim, Esslingen oder Plochingen besser an den Flughafen angebunden. Das würde aber nicht nur den Fluggästen nützen: Der Ringschluss würde eine Verbindung vom Neckartal auf die Fildern herstellen.

In den Kommunen südlich der Stuttgarter Stadtgrenze, so Gebhard, leben 437 000 Einwohner, so viel wie in einer Großstadt. Der öffentliche Verkehr ist aber völlig unzureichend, er beschränkt sich häufig auf Buslinien, die im Schneckentempo von Dorf zu Dorf zuckeln. Gebhard möchte die S-Bahn, die heute von Vaihingen über den Flughafen bis nach Bernhausen führt und irgendwann einmal nach Neuhausen verlängert werden soll, von dort aus bis Wendlingen weiterführen.

Heute hat der Fahrgast etwa von Plochingen oder Esslingen auf die Filderebene nur die Wahl zwischen langsamen, unzuverlässigen Busverbindungen und der Fahrt mit der S-Bahn durchs Stuttgarter Stadtzentrum. Durch eine Querverbindung von Wendlingen nach Echterdingen würde nicht nur die S-Bahn-Stammstrecke in Stuttgart merklich entlastet, sondern auch die chronisch verstopfte Autobahn.

Umstiegsszenario auf 52 Seiten. Foto: Arbeitsgruppe Umstieg 21
Umstiegsszenario auf 52 Seiten. Foto: Arbeitsgruppe Umstieg 21

 

Info:

Die Arbeitsgruppe Umstieg 21 um Norbert Bongartz, Peter Dübbers, Klaus Gebhard und Werner Sauerborn will das Umstiegsszenario am Freitag, dem 15. Juli, vorstellen – morgens der Presse und um 17 Uhr der Öffentlichkeit: im Gewerkschaftshaus, Willi-Bleicher-Straße 20, Stuttgart-Mitte.

Zeitgleich wird die 52 Seiten starke Broschüre "Stuttgart 21 umnutzen – Auswege aus der Sackgasse" präsentiert und online gestellt, ab Freitag ist sie unter www.umstieg-21.de einsehbar.


Gefällt Ihnen dieser Artikel?
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!

Kommentare

Horst Ruch, 18.07.2016 13:31
....liebe Streitlustigen zu SKU21. Es hat sich nach langem Schweigen doch was getan in der letzten Woche. Die Bahn muß nach Prof. Dr. Ullrich Martin nur ETCS einzusetzen, dann flutscht auch auf den S 21-Bahngleisen alles noch besser wie geschmiert. Zumindest bei der S-Bahn.
Das Problem bleibt jedoch: Der Verkünder dieser Botschaft hatte
sich schon in der berühmten Schlichtungskommödie unter Dr. H. Geißler ganz schön verrechnet um es einmal vornehm auszudrücken. Vielleicht ist mit dem Zauberwort ETCS sogar jetzt möglich bei Fernzügen, deren Zu/Ausgänge bekanntlich in 25 m Entfernung am Anfang/Ende des Waggongs liegen, die Warte/Haltezeit auf 30 Sekunden reduzieren.
Da bei S 21 neue antriebsstärkere leichte Züge geordert werden müssen, werden diese extra für Stuttgart mit mindestens 3 zusätzlichen Zu/Ausgängen neu konstruiert. Dem Passagier wird damit ein weiterer Komfort geboten, von Paris aus der Metro entsteigend kann er sich entspannt in das gleiche System Stuttgart einordnen.
Dr. Kefer hätte damit sein Ziel, ab 2017 wieder für seine alte Firma tätig zu werden ein Menge erreicht. Siemens käme wieder nach oben, wenn unten geblieben wird.
Insofern gesehen, muß ich @ Müller&co rechtgeben, bei K 21 blieb alles beim Alten, jedenfalls keine Gewinner im Untergrund.......nennen wir es einfach ETCS/25......denn vorher sind die Zugreihen nicht fertigzustellen.

Schwabe, 17.07.2016 10:32
Beifall von Ironie zu unterscheiden scheint auch keine Stärke von invinoveritas zu sein - ich vermute das dem eine gewisse Eitelkeit im Wege steht :).

invinoveritas, 16.07.2016 20:29
@ müller

gerade wollte ich anfangen zu bedauern, dass Sie den kerkeling machen. beim weiterlesen Ihres abschiedsbriefs kam aber die erkenntnis, dass Sie doch wieder nur Ihre ressentiments austoben. diesmal mit einer satire, die aber misslingt - gelungene kommt ohne abstruse übertreibungen aus.
und wie üblich umfahren Sie weiträumig die frage nach sinn, legitimation, finanzieller und sonstiger verantwortbarkeit eines projekts, von dem grube schon vor jahren zugab, in aktueller problemlagenkenntnis hätte es gar nicht erst begonnen werden dürfen.

@schwabe

beifall von der falschen seite. Sie sind der typische vertreter eines hochaggressiven, auf denunziation fixierten lagerdenkens, mit dem ich nichts zu tun haben will. und wer ich bin, ist vollkommen schnuppe.

Demokrator, 16.07.2016 12:32
Voll glaubwürdig wenn sich "Müller" verabschiedet und "Fred Heine" - erneut - auf seine zahlreichen identischen Postings verweist. Wir glauben euch! Ihr seid echte Personen. Ganz bestimmt.

Müller, 15.07.2016 21:09
Nun gut. Dann bin ich mal weg. Ich möchte den Mikrokosmos nicht weiter stören.
Ich merke welche Schmerzen man hier auslöst wenn man einen Hauch Realität in die Diskussion einkippen möchte.
Und wie ungeliebt Diskussionen mit Leuten sind die nicht auf Kontextlinie sind.

Man kann sofort aussteigen. Und sofort losbauen. Man benötigt keine aufwendigen Planfeststellungsverfahren. Und das EBA genehmigt alle K21-Trassen an einem Tag.
Die Bahn baut das dann alles ganz schnell und nichtmal das Solardach oder die NBS-Anbindung sind so komplex, dass es Kostensteigerungen geben könnte.
An den K21-Trassen gibt es weder Juchtenkäfer noch Eidechsen. Und die Anwohner sind alle K21-Fans. Keiner wird wegen Bau- oder Bahnlärm prozessieren. Und das Wichtigste: Die Mehrheit möchte K21.

Im Ernst. Ich lass euch jetzt in dieser Welt. Tschö mit Ö

Fred Heine, 15.07.2016 20:46
Schon wieder eine "Alternative" zu Stuttgart 21 ... dabei besteht ja K21 schon aus einem Sammelsurium unterschiedlichster Ideen, die aber niemand umgesetzt haben will, sobald die konkreten Probleme sichtbar werden. Woher nehmen die S21-Gegner bloß den Optimismus, dass Alternativen zu S21 leichter umzusetzen wären als S21?

Bestes Beispiel ist der Kampf der K21-er mit dem Stuttgarter Neckartal: geschickt drücken sie sich immer wieder um die Frage, wie den K21 aus dem Stuttgarter Hauptbahnhof ausgeleitet werden soll. Denn sobald sie mit der Wahrheit rausrücken, dass K21 nur mit einer massigen Hochbahntrasse mit riesigen Schallschutzwänden durchs Neckartal geleitet werden könnte, fliegt ihnen ihre städtebauliche Gesamtkatastrophe namens K21 um die Ohren.

"Alternativen" präsentieren bringt gar nichts, so lange diese Alternativen nicht politisch durchsetzbar sind. Und das sind sie nur, wenn die Bürger es wollen.

Christoph Sonntag hatte recht: die Bahn hätte erst einmal oberirdisch planen sollen. Dann hätten die selben Kasper, die heute gegen S21 auf die Straße gehen, dagegen demonstriert. Und dann hätte die Bahn nur sagen müssen: Ok, dann planen wir halt unterirdisch, kostet ein bisschen mehr, aber wenn sich die Baden-Württemberger mit drei Milliarden beteiligen, retten wir Stuttgart ... und alle wären zufrieden gewesen!

Gela, 15.07.2016 16:21
@ Schwabe: wieso sind Sie so erstaunt über den Kommentar von @Invinoveritas? Er vertritt die Vernunft, bringt Sachargumente , bringt es auf den Punkt: S 21 soll einen leistungsfähigen Kopfbahnhof mit sehr viel Geld und großen Risiken zu einem schlechter funktionierenden Untergrundbahnhof ausbauen. Was gibt es da zu lästern? Es gefällt Ihnen wohl nicht, wenn jemand auch sonst ohne ideologische Scheuklappen je nach Problemlage urteilt und nicht von vornherein alles, was bürgerliche Parteien beschließen, verurteilt?
Das ist allerdings schwieriger als immer gleich eine vorgefaßte Meinung zu haben. Genau das, was Sie selber tun, werfen Sie aber unseren regierenden Politikern vor. Leider stimmt das oft - aber es wäre doch toll, wenn die Vorschläge für einen Plan B diesmal sogar die schwarz-grüne Regierung überzeugen würden!

Schwabe, 15.07.2016 12:24
Chapeau zum Kommentar "invinoveritas" vom 14.07.2016 17:54 Uhr. Das sind mal interessante Einblicke.
Invinoveritas outet sich eindeutig gegen S21, gegen die Bewegung für K21, gegen unseren "Müller" und nicht zuletzt (man höre und staune) gegen die Projektverantwortlichen von S21 - darunter insbesondere die (seine) bürgerlichen Politiker von CDU/CSU, SPD und Grünen!
Da stellt sich mir doch die Frage - wer oder was ist "invinoveritas"? Ist invinoveritas ein "es", ein "schwebendes Wesen" - womöglich mit übersinnlichen Fähigkeiten. Vielleicht ein "Geistesriese" (und wir alle zusammen nur sich windende Würmer).
Bei mir persönlich erhärtet sich der Verdacht, dass er ganz profan zu Hause am PC sitzt und sich als "Bundeskanzler der Herzen" fühlt.

Na Müller - Sie Dummerchen, zum S21 Gegner bekehrt oder womöglich beeindruckt von so viel invinoveritas-Weisheit?

Rudolf Schwarz, 15.07.2016 04:18
Hauptbahnhof und Fernbushof am bisherigen Standort ist m.E. eine Fehlkonstruktion. Eine Teilnutzung des bisherigen Hauptbahnhofs oben als Stadtbahnhof mit reduzierter Kapazität und Gleisfläche als Verbindung zur Gäubahn sowie einem Zentral-Durchgangsbahnhof in Stuttgart-Untertürkheim mit Fernbushof, große Bahnflächen sind dort verfügbar, ÖPNV-Infrastruktur, alle Bahn-, Regional- und Fernstraßen-Anschlüsse vorhanden, ist eine K21 weit überlegene Alternative. U.a. wird der Talkessel wesentlich entlastet und bleibt trotzdem weiterhin sehr gut erschlossen.

invinoveritas, 14.07.2016 17:54
Verehrter Müller,

Sie mögen es ja für verdienstvoll und nötig hlten, den Gegnern des Blödprojekts S 21 immerfort ihre tatsächlichen oder vermeintlichen Fehleinschätzungen, propagandistischen Missgriffe, Selbstüberschätzung und sonstigen Defizite vorzuhalten. Aber: Erstens haben wir längst begriffen, dass Sie das so sehen, Sie treten auf der Stelle, die armen Regenwürmer winden sich. Und zweitens - unabhängig davon, wie berechtigt Ihre Kritik an der Gegnerszene ist - richtet eben nicht diese machtlose Szene gerade gewaltigen Schaden an und verwandelt Stuttgart in eine vielfach risikobelastete Mega-Dauerbaustelle, bei deren Besichtigung der vielzitierte Besucher vom Mars sich nur noch an die Marsmännchenstirne tippen könnte. Sondern es sind Bahnleute, Politiker, wirtschaftlich Interessierte und ideologisch Verblendete, die teils nicht die Einsicht und teils nicht den Mut aufbringen, den Rückzug anzutreten. Stattdessen verbuddeln sie lieber weitere Milliarden, um einen bestehenden leistungsfähigen Bahnhof zu ersetzen durch einen leistungseingeschränkten.

Das nämlich ist des Pudels Kern. Und um den streunen und jaulen Sie unermüdlich herum. Kein schöner Anblick.

Schwabe, 14.07.2016 12:12
Vielen Dank an Kornelia für diesen Link:
http://www.parkschuetzer.de/galerien/35

Müller, 14.07.2016 07:07
Ich bin wirklich gespannt.
Bisher war es stets so, dass man den Menschen unbegründete Hoffnungen machte.
-Wählt grün, dann wird K21 durchgesetzt
-Unterschreibt hier, S21 ist verfassungswidrig
-Wir sind das Volk. Nach dem Volksentscheid wird die Gegner-Mehrheit zur Klarheit und S21 gestoppt.
-Wir plädieren für einen Stresstest. Daran wird S21 scheitern.
Etcpp....
Das Spiel geht bis zur Eröffnung weiter.

Jetzt holt man also hunderte Busse in die Feinstaub-City. Jeden Tag Verkehr wie am Weihnachtsmarkt.
Eine Reisebustiefgarage. Darauf muss man erst mal kommen.

Ich schaue mir das gerne an und bin gespannt auf die Planung, die Terminpläne und die Kostenschätzung.

Die Gegner sind ja im Gegensatz zu den Menschen bei der Bahn gute Menschen. Daher hoffe ich auf realistische Zäh!en. Man will ja hoffentlich nicht behaupten K21 kostet nur zwei Milliarden und wäre in zehn Jahren fertig.
Das wäre sehr unanständig.

Peterwmeisel, 14.07.2016 06:40
Ein Nachtrag zu meinem Kommentar: In der SWR Fernsehsendung "Im Land der Lügen" folgt nach der Beschreibung der "der Kampagne „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ INSM, einer umstrittenen Lobbyinitiative von Wirtschaftsverbänden" das Beispiel mit den Versicherungen. Den erfolgreichten Vertreter dazu, habe ich im Nord-Süd-Dialog 2007 - 2009 zur Vorbereitung für S21 gefunden: Der AWD Chef Maschmeyer! Zusammen mit Wulff, Zetsche und Oettinger spielen sie mit unserer Zukunft? https://www.dropbox.com/s/d7cqa0usrgy4aps/Bildschirmfoto%202016-02-21%20um%2008.43.36.png?dl=0
Der Finanzierungsvertrag für S21 wurde am 2.4.2009 über maximal 4, 526 Mrd. Euro von MP G. Oettinger unterschrieben! Das war der Betrag zur Volksabstimmungng am 27. November 2011. Zitat: "Argumente GEGEN die Kündigung und Auflösung der Finanzierungsvereinbarung zu Stuttgart 21
4. Die neueste Kostenkalkulation bestätigt: S 21 ist im Kostenrahmen und hält weiterhin einen 
Puffer für mögliche Baupreissteigerungen vor."
Bleib für mich die Frage was macht diese verantwortliche Politik mit den Menschen in einer Marktkonformen Demokratie?

Louisiana, 13.07.2016 12:37
@Müller: Steht alles oben im Anhang zum Artikel:

"Info:

Die Arbeitsgruppe Umstieg 21 um Norbert Bongartz, Peter Dübbers, Klaus Gebhard und Werner Sauerborn will das Umstiegsszenario am Freitag, dem 15. Juli, vorstellen – morgens der Presse und um 17 Uhr der Öffentlichkeit: im Gewerkschaftshaus, Willi-Bleicher-Straße 20, Stuttgart-Mitte.

Zeitgleich wird die 52 Seiten starke Broschüre "Stuttgart 21 umnutzen – Auswege aus der Sackgasse" präsentiert und online gestellt, ab Freitag ist sie unter www.umstieg-21.de einsehbar."

Kornelia, 13.07.2016 09:27
Danke @Müller für den Hinweis...
http://www.parkschuetzer.de/statements/191401

Die Galerie:
Raus aus der Grube: Projekt Zukunft in Stuttgart - Grafiken der Umstiegsplan-Gruppe mit Erläuterungen von Klaus Gebhard. So könnte die S21-Baustelle für die Kopfbahnhof-Modernisierung genutzt werden:
http://www.parkschuetzer.de/galerien/35
Bei der Darstellung in der Galerie gibt es nicht nur den Vorteil, dass man die Bilder nebst Erläuterungen wie bei einer PowerPoint-Präsentation der Reihe nach durchklicken kann. Man kann auch einzelne Bilder (da sie alle Einzel-Adressen haben) einzeln verlinken und so samt dazugehörigen Erläuterungen über die Links weitergeben.
Außerdem kann man zu jedem Bild noch eine Version mit höherer Auflösung und mehr Datenvolumen herunterladen. Die Links dazu sind jeweils direkt unter den Bildern.
--------------------------------------------------------------------------------
Vortrag Nr. 2 im Forum 3:
Schwerpunkt: Anbindung und Verbesserung des Nahverkehrs in der gesamten Region Stuttgart im Rahmen des Umstiegsszenarios:
https://www.youtube.com/watch?v=zIzUoyjGC_I (Vortrag von Klaus Gebhard)
------------------------------------------------------------------------------
Vortrag Nr. 1 im Forum 3:
Am besten für den allerersten Einstieg geeignet. Schwerpunkt: Um – und Wiederaufbau des Kopfbahnhofes und seiner unmittelbaren Umgebung:
https://www.youtube.com/watch?v=0XG5GPCXIDA
-------------------------------------------------------------------------
Aufzeichnung der Pressekonferenz des Aktionsbündnisses:
Erstmaliges Vorstellen des Umstiegskonzeptes gegenüber der Presse:
http://cams21.de/stuttgart21-in-der-krise/
----------------------------------------------------------------------------
Wie geht es konkret weiter?
Am 15.07.16 wird das Umstiegskonzept vom Aktionsbündnis gegen S21 im Gewerkschaftshaus der Öffentlichkeit vorgestellt werden.
Dem soll sich eine Gesprächsoffensive in Richtung Aufsichtsräte und Politik auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene anschließen.

15.07.16, 17 Uhr, Gewerkschaftshaus Stuttgart
Vorstellung des Umstiegskonzepts Kopf 2.0 - eine Alternative zu S21.
Infos siehe http://www.parkschuetzer.de/statements/191246
-------------------------------------------------------------------------------
Am Samstag, 16.07.16 findet eine große Demo gegen S21 statt. Um 13:30 h auf dem Schlossplatz. Redner u. a.: Stefan Siller!
https://www.bei-abriss-aufstand.de/2016/06/24/samstagsdemo-16-juli-1330h-raus-aus-der-grube-projekt-zukunft-in-stuttgart/

Peterwmeisel, 13.07.2016 07:46
Das ist das Beste, das ich über unsere "Demokratie und Transparenz" gelesen habe. Das ist ganz aktuell:
"Die Deutsche Bahn AG und das Land Baden-Württemberg weisen Aussagen des Ingenieurbüros Vieregg-Rössler zu angeblichen Kostensteigerungen beim Projekt Stuttgart 21 als rein spekulativ zurück", heißt es in einer Pressemitteilung der Bahn vom 18. Juli 2008. "Tatsache ist vielmehr: Das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm ist eines der am besten und umfassendsten geplanten Projekte der Deutschen Bahn AG. Daher ist davon auszugehen, dass der derzeit vorgesehene Kostenrahmen eingehalten wird."
Gestern hat das SWR Fernsehen unter dem Titel "Im Land der Lügen" über solche Aussagen berichtet. Fazit, glaube nur den Statistiken, die du selbst gefälscht hast!
Hintergrund ist z.B. Sebastian Turner (* 4. Juli 1966 in Clausthal-Zellerfeld, Niedersachsen) ist ein deutscher Medienunternehmer und Publizist. Turner ist Aufsichtsrat der Mediengruppe Dieter von Holtzbrinck DvH Medien GmbH (Zeit, Handelsblatt, Tagesspiegel).[1] Als parteiloser Kandidat trat er 2012 erfolglos für die CDU, die FDP und die Freien Wähler 2012 für das Amt des Oberbürgermeisters von Stuttgart an. Er hatte auch den "Nord-Süd-Dialog beworben, der zur Unterschrift zu S21 geführt hatte.
Im Auftrag von Bundeskanzlerin Merkel:
https://www.dropbox.com/s/fr5qzbl17jefk9r/Bildschirmfoto%202016-04-13%20um%2019.35.54.png?dl=0
Turner war eine der treibenden Kräfte hinter der Entwicklung und Umsetzung der Kampagne „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“, einer umstrittenen Lobbyinitiative von Wirtschaftsverbänden.[6] (Vgl. SWR Fernsehen 12.7.2016 21:00 Uhr 45Min."Im Land der Lügen" - Wie uns Politik und Wirtschaft mit Zahlen manipulieren. Dort wird ab Min. 18 die o.a. INSM ausdrücklich erwähnt http://swrmediathek.de/player.htm?show=62c3cd30-4833-11e6-a659-0026b975e0ea )
Das erachte ich als das Ende der Demokratie, die Zielsetzung zur "Marktkonformen Demokratie": Merkel mit Günter Oettinger und Sebastian Turner!

Müller, 13.07.2016 06:58
Auf der Webseite Umstieg21.de sieht man nur eine Agenda für eine Veranstaltung. Da gibt es gar keinen Plan B.
Wird der Plan nach der Veranstaltung veröffentlicht?

Claus Stroheker, 13.07.2016 01:05
Niemand kann behaupten, die S21-Kritiker*innen sagen nur "nein" zum angeblich bestgeplanten, tatsächlich jedoch völlig ausser der Spur laufenden Projekt der DB.

Die Alternativen, die auch jetzt noch möglich - und dringend nötig - sind, liegen auf dem Tisch; fraglich ist doch nur noch, wann die Bahn wirklich zugreift.

Wenn es denn in Hegel's Stadt vernünftig zugeht.

Kommentar hinzufügen




CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.


* Pflichtfeld!

Letzte Kommentare:

Ausgabe 312 / Das große Fressen / tauss, 24.03.2017 15:03
@HifppiE ... so darf man unterschiedlicher Meinung sein... Ich bleibe dabei: Eine völlig verantwortungslose Staatengemeinschaft, die über "Werte" faselt, sich allein über die Steigerung von Rüstungsausgaben definiert und die UN-...

Ausgabe 312 / Die unheiligen Apostel / Jupp, 24.03.2017 07:17
Mein Herz geht auf. Hier wird nicht nur über die Vergangenheit oder Gegenwart gschimpft. Nein, es wird tatsächlich über die Zukunft nachgedacht! Und ich bin vollkommen bei Frau Rath :-) Was soll ein Fussgängerstegle? Wir haben...

Ausgabe 312 / Afrika kommt / leo loewe, 24.03.2017 00:24
"Die künftige Entwicklung gestalten!" Wir sollten versuchen, die globale Entwicklung weiterhin aktiv mitzugestalten. Gleichzeitig müssen wir anerkennen, dass sich die Welt um uns herum rasch verändert und dass es dabei um so mehr auf...

Ausgabe 312 / Das große Fressen / HippiE, 23.03.2017 23:50
@tauss: Dieser gelungene Beitrag handelt nicht von Kompensation, sondern von haarsträubender Ungleichheit und niederschmetternder Selbstbezogenheit und Gleichgültigkeit. Er nervt daher nicht, sondern macht betroffen und fassungslos.

Ausgabe 312 / Die unheiligen Apostel / Horst Ruch, 23.03.2017 22:12
....a propos "Stegle". Das ist es gerade was W.Backes angesprochen hat: Think big. Stirling hatte nicht umsonst die Planung für die Erschließung der Staatsgalerie und Musikhochschule auf einer höheren Ebene angeordnet, somit die (Teil)...

Ausgabe 312 / Ächzen im Maschinenraum / Schwabe, 23.03.2017 17:35
Auch von mir vielen Dank an den Autor und an Kontext (E.M., 22.03.2017 01:27 hat das wunderbar formuliert). Dennoch, um das erfolgreich anzupacken bzw. umzusetzen was Fabian Scheidler so treffend wie beängstigend und unmissverständlich...

Ausgabe 312 / Die unheiligen Apostel / CharlotteRath, 23.03.2017 14:51
Fußgängerstegle ... eine echt schwäbische Lösung. München hat sich einen Park gegönnt, um zwei voneinander getrennte Stadtteile über eine große Straße hinweg zusmmenzuführen: https://de.wikipedia.org/wiki/Petuelpark Mit...

Ausgabe 312 / Die unheiligen Apostel / Bruno Neidhart, 23.03.2017 09:51
Selbstverständlich bräuchte Stuttgart in dieser Kulturecke einen Fußgängersteg. Möglichst als breite Grünbrücke. Dies hat weder mit Sozialwohnungen, noch mit Kitas zu tun. Es ist eine andere, ebenso stadtbildende Ebene.

Ausgabe 312 / Afrika kommt / Dr. Diethelm Gscheidle, 23.03.2017 09:24
Sehr geehrte Damen und Herren, selbstverständlich ist es äußerst wichtig, Entwicklungshilfe zu betreiben - und das geht natürlich jeden Einzelnen von uns an. Als bekennender und praktizierender Katholik ist mir die Entwicklungshilfe...

Ausgabe 66 / Gnadenlose Bank / Gerald Wiegner, 22.03.2017 22:45
Das ist eine traurige, aber wahre Geschichte. Ich habe mit Herrn Nusser telefoniert und möchte noch folgende Ergänzung machen. Herr Nusser war ein langjähriges Genossenschaftsmitglied. Genossenschaften sind gesetzlich verpflichtet...

Die KONTEXT:Wochenzeitung lebt vor allem von den kleinen und großen Spenden ihrer Leserinnen und Leser.
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!