KONTEXT Extra:
Aras legt sich mit Erdogan an

Die Stuttgarter Grünen-Abgeordnete und Landtagspräsidentin Muhterem Aras hat die deutschtürkische Community aufgefordert, sich mit dem Verfassungsreferendum am 16. April kritisch auseinanderzusetzen. Von den Imamen wünscht sich die Stimmenkönigin ihrer Partei bei den Landtagswahlen 2016, dass die "in den Freitagspredigten zu einem respektvollen und fairen Umgang miteinander aufrufen und die hier geltenden Werte von Meinungs-, Presse- und Religionsfreiheit entschieden weitergeben". Sie selber verzichte derzeit auf Reisen in die Türkei, "weil ich nicht weiß, ob ich mich dort frei bewegen könnte". Zugleich müssten sich Demokraten weigern, sich zu Feinden der Türkei machen zu lassen. Aras nutzte eine Landtagsdebatte zum 60. Geburstag der EU auch zu scharfer Krtik am türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, weil der "auf das Infamste" gebaute Brücken wieder einreißen und die Gesellschaft spalten wolle. Von den Vertretern AKP-naher Institutionen erwartet die Grüne eine öffentliche Distanzierung von den "die Opfer verhöhnenden Nazivorwürfen". Im Südwesten dürfen insgesamt rund 230 000 Türken am Referendum teilnehmen – und zwar vorab: Die Wahl beginnt bereits am 27. März und endet am 9. April. (22.3.2017)

Mehr zum Thema: "Meister der Feindbilder", "Unverschämt und dumm"


Stuttgart 21: Aktionsbündnis warnt Aufsichtsrat

Drei Tage vor einer Sitzung des DB-Aufsichtsrats verlangt das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 erneut eine "faktenehrliche Bestandsaufnahme". Sollte sich der Aufsichtsrat wieder um die Auseinandersetzung drücken oder gar unbeirrt den Weiterbau beschließen, so Eisenhart von Loeper, schädige er wider besseres Wissen das Vermögen der Deutschen Bahn AG. "Das würde", erklärt der Bündnissprecher weiter, "den Tatbestand der Untreue erfüllen." Eine strafrechtliche Aufarbeitung sei die Konsequenz; darauf habe das Bündnis zuletzt am 11. März 2017 den Aufsichtsrat per Brief hingewiesen.

Ihren Appell richten die Stuttgart-21-Gegner nicht nur an den Vorsitzenden des Aufsichtsrats Utz-Hellmuth Felcht, sondern auch an den designierten Vorstandsvorsitzenden Richard Lutz. Als erstes sei "eine Bestandsaufnahme der ungelösten Probleme und hohen Risiken notwendig, die sich an den Realitäten und nicht an den Gesichtswahrungsproblemen der politisch Verantwortlichen orientiert". Von Loeper argumentiert damit, dass sich das Projekt "jenseits aller wirtschaftlichen Rationalität bewegt", und mit dem weiter offenen Brandschutz. Außerdem solle der Aufsichtsrat "endlich zur Kenntnis nehmen, dass sich die DB mit S 21 einen Dauerengpass für viel Geld baut, der den Bahnverkehr behindert und den viel beschworenen Deutschlandtakt im Südwesten irreversibel unmöglich macht". Nach der Devise "Politik beginnt mit der Kenntnisnahme der Realität" will das Aktionsbündnis den neuen Bahnchef zu Gesprächen einladen, bei denen sie ihm auch die von der Bürgerbewegung entwickelten Alternativen zum Weiterbau erläutern wollen. Deren "ernsthafte Prüfung" wünscht sich nach einer repräsentativen Umfrage von infratest dimap in Baden-Württemberg sogar eine Mehrheit der Projektbefürworter. (19.3.2017)

Mehr zum Thema: "Bahnfeinde im Bahnvorstand"


IHK will nicht mehr gegen Kakteen polemisieren

Auch ein Vergleich kann ein Erfolg sein: Vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart akzeptierte die IHK Region Stuttgart die Feststellung, dass sie in der Vergangenheit mit Angriffen gegen die IHK-Rebellen der Kaktus-Initiative ihre Kompetenz überschritten hat. Stein des Anstoßes waren zwei IHK-Pressemitteilungen, in denen Hauptgeschäftsführer Andreas Richter gegen die Kakteen polemisiert habe, so Kaktus-Mitglied Klaus Steinke, der in der Folge Klage eingereicht hatte.

Konkret einigten sich die Streitparteien am heutigen Donnerstag, den 16. März, auf folgenden Vergleich: Die IHK Region Stuttgart erklärt, "dass ohne Beratung und Beschlussfassung durch die Vollversammlung keine weiteren öffentlichen Äußerungen der IHK und ihrer Organe über Binnenkonflikte, die keine wirtschaftspolitischen Positionen betreffen, abgegeben werden", und dass es den beiden strittigen Pressemitteilungen "an einer solchen Beratung und Beschlussfassung mangelte". Außerdem trägt die IHK trägt die Kosten des Verfahrens von 5000 Euro.

Für Steinke ist es "ein gutes Ergebnis, weil es die Transparenz innerhalb der IHK stärkt, und weil es deutlich die Frage artikuliert, was Geschäftsführer und Präsident dürfen und was nicht". Zwar wäre es, so Steinke, spannend gewesen, wenn das Gericht in einem Urteil Grundsatzregeln für die Öffentlichkeitsarbeit der IHK aufgestellt hätte. Aber er sei mit dem Vergleich zufrieden, "weil es mir in der Sache nicht darum geht, zu siegen, sondern eine Veränderung innerhalb der IHK zu bewirken". Zudem habe das Ergebnis, so hofft Steinke, auch "eine Signalwirkung auf andere IHKs".

Die Kaktus-Initiative, 2011 gegründet, kritisierte in den letzten Jahren immer wieder intransparente Wahlverfahren und die offizielle Pro-Haltung der IHK zu Stuttgart 21. (16.3.2017)

Mehr zum Thema: "Rebellen im Weinberghäusle" und "Die IHK wackelt nicht".


Afghanistan-Rückkehrer bekommt zweimonatiges Arbeitsvisum

Es ist ein kleines Wunder. Denn trotz der mannigfaltigen Unterstützung in den vergangenen Wochen, glaubten nicht viele seiner Freunde wirklich daran, dass der Zahnarzt Ahmad Shakib Pouya, der in einem französischen Krankenhaus in Herat gearbeitet hat, zurück in die Bundesrepublik kommen kann. Pouya war in seiner früheren Heimat von den Taliban bedroht, floh 2010 nach Deutschland. Hier war er einer der Hauptdarsteller in der vielbeachten Produktion der Mozart-Oper "Zaide" und hatte eine doppelte Zusage auf Festanstellung – vom Münchner Gärtnerplatztheater und der IG Metall. Dennoch wurde er zur Abschiebung vorgesehen, weshalb er am 20. Januar 2017 ausreiste. Seither machten seine Unterstützer vom im Mai 2014 gegründeten Stuttgarter Verein "Zuflucht Kultur. Entweder. Oder. Frieden." bundesweit auf sein Schicksal aufmerksam. Auch mit einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), mit der Bitte um "ein Visum und ein langfristiges Bleiberecht als wertvoller Bürger unseres Landes".

Jetzt kam die gute Nachricht. Der 33-Jährige kann für zwei Monate zurück nach Deutschland. Mitausschlaggebend dürfte ein Schreiben von Georg Podt gewesen sein, dem Intendanten des kommunalen Münchner Kinder- und Jugendtheaters "Schauburg", der Pouya in einer Neuinszenierung von Rainer Werner Fassbinders "Angst essen Seele auf" als Hauptdarsteller besetzt hat. Die Proben sollen in der kommenden Woche beginnen, Premiere wird am 22. April sein. Mitte Mai läuft das Visum aus. Pouya will gemeinsam mit dem Verein die Zeit nutzen, um das angestrebte dauerhafte Bleiberecht zu bekommen. Die Chancen stehen angesichts der 2015 eigentlich gelockerten Regelungen gar nicht so schlecht. Allerdings werden die nach den Erkenntnissen von Pro Asyl oder dem Flüchtlingsrat viel zu selten von den Behörden angewandt.


SPD-Parteitag: 93,99 Prozent für Leni Breymaier

Noch mehr wäre kitschig gewesen: Die frühere Verdi-Bezirksleiterin Leni Breymaier wurde mit 93,99 Prozent der Stimmen auf dem Parteitag in Schwäbisch Gmünd zur SPD-Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl am 24. September gekürt. Damit zieht die Südwest-SPD erstmals seit ihrer Gründung 1952 mit einer Frau und – überhaupt erst zum zweiten Mal – auch mit einer VertreterIn des linken Flügels in einen Wahlkampf für den Bundestag. Zuvor hatte die 56-Jährige einen engagierten, kreativen Wahlkampf ohne Hass, ohne Lügen und ohne Beleidigungen versprochen. Sie werde kämpfen um jedes Zehntelprozent. Als Sinnbild präsentierte sie zwei Löwen, einen roten aus dem 3D-Druck und ein Steifftier, die "uns zum Sieg führen werden".

Wie ein Popstar wurde schon bei seinem Einzug in die Halle Martin Schulz gefeiert. "Mit jedem Mann und jeder Frau steht die SPD in Baden-Württemberg hinter dir", so Breymaier, die Schulz als "den künftigen Kanzler" vorstellte. Schulz selber erklärte, die SPD wolle stärkste Partei in der Bundesrepublik werden und er selbst die nächste Bundesregierung führen: "Wir haben eine gute Chance." Inhaltlich widmete sich der künftige SPD-Bundesvorsitzende in seiner halbstündigen Rede auch dem von CDU, FDP und den Arbeitgeberverbänden kritisierten Vorschlag, im Falle einer Qualifizierung die Bezugsdauer des Arbeitslosengeld II zu verlängern. Nicht von dieser Zeit hänge die Wettbewerbsfähigkeit der Bundesrepublik Deutschland ab, sondern von Qualifizierung von Facharbeiterinnen und Facharbeitern. Deshalb müsse die Bundesagentur für Arbeit zu einer Bundesagentur für Arbeit und Qualifizierung umgebaut werden. Grundsätzlich widersprach er auch Kritikern, die "mir Sozialromantik vorwerfen". Die SPD wolle "nicht 82 Millionen Einzelschicksale in die Hand nehmen". Wer aber ins Kanzleramt der Bundesrepublik Deutschland einziehe, der müsse "im Herzen ein Gefühl für die Alltagsprobleme der Menschen haben".

Mehr zum Thema: "Leni, vidi, vici"


KONTEXT
per E-Mail:
Immer informiert:

Durch diese Anmeldung erhalten Sie regelmäßig immer mittwochs um 9 Uhr unsere neueste Ausgabe unkompliziert per E-Mail.

Datenschutz-Hinweis

Bei Starkregen überflutungsgefährdet: die Klettpassage. (Zur Schaubühne auf das Bild klicken.)

Bei Starkregen überflutungsgefährdet: die Klettpassage. (Zur Schaubühne auf das Bild klicken.)

Noch ohne Rohrverbindung: das Oberhaupt des Cannstatter Dükers.

Noch ohne Rohrverbindung: das Oberhaupt des Cannstatter Dükers.

Von der anderen Seite: Bauarbeiten für den Cannstatter Düker, der im ersten Halbjahr 2016 hätte fertig sein sollen.

Von der anderen Seite: Bauarbeiten für den Cannstatter Düker, der im ersten Halbjahr 2016 hätte fertig sein sollen.

Pittoreskes Rohrwirrwarr beim Grundwassermanagement.

Pittoreskes Rohrwirrwarr beim Grundwassermanagement.

Nicht ganz so weiß wie in der Visualisierung und schwer herzustellen: Teil einer Kelchstütze. 28 davon sollen das Bahnhofsdach einmal stützen.

Nicht ganz so weiß wie in der Visualisierung und schwer herzustellen: Teil einer Kelchstütze. 28 davon sollen das Bahnhofsdach einmal stützen.

Hat eigentlich nichts in einem Mineralwasserschutzgebiet zu suchen: Dieseltank für ein Notstromaggregat.

Hat eigentlich nichts in einem Mineralwasserschutzgebiet zu suchen: Dieseltank für ein Notstromaggregat.

Kürzlich betonierte "Sauberkeitsschicht" in Baufeld 16. Die herausragenden Stahlstäbe gehören zu den in den Boden gerammten Gründungspfählen.

Kürzlich betonierte "Sauberkeitsschicht" in Baufeld 16. Die herausragenden Stahlstäbe gehören zu den in den Boden gerammten Gründungspfählen.

Baugrube beim früheren Gleisvorfeld: Sollte Stuttgart 21 noch gestoppt werden, könnte man hier auf zwei Ebenen ein Parkdeck und einen Busbahnhof einrichten, sagen die Ingenieure.

Baugrube beim früheren Gleisvorfeld: Sollte Stuttgart 21 noch gestoppt werden, könnte man hier auf zwei Ebenen ein Parkdeck und einen Busbahnhof einrichten, sagen die Ingenieure.

Freigelegter Tempel? Ne. Zulauf für den Hauptsammler West, einen der drei großen Abwassersammler. Im Hintergrund: die übrig gebliebene Front der ehemaligen Bahndirektion H 7.

Freigelegter Tempel? Ne. Zulauf für den Hauptsammler West, einen der drei großen Abwassersammler. Im Hintergrund: die übrig gebliebene Front der ehemaligen Bahndirektion H 7.

Kein Licht am Ende des Tunnels, aber immerhin hinterm Kran auf dem nördlichen Bahnhofsvorplatz.

Kein Licht am Ende des Tunnels, aber immerhin hinterm Kran auf dem nördlichen Bahnhofsvorplatz.

Wandelnde Lexika: Wolfgang Kuebart (li.) und Hans Heydemann von der Gruppe Ingenieure 22 führen um die Baustelle.

Wandelnde Lexika: Wolfgang Kuebart (li.) und Hans Heydemann von der Gruppe Ingenieure 22 führen um die Baustelle.

Ausgabe 275
Schaubühne

Alles im Lot im Loch?

Von Oliver Stenzel
Fotos: Joachim E. Röttgers
Datum: 06.07.2016
Was sieht man eigentlich auf dem Baustellenareal von Stuttgart 21? Wo sind Probleme und Verzögerungen erkennbar? Und was könnte man mit den Baugruben anfangen, falls das Projekt doch noch gestoppt wird? Antworten darauf sollen alternative Baustellenführungen der Gruppe Ingenieure 22 liefern, am heutigen Mittwoch steigt die erste. Für Kontext gab es eine Vorab-Begehung.

Trocken ist's heute, die Sonne brutzelt, und vom Südausgang des Bonatzbaus steigt der Staub von Baumaschinen aus dem großen Loch auf, das einmal der Mittlere Schlossgarten war. Es braucht nur wenige Schritte, um einen ersten Hinweis darauf zu finden, was eines der zentralen Probleme des Tunnelbahnhofprojekts Stuttgart 21 ist: Wasser. Gegenüber dem Zugang zur Klettpassage liegt in einer Mulde ein Betonwürfel von der Größe eines Einfamilienhauses. "Das ist das Oberhaupt des Cannstatter Dükers", erklärt Wolfgang Kuebart, Physiker und Mitglied der S-21-kritischen Gruppe Ingenieure 22. Als Gegenpol zu den offiziellen Führungen des S-21-Projektbüros bietet die Gruppe ab dem heutigen Mittwoch regelmäßig eine alternative Baustellenführung an, und Kuebart gibt gemeinsam mit dem Ingenieur Hans Heydemann vorab ein paar Einblicke, was die Besucher erwartet.

Der Cannstatter Düker, so erfahren wir, gehört neben dem Nesenbachdüker und dem Hauptsammler West zu den großen Abwassersammlern der Stuttgarter Innenstadt. Deren bisheriger Lauf wird durch den geplanten Tiefbahnhof zerschnitten und muss daher umgeleitet und unter dem Bahnhofstrog hindurchgeführt werden. Abgesehen von den Problemen, die diese Umleitung bereitet, weil sie den Mineralwasser führenden Schichten bedenklich nahe kommt, sei völlig unklar, ob die Kapazität der neuen Leitungen bei Starkregen überhaupt reiche. Ergäbe sich schon dadurch potenziell eine größere Hochwassergefahr, erklären die beiden Fachmänner, werde diese noch gewaltig dadurch gesteigert, dass der Trog des fertigen Bahnhofs eben nicht nur in die Tiefe, sondern auch in die Höhe geht und einen bis zu sechs Meter hohen Wall an der engsten Stelle des Talkessels bilden wird.

Wolfgang Kuebart und Hans Heydemann von den Ingenieuren 22.
Wolfgang Kuebart und Hans Heydemann von den Ingenieuren 22.

"Das Wasser kann nicht mehr wie bisher über den Schlossgarten ablaufen, sondern staut sich auf und könnte die Klettpassage und den Tiefbahnhof überschwemmen", sagt Heydemann. Der Ingenieur beschäftigt sich schon seit Jahren mit diesem Problem und ist ein wandelndes Lexikon, was mögliche Tiefbahnhof-Überschwemmungen angeht. Detailliert erklärt er das Risiko anhand der Geländehöhen und zerpflückt die offiziellen Aussagen, die es vom zuständigen Projektbüro dazu gibt. Nicht nur angesichts der jüngsten Überschwemmungen im Land kann einem da etwas mulmig zumute werden. 

Unerwartete Probleme und Alibihandlungen

Handelt es sich hier um potenzielle Risiken in der Zukunft, zeigt die Führung aber auch an vielen konkreten Stellen, dass auch beim aktuellen Baufortgang längst nicht alles so im Lot ist, wie es das Projektbüro gerne verkündet. Dass etwa beim besagten Oberhaupt des Cannstatter Dükers noch große runde Öffnungen an den Seiten, aber keine zulaufenden Rohre zu sehen sind, bestätigt einmal mehr, wie wenig belastbar schon die kurzfristigen Planungen des Projekts sind. Im vergangenen September kündigte die Bahn in einer Pressemitteilung noch an, "der neue Kanal soll in der ersten Jahreshälfte 2016 in Betrieb genommen werden".

Die ist vorbei. Ein betriebsfertiger neuer Kanal ist auch mit viel Wohlwollen nicht in Sichtweite. Dafür sind die Arbeiten an anderen Stellen der Baustelle schon erkennbar weiter gediehen. "Weiter als beim Nesenbachdüker, obwohl man den viel dringender bräuchte", so Kuebart. 

Ohne den fertigen Nesenbachdüker nämlich, dessen Bau wegen der schwierigen Geologie noch einige ungelöste Probleme bereithält, kann die Bodenplatte des Bahnhofs gar nicht betoniert werden. Momentan sieht man von ihm nicht viel mehr als zwei Rohrelemente, die einsam auf dem Gelände des ehemaligen Landespavillons herumstehen. Letztlich auch okay. Das Düker-Oberhaupt kann ohnehin erst gebaut werden kann, wenn die Stadtbahnhaltestelle Staatsgalerie verlegt ist, was noch mindestens zwei Jahre dauern soll.

Und was wiederum die Betonierung jener sogenannten Sauberkeitsschicht in Baufeld 16, die kürzlich als erster Schritt beim Bau der Bahnhofs-Grundplatte gepriesen wurde, vollends zur Baufortschritt vorgaukelnden Alibihandlung macht. Kuebart weist auf das Gelände neben jener Sauberkeitsschicht: "Schwarzbrauner, torfiger Boden, mit dem man wohl nicht gerechnet hatte und der noch komplett ausgetauscht werden muss, weil er nicht hält." Was zusätzlich dauern wird. 

Immer noch möglich: Alternativen zum Weiterbau

Doch in der auf zwei Stunden angesetzten Führung wollen die Ingenieure 22 nicht nur auf Probleme hinweisen, die den Bau verzögern, verteuern und riskant machen. Sondern auch auf Alternativkonzepte, falls Stuttgart 21 noch gestoppt würde. "Wir wollen aufzeigen, welche Alternativen auch beim jetzigen Stand der Bauarbeiten noch umsetzbar sind", so Kuebart.

Peter Dübbers, Enkel des Bahnhofsarchitekten Paul Bonatz, will diese Konzepte bei der Führung genauer erläutern. So könnte man die bereits ausgehobene Grube unterhalb der ehemaligen, versetzten Prellböcke dafür nutzen, auf zwei Ebenen zum einen ein Parkdeck einzurichten, zum anderen den Zentralen Omnibus-Bahnhof (ZOB) wieder zurückzuholen, der mit Baubeginn von S 21 in die Stadtperipherie verbannt wurde. Das danach wieder nach hinten verlegte Gleisfeld könnte ein halb transparentes Solardach bekommen, die abgerissenen Seitenflügel des Bahnhofsgebäudes in modernisierter Form, aber mit deutlichen Reminiszenzen an ehemalige Proportionen und Fassadengliederung wieder aufgebaut werden (eine Bildergalerie zu dem Konzept gibt's unter diesem Link).

Großes Loch: die Baustelle.
Großes Loch: die Baustelle.

Auch an anderen Stellen bedeute ein Ausstieg aus dem Projekt keinen stadtplanerischen Stillstand. So könnten auch für das sogenannte C-Areal am Nordbahnhof, momentan komplett mit Baulogistik belegt, umgehend Wohnungen geplant werden. Und die könnte die Stadt dringend brauchen.

Die Idee zu den Führungen ist den Ingenieuren nicht etwa mit den jüngst eingeräumten Kostensteigerungen und Terminverzögerungen des Projekts entstanden, sondern schon im vergangenen Jahr. "Wir haben da schon ein paar Führungen für die Mahnwache gemacht. Von dieser kam auch die Idee, das nun öffentlich als alternative Führungen anzubieten", so Kuebart. Auch um aufmunternd in die Protestbewegung gegen Stuttgart 21 hineinzuwirken. "Viele von uns sind in eine Art stille Opposition gegangen", sagt Kuebart. Die Führungen sollen zeigen, was immer noch möglich ist. An Ideen mangelt es jedenfalls nicht.

 

Info:

Alternative S-21-Baustellenführung, Mittwoch, 6. Juli, 3. August, 7. September, jeweils 17–19 Uhr, Treffpunkt: Südausgang des Hauptbahnhofs.

Eine detaillierte Vorstellung der Alternativkonzepte erfolgt unter dem Motto "Umstieg 21 Baustellen umnutzen" am 15. Juli, von 17 bis 19 Uhr im Gewerkschaftshaus (Willi-Bleicher-Str. 20, Großer Saal, Stuttgart-Mitte).


Gefällt Ihnen dieser Artikel?
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!

Kommentare

Müller, 12.07.2016 18:05
@Herr Ruch
Vielen Dank. Ich bin gerne das Salz. Und ich freue mich sehr, dass es hier Leute gibt die andere Meinungen ertragen können. Respekt!

Zu Ihrem Beitrag weiter unten:
Die voraussichtlichen weiteren Kostensteigerungen sind natürlich eine Katastrophe.
Da hat man als Proler keine Gegenargumente. Da bin ich echt platt.
Bei den anderen Punkten bin ich aber auch platt.
Stresstest nicht bestanden? Leistungsfähigkeit von 8x4=32?
Da ist wieder diese trotzige Haltung der schlechten Verlierer.
Stresstest gefordert. Auditor ausgewählt. Stresstest bestanden.
Fertig. Außer dieser seltsamen Seite von einen Chemiker oder so gibt es niemanden der auf diese tolle 8*4-Formel kommt. Das ist albern.
Planfeststellungen: Bei keinem Großprojekte sind alle Bereiche beim Baubeginn planfestgestellt. Das wäre auch bei K21 nicht so.

Muss jetzt weiter. Gruß Müller

Horst Ruch, 11.07.2016 14:53
....Vergeudete Zeit ? ...nein ....@demokrator, ob Lohnschreiber oder nicht, nur so können wir "verknöcherten Gegner" erst erfahren, wie die simple Denke der Fortschrittsfanatiker gestrickt ist.. Es wär' jammerschade, wenn alle Kommentatatoren sich nur gegenseitig mit der gleichen Meinung im eigenen Saft beglücken würden. So Schreiber wie @Müller bringen da ein bisschen Pfeffer und Salz in die Sprichwörtliche Suppe S21....würden diese sich nicht nur anonym zu erkennen geben. Weiter... @ Schwabe .....nehmen wir z.B. Oettinger, mein Beispiel Nr. 3, und lesen heute in der Stgt. Zeitung -8 Jahre nach seinem Deal "Finanzierungsvertrag S21"-, 3 Jahre nach seinem eingefädelten 20 Mia-EU-Finanzierungsdeal für die Erweiterung des Atiomkraftwerks Cattenom, -angeblich zum Anreiz des Verbleibs Goßbrittaniens in der EU- er wieder manipuliert mit der Atomlobby in Ungarn, dann erschließt sich allmählich der Kreis, der EU-AG innerhalb derer wir regiert werden....deswegen andere Meinungen bleiben wichtig. "wir" könnten uns ja auch mal getäuscht haben.

Schwabe, 11.07.2016 12:02
4.Die Staatsverbrecher
(und der Ausverkauf der deutschen Infrastruktur - S 21 ist da ein Beispiel von vielen)
Mit an verbohrter Sturheit grenzender Hartnäckigkeit halten alle Bundesregierungen von Gerhard Schröder bis Angela Merkel an ihrem Ziel fest, große Teile der deutschen Infrastruktur, vor allem aber die Autobahnen, zu privatisieren. Dass selbst der Bundesrechnungshof und alle Landesrechnungshöfe dagegen Sturm laufen, ist ihnen völlig egal.
Man kann das auch deutlicher ausdrücken: Die Bundesregierung betreibt den Ausverkauf der gesamten Infrastruktur und will noch bis Jahresende mit dem gesamten Autobahnnetz anfangen. Die Steuerzahler haben einst Riesensummen dafür aufgebracht, um die Objekte zu finanzieren. Bald sollen sie für’n Appel und’n Ei in die Hände von Wirtschaftsunternehmen fallen. Und selbst wenn aus den Privatisierungsplänen diesmal doch nichts werden sollte, weil sich etwa in Kreisen der SPD zu starker Widerstand regen sollte, so halten alle interessierten Kreise weiterhin an ihren Privatisierungsplänen so lange weiter hartnäckig fest, bis sie am Ende doch durchgesetzt werden können.
Dann können die privaten Investoren den Bürgern noch einmal gewaltige Beträge abknöpfen und in die eigenen Taschen stecken. Man kann es drehen wie man will, in den repräsentativen Demokratien haben die Bürger immer die Arschkarte und müssen zahlen. Sie sind und bleiben die Dukatenesel, die als Einzige immer zur Verfügung stehen, wenn Dukaten gebraucht werden. Und Esel sind sie auch, wenn sie das immer mit sich machen lassen.
Was erstaunt, ist die von parteipolitischen Orientierungen völlig unabhängige Beharrlichkeit aller Bundesregierungen. Ob die nun eher links-grün (na ja, was die so links nennen) oder eher konservativ-liberal oder konservativ-sozialdemokratisch sind: Sie alle betreiben seit den 1970er Jahren und verstärkt wieder seit den 1990er Jahren den Ausverkauf des Staatseigentums mit nachgerade krimineller Energie.
Dahinter könnte man mit Mühe noch Spuren ökonomischer Vernunft entdecken, wenn die Investoren die gesamte Summe bezahlen würden, die auch die Steuerzahler im Verlauf vieler Jahre für die Objekte aufgebracht haben. Das ist aber nicht der Fall. Sie zahlen nur einen minimalen Bruchteil. Schon allein deshalb ist die Rede vom Ausverkauf der deutschen Infrastruktur gerechtfertigt.
Nach den Plänen der Bundesregierung soll das gesamte deutsche Autobahnnetz teilprivatisiert werden. Dazu wird eine Autobahngesellschaft gegründet, an der private Investoren etwas weniger als die Hälfte der Anteile übernehmen können.
Quelle: Telepolis

Blender, 11.07.2016 11:36
@Müller's Frage: wann wird K21 fertig?
K21 ist schon fertig, der Kopfbahnhof funktioniert trotz S21 Demontage/ bzw. Sabotage weiterhin recht gut. Mit etwas Kosmetik wird K21 bei laufendem Betrieb dann auch noch hübsch.

Demokrator, 10.07.2016 18:54
@Horst Ruch:

Sie vergeuden (leider) Ihre Zeit jemandem mit Fakten zu kommen, der gar kein Interesse daran hat!

Wenn Sie die entsprechenden Artikel bzw. Kommentare auf der STZ/STN lesen, dann kommen Ihnen die Sprüche bzw. Agitationsmasche unseres "Freundes" mehr als bekannt vor.

Da scheint's wohl auch eine "Agentur" zu geben.

Horst Ruch, 10.07.2016 15:17
.....S21 wird gebaut, Fertigstellung statt 2019 voraussichtlich 2025.
.....S21 wird gebaut, Leistungsfähigkeit statt 48 Zügen voraussichtlich 32
.....S21 wird gebaut, Gesamtkosten laut Oettinger's Finanzierungsvertag v. 30.03.2009 statt 3 076 Mia €. bereits davor vom Bundesrechnungshof am 30.10.2008 für falsch erklärt. Alljährlich sukzessive auf momentan 10 Mia € gesteigert. Mangels Planung kein Ende der Kosten gesichert.
.....S21 wird gebaut, obwohl Stresstest nicht bestanden
.....S21 wird gebaut, obwohl Planfeststellungen unvollständig.
.....S21 wird gebaut, obwohl erst das Enrwurfskonzept von Ingenhoven/Frei Otto vorliegt, dieses jedoch nicht den Bahnvorschriften entspricht.
.....S21 wird gebaut, obwohl die Steckenplanung der DB AG erst nach der VA v. 27.11.2011 zur Durchführung begonnen wird.
......S21 wird gebaut, obwohl es nur für Teilbereiche gültige Pläne gibt.
.....S.21 wird gebaut, obwohl die Wirtschaftlichkeit für die DB AG nie gegeben ist. Das eigenwirtschaftliche Projekt also nur durch Subventionen den Betrieb aufrecht erhalten kann.
.....S21 wird gebaut, weil die Lenkungskreislenker die "kritischen" Begleiter als anspruchslose Laien übertölpeln.
.....S21 wird gebaut, weil EX OB Schuster zur (verlogenen) VA die Ausstiegskosten/Schadenersatzkosten auf ein mit 100€-Scheinen aufgebauten Turm " berechnet" hat, der 25 mal höher wäre, wie der Jetzige Bahnhofsturm.
.....S21 wird gebaut, damit sich das Merkel-Deutschland nicht vor Griechenland blamieren muß.
.....S21 die unendliche Geschichte, in der der staatlich unterstützte Lügenspparat die Hauptrolle spielt...... Gleichwohl es natürlich auch Gewinner gibt, die im Dunklen...Haifisch...deren Zähne....usw. Und so fort......als kleiner Ausschnitt dem Fortschrittsgläubigen @ Müller gewidmet.....wohlwissend, daß die Expeditionen ins Weltall weitaus größere Summen verschlingen. Der feine Unterschied: es werden vorher keine Behauptungen aufgestellt, die nie zu erfüllen sind.

Andreas Spreer, 10.07.2016 14:23
@Müller.
Dass die Frage nach dem Fertigstellungstermin unsinnig ist, habe ich versucht zu erklären. Genauso können Sie auch fragen, wann ihr Auto fertiggestellt ist.
Dass Sie danach nicht fragen dürfen, ist eine von diesen Unwahrheiten.
Sie dürfen auch nach den anderen Sachen fragen und haben schon 100 Mal die Antworten bekommen. Die Anbindung an die Neubaustrecke: Im Zweifelsfall so wie bisher, über die bestehenden Gleise im Neckartal. Die Kosten: Ein Bruchteil der jetzt geplanten. Usw.
Dass m. E. unter den gegebenen Umständen ein Kombibahnhof eine gar nicht so schlechte Lösung wäre, eine, die den Konflikt vielleicht nicht lösen, aber doch zumindest entschärfen könnte, steht auf einem anderen Blatt.

Schwabe, 10.07.2016 11:39
Mit dem Umstieg auf K 21 bekommt Baden-Württemberg einen fortschrittlichen, leistungsfähigen und lichtdurchfluteten oberirdischen Bahnhof als moderne Verkehrsdrehscheibe. Und auf dem Weg dahin wird der von der Tunnelblickfraktion verstümmelte Kopfbahnhof immer noch besser seinen Job machen als es das unterirdische S 21 mit seinen 8 Gleisen je könnte.
Darüber hinaus kostet K 21 mehrere Milliarden Euro weniger und auf dem C-Areal am Nordbahnhof, welches die Bahn derzeit als S 21 - Logistikfläche blockiert, könnten sofort ca. 1.000 dringend benötigte Wohnungen für Gering- und Mittelverdiener erstellt werden.

Müllw, 09.07.2016 16:38
.....@Müller
Welchen argumentativen Zweck verfolgen Sie eigentlich mit Ihrer Frage nach einem möglichen Fertigstellungstermin von K21?.....

Ich denke man sollte halt so ehrlich sein und Montags den K-Befürwortern sagen, dass den Fertigstellungstermin fast niemand erleben wird.

Und wenn bei k21 der Fertigstellungstermin eine so untergeordnete Rolle spielt, dass man nicht mal danach fragen darf, warum gibt es dann so einen Shitstorm wenn man bei S21 erfährt dass man vielleicht erst 2023 fertig wird?

Man darf nicht fragen was K21 ist. Wie die NBS angebunden wird. Was es kostet. Und ganz verboten ist die Frage wann es fertig sein soll.

Seltsames Verhalten von Menschen die doch immer die Informationspolitik der Bahn kritisieren.

Andreas Spreer, 09.07.2016 14:08
Nochmal @Müller: Anderes Beispiel. Sie wohnen doch sicher auch in einem Haus. Das wurde irgendwann mal gebaut. Und irgendwann und immer wieder mal muss es renoviert werden. Und wann ist bei dem der Fertigstellungstermin? Darauf werden wir wohl nie eine Antwort bekommen, weil das eine unsinnige Frage ist. Genauso verhält es sich mit Ihrer Frage nach dem Fertigstellungstermin von K21.

Kornelia, 08.07.2016 18:58
Wichtige Grundregelungen einer Demokratie!
1.die Bürgerbewegung kriegt keine fachgerechte Knete aus dem Sàckle, keine bezahlten Zeitdebutate, keine sonstigen Umsonstes..., deswegen ist eine gleichwertige "ihr müßt Leistungen erbringen" Forderung absolut daneben!

2. Und was viel wichtiger ist: der Souverän muss nicht Alternativmodelle basteln, kochen, fertigstellen, nur weil er massenhaft Fehler bei den Vorhabenträgern und/oder den Angestellten entdeckt! Oder weil er einfach etwas anderes will!

Stellen Sie sich vor, Sie fahren Ihr Auto in die Werkstatt, der Mechaniker kriegt 100 Euro pro Stunde plus Materialkosten, dann holen Sie Ihr Auto ab und nach 100 Metern "rien ne va plus"
Schieben Sie dann Ihr Auto nach Hause, Arbeitskittel an, und Reperatur selber machen?
Meine Vermutung: Sie stauchen den bezahlten AutomechanikerSäckel zusammen und fordern "kostenlose" Uberstunden, oder?
Sie sind Chef und bestellen eine neues Marketing Konzept, nun finden Sie das verwendete blau total daneben....entwickeln Sie dann ein anderes Konzept, um dann der PR Firma zu verdeutlichen, dass Sie blau doof finden?
Nein!

Schon beim Faktencheck dachte ich: chapeau, Geißler, ....
hat der doch "unsere" Jungs bei den eitlen Eiern gepackt und sie ihr Modell darstellen lassen!

Vergleiche sind immer gut und ein geschicktes Manöver, um von Fehlern abzulenken.
Und so konnte dann die Welt ein -eigentlich von der Sache her -undemokratisches Spiel beiwohnen:
Niemals darf ein demokratisch geführter Widerstand davon abhängen, ob der Sonicht-sager ein eigenes Projekt erstellt hat- ehrenamtlich!
Sonst könnten ja nur Eliten an einer Demokratie teilnehmen!

DDR 89: zurück zum Ursprung, die haben vergessen ein schlüssiges Neu-Konzept abzuliefern?
Friedensdemos 80er: zurück auf kalter Krieg weil Gegenkonzept fehlte!

Wenn aber seit Jahrhunderten der Souverän ehrenamtlich eigene Ideen entwickelt, eigene Konzepte erstellt, dann ist diese aktive Machergesellschaft ein Gewinn für jede Gemeinschaft!

Aber niemals darf daraus ein "muss" entstehen!

Also: die Vorhabenträger sind seit 20Jahren am basteln,
die Politiker seitdem am begleiten, die Verwaltokratie am verwalten, die Medien am (aus)schwärmen, die PR Agenturen am hohlschwätzen.... alle mehr oder weniger vom Souverän super gut bezahlt für jeden Sesselfurz.... doch die bislang erbrachte Leistung ist beschämend!
Wahrscheinlich würden diese ohne monatliche Zuwendungen nicht mal das Klo finden!

Aber der Geisslersche Trick hat und kann immer noch wunderbar vom Planungsversagen ablenken!

D. Hartmann, 08.07.2016 16:14
Fakt ist, Stuttgart verfügt bereits über einen leistungsfähigen Hauptbahnhof (, auch wenn dieser inzwischen einen ziemlich verwahrlosten Eindruck macht). Mit dem laufenden Neubau (S2x) wurde keine Erhöhung der Kapazität geplant. Seine Leistungsfähigkeit wird unter der des Kopfbahnhofs im Zustand der 60er Jahre liegen.

Somit besteht überhaupt kein Zeitdruck bei der Fertigstellung eines neuen Hauptbahnhofs (wo und in welcher Form auch immer, ob K21 oder Cannstatt-Untertürkheim). Es kann also in aller Ruhe und Gründlichkeit geplant werden.

@ Müller:
Welchen argumentativen Zweck verfolgen Sie eigentlich mit Ihrer Frage nach einem möglichen Fertigstellungstermin von K21?

Sie fordern doch nicht wirklich die Fertigstellung von S2x nach dem Motto: „Koste es, was es wolle“? (Derzeit schon wirtschaftlich nicht mehr vertretbare 6,5 Mrd. EUR)

Gut 1 Mrd. EUR hat der 2015 fertiggestellte neue Hauptbahnhof in Wien gekostet. Dieser verfügt über eine deutlich höhere Kapazität als S2x.

Für ca. 2 Mrd. EUR hat man in Zürich bis 2015 den alten Kopfbahnhof ertüchtigt. Dieser ist ebenfalls deutlich leistungsfähiger als S2x (seit 2014 in Betrieb: 4 neue Durchgangsgleise im Untergrund).

Warum also für S2x in Stuttgart mehr ausgeben als in Wien oder Zürich?
Am Ende (wann ist noch offen) mind. 5 Mrd. (vielleicht sogar über 10 Mrd. EUR) mehr als in wirtschaftlich vergleichbaren Nachbarländern!
Wie ist das zu rechtfertigen?

Weil in Baden-Württemberg schon jede Bahnstrecke elektrifiziert ist, auf jeder (gebührenfreien) Bahnhofstoilette schon goldene Wasserhähne hängen, und in den Kitas pro Kind mind. 2 Erzieher/Innen vorhanden sind, die überdies noch besser als die Facharbeiter beim Daimler bezahlt werden ….

Eine seltsame Welt dieses Land.

PeterPan, 08.07.2016 01:07
Die Kosten interessieren die (große) Politik nicht. Da gehts um die politische Existenz und die (ohnehin unrettbar verlorene) Glaubwürdigkeit. Es geht um Gesichtsverlust und ums Recht haben. Die Pro-Seite kann unmöglich zugeben, dass sie das alles hat geschehen lassen und dass die Contra-Seite oft allzu Recht hatte, wenn sie Murks! rief. Oder LGNPCK!

Für den Bau-Stop geht es nicht um Geld, nicht um Gleise oder Leistung in der Spitzenstunde. Allein der politische Vorteil ist entscheidend. Und nur wer den für sich wittert wäre bereit dieses Fass aufzumachen. Und genau deshalb machen es auch die GRÜNEN nicht. Das wäre ihr politischer Suizid. Es zwickt gewaltig in allen Mühlen.

Alle wissen dass da großer Murks fabriziert wird, dass BER dereinst daneben verblassen wird. Es juckt sie nicht. Die sogenannten VERANTWORTLICHEN. Es sind nämlich keine.
Die Steuerzahler sind verantwortlich. Sie allein tragen (finanzielle) Konsequenzen, sie allein zahlen. Stadt, Land, Bund, Europa: Alles Steuertöpfe. Wer aber verdient? - Eben.

Müller, 07.07.2016 20:03
@schwabe und Co.
Schon verstanden. K21 wird super.
Nur... Was ist K21?
Bis wann können die Pläne zu den Planfeststelllungs- und Anhörungsverfahren vorliegen ?
K21 hat heute die planerische Reife von S21 in den 80ern. Es existiert nichts. Bildchen, Ideen, Vorschläge. ..
Erstellt von den Parkschützern.

Da jammert man jahrelang über die ach so schlimme Infopolitik der Bahn. Aber auf der Gegnerseite existiert faktisch nichts.

Mir ist klar, dass ich auf die Frage nach einem möglichen Fertigstellungstermin von K21 niemals eine Antwort bekommen werde. Die Antwort würde alle Träume zerstören.

Andreas Spreer, 07.07.2016 15:46
Herr/Frau/Kind Müller sollte nach England schauen. Dort mussten gerade die obersten Unwahrheitenerzähler vor dem Brexit ihre Hüte nehmen. Und Tony Blair steht wegen seinen Unwahrheiten vor dem Irakkrieg ohne Hosen da. Das ist vielleicht der beste Weg, sich zu wehren: Unwahrheiten widersprechen, und wenn sie noch so dreist wiederholt werden. Damit die Erzähler sehen, wie es für sie endet. Leider total langweilig.
In diesem Sinne Danke,, @Schwabe!

Schwabe, 07.07.2016 14:00
Mit dem Umstieg auf K 21 bekommt Baden-Württemberg einen fortschrittlichen, leistungsfähigen und lichtdurchfluteten oberirdischen Bahnhof als moderne Verkehrsdrehscheibe. Und auf dem Weg dahin wird der von der Tunnelblickfraktion verstümmelte Kopfbahnhof immer noch besser seinen Job machen als es das unterirdische S 21 mit seinen 8 Gleisen je könnte.
Darüber hinaus kostet K 21 mehrere Milliarden Euro weniger und auf dem C-Areal am Nordbahnhof, welches die Bahn derzeit als S 21 - Logistikfläche blockiert, könnten sofort ca. 1.000 dringend benötigte Wohnungen für Gering- und Mittelverdiener erstellt werden.

Müller, 06.07.2016 19:05
Ja, schöne Bilder zum Ausstieg.
Da hat sicher jemand ne Woche am Fotoshop gearbeitet.

Aber die Gegners wollen doch nicht nur billige Hochglanzfotole machen.

Wie sieht das Szenario denn aus? Vor dem Volksentscheid hat man gelogen, dass man K21 sofort bauen könnte. Tut man dies nun wieder?

Nichts kann man in D sofort bauen.

Spielen wir das absurde Szenario mal durch:

S21 wird gestoppt.
Die politische Rückabwicklung bis zum Go vin K21:
2 Jahre.
K21 wird geplant. Abschnitt HBF, Gleiserweiterung Richtung Cannstatt, Neckartal, Anbindung NBS bei Wendlingen, das sind viele KM neue Trassen, Tunnels znd viele Brücken. Durch Parks, Streuobstwiesen , an Wohngebieten etc.
5 jahre Ausführungsplanung.
5 jahre Planfeststellung
2 Jahre lokalpatriotische Proteste (siehe Steg in Kernen)

Wenn es gut läuft beginnt der Bau in 15 Jahren. Es sind die gleichen Menschen beteiligt die heute S21 planen, genehmigen bauen etc.

Da kommt keine Fee und macht aus den Bildchen Realität.

Bauzeit 10 Jahre.

Früheste Inbetriebnahme 2040. Optimistisch.

Rudolf Schwarz, 06.07.2016 19:00
Baut doch den neuen Bahnhof klimafreundlich nach Untertürkheim. Da sind doch alle Anschlüsse, Schiene, Straße, ÖPNV schon da. Und Platz hat's da auch genug für einen Fernbusbahnhof etc. Alles beisammen auf einem Gebiet. Der bisherige Hauptbahnhof kann/muss reduziert als Stadtbahnhof erhalten bleiben. Fahrzeit UT bis Stadtbahnhof = 5 Minuten. Die Kultur hätte ihre Freude dran - und Platz für ein schönes Konzerthaus.

Peter S., 06.07.2016 14:57
Die Simulation eines modernisierten Kopfbahnhofes bei dem Link ist beeindruckend.
Integriert sehr viel was schon gemacht wurde.
Dann hätten wir sicherlich einen super schönen und funktionalen Bahnhof.
Dagegen sieht die schräge Tiefhaltestelle ganz schön alt aus.

Horst Ruch, 06.07.2016 13:03
....Führungen mit Kuebart und Heydemann ok, geht es hier um die technische und funktionelle Problematik....Wie nun gerade W. Hermann im Radio-Interview gesagt hat, dann ist alleinig die VA v. 27.11.2011 für die Kosten verbindlich. Funktion und Technik interessieren ihn offensichtlich nicht. Das Land zahle maximal den Anteil von knapp 1 Mia. Aus und fertig. Da die VA -trotz ständiger Dementis- keine Rechtskraft besitzt, brauch die DBAG sich natürlich nicht um solche "Kinkerlitzchen" kümmern.
Ob der Steuerzahler von BW zur Kasse gebeten wird oder von Berlin ist letztlich Wurst. "Geld liegt wie Heu auf der Straße", ein Ausspruch von Heiner Geißler im Zusammenhang zu S21, also von einem, der schon immer alles wußte. So läßt sich auch die Gleichgültigkeit der Teilnehmer des letzten Lenkungskreises deuten; man könnte gerade meinen, daß OB Kuhn nach dem Ende seiner Amtszeit durch sein Verhalten noch ein kleines Zubrot durch die DB AG erwarten darf, wie alle abgetretenen "Lenker" im Jahre 2021.
Ist Gleichgültigkeit strafbar?

Kommentar hinzufügen




CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.


* Pflichtfeld!

Letzte Kommentare:

Ausgabe 312 / Ächzen im Maschinenraum / Schwabe, 23.03.2017 17:35
Auch von mir vielen Dank an den Autor und an Kontext (E.M., 22.03.2017 01:27 hat das wunderbar formuliert). Dennoch, um das erfolgreich anzupacken bzw. umzusetzen was Fabian Scheidler so treffend wie beängstigend und unmissverständlich...

Ausgabe 312 / Die unheiligen Apostel / CharlotteRath, 23.03.2017 14:51
Fußgängerstegle ... eine echt schwäbische Lösung. München hat sich einen Park gegönnt, um zwei voneinander getrennte Stadtteile über eine große Straße hinweg zusmmenzuführen: https://de.wikipedia.org/wiki/Petuelpark Mit...

Ausgabe 312 / Die unheiligen Apostel / Bruno Neidhart, 23.03.2017 09:51
Selbstverständlich bräuchte Stuttgart in dieser Kulturecke einen Fußgängersteg. Möglichst als breite Grünbrücke. Dies hat weder mit Sozialwohnungen, noch mit Kitas zu tun. Es ist eine andere, ebenso stadtbildende Ebene.

Ausgabe 312 / Afrika kommt / Dr. Diethelm Gscheidle, 23.03.2017 09:24
Sehr geehrte Damen und Herren, selbstverständlich ist es äußerst wichtig, Entwicklungshilfe zu betreiben - und das geht natürlich jeden Einzelnen von uns an. Als bekennender und praktizierender Katholik ist mir die Entwicklungshilfe...

Ausgabe 66 / Gnadenlose Bank / Gerald Wiegner, 22.03.2017 22:45
Das ist eine traurige, aber wahre Geschichte. Ich habe mit Herrn Nusser telefoniert und möchte noch folgende Ergänzung machen. Herr Nusser war ein langjähriges Genossenschaftsmitglied. Genossenschaften sind gesetzlich verpflichtet...

Ausgabe 312 / Lipps Liste / Horst Ruch, 22.03.2017 22:22
....was soll man denn von politischen Karrieristen wie Kretschmann &Co eigentlich noch erwarten? Es gibt nur eine Antwort: nichts.

Ausgabe 311 / Sehnsucht nach Franz Josef Strauß / Gela, 22.03.2017 19:54
Kontext sollte diesem wichtigen Thema weitere Artikel widmen. Die Kommentare zeigen, daß die Spannbreite der Einstellungen dazu riesig ist, wobei jeder etwas anderes unter Haßreden versteht. Die einen verteidigen (mit Recht ) die...

Ausgabe 312 / Reiche auf der Flucht / Jürgen Michels, 22.03.2017 19:02
Nicht nur Billigheimer dürften die Luxusschuppen vertreiben, Stuttgart 21 mit seinen »modernen« Stadtquartieren tragen zum Niedergang der Topadresse Königstraße bei. Feststellen läßt sich das am Beispiel Berlin, wo der Ku-Damm –...

Ausgabe 312 / Ächzen im Maschinenraum / Pierre C., 22.03.2017 18:57
Entscheidender als das Prinzip "aus Geld mehr Geld zu machen" ist auch im Kapitalismus das Prinzip "aus Geld mehr Macht zu machen". Das Machtbedürfnis des Einzelnen und von Kollektiven ist, wie der Selbsterhaltungstrieb oder Sexualtrieb,...

Ausgabe 312 / Die unheiligen Apostel / Wolfgang Jaworek, 22.03.2017 18:14
Fake und Statistik Der Kommentator "Dr. Gscheidle" ist wohl eher ein "Feikle" (Verkleinerung von Fake). Aber ernsthaft: Die Einhegung der freien Verfügungsgewalt der Immobilieneigentümer durch Baurecht, Denkmal- und Mieterschutz...

Die KONTEXT:Wochenzeitung lebt vor allem von den kleinen und großen Spenden ihrer Leserinnen und Leser.
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!