KONTEXT Extra:
Versprochen, gebrochen!

Was kommt da eigentlich noch?, fragt sich die designierte SPD-Landesvorsitzende und mit ihr die politisch interessierte Öffentlichkeit im Land. Vor vier Wochen waren die ersten Nebenabreden öffentlich geworden, die Grüne und CDU nicht in ihren Koalitionsvertrag aufgenommen hatten (Kontext berichtete). Ministerpräsident Winfried Kretschmann musste in einer Landtagsdebatte alle Register ziehen, um deren Notwendigkeit mehr schlecht als recht gerade auch vor den Regierungsfraktionen und der eigenen Klientel zu rechtfertigen. Ungenutzt ließ er die Chance, reinen Tisch zu machen, alles zu offenbaren, was er mit CDU-Landeschef Thomas Strobl ausbaldowert hat. Die Aufregung wäre groß gewesen - und doch deutlich kleiner als der Ärger, den sich die beiden jetzt eingehandelt haben. Drei Tage, sagt der Regierungschef gern, lägen zwischen "Hosianna" und "Kreuziget ihn!", was schon immer zweideutig war, weil er damit die Verantwortung für einen Niedergang auch dem Publikum zuschreibt. Jetzt tragen Kretschmann und Strobl diese ganz allein. Der Grüne allerdings deutlich schwerer als der Schwarze, weil er - siehe Persönlichkeitswerte - sehr vielen Menschen als Inbegriff der Redlichkeit galt. Mit seiner "Politik des Gehörtwerdens" war ein Transparenzversprechen verbunden, und das hat er höchstpersönlich gleich mehrfach gebrochen.


AfD kann nicht rechnen

Zu ihrer 100-Tage-Bilanz im Landtag legen die Abgeordneten der AfD-Fraktion, also jene, die dem Bundessprecher Jörg Meuthen im Antisemitismus-Streit nicht gefolgt sind, eine arg geschönte Bilanz ihrer Arbeit vor. "Seit Beginn der Legislaturperiode haben wir bereits 37 Anfragen gestellt, über die wir künftig berichten werden", heißt es in einer Pressemitteilung. Und weiter: "Das übertrifft die SPD-Fraktion bei weitem, die gerade einmal 14 Anfragen eingereicht hat, oder auch die FDP, die beide aufgrund ihrer Parlamentshistorie mit einer deutlich größeren Mannschaft im Hintergrund agieren."

Wahr ist, dass die Fraktionsgröße die Zahl der Beschäftigten bestimmt und vor allem, dass die AfD-Fraktion seit der Abspaltung der "Alternative für Baden-Württemberg" (ABW) acht Kleine Anfragen gestellt hat und die ABW seit ihrer Gründung Anfang Juli neun. Davor hatte es die noch geeinte AfD auf 34 Kleine Anfragen gebracht. SPD und FDP kommen aber auf jeweils über 70 Initiativen in ihren ersten 100 Tagen, darunter Kleine Anfragen, Große Anfragen, Anträge und Gesetzentwürfe. "Nachdem die AfD bis zur Stunde mit ihren ungeheuerlichen Mätzchen dem Parlament und seiner demokratischen Kultur nur Schaden zugefügt hat, kommt sie nun mit einer vor lauter Selbstbeweihräucherung triefenden 100-Tage-Bilanz daher, die aber noch nicht mal korrekte Rechenkünste vorweisen kann", reagiert Martin Mendler, der Fraktionssprecher der Sozialdemokraten, scharf. Der SPD würden fälschlicherweise lediglich 14 Anfragen zugeordnet, wohingegen es laut Parlamentsdokumentation des Landtags von Mai bis August in der 16. Legislaturperiode mehr als fünf Mal so viele seien.


Mit Wolfgang Dietrich naht die Rettung

Die Rettung rückt immer näher: Jetzt hat der Aufsichtsrat des Stuttgarter Fußballvereins VfB den früheren S-21-Sprecher Wolfgang Dietrich offiziell zum Präsidenten-Kandidaten erhoben. Gewählt wird er am 9. Oktober, so sich nicht irgendwelche Ultras zu einem Block zusammen rotten. Nicht so ganz schlüssig sind sich die beiden Fusionsblätter vor Ort, ob sie den 68-jährigen Streithansel gut oder schlecht finden sollen. Zum einen sei Dietrich ein "gewiefter Geschäftsmann", gar ein "Universalstratege", zum anderen ein "Polarisierer" und eine "Reizfigur", meinen die StZN, und sprechen von der "Altlast S 21". Sie mögen sich von den Parkschützern Mut zur Meinung machen lassen. Wenn das Neckarstadion unter die Erde gelegt werde, schreiben sie, könne man "oben Luxuswohnungen und Einkaufstempel" bauen.


Brigitte Lösch im Visier der AfD

Die beiden AfD-Gruppierungen im baden-württembergischen Landtag wollen ihre Spaltung nutzen, um mit einem Untersuchungsausschuss unter anderem gegen die frühere grüne Landtagsvizepräsidentin und Stuttgarter Abgeordnete Brigitte Lösch vorzugehen. Hintergrund ist ihr Engagement gegen die Bildungsplangegner der "Demo für alle" und für das Bündnis "No Pegida Stuttgart".

Gegenstand der parlamentarischen Untersuchung sollen auch die Ereignisse vom vergangenen Oktober sein, als Künstler und Beschäftigte aus Protest gegen die "Demo für alle" ein Banner mit der Aufschrift "Vielfalt" vom Dach des Großen Hauses der Württembergischen Staatstheater entrollten (Kontext berichtete). Die beiden AfD-Fraktionen verlangen Auskunft darüber "wieso das Opernhaus Stuttgart durch Gegendemonstranten besetzt werden konnte". Grundsätzlich will die "Alternative für Deutschland", die mit ihren zur Zeit zwei Fraktionen allein einen Untersuchungsausschuss beantragen kann, dem "Linksextremismus in Baden-Württemberg" nachgehen und einer möglichen Nähe zu "der gewesenen oder derzeitigen Landesregierung, Parteien, der Verwaltung, der Behörden oder dem Landtag".

Die vier demokratischen Fraktionen sehen darin einem Missbrauch der parlamentarischen Möglichkeiten. Bereits ins Auge gefasst ist eine Überprüfung des Vorgehens der Rechtsnationalisten durch den baden-württembergischen Verfassungsgerichtshof. Nach geltendem Recht kann ein Untersuchungsausschuss eingesetzt werden, wenn mindestens zwei Fraktionen oder ein Viertel aller Abgeordneten dafür sind. Er ist allerdings nur zulässig zu Sachverhalten, "deren Aufklärung im öffentlichen Interesse liegt" und wenn sie geeignet sind, "dem Landtag Grundlagen für eine Beschlussfassung im Rahmen seiner verfassungsmäßigen Zuständigkeiten zu vermitteln".

Drei vom Landtag bestellte Gutachter sahen Ende Juli auf Basis der geltenden Geschäftsordnung keinen Weg, der AfD die Bildung zweier Fraktionen zu verwehren. FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke warnte schon damals, die "Alternative für Deutschland" könnte ihren doppelten Fraktionsstatus missbrauchen. Jetzt sieht er sich bestätigt: Die AfD nutze ihre Spaltung, "um sich Vorteile zu erschleichen".

Die stellvertretende AfD-Landesvorsitzende Christina Baum, die dem Bundessprecher Jörg Meuthen im Antisemitismus-Streit um Wolfgang Gedeon nicht in die neue Fraktion gefolgt ist, bewertet das gemeinsame Vorgehen als "positives Signal für alle bürgerlichen Schichten im Land". Beide Fraktionen verhehlen auch nicht, dass der jetzt vorgelegte Antrag eine "Vorbereitung der Wiedervereinigung" (Baum) ist. Nach dieser, die für den Herbst und im Zuge einer gerade gestarteten Mediation von beiden Seiten in Aussicht gestellt wurde, könnte der Untersuchungsausschuss aber nicht mehr durchgesetzt werden.


Bahn muss Stuttgarts Bahnhof nicht offiziell stilllegen

Das Verwaltungsgericht Stuttgart hat mit Urteil vom 09.08.2016 die Klage der Stuttgarter Netz AG als unzulässig abgewiesen. Mit der Klage wollte die Gesellschaft privater Eisenbahnunternehmen verhindern, dass die Deutsche Bahn nach der Fertigstellung des unterirdischen Durchgangsbahnhofs Stuttgart 21 das bestehende Gleisvorfeld des oberirdischen Stuttgarter Kopfbahnhofes abbaut, bevor hierfür ein Stilllegungsverfahren nach dem Allgemeinen Eisenbahngesetz (AEG) durchgeführt wurde. Nach Auffassung des Gerichts handelt es sich bei dem "Umbau des Bahnknotens Stuttgart/Stuttgart 21" um ein ausschließlich planfeststellungspflichtiges Änderungsvorhaben nach dem AEG, für das ein zusätzliches Stilllegungsverfahren nicht erforderlich ist. Zugleich stellte das Gericht aber auch fest, dass der Rückbau des Gleisvorfeldes ohne vorherige Durchführung eines Planfeststellungsverfahrens rechtlich unzulässig sei. Da die Stuttgarter Netz AG in diesem Planfeststellungsverfahren ihre Interessen noch geltend machen und gegebenenfalls auch gerichtlich durchsetzen könne. Wegen der grundsätzlichen Bedeutung der Sache hat das Gericht die Berufung zum Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg in Mannheim sowie die Sprungrevision zum Bundesverwaltungsgericht zugelassen.


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Ausgabe 255
Politik

Die scharfe Linke

Von Josef-Otto Freudenreich
Datum: 17.02.2016
Die Gewerkschaften sind die natürlichen Verbündeten der SPD. So hieß es. Doch in ihrem Apparat macht sich die Linke breit. Und die zielt auf die gleiche Klientel. Damit wird es für die Genossen noch enger vor der Wahl.

Die Maultaschen im Neuen Schloss haben Heidi Scharf, die Frontfrau der IG Metall Schwäbisch-Hall, auch nicht getröstet. Nils Schmid (SPD) hatte die Bevollmächtigten der Gewerkschaft Ende Januar geladen, um ihnen zu erläutern, was er alles fertiggebracht hat. Das Bildungszeitgesetz, das Landestariftreuegesetz, das Chancengleichheitsgesetz. Frau Scharf sagt dazu nur "schwarze Null". Und dass der Minister lieber Weltmarktführer hofiere sowie Awards an tarifflüchtige Mittelständler verteile.

Heidi Scharf 2010 vor Getrag in Untergruppenbach. Fotos: Joachim E. Röttgers
Heidi Scharf 2010 vor dem Getrag-Werk in Untergruppenbach. Fotos: Joachim E. Röttgers

Die 62-Jährige ist ein Urgestein der IG Metall, eine Institution im Hohenlohischen. Eine, die viele Schlachten geschlagen hat und weiß, wie mies die Stimmung bei den Malochern ist. Egal, wo sie hinkomme, erzählt sie, stoße sie auf ein "tief sitzendes Misstrauen" gegenüber der SPD. Agenda 2010, Hartz IV, Rente mit 67, der "Schröder-Schock" – alles hänge den Sozialdemokraten nach. Heidi Scharf sagt, sie sei Gewerkschafterin "mit Leib und Seele", unerschrocken und streitbar. Ihren Weltmarktführer, den Künzelsauer Schraubenkönig Reinhold Würth, nennt sie schon mal einen "autoritären Arbeitgeber", der nicht mehr in die Zeit passe. Sie ist Mitglied der Linken.

Lieber zu Angela Merkel als zu Sigmar Gabriel

Für die SPD ist das schwierig, gerade angesichts der verheerenden Umfragezahlen. Die Gewerkschaften waren für sie stets ein traditioneller Verbündeter, eine Vorfeldorganisation quasi, die ihr Wähler zutrieb. Bis Gerhard Schröder kam und ihnen vortrug, er sei nicht auf sie angewiesen. Und heute, berichten Kundige, gingen sie lieber zu Angela Merkel als zu Sigmar Gabriel.

In Baden-Württemberg haben die Gewerkschaften mehr als 800 000 Mitglieder, kein zu unterschätzender Faktor. Nach wie vor gilt zwar, dass ihre Spitzenfunktionäre in der Regel Sozialdemokraten sind und, wie der DGB, die "arbeitnehmerfreundliche Politik" der Stuttgarter Regierung loben, aber darunter hat sich vieles verschoben. Rote Parteibücher sind heute kein Muss mehr für Hauptamtliche, Linke und auch Grüne sind in die Gewerkschaftshäuser eingezogen. In Schwäbisch-Hall, Aalen, Ludwigsburg, Esslingen, Calw und Tauberbischofsheim sind die IGM- Bevollmächtigten Mitglieder der Linkspartei, bei Verdi Stuttgart ist die komplette Geschäftsführung dabei. Mit entsprechendem Einfluss nach drinnen und draußen.

Dieser Weg wird kein leichter sein.
Dieser Weg wird kein leichter sein.

Und jetzt noch Bernd Riexinger. Gewerkschaftssekretär seit 1991, bestens vernetzt bei Verdi und der IG Metall, geschätzt von Verdi-Chefin Leni Breymaier (SPD), Linken-Bundesvorsitzender und jetzt Spitzenkandidat bei der Landtagswahl. Der doppelte Riexinger lässt keine Gelegenheit aus, die Sozialdemokraten dort zu piesacken, wo es richtig wehtut: bei der Not ihrer Kernklientel. Bei den Mieten, den Löhnen, der sozialen Ungerechtigkeit. Selbst der CDU-Kandidat Guido Wolf, spottet der 60-Jährige, verlange mehr Geld für den sozialen Wohnungsbau als die SPD. Er wolle so viel wie die Linke.

Selbst der StZ-Chefredakteur kommt in die Parteizentrale

Jüngst hat Riexinger sogar Besuch vom Chefredakteur der "Stuttgarter Zeitung" bekommen. Das erstaunt, weil Joachim Dorfs normalerweise zum Gespräch in die Redaktion lädt und das Parteibüro in der Stuttgarter Marienstraße kein Hort gepflegter Gastlichkeit ist. Rote Plakate, harte Stühle, klappriger Aufzug. Eigentlich kein Ort für neoliberale Chefredakteure, aber es sei ein "gutes Interview" gewesen, findet Riexinger und bittet darum, die familiäre Psychologie nicht zu unterschätzen. Zu Hause erzählen zu können, dass man bei den Schmuddelkindern war, habe doch mal "etwas Exotisches". 

Damit nicht genug des Ungewöhnlichen. Wenige Tage nach der StZ-Visite überraschte die "Schwäbische Zeitung" mit einer Umfrage, die der Linken 5,5 Prozent bescheinigte. Ausgerechnet vom Monopolblatt aus dem schwarzen Oberschwaben, das bei Gott nicht im Verdacht steht, diese Partei qua Demoskopie fördern zu wollen. Bis dahin lautete die Prognose immer: drei Prozent plus ein bisschen. Riexinger hat's wohlgefällig wahrgenommen, als Bestätigung sozusagen für die eigene Empirie, die ihm einen "Aufwärtstrend" widerspiegelt. Die Leute seien wieder bereit, über etwas anderes als ihre Ängste, die Flüchtlingsfrage betreffend, zu sprechen. Er weiß von Straßendiskussionen zu berichten, bei denen auch wieder über Arm und Reich geredet werde.

SPD herzt Linke: Leni Breymeier (links) und Sybille Stamm.
SPD herzt Linke: Leni Breymaier (links) und Sybille Stamm.

Mit diesem Thema wollen die Linken nun verstärkt über die Lande ziehen. Dazu präsentieren sie eine respektable Liste von Gewerkschaftern, Betriebsräten und Vertrauensleuten. Unter den hundert Erstunterzeichnern ist auch Karl Reif, der stellvertretende Betriebsratschef bei Daimler Untertürkheim, "mehrere Hundert", so Riexinger, würden folgen. Mit dabei die frühere Landesvorsitzende von Verdi, Sybille Stamm, die anlässlich der 5,5 Prozent vor Freude "in die Luft gesprungen" ist. Sie wird, wie in alten Zeiten, morgens um sechs vor den Werkstoren von Daimler, Porsche und Bosch stehen und voll motiviert Flugblätter verteilen. Mit Vorliebe an die Daimler-Werker, die sie gerne nähmen, damit sie in der "Steinkühler-Pause" etwas zu lesen haben. Zur Erinnerung: Franz Steinkühler, SPD, einst IGM-Chef in Baden-Württemberg, hat 1973 eine Erholungszeit von fünf Minuten je Arbeitsstunde ausgehandelt. 

Arm in Arm: Gewerkschafter, S-21-Gegner und die Linke

Gewerkschafterin Stamm war 37 Jahre bei der SPD, ehe sie 2007 zur Linken wechselte. Und dort folgte die Rolle als Brückenkopf zur S-21-Bewegung, die sich in einer zweiten Kampagne der Partei wiederfindet. Angeführt von Hannes Rockenbauch, dem ehemaligen Sprecher des Aktionsbündnisses, wollen ganz viele "Bewegung in den Landtag" bringen. Von Peter Dübbers über Guntrun Müller-Ensslin bis Jürgen Rochlitz sind nahezu alle dabei, die in der Garde der Gegner einen Namen haben. Ihr Ziel: via Linke der außerparlamentarischen Opposition Gehör verschaffen im Hohen Haus.

Nils Schmid bei Festo-Chef Peter Post.
Nils Schmid bei Festo-Chef Peter Post.

Auch das zielt zuerst auf die SPD, danach auf die Grünen. Mit ihrem beinharten Pro-S-21-Kurs haben Nils Schmid und sein Fraktionschef Claus Schmiedel die eigene Partei gespalten, ganz zu schweigen vom Lager der Bahnhofsgegner. Der Rollenwechsel der Grünen, von anti zu pro, dürfte Rockenbauch & Co. ebenfalls Stimmen bringen. Und mittendrin steht Leni Breymaier, die einst erfolglos versucht hat, zwischen den Kontrahenten zu vermitteln.

Als Vize-Landesvorsitzende geht sie heute für eine Partei in die Bütt, deren Vormann sie nicht gewählt, deren Kurs sie nicht nur einmal kritisiert hat. Sie hätte gerne die linke Sozialdemokratin Hilde Mattheis gehabt. Und dennoch kämpft sie, weil ihre "Leidenschaftsthemen" nur mit der SPD mehrheitsfähig seien, meint sie. Themen, die sich mit jenen der Linken decken. Nils Schmid sei nun mal "keine Rampensau", sagt sie, das hätten alle gewusst, die für ihn gestimmt haben. Sie mag sich trösten lassen vom Kollegen Riexinger, der Ausschläge nach allen Seiten für möglich hält. 30 bis 40 Prozent des Wahlvolks seien unentschieden, berichten ihm die Demoskopen. Wer weiß, für wen das gut ist.


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Kommentare

Rolf Steiner, 23.02.2016 14:53
@ Blender, 22.02.2016 15:36 Natürlich könnte man Peter Weiss' Argumente auch so lesen. Aber er meint deutlich, dass sich die gesamte Linke nicht auf Dauer zerfleischen sollte - dass nur gemeinsam eine bessere Welt geschaffen werden kann. Das immer noch um sich greifende linke "Sektierertum" sollte endlich mal den Rechten vorbehalten bleiben.

Blender, 22.02.2016 15:36
@Rolf Steiner, 20.02.2016

Wenn ich mir den Lebenslauf Luckes so anschaue und in Bezug setze zum Aktionismus der CSU und der CDU Hardliner, dann gilt das Zitat von Peter Weiss aktuell doch wohl eher für das Rechte Spektrum. Sie alle wollen gerne 4-5 Jahre auf Staatskosten Diäten kassieren, ist doch klar dass es den Gierigen am Wenigsten um gute Politik geht, sondern um Populismus und Sabotage der Demokratie von innen heraus.

Rolf Steiner, 20.02.2016 12:05
Als Lektüre für SPD-Linke, Linke und links verortete Grüne dringend empfohlen: "...blind geworden vom langen Kampf würden sie, die sich auflehnten nach oben, auch herfallen übereinander, einander würgen und zerstampfen......" Quelle: Peter Weiss, Die Ästhetik des Widerstands.

Claus Stroheker, 19.02.2016 16:38
Was die Gemeinsamkeit von LINKE und SPD am politischen Geschehen angeht - "anstatt einander auszuschliessen" -, weiss ich natürlich, dass es gegenseitige Schuldvorwürfe, vor allem aus der Historie beider Parteien seit 1914, gibt, die dies undenkbar erscheinen lassen.

Merkwürdig empfinde ich es nur, dass bei beiden Parteien, wenn es in Gesprächen und Diskussionen um Fragen eines Miteinander geht, der rationale Intellekt aus- und der emotionale Schmerz reflexartig angeschaltet wird.

Um es auf die aktuelle Situation im ba-wü Wahlkampf zu beziehen, heisst dies: Rational wäre - und würde auch dem Wahlziel, die CDU von der Regierung fernzuhalten, entsprechen -, wenn die LINKE nun, wenige Wochen vor der LT-Wahl, zur Wahl bspw. der GRÜNEN aufrufen würde.

Ich kenne keine Meinungsumfrage, die die LINKE im Parlament sieht. Selbst wenn sie nun feststellt, dass sie im demoskopischen Aufwind sei, so ist ein Einzug in's Parlament unwahrscheinlich; wahrscheinlicher ist, dass der auf die LINKE letztendlich entfallende Stimmenanteil der grün-roten Regierungskoalition fehlen dürfte, um weiter regieren zu können.

Auch wenn eine grün-rote Regierungskoalition nun nicht das Wahlprogramm der LINKEN umsetzen würde, sondern davon deutlich abweichen würde, so wäre eine grün-rote Regierung besser als eine von der CDU geführte.

Nur, dazu müsste eben die Vernunft in's Spiel kommen und nicht die Emotion das Spiel bestimmen. Eigentlich ist es ein biblischer Ansatz, der sagt, man solle, bevor man den Anderen bewertet, zunächst sich selbst bewerten ... - vielleicht schmeißt ja doch irgendwann "der Herr no a bissle Hirn ra".

Claus Stroheker, 19.02.2016 15:53
Hallo Herr Grimm,

das, was Sie nach meiner Wahrnehmung völlig richtig beschreiben - nämlich dass für einen minimalen Vorteil gegenüber den KollegInnen die Solidarität geopfert wird -, gilt für Angestellte ebenso (oder vielleicht sogar noch ein bisschen mehr); dabei habe ich weniger die Angestellten in den Industriebetrieben als vielmehr die Angestellten in den Dienstleistungsbetrieben "im Auge".

Ich halte es auch für problematisch, wenn Gewerkschaftsfunktionäre ihre Parteimitgliedschaft und ihre Mitarbeit in einer Partei so schon fast in den Mittelpunkt stellen wie dies zwischenzeitlich und hauptsächlich in Verbindung mit der LINKE geschieht.

Viele der vor allem die in den Dienstleistungsbetrieben Arbeitenden sind auf Gewerkschaft nur schwer ansprechbar (ausser es gibt einen konkreten Anlass, wie z.B. die Arbeitsbedingungen bei der damaligen Firma SCHLECKER, oder die Tarifgehälter von Erzieherinnen in Kindergärten, des Pflegepersonals in Krankenhäuser und Ähnliches mehr); dort ist die Mitgliedschaft und Mitarbeit bei der LINKEN eine zusätzliche Hürde, um diese Angestellten für die Gewerkschaft zu öffnen.

Friedrich Grimm, 19.02.2016 13:59
"Die Gewerkschaften, die natürlichen Verbündeten der SPD."
Wenn das der Fall wäre, oder in die Vergangenheit geblickt gewesen wäre, dann hätte es niemals 16 lange Jahre Kohl gegeben.

Der Arbeiter war sich schon immer selber der größte Feind. Das beginnt bereits in den Betrieben, wo ein scheinbar kleiner Vorteil gegenüber den Kollegen/Kolleginnen die Solidarität kaputt gehen lässt.
Es wäre zu wünschen, dass Die Linke und SPD gemeinsam am politischen Geschehen beteiligt wären anstatt einander auszuschließen.

Heinz Greiner, 19.02.2016 12:20
@ruch

zum Verständnis , allerhöchstverehrtester Herr Ruch :

unter Salonlinken verstehe ich die Personen in den linken oder angeblich linken Parteien , die in keine gesetzliche Kasse reinlöhnen und die Leistungen fordern für deren Bezahlung sie nicht herangezogen werden .
Als Extrembeispiel die Lehrer , die 9 Monate im Jahr arbeiten und eine Pension oberhalb des Doppelten der gesetzlichen Höchstrente als angemessen betrachten ohne eigenen Beitrag ,versteht sich .
Die durchseuchen Politik und Leserbriefspalten . Ersatzweise streikt die ebenso verehrte Fr. Breymaier für die jährliche Pensionserhöhung , die ein x faches der Rentenerhöhung beträgt , seit 82 in übrigen .

Horst Ruch, 19.02.2016 09:48
...also wenn nur Fundamentalisten in der Linke Platz haben dürfen, dann bleibt für die Salonlinken eben nichts anderes übrig als nicht zu wählen noch wählen lassen. So verstehe ich zumindest den Kommentar von @Greiner. Was im weiteren Sinne letztlich für alle Parteien gilt.

Blinkfeuer, 18.02.2016 10:43
Zu "Gewerkschaften sind die natürlichen Verbündeten der SPD."
Als die IGM mich wg. irgendeiner Aktion zum Mitmachen anmailte, wollte ich wissen, ob der Riester auch noch Mitglied ist. Wurde nicht verraten. Datenschutz. Dann eben nicht, mit so einem im Umfeld mach ich N I X mit.

Heinz Greiner, 18.02.2016 09:35
@Ruch ,

wenn eine Partei sich links nennt und exakt das nicht fordert , dann hat sie keine Daseinsberechtigung .
Wenn man immer wenn die andern Parteien eine Aktion auf Kosten der Arbeitnehmer starten ,nur zu einer schnell vergessenen Gegenrede oder gar einer der vielen Pressemitteilungen fähig ist , dann hat man keine Daseinsberechtigung .
(Dazu muß niemand in ein Parlament . Das gehört in Stuttgart ohnehin halbiert , die Aufgaben sind kleiner und das Parlament größer geworden .)
Ein Dilemma ist sicher , daß Salonlinke , Herr Ruch, sich in dieser Partei finden , ebenso wie Karrieristen , die von der Politik leben müssen , weil sie anders keinen Fuß auf den Boden bringen .
Vergessen wer die Linke gegründet hat und wofür ?

Horst Ruch, 17.02.2016 18:42
an @ Greiner. Wenn die Linke dies alles in ihrem Wahlprogramm offenlegen würde, dann hätte sie bereits jetzt verloren. Denn wie wir - zumindest in Stuttgart- wissen sind solche Wahlversprechen nur Luftblasen. Lange überfällig ist zunächst doch nur, daß überhaupt eine (möglichst) starke Opposition endlich im Landtag BW für Bewegung sorgt.

Heinz Greiner, 17.02.2016 07:58
Ich komme zurück auf einen früheren Kommentar :

Wo fordert die " Linke " konsistent :

Bürgerversicherung
GKV für alle
Pensionen an Renten anpassen
Besteuerung der Renten zurücknehmen
Beihilfe abschaffen
Riester weg - Zuerst für Beamte
Kein Zugriff auf Sozialkassen für Flüchtlinge
Gesundheitsfond nicht ausplündern
Reklame der Kassen abschaffen

Es ist noch kein Ausweis anständiger Gesinnung
Gewerkschaftsfunktionär zu sein .

Veröffentlichung der Zusatzeinnahmen/Versicherungen
der Funktionäre habe ich noch nie gesehen .

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