KONTEXT Extra:
S 21-Bürgerbegehren in der nächsten Runde

Bei neun Gegenstimmen und sechs Enthaltungen hat der Stuttgarter Gemeinderat die beiden Bürgerbegehren zu Stuttgart 21 abermals als rechtlich nicht zulässig abgelehnt. Hannes Rockenbauch, der Sprecher von SÖS/Linke-plus, bewertet die Darlegungen der Mehrheit als nicht schlüssig. Gerade die Tatsache, dass die Bahn jetzt vor Gericht ziehe, sei Beleg für den Entfall der "Geschäftsgrundlage zur Finanzierung von Stuttgart 21". Der Gutachter der Stadt, Christian Kirchberg, argumentiert mit Blick auf "Storno 21", dass eine Veränderung der Kostensituation nach dem Willen der Vertragspartner "gerade nicht zu einem Ausstieg aus dem Projekt führen sollte". Für diesen Fall sei vielmehr die Sprechklausel vereinbart worden, die aber nur das Land und die Bahn betrifft. Für das Bürgerbegehren "Ausstieg der Stadt Stuttgart aus S 21 aufgrund des Leistungsrückbaus" sieht Kirchberg ebenfalls keinen Wegfall, vielmehr "würde sich die Stadt vertragsbrüchig verhalten, wenn sie die Verträge kündigte". Die Leistungsfähigkeit des Schienenverkehrs - Hauptanliegen des angestrebten Bürgerbegehrens - falle nicht in die kommunale Zuständigkeit. Daher, so Kirchberg, "wäre die Stadt auch gar nicht berechtigt". Der Gemeinderat hatte die Bürgerbegehren im Sommer 2015 schon einmal abgelehnt. Die Initiatoren widersprachen. Mit der Mehrheit von 42 Stimmen wurde am Donnerstagabend festgesstelllt, "dass diesen Widersprüchen nicht abgeholfen werden kann", wie es in der Pressemitteilung der Stadt heißt. Nun würde die Entscheidung dem Regierungspräsidium Stuttgart vorgelegt. Gegen einen Widerspruch sei dann der Klageweg eröffnet. (09.12.2016)


Räuberpreis für Wolfgang Niedecken

Der Whistleblower Edward Snowden hat ihn verliehen bekommen, ebenfalls die Initiative "Wunsiedel ist bunt - nicht braun" für den Spendenmarsch "Rechts gegen Rechts". In diesem Jahr ging der "Widerstandspreis der Freunde der Räuberhöhle" an Wolfgang Niedecken, Frontmann von BAP – für mehr als 40 Jahre konsequenten Einsatzes für Toleranz und gegen Rechts.

Seit zwei Jahren verleiht die antifaschistische Gruppe rund um den Aktivisten Made Höld und die linke Szene-Kneipe "Räuberhöhle" in Ravensburg den Preis an Personen, die sich im Sinne einer bunten und gerechten Gesellschaft engagieren. Der Widerstandspreis selbst ist geklaut: Bis 2010 haben sich Rechtsradikale gegenseitig damit ausgezeichnet, dann kaperten Höld und seine Räuber die Auszeichnung von links.

Made Höld ist der wohl bunteste Hund in ganz Oberschwaben. Immer wieder machen er und seine Bande mit durchdachten und öffentlichkeitswirksamen Aktionen auf sich aufmerksam. Höld bewarb sich einmal als Landrat, um den Filz aufzuzeigen, der bei dieser Wahl vorherrscht. Er und seine Gruppe organisierten eine digitale Menschenkette gegen Rechts und boten Edward Snowden exterritoriales Asyl in ihrer Kneipe an. (8.12.2016)


Kretschmann Schirmherr für 199 kleine Helden

Ihr Dokumentarfilm hat bei drei Kinderfilmfestivals Preise abgeräumt, zuletzt in Chicago. Klar, dass sich die Regisseurin Sigrid Klausmann über diese Auszeichnungen freut. Seit Jahren begleitet die Stuttgarterin für ihr Filmprojekt "199 kleine Helden" Kinder weltweit auf ihrem Schulweg. Sie redet mit ihnen über ihre Ängste und Wünsche und darüber, wie sich die kleinen Protagonisten die Zukunft vorstellen. Daraus hat Klausmann den preisgekrönten Dokumentarfilm "Nicht ohne uns!" gemacht. Bereits diesen Sonntag (4.12.) wird er im Stuttgarter Metropol Kino gezeigt (16 Uhr), der offizielle Kinostart ist am 19. Januar.

Dass Stuttgart so früh dran ist, liegt mit daran, dass der Stuttgarter OB Fritz Kuhn die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen hat. Zusammen mit der Schauspielerin Senta Berger, die sich nun allerdings altersbedingt zurückzieht. Demnächst werden Sigrid Klausmann und ihre kleinen Helden neue Schirmeltern bekommen: Winfried Kretschmann und Hannelore Kraft, die Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Beide Länder unterstützen die kleinen Helden über ihre Landesfilmförderung.

Die Stuttgarter Preview am Sonntag wird ein Familienfest werden. Die Regisseurin Sigrid Klausmann wird ebenso vor Ort sein wie ihr Mann Walter Sittler (Produzent) und die Tochter Lea. Die Musikerin hat den Titelsong zum Film der Mutter komponiert. (2.12.2016)


Im Hajek-Haus soll wieder Feuer brennen

Das Trauerspiel um das Hajek-Haus mag jetzt zumindest die Fraktion SÖS/Linke/Plus nicht mehr mit ansehen. Sie will, per Antrag im Stuttgarter Gemeinderat, dass die Stadt das Kultur-Denkmal "vor dem Verfall" rettet. Wie in Kontext ausführlich berichtet steht die Villa an der Hasenbergsteige 65 seit dem Tod des Bildhauers (2005) leer. Vor fünf Jahren kaufte sie der Möbelfabrikant Markus Benz und ließ sie – Denkmalschutz hin oder her – entkernen. Das wiederum gefiel den behördlichen Denkmalschützern nicht, die sich auf den Gerichtsweg machten, bis heute ohne Ergebnis.

Und seitdem rottet das Haus in bester Halbhöhenlage vor sich hin. Die kulturpolitische Sprecherin der Fraktionsgemeinschaft, Guntrun Müller-Enßlin, vermutet, dass der Möbelmensch auf einen Abriss, und damit eine "verdeckte Immobilienspekulation" hin arbeitet. Stadträtin Laura Halding-Hoppenheit erinnert an die Tradition des Hauses, in dem auch schon Willy Brandt Rotwein trank. Die Villa sei ein Treffpunkt für Menschen gewesen, die etwas bewegen wollten, und dieses "Feuer muss weiter brennen", sagt sie.(30.11.2016)


Das Geschäft mit Waffen läuft

Heckler & Koch hat einen Großauftrag erhalten und wird französische Soldaten aller drei Teilstreitkräfte ab 2017 zehn Jahre lang mit 100 000 Sturmgewehren vom Typ HK 416 ausstatten. Es soll um ein Volumen von 300 Millionen Euro gehen. Der Rüstungsauftrag, heißt es in Paris, werde "die soliden Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich im Verteidigungssektor und besonders in der Rüstungsindustrie" stärken. Die Nachbarn stehen also auf der Liste der sogenannten "grünen Länder", denn – immerhin – nur die sollen weiter beliefert werden.

Am Montagmorgen wurde bekannt, dass der Oberndorfer Waffenhersteller Neugeschäfte allein mit Staaten abschließen will, die demokratisch und nicht korrupt sind. Nach einer Meldung der Deutsche-Presse-Agentur würden damit Kunden wie Saudi-Arabien, Mexiko, Brasilien, Indien oder die Türkei wegfallen. Alte Aufträge sollen allerdings abgewickelt werden, gerade auch mit den Saudis. Das Unternehmen wartet aktuell auf die Genehmigung deutscher Behörden zur Ausfuhr unter anderen von Bauteilen für eine Gewehrfabrik.

Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte bei seinem Auftritt kürzlich auf dem Bundesparteitag der Grünen in Münster ausdrücklich die Politik in der Pflicht gesehen: "Wohin wir exportieren, das muss die Politik entscheiden." Zugleich machte er klar, dass es für sein Unternehmen um 3500 von 100 000 Trucks gehe. Appelle, freiwillig auf deren Verkauf zu verzichten, verhallten bisher ungehört. (28.11.2016)


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Ausgabe 255
Politik

Die scharfe Linke

Von Josef-Otto Freudenreich
Datum: 17.02.2016
Die Gewerkschaften sind die natürlichen Verbündeten der SPD. So hieß es. Doch in ihrem Apparat macht sich die Linke breit. Und die zielt auf die gleiche Klientel. Damit wird es für die Genossen noch enger vor der Wahl.

Die Maultaschen im Neuen Schloss haben Heidi Scharf, die Frontfrau der IG Metall Schwäbisch-Hall, auch nicht getröstet. Nils Schmid (SPD) hatte die Bevollmächtigten der Gewerkschaft Ende Januar geladen, um ihnen zu erläutern, was er alles fertiggebracht hat. Das Bildungszeitgesetz, das Landestariftreuegesetz, das Chancengleichheitsgesetz. Frau Scharf sagt dazu nur "schwarze Null". Und dass der Minister lieber Weltmarktführer hofiere sowie Awards an tarifflüchtige Mittelständler verteile.

Heidi Scharf 2010 vor Getrag in Untergruppenbach. Fotos: Joachim E. Röttgers
Heidi Scharf 2010 vor dem Getrag-Werk in Untergruppenbach. Fotos: Joachim E. Röttgers

Die 62-Jährige ist ein Urgestein der IG Metall, eine Institution im Hohenlohischen. Eine, die viele Schlachten geschlagen hat und weiß, wie mies die Stimmung bei den Malochern ist. Egal, wo sie hinkomme, erzählt sie, stoße sie auf ein "tief sitzendes Misstrauen" gegenüber der SPD. Agenda 2010, Hartz IV, Rente mit 67, der "Schröder-Schock" – alles hänge den Sozialdemokraten nach. Heidi Scharf sagt, sie sei Gewerkschafterin "mit Leib und Seele", unerschrocken und streitbar. Ihren Weltmarktführer, den Künzelsauer Schraubenkönig Reinhold Würth, nennt sie schon mal einen "autoritären Arbeitgeber", der nicht mehr in die Zeit passe. Sie ist Mitglied der Linken.

Lieber zu Angela Merkel als zu Sigmar Gabriel

Für die SPD ist das schwierig, gerade angesichts der verheerenden Umfragezahlen. Die Gewerkschaften waren für sie stets ein traditioneller Verbündeter, eine Vorfeldorganisation quasi, die ihr Wähler zutrieb. Bis Gerhard Schröder kam und ihnen vortrug, er sei nicht auf sie angewiesen. Und heute, berichten Kundige, gingen sie lieber zu Angela Merkel als zu Sigmar Gabriel.

In Baden-Württemberg haben die Gewerkschaften mehr als 800 000 Mitglieder, kein zu unterschätzender Faktor. Nach wie vor gilt zwar, dass ihre Spitzenfunktionäre in der Regel Sozialdemokraten sind und, wie der DGB, die "arbeitnehmerfreundliche Politik" der Stuttgarter Regierung loben, aber darunter hat sich vieles verschoben. Rote Parteibücher sind heute kein Muss mehr für Hauptamtliche, Linke und auch Grüne sind in die Gewerkschaftshäuser eingezogen. In Schwäbisch-Hall, Aalen, Ludwigsburg, Esslingen, Calw und Tauberbischofsheim sind die IGM- Bevollmächtigten Mitglieder der Linkspartei, bei Verdi Stuttgart ist die komplette Geschäftsführung dabei. Mit entsprechendem Einfluss nach drinnen und draußen.

Dieser Weg wird kein leichter sein.
Dieser Weg wird kein leichter sein.

Und jetzt noch Bernd Riexinger. Gewerkschaftssekretär seit 1991, bestens vernetzt bei Verdi und der IG Metall, geschätzt von Verdi-Chefin Leni Breymaier (SPD), Linken-Bundesvorsitzender und jetzt Spitzenkandidat bei der Landtagswahl. Der doppelte Riexinger lässt keine Gelegenheit aus, die Sozialdemokraten dort zu piesacken, wo es richtig wehtut: bei der Not ihrer Kernklientel. Bei den Mieten, den Löhnen, der sozialen Ungerechtigkeit. Selbst der CDU-Kandidat Guido Wolf, spottet der 60-Jährige, verlange mehr Geld für den sozialen Wohnungsbau als die SPD. Er wolle so viel wie die Linke.

Selbst der StZ-Chefredakteur kommt in die Parteizentrale

Jüngst hat Riexinger sogar Besuch vom Chefredakteur der "Stuttgarter Zeitung" bekommen. Das erstaunt, weil Joachim Dorfs normalerweise zum Gespräch in die Redaktion lädt und das Parteibüro in der Stuttgarter Marienstraße kein Hort gepflegter Gastlichkeit ist. Rote Plakate, harte Stühle, klappriger Aufzug. Eigentlich kein Ort für neoliberale Chefredakteure, aber es sei ein "gutes Interview" gewesen, findet Riexinger und bittet darum, die familiäre Psychologie nicht zu unterschätzen. Zu Hause erzählen zu können, dass man bei den Schmuddelkindern war, habe doch mal "etwas Exotisches". 

Damit nicht genug des Ungewöhnlichen. Wenige Tage nach der StZ-Visite überraschte die "Schwäbische Zeitung" mit einer Umfrage, die der Linken 5,5 Prozent bescheinigte. Ausgerechnet vom Monopolblatt aus dem schwarzen Oberschwaben, das bei Gott nicht im Verdacht steht, diese Partei qua Demoskopie fördern zu wollen. Bis dahin lautete die Prognose immer: drei Prozent plus ein bisschen. Riexinger hat's wohlgefällig wahrgenommen, als Bestätigung sozusagen für die eigene Empirie, die ihm einen "Aufwärtstrend" widerspiegelt. Die Leute seien wieder bereit, über etwas anderes als ihre Ängste, die Flüchtlingsfrage betreffend, zu sprechen. Er weiß von Straßendiskussionen zu berichten, bei denen auch wieder über Arm und Reich geredet werde.

SPD herzt Linke: Leni Breymeier (links) und Sybille Stamm.
SPD herzt Linke: Leni Breymaier (links) und Sybille Stamm.

Mit diesem Thema wollen die Linken nun verstärkt über die Lande ziehen. Dazu präsentieren sie eine respektable Liste von Gewerkschaftern, Betriebsräten und Vertrauensleuten. Unter den hundert Erstunterzeichnern ist auch Karl Reif, der stellvertretende Betriebsratschef bei Daimler Untertürkheim, "mehrere Hundert", so Riexinger, würden folgen. Mit dabei die frühere Landesvorsitzende von Verdi, Sybille Stamm, die anlässlich der 5,5 Prozent vor Freude "in die Luft gesprungen" ist. Sie wird, wie in alten Zeiten, morgens um sechs vor den Werkstoren von Daimler, Porsche und Bosch stehen und voll motiviert Flugblätter verteilen. Mit Vorliebe an die Daimler-Werker, die sie gerne nähmen, damit sie in der "Steinkühler-Pause" etwas zu lesen haben. Zur Erinnerung: Franz Steinkühler, SPD, einst IGM-Chef in Baden-Württemberg, hat 1973 eine Erholungszeit von fünf Minuten je Arbeitsstunde ausgehandelt. 

Arm in Arm: Gewerkschafter, S-21-Gegner und die Linke

Gewerkschafterin Stamm war 37 Jahre bei der SPD, ehe sie 2007 zur Linken wechselte. Und dort folgte die Rolle als Brückenkopf zur S-21-Bewegung, die sich in einer zweiten Kampagne der Partei wiederfindet. Angeführt von Hannes Rockenbauch, dem ehemaligen Sprecher des Aktionsbündnisses, wollen ganz viele "Bewegung in den Landtag" bringen. Von Peter Dübbers über Guntrun Müller-Ensslin bis Jürgen Rochlitz sind nahezu alle dabei, die in der Garde der Gegner einen Namen haben. Ihr Ziel: via Linke der außerparlamentarischen Opposition Gehör verschaffen im Hohen Haus.

Nils Schmid bei Festo-Chef Peter Post.
Nils Schmid bei Festo-Chef Peter Post.

Auch das zielt zuerst auf die SPD, danach auf die Grünen. Mit ihrem beinharten Pro-S-21-Kurs haben Nils Schmid und sein Fraktionschef Claus Schmiedel die eigene Partei gespalten, ganz zu schweigen vom Lager der Bahnhofsgegner. Der Rollenwechsel der Grünen, von anti zu pro, dürfte Rockenbauch & Co. ebenfalls Stimmen bringen. Und mittendrin steht Leni Breymaier, die einst erfolglos versucht hat, zwischen den Kontrahenten zu vermitteln.

Als Vize-Landesvorsitzende geht sie heute für eine Partei in die Bütt, deren Vormann sie nicht gewählt, deren Kurs sie nicht nur einmal kritisiert hat. Sie hätte gerne die linke Sozialdemokratin Hilde Mattheis gehabt. Und dennoch kämpft sie, weil ihre "Leidenschaftsthemen" nur mit der SPD mehrheitsfähig seien, meint sie. Themen, die sich mit jenen der Linken decken. Nils Schmid sei nun mal "keine Rampensau", sagt sie, das hätten alle gewusst, die für ihn gestimmt haben. Sie mag sich trösten lassen vom Kollegen Riexinger, der Ausschläge nach allen Seiten für möglich hält. 30 bis 40 Prozent des Wahlvolks seien unentschieden, berichten ihm die Demoskopen. Wer weiß, für wen das gut ist.


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Kommentare

Rolf Steiner, 23.02.2016 14:53
@ Blender, 22.02.2016 15:36 Natürlich könnte man Peter Weiss' Argumente auch so lesen. Aber er meint deutlich, dass sich die gesamte Linke nicht auf Dauer zerfleischen sollte - dass nur gemeinsam eine bessere Welt geschaffen werden kann. Das immer noch um sich greifende linke "Sektierertum" sollte endlich mal den Rechten vorbehalten bleiben.

Blender, 22.02.2016 15:36
@Rolf Steiner, 20.02.2016

Wenn ich mir den Lebenslauf Luckes so anschaue und in Bezug setze zum Aktionismus der CSU und der CDU Hardliner, dann gilt das Zitat von Peter Weiss aktuell doch wohl eher für das Rechte Spektrum. Sie alle wollen gerne 4-5 Jahre auf Staatskosten Diäten kassieren, ist doch klar dass es den Gierigen am Wenigsten um gute Politik geht, sondern um Populismus und Sabotage der Demokratie von innen heraus.

Rolf Steiner, 20.02.2016 12:05
Als Lektüre für SPD-Linke, Linke und links verortete Grüne dringend empfohlen: "...blind geworden vom langen Kampf würden sie, die sich auflehnten nach oben, auch herfallen übereinander, einander würgen und zerstampfen......" Quelle: Peter Weiss, Die Ästhetik des Widerstands.

Claus Stroheker, 19.02.2016 16:38
Was die Gemeinsamkeit von LINKE und SPD am politischen Geschehen angeht - "anstatt einander auszuschliessen" -, weiss ich natürlich, dass es gegenseitige Schuldvorwürfe, vor allem aus der Historie beider Parteien seit 1914, gibt, die dies undenkbar erscheinen lassen.

Merkwürdig empfinde ich es nur, dass bei beiden Parteien, wenn es in Gesprächen und Diskussionen um Fragen eines Miteinander geht, der rationale Intellekt aus- und der emotionale Schmerz reflexartig angeschaltet wird.

Um es auf die aktuelle Situation im ba-wü Wahlkampf zu beziehen, heisst dies: Rational wäre - und würde auch dem Wahlziel, die CDU von der Regierung fernzuhalten, entsprechen -, wenn die LINKE nun, wenige Wochen vor der LT-Wahl, zur Wahl bspw. der GRÜNEN aufrufen würde.

Ich kenne keine Meinungsumfrage, die die LINKE im Parlament sieht. Selbst wenn sie nun feststellt, dass sie im demoskopischen Aufwind sei, so ist ein Einzug in's Parlament unwahrscheinlich; wahrscheinlicher ist, dass der auf die LINKE letztendlich entfallende Stimmenanteil der grün-roten Regierungskoalition fehlen dürfte, um weiter regieren zu können.

Auch wenn eine grün-rote Regierungskoalition nun nicht das Wahlprogramm der LINKEN umsetzen würde, sondern davon deutlich abweichen würde, so wäre eine grün-rote Regierung besser als eine von der CDU geführte.

Nur, dazu müsste eben die Vernunft in's Spiel kommen und nicht die Emotion das Spiel bestimmen. Eigentlich ist es ein biblischer Ansatz, der sagt, man solle, bevor man den Anderen bewertet, zunächst sich selbst bewerten ... - vielleicht schmeißt ja doch irgendwann "der Herr no a bissle Hirn ra".

Claus Stroheker, 19.02.2016 15:53
Hallo Herr Grimm,

das, was Sie nach meiner Wahrnehmung völlig richtig beschreiben - nämlich dass für einen minimalen Vorteil gegenüber den KollegInnen die Solidarität geopfert wird -, gilt für Angestellte ebenso (oder vielleicht sogar noch ein bisschen mehr); dabei habe ich weniger die Angestellten in den Industriebetrieben als vielmehr die Angestellten in den Dienstleistungsbetrieben "im Auge".

Ich halte es auch für problematisch, wenn Gewerkschaftsfunktionäre ihre Parteimitgliedschaft und ihre Mitarbeit in einer Partei so schon fast in den Mittelpunkt stellen wie dies zwischenzeitlich und hauptsächlich in Verbindung mit der LINKE geschieht.

Viele der vor allem die in den Dienstleistungsbetrieben Arbeitenden sind auf Gewerkschaft nur schwer ansprechbar (ausser es gibt einen konkreten Anlass, wie z.B. die Arbeitsbedingungen bei der damaligen Firma SCHLECKER, oder die Tarifgehälter von Erzieherinnen in Kindergärten, des Pflegepersonals in Krankenhäuser und Ähnliches mehr); dort ist die Mitgliedschaft und Mitarbeit bei der LINKEN eine zusätzliche Hürde, um diese Angestellten für die Gewerkschaft zu öffnen.

Friedrich Grimm, 19.02.2016 13:59
"Die Gewerkschaften, die natürlichen Verbündeten der SPD."
Wenn das der Fall wäre, oder in die Vergangenheit geblickt gewesen wäre, dann hätte es niemals 16 lange Jahre Kohl gegeben.

Der Arbeiter war sich schon immer selber der größte Feind. Das beginnt bereits in den Betrieben, wo ein scheinbar kleiner Vorteil gegenüber den Kollegen/Kolleginnen die Solidarität kaputt gehen lässt.
Es wäre zu wünschen, dass Die Linke und SPD gemeinsam am politischen Geschehen beteiligt wären anstatt einander auszuschließen.

Heinz Greiner, 19.02.2016 12:20
@ruch

zum Verständnis , allerhöchstverehrtester Herr Ruch :

unter Salonlinken verstehe ich die Personen in den linken oder angeblich linken Parteien , die in keine gesetzliche Kasse reinlöhnen und die Leistungen fordern für deren Bezahlung sie nicht herangezogen werden .
Als Extrembeispiel die Lehrer , die 9 Monate im Jahr arbeiten und eine Pension oberhalb des Doppelten der gesetzlichen Höchstrente als angemessen betrachten ohne eigenen Beitrag ,versteht sich .
Die durchseuchen Politik und Leserbriefspalten . Ersatzweise streikt die ebenso verehrte Fr. Breymaier für die jährliche Pensionserhöhung , die ein x faches der Rentenerhöhung beträgt , seit 82 in übrigen .

Horst Ruch, 19.02.2016 09:48
...also wenn nur Fundamentalisten in der Linke Platz haben dürfen, dann bleibt für die Salonlinken eben nichts anderes übrig als nicht zu wählen noch wählen lassen. So verstehe ich zumindest den Kommentar von @Greiner. Was im weiteren Sinne letztlich für alle Parteien gilt.

Blinkfeuer, 18.02.2016 10:43
Zu "Gewerkschaften sind die natürlichen Verbündeten der SPD."
Als die IGM mich wg. irgendeiner Aktion zum Mitmachen anmailte, wollte ich wissen, ob der Riester auch noch Mitglied ist. Wurde nicht verraten. Datenschutz. Dann eben nicht, mit so einem im Umfeld mach ich N I X mit.

Heinz Greiner, 18.02.2016 09:35
@Ruch ,

wenn eine Partei sich links nennt und exakt das nicht fordert , dann hat sie keine Daseinsberechtigung .
Wenn man immer wenn die andern Parteien eine Aktion auf Kosten der Arbeitnehmer starten ,nur zu einer schnell vergessenen Gegenrede oder gar einer der vielen Pressemitteilungen fähig ist , dann hat man keine Daseinsberechtigung .
(Dazu muß niemand in ein Parlament . Das gehört in Stuttgart ohnehin halbiert , die Aufgaben sind kleiner und das Parlament größer geworden .)
Ein Dilemma ist sicher , daß Salonlinke , Herr Ruch, sich in dieser Partei finden , ebenso wie Karrieristen , die von der Politik leben müssen , weil sie anders keinen Fuß auf den Boden bringen .
Vergessen wer die Linke gegründet hat und wofür ?

Horst Ruch, 17.02.2016 18:42
an @ Greiner. Wenn die Linke dies alles in ihrem Wahlprogramm offenlegen würde, dann hätte sie bereits jetzt verloren. Denn wie wir - zumindest in Stuttgart- wissen sind solche Wahlversprechen nur Luftblasen. Lange überfällig ist zunächst doch nur, daß überhaupt eine (möglichst) starke Opposition endlich im Landtag BW für Bewegung sorgt.

Heinz Greiner, 17.02.2016 07:58
Ich komme zurück auf einen früheren Kommentar :

Wo fordert die " Linke " konsistent :

Bürgerversicherung
GKV für alle
Pensionen an Renten anpassen
Besteuerung der Renten zurücknehmen
Beihilfe abschaffen
Riester weg - Zuerst für Beamte
Kein Zugriff auf Sozialkassen für Flüchtlinge
Gesundheitsfond nicht ausplündern
Reklame der Kassen abschaffen

Es ist noch kein Ausweis anständiger Gesinnung
Gewerkschaftsfunktionär zu sein .

Veröffentlichung der Zusatzeinnahmen/Versicherungen
der Funktionäre habe ich noch nie gesehen .

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