KONTEXT Extra:
Korntal: Opfervertreter verlangen mehr Engagement der Landeskirche

Die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in der evangelischen Brüdergemeinde Korntal ist unterbrochen. Die Opfervertreter verlangen einstimmig, dass sich Frank Otfried July endlich entscheidend einbringt. "Wir werden nicht mehr mit den Brüdern sprechen", so Netzwerk-Sprecher Detlev Zander. Jetzt müsse "der Oberhirte, also der Bischof, ran". Im Betroffenen-Netzwerk organisiert, werfen mehr als 300 ehemalige Heimkinder der Brüdergemeinde vor, in den 1950er- bis 1980er-Jahren in deren zwei Einrichtungen sexuell missbraucht, misshandelt und gedemütigt worden zu sein.

Dass mehr Engagement von July gefordert wird, ist nicht neu. Im Sommer 2016 hatte einer der Betroffenen in einem langen Schreiben an den Landesbischof appelliert: "Die Kir¬che ist mit in der Verantwortung und wenn Sie als Oberhirte weiter schweigen, machen Sie sich persönlich schuldig. Die Heimopfer warten auf ein klärendes Wort von Ihnen." Denn die Korntaler Fürsorge habe "einen menschlichen Scherbenhaufen hinterlassen". (20.02.2017)


NSU-Ausschuss will weitere Akten

Der zweite parlamentarische Untersuchungsausschuss zum "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) geht auf die Suche nach zusätzlichen Akten, um dessen Verbindungen nach Baden-Württemberg besser auszuleuchten. Die Abgeordneten meinen, beim Generalbundesanwalt und/oder im Bundesamt für Verfassungsschutz fündig werden zu können. Beauftragt ist Bernd von Heintschel-Heinegg. Der Rechtswissenschaftler war schon für den ersten Ausschuss des Landtags und als Sonderermittler auch für den Bundestag tätig.

Zurückgestellt wurde in diesem Zusammenhang die Ladung von Mike Markus Friedel. Vor allem der NSU-Experte Hajo Funke hatte immer wieder darauf gedrängt, dass der gebürtige Sachse gehört wird. Dessen Name stand auf der sogenannten Garagenliste, die 1998 in Jena sichergestellt, aber erst mit großer zeitlicher Verzögerung detailliert ausgewertet wurde. Vor fast zwanzig Jahren zog er nach Heilbronn. "Markus Friedel war mit 'Erbse' (V-Mann), Torsten Ogertschnig, zusammen im Ländle im Gefängnis", schreibt Funke. Und von Friedel habe "Erbse" seine Kenntnisse über den NSU und Mundlos.

Bei einer Veranstaltung der "Anstifter" im Stuttgarter Kunstverein hat Rainer Nübel, der im ersten Ausschuss als Sachverständiger aufgetreten war, erneut von den Abgeordneten verlangt, sich ernsthafter mit der Anwesenheit ausländischer Geheimdienste am 25. April 2007 in Heilbronn zu befassen. An diesem Tag waren die Polizistin Michèle Kiesewetter ermordet und ihr Kollege Martin Arnold schwer verletzt worden. Der zweite Ausschuss hat bereits mehrere Zeugen vernommen. Jetzt ist ein Bericht beim Bundesnachrichtendienst angefordert.

Die nächste Ausschusssitzung beginnt am Freitag, den 24. Februar, um 9.30 Uhr im Landtag. Zwei Kriminalbeamtinnen sollen Auskünfte über die rechte Szene geben und die Verbindungen des NSU in den Südwesten. Geladen sind außerdem drei Zeuginnen, die Kontakt zu Beate Zschäpe gehabt haben sollen.

Auch die weiteren Sitzungstermine bis zur parlamentarischen Sommerpause sind festgelegt: 20. März, 28. April, 15. Mai, 19. Juni und der 17. Juli 2017.

Mehr zum Thema: "Geheimdienste im Fokus", "Eh-wurscht-Akten" 


WKZ liest mit

Anfang Januar hatte der Waiblinger Lokalhistoriker und Anstifter Ebbe Koegel sich darüber beschwert, dass das Land dem Firmengründer Andreas Stihl eine Kunstmedaille gewidmet hat. "Andreas Stihl war ein überzeugter Nazi, NSDAP-Mitglied seit 1933, seit 1935 SS-Mitglied mit dem Rang eines Hauptsturmführers (seit 1939)", schrieb er an Finanzministerin Edith Sitzmann. Die Waiblinger Kreiszeitung (WKZ) schwieg dazu - bis Kontext den Fall am 25. Januar aufgriff. Nun erschien am 11. Februar ein zweiseitiges Extra mit ausdrücklichem Bezug auf den Kontext-Artikel. Der Redakteur Peter Schwarz zitiert darin aus der 100-seitigen Entnazifizierungsakte. Die beiden Kinder Stihls, der langjährige IHK-Präsident Hans Peter Stihl und seine Schwester Eva Mayr-Stihl wurden befragt. Die Recherche ergibt, wie die WKZ selbst schreibt, ein "außerordentlich schillerndes Bild."

Der Redakteur zitiert mehrere Fremdarbeiter - den Begriff Zwangsarbeiter meidet er - die sich im Verfahren positiv über Stihl geäußert haben. Ein Slowake berichtet, Stihl habe einem Freund geholfen zu fliehen, der sich den Partisanen anschließen wollte. Ein Jugoslawe meinte, der Patriarch habe sich "mit großer Empörung geäußert über die Gemeinheit und den Terror des dritten Reiches", ein Holländer, er habe "gelitten, als er sehen musste, wie schmutzig dieses System war, und konnte doch nicht mehr von demselben weg." Der Betriebsrat sagte dagegen aus, Stihl sei "100 Prozent Nationalsozialist" gewesen, habe "mehrere seiner Lehrlinge zum Eintritt in die SS" bewogen und Regimekritiker als "Eiterbeulen" bezeichnet, denen er "in die Fresse" schlagen wolle. (16.2.2017)


Wüstenjubiläum: Fünf Jahre Parkräumung

Vor genau fünf Jahren, am 14. Februar 2012, räumten rund 2500 Polizeibeamte das Protestcamp der Stuttgart-21-Gegner im Mittleren Schlossgarten. Drei Tage später waren rund 180 teils bis zu 300 Jahre alte Bäume gefällt oder (ein kleiner Teil der jüngeren) verpflanzt, und einer der ehemals schönsten innerstädtischen Parks Deutschlands hatte sich in eine Schlammwüste verwandelt.

Zum fünften Jahrestag der Parkräumung wollen die Parkschützer am heutigen Dienstag daran erinnern, mit einer Versammlung und Kundgebung an der Lusthausruine im Mittleren Schlossgarten um 17 Uhr. Es soll Reden, Musik und Gedichte geben, anschließend einen Demozug durch die Königstraße.

Kontext hat damals mit einer Reportage von der Parkräumung berichtet – und danach immer wieder von der erstaunlich langen Untätigkeit oder auch von Baufortschritt vorgaukelnden Alibi-Arbeiten. (14.2.2017)


Jörg Meuthen weiter an Björn Höckes Seite

Im vergangenen Sommer hatte der AfD-Rechtsaußen Björn Höcke seinen Bundesparteichef als "meinen verehrten Freund" begrüßt. Und Jörg Meuthen rückte sich selbst, auf dem Kyffhäuser-Treffen, zu dem ihn die Ultras geladen hatte, in die Nähe der besonders weit rechts stehenden parteiinternen Gruppierung "Der Flügel": Er wolle gar nicht als liberaler Kopf der Partei bezeichnet werden, sondern er stehe für "ein gemeinsames Wertefundament". Da hatte Höcke gerade alle anderen Parteien in Deutschland für "inhaltlich entartet" erklärt. Der Schulterschluss hält auch aktuell: Meuthen stellt sich gegen den Rausschmiss, den – wie am Montag bekannt wurde – der Bundesvorstand gegen den Thüringer Landes- und Fraktionschef anstrengt.

Nicht zum ersten Mal. Denn Höcke sollte 2015 schon einmal mit einem Verfahren überzogen werden. Da ging es ebenfalls um eine rassistische Rede, um Aussagen wie, man könne "nicht jedes einzelne NPD-Mitglied als extremistisch einstufen" und um den Vorwurf, Höcke schreibe unter Pseudonym für NPD-Publikationen. Meuthen äußerte sich reichlich schwammig, nahm für sich in Anspruch "als erster aus dem Bundesvorstand scharf reagiert zu haben". Zugleich erklärte er allerdings, dass Höckes "Äußerungen ohne weiteres als rassistisch interpretiert werden können – wobei man darüber diskutieren kann, ob sie es tatsächlich sind". Hans-Olaf Henkel, damals noch AfD-Mitglied, konterte unmissverständlich: "Herr Meuthen ist für mich ein klassischer Schattenboxer." Nach außen tue er immer wieder so, als würde er sich gegen den rechtsnationalen Flügel stellen, nach innen agiere er völlig anders. (13.2.2017)


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Hat die Absicht eine Mauer zu bauen: US-Präsident Donald Trump. Foto: gemeinfrei

Hat die Absicht eine Mauer zu bauen: US-Präsident Donald Trump. Foto: gemeinfrei

Ausgabe 306
Wirtschaft

Auf die Mauer lauern

Von Minh Schredle
Datum: 08.02.2017
Trump macht ernst mit dem Mauerbau und die Aktienkurse von Zementherstellern aus aller Welt schießen in ungeahnte Höhen. Vorne mit dabei ist HeidelbergCement AG, deren Chef schon früh Interesse am Bollwerk bekundete.

Wie war das schön, als man noch spotten konnte. Damals, vor wenigen Monaten, als ein Präsident Trump noch zu abwegig erschien, um Wirklichkeit zu werden, als der Wahlkämpfer Trump den Mauerbau zu Mexiko ausrief, um "Vergewaltiger und Drogendealer" fernzuhalten. Als ihm entfesselte Menschenmengen beseelt zujubelten: "We want that wall! We want that wall!" Und selbst nach Trumps Wahlsieg verblieb zumindest ein bisschen Hoffnung, dass sein Geschwätz bloß Geschwätz bleiben würde.

Aber der Mann meint es ernst. Seit der Amtseinführung unterschreibt er Dekrete in einem Tempo, bei dem andere schon längst eine Sehnenscheidenentzündung hätten. Nur fünf Tage nach seinem Einzug ins Weiße Haus hat er die executive order zum Mauerbau auf den Weg gebracht. Die treuen Trump-Fans freut's, die finden: "Endlich ein Politiker, der seine Wahlversprechen einhält." In der Gesamtbevölkerung hingegen hat der 45. Präsident zwei Wochen nach Amtsantritt die niedrigsten Zustimmungswerte in der Geschichte der USA.

Manche allerdings profitieren von Präsident Donald Trump. Einer davon ist Bernd Scheifele, der Chef von HeidelbergCement. Der hat bisher zwei größere Auftritte geschafft. Einmal im August 2010, als er auf Initiative von E.ON, RWE, Vattenfall und EnBW den sogenannten Energiepolitischen Appell unterzeichnete, der eine Laufzeitverlängerung deutscher Atomkraftwerke forderte. Und zuletzt, als er sich im Herbst 2016, unmittelbar nach Trumps Wahlerfolg, "mittelfristig positive Effekte für unsere Industrie" versprach – unter anderem durch den Mauerbau.

Recht sollte er behalten: Die Aktienkurse von Zementherstellern weltweit werden vom Trumpschen Bauwerk beflügelt und HeidelbergCement ist ganz vorn mit dabei. Innerhalb einer Woche steigerte sich der Aktienwert um satte zehn Prozentpunkte und schoss noch am 10. November auf ein Jahreshoch von 94,59 Euro, nur einen Tag nach der US-Wahl. Danach ging's wieder ein wenig bergab, aber seit Trump am 25. Januar den Mauerbau anordnete und den Beschluss per Twitter verkündete, herrscht neue Konjunktur: plus 4,4 Prozentpunkte, vom einen Tag auf den andren. Derzeit steht die Aktie des größten deutschen Baustoffherstellers bei knapp 90 Euro pro Stück, Anfang November 2016 kosteten sie 84 Euro und vor exakt einem Jahr noch 60,94 Euro.

Eine Steigerung von rund 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, schon das lässt Unternehmer-Herzen schneller schlagen. In welche schwindelerregende Höhen würden die Kurse da erst emporschnellen, wenn man sich tatsächlich den Auftrag zum Mauerbau sichert, mit geschätzten Kosten irgendwo zwischen 15 und 40 Milliarden Dollar?

Wenn der Auftrag kommt, prüft HeidelbergCement

Vielleicht ist Scheufele aber auch nur missverstanden oder überinterpretiert worden, und das Unternehmen hat, gerade nach der deutschen Geschichte, gar kein Interesse an dem 3200 Kilometer langen Bollwerk? Lassen wir seinen Sprecher Andreas Schaller sprechen. "Die Themen Grenzsicherung und illegale Einwanderung in die USA über die Grenze zu Mexiko sind in erster Linie eine Angelegenheit zwischen den USA und Mexiko", betont er gegenüber Kontext. Übersetzt heißt das wohl so viel wie: Gewissensfragen sind unsere Sache nicht. Und ob gebaut wird oder nicht, das werde nicht Deutschland entscheiden, erläutert Schaller darüber hinaus: "Die Verantwortung für das Geschäft auf lokaler Ebene liegt beim lokalen Management." Sollte tatsächlich ein Auftrag kommen, werde selbiger geprüft und darüber entschieden. Immerhin hat Chef Scheifele dem "Handelsblatt" schon im November gesagt, wenn der Mauerbau komme, sei man mit Zementwerken in Texas und Arizona "gut aufgestellt".

Das nennt man wohl Geschäftssinn. Kai Lange, Chef vom Dienst beim "Manager Magazin", adelt Scheifele bereits als einen "nüchtern kalkulierenden Mann" und meint, es könne "ein Vorteil sein im Rennen um den lukrativen Großauftrag", dass sich "die Deutschen im Mauerbau auskennen". Dagegen spricht allerdings das Trumpsche Credo: "America first." Überzeugte Patrioten würde es wahrscheinlich nicht erfreuen, wenn den Auftrag für das Leuchtturmprojekt, Sinnbild des neuen amerikanischen Nationalstolzes, ein ausländisches Unternehmen einheimsen würde.

Und wenn doch, dann kommt die schärfste Konkurrenz ausgerechnet aus Mexiko. Der Branchenriese Cemex, mit einem Jahresumsatz von etwa 18 Milliarden Dollar, ist emsig auf beiden Seiten der Grenze zu Gange, hat gewissermaßen einen Heimvorteil. Ob der Baustoffhersteller mit Hauptsitz im mexikanischen Monterrey ein solches Angebot aber tatsächlich annehmen würde? Seitens der deutschen Pressestelle heißt es dazu auf Anfrage von Kontext: kein Kommentar.

Eine Absage sieht freilich anders aus. Wie das geht, zeigt der milliardenschwere Immobilienmogul Jorge Peréz. Der hat im Auftrag Trumps zwar schon einige Luxuswohnungen in die Welt gesetzt, eine Mauer will der in Argentinien geborene Sohn kubanischer Eltern allerdings nicht für ihn bauen. Die Mail-Anfrage des US-Präsidenten dazu habe er höflich zurückgewiesen, berichtet "Bloomberg". Im Interview mit dem wirtschaftsnahen Magazin legt Peréz nach und sagt über den Mauerbau: "Das ist die idiotischste Sache, die mir je unter die Augen gekommen ist."


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Kommentare

andromeda, 14.02.2017 02:58
Zu HeidelbergCement und tabuisierten Mauerbauten :

1.

Auch die EU , (Friedensnobelpreisträger !) , verhandelt ,

lt. Vortrag Jürgen Grässlin ,

mit allen nordafrikanischen Mittelmeer-Anrainerstaaten ,

- ob Foltermonarchie oder - oligarchie, ob failed state oder Putsch-Militärdiktatur ,

über die Errichtung einer Sperranlage an den Südgrenzen dieser Staaten quer durch die Sahara (Vorstufe zum Mauerbau) .

Gleichzeitiges Thema der Qaulitätsmedien ? Fehlanzeige .


2.

HeidelbergCement und seine Tochtergesellschaft Hanson/Israel.

Seit Jahren ist die HCement über Hanson an der Ausbeutung eines palästinensischen Steinbruchs im Westjordanland beteiligt .
Lt. int. Recht eindeutig illegal. Naturgemäß sieht das israelische oberste Gericht dies anders .
(Erschütternd auch der Fall "tentofnations.org").

Die rechtmäßigen Eigentümer dürfen nur Zuschauen , wie ihr Eigentum von Hansonmit Hilfe von Israel/Militärverwaltung geplündert wird.
Die "kritischen Aktionäre" und "Pax Christi" berichten und protestieren seit Jahren bei der Aktionärsversammlung dagegen.
Ansonsten ist Aktionären das Recht auf Eigentum immer "heilig" .

Zur Trennmauer quer durch Palästina : Auch sie erregt seit Jahren kaum mehr Medienpräsenz . Trotz friedlicher Demonstrationen und Toter.
Gleichzeitiges Thema der Qualitätsmedien ? Fehlanzeige.

Sie meandert illegal durch fremdes Territorium . Dies lt. internationalem Recht und Gutachten des Internationalen Gerichtshofs von 2004 (mit 14:1 Richter-Stimme ).

http://palaestina-portal.com/mauer_20104%20Gutachten%20-%20Internationaler%20Gerichtshof%20Den%20Haag.htm und Bildern usw.

Sie ist eine reines Segregations./Apartheidsbauwerk , daß die jahrhundertelange indigene Bevölkerung von ihrem Besitz trennt ,
enteignet und wirtschaftlich und psychisch verelenden lässt .

Ein eigener palästinensischer Staat wurde , egal von welcher
israelischen Regierung , nie in Erwägung gezogen .

Siehe auch Avi Primor -Artikel : "Israel will keinen Frieden" , denn für die national-kolonialistische Doktrin des Zionismus existieren keine Palästinenser.
(Shlomo Sand, Moshe Zuckermann , Illan Pappe , Moshe Zimmermann, Noam Chomsky , Norman Finkelstein )

Es gibt kein Palästina oder Palästinenser , keine einzige israelische Landkarte/Skizze/Entwurf eines palästinensischen Staates.
Benutzt man das Wort Palästina/palästinensisch, z.Bsp. beim Sicherheitscheck am Flughafen orly/Paris , darf man nicht mehr fliegen/einreisen .
(Die Sprachregelung lautet immer "Araber/arabisch", auch in deutschen Medien zunehmend).

Nach der Wahl Trumps erschien Israel nicht mal mehr zur Friedenskonferenz in Paris (bestätigt Avi Primor).

Bis auf Israel , die USA und einige von US-Hilfszahlungen abhängige pazifische Inselstaaten stimmt die gesamte Welt jedes Jahr für die 2-Staaten-Lösung in den Grenzen von 1967 + Rückkehrrecht oder Entschädigung der Vertriebene von 1948 . Dies alleinig am Veto der USA scheiternd jährlich .

Gerne wird "der Sicherheitsaspekt" für Israel als Argument für den "Mauerbau" angeführt .
Aber ,
- warum wurde sie nicht auf den Grenzen von 1967 errichtet , wäre doch viel billiger und v.a.schneller ,-und damit schneller Sicherheit für Israel gewährleistend - ?

- warum geht es nie um Sicherheit für Palästinenser ?
- um die Anerkennung ihres Existenzrechts ?

- warum reisen täglich , bzw. halten sich aus den besetzten Gebieten täglich 15-20 Tausend Palästinenser in Israel , mit Billigung und Duldung der israelischen Behörden ,
und organisiert durch palästinensische und israelische "Arbeitsvermittler" dort auf ,
um als billige Taglöhner sich mangels Alternativen dort ausbeuten zu lassen .

Hier existieren plötzlich keine Sicherheitsbedenken mehr.

Bericht von Nirit Sommerfeld, damals in Tel Aviv lebend ,über ihre Begegnung als Israelin mit palästinensischen Bauarbeitern aus den besetzten Gebieten bei bib-jetzt.de :

http://www.bib-jetzt.de/bib-blog.html#blog
http://www.bib-jetzt.de/index.html#gruendungsmitglieder

Fritz, 13.02.2017 06:59
Mensch, Schwabe, was erzählen Sie da!

> Trump macht eine Politik gegen MigrantInnen (Abschiebungen/Mauerbau)

*Illegale Einwanderer* sind *alle* Migranten?

> die Fluchtbewegungen aus Mexiko sind nicht zuletzt dem Freihandelsabkommen NAFTA geschuldet

Das wären dann folglich Wirtschaftsflüchtlinge?

> gegen Frauen (streicht Verbänden die Frauen bei der Abtreibung unterstützen die Zuschüsse)

Die "Mexico City Policy". Die verhindert, daß INTERNATIONALE NGOs von den USA finanziert werden, die Frauen IM AUSLAND u.a. auch Abtreibungen ermöglichen. Nun, dieser Präsident hatte sich schon vorher gegen Abtreibungen ausgesprochen - genauso wie Ronald Reagan oder die beiden Bushs. Was aber die Regelungen innerhalb der USA angeht, werden die von den Bundesstaaten geregelt. Ein landesweites Abtreibungsverbot KANN und WIRD es also nicht geben. In der EU kann man das von Polen oder Irland übrigens nicht sagen.

> gegen die Umwelt (der Stopp umweltschädlicher Pipeline-Baus wird rückgängig gemacht

Diese Pipeline wurde in ihrem Verlauf bereits mehrfach geändert, um den Wünschen der "native Americans" gerecht zu werden. Erst nachdem sich Aktivisten von ausserhalb eingemischt hatten, ist die Situation eskaliert. Davor hat sich kaum jemand dafür interessiert und eine Einigung lag bereits nahe.

Und in diesem Fall wäre die "umweltfreundlichere" Alternative den Transport des Öls auf Tanklastwägen zu verlagern. Der Bau der Pipeline hatte übrigens schon unter Obama begonnen, das wollen Sie Trump in die Schuhe schieben?

> gegen Menschenrechte (Trump findet "Folter funktioniert")

Meinen Sie die Folter hat unter den zwei Vorgängern je aufgehört? Und was ist mit den Drohneneinsätzen unter Obama, bei denen Tausende unschuldiger Zivilisten ermordet wurden?

> und er macht eine Politik FÜR Reiche und Kapitalisten (Steuersenkungen für Reiche und Unternehmen).

Dann würde er ja genau auf Linie liegen mit all den Präsidenten vor ihm. Meinen Sie unter Hillary Clinton wäre das anders geworden?

> Reiche hat er sich auch ins Kabinett geholt. Die US-Regierung ist ein Club von Milliardären, die mehr besitzen, als die ärmsten 43 Millionen US-Haushalte zusammen genommen

Trump rekrutiert seine Regierung aus dem Personal, das ihm zur Verfügung steht. Was erwarten Sie?

> die schlimmsten Science Fiktion Filme scheinen Wirklichkeit zu werden)!

Ja, Panikmache und Propaganda, die völlig unreflektiert nachgeplappert werden.

> Auch nachdem Adolf Hitler an die Macht kam gabs einen gewaltigen Konjunkturschub.

Auch als George W. Bush in den Irak einmarschierte, gab es einen gewaltigen Konjunkturschub!

Auch als Obama Baracks die US-Luftwaffe in Syrien Bombenangriffe fliegen liess, gab es einen gewaltigen Konjunkturschub!

Wissen Sie wann es keinen gewaltigen Konjunkturschub gab? Als Hillary Clinton meinte, daß man die Flugverbotszone über Syrien notfalls auch mit allen Mitteln durchsetzen müsste. Den Dritten Weltkrieg als "Option" findet nämlich noch nicht einmal die Wall Street "aussichtsreich".

> Aber muss ein Konjunkturschub den immer mit einer (negativen) nationalistischen Gesinnung nach dem Motto "Amerika first", "Heil Hitler" oder mit der (negativ) nationalen AfD einhergehen?!

Entschuldigung, aber ein US-Präsident, für den das Wohl seines Landes die höchste Priorität hat, wird mit einem irren Kriegstreiber wie Hitler gleichgesetzt? Wann hat die Machtübernahme stattgefunden? Wann wurde das Parlament und die Bundesräte ausgehebelt? Wann fand die Gleichschaltung der Medien statt?

> Es gibt viele notwendige, friedlichere und damit menschlichere Großprojekte

Ja, die gibt es. Und ein US-Präsident, der nicht gleich als erstes die nächsten Kriege vom Zaun brechen und mit seinem Land noch stärker Druck auf die Weltwirtschaft ausüben möchte, ist schon mal ein besserer Anfang als eine Frau, die einen Konflikt mit Russland um jeden Preis vorantreiben wollte.

Schwabe, 12.02.2017 11:21
Trump macht eine Politik gegen MigrantInnen (Abschiebungen/Mauerbau) - die Fluchtbewegungen aus Mexiko sind nicht zuletzt dem Freihandelsabkommen NAFTA geschuldet, gegen Frauen (streicht Verbänden die Frauen bei der Abtreibung unterstützen die Zuschüsse), gegen die Umwelt (der Stopp umweltschädlicher Pipeline-Baus wird rückgängig gemacht, gegen Menschenrechte (Trump findet "Folter funktioniert") und er macht eine Politik FÜR Reiche und Kapitalisten (Steuersenkungen für Reiche und Unternehmen).
Reiche hat er sich auch ins Kabinett geholt. Die US-Regierung ist ein Club von Milliardären, die mehr besitzen, als die ärmsten 43 Millionen US-Haushalte zusammen genommen (die schlimmsten Science Fiktion Filme scheinen Wirklichkeit zu werden)!

"...seit Trump am 25. Januar den Mauerbau anordnete und den Beschluss per Twitter verkündete, herrscht neue Konjunktur: plus 4,4 Prozentpunkte,...". Kommt das niemandem bekannt vor?! Auch nachdem Adolf Hitler an die Macht kam gabs einen gewaltigen Konjunkturschub.
Aber muss ein Konjunkturschub den immer mit einer (negativen) nationalistischen Gesinnung nach dem Motto "Amerika first", "Heil Hitler" oder mit der (negativ) nationalen AfD einhergehen?! Was letztlich immer im Krieg endete. Meines Erachtens ganz klar NEIN. Es gibt viele notwendige, friedlichere und damit menschlichere Großprojekte die nicht nur die Konjunktur ankurbeln sondern darüber hinaus die Bedürfnisse der eigenen Bevölkerungsmehrheit sichern, nachhaltig sind und Frieden stiften bzw. gute, länderübergreifende nachbarliche Verhältnisse schaffen - sprich sich am Wohle aller orientieren.

Horst Ruch, 11.02.2017 19:37
...was sind 3000 km gegenüber 21 000 km Chinesische Mauer.
Von den 3000 km ist ein Drittel Flußgrenze, also wird Trump nie auf dem Siegerpodest der Guinessrekorde stehen, schon aus dem Grund, weil der Mauerbau- ohne Heidelbergzement- lange (ich glaube 10 Jahre) vor seiner Zeit begonnen wurde.
Also Vorsicht mit dem journalistischem Nachplappern von Trumps Twittereien.
Gilt auch für Kontext: Nicht alles was in anderen Zeitungen steht entspricht der Wahrheit. Besonders augenfällig : wenn uns hierzulande eine Meinung nicht passt, sind es meistens Themen außerhalb Deutschlands, deren (Um)-Deutungen uns -im Gegensatz zur eigenen Gesellschaftskritik- ganz besonders am Herzen liegen.

Fritz, 11.02.2017 11:57
Darf's noch ein bisschen mehr Hintergrund zu dieser Mauer sein, oder passt das nicht ins derzeitige, flächendeckende Anti-Trump-Narrativ?

Dieser Grenzwall (!) ist nämlich schon wesentlich länger im Aufbau.

Am besten fängt man mit dem passenden Wikipedia-Eintrag an:

https://en.wikipedia.org/wiki/Mexico%E2%80%93United_States_barrier

(Nein, keine deutsche Version. Zuviele Kopiloten.)

Im jetzigen Sinn massgeblich initiiert und vorangetrieben wurde der Grenzwall unter George W. Bush im Jahr 2006 ("Secure Fence Act of 2006").

Und der wichtigste Satz daraus sollte auch einmal hier gesagt werden:

"The structure was not designed as a border barrier per se but was intended to divert smugglers and illegal immigrants to places where the authorities can halt entrance into the United States."

Die meisten denken bei "illegalen Einwanderern" jetzt an Grenzflüchtlinge a la DDR. Dem ist aber NICHT so! Die absolute Mehrheit der Illegalen wird von Schleusern angeleitet und geführt. Diese Schleuser stehen fast immer im Dienst der mexikanischen Verbrecherkartelle. Die anschliessende - illegale - Beschäftigung der Immigranten kommt dann auch fast immer diesen Kartellen zugute. Da den Illegalen kein Mindestlohn bezahlt werden muss, profitieren allerlei schmierige Unternehmen entlang der Grenze von den billigen Arbeitskräften. Die sind natürlich auch nicht daran interessiert, daß sich daran etwas ändert.

Zum Thema Drogenschmuggel muss wohl hoffentlich auch nichts weiter gesagt werden. Bzw. wer davon profitiert.

Zuständig für den Grenzwall sind - im Gegensatz zur DDR - nicht etwa die US-Streitkräfte, sondern die "Border Patrol". Wer einen AUTHENTISCHEN Bezug zur Arbeit dieser Leute bekommen möchte, kann sich gern einmal die Videos auf YouTube anschauen. Das sind ganz gewiss keine stumpfen Befehlsempfänger, die gleich auf Befehl das Feuer eröffnen.

Ach ja, und die Rolle der einheimischen Zementfirma HeidelbergCement AG mag man sehen, wie man will. Aber mit der Firma Heckler & Koch beispielsweise - und genauso aus dem Ländle - kann man sie wohl sicherlich nicht gleichsetzen.

Jmat17, 10.02.2017 13:16
Pedro Amigo, bitte was? "über die Mauern in Israel ( die ist weit aus gigantischer)" Es sind 2% Mauer, der Rest ist Zaun. "auf Zypern und der Ukraine. " Ich wußte überhaupt nincht nicht, dass Israel über 3000 km lang ist und bei Zypern bin ich mir auch nicht so sicher.

Christoph Silber, 10.02.2017 11:12
Kapitalistenbashing mag ja bei Kontext en vogue sein.

Dem unternehmerischen Risiko steht eben auch das unternehmerische Glück gegenüber, sonst würde sich das Ganze möglicherweise unterm Strich nicht rechnen.

Fazit: es läge also tatsächlich im Bereich des Möglichen, dass ein Zementhersteller eventuell von den Dummheiten politischer Akteure profitiert.

Noch ist aber weder eine Anfrage eingegangen noch ein Angebot abgegeben noch ein Zuschlag erteilt worden. Diese Form der vorauseilenden Prevorverurteilung ist doch sehr an den Haaren herbeigezogen und ich bezweifle ob solches Gebaren dem eigenen Renomee förderlich ist.

Pedro Amigo, 09.02.2017 05:44
Und als nächstes erhoffe ich mir von Euch, einen Beitrag ,über die Mauern in Israel ( die ist weit aus gigantischer) auf Zypern und der Ukraine.

Zaininger, 08.02.2017 23:02
"... schade, dass Beton nicht brennt..." aber vielleicht gibt es ja doch andere Möglichkeiten und Gelegenheiten den Scheifeles und Konsorten Feuer unter dem Arsch zu machen - natürlich ganz gewaltfrei auf dem Boden des Grundgesetzes (versteht sich von selbst) ... but who cares worldwide?

Rolf Steiner, 08.02.2017 10:16
Wenn künftige Erträge die gierigsten Unternehmer aus ihren Luxus-Bungalows locken, dann wird in deren geistige Betonwände die eigene Primitivität eingemeißelt: "Gewissensfragen sind unsere Sache nicht."

Da lob ich mir Sportler wie den Patriots-Football-Profie Benett. Aus Protest gegen die Politik von Donald Trump wird dieser nach dem Super-Bowl-Sieg seine Mannschaft ausdrücklich nicht zur Ehrung ins Weiße Haus zu Trumps Sieger-Party begleiten.

Bennett hat sich über Twitter wiederholt äußerst kritisch zur Politik von Präsident Trump geäußert. Nach dem Einreisestopp für Bürger einiger muslimischer Länder twitterte er Ende Januar: „Amerika wurde auf Einbeziehung errichtet, nicht auf Ausschluss“.

HeidelbergCement hätte wohl gerne auch an U l b r i c h t s Mauer verdient? Weshalb hat es damals nicht geklappt? Eigentlich schade für Scheifele und seine gierigen Aktionäre, dass sie 1961 auf einen so interessanten Profit verzichten mussten.

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