KONTEXT Extra:
NSU: Unterstützerumfeld nicht ausermittelt

Die NSU-Expertin im Landeskriminalamt Sabine Rieger hat dem zweiten parlamentarischen Untersuchungsausschuss empfohlen, weitere Zeugen zu den Verbindungen von Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos nach Baden-Württemberg zu vernehmen. Denn: Sie hält nicht für plausibel, dass die Kontakte 2001 tatsächlich abrupt abrissen – bis dahin sind rund 30 Besuche des Trios belegt – und dementsprechend die Arbeit nicht für "hundertprozentig abgeschlossen". Sie könne sich nicht vorstellen, dass es über 2001 hinaus "keinen gab, der zumindest Ansprechpartner war", sagte die Kriminalhauptkommissarin in der siebten Sitzung am Freitag im Landtag. Rieger nannte dem Ausschussvorsitzenden Wolfgang Drexler (SPD) verschiedene Namen von Zeugen, die möglicherweise ihrerseits Kontakt zu Kontaktpersonen gehabt haben könnten. Ein starkes Indiz dafür, dass der NSU immer weiter Verbindungen nach Baden-Württemberg pflegte, ist der Stadtplan von Ludwigsburg, der nach dem Auffliegen im November 2011 im Brandschutt von Zwickau gefunden wurde. Der stammt auf dem Jahr 2009.

Bekannt wurde inzwischen auch, dass die drei Rechtsterroristen vor ihrem Abtauchen 1998 von Thüringer Behörden abgehört wurden. Nach Angaben Drexlers ist allerdings ungeklärt, ob die entsprechenden Protokolle noch vorhanden sind. Der Ausschuss will dem nachgehen, weil darin ebenfalls Kontakte, etwa nach Ludwigsburg oder nach Heilbronn, belegt sein könnten. (24.2.2017)

Weitere Ausschuss-Termine: 20. März, 28. April, 15. Mai, 19. Juni, 17. Juli 2017. 


Abschiebung nach Afghanistan: Strobls "katastrophale Pannen"

Immerhin eines ist geklärt: was CDU-Innenminister Thomas Strobl unter dem "konsequenten Vollzug von Recht und Gesetz" versteht. Nach einer Einzelfallprüfung durch sein Haus sollten am Mittwochabend ein psychisch kranker Mann, der per Gerichtsbeschluss schon einmal von der baden-württembergischen Abschiebe-Liste geholt wurde, und ein afghanisch-türkischer Familienvater aus München nach Kabul reisen müssen. Abermals griffen Gerichte ein. Der grüne Koalitionspartner tobt, von "katastrophalen Pannen" ist die Rede und davon, dass der CDU-Landeschef alle Absprachen gebrochen hat. Sogar Ministerpräsident Winfried Kretschmann knöpfte sich den Stellvertreter vor. Und die baden-württembergischen Jusos sprechen von einem "Spiel mit dem Leben der Betroffenen". Dass wieder Gerichte "eingreifen müssen, um diesem Irrsinn ein Ende zu setzten, zeigt, wie leichtfertig mit dem Schicksal einzelner Menschen umgegangen wird". Die Landesregierung habe den Spielraum, "das zu stoppen, und muss diesen endlich nutzen".

Bisher wollte sich Kretschmann dem vorübergehenden Abschiebestopp nach Afghanistan, den andere grün-mitregierte Länder bereits umsetzen, allerdings nicht anschließen. Der Druck auf ihn steigt aber weiter, nachdem am Mittwoch auch ein Mann abgeschoben wurde, der seit Jahren einen Arbeitsplatz in Baden-Württemberg hatte. Außerdem ist Strobl weiter uneinsichtig und will die Aufregung beim Koalitionspartner, bei den Jusos, den Flüchtlingsorganisationen und vielen Unterstützern vor Ort nicht verstehen. Stattdessen sieht er in einer Aussetzung von Abschiebungen eine "Aushöhlung des Rechtsstaats". Er könne nicht nachvollziehen, sagt der Merkel-Vize, dass es Länder gibt, die sich "systematisch weigern", geltendes Recht zu vollziehen: "Das sind Schläge gegen den Föderalismus."

Mehr zum Thema: "Späte Einsicht", "Kritik ist Lüge", "Der Hardliner", "Geisterfahrer unterwegs" https://www.kontextwochenzeitung.de/politik/300/der-hardliner-4100.html


Alles von vorne

Nicht alle bekommen eine zweite Chance, baden-württembergische Landtagsabgeordnete nehmen sie sich: Mit einem sogenannten Aufhebungsgesetz beginnen die Reparaturarbeiten nach dem bisher größten Aufreger der Legislaturperiode, der im Hau-Ruck-Verfahren beschlossenen knappen Verdoppelung der Pauschalen für Aufwand und Wahlkreis, sowie der Rückkehr zur staatlichen Altersversorgung. Die Grünen wollten alle Vorhaben gemeinsam auf den Prüfstand stellen, CDU und SPD setzten sich durch mit einer Expertenkommission, die allein die Rentenreform prüfen wird.

Zuerst allerdings muss Mitte März das entsprechende Gesetz endgültig aufgehoben werden. Danach werden die Experten, einschließlich jener vom Rechnungshof, benannt. Irgendwann im Herbst soll dann mit jener Transparenz, an der es im ersten Durchlauf bitter mangelte, über die Veränderungen, mit denen eine Anhebung der Alters- und Hinterbliebenenversorgung einhergeht, diskutiert werden. Eile haben die Abgeordneten keine, denn niemand will sich ausgerechnet in den Wochen vor der Bundestagswahl abermals Vorwürfen aussetzen, sich eine Luxuspension auf Staatskosten zu genehmigen. (22.2.2017)

Mehr zum Thema: "Raffkes mit Mandat"


Fahrverbote beschlossen – Nordost-Ring vom Tisch

Wie ein Gespenst geisterte seit Wochen ein vor fast 40 Jahren beerdigtes Verkehrsprojekt durch die Debatte um Feinstaubalarmtage und Fahrverbote in der Landeshauptstadt: der Nordost-Ring. Jetzt hat Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) allen Spekulationen eine Absage erteilt. Auch deswegen, weil die Baumaßnahme entgegen den Behauptungen von Teilen der CDU keineswegs bereits im Bundesverkehrswegeplan steht. "Dort geht es um neun Kilometer der B 29", so Hermann nach dem heutigen Kabinettsbeschluss zu Fahrverboten ab 1.1.2018 an Feinstaubtagen, den schlussendlich auch die CDU-Landtagsfraktion mittrug.

Prompt gab es Lob von Umwelt- und Naturschützern. Hermann habe erkannt, so die BUND-Landesvorsitzende Brigitte Dahlbender, "wenn nicht zeitnah effiziente Maßnahmen greifen, so werden die Gerichte die Entscheidungen zum Schutze der Bürger*innen treffen und die Politik das Heft aus der Hand geben müssen". Die Stuttgarter CDU ist noch nicht ganz so weit. Für den Kreisvorsitzenden Stefan Kaufmann sind Fahrverbote weiterhin "politisch klar abzulehnen". Und er träumt von Nordost-Ring: Jetzt gelte es "endlich neue Verkehrsprojekte wie den Nord-Ost-Ring auf den Weg zu bringen". Hermann machte dagegen deutlich, dass das nach dem eben erst in Kraft gesetzten Bundesverkehrswegeplan gar nicht möglich ist. 

In den Sechzigern und Siebzigern waren zwei Varianten durchdacht worden: eine größere mit einem Autobahnzubringer bei Mundelsheim und eine kleinere etwa auf der Gemarkungsgrenze zwischen Waiblingen und Fellbach. Schon damals vertraten Verkehrswissenschaftler allerdings die Ansicht, dass ein Ringschluss rund um Stuttgaart weniger die Stadt, sondern die Autobahnen im Westen und Süden entlasten würde.


Korntal: Opfervertreter verlangen mehr Engagement der Landeskirche

Die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in der evangelischen Brüdergemeinde Korntal ist unterbrochen. Die Opfervertreter verlangen einstimmig, dass sich Frank Otfried July endlich entscheidend einbringt. "Wir werden nicht mehr mit den Brüdern sprechen", so Netzwerk-Sprecher Detlev Zander. Jetzt müsse "der Oberhirte, also der Bischof, ran". Im Betroffenen-Netzwerk organisiert, werfen mehr als 300 ehemalige Heimkinder der Brüdergemeinde vor, in den 1950er- bis 1980er-Jahren in deren zwei Einrichtungen sexuell missbraucht, misshandelt und gedemütigt worden zu sein.

Dass mehr Engagement von July gefordert wird, ist nicht neu. Im Sommer 2016 hatte einer der Betroffenen in einem langen Schreiben an den Landesbischof appelliert: "Die Kirche ist mit in der Verantwortung und wenn Sie als Oberhirte weiter schweigen, machen Sie sich persönlich schuldig. Die Heimopfer warten auf ein klärendes Wort von Ihnen." Denn die Korntaler Fürsorge habe "einen menschlichen Scherbenhaufen hinterlassen". (20.02.2017)


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Die Zukunft mit Trump könnte dreckig werden. Foto: Joachim E. Röttgers

Die Zukunft mit Trump könnte dreckig werden. Foto: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 295
Politik

Ein Hoch auf Kohle, Gas und Öl

Von Jürgen Lessat
Datum: 23.11.2016
Für Donald Trump ist der Klimawandel ein Märchen, fossile Energie die Zukunft. Was sagt ein grüner Umweltminister dazu? Franz Untersteller hofft, dass alles nicht so schlimm kommt, manches nur "Wahlkampfgetöse" eines "Klimaleugners" ist. Er baut auf den Markt und Gegenwind.

Barack Obama gab sich redlich Mühe, die Ängste vor seinem Nachfolger zu zerstreuen. Gerade beim Klimawandel, den Donald Trump schlicht leugnet. In Berlin lobte der scheidende US-Präsident die "zentrale Rolle", die Deutschland und die USA gespielt haben, um das Pariser Klimaschutzabkommen zu erreichen. Und in der "Wirtschaftswoche" schrieb Obama zusammen mit Angela Merkel, das Abkommen gebe der Welt den "Rahmen für den gemeinsamen Schutz unseres Planeten". Noch deutlicher wurde sein Außenminister John Kerry während der jüngsten Weltklimakonferenz in Marrakesch: "Niemand hat das Recht, nur auf der Grundlage einer Ideologie oder ohne die richtigen Informationen Entscheidungen zu treffen, die Milliarden Menschen betreffen".

Der Chinese hat den Klimawandel erfunden

Beruhigungspillen tun Not, denn Klimaschutz war im New Yorker Trump Tower bislang nur Thema, wenn er Geschäfte und Gewinne ausbremste. Für den Immobilien-Tycoon ist die globale Erwärmung nur ein Märchen. Die Chinesen hätten die Geschichte vom Klimawandel erfunden, um der amerikanischen Industrie zu schaden, twitterte Trump im November 2012. Im Wahlkampf betonte er mehrfach, bei Umweltschutz und Energieversorgung alles anders machen zu wollen als Hillary Clinton und der amtierende Präsident.

Was er ändern werde, das verriet Trump am 26. Mai dieses Jahres während der Williston Basin Petroleum Conference in Bismarck, North Dakota. Auf dem Branchentreff der Erdölindustrie präsentierte Trump einen "America First"-Energieplan. Der ist eine Kampfansage an bisherige Bemühungen, den Treibhausgasausstoß der Vereinigten Staaten zu drosseln. Obwohl die USA nach China heute die meisten Klimagase in die Luft blasen. Trump kümmert es nicht. Mit seinem 100-Tage-Regierungsprogramm werde er alle "Arbeitsplatz vernichtenden Klimaschutz-Gesetze" der Obama-Administration annullieren, die Kohle-Industrie retten, die umstrittene Keystone-Ölpipeline bauen, das Moratorium zur Gewinnung fossiler Rohstoffe beenden und "alle unberechtigten Restriktionen" für neue Fördertechniken von Öl und Schiefergas widerrufen. Zudem werde er das Pariser Klimaschutzabkommen kündigen und "alle Zahlungen von amerikanischem Steuergeld an Klimaschutzprogramme der Vereinten Nationen" stoppen.

Klimawandel würde Donald Trump Solariumkosten sparen. Foto: Gage Skidmore, CC BY-SA 2.0
Klimawandel würde Donald Trump Solariumkosten sparen. Foto: Gage Skidmore, CC BY-SA 2.0

Am 22. September bekräftigte Trump beim "Shale Insight Event" in Pittsburgh, einem Lobbyisten-Treffen der Schieferöl- und Schiefergasindustrie, seine Sicht der Energiewende. Künftig solle mehr "amerikanische Energie" produziert werden. Schließlich sitze das Land "auf einem Schatz von etwa 50 Billionen Dollar an unkonventionellen Öl- und Gasreserven". Zusätzlich lagerten im amerikanischen Boden Kohlevorkommen für Hunderte von Jahren. Kein Wort verlor er über die auch in den USA boomenden erneuerbaren Energien.

Die Kehrtwende zurück ins fossile Energiezeitalter verheißt den Amerikanern nur Gutes, nämlich unglaublichen Wohlstand. Laut Trump steigt das Bruttoinlandsprodukt jährlich um 100 Milliarden Dollar, pro Jahr entstehen eine halbe Million neuer Jobs. Die Segnungen reichen bis in die ferne Zukunft: Innerhalb von vier Jahrzehnten werden die Steuereinnahmen um sechs Billionen Dollar zulegen, und die Wirtschaft zusätzlich über 20 Billionen Dollar investieren, zitierte Trump in Pittsburgh Zahlen, für die er das Washingtoner Institute for Energy Research (IER) als Quelle nannte.

Was Trump nicht sagte: Das IER gilt als eine der einflussreichsten Organisationen in den USA, die den von Menschen gemachten Klimawandel leugnen. Zu den Finanziers des Instituts zählen erzkonservative Industrielle wie der Multi-Milliardär Charles G. Koch sowie zahlreiche Öl- und Kohlekonzerne. Der politische Ableger des IER, die American Energy Alliance (AEA), fährt seit Jahren Kampagnen gegen erneuerbare Energien in den USA. AEA-Präsident Thomas Pyle gehörte denn auch zu den ersten, der Trump nach dem Urnengang gratulierte: "Trumps Wahlsieg bietet die Gelegenheit, die schädliche Energiepolitik der Vergangenheit zurückzudrehen".

6200 Kilometer östlich des New Yorker Trump Towers ist in Baden-Württemberg der Klimawandel bereits spürbar. So gilt der tiefliegende Rheingraben schon heute als wärmste Region Deutschlands. Karlsruhe, Rheinstetten, Freiburg im Breisgau und Mannheim sind mit Spitzentemperaturen um 40 Grad Celsius unter den Top Ten der deutschen Hitzerekordhalter. Die Landeshauptstadt Stuttgart liegt in einem dicht bebauten Talkessel, der sich an heißen Tagen wie ein Backofen aufheizt. 2016 wird voraussichtlich das wärmste Jahr seit beginn der Wetteraufzeichnungen 1879. Die mittlere Jahrestemperatur könnte in den nächsten Jahrzehnten um bis zu fünf Grad Celsius steigen. Dazu kommen Hitzewellen, Niedrigwasserstände, Trockenperioden, heftige Gewitter mit Überschwemmungen und kräftige Stürme. "Die Folgen für die Bevölkerung, die Umwelt und die (Land-)Wirtschaft sind mit hohen Anpassungsschwierigkeiten und auch -kosten verbunden", warnt etwa der Verband Region Stuttgart.

Der grüne Umweltminister fühlt sich alles andere als ermutigt

Der grüne Umweltminister Franz Untersteller weiß das alles und ist entsprechend konsterniert. "Das ist alles andere als ein ermutigendes Zeichen, dass jetzt ein Klimaleugner ins Weiße Haus einzieht", klagt der 59-Jährige Energieexperte. Allerdings müsse nicht alles, was Trump im Wahlkampf gesagt habe, auch eintreffen. "Manches war wohl nur Wahlkampfgetöse", hofft Untersteller. Andererseits besetze der künftige US-Präsident sein Übergangsteam mit Leuten, die nichts Gutes für den Umwelt- und Klimaschutz verheißen.

Beim Gedanken an Klimaleugner wird es Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) ganz anders. Foto: Joachim E. Röttgers
Beim Gedanken an Klimaleugner wird es Franz Untersteller (Grüne) ganz anders. Foto: Joachim E. Röttgers

Einer davon ist Myron Ebell, der bis dato für das Competitive Enterprise Institute arbeitet, einem von der Kohle- und Ölindustrie finanzierten Think-Tank. Er soll die amerikanische Umweltbehörde EPA umkrempeln. Nur mit ihrer Hilfe gelang es Obama, den "Clean Power Plan" zur Reduktion der CO2-Emissionen auf den Weg zu bringen. Ebell hatte den Plan als illegal bezeichnet. Die EPA selbst hatte mit dem Clean Air Act verbindliche Zielvorgaben gemacht. "Trump konnte niemand besseres als Ebell finden, um Obamas Klimaschutzpolitik wieder abzubauen", schreibt die "New York Times".

Auch Brigitte Dahlbender, Landesvorsitzende des Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND), sieht im Ausgang der US-Wahl eine Zeitenwende. "Trumps Wahlsieg hat schwierige politische Zeiten eingeläutet", glaubt Dahlbender. Die Äußerungen des designierten US-Präsidenten und führender Republikaner ließen befürchten, dass in Washington künftig nur ökonomische Interessen eine Rolle spielen. "Unsere Denke einer vorausschauenden und verantwortungsvollen Politik existiert in Trumps Welt nicht", sagt Dahlbender. Die Amerikaner hätten mit dem Milliardär auch die Philosophie des ungehinderten Wirtschaftswachstums gewählt.

Immerhin: Kaliforniens Gouverneur ist für Klimaschutz

Weil ein Minister aber immer optimistisch sein muss, verweist Untersteller darauf, dass amerikanische Umweltpolitik nicht nur in Washington gemacht werde. "Vieles wurde von einzelnen Bundesstaaten vorangetrieben", sagt er. Kalifornien, Oregon oder Columbia hätten vorbildliche Initiativen ergriffen, etwa bei der Luftreinhaltung. Kalifornien gilt als Staat mit den strengsten Abgasvorschriften weltweit. Die Umweltbehörde CARB des "Golden State" deckte den VW-Abgasskandal auf. Beim Klimaschutz ziehen Kalifornien und Baden-Württemberg zudem an einem Strang. Auf ihre Initiative hin bekannten sich im Vorfeld der Pariser Klimakonferenz 2015 mehrere Regionen zu einem "Memorandum of Understandig", um den globalen Temperaturanstieg auf zwei Grad zu begrenzen. Inzwischen sind über 160 Regionen und Befürworter beigetreten, und Kaliforniens Gouverneur Jerry Brown wisse, "wie wichtig Klimaschutz ist", glaubt Untersteller und erwartet mächtig Gegenwind für Trump.

"Jetzt erst recht", fordert Brigitte Dahlbender mehr Engagement der Europäer. Foto: Joachim E. Röttgers
"Jetzt erst recht", fordert Brigitte Dahlbender mehr Engagement der Europäer. Foto: Joachim E. Röttgers

Außerdem werde die angekündigte Renaissance fossiler Energieträger in den USA auch an marktwirtschaftlichen Gesetzen scheitern, prognostiziert Baden-Württembergs Umweltminister. Wind- und Solarparks produzieren Strom viel billiger als Kohlekraftwerke. Eine Kilowattstunde Solarstrom in Kalifornien kostet heute drei bis vier US-Cent. "Das ist unschlagbar günstig", sagt Untersteller, dagegen seien fossile Kraftwerke nicht mehr wettbewerbsfähig. Es sei denn, Washington würde die Kohleverstromung mit Milliarden Dollar subventionieren. Das wiederum kann er sich nicht vorstellen.

Für Brigitte Dahlbender gilt ein "Jetzt-erst-recht". Deutschland und Europa müssten Vorreiter bleiben, um auch einen möglichen Ausfall von Amerika beim Klimaschutz zu kompensieren, und Untersteller hofft, dass Trumps Wahl dazu führt, "dass die Europäer sich ihrer Rolle wieder bewusst werden und enger zusammenrücken." Der Grüne erinnert an die Durchschnittstemperaturen in Karlsruhe, die heute so hoch sind wie im französischen Lyon, an die Apfelblüte, die drei Wochen früher beginnt, an die eingewanderte tropische Tigermücke und extreme Unwetterereignisse wie in Braunsbach, die ganze Ortschaften zerstören. Trotz Trump, sagt er, Energiewende und Klimaschutz "sind alternativlos".


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Kommentare

Barolo, 28.11.2016 23:59
@adabei: Hab mir den Lesch angesehen. Zwei Bemerkungen dazu. Wenn ich den Kirstein richtig verstanden habe, steigt die Temperatur momentan nicht. Zweitens stellt er die Frage nach Ursache und Wirkung. Und das sagt der Lesch ja auch. Erst steigt die Temperatur (was ist die Ursache? Sonnenaktivität? Temperaturanstieg gab es ohne Industrialisierung ja auch schon) und deutlich danach das CO2 als Folge. Nicht umgekehrt wie es meistens gepredigt wird.

adabei, 27.11.2016 17:04
Der Verweis auf Prof. Kirstein konnte ja kaum ausbleiben. Dass der CO2 für einen Dünger und Wachstumsbeschleuniger hält ist so richtig wie falsch. Schon Paracelsus wusste "Nur die Dosis macht das Gift" oder anders gesagt, allzu viel ist immer ungesund. Natürlich gibt es zu jeder These auch eine Gegenthese wie zum Beispiel unter https://www.youtube.com/watch?v=TG-Wu36-G7g nachzuvollziehen.
Unser Planet ist die letzten Jahrhunderte schon ziemlich geduldig mit uns Menschen gewesen. Aber wenn sich der Kampf gegen die globale Erwärmung nicht mehr auf nachvollziehbare Fakten bezieht und wie ein Glaubenskrieg ausgetragen wird, lassen sich die im Anthropozän eingeleiteten Veränderungen kaum mehr korrigieren. Denn dazu bräuchte es so etwas wie eine globale Vernunft. Und an die zu glauben fällt mir - selbst ohne Trump und seine Konsorten - ausgesprochen schwer.
Meine pessimistische Quintessenz deshalb: Langfristig ist die Menschheit ohnehin zu blöd zum Überleben.

Fritz, 23.11.2016 18:36
Kaum taucht hier ein kritischer Artikel zu dem Thema auf, schon hat Trump Kreide gefressen! (Schön wär's, wenn der Kontext soviel journalistische "Reichweite" hätte!)

Interview (als Tweets) mit der New York Times:

http://www.nytimes.com/live/trump-at-the-new-york-times-the-tweets/

Kann man ihm trauen oder nicht? Man wird sehen!

Interessante Zeiten auf jeden Fall!

Barolo, 23.11.2016 10:23
Die sprache ist schon etwas verräterisch. "Klimaleugner" das rückt einen gleich in die Nähe eines Holocaustleugners.
Niemand kann ein Klima leugnen, denn es ist jeden Tag hier.
Sich mit Fakten von Klimatologen zu befassen ist dabei hilfreich.
z.B. Prof Kirstein https://www.youtube.com/watch?v=EFDup0q_oJs&feature=youtu.be

Die genannten 3-4 ct für Solarstrom in Kalifornien sind ja nett.
Die Frage ist also, warum steigt der Kilowattpreis in Deutschland seit Subvebtionierung der "Alternativen" durch das EEG auf einen europäischen Rekordwert von weit über 20 ct?
Und warum machen die europäischen Nachbarn den genialen deutschen Weg nicht mit?
Die Antwort ist einfach. Das EEG ist der teuerste Irrweg, denn er benötigt eine zweite Energieversorgung ohne die erste ablösen zu können, da Wind und Strom eben keine zuverlässigen Lieferanten sind. (Bitte jetzt nicht über Batterien sprechen)

Fritz, 23.11.2016 06:26
Sollten die USA tatsächlich aus dem Klimaschutzabkommen aussteigen, was noch gar nicht sicher ist, besteht die Möglichkeit, daß andere Nationen sich stärker dbzgl. engagieren werden. China beispielsweise.

Trump selber steht bereits innenpolitisch unter Druck, sich von seinem bisherigen Standpunkt differenzieren zu müssen.

http://www.theatlantic.com/science/archive/2016/11/what-does-trump-think-about-climate-change-he-doesnt-know-either/508541/

Und die Vorgängerregierung unter Obama sollte lieber ganz still sein, denn gerade unter ihr wurde die systematische Umweltzerstörung durch Fracking in die Tat umgesetzt.

Ganz zu schweigen von dem quasi-Bürgerkrieg, der derzeit in Nord-Dakota stattfindet und den unsere Medien totschweigen.

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