KONTEXT Extra:
Jetzt doch ein Koalitionsausschuss zu Afghanistan

Vor Weihnachten hatten Grünen und CDU eine inhaltliche Aussprache über die Abschiebepraxis nach Afghanistan vermieden. Stattdessen wurde im Koalitionsausschuss vor allem darüber diskutiert, ob Grünen-Landeschef Oliver Hildenbrand es "schäbig" nennen darf, wenn sein CDU-Pendant, Innenminister Thomas Strobl, auch alte oder kranke Menschen abschieben will. Zur bisher einzigen Sammelabschiebung wurde ein Mann sogar aus einer Psychiatrischen Klinik geholt, dann allerdings doch nicht ins Flugzeug nach Kabul gesetzt.

Am kommenden Dienstag werden dieser und andere Fälle sowie die grundsätzliche Vorgehensweise im Koalitionsausschuss diskutiert. Die Grünen, die die Debatte durchgesetzt haben, erinnern an die geltenden Leitlinien des Landes zu Abschiebungen und Rückführungen, nach denen eine Einzelfallprüfung ohnehin zwingend ist. Bisher hatte sich Strobl gegen eine inhaltliche Behandlung der von ihm mitinitiierten verschärften Abschiebepraxis im Koalitionsausschuss ausgesprochen. Die Grünen gehen davon aus, dass die Leitlinien und damit die Einzelfallprüfung bestätigt werden.

Auf dem Tisch liegt auch ein Papier der sogenannten G-Länder, also aller Koalitionen, an denen Grüne beteiligt sind. Diesem zufolge muss gewährleistet sein, "dass Ausreisepflichtige keinen Schaden an Leben und Gesundheit nehmen". Die Regierungspartner in Baden-Württemberg, Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen "betonen eine Reihe von Grundlinien und Anforderungen bezüglich Rückführungen nach Afghanistan". Sie fordern die Bundesregierung aber auch auf, die Sicherheitslage in Afghanistan "erneut zu überprüfen". (14.1.2017)


Ein zweites Raumwunder für Geflüchtete

Engagement kann sich lohnen. Im September hatte Kontext über die Initiative der Künstlerin Martina Geiger-Gerlach berichtet, eine Wohnung in einem zum Abriss vorgesehenen Haus im Stuttgarter Stadtteil Steckfeld monatsweise Flüchtlingen zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig finden dort immer Ausstellungen statt, die Nachbarn und Interessierten Gelegenheit geben, Künstlern und Geflüchteten zwanglos zu begegnen. Nun hat der Vermieter, das katholische Siedlungswerk, der Künstlerin eine zweite Wohnung im selben Haus als Lernwohnung zur Verfügung gestellt, damit Geflüchtete, die im Trubel ihrer Unterkunft nicht zur Ruhe kommen, eine Rückzugsmöglichkeit finden. Zudem bleibt das Haus länger stehen: voraussichtlich zwei Jahre. Dem Siedlungswerk gefällt das Projekt so gut, dass Martina Geiger-Gerlach gefragt wurde, ob sie sich vorstellen könnte, im Quartiersraum des Neubauareals an Stelle des früheren Olgahospitals eine Aufgabe zu übernehmen. Und: Ihr Wohnungs-Projekt ist für den Stuttgarter Bürgerpreis der Bürgerstiftung vorgeschlagen worden. Am 20. Januar um 19 Uhr eröffnet in der Karlshofstraße 42 in Steckfeld die nächste Ausstellung mit Gemälden von Ivan Zozulya und dem DJ Roman Levin. Am 31. Januar wird die Entscheidung zum Bürgerpreis bekannt gegeben. Jeder kann mit abstimmen!


Der Gewitterwanderer im Glück

Mitte November hatte der 33-jährige Göppinger Schriftsteller Kai Bleifuß noch geschimpft wie ein Rohrspatz. Der promovierte Goethe-Experte rackert sich seit Jahren mit Schreiben ab. Fabrizierte zuletzt einen Roman über den Dichterfürsten und wie der so wäre, würde er in unserer Zeit leben. "Goethes Mörder" heißt das gute Stück. Gutes Zeug. Guter Mann. Das weiß auch Bleifuß selbst. Kontext gegenüber machte er keinen Hehl daraus, dass er sich selbst für einen ziemlich duften Typen hält. Doch bislang schlug ihm seitens des ganzen "Literaturzirkus" und der Verlage kalter Wind entgegen. Niemand wolle mehr ein Risiko eingehen. Literatur würde immer mehr unter ökonomischen Abwägungen betrachtet, konstatierte der resolute Literaturnerd. "Schreiben ist das Idiotischste, was man machen kann. Nicht schreiben aber auch."

Ein Bleifuß lässt sich aber nicht unterkriegen – und jetzt hat es gerappelt im Karton: Am vergangenen Sonntag sackte der Göppinger für seinen Text "Fünf Variationen auf das Unsagbare" den Autorenpreis "Irseer Pegasus 2017" ein. 150 Schriftsteller aus dem ganzen Land hatten sich mit ihren Werken beworben, doch Bleifuß hat den mit 2000 Euro dotierten Preis gewonnen. Neben ihm auf dem Siegertreppchen der Preisverleihung im Kloster Irsee im Allgäu strahlte David Krause aus Kerpen.

"Der glücklose Autor hatte endlich einmal Glück!", schrieb Goethe-Glücksbärchen Bleifuß voller Freude an Kontext, mit der Bitte unseren LeserInnen mitzuteilen, dass man am 27.1. ab 21:05 Uhr im BR2 sein Hörspiel "Pinball" senden werde. Machen wir doch gerne. (11.1.2017) 


Abstand halten von den Volksverrätern

Aus 594 Wörtern haben die Sprachwissenschaftler um die Darmstädter Professorin Nina Janich das Unwort des Jahres 2016 ausgesucht: "Volksverräter". Aus dem Erbe der NS-Diktatur werde das Wort von Pegida, AfD und anderen Rechtsaußen verwendet, um PolitikerInnen  zu diffamieren. Mit der Folge, dass das "ernsthafte Gespräch" und notwendige Diskussionen in der Gesellschaft abgewürgt würden, begründet die Jury. Auf den weiteren Plätzen folgen "postfaktisch", "Populismus", "Gutmensch" sowie eine "Armlänge Abstand". Mit in der fünfköpfigen Jury saß auch Kontext-Autor Stephan Hebel. (10.1.2016)


Sichere Herkunftsstaaten: Kretschmann schon lange für längere Liste

Winfried Kretschmann hat sich mit jüngsten Äußerungen zur Einstufung von Marokko, Tunesien und Algerien als sichere Herkunftsländer derart in die Nesseln gesetzt, dass sich sein Staatsministerium zu einer "Klarstellung" aufgerufen sah. Tatsächlich handelt es sich um einen durchsichtigen Versuch der Schadensbegrenzung. Der grüne Regierungschef hatte auf Anfrage der "Rheinischen Post" in einer Stellungnahme zur aktuellen Sicherheitsdebatte erklärt: "Die kriminelle Energie, die von Gruppierungen junger Männer aus diesen Staaten ausgeht, ist bedenklich und muss mit aller Konsequenz bekämpft werden." Zugleich sprach er sich für die Aufnahme der drei Maghreb-Staaten auf die Liste sicherer Herkunftsländer aus: "Baden-Württemberg wird der Ausweitung zustimmen, sofern die Bundesregierung das Ansinnen in den Bundesrat einbringt."

Die Wirkung beider Sätze im Zusammenhang sind ihm und "meinen Leut", wie er seine engsten Mitarbeiter gern nennt, offenbar entgangen. Jedenfalls stellte "das Staatsministerium klar, dass die signalisierte Zustimmung weder aus aktuellem Anlass beschlossen wurde, noch ihre Begründung in der Gewaltbereitschaft mancher Gruppen junger Männer aus diesen Ländern hat". Vielmehr sei die Entscheidung "schon im Frühsommer 2016 nach einem langen Abwägungsprozess, in dem vor allem der Frage nachgegangen wurde, ob es angesichts der Menschenrechtssituation in den besagten Ländern vertretbar wäre, diese zu sicheren Herkunftsländern zu erklären (...), als sich die Bundesregierung dem Ministerpräsidenten gegenüber bereit erklärte, in einer Protokollerklärung festzuhalten, Personen aus sogenannten vulnerablen Gruppen wie Homosexuellen, verfolgten Journalisten, religiösen Minderheiten mit gleicher Sorgfalt zu prüfen wie Flüchtlinge aus sonstigen Ländern". Das Staatsministerium sagt allerdings nichts dazu, ob die Forderung erfüllt wurde und warum das Thema nicht längst endgültig ausgetreten ist. Denn laut dem Bundesamt für Flüchtlinge und Migration werden die drei Länder in der Statistik überhaupt nicht mehr einzeln ausgewiesen, weil die Zahl der einreisenden Asylbewerber so niedrig ist. Und bereits 2015 gehörten die drei Staaten nicht zu jenen zehn Ländern, aus denen die meisten Flüchtlinge nach Deutschland kamen. (5.1.2017)


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Mit Drohnen wie der MQ-9 Reaper dreht die Nato die Gewaltspirale nur schneller, sagt Friedensforscher Daniele Ganser. Foto: Larry E. Reid Jr./Wikimedia

Mit Drohnen wie der MQ-9 Reaper dreht die Nato die Gewaltspirale nur schneller, sagt Friedensforscher Daniele Ganser. Foto: Larry E. Reid Jr./Wikimedia

Ausgabe 199
Politik

"Alle heizen den Kessel an"

Von Jens Wernicke (Interview)
Datum: 21.01.2015
Die Gewaltspirale dreht sich weiter. Aber sind daran nur radikale Islamisten schuld? Der Friedensforscher Daniele Ganser sagt Nein und erinnert daran, dass die NATO einst einen serbischen TV-Sender bombardiert hat. Damals starben zehn Journalisten – und niemand hat protestiert. Ein Interview.

Herr Ganser, sind wir jetzt alle durch radikale Islamisten bedroht?

Wir sollten ruhig und achtsam bleiben. Was wirklich in Paris bei dem Anschlag auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" passiert ist, wissen wir derzeit nicht. Wenn die Polizei recht hat, haben wir es mit einer sensationell schnellen Aufklärung eines komplizierten Verbrechens zu tun. Diese Aufklärung dauerte keine 24 Stunden. Wie gelang das der Polizei? Die Killer haben angeblich "Gott ist groß" sowie "Wir haben den Propheten gerächt" gerufen. Erkannt hat die Polizei die Männer aber nicht, denn sie waren mit schwarzen Sturmmasken maskiert.

Es gibt einen Personalausweis aus dem Fluchtauto.

Das gilt nun in Europa und den USA als der durchschlagende Beweis. Ich habe mich gefragt: Warum nimmt ein Killer seinen Ausweis mit, wenn er einen Massenmord plant? Und wie konnte man mit einem Personalausweis sofort zwei Täter identifizieren? Eigentlich müsste man die Brüder Cherif und Said Kouchai, von denen die Polizei annimmt, dass sie hinter den schwarzen Sturmmasken steckten, nun ins Verhör nehmen. Das kann man aber nicht mehr, weil sie tot sind. Und schließlich muss man untersuchen, ob es nicht eine False-Flag-Operation war, welche man in diesem Fall den Muslimen in die Schuhe schiebt, um in Europa und den USA Angst und Hass zu schüren, den Überwachungsstaat weiter auszubauen und Kriege gegen muslimische Länder fortan noch besser legitimieren zu können.

"99 Prozent der Menschen möchten einfach in Ruhe leben." Foto: Joachim E. Röttgers
"99 Prozent der Menschen möchten einfach in Ruhe leben." Foto: Joachim E. Röttgers

Wie kommen Sie zu dieser Einschätzung?

Nach jedem Anschlag ist die Öffentlichkeit zuerst schockiert und aufgewühlt. Das ist genau das Ziel: Den Menschen vor dem Fernseher soll die Angst in Mark und Knochen fahren. Nicht nur die Toten, sondern vor allem die Beobachter der Geschehnisse sind das Ziel des Terrors. Oft werden unmittelbar nach dem Anschlag falsche Beweise präsentiert und erlogene Geschichten erzählt, welche die Menschen bereitwillig schlucken, weil sie in einem emotionalen Ausnahmezustand sind und nicht mehr in Ruhe nachdenken können.

Können Sie das belegen?

Im italienischen Peteano starben 1972 drei Polizisten bei einem Terroranschlag, der sofort der extremen Linken in die Schuhe geschoben wurde. Doch die Beweise waren gefälscht. Der Sprengstoffexperte der italienischen Polizei, Marco Morin, hatte bewusst eine falsche Expertise erstellt und behauptet, der Peteano-Sprengstoff sei jener, den auch die linke Terrorgruppe Brigate Rosse verwende. Die Massenmedien folgten dieser Expertise blind, und dadurch wurden nicht nur die Brigate Rosse, sondern auch die italienischen Kommunisten und Sozialisten diskreditiert. Es dauerte zwölf Jahre, bis der italienische Untersuchungsrichter Felice Casson die Lüge aufdeckte. Er fand heraus, dass nicht die Linken, sondern der Rechtsextremist Vincenzo Vinciguerra den Anschlag verübt hatte. Er begründete seine "Strategie der Spannung" so: "Die Anschläge sollten die Menschen, das italienische Volk, dazu bringen, den Staat um größere Sicherheit zu bitten."

Bei einem anderen Terroranschlag habe ich verfolgt, wie Pässe gefälscht worden sind: Als 1985 der französische Geheimdienst in Neuseeland das Greenpeace-Schiff Rainbow Warrior mit einer Bombe versenkte, reisten zwei Agenten mit gefälschten Pässen als Schweizer Ehepaar Turenge ein. Die Schweiz hatte aber gar nichts mit dem Anschlag zu tun – Schweizer waren überhaupt nicht an Bord. Geheimdienste haben keinerlei Probleme damit, Pässe zu fälschen und damit falsche Fährten zu legen, das ist ein Kinderspiel.

Eine zunehmende Radikalisierung bestimmter Milieus ist aber nicht zu übersehen.

Natürlich gibt es eine Radikalisierung, wir stecken mitten in einer riesige Gewaltspirale, und das ist alles andere als gut. Aus ihr müssen wir herauskommen, aber das geht nur, wenn wir Konflikte ohne Gewalt lösen. Wir befreien uns daraus nicht, wenn wir noch mehr muslimische Länder angreifen oder bombardieren oder in den NATO-Ländern den Überwachungsstaat ausbauen. Wir müssen uns diese Gewaltspirale in aller Ruhe anschauen. Im Nordsudan hat der muslimische Präsident Baschir alle "Nicht-Muslime" als "giftiges Ungeziefer" bezeichnet, Christen werden brutal vertrieben und auch getötet. Das ist ein Element der Gewaltspirale.

Ein anderes ist aber auch die Folter der CIA, welche kürzlich aufgedeckt worden ist. Da gibt es aber auch noch den Krieg von Frankreich und anderen NATO-Ländern gegen Libyen 2011, der 30 000 Tote forderte, die meisten davon Muslime. Und den illegalen Angriffskrieg von Großbritannien und den USA gegen den Irak 2003, der mehr als 100 000 Tote forderte, die meisten davon Muslime. Derzeit stehen die Kämpfe in Syrien und in der Ukraine im Fokus. Jede daran beteiligte Gruppe – die Christen, die Muslime, die Juden, die Hindus, die Buddhisten, die Atheisten – sollte dabei über den je eigenen Beitrag zur Gewaltspirale selbstkritisch nachdenken. Erst dann erkennt man, dass alle zusammen den Kessel anheizen. Man muss den Balken im eigenen Auge sehen – und nicht nur den Splitter in dem des Fremden.

Derlei Selbstkritik wäre wünschenswert, ist aber kaum vorhanden.

Das stimmt nicht. Es gibt diese Selbstkritik, nur wird darüber viel zu wenig berichtet. Der US-Drohnenpilot Brandon Bryant hat kürzlich eine sehr bewegende Selbstreflexion durchgemacht. Er hat 1626 Menschen getötet, nicht mit der Hand, dem Messer oder Gewehr, sondern vor seinem Monitor. In einem Fall sah er, wie ein Opfer wegen einer offenen Beinarterie verblutete. Auch Kinder und Frauen sterben in Afghanistan und Pakistan bei Drohnenangriffen, die meisten davon sind Muslime. Diesen Teil der Gewaltspirale wollen viele in Europa nicht sehen. Bryant hinterfragte sein Tun und kündigte schließlich beim Pentagon. Darüber gab es einige Beiträge in den Medien, leider aber viel zu wenige, daher kennen viele nun zwar den Begriff "Charlie Hebdo", nicht aber den Namen Brandon Bryant.

"Eine Reflexion über den eigenen Terror ist tabu", sagt Ganser über NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Foto: Kjetil Ree/Wikipedia
"Eine Reflexion über den eigenen Terror ist tabu", sagt Ganser über NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Foto: Kjetil Ree/Wikipedia

Bei aller Selbstkritik muss der Angriff auf die Pressefreiheit verurteilt werden, den die Morde in Paris offenbar intendierten.

Natürlich, die Pressefreiheit ist sehr wichtig und wird immer wieder angegriffen, zum Beispiel auch in Russland. Aber manchmal greift auch die NATO die Presse an, das blenden wir dann immer gerne aus. Am 23. April 1999 bombardierte die Nato die Redaktion des Radio- und TV-Senders von Serbien. Es gab zehn tote Journalisten, 20 Vermisste, die meisten davon verschüttet. Das Medienzentrum war damit ausgeschaltet. Damals gab es weder in Frankreich noch in Deutschland noch in den USA jemanden, der gesagt hätte, hierbei handele es sich um Terror gegen Journalisten. Man fand das regelrecht normal und korrekt – und der NATO-Sprecher erklärte dann, man habe erfolgreich einen Propagandasender ausgeschaltet. Nach dem Anschlag in Paris hat NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg erklärt: "Die NATO-Verbündeten halten im Kampf gegen Terrorismus zusammen. Wir stehen in voller Solidarität bei unserem Verbündeten Frankreich." Eine Reflexion über den eigenen Terror ist tabu.

Wen machen Sie für diese globale Gewaltspirale verantwortlich?

Wir sind derzeit sieben Milliarden Menschen in 200 Ländern. Nur ein Prozent tötet und foltert derzeit oder gibt Untergebenen den Befehl, zu töten oder zu foltern. Das ist also eine kleine Minderheit. Die anderen 99 Prozent möchten einfach in Ruhe leben, sich verlieben, etwas Geld verdienen, in die Ferien fahren, Freunde treffen, eine Familie gründen, Musik hören, die normalen Dinge des Lebens eben. Leider kann man diese 99 Prozent aber sehr gut an der Nase herumführen. Man erzählt ihnen etwa, ihre Freiheit müsse jetzt am Hindukusch verteidigt werden. Und obwohl sie zuvor noch nie von diesem Berggebiet gehört haben, ziehen sie womöglich mit in den Krieg. 

Ist bei den Gewalttätern dieser Welt die Religion wirklich das entscheidende Moment?

Nein. Die Gewalttäter kommen aus verschiedenen Ländern und gehören verschiedenen Religionen an. Es sind aber meistens Männer. Oft geht es im Kern um den Zugriff auf Ressourcen wie Erdöl oder Erdgas, die Religionen werden dabei vor allem dazu benutzt, die Gruppen in die Gewaltspirale hineinzuführen. Und diese gewalttätigen Männer haben ganz verschiedene Weltbilder. Sie sitzen etwa in den USA und steuern – wie sie denken, im Kampf für Freiheit, Menschenrecht und Demokratie – eine Drohne im Auftrag des Pentagons. Oder sie sind Präsident im Sudan und töten die Christen – vermeintlich im Auftrag Gottes oder der Religion. Oder sie arbeiten beim Geheimdienst in Italien und manipulieren einen Terroranschlag, um die Bevölkerung zu täuschen und für die Herren, denen sie hierbei dienen, die Chancen auf Wiederwahl zu erhöhen, die Möglichkeiten sozialer Revolten im Keim zu ersticken. In jedem Fall aber behaupten sie, dass sie durch Gewalt das Böse ausrotten könnten. Doch die Friedensforschung beweist ganz klar, dass das so nicht geht. Das ist ein ganz grässlicher Irrtum. Das Böse kann niemals durch Gewalt ausgelöscht werden.

Wenn dem so ist: Was könnte und sollte man aktuell tun?

Man muss sich erinnern, dass man den 99 Prozent angehört, die keine Gewaltspirale wollen. Man sollte daher mit Mut und Ehrlichkeit für gewaltfreie Konfliktlösung und für Toleranz gegenüber anderen Religionen einstehen. Auch wenn das derzeit nicht sehr populär ist. In einer Zeit voller Angst und Misstrauen muss man Brücken bauen. Wer einen Muslim kennt, sollte zu ihm gehen und ihn umarmen, oder wenn das nicht geht, ihm die Hand geben und ein freundliches Wort austauschen. Wir haben mehr als zwei Milliarden Christen und mehr als 1,5 Milliarden Muslime auf der Welt. Es hat also offensichtlich gar keinen Sinn, wenn diese beiden großen Gruppen nun gegeneinander in den Kampf ziehen.

 

Daniele Ganser ist Schweizer Historiker, spezialisiert auf Zeitgeschichte seit 1945 und internationale Politik. Seine Forschungsschwerpunkte sind Friedensforschung, Geostrategie, verdeckte Kriegsführung, Ressourcenkämpfe und Wirtschaftspolitik. Er unterrichtet an den Universität St. Gallen und Basel und leitet das Swiss Institute for Peace and Energy Research (SIPER) in Basel.


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Kommentare

Alexander Meier, 17.11.2015 14:45
Danke für dieses Interview mit Historiker Ganser.
Er hat wichtiges zu sagen was man leider zu selten hört.

Pete Dawgg, 20.02.2015 13:52
Liebe Kontextredaktion,

erschreckend, dass solche Leute ohne Hintergrundrecherchen oder kritisches Nachfragen hier ohne weiteres als "Friedensforscher" präsentiert werden. Selbst der Artikel in der Wikipedia weckt doch schon ein starkes Bedürfnis nach Hintergrundinformationen: https://de.wikipedia.org/wiki/Daniele_Ganser
(So in der Art: "Ich habe zwar keinen schriftlichen Beleg gefunden, aber mir hat es einer gesagt.")

Sollte man es persönlich für (noch) nicht angemessen halten, diesen Herrn als Verschwörungstheoretiker zu bezeichnen (im Gegensatz zu seinen vielen, vielen Fans im Internet), so muss von einem fundiert recherchierten Journalismus mit Hintergrundinformationen zumindest beleuchtet werden, WARUM sich so viele Verschwörungstheoretiker, "Truther," und Braunesoteriker auf seine Ideen stützen und sie als "Beweise" anführen (wenn auch oft in der ihnen eigenen selbstreferentiellen Weise).
Warum wird hier seine Zusammenarbeit mit Querfront-Protagonisten vom Schlage K. Jebsens
https://duckduckgo.com/?q=%22daniele+ganser%22+%2Bken&ia=videos
oder Anti-Israel-Aktivisten, die nicht "glühende Antisemiten" genannt werden dürfen (obwohl sie es m.E. sind)
https://juergenelsaesser.wordpress.com/2014/02/08/compact-prasentiert-streitgesprach-daniele-ganser-vs-karl-heinz-hoffmann-zum-oktoberfestattentat/
einfach unterschlagen?

Gregor v. Drabich, 01.02.2015 18:33
Vielen Dank für diesen tollen Artikel. Prof. Ganser arbeitet für den Frieden und ich bin dankbar, dass er durch seine jahrelangen detaillierten Forschungen viel Dunkles ans Tageslicht gebracht hat. Viele von ihm recherchierte Informationen konnte man z.B. auch in der NZZ lesen, da sie aus veröffentlichten Staats-Dokumenten stammen. Es liegt jetzt aber an jedem von uns, was wir mit diesen Informationen machen. Herzlichen Dank

wolle, 30.01.2015 11:44
da gibt es in den bisherigen kommentaren den durchaus ernstzunehmenden hinweis, dass es sich bei herrn ganser (inzwischen) um einen anhänger diverser verschwörungstheorien handelt (siehe kommentar von frau quiering), und dann wird hier auch noch ein link zu einem interview des wahnwichtels jebsen mit ganser veröffentlicht...
was kommt denn als nächstes? ein interview mit frau zschäpe zu der frage "gibt es fremdenfeindlichkeit in der deutschen polizei?"
es wäre schön, wenn ihr euren selbstformulierten anspruch an kontext etwas ernster nehmen würdet.

Andreas Lotter, 28.01.2015 20:44

eraasch, 27.01.2015 23:55
Herr Ganser ist Historiker und beschäftigt sich mit Geschichte nach 1945. Welche Dokumente liegen über diese Zeit vor? Sehr wenige. Forschung über noch aktuelle Ereignisse wird immer behindert durch massive Interessen, Irreführungen und Geheimhaltung aller Beteiligten.
Es dürfte klar sein, daß sich seine Forschungsarbeit nicht darauf beschränkt in alten Archiven Pergamente durchzulesen. Gerichtsurteile, "declassified" Geheimdienstdokumente, von Untersuchungsausschüssen erzwungene Veröffentlichungen, Aussagen von Insidern, Interviews etc. sind die Quellen bei dieser Arbeit. Das können viele Zeitgenossen nicht als wissenschaftliche Forschungsarbeit nachvollziehen. Es gibt zu diesem Vorgehen leider keine ernstzunehmende Alternative.

Als Wissenschaftler kann man sich dumm stellen und mangels mainstreamtauglicher "Beweisen" sich in den Elfenbeinturm zurückziehen. Ich bin Herrn Ganser dankbar, daß er es nicht tut, und sich traut, offensichtliche Widersprüche zu benennen. Wenn vor allem in den Zeitungen mehr Menschen mit dieser Courage arbeiten würden, hätten vielleicht einige der letzten Kriege nicht stattgefunden.

Solange Geschichte noch Gegenwart ist, kommt man nicht drum herum, Stellung zu beziehen. Entweder sind also die Islamisten die Bösen, oder man muß andere kritisieren. Rükenmarksgesteuert den üblichen Beschuldigen folgen halte ich für wesentlich schlimmer (und manipulierbarer), als sich Optionen offenzuhalten und seinen Verstand zu gebrauchen. Wer immer noch öffentlichen Verlautbarungen vertraut, hat einiges verschlafen!

Ein letztes: Benutzer des Wortes "Verschwörungstheorie" disqualifizieren sich selbst. Man weiß, was sie sagen wollen. Weder ist aber das Wort an sich korrekt (Geschichte besteht aus fast nichts anderem als Verschwörungen). Noch ist es gerechtfertigt, einen Diskussionsteilnehmer aus Aversion, Ignoranz oder eigener Inkompetenz mit gewollt rufschädigenden Etiketten zu versehen.
Wer nicht inhaltlich zur Diskussion beitragen will oder kann, sollte sich mit Beschimpfungen zurückhalten.

Bernhard Straile, 25.01.2015 09:09
Vielen Dank für dieses sehr interessante Interview - Reflexion ist immer gut und die Aussagen von Herrn Ganser regen dazu mehr als an. Was wirklich geschehen ist, welche Hintergründe tatsächlich existieren, das war und ist äußerst komplex. Aber nachdenken und Merkwürdigkeiten bemerken ohne gleich vom einen oder anderen überzeugt zu sein, genau das gelingt durch diesen Artikel. Daher von meiner Seite: genau das brauchen wir!

hajomueller, 24.01.2015 20:30
Es ist schon erstaunlich, wie gutgläubig selbst Leser von Kontext gegenüber offiziellen politischen und polizeilichen Statements sind. Für viele Menschen darf und kann es nicht wahr sein, dass sie von ihren Politikern regelrecht hinters Licht und in Kriege geführt werden. Wir sind doch die Guten. Ist es denn nicht seltsam, dass uns in trauter Regelmäßigkeit von verhinderten Terroranschlägen durch Islamisten berichtet wird? Damit soll Angst und Gefügigkeit erzeugt werden. Wieviel Tote gab es in Deutschland in den letzten 10 Jahren durch "islamische" Terroristen? Laut Wikipedia keinen. Aber wo bleibt der Aufschrei, dass in Deutchland rund 15000 Patienten in Krankenhäuser sterben müssen, weil Sparmaßnahmen verhindern, dass erfolgreich gegen resistente Keime vorgegangen wird? Allein daran ist für mich erkennbar, eigentlich müssten Kampagnen gegen die Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen gefahren werden und nicht gegen "muslimische" Terroristen. Hier gilt es wie immer die Frage zu stellen, wem nützt es? Auf keinem Fall der deutschen Bevölkerung. Vor diesem Hintergrund erscheint mir das Totschlagargument vom Verschwörungstheoretiker eigentlich nur ein Ablenkungsversuch, sich einer entsprechenden Diskussion zu entziehen.

Gretel Quiring, 22.01.2015 15:35
Verschwörungstheorien, ausgerechnet auch in KONTEXT!

Der angebliche Historiker und Friedensforscher Daniele Ganser verbreitet seit Jahren Verschwörungstheorien, unter anderem zu den Anschlägen vom 11. September, neuerdings auch zum Attentat auf “Charlie Hebdo”, wie oben in KONTEXT zu lesen ist. Ganser ist mit Vorträgen und Aufsätzen Teil der deutschsprachigen Verschwörungstheoretiker-Szene, in der sich Rechtspopulisten, Neonazis, Islamgegner, Putin-Versteher, Scientologen, Sektenanhänger, Klimaskeptiker und andere Gruppen sammeln.

Diese “bunte” Szene als “harmlose” Spinner abzutun, ist leider zu einfach und naiv. Vielmehr ist diese Szene brandgefährlich für ein demokratisches Gesellschaftssystem, wie die von Dresden ausgehende “Pegida”-Bewegung aktuell zeigt. Bei deren “Spaziergängen” tauchen beispielsweise immer wieder “Compact”-Plakate auf, die Merkel verschleiert zeigen. “Compact”-Chefredakteur Jürgen Elsässer gilt als Leitfigur in der Verschwörungstheoretiker-Szene, Ganser wiederum veröffentlichte Beiträge in “Compact”.

Dass KONTEXT Ganser (zum wiederholten Male) eine Bühne bietet, schadet der Seriosität und Glaubwürdigkeit von KONTEXT selbst massiv. Solch ein Interview hat in einem kritischen, aufgeklärten Medium nichts verloren.

invinoveritas, 22.01.2015 12:27
Also, die Sache ist so:

Frau Merkel ist natürlich eine CIA-Agentin. Schon als ihr Vater damals mit der ganzen Familie von Hamburg in die DDR übersiedelte - wer macht so was schon ohne Auftrag? -, geschah das, um die junge Angela mit Kenntnissen auszustatten, die sie eben nur in Ostberlin, Moskau, Prag erwerben konnte.

Als sie Helmut Kohl abservierte, stützte sie sich auf Informationen über die CDU-Parteispendenaffäre, die CIA und FBI gesammelt hatten. Kohl war in Washington in Ungnade gefallen, weil er nachts an einer Bar angedeutet hatte, er kenne ein paar unbekannte Leichen im Keller von Clinton; Schreiber wurde dann von der CIA nach Kanada ausgeflogen.

Heute ruiniert die Merkel Rest- und vor allem Südeuropa, treibt TTIP voran, unternimmt natürlich absolut nichts gegen NSA und führt einen unerklärten Wirtschaftskrieg gegen Russland und Putin.

Und es reibt sich die Hände dasselbe amerikanische Kapital, das schon seinerzeit dafür gesorgt hatte, dass aus einem Weltkrieg-eins-Gefreiten und Schulabbrecher binnen 15 Jahren ein deutscher Reichskanzler wurde. Wie naiv muss man sein, um die offizielle Version zu glauben, dass so etwas ohne die Unterstützung einflussreicher Kreise in Übersee geschehen konnte? Schon damals ging es Hoover, seit 1924 FBI-Chef, darum, die Europäer in einen Krieg zu treiben - damit die USA am Wiederaufbau verdienen konnten.
Und woher kamen denn die Edathy-Fotos? Eben, Kanada. Na, klingelt's?
So schaut's aus.
Ganser, übernehmen Sie!

Hartmut Hendrich, 22.01.2015 11:42
So wenig ich der Ansicht des Weinfreundes zu manchem Thema das hier diskutiert wird (sofern er dazu auch seine Meinung kund tut) folgen kann und will, so sehr muss ich ihm zustimmen, in seiner oft spöttischen Kritik an einem übertriebenen Eiferertum mancher Diskutanten, welches der vertretenen Sache eher abträglich ist. So ist es auch hier. Warum wird der unglaublich brutale Massenmord in Paris relativiert? All die Verbrechen (im Namen unserer Freiheit oder was auch sonst), die oben genannt, gehören dem Vergessen entrissen und gegen alle Widerstände immer wieder an die Öffentlichkeit gebracht. Diesem Bemühen wird durch dieses Interview ein Bärendienst erwiesen, indem mit dem Verweis auf diese Untaten ein anderes scheußliches Verbrechen kleingeredet wird. Zu allem Überfluß wird dann auch noch eine Verschwörungstheorie (ja man muss es schon so sagen) bemüht. Der im Fluchtauto wohl gefundene Personalausweis macht natürlich hellhörig und so manches Verbrechen ist von Institutionen, denen man solches einfach nicht zutraut, in denunziatorischer Absicht schon anderen untergejubelt worden. Hier sei aber auch mal zu bedenken, dass es bei Geheimdiensten, wie bsw. der CIA, denen alles zuzutrauen und vieles Undenkbares auch nachgewiesen ist, sicher totesmutige Agenten gibt. Es ist aber nicht vorstellbar, dass solche Leute Aktionen ausführen, bei denen der eigene Tod nicht nur möglich, sondern letztlich Ziel dieser Aktion ist. Solches findet man wohl nur als letzte Möglichkeit, durchaus ehrenwert, beim Tyrannenmord oder, wie wir ja hinreichend oft von mordenden religiösen Eiferern hören müssen. Dass es solche religiösen Eiferer gewesen sind, wird aber wohl von vielen, wie auch hier vom Historiker und Friedensforscher Daniele Ganser eher ausgeschlossen, es fehlt ja schließlich ein Geständnis der vermutlichen Täter.

winningindustries, 22.01.2015 10:35
@ ElisabethHD : diesen Artikel: das empfinde ich als Hetze, obgleich ich sehr neutral bin (Atheist)

ElisabethHD, 21.01.2015 22:04
Was will uns dieser Herr Ganser eigentlich sagen?
Aus dem ganzen Geschwurbel hab ich nur zwei Kernaussagen herausgehört:
Irgendwie ist der böse Westen an dem Anschlag auf Charlie Hebdo schuld - deshalb "hug your muslim".

Damit man nicht die Falschen umarmt - hier das Kontrastprogramm zu Ganser:

http://www.faz.net/aktuell/politik/die-gegenwart/linke-verweigern-diskussion-ueber-islam-und-gewalt-13377388.html

Wilhelm, 21.01.2015 21:47
@invinoveritas: Könnten Sie ihre Meinung auch irgendwie tiefergehend begründen? Anhand ihrer Ausführungen kann ich ihre Aversion gegen Herrn Ganser nicht nachvollziehen.
Anhand vieler Lügen der Regierungen und großen Interessengruppen dieser Welt ist es sinnvoll und logisch auch heute, besonders nach Snowden, davon auszugehen, das diese Methoden nicht nur nicht weiter geführt, sondern wahrscheinlich noch ausgebaut wurden. So weiß man heute z. B. viel über die sogenannten Brutkastenlüge ( http://de.wikipedia.org/wiki/Brutkastenl%C3%BCge) , welche den zweiten Grolfkrieg in der Bevölkerung der USA mithalf zu sanktionieren. Ebenso sind Gladio und StayBehind gut erforscht (http://de.wikipedia.org/wiki/Gladio ; http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/007/1800701.pdf ; http://de.wikipedia.org/wiki/Stay-behind-Organisation ) sind. Man sollte bei solchen Anschlägen wie in Paris immer ruhig und besonnen bleiben und danach fragen, wer profitiert alles davon? Und sich nicht sofort auf eine Seite schlagen und keine logisch durchdachten Abwägungen gestatten.

Andreas Lotter, 21.01.2015 20:43
Mag sein, Ganser erzählt uns auch nur Verschwörungstheorien. Nur das, was uns täglich unsere Politiker und Medien über den Abschuß von MH17, die NSU oder Paris erzählen sind Aussagen, welche genausowenig mit Beweisen unterlegt werden als die hier von Ganser getätigten Aussagen. Nur weshalb soll die eine Seite nun grundsätzlich glaubhafter sein?

Wer Zweifel an Ganser hat macht sich unglaubwürdig wenn er nun einfach die sog. "offizielle Version" nachplappert. Wenn schon, will ich klare Fakten sehen oder ich will den Urteilsspruch eines Richters in einem fairen Verfahren hören. Nur Tote, welche von der Presse bereits ohne irgend einen sachlichen Beweis für schuldig erklärt wurden, werden eben nicht mehr vor Gericht gestellt. Was für ein Glück für gewisse Kreise....

CharlotteRath, 21.01.2015 20:29
Der Artikel von Herrn Dr. Ganser lädt zum "Selberdenken" ein, vielen Dank dafür.

So einfach & gut, wie invinoveritas die Welt malt, ist sie m.E. nicht. Zweifeln ist nicht nur im Priven erlaubt, sondern darf als Tätigkeit ausdrücklich weiterempfohlen werden.

Polizeiliche Mitteilungen sind nicht die einzige Deutungsmöglichkeit eines Geschehens.
Es wäre zudem hilfreich, wenn unsere öffentlichen Medien den zum Teil doch sehr merkwürdigen Verflechtungen zwischen den staatlichen Geheimdiensten und radikalen Kräften intensiver nachgehen und ihren Teil dazu beitragen würden, dass wenigstens der deutsche Geheimdienst wieder einer stärkeren parlamentarischen Kontrolle unterzogen wird.

In Deutschland sei nur an den NSU-Komplex, die NPD-Verbotsversuche, das Oktoberfest-Attentat oder die auch die jüngsten Äußerungen des früheren Bundesdatenschutzbeauftragten zum Thema NSA erinnert.

Ins Ausland geht ein ganz großer Dank an die Aufklärungsbemühungen von Bürgerrechtsbewegungen und Whistleblowers in den USA!

Ein aktueller Lesetipp - auch an "invinoveritas" ;-) - lautet:
http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/150119_CIA_Folterreport_Vorwort_Nesko.pdf

invinoveritas, 21.01.2015 17:42
Nein, es tut mitnichten gut zu wissen, dass es Menschen wie Herrn Ganser gibt.
Herrn Gansers Methode besteht nämlich vorrangig darin, unentwegt irgendwelche Verdächte in die Welt zu streuen. Es ist aber nicht sinnvoll und eines Wissenschaftlers unwürdig, nur weil Geheimdienste bestimmte Aktionen durchgeführt und sie anderen in die Schuhe geschoben haben, uferlose Überlegungen nach der Devise "Warum soll es denn dann diesmal nicht auch so gewesen sein?" anzustellen. Ein warum auch immer im Fluchtauto liegender Personalausweis kann doch nicht ernsthaft all die anderen Fakten aufwiegen, die jenseits vernünftigen Zweifels für die Täterschaft der Brüder Kouachi sprechen, und nur TÜV-geprüfte Verschwörungstheoretiker wie Ganser "argumentieren" mit der Kürze der Zeit. Und so posaunt er nun seine nur vermeintlich tiefsinnigen Fragen in die Welt hinaus - um so als unvoreingenommen prüfender Wahrheitssucher dazustehen. Billiger geht's nimmer, und was wirklich gut zu wissen täte, wäre dies: dass die dem Gedanken der Aufklärung verpflichtete Kontext-wochenzeitung wohlwollend die Option prüft, so absichtsvoll raunenden Mystikern vom Schlage des Herrn Dr. Ganser inskünftig etwas weniger Raum zu überlassen.

winningindustries, 21.01.2015 11:11
Es tut gut zu wissen, daß es Menschen wie Herrn Ganser gibt.

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