KONTEXT Extra:
Parkschützer helfen Wolfgang Dietrich beim VfB

Überraschende Hilfe für den früheren S 21-Sprecher Wolfgang Dietrich: Ermuntert durch das Kontext-Editorial ("Dietrich for President") finden sich im Bahnhofsgegner-Forum "Parkschützer" bereits Vorschläge für Sprechakte, die der 68-Jährige als VfB-Präsident vornehmen könnte. Besonders hübsch die Ansage, der Zweitligist plane den Kauf von Messi, Ronaldo und Ibrahimovic - "die Kosten dafür werden unseren Etat nicht belasten". Sehr schön auch der Plan, keinen Torwart einzusetzen, denn: "Ich bin sicher, wir bekommen eine Sondergenehmigung, unser Tor mit Brettern vernageln zu dürfen". Außerdem brauche der VfB keine elf Spieler - "unsere Mannschaft ist mit sechs Spielern 30 Prozent leistungsfähiger". Grundsätzlich habe der Abstieg in die 2. Liga keinerlei Auswirkungen auf das Ziel, 2017 Deutscher Meister zu werden: "Wir liegen da voll im Zeitplan". (28.7.2016)


Zwei Afd-Fraktionen im Landtag zulässig

Nach dem von der Landtagsverwaltung in Auftrag gegebenen Gutachten zur Vertretung der "Alternative für Deutschland" (AfD) im baden-württembergischen Parlament gibt es keine Handhabe gegen die Parallelfraktion. Die Professoren Christofer Lenz, Martin Morlok und Martin Nettesheim schreiben in ihrer 35-seitigen Stellungnahme: Der unter der Bezeichnung "Fraktion der Alternative für Baden-Württemberg im Landtag von Baden-Württemberg" auftretende Zusammenschluss von 14 der AfD angehörenden Abgeordneten sei "seit seiner Konstituierung am 06.07.2016 eine Fraktion im Sinne der Geschäftsordnung des Landtags". Einer Anerkennung bedürfe es nicht. Es bestünden keine über den Wortlaut Geschäftsordnung "hinausgehende, rechtliche Anforderungen an die Zulässigkeit einer Fraktionsbildung".

Auch das "Verbot der Fraktionsvermehrung" greift nach Einschätzung der Gutachter nicht. "Der Landtag würde die verfassungsrechtlichen Grenzen seiner Geschäftsordnungsautonomie aber nicht überschreiten", heißt es weiter, "wenn er eine Regelung erließe, die die Gründung einer 'Parallelfraktion' untersagt." Einer bereits bestehenden Fraktion ist der Status aber auch dadurch nicht zu nehmen. Denn: "Eine derartige Regelung dürfte nur mit Wirkung für die Zukunft erlassen werden, zweckmäßigerweise zum Zeitpunkt des Zusammentritts des neuen Landtag."

Damit müssen sich die anderen Fraktionen, wenn der AfD-Bundes- und Landessprecher Jörg Meuthen mit den Bemühungen eines Zusammenschlusses unter seiner Führung keinen Erfolg hat, weiterhin mit mindestens zwei rechtspopulistischen Rednern und Rednerinnen zu jedem Tagesordnungspunkt abfinden. Die geschätzen Kosten der Spaltung für die Steuerzahler und Steuerzahlerinnen liegen bei drei Millionen Euro. Denn auch die zweite AfD-Fraktion hat ein Recht auf die allen anderen zustehende finanzielle Ausstattung. (25.7.2016)


Zweiter NSU-Ausschuss: Geheimdienste auf der Theresienwiese?

Der zweite NSU-Untersuchungsausschuss des Landtags hat in seiner konstituierenden Sitzung am Donnerstag die ersten zwei Zeugen benannt. Sie sollen nach den Worten des Vorsitzenden Wolfgang Drexler (SPD) Auskunft darüber geben, "ob sich am Tag des Anschlags auf die beiden Polizeibeamten in Heilbronn Geheimdienste am oder in der Nähe des Tatorts befunden" haben.

Im ersten Ausschuss in der vergangenen Legislaturperiode hatte der Journalist und NSU-Experte Rainer Nübel als Sachverständiger dazu Stellung genommen. "Er verwies", wie es im Abschlussbericht heißt, "zunächst auf die mutmaßliche Anwesenheit der Defence Intelligence Agency (DIA) zur Tatzeit am Tatort". Mitte November 2011 habe er, wie Nübel weiter zitiert wird, eine Nachricht von der "Stern"-Redaktion in Hamburg erhalten, wonach ein dort vorliegendes Papier ein mutmaßliches Observationsprotokoll des amerikanischen Militärgeheimdienstes DIA darstelle. Daraus gehe hervor, dass zur Tatzeit eine Observation von "M. K." und einer weiteren, nicht näher definierten Person durch US-Agenten stattgefunden habe. Zumindest eine dieser beiden Personen habe zuvor bei der Santander-Bank 2,3 Millionen Dollar oder Euro abgeholt. Und weiter: "Sicherheitsbeamte entweder aus Baden-Württemberg oder Bayern sollten präsent gewesen sein und die Operation aufgrund eines 'Shooting Incident' zwischen 'White Wings', also Neonazis bzw. Rechtsextremisten, und einer Polizeistreife abgebrochen worden sein."

Nübel hatte bei seinem Auftritt als Sachverständiger umfangreiche Ausführungen zu den eigenen Recherchen gemacht. Aus Zeitgründen und angesichts des Endes der Legislaturperiode, so Drexler, der auch den ersten Ausschuss führte, habe diesem Komplex aber nicht mehr detailliert nachgegangen werden können. Im Einsatzbeschluss des zweiten Gremiums heißt es jetzt, insbesondere sei zu klären, ob "Angehörige von ausländischen Sicherheitsbehörden auf der Theresienwiese oder in der Umgebung im Umfeld des Mordanschlags am 25. April 2007 anwesend waren, ob und welche Rolle diese beim Tatgeschehen gespielt und welche Erkenntnisse dazu bei deutschen Sicherheits- und Ermittlungsbehörden vorgelegen haben". Die erste öffentliche Sitzung des Untersuchungsausschusses findet am 19. September statt. Gehört werden zum Auftakt auch noch einmal vier Sachverständige.


Keine Nebenabsprache zu Stuttgart 21

Um Streit zu vermeiden, sind laut Winfried Kretschmann die bis zum Wochenanfang geheimen Nebenabreden mit der CDU zusätzlich zum Koalitionsvertrag getroffen worden. Die Aufregung darüber, dass Ausgaben von 1,3 Milliarden Euro ohne Finanzierungsvorbehalt an der Öffentlichkeit vorbei festgeschrieben wurden, versuchte der Regierungschef mit neuen Einblicken in seinen Politikstil zu kontern: "Auch ich muss mal mauscheln, auch ich muss mal dealen." Kein Mensch auf der Erde, der vernünftig Politik machen wolle, kriege das hin ohne Absprachen hinter den Kulissen. Da habe er kein schlechtes Gewissen, denn es sei "unspektakulär", einzelne Maßnahmen zu priorisieren, die grundsätzlich ohnehin im Koalitionsvertrag vereinbart seien.

Unter anderem ist im Detail aufgeführt, dass 325 Millionen Euro ohne Finanzierungsvorbehalt in die Digitalisierung fließen sollen, 100 Millionen in die bessere Ausstattung der Polizei oder 40 Millionen in die Elektromobilität. Der mit 500 Millionen Euro größte Betrag ist allerdings nicht mit konkreten Informationen versehen, die Summe steht für "Investieren/Sanieren (Straße/Schiene, Hochbau, Hochschulen, ...)" zur Verfügung. Der Ministerpräsident widersprach Mutmaßungen, dass in dieser halben Milliarde auch zusätzliche Mittel für Stuttgart 21 über den Kostendeckel hinaus versteckt sein könnten. Für die laufenden Zahlungen gebe es einen Sonderposten im Haushalt. Nebenabsprachen zu diesem Thema hätten nicht stattgefunden.

(19.07.2016)


Die Reichen sind noch viel reicher

Einkommenserhebungen bei Spitzenverdienern aus mehr als 1300 Firmen haben ergeben, dass alle offiziellen Einschätzungen zur wachsenden sozialen Kluft in der Bundesrepublik die Situation beschönigen. Nach den Zahlen, die das ARD-Magazin "Monitor" in diesen Tagen veröffentlichte, verdienen Manager und Vorstände im Durchschnitt nicht 200 000 Euro jährlich, sondern rund eine halbe Million. Die 200 000 Euro sind aber offiziell im sogenannten Sozioökonomischen Panel (SOEP) ausgewiesen, welches wiederum wichtiger Eckpfeifer der bisherigen Armuts- und Reichtums-Berichterstattung in Bund und Ländern ist.

Das Bundesarbeitsministerium will die Daten dort jetzt einfließen lassen, ebenso wie die Erkenntnisse einer in der vergangenen Woche von der Bertelsmann-Stiftung veröffentlichten Studie. Danach verdienen die einkommensstärksten zehn Prozent der Bevölkerung mehr als die unteren 40 Prozent zusammen. Und die Einkommensungleichheit wächst weiter. In "Monitor" präsentierte Wirtschaftsweise Peter Bofinger eine vergleichsweise einfache Lösung: "Aus meiner Sicht würde es naheliegen, wieder zu den Steuersätzen zurückzukehren, die wir in den Neunzigerjahren hatten, und das war ein Spitzensteuersatz in der Einkommenssteuer von 53 Prozent." Zurzeit liegt er bei 42 Prozent. Ab einer bestimmten Einkommenshöhe werden drei Prozentpunkte Reichensteuer hinzugerechnet. Von ihr sind aber nicht einmal ein halbes Prozent der Steuerzahler und Steuerzahlerinnen betroffen.


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Mit Drohnen wie der MQ-9 Reaper dreht die Nato die Gewaltspirale nur schneller, sagt Friedensforscher Daniele Ganser. Foto: Larry E. Reid Jr./Wikimedia

Mit Drohnen wie der MQ-9 Reaper dreht die Nato die Gewaltspirale nur schneller, sagt Friedensforscher Daniele Ganser. Foto: Larry E. Reid Jr./Wikimedia

Ausgabe 199
Politik

"Alle heizen den Kessel an"

Von Jens Wernicke (Interview)
Datum: 21.01.2015
Die Gewaltspirale dreht sich weiter. Aber sind daran nur radikale Islamisten schuld? Der Friedensforscher Daniele Ganser sagt Nein und erinnert daran, dass die NATO einst einen serbischen TV-Sender bombardiert hat. Damals starben zehn Journalisten – und niemand hat protestiert. Ein Interview.

Herr Ganser, sind wir jetzt alle durch radikale Islamisten bedroht?

Wir sollten ruhig und achtsam bleiben. Was wirklich in Paris bei dem Anschlag auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" passiert ist, wissen wir derzeit nicht. Wenn die Polizei recht hat, haben wir es mit einer sensationell schnellen Aufklärung eines komplizierten Verbrechens zu tun. Diese Aufklärung dauerte keine 24 Stunden. Wie gelang das der Polizei? Die Killer haben angeblich "Gott ist groß" sowie "Wir haben den Propheten gerächt" gerufen. Erkannt hat die Polizei die Männer aber nicht, denn sie waren mit schwarzen Sturmmasken maskiert.

Es gibt einen Personalausweis aus dem Fluchtauto.

Das gilt nun in Europa und den USA als der durchschlagende Beweis. Ich habe mich gefragt: Warum nimmt ein Killer seinen Ausweis mit, wenn er einen Massenmord plant? Und wie konnte man mit einem Personalausweis sofort zwei Täter identifizieren? Eigentlich müsste man die Brüder Cherif und Said Kouchai, von denen die Polizei annimmt, dass sie hinter den schwarzen Sturmmasken steckten, nun ins Verhör nehmen. Das kann man aber nicht mehr, weil sie tot sind. Und schließlich muss man untersuchen, ob es nicht eine False-Flag-Operation war, welche man in diesem Fall den Muslimen in die Schuhe schiebt, um in Europa und den USA Angst und Hass zu schüren, den Überwachungsstaat weiter auszubauen und Kriege gegen muslimische Länder fortan noch besser legitimieren zu können.

"99 Prozent der Menschen möchten einfach in Ruhe leben." Foto: Joachim E. Röttgers
"99 Prozent der Menschen möchten einfach in Ruhe leben." Foto: Joachim E. Röttgers

Wie kommen Sie zu dieser Einschätzung?

Nach jedem Anschlag ist die Öffentlichkeit zuerst schockiert und aufgewühlt. Das ist genau das Ziel: Den Menschen vor dem Fernseher soll die Angst in Mark und Knochen fahren. Nicht nur die Toten, sondern vor allem die Beobachter der Geschehnisse sind das Ziel des Terrors. Oft werden unmittelbar nach dem Anschlag falsche Beweise präsentiert und erlogene Geschichten erzählt, welche die Menschen bereitwillig schlucken, weil sie in einem emotionalen Ausnahmezustand sind und nicht mehr in Ruhe nachdenken können.

Können Sie das belegen?

Im italienischen Peteano starben 1972 drei Polizisten bei einem Terroranschlag, der sofort der extremen Linken in die Schuhe geschoben wurde. Doch die Beweise waren gefälscht. Der Sprengstoffexperte der italienischen Polizei, Marco Morin, hatte bewusst eine falsche Expertise erstellt und behauptet, der Peteano-Sprengstoff sei jener, den auch die linke Terrorgruppe Brigate Rosse verwende. Die Massenmedien folgten dieser Expertise blind, und dadurch wurden nicht nur die Brigate Rosse, sondern auch die italienischen Kommunisten und Sozialisten diskreditiert. Es dauerte zwölf Jahre, bis der italienische Untersuchungsrichter Felice Casson die Lüge aufdeckte. Er fand heraus, dass nicht die Linken, sondern der Rechtsextremist Vincenzo Vinciguerra den Anschlag verübt hatte. Er begründete seine "Strategie der Spannung" so: "Die Anschläge sollten die Menschen, das italienische Volk, dazu bringen, den Staat um größere Sicherheit zu bitten."

Bei einem anderen Terroranschlag habe ich verfolgt, wie Pässe gefälscht worden sind: Als 1985 der französische Geheimdienst in Neuseeland das Greenpeace-Schiff Rainbow Warrior mit einer Bombe versenkte, reisten zwei Agenten mit gefälschten Pässen als Schweizer Ehepaar Turenge ein. Die Schweiz hatte aber gar nichts mit dem Anschlag zu tun – Schweizer waren überhaupt nicht an Bord. Geheimdienste haben keinerlei Probleme damit, Pässe zu fälschen und damit falsche Fährten zu legen, das ist ein Kinderspiel.

Eine zunehmende Radikalisierung bestimmter Milieus ist aber nicht zu übersehen.

Natürlich gibt es eine Radikalisierung, wir stecken mitten in einer riesige Gewaltspirale, und das ist alles andere als gut. Aus ihr müssen wir herauskommen, aber das geht nur, wenn wir Konflikte ohne Gewalt lösen. Wir befreien uns daraus nicht, wenn wir noch mehr muslimische Länder angreifen oder bombardieren oder in den NATO-Ländern den Überwachungsstaat ausbauen. Wir müssen uns diese Gewaltspirale in aller Ruhe anschauen. Im Nordsudan hat der muslimische Präsident Baschir alle "Nicht-Muslime" als "giftiges Ungeziefer" bezeichnet, Christen werden brutal vertrieben und auch getötet. Das ist ein Element der Gewaltspirale.

Ein anderes ist aber auch die Folter der CIA, welche kürzlich aufgedeckt worden ist. Da gibt es aber auch noch den Krieg von Frankreich und anderen NATO-Ländern gegen Libyen 2011, der 30 000 Tote forderte, die meisten davon Muslime. Und den illegalen Angriffskrieg von Großbritannien und den USA gegen den Irak 2003, der mehr als 100 000 Tote forderte, die meisten davon Muslime. Derzeit stehen die Kämpfe in Syrien und in der Ukraine im Fokus. Jede daran beteiligte Gruppe – die Christen, die Muslime, die Juden, die Hindus, die Buddhisten, die Atheisten – sollte dabei über den je eigenen Beitrag zur Gewaltspirale selbstkritisch nachdenken. Erst dann erkennt man, dass alle zusammen den Kessel anheizen. Man muss den Balken im eigenen Auge sehen – und nicht nur den Splitter in dem des Fremden.

Derlei Selbstkritik wäre wünschenswert, ist aber kaum vorhanden.

Das stimmt nicht. Es gibt diese Selbstkritik, nur wird darüber viel zu wenig berichtet. Der US-Drohnenpilot Brandon Bryant hat kürzlich eine sehr bewegende Selbstreflexion durchgemacht. Er hat 1626 Menschen getötet, nicht mit der Hand, dem Messer oder Gewehr, sondern vor seinem Monitor. In einem Fall sah er, wie ein Opfer wegen einer offenen Beinarterie verblutete. Auch Kinder und Frauen sterben in Afghanistan und Pakistan bei Drohnenangriffen, die meisten davon sind Muslime. Diesen Teil der Gewaltspirale wollen viele in Europa nicht sehen. Bryant hinterfragte sein Tun und kündigte schließlich beim Pentagon. Darüber gab es einige Beiträge in den Medien, leider aber viel zu wenige, daher kennen viele nun zwar den Begriff "Charlie Hebdo", nicht aber den Namen Brandon Bryant.

"Eine Reflexion über den eigenen Terror ist tabu", sagt Ganser über NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Foto: Kjetil Ree/Wikipedia
"Eine Reflexion über den eigenen Terror ist tabu", sagt Ganser über NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Foto: Kjetil Ree/Wikipedia

Bei aller Selbstkritik muss der Angriff auf die Pressefreiheit verurteilt werden, den die Morde in Paris offenbar intendierten.

Natürlich, die Pressefreiheit ist sehr wichtig und wird immer wieder angegriffen, zum Beispiel auch in Russland. Aber manchmal greift auch die NATO die Presse an, das blenden wir dann immer gerne aus. Am 23. April 1999 bombardierte die Nato die Redaktion des Radio- und TV-Senders von Serbien. Es gab zehn tote Journalisten, 20 Vermisste, die meisten davon verschüttet. Das Medienzentrum war damit ausgeschaltet. Damals gab es weder in Frankreich noch in Deutschland noch in den USA jemanden, der gesagt hätte, hierbei handele es sich um Terror gegen Journalisten. Man fand das regelrecht normal und korrekt – und der NATO-Sprecher erklärte dann, man habe erfolgreich einen Propagandasender ausgeschaltet. Nach dem Anschlag in Paris hat NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg erklärt: "Die NATO-Verbündeten halten im Kampf gegen Terrorismus zusammen. Wir stehen in voller Solidarität bei unserem Verbündeten Frankreich." Eine Reflexion über den eigenen Terror ist tabu.

Wen machen Sie für diese globale Gewaltspirale verantwortlich?

Wir sind derzeit sieben Milliarden Menschen in 200 Ländern. Nur ein Prozent tötet und foltert derzeit oder gibt Untergebenen den Befehl, zu töten oder zu foltern. Das ist also eine kleine Minderheit. Die anderen 99 Prozent möchten einfach in Ruhe leben, sich verlieben, etwas Geld verdienen, in die Ferien fahren, Freunde treffen, eine Familie gründen, Musik hören, die normalen Dinge des Lebens eben. Leider kann man diese 99 Prozent aber sehr gut an der Nase herumführen. Man erzählt ihnen etwa, ihre Freiheit müsse jetzt am Hindukusch verteidigt werden. Und obwohl sie zuvor noch nie von diesem Berggebiet gehört haben, ziehen sie womöglich mit in den Krieg. 

Ist bei den Gewalttätern dieser Welt die Religion wirklich das entscheidende Moment?

Nein. Die Gewalttäter kommen aus verschiedenen Ländern und gehören verschiedenen Religionen an. Es sind aber meistens Männer. Oft geht es im Kern um den Zugriff auf Ressourcen wie Erdöl oder Erdgas, die Religionen werden dabei vor allem dazu benutzt, die Gruppen in die Gewaltspirale hineinzuführen. Und diese gewalttätigen Männer haben ganz verschiedene Weltbilder. Sie sitzen etwa in den USA und steuern – wie sie denken, im Kampf für Freiheit, Menschenrecht und Demokratie – eine Drohne im Auftrag des Pentagons. Oder sie sind Präsident im Sudan und töten die Christen – vermeintlich im Auftrag Gottes oder der Religion. Oder sie arbeiten beim Geheimdienst in Italien und manipulieren einen Terroranschlag, um die Bevölkerung zu täuschen und für die Herren, denen sie hierbei dienen, die Chancen auf Wiederwahl zu erhöhen, die Möglichkeiten sozialer Revolten im Keim zu ersticken. In jedem Fall aber behaupten sie, dass sie durch Gewalt das Böse ausrotten könnten. Doch die Friedensforschung beweist ganz klar, dass das so nicht geht. Das ist ein ganz grässlicher Irrtum. Das Böse kann niemals durch Gewalt ausgelöscht werden.

Wenn dem so ist: Was könnte und sollte man aktuell tun?

Man muss sich erinnern, dass man den 99 Prozent angehört, die keine Gewaltspirale wollen. Man sollte daher mit Mut und Ehrlichkeit für gewaltfreie Konfliktlösung und für Toleranz gegenüber anderen Religionen einstehen. Auch wenn das derzeit nicht sehr populär ist. In einer Zeit voller Angst und Misstrauen muss man Brücken bauen. Wer einen Muslim kennt, sollte zu ihm gehen und ihn umarmen, oder wenn das nicht geht, ihm die Hand geben und ein freundliches Wort austauschen. Wir haben mehr als zwei Milliarden Christen und mehr als 1,5 Milliarden Muslime auf der Welt. Es hat also offensichtlich gar keinen Sinn, wenn diese beiden großen Gruppen nun gegeneinander in den Kampf ziehen.

 

Daniele Ganser ist Schweizer Historiker, spezialisiert auf Zeitgeschichte seit 1945 und internationale Politik. Seine Forschungsschwerpunkte sind Friedensforschung, Geostrategie, verdeckte Kriegsführung, Ressourcenkämpfe und Wirtschaftspolitik. Er unterrichtet an den Universität St. Gallen und Basel und leitet das Swiss Institute for Peace and Energy Research (SIPER) in Basel.


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Kommentare

Alexander Meier, 17.11.2015 14:45
Danke für dieses Interview mit Historiker Ganser.
Er hat wichtiges zu sagen was man leider zu selten hört.

Pete Dawgg, 20.02.2015 13:52
Liebe Kontextredaktion,

erschreckend, dass solche Leute ohne Hintergrundrecherchen oder kritisches Nachfragen hier ohne weiteres als "Friedensforscher" präsentiert werden. Selbst der Artikel in der Wikipedia weckt doch schon ein starkes Bedürfnis nach Hintergrundinformationen: https://de.wikipedia.org/wiki/Daniele_Ganser
(So in der Art: "Ich habe zwar keinen schriftlichen Beleg gefunden, aber mir hat es einer gesagt.")

Sollte man es persönlich für (noch) nicht angemessen halten, diesen Herrn als Verschwörungstheoretiker zu bezeichnen (im Gegensatz zu seinen vielen, vielen Fans im Internet), so muss von einem fundiert recherchierten Journalismus mit Hintergrundinformationen zumindest beleuchtet werden, WARUM sich so viele Verschwörungstheoretiker, "Truther," und Braunesoteriker auf seine Ideen stützen und sie als "Beweise" anführen (wenn auch oft in der ihnen eigenen selbstreferentiellen Weise).
Warum wird hier seine Zusammenarbeit mit Querfront-Protagonisten vom Schlage K. Jebsens
https://duckduckgo.com/?q=%22daniele+ganser%22+%2Bken&ia=videos
oder Anti-Israel-Aktivisten, die nicht "glühende Antisemiten" genannt werden dürfen (obwohl sie es m.E. sind)
https://juergenelsaesser.wordpress.com/2014/02/08/compact-prasentiert-streitgesprach-daniele-ganser-vs-karl-heinz-hoffmann-zum-oktoberfestattentat/
einfach unterschlagen?

Gregor v. Drabich, 01.02.2015 18:33
Vielen Dank für diesen tollen Artikel. Prof. Ganser arbeitet für den Frieden und ich bin dankbar, dass er durch seine jahrelangen detaillierten Forschungen viel Dunkles ans Tageslicht gebracht hat. Viele von ihm recherchierte Informationen konnte man z.B. auch in der NZZ lesen, da sie aus veröffentlichten Staats-Dokumenten stammen. Es liegt jetzt aber an jedem von uns, was wir mit diesen Informationen machen. Herzlichen Dank

wolle, 30.01.2015 11:44
da gibt es in den bisherigen kommentaren den durchaus ernstzunehmenden hinweis, dass es sich bei herrn ganser (inzwischen) um einen anhänger diverser verschwörungstheorien handelt (siehe kommentar von frau quiering), und dann wird hier auch noch ein link zu einem interview des wahnwichtels jebsen mit ganser veröffentlicht...
was kommt denn als nächstes? ein interview mit frau zschäpe zu der frage "gibt es fremdenfeindlichkeit in der deutschen polizei?"
es wäre schön, wenn ihr euren selbstformulierten anspruch an kontext etwas ernster nehmen würdet.

Andreas Lotter, 28.01.2015 20:44

eraasch, 27.01.2015 23:55
Herr Ganser ist Historiker und beschäftigt sich mit Geschichte nach 1945. Welche Dokumente liegen über diese Zeit vor? Sehr wenige. Forschung über noch aktuelle Ereignisse wird immer behindert durch massive Interessen, Irreführungen und Geheimhaltung aller Beteiligten.
Es dürfte klar sein, daß sich seine Forschungsarbeit nicht darauf beschränkt in alten Archiven Pergamente durchzulesen. Gerichtsurteile, "declassified" Geheimdienstdokumente, von Untersuchungsausschüssen erzwungene Veröffentlichungen, Aussagen von Insidern, Interviews etc. sind die Quellen bei dieser Arbeit. Das können viele Zeitgenossen nicht als wissenschaftliche Forschungsarbeit nachvollziehen. Es gibt zu diesem Vorgehen leider keine ernstzunehmende Alternative.

Als Wissenschaftler kann man sich dumm stellen und mangels mainstreamtauglicher "Beweisen" sich in den Elfenbeinturm zurückziehen. Ich bin Herrn Ganser dankbar, daß er es nicht tut, und sich traut, offensichtliche Widersprüche zu benennen. Wenn vor allem in den Zeitungen mehr Menschen mit dieser Courage arbeiten würden, hätten vielleicht einige der letzten Kriege nicht stattgefunden.

Solange Geschichte noch Gegenwart ist, kommt man nicht drum herum, Stellung zu beziehen. Entweder sind also die Islamisten die Bösen, oder man muß andere kritisieren. Rükenmarksgesteuert den üblichen Beschuldigen folgen halte ich für wesentlich schlimmer (und manipulierbarer), als sich Optionen offenzuhalten und seinen Verstand zu gebrauchen. Wer immer noch öffentlichen Verlautbarungen vertraut, hat einiges verschlafen!

Ein letztes: Benutzer des Wortes "Verschwörungstheorie" disqualifizieren sich selbst. Man weiß, was sie sagen wollen. Weder ist aber das Wort an sich korrekt (Geschichte besteht aus fast nichts anderem als Verschwörungen). Noch ist es gerechtfertigt, einen Diskussionsteilnehmer aus Aversion, Ignoranz oder eigener Inkompetenz mit gewollt rufschädigenden Etiketten zu versehen.
Wer nicht inhaltlich zur Diskussion beitragen will oder kann, sollte sich mit Beschimpfungen zurückhalten.

Bernhard Straile, 25.01.2015 09:09
Vielen Dank für dieses sehr interessante Interview - Reflexion ist immer gut und die Aussagen von Herrn Ganser regen dazu mehr als an. Was wirklich geschehen ist, welche Hintergründe tatsächlich existieren, das war und ist äußerst komplex. Aber nachdenken und Merkwürdigkeiten bemerken ohne gleich vom einen oder anderen überzeugt zu sein, genau das gelingt durch diesen Artikel. Daher von meiner Seite: genau das brauchen wir!

hajomueller, 24.01.2015 20:30
Es ist schon erstaunlich, wie gutgläubig selbst Leser von Kontext gegenüber offiziellen politischen und polizeilichen Statements sind. Für viele Menschen darf und kann es nicht wahr sein, dass sie von ihren Politikern regelrecht hinters Licht und in Kriege geführt werden. Wir sind doch die Guten. Ist es denn nicht seltsam, dass uns in trauter Regelmäßigkeit von verhinderten Terroranschlägen durch Islamisten berichtet wird? Damit soll Angst und Gefügigkeit erzeugt werden. Wieviel Tote gab es in Deutschland in den letzten 10 Jahren durch "islamische" Terroristen? Laut Wikipedia keinen. Aber wo bleibt der Aufschrei, dass in Deutchland rund 15000 Patienten in Krankenhäuser sterben müssen, weil Sparmaßnahmen verhindern, dass erfolgreich gegen resistente Keime vorgegangen wird? Allein daran ist für mich erkennbar, eigentlich müssten Kampagnen gegen die Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen gefahren werden und nicht gegen "muslimische" Terroristen. Hier gilt es wie immer die Frage zu stellen, wem nützt es? Auf keinem Fall der deutschen Bevölkerung. Vor diesem Hintergrund erscheint mir das Totschlagargument vom Verschwörungstheoretiker eigentlich nur ein Ablenkungsversuch, sich einer entsprechenden Diskussion zu entziehen.

Gretel Quiring, 22.01.2015 15:35
Verschwörungstheorien, ausgerechnet auch in KONTEXT!

Der angebliche Historiker und Friedensforscher Daniele Ganser verbreitet seit Jahren Verschwörungstheorien, unter anderem zu den Anschlägen vom 11. September, neuerdings auch zum Attentat auf “Charlie Hebdo”, wie oben in KONTEXT zu lesen ist. Ganser ist mit Vorträgen und Aufsätzen Teil der deutschsprachigen Verschwörungstheoretiker-Szene, in der sich Rechtspopulisten, Neonazis, Islamgegner, Putin-Versteher, Scientologen, Sektenanhänger, Klimaskeptiker und andere Gruppen sammeln.

Diese “bunte” Szene als “harmlose” Spinner abzutun, ist leider zu einfach und naiv. Vielmehr ist diese Szene brandgefährlich für ein demokratisches Gesellschaftssystem, wie die von Dresden ausgehende “Pegida”-Bewegung aktuell zeigt. Bei deren “Spaziergängen” tauchen beispielsweise immer wieder “Compact”-Plakate auf, die Merkel verschleiert zeigen. “Compact”-Chefredakteur Jürgen Elsässer gilt als Leitfigur in der Verschwörungstheoretiker-Szene, Ganser wiederum veröffentlichte Beiträge in “Compact”.

Dass KONTEXT Ganser (zum wiederholten Male) eine Bühne bietet, schadet der Seriosität und Glaubwürdigkeit von KONTEXT selbst massiv. Solch ein Interview hat in einem kritischen, aufgeklärten Medium nichts verloren.

invinoveritas, 22.01.2015 12:27
Also, die Sache ist so:

Frau Merkel ist natürlich eine CIA-Agentin. Schon als ihr Vater damals mit der ganzen Familie von Hamburg in die DDR übersiedelte - wer macht so was schon ohne Auftrag? -, geschah das, um die junge Angela mit Kenntnissen auszustatten, die sie eben nur in Ostberlin, Moskau, Prag erwerben konnte.

Als sie Helmut Kohl abservierte, stützte sie sich auf Informationen über die CDU-Parteispendenaffäre, die CIA und FBI gesammelt hatten. Kohl war in Washington in Ungnade gefallen, weil er nachts an einer Bar angedeutet hatte, er kenne ein paar unbekannte Leichen im Keller von Clinton; Schreiber wurde dann von der CIA nach Kanada ausgeflogen.

Heute ruiniert die Merkel Rest- und vor allem Südeuropa, treibt TTIP voran, unternimmt natürlich absolut nichts gegen NSA und führt einen unerklärten Wirtschaftskrieg gegen Russland und Putin.

Und es reibt sich die Hände dasselbe amerikanische Kapital, das schon seinerzeit dafür gesorgt hatte, dass aus einem Weltkrieg-eins-Gefreiten und Schulabbrecher binnen 15 Jahren ein deutscher Reichskanzler wurde. Wie naiv muss man sein, um die offizielle Version zu glauben, dass so etwas ohne die Unterstützung einflussreicher Kreise in Übersee geschehen konnte? Schon damals ging es Hoover, seit 1924 FBI-Chef, darum, die Europäer in einen Krieg zu treiben - damit die USA am Wiederaufbau verdienen konnten.
Und woher kamen denn die Edathy-Fotos? Eben, Kanada. Na, klingelt's?
So schaut's aus.
Ganser, übernehmen Sie!

Hartmut Hendrich, 22.01.2015 11:42
So wenig ich der Ansicht des Weinfreundes zu manchem Thema das hier diskutiert wird (sofern er dazu auch seine Meinung kund tut) folgen kann und will, so sehr muss ich ihm zustimmen, in seiner oft spöttischen Kritik an einem übertriebenen Eiferertum mancher Diskutanten, welches der vertretenen Sache eher abträglich ist. So ist es auch hier. Warum wird der unglaublich brutale Massenmord in Paris relativiert? All die Verbrechen (im Namen unserer Freiheit oder was auch sonst), die oben genannt, gehören dem Vergessen entrissen und gegen alle Widerstände immer wieder an die Öffentlichkeit gebracht. Diesem Bemühen wird durch dieses Interview ein Bärendienst erwiesen, indem mit dem Verweis auf diese Untaten ein anderes scheußliches Verbrechen kleingeredet wird. Zu allem Überfluß wird dann auch noch eine Verschwörungstheorie (ja man muss es schon so sagen) bemüht. Der im Fluchtauto wohl gefundene Personalausweis macht natürlich hellhörig und so manches Verbrechen ist von Institutionen, denen man solches einfach nicht zutraut, in denunziatorischer Absicht schon anderen untergejubelt worden. Hier sei aber auch mal zu bedenken, dass es bei Geheimdiensten, wie bsw. der CIA, denen alles zuzutrauen und vieles Undenkbares auch nachgewiesen ist, sicher totesmutige Agenten gibt. Es ist aber nicht vorstellbar, dass solche Leute Aktionen ausführen, bei denen der eigene Tod nicht nur möglich, sondern letztlich Ziel dieser Aktion ist. Solches findet man wohl nur als letzte Möglichkeit, durchaus ehrenwert, beim Tyrannenmord oder, wie wir ja hinreichend oft von mordenden religiösen Eiferern hören müssen. Dass es solche religiösen Eiferer gewesen sind, wird aber wohl von vielen, wie auch hier vom Historiker und Friedensforscher Daniele Ganser eher ausgeschlossen, es fehlt ja schließlich ein Geständnis der vermutlichen Täter.

winningindustries, 22.01.2015 10:35
@ ElisabethHD : diesen Artikel: das empfinde ich als Hetze, obgleich ich sehr neutral bin (Atheist)

ElisabethHD, 21.01.2015 22:04
Was will uns dieser Herr Ganser eigentlich sagen?
Aus dem ganzen Geschwurbel hab ich nur zwei Kernaussagen herausgehört:
Irgendwie ist der böse Westen an dem Anschlag auf Charlie Hebdo schuld - deshalb "hug your muslim".

Damit man nicht die Falschen umarmt - hier das Kontrastprogramm zu Ganser:

http://www.faz.net/aktuell/politik/die-gegenwart/linke-verweigern-diskussion-ueber-islam-und-gewalt-13377388.html

Wilhelm, 21.01.2015 21:47
@invinoveritas: Könnten Sie ihre Meinung auch irgendwie tiefergehend begründen? Anhand ihrer Ausführungen kann ich ihre Aversion gegen Herrn Ganser nicht nachvollziehen.
Anhand vieler Lügen der Regierungen und großen Interessengruppen dieser Welt ist es sinnvoll und logisch auch heute, besonders nach Snowden, davon auszugehen, das diese Methoden nicht nur nicht weiter geführt, sondern wahrscheinlich noch ausgebaut wurden. So weiß man heute z. B. viel über die sogenannten Brutkastenlüge ( http://de.wikipedia.org/wiki/Brutkastenl%C3%BCge) , welche den zweiten Grolfkrieg in der Bevölkerung der USA mithalf zu sanktionieren. Ebenso sind Gladio und StayBehind gut erforscht (http://de.wikipedia.org/wiki/Gladio ; http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/007/1800701.pdf ; http://de.wikipedia.org/wiki/Stay-behind-Organisation ) sind. Man sollte bei solchen Anschlägen wie in Paris immer ruhig und besonnen bleiben und danach fragen, wer profitiert alles davon? Und sich nicht sofort auf eine Seite schlagen und keine logisch durchdachten Abwägungen gestatten.

Andreas Lotter, 21.01.2015 20:43
Mag sein, Ganser erzählt uns auch nur Verschwörungstheorien. Nur das, was uns täglich unsere Politiker und Medien über den Abschuß von MH17, die NSU oder Paris erzählen sind Aussagen, welche genausowenig mit Beweisen unterlegt werden als die hier von Ganser getätigten Aussagen. Nur weshalb soll die eine Seite nun grundsätzlich glaubhafter sein?

Wer Zweifel an Ganser hat macht sich unglaubwürdig wenn er nun einfach die sog. "offizielle Version" nachplappert. Wenn schon, will ich klare Fakten sehen oder ich will den Urteilsspruch eines Richters in einem fairen Verfahren hören. Nur Tote, welche von der Presse bereits ohne irgend einen sachlichen Beweis für schuldig erklärt wurden, werden eben nicht mehr vor Gericht gestellt. Was für ein Glück für gewisse Kreise....

CharlotteRath, 21.01.2015 20:29
Der Artikel von Herrn Dr. Ganser lädt zum "Selberdenken" ein, vielen Dank dafür.

So einfach & gut, wie invinoveritas die Welt malt, ist sie m.E. nicht. Zweifeln ist nicht nur im Priven erlaubt, sondern darf als Tätigkeit ausdrücklich weiterempfohlen werden.

Polizeiliche Mitteilungen sind nicht die einzige Deutungsmöglichkeit eines Geschehens.
Es wäre zudem hilfreich, wenn unsere öffentlichen Medien den zum Teil doch sehr merkwürdigen Verflechtungen zwischen den staatlichen Geheimdiensten und radikalen Kräften intensiver nachgehen und ihren Teil dazu beitragen würden, dass wenigstens der deutsche Geheimdienst wieder einer stärkeren parlamentarischen Kontrolle unterzogen wird.

In Deutschland sei nur an den NSU-Komplex, die NPD-Verbotsversuche, das Oktoberfest-Attentat oder die auch die jüngsten Äußerungen des früheren Bundesdatenschutzbeauftragten zum Thema NSA erinnert.

Ins Ausland geht ein ganz großer Dank an die Aufklärungsbemühungen von Bürgerrechtsbewegungen und Whistleblowers in den USA!

Ein aktueller Lesetipp - auch an "invinoveritas" ;-) - lautet:
http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/150119_CIA_Folterreport_Vorwort_Nesko.pdf

invinoveritas, 21.01.2015 17:42
Nein, es tut mitnichten gut zu wissen, dass es Menschen wie Herrn Ganser gibt.
Herrn Gansers Methode besteht nämlich vorrangig darin, unentwegt irgendwelche Verdächte in die Welt zu streuen. Es ist aber nicht sinnvoll und eines Wissenschaftlers unwürdig, nur weil Geheimdienste bestimmte Aktionen durchgeführt und sie anderen in die Schuhe geschoben haben, uferlose Überlegungen nach der Devise "Warum soll es denn dann diesmal nicht auch so gewesen sein?" anzustellen. Ein warum auch immer im Fluchtauto liegender Personalausweis kann doch nicht ernsthaft all die anderen Fakten aufwiegen, die jenseits vernünftigen Zweifels für die Täterschaft der Brüder Kouachi sprechen, und nur TÜV-geprüfte Verschwörungstheoretiker wie Ganser "argumentieren" mit der Kürze der Zeit. Und so posaunt er nun seine nur vermeintlich tiefsinnigen Fragen in die Welt hinaus - um so als unvoreingenommen prüfender Wahrheitssucher dazustehen. Billiger geht's nimmer, und was wirklich gut zu wissen täte, wäre dies: dass die dem Gedanken der Aufklärung verpflichtete Kontext-wochenzeitung wohlwollend die Option prüft, so absichtsvoll raunenden Mystikern vom Schlage des Herrn Dr. Ganser inskünftig etwas weniger Raum zu überlassen.

winningindustries, 21.01.2015 11:11
Es tut gut zu wissen, daß es Menschen wie Herrn Ganser gibt.

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