KONTEXT Extra:
VfB gewinnt die Süperlig

Der VfB ist nun doch noch Meister geworden! Nach dem Abstieg aus der 1. Bundesliga am Samstag hat er schon am Tag darauf die türkische Süperlig gewonnen. Wenigstens ein bisschen. Sagen wir mal, unter Einberechnung des Schön-war-die-Zeit-Vergangenheitsbonus', zu zwei Elfteln. Die beiden Besiktas-Istanbul-Spieler Mario Gomez und Andreas Beck haben nämlich ihre VfB-Meisterschaftserfahrung aus dem Jahr 2007 in den türkischen Club eingebracht. Nach dem 3:1-Sieg gegen Osmanlispor kann Besiktas am letzten Spieltag nicht mehr eingeholt werden. Gefeiert wurde das auch auf dem Stuttgarter Schlossplatz, schließlich hat der Verein viele Fans. Die sind übrigens Weltrekordhalter: in einem Spiel gegen Tottenham im Jahr 2006 (nach anderen Angaben 2007 gegen Liverpool) haben sie sich mit 132 Dezibel den Höchstwert für Fußballstadien zusammengejubelt. Die Besiktas-Fangruppe Carsi (offiziell aufgelöst, aber weiter virulent und freundschaftlich mit Sankt Pauli verbunden) umrundet das A im Namen zum Zeichen für Anarchie, versteht sich auch als soziale Bewegung und war etwa bei den Taksim-Platz-Protesten gegen Erdogan aktiv. Was jetzt eventuell weniger an den VfB und seine Fans erinnert. Aaaaaber: Trainiert wurde Besiktas auch einige Jahre von Christoph Daum, der den VfB 1992 zum Meister machte. Und drei Jahre später hat Daum mit Besiktas die Süperlig gewonnen! Wenn man also auch noch den Daum-Faktor einrechnet, dann ist der VfB an diesem Sonntag sogar mit mehr als Zwei-Elfteln türkischer Meister geworden. (17.5.2016)


Stuttgarter Friedenspreis 2016 an Jürgen Grässlin

Die Verleihung des diesjährigen Anstifter-Preises an Jürgen Grässlin ist ein Signal. Denn dem Rüstungsgegner droht eine Haftstrafe. Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft hat wenige Monate nach seinem Enthüllungsbuch "Netzwerk des Todes" über die Verflechtungen von Rüstungsindustrie und Behörden Vorermittlungen eingeleitet: Gegen ihn und seine Mitautoren Daniel Harrich und Danuta Harrich-Zandberg - wegen des Verdachts verbotener Mitteilungen über Gerichtsverhandlungen gemäß § 353d Strafgesetzbuch.

Dabei hatte Mitautor und Regisseur Daniel Harrich der Staatsanwaltschaft zahlreiche Dokumente zur Verfügung gestellt, auf deren Basis die staatsanwaltschaftliche Klageschrift gegen Heckler & Koch verfasst werden konnte. Vor rund einem Monat hat Daniel Harrich noch den Grimme-Preis dafür entgegengenommen. Nicht nur im Fall Böhmermann - auch sonst sehen sich deutsche Medienmacher und kritische Autoren immer wieder mit Strafermittlungen konfrontiert. Jetzt erst recht - Kontext gratuliert zum Friedenspreis.

In diesem Jahr wird er zum 14. Mal verliehen, 25 Vorschläge gingen bei den Anstiftern ein. Der erste Preis ist mit 5000 Euro dotiert. Auf weiteren Plätzen folgen der Zeitzeuge Theodor Bergmann, Seawatch (Geflüchtete in Seenot), Ärzte ohne Grenzen und die kurdische Menschenrechtsaktivistin Leyla Zana. (16.Mai 2016)


Bündnis gegen rechts

Winfried Kretschmann engagiert sich im österreichischen Präsidentschaftswahlkampf: Er ist einem breit verankerten Komitee gegen rechts und zur Unterstützung von Alexander van der Bellen beigetreten. Der frühere Bundesvorsitzende der österreichischen Grünen, der als parteiunabhängiger Kandidat antritt, kam bei der Volkswahl Mitte April im ersten Wahlgang auf 21,3 Prozent der Stimmen. Norbert Hofer, der Kandidat der rechtspopulistischen "Freiheitlichen Partei Österreichs" (FPÖ), liegt mit 35 Prozent weit vorn. Zusammengefunden haben sich vor dem entscheidenden zweiten Wahlgang am 22. Mai viele Promis aus dem deutschsprachigen Raum, die sich für van der Bellen stark machen. Darunter Oscar-Preisträger Christoph Waltz, Everest-Bezwinger Reinhold Messner oder Liedermacher Konstantin Wecker und hunderte Schauspieler, Künstler, Journalisten, Politiker, Unternehmer, Wissenschaftler oder Diplomaten aus dem linken, aber auch aus dem bürgerlichen Lager. Nach Pfingsten, am Dienstagabend,  wird Kretschmann nach Wien reisen, um im Wahlkampf des Universitätsprofessors aufzutreten. Er habe van der Bellen "als engagierten, fairen und vertrauenswürdigen Menschen kennen und schätzen gelernt, der für Demokratie, Menschenrechte, ökologische Nachhaltigkeit, gegenseitigen Respekt und Chancengleichheit" eintrete. Unter weiter: "Gerade in diesen bewegten Zeiten ist eine besonnene, weltoffene und weitsichtige Person in einem solchen Amt besonders wichtig." Hofer ist programmatisch einer der führenden Köpfe der FPÖ und damit der europäischen Rechten. Seine schlagende Verbindung Marko Germania hält wenig vom selbständigen Staat Österreich, sondern bekennt sich zu einem "deutschen Vaterland", "unabhängig von bestehenden staatlichen Grenzen". Er wäre in Mitteleuropa der erste Rechtspopulist im höchsten Amt eines Staates. (15.5.2016)


Kretschmann gewählt – CDU wieder staatstragend

Mit 82 von 142 Stimmen – bei einer Krankmeldung – ist Winfried Kretschmann zum zehnten Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg gewählt worden. Seine neue grün-schwarze Koalition wäre rein rechnerisch auf 88 Stimmen gekommen. Für einen Moment war es auch mucksmäuschenstill im Plenarsaal, bevor sich die Abgeordneten zum Applaus erhoben. Wie schon am Vortag nach der Wahl von Muhterem Aras zur Landtagspräsidentin verweigerten die Abgeordneten der AfD diese Ehrbezeugung. Zuvor hatte Kretschmann die CDU-Fraktion besucht, mit der sich Parteichef Thomas Strobl erst am Morgen ausgesöhnt hatte. Eine Probeabstimmung am Dienstag war schiefgegangen. Einzelne CDU-Abgeordnete blieben auch am Donnerstag bei ihrer ablehnenden Haltung. Es wurde dementsprechend gemutmaßt, dass die fehlenden sechs Stimmen aus der Union kommen. Sichtlich gerührt nahm Aras ihrem Parteifreund den Amtseid ab. Danach gab’s einen weißen Blumenstrauß für den grünen Regierungschef. (12.5.2016)


"Ein Zeichen für das Gelingen von Integration"

Mit der Stuttgarterin Muhterem Aras bekleidet zum ersten Mal in der Geschichte Baden-Württembergs eine Frau das Amt der Landtagspräsidentin, und noch dazu eine mit Migrationshintergrund. „Sie haben mit Ihrer Wahl ein deutliches Zeiten für Weltoffenheit, für Toleranz und für das Gelingen von Integration gesetzt“, sagte die 50-Jährige in ihrer Antrittsrede zu den Abgeordneten. Handeln wolle sie im hohen Amt nach einem Zitat der sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Marie Juchacz aus dem Jahr 1919: „Scharfes kluges Denken, ruhiges Abwägen und warmes menschliches Fühlen gehören zusammen in einer vom ganzen Volke gewählten Körperschaft.“ Die 23 Abgeordneten der „Alternative für Deutschland“ (AfD) verweigerten der neuen Präsidentin sowohl den Beifall als auch die traditionelle Ehrerbietung durch Erheben. Die AfD scheiterte beim Versuch an der übergroßen Mehrheit der anderen vier Fraktionen, einen eigenen Vizepräsidenten durchzusetzen. Der neue CDU-Fraktionschef Wolfgang Reinhart begründete die Ablehnung „ganz unabhängig davon, dass es keinen Anspruch der AfD gibt“ damit, ein Zeichen der Sparsamkeit setzen zu wollen. Und er hielt AfD-Fraktionschef Jörg Meuthen Äußerungen vor, in denen der die Verknappung der Zahl der Vizes auf einen einzigen Posten unterstützt hatte – gerade mit dem Hinweis auf das Portemonnaie der Bürger. (11.5.2016)


KONTEXT
per E-Mail:
Immer informiert:

Durch diese Anmeldung erhalten Sie regelmäßig immer mittwochs um 9 Uhr unsere neueste Ausgabe unkompliziert per E-Mail.

Datenschutz-Hinweis

Ausgabe 199
Zeitgeschehen

Der lange Schatten des KZ-Arztes

Von Hermann G. Abmayr
Datum: 21.01.2015
Es gibt neue Erkenntnisse über die Verbindung Josef Mengeles zu Freiburg und einen Knochenfund in Berlin, der möglicherweise mit dessen Menschenversuchen in Auschwitz zu tun hat. Ein Beitrag über Forschungslücken und den langen Schatten des SS-Arztes.

In dem Film "Im Labyrinth des Schweigens" über den Frankfurter Auschwitz-Prozess (Regie Giulio Ricciarelli; Kinostart November 2014) taucht der Name Mengele wieder auf. Und am 24. Januar wird das Experimentelle Theater im bayerischen Schwaben an ihn erinnern: "Gemengele aus Ignoranz und hehre Phrasen" werden angekündigt. "Zündeln – oder Josef M. und seinesgleichen" – so der Titel des Stücks von Siegfried Steiger. Spielort ist die Umkleidekabine der alten Sporthalle in Günzburg, wo sich schon der kleine Beppo die Turnhose angezogen hatte. Die Duschen gehören zur Inszenierung.

Doch auch wenn der Dr. phil. und Dr. med. aus dem Schwabenland einer der weltweit bekanntesten KZ-Ärzte ist, gibt es immer noch Forschungslücken. Warum zum Beispiel haben die deutschen Behörden den SS-Mann ein Vierteljahrhundert lang gesucht und nie gefunden, obwohl ihn die Frankfurter Staatsanwälte – zunächst waren für kurze Zeit die Kollegen in Freiburg zuständig – gern schon im ersten Auschwitz-Prozess vor Gericht gesehen hätten? Gab es Versäumnisse und wenn ja, zu welcher Zeit und aus welchem Grund?

Knochen aus Auschwitz in Berlin gefunden?

Über Mengeles wissenschaftliche Arbeit muss ebenso weiter recherchiert werden. Auch wenn die Max-Planck-Gesellschaft – in der Mengeles Arbeitgeber, das Kaiser-Wilhelm-Institut (KWI), nach dem Zweiten Weltkrieg aufging –, inzwischen einige Forschungsarbeiten vorgelegt hat. Doch es gebe immer noch Briefe, die das Institut bis 2015 unter Verschluss halte, kritisiert Benno Müller-Hill. Der inzwischen emeritierte Genetikprofessor, der in Freiburg aufwuchs und studierte, hat 1984 als Erster in dem Buch "Tödliche Wissenschaft" den Zusammenhang zwischen Mengeles Experimenten im KZ und Otmar Freiherr von Verschuer entlarvt, dem Leiter des Instituts für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik am KWI.

Mengele war 1937 Verschuers Praktikant, später sein Assistent und Doktorand. Und er hat das KWI von Auschwitz aus mit "Material" beliefert – Blutproben und Augen von Zwillingspaaren. Oder Körperteilen von Menschen mit Anomalien, wie der jüdische Arzt Miklos Nyiszli schon kurz nach dem Krieg berichtet hatte. Nyiszli war ein Häftling, der Mengele in Auschwitz-Birkenau assistieren musste.

Erst vor wenigen Tagen ist bekannt geworden, dass in der Nähe des ehemaligen Verschuer-Instituts in Berlin bei Bauarbeiten verwitterte Gebeine von 15 Menschen ans Licht kamen. Nach Angaben von Rechtsmedizinern sind sie mehrere Jahrzehnte alt. Nicht auszuschließen, dass sie aus Auschwitz stammen. Auch dieser Spur müsste man nachgehen. Doch auf weitere Untersuchungen wurde bisher verzichtet.

Links Josef Mengele in Freiburg auf dem Balkon des Hauses Sonnhalde 81 im Frühsommer 1940. Rechts als SS-Obersturmführer im August 1942. Foto: Urheber und Besitzer unbekannt
Links Josef Mengele in Freiburg auf dem Balkon des Hauses Sonnhalde 81 im Frühsommer 1940. Rechts als SS-Obersturmführer im August 1942. Fotos: Urheber und Besitzer unbekannt

Der Historiker Markus Wolter hat jetzt zumindest eine kleine Forschungslücke geschlossen. Er untersuchte Mengeles wenig bekannte Beziehung zu Freiburg. Im Februar wird sein Aufsatz "Der SS-Arzt Josef Mengele zwischen Freiburg und Auschwitz" in der Zeitschrift des Breisgau-Geschichtsvereins erscheinen. Darin weist Wolter nach, dass die Meldekarten von Mengele und seiner Frau Irene fehlerhaft waren und dass die Staatsanwaltschaft nicht einmal bemerkt hatte, dass für 1943 und 1944 falsche Adressen angegeben waren. Dies werfe "ein insgesamt ungünstiges Licht auf Güte und Nachdruck der Ermittlungsarbeit vor Ort", schreibt Wolter. Der Fehler wird in allen Mengele-Monografien bis in die Gegenwart fortgeschrieben.

Der Historiker konnte erstmals zwei Mengele-Fotos verorten und datieren, die im Haus Sonnhalde 81 in Freiburg entstanden sind, der tatsächlichen Wohnadresse von Josef und Irene Mengele und deren Eltern. Auf einem Bild ist der Mediziner im Frühsommer 1940 in Zivil zu sehen, auf dem andern im Sommer 1942 in Uniform. Er steht auf dem Balkon der Wohnung in der Sonnenhalde 81, in der er zusammen mit seiner Frau und den Schwiegereltern gemeldet war. Die Sonnhalde ist Freiburgs Beletage – mit Blick zum Schlossberg, auf die Stadt und ins Rheintal. 

Mengele wohnte in Freiburgs Beletage mit Blick auf die Stadt (1950).
Mengele wohnte in Freiburgs Beletage mit Blick auf die Stadt (1950).

1944 war der damals 33-jährige Mengele nach den Recherchen des Freiburger Forschers Ende März oder Anfang April anlässlich der Geburt seines Sohnes Rolf in der Stadt an der Dreisam. Im Herbst besuchte ihn seine Frau in Auschwitz. Sie musste ihren Urlaub auf fast drei Monate verlängern, da sie krank geworden war. Zum letzten Mal besuchte Josef Mengele Freiburg dann im November. "Mehrmals täglich" sei er damals mit Sohn Rolf bei Fliegerwarnungen in den Keller, erinnert er sich später. Zitat: "Die Sorge und Verantwortung um das Kind sind mir in ihrer ganzen Erlebnistiefe bis heute gegenwärtig."

Markus Wolter konnte erstmals zehn Briefe von Mengele an sein "liebes Fraule", "liebes Schlingele", "kleines Dummerle" oder "kleines Butzele" transkribieren und historisch einordnen. Daraus ergibt sich, dass Josef Mengele einen Umzug der jungen Familie nach Auschwitz vorgeschlagen und Irene dies für Ende 1944 tatsächlich erwogen hatte: "Deine Wünsche habe ich bereits bei unserem Unterkunftsmann angemeldet. Sie werden wohl alle befriedigt werden können", schreibt der SS-Hauptsturmführer am 14. Dezember nach Süddeutschland.

Auch der enge Kontakt zum KWI und zu Otmar von Verschuer wird belegt. So berichtet Mengele im April 1944 über einen Berlin-Besuch, bei dem er zwei KWI-Mitarbeiter und Verschuer traf, den er ausdrücklich Chef nannte. Zitat: "Mit dem Chef konnte ich alles besprechen."

Adressiert sind die zehn Briefe an Irene Mengele in Freiburg, Sonnhalde 81 beziehungsweise in Günzburg, Am Stadtbach 4, wohin Irene und Rolf Mengele im November 1944 unter dem Eindruck der alliierten Bombenangriffe gezogen waren. Die fünf letzten Briefe hatte der SS-Arzt in Auschwitz verfasst.

Feldpostbrief von Mengele aus dem Januar 1942.
Feldpostbrief von Mengele aus dem Januar 1942.

Den mehrere Tausend Seiten umfassenden handschriftlichen Nachlass seines Vaters hatte Rolf Mengele im Sommer 1985 für eine Million DM dem Burda-Verlag verkauft. Die wichtige historische Quelle kam nicht ins Bundesarchiv oder ein anderes seriöses Archiv, sondern wurde zu Geld gemacht. Jedenfalls hat das US-amerikanische Auktionshaus Alexander Autographs die zwischen 1960 und 1975 entstandenen Tagebücher und Journale Mengeles 2011 für rund eine Viertelmillion Dollar versteigert. Den Zuschlag erhielt ein anonymer Bieter. 

Am 17. Januar 1945 packte Josef Mengele das aus seinen Versuchsreihen an Zwillingen, Zwergwüchsigen oder Krüppeln gewonnenes "Material" und floh aus Auschwitz-Birkenau vor der Roten Armee. Seine Frau sollte er erst wieder im bayerischen Schwaben sehen, wo Irene mit ihrem Sohn in der Nähe von Günzburg untergekommen war. Mengeles Eltern besaßen das größte Unternehmen in der Stadt, eine Landmaschinenfabrik.

Später trafen sich Irene und Josef Mengele, der bereits auf einer Fahndungsliste der Amerikaner stand, unter großen Vorsichtsmaßnahmen meist in der Nähe der Autobahn zwischen Schwaben und Oberbayern. Dort war Mengele unter falschem Namen als Hilfsarbeiter bei einem Landwirt in Mangolding bei Rosenheim untergetaucht – bis zu seiner Flucht 1949 über Genua, die so genannte Rattenlinie, nach Argentinien.

"Do you know Mengele?"

Die Freiburg-Verbindung von Mengele wurde einer größeren Öffentlichkeit in Südbaden erst 1985 bekannt. "Do you know Mengele?", fragte ein Journalist der Washington Post den damaligen Freiburger Oberbürgermeister Rolf Böhme (SPD) am Telefon. Und ob er wisse, dass sich Mengele "in der Nazizeit in Freiburg aufgehalten hatte, hier verheiratet gewesen sei und seine Verwandten heute noch hier leben würden"? Böhme hatte keine Ahnung. Doch bereits am selben Abend hätten eine "altgediente Stadträtin" und einer ihrer Amtskollegen die Information bestätigt, berichtet der Politiker später in seinen Erinnerungen.

Nur wenige Tage nach dem Anruf aus den USA, am 6. Juni 1985, wurde auf einem Friedhof der Stadt Embu bei São Paulo vor laufenden Fernsehkameras eine männliche Leiche exhumiert, die sterblichen Überreste des ehemaligen SS-Arztes. Er war bereits 1979 mit 67 Jahren im brasilianischen Küstenort Bertioga gestorben und unter falschem Namen beerdigt worden. Einige Zweifel gab es zwar auch damals noch; doch die sind seit einem DNA-Test 1992 ausgeräumt.

 

Markus Wolter: Der SS-Arzt Josef Mengele zwischen Freiburg und Auschwitz  Ein örtlicher Beitrag zum Banalen und Bösen. Veröffentlicht in "Schau-ins-Land", Jahrbuch 133 der Zeitschrift des Breisgau-Geschichtsvereins, erscheint Mitte Februar 2015.


Gefällt Ihnen dieser Artikel?
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!

Kommentare

Markus Wolter, 22.01.2015 18:57
„This man, we are talking about, Mengele, he was a sadist, but he was cuckoo. When he smiled, then you knew, that you were in the biggest danger.“

Martha Weiss (geb. 8.10.1934, Bratislava) ind: „Die Kinder von Auschwitz“, 2015.

Kommentar hinzufügen




CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.


* Pflichtfeld!

Letzte Kommentare:

Ausgabe 268 / "Geht und nehmt Gabriel gleich mit" / Klaar Kiming, 24.05.2016 16:15
Ich finde es nachvollziehbar, dass so viele neoliberal mit Mitte gleichsetzen. Uns wird ja seit gut 20 Jahren nichts anderes mehr vorgebetet... Wo sollen denn also die Leute herkommen, die Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität neu...

Ausgabe 268 / Öko im Quadrat / Stefan König, 24.05.2016 13:24
Schöner Artikel, schöne Ergänzung dazu: http://www.thermo-natur.de/jute-story/

Ausgabe 268 / Öko im Quadrat / Fred Heine, 24.05.2016 11:03
Jürgen Falkenstein, 18.05.2016 10:25 Oh, wie öde. Und vorhersehbar. Kaum schreibt ein Journalist einmal etwas Positives über einen Unternehmer, schon subsumiert man ihn unter die Lohnschreiber. Was spukt in manchen frustrierten...

Ausgabe 268 / Das Zittern der Lehrer / Magda von Garrel, 23.05.2016 22:20
Leider gibt es auch noch andere stark demotivierende Unterrichts- und Arbeitsbedingungen an den Schulen, die von den Bildungsforschern kaum in den Blick genommen und somit auch nicht in ihrer immensen Bedeutung erkannt werden. Dabei...

Ausgabe 268 / Wir sind wir / Die Lerche, 23.05.2016 16:22
Glückwunsch, liebe Redaktion, dass ihr Jagoda Marinić als Gastautorin gewinnen konntet. Der Artikel ist gut geschrieben. Ich habe seit langem keinen Artikel zum Thema Migration gelesen, der mit so viel Empathie die zu uns gekommenen...

Ausgabe 268 / Wiki – voll neutral / Barolo, 23.05.2016 11:58
@era: Danke für die passenden Erklärungen. Die meisten Deutschen haben das mit dem Putsch in Kiew gar nicht mitbekommen und glauben, es hätte einen legalen Parlamentsbeschluss für die heutige Regierung gegeben. @Bernhard Meyer: Auch...

Ausgabe 268 / Öko im Quadrat / Yadgar, 23.05.2016 11:58
Ja, Ritter Spocht (Nougat!!!) ist schon wirklich was Feines für meine Wampe... aber mittlerweile kostet die normale Tafel schon 1,09 Euro, da weiche ich doch lieber auf die Fairtrade-Rewe-Hausmarke aus, die kostet nur 79 Cent, ist aus...

Ausgabe 268 / Das Zittern der Lehrer / Manfred Fröhlich, 22.05.2016 19:54
Lehrkräfte in Schulferien im Arbeitslosenstatus ist KEINE Unsitte, sondern Betrug & Rechtsbeugung der Politik!

Ausgabe 268 / "Geht und nehmt Gabriel gleich mit" / Dr. Uwe+Prutscher, 22.05.2016 18:27
Nach eher kurzen Besinnungspausen verrät die SPD ihre Mitglieder, Menschen, Volk, Staat und Land seit dem so genannten Burgfrieden zu Beginn des Ersten Weltkriegs. Ohne Not folgten die Vorstandsweisen ihrem unausrottbaren Drang zu den...

Ausgabe 268 / Revolution auf dem stillen Örtchen / Sabine Mayer, 22.05.2016 13:03
@Florian Hinterhuber: Das genaue Wirkprinzip, auf das sich ihr Installateur bezieht, würde ich gerne verstehen. Bezieht er sich auf Korrosion, auf Verstopfung, ... von welchem Rohr eigentlich? Oder verbreitet ihr Installateur...

Die KONTEXT:Wochenzeitung lebt vor allem von den kleinen und großen Spenden ihrer Leserinnen und Leser.
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!