KONTEXT Extra:
Stuttgarter Filmwinter startet mit "Mut zur Lüge"

Der Stuttgarter Filmwinter – Eröffnung am 18. Januar – steht in diesem Jahr ganz im Zeichen der Lüge. So ist es natürlich auch nicht der 300. Filmwinter, wie auf den quietschgelben Werbeplakaten zu lesen ist, sondern der 30. – immerhin. Bis 22. Januar sind im FITZ! in der Eberhardstrasse, im Haus der Geschichte, im Kunstbezirk, und im Theater tri-bühne experimentelle Filme und Medienkunst zu sehen und zu erleben bei diesem "bedeutendsten Festival Experimentalfilm im süddeutschen Raum ". So die Eigenwerbung und das ist natürlich keine Lüge. Wie in den vergangenen Jahren auch, sollen die anspruchsvollen und meist auch anstrengenden experimentellen Filmkunstwerke einer größeren Öffentlichkeit spielerisch näher gebracht werden. Damit der Nachwuchs an interessierten Zuschauern nicht ausbleibt, gibt es auch bei diesem Filmwinter im Zeichen der Lüge ein spezielles Programm für Kinder und Jugendliche mit Kurzfilmen, Workshops, Führungen. Das Programm und mehr gibt es unter www.filmwinter.de.


Jetzt doch ein Koalitionsausschuss zu Afghanistan

Vor Weihnachten hatten Grünen und CDU eine inhaltliche Aussprache über die Abschiebepraxis nach Afghanistan vermieden. Stattdessen wurde im Koalitionsausschuss vor allem darüber diskutiert, ob Grünen-Landeschef Oliver Hildenbrand es "schäbig" nennen darf, wenn sein CDU-Pendant, Innenminister Thomas Strobl, auch alte oder kranke Menschen abschieben will. Zur bisher einzigen Sammelabschiebung wurde ein Mann sogar aus einer Psychiatrischen Klinik geholt, dann allerdings doch nicht ins Flugzeug nach Kabul gesetzt.

Am kommenden Dienstag werden dieser und andere Fälle sowie die grundsätzliche Vorgehensweise im Koalitionsausschuss diskutiert. Die Grünen, die die Debatte durchgesetzt haben, erinnern an die geltenden Leitlinien des Landes zu Abschiebungen und Rückführungen, nach denen eine Einzelfallprüfung ohnehin zwingend ist. Bisher hatte sich Strobl gegen eine inhaltliche Behandlung der von ihm mitinitiierten verschärften Abschiebepraxis im Koalitionsausschuss ausgesprochen. Die Grünen gehen davon aus, dass die Leitlinien und damit die Einzelfallprüfung bestätigt werden.

Auf dem Tisch liegt auch ein Papier der sogenannten G-Länder, also aller Koalitionen, an denen Grüne beteiligt sind. Diesem zufolge muss gewährleistet sein, "dass Ausreisepflichtige keinen Schaden an Leben und Gesundheit nehmen". Die Regierungspartner in Baden-Württemberg, Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen "betonen eine Reihe von Grundlinien und Anforderungen bezüglich Rückführungen nach Afghanistan". Sie fordern die Bundesregierung aber auch auf, die Sicherheitslage in Afghanistan "erneut zu überprüfen". (14.1.2017)


Ein zweites Raumwunder für Geflüchtete

Engagement kann sich lohnen. Im September hatte Kontext über die Initiative der Künstlerin Martina Geiger-Gerlach berichtet, eine Wohnung in einem zum Abriss vorgesehenen Haus im Stuttgarter Stadtteil Steckfeld monatsweise Flüchtlingen zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig finden dort immer Ausstellungen statt, die Nachbarn und Interessierten Gelegenheit geben, Künstlern und Geflüchteten zwanglos zu begegnen. Nun hat der Vermieter, das katholische Siedlungswerk, der Künstlerin eine zweite Wohnung im selben Haus als Lernwohnung zur Verfügung gestellt, damit Geflüchtete, die im Trubel ihrer Unterkunft nicht zur Ruhe kommen, eine Rückzugsmöglichkeit finden. Zudem bleibt das Haus länger stehen: voraussichtlich zwei Jahre. Dem Siedlungswerk gefällt das Projekt so gut, dass Martina Geiger-Gerlach gefragt wurde, ob sie sich vorstellen könnte, im Quartiersraum des Neubauareals an Stelle des früheren Olgahospitals eine Aufgabe zu übernehmen. Und: Ihr Wohnungs-Projekt ist für den Stuttgarter Bürgerpreis der Bürgerstiftung vorgeschlagen worden. Am 20. Januar um 19 Uhr eröffnet in der Karlshofstraße 42 in Steckfeld die nächste Ausstellung mit Gemälden von Ivan Zozulya und dem DJ Roman Levin. Am 31. Januar wird die Entscheidung zum Bürgerpreis bekannt gegeben. Jeder kann mit abstimmen!


Der Gewitterwanderer im Glück

Mitte November hatte der 33-jährige Göppinger Schriftsteller Kai Bleifuß noch geschimpft wie ein Rohrspatz. Der promovierte Goethe-Experte rackert sich seit Jahren mit Schreiben ab. Fabrizierte zuletzt einen Roman über den Dichterfürsten und wie der so wäre, würde er in unserer Zeit leben. "Goethes Mörder" heißt das gute Stück. Gutes Zeug. Guter Mann. Das weiß auch Bleifuß selbst. Kontext gegenüber machte er keinen Hehl daraus, dass er sich selbst für einen ziemlich duften Typen hält. Doch bislang schlug ihm seitens des ganzen "Literaturzirkus" und der Verlage kalter Wind entgegen. Niemand wolle mehr ein Risiko eingehen. Literatur würde immer mehr unter ökonomischen Abwägungen betrachtet, konstatierte der resolute Literaturnerd. "Schreiben ist das Idiotischste, was man machen kann. Nicht schreiben aber auch."

Ein Bleifuß lässt sich aber nicht unterkriegen – und jetzt hat es gerappelt im Karton: Am vergangenen Sonntag sackte der Göppinger für seinen Text "Fünf Variationen auf das Unsagbare" den Autorenpreis "Irseer Pegasus 2017" ein. 150 Schriftsteller aus dem ganzen Land hatten sich mit ihren Werken beworben, doch Bleifuß hat den mit 2000 Euro dotierten Preis gewonnen. Neben ihm auf dem Siegertreppchen der Preisverleihung im Kloster Irsee im Allgäu strahlte David Krause aus Kerpen.

"Der glücklose Autor hatte endlich einmal Glück!", schrieb Goethe-Glücksbärchen Bleifuß voller Freude an Kontext, mit der Bitte unseren LeserInnen mitzuteilen, dass man am 27.1. ab 21:05 Uhr im BR2 sein Hörspiel "Pinball" senden werde. Machen wir doch gerne. (11.1.2017) 


Abstand halten von den Volksverrätern

Aus 594 Wörtern haben die Sprachwissenschaftler um die Darmstädter Professorin Nina Janich das Unwort des Jahres 2016 ausgesucht: "Volksverräter". Aus dem Erbe der NS-Diktatur werde das Wort von Pegida, AfD und anderen Rechtsaußen verwendet, um PolitikerInnen  zu diffamieren. Mit der Folge, dass das "ernsthafte Gespräch" und notwendige Diskussionen in der Gesellschaft abgewürgt würden, begründet die Jury. Auf den weiteren Plätzen folgen "postfaktisch", "Populismus", "Gutmensch" sowie eine "Armlänge Abstand". Mit in der fünfköpfigen Jury saß auch Kontext-Autor Stephan Hebel. (10.1.2016)


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Stürmische Zeiten für den schlauen Fuchs von "Report Mainz". Foto: ARD, Montage: Kontext

Stürmische Zeiten für den schlauen Fuchs von "Report Mainz". Foto: ARD, Montage: Kontext

Ausgabe 281
Medien

Unter Strom gesetzt

Von Jürgen Lessat
Datum: 17.08.2016
Angriff ist die beste Verteidigung: Der Südwestrundfunk dreht den Spieß um und bezweifelt die Glaubwürdigkeit des Kontext-Artikels ("Böse Böen aus Südwest") über eine Windkraft-Reportage in "Report Mainz". Autor Jürgen Lessat antwortet auf die SWR-Stellungnahme, die am Schluss des Textes verlinkt ist: Noch mehr Kritik ist angezeigt.

Zugegeben, der Vorwurf, dass ausgerechnet eine Vorzeigeredaktion des SWR einseitig und tendenziös berichtet, gar Wahrheitswidriges verbreitet, wiegt schwer. Ich hatte mir – übrigens auf Anregung von Kontext-Lesern – die Dokumentation "Der Kampf um die Windräder" von "Report Mainz" genau angeschaut, in der laut Sender die "Auswüchse der Boomindustrie" aufgezeigt werden. In dem Kontext-Artikel wird die heftige Kritik, die der Beitrag im Netz auslöste, wiedergegeben und beschrieben, zu welchen Ergebnissen ein Faktencheck führte: Sprich, dass einige entscheidende Behauptungen des Films über Windenergie nicht stimmen. Für mich hat "Report Mainz" seither ein veritables Glaubwürdigkeitsproblem. 

Derartige Vorwürfe wollte die "Report Mainz"-Redaktion nicht auf sich sitzen lassen. Zum Kontext-Beitrag verfasste Gottlob Schober, der stellvertretende Chef vom Dienst (CvD), eine ausführliche Stellungnahme. "Der Artikel der Kontext:Wochenzeitung enthält zahlreiche Behauptungen, die so nicht zutreffen", heißt es wörtlich in dem Schreiben. Anhand von zehn Beispielen glaubt der CvD, dies belegen zu können. Sein Fazit: Nicht "Report Mainz" hat ein Glaubwürdigkeitsproblem, sondern der Kontext-Beitrag.

Es blieb nicht der einzige Rechtfertigungsversuch von "Report Mainz". Wenige Tage nach Ausstrahlung des Beitrags wandte sich das SWR-Magazin auf der eigenen Homepage an seine Kundschaft. "Uns haben ausgesprochen viele Zuschriften erreicht – zum Teil mit sehr positiven Reaktionen, zum Teil mit deutlicher Kritik", heißt es zur Begründung. Doch während der Zuspruch erfreut haben dürfte, wird die massive Kritik keinesfalls akzeptiert. Die Vorwürfe, "statt solider recherchierter Fakten nur auf die Tränendrüse gedrückt" oder "beliebig absurde und falsche Argumente aneinandergereiht" zu haben, weist die Redaktion auf ihrer Internetseite "entschieden zurück".

Windräder drehen sich langsam und brummen bedrohlich

Tatsächlich bietet die halbstündige Reportage noch weitaus mehr Kritikpunkte, auch leisteten sich die Autoren Achim Reinhardt und Claudia Butter noch mehr Fehler, als in "Böse Böen aus Südwest" beschrieben ist. Unerwähnt blieb beispielsweise, wie die SWR-Autoren die Meinung der Zuschauer zur Windenergie zu manipulieren versuchen. So beginnt der Film mit Aufnahmen einer Familie, die durch ostfriesisches Heideland spaziert. Im Hintergrund drehen sich langsam Windräder. Nur: Der Ton im Film passt nicht zur Szenerie. Zu hören ist ein bedrohliches Brummen, das von einer schnell drehenden Turbine stammt und aus nächster Nähe eines Windrades aufgenommen sein muss. Wenig später wird das Ehepaar in freier Landschaft befragt, outet sich als erklärte Windkraftgegner. Und wieder drehen sich Windräder in rund 100 Meter Entfernung im Rücken der Interviewten. Doch diesmal ist außer Stimmen nichts zu hören. Für das "Report Mainz"-Mikrofon bleiben die Rotoren unhörbar. Doch die subtile Angstmache zieht sich durch den gesamten Film: An mehreren weiteren Stellen ist das bedrohliche Brummen (de)platziert.

Der umstrittene Beitrag, exklusiv im Ersten. Screenshot
Der umstrittene Beitrag, exklusiv im Ersten. Screenshot

Ausgespart blieb auch, wie die "Report Mainz"-Autoren am Beispiel einer alleinerziehenden Mutter sozialpolitische Defizite unserer Gesellschaft zu einem energiepolitischen Skandal ummünzen – und dabei mit falschen Zahlen und Zusammenhängen hantieren. "Die Quittung für die Energiewende bekommt sie jeden Monat mit der Stromrechnung – und die wird immer höher", heißt es im Film über die prekäre Situation der Protagonistin. Behauptet wird, dass die Geringverdienerin, die mit ihren beiden Söhnen von knapp 1000 Euro im Monat leben muss, Strom spart, wo es nur geht. Dass sie weder Spülmaschine noch Trockner hat. "Trotzdem ist ihre Rechnung seit 2008 auf mehr als das Doppelte gestiegen – auf rund 90 Euro im Monat. Weil sie die nicht mehr bezahlen kann, droht ihr jetzt die Stromsperre", behauptet der Film. Was aber nicht stimmen kann. Seit 2008 bis heute sind die Strompreise in Deutschland laut Statistischem Bundesamt um rund 30 Prozent gestiegen. Eine Nachfrage beim örtlichen Energieversorger ergibt: Die EnBW, der Grundversorger am Wohnort der Alleinerziehenden unweit von Stuttgart, hat im gleichen Zeitraum den Grundstromtarif um knapp 39 Prozent erhöht (20,53 auf 28,71 Cent brutto/Kilowattstunde im Tarif EnBW-Komfort).

Eine alleinerziehende Mutter wird zum Opfer der Windenergie

"Natürlich bin ich nicht gegen die Energiewende, aber wenn es im Endeffekt auf mich als Verbraucher umgelegt wird und ich jedes Jahr höhere Strompreise habe, bringt mir das auch nichts", klagt die Mutter weiter. Die Autoren lassen dies unkommentiert, um anschließend selbst zu behaupten, dass der Boom der Windenergie die Preise in die Höhe katapultiere: Wie andere Energiewende-Kritiker macht auch "Report Mainz" somit Anlagenbetreiber und die steigende Produktion von Ökostrom einseitig zum Sündenbock für den starken Anstieg der EEG-Umlage.

Dabei treiben vor allem Fremdkosten, wie die gefallenen Großhandelspreise an der Strombörse und die Befreiung vieler Industrieunternehmen von der Umlage, die Kosten nach oben, stellt das Portal "Strom-Report" klar. Laut Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) hatte die reine Ökostromförderung in 2014 nur noch einen Anteil von 42 Prozent (2,61 von 6,24 Cent) an der EEG-Umlage. Der gefallene Börsenpreis verursachte 23 Prozent (1,45 Cent) und die Industrieprivilegien noch einmal 20 Prozent (1,25 Cent) Zusatzkosten.

Die nicht befreiten Stromverbraucher entlasteten auf diese Weise die Unternehmen im Jahr 2014 mit 4,8 Milliarden Euro und subventionierten so die großen Industriebetriebe mit 1,25 Cent pro Kilowattstunde. Eine Durchschnittsfamilie mit einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden, so viel wie etwa die Alleinerziehende im Film verbraucht, zahlte 2014 knapp 220 Euro Ökostrom-Umlage, davon entfielen rund 44 Euro auf Industrie-Rabatte. "Die ursprüngliche Förderung der erneuerbaren Energien ist zur Förderung der energieintensiven Industrie mutiert", sagt Norbert Allnoch, Gründer des Internationalen Wirtschaftsforums Erneuerbare Energien (IWR). Warum die Strompreise für Haushalte steigen, obwohl sie an der Strombörse dank erneuerbarer Energien auf Rekordtiefs fallen, erklärt das IWR anschaulich unter diesem Link.

Was hängen bleibt: Die Windkraft ist böse

Dass die frühere schwarz-gelbe Bundesregierung an diesem Missverhältnis großen Anteil hat, wird bei der Lektüre des Artikels ebenfalls klar. Doch derart Hintergründiges verschweigt "Report Mainz" im "Kampf um die Windkraft" geflissentlich. Was nicht nur Kontext, sondern auch dem Medienmagazin "Meedia" auffiel: "Statt einzelne Missstände konsequent und durch Fakten belegt aufzudecken, wird eine Branche pauschal an den Pranger gestellt und eine Energieform verdammt. Außer der emotional aufgeladenen Botschaft 'Windenergie ist böse' bleibt nichts hängen." 

Anders als "Report Mainz" will ich der alleinerziehenden Mutter (und natürlich auch allen anderen Verbrauchern) aus der Klemme mit den steigenden Stromrechnungen helfen: Beim Wechsel von Stromversorger und Stromtarif lassen sich jährlich Hunderte Euro sparen. Bis zu einem Drittel weniger müssen Verbraucher zahlen, wenn sie den günstigsten Anbieter wählen, wie der Preisvergleich auf einschlägigen Internet-Portalen zeigt. Denn an Neukunden geben Energiekonzerne und Stadtwerke den durch den Boom der Erneuerbaren gesunkenen Börsenstrompreis, der im Juni bei 2,8 Cent pro Kilowattstunde am Spotmarkt notierte, in Form von satten Wechselprämien weiter. Auch das war den "Report Mainz"-Autoren trotz monatelanger und intensiver Recherche nicht der Rede wert.


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Kommentare

Kh, 06.10.2016 16:19
Report mainz hat für mich schon immer, jedenfalls seit vielen Jahren, ein Glaubwürdigkeitsproblem. Es werden halt ständig Fakten und Meinung vermischt.

Es wird eine Geschichte erzählt und für die müssen die Fakten passend gemacht werden. Bsp.: Aus der Meinung der Mutter, das sei so, dass ihre Stromrechnung wg. Windstrom immer teurer wird, wird flux ein Fakt. Das wird dann auch noch vermischt, mit den 300.000 Zählersperrungen in Deutschöland/p.a.

Nein, das ist keine Stimmungsmache (Ironiemodus Ende).

Sehr bezeichnend auch die überwiegend flapsigen, teils agressiven bzw. gereizten, oft auch ausweichenden Antworten der stv. Chefredakteurin in der aktuellen Ausgabe der BWE-Mitgliedszeitung. Kritik ist nicht vorgesehen.

Peter S., 23.08.2016 10:22
Etwas gutes hat diese ganze Diskussion hier bei mir bewirkt.
Ich informiere mich aktiv zu dem Thema und versuche Fakten zu sammeln.
u.a. wurde ich bei Makroskop fündig

https://makroskop.eu/2016/08/ein-plaedoyer-fuer-kritische-fragen-nicht-nur-zur-energiewende/

someonesdaughter, 18.08.2016 23:53
"Guter Journalismus ist also, wenn er Kontext gefällt? D. h. die richtigen Prioritäten setzt?"

Halten wir mal kurz fest: Sie stellen zwei Behauptungen auf, verkleiden sie als Frage, bleiben aber Belege schuldig.

"Da waren letzte Woche unter Ihrem Artikel so viele Kommentare, die bedeutend mehr Aspekte der Thematik aufgegriffen haben, und offenbar alles für die Katz... Schade."

Nach Ihren Eingangs-'Fragen' jetzt die Retourkutsche: Guter Journalismus ist also, wenn die Kommentare aufgegriffen werden, die Ihnen passen?

"Was mich wirklich ärgert sind nicht die Vorwürfe mangelnder "politischer" Bildung einiger NDS- Jünger"

Ohne abwertendes Vokabular geht es wohl nicht, wessen "Jünger" sind Sie denn? DAtF? ENEN? FOATOM?

", obwohl ich das reichlich pseudo- elitär finde um nicht zu sagen kleingeistig."

Ich finde das reichlich dürftig – drei Schmähungen in einem Satz unterbringen, ist keine besondere Leistung.

"Sie werfen dem Chef vor, dass er sich hinter seine Leute stellt? Ernsthaft?"

Wieder ein missbrauchtes Fragezeichen, weil Sie gar keine echte Frage stellen. Der 'Chef' könnte sich übrigens _vor_ seine Mitarbeiter stellen, indem er die Kritik abfängt und zu widerlegen versucht. Stattdessen steht er aber irgendwo in der Gegend rum und versucht den Spieß umzudrehen und ruft aufgeregt 'selber, selber'. Ich weiss ja nicht, wie das bei Ihnen so ist, aber für einen 'Chef' der so unbeholfen reagiert, würde ich nicht so gerne arbeiten wollen.

"Und was das Beispiel der alleinerziehenden Mutter betrifft: So, wie erneuerbare Energien zur Zeit gefördert werden, ist sie eine ganz große Umverteilung von unten nach oben. Da mag die Darstellung ungenau gewesen sein, aber die Grundaussage ist richtig"

Und was genau ist jetzt die Grundaussage der manipulativen Methode? Sie sind schon der zweite, der so eine Behauptung aufstellt aber nicht konkret werden möchte. Sie können eine Antwort auch gerne mit Fragezeichen beenden, ich verstehe sie dann schon.

roland adam, 18.08.2016 11:25
wahrheit oder geld ------das ist hier die frage . sieht man sich an wer das sagen hat beim swr und welch ein postengeschachere dort parteiinteressen unterzogen wurde -----der kann von ausgewogener berichterstattung gar nicht mehr sprechen

Klaar Kiming, 18.08.2016 08:52
Guter Journalismus ist also, wenn er Kontext gefällt? D. h. die richtigen Prioritäten setzt?
Da waren letzte Woche unter Ihrem Artikel so viele Kommentare, die bedeutend mehr Aspekte der Thematik aufgegriffen haben, und offenbar alles für die Katz... Schade.
Was mich wirklich ärgert sind nicht die Vorwürfe mangelnder "politischer" Bildung einiger NDS- Jünger, obwohl ich das reichlich pseudo- elitär finde um nicht zu sagen kleingeistig.
Sie werfen dem Chef vor, dass er sich hinter seine Leute stellt? Ernsthaft?
Und was das Beispiel der alleinerziehenden Mutter betrifft: So, wie erneuerbare Energien zur Zeit gefördert werden, ist sie eine ganz große Umverteilung von unten nach oben. Da mag die Darstellung ungenau gewesen sein, aber die Grundaussage ist richtig.

someonesdaughter, 17.08.2016 17:50
@Hartmann Ulrich:

"Das monierte "Brummen" ist eine Untermalung des Sprechertextes, es wird nirgends der Eindruck erweckt, es handle sich um den Originalton."

Der ist gut, ist das neuerdings üblich beim SWR, Sprechertexte mit Brummtönen zu unterlegen? Muss mir irgendwie entgangen sein. Warum wurde eigentlich der Kernkraft-Lobbyist Pfeiffer nicht mit einem lustigen Brummton unterlegt? Oder mit dem gurgelnden Geräusch absaufenden Atommülls in der Asse?

Man erkennt hier sehr deutlich die Intention und ist verstimmt oder in den Worten von Pfeiffer:

'Es gehört schon eine ordentliche Portion Dreistheit (sic!) dazu.'

"Bei der auf mehr als das Doppelte gestiegenen Stromrechnung wird nicht behauptet (allerdings auch nicht bestritten), daß das nur auf die EEG-Umlage zurückgehe."

Eingeleitet wird die Stromrechnungsnummer mit "Die Deutschen zahlen diese Jahr für die Windkraft über die EEG-Zulage acht Milliarden Euro Subventionen" – und es geht nahtlos weiter mit "Menschen wie Nina Albig müssen dafür aufkommen".

Wir müssen hier keine Deutschstunde abhalten um zu sehen, worauf sich das "müssen DAFÜR aufkommen" bezieht, oder?

Auch hier erkennt man sehr deutlich die Absicht und ist verstimmt.

"Es wäre besser gewesen, der Autor wäre auf die Stellungnahme des SWR eingegangen."

Die Stellungnahme des SWR ist eine einzige Nicht-Stellungnahme, die hilflos (und vermutlich um die Defizite der Sendung wissend) versucht, den Spieß umzudrehen.

"Die Sendung war sicherlich einseitig, aber das sind viele Dokumentationen (wie auch Artikel Ihrer Zeitung)."

'Die anderen aber auch' ... meine Kinder kommen schon am Ende des Kindergartens damit nicht mehr durch.

"Reaktionen wie diese beiden Artikel und andere, darin zitierte, Stellungnahmen machen den Eindruck, daß Kritik am Ausbau der Windkraft generell nicht sein soll -"

Schade, dass Sie die Behauptung eines Eindrucks zwar aufstellen, aber so gar nicht belegen wollen. Wie der SWR versuchen Sie auch nur, den Spieß umzudrehen.

"und bestätigen damit die Grundaussage der Sendung."

Was ist denn nun die Grundaussage der Sendung mit dem selektiven lustigen Brummton und der Behauptung dass die alleinerziehende Mutter für die EEG-Umlage aufkommen muss?

Mike Morris, 17.08.2016 16:14
Vielen Dank für diesen aufschlussreichen Artikel. Allerdings möchte ich dennoch den letzten Absatz und die darin enthaltene Empfehlung kritisch hinterfragen:
Sie empfehlen, dass ein Wechsel des Stromverbrauchers bis zu einem Drittel der Kosten spare.
Dies lässt sich auf Dauer nicht erreichen und ist mit nicht unerheblichen Risiken verbunden.
Es gibt keinen echten Wettbewerb im Strommarkt, darum sind die auf selbsternannten "Verbraucherportalen" genannten Einsparungen in den allermeisten Fällen (>90%) unrealistisch und nicht zu erzielen. Das liegt daran, dass immer der schlechteste lokale Tarif als Vergleich verwendet wird. Darüber hinaus wird immer ein Wechselbonus oder ähnliches mit dem neuen Tarif verrechnet, welcher spätestens im Folgejahr zu höheren Kosten führt, weil er weg fällt. Der Verbraucher muss somit jedes Jahr wechseln um jedesmal durch den Wechselbonus eine kleine Summe zu sparen (oft nur 20EUR!).
In der Vergangenheit gab es bereits etliche Fälle, bei dem Kunden durch extrem hohe Wechselboni gelockt wurden. Da jedoch die Einstandskosten der Stromvermittler aufgrund des nicht vorhandenen Wettbewerbs weitgehend gleich hoch sind, trug dieses "Geschäftsmodell" nicht lange und die Firma ging Pleite (flexstrom u.a.). Fazit für die Kunden: Kein Strom , aber im schlimmsten Fall bereits eine Jahreszahlung geleistet!
Fazit: Auf Dauer ist diese Anbieterwechselei mit mehr Ärger und Aufwand verbunden, als beim örtlichen Anbieter nach einem Online-Tarif zu fragen.
Die Flexstrom Story können sie hier auf mehreren Seiten nachlesen: http://forum.oekotest.de/cgi-bin/YaBB.pl?num=1124712483/0

Hartmann Ulrich, 17.08.2016 11:44
Dieser Artikel hat mich dazu gebracht, mir die Reportage einmal anzusehen. Das monierte "Brummen" ist eine Untermalung des Sprechertextes, es wird nirgends der Eindruck erweckt, es handle sich um den Originalton. Bei der auf mehr als das Doppelte gestiegenen Stromrechnung wird nicht behauptet (allerdings auch nicht bestritten), daß das nur auf die EEG-Umlage zurückgehe.
Es wäre besser gewesen, der Autor wäre auf die Stellungnahme des SWR eingegangen.
Die Sendung war sicherlich einseitig, aber das sind viele Dokumentationen (wie auch Artikel Ihrer Zeitung). Weder die Windkraft noch die Energiewende werden darin allerdings grundsätzlich abgelehnt. Reaktionen wie diese beiden Artikel und andere, darin zitierte, Stellungnahmen machen den Eindruck, daß Kritik am Ausbau der Windkraft generell nicht sein soll - und bestätigen damit die Grundaussage der Sendung.

Schwabe, 17.08.2016 11:29
Bravo Jürgen Lessat und an die Kontext-Redaktion - Applaus!

Hier ein weiteres Beispiel wie die Meinung der Bevölkerung in Deutschland tagtäglich von öffentlich-rechtlichen Medien manipuliert wird bzw. beeinflusst werden soll - finanziert durch die GEZ-Gebühren.
"ARD – Mittagsmagazin macht Meinung" http://www.nachdenkseiten.de/?p=34627

Auch der SWR ist Gebührenfinanziert! Die Bevölkerung bezahlt ihre Meinungsmanipulation selbst.

M. Stocker, 17.08.2016 10:34
So hats früher schon (und in B-Filmen heute noch) im Kino funktioniert, warum also auf die 'passende' Geräuschkulisse verzichten, wenn man die Möglichkeit hat, ein inexistentes bedrohliches Hintergrundgeräusch dazuzumischen.
Das erinnert mich doch sehr stark ein ein anderes Schmierenstück der Propagandaklempner des SWR. Denen was es vor der letzten OB-Wahl offenbar zuwider, dass die Unterstützungsrede der Kanzlerin auf dem Stuttgarter Marktplatz für den Brezel-OB-Kandidaten aus Berlin im Publikum nur mit Beschallung in Gefechtslautstärke überhaupt hörbar war. Also ersetzte man flugs die Kamera-Tonspur durch die Original-Beschallung der CDU, und erhielt einen Landesschau-Bericht, bei dem 3000 Zuhörer andächtig der Rede der Kanzlerin lauschten. Der Pflicht zur 'Ausgewogenheit' entledigte man sich durch einen stummen 500 ms-Schwenk auf die Plakate der Protestierenden.
Diejenigen, die dabei waren, wissen wie es damals gelaufen ist: ca. 500 desorientierte und über das Ausmaß des Protests geschockte herbeigekarrte CDU-Landeier und Kanzlerinnenfans inklusive der Bierbüdchenbetreiber der JU waren auf verlorenem Posten gegen die Protestierenden. Fast der gesamte abgesperrte Bereich vor der Bühne war gähnend leer, da die wenigen VIPs säuerlichen Gesichts auf Bühne standen, und die Rentner der CDU wohl aufgrund der mörderischen Beschallung zurecht Schäden an Ohren und Hörgeräten befürchteten. Ein Schwenk auf diese Szenerie hätte die Propaganda des SWR wie eine Seifenblase platzen lassen. Alles in zahlreichen Youtube-Filmchen verifizierbar. Im Sinne von Herrn Boudgoust sicher auch ein Paradebeispiel für anspruchsvollen Journalismus.

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