KONTEXT Extra:
Jetzt doch ein Koalitionsausschuss zu Afghanistan

Vor Weihnachten hatten Grünen und CDU eine inhaltliche Aussprache über die Abschiebepraxis nach Afghanistan vermieden. Stattdessen wurde im Koalitionsausschuss vor allem darüber diskutiert, ob Grünen-Landeschef Oliver Hildenbrand es "schäbig" nennen darf, wenn sein CDU-Pendant, Innenminister Thomas Strobl, auch alte oder kranke Menschen abschieben will. Zur bisher einzigen Sammelabschiebung wurde ein Mann sogar aus einer Psychiatrischen Klinik geholt, dann allerdings doch nicht ins Flugzeug nach Kabul gesetzt.

Am kommenden Dienstag werden dieser und andere Fälle sowie die grundsätzliche Vorgehensweise im Koalitionsausschuss diskutiert. Die Grünen, die die Debatte durchgesetzt haben, erinnern an die geltenden Leitlinien des Landes zu Abschiebungen und Rückführungen, nach denen eine Einzelfallprüfung ohnehin zwingend ist. Bisher hatte sich Strobl gegen eine inhaltliche Behandlung der von ihm mitinitiierten verschärften Abschiebepraxis im Koalitionsausschuss ausgesprochen. Die Grünen gehen davon aus, dass die Leitlinien und damit die Einzelfallprüfung bestätigt werden.

Auf dem Tisch liegt auch ein Papier der sogenannten G-Länder, also aller Koalitionen, an denen Grüne beteiligt sind. Diesem zufolge muss gewährleistet sein, "dass Ausreisepflichtige keinen Schaden an Leben und Gesundheit nehmen". Die Regierungspartner in Baden-Württemberg, Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen "betonen eine Reihe von Grundlinien und Anforderungen bezüglich Rückführungen nach Afghanistan". Sie fordern die Bundesregierung aber auch auf, die Sicherheitslage in Afghanistan "erneut zu überprüfen". (14.1.2017)


Ein zweites Raumwunder für Geflüchtete

Engagement kann sich lohnen. Im September hatte Kontext über die Initiative der Künstlerin Martina Geiger-Gerlach berichtet, eine Wohnung in einem zum Abriss vorgesehenen Haus im Stuttgarter Stadtteil Steckfeld monatsweise Flüchtlingen zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig finden dort immer Ausstellungen statt, die Nachbarn und Interessierten Gelegenheit geben, Künstlern und Geflüchteten zwanglos zu begegnen. Nun hat der Vermieter, das katholische Siedlungswerk, der Künstlerin eine zweite Wohnung im selben Haus als Lernwohnung zur Verfügung gestellt, damit Geflüchtete, die im Trubel ihrer Unterkunft nicht zur Ruhe kommen, eine Rückzugsmöglichkeit finden. Zudem bleibt das Haus länger stehen: voraussichtlich zwei Jahre. Dem Siedlungswerk gefällt das Projekt so gut, dass Martina Geiger-Gerlach gefragt wurde, ob sie sich vorstellen könnte, im Quartiersraum des Neubauareals an Stelle des früheren Olgahospitals eine Aufgabe zu übernehmen. Und: Ihr Wohnungs-Projekt ist für den Stuttgarter Bürgerpreis der Bürgerstiftung vorgeschlagen worden. Am 20. Januar um 19 Uhr eröffnet in der Karlshofstraße 42 in Steckfeld die nächste Ausstellung mit Gemälden von Ivan Zozulya und dem DJ Roman Levin. Am 31. Januar wird die Entscheidung zum Bürgerpreis bekannt gegeben. Jeder kann mit abstimmen!


Der Gewitterwanderer im Glück

Mitte November hatte der 33-jährige Göppinger Schriftsteller Kai Bleifuß noch geschimpft wie ein Rohrspatz. Der promovierte Goethe-Experte rackert sich seit Jahren mit Schreiben ab. Fabrizierte zuletzt einen Roman über den Dichterfürsten und wie der so wäre, würde er in unserer Zeit leben. "Goethes Mörder" heißt das gute Stück. Gutes Zeug. Guter Mann. Das weiß auch Bleifuß selbst. Kontext gegenüber machte er keinen Hehl daraus, dass er sich selbst für einen ziemlich duften Typen hält. Doch bislang schlug ihm seitens des ganzen "Literaturzirkus" und der Verlage kalter Wind entgegen. Niemand wolle mehr ein Risiko eingehen. Literatur würde immer mehr unter ökonomischen Abwägungen betrachtet, konstatierte der resolute Literaturnerd. "Schreiben ist das Idiotischste, was man machen kann. Nicht schreiben aber auch."

Ein Bleifuß lässt sich aber nicht unterkriegen – und jetzt hat es gerappelt im Karton: Am vergangenen Sonntag sackte der Göppinger für seinen Text "Fünf Variationen auf das Unsagbare" den Autorenpreis "Irseer Pegasus 2017" ein. 150 Schriftsteller aus dem ganzen Land hatten sich mit ihren Werken beworben, doch Bleifuß hat den mit 2000 Euro dotierten Preis gewonnen. Neben ihm auf dem Siegertreppchen der Preisverleihung im Kloster Irsee im Allgäu strahlte David Krause aus Kerpen.

"Der glücklose Autor hatte endlich einmal Glück!", schrieb Goethe-Glücksbärchen Bleifuß voller Freude an Kontext, mit der Bitte unseren LeserInnen mitzuteilen, dass man am 27.1. ab 21:05 Uhr im BR2 sein Hörspiel "Pinball" senden werde. Machen wir doch gerne. (11.1.2017) 


Abstand halten von den Volksverrätern

Aus 594 Wörtern haben die Sprachwissenschaftler um die Darmstädter Professorin Nina Janich das Unwort des Jahres 2016 ausgesucht: "Volksverräter". Aus dem Erbe der NS-Diktatur werde das Wort von Pegida, AfD und anderen Rechtsaußen verwendet, um PolitikerInnen  zu diffamieren. Mit der Folge, dass das "ernsthafte Gespräch" und notwendige Diskussionen in der Gesellschaft abgewürgt würden, begründet die Jury. Auf den weiteren Plätzen folgen "postfaktisch", "Populismus", "Gutmensch" sowie eine "Armlänge Abstand". Mit in der fünfköpfigen Jury saß auch Kontext-Autor Stephan Hebel. (10.1.2016)


Sichere Herkunftsstaaten: Kretschmann schon lange für längere Liste

Winfried Kretschmann hat sich mit jüngsten Äußerungen zur Einstufung von Marokko, Tunesien und Algerien als sichere Herkunftsländer derart in die Nesseln gesetzt, dass sich sein Staatsministerium zu einer "Klarstellung" aufgerufen sah. Tatsächlich handelt es sich um einen durchsichtigen Versuch der Schadensbegrenzung. Der grüne Regierungschef hatte auf Anfrage der "Rheinischen Post" in einer Stellungnahme zur aktuellen Sicherheitsdebatte erklärt: "Die kriminelle Energie, die von Gruppierungen junger Männer aus diesen Staaten ausgeht, ist bedenklich und muss mit aller Konsequenz bekämpft werden." Zugleich sprach er sich für die Aufnahme der drei Maghreb-Staaten auf die Liste sicherer Herkunftsländer aus: "Baden-Württemberg wird der Ausweitung zustimmen, sofern die Bundesregierung das Ansinnen in den Bundesrat einbringt."

Die Wirkung beider Sätze im Zusammenhang sind ihm und "meinen Leut", wie er seine engsten Mitarbeiter gern nennt, offenbar entgangen. Jedenfalls stellte "das Staatsministerium klar, dass die signalisierte Zustimmung weder aus aktuellem Anlass beschlossen wurde, noch ihre Begründung in der Gewaltbereitschaft mancher Gruppen junger Männer aus diesen Ländern hat". Vielmehr sei die Entscheidung "schon im Frühsommer 2016 nach einem langen Abwägungsprozess, in dem vor allem der Frage nachgegangen wurde, ob es angesichts der Menschenrechtssituation in den besagten Ländern vertretbar wäre, diese zu sicheren Herkunftsländern zu erklären (...), als sich die Bundesregierung dem Ministerpräsidenten gegenüber bereit erklärte, in einer Protokollerklärung festzuhalten, Personen aus sogenannten vulnerablen Gruppen wie Homosexuellen, verfolgten Journalisten, religiösen Minderheiten mit gleicher Sorgfalt zu prüfen wie Flüchtlinge aus sonstigen Ländern". Das Staatsministerium sagt allerdings nichts dazu, ob die Forderung erfüllt wurde und warum das Thema nicht längst endgültig ausgetreten ist. Denn laut dem Bundesamt für Flüchtlinge und Migration werden die drei Länder in der Statistik überhaupt nicht mehr einzeln ausgewiesen, weil die Zahl der einreisenden Asylbewerber so niedrig ist. Und bereits 2015 gehörten die drei Staaten nicht zu jenen zehn Ländern, aus denen die meisten Flüchtlinge nach Deutschland kamen. (5.1.2017)


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Im "rtv"-Heft erscheint rechte Werbung. Allen Beteiligten ist das egal. Fotos: Joachim E. Röttgers

Im "rtv"-Heft erscheint rechte Werbung. Allen Beteiligten ist das egal. Fotos: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 245
Medien

Lifta und Propaganda

Von Anna Hunger
Datum: 09.12.2015
Der rechtspopulistische Kopp Verlag wirbt seit vielen Jahren in Fernsehmagazinen – den auflagenstärksten Wochenbeilagen Deutschlands. Auch in den Stuttgarter Zeitungen. Und keiner hat ein Problem damit.

Als Beilage für Tageszeitungen dröselt "rtv" nicht nur jeden Freitag das Fernsehprogramm auf. Besser bekannt noch ist die Beilage als Zentralorgan der deutschen Treppenlift-Wirtschaft. Zielgruppe des Hefts seien "Best Ager" und "Best Consumer", sagt Alexandra Bücheler, zuständig für dessen Werbung, in einem Interview für das Marketing-Magazin "Marke41". Heißt: Leute, die sich mal was gönnen wollen. Bella Sicilia ab 389 Euro, das Naturheil-Mittel Deseo gegen sexuelle Schwäche oder eben einen Lifta. "Alle Marken, die körperliches und seelisches Wohlbefinden fördern, sind bei "rtv" richtig", sagt Marketing-Frau Bücheler.

Auch der Rottenburger Kopp Verlag wirbt dort, oft sogar mehrseitig, schon viele Jahre. Seit 2012 berichtet Kontext über seine kruden Bücher, seine hetzerische Online-Nachrichtenseite, seine Vorliebe für AfD und Pegida, seine Hetze gegen Muslime und Flüchtlinge. Doch auch schon davor löste die Werbung aus Rottenburg bei den Lesern des Wohlfühl-Fernseh-Blättchens Unwohlsein aus. 

Ängste und Vorurteile für die "Best Consumer"

Bei Thomas Kutschaty zum Beispiel. 2008 hat er unter der Überschrift "Volksverhetzung als Programm?" eine Kleine Anfrage zur Werbung von Kopp im "rtv"-Magazin gestellt. Damals war er Landtagsmitglied für die SPD in Nordrhein-Westfalen, heute ist er NRWs Justizminister. Es ging um eine Anzeige in Heft 44/2008, Werbung für Udo Ulfkottes Buch "SOS Abendland. Die schleichende Islamisierung Europas", die "höchst problematisch" sei, "weil sie Ängste und Vorurteile in der Bevölkerung schürt", schreibt Kutschaty. "Die Anzeige selbst verschleiert nicht die deutlich tendenziöse Interpretation des Buches, nämlich der durch eine schleichende Islamisierung Europas kurz bevorstehende Untergang des Abendlandes."

Populistisch und gefährlich: Kopp-Verlag in Rottenburg.
Populistisch und gefährlich: Kopp-Verlag in Rottenburg.

Die Redaktion der Programmzeitschrift postete damals in der Kommentarspalte ihrer Homepage: "Wir entschuldigen uns für die Äußerungen, die in dieser Anzeige gemacht werden, auch wenn Sie außerhalb unserer redaktionellen Verantwortung liegen". 

Die Anfrage von Thomas Kutschaty ist lange her. In der Zwischenzeit hat sich der Protest gegen den Untergang des Abendlandes in Dresden manifestiert. Anschläge auf Asylbewerberheime sind fast alltäglich, Journalisten werden bedroht, das Gehetze gegen Flüchtlinge und Muslime im Internet ist manchmal kaum noch auszuhalten. Der Kopp Verlag hat sich mittlerweile ein großes neues Gebäude gebaut, verkauft immer mehr seltsame Bücher und die Nutzung seiner Online-Nachrichtenseite ist auf mehr als sechs Millionen Klicks pro Monat gestiegen.

Aber bei "rtv" hat sich nichts geändert an der Kopp'schen Werbepraxis. Das mit der Verantwortung ist eben so eine Sache. Der Verlag, der regelmäßig über die Fernsehbeilage Millionen von Menschen erreicht, stellt eben keine Treppenlifte her. Er hat ein politisches Programm. Eines, das gefährlich ist, gerade heute. 

"Rtv" wird als sogenanntes Supplement angeboten, als Beilage für Tageszeitungen, nahezu in jedem Bundesland. In 8,2 Millionen Stück verkaufter Auflage jede Woche. Das Heft ist die größte Fernsehzeitschrift in Deutschland, es gibt keine Wochenzeitung, die eine größere Auflage hat als dieses Blatt. Herausgegeben wird es von der VIG, der Verleger-Interessengemeinschaft e.V. in Aalen. Deren Vorstand sind die Geschäftsführer diverser Verlags- und Druckhäuser, unter anderem Bernhard Reese von der Stuttgarter Zeitung Werbevermarktung GmbH. Und der legt das Heftchen Tageszeitungen der Südwestdeutschen Medienholding (SWMH) bei, 44 Titeln - auch der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten". Laut Reese gibt es "rtv" in 1,2 Millionen Zeitungsausgaben. Jeden Freitag.

Die "Islamisierungs"-Anzeige war dann doch zu viel

Die Stuttgarter seien ja nicht die einzigen, die das Blättchen beilegen, sagt Bernhard Reese, auch die Südwestpresse (SWP) aus Ulm täte das. Außerdem würden auch andere Werbung für Kopp schalten. "Prisma" beispielsweise. Das ist die zweite große Fernseh-Beilage in Deutschland. Auch da wirbt der Verlag seit Jahren, wenn auch selten. Man bemühe sich nicht um dessen Werbung, sagt Gabriele Schröder, die Verkaufsleiterin des Prisma-Verlags in Düsseldorf. Aber sie schalten sie dann offenbar doch, eine Doppelseite hatte er Anfang 2015 im Heft. Die Fernsehzeitung hat eine Auflage von mehr als sechs Millionen Stück und bespielt Gebiete und Tageszeitungen, die "rtv" übrig lässt.

Ausgabe 28/15 von "rtv" ist Bernhard Reese im Stuttgarter Pressehaus sogar aufgefallen. Dort wirbt der Kopp Verlag für das Buch "Mekka Deutschland - Die stille Islamisierung" von Udo Ulfkotte. Auf der Verlagshomepage ist der Inhalt des Werks angerissen: "Wissen Sie, dass Vielweiberei in Deutschland zwar offiziell verboten ist, dies aber nicht für Muslime gilt und bis zu vier Frauen eines Muslims Anspruch auf Witwenrente haben? Dass Anhänger der "Religion des Friedens" pro Stunde durchschnittlich sieben Menschen unter Berufung auf Mohammed töten? Dass SPD und Grüne Mädchen und Jungen den Muslimen zuliebe in den Schulen wieder getrennt unterrichten möchten?" 

Er habe die Anzeige reklamiert, sagt Reese, "weil wir mit dem Inhalt nicht einverstanden waren", der ginge nicht überein mit dem journalistischen Anspruch der eigenen Presseprodukte. Er habe "rtv" aufgefordert, "Aufträge des genannten Kunden inhaltlich genauer zu prüfen." Das war im Sommer dieses Jahres. Aber Kopp wirbt weiter im Fernseh-Heft, wenn auch, laut Reese, genauer geprüft, und liegt weiterhin den Zeitungen der SWMH bei.

Der Kopp Verlag mit den großen roten Buchstaben wurde und wird durch Werbung in solch massenweise verbreiteten Zeitschriften zu einem Begriff. Wer ihn googelt, weil ihm womöglich ein Buch über Saftfastenkuren in einer "rtv" so gut gefallen hat, landet auf der verlagseigenen Nachrichtenseite "Kopp Online". Statt Saftfasten gibt's Hetze: "Schweden galt lange Zeit als Vorzeigeprojekt für die 'gelungene Integration' von Muslimen. Jetzt hat man die Grenzen geschlossen, weil wegen der Migranten in immer mehr Städten bürgerkriegsähnliche Zustände herrschen."

Sofern die Werbung in "rtv" "nicht rechtswidrig oder aus sonstigem Grund abmahnfähig ist, ist unser Einfluss auf die verkaufte Werbung begrenzt", schreibt Reese, immerhin Mitherausgeber. Für weitere Fragen verweist er an "rtv" in Nürnberg. 

Die Verantwortlichen sind alle "außer Haus"

Die Zeitschrift wird von der rtv media solutions verlegt. Deren Leiterin ist Alexandra Bücheler, die "rtv" so förderlich fürs Wohlbefinden findet und die Werbung im Heft verantwortet. Äußern mag sie sich nicht. Auch nicht der Geschäftsführer der rtv media group Ulrich Buser, ebensowenig sein Stellvertreter Dirk Kemmerer. Alle im Urlaub, sagt die Sekretärin nach mehrfacher Anfrage, mit unbekanntem Rückkehrdatum. Man möchte sich doch bitte an Arvato wenden, zu der wiederum die rtv media solutions gehört.

Arvato ist ein Bertelsmann-Unternehmen. Am Telefon sagt der Sprecher, dass er persönlich gar nicht so viel essen könne, wie er kotzen möchte, wenn er sich die ganzen Pegidisten anschaut. Als offizielles Statement schickt er dann: "Die rtv unterliegt als Massenmedium gesetzlichen Vorgaben. Im Sinne der Werbe- und Pressefreiheit steht es uns nicht zu, willkürlich Anzeigen abzulehnen."

Nicht? "Schrot und Korn" hat es vorgemacht. Das Naturkostmagazin hat ebenfalls lange für den Verlag geworben. Die Dame in der Anzeigenabteilung sagt, wegen der Kopp'schen Rechtsaußen-Tendenz sei "die Zusammenarbeit seit 2011 eingestellt". Und das durchaus gesetzlich gedeckt. Denn, so erklärt Anne Grote, die stellvertretende Sprecherin des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft ZAW: "Auch in diesem Bereich gilt der Grundsatz der Vertragsfreiheit, also keine Verpflichtung zur Anzeigenschaltung." 

Es gibt natürlich auch kein Verbot, solange der Werbepartner nicht gegen Gesetze verstößt. Und das tut der Verlag nicht. Kopp und Kollegen schreiben sich seit Jahren haarscharf an allem vorbei, was irgendwie juristisch habhaft wäre. Deshalb auch beobachtet der Verfassungsschutz den Verlag nicht im nachrichtendienstlichen Sinne, liest nur seine öffentliche Homepage. Kopp und seine Schreiber verstoßen nicht gegen Gesetze, sie sind im Gegenteil durch Presse- und Meinungsfreiheit geschützt.

Jeder, der möchte, darf natürlich für ihn Werbung schalten. Wer auch immer will, darf Pegida-Demonstrationen besuchen, gegen Flüchtlinge mobil machen oder AfD wählen. Das alles muss man sogar dürfen. Das Gute aber an der gesetzlich geschützten Freiheit in Deutschland ist, dass keiner all das tun muss.

Der Kopp Verlag hetzt und verunglimpft, er verschiebt die Fakten, bis sie ihm ins rechte Weltbild passen und trotzdem noch irgendwie wahr bleiben. Er verstößt gegen die Moral. Gegen die Ethik im Allgemeinen. Gegen die Presse-Ethik im Besonderen. Aber Geld frisst auch hier, wie so oft, Moral und Ethik und spuckt sie als Freiheit wieder aus.

Fast keine Beschwerden aus der Leserschaft

Der Sprecher der Bertelsmann-Tochter Arvato, dem schlecht wird, wenn er Pegidisten sieht, schreibt: "Anzeigen, die rassistisch, sexistisch oder gewaltverherrlichend sind, nehmen wir nicht an. Gemäß dieser Leitlinien haben wir einige Anzeigen des Kopp-Verlags veröffentlicht, andere Motive dieses Verlags aber auch bereits abgelehnt."

Treppenlift-Werbung in "rtv".
Treppenlift-Werbung in "rtv".

Welches normale Unternehmen arbeitet mit einem Kunden zusammen, dessen Anzeigen manchmal so rassistisch sind, dass man sie ablehnen muss? "Lieber Herr Reese, warum legt eines der größten Presseunternehmen in Deutschland, die SWMH, insgesamt 44 ihrer Tageszeitungen einen Beilage bei, die nicht zum ersten Mal durch rechtspopulistische Werbung auffällt?" Solche Supplement-Verträge seien über viele Jahre im Voraus abgeschlossen, antwortet er. Und weiter: "Wie wir aus Marktbefragungen wissen", seien die Leserinnen und Leser "mit rtv als TV-Supplement sehr zufrieden. Wir haben so gut wie keine Beschwerden aus unserer Leserschaft."

Eine Gesellschaft, sagt der Arvato-Sprecher am Telefon, müsse sowas wie den Kopp-Verlag aushalten. Aber eine Gesellschaft kann nur aushalten, wenn es Menschen gibt, die gegensteuern. Zumal solche, die eine sehr breite Öffentlichkeit mit ihren Heftchen beglücken, die eine Verantwortung haben, weil sie Teil der Presselandschaft in Deutschland sind. Da reicht es manchmal einfach nicht, wenn einem still und heimlich übel wird.


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Kommentare

Marc Heinecke, 16.12.2015 13:24
Der Beitrag von Anna Hunger jedoch steht leider in der schlechten alten Tradition - als Halbfranzose fällt mir das immer sofort auf - des Obrigkeitsstaates mit seiner Zensur und der weit verbreiteten Lust am Denunzieren und Diffamieren. Warum hetzen Sie derartig penetrant gegen das hart erkämpfte Grundrecht der Meinungsfreiheit in Wort, Bild und Schrift? Wenn Ihnen ein Verlag wie der Kopp-Verlag nicht passt, dann gibt das Ihnen doch keinen Grund, mit derartigem Geifer wiederholt das Recht auf freie Meinungsänderung und Werbung anzuprangern, als ob die Sendung "Schwarzer Kanal" des DDR-Fernsehens liefe! Der Kopp-Verlag hat ein riesiges Spektrum an völlig verschiedenen Themen: Geschichte, Politik, Gesundheit, Natur, Esoterik etc. und publiziert vorrangig Bücher, die alternative Sichtweisen - gerne auch "krude" oder sog. "verschwörungstheoretische", aber durchaus auch berechtigte und notwendige - zum Zeitgeschehen präsentieren. Sollten wir nicht für jeden Verlag, für jeden Titel dankbar sein, der nicht mainstream-konform, nicht bertelsmann-tauglich ist und zum Verlassen eingefahrener Denkwege einlädt? Ich verdanke so manchem Buch des Kopp-Verlags wichtige Einsichten und Erkenntnisse, die mir geholfen haben, nicht mehr alles zu glauben, was uns die Massenmedien vorsetzen und weiß das auch von anderen. Wollen Sie diese Erkenntnisse verbieten? Warum benutzen Sie und alle Medien-Angestellen immer holzhammermäßig diesen CIA-geprägten Begriff: "Verschwörungstheorie" ? Dann aber outen Sie sich selber als obrigkeitshörig, intolerant und unethisch und tun doch genau das, was Sie dem Kopp-Verlag vorwerfen: Sie verunglimpfen, hetzen und verstoßen gegen die Presse-Ethik! Warum halten Sie es nicht einfach mit Voltaire, der sinngemäß sagte: "Ich teile deine Meinung nicht und widerspreche ihr sogar, werde aber dafür kämpfen, dass du sie frei äußern kannst!" Warum ist das anscheinend immer noch so schwer für Deutsche, anscheinend besonders für Linke und Grüne?
Oder Sie träumen von einer Diktatur der poltiischen Correctness à la "1984" und "Schöne neue Welt" mit gleichgeschalteten Untertanen, die glücklich ihr Soylent Green fressen und bloß keinen kritischen, "gefährlichen" Gedanken wagen? Zu einer gesunden Demokratie - so wir das wollen - gehört aber Meinungsvielfalt, freier Diskurs und Wettbewerb aller Geister - guter und schlechter.
Mein Rat:
Argumentieren Sie gezielt und inhaltsbezogen zu Thesen, die Ihnen nicht passen und stellen Sie sich dem Dialog, anstatt pauschale Verdammungsurteile zu fällen, die dazu führen werden, dass es bald nur noch Lager gibt, die sich hasserfüllt gegenüberstehen, ohne einander zu kennen oder kennenlernen zu wollen. Ich weiß - das ist immer harte Arbeit, aber die sollten sich gerade Vertreter des Politik- & Mediengewerbes zumuten, wenn sie aus der Geschichte gelernt haben und nicht in die unheilvollen Fußstapfen der früheren Generationen treten wollen. Ich lasse mich selber keinem Lager zuordnen, weder linkem, rechtem, noch religiösem, bin aber immer bereit, alle dort vertretenen Ideen und Theorien zu prüfen und mit jedem Denk- und Dialogfähigen ins Gespräch zu kommen , immer der sokratischen Erkenntnis: "Ich weiß, dass ich nicht weiß" eingedenk.

invinoveritas, 13.12.2015 17:31
@andromeda

es ist immer ganz besonders lustig, wenn diese vielen scharfäugigen medienkritiker ihre kenntnisreiche medienkritik auf kritische berichte eben jener medien stützen. und gar nicht bemerken, wie schräg diese art der beweisführung ist.

so wie hier: andromeda zitiert nacheinander zustimmend arte, swr und gleich zweimal das zdf.

und auch dass man im zuge der ukraine-krise frau krone-schmalz unentwegt auf fast sämtlichen kanälen bewundern konnte, irritiert ihn auch nicht bei seinem geschwätz von der gekauften, parteiischen oder sonstwie unfähigen/unanständigen/ journaille.

dass er dann noch den unsäglichen ulfkotte nicht durchschaut als den scharlatan, der er nun mal ist ausweislich seines buchs und seiner vita, spricht zusätzlich für sich.

ebenso wie die hanebüchene geschichte von dem irgendwie betroffenen, der erst befragt wurde und dann, donnerwetter! gar nicht vorkam in der sendung.

aus so etwas schlüsse zu ziehen auf die qualität des medienwesens hierzulande, das lässt vorsichtig vermuten, dass da in puncto sachverstand und analysefähigkeit das bestimmt enorme potenzial noch nicht zur gänze ausgeschöpft ist ...

andromeda, 12.12.2015 17:58
Das Buch von Ulfkotte "Gekaufte Journalisten " war sehr aufschlussreich und weicht inhaltlich nicht sehr von anderen Beitraegen zu Medien ab.
Z.B. Arte-Doku zu "Billy the Kid" , der nur deswegen zum Revolverhelden und Banditen erklaert wurde , da die Moerder seines Bosses , selber alteingessessene Rinderzuechter , im Besitz von 2 Zeitungen ,Sheriff und Justiz waren .
Oder
swr2 "wissen" :amerik.Historiker zu "Caligula" ; wurde lt. diesem
von den Schreiben hist. "boese" geschrieben , da er den herrschenden roemischen Familienclans ein Dorn im Auge war.
Oder
Charlotte Wiedemann : "Vom Versuch nicht weiss zu schreiben"
beschreibt in etwa das Gleiche wie Ulfkotte
Oder
Cornelia Krone-Schmalz zur Ukraine Berichterstattung
ebenso diverse Kabarettisten im ZDF dazu
oder
persoenliche Erfahrungen in der Sportberichterstattung
persoenliche Erfahrungen in der Lokalpresse , wo finanzielle Interessen einer Stadt befoerdert werden sollten
oder
Erfahrungen aus direkter Erzaehlung eines Betroffenen , der nach einem SWR/F ' Beitrag ,-1 Min. im 3.ten-TV- , mit Interview zu Hause , erkannte , dass die Film-Crew eigentlich nur ihre bereits vorgefertigte Story mit ein paar Bildern garnieren wollte ,seine Details und Nachweise zur Story 0 Erwaehnung fand , der Beitrag also die Umstaende gar nicht wiedergegeben hat oder sollte
oder Berichterstattung zu Israel/Palaestina , bis Ende Oktober allein 70 Tote Palaestinenser , einige einfach ohne eine Gefahr darzustellen abgeknallt , dagegen 20 Tote Israelis jedesmal erwaehnt ohne Hintergruende .
oder damals
Ruanda oder Vietnamkrieg oder Irakkrieg.
So what , solange ab und zu ein halbwegs vernuenftiges Buch dabei herauskommt , und das ist "Gekaufte Journalisten" und keine Hetze betrieben wird , nicht so schlimm .
Viel schlimmer das permanente "Gut und Boese" anderer Herkunft .

Stefan Wagner, 11.12.2015 22:37
Die Leute, die die Werbung des Koppverlags selbst beurteilen müssen sind die gleichen, die zur Wahl gehen dürfen.

Wenn die Publikationen nicht verboten sind, sind sie erlaubt. Niemand ist gezwungen sie auch zu kaufen. So einfach ist das.

Lauris Mauris, 11.12.2015 09:19
Man kann dem Kopp-Verlag kritisch gegenüber stehen und das nehme ich für mich in Anspruch. Aber dieser Artikel ist in seiner Form und mit seinen Mitteln mindestens so gefährlich, wie viele der kruden Themen, die der Kopp-Verlag anbietet, weil das Ziel andere Meinungen zu verbieten antidemokratisch, geradezu totalitär daherkommt. Entscheidet die Autorin zukünftig, welche Veröffentlichungen bekannt werden sollen, welche Meinung erlaubt, welche gefährlich ist?

Hier werden Manipulationstechniken verwendet, die dem geneigten Leser eintrichtern sollen, dass der Kopp-Verlag böse ist. Dies geschieht zum Beispiel mit der unreflektierten Aneinanderreihung Kopp - Pegida - Brandstiftung, die zwar oft ausgesprochen, aber keinesfalls beweisbar ist. Genauso gut könnte man SPD-Stegners Verteufelung von politischen Gegnern und die Anschläge von Linksextremen auf Büros, Fahrzeuge und auf das Leben der Rechtspopulisten in Zusammenhang stellen. Tut dies die Autorin oder ist sie auf diesem Auge blind? Wer Meinungsäußerung von links und rechts mit Gewalt verbinden will, der sollte zukünftig deutlich aussprechen, dass Meinungsäußerung zur Sicherheit vor Anschlägen von radikalen Idioten grundsätzlich zensiert werden soll.

Dann werden Beispiele gezeigt, die zwar jenseits der Willkommenskultur sind, aber keinen Straftatbestand darstellen. Darf in Deutschland keiner den Zuzug von mehr als einer Million Menschen aus einem anderen Kulturkreis kritisch hinterfragen? Ist die Bildung von grundgesetzverachtenden Parallelgeselschaften in vielen Großstädten eher im christlichen, im atheistischen oder im muslimischen Umfeld Realität geworden? Gibt es hier kein Verständnis, wenn dies neben der Angst vieler Menschen von Autoren benannt wird?

Wer sich die Kopp-Verlagsseiten ansieht, erkennt auf den ersten Blick so allerlei schräge Themen. Auf der täglichen Presseseite finden sich links zu rechtspopulistischen und propagandarussischen Seiten ebenso, wie in der Anzahl immer noch bedeutend die Links zu Springermedien, Spiegel, Focus u.ä. gezeigt werden.

Wer mit Medien umgehen kann, findet so auch Informationen, die ein Gegenbild zur einseitigen Realitätsdarstellung der Gedankenwelt der Autorin zeigen. Wer diese Gegenbilder hinterfragt, kann leicht Unsinn von Interessantem trennen. Wer diese Quellen vorab verteufelt, will aber mit Sicherheit nicht zu einer freien Meinugsbildung beitragen. Vielleicht fragt sich die Autorin, ob sie wirklich das Ende der Meinungsfreiheit propagieren will...

Freiheit ist die Freiheit der Andersdenkenden. Und für die trete ich ein, auch wenn sie gerade nicht meine Meinung wiedergibt. Denn nur, wenn ich Argumente kenne, kann ich sie widerlegen.

Detlef Segert, 10.12.2015 18:38
... rechtspopulistisch...
Ist das jetzt rechts von der SPD oder links von der CDU?
Der einfachste Weg wäre doch eine Anzeige wegen..., äh..., ach...äh... Rechtspopulismus?
Bin ja gespannt, wann in diesem Zusammenhang die Schublade mit der Nazi-Keule aufgezogen wird.
...Fast keine Beschwerden aus der Leserschaft...
Da hat rtv anscheinend genau die richtige Zielgruppe erreicht.

Illen, 10.12.2015 17:21
Solche affektiv anmutenden Gesinnungsstücke sind wirklich die große Schwäche der Kontext-Wochenzeitung.

Der Kopp-Verlag hat es sich seit eh und je auf die Fahnen geschrieben, das Meinungsspektrum jehnseits von Springer, Klett, Random House & Co. abzubilden, und das betrifft nicht nur "rechtspopulistische" Bücher, sondern alle möglichen Ansichten und Themen kreuz und quer.

Man kann Autoren wie Ulfkotte mit so vielen so guten Argumenten inhaltlich entgegentreten. Z.B. in der Kontext Wochenzeitung. Das wäre das, was man in einer offenen Gesellschaft unter "gegenhalten" versteht.

Stattdessen: Anzeigenkunden des Verlags hinterher telefonieren, warum sie mit den bösen Kindern spielen, und darüber ein selbstgerechtes Empörungsstück schreiben. Bravo.

Christian Meier, 10.12.2015 13:09
Der KOPP-Verlag hat auch jahrelang in der ADAC-Motorwelt, immerhin eine der auflagestärksten Zeitschriften in Europa, geworben. Spätestens seit des "Gelbe-Engel"-Skandals scheint aber selbst den Verschwörungstheoretikern aus Rottenburg das ADAC-Mitgliederblättchen zu unseriös geworden zu sein. ;-)

jj preston, 10.12.2015 11:59
SWHM - Baden-Württemberg, Kopp-Verlag - Baden-Württemberg, Filbinger - Baden-Württemberg, Michelle Kiesewetter - Baden-Württemberg. Zufall?

Noch gemeiner:
Markus Söder - Nürnberg, Arvato (rtv) - Nürnberg, bestimmte Gesetze - Nürnberg. Zufall?

BV, 10.12.2015 11:34
Warum muss man die Werbung des Kopp-Verlages überhaupt drucken, wenn man doch schon „andere Motive dieses Verlags aber auch bereits abgelehnt“ habe? Das ist doch eine permanente Gradwanderung, die sich die rtv nicht antun sollte, zumal die abgelehnten Motive ja vermutlich ausdrücklich gegen den Verlag sprechen und sich rtv dann schon vorwerfen lassen muss, ihre Leser auf die Seite des Kopp-Verlages gebracht zu haben, so die einst abgelehnten Motive (und Themen und Produkte) dann ja wiederum zu finden sind. Nur einzelne Motive abzulehnen, dafür aber andere, die die Grenze noch nicht ganz erreichen, abzudrucken, ist scheinheilig.

jun, 10.12.2015 09:44
Haben die sich in den letzten Jahren so sehr geändert, dass es berechtigt ist die als "rechtspopulistisch" zu bezeichnen? Das letzte mal als ich in deren Katalog geguckt hatte, war deren Portfolio ein buntes Gemisch aus möglichst abwegigen Meinungen. Links, recht, esoterisch, extra terrestrisch, homeophatisch... da hat man zu allem was gefunden.

Das Brot, 10.12.2015 09:27
Mir selbst ist das vor ein paar Wochen auch aufgefallen. Als ich in dieser Beilagenzeitschrift blätterte und ich den Werbeflyer entdeckte. Ich habe sofort per Email bei der Tageszeitung angefragt, ob denen bewusst ist, was der Kopp-Verlag ist. Eine Antwort kam leider nie. Wobei ich mir im Nachhinein überlegte, dass es ja das gute Recht des Kopp-Verlages ist, auch Werbung zu schalten. In dem Flyer bewarben die jetzt nichts schlimmes (naja, alternative Bücher über Heilkunde usw,). Man muss den Kopp-Verlag ja nicht gut heißen aber in einer Demokratie hat jeder Händler das Recht sein Produkt zu bewerben, so lange keine geltenden Gesetze verletzt werden. Wenn wir nur noch das erlauben, was uns angenehm ist, graben wir der Demokratie und der Pressefreiheit sein eigenes Grab. Lasst sie doch werben, man muss das ja nicht ernst nehmen oder kaufen.

unauffällig, 09.12.2015 12:38
Der Kopp-Verlag wirbt nicht bloß in Fernsehprogramm-Zeitschriften, sondern präsentiert sich auch sehr offensiv im Internet. Wenn ich bestimmte Begriffe wie z.B. Flüchtlingsheime google, dann erscheint zuerst und ganz oben der Kopp-Verlag und beglückt mich mit "Hintergrundwissen zur Asylindustrie" und mit der "verbotenen Wahrheit" über die "Migrationsbombe". Dort werde ich gleich verlinkt zu www.konmo.de, einem Ableger des Verlags mit Super-Schnäppchen-Angeboten: "Wir versuchen konservative Themen und Persönlichkeiten ästhetisch und zeitgemäß auf Textilien zu bringen". Wenn ich dann PEGIDA-Zubehör entdecke wie den "Hermann - Furor Teutonicus" oder den "VerbreCHEr", dann kann ich ja noch lachen. Das Lachen bleibt mir aber im Hals stecken, wenn ich T-Shirts mit der "Stauffenberg-Flagge" sehen muss und Stauffenberg als Popfigur für PEGIDA. Meinungsfreiheit auch im Internet ist ein hohes Gut, mündige User können sich mit Provokationen kritisch auseinandersetzen - aber wehrt sich denn niemand gegen den Missbrauch des Namens Stauffenberg???

Michael Schneider, 09.12.2015 10:32
Ich war nahe dran, der Kontext-Wochenzeitung eine Spende zukommen zu lassen, bzw. ein Abo abzuschließen. Nach diesem Artikel werde ich das nicht mehr tun, genau wie beim Kopp-Verlag.
Gott-Sei-Dank kann ich in diesem Zusammenhang noch selbst bestimmen, wofür ich bezahle. Das geht bei den Zwangsgebühren der Öffentlich-Rechtlichen-Medien leider nicht. Eine äußerst undemokratische Einrichtung!
So habe ich halt vollständig das Vertrauen in die Redlichkeit journalistischer Beiträge verloren und erstelle mir eine eigene Meinung, die manchmal leider nicht von langer Dauer ist.

Karl Heinz+Siber, 09.12.2015 09:18
Ich meine, diesen Preis müssen wir für die Errungenschaft, in einer liberalen Gesellschaft zu leben, bezahlen. Ich habe kein Problem damit, dass der Kopp-Verlag Werbeanzeigen schaltet, für die er gutes Geld bezahlt. Solange keine strafrechtlichen Tatbestände wie Volksverhetzung erfüllt sind, ist das absolut in Ordnung. Davon abgesehen, glaube ich, dass jede Zeitung das Recht hat, Anzeigen, die ihr nicht gefallen, mit oder ohne explizite Begründung abzulehnen.

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Letzte Kommentare:

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Ausgabe 302 / Lidl lohnt sich – für einen / Schwabe, 14.01.2017 21:10
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