KONTEXT Extra:
Jetzt doch ein Koalitionsausschuss zu Afghanistan

Vor Weihnachten hatten Grünen und CDU eine inhaltliche Aussprache über die Abschiebepraxis nach Afghanistan vermieden. Stattdessen wurde im Koalitionsausschuss vor allem darüber diskutiert, ob Grünen-Landeschef Oliver Hildenbrand es "schäbig" nennen darf, wenn sein CDU-Pendant, Innenminister Thomas Strobl, auch alte oder kranke Menschen abschieben will. Zur bisher einzigen Sammelabschiebung wurde ein Mann sogar aus einer Psychiatrischen Klinik geholt, dann allerdings doch nicht ins Flugzeug nach Kabul gesetzt.

Am kommenden Dienstag werden dieser und andere Fälle sowie die grundsätzliche Vorgehensweise im Koalitionsausschuss diskutiert. Die Grünen, die die Debatte durchgesetzt haben, erinnern an die geltenden Leitlinien des Landes zu Abschiebungen und Rückführungen, nach denen eine Einzelfallprüfung ohnehin zwingend ist. Bisher hatte sich Strobl gegen eine inhaltliche Behandlung der von ihm mitinitiierten verschärften Abschiebepraxis im Koalitionsausschuss ausgesprochen. Die Grünen gehen davon aus, dass die Leitlinien und damit die Einzelfallprüfung bestätigt werden.

Auf dem Tisch liegt auch ein Papier der sogenannten G-Länder, also aller Koalitionen, an denen Grüne beteiligt sind. Diesem zufolge muss gewährleistet sein, "dass Ausreisepflichtige keinen Schaden an Leben und Gesundheit nehmen". Die Regierungspartner in Baden-Württemberg, Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen "betonen eine Reihe von Grundlinien und Anforderungen bezüglich Rückführungen nach Afghanistan". Sie fordern die Bundesregierung aber auch auf, die Sicherheitslage in Afghanistan "erneut zu überprüfen". (14.1.2017)


Ein zweites Raumwunder für Geflüchtete

Engagement kann sich lohnen. Im September hatte Kontext über die Initiative der Künstlerin Martina Geiger-Gerlach berichtet, eine Wohnung in einem zum Abriss vorgesehenen Haus im Stuttgarter Stadtteil Steckfeld monatsweise Flüchtlingen zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig finden dort immer Ausstellungen statt, die Nachbarn und Interessierten Gelegenheit geben, Künstlern und Geflüchteten zwanglos zu begegnen. Nun hat der Vermieter, das katholische Siedlungswerk, der Künstlerin eine zweite Wohnung im selben Haus als Lernwohnung zur Verfügung gestellt, damit Geflüchtete, die im Trubel ihrer Unterkunft nicht zur Ruhe kommen, eine Rückzugsmöglichkeit finden. Zudem bleibt das Haus länger stehen: voraussichtlich zwei Jahre. Dem Siedlungswerk gefällt das Projekt so gut, dass Martina Geiger-Gerlach gefragt wurde, ob sie sich vorstellen könnte, im Quartiersraum des Neubauareals an Stelle des früheren Olgahospitals eine Aufgabe zu übernehmen. Und: Ihr Wohnungs-Projekt ist für den Stuttgarter Bürgerpreis der Bürgerstiftung vorgeschlagen worden. Am 20. Januar um 19 Uhr eröffnet in der Karlshofstraße 42 in Steckfeld die nächste Ausstellung mit Gemälden von Ivan Zozulya und dem DJ Roman Levin. Am 31. Januar wird die Entscheidung zum Bürgerpreis bekannt gegeben. Jeder kann mit abstimmen!


Der Gewitterwanderer im Glück

Mitte November hatte der 33-jährige Göppinger Schriftsteller Kai Bleifuß noch geschimpft wie ein Rohrspatz. Der promovierte Goethe-Experte rackert sich seit Jahren mit Schreiben ab. Fabrizierte zuletzt einen Roman über den Dichterfürsten und wie der so wäre, würde er in unserer Zeit leben. "Goethes Mörder" heißt das gute Stück. Gutes Zeug. Guter Mann. Das weiß auch Bleifuß selbst. Kontext gegenüber machte er keinen Hehl daraus, dass er sich selbst für einen ziemlich duften Typen hält. Doch bislang schlug ihm seitens des ganzen "Literaturzirkus" und der Verlage kalter Wind entgegen. Niemand wolle mehr ein Risiko eingehen. Literatur würde immer mehr unter ökonomischen Abwägungen betrachtet, konstatierte der resolute Literaturnerd. "Schreiben ist das Idiotischste, was man machen kann. Nicht schreiben aber auch."

Ein Bleifuß lässt sich aber nicht unterkriegen – und jetzt hat es gerappelt im Karton: Am vergangenen Sonntag sackte der Göppinger für seinen Text "Fünf Variationen auf das Unsagbare" den Autorenpreis "Irseer Pegasus 2017" ein. 150 Schriftsteller aus dem ganzen Land hatten sich mit ihren Werken beworben, doch Bleifuß hat den mit 2000 Euro dotierten Preis gewonnen. Neben ihm auf dem Siegertreppchen der Preisverleihung im Kloster Irsee im Allgäu strahlte David Krause aus Kerpen.

"Der glücklose Autor hatte endlich einmal Glück!", schrieb Goethe-Glücksbärchen Bleifuß voller Freude an Kontext, mit der Bitte unseren LeserInnen mitzuteilen, dass man am 27.1. ab 21:05 Uhr im BR2 sein Hörspiel "Pinball" senden werde. Machen wir doch gerne. (11.1.2017) 


Abstand halten von den Volksverrätern

Aus 594 Wörtern haben die Sprachwissenschaftler um die Darmstädter Professorin Nina Janich das Unwort des Jahres 2016 ausgesucht: "Volksverräter". Aus dem Erbe der NS-Diktatur werde das Wort von Pegida, AfD und anderen Rechtsaußen verwendet, um PolitikerInnen  zu diffamieren. Mit der Folge, dass das "ernsthafte Gespräch" und notwendige Diskussionen in der Gesellschaft abgewürgt würden, begründet die Jury. Auf den weiteren Plätzen folgen "postfaktisch", "Populismus", "Gutmensch" sowie eine "Armlänge Abstand". Mit in der fünfköpfigen Jury saß auch Kontext-Autor Stephan Hebel. (10.1.2016)


Sichere Herkunftsstaaten: Kretschmann schon lange für längere Liste

Winfried Kretschmann hat sich mit jüngsten Äußerungen zur Einstufung von Marokko, Tunesien und Algerien als sichere Herkunftsländer derart in die Nesseln gesetzt, dass sich sein Staatsministerium zu einer "Klarstellung" aufgerufen sah. Tatsächlich handelt es sich um einen durchsichtigen Versuch der Schadensbegrenzung. Der grüne Regierungschef hatte auf Anfrage der "Rheinischen Post" in einer Stellungnahme zur aktuellen Sicherheitsdebatte erklärt: "Die kriminelle Energie, die von Gruppierungen junger Männer aus diesen Staaten ausgeht, ist bedenklich und muss mit aller Konsequenz bekämpft werden." Zugleich sprach er sich für die Aufnahme der drei Maghreb-Staaten auf die Liste sicherer Herkunftsländer aus: "Baden-Württemberg wird der Ausweitung zustimmen, sofern die Bundesregierung das Ansinnen in den Bundesrat einbringt."

Die Wirkung beider Sätze im Zusammenhang sind ihm und "meinen Leut", wie er seine engsten Mitarbeiter gern nennt, offenbar entgangen. Jedenfalls stellte "das Staatsministerium klar, dass die signalisierte Zustimmung weder aus aktuellem Anlass beschlossen wurde, noch ihre Begründung in der Gewaltbereitschaft mancher Gruppen junger Männer aus diesen Ländern hat". Vielmehr sei die Entscheidung "schon im Frühsommer 2016 nach einem langen Abwägungsprozess, in dem vor allem der Frage nachgegangen wurde, ob es angesichts der Menschenrechtssituation in den besagten Ländern vertretbar wäre, diese zu sicheren Herkunftsländern zu erklären (...), als sich die Bundesregierung dem Ministerpräsidenten gegenüber bereit erklärte, in einer Protokollerklärung festzuhalten, Personen aus sogenannten vulnerablen Gruppen wie Homosexuellen, verfolgten Journalisten, religiösen Minderheiten mit gleicher Sorgfalt zu prüfen wie Flüchtlinge aus sonstigen Ländern". Das Staatsministerium sagt allerdings nichts dazu, ob die Forderung erfüllt wurde und warum das Thema nicht längst endgültig ausgetreten ist. Denn laut dem Bundesamt für Flüchtlinge und Migration werden die drei Länder in der Statistik überhaupt nicht mehr einzeln ausgewiesen, weil die Zahl der einreisenden Asylbewerber so niedrig ist. Und bereits 2015 gehörten die drei Staaten nicht zu jenen zehn Ländern, aus denen die meisten Flüchtlinge nach Deutschland kamen. (5.1.2017)


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Publizist und Sozialwissenschaftler Wolfgang Storz: "Da sind Klärungsprozesse im Gange und es ist offen, wie die ausgehen." Fotos: Joachim E. Röttgers

Publizist und Sozialwissenschaftler Wolfgang Storz: "Da sind Klärungsprozesse im Gange und es ist offen, wie die ausgehen." Fotos: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 231
Debatte

"Natürlich ist radikale Kritik nötig"

Von Susanne Stiefel (Interview)
Datum: 02.09.2015
Die Intensität der Kritik hat Wolfgang Storz überrascht. Keineswegs wolle er mit seiner Arbeit über das Netzwerk "Querfront" eine linke Gegenöffentlichkeit wie etwa die "Nachdenkseiten" politisch denunzieren, sagt der Ex-Chefredakteur der "Frankfurter Rundschau" im Kontext-Interview.

Herr Storz, seit der Veröffentlichung Ihrer Studie haben Sie viele Titel: "Querfront"-Verschwörer, rechter Sozialdemokrat sind noch die netteren. Schwerer könnte der Vorwurf wiegen, Sie hätten die Otto-Brenner-Stiftung um ihre Glaubwürdigkeit gebracht. Hat Sie der heftige Widerspruch überrascht?

Die Intensität schon. Und die Tatsache, dass es Deutungen gibt, die schon sehr weit weg von meinem Arbeitspapier sind. Deshalb kurz: In diesem medienanalytischen Arbeitspapier werden die Angebote und zunehmenden medialen Erfolge von Akteuren – kenFM, die "compact"-Medien und der Kopp-Verlag – beschrieben und gewertet. Diese Akteure unterscheiden sich stark, jedoch eint sie auch einiges: Sie verorten sich selbst weder links noch rechts. Ihnen gelingt es, dauerhafte Angebote jenseits der klassischen Massenmedien zu etablieren, obwohl sie von denen ausgegrenzt werden. Sie gehen im Prinzip von dem Weltbild aus, bei uns herrscht keine Demokratie, es herrschen Eliten, die Medien sind nicht frei, sondern Instrumente dieser Eliten. Die Glaubwürdigkeit der renommierten und weithin angesehenen Otto-Brenner-Stiftung steht außen vor, es geht um mein Arbeitspapier. Kritik ist erwünscht, und Fehler passieren. Das Kritikpapier von Frau Schiffer vom Institut für Medienverantwortung ... 

... in der Sie Ihnen vorwirft, methodisch unsauber gearbeitet und schlampig recherchiert zu haben ... 

... das steht schon seit zwei Wochen auf der Homepage der Stiftung, sodass jeder, der sich für mein Arbeitspapier interessiert, auch auf diese Kritik stößt. Und auch auf eine Richtigstellung im Zusammenhang mit einer Aussage zu weltnetz.tv. Das war ein Fehler, der sofort korrigiert wurde. Er war allerdings unbedeutend für Thema und Befunde.

"Wer kommt da noch mit?"
"Wer kommt da noch mit?"

Wenn es das Ziel der Studie war, Diskussion anzustoßen, dann ist das gelungen. Sie haben eine Gegenöffentlichkeit untersucht, die sich jenseits der Massenmedien etabliert hat. Sie behaupten, hier sei links und rechts nicht mehr unterscheidbar. Nun werden Sie vor allem von links der politischen Denunziation bezichtigt.

Jürgen Elsässer sagt von sich, er sei unverändert ein Linker, hält die Kategorien Links und Rechts für letztlich überholt, und Kritiker sagen über sein Magazin "compact", es sei rechtspopulistisch. Wer kommt da noch mit? Die von mir porträtierten Akteure selbst sagen, diese Kategorien sind überholt, wir verorten uns weder so noch so. Nun zu dem Vorwurf, ich denunziere. Das trifft mich sehr. Die Vorhalte, die in und von Massenmedien gegen die porträtierten Medienproduzenten vorgetragen werden – wahlweise Rechtspopulismus, Antiamerikanismus, Antisemitismus ... –, bewerte ich nicht, ich referiere sie allein aus einem Grund: Das Arbeitspapier bearbeitet die Frage, mit welchem Erfolg gelingt es den ausgewählten Akteuren, jenseits der Massenmedien, in Abgrenzung zu diesen und ausgegrenzt von diesen ihr Medienangebot zu etablieren und aufzubauen. Es ist ja viel schwerer, Medien gegen den Widerstand der Massenmedien zu etablieren. Eventuelle Erfolge müssen also in einem solchen Fall höher gewichtet werden. Die Vorhalte selbst spielen für das Thema sonst keine Rolle.

Der Vorhalt an Sie ist, Sie setzten Kritik an herrschenden Verhältnissen gleich mit Rechtspopulismus.

Nein. Das würde auch meiner 30-jährigen journalistischen und publizistischen Arbeit widersprechen. Ich analysiere ja eine Gegenöffentlichkeit, die sich nach eigenen Angaben zwischen oder oberhalb von links und rechts bewegt. Ich sichte deren Positionen, da diese ja offensichtlich der wesentliche Grund sind für die zunehmende Resonanz. Ich als politische Person wende mich dezidiert gegen diese Haltungen: Die Eliten herrschen und regieren gegen das Volk, die Medien sind unfrei und in Abhängigkeit von den Eliten. Analyse wie Haltung halte ich für falsch. Das lehrt mich: Auch als Medienkritiker muss man seine Kritik immer rückbinden an Werte. Ich halte unser Mediensystem und übrigens auch diese demokratische Grundordnung, bei aller berechtigten Kritik im Einzelnen, für im Prinzip intakt. Harte Kritik an Medien ist berechtigt, sehr viel liegt im Argen. Aber es ist doch ein großer Unterschied: Übe ich harte Kritik, um etwas zu verbessern oder um zu belegen, dass es sich bei diesem Mediensystem nur um "Lügenpresse" geht.

Halt, stopp, radikale Kritik .... 

... aber die ist doch möglich! Meine große Angst ist, dass Errungenschaften nicht geschätzt und bewahrt, sondern heruntergewirtschaftet werden, indem man sie schlechtredet.

Gesundbeten hilft aber auch nicht weiter. Wer in den klassischen Medien gearbeitet hat, kennt die Einflussnahmen von Politik und Wirtschaft. Radikale Kritik an der Medienberichterstattung etwa über Griechenland oder der Ukraine ist notwendig. Mit Ihrer Studie werfen Sie die positiven Impulse einer Gegenöffentlichkeit gleich mit über Bord.

Natürlich ist radikale Kritik nötig. Es kann sein, Frau Stiefel, dass Sie jetzt eine andere Gegenöffentlichkeit im Sinn habe. Nämlich eine klassisch linke, der Aufklärung verpflichtet, unzweideutig an bestimmte Werte angebunden, wie Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Ich habe in meinem Papier eine andere Gegenöffentlichkeit untersucht. Aber das ist eben auch Gegenöffentlichkeit. Die Akteure selbst sagen teilweise von sich, wir sind die Alternativmedien. Früher waren dies immer linke, heute ist das anders.

Beim umstrittenen Ken Jebsen kommen Menschen zu Wort wie Albrecht Müller, der Herausgeber der linken "Nachdenkseiten", oder der Schweizer Historiker Daniele Ganser. Beide mit radikaler Kritik und Ansichten, die man in den klassischen Medien weder liest noch hört. Sie geißeln undifferenzierte Kritik und pauschalieren selbst.

Meine Sichtung und inhaltliche Charakterisierung gelten doch nicht Albrecht Müller oder Herrn Ganser, sondern ausschließlich den "Machern" und Produzenten dieser Medien. Richtig ist, dass ich Ganser an einer Stelle zwar korrekt charakterisiert, aber missverständlich eingeordnet habe. Das wird korrigiert. Aber beachten Sie: Ihre Analyse stimmt hier nicht ganz. Albrecht Müller kommt mit seinen Positionen selbstverständlich in vielen Medien zu Wort. Und selbstverständlich zähle ich ihn nicht zur "Querfront". Aber auch auf den "Nachdenkseiten" ist nun eine heftige Debatte darüber entbrannt, ob es richtig war, Ken Jebsen ein Interview zu geben. Da sind Klärungsprozesse im Gange, und es ist offen, wie die ausgehen. Und Daniele Ganser, dem vorgehalten wird, er sei Verschwörungstheoretiker, hat es auch schon zu einer Sendung auf 3Sat geschafft. Aber ich greife Ihr Beispiel gerne auf: Gegenöffentlichkeiten wie die, die ich untersucht habe, sind auch deshalb so attraktiv, weil wichtige Haltungen, die zumindest nennenswerten Minderheiten in der Bevölkerung wichtig sind, in den Massenmedien gar nicht vertreten sind. Es ist deshalb überfällig, dass die Massenmedien die Bandbreite dessen, über was berichtet und debattiert wird, stark erweitern. Selbstverständlich muss ein Kritiker der offiziellen Version von 9/11 wie Herr Ganser mit seinen Argumenten Teil der Berichterstattung und der Debatte sein. Meine Hoffung ist es, dass damit auch die Attraktivität von einer Gegenöffentlichkeit wie der, die ich untersucht habe, sinkt.

Aber das hat doch System: Man stellt radikale Kritiker in die Irren- und Verschwörungsecke! Das ist ein wohl berechneter Trick, weil man sie damit nicht ernst nehmen muss und zugleich mundtot machen kann. Indem Sie eine "Querfront" annehmen, also ein Netzwerk, indem links gleich rechts ist, machen Sie dabei mit.

"Die Massenmedien müssen ihre Bandbreite dringend erweitern."
"Die Massenmedien müssen ihre Bandbreite dringend erweitern."

Nein, das tue ich nicht. Ich setze doch nicht links gleich rechts. Sondern ich habe Akteure untersucht, die selbst diese Kategorien auflösen und sagen, die sind wahlweise unwichtig oder Instrumente der Herrschenden. Dadurch wird vieles im Diffusen gehalten. Ein Beispiel, dass dies einen Punkt trifft, der nicht nur mich beschäftigt: Ken Jebsen interviewt Albrecht Müller. Aber Ken Jebsen interviewt genauso selbstverständlich Udo Ulfkotte anläßlich seines Bestsellers "Gekaufte Journalisten. Wie Politiker, Geheimdienste und Hochfinanz Deutschlands Massenmedien lenken". Das Buch erschien im Kopp-Verlag, wurde übrigens mehr als 150 000 Mal verkauft. Nun ist Ulfkotte nicht nur einer der herausragenden Erfolgsautoren des Kopp-Verlages, sondern dort auch ständiger Autor für den Online-Dienst und Chefredakteur des wöchentlichen "Kopp Exklusiv"-Hintergrunddienstes. Und er hat sich in den vergangenen Jahren unter anderem als harter Kritiker der "schleichenden Islamisierung" profiliert. Das wirft doch Probleme der Unterscheidung auf. Ich werte das nicht, ich halte das fest. Wie damit umgehen? Eine Konsequenz: Kritik immer rückbinden an Werte und Grundhaltungen.

Auch Sie rücken mit Ihrer Arbeit Kritiker wie etwa Daniele Ganser oder die "Nachdenkseiten" in die Verschwörungsecke. 

Die "Nachdenkseiten" mit ihrer wertvollen Arbeit gleich gar nicht, aber auch nicht Daniele Ganser. Ich habe die entsprechenden Vorhalte in dieser Arbeit knapp referiert, dazu zählen auch die gegen Ganser, um die Ausgrenzung zu belegen. Die spielt eine Rolle bei der Bewertung der Resonanz. Die wird ja dadurch noch bemerkenswerter. Und daraus schließe ich ja wie Sie: Die Massenmedien müssen ihre Bandbreite dringend erweitern. Natürlich sind Fragen, die Daniele Ganser aufwirft, sehr unangenehm. Aber es ist die Pflicht der Medien, mehr an Bandbreite zu bieten als das, was beispielsweise die wichtigen Parteien bieten. Natürlich im kritischen Für und Wider, wie es eben der Anspruch des Journalismus ist. Und immer mit klaren Unterscheidungen. Noch ein Beispiel: Zwei Leute sind für die Regulierung der Finanzmärkte. Der eine, weil er für mehr Demokratie ist. Der andere, weil er die Macht der jüdischen Familien brechen will. Auch das ist Aufgabe des Journalismus, das herauszuarbeiten. In Zeiten der politischen Diffusitäten wie heute mehr denn je.

Herr Storz, wer hat denn nun die Deutungshoheit – die "Süddeutsche Zeitung" oder "Telepolis"?

Keine von beiden, weil die Öffentlichkeit immer mehr zerfällt. Die SZ hat selbstverständlich unverändert eine sehr starke Stimme. Aber "Telepolis" hat ein zunehmendes Gewicht. Das zeigt doch auch, wie wichtig und vorteilhaft das Netz ist. Es produziert Vielfalt und setzt damit die großen unverzichtbaren klassischen Massenmedien unter Druck. Im Sinne von mehr Bandbreite. Prima.

 

Wolfgang Storz (61) war Chef der Gewerkschaftszeitung "metall" und von 2002 bis 2006 Chefredakteur der "Frankfurter Rundschau". 2010 und 2011 war Storz als Autor an Studien der Otto-Brenner-Stiftung zur Krise des Wirtschaftsjournalismus und zu "Bild"-Darstellung der Griechenland- und Eurokrise 2010 beteiligt. Außerdem ist der Sozialwissenschaftler und Publizist als Lehrbeauftragter an den Universitäten in Kassel und in Frankfurt am Main tätig. Auf seiner Homepage ist ein Zitat von Max Frisch zu lesen: "Jeder Versuch, sich mitzuteilen, kann nur mit dem Wohlwollen der anderen gelingen."


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Kommentare

era, 18.09.2015 22:10
Ich freue mich sehr über das klare Bekenntnis von Herrn Storz zu Vielfalt und sein offenes Weltbild. Seine Aussagen zeigen aber auch, dass er von bestimmten Phänomenen überfordert ist:

„Ich als politische Person wende mich dezidiert gegen diese Haltungen: Die Eliten herrschen und regieren gegen das Volk, die Medien sind unfrei und in Abhängigkeit von den Eliten. Analyse wie Haltung halte ich für falsch.“
Diese Herangehensweise und Denkfigur ist nicht wissenschaftlich. Sie hat den Schutz einer vorgefassten Meinung zum Ziel. Eine Studie muß dagegen ergebnisoffen sein. Herr Storz lässt immer wieder durchblicken, dass er dahin tendiert, nicht aus Fakten Ergebnisse und aus Ergebnissen Meinungen zu erhalten, sondern die Studie dazu benutzt, um ein bestimmtes Weltbild zu bestätigen. Damit nicht sein kann, was nicht sein darf.

„Ken Jebsen interviewt Albrecht Müller. Aber Ken Jebsen interviewt genauso selbstverständlich Udo Ulfkotte anläßlich seines Bestsellers "Gekaufte Journalisten. Wie Politiker, Geheimdienste und Hochfinanz Deutschlands Massenmedien lenken".(…) Das wirft doch Probleme der Unterscheidung auf. Ich werte das nicht, ich halte das fest. Wie damit umgehen?“
Herrn Storz Weltbild ist hier überfordert. Er flüchtet sich daraufhin in „Kritik immer in Werte einbinden“ Damit will er sagen, dass man Herrn Müller interviewen darf, Herrn Ulfkotte aber nicht. Oder umgekehrt. Herrn Storz Denkweise ist hier die des Freund – Feind Schemas, im Extrem werden daraus Feindbilder. Dieses Denken ist nicht vereinbar mit einer wissenschaftlichen Studie. Selbstverständlich sollen beide interviewt werden!
Sowohl Herr Müller als auch Herr Ulfkotte liefern wichtige Informationen aus denen ihnen vertrauten Lebensbereichen, die Herr Jebsen seinem Publikum vorstellt. Wieso will Herr Storz die Erfahrungen, die Herr Ulfkotte bei der FAZ gemacht hat, den Leuten vorenthalten? Dankenswerter Weise sprach Herr Ulfkotte im Interview übrigens nicht über seine Haltung zum Islam, sondern wurde von Herrn Jebsen beim Thema Medienmanipulation gehalten.

Ich halte diesen Teil von Herrn Storz Argumentation für eine Flucht vor unbequemen Einsichten.
Einerseits, dass so unangenehme Zeitgenossen wie Herr Jebsen oder auch Herr Elsässer es schaffen, Plattformen für genau die Themen zu bieten, die in den etablierten Medien im Argen liegen. Personen, die vielleicht charakterlich, stilistisch, etc fragwürdig sind, bieten im Augenblick eine Alternative. Wenn Herr Storz den Inhalt nicht von der Person trennen kann, kommen wir hier nicht weiter.
Andererseits scheint Herr Storz von bestimmten Dogmen auszugehen, so wie er bei den alternativen Akteuren Dogmen ausmacht. Es ist beides fragwürdig: Für alles in der Welt priori Amerika verantwortlich zu machen, wie aber auch kathegorisch auszuschließen, dass Eliten und Mächtige ihren Einfluß in Gesellschaften durchsetzen, oder zu leugnen, DASS die USA die großen Kriege der letzten Jahre geführt haben. Völkerrechtswidrig.

Hilfreich wäre es auch hier, die Feindbilder aufzugeben und sich zu einer Wissensgesellschaft zu wandeln, in der Informationen zu Bildung beitragen, auch dann, wenn mir der Träger der Information gerade nicht passt. „Kritik an Werte zu binden“ führt irgendwann in eine gefährliche Naivität, wenn zu viele Denkverbote vorhanden sind und Informationen zensiert sind.

someonesdaughter, 12.09.2015 18:18
"Was man hier so alles lernt.
Der Hiwi kommt also von den Nazis (...)"

Ja genau. Ich fasse Ihren Beitrag deshalb mal als eigenwillig formuliertes 'Danke' auf. Vielleicht lernen Sie da ja auch noch.

"der sollte sich doch mal eher mit dem Artikel oder verwandten Fakten beschäftigen, und wenn er meint etwas Wichtiges (für andere) sagen zu müssen, dann erst schreiben"

Und welche wichtigen Dinge haben Sie uns nun mitgeteilt? Ach ja, da:

"PC Ecke mit dem Negerkönig von Pipi Langstrumpf und dem heute noch gerne genaschten Mohrenkopf."

Weltbewegend! Schicken Sie's dem Kopp-Verlag, der bringt es in den 'Nachrichten' ...

Barolo, 10.09.2015 16:49
Was man hier so alles lernt.
Der Hiwi kommt also von den Nazis und wer ihn verwendet ist also einer ... lol
Der Ausdruck wird seit Jahrzehnten ohne Beanstandung benutzt und ist nun also auch in der PC Ecke mit dem Negerkönig von Pipi Langstrumpf und dem heute noch gerne genaschten Mohrenkopf.
Da kann ich nur sagen, wer nicht mehr zu bieten hat als so einen Quatsch mit (Zigeuner)-Sosse und oder gar Rechtschreibfehler, der sollte sich doch mal eher mit dem Artikel oder verwandten Fakten beschäftigen, und wenn er meint etwas Wichtiges (für andere) sagen zu müssen, dann erst schreiben.

someonesdaughter, 09.09.2015 22:47
@by-the-way:
"- und - sich endgültig selbst disqualifiziert!"

Hätte invinoveritas das, müssten Sie es ja nicht mehr behaupten.

Und hätte invinoveritas das, warum schreiben Sie ihn dann überhaupt noch persönlich an, einen angeblich selbst disqualifizierten? Offensichtlich ist er Ihnen nach wie vor wichtig.

Sie sehen – Sie strafen sich selbst Lügen.

by-the-way, 08.09.2015 23:45
@ invino
Sagenhaft, wie sich Ihre deutsche Rechtschreibung-Fähigkeiten im Vergleich zum Beitrag vom 04.09. 17.31 Uhr verbessert haben...

Hatten Sie versehentlich vergessen, das Rechtschreibungs-Prüfungs-Programm zu aktivieren?

Mit Ihren Beitrag vom 04.09. 17.31 Uhr haben Sie Ihre eigenen Unzulänglichkeiten hier im Forum für alle Zeiten dokumentiert ("wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen schmeißen"...)

- und - sich endgültig selbst disqualifiziert!

someonesdaughter, 08.09.2015 21:56
@"Schwabe": Haben Sie nun Gründe für Ihr notorisch übergriffiges Vokabular oder nicht? Und glauben Sie nun, dass Sie mit diesem notorischen "Denunzieren"-Gekläffe jemanden außerhalb Ihres schrägen Mikrokosmos erreichen oder nicht? Als "ungehalten" kann man Ihre Unterstellungen und Beleidigungen übrigens beim besten Willen nicht mehr bezeichnen. Verbal ist das schlicht das, was das "Pack" in Freital, Heidenau etc. von sich gibt.

Andi, 08.09.2015 19:40
Die Bankrotterklärung für die Otto-Brenner-Stiftung, Herrn Storz, aber auch Kontext, ist eingetroffen. Zuerst stufte die Brenner-Stiftung die "Studie" auf einmal zu einem "Arbeitspapier" herunter, nun wurde sie aus rechtlichen Gründen und um finanzielle Schäden zu vermeiden (vorläufig) aus dem Netz genommen:

https://www.otto-brenner-shop.de/uploads/tx_mplightshop/2015_09_07_ErklaerungOBS.pdf

Nur traurig, das es so lange brauchte bis die Macher und Verantwortlichen es selbst kapierten, was für einen Mist sie da veröffentlichten.

Schwabe, 08.09.2015 14:46
@someonesdaugther
Na, na! Wer wird denn gleich so ungehalten und unsachlich sein? Das kenne ich eigentlich nur von invinoveritas!

someonesdaughter, 08.09.2015 13:56
@Schwabe: "Sie werden Ihre persönlichen Gründe haben. "

Haben Sie die eigentlich auch für ihr notorisch übergriffiges Vokabular? Und sollten Sie die nicht lieber mit einem Therapeuten Ihrer Wahl besprechen, als hier die Kommentarspalte mit Hassvokabular vollzumüllen? Glauben Sie wirklich, dass Sie mit diesem notorischen "Denunzieren"-Gekläffe jemanden außerhalb Ihres schrägen Mikrokosmos erreichen?

Und noch eine Frage: Ist es nicht etwas absurd, dass Sie sich so über die "sog. Leitmedien" ereifern und dann doch ausgerechnet dort nach Gesinnungsgenossen suchen? Bleiben Sie doch einfach in Ihren verschwörtungstheroretischen Medien, da schätzt man sicher auch Ihr beleidigendes Nazivokabular wie "Hiwi".

"Als Hilfswilliger, kurz HIWI (auch HiWi oder Hiwi), wurden während des Zweiten Weltkrieges Hilfskräfte innerhalb der deutschen Wehrmacht und der SS bezeichnet, die aus den Reihen der Bevölkerung in besetzten Ländern rekrutiert wurden."

https://de.wikipedia.org/wiki/Hilfswilliger

Schwabe, 08.09.2015 09:56
@invinoveritas
Nichts zu danken invinoveritas - gern geschehen.
Sie haben jedoch vergessen darauf hinzuweisen (kann ja mal passieren), dass Ihnen die vielfältige Zuwendung insbesondere deshalb zu Teil wurde, weil Sie aus Mangel an seriösen/sachlichen Argumenten versucht haben Frau Böttcher aufgrund von Nebensächlichkeiten (Rechtschreibfehler) zu denunzieren, anstatt sich mit ihren wissenschaftlich fundierten und sachlichen Ausführungen kritisch auseinanderzusetzen.
Denunzieren - gepaart mit wildesten Unterstellungen - tun Sie m.E. immer dann, wenn Sie in IHRER Sache nicht mehr weiter kommen. IHRE Sache ist es m.E. nämlich, auf Gedeih und Verderb, die herrschende Politik und demzufolge auch die tendenziösen sog. Leitmedien sowie jegliche Art deren scheinwissenschaftlicher, manipulierender "Studien" zu verteidigen.
Sie werden Ihre persönlichen Gründe haben. Für mich sind Sie jedoch nichts weiter als ein armseliger und bereitwilliger Hiwi (Hilfswilliger) bzw. Troll, der dazu beiträgt, insbesondere das durch westliche kapitalorientierte Politik bewußt herbeigeführte bzw. billigend in Kauf genommene, hausgemachte Elend der Menschen in Deutschland und anderswo auf unserer Welt weiter zu vergrößern!

Wenn Sie etwas mehr über sich selbst erfahren wollen invinoveritas - hier gibt es wissenswertes über Hiwi`s/Trolle: http://www.nachdenkseiten.de/?p=27333 (insbesondere 2. Absatz unten in der Mail von Professoer Rainer Mausfeld an Herrn Albrecht).

Darüber hinaus in diesem Zusammenhang interessant, Werner Rügemers "Klassenkampf 2.0": http://www.nachdenkseiten.de/?p=23757

CharlotteRath, 07.09.2015 23:46
@invino...
Sagt Ihnen der Name Noam Chomsky etwas?

"--- Wer sich nicht anpaßt, ist eben ein Quertreiber. Und aufgrund des Wirkens dieser Filtermechanismen (der Belohnung von Konformität und Gehorsam) bleiben schließlich Leute übrig, die in aller Aufrichtigkeit ein System von Überzeugungen und Meinungen übernehmen, das den Interessen der gesellschaftlich Mächtigen, mit denen sie zu tun haben, entspricht. Sie brauchen nicht zu lügen, weil sie selbst daran glauben. …"
http://hauptwort.at/2010/02/22/warum-die-mainstreammedien-mainstream-sind-von-noam-chomsky/

Das könnte eine Erklärung sein für Ihre doch recht drastische Wortwahl gegenüber vermuteten Quertreibern und Querdenkern hier im Forum (vielleicht ist es auch eine Erklärung für die Herangehensweise von Herrn Storz an seine Studie?).
@invino...
Können Sie mit dieser Erklärung etwas anfangen?
Gibt es eine andere?
Ich bin gespannt auf Ihre Stellungnahme dazu, gerne auch zu diesem zitierten Artikel von Noam Chomsky insgesamt.

invinoveritas, 07.09.2015 16:59
@ Bernhard Meyer

Genau: Da hat jemand (die Freimaurer? das internationale Finanzkapital? die Bundesregierung? CIA/NSA/FBI?/ der tote Strauß?) etwas gerufen, und schon ist der Storz gesprungen und hat diese unsägliche Studie geschrieben, mit der "klar erkennbaren Tendenz, bestimmte Kritiker der Mainstream-Politik mundtot zu machen". Das ist zwar Blödsinn, denn diese Studie macht in erster Linie auf ein Phänomen und seinen bemerkenswerten Erfolg aufmerksam; und sagt ausdrücklich, die etablierten Medien hätten bestimmte dort vertretene Ansichten voreilig ausgegrenzt.

Aber so stellt sich Klein-Fritzchen die (Medien-)Welt vor. Und deshalb liest er nicht nur etwas über Verschwörungstheoretiker - es ist immer ein untrügliches Zeichen hoher Intelligenz, ein Buch zu lesen und dann anzunehmen, jetzt habe man die Welt final durchschaut -, sondern man wird auch gleich selber einer.

P.S: Herzlichen Dank für die vielfältige Zuwendung, die mir allein in den Kommentaren dieser kontext-Ausgabe zuteil wurde in Gestalt u.a. folgender Prädikate: unheilbarer Weintrinker, Verfassungsschützer, zu ignorierender Troll, kein Wissenschaftler, der aber schwadroniert, denunziert und diffamiert; und bei dessen erbärmlichen Kommentaren bloß noch offen ist, ob ihre Demagogie aus Dummheit oder mit Absicht erfolgt.
Herzerwärmend, diese Art der ebenso sachbezogenen wie ganz persönlichen Ansprache.

Bernhard Meyer, 07.09.2015 12:14
(gereinigte Fassung)
Weil mich die zersetzende Wirkung des Etiketts "Verschwörungstheoretiker" schon seit längerem beschäftigt, habe ich erst neulich "Conspiracy Theory in America" gelesen. Dort wird beschrieben, wie die CIA 1967 in einem Memo den Begriff in Umlauf brachte in der heute gebräuchlichen abwertenden, stigmatisierenden Verwendungsweise. Der Grund waren verschiedene Veröffentlichungen, die den offiziellen Bericht über den Mord an JFK (Ein-Täter-Theorie) bezweifelten und Mängel bei der Tataufklärung kritisierten. Das Memo wurde weltweit Agenten geschickt, mit dem Auftrag, zuverlässige Medienleute so zu instruieren, dass die Zweifler an den offiziellen Berichten zumeist unter kommunistischem Einfluss stünden oder aber psychische Schwierigkeiten hätten. (Declassified CIA-memo# 1035-960 "Countering Criticism of the Warren Report")

Als nun die Berichte über die "Querfront"-Studie erschienen, mit der klar erkennbaren Tendenz, bestimmte Kritiker der Mainstream-Politik mundtot zu machen, sah ich die Parallelen deutlich. Ein Text, den eigentlich keiner richtig lesen sollte, wurde an verschiedene Medienleute geschickt, die durch diesen Anlass erneut über die missliebige und aus ihrer Sicht
gefährliche Gegenöffentlichkeit schreiben konnten (Keiner der
Medienleute hat auch nur einen der zahlreichen handwerklichen Mängel der Studie erwähnt).

Und so halte ich es für eine durchaus vernünftige Annahme, dass da jemand gerufen hat: "Los, gebt uns mal wieder einen Anlass, ein "Event", damit wir die öffentliche Meinung pflegen können!" (Wiederholung ist wichtig!). Vielleicht hat es sich eine der vielen Stiftungen zur Aufgabe gemacht, regelmäßig solche Anlässe zu schaffen und die dafür nötigen Autoren und Trägervereine zu organisieren und zu bezahlen.

andromeda, 07.09.2015 05:42
invinoveritas
wohl ein "Verfassungsschützer"

Barolo, 05.09.2015 17:10
Vielen Dank Frau Böttcher. Es gibt Menschen wie Sie, die einfach gut ausdrücken können was viele empfinden.
Lassen Sie sich durch den Polemiker nicht die Laune verderben, sondern nehmen Sie es als das was es ist:
Anerkennung und Hilflosigkeit

Schwabe, 05.09.2015 12:11
Invinoveritas ist wie üblich für Sachargumente unzugänglich - ob absichtlich oder aus Dummheit spielt dabei keine Rolle! Und hilflos wie immer versucht er mittels Nebensächlichkeiten zu denunzieren und damit abzulenken - immer wieder schön und gleichermaßen langweilig bzw. traurig diese Offenbarung!

by-the-way, 04.09.2015 23:58
@invino:
Sie schwadronieren hier über Fehler in der deutschen Rechtschreibung ("dissenz") einer Mitforistin und verfügen selbst nicht einmal über die einfachsten Grundkenntnisse der Groß- und Kleinschreibung von Substantiven der deutschen Schriftsprache...

Einfach nur erbärmlich - so wie Ihre Kommentare!

invinoveritas, 04.09.2015 17:31
@frau böttcher,

abgesehen davon, dass es nun mal dissens heißt und nicht dissenz, was Sie als "medienwissenschaftlich gründlich ausgebildete" person eigentlich wissen sollten, weil doch der dissens gerade in der diskursiven reflexion sozialer antagonismen eine hochrelevante thematische konstante darstellt -

läse man die Storzsche arbeit noch einmal und achtete dabei auf blutdruck 120:80, dann könnte man zu dem ergebnis kommen, dass man sich die ganze empörung weitestgehend schenken darf. die diffamierung kann da nämlich nur herauslesen, wer sie vorher hineingelesen hat.

aber natürlich wollen Sie sich echauffieren, weil Storz sich auch einige kritische anmerkungen erlaubt hat, vor allem über den Irrwisch Elsässer und den kurzatmigen Jebsen, die beide aufs schönste die konfusion in manchen köpfen verkörpern, die zwischen kapitalismus- und elitenkritik, 9/11-paranoia, edler russe, böser ami, verachtung für die real existierende demokratie (Jebsen: "Ein gigantisches Täuschungsmanöver!"), bejammerungswürdiger fremdenphobie und dem unentwegten streicheln ihres ebenso großen wie labilen egos hin und her huschen. Und bedauerlicherweise meinen, sie müssten der welt unentwegt mitteilung von ihren merkwürdigen befindlichkeiten und schrägen eingebungen machen.

Ihre these, es könne auch sein, dass Storz Netzwerken ganz in Ordnung findet, "aber nur meint, Machtlose und Habenichtse hätten kein Recht dazu" - die ist so albern und abwegig und so himmelweit von dem entfernt, was er geschrieben hat, dass sie Ihr ganzes akademisches Wortgeklingel hinreichend als gespreiztes dummes Zeug entlarvt.

Aber egal: schließlich haben Sie so scharfäugige zeitgenossen wie Schwabe und doctorwho und bestimmt noch viele andere glücklich gemacht.

Anja Böttcher, 04.09.2015 16:08
@invinoveritas
Es ist schon interessant, wenn Sie Herrn Storz darin folgen, eine grundsätzliche Kritik "an den aktuellen Verhältnissen" entspreche einer Gegnerschaft zum Gerndgesetz, ohne dabei die Kriterien der Kritik ins Auge zu fassen.

Denn es gibt - gerade aus verfassungsrechtlicher Sicht - gewichtige Gründe für eine Fundamentalopposition zu unseren aktuellen politischen wie sozalen Verhältnissen.

Beginnen wir mit jenem deregulierten Kapitalismus, der Eigentum nicht mehr an eine gemeinschaftliche Verpflichtung bindet. Zeigt das Verfassungstreue? Wie verfassungskonform ist das von beiden Regierungsparteien angstrebte Konzernermächtigungsabkommen, das Konzernen ermöglicht, Einfluss auf die Entscheidungsmechanismen der staatlichen Legislative und Judikative zu nehmen, bzw. sie auszuhebeln.

Oder mit der Außenpolitik: Das, was Steinmeier und das Auswärtige Amt als in dem neuem außenpolitischen Positionspapier "neue Verantwortung" proklamiert, ist eine Entfernung vom friedenspolitischen Grundsatz des Grundgesetzes. Ebenso wie die aktulele Beseitigung des Parlamentsvorbehalts vor einem extraterritorialen Bundeswehreinsatz. Noch stärker gilt dies für die Beihilfe durch passive Duldung dessen, was Verbündete von deutschem Territorum betreiben dürfen: etwa die Duldung von tausendfachen US-Drohnenmorden (welche einer so grundsätzlichen Einrichtung wie der rechtsstaatlichen Gewaltenteilung spottet und die territoriale Integrität der Zielländer aufhebt), die Koordination der Verteilung von zu folternden Menschen via Ramstein, denen sogar ein mit der UN-Menschenrechtscharta vereinbarer Status abgesprochen wird (werden sie doch weder als Kriegsgefangene noch als Strafgefangene behandelt; zu "Terroristen" deklariert sind sie quasi vogelfrei) ect....

Zusammengenommen ist dies eine ziemlich fundamentale Kritik an den "derzeitigen Verhältnissen", nicht an einzelnen Punkten, sondern deren Ensemble, das einen sich aktuell vollziehenden Paradigmenwandel aufzeigt.

Will aber dadurch diese Fundamentalkritik etwa den Status quo in die Richtung verschieben, die Schleichers Querfront-Versuch für die Weimarer Republik vorsah? Doch wohl genau im Gegenteil! Die Kritik an der schleichenden Auflösung des Rechtsstaats durch einen Elitismus, der einer kleinen Gruppe eine dezisionistische Machtausübung ermöglichen will, ist doch gerade die Kritik an dem, was der antidemokratische Konservatismus der Kabinette Papen und Schleicher erreichen wollte.

Indem Sie - wie Storz - den Grad des Kritisierens mit einem diffamierenden ideologischen Etikett versehen, ohne die politischen Kriterien des Kritikansatzes qualitativ analysiert und bestimmt zu haben, betreiben Sie - ob mit Absicht oder aus Dummheit - Demagogie.

Dieser Denkweise ist etwas alleine deshalb verdächtig, weil es sich nicht zum Status quo affirmativ verhält. Ein solcher Autoritarismus aber ist mit Wissenschaft unvereinbar, denn diese muss ganz grundsätzlich alles in Frage stellen dürfen. Er ist aber auch mit den institutionellen Erfordernissen einer Gewerkschaft vereinbar, da eine solche höchst unnötig wäre, wenn "von oben" immer alles prima bestellt ist.

Der grundsätzliche, nicht der punktuelle Vorbehalt gegenüber dem Gegebenen gehören zur Grundhaltung beider Institutionen. Was soll man also dann von der Diffamierung des Dissenz hier halten? Die ist doch geradezu selbstzerstörerisch!

doctorwho, 04.09.2015 15:17
@Anja Böttcher, 04.09.2015 01:45

auch meinen besten dank , frau böttcher

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