KONTEXT Extra:
Mit klassischer Musik gegen Kampfdrohnen

Mit Cello und Bratsche rücken 80 MusikerInnnen vor der US-Kommandozentrale in Stuttgart-Möhringen an. Am kommenden Montag, 29. 8., 10 Uhr, wollen sie dem "Drohnenmord den Schlussakkord" setzen. Sie sammeln sich seit 30 Jahren unter dem Namen "Lebenslaute" und finden sich überall dort ein, wo sie Menschen bedroht sehen: auf Militärübungsplätzen, Abschiebeflughäfen, vor Atomkraftwerken und Raketendepots. Ihr Konzert ist verbunden mit einer Demonstration, bei der die Organisatoren von "Ohne Rüstung Leben" 13 000 Unterschriften an einen Vertreter von Africom und Eucom übergeben wollen. Sie fordern die Schließung der Kommandozentralen. Mit der "stillschweigenden Duldung" von Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) werde hier der Einsatz von tödlichen Kampfdrohnen koordiniert, schreibt das Bündnis. (26. 8.)


Versprochen, gebrochen!

Was kommt da eigentlich noch?, fragt sich die designierte SPD-Landesvorsitzende und mit ihr die politisch interessierte Öffentlichkeit im Land. Vor vier Wochen waren die ersten Nebenabreden öffentlich geworden, die Grüne und CDU nicht in ihren Koalitionsvertrag aufgenommen hatten (Kontext berichtete). Ministerpräsident Winfried Kretschmann musste in einer Landtagsdebatte alle Register ziehen, um deren Notwendigkeit mehr schlecht als recht gerade auch vor den Regierungsfraktionen und der eigenen Klientel zu rechtfertigen. Ungenutzt ließ er die Chance, reinen Tisch zu machen, alles zu offenbaren, was er mit CDU-Landeschef Thomas Strobl ausbaldowert hat. Die Aufregung wäre groß gewesen - und doch deutlich kleiner als der Ärger, den sich die beiden jetzt eingehandelt haben. Drei Tage, sagt der Regierungschef gern, lägen zwischen "Hosianna" und "Kreuziget ihn!", was schon immer zweideutig war, weil er damit die Verantwortung für einen Niedergang auch dem Publikum zuschreibt. Jetzt tragen Kretschmann und Strobl diese ganz allein. Der Grüne allerdings deutlich schwerer als der Schwarze, weil er - siehe Persönlichkeitswerte - sehr vielen Menschen als Inbegriff der Redlichkeit galt. Mit seiner "Politik des Gehörtwerdens" war ein Transparenzversprechen verbunden, und das hat er höchstpersönlich gleich mehrfach gebrochen.


AfD kann nicht rechnen

Zu ihrer 100-Tage-Bilanz im Landtag legen die Abgeordneten der AfD-Fraktion, also jene, die dem Bundessprecher Jörg Meuthen im Antisemitismus-Streit nicht gefolgt sind, eine arg geschönte Bilanz ihrer Arbeit vor. "Seit Beginn der Legislaturperiode haben wir bereits 37 Anfragen gestellt, über die wir künftig berichten werden", heißt es in einer Pressemitteilung. Und weiter: "Das übertrifft die SPD-Fraktion bei weitem, die gerade einmal 14 Anfragen eingereicht hat, oder auch die FDP, die beide aufgrund ihrer Parlamentshistorie mit einer deutlich größeren Mannschaft im Hintergrund agieren."

Wahr ist, dass die Fraktionsgröße die Zahl der Beschäftigten bestimmt und vor allem, dass die AfD-Fraktion seit der Abspaltung der "Alternative für Baden-Württemberg" (ABW) acht Kleine Anfragen gestellt hat und die ABW seit ihrer Gründung Anfang Juli neun. Davor hatte es die noch geeinte AfD auf 34 Kleine Anfragen gebracht. SPD und FDP kommen aber auf jeweils über 70 Initiativen in ihren ersten 100 Tagen, darunter Kleine Anfragen, Große Anfragen, Anträge und Gesetzentwürfe. "Nachdem die AfD bis zur Stunde mit ihren ungeheuerlichen Mätzchen dem Parlament und seiner demokratischen Kultur nur Schaden zugefügt hat, kommt sie nun mit einer vor lauter Selbstbeweihräucherung triefenden 100-Tage-Bilanz daher, die aber noch nicht mal korrekte Rechenkünste vorweisen kann", reagiert Martin Mendler, der Fraktionssprecher der Sozialdemokraten, scharf. Der SPD würden fälschlicherweise lediglich 14 Anfragen zugeordnet, wohingegen es laut Parlamentsdokumentation des Landtags von Mai bis August in der 16. Legislaturperiode mehr als fünf Mal so viele seien.


Mit Wolfgang Dietrich naht die Rettung

Die Rettung rückt immer näher: Jetzt hat der Aufsichtsrat des Stuttgarter Fußballvereins VfB den früheren S-21-Sprecher Wolfgang Dietrich offiziell zum Präsidenten-Kandidaten erhoben. Gewählt wird er am 9. Oktober, so sich nicht irgendwelche Ultras zu einem Block zusammen rotten. Nicht so ganz schlüssig sind sich die beiden Fusionsblätter vor Ort, ob sie den 68-jährigen Streithansel gut oder schlecht finden sollen. Zum einen sei Dietrich ein "gewiefter Geschäftsmann", gar ein "Universalstratege", zum anderen ein "Polarisierer" und eine "Reizfigur", meinen die StZN, und sprechen von der "Altlast S 21". Sie mögen sich von den Parkschützern Mut zur Meinung machen lassen. Wenn das Neckarstadion unter die Erde gelegt werde, schreiben sie, könne man "oben Luxuswohnungen und Einkaufstempel" bauen.


Brigitte Lösch im Visier der AfD

Die beiden AfD-Gruppierungen im baden-württembergischen Landtag wollen ihre Spaltung nutzen, um mit einem Untersuchungsausschuss unter anderem gegen die frühere grüne Landtagsvizepräsidentin und Stuttgarter Abgeordnete Brigitte Lösch vorzugehen. Hintergrund ist ihr Engagement gegen die Bildungsplangegner der "Demo für alle" und für das Bündnis "No Pegida Stuttgart".

Gegenstand der parlamentarischen Untersuchung sollen auch die Ereignisse vom vergangenen Oktober sein, als Künstler und Beschäftigte aus Protest gegen die "Demo für alle" ein Banner mit der Aufschrift "Vielfalt" vom Dach des Großen Hauses der Württembergischen Staatstheater entrollten (Kontext berichtete). Die beiden AfD-Fraktionen verlangen Auskunft darüber "wieso das Opernhaus Stuttgart durch Gegendemonstranten besetzt werden konnte". Grundsätzlich will die "Alternative für Deutschland", die mit ihren zur Zeit zwei Fraktionen allein einen Untersuchungsausschuss beantragen kann, dem "Linksextremismus in Baden-Württemberg" nachgehen und einer möglichen Nähe zu "der gewesenen oder derzeitigen Landesregierung, Parteien, der Verwaltung, der Behörden oder dem Landtag".

Die vier demokratischen Fraktionen sehen darin einem Missbrauch der parlamentarischen Möglichkeiten. Bereits ins Auge gefasst ist eine Überprüfung des Vorgehens der Rechtsnationalisten durch den baden-württembergischen Verfassungsgerichtshof. Nach geltendem Recht kann ein Untersuchungsausschuss eingesetzt werden, wenn mindestens zwei Fraktionen oder ein Viertel aller Abgeordneten dafür sind. Er ist allerdings nur zulässig zu Sachverhalten, "deren Aufklärung im öffentlichen Interesse liegt" und wenn sie geeignet sind, "dem Landtag Grundlagen für eine Beschlussfassung im Rahmen seiner verfassungsmäßigen Zuständigkeiten zu vermitteln".

Drei vom Landtag bestellte Gutachter sahen Ende Juli auf Basis der geltenden Geschäftsordnung keinen Weg, der AfD die Bildung zweier Fraktionen zu verwehren. FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke warnte schon damals, die "Alternative für Deutschland" könnte ihren doppelten Fraktionsstatus missbrauchen. Jetzt sieht er sich bestätigt: Die AfD nutze ihre Spaltung, "um sich Vorteile zu erschleichen".

Die stellvertretende AfD-Landesvorsitzende Christina Baum, die dem Bundessprecher Jörg Meuthen im Antisemitismus-Streit um Wolfgang Gedeon nicht in die neue Fraktion gefolgt ist, bewertet das gemeinsame Vorgehen als "positives Signal für alle bürgerlichen Schichten im Land". Beide Fraktionen verhehlen auch nicht, dass der jetzt vorgelegte Antrag eine "Vorbereitung der Wiedervereinigung" (Baum) ist. Nach dieser, die für den Herbst und im Zuge einer gerade gestarteten Mediation von beiden Seiten in Aussicht gestellt wurde, könnte der Untersuchungsausschuss aber nicht mehr durchgesetzt werden.


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Herr über Verschwörungstheorien und Rechtspopulismus: Verlagschef Jochen Kopp. Foto: Kopp-Verlag

Herr über Verschwörungstheorien und Rechtspopulismus: Verlagschef Jochen Kopp. Foto: Kopp-Verlag

Ausgabe 160
Gesellschaft

Brücke nach rechts

Von Anna Hunger
Datum: 23.04.2014
Der Kopp-Verlag in der Bischofsstadt Rottenburg am Neckar ist für die einen ein Hort der Spinner, für die anderen ein Grenzgänger auf rechts außen. Seine Gegner sagen, er verbreite Geschichtsrevisionismus und Nazipropaganda. Verlagschef Jochen Kopp sagt, er verkaufe "unterdrückte Wahrheiten". Kontext hat ihn besucht, in seinem kargen Verlagsgebäude inmitten saftiger, grüner Idylle. Von dort aus führt er seine Geschäfte. Und die laufen gut.

An einem sonnigen Nachmittag steht Jochen Kopp in der Versandhalle seines Verlags, sie ist grau und karg mit haushohen Metallregalen. Das Buch "Schwarz auf weiß" stapelt sich an einem Fließband, es ist eine Schrift über "hochdramatische Abläufe einer schier unglaublichen Geheimpolitik". Jochen Kopp ist der Chef des Kopp-Verlags in Rottenburg am Neckar, 40 Kilometer südlich von Stuttgart, viel Fachwerk, kleine Gässchen, eine Stadt wie ein Spitzendeckchen. Er ist Herr über 5000 Quadratmeter Verschwörungstheorie, Ufoliteratur, Eurokritik und eine Menge Rechtspopulismus. Seine Topseller im Eigenverlag heißen "Geheimbasis Area 51", "Eine Welt ohne Krebs – die Geschichte des Vitamin B 17 und seiner Unterdrückung" oder "SOS Abendland – Die schleichende Islamisierung Europas". Hinter der Versandhalle beginnen Felder und Wiesen, eine kleine weiße Kirche steht auf einem saftig grünen Berg in der Sonne. Aus Jochen Kopps Aussicht könnte man eine Postkarte machen.

"Das Hauptquartier der deutschen Spinner" titelte 2011 das Nachrichtenportal "News.de" über seinen Verlag. "Quatsch mit brauner Soße", nannte die "AG Entschwörung", eine Antifa-Gruppe, einen Sonderdruck zu Kopp. Seine Gegner sagen, Kopp verbreite Geschichtsrevisionismus und Nazipropaganda, weil er in seinem Verkaufsprogramm neben eigenen Büchern auch eine Vielzahl Publikationen aus rechten Verlagen wie dem Tübinger Grabert-Verlag, Ares, Arnd oder Pour le Mérite verkauft und auf seinem Online-Auftritt "bewegende Augenzeugenberichte" von Mitgliedern der Totenkopf-SS anpreist. Kopp selbst sagt, er verkaufe "unterdrückte Wahrheiten". Ansonsten, das ist ihm wichtig, biete er das komplette Programm der Datenbank "Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB)" an, geführt vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Auch Gregor Gysi sei im Programm.

Leuchtet knallrot bis zur nahen Bundesstraße: das Kopp-Verlagsgebäude in Rottenburg. Foto: Joachim E. Röttgers
Leuchtet knallrot bis zur nahen Bundesstraße: das Kopp-Verlagsgebäude in Rottenburg. Foto: Joachim E. Röttgers

Er ist 48 Jahre alt, ein leiser Mann mit hellen Augen und weichem Gesicht. Er ist freundlich, hält Türen auf, geht als Zweiter durch und zeigt zumindest offiziell Verständnis dafür, dass man ihm skeptisch begegnet. Das läge in der Natur der Sache, wenn man unbequeme Informationen verbreite, sagt er.

Zum Zeitpunkt des Gesprächs liest er ein Buch über alternative Krebsheilung. Der müsse man eine Chance geben, zumal Chemotherapien reine Geldmacherei der Pharmaindustrie seien. Und als Klatschblätter Mitte der Neunziger in fast jedem Heft über Menschen berichteten, die von Ufos entführt worden sein sollten, reiste Kopp in die USA, um die Entführten persönlich zu treffen, erzählt er. Hätte sich ja sonst kaum einer die Mühe gemacht, denen zuzuhören. "In jeder Meinung, und sei sie noch so abstrus, kann immer ein Körnchen Wahrheit stecken", sagt er. Das ist seine Verlagsphilosophie.

Nur wenn man ihn fragt, ob es den Holocaust gegeben hat, sagt er: "Dazu gibt es in Deutschland eine gesetzlich festgeschriebene Meinung. Als gesetzestreuer Bürger teile ich diese selbstverständlich."

Kopp hat sich seine eigene kleine Medienlandschaft aufgebaut

Kopp zeigt auf ein großes Tuch, das von einem der Versandregale bis auf den Boden hängt – verschnörkelte Blumenmuster in Rosa und Lila, damit seine Mitarbeiter keinen deprimierenden Blick auf Metallregale haben, sondern auf etwas Fröhliches. Kopp, das erzählt man sich auch in Rottenburg, sei ein guter Arbeitgeber. Außer dem knallroten Schriftzug und ein paar meterhohen Palmen, die er sich in den Flur seines Verlagsgebäudes gepflanzt hat, ist dieses Tuch das einzig Bunte in seinem Haus. Der Rest ist weiß, verglast, leer, fast steril, hinten die Versandhalle, vorne drei Stockwerke sauber gestapelte Büroräume. 

In den Büros wird unter anderem die kleine Medienlandschaft produziert, die den Kopp-Verlag umgibt und den manipulativen "Mainstream-Medien" ein paar gut gefilterte Kopp-Wahrheiten entgegensetzen will: Die Nachrichtenseite "Kopp Online" und das achtseitige gedruckte Heft "Kopp Exklusiv", 52 Ausgaben im Jahr für 250 Euro, als Kopp-Kunde zahlt man nur 150.

Vor allem auf dem Kieker der Kopp-Online-Autoren: die "Politische Korrektheit", die Medien und Bürgerschaft derart im Griff habe, dass sich niemand mehr traue, "die Wahrheit" zu äußern. "Die Deutschen haben nach allen Studien Angst vor Spannungen, welche ihnen Migranten bringen werden. Doch darüber spricht man besser nicht. So werden die Deutschen zum kranken Volk", schreibt einer. Unter dem Titel "Deutschlands Zukunft: jung, männlich, orientalisch und kriminell" ist zu lesen: "Junge Mitbürger mit Migrationshintergrund sind bundesweit ein Problem." In einem Text zur Reaktorkatastrophe in Fukushima schreibt einer der Kopp-Autoren: "Die Verantwortlichen (beim Betreiber der AKW, den Behörden, der Regierung) gehören vor ein Tribunal. Wenn es mit einigermaßen rechten Dingen zugeht, dürfte es nur ein Urteil geben: die Todesstrafe."

Vor allem auf dem Kieker der Kopp-Online-Autoren: die "Politische Korrektheit". Screenshot
Vor allem auf dem Kieker der Kopp-Online-Autoren: die "Politische Korrektheit". Screenshot

Kopp kommt aus dem benachbarten Dorf Wurmlingen, dort lebt seine Familie. Früher war er Polizist in Stuttgart, aber irgendwann, sagt er, habe er nach einem sinnvolleren Beruf für sich gesucht. Also schmiss er seine Polizeikarriere und wurde Mitte der Neunziger Verleger.

Initialzündung, erzählt er, sei der öffentliche Umgang mit dem Ufologen Erich von Däniken gewesen. Erst beliebt, mit einem Weltbild, das die immer mal wieder auftretende Skepsis der Bevölkerung in Bezug auf staatliche Wahrheiten eine Zeit lang gut unterfütterte, dann von der Wissenschaft als Betrüger geächtet. Jochen Kopp hat ihn aufgesammelt. Seitdem schart er diejenigen um sich, die er schon immer gern mochte: "Autoren abseits des Mainstreams." Die gesellschaftlich, wissenschaftlich, politisch Geächteten. "Auch die, denen Linke Rechtsextremismus vorwerfen, obwohl sie nur eine andere Meinung haben", sagt Jochen Kopp. Denen möchte er "eine Stimme geben".

Ein gut ausgebautes Netzwerk an Rechtspopulisten

Jan van Helsing beispielsweise, mit Klarnamen Jan Udo Holey. 1996 ermittelte die Staatsanwaltschaft Mannheim wegen Volksverhetzung gegen Holey. Im Verfassungsschutzbericht 2004 wird er als "rechtsextremistischer Esoteriker" bezeichnet, einige seiner Bücher werden verboten. Kopp Online widmete ihm mindestens zweimal Platz auf der Homepage. 

Nachdem Eva Herman sich mit umstrittenen Äußerungen zu Hitlers Familienpolitik ins Aus manövriert hatte, moderierte sie die mittlerweile eingestellten Kopp-Nachrichten auf Kopp Online – Weltverschwörung in seriöser Tagesschauoptik. Oder Udo Ulfkotte. Er war Redakteur der FAZ. Sein Buch "Der Krieg in unseren Städten. Wie radikale Islamisten Deutschland unterwandern" erschien zuerst im Eichborn-Verlag, wurde wegen eines Antrags der Islamischen Föderation auf einstweilige Verfügung beim Berliner Landgericht vom Markt genommen, anschließend klagten eine ganze Reihe von Islamvereinen gegen den Verlag. Mittlerweile erscheinen seine Bücher im Kopp-Verlag, und man kann ihn gut und gerne als dessen Zugpferd beschreiben: Er ist Vielschreiber auf Kopp Online und Chefredakteur von Kopp Exklusiv.

Jochen Kopps Vorzeigeautoren und sein ganzer Stolz sind Wilhelm Hankel, Wilhelm Nölling, Karl Albrecht Schachtschneider, Dieter Spethmann und Joachim Starbatty, Personal aus dem Dunstkreis der Partei Alternative für Deutschland. 2010 hatten sie gemeinsam und medienwirksam Verfassungsbeschwerde gegen das Währungsunions-Finanzstabilisierungsgesetz zur Griechenlandrettung eingelegt.

Karl Albrecht Schachtschneider ist einer der Vizepräsidenten des Studienzentrums Weikersheim, das als umstrittene Denkfabrik und Schmelztiegel konservativer und rechtsextremer Strömungen viele Jahre lang in keinem Verfassungsschutzbericht fehlte. Der Naziexperte Anton Maegerle, Besitzer eines der bundesweit größten Archive über rechte Netzwerke, bezeichnet ihn als "Grenzgänger zwischen Rechtspopulismus und Rechtsradikalismus". Er steht beispielhaft für das, was auch für den Kopp-Verlag oft gilt: bestens vernetzt, ein gut geöltes "Scharnier" zwischen rechtskonservativ und ganz rechts. Genau das, sagen Rechtsextremismus-Experten wie Stefan Braun (SPD), sei "Strategie der neuen Rechten": gut getarnt und mit Personal aus der konservativen Wirtschafts- und Politikelite rechtspopulistische Ansichten in gesellschaftlich akzeptierte Sphären zu heben.

Auch NPD-nahe Onlinehändler bieten Kopp-Bücher an

"Harte Kante zeigen", nennt Jochen Kopp das, was in seinem Verlag, in Kopp Exklusiv und auf Kopp Online gegen den politischen Mainstream poduziert wird. In letzterem Falle wird die verlinkt und verbreitet auf einschlägigen Blogs wie Politically incorrect, auf der Seite der "Jungen Freiheit" oder auch dem rechten Michael-Mannheimer-Blog. Kopp-Bücher gibt es auch im Sortiment von Grabert/Hohenrain, im rechten Klosterhaus-Verlag oder beim Nordsachsenversand. Der Nordsachsenversand gehört Kai Rzehaczek. Sein Sohn Paul ist Landesvorsitzender der Jungen Nationalen Sachsen, des Jugendverbands der NPD.

Online-Seite des "Nordsachsenversands": Der Kopp-Verlag ist rechts außen beliebt. Screenshot
Online-Seite des "Nordsachsenversands": Der Kopp-Verlag ist rechts außen beliebt. Screenshot

Da könne er ja nichts dafür, sagt Jochen Kopp entrüstet. Für Verlinkungen sei er nicht verantwortlich. Außerdem, sagt Kopp im libertären Duktus seiner Gesinnungsgenossen, dürfe in einer Demokratie wie Deutschland ja jeder schreiben – und vor allem lesen – und damit auch verlinken, was er möchte.

Außer es geht um den Verlag selbst. Denn wenn "wieder einmal Lügen verbreitet werden, die den Verlag in eine rechte Ecke stellen sollen", lässt der Chef seine Anwälte los, und seine Autoren veröffentlichen in konzertierter Aktion Mailadressen, Anschriften und Telefonnummern der Kopp-Gegner auf Kopp Online. Eine seiner Gegner, der linke Rottenburger Stadtrat Albert Bodenmiller, erhielt daraufhin eine Flut rechtsradikal motivierter Schmähpost samt Morddrohungen. Wenn man ihn als rechts beschimpft, kann er sauer werden, der sonst so freundliche Herr Kopp.

Kopp trägt Karohemd und Jeans, er sieht ein bisschen wie ein Reiter aus, nicht wie ein Rechter. Aber wer will da mittlerweile noch unterscheiden, bei rechten Bewegungen wie den Autonomen Nationalisten im Antifa-Outfit und bunt beschlipstem Spitzenpersonal von den Rändern der Mitte-Konservativen. Und vielleicht ist Jochen Kopp auch gar kein originär Rechter, vielleicht hat er nur ein gutes Geschäftsmodell entwickelt, das im Kielwasser von Thilo Sarrazin, der AfD und der damit einhergehenden neuen "Das wird man ja wohl mal sagen dürfen"-Attitüde mit jedem Zentimeter Rechtsruck der Gesellschaft besser funktioniert. Die Haltung, verordnete Toleranz gegenüber Minderheiten – Schwulen, Lesben, womöglich Frauen und ganz sicher Zuwanderern – würde die Hoheit der "normalen" Mehrheit und deren Familien- wie Gesellschaftsbild unterwandern, ist im Moment ja sehr en vogue: siehe die aktuelle Bildungsplandebatte um die Akzeptanz sexueller Vielfalt oder die aktuelle Begeisterungswelle für den Autor Akif Pirinçci und sein Buch "Deutschland von Sinnen – Der irre Kult um Frauen, Homosexuelle und Zuwanderer", eine "grölend vorgetragene Menschenverachtung", wie ein Rezensent schreibt, die aktuell reißenden Absatz findet. Eine gute Zeit für einen wie den Kopp-Verlag. 

Ein erfolgreicher Nischen-Player auf der Populismus-Welle

Kopp ist mit 3000 Büchersendungen täglich und rund 60 Mitarbeitern zwar keine besonders große Nummer verglichen mit Großversendern wie Amazon, aber sein Haus ist der "Abseits des Mainstreams"-Verlag Deutschlands schlechthin, ein erfolgreicher Nischen-Player. Wie viel Umsatz er macht, weiß keiner. Über Geld, sagt Kopp, spricht er nicht, aber arm ist er auch nicht. Er wirbt beispielsweise regelmäßig im auflagenstarken rtv-Fernsehmagazin, Einhefter, sechzehnseitig, für mindestens 50 000 Euro pro Veröffentlichung, rechnet die Dame in der rtv-Werbeabteilung vor. Früher hat er im Naturkostmagazin "Schrot und Korn" geworben, vor langer Zeit sogar mal im "Spiegel". 2013 hat Kopp expandiert und zog aus dem Rottenburger Industriegebiet Siebenlinden I ins neu erschlossene Siebenlinden III und baute dort seinen grauen Würfel (Kontext berichtete) mit Versandhalle.

Kritiker sagen, Kopps Autoren seien Rechtspopulisten, Scharlatane, Antidemokraten. Aber Kritiker gibt es nicht so viele. Die meisten Leute um Kopp herum mögen ihn ganz gern.

"Deutsche Opfer – alliierte Täter": Jochen Kopp hat eine ganze Reihe Bücher aus rechten Verlagen im Programm. Screenshot
"Deutsche Opfer – alliierte Täter": Jochen Kopp hat eine ganze Reihe Bücher aus rechten Verlagen im Programm. Screenshot

Rottenburg ist stolz darauf, in der NS-Zeit einen Bischof gehabt zu haben, der sich gegen das Naziregime stellte. Eugen Bolz gehört zu den Rottenburger Ehrenbürger. Eigentlich also sollte diese Stadt einen Riecher haben für antidemokratische Tendenzen. Bei Kopp riechen die meisten nur sein Geld.

Oberbürgermeister Stephan Neher (CDU) sitzt in seinem barocken Rathaus, es ist geranienbepflanzt und lachsfarben. Er ist Chef über die Gewerbesteuer von Jochen Kopp und hat ihm sehr gerne das Grundstück in seinem Industriegebiet verkauft. Jochen Kopp sei nett, sagt er, was er verkaufe, sei seine Sache. "Es ist nicht Aufgabe einer Stadt, zu zensieren. Eine Demokratie muss auch abstruse Meinungen aushalten", sagt Neher. Außerdem gebe es ja auch Pornos und Ballerspiele.

Kopp sponsert zudem "eine ganze Reihe von Schulen, Vereinen und sozialen Einrichtungen, hauptsächlich im regionalen, aber auch im überregionalen Bereich". Er gehörte zu den Sponsoren des Turnvereins Rottenburg 1861 (TVR) und beendete seine Unterstützung, als sich der bereits erwähnte Stadtrat Albert Bodenmiller gegen die "Geschichtsrevisionisten aus der Bischofsstadt" einzusetzen begann. Der Stadtrat schade dem Verlag, "dem Sport, dem Verein und der Stadt", sagte Norbert Vollmer, der Geschäftsführer des TVR, damals. Außerdem ließ Vollmer wissen, sei der Turnverein nicht Wächter über die Demokratie.

Kopp bezahlt auch eine Sonderveröffentlichung zu einem Weinfest in Wurmlingen, einer dieser süffigen Veranstaltungen mit Henkelgläsern in idyllischer Kulisse. Ein protegierter Winzer ist Anton Brenner, Stadtrat für die Linke im Tübinger Gemeinderat, sonst ein "Moralapostel erster Klasse", sagt man. Aber hier? Die Kopps seien sehr wertgeschätzte Wurmlinger Bürger, sagt Brenner. Kopp-Bücher könne man auch in der Osianderschen Buchhandlung bestellen. In diesem Falle brächte sie der Fahrradbote, nein, sogar der "antifaschistische Fahrradbote", ätzt der Linke und findet, von Kopp könne man sich ruhig sponsern lassen. Zumal in einer Demokratie.

Kopp steht in einem seiner Besprechungsräume im ersten Stock, am Rande dieser Spitzendeckchenstadt, in der er so viele Freunde und Unterstützer hat. Links unten seine Lagerhalle, mittendrin die Palmen, drum herum Felder und Wiesen, und wenn er am Fenster steht, so wie an diesem Nachmittag, und das Wetter klar ist, sieht er die kleine weiße Kirche auf ihrem grünen Hügel leuchten. Dort, zwischen den saftigen Reben in der Sonne, wird im Juni auch das Wurmlinger Weinfest stattfinden. "Schön, nicht", sagt Kopp. "Vor allem, wenn morgens der Nebel aufzieht."


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Kommentare

Schwarzseher, 27.05.2014 14:19
Ich persönliche nutze den Koop-Verlag gerne als Informationsquelle!! Wobei ich nicht behaupten möchte, dass jede in den Artikeln aufgefasste Thematik inhaltlich wirklich objektiv aufgegriffen wird. Jedoch haben sich Berichte über geopolitische Ereignisse (z.B. Goldpreisentwicklung, Immobiliencrash, Wirtschaftskrise) die zum Zeitpunkt der Publikation überwiegend als Verschwörungstheorien abgetan wurden mit der Zeit als wahr erwiesen. Ích kann nicht behaupten, dass ich einen populären Verlag benennen könnte der ähnlich zutreffende Wirtschaftsprognosen bereits Jahre vor Situationseintritt getätigt hätte...... oder irre ich mich ?

Desweiteren nutze ich persönlich auch gerne die Informationsangebote populärer Herausgeber wie zum Beispiel dem Axel Springer verlag. ,Alle Kritiker medienkritischer oder grenzwissenschaftlicher Berichterstattung sollten jedoch nicht vergessen dass die vorherschenden Herausgeber allen voran der Axel-Springer-Verlag bereits in den Unternehmens-Grundsätzen politische und gesellschaftliche Leitlinien (http://www.axelspringer.de/artikel/Grundsaetze-und-Leitlinien_40218.html) definiert. Aus diesen Grundsätzen resultiert eine flächendeckende Beeinflussung der Bevölkerung z.B. hinsichtlich der Verteufelung anderer Regierungssysteme wie dem Kommunismus oder auch die gezielte Desinformierung der Bevölkerung über israelische (nicht jüdische, israel ist ein Staat und hat nichts mit einer Religion zu tun, Vorab an die Leute die meinen ich würde hier rechte oder antisemitische Propaganda publizieren) Kriegsverbrechen gegen die Palästinenser.

Momentan empfehle ich sogar Informationen insbesondere dann infrage zu stellen, wenn sie von Mainstreammedien publiziert worden sind, . Dazu rate ich anlässlich der Berichterstattung über die Ulraine/Krim die in Deutschland inhaltlich völlig falsch war und zudem westliche Kritiker komplett verteufelt.

Generell gilt: Egal wo man Informationen heranzieht, man sollte Sie immer unabhängig von der Quelle, objektiv betrachten und beurteilen. Denn Nachrichtenbericherstattung prägt und beeinflusst im hohen Maße die Mentalität der Bevölkerung. Im Informationszeitalter verfügen wir zum Glück alle über die Möglichkeit Artikelinhalte auf Ihre Stimmigkeit hin zu überprüfen.........

stickler, 03.05.2014 11:31
Wie einige richtig bemerkt haben, ist es nicht zu
uebersehen, dass das Programm von Kopp schwer einen an
der esoterischen Klatsche hat. Und es ist eine Binse,
dass man damit problemlos rechten Anschluss findet.

Fies ist in der Tat wie serioes der Verlag aufzutreten
versucht und wie er damit einfachere Gemueter reinlegt.
Ich habe mal meinem Opa den Quantenquark auszureden
versucht, den er sich in einer Koppzeitschrift (Licht &
Geist o.s.ae.) eingetreten hat, die an jedem Bahnhof auf
Beute wartet. Schier unmoeglich! Nervig auch deren
Gewinsel von Meinungsfreiheit und linker Moralkeule.
Natuerlich duerfen sie schreiben was sie wollen. Aber
bitte auch dazu stehen, dass sie rechte Sch***e quirlen.
Siehe http://xkcd.com/1357

Fies ist allerdings auch, wenn es stimmt, was Herr Anton
Brenner zum seinem Interview sagt. Frau Hunger laesst ihn
wie einen trotteligen Volksgenossenversteher aussehen.
Was stimmt nun:
1.) Herr Brenner ist ein Linker, der einen Rechten nicht
erkennt wenn er ihm direkt in die Nase stinkt?
2.) Frau Hunger ist eher an der knackigen Storyline als
am schnoeden Wortlaut interessiert?
3.) ???

Sandra Lehotsky, 01.05.2014 18:09
Eine Demokratie die diese Bezeichnung auch verdient hat kein Problem mit Andersdenkenden, auch wenn sie dem politischen Randspektrum, gleich ob rechts oder links, zuzurechnen sind, denn sie weiß die Mehrheit des Volkes hinter sich. Mit zunehmender Unzufriedenheit über das Gebahren "der da oben" nimmt auch die Tonart gegen politisch Andersdenkende genau die populistische Farbe an, die, wie in diesem Fall, den Rechten zugeschrieben wird. Aufmerksamkeit schenken sollten wir weniger den Rechten, die es unvermindert und in eher überschaubarer Zahl gibt, sondern dem zunehmenden Einfluß mindestens ebenso radikaler Linker, die unter dem Deckmantel des Gutmenschentums die Meinungsfreiheit jeden Tag ein bißchen mehr einschränken.
Im Kielwasser der Ereignisse um den 11.September 2001 tat einmal ein durchgeknallter US-Präsident den Ausspruch "Wer nicht für uns ist ist gegen uns". Dieser von allen dummen Sprüchen mit Abstand Dämlichste erscheint heute und in unserer Gesellschaft zur Maxime erhoben. Das erschreckt mich viel mehr als ein Verlag im Schwäbischen der die Esoterikszene mit dem bedient was die ohnehin aus dem Web fischen!

Stefan, 30.04.2014 15:36
Wenn ein Verlag, ob er nun Kopp heisst oder sonstwie, rechtsorientierte Literatur oder Scharlatanerei vertreibt, dann sollte er sich auch gefallen lassen, dass man diese "unbequemen Wahrheiten" auch benennt. Dass hat nichts mit "Nazikeule" zutun, sondern deckt sich mit der Meinungsfreiheit.

Skepsis, Kritik und hinterfragen gelten auch in Richtung Kopp-Verlag und sind keine Einbahnstrasse

Schnellinger, 28.04.2014 20:49
Schöner Artikel. Jeder Verlag hat die Fans die er verdient. Wie man an den Raktionen empörter Kopp-Wutbürger hier sieht stehen die wie vermutet intellektuell doch eher im Schatten. Aber man kann sich dann ja immer noch nen falschen Doktortitel kaufen, dann wirkt der Strammrechte Babbler gleich seriöser. haha

Klaus, 28.04.2014 11:03
Dass dieser Verlag äußerst rechts ist und dazu passend reichlich spinnertes Zeugs verlegt ist doch allgemein bekannt. Auch, dass es leider ein ungebildetes Publikum für dieses Zeugs gibt (und, auf der anderen Seite: die Leute, die mit deren Geld reich werden).
Dass die Anhänger all dieser Spinnereien, die "Gläubigen" das vehement abstreiten (q.e.d.: siehe manche Kommentare hier), ist verständlich: das ist bei jeder Art von Religion so, wenn man über sioe kritisch berichtet.
.
Ich hatte mal vor Jahren recht ahnungslos ein Ulfkotte-Buch gekauft. Inzwischen - auch schon ein paar Jahre her - ist es in der Mülltonne.

Thorsten Schmidt, 28.04.2014 10:05
Ein altes Sprichwort sagt:
"Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd"

Kaboom, 28.04.2014 09:09
Der Kopp-Verlag nutzt - wie diverse andere Organisationen und Personen auch - die Schwäche vieler Leute beim Verifizieren von Quellen. Zwar kann heute fast jeder ein paar Worte in die Suche bei Google & Co. eintippen, die wenigsten sind aber in der Lage, zu verifizieren ob die Quelle seriös ist ober aber durchgeknallte Spinnerei. Die Quintessenz von "das wird man doch wohl noch sagen dürfen" ist in aller Regel nichts weiter als das Bestärken von Vorurteilen in Schriftform. Damit lässt sich wunderbar Geld verdienen wie vor ein paar Jahren Thilo Sarrazin und zuletzt Akif Pririncci bewies.
Im Kontext Klimawandel (seit Jahren ein Primärziel von Spinnern von Rechts) verdienen Leute ebenfalls Millionen an der Ahnungslosigkeit der Leute, die Herren Maxeiner, Miersch, Kulke und Vahrenholt sind nur ein paar Beispiele unter vielen.
Aktuell passiert in Deutschland dasselbe wie in den USA vor 20 Jahren: Auf dem rechten Flügel entsteht eine parallele Realität. Diese wird mit viel Geld gepusht, ein paar Leute verdient sich eine goldene Nase, und eine große Menge nützlicher Idioten werden verar****.
In den USA führte das zur Gründung von FOX-News und zum Entstehen der Tea-Party. Schaun wir mal, was für putzige Blüten das hier in Deutschland treiben wird. Eins ist hierzulande jedenfalls klar: Organisationen wie der Kopp-Verlag sind - ebenso wie Personen wie Sarrazin oder Pirincci - IMHO Türöffner für rechte bis rechtsextremistische Positionen.

Nazienkel, 27.04.2014 10:56
Guter Artikel.
Kopp inserierte auch schon im ADAC-Magazin, auf kritische Gegenfragen gab es dort ausweichende Antworten.

Frank Passau, 27.04.2014 03:53
Danke für die Info auf den Michael-Mannheimer-Blog, habe ihn zu meinen Favoriten hinzugefügt, anstelle von taz.
Gruß Passa

MartinP, 27.04.2014 03:43
Also ich lese täglich Kopp Online. Sie waren sich auch nicht zu schade, dort einen Link auf diese Website zu setzen. Darüber bin ich hierher gekommen.

Was ich von den Büchern halte, hatte ich schon geschrieben, es ist dennoch nicht fair, aus unsachlichen Gründen einem offenkundig unliebsamen Menschen eins mit der Nazikeule überzuziehen. Ich denke, damit tut man Herrn Kopp unrecht! Unsachlich ist auch über Gewinne und Kosten zu spekulieren. Man fragt ja auch nicht, wieviel die taz letzten Monat Profit auf Kosten ihrer AutorInnen gemacht hat.

Die Redaktion hat recht, manche Kommentare hier sind grenzwertig: So wird mir zu meinem früheren Kommentar "Jammerei" unterstellt, ohne auf die Inhalte einzugehen. So ist das eben, wenn man kein Wissen hat, sondern nur eine Meinung.

Christian S. hat unrecht, wenn er übersieht, dass Diktatoren vor allem über Revolutionen und (Militär-)Putsche an die Macht kommen.
Er übersieht zudem, dass auch in der (unsäglichen!) Hitler-Zeit das Parlament sich zu Sitzungen traf - und den genauen Wortlaut des sog. "Ermächtigungsgesetzes" kennt er vermutl. nicht.

Andromeda, 26.04.2014 13:07
Zur Versachlichung folgende Quellenhinweise :
1. Bezüglich Ursachen 1.Weltkrieg /2.Weltkrieg und Kriegsstrategien:
Dr.phil. Daniele Ganser, Historiker u.a. Universität Basel und Zürich , sowie Friedensforscher und Leiter am SIPER (Swiss Institute for Peace and Energy Research) : "Europa im Erdölrausch" - Kapitel "Der Kampf ums Erdöl im 1.WK" ," Deutsche Ölpolitik und der Bau der Bagdadbahn ", "Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges" ,"Der Kampf um Erdöl im "2. .Weltkrieg", "Pearl Harbour und der Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg 1941" , "Der Wiederaufbau Europas", Neuordnung Arabiens . Konklusio : Die Kontrolle und Verfügung über die jeweiligen militärtechnisch und industriell entscheidenden Rohstoffe sind bis heute entweder zur weiteren Sicherung der Hegemonie oder zum wirtschaftlichen Überleben/Selbstständigkeit/Befreiung von der Hegemonie Auslöser von Kriegen gewesen.
Neuere Beispiele Lybien , Irak , Iran ,Sudan (Öl) , Ukraine-strategisch , Griechenland,Türkei (Gas), sowie "Öffnung und Demokratisierung in Myanmar".
Weiteres hervorragendes Sachbuch : "NATO-Geheimarmeen in Europa"
Kapitel Belgien -dies hinsichtlich NSU und Michael Bubacks Buch : "Der 2.te Tod meines Vaters".
2. Der Historiker Sönke Neitzel ist kein Rechtspopulist o.ä , da zusammen mit Harald Welzer/Soziologe Autor von "Soldaten".
Abhörprotokolle deutscher Kriegsgefangenen in Lagern in GB und USA im 2, WK werden historisch-soziologisch analysiert. Was die Soldaten sich gegenseitig über Kriegserlebnisse mitteilen ist nicht schön und gereicht nicht zur Ehre.
Diese werden aber nicht als die einzigen Täter dargestellt. Ihr Verhalten ist soziologisch universell. Ein Verweis auf Konquistadoren , Kolonialzeit,
Algerien , Südafrika ,Römer , Sowjetunion, USA etc. ist nicht notwendig, für jeden ist etwas dabei.
Dazu "Krieg ohne Fronten" von Bernd Greiner zu den Grauen des Vietnamkriegs , die nicht weniger Ekel erregen.
Weiter Interview Ken Jebsen mit dem ehemaligen Staatssekretär im Verteidigungsministerium unter Helmut Kohl ,Willy Wimmer(CDU) , zum Ende mit Bezug zu den deutschen Medien . Er sieht prinzipiell kein ARD und ZDF mehr,- und Aussagen zur Politik der USA, auch in dem Konflikt mit der Ukraine.
Wenn eine Fülle von Indizien darauf hinweisen und geschaffene Tatsachen/erreichte Ziele immer wieder zum Nutzen einer Position gereichen , ist eine "Verschwörungstheorie" logisch und zwingend verifiziert und keine Theorie mehr. Auch die Medien sind keine Theorie sondern Mittel zum Zweck.

Tillupp, 25.04.2014 09:03
Ich denke sowohl bezüglich des Kopp-Verlags als auch der u.g. Kommentare gilt der Satz Rosa Luxemburgs: Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden. Meinungsfreiheit und Pressefreiheit sind ein hohes Gut, das es zu Verteidigen gilt. Wie man in Ungarn sieht, sind allerdings die Nationalisten die sich in der Opposition auf Presse- und Meinungsfreiheit berufen auch diejenigen, die diese Freiheiten einschränken, sobald sie politisch dazu in der Lage sind.
P.S.: Warum wird im Artikel hervorgehoben, dass Rottenburg am Neckar eine "Bischofstadt" ist? Macht es den Verlag oder die Stadt dadurch "besser" oder "schlechter"?

Christian S, 24.04.2014 16:03
Großes Lob an Kontext und die Autorin! Ich selbst hatte schon beim vorbeiblättern an Kopp-Anzeigen einen diffusen Verdacht, der sich allerdings nach Lektüre der Kopp-Website nicht vertiefte. Die Empörung in den Kommentaren zu diesem Artikel kann jedoch auch so verstanden werden, dass die neue Rechte sich mächtig darüber ärgert, wenn ihre Strategie des unterwanderns und sich-in-liberale-Gewänder-Kleidens aufgedeckt wird. Es wird versucht, Seriosität zu suggerieren, indem man z.B. Artikel der Welt verlinkt. Das Demokratie-Argument, das gern zur Verteidigung solcher rechter Umtriebe herangezogen wird, sollte man übrigens nicht als Diskussionskiller gelten lassen: auch Hitler wurde demokratisch gewählt. Kopps eigenartige Holocaust-Aussage ("gesetzlich festgelegte Meinung") lässt dann aber aufhorchen und erahnen, woher der Wind weht. Im Sinne des Satzes "Wehret den Anfängen!" gilt es nämlich, auch denen entgegenzutreten, die rechtem Gedankengut getarnt als Anti-Mainstream-Medien oder Verschwörunstheoretikern, kurz: im Schafspelz, eine Bühne bieten.

Kontext:Redaktion, 24.04.2014 15:34
Hallo, die Herrschaften!
Nichts dagegen, wenn der Artikel kontrovers diskutiert wird.
Aber wenn's nur noch zwischen Kommentatoren hin und her geht, dann macht das nicht viel Sinn!
Kommentare ohne Bezug zum Artikel werden wir deshalb nicht mehr freischalten.

Balthasar Mayer, 24.04.2014 15:28
@Johann Dick

"Ist das Realsatire?"

Das denke ich mir bei alle Ihren Ausführungen :-)
Kann man mit Ihnen eigentlich auch debatieren?

Johann Dick, 24.04.2014 15:27
@ Michael Grandl:

"VIER FALSCHAUSSAGEN in einem Kommntar!"

Warum BRÜLLEN Sie eigentlich so? Wer schreit hat Unrecht. Und was das weitere GEBRÜLLE angeht:

"meine QUELLEN WIDERLEGEN!"

Sie erwarten doch nicht ernsthaft, dass sich intelligente Menschen mit Ihrem Verschwörungquatsch auseinander setzen und das, was Sie "QUELLEN" nennen, auch noch aufwerten?

Und das erwarten Sie erst recht nicht von Leuten, die Sie bereits als "Unkritisch, wiederkäuend, Hörigkeitsglaubend (sic!)" etc. angespuckt haben, weil sie nicht zu den emsigen Käufern Ihrer 'Werke' gehören - oder etwa doch? Und übrigens:

"Zudem habe ich für mein Buch "Unternehmen Wüste - Hitlers letzte Hoffnung" über die KZ auf der Schwäbischen Alb die höchste Auszeichnung des Ministerpräsidenten persönlich in Empfang nehmen dürfen."

Die Stauffer-Medaille, die Ihnen der MP da in die Hand gedrückt hat, ist nicht "die höchste Auszeichnung", sondern lediglich eine persönliche des jeweiligen MP. Und warum führen Sie hier nicht das "h.c." im Namen, sondern täuschen durch Weglassung einen akademischen Grad vor, den Sie nie erlangt haben?

Dr. Michael+Grandt, 24.04.2014 14:31
@ Peter Finster:

VIER FALSCHAUSSAGEN in einem Kommntar!

Also zunächst mal bin ich kein "Balinger" Journalist ----- erste Falschaussage (besser recherchieren)

Nicht ICH fordere in meinem Artikel das "Umschreiben" von Schulbüchern im Zusammenhang mit dem 1. Weltkrieg, sondern die renommierten Professoren Christopher Clark und Neitzel in der Sendung "Wer war schuld?" (Phoenix mit Guido Knopp als Diskussionsleiter ----- zweite Falschaussage (Artikel bitte genau lesen).

"Nach seiner Sicht waren „die Deutschen“ immer Opfer internationaler Bankiers, insbesondere der hinter der amerikanischen Notenbank agierenden Finanzoligarchie" - wo bitte habe ich das SO geschrieben, wo ist Ihre QUELLE ----- dritte Falschaussage

"In seiner neuesten bei Kopp erschienenen Broschüre zur FED nennt er besonders viele Bankiers mit jüdisch klingenden Namen als Oberverschwörer " - Ich nenne die Namen jener Bankiers, die die Fed 1913 als Privatbank installierten (das ist historisch belegt) - diese Namen klingen nun mal "jüdisch", soll ich die Namen abändern, nur weil Ihnen das nicht passt? ----- vierte Falschaussage

Zudem habe ich für mein Buch "Unternehmen Wüste - Hitlers letzte Hoffnung" über die KZ auf der Schwäbischen Alb die höchste Auszeichnung des Ministerpräsidenten persönlich in Empfang nehmen dürfen. Mich also als Anitsemiten und "Rechten" darzustellen funktioniert leider nicht, mein Lieber.

Also, nicht nur polemisch die "Rechts-Keule" rausholen (so wie es alle machen, wenn sie keine Argumente haben) sondern besser recherchieren und meine QUELLEN WIDERLEGEN!

Rolf Steiner, 24.04.2014 13:01
Die vielen Reaktionen zeigen, dass Frau Hunger tatsächlich in ein rechtsaußen stehendes Wespennest getroffen hat. Offiziell geben sich diese "Herrschaften" bieder, volksnah, sponsorenhaft, um nach innen und unter vorgehaltener Hand faustdick aufgetragene Nazi-Gedanken zu verbreiten.

Biedermann und Brandstifter nannte das Max Frisch, dessen Meinung ich mich ausdrücklich angesichts der braunen Szene in Rottenburg und Umgebungen anschließe.

Peter Finster, 24.04.2014 12:02
@ Michael Grandt's Hitler-Charakterisierung + FED-Verschwörung.
Mensch begebe sich einmal zu „Kopp Online“, suche daselbst nach „Hitler“ (websiteinterne Suche) und sehe sich die dann erscheinenden Artikel des Balinger Autoren Michael Grandt an. Will er die Geschichtsschreibung seit dem ersten Weltkrieg komplett umdeuten? An anderer Stelle fordert er sogar die Überarbeitung von Schulbüchern im Sinne der Entlastung deutscher Regierungen als Hauptverantwortliche für die Weltkriege. Nach seiner Sicht waren „die Deutschen“ immer Opfer internationaler Bankiers, insbesondere der hinter der amerikanischen Notenbank agierenden Finanzoligarchie. In seiner neuesten bei Kopp erschienenen Broschüre zur FED nennt er besonders viele Bankiers mit jüdisch klingenden Namen als Oberverschwörer. Bedient er die Dichotomie von raffendem und schaffendem Kapital? Schafft oder verschärft er antisemitische Ressentiments? Herr Grandt ist weit entfernt von einer seriösen Kapitalismuskritik, die vor allem auch Verhältnisse in den Blick nimmt.

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