KONTEXT Extra:
Stuttgarter Filmwinter startet mit "Mut zur Lüge"

Der Stuttgarter Filmwinter – Eröffnung am 18. Januar – steht in diesem Jahr ganz im Zeichen der Lüge. So ist es natürlich auch nicht der 300. Filmwinter, wie auf den quietschgelben Werbeplakaten zu lesen ist, sondern der 30. – immerhin. Bis 22. Januar sind im FITZ! in der Eberhardstrasse, im Haus der Geschichte, im Kunstbezirk, und im Theater tri-bühne experimentelle Filme und Medienkunst zu sehen und zu erleben bei diesem "bedeutendsten Festival Experimentalfilm im süddeutschen Raum ". So die Eigenwerbung und das ist natürlich keine Lüge. Wie in den vergangenen Jahren auch, sollen die anspruchsvollen und meist auch anstrengenden experimentellen Filmkunstwerke einer größeren Öffentlichkeit spielerisch näher gebracht werden. Damit der Nachwuchs an interessierten Zuschauern nicht ausbleibt, gibt es auch bei diesem Filmwinter im Zeichen der Lüge ein spezielles Programm für Kinder und Jugendliche mit Kurzfilmen, Workshops, Führungen. Das Programm und mehr gibt es unter www.filmwinter.de.


Jetzt doch ein Koalitionsausschuss zu Afghanistan

Vor Weihnachten hatten Grünen und CDU eine inhaltliche Aussprache über die Abschiebepraxis nach Afghanistan vermieden. Stattdessen wurde im Koalitionsausschuss vor allem darüber diskutiert, ob Grünen-Landeschef Oliver Hildenbrand es "schäbig" nennen darf, wenn sein CDU-Pendant, Innenminister Thomas Strobl, auch alte oder kranke Menschen abschieben will. Zur bisher einzigen Sammelabschiebung wurde ein Mann sogar aus einer Psychiatrischen Klinik geholt, dann allerdings doch nicht ins Flugzeug nach Kabul gesetzt.

Am kommenden Dienstag werden dieser und andere Fälle sowie die grundsätzliche Vorgehensweise im Koalitionsausschuss diskutiert. Die Grünen, die die Debatte durchgesetzt haben, erinnern an die geltenden Leitlinien des Landes zu Abschiebungen und Rückführungen, nach denen eine Einzelfallprüfung ohnehin zwingend ist. Bisher hatte sich Strobl gegen eine inhaltliche Behandlung der von ihm mitinitiierten verschärften Abschiebepraxis im Koalitionsausschuss ausgesprochen. Die Grünen gehen davon aus, dass die Leitlinien und damit die Einzelfallprüfung bestätigt werden.

Auf dem Tisch liegt auch ein Papier der sogenannten G-Länder, also aller Koalitionen, an denen Grüne beteiligt sind. Diesem zufolge muss gewährleistet sein, "dass Ausreisepflichtige keinen Schaden an Leben und Gesundheit nehmen". Die Regierungspartner in Baden-Württemberg, Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen "betonen eine Reihe von Grundlinien und Anforderungen bezüglich Rückführungen nach Afghanistan". Sie fordern die Bundesregierung aber auch auf, die Sicherheitslage in Afghanistan "erneut zu überprüfen". (14.1.2017)


Ein zweites Raumwunder für Geflüchtete

Engagement kann sich lohnen. Im September hatte Kontext über die Initiative der Künstlerin Martina Geiger-Gerlach berichtet, eine Wohnung in einem zum Abriss vorgesehenen Haus im Stuttgarter Stadtteil Steckfeld monatsweise Flüchtlingen zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig finden dort immer Ausstellungen statt, die Nachbarn und Interessierten Gelegenheit geben, Künstlern und Geflüchteten zwanglos zu begegnen. Nun hat der Vermieter, das katholische Siedlungswerk, der Künstlerin eine zweite Wohnung im selben Haus als Lernwohnung zur Verfügung gestellt, damit Geflüchtete, die im Trubel ihrer Unterkunft nicht zur Ruhe kommen, eine Rückzugsmöglichkeit finden. Zudem bleibt das Haus länger stehen: voraussichtlich zwei Jahre. Dem Siedlungswerk gefällt das Projekt so gut, dass Martina Geiger-Gerlach gefragt wurde, ob sie sich vorstellen könnte, im Quartiersraum des Neubauareals an Stelle des früheren Olgahospitals eine Aufgabe zu übernehmen. Und: Ihr Wohnungs-Projekt ist für den Stuttgarter Bürgerpreis der Bürgerstiftung vorgeschlagen worden. Am 20. Januar um 19 Uhr eröffnet in der Karlshofstraße 42 in Steckfeld die nächste Ausstellung mit Gemälden von Ivan Zozulya und dem DJ Roman Levin. Am 31. Januar wird die Entscheidung zum Bürgerpreis bekannt gegeben. Jeder kann mit abstimmen!


Der Gewitterwanderer im Glück

Mitte November hatte der 33-jährige Göppinger Schriftsteller Kai Bleifuß noch geschimpft wie ein Rohrspatz. Der promovierte Goethe-Experte rackert sich seit Jahren mit Schreiben ab. Fabrizierte zuletzt einen Roman über den Dichterfürsten und wie der so wäre, würde er in unserer Zeit leben. "Goethes Mörder" heißt das gute Stück. Gutes Zeug. Guter Mann. Das weiß auch Bleifuß selbst. Kontext gegenüber machte er keinen Hehl daraus, dass er sich selbst für einen ziemlich duften Typen hält. Doch bislang schlug ihm seitens des ganzen "Literaturzirkus" und der Verlage kalter Wind entgegen. Niemand wolle mehr ein Risiko eingehen. Literatur würde immer mehr unter ökonomischen Abwägungen betrachtet, konstatierte der resolute Literaturnerd. "Schreiben ist das Idiotischste, was man machen kann. Nicht schreiben aber auch."

Ein Bleifuß lässt sich aber nicht unterkriegen – und jetzt hat es gerappelt im Karton: Am vergangenen Sonntag sackte der Göppinger für seinen Text "Fünf Variationen auf das Unsagbare" den Autorenpreis "Irseer Pegasus 2017" ein. 150 Schriftsteller aus dem ganzen Land hatten sich mit ihren Werken beworben, doch Bleifuß hat den mit 2000 Euro dotierten Preis gewonnen. Neben ihm auf dem Siegertreppchen der Preisverleihung im Kloster Irsee im Allgäu strahlte David Krause aus Kerpen.

"Der glücklose Autor hatte endlich einmal Glück!", schrieb Goethe-Glücksbärchen Bleifuß voller Freude an Kontext, mit der Bitte unseren LeserInnen mitzuteilen, dass man am 27.1. ab 21:05 Uhr im BR2 sein Hörspiel "Pinball" senden werde. Machen wir doch gerne. (11.1.2017) 


Abstand halten von den Volksverrätern

Aus 594 Wörtern haben die Sprachwissenschaftler um die Darmstädter Professorin Nina Janich das Unwort des Jahres 2016 ausgesucht: "Volksverräter". Aus dem Erbe der NS-Diktatur werde das Wort von Pegida, AfD und anderen Rechtsaußen verwendet, um PolitikerInnen  zu diffamieren. Mit der Folge, dass das "ernsthafte Gespräch" und notwendige Diskussionen in der Gesellschaft abgewürgt würden, begründet die Jury. Auf den weiteren Plätzen folgen "postfaktisch", "Populismus", "Gutmensch" sowie eine "Armlänge Abstand". Mit in der fünfköpfigen Jury saß auch Kontext-Autor Stephan Hebel. (10.1.2016)


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Geht auf wie Gipskeuper: Hefezopf. Foto: Pixabay

Geht auf wie Gipskeuper: Hefezopf. Foto: Pixabay

Ausgabe 297
Debatte

Puste- und Hefekuchen

Von Johanna Henkel-Waidhofer
Datum: 07.12.2016
Da hat einer die Backen ganz schön aufgeblasen. Der "weltweit renommierte Tunnelbauexperte Professor Walter Wittke" (PR-Text der Bahn) versprach während der S-21-Schlichtung viel. Nicht nur Schwierigkeiten wollte er aufzeigen, sondern auch Lösungen. Fünf Jahre später kann nur noch die Heilige Barbara helfen. Ein Kommentar.

Am 4. Dezember ruht im Tunnel traditionell die Arbeit. Dann wird einer Heiligen gedacht, die nach der Legende vom eigenen Vater gemartert und geköpft wurde, weil sie sich weigerte, dem christlichen Glauben abzuschwören. Seit dem 12. Jahrhundert wird Barbaratag gefeiert, die Märtyrerin als Heilige verehrt und als Nothelferin angerufen.

So eine können die Stuttgart-21-Befürworter gut gebrauchen. Denn das neue Gutachten zu den Tunnelrisiken bringt das Projekt an den Rand der Machbarkeit. Weniger der Neuigkeiten wegen, sondern vor allem des Umgangs der DB damit. "Rund zehn Seiten des Gesamttextes widmen sich dem Aspekt Anhydrit", erläutert Kontext-Autor Winfried Wolf. Und weiter: "Ausdrücklich schreiben KPMG und Basler, dass das Risiko, das mit dem Untergrund verbunden sei, seitens der DB AG deutlich 'unterbewertet' worden sei."

Unterbewertet – dafür gibt es diverse Synonyme. Etwa bagatellisiert, verharmlost, verkannt. Es geht aber um mehr, nämlich um schiere Realitätsverweigerung und -leugnung. So intensiv wie kaum ein anderes Problem war das Thema Anhydrit im Zusammenhang mit diesem dubiosen Bahnprojekt analysiert worden. Zu Zeiten eines gewissen Stefan Mappus wurde Wittke einmal sogar ins Staatsministerium gerufen, um eine vergleichsweise aufgebrachte Journalistenschar mit allerlei Tunnelbau-Kauderwelsch ruhig zu stellen. Ohne Erfolg.

Hilft wenig bei Anhydrit: Heilige Barbara. Foto: Joachim E. Röttgers
Hilft wenig bei Anhydrit: Heilige Barbara. Foto: Joachim E. Röttgers

Einen Auftritt vor dem legendären TV-Millionenpublikum bei der Schlichtung hatte der Professor ebenfalls. Er sprach von Wassereintritt und Gipskeuper – "das muss man sich vorstellen wie bei einem Hefekuchen, der quillt" –, von der gewählten Baumethode "mit Gürtel und Hosenträger", von aufwändigen Erkundungen in Stuttgart, bei denen alle hundert Meter gebohrt wird. "Beim Feuerbachtunnel ist es besonders kompliziert", so Wittke damals, "denn in diesem Bereich weiß man nicht, wenn die Bohrungen hundert Meter voneinander gemacht wurden, ob man hier noch Anhydritbereiche hat." Aus den Reihen der Projektgegner sind unfreundliche Zwischenrufe protokolliert, darunter "Geisterfahrer". Hießen die Einlassungen übersetzt doch nichts anderes als: Eigentlich hätte mehr gebohrt und untersucht werden müssen, weil unklar ist, ob alle problematischen Bereiche wirklich erwischt worden sind.

Dass nicht sein durfte und bis heute nicht sein darf, was nicht sein kann, belegt die damalige Rede des Geologen Jakob Sierig. Der ist allen MontagsdemonstrantInnen bestens bekannt und einer jener Experten, der den Protest unermüdlich wieder mit belastbaren Fakten versorgt. Unaufgeregt und sachlich las er Wittke und mit ihm der Bahn die Leviten. Sierig kam zu dem Fazit, dass – gemessen an seiner Geschichte – "sich der Tunnelbau im quellenden Gipskeuper noch im Pionierstadium befindet". Auch die Stuttgart-21-Tunnel würden mit Sicherheit Prototypen sein. Und dann dieser Satz: "Ich persönlich erwarte häufig reparaturbedingte Tunnelsperrungen." 15 Kilometer Tunnel im quellfähigen Gipskeuper sind ungefähr die Größenordnung, die bisher überhaupt im quellfähigen Gipskeuper gebaut wurde. Das bringe "natürlich unkalkulierbare Mehrkosten mit sich".

Niemand zog rechtzeitig die Reißleine

Die damalige CDU-Verkehrsministerin Tanja Gönner, die Vertreter der Stadt Stuttgart und der Region, Volker Kefer für die Bahn – niemand zog die Reißleine. Selbst der Schlichter Heiner Geißler nicht. Dabei begleiten die Bedenken, die Sierig damals ausführte, das Projekt von Anfang an. Deshalb fassen die 167 Seiten Gutachten von KPMG/Basler über weite Strecken vor allem Altbekanntes zusammen. Der Druck unter den Befürwortern, im Vorstand der Bahn und im Aufsichtsrat, muss also beträchtlich sein, wenn nicht einmal solche längst bekannten Erkenntnisse öffentlicher Debatte zugänglich gemacht werden.

Auch die aktuelle Reaktion spricht Bände. "Professor Walter Wittke", heißt es in einer DB-Pressemitteilung, "schließt infolge des von ihm entwickelten Bauverfahrens auch künftig gravierende Schäden aus." Erkenntnisse, die er aus der Begutachtung des Engelbergbasistunnels gewonnen habe, seien bei Stuttgart 21 schon eingeflossen. "Wir sind absolut sicher, dass in den Stuttgart-21-Tunneln kein etwa dem Engelbergbasistunnel vergleichbarer Sanierungsbedarf eintreten wird", sagt Wittke selbst. Was ja leicht zu beweisen wäre, auch ohne die Heilige Barbara anzurufen.

Ein zweiter und von allen Projektpartnern gemeinsam benannter Tunnelbauer müsste einfach mal Wittkes Pläne und Methoden unter die Lupe nehmen. Bisher zählt die DB über all die Jahre und entgegen vieler Ratschläge ganz allein auf ihn. Denn Barbara oder einer der anderen 13, als Heilige verehrten Nothelfer, können im Fall des Falles nicht helfen. Die christliche Legende verlangt, in Demut und Wahrhaftigkeit heranzutreten mit der Bitte um Beistand. Pustekuchen. Damit kann die Bahn nicht dienen.


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Kommentare

Ignaz Wrobel, 10.12.2016 19:23
@unseriös

Wo (Nick)-Name zum Programm wird, darf in Paul Peterscher Tradition auch mal der Zeitstrahl außer acht gelassen werden.Daß reactio der actio folgt, darf eigentlich vorausgesetzt werden. Alles nur eine Frage der Zeit,wann Murphys law eintritt. Aber mit jedem Meter durch die 15 km Anhydritstrecke eben auch wahrscheinlicher.Die seit der sog. Schlichtung beständig im Zunehmen begriffene Gesamtlänge derselben scheint Ihnen ja auch kein Problem zu machen.

Seit dem spurlosen Verschwinden von " Ostermann " sinkt das Niveau der unkritischen Jubler und es werden Uralt-"Argumente " aus FH-Ingeniösen-Sprech aufgekocht in den Foren.

Offiziell kommt die nicht durch fachlich-kritische Auseinandersetzung , sondern durch das in Stuttgarter Verkehrswissenschaftlerkreisen beliebte Selbst-Begutachten durch den Autor vermittels reiner Sprechblasen in Gestalt des emerit. Prof. der Felsmechanik RWTH Aachen zur Anwendung. Wo keine trockenen Tücher sind, müssen scheints Augenklappen für die "t(r)umpe " Masse her gemäß des neuen ( Un) wortes " postfaktisch ". Unwort deshalb, weil es voraussetzt, daß da irgendwann mal offen kommunizizerte, wahre Fakten gewesen wären .
Antefaktisch-subjektiv( "Neues Herz Europas,..Magistrale Paris-Bratislawa,..4,526 MRD € oder 1,5 MRd € für Nichts,..Leistungssteigerung um 100%,..50%,..30%..) heißt die Devise.
Die Krönung( Sic ! ) ist auch schon in Aussicht : Der Bock wird zum Gärtner gemacht. Der zumindest fachlich versierte Infrastrukrurvostand der DB AG , Dr. Ing. Volker Kefer, wird durch einen strippenziehenden Sozialpädagogen und Winkeladvokaten ersetzt, auf das Jenes ,was nicht sein kann, weil es nicht sein darf, auch noch für beendet erklärt (pofallert ) werden soll. O tempora, o mores !

Unseriös, 10.12.2016 11:20
@herr Ruch

Mir ging es mit meinem Kommentar um Folgendes:

Diese Anhydritsuppe wurde nun schon hundert mal von Kontext aufgekocht. Und weil die Suppe nicht auf Zimmertemperatur kommt heizt die Autorin kräftig nach indem sie suggeriert ,dass alle 60 Tunnelkilometer im Anhydrit gebaut werden. Das ist nicht besser als Journalismus von der anderen Seite des politischen Ufers.

Und man darf auch erwähnen wie gut die Baustellen laufen. Hebungen im mm-Bereich. Alles läuft gut.
Und was ist eigentlich mit dem Untergang des gesamten Mineralwasservorkommens? Und mit den verendeten Parkbäumen? Alle Katastrophen bleiben aus.

Ich warte auf die große Entschuldigung von Kontext bei den Montagsdemonstranten. "Sorry, uns ging es um die Auflage und Spenden. " Einfach mal ehrlich sein.

Die armen Leut denken nach der Kontextlektüre immer dass die Stadt untergehen wird. Und was passiert ? ...nix.

CharlotteRath, 09.12.2016 21:58
Während der so genannten Schlichtung durften die geologischen Gutachten der DB AG nur dann eingesehen werden (und auch nur in Frankfurt a. M.), wenn vorweg schriftlich das Stillschweigen über die dortigen Informationen zugesichert worden war. Bei Zuwiderhandlung drohten saftige Geldstrafen.

Daher erscheint es nicht glaubhaft, dass die DB AG erst jetzt mit den Risiken des Anhydrids bzw. den Schwächen in Professor Wittkes Gutachten konfrontiert worden sein soll.

Anstatt dass die DB AG sich endlich ehrlich macht, heißt es jetzt: Herr Pofalla, übernehmen Sie!

Horst Ruch, 08.12.2016 00:24
...an @ unseriös...."man muss aber auch die Bereitschaft mitbringen etwas über das Unbekannte lernen zu wollen".
Gut, edel und schön.
Ich denke, daß Sie hier "Peterchens" Mondfahrt mit der hier gestellten Aufgabe verwechseln.
Daß Ingenieure Tunnel (auch im Anhydrit) bauen möchten, ist schon dem Ehrgeiz verpflichtend. Sicherlich könnte man auch ein 240 km langes Tunnelsystem direkt nach München durch Fels und Anhydrit erbauen. Phantastische Brückenbauten in den Hohltäumen und Dolinen. Keine Frage, tolle technische Experimente, deren Lösung jeder Ingenieur bereit ist zu erbringen. Die Frage wäre hier nur, wie steht es mit dem Kosten/Nutzenverhältnis?
Der Auftrag S21 lautete aber trotz ungerechtfertigter Schrittweiser Kostensteigerung, einen Leistungs-und Zukunftsfähigeren Bahnknoten zu bauen, mit einer Endsumme von schlußendlich 4.5 Mia.
Um diese bereits verdoppelte Vertrags-Summe verbal einzuhalten, hatten die angelernten Bosse der Bahn AG, -die außer ihrer Selbstdarstellung- bekanntlich keinen Sachverstand in Bahntechnik und Geologie besitzen unter Mitwirkung von Prof. WW die glorreiche Idee entwickelt, die angeblich zu dicken Wandstärken der Tunnelröhren zu verringern, wohlwissend, daß die Probleme erst nach ihrem hochdotierten Abgang eintreten werden.
Mit dieser Erkenntnis braucht man beim besten Willen keine Lern-Bereitschaft für's Unbekannte mitbringen.
Ganz im Gegenteil, ein Pfui gilt den Machern dieser peinlichen Lügenindustrie made in Germany.

Ernst-Friedrich Harmsen, 07.12.2016 09:15
Wer im Verlauf der Jahre von Stuttgart nach Singen auf der Autobahn unterwegs gewesen ist, hat die Wirksamkeit des Gipskeupers an den Wellen, Hebungen der Fahrbahn und folgenden Reparaturen immer und immer wieder erlebt. Dass dieser Kraft auch im Tunnelbereich einer möglichen S21 fast nichts entgegengesetzt werden kann, weiss man, Geologen sowieso, genau wie in den Salzstöcken Gorlebens, die ebenso ungeeignet als Endlager sind, wie wir aus zahllosen geologisch-tektonischen Gutachten wissen... Dennoch versuchen unverantwortliche Politiker immer wieder, diese ollen Kamellen schmackhaft zu machen. Sollen sie doch mal ihre Vermögen und Diäten voll verantwortlich in Form einer PPP (Public Private Partnership) in die Baukuhle schmeißen und erfahren, was sie davon haben: Erfahrung, die andere bereits gemacht haben. Also: Umsteigen!

Walter Steiger, 07.12.2016 09:08
Auszüge aus einer eher ungünstigen Beurteilung von Walter Wittkes Weinheimer Firma WBI durch einen ehemaligen Mitarbeiter
[zitiert nach https://www.kununu.com/de/wbi/kommentare ]

Vorgesetztenverhalten
In dieser Firma gibt es nur eine Meinung, die des Oberhaupts. Die Angestellten sind nach gerne zur Schau gestellter Auffassung der Oberhäupter nur Hilfspersonal ohne Ahnung und am liebsten ohne Meinung. Dass alle mindestens einen Hochschulabschluss haben und fachlich bereichsweise sogar deutlich kompetenter sind, wird nur zu gerne übersehen.

Kollegenzusammenhalt
Notwendig, anders nicht zu überleben.

Interessante Aufgaben
Da die Angestellten alle doof sind, dürfen sie natürlich auch nur Aufgaben für Doofe erledigen. Diese Einstellung führt neben mangelhafter Organisation regelmäßig zu großen Terminproblemen.

Kommunikation
Entsprechend der Einstellung der Vorgesetzten findet praktisch keine Kommunikation von oben nach unten statt.

Gehalt / Sozialleistungen
Unterdurchschnittlich, vor allem wenn man die Mehrarbeit draufrechnet.

Arbeitsbedingungen
Technische Ausrüstung veraltet, an sinnvoller und notwendiger Software wird massiv gespart.

Work-Life-Balance
Forderung und Akzeptanz von von massiver Mehrarbeit. Natürlich ohne Ausgleich, schließlich muss man froh sein, für eine so wunderbare Obrigkeit arbeiten zu dürfen.

Image
Die "spezielle Art" der Obrigkeit dieser Firma ist inzwischen weitreichend bekannt. Seitens ausführender Firmen und Mitbewerbern ist diese Firma inzwischen eher eine Lachnummer.

Pro
…mal überlegen...

Contra
Einstellung der Obrigkeit gegenüber Mitarbeitern und allen anderen Menschen.

PeterPan, 07.12.2016 08:45
Liebe Kontext: NEU ist nur das Gutachten. Bzw. die Tatsache dass es nun in weiten Teilen öffentlich zu sein scheint. Die Sache mit den geologischen Risiken, insbesondere mit dem Anhydrit, ist aber alt. In der Bewegung für den Erhalt des Kopfbahnhofes und für einen sinnvollen (Bahn)verkehr gibt es schon Jahre Unterlagen dazu. Aber es muss ja immer erst etwas "seriöses" kommen. Ich frage mich allerdings schon, wieso man abhängigen Instituten und Gutachtern traut, dem eigenen Menschenverstand oder dem anderer Menschen mit einer entsprechenden Bildung bzw. Ausbildung aber nicht.

Hier ein Link zu Geologie-21.de
http://www.geologie21.de/archiv-geologie21/162.html

Hier die Dokumentation eines Fachvortrages aus dem Jahr 2013
https://www.bei-abriss-aufstand.de/2016/12/04/fluegeltv-fachvortrag-zu-risiken-durch-anhydrit/

Man konnte das alles wissen. Aber allzuviele wollten es eben nicht wissen, weil da ja ein "hanseatischer Kaufmann" in Krawatte steht (oder einer seiner Lakaien) und behauptet, man habe alles im Griff. Und der weiß ja bescheid. Der ist ja Chef. Glaubt man.

Unseriös, 07.12.2016 07:06
Will uns die Autorin erzählen, dass bei S21 60 Km durch Gipskeuper gebohrt werden?

.
"..... 15 Kilometer Tunnel im quellfähigen Gipskeuper sind ungefähr die Größenordnung, die bisher überhaupt im quellfähigen Gipskeuper gebaut wurde. Bei S 21 handelt es sich um die vierfache Länge. Das bringe "natürlich unkalkulierbare Mehrkosten mit sich".

Warum hat Kontext immer diese Irreführung nötig?

Warum kann man nicht mal einen einzigen sachlichen Artikel schreiben? Zum Beispiel über Risikomanagement an sich.
In jeder Branche gibt es ein Risikomanagement.
Wenn man den Bau einer Hundehütte einer FMEA-analyse unterzieht kommt man auch hier auf viele Risiken. Selbstverständlich im kleinen %-Bereich.

Googelt doch mal FMEA. Dann versteht ihr nach all den Jahren auch Herrn Azers Liste.

Es gibt Menschen die regen sich im Leben über alles auf was sie nicht verstehen. Die einen über Bauprojekte. Die anderen über fremde Kulturen.

In beiden Fällen hilft Bildung. Man muss aber auch die Bereitschaft mitbringen etwas über das Unbekannte lernen zu wollen.

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