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AfD: Nichts wissen, nichts machen, nichts zahlen

Schon wieder hat AfD-Fraktionschef Jörg Meuthen ein Versprechen nicht gehalten. Aber wahrscheinlich kann er nicht mehr daran erinnern, dass er am 6. März zum ersten Mal seit dem Einzug in den Landtag zu einer regulären und nicht durch Skandale, Trennungen oder Wiedervereinigungen notwendig geworden Pressekonferenz geladen hat. Um mitzuteilen, dass seine Fraktion selbstverständlich der Ankündigung nachkommt, dem Landtag die Gelder zurückzuzahlen, die die vorübergehende Fraktionsspaltung gekostet hat. Sogar ein Datum konnten Meuthen und Fraktionsvize Rainer Podeswa nennen: den 11. März 2017, jenen Tag also an dem die Frist für die Rechnungslegung der Fraktionen ohnehin abläuft. Bis dahin sollten 257.000 Euro fließen. Insgesamt war von 425.000 Euro, einmal auch von 571.000 Euro die Rede.

Eingelöst wurde die Zusicherung nicht. Meuthen und die Seinen, die schon bei unvergleichlich geringeren Anlässen Zeter und Mordio schreien angesichts des Sittenverfalls der von ihnen sogenannten Altparteien, haben nach Auskunft der Landtagsverwaltung gar nichts zurückgezahlt. Jetzt verlangt der Fraktionsgeschäftsführer der SPD, Ex-Innenminister Reinhold Gall, von der Landtagsverwaltung, eine "härtere Gangart" einzuschlagen und rechtliche Schritte einzuleiten.

Vor allem auf Facebook, dem wichtigsten Kommunikationsmittel der AfD, hatte sich die Fraktion immer wieder dafür gerühmt, alle Gelder zu erstatten. Tatsächlich war das peinliche Finanzgebaren schon in der Plenarsitzung vom 9. Februar Gegenstand der Debatte, als FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke daran erinnert, dass "die operettenhafte Fraktionsteilung" viel Geld gekostet habe und konkret fragte: "Haben Sie zurückgezahlt?" Laut Protokoll rief der AfD-Fraktionschef: "Ja, natürlich!". Inzwischen will Meuthen die Äußerung auf die schon geflossenen Gelder bezogen wissen, ohne konkret zu sagen, um welche Summen es sich handelt. Wahrscheinlich hat er es nicht (mehr) gewusst. (21.4.2017)

Mehr zum Thema: "Sein Name ist Hase"


Kakteen lassen IHK-Vollversammlung platzen

Johannes Schmalzl, früher Zentralstellenleiter im FDP-geführten Justizministerium, dann Präsident des Landesamts für Verfassungsschutz und Stuttgarter Regierungspräsident, ist am Donnerstagabend nicht wie geplant zum Hauptgeschäftsführer der IHK Stuttgart gewählt worden. Die kammerkritische Kaktus-Initiative hat die Vollversammlung platzen lassen. Zuvor fand der vorab angekündigte Antrag der IHK-Rebellen zur Änderungen der Tagesordnung allerdings keine Mehrheit. Darin war verlangt worden, Tagesordnungspunkte, die in der vorigen Vollversammlung nicht behandelt wurden, noch vor der Wahl abzuhandeln.

Nach der Abstimmungsniederlage zog ein Großteil der Initiative aus, während einer ihrer Sprecher mit Erfolg die Feststellung der Beschlussunfähigkeit der Versammlung forderte. Damit war die Vollversammlung beendet. Jetzt soll es zu einer Sondersitzung kommen, um Schmalzl vor der nächsten turnusmäßigen Sitzung im Juli zu wählen. Am Vorgehen der Kakteen gibt es Kritik – auch in den eigenen Reihen. Mehrere Mitglieder hatten die Versammlung mit ausdrücklichem Hinweis auf die demokratische Niederlage in der Abstimmung über die Tagesordnung nicht verlassen. Jetzt sollen interne Beratungen stattfinden.

Jürgen Klaffke, einer der führenden Kakteen, hatte im Vorfeld der Vollversammlung für die Verschiebung der Wahl plädiert. Sein Argument: Es könne nicht sein, "dass eine Findungskommission nach monatelanger Suche einen einzigen Kandidaten präsentiert". Da der Vertrag mit dem amtierenden Hauptgeschäftsführer Andreas Richter erst Anfang des nächsten Jahres ausläuft, sei genügend Zeit, das Verfahren für eine Kandidatensuche nochmals aufzurollen. Die Kaktus-Initiative, die unter anderem für die Abschaffung der Zwangsmitgliedschaft eintritt, hält ein Drittel der hundert Sitze. (20.4.2017)

Mehr zum Thema: "Das ganze Klavier bespielen", "Rebellen im Weinberghäusle"


Besonders viele Evet-Sager in Stuttgart

Nur in Dortmund, Essen und Düsseldorf haben mehr Deutschtürken für Recep Tayyip Erdogans Präsidialsystem gestimmt als in Stuttgart. Mit 66,22 Prozent liegt die Landeshauptstadt nach den Zahlen der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu auch über dem Deutschland-Schnitt von 63,2 Prozent. Das Ergebnis der Bundesrepublik ist international von besonderer Bedeutung, weil mit rund 1,4 Millionen Menschen nirgends mehr Auslandstürken wahlberechtigt waren. Auffallend ist das Abstimmungsverhalten in Berlin, mit 50 Prozent Nein-Sagern, in der Schweiz mit 70 Prozent und in den USA mit sogar einer 90prozentigen Ablehnung der Verfassungsreform. In den Vereinigten Staaten hat allerdings weniger als ein Prozent der Bevölkerung einen türkischen Pass.

Dass sich aus dem Anteil an türkischstämmiger Bevölkerung allein kein Zusammenhang zum Abstimmungsverhalten ablesen lässt, zeigen nicht nur Berlin und Stuttgart, sondern EU-weit auch Belgien und Österreich. In beiden Ländern gibt es mehr als 70-Prozent Evet-Sager. In Belgien haben rund zwei Prozent der Menschen türkische Wurzeln, in Österreich aber mehr als fünf Prozent. Im deutschen Zustimmungsranking deutlich hinter Stuttgart rangieren unter anderem Karlsruhe mit 61 Prozent, Hamburg mit 57 und Nürnberg mit 55 Prozent. Nach den Zahlen von Anadolu hat die Hälfte der Deutschtürken ihr Wahlrecht auch tatsächlich ausgeübt.


Kakteen wollen neue IHK-Findungskommission

Die IHK-Kritiker von Kaktus fordern, die Wahl des neuen Hauptgeschäftsführers zu verschieben. "Es kann doch nicht sein, dass eine Findungskommission nach monatelanger Suche einen einzigen Kandidaten präsentiert", so Jürgen Klaffke von der Kaktus-Initiative. Ende vergangener Woche war bekannt geworden, dass der frühere Stuttgarter Regierungspräsident Johannes Schmalzl der Vollversammlung am 20. April als einziger Kandidat präsentiert werden soll. Die IHK-Rebellen wollen nicht nur abnicken, sondern eine wirkliche Wahl zwischen mindestens drei Kandidaten. Sie fordern daher eine gewählte Findungskommission aus aktuellen Vertretern der Vollversammlung und ein faires, transparentes Auswahlverfahren. Da der Vertrag mit dem aktuellen Hauptgeschäftsführer Andreas Richter erst Anfang des nächsten Jahres ausläuft, sei genügend Zeit, das Verfahren für eine Kandidatensuche nochmals aufzurollen. (11.4.2017)


Buchvorstellung mit Kontext-Autor: in_visible limits

Grenzen sind allgegenwärtig, ob sicht- oder unsichtbare: Menschen pflegen ihre Barrieren im Kopf, sortieren die Welt in Gut und Böse. Zuletzt haben leider auch die ganz materiellen Grenzzäune durch die sogenannte "Flüchtlingskrise" wieder eine Renaissance in Europa erlebt, von Trumps Mauer ganz zu schweigen. Das Thema reflektiert momentan der Kunstverein Kontur, in seinem Projekt "in_visible limits" zeigt er Werke von vier Schweizer und vier deutschen Kunstschaffenden, aktuell im Kunst(Zeug)Haus Rapperswil. Aus dem Projekt heraus entstand eine Buchveröffentlichung, verschiedene Autoren sollten das Thema "Grenzen" aus ihrer Sicht beleuchten. Kontext-Mitarbeiter Dietrich Heißenbüttel ist einer von ihnen, er befasst sich mit der "Macht der Grenzen" aus historisch-politischer Sicht. Am Sonntag, den 9. April, wird das Buch um 17 Uhr im Theaterhaus in Stuttgart-Feuerbach vorgestellt, Heißenbüttel ist dabei. Der Eintritt ist frei. (08.04.2017)


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Geht auf wie Gipskeuper: Hefezopf. Foto: Pixabay

Geht auf wie Gipskeuper: Hefezopf. Foto: Pixabay

Ausgabe 297
Debatte

Puste- und Hefekuchen

Von Johanna Henkel-Waidhofer
Datum: 07.12.2016
Da hat einer die Backen ganz schön aufgeblasen. Der "weltweit renommierte Tunnelbauexperte Professor Walter Wittke" (PR-Text der Bahn) versprach während der S-21-Schlichtung viel. Nicht nur Schwierigkeiten wollte er aufzeigen, sondern auch Lösungen. Fünf Jahre später kann nur noch die Heilige Barbara helfen. Ein Kommentar.

Am 4. Dezember ruht im Tunnel traditionell die Arbeit. Dann wird einer Heiligen gedacht, die nach der Legende vom eigenen Vater gemartert und geköpft wurde, weil sie sich weigerte, dem christlichen Glauben abzuschwören. Seit dem 12. Jahrhundert wird Barbaratag gefeiert, die Märtyrerin als Heilige verehrt und als Nothelferin angerufen.

So eine können die Stuttgart-21-Befürworter gut gebrauchen. Denn das neue Gutachten zu den Tunnelrisiken bringt das Projekt an den Rand der Machbarkeit. Weniger der Neuigkeiten wegen, sondern vor allem des Umgangs der DB damit. "Rund zehn Seiten des Gesamttextes widmen sich dem Aspekt Anhydrit", erläutert Kontext-Autor Winfried Wolf. Und weiter: "Ausdrücklich schreiben KPMG und Basler, dass das Risiko, das mit dem Untergrund verbunden sei, seitens der DB AG deutlich 'unterbewertet' worden sei."

Unterbewertet – dafür gibt es diverse Synonyme. Etwa bagatellisiert, verharmlost, verkannt. Es geht aber um mehr, nämlich um schiere Realitätsverweigerung und -leugnung. So intensiv wie kaum ein anderes Problem war das Thema Anhydrit im Zusammenhang mit diesem dubiosen Bahnprojekt analysiert worden. Zu Zeiten eines gewissen Stefan Mappus wurde Wittke einmal sogar ins Staatsministerium gerufen, um eine vergleichsweise aufgebrachte Journalistenschar mit allerlei Tunnelbau-Kauderwelsch ruhig zu stellen. Ohne Erfolg.

Hilft wenig bei Anhydrit: Heilige Barbara. Foto: Joachim E. Röttgers
Hilft wenig bei Anhydrit: Heilige Barbara. Foto: Joachim E. Röttgers

Einen Auftritt vor dem legendären TV-Millionenpublikum bei der Schlichtung hatte der Professor ebenfalls. Er sprach von Wassereintritt und Gipskeuper – "das muss man sich vorstellen wie bei einem Hefekuchen, der quillt" –, von der gewählten Baumethode "mit Gürtel und Hosenträger", von aufwändigen Erkundungen in Stuttgart, bei denen alle hundert Meter gebohrt wird. "Beim Feuerbachtunnel ist es besonders kompliziert", so Wittke damals, "denn in diesem Bereich weiß man nicht, wenn die Bohrungen hundert Meter voneinander gemacht wurden, ob man hier noch Anhydritbereiche hat." Aus den Reihen der Projektgegner sind unfreundliche Zwischenrufe protokolliert, darunter "Geisterfahrer". Hießen die Einlassungen übersetzt doch nichts anderes als: Eigentlich hätte mehr gebohrt und untersucht werden müssen, weil unklar ist, ob alle problematischen Bereiche wirklich erwischt worden sind.

Dass nicht sein durfte und bis heute nicht sein darf, was nicht sein kann, belegt die damalige Rede des Geologen Jakob Sierig. Der ist allen MontagsdemonstrantInnen bestens bekannt und einer jener Experten, der den Protest unermüdlich wieder mit belastbaren Fakten versorgt. Unaufgeregt und sachlich las er Wittke und mit ihm der Bahn die Leviten. Sierig kam zu dem Fazit, dass – gemessen an seiner Geschichte – "sich der Tunnelbau im quellenden Gipskeuper noch im Pionierstadium befindet". Auch die Stuttgart-21-Tunnel würden mit Sicherheit Prototypen sein. Und dann dieser Satz: "Ich persönlich erwarte häufig reparaturbedingte Tunnelsperrungen." 15 Kilometer Tunnel im quellfähigen Gipskeuper sind ungefähr die Größenordnung, die bisher überhaupt im quellfähigen Gipskeuper gebaut wurde. Das bringe "natürlich unkalkulierbare Mehrkosten mit sich".

Niemand zog rechtzeitig die Reißleine

Die damalige CDU-Verkehrsministerin Tanja Gönner, die Vertreter der Stadt Stuttgart und der Region, Volker Kefer für die Bahn – niemand zog die Reißleine. Selbst der Schlichter Heiner Geißler nicht. Dabei begleiten die Bedenken, die Sierig damals ausführte, das Projekt von Anfang an. Deshalb fassen die 167 Seiten Gutachten von KPMG/Basler über weite Strecken vor allem Altbekanntes zusammen. Der Druck unter den Befürwortern, im Vorstand der Bahn und im Aufsichtsrat, muss also beträchtlich sein, wenn nicht einmal solche längst bekannten Erkenntnisse öffentlicher Debatte zugänglich gemacht werden.

Auch die aktuelle Reaktion spricht Bände. "Professor Walter Wittke", heißt es in einer DB-Pressemitteilung, "schließt infolge des von ihm entwickelten Bauverfahrens auch künftig gravierende Schäden aus." Erkenntnisse, die er aus der Begutachtung des Engelbergbasistunnels gewonnen habe, seien bei Stuttgart 21 schon eingeflossen. "Wir sind absolut sicher, dass in den Stuttgart-21-Tunneln kein etwa dem Engelbergbasistunnel vergleichbarer Sanierungsbedarf eintreten wird", sagt Wittke selbst. Was ja leicht zu beweisen wäre, auch ohne die Heilige Barbara anzurufen.

Ein zweiter und von allen Projektpartnern gemeinsam benannter Tunnelbauer müsste einfach mal Wittkes Pläne und Methoden unter die Lupe nehmen. Bisher zählt die DB über all die Jahre und entgegen vieler Ratschläge ganz allein auf ihn. Denn Barbara oder einer der anderen 13, als Heilige verehrten Nothelfer, können im Fall des Falles nicht helfen. Die christliche Legende verlangt, in Demut und Wahrhaftigkeit heranzutreten mit der Bitte um Beistand. Pustekuchen. Damit kann die Bahn nicht dienen.


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Kommentare

Ignaz Wrobel, 10.12.2016 19:23
@unseriös

Wo (Nick)-Name zum Programm wird, darf in Paul Peterscher Tradition auch mal der Zeitstrahl außer acht gelassen werden.Daß reactio der actio folgt, darf eigentlich vorausgesetzt werden. Alles nur eine Frage der Zeit,wann Murphys law eintritt. Aber mit jedem Meter durch die 15 km Anhydritstrecke eben auch wahrscheinlicher.Die seit der sog. Schlichtung beständig im Zunehmen begriffene Gesamtlänge derselben scheint Ihnen ja auch kein Problem zu machen.

Seit dem spurlosen Verschwinden von " Ostermann " sinkt das Niveau der unkritischen Jubler und es werden Uralt-"Argumente " aus FH-Ingeniösen-Sprech aufgekocht in den Foren.

Offiziell kommt die nicht durch fachlich-kritische Auseinandersetzung , sondern durch das in Stuttgarter Verkehrswissenschaftlerkreisen beliebte Selbst-Begutachten durch den Autor vermittels reiner Sprechblasen in Gestalt des emerit. Prof. der Felsmechanik RWTH Aachen zur Anwendung. Wo keine trockenen Tücher sind, müssen scheints Augenklappen für die "t(r)umpe " Masse her gemäß des neuen ( Un) wortes " postfaktisch ". Unwort deshalb, weil es voraussetzt, daß da irgendwann mal offen kommunizizerte, wahre Fakten gewesen wären .
Antefaktisch-subjektiv( "Neues Herz Europas,..Magistrale Paris-Bratislawa,..4,526 MRD € oder 1,5 MRd € für Nichts,..Leistungssteigerung um 100%,..50%,..30%..) heißt die Devise.
Die Krönung( Sic ! ) ist auch schon in Aussicht : Der Bock wird zum Gärtner gemacht. Der zumindest fachlich versierte Infrastrukrurvostand der DB AG , Dr. Ing. Volker Kefer, wird durch einen strippenziehenden Sozialpädagogen und Winkeladvokaten ersetzt, auf das Jenes ,was nicht sein kann, weil es nicht sein darf, auch noch für beendet erklärt (pofallert ) werden soll. O tempora, o mores !

Unseriös, 10.12.2016 11:20
@herr Ruch

Mir ging es mit meinem Kommentar um Folgendes:

Diese Anhydritsuppe wurde nun schon hundert mal von Kontext aufgekocht. Und weil die Suppe nicht auf Zimmertemperatur kommt heizt die Autorin kräftig nach indem sie suggeriert ,dass alle 60 Tunnelkilometer im Anhydrit gebaut werden. Das ist nicht besser als Journalismus von der anderen Seite des politischen Ufers.

Und man darf auch erwähnen wie gut die Baustellen laufen. Hebungen im mm-Bereich. Alles läuft gut.
Und was ist eigentlich mit dem Untergang des gesamten Mineralwasservorkommens? Und mit den verendeten Parkbäumen? Alle Katastrophen bleiben aus.

Ich warte auf die große Entschuldigung von Kontext bei den Montagsdemonstranten. "Sorry, uns ging es um die Auflage und Spenden. " Einfach mal ehrlich sein.

Die armen Leut denken nach der Kontextlektüre immer dass die Stadt untergehen wird. Und was passiert ? ...nix.

CharlotteRath, 09.12.2016 21:58
Während der so genannten Schlichtung durften die geologischen Gutachten der DB AG nur dann eingesehen werden (und auch nur in Frankfurt a. M.), wenn vorweg schriftlich das Stillschweigen über die dortigen Informationen zugesichert worden war. Bei Zuwiderhandlung drohten saftige Geldstrafen.

Daher erscheint es nicht glaubhaft, dass die DB AG erst jetzt mit den Risiken des Anhydrids bzw. den Schwächen in Professor Wittkes Gutachten konfrontiert worden sein soll.

Anstatt dass die DB AG sich endlich ehrlich macht, heißt es jetzt: Herr Pofalla, übernehmen Sie!

Horst Ruch, 08.12.2016 00:24
...an @ unseriös...."man muss aber auch die Bereitschaft mitbringen etwas über das Unbekannte lernen zu wollen".
Gut, edel und schön.
Ich denke, daß Sie hier "Peterchens" Mondfahrt mit der hier gestellten Aufgabe verwechseln.
Daß Ingenieure Tunnel (auch im Anhydrit) bauen möchten, ist schon dem Ehrgeiz verpflichtend. Sicherlich könnte man auch ein 240 km langes Tunnelsystem direkt nach München durch Fels und Anhydrit erbauen. Phantastische Brückenbauten in den Hohltäumen und Dolinen. Keine Frage, tolle technische Experimente, deren Lösung jeder Ingenieur bereit ist zu erbringen. Die Frage wäre hier nur, wie steht es mit dem Kosten/Nutzenverhältnis?
Der Auftrag S21 lautete aber trotz ungerechtfertigter Schrittweiser Kostensteigerung, einen Leistungs-und Zukunftsfähigeren Bahnknoten zu bauen, mit einer Endsumme von schlußendlich 4.5 Mia.
Um diese bereits verdoppelte Vertrags-Summe verbal einzuhalten, hatten die angelernten Bosse der Bahn AG, -die außer ihrer Selbstdarstellung- bekanntlich keinen Sachverstand in Bahntechnik und Geologie besitzen unter Mitwirkung von Prof. WW die glorreiche Idee entwickelt, die angeblich zu dicken Wandstärken der Tunnelröhren zu verringern, wohlwissend, daß die Probleme erst nach ihrem hochdotierten Abgang eintreten werden.
Mit dieser Erkenntnis braucht man beim besten Willen keine Lern-Bereitschaft für's Unbekannte mitbringen.
Ganz im Gegenteil, ein Pfui gilt den Machern dieser peinlichen Lügenindustrie made in Germany.

Ernst-Friedrich Harmsen, 07.12.2016 09:15
Wer im Verlauf der Jahre von Stuttgart nach Singen auf der Autobahn unterwegs gewesen ist, hat die Wirksamkeit des Gipskeupers an den Wellen, Hebungen der Fahrbahn und folgenden Reparaturen immer und immer wieder erlebt. Dass dieser Kraft auch im Tunnelbereich einer möglichen S21 fast nichts entgegengesetzt werden kann, weiss man, Geologen sowieso, genau wie in den Salzstöcken Gorlebens, die ebenso ungeeignet als Endlager sind, wie wir aus zahllosen geologisch-tektonischen Gutachten wissen... Dennoch versuchen unverantwortliche Politiker immer wieder, diese ollen Kamellen schmackhaft zu machen. Sollen sie doch mal ihre Vermögen und Diäten voll verantwortlich in Form einer PPP (Public Private Partnership) in die Baukuhle schmeißen und erfahren, was sie davon haben: Erfahrung, die andere bereits gemacht haben. Also: Umsteigen!

Walter Steiger, 07.12.2016 09:08
Auszüge aus einer eher ungünstigen Beurteilung von Walter Wittkes Weinheimer Firma WBI durch einen ehemaligen Mitarbeiter
[zitiert nach https://www.kununu.com/de/wbi/kommentare ]

Vorgesetztenverhalten
In dieser Firma gibt es nur eine Meinung, die des Oberhaupts. Die Angestellten sind nach gerne zur Schau gestellter Auffassung der Oberhäupter nur Hilfspersonal ohne Ahnung und am liebsten ohne Meinung. Dass alle mindestens einen Hochschulabschluss haben und fachlich bereichsweise sogar deutlich kompetenter sind, wird nur zu gerne übersehen.

Kollegenzusammenhalt
Notwendig, anders nicht zu überleben.

Interessante Aufgaben
Da die Angestellten alle doof sind, dürfen sie natürlich auch nur Aufgaben für Doofe erledigen. Diese Einstellung führt neben mangelhafter Organisation regelmäßig zu großen Terminproblemen.

Kommunikation
Entsprechend der Einstellung der Vorgesetzten findet praktisch keine Kommunikation von oben nach unten statt.

Gehalt / Sozialleistungen
Unterdurchschnittlich, vor allem wenn man die Mehrarbeit draufrechnet.

Arbeitsbedingungen
Technische Ausrüstung veraltet, an sinnvoller und notwendiger Software wird massiv gespart.

Work-Life-Balance
Forderung und Akzeptanz von von massiver Mehrarbeit. Natürlich ohne Ausgleich, schließlich muss man froh sein, für eine so wunderbare Obrigkeit arbeiten zu dürfen.

Image
Die "spezielle Art" der Obrigkeit dieser Firma ist inzwischen weitreichend bekannt. Seitens ausführender Firmen und Mitbewerbern ist diese Firma inzwischen eher eine Lachnummer.

Pro
…mal überlegen...

Contra
Einstellung der Obrigkeit gegenüber Mitarbeitern und allen anderen Menschen.

PeterPan, 07.12.2016 08:45
Liebe Kontext: NEU ist nur das Gutachten. Bzw. die Tatsache dass es nun in weiten Teilen öffentlich zu sein scheint. Die Sache mit den geologischen Risiken, insbesondere mit dem Anhydrit, ist aber alt. In der Bewegung für den Erhalt des Kopfbahnhofes und für einen sinnvollen (Bahn)verkehr gibt es schon Jahre Unterlagen dazu. Aber es muss ja immer erst etwas "seriöses" kommen. Ich frage mich allerdings schon, wieso man abhängigen Instituten und Gutachtern traut, dem eigenen Menschenverstand oder dem anderer Menschen mit einer entsprechenden Bildung bzw. Ausbildung aber nicht.

Hier ein Link zu Geologie-21.de
http://www.geologie21.de/archiv-geologie21/162.html

Hier die Dokumentation eines Fachvortrages aus dem Jahr 2013
https://www.bei-abriss-aufstand.de/2016/12/04/fluegeltv-fachvortrag-zu-risiken-durch-anhydrit/

Man konnte das alles wissen. Aber allzuviele wollten es eben nicht wissen, weil da ja ein "hanseatischer Kaufmann" in Krawatte steht (oder einer seiner Lakaien) und behauptet, man habe alles im Griff. Und der weiß ja bescheid. Der ist ja Chef. Glaubt man.

Unseriös, 07.12.2016 07:06
Will uns die Autorin erzählen, dass bei S21 60 Km durch Gipskeuper gebohrt werden?

.
"..... 15 Kilometer Tunnel im quellfähigen Gipskeuper sind ungefähr die Größenordnung, die bisher überhaupt im quellfähigen Gipskeuper gebaut wurde. Bei S 21 handelt es sich um die vierfache Länge. Das bringe "natürlich unkalkulierbare Mehrkosten mit sich".

Warum hat Kontext immer diese Irreführung nötig?

Warum kann man nicht mal einen einzigen sachlichen Artikel schreiben? Zum Beispiel über Risikomanagement an sich.
In jeder Branche gibt es ein Risikomanagement.
Wenn man den Bau einer Hundehütte einer FMEA-analyse unterzieht kommt man auch hier auf viele Risiken. Selbstverständlich im kleinen %-Bereich.

Googelt doch mal FMEA. Dann versteht ihr nach all den Jahren auch Herrn Azers Liste.

Es gibt Menschen die regen sich im Leben über alles auf was sie nicht verstehen. Die einen über Bauprojekte. Die anderen über fremde Kulturen.

In beiden Fällen hilft Bildung. Man muss aber auch die Bereitschaft mitbringen etwas über das Unbekannte lernen zu wollen.

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