KONTEXT Extra:
Korntal: Opfervertreter verlangen mehr Engagement der Landeskirche

Die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in der evangelischen Brüdergemeinde Korntal ist unterbrochen. Die Opfervertreter verlangen einstimmig, dass sich Frank Otfried July endlich entscheidend einbringt. "Wir werden nicht mehr mit den Brüdern sprechen", so Netzwerk-Sprecher Detlev Zander. Jetzt müsse "der Oberhirte, also der Bischof, ran". Im Betroffenen-Netzwerk organisiert, werfen mehr als 300 ehemalige Heimkinder der Brüdergemeinde vor, in den 1950er- bis 1980er-Jahren in deren zwei Einrichtungen sexuell missbraucht, misshandelt und gedemütigt worden zu sein.

Dass mehr Engagement von July gefordert wird, ist nicht neu. Im Sommer 2016 hatte einer der Betroffenen in einem langen Schreiben an den Landesbischof appelliert: "Die Kir¬che ist mit in der Verantwortung und wenn Sie als Oberhirte weiter schweigen, machen Sie sich persönlich schuldig. Die Heimopfer warten auf ein klärendes Wort von Ihnen." Denn die Korntaler Fürsorge habe "einen menschlichen Scherbenhaufen hinterlassen". (20.02.2017)


NSU-Ausschuss will weitere Akten

Der zweite parlamentarische Untersuchungsausschuss zum "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) geht auf die Suche nach zusätzlichen Akten, um dessen Verbindungen nach Baden-Württemberg besser auszuleuchten. Die Abgeordneten meinen, beim Generalbundesanwalt und/oder im Bundesamt für Verfassungsschutz fündig werden zu können. Beauftragt ist Bernd von Heintschel-Heinegg. Der Rechtswissenschaftler war schon für den ersten Ausschuss des Landtags und als Sonderermittler auch für den Bundestag tätig.

Zurückgestellt wurde in diesem Zusammenhang die Ladung von Mike Markus Friedel. Vor allem der NSU-Experte Hajo Funke hatte immer wieder darauf gedrängt, dass der gebürtige Sachse gehört wird. Dessen Name stand auf der sogenannten Garagenliste, die 1998 in Jena sichergestellt, aber erst mit großer zeitlicher Verzögerung detailliert ausgewertet wurde. Vor fast zwanzig Jahren zog er nach Heilbronn. "Markus Friedel war mit 'Erbse' (V-Mann), Torsten Ogertschnig, zusammen im Ländle im Gefängnis", schreibt Funke. Und von Friedel habe "Erbse" seine Kenntnisse über den NSU und Mundlos.

Bei einer Veranstaltung der "Anstifter" im Stuttgarter Kunstverein hat Rainer Nübel, der im ersten Ausschuss als Sachverständiger aufgetreten war, erneut von den Abgeordneten verlangt, sich ernsthafter mit der Anwesenheit ausländischer Geheimdienste am 25. April 2007 in Heilbronn zu befassen. An diesem Tag waren die Polizistin Michèle Kiesewetter ermordet und ihr Kollege Martin Arnold schwer verletzt worden. Der zweite Ausschuss hat bereits mehrere Zeugen vernommen. Jetzt ist ein Bericht beim Bundesnachrichtendienst angefordert.

Die nächste Ausschusssitzung beginnt am Freitag, den 24. Februar, um 9.30 Uhr im Landtag. Zwei Kriminalbeamtinnen sollen Auskünfte über die rechte Szene geben und die Verbindungen des NSU in den Südwesten. Geladen sind außerdem drei Zeuginnen, die Kontakt zu Beate Zschäpe gehabt haben sollen.

Auch die weiteren Sitzungstermine bis zur parlamentarischen Sommerpause sind festgelegt: 20. März, 28. April, 15. Mai, 19. Juni und der 17. Juli 2017.

Mehr zum Thema: "Geheimdienste im Fokus", "Eh-wurscht-Akten" 


WKZ liest mit

Anfang Januar hatte der Waiblinger Lokalhistoriker und Anstifter Ebbe Koegel sich darüber beschwert, dass das Land dem Firmengründer Andreas Stihl eine Kunstmedaille gewidmet hat. "Andreas Stihl war ein überzeugter Nazi, NSDAP-Mitglied seit 1933, seit 1935 SS-Mitglied mit dem Rang eines Hauptsturmführers (seit 1939)", schrieb er an Finanzministerin Edith Sitzmann. Die Waiblinger Kreiszeitung (WKZ) schwieg dazu - bis Kontext den Fall am 25. Januar aufgriff. Nun erschien am 11. Februar ein zweiseitiges Extra mit ausdrücklichem Bezug auf den Kontext-Artikel. Der Redakteur Peter Schwarz zitiert darin aus der 100-seitigen Entnazifizierungsakte. Die beiden Kinder Stihls, der langjährige IHK-Präsident Hans Peter Stihl und seine Schwester Eva Mayr-Stihl wurden befragt. Die Recherche ergibt, wie die WKZ selbst schreibt, ein "außerordentlich schillerndes Bild."

Der Redakteur zitiert mehrere Fremdarbeiter - den Begriff Zwangsarbeiter meidet er - die sich im Verfahren positiv über Stihl geäußert haben. Ein Slowake berichtet, Stihl habe einem Freund geholfen zu fliehen, der sich den Partisanen anschließen wollte. Ein Jugoslawe meinte, der Patriarch habe sich "mit großer Empörung geäußert über die Gemeinheit und den Terror des dritten Reiches", ein Holländer, er habe "gelitten, als er sehen musste, wie schmutzig dieses System war, und konnte doch nicht mehr von demselben weg." Der Betriebsrat sagte dagegen aus, Stihl sei "100 Prozent Nationalsozialist" gewesen, habe "mehrere seiner Lehrlinge zum Eintritt in die SS" bewogen und Regimekritiker als "Eiterbeulen" bezeichnet, denen er "in die Fresse" schlagen wolle. (16.2.2017)


Wüstenjubiläum: Fünf Jahre Parkräumung

Vor genau fünf Jahren, am 14. Februar 2012, räumten rund 2500 Polizeibeamte das Protestcamp der Stuttgart-21-Gegner im Mittleren Schlossgarten. Drei Tage später waren rund 180 teils bis zu 300 Jahre alte Bäume gefällt oder (ein kleiner Teil der jüngeren) verpflanzt, und einer der ehemals schönsten innerstädtischen Parks Deutschlands hatte sich in eine Schlammwüste verwandelt.

Zum fünften Jahrestag der Parkräumung wollen die Parkschützer am heutigen Dienstag daran erinnern, mit einer Versammlung und Kundgebung an der Lusthausruine im Mittleren Schlossgarten um 17 Uhr. Es soll Reden, Musik und Gedichte geben, anschließend einen Demozug durch die Königstraße.

Kontext hat damals mit einer Reportage von der Parkräumung berichtet – und danach immer wieder von der erstaunlich langen Untätigkeit oder auch von Baufortschritt vorgaukelnden Alibi-Arbeiten. (14.2.2017)


Jörg Meuthen weiter an Björn Höckes Seite

Im vergangenen Sommer hatte der AfD-Rechtsaußen Björn Höcke seinen Bundesparteichef als "meinen verehrten Freund" begrüßt. Und Jörg Meuthen rückte sich selbst, auf dem Kyffhäuser-Treffen, zu dem ihn die Ultras geladen hatte, in die Nähe der besonders weit rechts stehenden parteiinternen Gruppierung "Der Flügel": Er wolle gar nicht als liberaler Kopf der Partei bezeichnet werden, sondern er stehe für "ein gemeinsames Wertefundament". Da hatte Höcke gerade alle anderen Parteien in Deutschland für "inhaltlich entartet" erklärt. Der Schulterschluss hält auch aktuell: Meuthen stellt sich gegen den Rausschmiss, den – wie am Montag bekannt wurde – der Bundesvorstand gegen den Thüringer Landes- und Fraktionschef anstrengt.

Nicht zum ersten Mal. Denn Höcke sollte 2015 schon einmal mit einem Verfahren überzogen werden. Da ging es ebenfalls um eine rassistische Rede, um Aussagen wie, man könne "nicht jedes einzelne NPD-Mitglied als extremistisch einstufen" und um den Vorwurf, Höcke schreibe unter Pseudonym für NPD-Publikationen. Meuthen äußerte sich reichlich schwammig, nahm für sich in Anspruch "als erster aus dem Bundesvorstand scharf reagiert zu haben". Zugleich erklärte er allerdings, dass Höckes "Äußerungen ohne weiteres als rassistisch interpretiert werden können – wobei man darüber diskutieren kann, ob sie es tatsächlich sind". Hans-Olaf Henkel, damals noch AfD-Mitglied, konterte unmissverständlich: "Herr Meuthen ist für mich ein klassischer Schattenboxer." Nach außen tue er immer wieder so, als würde er sich gegen den rechtsnationalen Flügel stellen, nach innen agiere er völlig anders. (13.2.2017)


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Ausgabe 301
Wirtschaft

Werbung gegen Rechts

Von Anna Hunger
Datum: 04.01.2017
Kommerzielle Werbung ist oft lästig. Sie lügt, macht arm, wäscht Diesel sauber und treibt Mädchen in die Magersucht. Aber Werbung bezieht manchmal auch deutlich Position. Wie sehr das einschlagen kann, hat vor Weihnachten die Diskussion um #KeinGeldFürRechts gezeigt.

Eine Beobachtung vorab: Wer als JournalistIn kritisch über rechte Bewegungen berichtet, der weiß, dass die Zeitspanne zwischen Veröffentlichung und Shitstorm aus der rechtskonservativen Ecke eine denkbar kurze ist. Das war schon immer so, ist heute allerdings noch um ein Vielfaches potenziert durch Mails, die keine zwei Tage brauchen wie ein Leserbrief, und durch gut organisierte Netzwerke, die es schaffen, Kommentarspalten in Sekundenschnelle zu okkupieren.

Kurz vor Weihnachten hat es auch die Werbebranche erwischt. Als Gerald Hensel, ehemaliger Mitarbeiter der Werbeagentur Scholz & Friends mit der Aktion #KeinGeldFürRechts Unternehmen dafür sensibilisieren wollte, auf welchen Internetseiten für ihre Produkte geworben wird, welche teils kruden Organisationen sie mit ihren Geldern unterstützen, brach der Sturm los. Hensel sagte, er wolle "die Neurechte so unsexy machen wie Rauchen". Der Ex-Linke neurechte Henryk M. Broder sah seinen Blog "Die Achse des Guten" einem Werbeboykott ausgesetzt und natürlich: einen Angriff auf die Meinungsfreihei.

Mit scharfen Bonbons gegen Rassismus: Facebook-Post von Scholz & Friends. Screenshot
Mit scharfen Bonbons gegen Rassismus: Facebook-Post von Scholz & Friends. Screenshot

Broder keilte in typisch herber Wortwahl zurück, seine Fans und mit ihm eine ganze Mannschaft aus Lesern der Rechtsaußen-Ecke überzogen Hensel, die Werbeagentur und deren Kunden mit Bösartigkeiten. "Wir bekamen Drohanrufe in der Agentur", schreibt Scholz & Friends-Geschäftsführer Stefan Wegner in einem Statement dazu, "unsere Kunden erhielten massenhafte Mails mit Boykottdrohungen in Bezug auf ihre Produkte sowie der Aufforderung, das Vertragsverhältnis mit Scholz & Friends zu kündigen. Gerald bekam Morddrohungen." Hensel selbst sagte in Interviews mit "taz" und "Stern.de", er sei mittlerweile aus der Öffentlichkeit und aus Berlin geflüchtet. Zudem kündigte er sein Vertragsverhältnis bei der Agentur, um seinen Arbeitgeber aus der Schusslinie zu nehmen, sagt Hensel. 

In der Werbebranche rumorte es, die Großen meldeten sich zu Wort. Etwa der Gesamtverband der Kommunikationsagenturen (GWA) in Gestalt von Präsident Wolf-Ingomar Faecks: "Wir verurteilen schärfstens, dass eine Agentur für eine Aktion in Sippenhaft genommen wird, die von einem ihrer Mitarbeiter privat und somit losgelöst von der Agentur initiiert wurde." Oder die Gesellschaft Public Relations Agenturen (GPRA): "Im Zuge der Auseinandersetzung mit der persönlichen Initiative eines früheren Mitarbeiters ist die Agentur Scholz & Friends zur Projektionsfläche einer Kampagne geworden, die emotional und nicht mehr Fakten-basiert ausgerichtet ist." Scholz & Friends selbst distanzierte sich von der Aktion, wenn auch nicht von ihrem Mitarbeiter, der Fall wurde von Werbefachblättern über Tageszeitungen bis zu "Cicero" berichtet und debattiert. Und er zeigt einmal mehr exemplarisch, wie perfide solche Shit-Stürme sind und welche Kraft sie entwickeln können. Aber vor lauter Herumlaviererei zwischen Meinungsfreiheit und einem Irgendwie-Verständnis für Broder und Co. gab es kaum jemanden, egal ob Werber oder Journalist, der sich ohne großes "Aber" hinter Gerald Hensels Aktion gestellt hätte.

Alf Frommer, Kreativdirektor der Agentur Ressourcenmangel in Berlin, die auch in Stuttgart einen Standort hat, war einer der wenigen, wenn nicht der einzige: "Der politische Werber lebt", schreibt er auf seinem Blog. "Es braucht sogar mehr davon! Intelligente, tolerante, kreative und vor allem weltoffene Menschen, die nicht einfach schweigen, wenn um sie herum gerade versucht wird, gesellschaftliche Errungenschaften wie Gleichberechtigung, Inklusion oder Toleranz gegenüber sexueller Orientierung wieder zurückzudrehen." Das ist ein Statement.

Die Macht der Werbung nutzen

Der wohl bekannteste Werber, der kommerzielle Werbung politisch nutzte, ist Oliviero Toscani, der für Benetton in den Neunzigern die Skandal-Kampagne fotografierte. Er wurde dafür kritisiert, dass er Krankheit, Krieg und Menschenrechtsverletzungen zum Verkauf von bunten Pullovern nutze. Er selbst sah das anders: "Ich nutze die Möglichkeiten, die Wirkungskraft einer unausgeschöpften und verachteten Kunst, nämlich der Werbung", sagte er einmal in einem Interview.

Ein Prosit der Weltoffenheit: Oettinger-Bier. Screenshot
Ein Prosit der Weltoffenheit: Oettinger-Bier. Screenshot

Sich genau diese Macht heute verstärkt nutzbar zu machen, im Sinne der Weltoffenheit in einem gespaltenen und zerstrittenen Deutschland, fordert Frommer von seinen KollegInnen ein. "Der ewig lange politische Kommentar im Feuilleton", sagt er am Telefon, der in fünf verschwurbelten Kurven in geschliffener Argumentation erkläre, warum Toleranz wichtig ist, sei gut und richtig. "Aber das kapiert doch kaum ein normaler Mensch. Botschaften müssen einfach sein". Und wer scheint da prädestinierter als Werber, deren Handwerk es ist, in Kürze Herz und Hirn zu berühren?

Auch Coca Cola ist für Frommer ein Unternehmen, das sich weltoffen präsentiert und in dessen Spots sich Menschen aller Couleur und aus aller Herren Länder auf einen Softdrink zusammenfinden – "The Coke Side of Life". Werbung, sagt Frommer, habe für ihn auch etwas Traumhaftes, Utopisches. "Werbung ist so etwas wie ein globaler American Dream. Sie ist für alle da, sie sagt aus, dass für alle Menschen prinzipiell alles möglich ist. Egal auf welcher sozialen Stufe einer steht, welche Hautfarbe er hat, woher jemand kommt", schwärmt Frommer. 

Während Werbung durch ihre Dauerpräsenz und Wirkmacht gesellschaftliche Muster oder Rollenklischees vorgibt und festigt, kann sie auf der anderen Seite auch progressiv in eine Gesellschaft hineinwirken. Und – ja, natürlich – sie will verkaufen. An möglichst viele Menschen.

"Holger und Max", das erste schwule Werbe-Pärchen

Als die Niederlande 2001 als erstes Land die Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare öffneten, erfand Iglo mit "Holger und Max" das erste schwule Werbe-Pärchen. "Für die auf Familienidyll mit klassischer Rollenverteilung geeichte Lebensmittelindustrie ist das ein fast revolutionärer Schritt", schrieb das Fachblatt "Werben & Verkaufen" dazu. Die Kosmetikmarke Dove platziert unter dem Motto "Initiative für wahre Schönheit" seit 2004 normale Frauen statt glatter Models unter dem Markennamen. Die Baumarkt-Kette Hornbach thematisiert in einer ihrer Kampagnen, was Menschen an den sozialen Rand drängt: Body Shaming, Homosexualität, Altersdiskriminierung. Der feministische Blog "Pink stinks" schreibt 2014 dazu: "Liebe Hornbachs, wir sind beeindruckt. Jetzt schreibt bitte weiterhin schwarze Zahlen, damit die Industrie sieht, dass es auch so gehen kann: Mit Vielfalt Werbung machen." 

Der Bierbrauer Guinness war das erste Unternehmen, das einen Menschen mit Behinderung – einen Rollstuhl-Basketballer – in einem Spot auftreten ließ, ohne dezidiert auf dessen Behinderung einzugehen. Ein gelungenes Zeichen für Inklusion, meinte sogar der Sozialaktivist Raul Krauthausen: "In dem Werbespot steht einzig die Story im Mittelpunkt, kein Charity-Gedanke. Der Spot ist das Idealziel."

Werbe-Spot von Amazon: Kaputte Knie vom Beten sind konfessionsübergreifend. Screenshot
Werbe-Spot von Amazon: Kaputte Knie vom Beten sind konfessionsübergreifend. Screenshot

Klar: Damit Werbung ankommt, muss sie aktuelle Themen aufgreifen. Die Flüchtlingspolitik zum Beispiel. Wen interessiert es bei der derzeitigen politischen Großwetterlage in Deutschland schon, ob Villarriba oder Villabajo die sauberste Pfanne hat? So zeigt der Weihnachtsspot der Keksmarke Bahlsen einen Jungen, der ein Mädchen aus der Kälte draußen in ein wunderbar-festlich geschmücktes Wohnzimmer einlädt. Das Mädchen fragt: "Was ist Weihnachten?", und ihr Anblick speist sofort subtil "Flüchtlingskind" ins Hirn. Der Junge nimmt es in den Arm und drückt es einmal ausgiebig. "Das ist Weihnachten", sagt er. Da möchte einem fast der Tränenkanal überlaufen, so anrührend ist die Szene.

"Danke, Ihr tollen Sixtler!", schreibt ein Kommentator

Oder der Fernsehspot von Amazon, der ebenfalls vor Weihnachten gezeigt wurde: Da schenken sich ein Imam und ein Priester per Paketdienst jeweils Knieschoner gegen die schmerzenden Gelenke beim Beten. Sie packen die Päckchen aus, lächeln verschmitzt, ein Christ und ein Moslem in Freundschaft vereint. Amazon ist ohne Frage ein Unternehmen, das seine Mitarbeiter knechtet. Der Werbespot aber ist ein Schuss vor den Bug aller Anti-Islam-Hetzer, von denen es in Deutschland viele gibt.

Was berührt, wird zum viralen Hit. Das ist das Handwerk der Werbebranche. Bestes Beispiel: Sixt. Kurz nachdem AfD-Vize Alexander Gauland den Fußballer Boateng "nicht als Nachbarn" haben wollte, ist der Autovermieter in die Debatte eingestiegen und hat für seine Umzugswagen geworben mit dem Slogan: "Für alle, die einen Gauland in der Nachbarschaft haben." Mehr als 1700 Kommentare hat der Post auf der Facebook-Seite der Firma bekommen. Einer schreibt: "Danke, Ihr tollen Sixtler! Dafür liebe ich euch! Hätte ich nicht einen eigenen Wagen, würde ich mir jeden Tag einen bei euch leihen!"

Selber bauen vereint: Hornbach-Kampagne 2016. Bild: Hornbach
Selber bauen vereint: Hornbach-Kampagne 2016. Bild: Hornbach

Als in Heidenau Anfang November 2015 Flüchtlinge gejagt wurden, lief über den Facebook-Kanal von Fisherman's Friend das Foto einer Bonbon-Packung mit der Geschmacksrichtung "Toleranz". Untertitel: "Sind sie zu bunt, bist du zu braun". Der Text unterm Foto: "Hey Heidenau & Co, exklusiv für Euch: Unsere neueste Sorte. Solltet Ihr auch mal probieren! #mundaufmachen". Der Facebook-Post um den Toleranz-Geschmack wurde 43 774 Mal geteilt, bekam 63 407 Likes und 1258 Kommentare. Die Idee zu Post und Bild kam aus dem Büro von Scholz & Friends, die Facebook für Fisherman's bespielen. Von der Agentur also, die vor lauter Überforderung in Sachen Gerald Hensel und überrollt vom braunen Mop zurückgerudert ist.

Leider. Denn kluge Werbung im Netz scheint zu einem wirksamen Gegengewicht zu einer sehr netzaffinen und kommunikationsgeschulten Crowd geworden zu sein, die bedroht, brüllt, geifert und so viel lauter ist als die liberale Gesellschaft. Kreativdirektor Frommer schreibt dazu in seinem Blog: "Wichtig ist, dass wir uns nicht einschüchtern lassen, weil die Neurechten sehr laut werden können. Und sehr hassvoll." Den Artikel beendet er mit zwei kurzen Sätzen, die Mut machen und Lust darauf, Kante zu zeigen: "Der politische Werber ist nicht tot. Im Gegenteil er fängt gerade erst an."


Screenshot: YouTube. Per Klick geht's zum Video.
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Kommentare

Rolf Steiner, 13.01.2017 14:14
Benjamin, 13.01.2017 01:44 - im letzten Jahr ereigneten sich rund 1000 Brandanschläge bzw. Angriffe auf Flüchtlinge. Dass auch dort die Polizei nicht vor jedem Anschlag der rechtsextremen Terroristen vorbeugend tätig sein konnte, ist schlüssig. Die Flüchtlinge, die dabei zu Schaden kommen - von einem Trauma ins Nächste - haben leider eine viel schwächere Lobby als jene Nazionalisten, die in Minutenschnelle schon das Bösartigeste aus Köln verbreitet hatten, bevor ein Offizieller reagieren konnte.

Wer den verwahrlosten rechtsradikalen Hetz- und Hassbotschaften ausgesetzt ist, braucht wirklich keine Vergnügungssteuer zu zahlen. Das haben die involvierten Werbeagenturen gottseidank erkannt und entsprechend reagiert. Dafür gebührt ihnen unser uneingeschränkter Dank!

Benjamin, 13.01.2017 01:44
Sie erwähnen die Aktion von Fisherman's Friend (beraten von Scholz & Friends) als in Heidenau Flüchtlinge gejagt wurden. Mir war die Aktion entgangen. Es war eine gute Idee.

Auf der anderen Seite frage ich mich, wo und wann die besagten Unternehmen waren, als an Silvester 2015 Tausende (deutsche) Frauen sexuell belästigt wurden?

Wo war Herr Hensel damals?

Es geht vielen nur darum sich zu profilieren und als "gut" darzustellen, unabhängig davon, ob es aufrichtig gemeint ist. Es geht darum einen guten / positiven Eindruck zu hinterlassen.

Wieso um alles in der Welt hinterlässt es - nach wie vor - einen negativen Eindruck, wenn sich Deutsche dagegen wehren, dass ihre Frauen sexuell belästigt werden?

Viele Migranten oder Deutsche mit Migrationshintergrund haben sich für die (deutschen) Frauen eingesetzt. Wo war da die Werbebranche? Wo war da Fisherman's Friend? Wo war da Scholz & Friends?

Es sollte nicht mit zweierlei Maß gemessen werden. Das ist es, was viele ärgert.

KSK (KommentarSpaltenKrieger), 11.01.2017 11:41
@era:

Ich bedanke mich!

Nein, zu Bitterkeit besteht kein Anlass. Jede Krise trägt die Anlagen ihrer Verschärfung in sich - aber auch die Anlagen ihrer Lösung.

era, 10.01.2017 22:45
Lassen Sie mich etwas übertreiben:
Wenn die Mehrheit der Bevölkerung, der Redaktionen, der Medienmacher, der Kommentatoren ...... in allen Blogs und Veröffentlichungen von Junge Welt bis Junge Freiheit .... eine Haltung wie der KSK an den Tag legen würden -

wir könnten unsere Probleme in ein paar Stuhlkreisen auf zivilisierte Art und Weise lösen.

Ich danke Ihnen für Ihre besonnene Art, schützen Sie sich vor Bitterkeit und Lieblosigkeit. Ich freue mich über Ihre Diskussionsfähigkeit.

Grüße über den Graben hinweg von der anderen Seite.

KSK (KommentarSpaltenKrieger), 10.01.2017 13:41
>> Herrn Steiner:
In diesem Punkt volle Zustimmung. Das ist mein Hauptproblem mit der AfD und der Grund, weshalb ich sie nicht wählen werde.

Während der Meuthen-Flügel eine wichtige und verlorengegangene Position auf die richtige Art und Weise besetzt, erweist der Höcke-Flügel der patriotischen Sache den Bärendienst, den sie im 21. Jahrhundert nicht verdient hat.

Es muss einen klaren und erkennbaren Unterschied geben zwischen Rechtsradikalen, die den Tod von Menschen in Kauf nehmen - und Rechten, die eine fundierte Kritik an den allgemeinen Zuständen üben und dabei des Differenzierens mächtig sind, ohne, dass sie ihre eigene Sache dabei über den Haufen werfen oder sich zu stark dem herrschenden Diskurs andienen.

Zu Medienkritik und zu einer konstruktiven Kritik an der derzeitigen FLüchtlingspraxis besteht definitiv Anlass. Sie mit Fremdenhass und Faschismus gleichzusetzen, ist fatal - dass sich fundierte Kritiker und Nationalisten in e i n e r Partei zusammenfinden, ist eine Tragik.

Der Grund, aus dem das gesamtrechte Lager bislang so eisern zusammenhält, ist dabei allerdings der gesamtgesellschaftliche Druck und das In-einen-Topf-werfen von "rechts" und "rechtsextrem" - ist auch das Gefühl, in zunehmend totalitäreren Zeiten zu leben, in denen, wie mein Ausgangspost besagt, "liberal" bloß heißt -> "die richtige Meinung"
Links ist dann noch ok und firmiert unter "auf der richtigen Seite, aber etwas weltfremd" oder unter "Ach ja, in meiner Jugend war ich auch Kommunist..."

Und wie sieht es auf der konservativen Seite aus?
Man ist gegen rechts. Köln gegen rechts. HAmburg gegen rechts.

Wer rechts ist, ohne rechtsradikal zu sein, wird trotzdem in diese Formel integriert.

Auch ein Konservativer, ein Liberaler oder ein Patriot fühlt sich bspw. vom Hensel'schen Frontalangriff "gegen rechts" angesprochen - ohne, dass er brennende Heime feiert.

Dass Tichy mit seinem Rücktritt von XING jetzt quasi den "umgedrehten Hensel" machen muss, ist ein Triumph für die Scharfmacher und -leider- ein Indiz dafür, dass sich die Fronten zukünftig eher verhärten werden.

Beide Seiten beschmeißen sich zur Zeit mit Dreck, die eine Seite stärker repräsentiert, die andere Seite an ihren Rändern brutaler und gefährlicher - wobei, auch schon aus der linksextremen Ecke gab es Brandanschläge auf die Häuser von AfD-Politikern. Zu erinnern sei der Steinwurf in die Fensterscheibe eines Familienvaters (!!)

Anhand solcher Tendenzen sehe ich leider keinen bedeutenden Unterschied zwischen den Fanatikern beider Ränder, und wo die Rechten auf dem rechtsextremen Auge blind sind, sind es die LInken auf dem linksextremen Auge.

Liegt die Wahrheit nun in der Mitte? Keine Ahnung. Ich bin lediglich der festen Überzeugung, mit einer Einwanderungspolitik nach kanadischem Vorbild, einer konsequenten Antiterrorstrategie, einer Trennung der Flüchtlings- von der Einwanderungsfrage und einer getrennten Behandlung beider Phänomene und einem inklusiven Patriotismus, der sowohl die linken Errungenschaften als auch die nationalen Traditionen gleichermaßen würdigt, ohne eine Seite zu überzeichnen, wäre der Weg gefunden, der den Radikalen ihre Legitimationsgrundlage entzieht - und ein Königsschlüssel, die gespaltene Gesellschaft wieder zu einen.

Es ist kaum zu glauben, aber ich wünsche mir tatsächlich die langweilige und lahmarschige Bundesrepublik der 2000er Jahre zurück, in der über die Rente und den Veggie Day debattiert wurde, anstatt nun einer Entwicklung zusehen zu müssen, an deren Ende alle verlieren werden.

Rolf Steiner, 10.01.2017 12:39
>> Kommentarspaltenkrieger, ....Wären die Brandanschläge und Angriffe auf Flüchtlingsheim auf ein paar Wenige beschränkt, würde ich Ihrem Vergleich mit dem evtl. von Linken angerichteten Autobrand Petrys zustimmen.

Aber es hat in Deutschland allein bis 27. Dezember 2016 immerhin 921 Attacken auf Asylunterkünfte gegeben.
Davon hatten 857 einen rechtsradikalen Hintergrund lt. BKA., die anderen konnten nicht genau definiert werden, ob es lediglich primitve Bubenstreiche waren. Im gesamten Jahr 2015 hatte das Bundeskriminalamt 1.031 Straftaten gegen Unterkünfte für Flüchtlinge verzeichnet, 923 davon mit rechtsradikalem Hintergrund. Allerdings seien die Zahlen aus dem Jahr 2016 noch nicht abschließend erfasst, so die Behörde.

Dass Neonazis auch in der AfD sehr leicht Unterschlupf gefunden haben und sich unter derem mehr als zweifelhaften "Schirm" in der ihnen Gewaltprache äußern, haben wir ja schon kürzlich im Stuttgarter Landtag mitbekommen, als ein AfD-Abgeordneter mit dem Schimpfwort "Volksverräter" sich in der Sprache der Nazis outete. Nicht falsch ist es daher, diesen Ausdruck der Verbrechersprache des sog. 3. Reiches zuzuordnen.

Wenn sich "Rechte" nicht von solchen Demokratie-"Verrätern" abgrenzen, darf es niemanden überraschen, wenn sie dabei mit diesen üblen Gesellen in einen Topf geworfen werden. Wer zu solchen Gemeinheiten, Tätlichkeiten und Verbrechen aber schweigt macht sich auf jeden Fall auch mit schuldig, weil er/sie vermutlich hinter vorgehaltener Hand diese Verbrechen als "nützlich" ansehen könnte.

Irgendso'n Kommentarspaltenkrieger, 10.01.2017 00:24
@Rolf Steiner:

Der Fehler liegt schon in der unklaren Begrifflichkeit vergraben - "rechts".

"Rechte" schreiben Blogs, "Rechte" kritisieren -und pöbeln, ja, das auch- bei facebook und in letzter Konsequenz zünden "Rechte" dann Flüchtlingsheime an.

Das ist nicht nur grob, das ist unfair.

Vielleicht war mein Antifa-Vergleich genau so unfair und vermutlich liegt darin ja die Crux.
Die links-rechts-Einteilung hat einen gewissen Wert und auch heute kann man sie nicht missen, um sich zu positionieren.

Aber - während die einen Linken und die einen Rechten ihre Meinungsverschiedenheiten ausdiskutieren und sich höchstens mal bepöbeln, setzen andere Linke mal eben das Auto von Frauke Petry in Brand - und andere Rechte eine Unterkunft.

Letztlich haben sich die einen ihre Legitimation von Tichy geholt -eine Seite, die übrigens weit von einem Hetzblog entfernt ist!- und die anderen ihre aus der taz. Was sie in ihrem Fanatismus daraus stricken, bleibt letztlich im Bereich ihrer Eigenverantwortung und sagt mehr über sie als Individuen aus als über die Idee, an der sie sich bis zur Besinnungslosigkeit radikalisiert haben.

(Gerade beim Thema "Hetze" muss man zwangsläufig etwas Dampf aus dem Kessel nehmen - ich hab schon in der taz widerlichste anti-deutsche Artikel gefunden, die sich problemlos in jede Bomber-Harris-Gedenkdemo einfügen würden, und dann auch wieder Ausgewogenes. Ähnliches finden Sie garantiert bei Tichy - und sogar bei Broder.)

Mein Problem ist auch Beileibe nicht die AfD-Kritik oder eine gekonnte Satire. Mein Problem ist die schiere Masse der Kritik, die viel zu vielen Kritiker, die viel zu vielen Mitläufer, die in der Partei einen einfachen Gegner und willkommenen Prügelknaben erkennen und die sich zu Taten hinreißen lassen, die letztlich nur negativ auf das AfD-kritische Lager zurückfallen und die dann wiederum Ihren Gegnern jede Menge Material geben, um Linke als gewaltbereite Hetzer und Totalitäre darzustellen. Ähnliche Affekte sehe ich zwar auch im Rechten Lager - aber sein wir realistisch, außerhalb der Zirkulationssphäre von Junge Freiheit, Tichy und Compact hat dieses Lager bislang nichts zu melden, es gibt keine Personen des öffentlichen Lebens, die für sich vertreten, nationalkonservativ zu sein und es gibt weder eine heute show noch eine ANSTALT von rechts. Die Deutungshoheit liegt auch im Jahr 2017 auf der linken Seite - und mit der Reichweite kommt der Effekt -> Pöbeleien, Prügeleien, Hetzjagden, Anschläge etc. Gäbe es eine derart kampagnenfähige Rechte mit einer derartigen Einstellung zum "feindlichen" politischen Lager - ich müsste gewiss diese Rechte verabscheuen.

Zum Punkt "Liberalität" - es gibt im rechten Lager eine lange liberale Tradition! Ist etwas individueller und stärker auf Verantwortungsbewusstsein ausgelegt als das linksliberale Lager, aber ganz gewiss nicht zu verachten.

Rolf Steiner, 09.01.2017 16:32
Was für eine Liberalität will ein die AfD "unappetlich" findender, aber dennoch rechtslastiger Spalten-Krieger von anderen verlangen? Eine der Selbstaufgabe jedweder demokratischen Äuperung? Eine der Toleranz gegenüber fanatisch Intoleranten? Die - wie ein gewisser Jürgen Fritz in Tichys Hetzblog "grün-linke Gutmenschen" als "geistig-psychisch krank" bezeichnen? Nicht nur dieser einschlägige Artikel lässt jegliche Argumentationskette oder auch das Abwägen von Argument und Gegenargument vermissen. Und spätestens dann müssen bei Demokraten die Alarmanlagen klingeln. Und so viel Selbstkasteiung zu verlangen, ist selbst abnormal.

Zitat: "Liberal heißt freiheitlich, also die Nonchalance, viele Meinungen zuzulassen - also auch rechte." A b e r w a s wenn die Rechten nicht nur unappetlich hetzen, sondern Tag für Tag Anschläge auf Flüchtlingsheime und deren Bewohner ausführen und manchmal sogar straflos sich auf die nächsten Anschläge vorbereitent? Wenn Tag für Tag von rechten Dummheitsblogs die verlogensten Meldungen in die Welt gesetzt werden?

Wenn sich rechte Parteien wie der FN, FPÖ und vermutlich auch die AfD sich u.a. von dem undemokratischen Despoten Putin finanzieren lassen? So etwas als "gegeben" hinzunehmen, öffnet den in Wahrheit durch und durch verkommenen Rechten nicht nur die Katzenklappe sondern gleich das ganze Scheunentor.

Irgendso'n Kommentarspaltenkrieger, 09.01.2017 10:35
Zum Thema "Werbung gegen rechts" kann man viele Meinungen haben, meine Meinung ist, dass man das in einer mehr oder minder freien Marktwirtschaft auf jeden Fall tun kann. In einem Punkt ist es in der Tat mutig; Man geht immer mit dem Risiko, knapp 40 - 50 % der potentiellen Käufer und Kunden vor den Kopf zu stoßen - immer die 40- 50 % im Blick, versteht sich, die eine solche Aktion enger an die Marke bindet.
Der Werbezeck ist also klar: Konfrontation statt Konformität. Beides sind legitime und erfolgversprechende Werbemethoden.

Indes; was viele andere Kommentatoren anmerken, ist falsch, denn das hat wenig mit "Liberalität" zu tun. Liberal heißt freiheitlich, also die Nonchalance, viele Meinungen zuzulassen - also auch rechte.

Wenn "liberal" aber im hier bezeigten Kontext nur noch ein Gesinnungsausweis für die zahlreichen Gegen-rechts-Kämpfer ist, dann entfernt man sich schnell vom Markenkern des Wortes. Wer so radikal alle Meinungen links des linken CDU-Flügels entgrenzt, abwertet und die sie Vertretenden zum öffentlichen und wirtschaftlichen Abschuss freigibt - häufig mit vernichtungsgeilen Zuschreibungen wie "braunverschimmelte Siffmischpoke", "dummdreiste blaubraune Nazischweine" oder "Dumpfbesorgtbürger-PEGIDArados" - der darf für sich nicht in Anspruch nehmen, liberal zu sein - allerhöchstens, kreativ bei der Erfindung von Neologismen zu sein.

Und doch: Dieses spezifische Anti-Rechts - Das ist dann einfach nur 'ne Meinung.

Persönlich finde ich die AfD in vielen Punkten etwas unappetitlich - aber mehr Angst habe ich vor dem Antirechtsmob, der sich tagein tagaus von den Vorbildträgern dieser Gesellschaft in seinem Vernichtungsfeldzug bestätigt fühlt und mit der schmeichelhaft Fremd- und Selbstzuschreibung "liberal" im Gepäch auch noch dabei das Gefühl kriegt, alles richtig zu machen.

Autos brennen, Gaststätten werden entglast, im Großen und Ganzen ist die Zivilgesellschaft mit der exterminatorischen Rhetorik radikalerer Antifa-Vertreter auf Kurs. Das spricht für ein Ungleichgewicht, das nur weiter Chaos und Zorn auf beiden Seiten produzieren wird.
Der Shitstorm gegen Scholz & Friends ist Ausweis dieser starken und stärker werdenden gesellschaftlichen Dichotomie.

someonesdaughter, 07.01.2017 21:46
@Barolo:

"Ach so der "Henryk M. Broder SAH seinen Blog "Die Achse des Guten" einem Werbeboykott ausgesetzt". Nein er WAR einem Werbeboykott ausgesetzt. Und Tichy gleich mit."

Wie gemein. Wie können Werbetreibende sich erdreisten, selbst zu entscheiden, wo sie ihre Werbung schalten? Meinen Sie das so?

"Und das ist bei einem Online Medium ein gezielter Angriff auf die Überlebensfähigkeit und damit natürlich u.a. auch auf die Meinungsfreiheit."

Wenn ich als Unternehmen meine Anzeigen nicht auf einem notorischen Hetzblog sehen will, ist das ein "Angriff auf die Meinungsfreiheit"? Im Ernst? Ist das jetzt schon staatlich verordnete Pflicht, Broder & Co. zu alimentieren?

"Und der Gerald bekam Morddrohungen? Na das hat er doch wohl bei der Polizei angezeigt, oder fehlt eine solche Anzeige? Emails man leicht über die IP herausbekommen. Gibt es schon Erfolge bei der Fahndung? Hat jemand die Morddrohung zu Gesicht bekommen?"

Haben Sie die angeblich eingebrochenen Umsatzzahlen vom armen Henryk Mittelinitial und vom 'Opfer' Roland gesehen? Oder plappern Sie einfach mal deren Behauptungen nach und sind keineswegs so 'kritisch' wie Sie hier tun?

Und selbstverständlich gehen die Herren ja gegen diesen unerhörten "Angriff gegen die Meinungsfreiheit" juristisch vor, nicht wahr?

Machen wir's doch mal so: Wenn Sie, Barolo, nicht sofort für 500 Euro Anzeigen schalten, damit ich meine neue Website finanzieren kann, die Sie und Ihresgleichen an den Pranger stellt, dann sind Sie ein Meinungsfreheitsverbrecher! Wäre doch gelacht, wenn ich Sie nicht zwingen könnte, meine Propaganda zu finanzieren!

Rolf Steiner, 06.01.2017 17:42
Manche scheinen Kopps Werbegelder abuikassieren ohne jeden Skupel? Und ein Nazi-Shitstorm gegen eine Agentur. So wie es gerade Lidl passierte, weil gewissen Rechtsextremen in Tschechien eine Werbung mit einem schwarzen Modell nicht zu passen schien. So erschienen auf der Facebook-Seite des Discounters Dutzende hasserfüllter Kommentare von rechtsradikalen Internet-Usern. Unter anderem war gar die Rede von einer "Ausrottung der weißen Rasse" durch schmutzigsten Multikulturalismus. Gegenüber diesen nazionalistischen Verblödungsversuchen wies Lidl die schäbigen Kommentare mit dem Hinweis zurück: "Wir leben im Europa des 21. Jahrhunderts, in dem Menschen verschiedener Ethnien zusammenleben." Den rassistisch Empörten gab das Unternehmen noch einen souveränen Rat: "Je mehr man von der Welt sieht, desto mehr Toleranz entwickelt man gegenüber anderen - darum stammen unsere Models aus allen Enden der Welt." Die meisten der Kopp-Erzeugnisse stammen dagegen aus einer nicht gerade dem appetitlichen Ecke geistig eng begrenzter "Entrüsteteter". Uund verschiedene könnten dabei vielleicht manchem (internationalen) Beobachter sogar sogar ganz widerlich braun angefault vorkommen. Schmeckt's noch?

Michael Kornmayer, 06.01.2017 17:12
Meine 24 Jahre Berufserfahrung in der Werbung sagen:

Jede Werbung, die im links-rechts-Denken verhaftet ist, diffamiert beseelte Menschen und richtet sich gegen die Meinungsfreiheit.

Rolf Steiner, 06.01.2017 16:45
Dank jedem, der mithalf, dass dieser Maulheld Broder einem Werbe-Boykott ausgesetzt werden konnte. Dieser und andere, professsionell oder als Amateure auftretende Rassisten versuchen mit ihrem schein-bürgerlichen Auftritt den Menschen Seriosität vorzulügen. Genau solche Personen wie Henryk M. Broder, Heinz Buschkowsky und Thilo Sarrazin erzielen auch noch mit den dümmsten Verlautbarungen eine öffentliche Resonanz. Zwischenzeitlich hat sich eine „unheilige Allianz“ zwischen Neonazis, Rechtspopulisten, Kulturrassisten, christlichen Fundamentalisten, Feministinnen, religionskritischen Intellektuellen, Tierfreunden, bildungsbenachteiligten Unterschichtangehörigen und Teilen des vom sozialen Abstieg bedrohten Kleinbürgertums formiert, die – wenn sie provozierende Themen wie Flüchtlinge aufgreifen, für den politischen Kitt sorgt, Dabei trifft die Schuld an der zunehmenden Spaltung unserer Gesellschaft nicht nur neonazistisch ausfällige Demagogen, sondern auch jene Eliten, die ihrerseits eine weitere Parallelgesellschaft herausbilden, wenn sie in Luxusquartieren wohnen, von privaten Sicherheitsdiensten bewacht sich gegenüber den Mittel- und Unterschichten auch räumlich immer deutlicher abschotten. Ein ähnliches Verhalten ist auch bei sog. Bürger-Aktionen zu beobachten. Leut, die sich gegen die Unterbringung von Flüchtlingen spießerhaft in Stellung bringen. Ausgerechnet Maulhelden wie ein Broder oder ein Tichy bestärken sie in ihrem schäbigen Auftreten.

Rolf Steiner, 06.01.2017 16:24
Dummdreiste Hetzer wie Tichy oder Broder muss Deutschland - leider - ertragen. Dennoch hindert mich niemand, diese und eine weitere Horde von Fremdenfeinden als solche deutlich zu kennzeichnen. Im Gegenteil, die Demokratie empfiehlt ihren Anhängern ausdrücklich, sich mit diesen, ihren Feinden auseinanderzusetzen. Die Leutchen, zusammen mit den AfD-Unterfeldwaibeln Gauland, Höcke, Petry, Pretzell oder Meuthen eindeutig als im ethisch-moralischen Sumpf herum torkelnde "Deutsche" zu bezeichnen fällt mir nicht schwer. Mein großer Respekt gilt denjenigen, die es nicht scheuen, ihren Mund gegen dummdreistbraune Propaganda und deren schändlichem Missbrauch der Meinungsfreiheit aufzumachen. Trotz den Tierkadavern, der Hundescheiße oder den Morddrohungen, die sie im Briefkasten dorthin entsorgen müssen, wohin auch deren Absender gehören: auf den schäbigsten Misthaufen der Geschichte!

Barolo, 05.01.2017 20:09
Ach so der "Henryk M. Broder SAH seinen Blog "Die Achse des Guten" einem Werbeboykott ausgesetzt". Nein er WAR einem Werbeboykott ausgesetzt. Und Tichy gleich mit. Und das ist bei einem Online Medium ein gezielter Angriff auf die Überlebensfähigkeit und damit natürlich u.a. auch auf die Meinungsfreiheit.
Und der Gerald bekam Morddrohungen? Na das hat er doch wohl bei der Polizei angezeigt, oder fehlt eine solche Anzeige? Emails man leicht über die IP herausbekommen. Gibt es schon Erfolge bei der Fahndung? Hat jemand die Morddrohung zu Gesicht bekommen?
Und dann "kündigte er sein Vertragsverhältnis bei der Agentur, um seinen Arbeitgeber aus der Schusslinie zu nehmen" :-)
Also wer ein sicheres und sicherlich nicht schlecht bezahltes Arbeitsverhälniss hat, der kündigt sicherlich um Scholz & Friends aus der Schusslinie zu nehmen. Obwohl er doch angeblich als Privatmann gehandelt hat, oder?
Sorry, aber ich fühl mich da von Herrn Hensel etwas veräppelt.
Und wer sollte sich mit oder ohne großes "Aber" hinter eine solche Gerald Hensel Aktion stellen?
In Erwartung der Zensur grüsst freundlich
heute abend mit einem Cusumano

Schwabe, 05.01.2017 12:31
Wieso liegt bei "Fisherman`s Friend" gerade die "blaue" Packung ganz vorne (oben)? Zufall oder politische Botschaft?

Die Packungen (Farben) könnten z.B. auch nebeneinander liegend (bunt durcheinander) gezeigt/dargestellt werden - was sie meines Erachtens sogar müssten bei einem so heiklen/sensiblen Thema wie Toleranz/Rassismus.

Ich persönlich tue mich schwer blau (steht politisch für die AfD) und tolerant/Rassismus miteinander in eine gute Verbindung zu bringen!

Peter S., 04.01.2017 20:13
Der geneigte Leser dieses Artikels kann sich gerne auf achgut (chronologisch hier http://www.achgut.com/artikel/dossier_denunzianten-gate) oder tichyseinblick eine etwas umfassendere Ansicht zum Thema "Hensel" aneignen und sich dann eine Meinung bilden.

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