KONTEXT Extra:
Auch Hermann will Maut verzögern

Wenn es nach den Grünen geht, wird die Landesregierung gemeinsam mit Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz oder dem Saarland versuchen, die Einführung der PKW-Maut über den Bundesrat noch zu verzögern oder gar zu verhindern. Verkehrsminister Winne Hermann kündigte einen entsprechenden Vorstoß an. Er habe bereits im Verkehrsausschuss des Bundesrats Position bezogen und insbesondere kritisiert, dass "die Grenzregionen schwer tangiert sind, ausgerechnet in Zeiten, in denen wir den europäischen Geist betonen wollen". Die "Bürokratie-Maut" passe nicht in die Zeit. Außerdem würden Milliarden eingenommen, Milliarden an deutsche Autofahrer wieder zurückgegeben und "vielleicht bleiben ein paar Millionen übrig".

Saarland, Rheinland-Pfalz oder NRW wollen den Vermittlungsausschuss zwischen Bundesrat und Bundestag anrufen, nachdem letzterer die Maut am Freitag beschlossen hat. Das Gesetz ist allerdings nicht zustimmungspflichtig, weshalb die Einführung der Maut auf diesem Wege lediglich verzögert werden kann. Allerdings könnte Verzögerung am Ende auch das Scheitern bedeuten, weil womöglich nach der Bundestagswahl im September die Karten ganz neu gemischt werden, und die CSU bisher bekanntlich die einzige Partei ist, die die Maut wirklich will. (24.3.2017)


Aras legt sich mit Erdogan an

Die Stuttgarter Grünen-Abgeordnete und Landtagspräsidentin Muhterem Aras hat die deutschtürkische Community aufgefordert, sich mit dem Verfassungsreferendum am 16. April kritisch auseinanderzusetzen. Von den Imamen wünscht sich die Stimmenkönigin ihrer Partei bei den Landtagswahlen 2016, dass die "in den Freitagspredigten zu einem respektvollen und fairen Umgang miteinander aufrufen und die hier geltenden Werte von Meinungs-, Presse- und Religionsfreiheit entschieden weitergeben". Sie selber verzichte derzeit auf Reisen in die Türkei, "weil ich nicht weiß, ob ich mich dort frei bewegen könnte". Zugleich müssten sich Demokraten weigern, sich zu Feinden der Türkei machen zu lassen. Aras nutzte eine Landtagsdebatte zum 60. Geburstag der EU auch zu scharfer Krtik am türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, weil der "auf das Infamste" gebaute Brücken wieder einreißen und die Gesellschaft spalten wolle. Von den Vertretern AKP-naher Institutionen erwartet die Grüne eine öffentliche Distanzierung von den "die Opfer verhöhnenden Nazivorwürfen". Im Südwesten dürfen insgesamt rund 230 000 Türken am Referendum teilnehmen – und zwar vorab: Die Wahl beginnt bereits am 27. März und endet am 9. April. (22.3.2017)

Mehr zum Thema: "Meister der Feindbilder", "Unverschämt und dumm"


Stuttgart 21: Aktionsbündnis warnt Aufsichtsrat

Drei Tage vor einer Sitzung des DB-Aufsichtsrats verlangt das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 erneut eine "faktenehrliche Bestandsaufnahme". Sollte sich der Aufsichtsrat wieder um die Auseinandersetzung drücken oder gar unbeirrt den Weiterbau beschließen, so Eisenhart von Loeper, schädige er wider besseres Wissen das Vermögen der Deutschen Bahn AG. "Das würde", erklärt der Bündnissprecher weiter, "den Tatbestand der Untreue erfüllen." Eine strafrechtliche Aufarbeitung sei die Konsequenz; darauf habe das Bündnis zuletzt am 11. März 2017 den Aufsichtsrat per Brief hingewiesen.

Ihren Appell richten die Stuttgart-21-Gegner nicht nur an den Vorsitzenden des Aufsichtsrats Utz-Hellmuth Felcht, sondern auch an den designierten Vorstandsvorsitzenden Richard Lutz. Als erstes sei "eine Bestandsaufnahme der ungelösten Probleme und hohen Risiken notwendig, die sich an den Realitäten und nicht an den Gesichtswahrungsproblemen der politisch Verantwortlichen orientiert". Von Loeper argumentiert damit, dass sich das Projekt "jenseits aller wirtschaftlichen Rationalität bewegt", und mit dem weiter offenen Brandschutz. Außerdem solle der Aufsichtsrat "endlich zur Kenntnis nehmen, dass sich die DB mit S 21 einen Dauerengpass für viel Geld baut, der den Bahnverkehr behindert und den viel beschworenen Deutschlandtakt im Südwesten irreversibel unmöglich macht". Nach der Devise "Politik beginnt mit der Kenntnisnahme der Realität" will das Aktionsbündnis den neuen Bahnchef zu Gesprächen einladen, bei denen sie ihm auch die von der Bürgerbewegung entwickelten Alternativen zum Weiterbau erläutern wollen. Deren "ernsthafte Prüfung" wünscht sich nach einer repräsentativen Umfrage von infratest dimap in Baden-Württemberg sogar eine Mehrheit der Projektbefürworter. (19.3.2017)

Mehr zum Thema: "Bahnfeinde im Bahnvorstand"


IHK will nicht mehr gegen Kakteen polemisieren

Auch ein Vergleich kann ein Erfolg sein: Vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart akzeptierte die IHK Region Stuttgart die Feststellung, dass sie in der Vergangenheit mit Angriffen gegen die IHK-Rebellen der Kaktus-Initiative ihre Kompetenz überschritten hat. Stein des Anstoßes waren zwei IHK-Pressemitteilungen, in denen Hauptgeschäftsführer Andreas Richter gegen die Kakteen polemisiert habe, so Kaktus-Mitglied Klaus Steinke, der in der Folge Klage eingereicht hatte.

Konkret einigten sich die Streitparteien am heutigen Donnerstag, den 16. März, auf folgenden Vergleich: Die IHK Region Stuttgart erklärt, "dass ohne Beratung und Beschlussfassung durch die Vollversammlung keine weiteren öffentlichen Äußerungen der IHK und ihrer Organe über Binnenkonflikte, die keine wirtschaftspolitischen Positionen betreffen, abgegeben werden", und dass es den beiden strittigen Pressemitteilungen "an einer solchen Beratung und Beschlussfassung mangelte". Außerdem trägt die IHK trägt die Kosten des Verfahrens von 5000 Euro.

Für Steinke ist es "ein gutes Ergebnis, weil es die Transparenz innerhalb der IHK stärkt, und weil es deutlich die Frage artikuliert, was Geschäftsführer und Präsident dürfen und was nicht". Zwar wäre es, so Steinke, spannend gewesen, wenn das Gericht in einem Urteil Grundsatzregeln für die Öffentlichkeitsarbeit der IHK aufgestellt hätte. Aber er sei mit dem Vergleich zufrieden, "weil es mir in der Sache nicht darum geht, zu siegen, sondern eine Veränderung innerhalb der IHK zu bewirken". Zudem habe das Ergebnis, so hofft Steinke, auch "eine Signalwirkung auf andere IHKs".

Die Kaktus-Initiative, 2011 gegründet, kritisierte in den letzten Jahren immer wieder intransparente Wahlverfahren und die offizielle Pro-Haltung der IHK zu Stuttgart 21. (16.3.2017)

Mehr zum Thema: "Rebellen im Weinberghäusle" und "Die IHK wackelt nicht".


Afghanistan-Rückkehrer bekommt zweimonatiges Arbeitsvisum

Es ist ein kleines Wunder. Denn trotz der mannigfaltigen Unterstützung in den vergangenen Wochen, glaubten nicht viele seiner Freunde wirklich daran, dass der Zahnarzt Ahmad Shakib Pouya, der in einem französischen Krankenhaus in Herat gearbeitet hat, zurück in die Bundesrepublik kommen kann. Pouya war in seiner früheren Heimat von den Taliban bedroht, floh 2010 nach Deutschland. Hier war er einer der Hauptdarsteller in der vielbeachten Produktion der Mozart-Oper "Zaide" und hatte eine doppelte Zusage auf Festanstellung – vom Münchner Gärtnerplatztheater und der IG Metall. Dennoch wurde er zur Abschiebung vorgesehen, weshalb er am 20. Januar 2017 ausreiste. Seither machten seine Unterstützer vom im Mai 2014 gegründeten Stuttgarter Verein "Zuflucht Kultur. Entweder. Oder. Frieden." bundesweit auf sein Schicksal aufmerksam. Auch mit einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), mit der Bitte um "ein Visum und ein langfristiges Bleiberecht als wertvoller Bürger unseres Landes".

Jetzt kam die gute Nachricht. Der 33-Jährige kann für zwei Monate zurück nach Deutschland. Mitausschlaggebend dürfte ein Schreiben von Georg Podt gewesen sein, dem Intendanten des kommunalen Münchner Kinder- und Jugendtheaters "Schauburg", der Pouya in einer Neuinszenierung von Rainer Werner Fassbinders "Angst essen Seele auf" als Hauptdarsteller besetzt hat. Die Proben sollen in der kommenden Woche beginnen, Premiere wird am 22. April sein. Mitte Mai läuft das Visum aus. Pouya will gemeinsam mit dem Verein die Zeit nutzen, um das angestrebte dauerhafte Bleiberecht zu bekommen. Die Chancen stehen angesichts der 2015 eigentlich gelockerten Regelungen gar nicht so schlecht. Allerdings werden die nach den Erkenntnissen von Pro Asyl oder dem Flüchtlingsrat viel zu selten von den Behörden angewandt.


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Ausgabe 301
Wirtschaft

Werbung gegen Rechts

Von Anna Hunger
Datum: 04.01.2017
Kommerzielle Werbung ist oft lästig. Sie lügt, macht arm, wäscht Diesel sauber und treibt Mädchen in die Magersucht. Aber Werbung bezieht manchmal auch deutlich Position. Wie sehr das einschlagen kann, hat vor Weihnachten die Diskussion um #KeinGeldFürRechts gezeigt.

Eine Beobachtung vorab: Wer als JournalistIn kritisch über rechte Bewegungen berichtet, der weiß, dass die Zeitspanne zwischen Veröffentlichung und Shitstorm aus der rechtskonservativen Ecke eine denkbar kurze ist. Das war schon immer so, ist heute allerdings noch um ein Vielfaches potenziert durch Mails, die keine zwei Tage brauchen wie ein Leserbrief, und durch gut organisierte Netzwerke, die es schaffen, Kommentarspalten in Sekundenschnelle zu okkupieren.

Kurz vor Weihnachten hat es auch die Werbebranche erwischt. Als Gerald Hensel, ehemaliger Mitarbeiter der Werbeagentur Scholz & Friends mit der Aktion #KeinGeldFürRechts Unternehmen dafür sensibilisieren wollte, auf welchen Internetseiten für ihre Produkte geworben wird, welche teils kruden Organisationen sie mit ihren Geldern unterstützen, brach der Sturm los. Hensel sagte, er wolle "die Neurechte so unsexy machen wie Rauchen". Der Ex-Linke neurechte Henryk M. Broder sah seinen Blog "Die Achse des Guten" einem Werbeboykott ausgesetzt und natürlich: einen Angriff auf die Meinungsfreihei.

Mit scharfen Bonbons gegen Rassismus: Facebook-Post von Scholz & Friends. Screenshot
Mit scharfen Bonbons gegen Rassismus: Facebook-Post von Scholz & Friends. Screenshot

Broder keilte in typisch herber Wortwahl zurück, seine Fans und mit ihm eine ganze Mannschaft aus Lesern der Rechtsaußen-Ecke überzogen Hensel, die Werbeagentur und deren Kunden mit Bösartigkeiten. "Wir bekamen Drohanrufe in der Agentur", schreibt Scholz & Friends-Geschäftsführer Stefan Wegner in einem Statement dazu, "unsere Kunden erhielten massenhafte Mails mit Boykottdrohungen in Bezug auf ihre Produkte sowie der Aufforderung, das Vertragsverhältnis mit Scholz & Friends zu kündigen. Gerald bekam Morddrohungen." Hensel selbst sagte in Interviews mit "taz" und "Stern.de", er sei mittlerweile aus der Öffentlichkeit und aus Berlin geflüchtet. Zudem kündigte er sein Vertragsverhältnis bei der Agentur, um seinen Arbeitgeber aus der Schusslinie zu nehmen, sagt Hensel. 

In der Werbebranche rumorte es, die Großen meldeten sich zu Wort. Etwa der Gesamtverband der Kommunikationsagenturen (GWA) in Gestalt von Präsident Wolf-Ingomar Faecks: "Wir verurteilen schärfstens, dass eine Agentur für eine Aktion in Sippenhaft genommen wird, die von einem ihrer Mitarbeiter privat und somit losgelöst von der Agentur initiiert wurde." Oder die Gesellschaft Public Relations Agenturen (GPRA): "Im Zuge der Auseinandersetzung mit der persönlichen Initiative eines früheren Mitarbeiters ist die Agentur Scholz & Friends zur Projektionsfläche einer Kampagne geworden, die emotional und nicht mehr Fakten-basiert ausgerichtet ist." Scholz & Friends selbst distanzierte sich von der Aktion, wenn auch nicht von ihrem Mitarbeiter, der Fall wurde von Werbefachblättern über Tageszeitungen bis zu "Cicero" berichtet und debattiert. Und er zeigt einmal mehr exemplarisch, wie perfide solche Shit-Stürme sind und welche Kraft sie entwickeln können. Aber vor lauter Herumlaviererei zwischen Meinungsfreiheit und einem Irgendwie-Verständnis für Broder und Co. gab es kaum jemanden, egal ob Werber oder Journalist, der sich ohne großes "Aber" hinter Gerald Hensels Aktion gestellt hätte.

Alf Frommer, Kreativdirektor der Agentur Ressourcenmangel in Berlin, die auch in Stuttgart einen Standort hat, war einer der wenigen, wenn nicht der einzige: "Der politische Werber lebt", schreibt er auf seinem Blog. "Es braucht sogar mehr davon! Intelligente, tolerante, kreative und vor allem weltoffene Menschen, die nicht einfach schweigen, wenn um sie herum gerade versucht wird, gesellschaftliche Errungenschaften wie Gleichberechtigung, Inklusion oder Toleranz gegenüber sexueller Orientierung wieder zurückzudrehen." Das ist ein Statement.

Die Macht der Werbung nutzen

Der wohl bekannteste Werber, der kommerzielle Werbung politisch nutzte, ist Oliviero Toscani, der für Benetton in den Neunzigern die Skandal-Kampagne fotografierte. Er wurde dafür kritisiert, dass er Krankheit, Krieg und Menschenrechtsverletzungen zum Verkauf von bunten Pullovern nutze. Er selbst sah das anders: "Ich nutze die Möglichkeiten, die Wirkungskraft einer unausgeschöpften und verachteten Kunst, nämlich der Werbung", sagte er einmal in einem Interview.

Ein Prosit der Weltoffenheit: Oettinger-Bier. Screenshot
Ein Prosit der Weltoffenheit: Oettinger-Bier. Screenshot

Sich genau diese Macht heute verstärkt nutzbar zu machen, im Sinne der Weltoffenheit in einem gespaltenen und zerstrittenen Deutschland, fordert Frommer von seinen KollegInnen ein. "Der ewig lange politische Kommentar im Feuilleton", sagt er am Telefon, der in fünf verschwurbelten Kurven in geschliffener Argumentation erkläre, warum Toleranz wichtig ist, sei gut und richtig. "Aber das kapiert doch kaum ein normaler Mensch. Botschaften müssen einfach sein". Und wer scheint da prädestinierter als Werber, deren Handwerk es ist, in Kürze Herz und Hirn zu berühren?

Auch Coca Cola ist für Frommer ein Unternehmen, das sich weltoffen präsentiert und in dessen Spots sich Menschen aller Couleur und aus aller Herren Länder auf einen Softdrink zusammenfinden – "The Coke Side of Life". Werbung, sagt Frommer, habe für ihn auch etwas Traumhaftes, Utopisches. "Werbung ist so etwas wie ein globaler American Dream. Sie ist für alle da, sie sagt aus, dass für alle Menschen prinzipiell alles möglich ist. Egal auf welcher sozialen Stufe einer steht, welche Hautfarbe er hat, woher jemand kommt", schwärmt Frommer. 

Während Werbung durch ihre Dauerpräsenz und Wirkmacht gesellschaftliche Muster oder Rollenklischees vorgibt und festigt, kann sie auf der anderen Seite auch progressiv in eine Gesellschaft hineinwirken. Und – ja, natürlich – sie will verkaufen. An möglichst viele Menschen.

"Holger und Max", das erste schwule Werbe-Pärchen

Als die Niederlande 2001 als erstes Land die Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare öffneten, erfand Iglo mit "Holger und Max" das erste schwule Werbe-Pärchen. "Für die auf Familienidyll mit klassischer Rollenverteilung geeichte Lebensmittelindustrie ist das ein fast revolutionärer Schritt", schrieb das Fachblatt "Werben & Verkaufen" dazu. Die Kosmetikmarke Dove platziert unter dem Motto "Initiative für wahre Schönheit" seit 2004 normale Frauen statt glatter Models unter dem Markennamen. Die Baumarkt-Kette Hornbach thematisiert in einer ihrer Kampagnen, was Menschen an den sozialen Rand drängt: Body Shaming, Homosexualität, Altersdiskriminierung. Der feministische Blog "Pink stinks" schreibt 2014 dazu: "Liebe Hornbachs, wir sind beeindruckt. Jetzt schreibt bitte weiterhin schwarze Zahlen, damit die Industrie sieht, dass es auch so gehen kann: Mit Vielfalt Werbung machen." 

Der Bierbrauer Guinness war das erste Unternehmen, das einen Menschen mit Behinderung – einen Rollstuhl-Basketballer – in einem Spot auftreten ließ, ohne dezidiert auf dessen Behinderung einzugehen. Ein gelungenes Zeichen für Inklusion, meinte sogar der Sozialaktivist Raul Krauthausen: "In dem Werbespot steht einzig die Story im Mittelpunkt, kein Charity-Gedanke. Der Spot ist das Idealziel."

Werbe-Spot von Amazon: Kaputte Knie vom Beten sind konfessionsübergreifend. Screenshot
Werbe-Spot von Amazon: Kaputte Knie vom Beten sind konfessionsübergreifend. Screenshot

Klar: Damit Werbung ankommt, muss sie aktuelle Themen aufgreifen. Die Flüchtlingspolitik zum Beispiel. Wen interessiert es bei der derzeitigen politischen Großwetterlage in Deutschland schon, ob Villarriba oder Villabajo die sauberste Pfanne hat? So zeigt der Weihnachtsspot der Keksmarke Bahlsen einen Jungen, der ein Mädchen aus der Kälte draußen in ein wunderbar-festlich geschmücktes Wohnzimmer einlädt. Das Mädchen fragt: "Was ist Weihnachten?", und ihr Anblick speist sofort subtil "Flüchtlingskind" ins Hirn. Der Junge nimmt es in den Arm und drückt es einmal ausgiebig. "Das ist Weihnachten", sagt er. Da möchte einem fast der Tränenkanal überlaufen, so anrührend ist die Szene.

"Danke, Ihr tollen Sixtler!", schreibt ein Kommentator

Oder der Fernsehspot von Amazon, der ebenfalls vor Weihnachten gezeigt wurde: Da schenken sich ein Imam und ein Priester per Paketdienst jeweils Knieschoner gegen die schmerzenden Gelenke beim Beten. Sie packen die Päckchen aus, lächeln verschmitzt, ein Christ und ein Moslem in Freundschaft vereint. Amazon ist ohne Frage ein Unternehmen, das seine Mitarbeiter knechtet. Der Werbespot aber ist ein Schuss vor den Bug aller Anti-Islam-Hetzer, von denen es in Deutschland viele gibt.

Was berührt, wird zum viralen Hit. Das ist das Handwerk der Werbebranche. Bestes Beispiel: Sixt. Kurz nachdem AfD-Vize Alexander Gauland den Fußballer Boateng "nicht als Nachbarn" haben wollte, ist der Autovermieter in die Debatte eingestiegen und hat für seine Umzugswagen geworben mit dem Slogan: "Für alle, die einen Gauland in der Nachbarschaft haben." Mehr als 1700 Kommentare hat der Post auf der Facebook-Seite der Firma bekommen. Einer schreibt: "Danke, Ihr tollen Sixtler! Dafür liebe ich euch! Hätte ich nicht einen eigenen Wagen, würde ich mir jeden Tag einen bei euch leihen!"

Selber bauen vereint: Hornbach-Kampagne 2016. Bild: Hornbach
Selber bauen vereint: Hornbach-Kampagne 2016. Bild: Hornbach

Als in Heidenau Anfang November 2015 Flüchtlinge gejagt wurden, lief über den Facebook-Kanal von Fisherman's Friend das Foto einer Bonbon-Packung mit der Geschmacksrichtung "Toleranz". Untertitel: "Sind sie zu bunt, bist du zu braun". Der Text unterm Foto: "Hey Heidenau & Co, exklusiv für Euch: Unsere neueste Sorte. Solltet Ihr auch mal probieren! #mundaufmachen". Der Facebook-Post um den Toleranz-Geschmack wurde 43 774 Mal geteilt, bekam 63 407 Likes und 1258 Kommentare. Die Idee zu Post und Bild kam aus dem Büro von Scholz & Friends, die Facebook für Fisherman's bespielen. Von der Agentur also, die vor lauter Überforderung in Sachen Gerald Hensel und überrollt vom braunen Mop zurückgerudert ist.

Leider. Denn kluge Werbung im Netz scheint zu einem wirksamen Gegengewicht zu einer sehr netzaffinen und kommunikationsgeschulten Crowd geworden zu sein, die bedroht, brüllt, geifert und so viel lauter ist als die liberale Gesellschaft. Kreativdirektor Frommer schreibt dazu in seinem Blog: "Wichtig ist, dass wir uns nicht einschüchtern lassen, weil die Neurechten sehr laut werden können. Und sehr hassvoll." Den Artikel beendet er mit zwei kurzen Sätzen, die Mut machen und Lust darauf, Kante zu zeigen: "Der politische Werber ist nicht tot. Im Gegenteil er fängt gerade erst an."


Screenshot: YouTube. Per Klick geht's zum Video.
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Kommentare

Rolf Steiner, 13.01.2017 14:14
Benjamin, 13.01.2017 01:44 - im letzten Jahr ereigneten sich rund 1000 Brandanschläge bzw. Angriffe auf Flüchtlinge. Dass auch dort die Polizei nicht vor jedem Anschlag der rechtsextremen Terroristen vorbeugend tätig sein konnte, ist schlüssig. Die Flüchtlinge, die dabei zu Schaden kommen - von einem Trauma ins Nächste - haben leider eine viel schwächere Lobby als jene Nazionalisten, die in Minutenschnelle schon das Bösartigeste aus Köln verbreitet hatten, bevor ein Offizieller reagieren konnte.

Wer den verwahrlosten rechtsradikalen Hetz- und Hassbotschaften ausgesetzt ist, braucht wirklich keine Vergnügungssteuer zu zahlen. Das haben die involvierten Werbeagenturen gottseidank erkannt und entsprechend reagiert. Dafür gebührt ihnen unser uneingeschränkter Dank!

Benjamin, 13.01.2017 01:44
Sie erwähnen die Aktion von Fisherman's Friend (beraten von Scholz & Friends) als in Heidenau Flüchtlinge gejagt wurden. Mir war die Aktion entgangen. Es war eine gute Idee.

Auf der anderen Seite frage ich mich, wo und wann die besagten Unternehmen waren, als an Silvester 2015 Tausende (deutsche) Frauen sexuell belästigt wurden?

Wo war Herr Hensel damals?

Es geht vielen nur darum sich zu profilieren und als "gut" darzustellen, unabhängig davon, ob es aufrichtig gemeint ist. Es geht darum einen guten / positiven Eindruck zu hinterlassen.

Wieso um alles in der Welt hinterlässt es - nach wie vor - einen negativen Eindruck, wenn sich Deutsche dagegen wehren, dass ihre Frauen sexuell belästigt werden?

Viele Migranten oder Deutsche mit Migrationshintergrund haben sich für die (deutschen) Frauen eingesetzt. Wo war da die Werbebranche? Wo war da Fisherman's Friend? Wo war da Scholz & Friends?

Es sollte nicht mit zweierlei Maß gemessen werden. Das ist es, was viele ärgert.

KSK (KommentarSpaltenKrieger), 11.01.2017 11:41
@era:

Ich bedanke mich!

Nein, zu Bitterkeit besteht kein Anlass. Jede Krise trägt die Anlagen ihrer Verschärfung in sich - aber auch die Anlagen ihrer Lösung.

era, 10.01.2017 22:45
Lassen Sie mich etwas übertreiben:
Wenn die Mehrheit der Bevölkerung, der Redaktionen, der Medienmacher, der Kommentatoren ...... in allen Blogs und Veröffentlichungen von Junge Welt bis Junge Freiheit .... eine Haltung wie der KSK an den Tag legen würden -

wir könnten unsere Probleme in ein paar Stuhlkreisen auf zivilisierte Art und Weise lösen.

Ich danke Ihnen für Ihre besonnene Art, schützen Sie sich vor Bitterkeit und Lieblosigkeit. Ich freue mich über Ihre Diskussionsfähigkeit.

Grüße über den Graben hinweg von der anderen Seite.

KSK (KommentarSpaltenKrieger), 10.01.2017 13:41
>> Herrn Steiner:
In diesem Punkt volle Zustimmung. Das ist mein Hauptproblem mit der AfD und der Grund, weshalb ich sie nicht wählen werde.

Während der Meuthen-Flügel eine wichtige und verlorengegangene Position auf die richtige Art und Weise besetzt, erweist der Höcke-Flügel der patriotischen Sache den Bärendienst, den sie im 21. Jahrhundert nicht verdient hat.

Es muss einen klaren und erkennbaren Unterschied geben zwischen Rechtsradikalen, die den Tod von Menschen in Kauf nehmen - und Rechten, die eine fundierte Kritik an den allgemeinen Zuständen üben und dabei des Differenzierens mächtig sind, ohne, dass sie ihre eigene Sache dabei über den Haufen werfen oder sich zu stark dem herrschenden Diskurs andienen.

Zu Medienkritik und zu einer konstruktiven Kritik an der derzeitigen FLüchtlingspraxis besteht definitiv Anlass. Sie mit Fremdenhass und Faschismus gleichzusetzen, ist fatal - dass sich fundierte Kritiker und Nationalisten in e i n e r Partei zusammenfinden, ist eine Tragik.

Der Grund, aus dem das gesamtrechte Lager bislang so eisern zusammenhält, ist dabei allerdings der gesamtgesellschaftliche Druck und das In-einen-Topf-werfen von "rechts" und "rechtsextrem" - ist auch das Gefühl, in zunehmend totalitäreren Zeiten zu leben, in denen, wie mein Ausgangspost besagt, "liberal" bloß heißt -> "die richtige Meinung"
Links ist dann noch ok und firmiert unter "auf der richtigen Seite, aber etwas weltfremd" oder unter "Ach ja, in meiner Jugend war ich auch Kommunist..."

Und wie sieht es auf der konservativen Seite aus?
Man ist gegen rechts. Köln gegen rechts. HAmburg gegen rechts.

Wer rechts ist, ohne rechtsradikal zu sein, wird trotzdem in diese Formel integriert.

Auch ein Konservativer, ein Liberaler oder ein Patriot fühlt sich bspw. vom Hensel'schen Frontalangriff "gegen rechts" angesprochen - ohne, dass er brennende Heime feiert.

Dass Tichy mit seinem Rücktritt von XING jetzt quasi den "umgedrehten Hensel" machen muss, ist ein Triumph für die Scharfmacher und -leider- ein Indiz dafür, dass sich die Fronten zukünftig eher verhärten werden.

Beide Seiten beschmeißen sich zur Zeit mit Dreck, die eine Seite stärker repräsentiert, die andere Seite an ihren Rändern brutaler und gefährlicher - wobei, auch schon aus der linksextremen Ecke gab es Brandanschläge auf die Häuser von AfD-Politikern. Zu erinnern sei der Steinwurf in die Fensterscheibe eines Familienvaters (!!)

Anhand solcher Tendenzen sehe ich leider keinen bedeutenden Unterschied zwischen den Fanatikern beider Ränder, und wo die Rechten auf dem rechtsextremen Auge blind sind, sind es die LInken auf dem linksextremen Auge.

Liegt die Wahrheit nun in der Mitte? Keine Ahnung. Ich bin lediglich der festen Überzeugung, mit einer Einwanderungspolitik nach kanadischem Vorbild, einer konsequenten Antiterrorstrategie, einer Trennung der Flüchtlings- von der Einwanderungsfrage und einer getrennten Behandlung beider Phänomene und einem inklusiven Patriotismus, der sowohl die linken Errungenschaften als auch die nationalen Traditionen gleichermaßen würdigt, ohne eine Seite zu überzeichnen, wäre der Weg gefunden, der den Radikalen ihre Legitimationsgrundlage entzieht - und ein Königsschlüssel, die gespaltene Gesellschaft wieder zu einen.

Es ist kaum zu glauben, aber ich wünsche mir tatsächlich die langweilige und lahmarschige Bundesrepublik der 2000er Jahre zurück, in der über die Rente und den Veggie Day debattiert wurde, anstatt nun einer Entwicklung zusehen zu müssen, an deren Ende alle verlieren werden.

Rolf Steiner, 10.01.2017 12:39
>> Kommentarspaltenkrieger, ....Wären die Brandanschläge und Angriffe auf Flüchtlingsheim auf ein paar Wenige beschränkt, würde ich Ihrem Vergleich mit dem evtl. von Linken angerichteten Autobrand Petrys zustimmen.

Aber es hat in Deutschland allein bis 27. Dezember 2016 immerhin 921 Attacken auf Asylunterkünfte gegeben.
Davon hatten 857 einen rechtsradikalen Hintergrund lt. BKA., die anderen konnten nicht genau definiert werden, ob es lediglich primitve Bubenstreiche waren. Im gesamten Jahr 2015 hatte das Bundeskriminalamt 1.031 Straftaten gegen Unterkünfte für Flüchtlinge verzeichnet, 923 davon mit rechtsradikalem Hintergrund. Allerdings seien die Zahlen aus dem Jahr 2016 noch nicht abschließend erfasst, so die Behörde.

Dass Neonazis auch in der AfD sehr leicht Unterschlupf gefunden haben und sich unter derem mehr als zweifelhaften "Schirm" in der ihnen Gewaltprache äußern, haben wir ja schon kürzlich im Stuttgarter Landtag mitbekommen, als ein AfD-Abgeordneter mit dem Schimpfwort "Volksverräter" sich in der Sprache der Nazis outete. Nicht falsch ist es daher, diesen Ausdruck der Verbrechersprache des sog. 3. Reiches zuzuordnen.

Wenn sich "Rechte" nicht von solchen Demokratie-"Verrätern" abgrenzen, darf es niemanden überraschen, wenn sie dabei mit diesen üblen Gesellen in einen Topf geworfen werden. Wer zu solchen Gemeinheiten, Tätlichkeiten und Verbrechen aber schweigt macht sich auf jeden Fall auch mit schuldig, weil er/sie vermutlich hinter vorgehaltener Hand diese Verbrechen als "nützlich" ansehen könnte.

Irgendso'n Kommentarspaltenkrieger, 10.01.2017 00:24
@Rolf Steiner:

Der Fehler liegt schon in der unklaren Begrifflichkeit vergraben - "rechts".

"Rechte" schreiben Blogs, "Rechte" kritisieren -und pöbeln, ja, das auch- bei facebook und in letzter Konsequenz zünden "Rechte" dann Flüchtlingsheime an.

Das ist nicht nur grob, das ist unfair.

Vielleicht war mein Antifa-Vergleich genau so unfair und vermutlich liegt darin ja die Crux.
Die links-rechts-Einteilung hat einen gewissen Wert und auch heute kann man sie nicht missen, um sich zu positionieren.

Aber - während die einen Linken und die einen Rechten ihre Meinungsverschiedenheiten ausdiskutieren und sich höchstens mal bepöbeln, setzen andere Linke mal eben das Auto von Frauke Petry in Brand - und andere Rechte eine Unterkunft.

Letztlich haben sich die einen ihre Legitimation von Tichy geholt -eine Seite, die übrigens weit von einem Hetzblog entfernt ist!- und die anderen ihre aus der taz. Was sie in ihrem Fanatismus daraus stricken, bleibt letztlich im Bereich ihrer Eigenverantwortung und sagt mehr über sie als Individuen aus als über die Idee, an der sie sich bis zur Besinnungslosigkeit radikalisiert haben.

(Gerade beim Thema "Hetze" muss man zwangsläufig etwas Dampf aus dem Kessel nehmen - ich hab schon in der taz widerlichste anti-deutsche Artikel gefunden, die sich problemlos in jede Bomber-Harris-Gedenkdemo einfügen würden, und dann auch wieder Ausgewogenes. Ähnliches finden Sie garantiert bei Tichy - und sogar bei Broder.)

Mein Problem ist auch Beileibe nicht die AfD-Kritik oder eine gekonnte Satire. Mein Problem ist die schiere Masse der Kritik, die viel zu vielen Kritiker, die viel zu vielen Mitläufer, die in der Partei einen einfachen Gegner und willkommenen Prügelknaben erkennen und die sich zu Taten hinreißen lassen, die letztlich nur negativ auf das AfD-kritische Lager zurückfallen und die dann wiederum Ihren Gegnern jede Menge Material geben, um Linke als gewaltbereite Hetzer und Totalitäre darzustellen. Ähnliche Affekte sehe ich zwar auch im Rechten Lager - aber sein wir realistisch, außerhalb der Zirkulationssphäre von Junge Freiheit, Tichy und Compact hat dieses Lager bislang nichts zu melden, es gibt keine Personen des öffentlichen Lebens, die für sich vertreten, nationalkonservativ zu sein und es gibt weder eine heute show noch eine ANSTALT von rechts. Die Deutungshoheit liegt auch im Jahr 2017 auf der linken Seite - und mit der Reichweite kommt der Effekt -> Pöbeleien, Prügeleien, Hetzjagden, Anschläge etc. Gäbe es eine derart kampagnenfähige Rechte mit einer derartigen Einstellung zum "feindlichen" politischen Lager - ich müsste gewiss diese Rechte verabscheuen.

Zum Punkt "Liberalität" - es gibt im rechten Lager eine lange liberale Tradition! Ist etwas individueller und stärker auf Verantwortungsbewusstsein ausgelegt als das linksliberale Lager, aber ganz gewiss nicht zu verachten.

Rolf Steiner, 09.01.2017 16:32
Was für eine Liberalität will ein die AfD "unappetlich" findender, aber dennoch rechtslastiger Spalten-Krieger von anderen verlangen? Eine der Selbstaufgabe jedweder demokratischen Äuperung? Eine der Toleranz gegenüber fanatisch Intoleranten? Die - wie ein gewisser Jürgen Fritz in Tichys Hetzblog "grün-linke Gutmenschen" als "geistig-psychisch krank" bezeichnen? Nicht nur dieser einschlägige Artikel lässt jegliche Argumentationskette oder auch das Abwägen von Argument und Gegenargument vermissen. Und spätestens dann müssen bei Demokraten die Alarmanlagen klingeln. Und so viel Selbstkasteiung zu verlangen, ist selbst abnormal.

Zitat: "Liberal heißt freiheitlich, also die Nonchalance, viele Meinungen zuzulassen - also auch rechte." A b e r w a s wenn die Rechten nicht nur unappetlich hetzen, sondern Tag für Tag Anschläge auf Flüchtlingsheime und deren Bewohner ausführen und manchmal sogar straflos sich auf die nächsten Anschläge vorbereitent? Wenn Tag für Tag von rechten Dummheitsblogs die verlogensten Meldungen in die Welt gesetzt werden?

Wenn sich rechte Parteien wie der FN, FPÖ und vermutlich auch die AfD sich u.a. von dem undemokratischen Despoten Putin finanzieren lassen? So etwas als "gegeben" hinzunehmen, öffnet den in Wahrheit durch und durch verkommenen Rechten nicht nur die Katzenklappe sondern gleich das ganze Scheunentor.

Irgendso'n Kommentarspaltenkrieger, 09.01.2017 10:35
Zum Thema "Werbung gegen rechts" kann man viele Meinungen haben, meine Meinung ist, dass man das in einer mehr oder minder freien Marktwirtschaft auf jeden Fall tun kann. In einem Punkt ist es in der Tat mutig; Man geht immer mit dem Risiko, knapp 40 - 50 % der potentiellen Käufer und Kunden vor den Kopf zu stoßen - immer die 40- 50 % im Blick, versteht sich, die eine solche Aktion enger an die Marke bindet.
Der Werbezeck ist also klar: Konfrontation statt Konformität. Beides sind legitime und erfolgversprechende Werbemethoden.

Indes; was viele andere Kommentatoren anmerken, ist falsch, denn das hat wenig mit "Liberalität" zu tun. Liberal heißt freiheitlich, also die Nonchalance, viele Meinungen zuzulassen - also auch rechte.

Wenn "liberal" aber im hier bezeigten Kontext nur noch ein Gesinnungsausweis für die zahlreichen Gegen-rechts-Kämpfer ist, dann entfernt man sich schnell vom Markenkern des Wortes. Wer so radikal alle Meinungen links des linken CDU-Flügels entgrenzt, abwertet und die sie Vertretenden zum öffentlichen und wirtschaftlichen Abschuss freigibt - häufig mit vernichtungsgeilen Zuschreibungen wie "braunverschimmelte Siffmischpoke", "dummdreiste blaubraune Nazischweine" oder "Dumpfbesorgtbürger-PEGIDArados" - der darf für sich nicht in Anspruch nehmen, liberal zu sein - allerhöchstens, kreativ bei der Erfindung von Neologismen zu sein.

Und doch: Dieses spezifische Anti-Rechts - Das ist dann einfach nur 'ne Meinung.

Persönlich finde ich die AfD in vielen Punkten etwas unappetitlich - aber mehr Angst habe ich vor dem Antirechtsmob, der sich tagein tagaus von den Vorbildträgern dieser Gesellschaft in seinem Vernichtungsfeldzug bestätigt fühlt und mit der schmeichelhaft Fremd- und Selbstzuschreibung "liberal" im Gepäch auch noch dabei das Gefühl kriegt, alles richtig zu machen.

Autos brennen, Gaststätten werden entglast, im Großen und Ganzen ist die Zivilgesellschaft mit der exterminatorischen Rhetorik radikalerer Antifa-Vertreter auf Kurs. Das spricht für ein Ungleichgewicht, das nur weiter Chaos und Zorn auf beiden Seiten produzieren wird.
Der Shitstorm gegen Scholz & Friends ist Ausweis dieser starken und stärker werdenden gesellschaftlichen Dichotomie.

someonesdaughter, 07.01.2017 21:46
@Barolo:

"Ach so der "Henryk M. Broder SAH seinen Blog "Die Achse des Guten" einem Werbeboykott ausgesetzt". Nein er WAR einem Werbeboykott ausgesetzt. Und Tichy gleich mit."

Wie gemein. Wie können Werbetreibende sich erdreisten, selbst zu entscheiden, wo sie ihre Werbung schalten? Meinen Sie das so?

"Und das ist bei einem Online Medium ein gezielter Angriff auf die Überlebensfähigkeit und damit natürlich u.a. auch auf die Meinungsfreiheit."

Wenn ich als Unternehmen meine Anzeigen nicht auf einem notorischen Hetzblog sehen will, ist das ein "Angriff auf die Meinungsfreiheit"? Im Ernst? Ist das jetzt schon staatlich verordnete Pflicht, Broder & Co. zu alimentieren?

"Und der Gerald bekam Morddrohungen? Na das hat er doch wohl bei der Polizei angezeigt, oder fehlt eine solche Anzeige? Emails man leicht über die IP herausbekommen. Gibt es schon Erfolge bei der Fahndung? Hat jemand die Morddrohung zu Gesicht bekommen?"

Haben Sie die angeblich eingebrochenen Umsatzzahlen vom armen Henryk Mittelinitial und vom 'Opfer' Roland gesehen? Oder plappern Sie einfach mal deren Behauptungen nach und sind keineswegs so 'kritisch' wie Sie hier tun?

Und selbstverständlich gehen die Herren ja gegen diesen unerhörten "Angriff gegen die Meinungsfreiheit" juristisch vor, nicht wahr?

Machen wir's doch mal so: Wenn Sie, Barolo, nicht sofort für 500 Euro Anzeigen schalten, damit ich meine neue Website finanzieren kann, die Sie und Ihresgleichen an den Pranger stellt, dann sind Sie ein Meinungsfreheitsverbrecher! Wäre doch gelacht, wenn ich Sie nicht zwingen könnte, meine Propaganda zu finanzieren!

Rolf Steiner, 06.01.2017 17:42
Manche scheinen Kopps Werbegelder abuikassieren ohne jeden Skupel? Und ein Nazi-Shitstorm gegen eine Agentur. So wie es gerade Lidl passierte, weil gewissen Rechtsextremen in Tschechien eine Werbung mit einem schwarzen Modell nicht zu passen schien. So erschienen auf der Facebook-Seite des Discounters Dutzende hasserfüllter Kommentare von rechtsradikalen Internet-Usern. Unter anderem war gar die Rede von einer "Ausrottung der weißen Rasse" durch schmutzigsten Multikulturalismus. Gegenüber diesen nazionalistischen Verblödungsversuchen wies Lidl die schäbigen Kommentare mit dem Hinweis zurück: "Wir leben im Europa des 21. Jahrhunderts, in dem Menschen verschiedener Ethnien zusammenleben." Den rassistisch Empörten gab das Unternehmen noch einen souveränen Rat: "Je mehr man von der Welt sieht, desto mehr Toleranz entwickelt man gegenüber anderen - darum stammen unsere Models aus allen Enden der Welt." Die meisten der Kopp-Erzeugnisse stammen dagegen aus einer nicht gerade dem appetitlichen Ecke geistig eng begrenzter "Entrüsteteter". Uund verschiedene könnten dabei vielleicht manchem (internationalen) Beobachter sogar sogar ganz widerlich braun angefault vorkommen. Schmeckt's noch?

Michael Kornmayer, 06.01.2017 17:12
Meine 24 Jahre Berufserfahrung in der Werbung sagen:

Jede Werbung, die im links-rechts-Denken verhaftet ist, diffamiert beseelte Menschen und richtet sich gegen die Meinungsfreiheit.

Rolf Steiner, 06.01.2017 16:45
Dank jedem, der mithalf, dass dieser Maulheld Broder einem Werbe-Boykott ausgesetzt werden konnte. Dieser und andere, professsionell oder als Amateure auftretende Rassisten versuchen mit ihrem schein-bürgerlichen Auftritt den Menschen Seriosität vorzulügen. Genau solche Personen wie Henryk M. Broder, Heinz Buschkowsky und Thilo Sarrazin erzielen auch noch mit den dümmsten Verlautbarungen eine öffentliche Resonanz. Zwischenzeitlich hat sich eine „unheilige Allianz“ zwischen Neonazis, Rechtspopulisten, Kulturrassisten, christlichen Fundamentalisten, Feministinnen, religionskritischen Intellektuellen, Tierfreunden, bildungsbenachteiligten Unterschichtangehörigen und Teilen des vom sozialen Abstieg bedrohten Kleinbürgertums formiert, die – wenn sie provozierende Themen wie Flüchtlinge aufgreifen, für den politischen Kitt sorgt, Dabei trifft die Schuld an der zunehmenden Spaltung unserer Gesellschaft nicht nur neonazistisch ausfällige Demagogen, sondern auch jene Eliten, die ihrerseits eine weitere Parallelgesellschaft herausbilden, wenn sie in Luxusquartieren wohnen, von privaten Sicherheitsdiensten bewacht sich gegenüber den Mittel- und Unterschichten auch räumlich immer deutlicher abschotten. Ein ähnliches Verhalten ist auch bei sog. Bürger-Aktionen zu beobachten. Leut, die sich gegen die Unterbringung von Flüchtlingen spießerhaft in Stellung bringen. Ausgerechnet Maulhelden wie ein Broder oder ein Tichy bestärken sie in ihrem schäbigen Auftreten.

Rolf Steiner, 06.01.2017 16:24
Dummdreiste Hetzer wie Tichy oder Broder muss Deutschland - leider - ertragen. Dennoch hindert mich niemand, diese und eine weitere Horde von Fremdenfeinden als solche deutlich zu kennzeichnen. Im Gegenteil, die Demokratie empfiehlt ihren Anhängern ausdrücklich, sich mit diesen, ihren Feinden auseinanderzusetzen. Die Leutchen, zusammen mit den AfD-Unterfeldwaibeln Gauland, Höcke, Petry, Pretzell oder Meuthen eindeutig als im ethisch-moralischen Sumpf herum torkelnde "Deutsche" zu bezeichnen fällt mir nicht schwer. Mein großer Respekt gilt denjenigen, die es nicht scheuen, ihren Mund gegen dummdreistbraune Propaganda und deren schändlichem Missbrauch der Meinungsfreiheit aufzumachen. Trotz den Tierkadavern, der Hundescheiße oder den Morddrohungen, die sie im Briefkasten dorthin entsorgen müssen, wohin auch deren Absender gehören: auf den schäbigsten Misthaufen der Geschichte!

Barolo, 05.01.2017 20:09
Ach so der "Henryk M. Broder SAH seinen Blog "Die Achse des Guten" einem Werbeboykott ausgesetzt". Nein er WAR einem Werbeboykott ausgesetzt. Und Tichy gleich mit. Und das ist bei einem Online Medium ein gezielter Angriff auf die Überlebensfähigkeit und damit natürlich u.a. auch auf die Meinungsfreiheit.
Und der Gerald bekam Morddrohungen? Na das hat er doch wohl bei der Polizei angezeigt, oder fehlt eine solche Anzeige? Emails man leicht über die IP herausbekommen. Gibt es schon Erfolge bei der Fahndung? Hat jemand die Morddrohung zu Gesicht bekommen?
Und dann "kündigte er sein Vertragsverhältnis bei der Agentur, um seinen Arbeitgeber aus der Schusslinie zu nehmen" :-)
Also wer ein sicheres und sicherlich nicht schlecht bezahltes Arbeitsverhälniss hat, der kündigt sicherlich um Scholz & Friends aus der Schusslinie zu nehmen. Obwohl er doch angeblich als Privatmann gehandelt hat, oder?
Sorry, aber ich fühl mich da von Herrn Hensel etwas veräppelt.
Und wer sollte sich mit oder ohne großes "Aber" hinter eine solche Gerald Hensel Aktion stellen?
In Erwartung der Zensur grüsst freundlich
heute abend mit einem Cusumano

Schwabe, 05.01.2017 12:31
Wieso liegt bei "Fisherman`s Friend" gerade die "blaue" Packung ganz vorne (oben)? Zufall oder politische Botschaft?

Die Packungen (Farben) könnten z.B. auch nebeneinander liegend (bunt durcheinander) gezeigt/dargestellt werden - was sie meines Erachtens sogar müssten bei einem so heiklen/sensiblen Thema wie Toleranz/Rassismus.

Ich persönlich tue mich schwer blau (steht politisch für die AfD) und tolerant/Rassismus miteinander in eine gute Verbindung zu bringen!

Peter S., 04.01.2017 20:13
Der geneigte Leser dieses Artikels kann sich gerne auf achgut (chronologisch hier http://www.achgut.com/artikel/dossier_denunzianten-gate) oder tichyseinblick eine etwas umfassendere Ansicht zum Thema "Hensel" aneignen und sich dann eine Meinung bilden.

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