KONTEXT Extra:
Parkschützer helfen Wolfgang Dietrich beim VfB

Überraschende Hilfe für den früheren S 21-Sprecher Wolfgang Dietrich: Ermuntert durch das Kontext-Editorial ("Dietrich for President") finden sich im Bahnhofsgegner-Forum "Parkschützer" bereits Vorschläge für Sprechakte, die der 68-Jährige als VfB-Präsident vornehmen könnte. Besonders hübsch die Ansage, der Zweitligist plane den Kauf von Messi, Ronaldo und Ibrahimovic - "die Kosten dafür werden unseren Etat nicht belasten". Sehr schön auch der Plan, keinen Torwart einzusetzen, denn: "Ich bin sicher, wir bekommen eine Sondergenehmigung, unser Tor mit Brettern vernageln zu dürfen". Außerdem brauche der VfB keine elf Spieler - "unsere Mannschaft ist mit sechs Spielern 30 Prozent leistungsfähiger". Grundsätzlich habe der Abstieg in die 2. Liga keinerlei Auswirkungen auf das Ziel, 2017 Deutscher Meister zu werden: "Wir liegen da voll im Zeitplan". (28.7.2016)


Zwei Afd-Fraktionen im Landtag zulässig

Nach dem von der Landtagsverwaltung in Auftrag gegebenen Gutachten zur Vertretung der "Alternative für Deutschland" (AfD) im baden-württembergischen Parlament gibt es keine Handhabe gegen die Parallelfraktion. Die Professoren Christofer Lenz, Martin Morlok und Martin Nettesheim schreiben in ihrer 35-seitigen Stellungnahme: Der unter der Bezeichnung "Fraktion der Alternative für Baden-Württemberg im Landtag von Baden-Württemberg" auftretende Zusammenschluss von 14 der AfD angehörenden Abgeordneten sei "seit seiner Konstituierung am 06.07.2016 eine Fraktion im Sinne der Geschäftsordnung des Landtags". Einer Anerkennung bedürfe es nicht. Es bestünden keine über den Wortlaut Geschäftsordnung "hinausgehende, rechtliche Anforderungen an die Zulässigkeit einer Fraktionsbildung".

Auch das "Verbot der Fraktionsvermehrung" greift nach Einschätzung der Gutachter nicht. "Der Landtag würde die verfassungsrechtlichen Grenzen seiner Geschäftsordnungsautonomie aber nicht überschreiten", heißt es weiter, "wenn er eine Regelung erließe, die die Gründung einer 'Parallelfraktion' untersagt." Einer bereits bestehenden Fraktion ist der Status aber auch dadurch nicht zu nehmen. Denn: "Eine derartige Regelung dürfte nur mit Wirkung für die Zukunft erlassen werden, zweckmäßigerweise zum Zeitpunkt des Zusammentritts des neuen Landtag."

Damit müssen sich die anderen Fraktionen, wenn der AfD-Bundes- und Landessprecher Jörg Meuthen mit den Bemühungen eines Zusammenschlusses unter seiner Führung keinen Erfolg hat, weiterhin mit mindestens zwei rechtspopulistischen Rednern und Rednerinnen zu jedem Tagesordnungspunkt abfinden. Die geschätzen Kosten der Spaltung für die Steuerzahler und Steuerzahlerinnen liegen bei drei Millionen Euro. Denn auch die zweite AfD-Fraktion hat ein Recht auf die allen anderen zustehende finanzielle Ausstattung. (25.7.2016)


Zweiter NSU-Ausschuss: Geheimdienste auf der Theresienwiese?

Der zweite NSU-Untersuchungsausschuss des Landtags hat in seiner konstituierenden Sitzung am Donnerstag die ersten zwei Zeugen benannt. Sie sollen nach den Worten des Vorsitzenden Wolfgang Drexler (SPD) Auskunft darüber geben, "ob sich am Tag des Anschlags auf die beiden Polizeibeamten in Heilbronn Geheimdienste am oder in der Nähe des Tatorts befunden" haben.

Im ersten Ausschuss in der vergangenen Legislaturperiode hatte der Journalist und NSU-Experte Rainer Nübel als Sachverständiger dazu Stellung genommen. "Er verwies", wie es im Abschlussbericht heißt, "zunächst auf die mutmaßliche Anwesenheit der Defence Intelligence Agency (DIA) zur Tatzeit am Tatort". Mitte November 2011 habe er, wie Nübel weiter zitiert wird, eine Nachricht von der "Stern"-Redaktion in Hamburg erhalten, wonach ein dort vorliegendes Papier ein mutmaßliches Observationsprotokoll des amerikanischen Militärgeheimdienstes DIA darstelle. Daraus gehe hervor, dass zur Tatzeit eine Observation von "M. K." und einer weiteren, nicht näher definierten Person durch US-Agenten stattgefunden habe. Zumindest eine dieser beiden Personen habe zuvor bei der Santander-Bank 2,3 Millionen Dollar oder Euro abgeholt. Und weiter: "Sicherheitsbeamte entweder aus Baden-Württemberg oder Bayern sollten präsent gewesen sein und die Operation aufgrund eines 'Shooting Incident' zwischen 'White Wings', also Neonazis bzw. Rechtsextremisten, und einer Polizeistreife abgebrochen worden sein."

Nübel hatte bei seinem Auftritt als Sachverständiger umfangreiche Ausführungen zu den eigenen Recherchen gemacht. Aus Zeitgründen und angesichts des Endes der Legislaturperiode, so Drexler, der auch den ersten Ausschuss führte, habe diesem Komplex aber nicht mehr detailliert nachgegangen werden können. Im Einsatzbeschluss des zweiten Gremiums heißt es jetzt, insbesondere sei zu klären, ob "Angehörige von ausländischen Sicherheitsbehörden auf der Theresienwiese oder in der Umgebung im Umfeld des Mordanschlags am 25. April 2007 anwesend waren, ob und welche Rolle diese beim Tatgeschehen gespielt und welche Erkenntnisse dazu bei deutschen Sicherheits- und Ermittlungsbehörden vorgelegen haben". Die erste öffentliche Sitzung des Untersuchungsausschusses findet am 19. September statt. Gehört werden zum Auftakt auch noch einmal vier Sachverständige.


Keine Nebenabsprache zu Stuttgart 21

Um Streit zu vermeiden, sind laut Winfried Kretschmann die bis zum Wochenanfang geheimen Nebenabreden mit der CDU zusätzlich zum Koalitionsvertrag getroffen worden. Die Aufregung darüber, dass Ausgaben von 1,3 Milliarden Euro ohne Finanzierungsvorbehalt an der Öffentlichkeit vorbei festgeschrieben wurden, versuchte der Regierungschef mit neuen Einblicken in seinen Politikstil zu kontern: "Auch ich muss mal mauscheln, auch ich muss mal dealen." Kein Mensch auf der Erde, der vernünftig Politik machen wolle, kriege das hin ohne Absprachen hinter den Kulissen. Da habe er kein schlechtes Gewissen, denn es sei "unspektakulär", einzelne Maßnahmen zu priorisieren, die grundsätzlich ohnehin im Koalitionsvertrag vereinbart seien.

Unter anderem ist im Detail aufgeführt, dass 325 Millionen Euro ohne Finanzierungsvorbehalt in die Digitalisierung fließen sollen, 100 Millionen in die bessere Ausstattung der Polizei oder 40 Millionen in die Elektromobilität. Der mit 500 Millionen Euro größte Betrag ist allerdings nicht mit konkreten Informationen versehen, die Summe steht für "Investieren/Sanieren (Straße/Schiene, Hochbau, Hochschulen, ...)" zur Verfügung. Der Ministerpräsident widersprach Mutmaßungen, dass in dieser halben Milliarde auch zusätzliche Mittel für Stuttgart 21 über den Kostendeckel hinaus versteckt sein könnten. Für die laufenden Zahlungen gebe es einen Sonderposten im Haushalt. Nebenabsprachen zu diesem Thema hätten nicht stattgefunden.

(19.07.2016)


Die Reichen sind noch viel reicher

Einkommenserhebungen bei Spitzenverdienern aus mehr als 1300 Firmen haben ergeben, dass alle offiziellen Einschätzungen zur wachsenden sozialen Kluft in der Bundesrepublik die Situation beschönigen. Nach den Zahlen, die das ARD-Magazin "Monitor" in diesen Tagen veröffentlichte, verdienen Manager und Vorstände im Durchschnitt nicht 200 000 Euro jährlich, sondern rund eine halbe Million. Die 200 000 Euro sind aber offiziell im sogenannten Sozioökonomischen Panel (SOEP) ausgewiesen, welches wiederum wichtiger Eckpfeifer der bisherigen Armuts- und Reichtums-Berichterstattung in Bund und Ländern ist.

Das Bundesarbeitsministerium will die Daten dort jetzt einfließen lassen, ebenso wie die Erkenntnisse einer in der vergangenen Woche von der Bertelsmann-Stiftung veröffentlichten Studie. Danach verdienen die einkommensstärksten zehn Prozent der Bevölkerung mehr als die unteren 40 Prozent zusammen. Und die Einkommensungleichheit wächst weiter. In "Monitor" präsentierte Wirtschaftsweise Peter Bofinger eine vergleichsweise einfache Lösung: "Aus meiner Sicht würde es naheliegen, wieder zu den Steuersätzen zurückzukehren, die wir in den Neunzigerjahren hatten, und das war ein Spitzensteuersatz in der Einkommenssteuer von 53 Prozent." Zurzeit liegt er bei 42 Prozent. Ab einer bestimmten Einkommenshöhe werden drei Prozentpunkte Reichensteuer hinzugerechnet. Von ihr sind aber nicht einmal ein halbes Prozent der Steuerzahler und Steuerzahlerinnen betroffen.


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Ausgabe 205
Gesellschaft

Bibelfreie Zone

Von Josef-Otto Freudenreich
Datum: 04.03.2015
Ein ungläubiger Kommissar will keine Bibeln auf dem Polizeirevier in Friedrichshafen. Schon gar nicht die vom Gideonbund. Sein Vorstoß ist von Erfolg gekrönt: Das Innenministerium erklärt die Polizei jetzt zur bibelfreien Zone.

In einer Zeit, in der Frömmigkeit gering geschätzt wird, hat Ekkehard Falk (55) ein Zeichen gesetzt. Ja, schrieb der Polizeipräsident von Friedrichshafen mit "vielen freundlichen Grüßen" an den Gideonbund, die Ausgabe der Bibeln könne "gerne durchgeführt" werden. Und weil die Polizei hilft, wo sie kann, hatte er auch gleich einen Plan. Ab sieben Uhr im Foyer des Dienstgebäudes und ab 8.45 Uhr im Flurbereich des dritten OG. Das war im November 2014 und hat sogar den "Südkurier" aufgeregt. Was für ein Aufschrei würde durch die Region gehen, fragt das Heimatblatt, wenn Salafisten den Koran vor einem Gymnasium verteilen wollten?

Die Bibel des Anstoßes. Foto: Wikipedia
Die Bibel des Anstoßes. Foto: Wikipedia

Dennoch: warum keine Bibel auf den Schreibtischen der Gesetzeshüter? Besser allemal als Schlagstock und Pfefferspray. Zumal die Gideon-Ortsgruppe versicherte, dass sich die Heilige Schrift als hilfreich erweise, wenn Polizisten "schwierige Erlebnisse seelisch verarbeiten müssen"? Außerdem habe man in den vergangenen 15 Jahren gut zusammengearbeitet, viel Positives gehört, unter anderem vom Landespolizeipräsidium (1. März 2007) sowie aus dem bayrischen Raum und vom bundesweiten Grenzschutz. Überall seien die Gratis-Bibeln "gerne angenommen" worden.

Offensichtlich nicht von allen. Der Kriminalhauptkommissar Jürgen Sterk, seit 1973 in Diensten der Polizei, mochte sich mit der Vorstellung, morgens an einem Bibeltisch im Foyer des Häfler Polizeipräsidiums vorbeigehen zu müssen, nicht anfreunden. Er habe keine Lust, schimpft Sterk, durch eine "religiöse Markthalle" zu laufen, in der ihm wechselweise die Bibel, der Koran oder der "Wachturm" der Zeugen Jehovas angeboten würde. Wo bliebe da die Trennung von Kirche und Staat und die Neutralitätspflicht für den öffentlichen Dienst? Ganz abgesehen davon, dass ein deutscher Beamter keine Geschenke annehmen dürfe. Dann doch lieber das Grundgesetz auslegen.

Sind sich gar nicht grün: die Gideon-Bibeln und Kriminalhauptkommissar Jürgen Sterk. Foto: privat
Sind sich gar nicht grün: die Gideon-Bibeln und Kriminalhauptkommissar Jürgen Sterk. Foto: privat

Das ließ der 58-jährige Kommissar mit "atheistischer Gesinnung" nicht nur seinen Präsidenten wissen, sondern auch den baden-württembergischen Innenminister Reinhold Gall (SPD). Der wiederum entdeckte im Archiv, dass sein Vorgänger Heribert Rech (CDU) die Distribution der Gideon-Bibel 2007 ausdrücklich gestattet hat. An alle Polizeidienststellen im Land. Was schon damals merkwürdig war, weil dieser Fundiverein seit 60 Jahren seine Neuen Testamente verteilt – und heftig umstritten war und ist.

Für die Gideons, die in 193 Ländern unterwegs sind, ist die Erde eine Schöpfung Gottes, die Bibel das unfehlbare Wort Gottes und die einzige Glaubensgrundlage. Und damit die Beschenkten sich auch daran halten, sollen sie schriftlich bestätigen, dass sie Jesus Christus als ihren "Retter" anerkennen. Denn, so die Glaubensbrüder: "Alle sind Sünder." Einen Teufel werde er tun, sagt Kommissar Sterk und führt noch die Frauenfrage ins Feld, die von den evangelikalen Missionaren auf ihre Weise gelöst wird: Nur Ehefrauen können Mitglied im "Gideon-Frauendienst" werden, der die Ehemänner, vorzugsweise Geschäftsleute, bei ihrem Dienst unterstützt. Und da gibt es viel zu tun. Allein in Deutschland seien mindestens 20 Millionen Bibeln verteilt worden, heißt es. In Hotels, Krankenhäusern, Arztpraxen, Altenheimen, Knästen und eben bei der Polizei.

Keine "religiöse Markthalle" mehr: das Polizeirevier Friedrichshafen. Foto: Polizei FN
Keine "religiöse Markthalle" mehr: das Polizeirevier Friedrichshafen. Foto: Polizei FN

Und die muss nun, nach dem Protest Sterks, ohne die Heilige Schrift auskommen. Zumindest in Baden-Württemberg. Religiöse Schriften, wie etwa Bibeln, teilt das Innenministerium jetzt mit, seien künftig "grundsätzlich nicht mehr zugelassen". Das habe man allen Polizeipräsidenten erst vor Kurzem gesagt. Insofern sei das Anliegen erledigt. Nicht für Sterk. Er hat noch eine Petition an den Landtag geschickt, in der er, zusammen mit der "Humanistischen Alternative Bodensee", verlangt, dass der "gesamte öffentliche Dienst" in Baden-Württemberg bibelfrei wird.

Weil der bekanntermaßen umfangreich ist, dürfte sich der Vorgang noch etwas hinziehen. Zunächst einmal muss man wissen, wer welches fromme Schrifttum in den Amtsstuben beherbergt beziehungsweise verteilen lässt. Darüber führt niemand Buch, und so fängt der grüne Kirchensprecher Willi Halder zunächst einmal an. Von Innenminister Gall will der Abgeordnete wissen, welche Organisationen ihre Botschaften wo unter die Bediensteten streuen? Das werde geprüft, sagt ein Sprecher Galls, aber erst nach Ablauf des Petitionsverfahrens.

Auf Anfrage von Kontext hat auch das Kultusministerium nachgeschaut, weil es doch für die Schulen zuständig ist, die Gideon besonders am Herzen liegen. Da gibt es immer wieder Streit, ob sie reindürfen oder nicht, ob sie muslimische Kinder missachten oder nicht, ob sie mutmaßen dürfen, dass nur Christenkinder in den Himmel kommen. In Berlin und Nordrhein-Westfalen mögen sie das gar nicht, in Stuttgart sind sie weniger streng. Das Ministerium habe 2004 die Auffassung vertreten, lautet die Antwort, dass gegen die Verteilung von Gideon-Bibeln "keine Einwände bestehen", wenn das mit der Schulleitung abgesprochen sei. Dies sei dem Verein auch so mitgeteilt worden. Das gilt immer noch.

Bibelfreund Ekkehard Falk (rechts). Screenshot: "Südkurier"
Bibelfreund Ekkehard Falk (rechts). Screenshot: "Südkurier"

Bei der Gideon-Ortsgruppe Friedrichshafen sind sie nun enttäuscht, wie ihr Sprecher Jürgen Strobel bekennt. Mit Präsident Falk sei alles besprochen gewesen, sagt der Bezirksnotar. Dass sie ihre Bibeln drinnen verteilen und nicht draußen im Regen, und dass sie keiner lesen müsse, wenn er nicht wolle. Aber was soll man machen gegen parteipolitisch motivierte Entscheidungen? Gall ist eben ein Sozi. Und generell gelte halt, dass "sich unsere Gesellschaft auf das Christentum einschießt", vergessend, dass die westliche Kultur darauf beruhe. "So wahr mir Gott helfe" – so lautet doch der Eid der Beamten, erinnert der 64-jährige Strobel, der selbst einer und "voll für die Religionsfreiheit" ist.

Und die Schüler? Sie wehren sich im Netz gegen den Besuch von "betagten Herren", die dasselbe machten wie Islamisten – Nicht-Muslime als Ungläubige zu bezeichnen. "Bei uns laufen die gleichen Säcke rum", schreibt einer, gekontert von einem anderen: "Die treten auf wie Jesus und Papa Schlumpf und verteilen grüne Bibelchen." Er habe sie gleich in den Papierkorb gesteckt.


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Kommentare

Herr Heuzeroth, 10.03.2015 17:54
Ein Klasse Bericht mit dem Artikel "Bibelfreie Zone". Dem Kriminalhauptkommissar Jürgen Sterk sollte man für sein Engagement mit einer Friedensauszeichnung ehren. Denn er hat sich in der Abwehr gegen eine absolut aufdringlich und damit kampflustige Gideon-Armee mit Erfolg gewährt. Alles schön und gut mit dem "Wort Gottes" in der Bibel. Wenn die Gideons aber meinen, sie könnten ihr in Grün gebundenes Heil massenweise auch in alle staatlichen Einrichtungen etc. verstreuen, dann muss man dem konsequent einen Riegel vorschieben, und ihnen damit ihre Grenzen aufzeigen. Und das nicht nur in Baden-Württemberg. Hier hilft dann nur noch ein konsequentes "Hausverbot", um sich der Aufdringlichkeit zu erwehren.
Wer den Geist Gottes sucht, macht sich selbst auf den Weg, und braucht sich nicht die Tür einlaufen zu lassen von einer von sich eingenommenen, elitären Gesellschaft, wie die Gideons sie darstellt, die meinen, sie müssten allen Menschen ihre kleinen grünen Bibelchen wie Sand in die Augen streuen, um sie vor dem Höllenfeuer zu retten.

Ruth Kasemann, 10.03.2015 07:34
An alle Kommentarschreiber mit und ohne Namen, an alle Schubladenauf- und zuzieher, hier eine Botschaft die stimmt: "Gott liebt Euch!" . Wer bin ich, dass ich einem von Gott geliebten Menschen nicht jede Achtung entgegen bringe?

Bernd Oehler, 09.03.2015 20:03
Sieh an, was für eine gar fromme Web-Wächterschar …
»Menschen, die überzeugte Christen sind und die immer wieder abschätzend als Fundamentalisten bezeichnet werden« haben ihrerseits überhaupt kein Problem damit, wenn Menschen, die überzeugte Muslime sind immer wieder abschätzend als Fundamentalisten bezeichnet werden, denn sie selbst sind ja allein im Besitz der Wahrheit und möchten »an Gideon die Reinigung von den fremden Göttern lernen«, Seit' an Seit' mit Pastor Latzel, der laut FAZ eine Hasspredigt wider katholischen Reliquienkult (»Dreck«), islamisches Zuckerfest (»Blödsinn«) und Buddhafiguren (»zeigen alten, fetten Mann«) gehalten hat.
Was für eine Schule des Atheismus'.

Karl Sprengart, 09.03.2015 17:18
@ Ulrich Scheuffele

Angesichts stetig zunehmender Zahl schwuler oder lesbischer Pfarrerinnen und Pfarrer auf Kanzeln und in Pfarrhäusern, dürfte es Ihnen äußerst schwer fallen, den Nachweis zu führen, daß "diese (evangelikalen) "Glaubensbrüder" innerhalb der Kirche immer mächtiger werden" !

Karl Sprengart, 09.03.2015 14:02
Ich bin entäuscht, da ich - entsprechend der selbstgestellten Ansprüche von "KONTEXT:WOCHENZEITUNG - schon ein wenig mehr "Fleisch am Knochen" erwartet habe! Von der so bemühten "freien Presse" hätte ich schlichtweg mehr erwartet, als simple Biertresenjournaile. Wie wäre es z.B. damit gewesen, den Vorgang nicht emotional breitzutreten, sondern unter dem Aspekt der Verfassungskonformität? Und da fallen dann fernab jedweder Parteinahme für die "Frommen" zwei Dinge ins Auge:

Zum Einen, dass einem atheistischen Beamten, der seinen Diensteid auf die Verfassung des Landes Baden-Württemberg abgelegt hat, plötzlich die „Neutralitätsverpflichtung“ dieses Landes in Dingen des christlichen Glaubens so enorm wichtig wird, dass er dafür alle Hebel in Bewegung setzt, eine Bibelverteilung unter Mitbeamten zu verhindern.
Die Landesverfassung bestätigt an vielen Stellen den behördlichen Schutz der christlichen, freien Religionsausübung, die auch dieser Beamte im Bedarfsfall zu schützen hat. Diese Landesverfassung ist also keineswegs neutral in Bezug auf den christlichen Glauben. So findet sich im Vorspruch der Gottesbezug: „Im Bewusstsein der Verantwortung vor Gott und den Menschen …“. Weiter finden sich dort dann z.B. in den Artikeln 1, 4, 12 und 15 Schutz- bzw. Förderbestimmungen bzgl. des christlichen Glaubens.
Artikel 1
(1) Der Mensch ist berufen, in der ihn umgebenden Gemeinschaft seine Gaben in Freiheit und in der Erfüllung des christlichen Sittengesetzes zu ...
Artikel 4
(1) Die Kirchen und die anerkannten Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften entfalten sich in der Erfüllung ihrer religiösen Aufgaben frei von staatlichen Eingriffen.
Art. 12
(1) Die Jugend ist in Ehrfurcht vor Gott, im Geiste der christlichen Nächstenliebe, zur Brüderlichkeit aller Menschen und zur Friedensliebe, in der Liebe zu Volk und Heimat, zu sittlicher und politischer Verantwortlichkeit, zu beruflicher und sozialer Bewährung und zu freiheitlicher demokratischer Gesinnung zu erziehen.
Artikel 15
(1) Die öffentlichen Volksschulen (Grund- und Hauptschulen) haben die Schulform der christlichen Gemeinschaftsschule ...

Wo ist hier „Neutralität“ zu finden, die es einem Beamten erlauben könnte, sich nicht für die Wahrung der Landesverfassung und der dort verankerten Glaubens- und Religionsfreiheit einzusetzen?
Die von dem Herrn Sterk geforderte „Glaubens- und Religionsfreiheit“ wird von den Atheisten gerne als Freiheit vom Glauben umgedeutet, bedeutet in Wahrheit aber die Freiheit zur freien Ausübung des Glaubens oder der Religion! Wie nun, wenn ein christlicher Beamter in den Diensträumen seine Religionsfreiheit dazu benutzen würde, mit Kollegen über seinen Glauben zu reden, oder Taschenbibeln zu verschenken? Wie wollte Herr Sterk dagegen vorgehen wollen? Entgegen der irrigen Meinung des Herrn Sterk gehören Bibeln eben lt. Verfassung nicht nur in Kirchenräume.
Entweder leistet ein Beamter den Diensteid auf die Landesverfassung, mit allen Konsequenzen, oder eben nicht, auch mit der Konsequenz nicht eingestellt zu werden!
Zum Zweiten erstaunt noch viel mehr, dass das Innenministerium anscheinend die eigene Verfassung nicht zu kennen scheint und dem Begehren des Herrn Sterk stattgegeben hat.
MfG
Karl Sprengart

Dr. Norbert Pailer, 09.03.2015 09:33
Endlich dieser Befreiungsschlag: Bibelfreie Zone! - Die Welt kann erleichtert aufatmen! - Viele werden sich allerdings ob dieser „Errungenschaft“ verstört die Äugeln reiben;
 eine persönliche Stellungnahme:
Wir waren mit unserem Sohn längere Zeit auf der Onkologie-Station der Uni-Klinik in Freiburg. Bei aller Tragik waren wir erfreut, etwas zu finden, was vor uns da war: eine Bibel.
Als Christen hatten wir auf der Onkologie-Station viele tief gehende, persönliche Gespräche mit anderen Betroffenen an der Schwelle zum Tode eigener Kindern. Der Chefarzt sagte uns, dass die Eltern krebskranker Kinder die schwierigsten Patienten sind. Einziger Halt war für viele die Zigarette oder der Alkohol. Flucht in Drogen. - Bier oder Bibel?

Selbst am Grab unseres Erstgeborenen haben wir den Glauben an Gott als tragfähiges Fundament erlebt und sind heute eine - wenn auch kleinere - so doch fröhliche Familie unter Gott.
Und nun kommt ein Zeitgenosse mit „atheistischer Gesinnung“, der - ausgerechnet - bei der „Humanistische Alternative Bodensee“, Schützenhilfe sucht und das notwendige Entfernen der Bibel aus dem öffentlichen Raum als Art Wohltat für die Menschheit vertritt …
Ich schäme mich für allen Missbrauch von Machtmenschen, die Unfug mit der Bibel machten. Den anderen empfehle ich, vorurteilsfrei z. B. einmal das Johannes-Evangelium zu lesen. Da wird sich am Ende nicht mehr die Frage stellen: Glaubst du noch oder denkst du schon? Christen sind kein leichtgläubiger Haufen, der gerne absurde Geschichte hinterher läuft. Sie wissen: Es ist nicht der Sinn des Lebens, zu Ende zu gehen. Der Glaube an Gott ist die stärkste Lebensäußerung! - Das muss keiner wollen, aber das Angebot muss es geben. Auch in Zukunft.

tillupp, 09.03.2015 09:22
Glauben ist ein staatlich gefördertes Phantasiespiel, mit eigenen Spielregeln und Ritualen. Da ist prinzipiell nichts dagegen einzuwenden, solange sie allgemeine geltende Gesetze einhalten. Aber genau das wollen sie nicht. Muslime und Juden fordern das Recht auf Körperverletzung an Jungs (Beschneidung), die christlichen Kirchen schränken Arbeitnehmerrechte ein und kündigen Menschen nach einer Scheidung. Damit gelten die Spielregeln eben nicht nur für die Gläubigen sondern auch für Andersdenkende, und genau das ist NICHT in Ordnung. Ich hätte auch keinen Lust auf einen Vulkaniergruß oder auf ganzjährige Faschingsrituale. Niemandem ist es verboten die Bibel, den Koran, die Thora oder das Kamasutra zu lesen, aber es gehört definitiv nicht in die Amtsstuben.

Ruth Kasemann, 08.03.2015 08:34
Als Mensch, der die Meinung Andersdenkenden achtet und versucht, Meinungen die nicht in meine Anschauung passen nicht mit diffamierenden Worten abzutun, möchte ich einiges zu dem o.g. Artikel erklären. Die Gideons verteilen Bibeln, weil Sie selbst Ihre Kraft aus dem Glauben schöpfen und anderen Menschen den Zugang zum Glauben erleichtern wollen. Der Empfangende hat doch jedes Recht, dieses Geschenk und auch den Glauben abzulehnen. Wer diese Bibel einmal liest, kann doch nur feststellen, dass Christus niemand in diesen Glauben zwingt. Mich stört in zunehmenden Maße, dass Menschen wie Sie, Herr Freudenreich, Ihre persönliche Meinung so stark in Ihre Artikel einfließen lassen, dass man von objektiver Berichterstattung nicht mehr reden kann.
Mich stört auch, als überzeugte Demokratin, dass Christen in diesem Land zunehmend diskriminiert werden, sich erklären müssen, obwohl Sie in Bereichen der Diakonie und des Ehrenamtes an vielen Stellen hilfreich tätig werden. Menschen, die überzeugte Christen sind und die immer wieder abschätzend als Fundamentalisten bezeichnet werden, haben eine friedliche Überzeugung, sind hilfsbereit und zuvorkommend und in jeder Hinsicht ein Gewinn für die Gesellschaft.

Ingo Breuer, 07.03.2015 20:08
Ich stehe voll hinter den Gideons und finde deren Arbeit wichtig. Ich gehöre selber nicht zu den Gideons, bin aber trotzdem in der Bibelverteilung aktiv. Die Menschen brauchen Gottes Wort. Wir sehen ja heute, daß es ohne Gott nicht klappt. Werde dem Innenminister gleich mal einen Protestbrief schreiben und Ihm ein Johannesevangelium beilegen.

Mr.X, 07.03.2015 19:02
Wie wäre es mit einer Koranfreien Zone?

MCBuhl, 04.03.2015 17:09
@adabei: Zeus ist eine gute Wahl! Da bekommt das Sprichwort, dass jemanden der Blitz bei einer Tätigkeit treffen möge, gleich mal Bedeutung :-)

Wegen Blasmusik: www.haindling.de - es gibt gar viele Grautöne im Leben...

adabei, 04.03.2015 16:32
Als Jugendlicher war ich einst der Meinung, dass die volkstümmelnde Blasmusik mit ihren – aus meiner damaligen Sicht betagten - Zuhörerschaft aussterben würde – genauso wie die religiöse Frömmelei im Zeitalter des fortschreitenden Rationalismus, den ich als konsequente Fortsetzung der Aufklärung ansah.
Beides hat sich inzwischen als fundamentaler Irrtum erwiesen. Sowohl die Blasmusik als auch die Frömmelei feiern fröhliche Urständ. Letztere sogar immer häufiger in fundamentalistischen Spielarten. „Oh Herr, schmeiß Hirn ra“, wäre da meine atheistische Bitte. Wobei der Herr ruhig auch Allah, Buddha oder meinetwegen auch Zeus sein darf.

Jürgen Sterk, 04.03.2015 16:32
@Ulrich Scheuffele
Mit Schreiben vom 18.2.2015 hat das IM das Verbreiten religöser Schriften nur in Einrichtungen der Landespolizei untersagt.
In allen anderen Einrichtungen des Landes ist demnach das Verteilen nach wie vor möglich.
Ein ergänzender Antrag an das IM auf Widerruf der Gestattung aus dem Jahr 2007 blieb bislang unbeantwortet.
Jürgen Sterk

Ulrich Scheuffele, 04.03.2015 15:30
Bei den Anhängern des Gideonbundes handelt es sich um evangelikale Christen, die in ihrem missionarischen Eifer auch gerne mal mit der Angstmache drohen. Wir leben in einer Zeit, wo die Evangelikalen unsere Gesellschaft unterwandern und diese "Glaubensbrüder" innerhalb der Kirche immer mächtiger werden. Deshalb fordere ich eine strenge Trennung von Kirche und Staat und deshalb fordere ich auch, dass die Evangelikalen keine Einrichtungen mit erzieherischer Funktion, wie Kinderheime, Schulen, Kindergärten und Muskischulen betreiben dürfen, Nicht wenige der Evangelikalen sind Kreationisten.
Wenn ich richtig informiert bin, hat die Landesregierung in der Zwischenzeit die Bibelverteilung in öffentlichen Einrichtungen verboten.

Dr. Diethelm Gscheidle, 04.03.2015 13:41
Sehr geehrte Damen und Herren,

so eine Unverschämtheit - Herr Sterk gehört sofort unehrenhaft aus dem Polizeidienst entlassen! Schließlich ist die Bibel das Wort des HERRN, und es ist äußerst freundlich von den hochredlichen Gideon-Menschen, ihren Mitmenschen auch noch kostenlos die Bibel zu überlassen!

Polizei und Bibel gehören nun einmal untrennbar zusammen - genauso wie Polizei und CDU, Christentum und CDU, CDU und löbliche Stuttgart-21-Befürworter, Polizei und löbliche Stuttgart-21-Befürworter, Keuschheit und Christentum, Keuschheit und CDU, sowie Redlichkeit und Polizei!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Diethelm Gscheidle
(Verkehrswissenschaftler & Dipl.-Musikexperte)

tillupp, 04.03.2015 10:49
@ Aber was soll man machen gegen parteipolitisch motivierte Entscheidungen?

Nicht die Kirchen haben das Abendland und die Demokratie gefördert, sondern Philosophen wie Immanuel Kant. Mir sind parteipolitische Entscheidungen wesentlich lieber als theokratische, zumal vor allem auch Heribert Rech damals seine fundamental-pietistische Klientel bediente. Trennung von Staat und Kirche ist in jeder Demokratie wichtig, weil die meisten Kirchen eben NICHT demokratisch sind, sondern Monarchisch oder Oligarchisch und zudem noch subversiv indoktrinierend. Es hört aber bei der Entfernung von Bibeln aus Amtsstuben und Kreuzen an Klassenzimmerwänden (in Bayern) nicht auf. Als Nächstes gehört die Bezahlung von Bischöfen und die finanziellen Zuwendungen an die Kirchen abgeschafft; Entschädigungen für angebliche Enteignungen von Besitztümern, irgendwann im 19. Jahrhundert. Es gibt noch viel zu tun.

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