KONTEXT Extra:
Kretschmann Schirmherr für 199 kleine Helden

Ihr Dokumentarfilm hat bei drei Kinderfilmfestivals Preise abgeräumt, zuletzt in Chicago. Klar, dass sich die Regisseurin Sigrid Klausmann über diese Auszeichnungen freut. Seit Jahren begleitet die Stuttgarterin für ihr Filmprojekt "199 kleine Helden" Kinder weltweit auf ihrem Schulweg. Sie redet mit ihnen über ihre Ängste und Wünsche und darüber, wie sich die kleinen Protagonisten die Zukunft vorstellen. Daraus hat Klausmann den preisgekrönten Dokumentarfilm "Nicht ohne uns!" gemacht. Bereits diesen Sonntag (4.12.) wird er im Stuttgarter Metropol Kino gezeigt (16 Uhr), der offizielle Kinostart ist am 19. Januar.

Dass Stuttgart so früh dran ist, liegt mit daran, dass der Stuttgarter OB Fritz Kuhn die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen hat. Zusammen mit der Schauspielerin Senta Berger, die sich nun allerdings altersbedingt zurückzieht. Demnächst werden Sigrid Klausmann und ihre kleinen Helden neue Schirmeltern bekommen: Winfried Kretschmann und Hannelore Kraft, die Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Beide Länder unterstützen die kleinen Helden über ihre Landesfilmförderung.

Die Stuttgarter Preview am Sonntag wird ein Familienfest werden. Die Regisseurin Sigrid Klausmann wird ebenso vor Ort sein wie ihr Mann Walter Sittler (Produzent) und die Tochter Lea. Die Musikerin hat den Titelsong zum Film der Mutter komponiert. (2.12.2016)


Im Hajek-Haus soll wieder Feuer brennen

Das Trauerspiel um das Hajek-Haus mag jetzt zumindest die Fraktion SÖS/Linke/Plus nicht mehr mit ansehen. Sie will, per Antrag im Stuttgarter Gemeinderat, dass die Stadt das Kultur-Denkmal "vor dem Verfall" rettet. Wie in Kontext ausführlich berichtet steht die Villa an der Hasenbergsteige 65 seit dem Tod des Bildhauers (2005) leer. Vor fünf Jahren kaufte sie der Möbelfabrikant Markus Benz und ließ sie – Denkmalschutz hin oder her – entkernen. Das wiederum gefiel den behördlichen Denkmalschützern nicht, die sich auf den Gerichtsweg machten, bis heute ohne Ergebnis.

Und seitdem rottet das Haus in bester Halbhöhenlage vor sich hin. Die kulturpolitische Sprecherin der Fraktionsgemeinschaft, Guntrun Müller-Enßlin, vermutet, dass der Möbelmensch auf einen Abriss, und damit eine "verdeckte Immobilienspekulation" hin arbeitet. Stadträtin Laura Halding-Hoppenheit erinnert an die Tradition des Hauses, in dem auch schon Willy Brandt Rotwein trank. Die Villa sei ein Treffpunkt für Menschen gewesen, die etwas bewegen wollten, und dieses "Feuer muss weiter brennen", sagt sie.(30.11.2016)


Das Geschäft mit Waffen läuft

Heckler & Koch hat einen Großauftrag erhalten und wird französische Soldaten aller drei Teilstreitkräfte ab 2017 zehn Jahre lang mit 100 000 Sturmgewehren vom Typ HK 416 ausstatten. Es soll um ein Volumen von 300 Millionen Euro gehen. Der Rüstungsauftrag, heißt es in Paris, werde "die soliden Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich im Verteidigungssektor und besonders in der Rüstungsindustrie" stärken. Die Nachbarn stehen also auf der Liste der sogenannten "grünen Länder", denn – immerhin – nur die sollen weiter beliefert werden.

Am Montagmorgen wurde bekannt, dass der Oberndorfer Waffenhersteller Neugeschäfte allein mit Staaten abschließen will, die demokratisch und nicht korrupt sind. Nach einer Meldung der Deutsche-Presse-Agentur würden damit Kunden wie Saudi-Arabien, Mexiko, Brasilien, Indien oder die Türkei wegfallen. Alte Aufträge sollen allerdings abgewickelt werden, gerade auch mit den Saudis. Das Unternehmen wartet aktuell auf die Genehmigung deutscher Behörden zur Ausfuhr unter anderen von Bauteilen für eine Gewehrfabrik.

Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte bei seinem Auftritt kürzlich auf dem Bundesparteitag der Grünen in Münster ausdrücklich die Politik in der Pflicht gesehen: "Wohin wir exportieren, das muss die Politik entscheiden." Zugleich machte er klar, dass es für sein Unternehmen um 3500 von 100 000 Trucks gehe. Appelle, freiwillig auf deren Verkauf zu verzichten, verhallten bisher ungehört. (28.11.2016)


Bahnchef Grube mag Stuttgart 21 nicht mehr

Da rennt der Mann jahrelang rum und erzählt, wie großartig der Tiefbahnhof ist - und jetzt? Jetzt sagt Rüdiger Grube laut "Spiegel": "Ich habe Stuttgart 21 nicht erfunden und hätte es auch nicht gemacht". Nun wird schon spekuliert, ob es vielleicht ein Doppelgänger war, der diesen Satz beim Bundesverband Führungskräfte Deutscher Bahnen gesprochen hat, oder hier ein Fall von Persönlichkeitsspaltung vorliegt? Aber nein, es war der leibhaftige Grube.

Auf die Reaktionen all seiner Freunde darf man gespannt sein. Vorneweg auf jene seiner Chefin Angela Merkel, die mit S 21 die Zukunftsfähigkeit Deutschlands verband. Oder auf die von Teufel, Oettinger, Mappus, Gönner usw., die stets vor dem Abseits warnten, sollte der unterirdische Bahnhof nicht kommen. Nur der amtierende Ministerpräsident Kretschmann kann heimlich sagen, dass er auch schon immer dagegen war. (25.11.2016)


S 21: Kein neuer Deal mit der Bahn

Das Land Baden-Württemberg und die Stadt Stuttgart zeigen der Deutschen Bahn die kalte Schulter und wollen die sogenannte Verjährungshemmungsvereinbarung nicht unterzeichnen. Damit versuchte die Bahn eine frühzeitige Entscheidung darüber zu vermeiden, ob sie eine Beteiligung von Stadt, Land und Region an den Mehrkosten des Milliardenprojekts einklagt. Alle Partner sollten einer Verlängerung der Verjährung für mögliche Ansprüche der Bahn auf zusätzliche Gelder für Stuttgart 21 zustimmen. Für die Stadt Stuttgart schlägt die Verwaltung dem Gemeinderat vor, diese Verlängerung abzulehnen. Endgültig entschieden wird am 8. Dezember.

"Die Vertragspartner sind der Auffassung, dass die DB Bauherrin ist und dass die Vertragspartner begrenzte und vor allem freiwillige Zuwendungen gewähren", erläuterte Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) den mit der Stadt abgestimmten Standpunkt. Man werde sich "grundsätzlich auch gemeinsam gegen die Bahn verteidigen". Das Land sei mit der Stadt und der Region der Ansicht, "dass es ein falsches Signal wäre, eine Vereinbarung zu unterzeichnen, weil die Vertragspartner die Ansprüche der DB für unbegründet halten".

Hermann erwartet jetzt eine vergleichsweise schnell eingereichte Klage, aber "viel länger hätte die DB ohnehin nicht gewartet". Denn bis zu einem letztinstanzlichen Urteil würden voraussichtlich mehrere Jahre vergehen, nach der Prognose des Minister werden aber "in ungefähr drei Jahren die vertraglichen Finanzierungsbeiträge der Vertragspartner erschöpft sein". Im Finanzierungsvereinbarung zu Stuttgart 21 ist der Kostenrahmen inklusive Risikopuffer auf 4,526 Milliarden Euro begrenzt. Bei weiteren Kostensteigerungen sind, unter Nutzung der Sprechklauseln, Gespräche vorgesehen. Im März 2013 hat der DB-Aufsichtsrat den Finanzierungsrahmen auf 6,526 Milliarden Euro erhöht und zugleich die Projektpartner aufgefordert, über weitere Beiträge zu verhandeln. Das lehnen diese allerdings strikt ab. (24.11.2016)


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Foto: VfB

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Ausgabe 179
Gesellschaft

Im Tabellenkeller der Geschichte

Von Bruno Bienzle und Thomas Kuban
Datum: 03.09.2014
Ein Blick auf die Bundesligatabelle würde genügen, um Hohn und Spott über dem VfB Stuttgart auszuschütten: "Furchtlos und treu". Aber das Problem ist kein sportliches. Der wichtigste Fußballverein im Land beweist mit seinem Motto, dass er aus der Geschichte nichts gelernt hat.

Es klang wie ein Befehl. "Brust raus!" Unter diese Maxime stellte Präsident Bernd Wahler seinen programmatischen Auftritt bei der Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart Ende Juli in der Porsche-Arena, als er den alten württembergischen Wappenspruch "Furchtlos und treu" als künftiges offizielles Leitbild des Klubs propagierte. Um eventuelle Kritik zu kontern, eine derart angejahrte Devise spreche der zugleich angestrebten Verjüngungskur der Weiß-Roten Hohn, präsentierte der vormalige Marketing-Manager von Adidas das neue Motto vorsorglich im modischen Gewand: furchtlosundtreu, in einem Wort geschrieben, soll Schwabens Fußballstolz neuen Glanz verbreiten und prangt fortan - in weißer Schrift auf schwarzem Grund - samt VfB-Wappen auf dem Mannschaftsbus. 

Doch statt den erhofften donnernden Applaus erntet der VfB seitdem neben pflichtschuldiger Ergebenheit aus der Cannstatter Kurve ("Besser als nix") harsche Kritik und beißenden Spott. Er beweise ein seltsames Geschichtsbewusstsein, exakt hundert Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs jenen Leitspruch aus der Versenkung zu holen, mit dem Tausende Angehörige württembergischer Regimenter auf die Schlachtfelder jenseits des Rheins und in den Tod gezogen seien. Selbst linker Umtriebe Unverdächtige, wie das VfB-Ehrenmitglied Matthias Kleinert, schütteln darüber nur den Kopf.

Alt, abgegriffen, fragwürdig: Das neue Motto des VfB am Stadion. Foto: Benny Ulmer
Alt, abgegriffen, fragwürdig: Das neue Motto des VfB am Stadion. Foto: Benny Ulmer

Tatsächlich war der Treueschwur im Laufe der Zeit mancherlei Vereinnahmung ausgesetzt. Zu Zeiten des Nationalsozialismus sowieso, doch bis in unsere Tage bedienen sich rechtsextreme Gruppierungen sowie Musikgruppen der Neonaziszene wie "Race War" ungeniert des Wahlspruchs der alten Württemberger.

Am VfB-Chef ist alle Geschichte spurlos vorüber gegangen

Doch am VfB-Chef und sämtlichen Beratern, an der Spitze die vom VfB mit der Entwicklung einer Markenstrategie beauftragte Stuttgarter Werbeagentur Panama, muss all das spurlos vorübergegangen sein. Nicht so an vielen VfB-Fans, wie sich in den einschlägigen Foren im Internet nachlesen lässt. "Sieht so die von Wahler versprochene schwäbische Hochleistungskultur aus?" Oder: "Was für ein kranker Scheiß! Mensch Wahler, können Sie nicht mal ein bisschen aufpassen!?" - "Wie wär's, Wahler und Bobic ließen endlich Taten sprechen! Sprüche haben sie während und nach der verkorksten letzten Saison genug geklopft." Oder: "Und dieser Mann ist uns vom Aufsichtsrat als Marketingexperte gepriesen worden!" Der FC Bayern, wirft ein anderer weiß-roter Fan ein, hätte sein krachledernes, aber unverdächtiges Mia san mia, der VfB aber schieße "ein Eigentor". Vorzugsweise geeignet als Quell fortwährenden Spotts. "Furchtbar und kopfscheu" hätten sich Gentner & Co bei der Pokal-Pleite in Bochum präsentiert. Und am letzten Spieltag gegen Köln sah es auch nicht anders aus.

Joe Bauer, Kolumnist der "Stuttgarter Nachrichten", hat dem VfB-Präsidenten in einer seiner Depeschen im Internet eine verbale Vollrasur verpasst: "Der VfB-Slogan ist ein Fressen für rechtsextreme Ultras. Abgesehen von der historischen/politischen/militaristischen Dimension: Jeder Schützenverein aus der tiefsten Provinz würde sich heute mit dieser dumpfbackigen Parole blamieren. Wenn der Präsident eines Erstligaclubs aus der Hauptstadt eines Bundeslandes so etwas nicht begreift, ist er fehl am Platz. Er müsste zurücktreten. Erstens aus Ahnungslosigkeit, zweitens aus Unfähigkeit, seine Pflichten als Repräsentant eines Vereins und einer Stadt zu erkennen. Sei's drum. Ich weiß, wie sie beim VfB ihr ´Traditionsbewusstsein' rechtfertigen werden: Nur weil die Nazis Brot essen, dürfen wir kein Brot essen? Doch. Fresst die Dummheit löffelweise."

Furchtlos und treu - die Facebook-Seite des Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart. Screenshot
Furchtlos und treu - die Facebook-Seite des Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart. Screenshot

Was sagt Bernd Wahler zu alledem? Gar nichts. Der Nachfolger des vormaligen Porsche-Managers Gerd Mäuser, der sich als wandelndes Missverständnis im Roten Haus entpuppt und keinem Fettnapf aus dem Weg gegangen war, zahlt auch im zweiten Amtsjahr Lehrgeld. Staunend registriert er, wie in bester Absicht verkündete Ansagen quasi über Nacht zum Bumerang werden. Da war die von den Mitgliedern bei seiner Vorstellung noch pflichtschuldig mit Applaus bedachte Erklärung, der VfB gehöre für ihn in die Champions League, die ihn seitdem immer wieder einholt. Vor dieser Saison stellte er dem VfB-Anhang "ein, zwei Kracher" in Aussicht und auch gleich klar, dass er dabei an Verstärkungen für die Profitruppe denke und nicht etwa an das neue Ehrenratsmitglied Guido Buchwald oder an Karl Allgöwer, den er sich in einem Gremium vorstellen könne, das den glücklosen Sportvorstand Fredi Bobic beraten soll.

Kein Wunder, dass im Flurfunk in der VfB-Zentrale der hauptamtlich tätige VfB-Boss wie schon sein Vorgänger als "unser oberster Azubi" apostrophiert wird.

Lockt der VfB mit seiner Parole Rechtsradikale an?

Nun mögen Manager und Werbeagenten Geschichte als Steinbruch betrachten, aus dem sie passendes PR-Material heraus klauben können. Aber die braune Vergangenheit ihres Wahlspruchs einfach ausblenden, und seine Gegenwart ignorieren, wenn man damit die "Verbundenheit des Clubs mit den Schwaben der Region" zeigen will? "Furchtlos und treu" - so nannte sich auch eine Neonazi-Vereinigung im Stuttgarter Umfeld, die um die Jahrtausendwende herum aus der Sektion Württemberg des Neonazi-Netzwerks "Blood & Honour" und dessen Jugendorganisation "White Youth" entstanden ist. Nach eigener Darstellung sei das noch vor dem Verbot der "Blood & Honour"-Division Deutschland gewesen, was das Landesamt für Verfassungsschutz damals geglaubt und "Furchtlos & Treu" nicht als Nachfolgeorganisation einer verbotenen Gruppierung bewertet hat.

Der Einladungsflyer zu einem Fußballturnier, das die Nazi-Organisation Furchtlos & Treu mitorganisiert hat. Bild: Scan
Der Einladungsflyer zu einem Fußballturnier, das die Nazi-Organisation Furchtlos & Treu mitorganisiert hat. Bild: Scan

Hinzu kommt: Während sich andere Fußballvereine der Nazi-Problematik in ihrer Anhängerschaft zunehmend bewusst werden und zumindest teilweise dagegen vorgehen, lockt die VfB-Führung mit ihrer neuen Parole die Rechtsextremisten womöglich geradezu an. Dabei ist zu beachten, dass auch die Nazis von "Furchtlos & Treu" fußballbegeistert waren und wahrscheinlich noch sind. Sie organisierten sogar Fußballturniere.

Dass der VfB auf seiner Startseite im Internet bis vor kurzem auch noch drei Trikots in der Reihenfolge schwarz-weiß-rot präsentierte, also in den Farben der Reichsflagge, dürfte symbolverliebten Nazis ebenfalls nicht entgangen sein. Das lässt den Fehlschuss der VfB-Chefetage als besonders kunstvolles Eigentor erscheinen. Denn unter den Fans tummeln sich nachweisbar Nazis, wie wohl bei fast allen Bundesliga-Vereinen.

Als da wäre "Neckar-Fils Stuttgart" beispielhaft zu nennen, eine schlagkräftige Gruppierung, die sich zum VfB bekennt. Es handelt sich - um es im Hooligan-Jargon zu sagen - um eine "Firm". Ihre Initialen "NF" sind - mehr oder weniger zufällig - identisch mit jenen der britischen Rechtsaußen-Partei "National Front".

Im Internet kursieren Video-Aufnahmen von einem Stuttgart-Konzert der britischen Nazi-Kultband Skrewdriver am 8.8.1992. Ein symbolträchtiges Datum, denn die "88" steht in der Szene als Zahlencode für "Heil Hitler". Hinter Skrewdriver-Sänger Ian Stuart Donaldson, der als Gründer das internationalen Nazi-Netzwerks "Blood & Honour" gilt, ist eine Flagge von "Neckar-Fils Stuttgart" zu sehen. Derzeit präsentiert sich die Stuttgarter NF-Truppe auf ihrer Facebook-Seite mit einer Foto-Show, die mit dem Titel "Mann für Mann" der Nazi-Band "Störkraft" musikalisch unterlegt ist. Im späten Frühjahr 2014 feierte "Neckar-Fils Stuttgart" bereits das 35-jährige Bestehen feiern.

Das Clubheim der Nazi-Organisation Furchtlos & Treu ist im Jahr 2003 abgebrannt. Foto: www.FilmFaktum.de
Das Clubheim der Nazi-Organisation Furchtlos & Treu ist im Jahr 2003 abgebrannt. Foto: www.FilmFaktum.de

Und noch ein letzter Hinweis: Im Falle der Nazi-Organisation "Furchtlos & Treu" brannte im Jahr 2003 zwar keine konspirative Wohnung und auch kein Wohnwagen aus wie beim NSU 2011, aber das Clubheim zwischen Meimsheim und Botenheim. Das liegt vor den Toren der Stadt Heilbronn, in der es noch viele offene Fragen bezüglich des Mordes an der Polizeibeamtin Michèle Kiesewetter gibt. Damit befasst sich ein Recherche-Projekt des Freiburger Film-Labels FilmFaktum.


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Kommentare

JR, 09.09.2014 20:20
Hihi... Jetzt unterstützen auch die Fantas das Motto mit einem Stadionsong.
Auf gehts Kontext, haut alle in die Naziecke.

Schade, wenn man im Ländle nix zum Schimpfen findet...
Dann muss man halt was erfinden oder über Rostwasser schreiben.

maguscarolus, 09.09.2014 18:36
Für mich zeigt das Verhalten der VFB-Schickeria nur deren Zugehörigkeit zu den wahrhaft bildungsfernen Schichten!

Benno Mehring, 09.09.2014 17:21
Zu @soso und JR: Irgendwie lustig. Anfang bis Mitte der 70er Jahre kam ein Stadionverbot durch den amtierenden VfB-Präsidenten einem Nachweis für journalistische Unabhängigkeit gleich. Der Senator der Gutenberg-Gesellschaft, Konsul von Togo und Verleger von Kunstbüchern bewies seine Affinität zum Fußball, als er den VfB mit einem "Librio der Extraklasse" verstärken wollte und den 22 Mitgliedern des DFB-Kaders für die WM '74 per Formbrief sein Interesse an einer Verpflichtung übermittelte und um Antwort unter Angabe "Ihrer Gehaltsvorstellungen" bat. Das Ende der Ära Weitpert: Abwahl in einer ao. Mitgliederversammlung im April '74, Abstieg im Mai '74 unter Hinterlassung eines Schuldenbergs in zweistelliger Millionenhöhe. Der Nachfolger hieß übrigens Mayer-Vorfelder.

Lennart, 08.09.2014 16:08
Das ist wahrer Qualitätsjournalismus. Da darf Bruno Bienzle, laut der Gedenkseite für Axel Dünnwald-Metzler auf einer Degerlocher Homepage "absoluter Kickers-Fan" (http://www.stuttgarter-kickers.de/verein/gremien/ehrenprasident-axel-dunnwald-metzler) einen abfälligen Artikel über den VfB und seine Fans schreiben. Da kommt man dann ganz schnell von Neckarfils über das zugegebenermaßen etwas anachronistische aber in der Fanszene durchaus verbreitete "Furchtlos und treu" zur Anordnung der Trikots auf der Homepage.

Aber vielleicht kriegt Herr Bienzle ja jetzt etwas Oberwasser, wo die Blauen in der Dritten Liga auf Platz 1 stehen, während der VfB im Tabellenkeller der Ersten Liga feststeckt. Seien Sie sich sicher, Herr Bienzle: das geht wieder vorbei und schon bald können Sie es sich wieder in Ihrer blauen Bedeutungslosigkeit gemütlich machen.

MCBuhl, 07.09.2014 20:15
Waren wirklich Soldaten oder Untertanen gemeint? Oder meinte das Herrscherlein nicht sich selbst?
Wie alt ist das Wappenmotto eigentlich?
Gibt es da nicht den Zusammenhang mit der Reichssturmfahne? Also dass der württembergische Graf in einem Reichsheer ganz vorne mit dabei ist? Furchtlos eben...

Michael Jarosch, 07.09.2014 10:32
"Wenn wir alles, was (Neo-)Nazis einmal verwendet haben, mit dem Bann belegen, überlassen wir ihnen ein Stück weit die Macht."

Das ist wohl war.

"Furchtlos und treu" ist allerdings keine unverfängliche Aneinanderreihung irgendwelcher Worte. Wir alle wissen, was für Leute furchtlos und treu zu sein haben (zumindest nach Auffassung derer, die diese Menschen auf so etwas einschwören wollen): Soldaten.
Dieser Ausspruch hat natürlich einen militärischen Ursprung - und genau das finden (Neo-)Nazis gut, und genau deswegen wird er so gerne von diesen Kameraden genutzt.

Ich bin sicherlich kein Freund dessen, dass man kampflos den Nazis alles überlässt, was sie einmal angefasst haben. Allerdings frage ich mich, was man als kritisch denkender Mensch an diesem Spruch denn retten muss, dass er nicht komplett in die Hände der Nazis gerät. Er passt doch zu ihnen!

Daran ändern übrigens auch die Artikel der Stuttgarter Nachrichten (aus dem Kommentar von Thomas Schmadke, weiter unten) nichts: Zwar sagen gleich zwei Historiker: "Alles in Ordnung!" Aber warum sie zu dieser Einsicht kommen, steht da nicht. WENN einmal inhaltlich darauf eingegangen wird, ist dann doch wieder nur die Rede von "Heimat", "Stolz", "Tradition" oder allem zusammen.

Es mag zwar heute wieder Trendy sein, sich positiv auf seine Herkunft zu berufen, allerdings brauche ich kein (letztlich ausgrenzendes) Wir-Gefühl, um mich wohl (oder besser) zu fühlen. Und wenn der VfB meint, ein Motto, das Kadavergehorsam fordert, wäre das richtige für seinen Verein, dann ist's wohl auch nicht meiner.

JR, 07.09.2014 10:19
@soso
Danke für den Hinweis.
Ich habe mich schon gefragt was den Autor bewegt hat einen solch abstrus konstruierten Artikel zu schreiben.
Da ist einer schlicht beleidigt.
Und selbst wäre der Autor nicht mal auf das Thema gekommen. Er nutzt nur die Steilvorlage des dunkelblauen Joe Bauer. Ohne dass er ein Prozent dessen Talent hat.
Oberpeinlich ist der Vergleich der VfB Trikots mit der Reichsflagge.
Warum hat das Kontextlogo die gleichen Farben ?

Man könnte glauben, dass die Rechten hinter der Zeitung stecken um die linken mit so schlechten Artikeln zu diskreditieren.

Soso, 06.09.2014 21:39
„Bruno Bienzle war 39 Jahre Redaktionsmitglied der "Stuttgarter Nachrichten", davon 26 Jahre Lokalchef und zuvor zwölf Jahre im Sportressort. In der Abstiegssaison 74/75 belegte ihn VfB-Präsident Weitpert nach der 3:4-Heimniederlage gegen den MSV Duisburg mit Stadionverbot.
Quelle: http://www.kontextwochenzeitung.de/medien/159/zwei-zeitungen-im-brustring-2146.html

Hartmann Ulrich, 06.09.2014 16:01
"Furchtlos und trew" (mit w) war der Wahlspruch des Hauses Württemberg und Teil des Landeswappens. Mir ist das Motto erstmals auf Weinflaschen begegnet. Wenn wir alles, was (Neo-)Nazis einmal verwendet haben, mit dem Bann belegen, überlassen wir ihnen ein Stück weit die Macht.

MCBuhl, 05.09.2014 22:19
Der einzig wahre Klub der Stadt hat dieses Motto auch schon mehrfach drucken lassen:
http://t.co/WXWzXr7DXb

Es ist auch noch einer der drei Sterne des Vereinsemblems zu erkennen (Könner, Kämpfer, Kameraden)

Simon Steiner, 05.09.2014 10:52
Der Slogan hat 1. ein braunes Gschmäggle und 2. passt die Wahl zwar zum altbackenen Gebaren des VfB als Verein aber nicht zu seinen Fans und auch nicht zu seiner Spielweise. Das macht das alles zusammen gesehen so abstoßend.

Marco, 04.09.2014 21:50
Die Wurzeln des Vereins liegen eben in den unteren Schichten der Stuttgarter - oder besser - der Cannstatter Gesellschaft. Das wird nicht nur im leicht geschönten Gründungsdatum (denn hier wäre 1912 wesentlich treffender), sondern auch immer wieder in der einen oder anderen Aktion des Vereins oder Aussage von Verantwortlichen deutlich. Mangelnder Stil und mangelnde Weitsicht machen sich eben irgendwann auch im sportlichen Bereich bemerkbar. Immer gehetzt von der Besessenheit den FC Bayern abzulösen, hat man längst dessen Größe und Stil aus den Augen verloren. Man verlegt sich lieber darauf, den in der Stadt beheimateten Drittligisten zu schikanieren und benötigt anschließend wieder eine Heerschar Stabsdirektoren, um alles zu relativieren. Damit erreicht man die Championsleaque aber wohl nicht wirklich...

Alm Öhi, 04.09.2014 14:31
Der VfB ist da auch in guter Gesellschaft. 1899 Hoffenheim wirbt jetzt mit "Ein Team. Ein Weg. Einmalig"

http://www.achtzehn99.de/hoffe-verpasst-sich-einmaligen-auftritt/

Am Besten holen sie sich jetzt noch Jonathan Meese auf die Ehrentribüne.

Nadine, 03.09.2014 18:21
Ich kann mich Stuttgarterin nur anschließen. Abgesehen von der Tatsache, dass weder Furchtlosigkeit noch Treue in irgendeiner Art und Weise etwas mit Fußball zutun haben, weckt diese doch recht dumpfe Parole allenfalls vereins- und nationalstolze Gefühle in irgendwelchen pubertierenden Jungens-Brüsten (und Männerbrüsten, die auf dem Niveau hängen geblieben sind); schlimmstenfalls allerdings, wie weiter unten im Artikel angedeutet, führt es zu dämlichen Nazigröhlereien irgendwelcher Idioten.

Wie man sich sowas ausdenken kann...Ignoranz, gepaart mit Unwissen, fehlender Sensibilität und Werbegeilheit...das sind die richtigen Zutaten für so eine Hirnbrühe...!

Schwabe, 03.09.2014 15:36
Ähnlichkeiten des Artikels über den neuen "Schlachtruf" des VFB mit den "Brunzdummen Bühnennazis" (siehe letzte Kontext Ausgabe 178) drängen sich mir unweigerlich auf!
Herr Schmeiß Hirn ra.

Marc Braun, 03.09.2014 15:36
Jetzt wo sie es sagen fällt es mir auch auf. Ich hätte nie gedacht dass die Kontext-Leute so weit rechts sind!

AZ, 03.09.2014 14:21
Da ging der Furor mit den Autoren durch. Dass die Führung im wesentlichen verbesserungswürdig ist, ist richtig. Dass man Herrn Wahler dann als Azubi bezeichnet und das auf Flurfunk (sprich: Hörensagen) zurückführt, ist nicht die feine Art.

Aber dass der neue Präsident mehr heiße Luft verbreitet als den VfB voran zu bringen, das stimmt. Siehe hier:
http://vertikalpass.de/eine-reine-luftnummer/

Filip Kostic, 03.09.2014 13:37
muss nun leider auch die Bank drücken.

Bekanntlich steht die 18 ja für A(dolf) H(itler) - das geht ja nun gar nicht!

Die 18 sollte man einfach nicht mehr vergeben und auch sonst - ebenso wie die 88 gar nicht mehr benutzen.

Politisch korrekt wäre das jetzt also die 177. Ausgabe des Kontext.

Die Frage der Volljährigkeit müsste dann eben einfach anders geregelt werden.

Rechtsaußen, 03.09.2014 13:28
Politisch korrekt wird der VfB zukünftig nicht mehr über den rechten Flügel angreifen - dieser bleibt zukünftig unbesetzt - und auch keine Stürmer mehr einsetzen.

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Alles in allem doch eine sehr lustige Geschichte und irgendwas wird immer hängenbleiben. Auch witzig, dass sich die Verbotsexperten der grünen Partei einen "Internetspürhund" halten, da wären manche Stasichefs neidisch gewesen.

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