KONTEXT Extra:
Mit klassischer Musik gegen Kampfdrohnen

Mit Cello und Bratsche rücken 80 MusikerInnnen vor der US-Kommandozentrale in Stuttgart-Möhringen an. Am kommenden Montag, 29. 8., 10 Uhr, wollen sie dem "Drohnenmord den Schlussakkord" setzen. Sie sammeln sich seit 30 Jahren unter dem Namen "Lebenslaute" und finden sich überall dort ein, wo sie Menschen bedroht sehen: auf Militärübungsplätzen, Abschiebeflughäfen, vor Atomkraftwerken und Raketendepots. Ihr Konzert ist verbunden mit einer Demonstration, bei der die Organisatoren von "Ohne Rüstung Leben" 13 000 Unterschriften an einen Vertreter von Africom und Eucom übergeben wollen. Sie fordern die Schließung der Kommandozentralen. Mit der "stillschweigenden Duldung" von Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) werde hier der Einsatz von tödlichen Kampfdrohnen koordiniert, schreibt das Bündnis. (26. 8.)


Versprochen, gebrochen!

Was kommt da eigentlich noch?, fragt sich die designierte SPD-Landesvorsitzende und mit ihr die politisch interessierte Öffentlichkeit im Land. Vor vier Wochen waren die ersten Nebenabreden öffentlich geworden, die Grüne und CDU nicht in ihren Koalitionsvertrag aufgenommen hatten (Kontext berichtete). Ministerpräsident Winfried Kretschmann musste in einer Landtagsdebatte alle Register ziehen, um deren Notwendigkeit mehr schlecht als recht gerade auch vor den Regierungsfraktionen und der eigenen Klientel zu rechtfertigen. Ungenutzt ließ er die Chance, reinen Tisch zu machen, alles zu offenbaren, was er mit CDU-Landeschef Thomas Strobl ausbaldowert hat. Die Aufregung wäre groß gewesen - und doch deutlich kleiner als der Ärger, den sich die beiden jetzt eingehandelt haben. Drei Tage, sagt der Regierungschef gern, lägen zwischen "Hosianna" und "Kreuziget ihn!", was schon immer zweideutig war, weil er damit die Verantwortung für einen Niedergang auch dem Publikum zuschreibt. Jetzt tragen Kretschmann und Strobl diese ganz allein. Der Grüne allerdings deutlich schwerer als der Schwarze, weil er - siehe Persönlichkeitswerte - sehr vielen Menschen als Inbegriff der Redlichkeit galt. Mit seiner "Politik des Gehörtwerdens" war ein Transparenzversprechen verbunden, und das hat er höchstpersönlich gleich mehrfach gebrochen.


AfD kann nicht rechnen

Zu ihrer 100-Tage-Bilanz im Landtag legen die Abgeordneten der AfD-Fraktion, also jene, die dem Bundessprecher Jörg Meuthen im Antisemitismus-Streit nicht gefolgt sind, eine arg geschönte Bilanz ihrer Arbeit vor. "Seit Beginn der Legislaturperiode haben wir bereits 37 Anfragen gestellt, über die wir künftig berichten werden", heißt es in einer Pressemitteilung. Und weiter: "Das übertrifft die SPD-Fraktion bei weitem, die gerade einmal 14 Anfragen eingereicht hat, oder auch die FDP, die beide aufgrund ihrer Parlamentshistorie mit einer deutlich größeren Mannschaft im Hintergrund agieren."

Wahr ist, dass die Fraktionsgröße die Zahl der Beschäftigten bestimmt und vor allem, dass die AfD-Fraktion seit der Abspaltung der "Alternative für Baden-Württemberg" (ABW) acht Kleine Anfragen gestellt hat und die ABW seit ihrer Gründung Anfang Juli neun. Davor hatte es die noch geeinte AfD auf 34 Kleine Anfragen gebracht. SPD und FDP kommen aber auf jeweils über 70 Initiativen in ihren ersten 100 Tagen, darunter Kleine Anfragen, Große Anfragen, Anträge und Gesetzentwürfe. "Nachdem die AfD bis zur Stunde mit ihren ungeheuerlichen Mätzchen dem Parlament und seiner demokratischen Kultur nur Schaden zugefügt hat, kommt sie nun mit einer vor lauter Selbstbeweihräucherung triefenden 100-Tage-Bilanz daher, die aber noch nicht mal korrekte Rechenkünste vorweisen kann", reagiert Martin Mendler, der Fraktionssprecher der Sozialdemokraten, scharf. Der SPD würden fälschlicherweise lediglich 14 Anfragen zugeordnet, wohingegen es laut Parlamentsdokumentation des Landtags von Mai bis August in der 16. Legislaturperiode mehr als fünf Mal so viele seien.


Mit Wolfgang Dietrich naht die Rettung

Die Rettung rückt immer näher: Jetzt hat der Aufsichtsrat des Stuttgarter Fußballvereins VfB den früheren S-21-Sprecher Wolfgang Dietrich offiziell zum Präsidenten-Kandidaten erhoben. Gewählt wird er am 9. Oktober, so sich nicht irgendwelche Ultras zu einem Block zusammen rotten. Nicht so ganz schlüssig sind sich die beiden Fusionsblätter vor Ort, ob sie den 68-jährigen Streithansel gut oder schlecht finden sollen. Zum einen sei Dietrich ein "gewiefter Geschäftsmann", gar ein "Universalstratege", zum anderen ein "Polarisierer" und eine "Reizfigur", meinen die StZN, und sprechen von der "Altlast S 21". Sie mögen sich von den Parkschützern Mut zur Meinung machen lassen. Wenn das Neckarstadion unter die Erde gelegt werde, schreiben sie, könne man "oben Luxuswohnungen und Einkaufstempel" bauen.


Brigitte Lösch im Visier der AfD

Die beiden AfD-Gruppierungen im baden-württembergischen Landtag wollen ihre Spaltung nutzen, um mit einem Untersuchungsausschuss unter anderem gegen die frühere grüne Landtagsvizepräsidentin und Stuttgarter Abgeordnete Brigitte Lösch vorzugehen. Hintergrund ist ihr Engagement gegen die Bildungsplangegner der "Demo für alle" und für das Bündnis "No Pegida Stuttgart".

Gegenstand der parlamentarischen Untersuchung sollen auch die Ereignisse vom vergangenen Oktober sein, als Künstler und Beschäftigte aus Protest gegen die "Demo für alle" ein Banner mit der Aufschrift "Vielfalt" vom Dach des Großen Hauses der Württembergischen Staatstheater entrollten (Kontext berichtete). Die beiden AfD-Fraktionen verlangen Auskunft darüber "wieso das Opernhaus Stuttgart durch Gegendemonstranten besetzt werden konnte". Grundsätzlich will die "Alternative für Deutschland", die mit ihren zur Zeit zwei Fraktionen allein einen Untersuchungsausschuss beantragen kann, dem "Linksextremismus in Baden-Württemberg" nachgehen und einer möglichen Nähe zu "der gewesenen oder derzeitigen Landesregierung, Parteien, der Verwaltung, der Behörden oder dem Landtag".

Die vier demokratischen Fraktionen sehen darin einem Missbrauch der parlamentarischen Möglichkeiten. Bereits ins Auge gefasst ist eine Überprüfung des Vorgehens der Rechtsnationalisten durch den baden-württembergischen Verfassungsgerichtshof. Nach geltendem Recht kann ein Untersuchungsausschuss eingesetzt werden, wenn mindestens zwei Fraktionen oder ein Viertel aller Abgeordneten dafür sind. Er ist allerdings nur zulässig zu Sachverhalten, "deren Aufklärung im öffentlichen Interesse liegt" und wenn sie geeignet sind, "dem Landtag Grundlagen für eine Beschlussfassung im Rahmen seiner verfassungsmäßigen Zuständigkeiten zu vermitteln".

Drei vom Landtag bestellte Gutachter sahen Ende Juli auf Basis der geltenden Geschäftsordnung keinen Weg, der AfD die Bildung zweier Fraktionen zu verwehren. FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke warnte schon damals, die "Alternative für Deutschland" könnte ihren doppelten Fraktionsstatus missbrauchen. Jetzt sieht er sich bestätigt: Die AfD nutze ihre Spaltung, "um sich Vorteile zu erschleichen".

Die stellvertretende AfD-Landesvorsitzende Christina Baum, die dem Bundessprecher Jörg Meuthen im Antisemitismus-Streit um Wolfgang Gedeon nicht in die neue Fraktion gefolgt ist, bewertet das gemeinsame Vorgehen als "positives Signal für alle bürgerlichen Schichten im Land". Beide Fraktionen verhehlen auch nicht, dass der jetzt vorgelegte Antrag eine "Vorbereitung der Wiedervereinigung" (Baum) ist. Nach dieser, die für den Herbst und im Zuge einer gerade gestarteten Mediation von beiden Seiten in Aussicht gestellt wurde, könnte der Untersuchungsausschuss aber nicht mehr durchgesetzt werden.


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Foto: VfB

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Ausgabe 179
Gesellschaft

Im Tabellenkeller der Geschichte

Von Bruno Bienzle und Thomas Kuban
Datum: 03.09.2014
Ein Blick auf die Bundesligatabelle würde genügen, um Hohn und Spott über dem VfB Stuttgart auszuschütten: "Furchtlos und treu". Aber das Problem ist kein sportliches. Der wichtigste Fußballverein im Land beweist mit seinem Motto, dass er aus der Geschichte nichts gelernt hat.

Es klang wie ein Befehl. "Brust raus!" Unter diese Maxime stellte Präsident Bernd Wahler seinen programmatischen Auftritt bei der Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart Ende Juli in der Porsche-Arena, als er den alten württembergischen Wappenspruch "Furchtlos und treu" als künftiges offizielles Leitbild des Klubs propagierte. Um eventuelle Kritik zu kontern, eine derart angejahrte Devise spreche der zugleich angestrebten Verjüngungskur der Weiß-Roten Hohn, präsentierte der vormalige Marketing-Manager von Adidas das neue Motto vorsorglich im modischen Gewand: furchtlosundtreu, in einem Wort geschrieben, soll Schwabens Fußballstolz neuen Glanz verbreiten und prangt fortan - in weißer Schrift auf schwarzem Grund - samt VfB-Wappen auf dem Mannschaftsbus. 

Doch statt den erhofften donnernden Applaus erntet der VfB seitdem neben pflichtschuldiger Ergebenheit aus der Cannstatter Kurve ("Besser als nix") harsche Kritik und beißenden Spott. Er beweise ein seltsames Geschichtsbewusstsein, exakt hundert Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs jenen Leitspruch aus der Versenkung zu holen, mit dem Tausende Angehörige württembergischer Regimenter auf die Schlachtfelder jenseits des Rheins und in den Tod gezogen seien. Selbst linker Umtriebe Unverdächtige, wie das VfB-Ehrenmitglied Matthias Kleinert, schütteln darüber nur den Kopf.

Alt, abgegriffen, fragwürdig: Das neue Motto des VfB am Stadion. Foto: Benny Ulmer
Alt, abgegriffen, fragwürdig: Das neue Motto des VfB am Stadion. Foto: Benny Ulmer

Tatsächlich war der Treueschwur im Laufe der Zeit mancherlei Vereinnahmung ausgesetzt. Zu Zeiten des Nationalsozialismus sowieso, doch bis in unsere Tage bedienen sich rechtsextreme Gruppierungen sowie Musikgruppen der Neonaziszene wie "Race War" ungeniert des Wahlspruchs der alten Württemberger.

Am VfB-Chef ist alle Geschichte spurlos vorüber gegangen

Doch am VfB-Chef und sämtlichen Beratern, an der Spitze die vom VfB mit der Entwicklung einer Markenstrategie beauftragte Stuttgarter Werbeagentur Panama, muss all das spurlos vorübergegangen sein. Nicht so an vielen VfB-Fans, wie sich in den einschlägigen Foren im Internet nachlesen lässt. "Sieht so die von Wahler versprochene schwäbische Hochleistungskultur aus?" Oder: "Was für ein kranker Scheiß! Mensch Wahler, können Sie nicht mal ein bisschen aufpassen!?" - "Wie wär's, Wahler und Bobic ließen endlich Taten sprechen! Sprüche haben sie während und nach der verkorksten letzten Saison genug geklopft." Oder: "Und dieser Mann ist uns vom Aufsichtsrat als Marketingexperte gepriesen worden!" Der FC Bayern, wirft ein anderer weiß-roter Fan ein, hätte sein krachledernes, aber unverdächtiges Mia san mia, der VfB aber schieße "ein Eigentor". Vorzugsweise geeignet als Quell fortwährenden Spotts. "Furchtbar und kopfscheu" hätten sich Gentner & Co bei der Pokal-Pleite in Bochum präsentiert. Und am letzten Spieltag gegen Köln sah es auch nicht anders aus.

Joe Bauer, Kolumnist der "Stuttgarter Nachrichten", hat dem VfB-Präsidenten in einer seiner Depeschen im Internet eine verbale Vollrasur verpasst: "Der VfB-Slogan ist ein Fressen für rechtsextreme Ultras. Abgesehen von der historischen/politischen/militaristischen Dimension: Jeder Schützenverein aus der tiefsten Provinz würde sich heute mit dieser dumpfbackigen Parole blamieren. Wenn der Präsident eines Erstligaclubs aus der Hauptstadt eines Bundeslandes so etwas nicht begreift, ist er fehl am Platz. Er müsste zurücktreten. Erstens aus Ahnungslosigkeit, zweitens aus Unfähigkeit, seine Pflichten als Repräsentant eines Vereins und einer Stadt zu erkennen. Sei's drum. Ich weiß, wie sie beim VfB ihr ´Traditionsbewusstsein' rechtfertigen werden: Nur weil die Nazis Brot essen, dürfen wir kein Brot essen? Doch. Fresst die Dummheit löffelweise."

Furchtlos und treu - die Facebook-Seite des Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart. Screenshot
Furchtlos und treu - die Facebook-Seite des Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart. Screenshot

Was sagt Bernd Wahler zu alledem? Gar nichts. Der Nachfolger des vormaligen Porsche-Managers Gerd Mäuser, der sich als wandelndes Missverständnis im Roten Haus entpuppt und keinem Fettnapf aus dem Weg gegangen war, zahlt auch im zweiten Amtsjahr Lehrgeld. Staunend registriert er, wie in bester Absicht verkündete Ansagen quasi über Nacht zum Bumerang werden. Da war die von den Mitgliedern bei seiner Vorstellung noch pflichtschuldig mit Applaus bedachte Erklärung, der VfB gehöre für ihn in die Champions League, die ihn seitdem immer wieder einholt. Vor dieser Saison stellte er dem VfB-Anhang "ein, zwei Kracher" in Aussicht und auch gleich klar, dass er dabei an Verstärkungen für die Profitruppe denke und nicht etwa an das neue Ehrenratsmitglied Guido Buchwald oder an Karl Allgöwer, den er sich in einem Gremium vorstellen könne, das den glücklosen Sportvorstand Fredi Bobic beraten soll.

Kein Wunder, dass im Flurfunk in der VfB-Zentrale der hauptamtlich tätige VfB-Boss wie schon sein Vorgänger als "unser oberster Azubi" apostrophiert wird.

Lockt der VfB mit seiner Parole Rechtsradikale an?

Nun mögen Manager und Werbeagenten Geschichte als Steinbruch betrachten, aus dem sie passendes PR-Material heraus klauben können. Aber die braune Vergangenheit ihres Wahlspruchs einfach ausblenden, und seine Gegenwart ignorieren, wenn man damit die "Verbundenheit des Clubs mit den Schwaben der Region" zeigen will? "Furchtlos und treu" - so nannte sich auch eine Neonazi-Vereinigung im Stuttgarter Umfeld, die um die Jahrtausendwende herum aus der Sektion Württemberg des Neonazi-Netzwerks "Blood & Honour" und dessen Jugendorganisation "White Youth" entstanden ist. Nach eigener Darstellung sei das noch vor dem Verbot der "Blood & Honour"-Division Deutschland gewesen, was das Landesamt für Verfassungsschutz damals geglaubt und "Furchtlos & Treu" nicht als Nachfolgeorganisation einer verbotenen Gruppierung bewertet hat.

Der Einladungsflyer zu einem Fußballturnier, das die Nazi-Organisation Furchtlos & Treu mitorganisiert hat. Bild: Scan
Der Einladungsflyer zu einem Fußballturnier, das die Nazi-Organisation Furchtlos & Treu mitorganisiert hat. Bild: Scan

Hinzu kommt: Während sich andere Fußballvereine der Nazi-Problematik in ihrer Anhängerschaft zunehmend bewusst werden und zumindest teilweise dagegen vorgehen, lockt die VfB-Führung mit ihrer neuen Parole die Rechtsextremisten womöglich geradezu an. Dabei ist zu beachten, dass auch die Nazis von "Furchtlos & Treu" fußballbegeistert waren und wahrscheinlich noch sind. Sie organisierten sogar Fußballturniere.

Dass der VfB auf seiner Startseite im Internet bis vor kurzem auch noch drei Trikots in der Reihenfolge schwarz-weiß-rot präsentierte, also in den Farben der Reichsflagge, dürfte symbolverliebten Nazis ebenfalls nicht entgangen sein. Das lässt den Fehlschuss der VfB-Chefetage als besonders kunstvolles Eigentor erscheinen. Denn unter den Fans tummeln sich nachweisbar Nazis, wie wohl bei fast allen Bundesliga-Vereinen.

Als da wäre "Neckar-Fils Stuttgart" beispielhaft zu nennen, eine schlagkräftige Gruppierung, die sich zum VfB bekennt. Es handelt sich - um es im Hooligan-Jargon zu sagen - um eine "Firm". Ihre Initialen "NF" sind - mehr oder weniger zufällig - identisch mit jenen der britischen Rechtsaußen-Partei "National Front".

Im Internet kursieren Video-Aufnahmen von einem Stuttgart-Konzert der britischen Nazi-Kultband Skrewdriver am 8.8.1992. Ein symbolträchtiges Datum, denn die "88" steht in der Szene als Zahlencode für "Heil Hitler". Hinter Skrewdriver-Sänger Ian Stuart Donaldson, der als Gründer das internationalen Nazi-Netzwerks "Blood & Honour" gilt, ist eine Flagge von "Neckar-Fils Stuttgart" zu sehen. Derzeit präsentiert sich die Stuttgarter NF-Truppe auf ihrer Facebook-Seite mit einer Foto-Show, die mit dem Titel "Mann für Mann" der Nazi-Band "Störkraft" musikalisch unterlegt ist. Im späten Frühjahr 2014 feierte "Neckar-Fils Stuttgart" bereits das 35-jährige Bestehen feiern.

Das Clubheim der Nazi-Organisation Furchtlos & Treu ist im Jahr 2003 abgebrannt. Foto: www.FilmFaktum.de
Das Clubheim der Nazi-Organisation Furchtlos & Treu ist im Jahr 2003 abgebrannt. Foto: www.FilmFaktum.de

Und noch ein letzter Hinweis: Im Falle der Nazi-Organisation "Furchtlos & Treu" brannte im Jahr 2003 zwar keine konspirative Wohnung und auch kein Wohnwagen aus wie beim NSU 2011, aber das Clubheim zwischen Meimsheim und Botenheim. Das liegt vor den Toren der Stadt Heilbronn, in der es noch viele offene Fragen bezüglich des Mordes an der Polizeibeamtin Michèle Kiesewetter gibt. Damit befasst sich ein Recherche-Projekt des Freiburger Film-Labels FilmFaktum.


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Kommentare

JR, 09.09.2014 20:20
Hihi... Jetzt unterstützen auch die Fantas das Motto mit einem Stadionsong.
Auf gehts Kontext, haut alle in die Naziecke.

Schade, wenn man im Ländle nix zum Schimpfen findet...
Dann muss man halt was erfinden oder über Rostwasser schreiben.

maguscarolus, 09.09.2014 18:36
Für mich zeigt das Verhalten der VFB-Schickeria nur deren Zugehörigkeit zu den wahrhaft bildungsfernen Schichten!

Benno Mehring, 09.09.2014 17:21
Zu @soso und JR: Irgendwie lustig. Anfang bis Mitte der 70er Jahre kam ein Stadionverbot durch den amtierenden VfB-Präsidenten einem Nachweis für journalistische Unabhängigkeit gleich. Der Senator der Gutenberg-Gesellschaft, Konsul von Togo und Verleger von Kunstbüchern bewies seine Affinität zum Fußball, als er den VfB mit einem "Librio der Extraklasse" verstärken wollte und den 22 Mitgliedern des DFB-Kaders für die WM '74 per Formbrief sein Interesse an einer Verpflichtung übermittelte und um Antwort unter Angabe "Ihrer Gehaltsvorstellungen" bat. Das Ende der Ära Weitpert: Abwahl in einer ao. Mitgliederversammlung im April '74, Abstieg im Mai '74 unter Hinterlassung eines Schuldenbergs in zweistelliger Millionenhöhe. Der Nachfolger hieß übrigens Mayer-Vorfelder.

Lennart, 08.09.2014 16:08
Das ist wahrer Qualitätsjournalismus. Da darf Bruno Bienzle, laut der Gedenkseite für Axel Dünnwald-Metzler auf einer Degerlocher Homepage "absoluter Kickers-Fan" (http://www.stuttgarter-kickers.de/verein/gremien/ehrenprasident-axel-dunnwald-metzler) einen abfälligen Artikel über den VfB und seine Fans schreiben. Da kommt man dann ganz schnell von Neckarfils über das zugegebenermaßen etwas anachronistische aber in der Fanszene durchaus verbreitete "Furchtlos und treu" zur Anordnung der Trikots auf der Homepage.

Aber vielleicht kriegt Herr Bienzle ja jetzt etwas Oberwasser, wo die Blauen in der Dritten Liga auf Platz 1 stehen, während der VfB im Tabellenkeller der Ersten Liga feststeckt. Seien Sie sich sicher, Herr Bienzle: das geht wieder vorbei und schon bald können Sie es sich wieder in Ihrer blauen Bedeutungslosigkeit gemütlich machen.

MCBuhl, 07.09.2014 20:15
Waren wirklich Soldaten oder Untertanen gemeint? Oder meinte das Herrscherlein nicht sich selbst?
Wie alt ist das Wappenmotto eigentlich?
Gibt es da nicht den Zusammenhang mit der Reichssturmfahne? Also dass der württembergische Graf in einem Reichsheer ganz vorne mit dabei ist? Furchtlos eben...

Michael Jarosch, 07.09.2014 10:32
"Wenn wir alles, was (Neo-)Nazis einmal verwendet haben, mit dem Bann belegen, überlassen wir ihnen ein Stück weit die Macht."

Das ist wohl war.

"Furchtlos und treu" ist allerdings keine unverfängliche Aneinanderreihung irgendwelcher Worte. Wir alle wissen, was für Leute furchtlos und treu zu sein haben (zumindest nach Auffassung derer, die diese Menschen auf so etwas einschwören wollen): Soldaten.
Dieser Ausspruch hat natürlich einen militärischen Ursprung - und genau das finden (Neo-)Nazis gut, und genau deswegen wird er so gerne von diesen Kameraden genutzt.

Ich bin sicherlich kein Freund dessen, dass man kampflos den Nazis alles überlässt, was sie einmal angefasst haben. Allerdings frage ich mich, was man als kritisch denkender Mensch an diesem Spruch denn retten muss, dass er nicht komplett in die Hände der Nazis gerät. Er passt doch zu ihnen!

Daran ändern übrigens auch die Artikel der Stuttgarter Nachrichten (aus dem Kommentar von Thomas Schmadke, weiter unten) nichts: Zwar sagen gleich zwei Historiker: "Alles in Ordnung!" Aber warum sie zu dieser Einsicht kommen, steht da nicht. WENN einmal inhaltlich darauf eingegangen wird, ist dann doch wieder nur die Rede von "Heimat", "Stolz", "Tradition" oder allem zusammen.

Es mag zwar heute wieder Trendy sein, sich positiv auf seine Herkunft zu berufen, allerdings brauche ich kein (letztlich ausgrenzendes) Wir-Gefühl, um mich wohl (oder besser) zu fühlen. Und wenn der VfB meint, ein Motto, das Kadavergehorsam fordert, wäre das richtige für seinen Verein, dann ist's wohl auch nicht meiner.

JR, 07.09.2014 10:19
@soso
Danke für den Hinweis.
Ich habe mich schon gefragt was den Autor bewegt hat einen solch abstrus konstruierten Artikel zu schreiben.
Da ist einer schlicht beleidigt.
Und selbst wäre der Autor nicht mal auf das Thema gekommen. Er nutzt nur die Steilvorlage des dunkelblauen Joe Bauer. Ohne dass er ein Prozent dessen Talent hat.
Oberpeinlich ist der Vergleich der VfB Trikots mit der Reichsflagge.
Warum hat das Kontextlogo die gleichen Farben ?

Man könnte glauben, dass die Rechten hinter der Zeitung stecken um die linken mit so schlechten Artikeln zu diskreditieren.

Soso, 06.09.2014 21:39
„Bruno Bienzle war 39 Jahre Redaktionsmitglied der "Stuttgarter Nachrichten", davon 26 Jahre Lokalchef und zuvor zwölf Jahre im Sportressort. In der Abstiegssaison 74/75 belegte ihn VfB-Präsident Weitpert nach der 3:4-Heimniederlage gegen den MSV Duisburg mit Stadionverbot.
Quelle: http://www.kontextwochenzeitung.de/medien/159/zwei-zeitungen-im-brustring-2146.html

Hartmann Ulrich, 06.09.2014 16:01
"Furchtlos und trew" (mit w) war der Wahlspruch des Hauses Württemberg und Teil des Landeswappens. Mir ist das Motto erstmals auf Weinflaschen begegnet. Wenn wir alles, was (Neo-)Nazis einmal verwendet haben, mit dem Bann belegen, überlassen wir ihnen ein Stück weit die Macht.

MCBuhl, 05.09.2014 22:19
Der einzig wahre Klub der Stadt hat dieses Motto auch schon mehrfach drucken lassen:
http://t.co/WXWzXr7DXb

Es ist auch noch einer der drei Sterne des Vereinsemblems zu erkennen (Könner, Kämpfer, Kameraden)

Simon Steiner, 05.09.2014 10:52
Der Slogan hat 1. ein braunes Gschmäggle und 2. passt die Wahl zwar zum altbackenen Gebaren des VfB als Verein aber nicht zu seinen Fans und auch nicht zu seiner Spielweise. Das macht das alles zusammen gesehen so abstoßend.

Marco, 04.09.2014 21:50
Die Wurzeln des Vereins liegen eben in den unteren Schichten der Stuttgarter - oder besser - der Cannstatter Gesellschaft. Das wird nicht nur im leicht geschönten Gründungsdatum (denn hier wäre 1912 wesentlich treffender), sondern auch immer wieder in der einen oder anderen Aktion des Vereins oder Aussage von Verantwortlichen deutlich. Mangelnder Stil und mangelnde Weitsicht machen sich eben irgendwann auch im sportlichen Bereich bemerkbar. Immer gehetzt von der Besessenheit den FC Bayern abzulösen, hat man längst dessen Größe und Stil aus den Augen verloren. Man verlegt sich lieber darauf, den in der Stadt beheimateten Drittligisten zu schikanieren und benötigt anschließend wieder eine Heerschar Stabsdirektoren, um alles zu relativieren. Damit erreicht man die Championsleaque aber wohl nicht wirklich...

Alm Öhi, 04.09.2014 14:31
Der VfB ist da auch in guter Gesellschaft. 1899 Hoffenheim wirbt jetzt mit "Ein Team. Ein Weg. Einmalig"

http://www.achtzehn99.de/hoffe-verpasst-sich-einmaligen-auftritt/

Am Besten holen sie sich jetzt noch Jonathan Meese auf die Ehrentribüne.

Nadine, 03.09.2014 18:21
Ich kann mich Stuttgarterin nur anschließen. Abgesehen von der Tatsache, dass weder Furchtlosigkeit noch Treue in irgendeiner Art und Weise etwas mit Fußball zutun haben, weckt diese doch recht dumpfe Parole allenfalls vereins- und nationalstolze Gefühle in irgendwelchen pubertierenden Jungens-Brüsten (und Männerbrüsten, die auf dem Niveau hängen geblieben sind); schlimmstenfalls allerdings, wie weiter unten im Artikel angedeutet, führt es zu dämlichen Nazigröhlereien irgendwelcher Idioten.

Wie man sich sowas ausdenken kann...Ignoranz, gepaart mit Unwissen, fehlender Sensibilität und Werbegeilheit...das sind die richtigen Zutaten für so eine Hirnbrühe...!

Schwabe, 03.09.2014 15:36
Ähnlichkeiten des Artikels über den neuen "Schlachtruf" des VFB mit den "Brunzdummen Bühnennazis" (siehe letzte Kontext Ausgabe 178) drängen sich mir unweigerlich auf!
Herr Schmeiß Hirn ra.

Marc Braun, 03.09.2014 15:36
Jetzt wo sie es sagen fällt es mir auch auf. Ich hätte nie gedacht dass die Kontext-Leute so weit rechts sind!

AZ, 03.09.2014 14:21
Da ging der Furor mit den Autoren durch. Dass die Führung im wesentlichen verbesserungswürdig ist, ist richtig. Dass man Herrn Wahler dann als Azubi bezeichnet und das auf Flurfunk (sprich: Hörensagen) zurückführt, ist nicht die feine Art.

Aber dass der neue Präsident mehr heiße Luft verbreitet als den VfB voran zu bringen, das stimmt. Siehe hier:
http://vertikalpass.de/eine-reine-luftnummer/

Filip Kostic, 03.09.2014 13:37
muss nun leider auch die Bank drücken.

Bekanntlich steht die 18 ja für A(dolf) H(itler) - das geht ja nun gar nicht!

Die 18 sollte man einfach nicht mehr vergeben und auch sonst - ebenso wie die 88 gar nicht mehr benutzen.

Politisch korrekt wäre das jetzt also die 177. Ausgabe des Kontext.

Die Frage der Volljährigkeit müsste dann eben einfach anders geregelt werden.

Rechtsaußen, 03.09.2014 13:28
Politisch korrekt wird der VfB zukünftig nicht mehr über den rechten Flügel angreifen - dieser bleibt zukünftig unbesetzt - und auch keine Stürmer mehr einsetzen.

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