KONTEXT Extra:
Stuttgarter Filmwinter startet mit "Mut zur Lüge"

Der Stuttgarter Filmwinter – Eröffnung am 18. Januar – steht in diesem Jahr ganz im Zeichen der Lüge. So ist es natürlich auch nicht der 300. Filmwinter, wie auf den quietschgelben Werbeplakaten zu lesen ist, sondern der 30. – immerhin. Bis 22. Januar sind im FITZ! in der Eberhardstrasse, im Haus der Geschichte, im Kunstbezirk, und im Theater tri-bühne experimentelle Filme und Medienkunst zu sehen und zu erleben bei diesem "bedeutendsten Festival Experimentalfilm im süddeutschen Raum ". So die Eigenwerbung und das ist natürlich keine Lüge. Wie in den vergangenen Jahren auch, sollen die anspruchsvollen und meist auch anstrengenden experimentellen Filmkunstwerke einer größeren Öffentlichkeit spielerisch näher gebracht werden. Damit der Nachwuchs an interessierten Zuschauern nicht ausbleibt, gibt es auch bei diesem Filmwinter im Zeichen der Lüge ein spezielles Programm für Kinder und Jugendliche mit Kurzfilmen, Workshops, Führungen. Das Programm und mehr gibt es unter www.filmwinter.de.


Jetzt doch ein Koalitionsausschuss zu Afghanistan

Vor Weihnachten hatten Grünen und CDU eine inhaltliche Aussprache über die Abschiebepraxis nach Afghanistan vermieden. Stattdessen wurde im Koalitionsausschuss vor allem darüber diskutiert, ob Grünen-Landeschef Oliver Hildenbrand es "schäbig" nennen darf, wenn sein CDU-Pendant, Innenminister Thomas Strobl, auch alte oder kranke Menschen abschieben will. Zur bisher einzigen Sammelabschiebung wurde ein Mann sogar aus einer Psychiatrischen Klinik geholt, dann allerdings doch nicht ins Flugzeug nach Kabul gesetzt.

Am kommenden Dienstag werden dieser und andere Fälle sowie die grundsätzliche Vorgehensweise im Koalitionsausschuss diskutiert. Die Grünen, die die Debatte durchgesetzt haben, erinnern an die geltenden Leitlinien des Landes zu Abschiebungen und Rückführungen, nach denen eine Einzelfallprüfung ohnehin zwingend ist. Bisher hatte sich Strobl gegen eine inhaltliche Behandlung der von ihm mitinitiierten verschärften Abschiebepraxis im Koalitionsausschuss ausgesprochen. Die Grünen gehen davon aus, dass die Leitlinien und damit die Einzelfallprüfung bestätigt werden.

Auf dem Tisch liegt auch ein Papier der sogenannten G-Länder, also aller Koalitionen, an denen Grüne beteiligt sind. Diesem zufolge muss gewährleistet sein, "dass Ausreisepflichtige keinen Schaden an Leben und Gesundheit nehmen". Die Regierungspartner in Baden-Württemberg, Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen "betonen eine Reihe von Grundlinien und Anforderungen bezüglich Rückführungen nach Afghanistan". Sie fordern die Bundesregierung aber auch auf, die Sicherheitslage in Afghanistan "erneut zu überprüfen". (14.1.2017)


Ein zweites Raumwunder für Geflüchtete

Engagement kann sich lohnen. Im September hatte Kontext über die Initiative der Künstlerin Martina Geiger-Gerlach berichtet, eine Wohnung in einem zum Abriss vorgesehenen Haus im Stuttgarter Stadtteil Steckfeld monatsweise Flüchtlingen zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig finden dort immer Ausstellungen statt, die Nachbarn und Interessierten Gelegenheit geben, Künstlern und Geflüchteten zwanglos zu begegnen. Nun hat der Vermieter, das katholische Siedlungswerk, der Künstlerin eine zweite Wohnung im selben Haus als Lernwohnung zur Verfügung gestellt, damit Geflüchtete, die im Trubel ihrer Unterkunft nicht zur Ruhe kommen, eine Rückzugsmöglichkeit finden. Zudem bleibt das Haus länger stehen: voraussichtlich zwei Jahre. Dem Siedlungswerk gefällt das Projekt so gut, dass Martina Geiger-Gerlach gefragt wurde, ob sie sich vorstellen könnte, im Quartiersraum des Neubauareals an Stelle des früheren Olgahospitals eine Aufgabe zu übernehmen. Und: Ihr Wohnungs-Projekt ist für den Stuttgarter Bürgerpreis der Bürgerstiftung vorgeschlagen worden. Am 20. Januar um 19 Uhr eröffnet in der Karlshofstraße 42 in Steckfeld die nächste Ausstellung mit Gemälden von Ivan Zozulya und dem DJ Roman Levin. Am 31. Januar wird die Entscheidung zum Bürgerpreis bekannt gegeben. Jeder kann mit abstimmen!


Der Gewitterwanderer im Glück

Mitte November hatte der 33-jährige Göppinger Schriftsteller Kai Bleifuß noch geschimpft wie ein Rohrspatz. Der promovierte Goethe-Experte rackert sich seit Jahren mit Schreiben ab. Fabrizierte zuletzt einen Roman über den Dichterfürsten und wie der so wäre, würde er in unserer Zeit leben. "Goethes Mörder" heißt das gute Stück. Gutes Zeug. Guter Mann. Das weiß auch Bleifuß selbst. Kontext gegenüber machte er keinen Hehl daraus, dass er sich selbst für einen ziemlich duften Typen hält. Doch bislang schlug ihm seitens des ganzen "Literaturzirkus" und der Verlage kalter Wind entgegen. Niemand wolle mehr ein Risiko eingehen. Literatur würde immer mehr unter ökonomischen Abwägungen betrachtet, konstatierte der resolute Literaturnerd. "Schreiben ist das Idiotischste, was man machen kann. Nicht schreiben aber auch."

Ein Bleifuß lässt sich aber nicht unterkriegen – und jetzt hat es gerappelt im Karton: Am vergangenen Sonntag sackte der Göppinger für seinen Text "Fünf Variationen auf das Unsagbare" den Autorenpreis "Irseer Pegasus 2017" ein. 150 Schriftsteller aus dem ganzen Land hatten sich mit ihren Werken beworben, doch Bleifuß hat den mit 2000 Euro dotierten Preis gewonnen. Neben ihm auf dem Siegertreppchen der Preisverleihung im Kloster Irsee im Allgäu strahlte David Krause aus Kerpen.

"Der glücklose Autor hatte endlich einmal Glück!", schrieb Goethe-Glücksbärchen Bleifuß voller Freude an Kontext, mit der Bitte unseren LeserInnen mitzuteilen, dass man am 27.1. ab 21:05 Uhr im BR2 sein Hörspiel "Pinball" senden werde. Machen wir doch gerne. (11.1.2017) 


Abstand halten von den Volksverrätern

Aus 594 Wörtern haben die Sprachwissenschaftler um die Darmstädter Professorin Nina Janich das Unwort des Jahres 2016 ausgesucht: "Volksverräter". Aus dem Erbe der NS-Diktatur werde das Wort von Pegida, AfD und anderen Rechtsaußen verwendet, um PolitikerInnen  zu diffamieren. Mit der Folge, dass das "ernsthafte Gespräch" und notwendige Diskussionen in der Gesellschaft abgewürgt würden, begründet die Jury. Auf den weiteren Plätzen folgen "postfaktisch", "Populismus", "Gutmensch" sowie eine "Armlänge Abstand". Mit in der fünfköpfigen Jury saß auch Kontext-Autor Stephan Hebel. (10.1.2016)


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Auftakt zu den Ostermärschen 2016 vor den Kelley Barracks der US-Armee in Stuttgart-Möhringen. Fotos: Joachim E. Röttgers

Auftakt zu den Ostermärschen 2016 vor den Kelley Barracks der US-Armee in Stuttgart-Möhringen. Fotos: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 261
Debatte

Teilen, was wir haben

Von Paul Schobel
Datum: 30.03.2016
Ostermärsche erscheinen heute als Relikte aus einer vergangenen Zeit, in der Hunderttausende auf die Straße gingen. Dieses Jahr waren es 20 000. Bundesweit. Und die Nachrichten darüber rutschen in die Meldungsspalten. Das ändert an der Notwendigkeit des Protests nichts, sagt unser Autor.

Albert Einstein verstieg sich einmal zu dieser Bemerkung: "Der Mensch erfand die Atombombe. Aber keine Maus der Welt käme auf die Idee, eine Mausefalle zu konstruieren." Wir aber sitzen in der selbst konstruierten Falle: Seit Jahrtausenden führt die Menschheit Krieg gegen sich selbst.

Unser Menschengeschlecht trägt das Nummernschild "Homo sapiens" vor sich her. Mit der "Weisheit" kann es nicht weit her sein. Man denke nur an den Urnengang vor zwei Wochen. Da ist der Intelligenzquotient unseres Volkes noch einmal um ein paar Punkte tiefer in den Keller gerauscht. Nun darf man gespannt sein, welcher Talentschuppen sich in Bälde da drüben im Landtag konstituieren wird. Aber dies nur nebenbei!

Demo-Plakat auf dem Ostermarsch letzten Jahres.
Demo-Plakat auf dem Ostermarsch letzten Jahres.

Ich meine, wir tragen das Attribut "Homo sapiens" so lange zu Unrecht, wie die Ausgeburt der Dummheit die Welt regiert: der Krieg. Unfähig und unwillens, Konflikte gewaltfrei zu lösen und endlich aus der Geschichte zu lernen, wäre der gegenwärtige Menschenschlag mit "Homo idioticus" treffender umschrieben.

Das ist es, was uns Jahr für Jahr an Ostern auf die Straße treibt, diese Idiotie, der Wahnsinn des Krieges. Daher setzen wir auch heute wieder unverdrossen das Signal: Wir werden uns nie mit Krieg arrangieren. Wir werden keine Ruhe geben, bis dieses Gespenst endlich dorthin verschwindet, wo es hingehört: in die Rumpelkammer der Geschichte.

Denn die sind es doch, die sinnlosen Kriege, die Millionen von Menschen in die Flucht treiben. Wer Fassbomben von der eigenen Regierung auf den Kopf bekommt, wer erleben muss, dass ganze Städte pulverisiert werden, wer sich religiös aufgeladenen Banditen und Halsabschneidern gegenüber sieht, dem bleibt nichts anderes, als den letzten Cent für einen Schleuser zusammenzukratzen und abzuhauen.

Wer Waffen sät, wird Flüchtlinge ernten

Die Ursachen für Flucht bekämpfen bedeutet daher, den Krieg zu bekämpfen. Er ist ein Massenmörder, er zerstört die Lebensräume ganzer Völker und verwüstet die Seelen der Überlebenden und Hinterbliebenen. Krieg darf um Gottes und der Menschen willen nicht sein.

Protestaktion gegen den Waffenproduzenten Heckler und Koch im April 2015.
Protestaktion gegen den Waffenproduzenten Heckler und Koch im April 2015.

Wenn das so ist, dann müssen wir schon den Handlangern des Krieges, den Waffenproduzenten und Waffenhändlern, das Handwerk legen. Wir wissen ja seit Langem: Rüstung tötet auch ohne Krieg. Gigantische Summen, mühsam aus Erträgen erwirtschaftet, werden in den Rüstungshaushalten verpulvert, in den Tod statt ins Leben investiert. Kostbare Ressourcen und das ganze Potenzial an Kreativität, Phantasie und technischem Können – missbraucht, um Leben zu vernichten statt Leben zu fördern.

Und schon stoßen wir auf den "Meister aus Deutschland", den viertgrößten Waffenproduzenten auf diesem Globus. Es ist unglaublich, was ausgerechnet wir weltweit mit den Waffen anrichten, die man verniedlichend "Kleinwaffen" nennt. Nein – das sind keine Käpsele-Pistolen, sondern Schießprügel-Automaten aller Art. 63 von 100 Betroffenen kosten sie das Leben. Rein statistisch werden täglich 114 Menschen durch eine Waffe von Heckler und Koch getötet. Das wundert gar nicht, denn über die Hälfte aller Exporte sind widerrechtlich. So wandert dieses Teufelszeug in dunkle Kanäle und rotiert – langlebig wie es ist – um den ganzen Erdball und wird auf Basaren verhökert. Auch Boko Haram und der so genannte "Islamische Staat" schießen inzwischen deutsch. Wir rüsten unsere eigenen Gegner auf. Es sind unsere Waffen, vor denen die Menschen fliehen. Jürgen Grässlin kann man nur zustimmen: "Wer Waffen sät, wird Flüchtlinge ernten." Wir selbst sind es, die so permanent den Nachschub an Flüchtlingen organisieren. Daher unsere Forderung: Grenzen dicht für Waffen, Grenzen auf für Menschen.

Wir wissen: Die Kriegs- und Bürgerkriegsflüchtlinge sind ja nur die einen. Die anderen kommen aus den Hunger- und Elendsvierteln dieser Welt. Es sind jene, die wir nun als so genannte Wirtschaftsflüchtlinge massenhaft zurückschicken in vermeintlich sichere Herkunftsländer. Junge Menschen ohne jede Perspektive, ohne Zukunft. Sie haben – außer ihrem nackten Leben – nichts zu verlieren. Traurig blicken sie mit Hilfe moderner Medien wie durchs Fenster in unsere gute Stube und brechen auf. Nichts wird sie aufhalten, keine Obergrenzen, kein Stacheldraht und keine Mauer. Auch nicht Frau Petrys Schießbefehl.

Solange die Fluchtursachen bestehen, werden auch Flüchtlinge kommen. Diese sind in Weinstadt untergekommen.
Solange Fluchtursachen bestehen, werden auch Flüchtlinge kommen. Diese sind in Weinstadt untergekommen.

Wir sollten uns nicht täuschen: Was da gerade weltweit geschieht, ist möglicherweise erst der Beginn eines epochalen Umbruchs. Die Verfolgten und Unterdrückten dieser Erde, aber auch all die Hungerleider und armen Schlucker werden aufbrechen und sich ihren Anteil holen. Das ist die Kehrseite der Globalisierung.

Mir scheint, die Menschheit hat nur noch ein einziges Spiel frei. Entweder lernt sie das Teilen und macht sich Teilen zum Konzept, oder dieser Planet versinkt in Chaos, Terror und Gewalt. Wenn wir die Güter dieser Welt, Arbeit und Einkommen, nicht miteinander teilen, wird uns die Armut wie ein Tsunami überrollen. Der schert sich einen Teufel um Obergrenzen. Nur eine neue Weltformel, eben das Teilen, kann uns davor bewahren!

Der Kapitalismus spaltet die Menschheit

Was wir praktizieren, ist das genaue Gegenteil. Die kapitalistischen Länder sind keine Unschuldslämmer. Sie haben das mitverursacht, was sie nun als "Flüchtlingskrise" beklagen: Der Kapitalismus spaltet die Menschheit immer mehr in Arm und Reich. Ihm ist es noch nie um "gutes Leben für alle" gegangen, um Beteiligung und Entwicklung, sondern um die pure Gier, die Mehrung der Renditen. Der Kapitalismus ist nicht willens und in der Lage, die primitivsten Bedürfnisse der Menschen zu erfüllen: Nahrung, Kleidung, Wohnung. Daher ist er mitverantwortlich für den Aufruhr in der Welt und die Flüchtlingsströme. "Diese Wirtschaft tötet", sagt der Papst, und ich pflichte ihm bei. 

Wie Blutsauger machen sich die Konzerne unter den Augen ihrer Regierungen über die armen Länder her, plündern ihre Rohstoffe, fischen ihre Meere leer und verwandeln blühende Landschaften in stinkende Müllkippen. Wir überfluten die Agrarmärkte in Afrika mit Billigimporten aus Europa, liefern Tomaten und Hähnchenteile – und rauben den Menschen ihre Existenzgrundlage. Sie müssen fliehen, um nicht zu verhungern.

Und nun überziehen wir die Welt auch noch mit dubiosen Handelsabkommen wie CETA und TTIP. Diese Handelsblöcke werden den "Drittländern" noch vollends den Hals abschnüren. Erst wenn wir anders wirtschaften, solidarisch wirtschaften, die Güter dieser Welt miteinander teilen, ein gemeinsames Sozialprodukt für alle erstellen und gerecht verteilen, werden die Flüchtlingsströme versiegen. 

Nun aber ist es das Gebot der Stunde, dass wir die Flüchtlinge annehmen, aufnehmen, ihnen Schutz gewähren und eine menschwürdige Zukunft eröffnen. Und deshalb appelliere ich an alle Friedensfreundinnen und -freunde:

  • Wir sehen nicht länger zu, dass Tausende im Mittelmeer ertrinken, anrennen müssen gegen Mauern und Stacheldraht, in schlammigen Lagern erbärmlich verelenden. Wir fordern sichere Fluchtwege und keine faulen Deals mit Menschenrechtsverächtern. Wir fordern Europa auf, sich endlich solidarisch zu zeigen und die Verweigerer zu sanktionieren.
  • Den Flüchtlingen aber kommen wir entgegen: Wir nehmen euch hier in Schutz, wir nehmen euch in unsere Mitte. Wir respektieren euch und eure Würde. 
  • Wir kämpfen gegen die Nationalisten und Rassisten und gegen die AfD, in deren scheinbar bürgerlichem Schutzmäntelchen sie sich nun verstecken.

Im Tagebuch des unvergessenen Rudi Dutschke fand man an Ostern 1963 diese Notiz (sie kommt im damaligen Soziologen-Deutsch etwas verschwurbelt daher):

"Jesus ist auferstanden, Freude und Dankbarkeit sind die Begleiter dieses Tages; die entscheidende Revolution der Weltgeschichte ist geschehen, die Revolution der Welt durch die alles überwindende Liebe. Nähmen die Menschen voll die offenbarte Liebe an, die Wirklichkeit des Jetzt, die Logik des Wahnsinns könnte nicht mehr weiterbestehen." 

Ja – mit dieser Revolution hätte der Wahnsinn ein Ende! Schließt euch heute noch den "Aufständischen" an. Revolutionieren wir die Welt durch die Liebe. Ich bin überzeugt: Je höher der "Sättigungsgrad" an Verständnis, Solidarität, Barmherzigkeit, desto weniger Raum bleibt für den Hass, den Terror und den Krieg.

Paul Schobel
Paul Schobel

 

Paul Schobel, Betriebsseelsorger i. R., hat die Rede bei der Abschlusskundgebung des Ostermarsches 2016 auf dem Stuttgarter Schlossplatz am 26. März gehalten. Aufgerufen dazu hat ein Bündnis aus Gewerkschaften, der Linken und Friedensinitiativen, gekommen sind 1500 BürgerInnen.


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Kommentare

Schwabe, 04.04.2016 13:58
Kriegstreiberei - NATO, US-General Breedlove, Panzerbrigade. Die USA planen Krieg gegen Russland in Europa. Die USA bzw. deren Politiker und Militärs führen sich auf wie die Rotzlöffel auf dem Schulhof. Für mich eine Verhaltensstörung!
http://www.nachdenkseiten.de/?p=32627

Peter S., 02.04.2016 10:44
Es gibt ausser der Sicht des Autors und von Frau Käßmann auch noch andere Blickwinkel auf das Thema.
Ein Blick in die NY Times ist da interessant
http://www.nytimes.com/2016/03/29/world/europe/isis-attacks-paris-brussels.html?hp&action=click&pgtype=Homepage&clickSource=story-heading&module=second-column-region%C2%AEion=top-news&WT.nav=top-news&_r=3&mtrref=undefined

CharlotteRath, 01.04.2016 10:20
Wenn es weder dem amerikanischen Präsidenten, noch einem großen Bundestags-Bündnis aus CDU-SPD-FDP-Grünen gelingt, Deutschland atomwaffenfrei zu machen, obwohl dies seit Jahren beiderseitiger Wille sei (was nicht nur dem von 191 Ländern einschließlich USA und Deutschland unterzeichneten Kernwaffensperrvertrag entspräche, sondern auch dem Willen eines sehr großen Teils der deutschen Bevölkerung) - sondern, ganz im Gegenteil, derzeit eine Vernichtungskraft von 80 Hiroshima-Bomben in der Eifel stationiert wird …

ja, wer regiert denn dann hier bei uns?

Die Waffenlobby?
Ich hoffe auf Kommentare, die das Gegenteil belegen.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/kommentar-zum-nukleargipfel-obamas-gescheiterte-vision-a-1084893.html
http://www.zeit.de/politik/deutschland/2016-03/fliegerhorst-buechel-atomwaffen-usa-barack-obama
http://www.zdf.de/frontal-21/stationierung-neuer-us-atomwaffen-in-deutschland-russland-beklagt-verletzung-des-atomwaffensperrvertrages-40197860.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Atomwaffensperrvertrag
http://www.icanw.de/neuigkeiten/forsa-umfrage-ueberwaeltigendes-votum-fuer-abzug-und-verbot-von-atomwaffen/
http://www.atomwaffenfrei.de/ressourcen/dokumentation.html

Blender, 31.03.2016 06:01
Danke für diesen Wichtigen Beitrag. Das Blöde ist, dass auch die andere Seite, die Pessimisten, Recht haben. Nämlich: Wer Hass säht, wird Extremisten ernten. Und so arbeiten Pesimisten beider Lager mit hässlichen Terroranschläge in Paris und Brüssel bzw. besorgte Brandanschläger in Deutschland daran, dass es eben KEINE gemeinsame Zukunft u nter einem Dach zwischen den Menschen unterschiedlicher Geburtsorte gibt um damit die im o.g. Beitrag im den Vordergrund gestellte Solidarität zu unterminieren. Bei jedwelchem Terror werden maßgeblich meist unschuldige Nicht-Extremisten dabei getroffen. Entscheidend, ob die Pessimisten oder die Optimisten die Oberhand in ihren jeweiligen Gesellschaften behalten ist, wieviel ungerechtes Leid die Opfer bzw. die b etroffenen bzw. getroffenen Gesellschaften aushalten können, bevor sie zu Pessimisten werden und ins Extreme wechseln. Einen entscheidenden Schlüssel halten m.e. dabei die Polizei (&Geheimdienste), Staatsanwaltschaften und Gerichte in der Hand, ob es ihnen gelingt die Täter zu ermitteln, anzuklagen und durch konsequente Urteile die konstruktive Gesellschaft zu beschützen; ..., und da kommen mir bei den Staatsorganen wie z.B. der Polizei in Dresden, den Staatsanwaltsachaften in Stuttgart und bewährungsstrafen durch Winkeladvokaten (Unschuldsvermutung bzw. mildernde Umstände für alkoholische, jugendliche und "Erst"-Täter) leider meine Zweifel. Wir sollten es trotzdem immer wieder von Neuem versuchen, trotz möglicher Rückschläge, aufeinander zuzugehen, für den Optimismus, für die Menschen und nicht zuletzt für unsere eigene Freiheit.

Bernhard Meyer, 30.03.2016 14:51
"Ostermärsche erscheinen heute als Relikte aus einer vergangenen Zeit, in der Hunderttausende auf die Straße gingen. Dieses Jahr waren es 20 000. Bundesweit. Und die Nachrichten darüber rutschen in die Meldungsspalten"

Als Regierung und Medien begannen, die Kriegstrommeln zu rühren, die Russlandhetze anschwoll und die NATO immer frechere Provokationen an den Russischen Westgrenzen durchführten - also als das politische Klima förmlich nach bürgerlichen Proteststürmen rief und überall Grüppchen auf der Straße zusammenliefen und die Bewegung zaghaft zu erwachen schien - da betrat ein alter Bekannter die Bühne und warf Knüppel in die Speichen des anrollenden Wagens. Der altbewährte Streithansel. Er schaffte in kurzer Zeit eine gründliche Zersetzung: Statt sich mit anderen zusammenzutun für große und starke Kundegebungen gegen den Krieg und gegen die Beteiligung der Bundeswehr an ihm, stritten sich die Leute nun lieber darüber, wer dabei sein darf und wer nicht, wem man nicht zuhören dürfe, weil er schon mal zusammen mit jemand gesehen wurde, von dem man sagt, er sei Antisemit. Kann man einen Demo-Aufruf unterzeichnen, den auch einer unterzeichnete, der das Kainsmal des "Verschwörungstheoretikers" trägt? Niemals!

Das funktioniert immer. Und deswegen wird das Mittel auch angewendet. Nicht von uns, aber von denen. Und weil streiten so schön ist, überlegen wir gar nicht, von wem der Streit gestiftet wurde.

Claus Stroheker, 30.03.2016 11:57
Herzlichen Dank, Paul Schobel,
für einen Text, der klar, eindeutig und unmissverständlich, ohne Drumherum, das beschreibt, was ist.

Und zu sagen, was ist, ist - wenn man Ferdinand Lassalle, dem Gründer der deutschen Sozialdemokratie, folgt - notwendig, um zur politischen Tat kommen zu können.

Nicht nur der Tod ist ein Meister aus Deutschland, auch Elend und Hunger, Flucht und Vertreibung gehören - mindestens ! - dazu.

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