KONTEXT Extra:
Versprochen, gebrochen!

Was kommt da eigentlich noch?, fragt sich die designierte SPD-Landesvorsitzende und mit ihr die politisch interessierte Öffentlichkeit im Land. Vor vier Wochen waren die ersten Nebenabreden öffentlich geworden, die Grüne und CDU nicht in ihren Koalitionsvertrag aufgenommen hatten (Kontext berichtete). Ministerpräsident Winfried Kretschmann musste in einer Landtagsdebatte alle Register ziehen, um deren Notwendigkeit mehr schlecht als recht gerade auch vor den Regierungsfraktionen und der eigenen Klientel zu rechtfertigen. Ungenutzt ließ er die Chance, reinen Tisch zu machen, alles zu offenbaren, was er mit CDU-Landeschef Thomas Strobl ausbaldowert hat. Die Aufregung wäre groß gewesen - und doch deutlich kleiner als der Ärger, den sich die beiden jetzt eingehandelt haben. Drei Tage, sagt der Regierungschef gern, lägen zwischen "Hosianna" und "Kreuziget ihn!", was schon immer zweideutig war, weil er damit die Verantwortung für einen Niedergang auch dem Publikum zuschreibt. Jetzt tragen Kretschmann und Strobl diese ganz allein. Der Grüne allerdings deutlich schwerer als der Schwarze, weil er - siehe Persönlichkeitswerte - sehr vielen Menschen als Inbegriff der Redlichkeit galt. Mit seiner "Politik des Gehörtwerdens" war ein Transparenzversprechen verbunden, und das hat er höchstpersönlich gleich mehrfach gebrochen.


AfD kann nicht rechnen

Zu ihrer 100-Tage-Bilanz im Landtag legen die Abgeordneten der AfD-Fraktion, also jene, die dem Bundessprecher Jörg Meuthen im Antisemitismus-Streit nicht gefolgt sind, eine arg geschönte Bilanz ihrer Arbeit vor. "Seit Beginn der Legislaturperiode haben wir bereits 37 Anfragen gestellt, über die wir künftig berichten werden", heißt es in einer Pressemitteilung. Und weiter: "Das übertrifft die SPD-Fraktion bei weitem, die gerade einmal 14 Anfragen eingereicht hat, oder auch die FDP, die beide aufgrund ihrer Parlamentshistorie mit einer deutlich größeren Mannschaft im Hintergrund agieren."

Wahr ist, dass die Fraktionsgröße die Zahl der Beschäftigten bestimmt und vor allem, dass die AfD-Fraktion seit der Abspaltung der "Alternative für Baden-Württemberg" (ABW) acht Kleine Anfragen gestellt hat und die ABW seit ihrer Gründung Anfang Juli neun. Davor hatte es die noch geeinte AfD auf 34 Kleine Anfragen gebracht. SPD und FDP kommen aber auf jeweils über 70 Initiativen in ihren ersten 100 Tagen, darunter Kleine Anfragen, Große Anfragen, Anträge und Gesetzentwürfe. "Nachdem die AfD bis zur Stunde mit ihren ungeheuerlichen Mätzchen dem Parlament und seiner demokratischen Kultur nur Schaden zugefügt hat, kommt sie nun mit einer vor lauter Selbstbeweihräucherung triefenden 100-Tage-Bilanz daher, die aber noch nicht mal korrekte Rechenkünste vorweisen kann", reagiert Martin Mendler, der Fraktionssprecher der Sozialdemokraten, scharf. Der SPD würden fälschlicherweise lediglich 14 Anfragen zugeordnet, wohingegen es laut Parlamentsdokumentation des Landtags von Mai bis August in der 16. Legislaturperiode mehr als fünf Mal so viele seien.


Mit Wolfgang Dietrich naht die Rettung

Die Rettung rückt immer näher: Jetzt hat der Aufsichtsrat des Stuttgarter Fußballvereins VfB den früheren S-21-Sprecher Wolfgang Dietrich offiziell zum Präsidenten-Kandidaten erhoben. Gewählt wird er am 9. Oktober, so sich nicht irgendwelche Ultras zu einem Block zusammen rotten. Nicht so ganz schlüssig sind sich die beiden Fusionsblätter vor Ort, ob sie den 68-jährigen Streithansel gut oder schlecht finden sollen. Zum einen sei Dietrich ein "gewiefter Geschäftsmann", gar ein "Universalstratege", zum anderen ein "Polarisierer" und eine "Reizfigur", meinen die StZN, und sprechen von der "Altlast S 21". Sie mögen sich von den Parkschützern Mut zur Meinung machen lassen. Wenn das Neckarstadion unter die Erde gelegt werde, schreiben sie, könne man "oben Luxuswohnungen und Einkaufstempel" bauen.


Brigitte Lösch im Visier der AfD

Die beiden AfD-Gruppierungen im baden-württembergischen Landtag wollen ihre Spaltung nutzen, um mit einem Untersuchungsausschuss unter anderem gegen die frühere grüne Landtagsvizepräsidentin und Stuttgarter Abgeordnete Brigitte Lösch vorzugehen. Hintergrund ist ihr Engagement gegen die Bildungsplangegner der "Demo für alle" und für das Bündnis "No Pegida Stuttgart".

Gegenstand der parlamentarischen Untersuchung sollen auch die Ereignisse vom vergangenen Oktober sein, als Künstler und Beschäftigte aus Protest gegen die "Demo für alle" ein Banner mit der Aufschrift "Vielfalt" vom Dach des Großen Hauses der Württembergischen Staatstheater entrollten (Kontext berichtete). Die beiden AfD-Fraktionen verlangen Auskunft darüber "wieso das Opernhaus Stuttgart durch Gegendemonstranten besetzt werden konnte". Grundsätzlich will die "Alternative für Deutschland", die mit ihren zur Zeit zwei Fraktionen allein einen Untersuchungsausschuss beantragen kann, dem "Linksextremismus in Baden-Württemberg" nachgehen und einer möglichen Nähe zu "der gewesenen oder derzeitigen Landesregierung, Parteien, der Verwaltung, der Behörden oder dem Landtag".

Die vier demokratischen Fraktionen sehen darin einem Missbrauch der parlamentarischen Möglichkeiten. Bereits ins Auge gefasst ist eine Überprüfung des Vorgehens der Rechtsnationalisten durch den baden-württembergischen Verfassungsgerichtshof. Nach geltendem Recht kann ein Untersuchungsausschuss eingesetzt werden, wenn mindestens zwei Fraktionen oder ein Viertel aller Abgeordneten dafür sind. Er ist allerdings nur zulässig zu Sachverhalten, "deren Aufklärung im öffentlichen Interesse liegt" und wenn sie geeignet sind, "dem Landtag Grundlagen für eine Beschlussfassung im Rahmen seiner verfassungsmäßigen Zuständigkeiten zu vermitteln".

Drei vom Landtag bestellte Gutachter sahen Ende Juli auf Basis der geltenden Geschäftsordnung keinen Weg, der AfD die Bildung zweier Fraktionen zu verwehren. FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke warnte schon damals, die "Alternative für Deutschland" könnte ihren doppelten Fraktionsstatus missbrauchen. Jetzt sieht er sich bestätigt: Die AfD nutze ihre Spaltung, "um sich Vorteile zu erschleichen".

Die stellvertretende AfD-Landesvorsitzende Christina Baum, die dem Bundessprecher Jörg Meuthen im Antisemitismus-Streit um Wolfgang Gedeon nicht in die neue Fraktion gefolgt ist, bewertet das gemeinsame Vorgehen als "positives Signal für alle bürgerlichen Schichten im Land". Beide Fraktionen verhehlen auch nicht, dass der jetzt vorgelegte Antrag eine "Vorbereitung der Wiedervereinigung" (Baum) ist. Nach dieser, die für den Herbst und im Zuge einer gerade gestarteten Mediation von beiden Seiten in Aussicht gestellt wurde, könnte der Untersuchungsausschuss aber nicht mehr durchgesetzt werden.


Bahn muss Stuttgarts Bahnhof nicht offiziell stilllegen

Das Verwaltungsgericht Stuttgart hat mit Urteil vom 09.08.2016 die Klage der Stuttgarter Netz AG als unzulässig abgewiesen. Mit der Klage wollte die Gesellschaft privater Eisenbahnunternehmen verhindern, dass die Deutsche Bahn nach der Fertigstellung des unterirdischen Durchgangsbahnhofs Stuttgart 21 das bestehende Gleisvorfeld des oberirdischen Stuttgarter Kopfbahnhofes abbaut, bevor hierfür ein Stilllegungsverfahren nach dem Allgemeinen Eisenbahngesetz (AEG) durchgeführt wurde. Nach Auffassung des Gerichts handelt es sich bei dem "Umbau des Bahnknotens Stuttgart/Stuttgart 21" um ein ausschließlich planfeststellungspflichtiges Änderungsvorhaben nach dem AEG, für das ein zusätzliches Stilllegungsverfahren nicht erforderlich ist. Zugleich stellte das Gericht aber auch fest, dass der Rückbau des Gleisvorfeldes ohne vorherige Durchführung eines Planfeststellungsverfahrens rechtlich unzulässig sei. Da die Stuttgarter Netz AG in diesem Planfeststellungsverfahren ihre Interessen noch geltend machen und gegebenenfalls auch gerichtlich durchsetzen könne. Wegen der grundsätzlichen Bedeutung der Sache hat das Gericht die Berufung zum Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg in Mannheim sowie die Sprungrevision zum Bundesverwaltungsgericht zugelassen.


KONTEXT
per E-Mail:
Immer informiert:

Durch diese Anmeldung erhalten Sie regelmäßig immer mittwochs um 9 Uhr unsere neueste Ausgabe unkompliziert per E-Mail.

Datenschutz-Hinweis

Protestaktion vor der Stuttgarter Staatsanwaltschaft. Fotos: Joachim E. Röttgers

Protestaktion vor der Stuttgarter Staatsanwaltschaft. Fotos: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 212
Wirtschaft

Der Tod im Lauf

Von Gastautor Jürgen Grässlin
Datum: 22.04.2015
Wieder einmal ist die Oberndorfer Waffenschmiede Heckler & Koch in den Schlagzeilen. Diesmal wegen schief zielender Sturmgewehre. Vergessen werden dabei der Skandal von Mexiko und die Untätigkeit der Stuttgarter Staatsanwaltschaft.

In seiner Verzweiflung wandte sich im Herbst 2009 ein Mitarbeiter der Heckler & Koch GmbH (H & K) an mich. Der Informant teilte mir in vertraulichen Gesprächen mit, dass Abertausende von G-36-Sturmgewehren der Oberndorfer Waffenschmiede in vier Unruheprovinzen Mexikos gelangt sind. Und das, obwohl ebendiese Kriegswaffenexporte nach Chiapas, Chihuahua, Jalisco und Guerrero von den Rüstungskontrollbehörden, dem Bundesausfuhramt (BAFA) und dem Bundeswirtschaftsministerium, ausdrücklich untersagt worden waren. Bei H & K habe man von den aus seiner Sicht rechtlich mehr als bedenklichen Waffentransfers gewusst – bis hinauf in die Führungsebene, betonte der Informant.

Am 19. April 2010 erstattete ich über meinen Rechtsanwalt Holger Rothbauer Strafanzeige gegen Verantwortliche der Heckler & Koch GmbH wegen des Verdachts illegaler G-36-Gewehrlieferungen an Mexiko.

Wir haben diese Strafanzeige im Dezember 2013 und im Februar 2014 erweitert. Zugleich habe ich Anfang 2014 eine zweite Strafanzeige gegen H & K gestellt, wegen des Verdachts "nicht genehmigten Technologietransfers/Lizenz für G 36/FX 05". 

Was sich nach unserer G-36-Strafanzeige im Guten wie im Schlechten abspielte, lässt sich aufgrund der Vielzahl der Ereignisse hier nur in Auszügen wiedergeben. Tatsächlich gibt es auch einiges Gutes zu bilanzieren:

Aufgrund der Strafanzeige führten die zuständige Staatsanwaltschaft Stuttgart und das Zollkriminalamt Köln mehrere Razzien bei H & K durch, so im Dezember 2010 und im November 2011. Zudem erfolgten Hausdurchsuchungen in Privaträumen von H-&-K-Mitarbeitern. Seither besitzt die Stuttgarter Staatsanwaltschaft zentrale Dokumente, unter anderem Reisekostenabrechnungen für Schulungen mexikanischer Polizisten an widerrechtlich gelieferten G-36-Sturmgewehren in die Unruheprovinzen. Bis dato erfolgten also erfolgreiche Ermittlungen. 

Mehrfach haben die Stuttgarter Staatsanwaltschaft, das Landeskriminalamt Baden-Württemberg und das Zollkriminalamt Köln Informanten als Zeugen sowie zahlreiche Beteiligte vernommen. Die Ermittlungsbehörden sind also bestens informiert über die Abläufe illegaler Waffendeals.

Vom Richter zum H-&-K-Geschäftsführer

Peter Beyerle war nach seiner Pensionierung als Präsident des Landgerichts Rottweil 2005 – das bei juristischen Auseinandersetzungen im Kreis für H & K zuständig ist – in die Unternehmensführung der Waffenschmiede gewechselt. Als Kriegswaffenkontrollbeauftragter des Unternehmens verantwortete auch er die Ausfuhr von G-36-Gewehren und Ersatzteilen nach Mexiko und trägt damit maßgeblich Mitverantwortung. Nach meiner Strafanzeige wurde im Dezember 2010 bekannt, dass Peter Beyerle vorzeitig als H-&-K-Geschäftsführer zurücktritt.

Von 2003 bis 2010 hatte die Bundesregierung den Export von Kleinwaffen beziehungsweise deren Bestandteilen im Wert von mehr als 20 Millionen Euro an Mexiko genehmigt.

Übersicht der Genehmigungen für Kleinwaffenexporte nach Mexiko

*** Erstes erwähntes A001-Denial; Quelle: Rüstungsexportberichte der Bundesregierung (A001-Angaben); Zusammenstellung: Otfried Nassauer, ON)
*** Erstes erwähntes A001-Denial. Quelle: Rüstungsexportberichte der Bundesregierung (A001-Angaben); Zusammenstellung: Otfried Nassauer, ON)

Nach der Strafanzeige im April 2010 verhängte das Bundesausfuhramt (BAFA) in Eschborn gegenüber H & K ab 2011 ein bis heute währendes Genehmigungsverbot für Kleinwaffen nach Mexiko. Auch andere deutsche Kleinwaffenproduzenten dürfen seither keinerlei Kriegswaffen nach Mexiko liefern.

Seit Sommer 2014 liegt der Untersuchungsbericht des Zollkriminalamts vor. Darin wird festgestellt, dass Abertausende von H-&-K-Sturmgewehren auch in verbotene Unruheprovinzen Mexikos exportiert worden sind. Unserer Auffassung zufolge hat sich somit der Vorwurf der Strafanzeige hinreichend bestätigt, wonach bei diesem Rüstungsexport sowohl gegen das Außenwirtschaftsgesetz (AWG) als auch gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz (KWKG) verstoßen wurde.

Spätestens im Herbst 2014 hätte die Staatsanwaltschaft Stuttgart auf der Basis der Untersuchungsergebnisse des Zollkriminalamts Anklage gegen Beschuldigte von H & K erheben müssen. Dass sie es nicht getan hat, ist ein Skandal!

Schlimmer noch: Der zuständige Staatsanwalt Peter Vobiller wurde für mehrere Monate an die Generalstaatsanwaltschaft abgeordnet. Damit geht viel Zeit verloren. Was ist das für ein Rechtsverständnis? Wie ernst nehmen die Strafverfolger den Rechtsstaat? Möchten sie das Verfahren so lange hinauszögern, bis es letztendlich gegen eine Geldbuße eingestellt werden kann? Nach fünf Jahren ohne weiteren Rechtsbruch wäre dies möglich.

"Der Tod bedankt sich bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart"

Klare Aussage: Waffen töten. Auch die von Heckler & Koch.
Klare Aussage: Waffen töten. Auch die von Heckler & Koch.

Nein, das darf nicht sein! Denn wir sprechen hier nicht vom sinnvollen Export medizintechnischer Güter, sondern vom tödlichen Export von Kleinwaffen, von Pistolen, Maschinenpistolen und Sturmgewehren. Zwei Drittel aller Kriegsopfer sterben durch den Einsatz von Gewehren. Und wir sprechen von den Geschäftspraktiken von Heckler & Koch. Bis zum heutigen Tag sind mehr als zwei Millionen Menschen durch Kugeln aus dem Lauf von H-&-K-Waffen ums Leben gekommen. H & K ist Europas tödlichstes Unternehmen.

In diesem Sinne wundert es wenig, dass das Morden mit H-&-K-Waffen nun auch in Mexiko seinen Lauf nimmt. 43 Studenten wurden am 26. September 2014 von Sicherheitskräften in Zusammenarbeit mit der Mafia in Guerrero verschleppt. Sie sind bis heute verschwunden, sechs weitere Menschen wurden ermordet. Vieles spricht dafür, dass bei dieser Polizeiaktion auch illegal gelieferte G-36-Sturmgewehre eingesetzt wurden. Die Verantwortlichen des illegalen Waffendeals mit Mexiko verbringen den Frühling 2015 in Freiheit. Auch deshalb bedankt sich der Tod heute bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart.

Aus Sicht der Bundesregierungen war und ist Mexiko quasi ein neues Modell für den Waffenhandel im 21. Jahrhundert. In den Jahrzehnten zuvor durften Staaten mit Kriegswaffen beliefert werden – oder aufgrund der Sicherheits- und Menschenrechtslage eben nicht. Mexiko diente den von SPD, Grünen, FDP und CDU/CSU geführten Bundesregierungen ab 2003 als Testfeld dafür, ob auch einzelne Bundesstaaten eines Landes beliefert werden können und die Waffen definitiv in diesen Bundesstaaten verbleiben. 

Heute wissen wir: Das Testland Mexiko steht für eine rundum gescheiterte Rüstungsexportpolitik. Denn Endverbleibserklärungen werden nicht eingehalten, Waffen wandern in verbotene Regionen, mit G-36-Gewehren ausgerüstete Polizisten arbeiten eng mit der Drogenmafia zusammen. Ein Experiment mit tödlichen Folgen.

 

Jürgen Grässlin (57) ist Sprecher der Kampagne "Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel!". Er wurde mit mehreren Preisen für Frieden und Zivilcourage ausgezeichnet, unter anderem mit dem Aachener Friedenspreis. Der Beitrag basiert auf der Rede, die Grässlin bei der Kundgebung von Rüstungsgegnern am Freitag (17. 4. 2015) vor der Stuttgarter Staatsanwaltschaft gehalten hat.



Gefällt Ihnen dieser Artikel?
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!

Kommentare

Freier Bürger, 28.04.2015 23:49
@Ulrich Frank:
Was für ein Quatsch, den Sie da posten...

Wollen Sie alle "schlechten" Menschen mit ihrer Gesinnungsethik zum Guten vollstopfen?

Solange es böse Nachbarn gibt, bin ich froh, dass es Firmen wie Heckler & Koch gibt, die uns mit den "Instrumenten" versorgen, die wir den Bösen zeigen können.

Wir müssen sie ja nicht mal einsetzen, besitzen und zeigen können alleine reicht schon oftmals aus.

Und zum Thema Mexiko: Sollen die ordentlichen mexikanischen Behörden unbewaffnet gegen die Kartelle vorgehen?

Ulrich Frank, 28.04.2015 15:20
@Fred Heine, 28.04.2015 07:39h - Es ist schon bemerkenswert daß von Ihrer Seite, Herr Heine, jetzt eine Art Beliebtheitswettbewerb ausgelobt wird - das kann einem auch schon überaus pervers vorkommen - hinsichtlich des Tötungsinstruments G36, der u.a. von den Drogenbossen "for protection" bevorzugten "Knarre" (Ihr Ausdruck), natürlich in der internationalen "Nicht-Sch**ße-Version"-, die überall so ohne weiteres über den Ladentisch, oder durch Kontrollen, geht, ob legal oder illegal.

Oh ja, wir vermuten wohl zu Recht, dahinter steckt die Metaphysik des "deutschen" G36, und noch weiter dahinter steckt die Metaphysik "deutscher Ingenieurskunst". Die wird ja auch bemüht wenn man mit viel warmer Luft argumentieren will daß aus Stuttgart 21 unbedingt etwas werden wird. Tatsache ist und darum geht es (worauf von Ihrer Seite nicht eingegangen wird): die Bundeswehr bekam diese "beliebte" Waffe offensichtlich in einer grob untauglichen Version. In einer Version die u.U. das Leben eines deutschen Soldaten NICHT rettet*. Und die Bundeswehr bezahlte dafür dickes Geld. Aus den Taschen der Steuerzahler.

Ich mache da keine weiteren Worte - da Ihre Impermeabilität gegen konkrete Fakten und Argumente, Herr Heine, auch aus Ihren Beiträgen in anderen Publikationen hinreichend bekannt ist und Sie hier allen Fragwürdigkeiten wieder einmal geschickt ausweichen: das G36 welches an die Bundeswehr geliefert wurde ist offensichtlich, Ingenieurskunst hin oder her, ein Gerät welches am besten an die HASEN ausgegeben wird. Die haben dann wenigstens etwas worüber sie sich amüsieren können.

*Was deutsche Soldaten auf fragwürdigen Einsätzen auch nicht bekommen, dazu siehe z.B. SPIEGEL Nr. 50/2009: "Lobbyisten: Wie Abgeordnete [Kahrs, Siebert] die Anschaffung in Afghanistan dringend benötigter Patrouillenfahrzeuge verzögerten".

Fred Heine, 28.04.2015 07:39
Ulrich Frank, 27.04.2015 17:58

Das beantwortet alles nicht meine Frage: wieso ist diese Waffe das vielleicht beliebteste Gewehr derjenigen, die es wissen müssen?

Das Ding wird weltweit und vollkommen freiwillig von Leuten gekauft, die sich auf seine Zuverlässigkeit verlassen müssen, weil es sonst den eigenen Tod zur Folge haben könnte.

Wenn das G36 also so schlecht ist, wieso wandert es dann in riesigen Stückzahlen über den Ladentisch? Die wenigsten G36 wurden von der Bundeswehr gekauft – bei denen könnte man noch argumentieren, irgendwelche korrupten Einkäufer haben sich bestechen lassen. Ein kolumbianischer Drogenboss dagegen holt sich das beste Gewehr, dass er kriegen kann, weil er weiß, dass das im Ernstfall sein Leben rettet. Wieso kaufen solche Leute das G36, wenn es offensichtlich so sch**ße ist?

Ulrich Frank, 27.04.2015 17:58
@Fred Heine, 26.04.2015 16:29 - Nun, welche Experten sollen denn NOCH zu Wort kommen, Ihrer Meinung nach, Herr Heine? Ein Oberstleutnant der Bundeswehr hat z.B. bereits letztes Jahr gemeldet daß die an die Bundeswehr gelieferte Waffe, auch bei geeigneter Munition, alles andere als dauerhaft treffsicher ist*. Von Problemen war schon vor mehr als einem Jahr zu lesen, eine aktuelle Kommission hat die mangelnde Belastbarkeit ebenfalls festgestellt, und die zuständige Ministerin hat das Gewehr für untauglich erklärt - etwa aus Jux und Tollerei?!

Fakt ist doch, abseits der auch hier zu Recht bemerkten Paradoxie (Tillupp, Zaininger) der Perfektionierung von letalen Waffen, daß das Waffengeschäft mit den Armeen big business ist - es geht vor allem um den Profit. Und hier hatte man bei H&K offensichtlich so sehr das Geschäft im Blick daß man nicht zum Ehrgeiz fand eine halbwegs taugliche Version des Gewehrs zu liefern. Und das paßt. Denn der Bund nahm in der Vergangenheit bereits, angefangen vom Schraubenzieher minderer Qualität, jeden Schrott ab, zu Einzelhandelspreisen und ohne eine hinreichende Qualitätskontrolle zu handhaben. Auch mit zusätzlichem kriminellem Bakschisch für politische Dienstleistungen zu Lasten der Truppe.

Das liest man vielleicht nicht in StZ oder StN, Herr Heine!

*http://www.spiegel.de/politik/deutschland/g36-auch-unter-ursula-von-der-leyen-wurden-probleme-vertuscht-a-1030477.html

Schwabe, 26.04.2015 18:16
Invinoveritas mit Lichtblicken - herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Kommentar!
Schön das Sie das Wort "Wertegemeinschaft" erwähnen. Das könnte bei anderen Themen noch interessant werden.

Fred Heine, 26.04.2015 16:29
Wieso lässt man beim G36 eigentlich nicht die wirklichen Experten zu Wort kommen?

Das Gewehr gehört zur absoluten Lieblingsausstattung der Verbrecherbanden im Norden Mexikos, in Brasilien, Kolumbien und sonst wo. In den Golfstaaten gehört es zur Standardausrüstung der Armee – sind die alle zu doof?

Halten wir also fest: ein Gutachten bezeichnet das Gewehr als Schrott. Diejenigen, die sich täglich unter Einsatz ihres Lebens auf die Zuverläsigkeit der Knarre verlassen müssen, finden es toll. Wer mag da wohl Recht haben?

invinoveritas, 23.04.2015 12:09
Als die heutige Bundesregierung mit dafür sorgte, dass Mare nostrum eingestellt wurde, wusste sie, dass diese Entscheidung Tausende Flüchtlinge zum Ertrinken im Mittelmeer verurteilt.

Und sie wie alle ihre Vorgängerregierungen wussten, dass Waffen aus Oberndorf Tod und Elend in vielen Ländern dieser Erde verursachen, zumal in den ärmeren und ärmsten.

Da wie dort heißt das Prinzip: Geld geht vor unzählige Menschenleben.

Eine unsägliche Schande für die europäische Wertegemeinschaft.

Dank und Hochachtung an Jürgen Grässlin für sein jahrzehntelanges Engagement.

Rückrufaktion, 23.04.2015 09:27
Wäre das G36 eine Auto hätte es längst eine Rückrufaktion gegeben und/oder ein Modell update "G36a". Aber hier sind Besteller (Politiker), Bezahler (Steuerzahler) und Benutzer (Soldaten) drei verschiedene Instanzen, und nachdem partei-bespendete Politiker bestellt haben müssen die anderen die Suppe auslöffeln. Wenigstens entstehen die Arbeitsplätze in BW. Stolz kann man darauf aber nicht sein. Eine Anklage wegen internationaler Schädigung des Ansehens Deutschlands und Sabotage sollte man gegen HK erheben.

Ulrich Frank, 22.04.2015 19:09
Die Ermittlungen blockierenden Zögerlichkeiten von Staatsanwaltschaften im - mittlerweile - industriell-politisch-justiziellen Komplex hierzulande sind auch aus der Affäre Schottdorf in Bayern bekannt. Hierzu aktuell http://www.sueddeutsche.de/bayern/affaere-schottdorf-dritter-lka-beamter-belastet-behoerden-schwer-1.2445091.

Korrektes Verhalten - letztendlich im Interesse nicht nur der Öffentlichkeit sondern der Gewährleistung ziviler Verhältnisse - wirkt als Karrierestopper (siehe SZ-Artikel). Aber wenn das Fähnchen eine Karriere lang eher in den Wind gehalten wurde dann scheint das Resultat das zu sein daß man im Amt das Aufmucken völlig verlernt hat (sogar wenn man es sich, z.B. als Polizeipräsident, leisten könnte, z.B. gegen Herren wie Stefan Mappus). Siehe z.B. auch den Beitrag "Mummlos gegen Mappus" in dieser Kontext-Ausgabe.

Tillupp, 22.04.2015 14:41
Egal auf wen gezielt wird, es trifft immer die falschen. Auch beim geraden Rohr werden die Oberbefehlshaber mangels Reichweite in aller Regel nicht getroffen, nur der belogene Schütze der Angst vor der Befehlsverweigerung hat. Auf beiden Seiten. Wie sagte neulich Michael Moore in der Taz http://www.taz.de/!158407/ . Wenn zuerst die Söhne und Töchter der Oberbefehlshaber, Regierungsmitglieder und Waffenfabrikanten an die Front müssten, gäbe es weniger Kriege. Wohl wahr!

Zaininger, 22.04.2015 09:21
Wenn es nicht so makaber wäre:
Trefferquote halbiert - Präzisionswaffe aus Oberndorf für noch größeres Morden unter südlicher Sonne ungeeignet.
Da freuen sich ausnahmsweise Taliban wie Friedensaktivist!

Kommentar hinzufügen




CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.


* Pflichtfeld!

Letzte Kommentare:

Ausgabe 281 / Unter Strom gesetzt / Peter S., 23.08.2016 10:22
Etwas gutes hat diese ganze Diskussion hier bei mir bewirkt. Ich informiere mich aktiv zu dem Thema und versuche Fakten zu sammeln. u.a. wurde ich bei Makroskop...

Ausgabe 281 / Noch mehr Hungerlöhner / Fritz, 23.08.2016 07:01
Kommentarregel Nr. 2: "Es bellen mit besonderer Vorliebe getretene Hunde."

Ausgabe 278 / Kill, kill, kill / Henrik Neufelder, 22.08.2016 12:25
Ich möchte die Videospiele nicht von Gewaltverherrlichung freisprechen, jedoch bin ich mir sicher, dass sie weder alleinige oder teilweise Ursache noch Auslöser von Gewaltakten und Amokläufen in der Realität sind. Sicher haben viele...

Ausgabe 281 / Noch mehr Hungerlöhner / Fred Heine, 22.08.2016 07:58
DZ, 19.08.2016 16:56 Kommentarregel Nr. 27a: "Wenn Du wirklich nicht mehr weiter weißt, nenne dein Gegenüber einfach mal 'Lohnschreiber'. Das klingt wichtig. Und du hast eine Möglichkeit für ein Posting."

Ausgabe 280 / Kein Wort zur SPD / Dani, 21.08.2016 23:30
@ Fritz: Sorry, das sehe ich anders. Ein Großteil der Basis der "S"PD macht noch jedweden neoliberalen Dreck doch mit und kuscht, statt die neoliberalen Privatpersonen in Funktion in die Wüste zu schicken. Ich als Anarchist bin der...

Ausgabe 281 / Retourkutsche von rechts / Kornelia, 21.08.2016 21:14
Rechtsextrem = Asylbewerberheime, Versuchten Todschlag Linksextrem= Bänke, Sitze und Thröne bauen, musik hören, gemüterliches Beisamensein Danke, dass ihr "linksextremen" diese schöne, menschelnde und entspannte Atmosphäre...

Ausgabe 281 / Wider die marktkonforme Demokratie / Gela, 21.08.2016 18:16
Angeregt von dem Hinweis von @ invinoveritas und dem Link zur FAZ im Beitrag des ach so @ informierten Bürgers habe ich noch mal überprüft: Herta Däubler-Gmelin erweckt in ihrem - sehr klugen und eindringlichem Essay - durchaus den...

Ausgabe 281 / Fernbus-Boom und Schienen-Desaster / Martin Ebner / martin-ebner.net, 21.08.2016 00:06
Ein paar Anmerkungen kann ich mir nicht verkneifen: 1) Zu Flixbus: Der "David", der die Bahn herausforderte, war nicht Flixbus, sondern das Start-Up MeinFernbus, das 2015 von Flixbus übernommen wurde. MeinFernbus wurde von...

Ausgabe 281 / Wider die marktkonforme Demokratie / Kornelia, 20.08.2016 00:49
Ach immer diese Oberlehrer.... wer wann marktkonforme demokratie gesagt hat oder anders.... Ich tendiere seit dem Mausfeld Vortrag im Forum3 doch sehr stark zur "managed democracy"..(LIPPMAN 1920).. Es passt besser zu dem was der...

Ausgabe 281 / Retourkutsche von rechts / someonesdaughter, 19.08.2016 18:01
@Jue.So Jürgen Soja: Mir ist jetzt nicht ganz klar, wie man von den AfDs im Stuttgarter Landtag ausgerechnet den Sprung zum Gezerre um das allenfalls noch teil-besetzte Haus in der Rigaer Straße in Berlin logisch hinbekommt, aber wie...

Die KONTEXT:Wochenzeitung lebt vor allem von den kleinen und großen Spenden ihrer Leserinnen und Leser.
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!