KONTEXT Extra:
Jetzt doch ein Koalitionsausschuss zu Afghanistan

Vor Weihnachten hatten Grünen und CDU eine inhaltliche Aussprache über die Abschiebepraxis nach Afghanistan vermieden. Stattdessen wurde im Koalitionsausschuss vor allem darüber diskutiert, ob Grünen-Landeschef Oliver Hildenbrand es "schäbig" nennen darf, wenn sein CDU-Pendant, Innenminister Thomas Strobl, auch alte oder kranke Menschen abschieben will. Zur bisher einzigen Sammelabschiebung wurde ein Mann sogar aus einer Psychiatrischen Klinik geholt, dann allerdings doch nicht ins Flugzeug nach Kabul gesetzt.

Am kommenden Dienstag werden dieser und andere Fälle sowie die grundsätzliche Vorgehensweise im Koalitionsausschuss diskutiert. Die Grünen, die die Debatte durchgesetzt haben, erinnern an die geltenden Leitlinien des Landes zu Abschiebungen und Rückführungen, nach denen eine Einzelfallprüfung ohnehin zwingend ist. Bisher hatte sich Strobl gegen eine inhaltliche Behandlung der von ihm mitinitiierten verschärften Abschiebepraxis im Koalitionsausschuss ausgesprochen. Die Grünen gehen davon aus, dass die Leitlinien und damit die Einzelfallprüfung bestätigt werden.

Auf dem Tisch liegt auch ein Papier der sogenannten G-Länder, also aller Koalitionen, an denen Grüne beteiligt sind. Diesem zufolge muss gewährleistet sein, "dass Ausreisepflichtige keinen Schaden an Leben und Gesundheit nehmen". Die Regierungspartner in Baden-Württemberg, Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen "betonen eine Reihe von Grundlinien und Anforderungen bezüglich Rückführungen nach Afghanistan". Sie fordern die Bundesregierung aber auch auf, die Sicherheitslage in Afghanistan "erneut zu überprüfen". (14.1.2017)


Ein zweites Raumwunder für Geflüchtete

Engagement kann sich lohnen. Im September hatte Kontext über die Initiative der Künstlerin Martina Geiger-Gerlach berichtet, eine Wohnung in einem zum Abriss vorgesehenen Haus im Stuttgarter Stadtteil Steckfeld monatsweise Flüchtlingen zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig finden dort immer Ausstellungen statt, die Nachbarn und Interessierten Gelegenheit geben, Künstlern und Geflüchteten zwanglos zu begegnen. Nun hat der Vermieter, das katholische Siedlungswerk, der Künstlerin eine zweite Wohnung im selben Haus als Lernwohnung zur Verfügung gestellt, damit Geflüchtete, die im Trubel ihrer Unterkunft nicht zur Ruhe kommen, eine Rückzugsmöglichkeit finden. Zudem bleibt das Haus länger stehen: voraussichtlich zwei Jahre. Dem Siedlungswerk gefällt das Projekt so gut, dass Martina Geiger-Gerlach gefragt wurde, ob sie sich vorstellen könnte, im Quartiersraum des Neubauareals an Stelle des früheren Olgahospitals eine Aufgabe zu übernehmen. Und: Ihr Wohnungs-Projekt ist für den Stuttgarter Bürgerpreis der Bürgerstiftung vorgeschlagen worden. Am 20. Januar um 19 Uhr eröffnet in der Karlshofstraße 42 in Steckfeld die nächste Ausstellung mit Gemälden von Ivan Zozulya und dem DJ Roman Levin. Am 31. Januar wird die Entscheidung zum Bürgerpreis bekannt gegeben. Jeder kann mit abstimmen!


Der Gewitterwanderer im Glück

Mitte November hatte der 33-jährige Göppinger Schriftsteller Kai Bleifuß noch geschimpft wie ein Rohrspatz. Der promovierte Goethe-Experte rackert sich seit Jahren mit Schreiben ab. Fabrizierte zuletzt einen Roman über den Dichterfürsten und wie der so wäre, würde er in unserer Zeit leben. "Goethes Mörder" heißt das gute Stück. Gutes Zeug. Guter Mann. Das weiß auch Bleifuß selbst. Kontext gegenüber machte er keinen Hehl daraus, dass er sich selbst für einen ziemlich duften Typen hält. Doch bislang schlug ihm seitens des ganzen "Literaturzirkus" und der Verlage kalter Wind entgegen. Niemand wolle mehr ein Risiko eingehen. Literatur würde immer mehr unter ökonomischen Abwägungen betrachtet, konstatierte der resolute Literaturnerd. "Schreiben ist das Idiotischste, was man machen kann. Nicht schreiben aber auch."

Ein Bleifuß lässt sich aber nicht unterkriegen – und jetzt hat es gerappelt im Karton: Am vergangenen Sonntag sackte der Göppinger für seinen Text "Fünf Variationen auf das Unsagbare" den Autorenpreis "Irseer Pegasus 2017" ein. 150 Schriftsteller aus dem ganzen Land hatten sich mit ihren Werken beworben, doch Bleifuß hat den mit 2000 Euro dotierten Preis gewonnen. Neben ihm auf dem Siegertreppchen der Preisverleihung im Kloster Irsee im Allgäu strahlte David Krause aus Kerpen.

"Der glücklose Autor hatte endlich einmal Glück!", schrieb Goethe-Glücksbärchen Bleifuß voller Freude an Kontext, mit der Bitte unseren LeserInnen mitzuteilen, dass man am 27.1. ab 21:05 Uhr im BR2 sein Hörspiel "Pinball" senden werde. Machen wir doch gerne. (11.1.2017) 


Abstand halten von den Volksverrätern

Aus 594 Wörtern haben die Sprachwissenschaftler um die Darmstädter Professorin Nina Janich das Unwort des Jahres 2016 ausgesucht: "Volksverräter". Aus dem Erbe der NS-Diktatur werde das Wort von Pegida, AfD und anderen Rechtsaußen verwendet, um PolitikerInnen  zu diffamieren. Mit der Folge, dass das "ernsthafte Gespräch" und notwendige Diskussionen in der Gesellschaft abgewürgt würden, begründet die Jury. Auf den weiteren Plätzen folgen "postfaktisch", "Populismus", "Gutmensch" sowie eine "Armlänge Abstand". Mit in der fünfköpfigen Jury saß auch Kontext-Autor Stephan Hebel. (10.1.2016)


Sichere Herkunftsstaaten: Kretschmann schon lange für längere Liste

Winfried Kretschmann hat sich mit jüngsten Äußerungen zur Einstufung von Marokko, Tunesien und Algerien als sichere Herkunftsländer derart in die Nesseln gesetzt, dass sich sein Staatsministerium zu einer "Klarstellung" aufgerufen sah. Tatsächlich handelt es sich um einen durchsichtigen Versuch der Schadensbegrenzung. Der grüne Regierungschef hatte auf Anfrage der "Rheinischen Post" in einer Stellungnahme zur aktuellen Sicherheitsdebatte erklärt: "Die kriminelle Energie, die von Gruppierungen junger Männer aus diesen Staaten ausgeht, ist bedenklich und muss mit aller Konsequenz bekämpft werden." Zugleich sprach er sich für die Aufnahme der drei Maghreb-Staaten auf die Liste sicherer Herkunftsländer aus: "Baden-Württemberg wird der Ausweitung zustimmen, sofern die Bundesregierung das Ansinnen in den Bundesrat einbringt."

Die Wirkung beider Sätze im Zusammenhang sind ihm und "meinen Leut", wie er seine engsten Mitarbeiter gern nennt, offenbar entgangen. Jedenfalls stellte "das Staatsministerium klar, dass die signalisierte Zustimmung weder aus aktuellem Anlass beschlossen wurde, noch ihre Begründung in der Gewaltbereitschaft mancher Gruppen junger Männer aus diesen Ländern hat". Vielmehr sei die Entscheidung "schon im Frühsommer 2016 nach einem langen Abwägungsprozess, in dem vor allem der Frage nachgegangen wurde, ob es angesichts der Menschenrechtssituation in den besagten Ländern vertretbar wäre, diese zu sicheren Herkunftsländern zu erklären (...), als sich die Bundesregierung dem Ministerpräsidenten gegenüber bereit erklärte, in einer Protokollerklärung festzuhalten, Personen aus sogenannten vulnerablen Gruppen wie Homosexuellen, verfolgten Journalisten, religiösen Minderheiten mit gleicher Sorgfalt zu prüfen wie Flüchtlinge aus sonstigen Ländern". Das Staatsministerium sagt allerdings nichts dazu, ob die Forderung erfüllt wurde und warum das Thema nicht längst endgültig ausgetreten ist. Denn laut dem Bundesamt für Flüchtlinge und Migration werden die drei Länder in der Statistik überhaupt nicht mehr einzeln ausgewiesen, weil die Zahl der einreisenden Asylbewerber so niedrig ist. Und bereits 2015 gehörten die drei Staaten nicht zu jenen zehn Ländern, aus denen die meisten Flüchtlinge nach Deutschland kamen. (5.1.2017)


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Protestaktion vor der Stuttgarter Staatsanwaltschaft. Fotos: Joachim E. Röttgers

Protestaktion vor der Stuttgarter Staatsanwaltschaft. Fotos: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 212
Wirtschaft

Der Tod im Lauf

Von Gastautor Jürgen Grässlin
Datum: 22.04.2015
Wieder einmal ist die Oberndorfer Waffenschmiede Heckler & Koch in den Schlagzeilen. Diesmal wegen schief zielender Sturmgewehre. Vergessen werden dabei der Skandal von Mexiko und die Untätigkeit der Stuttgarter Staatsanwaltschaft.

In seiner Verzweiflung wandte sich im Herbst 2009 ein Mitarbeiter der Heckler & Koch GmbH (H & K) an mich. Der Informant teilte mir in vertraulichen Gesprächen mit, dass Abertausende von G-36-Sturmgewehren der Oberndorfer Waffenschmiede in vier Unruheprovinzen Mexikos gelangt sind. Und das, obwohl ebendiese Kriegswaffenexporte nach Chiapas, Chihuahua, Jalisco und Guerrero von den Rüstungskontrollbehörden, dem Bundesausfuhramt (BAFA) und dem Bundeswirtschaftsministerium, ausdrücklich untersagt worden waren. Bei H & K habe man von den aus seiner Sicht rechtlich mehr als bedenklichen Waffentransfers gewusst – bis hinauf in die Führungsebene, betonte der Informant.

Am 19. April 2010 erstattete ich über meinen Rechtsanwalt Holger Rothbauer Strafanzeige gegen Verantwortliche der Heckler & Koch GmbH wegen des Verdachts illegaler G-36-Gewehrlieferungen an Mexiko.

Wir haben diese Strafanzeige im Dezember 2013 und im Februar 2014 erweitert. Zugleich habe ich Anfang 2014 eine zweite Strafanzeige gegen H & K gestellt, wegen des Verdachts "nicht genehmigten Technologietransfers/Lizenz für G 36/FX 05". 

Was sich nach unserer G-36-Strafanzeige im Guten wie im Schlechten abspielte, lässt sich aufgrund der Vielzahl der Ereignisse hier nur in Auszügen wiedergeben. Tatsächlich gibt es auch einiges Gutes zu bilanzieren:

Aufgrund der Strafanzeige führten die zuständige Staatsanwaltschaft Stuttgart und das Zollkriminalamt Köln mehrere Razzien bei H & K durch, so im Dezember 2010 und im November 2011. Zudem erfolgten Hausdurchsuchungen in Privaträumen von H-&-K-Mitarbeitern. Seither besitzt die Stuttgarter Staatsanwaltschaft zentrale Dokumente, unter anderem Reisekostenabrechnungen für Schulungen mexikanischer Polizisten an widerrechtlich gelieferten G-36-Sturmgewehren in die Unruheprovinzen. Bis dato erfolgten also erfolgreiche Ermittlungen. 

Mehrfach haben die Stuttgarter Staatsanwaltschaft, das Landeskriminalamt Baden-Württemberg und das Zollkriminalamt Köln Informanten als Zeugen sowie zahlreiche Beteiligte vernommen. Die Ermittlungsbehörden sind also bestens informiert über die Abläufe illegaler Waffendeals.

Vom Richter zum H-&-K-Geschäftsführer

Peter Beyerle war nach seiner Pensionierung als Präsident des Landgerichts Rottweil 2005 – das bei juristischen Auseinandersetzungen im Kreis für H & K zuständig ist – in die Unternehmensführung der Waffenschmiede gewechselt. Als Kriegswaffenkontrollbeauftragter des Unternehmens verantwortete auch er die Ausfuhr von G-36-Gewehren und Ersatzteilen nach Mexiko und trägt damit maßgeblich Mitverantwortung. Nach meiner Strafanzeige wurde im Dezember 2010 bekannt, dass Peter Beyerle vorzeitig als H-&-K-Geschäftsführer zurücktritt.

Von 2003 bis 2010 hatte die Bundesregierung den Export von Kleinwaffen beziehungsweise deren Bestandteilen im Wert von mehr als 20 Millionen Euro an Mexiko genehmigt.

Übersicht der Genehmigungen für Kleinwaffenexporte nach Mexiko

*** Erstes erwähntes A001-Denial; Quelle: Rüstungsexportberichte der Bundesregierung (A001-Angaben); Zusammenstellung: Otfried Nassauer, ON)
*** Erstes erwähntes A001-Denial. Quelle: Rüstungsexportberichte der Bundesregierung (A001-Angaben); Zusammenstellung: Otfried Nassauer, ON)

Nach der Strafanzeige im April 2010 verhängte das Bundesausfuhramt (BAFA) in Eschborn gegenüber H & K ab 2011 ein bis heute währendes Genehmigungsverbot für Kleinwaffen nach Mexiko. Auch andere deutsche Kleinwaffenproduzenten dürfen seither keinerlei Kriegswaffen nach Mexiko liefern.

Seit Sommer 2014 liegt der Untersuchungsbericht des Zollkriminalamts vor. Darin wird festgestellt, dass Abertausende von H-&-K-Sturmgewehren auch in verbotene Unruheprovinzen Mexikos exportiert worden sind. Unserer Auffassung zufolge hat sich somit der Vorwurf der Strafanzeige hinreichend bestätigt, wonach bei diesem Rüstungsexport sowohl gegen das Außenwirtschaftsgesetz (AWG) als auch gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz (KWKG) verstoßen wurde.

Spätestens im Herbst 2014 hätte die Staatsanwaltschaft Stuttgart auf der Basis der Untersuchungsergebnisse des Zollkriminalamts Anklage gegen Beschuldigte von H & K erheben müssen. Dass sie es nicht getan hat, ist ein Skandal!

Schlimmer noch: Der zuständige Staatsanwalt Peter Vobiller wurde für mehrere Monate an die Generalstaatsanwaltschaft abgeordnet. Damit geht viel Zeit verloren. Was ist das für ein Rechtsverständnis? Wie ernst nehmen die Strafverfolger den Rechtsstaat? Möchten sie das Verfahren so lange hinauszögern, bis es letztendlich gegen eine Geldbuße eingestellt werden kann? Nach fünf Jahren ohne weiteren Rechtsbruch wäre dies möglich.

"Der Tod bedankt sich bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart"

Klare Aussage: Waffen töten. Auch die von Heckler & Koch.
Klare Aussage: Waffen töten. Auch die von Heckler & Koch.

Nein, das darf nicht sein! Denn wir sprechen hier nicht vom sinnvollen Export medizintechnischer Güter, sondern vom tödlichen Export von Kleinwaffen, von Pistolen, Maschinenpistolen und Sturmgewehren. Zwei Drittel aller Kriegsopfer sterben durch den Einsatz von Gewehren. Und wir sprechen von den Geschäftspraktiken von Heckler & Koch. Bis zum heutigen Tag sind mehr als zwei Millionen Menschen durch Kugeln aus dem Lauf von H-&-K-Waffen ums Leben gekommen. H & K ist Europas tödlichstes Unternehmen.

In diesem Sinne wundert es wenig, dass das Morden mit H-&-K-Waffen nun auch in Mexiko seinen Lauf nimmt. 43 Studenten wurden am 26. September 2014 von Sicherheitskräften in Zusammenarbeit mit der Mafia in Guerrero verschleppt. Sie sind bis heute verschwunden, sechs weitere Menschen wurden ermordet. Vieles spricht dafür, dass bei dieser Polizeiaktion auch illegal gelieferte G-36-Sturmgewehre eingesetzt wurden. Die Verantwortlichen des illegalen Waffendeals mit Mexiko verbringen den Frühling 2015 in Freiheit. Auch deshalb bedankt sich der Tod heute bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart.

Aus Sicht der Bundesregierungen war und ist Mexiko quasi ein neues Modell für den Waffenhandel im 21. Jahrhundert. In den Jahrzehnten zuvor durften Staaten mit Kriegswaffen beliefert werden – oder aufgrund der Sicherheits- und Menschenrechtslage eben nicht. Mexiko diente den von SPD, Grünen, FDP und CDU/CSU geführten Bundesregierungen ab 2003 als Testfeld dafür, ob auch einzelne Bundesstaaten eines Landes beliefert werden können und die Waffen definitiv in diesen Bundesstaaten verbleiben. 

Heute wissen wir: Das Testland Mexiko steht für eine rundum gescheiterte Rüstungsexportpolitik. Denn Endverbleibserklärungen werden nicht eingehalten, Waffen wandern in verbotene Regionen, mit G-36-Gewehren ausgerüstete Polizisten arbeiten eng mit der Drogenmafia zusammen. Ein Experiment mit tödlichen Folgen.

 

Jürgen Grässlin (57) ist Sprecher der Kampagne "Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel!". Er wurde mit mehreren Preisen für Frieden und Zivilcourage ausgezeichnet, unter anderem mit dem Aachener Friedenspreis. Der Beitrag basiert auf der Rede, die Grässlin bei der Kundgebung von Rüstungsgegnern am Freitag (17. 4. 2015) vor der Stuttgarter Staatsanwaltschaft gehalten hat.



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Kommentare

Freier Bürger, 28.04.2015 23:49
@Ulrich Frank:
Was für ein Quatsch, den Sie da posten...

Wollen Sie alle "schlechten" Menschen mit ihrer Gesinnungsethik zum Guten vollstopfen?

Solange es böse Nachbarn gibt, bin ich froh, dass es Firmen wie Heckler & Koch gibt, die uns mit den "Instrumenten" versorgen, die wir den Bösen zeigen können.

Wir müssen sie ja nicht mal einsetzen, besitzen und zeigen können alleine reicht schon oftmals aus.

Und zum Thema Mexiko: Sollen die ordentlichen mexikanischen Behörden unbewaffnet gegen die Kartelle vorgehen?

Ulrich Frank, 28.04.2015 15:20
@Fred Heine, 28.04.2015 07:39h - Es ist schon bemerkenswert daß von Ihrer Seite, Herr Heine, jetzt eine Art Beliebtheitswettbewerb ausgelobt wird - das kann einem auch schon überaus pervers vorkommen - hinsichtlich des Tötungsinstruments G36, der u.a. von den Drogenbossen "for protection" bevorzugten "Knarre" (Ihr Ausdruck), natürlich in der internationalen "Nicht-Sch**ße-Version"-, die überall so ohne weiteres über den Ladentisch, oder durch Kontrollen, geht, ob legal oder illegal.

Oh ja, wir vermuten wohl zu Recht, dahinter steckt die Metaphysik des "deutschen" G36, und noch weiter dahinter steckt die Metaphysik "deutscher Ingenieurskunst". Die wird ja auch bemüht wenn man mit viel warmer Luft argumentieren will daß aus Stuttgart 21 unbedingt etwas werden wird. Tatsache ist und darum geht es (worauf von Ihrer Seite nicht eingegangen wird): die Bundeswehr bekam diese "beliebte" Waffe offensichtlich in einer grob untauglichen Version. In einer Version die u.U. das Leben eines deutschen Soldaten NICHT rettet*. Und die Bundeswehr bezahlte dafür dickes Geld. Aus den Taschen der Steuerzahler.

Ich mache da keine weiteren Worte - da Ihre Impermeabilität gegen konkrete Fakten und Argumente, Herr Heine, auch aus Ihren Beiträgen in anderen Publikationen hinreichend bekannt ist und Sie hier allen Fragwürdigkeiten wieder einmal geschickt ausweichen: das G36 welches an die Bundeswehr geliefert wurde ist offensichtlich, Ingenieurskunst hin oder her, ein Gerät welches am besten an die HASEN ausgegeben wird. Die haben dann wenigstens etwas worüber sie sich amüsieren können.

*Was deutsche Soldaten auf fragwürdigen Einsätzen auch nicht bekommen, dazu siehe z.B. SPIEGEL Nr. 50/2009: "Lobbyisten: Wie Abgeordnete [Kahrs, Siebert] die Anschaffung in Afghanistan dringend benötigter Patrouillenfahrzeuge verzögerten".

Fred Heine, 28.04.2015 07:39
Ulrich Frank, 27.04.2015 17:58

Das beantwortet alles nicht meine Frage: wieso ist diese Waffe das vielleicht beliebteste Gewehr derjenigen, die es wissen müssen?

Das Ding wird weltweit und vollkommen freiwillig von Leuten gekauft, die sich auf seine Zuverlässigkeit verlassen müssen, weil es sonst den eigenen Tod zur Folge haben könnte.

Wenn das G36 also so schlecht ist, wieso wandert es dann in riesigen Stückzahlen über den Ladentisch? Die wenigsten G36 wurden von der Bundeswehr gekauft – bei denen könnte man noch argumentieren, irgendwelche korrupten Einkäufer haben sich bestechen lassen. Ein kolumbianischer Drogenboss dagegen holt sich das beste Gewehr, dass er kriegen kann, weil er weiß, dass das im Ernstfall sein Leben rettet. Wieso kaufen solche Leute das G36, wenn es offensichtlich so sch**ße ist?

Ulrich Frank, 27.04.2015 17:58
@Fred Heine, 26.04.2015 16:29 - Nun, welche Experten sollen denn NOCH zu Wort kommen, Ihrer Meinung nach, Herr Heine? Ein Oberstleutnant der Bundeswehr hat z.B. bereits letztes Jahr gemeldet daß die an die Bundeswehr gelieferte Waffe, auch bei geeigneter Munition, alles andere als dauerhaft treffsicher ist*. Von Problemen war schon vor mehr als einem Jahr zu lesen, eine aktuelle Kommission hat die mangelnde Belastbarkeit ebenfalls festgestellt, und die zuständige Ministerin hat das Gewehr für untauglich erklärt - etwa aus Jux und Tollerei?!

Fakt ist doch, abseits der auch hier zu Recht bemerkten Paradoxie (Tillupp, Zaininger) der Perfektionierung von letalen Waffen, daß das Waffengeschäft mit den Armeen big business ist - es geht vor allem um den Profit. Und hier hatte man bei H&K offensichtlich so sehr das Geschäft im Blick daß man nicht zum Ehrgeiz fand eine halbwegs taugliche Version des Gewehrs zu liefern. Und das paßt. Denn der Bund nahm in der Vergangenheit bereits, angefangen vom Schraubenzieher minderer Qualität, jeden Schrott ab, zu Einzelhandelspreisen und ohne eine hinreichende Qualitätskontrolle zu handhaben. Auch mit zusätzlichem kriminellem Bakschisch für politische Dienstleistungen zu Lasten der Truppe.

Das liest man vielleicht nicht in StZ oder StN, Herr Heine!

*http://www.spiegel.de/politik/deutschland/g36-auch-unter-ursula-von-der-leyen-wurden-probleme-vertuscht-a-1030477.html

Schwabe, 26.04.2015 18:16
Invinoveritas mit Lichtblicken - herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Kommentar!
Schön das Sie das Wort "Wertegemeinschaft" erwähnen. Das könnte bei anderen Themen noch interessant werden.

Fred Heine, 26.04.2015 16:29
Wieso lässt man beim G36 eigentlich nicht die wirklichen Experten zu Wort kommen?

Das Gewehr gehört zur absoluten Lieblingsausstattung der Verbrecherbanden im Norden Mexikos, in Brasilien, Kolumbien und sonst wo. In den Golfstaaten gehört es zur Standardausrüstung der Armee – sind die alle zu doof?

Halten wir also fest: ein Gutachten bezeichnet das Gewehr als Schrott. Diejenigen, die sich täglich unter Einsatz ihres Lebens auf die Zuverläsigkeit der Knarre verlassen müssen, finden es toll. Wer mag da wohl Recht haben?

invinoveritas, 23.04.2015 12:09
Als die heutige Bundesregierung mit dafür sorgte, dass Mare nostrum eingestellt wurde, wusste sie, dass diese Entscheidung Tausende Flüchtlinge zum Ertrinken im Mittelmeer verurteilt.

Und sie wie alle ihre Vorgängerregierungen wussten, dass Waffen aus Oberndorf Tod und Elend in vielen Ländern dieser Erde verursachen, zumal in den ärmeren und ärmsten.

Da wie dort heißt das Prinzip: Geld geht vor unzählige Menschenleben.

Eine unsägliche Schande für die europäische Wertegemeinschaft.

Dank und Hochachtung an Jürgen Grässlin für sein jahrzehntelanges Engagement.

Rückrufaktion, 23.04.2015 09:27
Wäre das G36 eine Auto hätte es längst eine Rückrufaktion gegeben und/oder ein Modell update "G36a". Aber hier sind Besteller (Politiker), Bezahler (Steuerzahler) und Benutzer (Soldaten) drei verschiedene Instanzen, und nachdem partei-bespendete Politiker bestellt haben müssen die anderen die Suppe auslöffeln. Wenigstens entstehen die Arbeitsplätze in BW. Stolz kann man darauf aber nicht sein. Eine Anklage wegen internationaler Schädigung des Ansehens Deutschlands und Sabotage sollte man gegen HK erheben.

Ulrich Frank, 22.04.2015 19:09
Die Ermittlungen blockierenden Zögerlichkeiten von Staatsanwaltschaften im - mittlerweile - industriell-politisch-justiziellen Komplex hierzulande sind auch aus der Affäre Schottdorf in Bayern bekannt. Hierzu aktuell http://www.sueddeutsche.de/bayern/affaere-schottdorf-dritter-lka-beamter-belastet-behoerden-schwer-1.2445091.

Korrektes Verhalten - letztendlich im Interesse nicht nur der Öffentlichkeit sondern der Gewährleistung ziviler Verhältnisse - wirkt als Karrierestopper (siehe SZ-Artikel). Aber wenn das Fähnchen eine Karriere lang eher in den Wind gehalten wurde dann scheint das Resultat das zu sein daß man im Amt das Aufmucken völlig verlernt hat (sogar wenn man es sich, z.B. als Polizeipräsident, leisten könnte, z.B. gegen Herren wie Stefan Mappus). Siehe z.B. auch den Beitrag "Mummlos gegen Mappus" in dieser Kontext-Ausgabe.

Tillupp, 22.04.2015 14:41
Egal auf wen gezielt wird, es trifft immer die falschen. Auch beim geraden Rohr werden die Oberbefehlshaber mangels Reichweite in aller Regel nicht getroffen, nur der belogene Schütze der Angst vor der Befehlsverweigerung hat. Auf beiden Seiten. Wie sagte neulich Michael Moore in der Taz http://www.taz.de/!158407/ . Wenn zuerst die Söhne und Töchter der Oberbefehlshaber, Regierungsmitglieder und Waffenfabrikanten an die Front müssten, gäbe es weniger Kriege. Wohl wahr!

Zaininger, 22.04.2015 09:21
Wenn es nicht so makaber wäre:
Trefferquote halbiert - Präzisionswaffe aus Oberndorf für noch größeres Morden unter südlicher Sonne ungeeignet.
Da freuen sich ausnahmsweise Taliban wie Friedensaktivist!

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