KONTEXT Extra:
Zwei Afd-Fraktionen im Landtag zulässig

Nach dem von der Landtagsverwaltung in Auftrag gegebenen Gutachten zur Vertretung der "Alternative für Deutschland" (AfD) im baden-württembergischen Parlament gibt es keine Handhabe gegen die Parallelfraktion. Die Professoren Christofer Lenz, Martin Morlok und Martin Nettesheim schreiben in ihrer 35-seitigen Stellungnahme: Der unter der Bezeichnung "Fraktion der Alternative für Baden-Württemberg im Landtag von Baden-Württemberg" auftretende Zusammenschluss von 14 der AfD angehörenden Abgeordneten sei "seit seiner Konstituierung am 06.07.2016 eine Fraktion im Sinne der Geschäftsordnung des Landtags". Einer Anerkennung bedürfe es nicht. Es bestünden keine über den Wortlaut Geschäftsordnung "hinausgehende, rechtliche Anforderungen an die Zulässigkeit einer Fraktionsbildung".

Auch das "Verbot der Fraktionsvermehrung" greift nach Einschätzung der Gutachter nicht. "Der Landtag würde die verfassungsrechtlichen Grenzen seiner Geschäftsordnungsautonomie aber nicht überschreiten", heißt es weiter, "wenn er eine Regelung erließe, die die Gründung einer 'Parallelfraktion' untersagt." Einer bereits bestehenden Fraktion ist der Status aber auch dadurch nicht zu nehmen. Denn: "Eine derartige Regelung dürfte nur mit Wirkung für die Zukunft erlassen werden, zweckmäßigerweise zum Zeitpunkt des Zusammentritts des neuen Landtag."

Damit müssen sich die anderen Fraktionen, wenn der AfD-Bundes- und Landessprecher Jörg Meuthen mit den Bemühungen eines Zusammenschlusses unter seiner Führung keinen Erfolg hat, weiterhin mit mindestens zwei rechtspopulistischen Rednern und Rednerinnen zu jedem Tagesordnungspunkt abfinden. Die geschätzen Kosten der Spaltung für die Steuerzahler und Steuerzahlerinnen liegen bei drei Millionen Euro. Denn auch die zweite AfD-Fraktion hat ein Recht auf die allen anderen zustehende finanzielle Ausstattung. (25.7.2016)


Zweiter NSU-Ausschuss: Geheimdienste auf der Theresienwiese?

Der zweite NSU-Untersuchungsausschuss des Landtags hat in seiner konstituierenden Sitzung am Donnerstag die ersten zwei Zeugen benannt. Sie sollen nach den Worten des Vorsitzenden Wolfgang Drexler (SPD) Auskunft darüber geben, "ob sich am Tag des Anschlags auf die beiden Polizeibeamten in Heilbronn Geheimdienste am oder in der Nähe des Tatorts befunden" haben.

Im ersten Ausschuss in der vergangenen Legislaturperiode hatte der Journalist und NSU-Experte Rainer Nübel als Sachverständiger dazu Stellung genommen. "Er verwies", wie es im Abschlussbericht heißt, "zunächst auf die mutmaßliche Anwesenheit der Defence Intelligence Agency (DIA) zur Tatzeit am Tatort". Mitte November 2011 habe er, wie Nübel weiter zitiert wird, eine Nachricht von der "Stern"-Redaktion in Hamburg erhalten, wonach ein dort vorliegendes Papier ein mutmaßliches Observationsprotokoll des amerikanischen Militärgeheimdienstes DIA darstelle. Daraus gehe hervor, dass zur Tatzeit eine Observation von "M. K." und einer weiteren, nicht näher definierten Person durch US-Agenten stattgefunden habe. Zumindest eine dieser beiden Personen habe zuvor bei der Santander-Bank 2,3 Millionen Dollar oder Euro abgeholt. Und weiter: "Sicherheitsbeamte entweder aus Baden-Württemberg oder Bayern sollten präsent gewesen sein und die Operation aufgrund eines 'Shooting Incident' zwischen 'White Wings', also Neonazis bzw. Rechtsextremisten, und einer Polizeistreife abgebrochen worden sein."

Nübel hatte bei seinem Auftritt als Sachverständiger umfangreiche Ausführungen zu den eigenen Recherchen gemacht. Aus Zeitgründen und angesichts des Endes der Legislaturperiode, so Drexler, der auch den ersten Ausschuss führte, habe diesem Komplex aber nicht mehr detailliert nachgegangen werden können. Im Einsatzbeschluss des zweiten Gremiums heißt es jetzt, insbesondere sei zu klären, ob "Angehörige von ausländischen Sicherheitsbehörden auf der Theresienwiese oder in der Umgebung im Umfeld des Mordanschlags am 25. April 2007 anwesend waren, ob und welche Rolle diese beim Tatgeschehen gespielt und welche Erkenntnisse dazu bei deutschen Sicherheits- und Ermittlungsbehörden vorgelegen haben". Die erste öffentliche Sitzung des Untersuchungsausschusses findet am 19. September statt. Gehört werden zum Auftakt auch noch einmal vier Sachverständige.


Keine Nebenabsprache zu Stuttgart 21

Um Streit zu vermeiden, sind laut Winfried Kretschmann die bis zum Wochenanfang geheimen Nebenabreden mit der CDU zusätzlich zum Koalitionsvertrag getroffen worden. Die Aufregung darüber, dass Ausgaben von 1,3 Milliarden Euro ohne Finanzierungsvorbehalt an der Öffentlichkeit vorbei festgeschrieben wurden, versuchte der Regierungschef mit neuen Einblicken in seinen Politikstil zu kontern: "Auch ich muss mal mauscheln, auch ich muss mal dealen." Kein Mensch auf der Erde, der vernünftig Politik machen wolle, kriege das hin ohne Absprachen hinter den Kulissen. Da habe er kein schlechtes Gewissen, denn es sei "unspektakulär", einzelne Maßnahmen zu priorisieren, die grundsätzlich ohnehin im Koalitionsvertrag vereinbart seien.

Unter anderem ist im Detail aufgeführt, dass 325 Millionen Euro ohne Finanzierungsvorbehalt in die Digitalisierung fließen sollen, 100 Millionen in die bessere Ausstattung der Polizei oder 40 Millionen in die Elektromobilität. Der mit 500 Millionen Euro größte Betrag ist allerdings nicht mit konkreten Informationen versehen, die Summe steht für "Investieren/Sanieren (Straße/Schiene, Hochbau, Hochschulen, ...)" zur Verfügung. Der Ministerpräsident widersprach Mutmaßungen, dass in dieser halben Milliarde auch zusätzliche Mittel für Stuttgart 21 über den Kostendeckel hinaus versteckt sein könnten. Für die laufenden Zahlungen gebe es einen Sonderposten im Haushalt. Nebenabsprachen zu diesem Thema hätten nicht stattgefunden.

(19.07.2016)


Die Reichen sind noch viel reicher

Einkommenserhebungen bei Spitzenverdienern aus mehr als 1300 Firmen haben ergeben, dass alle offiziellen Einschätzungen zur wachsenden sozialen Kluft in der Bundesrepublik die Situation beschönigen. Nach den Zahlen, die das ARD-Magazin "Monitor" in diesen Tagen veröffentlichte, verdienen Manager und Vorstände im Durchschnitt nicht 200 000 Euro jährlich, sondern rund eine halbe Million. Die 200 000 Euro sind aber offiziell im sogenannten Sozioökonomischen Panel (SOEP) ausgewiesen, welches wiederum wichtiger Eckpfeifer der bisherigen Armuts- und Reichtums-Berichterstattung in Bund und Ländern ist.

Das Bundesarbeitsministerium will die Daten dort jetzt einfließen lassen, ebenso wie die Erkenntnisse einer in der vergangenen Woche von der Bertelsmann-Stiftung veröffentlichten Studie. Danach verdienen die einkommensstärksten zehn Prozent der Bevölkerung mehr als die unteren 40 Prozent zusammen. Und die Einkommensungleichheit wächst weiter. In "Monitor" präsentierte Wirtschaftsweise Peter Bofinger eine vergleichsweise einfache Lösung: "Aus meiner Sicht würde es naheliegen, wieder zu den Steuersätzen zurückzukehren, die wir in den Neunzigerjahren hatten, und das war ein Spitzensteuersatz in der Einkommenssteuer von 53 Prozent." Zurzeit liegt er bei 42 Prozent. Ab einer bestimmten Einkommenshöhe werden drei Prozentpunkte Reichensteuer hinzugerechnet. Von ihr sind aber nicht einmal ein halbes Prozent der Steuerzahler und Steuerzahlerinnen betroffen.


Stuttgart 21: Großdemo und Umstiegskonzept

Zur Großdemo gegen Stuttgart 21 am kommenden Samstag erwarten die Initiatoren Tausende Teilnehmer. Kontext kommt auch. Mit hübschen neuen Postkarten und Aufklebern!

Heute, Freitag, hat eine Expertengruppe des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21 ihr Konzept "Umstieg21" vorgestellt, mit dem die derzeitige Projektbaustelle doch noch zu einem sinnvollen Ende finden könnte. Unter www.umstieg-21.de stellen die Planer ihre Ideen in einer umfänglichen Broschüre dar. "In meinen dreißig Jahren als Literaturkritiker im Fernsehen habe ich nie eine Prosa gelesen, die so wohltuend war, so sinnvoll wohltätig", schreibt der berühmte Schriftsteller aus Freiburg, Jürgen Lodemann, über das Heft. "Endlich wird da nicht mehr nur Nein gesagt, sondern entstand da eine wunderbare Broschüre, die mit Sorgfalt und mit großer Eisenbahnliebe und Stuttgartliebe reale Vorschläge macht, wie man aus dem unverantwortlichen Desaster noch jetzt 'positiv' aussteigen kann - und muss! - das spart tatsächlich immense Kosten und da bleibt im Herzen der Landeshauptstadt keine dauerhaft blamable Bau-Ruine, sondern es entstehen zahlreiche überaus einleuchtende Lösungen rund um einen tollen Kopfbahnhof!"


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Protestaktion vor der Stuttgarter Staatsanwaltschaft. Fotos: Joachim E. Röttgers

Protestaktion vor der Stuttgarter Staatsanwaltschaft. Fotos: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 212
Wirtschaft

Der Tod im Lauf

Von Gastautor Jürgen Grässlin
Datum: 22.04.2015
Wieder einmal ist die Oberndorfer Waffenschmiede Heckler & Koch in den Schlagzeilen. Diesmal wegen schief zielender Sturmgewehre. Vergessen werden dabei der Skandal von Mexiko und die Untätigkeit der Stuttgarter Staatsanwaltschaft.

In seiner Verzweiflung wandte sich im Herbst 2009 ein Mitarbeiter der Heckler & Koch GmbH (H & K) an mich. Der Informant teilte mir in vertraulichen Gesprächen mit, dass Abertausende von G-36-Sturmgewehren der Oberndorfer Waffenschmiede in vier Unruheprovinzen Mexikos gelangt sind. Und das, obwohl ebendiese Kriegswaffenexporte nach Chiapas, Chihuahua, Jalisco und Guerrero von den Rüstungskontrollbehörden, dem Bundesausfuhramt (BAFA) und dem Bundeswirtschaftsministerium, ausdrücklich untersagt worden waren. Bei H & K habe man von den aus seiner Sicht rechtlich mehr als bedenklichen Waffentransfers gewusst – bis hinauf in die Führungsebene, betonte der Informant.

Am 19. April 2010 erstattete ich über meinen Rechtsanwalt Holger Rothbauer Strafanzeige gegen Verantwortliche der Heckler & Koch GmbH wegen des Verdachts illegaler G-36-Gewehrlieferungen an Mexiko.

Wir haben diese Strafanzeige im Dezember 2013 und im Februar 2014 erweitert. Zugleich habe ich Anfang 2014 eine zweite Strafanzeige gegen H & K gestellt, wegen des Verdachts "nicht genehmigten Technologietransfers/Lizenz für G 36/FX 05". 

Was sich nach unserer G-36-Strafanzeige im Guten wie im Schlechten abspielte, lässt sich aufgrund der Vielzahl der Ereignisse hier nur in Auszügen wiedergeben. Tatsächlich gibt es auch einiges Gutes zu bilanzieren:

Aufgrund der Strafanzeige führten die zuständige Staatsanwaltschaft Stuttgart und das Zollkriminalamt Köln mehrere Razzien bei H & K durch, so im Dezember 2010 und im November 2011. Zudem erfolgten Hausdurchsuchungen in Privaträumen von H-&-K-Mitarbeitern. Seither besitzt die Stuttgarter Staatsanwaltschaft zentrale Dokumente, unter anderem Reisekostenabrechnungen für Schulungen mexikanischer Polizisten an widerrechtlich gelieferten G-36-Sturmgewehren in die Unruheprovinzen. Bis dato erfolgten also erfolgreiche Ermittlungen. 

Mehrfach haben die Stuttgarter Staatsanwaltschaft, das Landeskriminalamt Baden-Württemberg und das Zollkriminalamt Köln Informanten als Zeugen sowie zahlreiche Beteiligte vernommen. Die Ermittlungsbehörden sind also bestens informiert über die Abläufe illegaler Waffendeals.

Vom Richter zum H-&-K-Geschäftsführer

Peter Beyerle war nach seiner Pensionierung als Präsident des Landgerichts Rottweil 2005 – das bei juristischen Auseinandersetzungen im Kreis für H & K zuständig ist – in die Unternehmensführung der Waffenschmiede gewechselt. Als Kriegswaffenkontrollbeauftragter des Unternehmens verantwortete auch er die Ausfuhr von G-36-Gewehren und Ersatzteilen nach Mexiko und trägt damit maßgeblich Mitverantwortung. Nach meiner Strafanzeige wurde im Dezember 2010 bekannt, dass Peter Beyerle vorzeitig als H-&-K-Geschäftsführer zurücktritt.

Von 2003 bis 2010 hatte die Bundesregierung den Export von Kleinwaffen beziehungsweise deren Bestandteilen im Wert von mehr als 20 Millionen Euro an Mexiko genehmigt.

Übersicht der Genehmigungen für Kleinwaffenexporte nach Mexiko

*** Erstes erwähntes A001-Denial; Quelle: Rüstungsexportberichte der Bundesregierung (A001-Angaben); Zusammenstellung: Otfried Nassauer, ON)
*** Erstes erwähntes A001-Denial. Quelle: Rüstungsexportberichte der Bundesregierung (A001-Angaben); Zusammenstellung: Otfried Nassauer, ON)

Nach der Strafanzeige im April 2010 verhängte das Bundesausfuhramt (BAFA) in Eschborn gegenüber H & K ab 2011 ein bis heute währendes Genehmigungsverbot für Kleinwaffen nach Mexiko. Auch andere deutsche Kleinwaffenproduzenten dürfen seither keinerlei Kriegswaffen nach Mexiko liefern.

Seit Sommer 2014 liegt der Untersuchungsbericht des Zollkriminalamts vor. Darin wird festgestellt, dass Abertausende von H-&-K-Sturmgewehren auch in verbotene Unruheprovinzen Mexikos exportiert worden sind. Unserer Auffassung zufolge hat sich somit der Vorwurf der Strafanzeige hinreichend bestätigt, wonach bei diesem Rüstungsexport sowohl gegen das Außenwirtschaftsgesetz (AWG) als auch gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz (KWKG) verstoßen wurde.

Spätestens im Herbst 2014 hätte die Staatsanwaltschaft Stuttgart auf der Basis der Untersuchungsergebnisse des Zollkriminalamts Anklage gegen Beschuldigte von H & K erheben müssen. Dass sie es nicht getan hat, ist ein Skandal!

Schlimmer noch: Der zuständige Staatsanwalt Peter Vobiller wurde für mehrere Monate an die Generalstaatsanwaltschaft abgeordnet. Damit geht viel Zeit verloren. Was ist das für ein Rechtsverständnis? Wie ernst nehmen die Strafverfolger den Rechtsstaat? Möchten sie das Verfahren so lange hinauszögern, bis es letztendlich gegen eine Geldbuße eingestellt werden kann? Nach fünf Jahren ohne weiteren Rechtsbruch wäre dies möglich.

"Der Tod bedankt sich bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart"

Klare Aussage: Waffen töten. Auch die von Heckler & Koch.
Klare Aussage: Waffen töten. Auch die von Heckler & Koch.

Nein, das darf nicht sein! Denn wir sprechen hier nicht vom sinnvollen Export medizintechnischer Güter, sondern vom tödlichen Export von Kleinwaffen, von Pistolen, Maschinenpistolen und Sturmgewehren. Zwei Drittel aller Kriegsopfer sterben durch den Einsatz von Gewehren. Und wir sprechen von den Geschäftspraktiken von Heckler & Koch. Bis zum heutigen Tag sind mehr als zwei Millionen Menschen durch Kugeln aus dem Lauf von H-&-K-Waffen ums Leben gekommen. H & K ist Europas tödlichstes Unternehmen.

In diesem Sinne wundert es wenig, dass das Morden mit H-&-K-Waffen nun auch in Mexiko seinen Lauf nimmt. 43 Studenten wurden am 26. September 2014 von Sicherheitskräften in Zusammenarbeit mit der Mafia in Guerrero verschleppt. Sie sind bis heute verschwunden, sechs weitere Menschen wurden ermordet. Vieles spricht dafür, dass bei dieser Polizeiaktion auch illegal gelieferte G-36-Sturmgewehre eingesetzt wurden. Die Verantwortlichen des illegalen Waffendeals mit Mexiko verbringen den Frühling 2015 in Freiheit. Auch deshalb bedankt sich der Tod heute bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart.

Aus Sicht der Bundesregierungen war und ist Mexiko quasi ein neues Modell für den Waffenhandel im 21. Jahrhundert. In den Jahrzehnten zuvor durften Staaten mit Kriegswaffen beliefert werden – oder aufgrund der Sicherheits- und Menschenrechtslage eben nicht. Mexiko diente den von SPD, Grünen, FDP und CDU/CSU geführten Bundesregierungen ab 2003 als Testfeld dafür, ob auch einzelne Bundesstaaten eines Landes beliefert werden können und die Waffen definitiv in diesen Bundesstaaten verbleiben. 

Heute wissen wir: Das Testland Mexiko steht für eine rundum gescheiterte Rüstungsexportpolitik. Denn Endverbleibserklärungen werden nicht eingehalten, Waffen wandern in verbotene Regionen, mit G-36-Gewehren ausgerüstete Polizisten arbeiten eng mit der Drogenmafia zusammen. Ein Experiment mit tödlichen Folgen.

 

Jürgen Grässlin (57) ist Sprecher der Kampagne "Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel!". Er wurde mit mehreren Preisen für Frieden und Zivilcourage ausgezeichnet, unter anderem mit dem Aachener Friedenspreis. Der Beitrag basiert auf der Rede, die Grässlin bei der Kundgebung von Rüstungsgegnern am Freitag (17. 4. 2015) vor der Stuttgarter Staatsanwaltschaft gehalten hat.



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Kommentare

Freier Bürger, 28.04.2015 23:49
@Ulrich Frank:
Was für ein Quatsch, den Sie da posten...

Wollen Sie alle "schlechten" Menschen mit ihrer Gesinnungsethik zum Guten vollstopfen?

Solange es böse Nachbarn gibt, bin ich froh, dass es Firmen wie Heckler & Koch gibt, die uns mit den "Instrumenten" versorgen, die wir den Bösen zeigen können.

Wir müssen sie ja nicht mal einsetzen, besitzen und zeigen können alleine reicht schon oftmals aus.

Und zum Thema Mexiko: Sollen die ordentlichen mexikanischen Behörden unbewaffnet gegen die Kartelle vorgehen?

Ulrich Frank, 28.04.2015 15:20
@Fred Heine, 28.04.2015 07:39h - Es ist schon bemerkenswert daß von Ihrer Seite, Herr Heine, jetzt eine Art Beliebtheitswettbewerb ausgelobt wird - das kann einem auch schon überaus pervers vorkommen - hinsichtlich des Tötungsinstruments G36, der u.a. von den Drogenbossen "for protection" bevorzugten "Knarre" (Ihr Ausdruck), natürlich in der internationalen "Nicht-Sch**ße-Version"-, die überall so ohne weiteres über den Ladentisch, oder durch Kontrollen, geht, ob legal oder illegal.

Oh ja, wir vermuten wohl zu Recht, dahinter steckt die Metaphysik des "deutschen" G36, und noch weiter dahinter steckt die Metaphysik "deutscher Ingenieurskunst". Die wird ja auch bemüht wenn man mit viel warmer Luft argumentieren will daß aus Stuttgart 21 unbedingt etwas werden wird. Tatsache ist und darum geht es (worauf von Ihrer Seite nicht eingegangen wird): die Bundeswehr bekam diese "beliebte" Waffe offensichtlich in einer grob untauglichen Version. In einer Version die u.U. das Leben eines deutschen Soldaten NICHT rettet*. Und die Bundeswehr bezahlte dafür dickes Geld. Aus den Taschen der Steuerzahler.

Ich mache da keine weiteren Worte - da Ihre Impermeabilität gegen konkrete Fakten und Argumente, Herr Heine, auch aus Ihren Beiträgen in anderen Publikationen hinreichend bekannt ist und Sie hier allen Fragwürdigkeiten wieder einmal geschickt ausweichen: das G36 welches an die Bundeswehr geliefert wurde ist offensichtlich, Ingenieurskunst hin oder her, ein Gerät welches am besten an die HASEN ausgegeben wird. Die haben dann wenigstens etwas worüber sie sich amüsieren können.

*Was deutsche Soldaten auf fragwürdigen Einsätzen auch nicht bekommen, dazu siehe z.B. SPIEGEL Nr. 50/2009: "Lobbyisten: Wie Abgeordnete [Kahrs, Siebert] die Anschaffung in Afghanistan dringend benötigter Patrouillenfahrzeuge verzögerten".

Fred Heine, 28.04.2015 07:39
Ulrich Frank, 27.04.2015 17:58

Das beantwortet alles nicht meine Frage: wieso ist diese Waffe das vielleicht beliebteste Gewehr derjenigen, die es wissen müssen?

Das Ding wird weltweit und vollkommen freiwillig von Leuten gekauft, die sich auf seine Zuverlässigkeit verlassen müssen, weil es sonst den eigenen Tod zur Folge haben könnte.

Wenn das G36 also so schlecht ist, wieso wandert es dann in riesigen Stückzahlen über den Ladentisch? Die wenigsten G36 wurden von der Bundeswehr gekauft – bei denen könnte man noch argumentieren, irgendwelche korrupten Einkäufer haben sich bestechen lassen. Ein kolumbianischer Drogenboss dagegen holt sich das beste Gewehr, dass er kriegen kann, weil er weiß, dass das im Ernstfall sein Leben rettet. Wieso kaufen solche Leute das G36, wenn es offensichtlich so sch**ße ist?

Ulrich Frank, 27.04.2015 17:58
@Fred Heine, 26.04.2015 16:29 - Nun, welche Experten sollen denn NOCH zu Wort kommen, Ihrer Meinung nach, Herr Heine? Ein Oberstleutnant der Bundeswehr hat z.B. bereits letztes Jahr gemeldet daß die an die Bundeswehr gelieferte Waffe, auch bei geeigneter Munition, alles andere als dauerhaft treffsicher ist*. Von Problemen war schon vor mehr als einem Jahr zu lesen, eine aktuelle Kommission hat die mangelnde Belastbarkeit ebenfalls festgestellt, und die zuständige Ministerin hat das Gewehr für untauglich erklärt - etwa aus Jux und Tollerei?!

Fakt ist doch, abseits der auch hier zu Recht bemerkten Paradoxie (Tillupp, Zaininger) der Perfektionierung von letalen Waffen, daß das Waffengeschäft mit den Armeen big business ist - es geht vor allem um den Profit. Und hier hatte man bei H&K offensichtlich so sehr das Geschäft im Blick daß man nicht zum Ehrgeiz fand eine halbwegs taugliche Version des Gewehrs zu liefern. Und das paßt. Denn der Bund nahm in der Vergangenheit bereits, angefangen vom Schraubenzieher minderer Qualität, jeden Schrott ab, zu Einzelhandelspreisen und ohne eine hinreichende Qualitätskontrolle zu handhaben. Auch mit zusätzlichem kriminellem Bakschisch für politische Dienstleistungen zu Lasten der Truppe.

Das liest man vielleicht nicht in StZ oder StN, Herr Heine!

*http://www.spiegel.de/politik/deutschland/g36-auch-unter-ursula-von-der-leyen-wurden-probleme-vertuscht-a-1030477.html

Schwabe, 26.04.2015 18:16
Invinoveritas mit Lichtblicken - herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Kommentar!
Schön das Sie das Wort "Wertegemeinschaft" erwähnen. Das könnte bei anderen Themen noch interessant werden.

Fred Heine, 26.04.2015 16:29
Wieso lässt man beim G36 eigentlich nicht die wirklichen Experten zu Wort kommen?

Das Gewehr gehört zur absoluten Lieblingsausstattung der Verbrecherbanden im Norden Mexikos, in Brasilien, Kolumbien und sonst wo. In den Golfstaaten gehört es zur Standardausrüstung der Armee – sind die alle zu doof?

Halten wir also fest: ein Gutachten bezeichnet das Gewehr als Schrott. Diejenigen, die sich täglich unter Einsatz ihres Lebens auf die Zuverläsigkeit der Knarre verlassen müssen, finden es toll. Wer mag da wohl Recht haben?

invinoveritas, 23.04.2015 12:09
Als die heutige Bundesregierung mit dafür sorgte, dass Mare nostrum eingestellt wurde, wusste sie, dass diese Entscheidung Tausende Flüchtlinge zum Ertrinken im Mittelmeer verurteilt.

Und sie wie alle ihre Vorgängerregierungen wussten, dass Waffen aus Oberndorf Tod und Elend in vielen Ländern dieser Erde verursachen, zumal in den ärmeren und ärmsten.

Da wie dort heißt das Prinzip: Geld geht vor unzählige Menschenleben.

Eine unsägliche Schande für die europäische Wertegemeinschaft.

Dank und Hochachtung an Jürgen Grässlin für sein jahrzehntelanges Engagement.

Rückrufaktion, 23.04.2015 09:27
Wäre das G36 eine Auto hätte es längst eine Rückrufaktion gegeben und/oder ein Modell update "G36a". Aber hier sind Besteller (Politiker), Bezahler (Steuerzahler) und Benutzer (Soldaten) drei verschiedene Instanzen, und nachdem partei-bespendete Politiker bestellt haben müssen die anderen die Suppe auslöffeln. Wenigstens entstehen die Arbeitsplätze in BW. Stolz kann man darauf aber nicht sein. Eine Anklage wegen internationaler Schädigung des Ansehens Deutschlands und Sabotage sollte man gegen HK erheben.

Ulrich Frank, 22.04.2015 19:09
Die Ermittlungen blockierenden Zögerlichkeiten von Staatsanwaltschaften im - mittlerweile - industriell-politisch-justiziellen Komplex hierzulande sind auch aus der Affäre Schottdorf in Bayern bekannt. Hierzu aktuell http://www.sueddeutsche.de/bayern/affaere-schottdorf-dritter-lka-beamter-belastet-behoerden-schwer-1.2445091.

Korrektes Verhalten - letztendlich im Interesse nicht nur der Öffentlichkeit sondern der Gewährleistung ziviler Verhältnisse - wirkt als Karrierestopper (siehe SZ-Artikel). Aber wenn das Fähnchen eine Karriere lang eher in den Wind gehalten wurde dann scheint das Resultat das zu sein daß man im Amt das Aufmucken völlig verlernt hat (sogar wenn man es sich, z.B. als Polizeipräsident, leisten könnte, z.B. gegen Herren wie Stefan Mappus). Siehe z.B. auch den Beitrag "Mummlos gegen Mappus" in dieser Kontext-Ausgabe.

Tillupp, 22.04.2015 14:41
Egal auf wen gezielt wird, es trifft immer die falschen. Auch beim geraden Rohr werden die Oberbefehlshaber mangels Reichweite in aller Regel nicht getroffen, nur der belogene Schütze der Angst vor der Befehlsverweigerung hat. Auf beiden Seiten. Wie sagte neulich Michael Moore in der Taz http://www.taz.de/!158407/ . Wenn zuerst die Söhne und Töchter der Oberbefehlshaber, Regierungsmitglieder und Waffenfabrikanten an die Front müssten, gäbe es weniger Kriege. Wohl wahr!

Zaininger, 22.04.2015 09:21
Wenn es nicht so makaber wäre:
Trefferquote halbiert - Präzisionswaffe aus Oberndorf für noch größeres Morden unter südlicher Sonne ungeeignet.
Da freuen sich ausnahmsweise Taliban wie Friedensaktivist!

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