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Auch Hermann will Maut verzögern

Wenn es nach den Grünen geht, wird die Landesregierung gemeinsam mit Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz oder dem Saarland versuchen, die Einführung der PKW-Maut über den Bundesrat noch zu verzögern oder gar zu verhindern. Verkehrsminister Winne Hermann kündigte einen entsprechenden Vorstoß an. Er habe bereits im Verkehrsausschuss des Bundesrats Position bezogen und insbesondere kritisiert, dass "die Grenzregionen schwer tangiert sind, ausgerechnet in Zeiten, in denen wir den europäischen Geist betonen wollen". Die "Bürokratie-Maut" passe nicht in die Zeit. Außerdem würden Milliarden eingenommen, Milliarden an deutsche Autofahrer wieder zurückgegeben und "vielleicht bleiben ein paar Millionen übrig".

Saarland, Rheinland-Pfalz oder NRW wollen den Vermittlungsausschuss zwischen Bundesrat und Bundestag anrufen, nachdem letzterer die Maut am Freitag beschlossen hat. Das Gesetz ist allerdings nicht zustimmungspflichtig, weshalb die Einführung der Maut auf diesem Wege lediglich verzögert werden kann. Allerdings könnte Verzögerung am Ende auch das Scheitern bedeuten, weil womöglich nach der Bundestagswahl im September die Karten ganz neu gemischt werden, und die CSU bisher bekanntlich die einzige Partei ist, die die Maut wirklich will. (24.3.2017)


Aras legt sich mit Erdogan an

Die Stuttgarter Grünen-Abgeordnete und Landtagspräsidentin Muhterem Aras hat die deutschtürkische Community aufgefordert, sich mit dem Verfassungsreferendum am 16. April kritisch auseinanderzusetzen. Von den Imamen wünscht sich die Stimmenkönigin ihrer Partei bei den Landtagswahlen 2016, dass die "in den Freitagspredigten zu einem respektvollen und fairen Umgang miteinander aufrufen und die hier geltenden Werte von Meinungs-, Presse- und Religionsfreiheit entschieden weitergeben". Sie selber verzichte derzeit auf Reisen in die Türkei, "weil ich nicht weiß, ob ich mich dort frei bewegen könnte". Zugleich müssten sich Demokraten weigern, sich zu Feinden der Türkei machen zu lassen. Aras nutzte eine Landtagsdebatte zum 60. Geburstag der EU auch zu scharfer Krtik am türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, weil der "auf das Infamste" gebaute Brücken wieder einreißen und die Gesellschaft spalten wolle. Von den Vertretern AKP-naher Institutionen erwartet die Grüne eine öffentliche Distanzierung von den "die Opfer verhöhnenden Nazivorwürfen". Im Südwesten dürfen insgesamt rund 230 000 Türken am Referendum teilnehmen – und zwar vorab: Die Wahl beginnt bereits am 27. März und endet am 9. April. (22.3.2017)

Mehr zum Thema: "Meister der Feindbilder", "Unverschämt und dumm"


Stuttgart 21: Aktionsbündnis warnt Aufsichtsrat

Drei Tage vor einer Sitzung des DB-Aufsichtsrats verlangt das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 erneut eine "faktenehrliche Bestandsaufnahme". Sollte sich der Aufsichtsrat wieder um die Auseinandersetzung drücken oder gar unbeirrt den Weiterbau beschließen, so Eisenhart von Loeper, schädige er wider besseres Wissen das Vermögen der Deutschen Bahn AG. "Das würde", erklärt der Bündnissprecher weiter, "den Tatbestand der Untreue erfüllen." Eine strafrechtliche Aufarbeitung sei die Konsequenz; darauf habe das Bündnis zuletzt am 11. März 2017 den Aufsichtsrat per Brief hingewiesen.

Ihren Appell richten die Stuttgart-21-Gegner nicht nur an den Vorsitzenden des Aufsichtsrats Utz-Hellmuth Felcht, sondern auch an den designierten Vorstandsvorsitzenden Richard Lutz. Als erstes sei "eine Bestandsaufnahme der ungelösten Probleme und hohen Risiken notwendig, die sich an den Realitäten und nicht an den Gesichtswahrungsproblemen der politisch Verantwortlichen orientiert". Von Loeper argumentiert damit, dass sich das Projekt "jenseits aller wirtschaftlichen Rationalität bewegt", und mit dem weiter offenen Brandschutz. Außerdem solle der Aufsichtsrat "endlich zur Kenntnis nehmen, dass sich die DB mit S 21 einen Dauerengpass für viel Geld baut, der den Bahnverkehr behindert und den viel beschworenen Deutschlandtakt im Südwesten irreversibel unmöglich macht". Nach der Devise "Politik beginnt mit der Kenntnisnahme der Realität" will das Aktionsbündnis den neuen Bahnchef zu Gesprächen einladen, bei denen sie ihm auch die von der Bürgerbewegung entwickelten Alternativen zum Weiterbau erläutern wollen. Deren "ernsthafte Prüfung" wünscht sich nach einer repräsentativen Umfrage von infratest dimap in Baden-Württemberg sogar eine Mehrheit der Projektbefürworter. (19.3.2017)

Mehr zum Thema: "Bahnfeinde im Bahnvorstand"


IHK will nicht mehr gegen Kakteen polemisieren

Auch ein Vergleich kann ein Erfolg sein: Vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart akzeptierte die IHK Region Stuttgart die Feststellung, dass sie in der Vergangenheit mit Angriffen gegen die IHK-Rebellen der Kaktus-Initiative ihre Kompetenz überschritten hat. Stein des Anstoßes waren zwei IHK-Pressemitteilungen, in denen Hauptgeschäftsführer Andreas Richter gegen die Kakteen polemisiert habe, so Kaktus-Mitglied Klaus Steinke, der in der Folge Klage eingereicht hatte.

Konkret einigten sich die Streitparteien am heutigen Donnerstag, den 16. März, auf folgenden Vergleich: Die IHK Region Stuttgart erklärt, "dass ohne Beratung und Beschlussfassung durch die Vollversammlung keine weiteren öffentlichen Äußerungen der IHK und ihrer Organe über Binnenkonflikte, die keine wirtschaftspolitischen Positionen betreffen, abgegeben werden", und dass es den beiden strittigen Pressemitteilungen "an einer solchen Beratung und Beschlussfassung mangelte". Außerdem trägt die IHK trägt die Kosten des Verfahrens von 5000 Euro.

Für Steinke ist es "ein gutes Ergebnis, weil es die Transparenz innerhalb der IHK stärkt, und weil es deutlich die Frage artikuliert, was Geschäftsführer und Präsident dürfen und was nicht". Zwar wäre es, so Steinke, spannend gewesen, wenn das Gericht in einem Urteil Grundsatzregeln für die Öffentlichkeitsarbeit der IHK aufgestellt hätte. Aber er sei mit dem Vergleich zufrieden, "weil es mir in der Sache nicht darum geht, zu siegen, sondern eine Veränderung innerhalb der IHK zu bewirken". Zudem habe das Ergebnis, so hofft Steinke, auch "eine Signalwirkung auf andere IHKs".

Die Kaktus-Initiative, 2011 gegründet, kritisierte in den letzten Jahren immer wieder intransparente Wahlverfahren und die offizielle Pro-Haltung der IHK zu Stuttgart 21. (16.3.2017)

Mehr zum Thema: "Rebellen im Weinberghäusle" und "Die IHK wackelt nicht".


Afghanistan-Rückkehrer bekommt zweimonatiges Arbeitsvisum

Es ist ein kleines Wunder. Denn trotz der mannigfaltigen Unterstützung in den vergangenen Wochen, glaubten nicht viele seiner Freunde wirklich daran, dass der Zahnarzt Ahmad Shakib Pouya, der in einem französischen Krankenhaus in Herat gearbeitet hat, zurück in die Bundesrepublik kommen kann. Pouya war in seiner früheren Heimat von den Taliban bedroht, floh 2010 nach Deutschland. Hier war er einer der Hauptdarsteller in der vielbeachten Produktion der Mozart-Oper "Zaide" und hatte eine doppelte Zusage auf Festanstellung – vom Münchner Gärtnerplatztheater und der IG Metall. Dennoch wurde er zur Abschiebung vorgesehen, weshalb er am 20. Januar 2017 ausreiste. Seither machten seine Unterstützer vom im Mai 2014 gegründeten Stuttgarter Verein "Zuflucht Kultur. Entweder. Oder. Frieden." bundesweit auf sein Schicksal aufmerksam. Auch mit einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), mit der Bitte um "ein Visum und ein langfristiges Bleiberecht als wertvoller Bürger unseres Landes".

Jetzt kam die gute Nachricht. Der 33-Jährige kann für zwei Monate zurück nach Deutschland. Mitausschlaggebend dürfte ein Schreiben von Georg Podt gewesen sein, dem Intendanten des kommunalen Münchner Kinder- und Jugendtheaters "Schauburg", der Pouya in einer Neuinszenierung von Rainer Werner Fassbinders "Angst essen Seele auf" als Hauptdarsteller besetzt hat. Die Proben sollen in der kommenden Woche beginnen, Premiere wird am 22. April sein. Mitte Mai läuft das Visum aus. Pouya will gemeinsam mit dem Verein die Zeit nutzen, um das angestrebte dauerhafte Bleiberecht zu bekommen. Die Chancen stehen angesichts der 2015 eigentlich gelockerten Regelungen gar nicht so schlecht. Allerdings werden die nach den Erkenntnissen von Pro Asyl oder dem Flüchtlingsrat viel zu selten von den Behörden angewandt.


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Bis 2. April ist die Ausstellung "Die Nachbarn werden weggebracht" in Horb zu sehen. Fotos: Verein Ehemalige Synagoge Rexingen

Bis 2. April ist die Ausstellung "Die Nachbarn werden weggebracht" in Horb zu sehen. Fotos: Verein Ehemalige Synagoge Rexingen

Ausgabe 311
Zeitgeschehen

"Sie haben übrigens Verwandte in Israel"

Von Oliver Stenzel
Datum: 15.03.2017
Eine Ausstellung in Horb erinnert an die Deportation und Ausraubung der dort lebenden Juden durch die Nazis. Umgesetzt haben sie zwei Rexinger, die seit Jahren zeigen, wie lebendige Gedenkstättenarbeit aussehen kann.

Gesund wurde Hedwig Schwarz aus Rexingen nicht mehr. Aber sie war eine der fünf von 127 deportierten Jüdinnen und Juden aus dem heutigen Horber Stadtgebiet, die die KZs und Vernichtungslager der Nazis überlebten. Ihr Mann, der Viehhändler Louis Schwarz, ihre Tochter Hilde und deren sechsjähriger Sohn wurden ermordet. Hedwig Schwarz jedoch fiel beim Transport ins KZ Theresienstadt von einem Lastwagen, brach sich den Oberschenkelhals. Wo sie überlebte, in einem Krankenhaus, versteckt oder in Theresienstadt, weiß man nicht. Nach der Befreiung des Lagers kam sie schwerkrank ins Marienhospital nach Stuttgart, wo sie bis zu ihrem Tod 1952 blieb. Begraben ist sie auf dem Rexinger Friedhof.

Bis in die NS-Zeit gab es in Rexingen, das heute zu Horb am Neckar gehört, eine besonders lebendige jüdische Gemeinde. 262 Mitglieder zählte sie noch 1933. Daneben gab es im heutigen Horber Stadtgebiet fünf weitere jüdische Gemeinden, die größte davon mit knapp 100 Mitgliedern in Horb selbst, wo um die Jahrhundertwende anstelle einer Synagoge ein jüdischer Betsaal in einem Wohnhaus eingerichtet wurde. 1933 lebten insgesamt noch rund 400 Juden in diesen sechs Gemeinden.

Sechs der 127 deportierten Juden aus dem heutigen Horber Stadtgebiet, an die die Ausstellung erinnert.
Sechs der 127 deportierten Juden aus dem heutigen Horber Stadtgebiet, an die die Ausstellung erinnert.

Etwa zwei Drittel von ihnen konnten in den folgenden Jahren emigrieren, und Rexingen war dabei die einzige jüdische Gemeinde im Deutschen Reich, der eine Gruppenauswanderung gelang: Nach gründlicher Vorbereitung ging im Frühjahr 1938 eine Gruppe von 41 Personen nach Palästina, um dort die noch heute bestehende Siedlung Shavei Zion zu gründen, im nordwestlichsten Teil des späteren Staates Israel. Weitere Gruppen hätten folgen sollen, doch nach der Pogromnacht vom 9. November 1938 war dies nicht mehr möglich.

An die verbliebenen 127 Juden aus Rexingen, Horb und den umliegenden Gemeinden, die 1941 und 1942 deportiert wurden, erinnert noch bis Anfang April die Ausstellung "Die Nachbarn werden weggebracht" in dem ehemaligen Horber Betsaal. Seit 2012 ist hier ein kleines Museum untergebracht, das vom Träger- und Förderverein Ehemalige Synagoge Rexingen unterhalten und genutzt wird.

Bestellzettel für Raubgut

127 Bilderrähmchen, zu etwa einem Drittel mit Fotos gefüllt, erinnern an die Deportierten. Eng aneinander gereiht stehen sie auf Tischen, vor ihnen liegen Textblätter mit Namen, Lebensdaten und manchmal weiteren Fotos. Knappe Informationen, doch sie reichen in dieser Präsentationsform, um die Ungeheuerlichkeit des Vorgangs zu verdeutlichen. "In der Masse erschlägt das einen vielleicht", sagt Barbara Staudacher vom Synagogenverein, "aber es gibt auch einen Begriff davon, was damals geschah."

Schaudern lässt auch der zweite Teil der Ausstellung, der anhand von Akten des Finanzamts Horb zeigt, wie das NS-Regime die Deportation und Ausraubung der jüdischen Familien organisierte. Kaltblütigkeit, Zynismus, Gier und bürokratische Genauigkeit gingen hier Hand in Hand.

Dokumente belegen detailliert, an wen das geraubte Eigentum ging: Die besten Stücke sicherten sich die Höheren SS- und Polizei-Führer der Region, danach kamen die Finanzämter, dann verschiedene NS-Organisationen, der Rest wurde öffentlich versteigert. Zu sehen ist unter anderem ein "Bestellzettel" der Kreisfrauenschaft: ein kleiner Küchenschrank, ein Kaffeegeschirr, 30 Kaffeelöffel und so weiter. Erschreckend auch die Geschichte der Restitution nach 1945: Überlebende oder Nachkommen der Beraubten mussten selbst Belege liefern, was ihnen geraubt wurde, obwohl die Finanzämter diese – mindestens zum Teil – noch hatten, sich aber unwissend stellten.

Was vom geraubten Eigentum der jüdischen Familien nicht an NS-Funktionäre oder -Organisationen verteilt wurde, wurde öffentlich versteigert.
Was vom geraubten Eigentum der jüdischen Familien nicht an NS-Funktionäre oder -Organisationen verteilt wurde, wurde öffentlich versteigert.

Die Ausstellung haben Staudacher und ihr Partner Heinz Högerle zusammengestellt, "da steckt jahrzehntelange Recherche drin", sagt sie. Was ihnen an Budget fehlt, machen sie dabei durch Kreativität bei der Konzeption wett. Auch, dass der ehemalige Betsaal in dieser Form umgebaut werden konnte, ist ihr Verdienst, sie initiierten 2006 eine Förderstiftung zu diesem Zweck.

Für ihre Arbeit erhielt das Paar das Bundesverdienstkreuz

Staudacher ist 73 und war früher Buchhändlerin, Högerle ist 67 und immer noch Verleger, beide wirken sie viel jünger. Aus Stuttgart sind sie 1999 nach Rexingen gezogen, in den Synagogenverein 2001 eingetreten. Und seitdem, kann man sagen, prägen sie ihn. Für ihre ehrenamtliche Arbeit wurden sie mittlerweile unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz und dem Deutsch-Jüdischen Geschichtspreis ausgezeichnet.

Gegründet wurde der Verein schon 1997, "weil niemand mehr für das Gebäude der ehemaligen Synagoge aufkommen wollte", erzählt Högerle. Ab 1952 wurde es von der evangelischen Gemeinde als Kirche genutzt. Irgendwann war eine Renovierung nötig, Stadt und evangelische Landeskirche hätten das Gebäude "hin- und hergeschoben wie eine heiße Kartoffel", so Högerle. Der Horber Oberbürgermeister Michael Theurer habe dann den Träger- und Förderverein initiiert, der das Haus als Pächter mietfrei von der Stadt erhielt.

Eines der ersten Projekte war die Dokumentation des jüdischen Friedhofs in Rexingen. "Da haben wir gesagt: Wir sind beide im Verlagsgewerbe, wenn ihr ein Buch machen wollt, können wir euch helfen", erinnert sich Högerle. Bald halfen sie nicht mehr nur.

Die alte Synagoge in Rexingen. Foto: gemeinfrei
Die alte Synagoge in Rexingen. Foto: gemeinfrei

Frisch im Verein gründeten sie als erstes einen Öffentlichkeitsausschuss. "Wir waren der Meinung, dass mehr Öffentlichkeitsarbeit, mehr Veranstaltungen gemacht werden müssten", sagt Staudacher. Auch bauten sie eine Homepage auf, die mittlerweile zweisprachig deutsch und englisch ist.

Zu jüdischen Familien mit Rexinger oder Horber Wurzeln hatten sie anfangs keinerlei Kontakt, auch über die Stadt war in dieser Hinsicht nach dem Krieg nichts passiert. Dann kamen 2001 zwei Ehepaare aus Shavei Zion zu Besuch. Einer davon habe erzählt, sein Vater sei einer der Rexinger Kundschafter gewesen, die das Landstück in Palästina ausgesucht hätten. Die Begegnung sei "sehr, sehr intensiv" gewesen, sagt Högerle, und von da an sei es "rasend schnell gegangen".

Reger Austausch mit Shavei Zion

Im Jahr darauf reisten Högerle und Staudacher selbst nach Shavei Zion, es war der erste von vielen Besuchen, die noch folgen sollten. Sie knüpften nicht nur Kontakte mit den Familien dort, sondern schauten auch ins Archiv des Ortes. "Da war so viel Material über die Auswanderung, dass wir uns gesagt haben: Das muss man erschließen!", sagt Staudacher. Vier Jahre arbeiteten sie an der Ausstellung "Ort der Zuflucht und Verheißung", die 2008, zum 70. Jahrestag der Gruppenauswanderung, erst in Shavei Zion, danach in Jerusalem, Berlin und Stuttgart gezeigt wurde – und seitdem auch an vielen anderen Orten.

Aus den Kontakten haben sich bislang fünf Jugendaustausche zwischen Horb und Shavei Zion entwickelt, und bei manchen der beteiligten Gymnasiasten hätten die daraus gewonnen Erfahrungen auch schon die Wahl des Studienfachs, Judaistik oder Geschichte, beeinflusst.

Viel Jugendarbeit gemeinsam mit den Schulen in Horb und Umgebung machen Staudacher und Högerle darüber hinaus. Oft sind es ganz einfache Projekte, etwa mehrmals jährlich zusammen mit Schülern den jüdischen Friedhof aufzuräumen, und währenddessen erzählen sie die Geschichte des Ortes. "Manchmal kommen dann die Mütter zu uns", so Staudacher, "und sagen: Meine Tochter oder mein Sohn waren so begeistert". Wie vor kurzem zwei aus England stammende Frauen, die mittlerweile Übersetzungen für den Verein machen. So wächst das Netzwerk.

Unermüdlich: Barbara Staudacher und Heinz Högerle.
Unermüdlich: Barbara Staudacher und Heinz Högerle.

Und nicht zuletzt sind Staudacher und Högerle unermüdlich dabei, Bücher und Broschüren über das frühere jüdische Leben der Gemeinde zu veröffentlichen. Dass beide in diesem Bereich berufliche Erfahrungen hatten, vereinfachte die Sache, und mittlerweile haben sie ihren eigenen kleinen Verlag.

Besonders stolz sind beide darauf, 2005 die Lebenserinnerungen der 1922 in Stuttgart geborenen Hannelore Marx herausgebracht zu haben, diese seien "eine der wichtigsten Zeitzeugen-Schilderungen von jüdischen Überlebenden aus der Nazi-Zeit", findet Högerle. Marx, die erst vor wenigen Wochen mit 94 Jahren in New York gestorben ist (ein Nachruf hier) lernte nach Kriegsende ihren späteren Mann Victor kennen, der Rexinger Vorfahren hatte. Gemeinsam emigrierten sie nach New York, wo sie in einem Wohltätigkeitsverein ehemals Rexinger Juden, der "Rexinger Benevolent Association", aktiv wurden.

Diese schwäbischstämmige Community gibt es in New York immer noch, mehrmals schon waren Staudacher und Högerle dort zu Besuch. Zuletzt 2015, als eine Freundin von Hannelore Marx 100 Jahre alt wurde. "Da ist man in New York, in der Synagoge, und dauernd fällt der Name 'Rexingen'!", erinnert sich Högerle lachend.

Familienzusammenführungen durch die Vereins-Datenbank

Die vielen Kontakte und Recherchen sind über die Jahre auch in eine Datenbank eingeflossen, die mittlerweile mehrere tausend Namen umfasst, von jüdischen Familien aus Rexingen und Umgebung, aber auch weiter entfernten württembergischen Gemeinden. Die Datenbank werde sehr viel nachgefragt, erzählt das Paar, und ermögliche, immer wieder Familienzusammenführungen – über sieben Jahrzehnte nach dem Holocaust.

"Manchmal kommen Anfragen, da denke ich mir: Da hat doch schon mal jemand aus der Familie nachgefragt! Und dann gucke ich nach und schreibe: Sie haben übrigens eine Verwandte in Israel, haben Sie zu der Kontakt? Und dann kommt als Antwort: 'Was? Ich habe eine Verwandte in Israel?' Und dann mailen die sich, es ist eine Riesenfreude, das kommt wirklich oft vor", erzählt Staudacher begeistert. Demnächst komme jemand aus Argentinien mit Rexinger Vorfahren, dem habe sie Verwandte aus Israel vermittelt, und nun würden sie sich in Stuttgart treffen.

Solche Erlebnisse seien das Schönste, sagt Högerle. "Wenn man merkt: Was du da machst, ist nicht nur Vergangenheitsarbeit, sondern das hat ganz aktuell mit dem Leben der Leute zu tun."

Die Leidenschaft, mit der Staudacher und Högerle von ihrer Arbeit erzählen, steckt an. Seit Jahren machen sie zu zweit die Vereinsarbeit in Vollzeit – "wir machen fast nichts anderes, wir sind ja Rentner", sagt Staudacher. Und auch wenn sie seit kurzem einen jungen Historiker in einer Minijob-Stelle zur Seite haben, sowie eine Mitarbeiterin für die Datenbank, glauben beide nicht, dass sich alle Aktivitäten in vollem Umfang weiterführen lassen werden. Denn ohne Ehrenamtliche wird Gedenkstättenarbeit auch in Zukunft nicht gehen, "und Leute in unserem Alter haben Enkel, Urenkel, müssen Familienarbeit leisten. Das müssen wir nicht", sagt Staudacher. "Ich habe zwar eine Tochter, aber die ist zum Glück genauso familiendistanziert eingestellt wie ich."

Doch bevor sich Staudacher und Högerle in den Ruhestand verabschieden, wollen sie noch ein paar Ziele im Verein verwirklichen: Zum einen eine Dauerausstellung im Betsaal einzurichten, das sei ganz wichtig. Zum anderen die Rexinger Synagoge zu renovieren, eine Bibliothek und einen Teil der Shavei-Zion-Ausstellung dort unterzubringen. Die Mittel dafür sind schon genehmigt. Und ganz allgemein: "Wir versuchen auch andere Gedenkstättenvereine zu ermutigen, einen Weg wie wir zu gehen: Modernisierung, eine Homepage, eine Datenbank aufbauen", so Högerle. Damit die Vermittlung der Vergangenheit Anknüpfungspunkte an die Gegenwart bekommt.

 

Info:

Die Ausstellung "Die Nachbarn werden weggebracht" ist noch bis zum 2. April 2017 samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet, für Gruppen nach Anmeldung auch zu anderen Terminen. Der Eintritt ist frei (Museum Jüdischer Betsaal Horb, Fürstabt-Gerbert-Straße 2, Horb am Neckar).


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Kommentare

Albert Bodenmiller, 22.03.2017 16:44
Der Artikel über die sehr erfolgreiche Gedenkstättenarbeit des „Träger- und Fördervereins Ehemalige Synagoge Rexingen“ ist überaus wertvoll, da die Rechtspopulisten die Erinnerung an den Nationalsozialismus und seine Verbrechen beenden wollen. Die AfD hat im Landtag von Baden-Württemberg Anträge eingebracht, die Landesmittel zu streichen. Die Partei weiß, dass die Erinnerung umso stabiler und lebendiger bleibt, je mehr erfolgreiche Gedenkstätten am Werk sind. In Rexingen gab es vor 1933 einen hohen jüdischen Bevölkerungsanteil und eine lebendige Gemeinde. Alle Juden betrachteten sich als Deutsche. Die Tafeln mit den Namen der zahlreichen jüdischen Männer, die im Ersten Weltkrieg gefallen sind, zeigen den Patriotismus. Einer Gruppe von Rexinger Juden gelang 1938 die Auswanderung nach Palästina, die Zurückgebliebenen wurden deportiert und fast alle ermordet. Die Rexinger Gedenkstätte ist repräsentativ für eine erfolgreiche lokal-regionale Erinnerungsarbeit. Die Geschichte wird anschaulich und ergreifend aus der Region heraus vermittelt. Die Schulen können den Unterricht durch Besuche und Projekte ergänzen und bereichern. Schülerinnen und Schüler schreiben Berichte, Seminararbeiten und kleinere Biografien. Ausstellungen, Vorträge und Konzerte laden die Bevölkerung ein. Ohne ein dauerhaftes und leidenschaftliches Engagement von Ehrenamtlichen wäre die Gedenkstättenarbeit nicht möglich. Ein Kern von Motoren hält die Arbeit am Laufen und erweitert sie. In Rexingen heißen seit 20 Jahren die Hauptakteure Barbara Staudacher und Heinz Högerle. Die Gedenkstättenarbeit bedarf in hohem Maße der Unterstützung durch die bürgerliche Gemeinde. In Rexingen wurde die ideale Lösung gefunden, dass der Horber Oberbürgermeister Michael Theurer den Vorsitz des Träger- und Fördervereins übernahm. Er konnte manche politischen Widerstände überwinden. Der neue Oberbürgermeister Peter Rosenberger hat spontan die Nachfolge angetreten. Auch die Ortsvorsteherin engagiert sich, so dass die Ortsverwaltung und der Ortschaftsrat eingebunden sind. Zum Schluss ein Kernsatz: Die Gedenkstättenarbeit ist ein besonders wirksames Mittel gegen das Vergessen und ein unverzichtbarer Einsatz für unsere Demokratie. Der Landtag sollte die Fördermittel erhöhen.

Barbara Staudacher und Heinz Högerle, 20.03.2017 17:33
Liebe Andromeda,

das Land, das die Kundschafter 1937 für die Flüchtlinge aus Rexingen „ausgesucht“ haben, wurde am 27. Juli 1934 von Ludwig Pinner, S. Schur, Joseph Loewy und S. Soskin erworben. Die Vorbesitzerin, die Witwe Madame Said Pascha, verpflichtete sich im Kaufvertrag, die arabischen Pächterfamilien zu entschädigen, welche einen Teil des Terrains als Ziegenweiden nutzten. Auch sollte sie die Böden neu vermessen und sich die Grenzen vom Mukhtar von Mazraa bestätigen lassen. Erst nach dem Urteilsspruch eines britischen Gerichts in Akko kam sie diesen Verpflichtungen nach. Die vier privaten Eigentümer verkauften das Land 1937 an den Jüdischen Nationalfonds, der sie den „Kundschaftern“ aus Rexingen zur Erbpacht anbot.
Hätte die Fluchtmöglichkeit ins Britische Mandatsgebiet Palästina nicht bestanden und wäre Shavei Zion nicht gegründet worden, wären mit großer Wahrscheinlichkeit weitere 41 Personen aus Rexingen in die Lager in Osteuropa deportiert worden. Verschiedene Familie, die sich der Genossenschaft Shavei Zion anschließen wollten und deren Hab und Gut zum Teil schon nach Haifa transportiert worden war, konnten NS-Deutschland nicht mehr verlassen und wurden ermordet.

Von Anfang an mussten sich die Bewohner von Shavei Zion gegen arabische Angriffe, auch aus dem Nachbardorf Mazraa, schützen und hatten bald die ersten Todesopfer zu beklagen.
Heute leben die Menschen in beiden Dörfern, nur durch die Straße Haifa-Naharija getrennt, in normalen nachbarschaftlichen Beziehungen im Verbund Matte Ascher, zum dem Gemeinden gehören, deren Bevölkerung sowohl mehrheitlich muslimisch oder jüdisch ist. Der Bürgermeister der nahegelegenen Stadt Nahariya ist Moslem. In Shavei Zion arbeiten in der Plastikfabrik Juden und Araber nebeneinander als Kollegen. Die freie Ausübung der Religion ist Christen, Moslems, Juden und anderen Religionen staatlich garantiert

Margarete und Gerhard Lempp, 20.03.2017 11:45
Sehr erfreut sind wir, dass das unermüdliche, fleißig akribische und einfühlsame Engagement von Barbara Staudacher und Heinz Högerle in diesem ansprechenden Bericht gewürdigt wird. Es ist ein Engagement zur Aufarbeitung eines Unrechts, das im Namen Nazideutschlands geschehen ist, und dessen Aufarbeitung niemals zu einem Abschluss gelangen kann. Aber die Ausstellung im Horber Betsaal stellt eine wichtige Wegmarke dar.
Es ist ein Engagement für Menschlichkeit und Versöhnung. Es ist ein Engagement für Bildungsarbeit im umfassenden Sinn, Bildungsarbeit vor allem gegen Antisemitismus, gegen jede Form von Rassismus, gegen Rechtspopulismus.
Es wird deutlich, dass Geschichte in die Gegenwart und Zukunft hineinwirkt, insofern ist sie immer aktuell. Und man wird dabei auch in die Problematik des scheinbar unlösbaren Konflikts zwischen Israel und Palästina hineingestoßen.

Markus Schüz, 19.03.2017 19:31
Ein guter Artikel, eine (ge)wichtige Ausstellung, die eines wieder deutlich werden lässt: Das vergangene ist weiterhin zugleich das gegenwärtige – auch wenn manche Menschen in unserem Land dies nicht so annehmen und wahrhaben möchten. Besonders für das Martin-Gerbert-Gymnasium (Horb am Neckar) mit seinen jungen Menschen ist eine solche Ausstellung ein Geschenk, das deutlich macht, dass sich jeder mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen kann ohne angeblich gedemütigt, belogen … zu werden, wie es viele in der AFD nun mehr und mehr offen behaupten. Ein offener Diskurs innerhalb der Gesellschaft, innerhalb der Schule ist möglich und für alle teilnehmenden gewinnbringend. Es sind eben keine blinde, unwahren oder gar missbrauchten Anklagen, die gegen „die Deutschen“ erhoben werden, sondern es ist eine fundierte Aufarbeitung und Darstellung dessen, was in Horb, Baden-Württemberg, Deutschland und Europa durch viele Deutsche geschah.
Durch die immer wieder stattfindende Jugendbegegnung der Stadt Horb mit Shavei Zion, in Zusammenarbeit mit dem Horber Jugendreferat und dem Martin-Gerbert-Gymnasium, initiiert durch Barbara Staudacher und Heinz Högerle, wird immer wieder neu deutlich, dass Aufarbeitung des Vergangenen die notwendige und gesunde Basis bildet für eine zukünftige Gemeinschaft und Geschichte verschiedener Menschen, verschiedener Länder. Auch dann, wenn dabei deutlich wird, dass in vergangener Zeit Leid, Schmerz, Tod die einseitige brutale Sprache vieler Deutscher in Europa war. Durch diese Ausstellung und deren Erinnerung wird eine entgegengesetzte Sprache gesprochen, die jetzt und in Zukunft verbinden kann, die ein bewusstes aufeinander zugehen erst möglich macht. Und, die schlichtweg einem selbst gut tut.

andromeda, 19.03.2017 02:52
Vielen Dank an Frau Staudacher und Herrn Högerle für ihre Öffentlichkeitsarbeit bzgl. geschichtlicher Aufarbeitung von NS-Verbrechen und Erinnerungskultur.

Was mir jedoch nicht gefällt sind unkritische , euphemistische und zynische Sätze zu weiterem Unrecht , bei täglicher Aktualität bis in unsere Gegenwart hinein , wie :
"Dann kamen 2001 2 Ehepaare aus Shavei Zion. Einer davon habe erzählt, sein Vater sei einer der Rexinger Kundschafter gewesen,die das Landstück in Palästina ausgesucht hätten."

So einfach kommt "man" zu einem Stück Land: Einfach "kundschaften" und "auswählen". Solche simplen Beschreibungen verraten schon immer sehr bedenkliche Ideologien. "Leere , nicht genutzte Lebensräume" kennt man zuhauf in der Geschichte.

Dazu die israelische NGO zochrot.org unter :
http://zochrot.org/en/village/49349
zu Shavei Zion u.a.

"Shavey Tziyon and Regba are both close to the northern boundaries of al-Sumayriyya's lands; they were established on land that belonged to the Arab village of al-Mazra'a, which still exists. Shavey Tziyon was founded in 1936 as an armed fortification with a watchtower. A residential quarter called Shekhunat Chof was built nearby and was merged with Shabey Tziyon in 1949. Regba, established in 1946, is close to the village site."
Hoffentlich gibt es auch Mittel für die Ausstellung dieser Seite der Shavei Zion - Geschichte .

Was für die einen "Ort der Zuflucht und Verheißung" bedeutete, bedeutete für die anderen ethnische Säuberung und Vertreibung.
Dazu das Buch Illan Pappe (israelischer Historiker): "Die ethnische Säuberung Palästinas."
Seine Forschung ist längst akademischer Konsens , selbst der Zionist und Historiker Benny Morris stimmt mit der Darstellung der Geschehnisse überein.
Pappes Quellen : v.a.n den 80ern freigegebene Dokumente der IDF(israelischen Armee) selbst , Ben Gurions Tagebücher , Int. Rote Kreuz , NYT - Berichte ,UN-Berichte ,israelische und palästinensische Zeitzeugen und Autoren , Graf Folke Bernadotte
und seine Erfahrungen mit "Zuflucht und Verheißung."
Weitere israelische, sog. "Neuen" (jungen) , Historiker dazu :
Shlomo Sand , Moshe Zuckermann , Moshe Zimmermann .

Zeugnisse von Israelis und Palästinensern unter :
http://zochrot.org/en/testimony/all

Bezüglich der deutschen aber auch alliierten Nachkriegs-behandlung von Verantwortlichen diese Lese-Empfehlung zum Thema Stuttgart/Württemberg und NS-Zeit:

"Stuttgarter NS-Täter" zu bestellen über Kontext: .

Die interessanteste Figur: Paul Binder , Mitverfasser des deutschen Grundgesetz , CDU-Mitglied .
Davor Chef und verantwortlich für die reichsweite Aquirierung großer jüdischer Vermögen , nach Abtransport der Eigentümer in die Todeslager. NSDAP-Mitglied .

Verwunderlich , daß trotz "jüdischer Vermächtnisse" an die CDU - Hessen (CDU-Spendenskandal) , und trotz der Herkunft vieler ihrer Parteimitglieder aus der NSDAP , die CDU für den radikalen Zionismus immer bester Verbündeter und Partner in Deutschland gewesen ist und bleibt.
Siehe Hamburg und Frankfurt ganz aktuell.
Zufall ? Eher nicht.

Thomas Neff, 17.03.2017 16:14
Ein hochinteressanter Artikel zu einem spannenden Thema. Man kann Barbara und Heinz nur Danke sagen, für alles was sie geleistet haben und noch leisten. Kann jedem nur empfehlen diese Ausstellung zu besuchen. Gerne mehr von diesen Artikeln! Sie helfen daran zu erinnern, was der jüdischen Bevölkerung damals angetan wurde. So etwas darf nie wieder passieren.

Claudia Stein, 17.03.2017 14:26
Dem Verfasser gelingt ein eindrucksvoll sensibler und lebendiger Artikel. In diesen Zeiten, wo Flucht und Vertreibung uns nicht nur aus der Historie bekannt sind, ist es umso wichtiger sich aus anderen Blickwinkeln der Geschichte zu nähern. Geschichte begreifbar zu erinnern. Gestern. Heute. Morgen.

Sarah Davis, 16.03.2017 20:36
Danke an Oliver Stenzel für diesen wundervollen und detaillierten Artikel! Er bringt seinem Leser nicht nur diese sehr empfehlenswerte Ausstellung näher, sondern auch die ansteckende Begeisterung von Barbara Staudacher und Heinz Högerle für die Gedenkstätten-Arbeit. Ein Besuch der Ausstellung - auch mit Kindern - hinterlässt intensive Eindrücke und bringt uns dank der Verbindung zu Ort und Menschen das Thema sehr nahe und ermöglicht eine gute Diskussionsbasis in der Familie.

Ines Mayer, 16.03.2017 17:45
Dass Heinz Högerle und Brigitte Staudacher unglaublich viel bewegt haben und bewegen, ist seit langem bekannt. In diesem Artikel gelingt es dem Verfasser jedoch, die beiden auf eine sehr einfühlsame Weise zu würdigen. Besonders berührend finde ich dabei die Geschichten über späte Familienzusammenführungen, welche die beiden auf der Basis ihrer beeindruckenden Datenbank ermöglichen. Dass sich hier Verwandte finden, die vorher nichts voneinander wussten, ist ein wahres Glück - und wiegt noch mehr als das Bundesverdienstkreuz, das Högerle und Staudacher völlig verdient erhalten haben.

Viel Erfolg mit der aktuellen Ausstellung und für die weitere Arbeit!

L. Eberhardt, 16.03.2017 15:16
ehre wem ehre gebürt.
Schöner lebendiger Artiikel über die unermüdliche Arbeit.
Arbeit lohnt sich, das zeigt das Engagement der in dem Artikel Beschriebenen, die seit jahren unermüdlich daran arbeiten. Ja ihren Beruf zur Berufung in der Sache Betsal nutzen.
Arbeit geht ihnen nie aus....
Einfach großartig was da sei Jahren an Arbeit läuft.
Der Un-Ruhstand öffnet möglicherweise ein ganz grosse zeitfenster für die weitere Arbeit.

Birgitt Michalek, 16.03.2017 15:10
Der mit vielen Hintergrundinformationen ausgestattete Artikel führt sehr gelungen die Arbeit des Vereins vor Augen und betont, wie wichtig das Engagement von Einzelpersonen ist.
Als Lehrerin hatte ich Barbara Staudacher und Heinz Högerle in meiner Schule, einer beruflichen Schule, zu Besuch. Sie stellten einen Teil ihrer Ergebnisse vor, von denen auch im Artikel zu lesen ist. Die Schülerinnen und Schüler waren beeindruckt und konnten Geschichtsunterricht einmal anders erleben.
Der Artikel motiviert, die Ausstellung in Horb zu besuchen - meinen Klassen werde ich das ans Herz legen.

Harald Weiß, 16.03.2017 14:41
Ein gut recherchierter und ansprechend geschriebener Text, der sich einem Thema widmet, dessen Bedeutung im Thema selbst liegt und nicht in der Häufigkeit und der Lautstärke, in der darüber berichtet wird.

Regine Bonfert, 16.03.2017 11:59
Dieser Artikel beschreibt die aktuellr Ausstellung und ihre verantwortlichen Macher sehr gut. Ein Besuch ist nachdrücklich zu empfehlen. Das Haus, in dem das Museum jüdischer Betsaal lirgt, gehört darüber hinaus zu den achitektonischen Juwelen von Horb.

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Letzte Kommentare:

Ausgabe 312 / Das große Fressen / tauss, 24.03.2017 15:03
@HifppiE ... so darf man unterschiedlicher Meinung sein... Ich bleibe dabei: Eine völlig verantwortungslose Staatengemeinschaft, die über "Werte" faselt, sich allein über die Steigerung von Rüstungsausgaben definiert und die UN-...

Ausgabe 312 / Die unheiligen Apostel / Jupp, 24.03.2017 07:17
Mein Herz geht auf. Hier wird nicht nur über die Vergangenheit oder Gegenwart gschimpft. Nein, es wird tatsächlich über die Zukunft nachgedacht! Und ich bin vollkommen bei Frau Rath :-) Was soll ein Fussgängerstegle? Wir haben...

Ausgabe 312 / Afrika kommt / leo loewe, 24.03.2017 00:24
"Die künftige Entwicklung gestalten!" Wir sollten versuchen, die globale Entwicklung weiterhin aktiv mitzugestalten. Gleichzeitig müssen wir anerkennen, dass sich die Welt um uns herum rasch verändert und dass es dabei um so mehr auf...

Ausgabe 312 / Das große Fressen / HippiE, 23.03.2017 23:50
@tauss: Dieser gelungene Beitrag handelt nicht von Kompensation, sondern von haarsträubender Ungleichheit und niederschmetternder Selbstbezogenheit und Gleichgültigkeit. Er nervt daher nicht, sondern macht betroffen und fassungslos.

Ausgabe 312 / Die unheiligen Apostel / Horst Ruch, 23.03.2017 22:12
....a propos "Stegle". Das ist es gerade was W.Backes angesprochen hat: Think big. Stirling hatte nicht umsonst die Planung für die Erschließung der Staatsgalerie und Musikhochschule auf einer höheren Ebene angeordnet, somit die (Teil)...

Ausgabe 312 / Ächzen im Maschinenraum / Schwabe, 23.03.2017 17:35
Auch von mir vielen Dank an den Autor und an Kontext (E.M., 22.03.2017 01:27 hat das wunderbar formuliert). Dennoch, um das erfolgreich anzupacken bzw. umzusetzen was Fabian Scheidler so treffend wie beängstigend und unmissverständlich...

Ausgabe 312 / Die unheiligen Apostel / CharlotteRath, 23.03.2017 14:51
Fußgängerstegle ... eine echt schwäbische Lösung. München hat sich einen Park gegönnt, um zwei voneinander getrennte Stadtteile über eine große Straße hinweg zusmmenzuführen: https://de.wikipedia.org/wiki/Petuelpark Mit...

Ausgabe 312 / Die unheiligen Apostel / Bruno Neidhart, 23.03.2017 09:51
Selbstverständlich bräuchte Stuttgart in dieser Kulturecke einen Fußgängersteg. Möglichst als breite Grünbrücke. Dies hat weder mit Sozialwohnungen, noch mit Kitas zu tun. Es ist eine andere, ebenso stadtbildende Ebene.

Ausgabe 312 / Afrika kommt / Dr. Diethelm Gscheidle, 23.03.2017 09:24
Sehr geehrte Damen und Herren, selbstverständlich ist es äußerst wichtig, Entwicklungshilfe zu betreiben - und das geht natürlich jeden Einzelnen von uns an. Als bekennender und praktizierender Katholik ist mir die Entwicklungshilfe...

Ausgabe 66 / Gnadenlose Bank / Gerald Wiegner, 22.03.2017 22:45
Das ist eine traurige, aber wahre Geschichte. Ich habe mit Herrn Nusser telefoniert und möchte noch folgende Ergänzung machen. Herr Nusser war ein langjähriges Genossenschaftsmitglied. Genossenschaften sind gesetzlich verpflichtet...

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