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Auch Hermann will Maut verzögern

Wenn es nach den Grünen geht, wird die Landesregierung gemeinsam mit Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz oder dem Saarland versuchen, die Einführung der PKW-Maut über den Bundesrat noch zu verzögern oder gar zu verhindern. Verkehrsminister Winne Hermann kündigte einen entsprechenden Vorstoß an. Er habe bereits im Verkehrsausschuss des Bundesrats Position bezogen und insbesondere kritisiert, dass "die Grenzregionen schwer tangiert sind, ausgerechnet in Zeiten, in denen wir den europäischen Geist betonen wollen". Die "Bürokratie-Maut" passe nicht in die Zeit. Außerdem würden Milliarden eingenommen, Milliarden an deutsche Autofahrer wieder zurückgegeben und "vielleicht bleiben ein paar Millionen übrig".

Saarland, Rheinland-Pfalz oder NRW wollen den Vermittlungsausschuss zwischen Bundesrat und Bundestag anrufen, nachdem letzterer die Maut am Freitag beschlossen hat. Das Gesetz ist allerdings nicht zustimmungspflichtig, weshalb die Einführung der Maut auf diesem Wege lediglich verzögert werden kann. Allerdings könnte Verzögerung am Ende auch das Scheitern bedeuten, weil womöglich nach der Bundestagswahl im September die Karten ganz neu gemischt werden, und die CSU bisher bekanntlich die einzige Partei ist, die die Maut wirklich will. (24.3.2017)


Aras legt sich mit Erdogan an

Die Stuttgarter Grünen-Abgeordnete und Landtagspräsidentin Muhterem Aras hat die deutschtürkische Community aufgefordert, sich mit dem Verfassungsreferendum am 16. April kritisch auseinanderzusetzen. Von den Imamen wünscht sich die Stimmenkönigin ihrer Partei bei den Landtagswahlen 2016, dass die "in den Freitagspredigten zu einem respektvollen und fairen Umgang miteinander aufrufen und die hier geltenden Werte von Meinungs-, Presse- und Religionsfreiheit entschieden weitergeben". Sie selber verzichte derzeit auf Reisen in die Türkei, "weil ich nicht weiß, ob ich mich dort frei bewegen könnte". Zugleich müssten sich Demokraten weigern, sich zu Feinden der Türkei machen zu lassen. Aras nutzte eine Landtagsdebatte zum 60. Geburstag der EU auch zu scharfer Krtik am türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, weil der "auf das Infamste" gebaute Brücken wieder einreißen und die Gesellschaft spalten wolle. Von den Vertretern AKP-naher Institutionen erwartet die Grüne eine öffentliche Distanzierung von den "die Opfer verhöhnenden Nazivorwürfen". Im Südwesten dürfen insgesamt rund 230 000 Türken am Referendum teilnehmen – und zwar vorab: Die Wahl beginnt bereits am 27. März und endet am 9. April. (22.3.2017)

Mehr zum Thema: "Meister der Feindbilder", "Unverschämt und dumm"


Stuttgart 21: Aktionsbündnis warnt Aufsichtsrat

Drei Tage vor einer Sitzung des DB-Aufsichtsrats verlangt das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 erneut eine "faktenehrliche Bestandsaufnahme". Sollte sich der Aufsichtsrat wieder um die Auseinandersetzung drücken oder gar unbeirrt den Weiterbau beschließen, so Eisenhart von Loeper, schädige er wider besseres Wissen das Vermögen der Deutschen Bahn AG. "Das würde", erklärt der Bündnissprecher weiter, "den Tatbestand der Untreue erfüllen." Eine strafrechtliche Aufarbeitung sei die Konsequenz; darauf habe das Bündnis zuletzt am 11. März 2017 den Aufsichtsrat per Brief hingewiesen.

Ihren Appell richten die Stuttgart-21-Gegner nicht nur an den Vorsitzenden des Aufsichtsrats Utz-Hellmuth Felcht, sondern auch an den designierten Vorstandsvorsitzenden Richard Lutz. Als erstes sei "eine Bestandsaufnahme der ungelösten Probleme und hohen Risiken notwendig, die sich an den Realitäten und nicht an den Gesichtswahrungsproblemen der politisch Verantwortlichen orientiert". Von Loeper argumentiert damit, dass sich das Projekt "jenseits aller wirtschaftlichen Rationalität bewegt", und mit dem weiter offenen Brandschutz. Außerdem solle der Aufsichtsrat "endlich zur Kenntnis nehmen, dass sich die DB mit S 21 einen Dauerengpass für viel Geld baut, der den Bahnverkehr behindert und den viel beschworenen Deutschlandtakt im Südwesten irreversibel unmöglich macht". Nach der Devise "Politik beginnt mit der Kenntnisnahme der Realität" will das Aktionsbündnis den neuen Bahnchef zu Gesprächen einladen, bei denen sie ihm auch die von der Bürgerbewegung entwickelten Alternativen zum Weiterbau erläutern wollen. Deren "ernsthafte Prüfung" wünscht sich nach einer repräsentativen Umfrage von infratest dimap in Baden-Württemberg sogar eine Mehrheit der Projektbefürworter. (19.3.2017)

Mehr zum Thema: "Bahnfeinde im Bahnvorstand"


IHK will nicht mehr gegen Kakteen polemisieren

Auch ein Vergleich kann ein Erfolg sein: Vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart akzeptierte die IHK Region Stuttgart die Feststellung, dass sie in der Vergangenheit mit Angriffen gegen die IHK-Rebellen der Kaktus-Initiative ihre Kompetenz überschritten hat. Stein des Anstoßes waren zwei IHK-Pressemitteilungen, in denen Hauptgeschäftsführer Andreas Richter gegen die Kakteen polemisiert habe, so Kaktus-Mitglied Klaus Steinke, der in der Folge Klage eingereicht hatte.

Konkret einigten sich die Streitparteien am heutigen Donnerstag, den 16. März, auf folgenden Vergleich: Die IHK Region Stuttgart erklärt, "dass ohne Beratung und Beschlussfassung durch die Vollversammlung keine weiteren öffentlichen Äußerungen der IHK und ihrer Organe über Binnenkonflikte, die keine wirtschaftspolitischen Positionen betreffen, abgegeben werden", und dass es den beiden strittigen Pressemitteilungen "an einer solchen Beratung und Beschlussfassung mangelte". Außerdem trägt die IHK trägt die Kosten des Verfahrens von 5000 Euro.

Für Steinke ist es "ein gutes Ergebnis, weil es die Transparenz innerhalb der IHK stärkt, und weil es deutlich die Frage artikuliert, was Geschäftsführer und Präsident dürfen und was nicht". Zwar wäre es, so Steinke, spannend gewesen, wenn das Gericht in einem Urteil Grundsatzregeln für die Öffentlichkeitsarbeit der IHK aufgestellt hätte. Aber er sei mit dem Vergleich zufrieden, "weil es mir in der Sache nicht darum geht, zu siegen, sondern eine Veränderung innerhalb der IHK zu bewirken". Zudem habe das Ergebnis, so hofft Steinke, auch "eine Signalwirkung auf andere IHKs".

Die Kaktus-Initiative, 2011 gegründet, kritisierte in den letzten Jahren immer wieder intransparente Wahlverfahren und die offizielle Pro-Haltung der IHK zu Stuttgart 21. (16.3.2017)

Mehr zum Thema: "Rebellen im Weinberghäusle" und "Die IHK wackelt nicht".


Afghanistan-Rückkehrer bekommt zweimonatiges Arbeitsvisum

Es ist ein kleines Wunder. Denn trotz der mannigfaltigen Unterstützung in den vergangenen Wochen, glaubten nicht viele seiner Freunde wirklich daran, dass der Zahnarzt Ahmad Shakib Pouya, der in einem französischen Krankenhaus in Herat gearbeitet hat, zurück in die Bundesrepublik kommen kann. Pouya war in seiner früheren Heimat von den Taliban bedroht, floh 2010 nach Deutschland. Hier war er einer der Hauptdarsteller in der vielbeachten Produktion der Mozart-Oper "Zaide" und hatte eine doppelte Zusage auf Festanstellung – vom Münchner Gärtnerplatztheater und der IG Metall. Dennoch wurde er zur Abschiebung vorgesehen, weshalb er am 20. Januar 2017 ausreiste. Seither machten seine Unterstützer vom im Mai 2014 gegründeten Stuttgarter Verein "Zuflucht Kultur. Entweder. Oder. Frieden." bundesweit auf sein Schicksal aufmerksam. Auch mit einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), mit der Bitte um "ein Visum und ein langfristiges Bleiberecht als wertvoller Bürger unseres Landes".

Jetzt kam die gute Nachricht. Der 33-Jährige kann für zwei Monate zurück nach Deutschland. Mitausschlaggebend dürfte ein Schreiben von Georg Podt gewesen sein, dem Intendanten des kommunalen Münchner Kinder- und Jugendtheaters "Schauburg", der Pouya in einer Neuinszenierung von Rainer Werner Fassbinders "Angst essen Seele auf" als Hauptdarsteller besetzt hat. Die Proben sollen in der kommenden Woche beginnen, Premiere wird am 22. April sein. Mitte Mai läuft das Visum aus. Pouya will gemeinsam mit dem Verein die Zeit nutzen, um das angestrebte dauerhafte Bleiberecht zu bekommen. Die Chancen stehen angesichts der 2015 eigentlich gelockerten Regelungen gar nicht so schlecht. Allerdings werden die nach den Erkenntnissen von Pro Asyl oder dem Flüchtlingsrat viel zu selten von den Behörden angewandt.


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"Keine Widerworte, Gentechnik ist toll", findet Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard. Foto: Screenshot SWR

"Keine Widerworte, Gentechnik ist toll", findet Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard. Foto: Screenshot SWR

Ausgabe 210
Wirtschaft

Bekenntnisse einer Nobelpreisträgerin

Von Jürgen Lessat
Datum: 08.04.2015
Gentechnik auf dem Teller? Nein danke, sagen die meisten Deutschen. Das schmeckt der Tübinger Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard nicht. Die Biologin glaubt fest an die Segnungen genmanipulierter Landwirtschaft und sagt: "Die Leute haben keine Ahnung". Nicht nur Umweltschützer sind fassungslos.

Die Gelegenheit, einer Nobelpreisträgerin die Meinung zu geigen, bietet sich selten. Conny Lehr nutzt die Chance: "Keiner braucht eine gerade Gurke, keiner braucht gleich aussehende Tomaten. Das ist alles Blödsinn!", entgegnet die Hauswirtschafterin aus Bad Mergentheim einer der erfolgreichsten und bekanntesten Wissenschaftlerinnen Deutschlands. Der harsche Widerspruch aus dem lieblichen Taubertal gilt der Biologin Christiane Nüsslein-Volhard, die 1995 für ihre Forschungen über die embryonale Frühentwicklung den Medizin-Nobelpreis erhielt.

In der jüngsten Sendung des SWR-Politmagazins "Zur Sache Baden-Württemberg!" offenbarte sich die Direktorin der Abteilung Genetik des Tübinger Max-Planck-Instituts für Entwicklungsbiologie als kompromisslose Befürworterin einer Agrarrevolution in deutschen Landen. Ginge es nach ihr, sollten auch auf hiesigen Äckern genmanipulierter Mais & Co. sprießen, so wie er bereits seit knapp zwei Jahrzehnten in großem Stil in Nord- und Südamerika angebaut wird.

Mit hehren Motiven rechtfertigt sich Nüsslein-Volhard in der Sendung, zu der neben Hauswirtschafterin Lehr auch der Sinzheimer Winzer Emil Kopp als so genannte "Wohnzimmerkonferenz" zugeschaltet ist. "Ich engagiere mich für diese Sache aus Naturschutzgründen", beteuert die Wissenschaftlerin, "die Spritzungen von Obstbäume sind einfach verheerend für die Vogelwelt und Insekten. Die Chemie ist viel schlimmer als Gentechnik."

Nüsslein-Volhard im Zwiegespräch. Foto: Screenshot SWR
Nüsslein-Volhard im Zwiegespräch. Foto: Screenshot SWR

Eine Behauptung, die Winzer Kopp aus dem Häuschen bringt. "Für Gentechnik mit Naturschutzargumenten zu plädieren, ist total unlogisch!", schleudert er der Nobelpreisträgerin entgegen, und legt noch eins drauf: "Wir werden zu Vasallen und Sklaven der großen Konzerne gemacht und deren Leute sind so kriminell wie Drogenbosse." Nur mit Mühe kann SWR-Moderator Clemens Bratzler die Wogen glätten. "Alles Behauptungen, die nicht unterstützt werden von den Untersuchungen", beharrt Nüsslein-Volhard mit verschränkten Armen.

"Unglaubliche Ignoranz" der Verbraucher

Es ist nicht das erste Mal, dass die preisgekrönte Wissenschaftlerin mit Wohnsitz im Klosterflecken Bebenhausen bei Tübingen öffentlich eine Lanze für die grüne Gentechnik zu brechen versucht. Wenige Tage vor ihrem Fernsehauftritt warf sie im Deutschlandradio Kultur hiesigen Verbrauchern "unglaubliche Ignoranz" vor. Diese hätten eine "total romantische Vorstellung" von der Nahrungsmittelproduktion, wüssten nicht, wo das Essen herkomme und welche Vorteile die Gentechnik bringen könne. "Die Leute haben (...) wirklich keine Ahnung, wie man Pflanzen züchtet und wovon es abhängt, dass sie gesund sind und wie man sie anbaut", zitiert der Sender das Interview mit Nüsslein-Volhard.

Mit solchen Rügen stößt die Forscherin eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung vor den Kopf. Nach einer Umfrage vom April 2014 sprechen sich 84 Prozent der Deutschen dafür aus, gentechnisch veränderte Organismen in der Landwirtschaft zu verbieten. Bei kaum einem anderen Thema sind sich die Deutschen so einig, was sich bis in die Politik herumgesprochen hat. Nach dem Rauswurf der FDP gibt es im Berliner Bundestag derzeit eine All-Parteien-Koalition gegen Gentechnik auf Feld und in Ställen. Selbst wirtschaftstreuste Christdemokraten wagen es nicht, für Genmanipulation in landwirtschaftlicher Produktion Position zu beziehen.

Im vergangenen Juni entschied das Europaparlament, dass die einzelnen Mitgliedsländer der EU selbst bestimmen sollen, ob transgene Mais- oder Sojapflanzen auf ihren Feldern wachsen dürfen oder nicht. In Deutschland will Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) ein Anbauverbot bis zum Herbst umsetzen. Kein bundeseinheitliches, sondern eines in Verantwortung der Länder, was Kritiker als Gentech-Verbot mit Hintertürchen ansehen. "Ein solcher Flickenteppich ist der Anfang vom Ende der Gentechnikfreiheit in Deutschland", kritisiert etwa Harald Ebner, Agrarexperte der Grünen im Bundestag.

Hiesige Unternehmen der Agro-Biotechnologie haben die gesellschaftliche wie politische Ächtung der grünen Gentechnik hierzulande akzeptiert. Im vergangenen Jahr verlagerte der Einbecker Saatgutproduzent KWS als letztes Unternehmen die Forschung mit gentechnisch veränderten Pflanzen in die USA nach St. Louis, wo auch Marktführer Monsanto residiert. Schon 2012 hatte BASF seine Forschungstochter in den US-Bundesstaat North Carolina verlagert. Die Pflanzengenetiker von Bayer waren bereits 2004 nach Amerika versetzt worden. Deutschland ist damit, zumindest was die angewandte Forschung betrifft, gentechnikfrei.

Harald Ebner bei der Fragestunde im Bundestag zum Thema Glyphosat. Zum Video klicken.
Harald Ebner bei der Fragestunde im Bundestag zum Thema Glyphosat. Zum Video klicken.

Für die hiesige Wissenschaftswelt ein falscher Weg. In einer aktuellen Stellungnahme sprechen sich die Nationale Akademie Leopoldina, die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften gegen pauschale Anbauverbote für gentechnisch veränderten Organismen (GVO) aus und empfehlen wissenschaftsbasierte Einzelfallprüfungen. Anbauverbote in Deutschland bedrohten die Forschungs- und Berufsfreiheit, den Schutz des Eigentums sowie die allgemeine Handlungsfreiheit und damit die Chancen der Erforschung, Weiterentwicklung und kommerziellen Nutzung der Grünen Gentechnik. Auch würden die zur Risikobeurteilung von GVO unerlässlichen Freilandversuche durch pauschale Anbauverbote in Deutschland unmöglich, monieren die Akademien. Dass Gentechnik-Kritiker gerade Freilandversuche bereits als Risiko einstufen, übergeht die Wissenschaftselite geflissentlich.

Anbau gefährdet menschliche Gesundheit

"Bestimmte Kreise reden sich die grüne Gentechnik immer noch schön", kommentiert Heike Moldenhauer vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) den Werbefeldzug der Wissenschaft. Für die Gentechnik-Expertin der Umweltorganisation geschieht dies mit den gleichen "Uraltargumenten", die längst widerlegt seien. "Die Tatsachen sprechen eine andere Sprache", sagt Moldenhauer - und kritisiert, dass selbst eine Nobelpreisträgerin die Augen vor den Entwicklungen verschließt: "Bei allem Respekt, wer wie Frau Nüsslein-Volhard argumentiert, ist nicht auf dem Stand der Dinge und handelt fahrlässig." So sei ein Standardargument der Befürworter, dass der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen (GV-Pflanzen) den Pestizideinsatz reduziert, längst widerlegt. Stattdessen gefährde der Anbau massiv die Gesundheit der Menschen.

Beispielsweise bei genmanipulierten Sojabohnen. Sie vertragen das Totalherbizid Roundup, während alle anderen Pflanzen an dessen Wirkstoff Glyphosat zu Grunde gehen. Statt mehrfach unterschiedliche Wirkstoffe gegen verschiedene Unkräuter auszubringen, bedarf es Glyphosat nur einmal vor der Aussaat und auch während der Vegetation nur selten, versprach der Argrokonzern Monsanto, der in den Siebziger Jahren das Wunderherbizid erfand. Seit Monsanto vor knapp zwei Jahrzehnten die ersten genveränderten, Roundup-verträglichen Pflanzen (RR-Pflanzen) auf den Markt brachte, florieren Herbizid- und GV-Saatgutabsatz.

Mittlerweile hat sich der Segen zum Fluch gewandelt. Berichte aus argentinischen Soja-Anbaugebieten, wo Glyphosat-Einsatz flächendeckend von Flugzeugen versprüht wird, legen alarmierende Auswirkungen auf die Gesundheit der örtlichen Bevölkerung nahe. Wissenschaftler der Universität Buenos Aires berichten von steigenden Zahlen an Totgeburten und embryonalen Missbildungen in ländlichen Gebieten. Vor wenigen Tagen erst stufte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Glyphosat als "vermutlich krebserregend" ein. In Kürze will die WHO mit einem Abschlussbericht zu einem endgültigen Urteil über die Gefährlichkeit des Totalherbizids kommen.

Zudem häufen sich in den USA und Südamerika, wo die Roundup-Ready-Pflanzen Soja und Mais seit 1996 in großem Maßstab angebaut werden, Resistenzen gegen Glyphosat. Immer mehr Unkräuter, sogenannte "Super Weeds", breiten sich aus, was die Farmer mit häufiger Spritzen und noch giftigeren Herbizidmischungen zu verhindern versuchen.

Roundup, das Totalherbizid von Monsanto. Foto: Mike Mozart/flickr.com
Roundup, das Totalherbizid von Monsanto. Foto: Mike Mozart/flickr.com

Kritiker prophezeien, dass das Resistenzphänomen bald auch insektizidresistenze GV-Pflanzen trifft. Hauptanbaugebiet dieser Pflanzen, die selbst ein Insektizid bilden, ist Indien, wo die von Monsanto entwickelte BT-Baumwolle inzwischen weit verbreitet ist. Nach Studien spritzen indische Kleinbauern bei dieser Baumwollsorte weniger Insektizide als bei konventionellen Pflanzen. Sinkende Ausgaben für Spritzmittel und geringere Ernteausfälle überkompensieren die höheren Saatgutpreise, sagt der Göttinger Agrarökonom Matin Qaim. Nach seiner Studie sollen die Kleinbauern ihren Gewinn mit BT-Baumwolle um die Hälfte gesteigert haben.

Doch auch in Indien regt sich Widerstand gegen die grüne Gentechnologie. Vor zwei Jahren verhängte die Regierung wegen ungeklärter Sicherheitsfragen ein Moratorium für alle Feldversuche. Nach dem Wahlsieg der rechtskonservativen Hindu-Partei BJP hob der neue Ministerpräsident Modi als eine der ersten Amtshandlungen das Gentech-Moratorium im vergangenen Jahr wieder auf.

Pflanzenschutzmittel führen zu Verlust von Tierarten

Deutlich kritischer stehen hiesige Behörden zur grünen Gentechnik. Im vergangenen Sommer warnten das deutsche Bundesamt für Naturschutz und die Umweltbundesämtern Österreichs und der Schweiz davor, dass herbizidresistente, gentechnisch veränderte Kulturen die Intensivierung der Landwirtschaft vorantreiben und damit den Biodiversitätsverlust weiter erhöhen. Die intensive Verwendung von Pflanzenschutzmitteln führe auch zum Verlust von Tierarten. Die Experten gehen davon aus, dass dieser Effekt eine der Ursachen für den Rückgang auch von geschützten Arten wie dem Monarchfalter in Amerika darstellt.

Unverdrossen wirbt Nobelpreisträgerin Nüsslein-Volhard dennoch für grüne Gentechnik. Bedenken, dass der Einbau von fremden Genen in Nahrungspflanzen schädlich für Mensch und Tier sein könnte, hegt sie nichts. "Zusätzliche Gene haben nichts mit Nahrung zu tun", behauptet sie während ihres jüngsten Fernsehauftritts. Pflanzen besäßen von sich aus schon 20 000 Gene, und "die sind uns alle fremd", argumentiert sie. Nachfragen des Moderators nach möglichen Spätfolgen von Gen-Food wischt sie nonchalant vom Tisch: "Fast alle Medikamente sind mit gentechnischen Methoden hergestellt und die essen wir ja auch", behauptet sie.

Dass es sich hierbei um einen eher unwissenschaftlichen Äpfel-mit-Birnen-Vergleich handelt, weiß der Laie ja nicht. Beispielhaft beim bekanntesten gentechnisch hergestellten Medikament, dem Insulin, ist es der identische Wirkstoff, der heute mit Hilfe veränderter Bakterien hergestellt wird und früher aufwendig aus der Bauchspeicheldrüse toter Rinder und Schweine gewonnen wurde.

Selbst dem baden-württembergischen Landwirtschaftsminister spricht Nüsslein-Volhard vor laufender Kameras die Kompetenz ab, über die Anbaufolgen von gentechnisch veränderten Pflanzen zu urteilen. "Gentechnik ernährt die Welt nicht, im Gegenteil, sie ist eine Risikotechnologie und schafft Abhängigkeiten. Die Ärmsten der Armen sind die massivsten Opfer der Risikotechnologie, an der nur wenige Große verdienen", sagt Alexander Bonde (Grüne) in der SWR-Sendung und kündigt an, alles zu unternehmen, "um Gentechnik auf dem Feld und auf dem Teller zu verhindern". Für Nüsslein-Volhard sind dies "einfach falsche Behauptungen."

Nüsslein-Volhard redet lieber nicht mehr

Gern hätte Kontext die Tübinger Nobelpreisträgerin detailliert zu grüner Gentechnik befragt. Eine Interviewanfrage beschied sie zunächst positiv. Nach Übermittlung der Fragen, etwa zu Gesundheits- und Umweltschäden durch Glyphosat, machte sie einen Rückzieher. Stattdessen übersandte sie eine Stellungnahme, in der sie ihre Haltung zur grünen Gentechnologie wiederholt. "Glyphosat ist in Deutschland zugelassen und wird im privaten Gartenbau reichlich angewandt, zum Beispiel um Wege krautfrei zu machen. Why not? Ich nehme es auch zur schonenden Bekämpfung von Wurzelunkräutern in meinem Garten, gegen die sonst nur rabiates Umbrechen und Absengen helfen würde. Wäre das besser?", schreibt sie.

Umweltschützer rätseln über die wirklichen Motive von Gentechnik-Befürwortern wie Nüsslein-Volhard. "Warum will man eine Technik auf den Markt bringen, die der Verbraucher nicht will", fragt Mute Schimpf von "Friends of the Earth Europe". Für die Aktivistin, die von Brüssel aus europaweite Aktionen gegen grüne Gentechnik koordiniert, müssten auch die Unterstützer der umstrittenen Technologie Marktrealitäten anerkennen: "Fakt ist, dass Europäer keine Gen-Lebensmittel auf dem Teller haben wollen."


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Kommentare

Erwin, 17.06.2015 20:35
@Tillupp

Zu deinen 4 Punkten möchte ich etwas anmerken:

1.) Es sind keine Mutationen, sondern Veränderungen, die mit den neuesten Techniken sehr geziehlt durchgeführt werden können. Gentechnisch veränderte Sorten unterliegen ebenso einem Ausleseprozess durch den Züchter wie klassisch gezüchtete.

2.) Hybridpflanzen haben nichts mit Gentechnik zu tun und sind auch nicht unbedingt unfruchtbar.
Kein Bauer wird abhängig gemacht. Allen steht es jederzeit frei, ihr Saatgut von einem anderen Anbieter beziehen.

3.) Das hat nichts mit Gentechnik zu tun. In jeder Industrie haben Firmen die Möglichkeit, hohe Entwicklungskosten über einen rechtlichen Schutz ihrer Produkte abzusichern.

4.) Wenn Militärs solche Pflanzen entwickeln wollen, dann wird man sie bestimmt nicht davon abhalten können, indem man die grüne Gentechnik bekämpft.

Tillupp, 16.06.2015 09:11
@Erwin, 15.06.2015 20:33

Nun ich kann nur für mich sprechen, aber ich bin gegen Gentechnik u.a. aus folgenden Gründen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit). Und auch wenn die u.g. Befürchtungen nicht wissenschaftlich belegt sind, so sind sie ebenso wenig wissenschaftlich zu widerlegen.:
1.) Weil die Art der Mutationen unkalkulierbar sind und im Vergleich zur natürlichen Züchtung nicht einem natürlichen Ausleseprozess unterliegen.
2.) Weil Gentechnik nicht eingesetzt wird bessere Pflanzen zu machen, sondern mittels unfruchtbarer Hybrid-Pflanzen Bauern abhängig zu machen von der Gen-Saat-Industrie.
3.) Weil die Gen-Saat-Industrie aus den Genschnipseln ableitet, dass Patentrechte bezahlt werden müssen, sobald eine genetisch veränderte Pflanze auf einem Acker wächst, auch wenn der Bauer sie gar nicht gesät hat und auch gar nicht auf seinem Acker haben will.
4.) Sobald es einmal gelungen sein sollte, ein natürliches Lebensmittel in ein giftiges gleichaussehendes Lebensmittel zu verwandeln, werden Militärstrategen dieses Zufallsprodukt (Curare-Weizen, Digitalis-Mais, Amatoxin-Kartoffel, Atropin-Kirsche) als Waffe einsetzen.

Ist jedoch eines der Ereignisse eingekehrt, ist es einschneidend, z.T. unumkehrbar. Deshalb, wehret den Anfängen und lest mal wieder Goethes Zauberlehrling. Nüsslein-Vollhard hat die Folgen ihrer Forschung genauso wenig unter Kontrolle wie Einstein die Pervertierung der Kernspaltung (z.B.: Atombombe; Atommüll, Tschernobyl und Fukushima). Das hat Einstein auch nicht gewollt.

Erwin, 15.06.2015 20:33
Der letzte Absatz des Artikels ist völlig widersinnig. Die Leute sind ja nicht gegen Gentechnik, weil sie wissenschaftliche Argumente dagegen kennen und verstehen, sondern weil sie nichts davon verstehen und eine unspezifische Furcht vor dem Unbekannten haben. Verstärkt wird das durch die Presse, die statt über hundert langweilige positive wissenschaftliche Befunde lieber über eine einzelne spektakuläre negative Studie berichtet.

So hat sich das Ganze dann hochgeschaukelt: 1. Die Presse bevorzugt Negativ-Schlagzeilen, da die sich besser verkaufen. 2. Die Leser übernehmen die so gemachte Meinung. 3. Die Presse schreibt, was der Mehrheitsmeinung entspricht, da der Leser sich gerne in seiner Meinung bestätigt sieht.

Daher ist es gut, dass bedeutende Experten wie Nüsslein-Volhard versuchen, die Leute aufzuklären.

Fred Heine, 11.04.2015 13:34
Zitat: maguscarolus, 10.04.2015 00:30 "Nach meiner Überzeugung ist es jedoch geradezu fahrlässig, Erfahrungen, die unter streng kontrollierten Laborbedingungen gewonnen wurden auf die Welt zu übertragen"

Ich dachte immer, das ist das Prinzip naturwissenschaftlicher Forschung ...

maguscarolus, 10.04.2015 00:30
Die Genetiker haben ohne Zweifel Forschungserfolge aufzuweisen, die sich sehen lassen können. Nach meiner Überzeugung ist es jedoch geradezu fahrlässig, Erfahrungen, die unter streng kontrollierten Laborbedingungen gewonnen wurden auf die Welt zu übertragen, also auf ein ökologisches Gesamtsystem, in dem Jedes mit Allem mehr oder weniger stark gekoppelt ist.

Diese Leute geraten früher oder später in die Rolle des hilflosen Zauberlehrlings, nur dass kein wissender Meister helfend herbei eilen wird, um die sich weiter verbreitenden Gene wieder alle einzufangen.

Berni, 09.04.2015 19:34
Was kann die Gentechnik dafür das Monsanto und co sich den Markt aufteilen? Nicht mal Glyphosat ist ein Problem der Gentechnologie, Glyphosat wird ohne Gentechnik auch bei uns eingesetzt. Warum ist die rote Gentechnik akzeptiert? auch diese wird in der Masse von den großen Pharmakonzernen produziert. Warum ist die weisse Gentechnik akzeptiert? Es gibt kaum ein Brötchen, ein Brot oder ein anderes fertiges Nahrungsmittel zu kaufen ohne den Einsatz gentechnisch verändetrer Enzyme, Aminosäueren und und.....Wird ein Tier ohne gentechnisch hergestelltes Soja gefüttert dann sind die zugeführten künstlich hergestellten Aminosäueren komplett mit gentechnischen Verfahren hergestellt. Aber daran stört sich niemand

maguscarolus, 09.04.2015 15:56
Der Dame ins Stammbuch: si tacuisses philosophus manisses!

Nicht der erste und nicht der letzte fragwürdige Nobelpreisträger. Die Leute pflegen bisweilen wissenschaftliche Allmachtsphantasien und offenbaren sich als skrupellose Macher. Im heutigen real existierenden Wissenschaftsbetrieb vielleicht der Normalfall - ebenso wie eine allzu große Nähe zur Wirtschaft, von der man Jahrzehnte lang Fördergelder und Forschungsaufträge eingeworben hat.

Das ist alles dégoutant und peinlich. Nicht alle alternden Koryphäen werden zu Quellen der Weisheit und Menschenliebe.

diego garcia, 09.04.2015 14:28
@Clark
im Gegenteil, unmanipulierte Agrarprodukte aus einem 'sauberen' Europa würden in einer transgen verseuchten Welt Spitzenpreise erzielen, quasi als Luxusgüter, und auch auf den Tourismus wären die Auswirkungen sicherlich positiv. Ein echter Ausweg aus Europas Finanzkrise!
Nur soviel zu Ihrem ökonomischen Argument.
Forschen und Denken sollen unsere Forscher ruhig dürfen, ohne ins akademische Abseits gedrängt zu werden, nur eben unter streng kontrollierten Laborbedingungen, und nicht einfach mal eben so, hopplahop, in breit angelegten Feldversuchen.
Abgesehen davon, was genau wollen Soros und Monsanto und die Gates-Stiftung und Bayer Crop Science und wie sie alle heissen nochmal in der Ukraine ?..
Und was hat das alles mit Patenten zu tun ??...
Ja, auch wenn viele es immer noch nicht wahrhaben wollen, dies ist 'nur' ein weiterer Aspekt der totalitären NWO.

Clark, 09.04.2015 13:46
Ich finde es wirklich schade, dass es nicht möglich scheint, sachlich über die grüne Gentechnik zu reden - unabhängig von Frau Dr. Nüsslein-Vollhard und ihren Äußerungen. Sobald das Thema aufkommt, wird Monsanto genannt und die Technik mit dem Konzern gleichgesetzt. Ja, die Geschäftspraktiken von Monsanto & Co. mögen zweifelhaft sein, aber sie haben nichts mit der Gentechnik zu tun. Mineralölkonzerne verseuchen das Wasser in Südamerika. Bergbaukonzerne zerstören ganze Landstriche in Afrika. In Indien nähen Kinder unsere Kleidung unter unwürdigen Bedingungen. In Katar sterben Menschen auf den Baustellen für die WM-Stadien. Nach der Logik der Gentechnikgegner müssten wir fordern, dass Deutschland also auch eine Benzin-, Kohle-, Jeans- und Fußball-freie Zone wird. ...das ist zugegebenermaßen reichlich überspitzt, aber die Kritik an Monsanto und an allen, für die dieser Konzern stellvertretend steht, ist eine an unserem Wirtschaftsystem und nicht an der Gentechnik. Diese sollte meiner Meinung nach nicht verteufelt, aber durchaus sehr kritisch betrachtet werden. Es gibt in dem Feld vielversprechende Entwicklungen wie z.B. die Züchtung mittels TALEN-Faktoren, aber wenn das Thema gänzlich aus Europa verbannt wird, dann berauben wir uns selbst der Möglichkeit, Einfluss auf der Einsatz dieser Technik und ihre weitere Entwicklung zu nehmen.

Horst Ruch, 09.04.2015 12:58
.....hier hat es womöglich einen jahrelangen Gedankenaustausch zwischen Frau C. Nüsslein-Volhard mit unserer entlassenen Ex-Wissenschaftministerin (Dr.)Schavan gegeben. Denn auch sie war eine glühende Verehrerin von Monsanto& Co.
TTIP ist/war noch die letzte Hemmschwelle einer interkontinental tätigen Bande von Großkonzernen, die mit krimineller Energie eine globale Gewinnmaximierungsstrategie verfolgt, Einhalt zu gebieten.
So ist die Wissenschaft nie gefeit- in diesem Falle unter dem Deckmantel der Welternährungssicherheit- den Anbiederungen des Wirtschaftslobbyismus zu widerstehen. Stichwort "Fördermittel".
Ein Glück für die Gesellschaft, dass wenigstens Frau Schavan aus dem Verkehr gezogen wurde um uns aus dem Vatikan berichten zu dürfen.

Honk, 09.04.2015 10:39
Wer sich soweit aus dem Fenster lehnt, fischt vielleicht nach "Drittmitteln"... -Bolognia lässt grüssen!

Gaigeler, 09.04.2015 02:31
Die Dame wurde in der Zeit ungebremster Technikgläubigkeit sozialisiert und benimmt sich entsprechend. Nobelpreis schützt eben vor Altersstarrsinn und Denkfaulheit nicht.

Markus Hitter, 08.04.2015 23:02
Mal abgesehen von der ganzen Argumentiererei, die grüne Gentechnik ist doch zumindest hier in Europa eindeutig eine Lösung auf der Suche nach einem Problem. Nahrungsmittel gibt es so viele, dass man Ackerland teilweise brach liegen lassen muss. Von ausgedehnten Insektenplagen habe ich hier noch nie etwas gehört[1]. Und die Verseuchung der Gewässer mit den herkömmlichen Pestiziden hat man inzwischen eigentlich auch recht gut im Griff, die Bodenseefischer stöhnen inzwischen nicht mehr über zu dreckiges, sondern über zu sauberes Wasser.

Man braucht das Zeug einfach nicht. Kein Grund, da irgendwelche Risiken oder gar wirtschaftliche Abhängigkeiten einzugehen.

Die Strategie der Grüne-Gentechnik-Branche tönt allerdings sehr sehr verdächtig nach dem, was man von unserem teuren Tiefbahnhof kennt: hochdekorierte Experten, die ausser ihren Dekorationen so gut wie keine Argumente von sich geben. Auch keine brauchen würden, denn wir gewöhnlichen Bürger wären ja alle so unendlich dumm.


- - - - - - - -
[1] War da nicht mal was mit einem Borkenkäfer in den Baumrinden? Man hat daran mit herkömmlichen Methoden gearbeitet, als es auftrat -- und es in den Griff bekommen.

Manfred Lieb, 08.04.2015 15:17
Wieder eine Wissenschaftstechnokratin, diesmal eben mit Nobelpreis. Wir sollten uns erinnern wie uns die Wissenschaftstechnokraten mit ihrem verengten Weltbild die Atomkraft schmackhaft gemacht haben. Heute sitzen wir auf dem Müll, haben mit Fukushima und Tschernobyl den Beweise für die Klugheit der Gegner. Dabei sind die Argumente aus der Sicht er eingeengten Laborwissenschaft immer dieseben, alles sicher, alles nur das Wohlergehen der Menschen usw usw.

Überhaupt kein Verständnis für soziale Prozesse, überhaupt kein Verständnis für Zusammenhänge, überhaupt kein Verständnis und keine Kritik an den bestehenden Interessenverhältnissen.

Frau Nüsslein-Volhard ist in diesem Sinne ein Beispiel für die verengte Sichtweise technokratischer Behandlung von gesellschaftlichen Prozessen.

Wir wollen keine Gen-Lebensmittel. Wir wollen keine Abhängigkeiten von Lebensmittelnkonzernen. Wir wollen sicher und natürlich leben. Die Schwäbisch-Hällische-Erzeugergemeinschaft ist ein Beispiel für gutes Handeln, ohne den Wahnsinn der Genmanipulation.

history_repeating, 08.04.2015 14:25
Es gibt mindestens zwei Argumente, welche gegen genmanipuliertes Saatgut sprechen.
1. der einzige Grund warum Großkonzerne massiv auf genmanipuliertes Saatgut setzten ist die Möglichkeit Kunden an sich zu binden, da das Saatgut sich nicht mehr selbst reproduziert (wie es die Natur vorsieht) und durch Monopolgesetze einer Lizenz zum Geld-drucken gleicht.

2. Die Evolution hat auch nach Millionen von Jahren nicht aufgehört. Sie wird mit ihren unendlichen Kombinationsmöglichkeiten IMMER die Schädlinge zum Erfolg führen, welche auch gegen genmaipulierte Pflanzen IMMUN sind. Zu glauben, dass der Mensch mit seinen (endlichen und) minimalen Ressourcen die Kraft der Evolution übertrumpfen kann, ist an Dummheit und Überheblichkeit kaum zu überbieten.
Diese "Wissenschaftlerin" macht sich durch das Ignorieren der Evolutionären Kraft der Natur lächerlich!

Ulrich Scheuffele, 08.04.2015 13:48
ich habe den Beitrag bei "zur Sache Baden-Württemberg" gesehen, was von dieser Frau kam war nur Polemik ohne Substanz, auch auf die kritischen Fragen von Clemens Bratzler hat sie nur mit einer arroganten Polemik geantwortet. Selten hat ein Mensch so abstosend auf mich gewirkt.

Wolfgang Mnauel Simon, 08.04.2015 12:23
Vielen Dank für den Artikel über diesen unsäglichen Auftritt einer NobelpreisträgerIn im SWR - Ich hab den Artikel gleich mal auf unserer Hoempage www.gentechnikfrei21.de verlinkt und möchte Sie und alle LeserInnen heute auch einladen zu einer der beiden Veranstaltungen, zu denen unser Verein nächste Woche einlädt:
Dem Verein gentechnikfreie Landkreise LB/Rems-Murr e.V. - ist es gelungen die mutige Wissenschaftlerin Prof.Dr.Monika Krüger ins Stuttgarter Welthaus 16.4., 19.30 Uhr (zusammen mit Anstifter und BUND Kreis Stuttgart) und am 17.4., 19.30 Uhr in den Schlosskeller in Marbach am Neckar einzuladen. An beiden Tagen geht es um das Thema "Glyphosat und Folgen für Mensch,Tier und Natur"
Das Thema "Glyphosat" wird ja nicht erst seit der Ausstrahlung der ARTE Dokumentation vom 31.3. "Kranke Tiere-kranke Menschen" (s. www.gentechnikfrei21.de) viel diskutiert. Auch die WHO hat Ende März das Mittel "als wahrscheinlich krebserzeugend" eingestuft.
Glpyphosat tötet - hier, überall auf der Welt, seit 20 Jahren und jetzt! Stoppen wir diesen Vergiftungswahnsinn!

Schwabe, 08.04.2015 10:10
Eine Lobbyistin mit Nobelpreis?
Das würde gut in unser heutiges System passen - gegen den Willen der Bevölkerungsmehrheit interessengesteuerte Großprojekte mit Hilfe einer Nobelpreisträgerin versuchen durchzusetzen. Auch eine Art die Mehrheitsbevölkerung zu beeinflussen! Gewinnorientiertes Denken kennt eben keine Grenzen und kann durchaus sehr kreativ sein wie man sieht. Ich persönlich bevorzuge es die Bezeichnung kreativ durch aggressiv zu ersetzen.
Ähnliches passiert mit den Freihandelsabkommen TTIP, CETA und TISA, für die sich unsere bürgerlichen Politiker/Parteien so stark macht!

FernDerHeimat, 08.04.2015 08:13
Soso, Gentechnik ist "harmlos", Frau Nüsslein-Volhard?

Monsanto und Nestlé sind sich ganz sicher?

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Letzte Kommentare:

Ausgabe 312 / Das große Fressen / tauss, 24.03.2017 15:03
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Ausgabe 312 / Die unheiligen Apostel / Jupp, 24.03.2017 07:17
Mein Herz geht auf. Hier wird nicht nur über die Vergangenheit oder Gegenwart gschimpft. Nein, es wird tatsächlich über die Zukunft nachgedacht! Und ich bin vollkommen bei Frau Rath :-) Was soll ein Fussgängerstegle? Wir haben...

Ausgabe 312 / Afrika kommt / leo loewe, 24.03.2017 00:24
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Ausgabe 312 / Das große Fressen / HippiE, 23.03.2017 23:50
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Ausgabe 312 / Die unheiligen Apostel / Horst Ruch, 23.03.2017 22:12
....a propos "Stegle". Das ist es gerade was W.Backes angesprochen hat: Think big. Stirling hatte nicht umsonst die Planung für die Erschließung der Staatsgalerie und Musikhochschule auf einer höheren Ebene angeordnet, somit die (Teil)...

Ausgabe 312 / Ächzen im Maschinenraum / Schwabe, 23.03.2017 17:35
Auch von mir vielen Dank an den Autor und an Kontext (E.M., 22.03.2017 01:27 hat das wunderbar formuliert). Dennoch, um das erfolgreich anzupacken bzw. umzusetzen was Fabian Scheidler so treffend wie beängstigend und unmissverständlich...

Ausgabe 312 / Die unheiligen Apostel / CharlotteRath, 23.03.2017 14:51
Fußgängerstegle ... eine echt schwäbische Lösung. München hat sich einen Park gegönnt, um zwei voneinander getrennte Stadtteile über eine große Straße hinweg zusmmenzuführen: https://de.wikipedia.org/wiki/Petuelpark Mit...

Ausgabe 312 / Die unheiligen Apostel / Bruno Neidhart, 23.03.2017 09:51
Selbstverständlich bräuchte Stuttgart in dieser Kulturecke einen Fußgängersteg. Möglichst als breite Grünbrücke. Dies hat weder mit Sozialwohnungen, noch mit Kitas zu tun. Es ist eine andere, ebenso stadtbildende Ebene.

Ausgabe 312 / Afrika kommt / Dr. Diethelm Gscheidle, 23.03.2017 09:24
Sehr geehrte Damen und Herren, selbstverständlich ist es äußerst wichtig, Entwicklungshilfe zu betreiben - und das geht natürlich jeden Einzelnen von uns an. Als bekennender und praktizierender Katholik ist mir die Entwicklungshilfe...

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Das ist eine traurige, aber wahre Geschichte. Ich habe mit Herrn Nusser telefoniert und möchte noch folgende Ergänzung machen. Herr Nusser war ein langjähriges Genossenschaftsmitglied. Genossenschaften sind gesetzlich verpflichtet...

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