KONTEXT Extra:
VfB gewinnt die Süperlig

Der VfB ist nun doch noch Meister geworden! Nach dem Abstieg aus der 1. Bundesliga am Samstag hat er schon am Tag darauf die türkische Süperlig gewonnen. Wenigstens ein bisschen. Sagen wir mal, unter Einberechnung des Schön-war-die-Zeit-Vergangenheitsbonus', zu zwei Elfteln. Die beiden Besiktas-Istanbul-Spieler Mario Gomez und Andreas Beck haben nämlich ihre VfB-Meisterschaftserfahrung aus dem Jahr 2007 in den türkischen Club eingebracht. Nach dem 3:1-Sieg gegen Osmanlispor kann Besiktas am letzten Spieltag nicht mehr eingeholt werden. Gefeiert wurde das auch auf dem Stuttgarter Schlossplatz, schließlich hat der Verein viele Fans. Die sind übrigens Weltrekordhalter: in einem Spiel gegen Tottenham im Jahr 2006 (nach anderen Angaben 2007 gegen Liverpool) haben sie sich mit 132 Dezibel den Höchstwert für Fußballstadien zusammengejubelt. Die Besiktas-Fangruppe Carsi (offiziell aufgelöst, aber weiter virulent und freundschaftlich mit Sankt Pauli verbunden) umrundet das A im Namen zum Zeichen für Anarchie, versteht sich auch als soziale Bewegung und war etwa bei den Taksim-Platz-Protesten gegen Erdogan aktiv. Was jetzt eventuell weniger an den VfB und seine Fans erinnert. Aaaaaber: Trainiert wurde Besiktas auch einige Jahre von Christoph Daum, der den VfB 1992 zum Meister machte. Und drei Jahre später hat Daum mit Besiktas die Süperlig gewonnen! Wenn man also auch noch den Daum-Faktor einrechnet, dann ist der VfB an diesem Sonntag sogar mit mehr als Zwei-Elfteln türkischer Meister geworden. (17.5.2016)


Stuttgarter Friedenspreis 2016 an Jürgen Grässlin

Die Verleihung des diesjährigen Anstifter-Preises an Jürgen Grässlin ist ein Signal. Denn dem Rüstungsgegner droht eine Haftstrafe. Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft hat wenige Monate nach seinem Enthüllungsbuch "Netzwerk des Todes" über die Verflechtungen von Rüstungsindustrie und Behörden Vorermittlungen eingeleitet: Gegen ihn und seine Mitautoren Daniel Harrich und Danuta Harrich-Zandberg - wegen des Verdachts verbotener Mitteilungen über Gerichtsverhandlungen gemäß § 353d Strafgesetzbuch.

Dabei hatte Mitautor und Regisseur Daniel Harrich der Staatsanwaltschaft zahlreiche Dokumente zur Verfügung gestellt, auf deren Basis die staatsanwaltschaftliche Klageschrift gegen Heckler & Koch verfasst werden konnte. Vor rund einem Monat hat Daniel Harrich noch den Grimme-Preis dafür entgegengenommen. Nicht nur im Fall Böhmermann - auch sonst sehen sich deutsche Medienmacher und kritische Autoren immer wieder mit Strafermittlungen konfrontiert. Jetzt erst recht - Kontext gratuliert zum Friedenspreis.

In diesem Jahr wird er zum 14. Mal verliehen, 25 Vorschläge gingen bei den Anstiftern ein. Der erste Preis ist mit 5000 Euro dotiert. Auf weiteren Plätzen folgen der Zeitzeuge Theodor Bergmann, Seawatch (Geflüchtete in Seenot), Ärzte ohne Grenzen und die kurdische Menschenrechtsaktivistin Leyla Zana. (16.Mai 2016)


Bündnis gegen rechts

Winfried Kretschmann engagiert sich im österreichischen Präsidentschaftswahlkampf: Er ist einem breit verankerten Komitee gegen rechts und zur Unterstützung von Alexander van der Bellen beigetreten. Der frühere Bundesvorsitzende der österreichischen Grünen, der als parteiunabhängiger Kandidat antritt, kam bei der Volkswahl Mitte April im ersten Wahlgang auf 21,3 Prozent der Stimmen. Norbert Hofer, der Kandidat der rechtspopulistischen "Freiheitlichen Partei Österreichs" (FPÖ), liegt mit 35 Prozent weit vorn. Zusammengefunden haben sich vor dem entscheidenden zweiten Wahlgang am 22. Mai viele Promis aus dem deutschsprachigen Raum, die sich für van der Bellen stark machen. Darunter Oscar-Preisträger Christoph Waltz, Everest-Bezwinger Reinhold Messner oder Liedermacher Konstantin Wecker und hunderte Schauspieler, Künstler, Journalisten, Politiker, Unternehmer, Wissenschaftler oder Diplomaten aus dem linken, aber auch aus dem bürgerlichen Lager. Nach Pfingsten, am Dienstagabend,  wird Kretschmann nach Wien reisen, um im Wahlkampf des Universitätsprofessors aufzutreten. Er habe van der Bellen "als engagierten, fairen und vertrauenswürdigen Menschen kennen und schätzen gelernt, der für Demokratie, Menschenrechte, ökologische Nachhaltigkeit, gegenseitigen Respekt und Chancengleichheit" eintrete. Unter weiter: "Gerade in diesen bewegten Zeiten ist eine besonnene, weltoffene und weitsichtige Person in einem solchen Amt besonders wichtig." Hofer ist programmatisch einer der führenden Köpfe der FPÖ und damit der europäischen Rechten. Seine schlagende Verbindung Marko Germania hält wenig vom selbständigen Staat Österreich, sondern bekennt sich zu einem "deutschen Vaterland", "unabhängig von bestehenden staatlichen Grenzen". Er wäre in Mitteleuropa der erste Rechtspopulist im höchsten Amt eines Staates. (15.5.2016)


Kretschmann gewählt – CDU wieder staatstragend

Mit 82 von 142 Stimmen – bei einer Krankmeldung – ist Winfried Kretschmann zum zehnten Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg gewählt worden. Seine neue grün-schwarze Koalition wäre rein rechnerisch auf 88 Stimmen gekommen. Für einen Moment war es auch mucksmäuschenstill im Plenarsaal, bevor sich die Abgeordneten zum Applaus erhoben. Wie schon am Vortag nach der Wahl von Muhterem Aras zur Landtagspräsidentin verweigerten die Abgeordneten der AfD diese Ehrbezeugung. Zuvor hatte Kretschmann die CDU-Fraktion besucht, mit der sich Parteichef Thomas Strobl erst am Morgen ausgesöhnt hatte. Eine Probeabstimmung am Dienstag war schiefgegangen. Einzelne CDU-Abgeordnete blieben auch am Donnerstag bei ihrer ablehnenden Haltung. Es wurde dementsprechend gemutmaßt, dass die fehlenden sechs Stimmen aus der Union kommen. Sichtlich gerührt nahm Aras ihrem Parteifreund den Amtseid ab. Danach gab’s einen weißen Blumenstrauß für den grünen Regierungschef. (12.5.2016)


"Ein Zeichen für das Gelingen von Integration"

Mit der Stuttgarterin Muhterem Aras bekleidet zum ersten Mal in der Geschichte Baden-Württembergs eine Frau das Amt der Landtagspräsidentin, und noch dazu eine mit Migrationshintergrund. „Sie haben mit Ihrer Wahl ein deutliches Zeiten für Weltoffenheit, für Toleranz und für das Gelingen von Integration gesetzt“, sagte die 50-Jährige in ihrer Antrittsrede zu den Abgeordneten. Handeln wolle sie im hohen Amt nach einem Zitat der sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Marie Juchacz aus dem Jahr 1919: „Scharfes kluges Denken, ruhiges Abwägen und warmes menschliches Fühlen gehören zusammen in einer vom ganzen Volke gewählten Körperschaft.“ Die 23 Abgeordneten der „Alternative für Deutschland“ (AfD) verweigerten der neuen Präsidentin sowohl den Beifall als auch die traditionelle Ehrerbietung durch Erheben. Die AfD scheiterte beim Versuch an der übergroßen Mehrheit der anderen vier Fraktionen, einen eigenen Vizepräsidenten durchzusetzen. Der neue CDU-Fraktionschef Wolfgang Reinhart begründete die Ablehnung „ganz unabhängig davon, dass es keinen Anspruch der AfD gibt“ damit, ein Zeichen der Sparsamkeit setzen zu wollen. Und er hielt AfD-Fraktionschef Jörg Meuthen Äußerungen vor, in denen der die Verknappung der Zahl der Vizes auf einen einzigen Posten unterstützt hatte – gerade mit dem Hinweis auf das Portemonnaie der Bürger. (11.5.2016)


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Ausgabe 186
Überm Kesselrand

Atomare Preisbombe

Von Jürgen Lessat
Datum: 22.10.2014
Die EU-Kommission billigt staatliche Milliardenbeihilfen für das britische Atomkraftwerk Hinkley Point C. Das Subventionsgeschenk wird "geschmückt" von einer heimlichen Kostenexplosion: Während der französische Staatskonzern EDF als Bauherr Baukosten von 20 Milliarden Euro nennt, rechnen Brüssel und London bereits mit über 30 Milliarden Euro. Erstaunlich ist, dass sich niemand am gewaltigen Preissprung stört. Selbst die Medien ignorieren ihn.

Wer im Supermarkt Camembert und Bordeaux auswählt, kann sich sicher sein, dass er an der Ladenkasse noch den gleichen Preis für die Gaumenfreuden bezahlt wie an Käsetheke und Weinregal ausgeschildert. Bei großen Bauvorhaben der öffentlichen Hand ist das anders. Zwischen Bestellen und Bezahlen explodieren gewöhnlich Kosten. Der Hauptstadtflughafen BER (1,7 auf ca. 5,4 Mrd. Euro), die Hamburger Elbphilharmonie (77 auf 789 Mill. Euro), der tiefergelegte Stuttgarter Hauptbahnhof (2,45 Mrd. auf derzeit bis zu 6,5 Mrd. Euro) sind leuchtende Beispiele, wie sich hierzulande die Preise von Großprojekten während der Planungs- und Bauzeit verselbstständigen. Vervielfachungen sind nichts Außergewöhnliches – und bleiben üblicherweise ohne Konsequenzen für die Verantwortlichen. Schließlich sind die Steuerzahler Gesamtschuldner.

Auch wenn bei den genannten Projekten die Preise zusammengenommen um rund 8,5 Milliarden Euro gegenüber den anfänglich genannten Kosten explodierten – gute Chancen, als inflationärstes Großprojekt der Gegenwartsgeschichte zu enden, hat ein anderes Vorhaben: Hinkley Point C. Der erste Neubau eines Atomkraftwerks seit fast 20 Jahren in Großbritannien hat sich bislang auf einen Schlag um mehr als zehn Milliarden Euro verteuert. Und dies innerhalb weniger Monate. Nach neuesten Angaben werden die Baukosten für die zwei Druckreaktoren des neuartigen EPR-Typs (Europäischer Druckwasserreaktor) an einem malerischen Küstenstreifen der Grafschaft Somerset auf 24,5 Milliarden britische Pfund (GBP) geschätzt. Nach aktuellem Wechselkurs sind das knapp 31 Milliarden Euro.

Idyllischer Küstenstreifen: AKW-Standort Hinkley Point in der Grafschaft Somerset. Foto: Richard Baker
Idyllischer Küstenstreifen: AKW-Standort Hinkley Point in der Grafschaft Somerset. Foto: Richard Baker

Die Zahlen stammen aus einer absolut vertrauenswürdigen Quelle, nämlich von der EU-Kommission. Am 8. Oktober veröffentlichte sie ihre Entscheidung, wonach die Subventionspläne des Vereinigten Königreichs zur Förderung von Bau und Betrieb des neuen Kernkraftwerks mit EU-Beihilferecht vereinbar sind. Der Brüsseler Bescheid enthält neben den geschätzten Baukosten weitere aufschlussreiche Angaben. Demnach wird sich das "Gesamtkapital auf ungefähr 34 Mrd. GBP (rund 43 Mrd. Euro) belaufen". Zu Deutsch: Wenn's dumm läuft, können die zwei Atommeiler auch doppelt so viel wie angenommen bis zur geplanten Fertigstellung im Jahr 2023 kosten.

Vor einem Jahr kostete der Neubau noch 14 Milliarden Pfund

Für Kenner der Hinkley-Pläne sind die jüngsten Einlassungen der EU-Kommission eine faustdicke Überraschung. Denn bisher war der vom französischen Staatskonzern Électricité de France (EDF) geplante AKW-Neubau weitaus günstiger zu haben. Auf einer Konferenz am 21. Oktober vergangenen Jahres feierten der britische Premier David Cameron und EDF-Chef Henri Proglio die Verständigung auf die staatlichen Subventionsmaßnahmen, dank derer sich der eigentlich unwirtschaftliche AKW-Neubau für den Erbauer und späteren Betreiber EDF doch noch rechnet. In den offiziellen Statements und Unterlagen wurden auch die "erwarteten" Investments zum Preisstand des Jahres 2012 genannt, nämlich 14 Milliarden britische Pfund (17,7 Milliarden Euro) als Baukosten. Im Original: "The construction cost of the two nuclear power units at Hinkley Point, expressed in 2012 money, is expected to be £14bn." Zusätzlich veranschlagten Cameron und Proglio "andere Kosten" in Höhe von zwei Milliarden Pfund (2,5 Milliarden Euro), unter anderem für Landerwerb, Gebühren und die Schulung der 900-köpfigen AKW-Betreibermannschaft. Summa summarum kamen britischer Premier und französischer Konzernboss zum gleichen Ergebnis, nämlich dass Hinkley Point C bis zur Inbetriebnahme "ungefähr 16 Milliarden Pfund" (Preisstand 2012) kosten werde ("This means that the total costs to first operation are expected to be close to £16bn, expressed in 2012 money").

AKW-Preisschild auf EDF-Homepage: 16 Milliarden Pfund. Screenshot
AKW-Preisschild auf EDF-Homepage: 16 Milliarden Pfund. Screenshot

Auf dem englischsprachigen EDF-Portal im Internet wird das AKW-Projekt – Slogan: "An opportunity to power the future" – bis heute weiter zum "Schnäppchenpreis" beworben. Der örtlichen englischen Bauwirtschaft wird unter anderem in Aussicht gestellt, an einem Teil der 16 Milliarden Pfund teuren Investition zu verdienen. Über einen Link lassen sich nähere Informationen zum genau bezifferten Milliardenprojekt herunterladen. Auf Kontext-Nachfrage in der vergangenen Woche in der EDF-Konzernzentrale in Paris beharrt Électricité de France auf dieser Summe: "Die exakten Kosten für den Bau der beiden Reaktoren betragen 16 Milliarden Pfund bzw. 19 Milliarden Euro". Und betont: "Es ist exakt der gleiche Betrag wie vor einem Jahr genannt. Die Kosten haben sich nicht geändert."

Trotzdem ist der extreme Preissprung der Öffentlichkeit bislang kaum aufgefallen. Sämtliche Medien, die in den vergangenen Tagen über die Beihilfe-Entscheidung der EU-Kommission berichteten, nannten ungeprüft und unkommentiert 24,5 Milliarden Pfund als Baukosten. Selbst der britische "Guardian", der im vergangenen Herbst in einem kritischen Beitrag die damals genannten Baukosten von 16 Milliarden Pfund angezweifelt hatte, verschlief die widersprüchliche Kostenexplosion.

Bereits stillgelegt: die zwei Reaktoren von Hinkley Point A. Foto: Mark Robinson
Bereits stillgelegt: die zwei Reaktoren von Hinkley Point A. Foto: Mark Robinson

Warum schlägt der Bau des englischen Atomkraftwerks dann nur aus Brüsseler Sicht um rund die Hälfte mehr zu Buche? Auf Nachfrage bei der Vertretung der EU-Kommission in Berlin verweist deren Sprecher nach London: "Die Zahlen zu Bau- und Investitionskosten wurden der Kommission im Rahmen des Beihilfe-Prüfverfahrens von der britischen Regierung mitgeteilt." Ein Anruf in London bestätigt dies. "Die von der EU veröffentlichten Zahlen entsprechen den aktuellen Baukosten", sagt der Sprecher des zuständigen Department of Energy and Climate Change. Demnach wurden die zum Jahr 2012 errechneten Kosten um die bis heute aufgelaufenen Baupreissteigerungen nach oben korrigiert. Dies klingt wenig glaubwürdig, da die jährliche Inflation dann bei rund 25 Prozent liegen müsste. Eine andere Vermutung für den gigantischen Preissprung hat der Sprecher der EU-Kommission in Berlin parat: Wie bei Großprojekten üblich, sei wohl auch Hinkley Point C zunächst "billiger" gerechnet worden.

Neue Reaktortechnik noch nirgends in Betrieb

Die englischen Steuerzahler dürfen sich auf weitere Kostenexplosionen gefasst machen. Denn das Kernkraftwerk Hinkley Point wird die bisher noch nirgendwo in der Welt eingesetzte EPR-Technologie nutzen. Derzeit sind nur drei Projekte weltweit in Bau, die auf der Technik des Europäischen Druckwasserreaktors beruhen werden: in Frankreich, Finnland und China. Das finnische EPR-Atomkraftwerk Olkiluoto 3 machte erst vor Kurzem wieder Schlagzeilen: Anfang September gaben die Zulieferer Areva und Siemens bekannt, dass der Reaktor erst 2016 fertiggestellt werden kann. Grund für die Verzögerungen sind Probleme mit den Instrumenten und dem Kontrollsystem. Strom liefern soll der fünfte finnische Atomreaktor, an dem seit 2005 gebaut wird, deshalb nicht vor Ende 2018. Zahlreiche Pannen und Probleme verzögerten und verteuerten das Projekt enorm. Der Bau stockte auch wegen juristischer Streitigkeiten zwischen Baufirmen und Betreiber. Ursprünglich sollte das 1600-Megawatt-Kraftwerk bereits im Jahr 2009 ans Netz gehen und schlüsselfertig etwa drei Milliarden Euro kosten. Im Oktober 2011 wurden die Baukosten auf 6,6 Milliarden Euro prognostiziert. Inzwischen ist Olkiluoto 3 ein Verlustbringer.

Kinderaugen und intakte Natur: Titelseiten von EDF-Werbebroschüren für Hinkley Point C. Screenshots
Kinderaugen und intakte Natur: Titelseiten von EDF-Werbebroschüren für Hinkley Point C. Screenshots

Durch die weiteren Verzögerungen sollen laut dem französischen Atomkonzern Areva zwar keine zusätzlichen Kosten entstehen, mittlerweile belaufen sich die Verluste aber schon auf 3,9 Milliarden Euro. Auch Siemens, Lieferant des nicht nuklearen Turbinenteils, musste bereits dreistellige Millionenbeträge auf den geplanten Bau abschreiben. Olkiluoto ist für Siemens das letzte AKW-Projekt, nach dem Reaktorunglück im japanischen Fukushima hatte der Münchener Technologiekonzern sich aus der Atomsparte zurückgezogen.

Eventuell bleibt den Briten ein ähnliches Atomschicksal erspart. Die österreichische Regierung hat angekündigt, gegen den Beihilfe-Bescheid für die englischen EPR-Reaktoren zu klagen. Am Abend der Bekanntgabe der EU-Entscheidung billigte der Umweltausschuss des österreichischen Parlaments einstimmig den Antrag der Grünen auf Nichtigkeitsklage vor dem Europäischen Gerichtshof. "Die Entscheidung, der Atomkraft in Europa mit einer Beihilfe von 20 Milliarden Euro unter die Arme greifen zu wollen, ist ein fatales energiepolitisches Signal. Mit diesem strahlenden Abschiedsgeschenk an die Atomlobby verabschiedet sich die scheidende EU-Kommission auch von der Marktwirtschaft in Europa", so Eva Glawischnig, Bundessprecherin der österreichischen Grünen. In Österreich wird befürchtet, dass andere Atomprojekte, etwa der Ausbau des benachbarten tschechischen AKWs Temelín, mit der Entscheidung zu Hinkley Point C begründet werden.

In Deutschland schmetterte die Große Koalition aus CDU, CSU und SPD vor wenigen Tagen einen Antrag der Grünen ab, sich der Nichtigkeitsklage Österreichs anzuschließen. Gegen den Vorstoß stimmte auch Umweltministerin Barbara Hendriks (SPD), die sich zuvor noch kritisch gegenüber den englischen Atomplänen geäußert hatte. Lediglich der CSU-Abgeordnete Josef Göppel enthielt sich im Lager der Regierungskoalition der Stimme.

Hintergrund

Die scheidende EU-Kommission genehmigte am 8. Oktober auf Betreiben des Wettbewerbs-Kommissars, des spanischen Sozialdemokraten Joaquín Almunia, mit 16 zu 11 Stimmen Subventionen für das geplante britische AKW Hinkley Point. Für den ersten AKW-Neubau seit 20 Jahren in GB garantiert die britische Regierung dem französischen Energiekonzern EDF als Investor 35 Jahre lang einen Abnahmepreis von umgerechnet 112 Euro (plus Inflationsausgleich) je Megawattstunde Atomstrom – fast das Doppelte des aktuellen Marktpreises. Das Subventionsgeschenk macht klar, dass AKWs auch 60 Jahre nach Markteinführung unwirtschaftlich sind. Im Kontext-Interview hatte der scheidende EU-Energiekommissar Günther Oettinger gesagt, er sehe "die englischen Zubaupläne sehr kritisch". Überliefert ist eine weitere Aussage Oettingers zu den englischen Atomsubventionen: "Sowjetisch."


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Kommentare

Horcice nad Labem, 29.10.2014 21:25
Der Reaktor OL3 in Finnland - der erste EPR- kostet nach mir vorliegenden Informationen momentan ca. 11 Mrd EUR, und wird wohl bauseitig nicht vor 2017 fertig, dann noch 1 Jahr Inbetriebnahme. Wenn man Areva kennt, und weiß dass bisher noch jeder der selbst erstellten Terminpläne nicht eingehalten worden ist, so wird sich das wohl auch nicht ganz halten lassen.. Ich denke, dass in den französischen Staatskonzernen einfach Idiotie und Karrieretum herrscht; Know how kommt nur schwer weiter.

Schwabe, 28.10.2014 16:50
Ich bin für alle Maßnahmen offen die unsere gewählten Volksvertreter nach der Wahl dazu zwingen (überlassen kann man es ihnen nicht) die ihnen von den Wählern übertragene Macht nicht für ihre Karriere zu missbrauchen sondern im Sinne des Allgemeinwohls einzubringen (was sich momentan gegenseitig ausschließt). Das heißt m.E. aber gleichzeitig das der einzelne keiner Partei- oder Staatsräson ausgesetzt sein darf (Stichwort Lobbyismus) welche einzuhalten Voraussetzung dafür ist, dass der Politiker beruflich eine Perspektive hat.
Wenn die Abschaffung der Listen dem dient (was ich mir zu beurteilen nicht zutraue) bin ich bei Ihnen.

Stephan Becker, 28.10.2014 12:16
@Schwabe

Was Gregor Gysi, Bernd Riexinger, Katja Kipping, Petra Pau und andere in den letzten Jahren von sich gegeben haben, ganz ohne Fraktions- oder Koalitionszwang, bestätigt genau das, was ich Ihnen durch meine Zitate aufzeigen wollte.

Ist es Fraktions- oder Koalitionszwang gewesen, dass die wirklich linke Sarah Wagenknecht nur noch in der zweiten Reihe agiert?

Die Grünen waren mal pazifistisch und umweltbewusst. Und heute? Ich sage nur Stuttgart 21 und Kosovo-Krieg mit grüner Unterstützung. Die Ex-Grüne Jutta Ditfurth hat zu diesem Wandel der Grünen ein interessantes Buch verfasst.

In der Politik geht es immer und vor allem um Macht, nicht um Moral, egal was dahingehend aus der Politik für Äußerungen gemacht oder Veranstaltungen durchgeführt werden (ich war mehrere Jahr Mitglied in der JU, das hat mir gereicht).

Viel wichtiger als eine bestimmte Partei wäre die Abschaffung der Listen bei Bundes- und Landtagswahlen, damit die Abgeordneten sich wirklich für die Menschen vor Ort und weniger für ihre Parteigranden einsetzen.

Schwabe, 28.10.2014 09:08
@Stephan Becker
Wenn ich von massenhaft und alleiniger Mehrheit spreche meine ich keine Koalitionen wie in Berlin. Sie sollten aufmerksamer lesen wenn Sie einen Kommentar kritisieren - siehe u.a. mein letzter Absatz.

Stephan Becker, 28.10.2014 07:20
@Schwabe
"Würde "Die Linke" JETZT und damit meine ich bei der nächsten Bundestagswahl (nicht bei der übernächsten) MASSENHAFT gewählt werden (und das müsste die alleinige Mehrheit sein) würde sich für die Menschen in Deutschland sprich für das Allgemeinwohl vieles verbessern (Gesundheit, Energie, ÖPNV, Bildung, Wohnen, Ernährung). Es käme auf einen Versuch an."

Diesen Versuch kann man sich getrost schenken:

Berliner Wohnungspolitik: Teil 2 – Die rot-rote Koalition
(Dieser Artikel ist ursprünglich im MieterEcho Nr. 335 (August 2009) erschienen.)
Die Wahlen im Jahr 2002 brachten eine Mehrheit für eine rot-rote Koalition. Die neoliberale Politik der 90er Jahre, für die Strieder, Fugmann-Heesing u. Co. standen, war damit jedoch keineswegs beendet. Im Gegenteil, sie wurde von der noch immer die Geschäfte dieser Stadt verwaltenden rot-roten Koalition ungebrochen und viel effizienter, weil nun auch ohne Opposition, fortgesetzt.

Deutschland ist das einzige Land, das seine öffentlichen Wohnungsbestände an Finanzinvestoren verkauft hat. Die rot-rote Koalition stellt die Landesregierung, die den Rekord im Verkauf von landeseigenen Wohnungen hält und zugleich am wenigsten deswegen ins Gerede gekommen ist.
http://www.bmgev.de/politik/wohnungspolitik/berliner-wohnungspolitik-die-rot-rote-koalition.html

Im Land Brandenburg ist die Linke auch an der Macht und was passiert:

Rot-Rot stimmt weiterem Tagebau zu: Die Linke sinkt in der Brandenburger Wählergunst
02.06.2014
http://www.berliner-zeitung.de/brandenburg/rot-rot-stimmt-weiterem-tagebau-zu-die-linke-sinkt-in-der-brandenburger-waehlergunst,10809312,27328968.html

Geld verdirbt bekanntlich den Charakter und bei Macht ist es genau das Gleiche. Unser Kreuz können wir nur alle vier Jahre machen, aber wem wir unser Geld (und damit ein Teil unserer Macht) (ab)geben, können wir täglich frei entscheiden - da haben wir wirklich die Wahl.

tillupp, 27.10.2014 14:22
Dem Fraktionszwang in den Landesparlamenten und im Bundestag ist es geschuldet, dass das Parlament die Regierung nicht kontrolliert, bzw. dass wenige Personen an den Schlüsselstellen (Minister, Ministerpräsidenten, Kanzlerin etc.) im kleinen Kreis verabreden können was die Parlamente schließlich durchwinken. Würde man den Fraktionszwang abschaffen würde bei Abstimmungen vielleicht auch mal ein guter Vorschlag der Opposition angenommen. So aber gönnt man dem politischen Gegner nicht die Butter auf dem Brot und stimmt wg. Fraktionszwang ohne nachzudenken für was eigenes schlechtes statt für gute Vorschläge der Opposition. In Bezug auf die Wahlmüdigkeit sind die Parlamente also auch ein Spiegel unserer Gesellschaft.

Schwabe, 25.10.2014 15:19
Leider habe ich bezüglich einem schnellen kritischeren "kollektiven Bewußtsein" auch keinen Masterplan Frau Rath - schön wärs!
Genau wie Sie bin ich mir aufgrund der herrschenden (politischen) Verhältnisse in diesem Land darüber bewußt, dass dies ein wünschenswertes - jedoch wenn überhaupt - nur ein mühsam zu erreichendes Ziel ist.
Ich persönlich versuche mit meinen eingeschränkten und bescheidenen Mittel zumindest einen kleinen Beitrag hierzu zu leisten.
Diese beschränken sich i.d.R. darauf, so viel Menschen wie möglich auf kritische Websites aufmerksam zu machen (z.B. Kontext, NachdenkSeiten, Campact, etc.). Weiter bin ich bemüht die (mittlerweile ausschließlich) von Finanzinteressen geleiteten Machenschaften und Manipulationen unserer egoistischen Machteliten in Wirtschaft, Politik und Medien aufzudecken, da diese im Gegensatz zu einer anständigen öffentlichen Daseinsfürsorge stehen. Hierzu versuche ich einfache Worte für scheinbar komplexe Zusammenhänge zu finden, denen bei genauerer, kritischerer Betrachtung nur persönliche Finanz-/Karriereinteressen unserer Machteliten zugrunde liegen.
Sie schreiben z.B. zurecht (sinngemäß), dass insbesondere unsere Eliten ihre Macht nicht hergeben und mit allen Mitteln verteidigen - "wer gibt schon gerne Macht ab"?! Ich behaupte, dass einer solchen Suggestivfrage die meisten Menschen - egal wie hart sie arbeiten und wie wenig sie verdienen - zustimmen, ohne kritisch/differenziert darüber nachzudenken. Dabei liegt eine Antwort, wenn auch eine wahrscheinlich unerwartete - sehr nahe. Nämlich "Wir" - wir als Wähler und Wählerinnen geben anscheinend gerne Macht ab!
Denn in der heutigen Zeit, steht den zu wählenden Politikern ihre persönliche Karriere an erster Stelle. Die wiederum steht oder fällt ausschließlich mit der Unterwerfung hin zur Partei-/Staatsräson (den Staatszielen) und nicht mit den Bedürfnissen der Wähler/Innen. Die Partei-/Staatsräson wiederum ist von Lobbyisten maßgeblich beeinflußt sind. Das bedeutet für Wahlberechtigte wählen (insbesondere auch nicht wählen) das abgeben von Macht - und zwar ausschließlich zu seinem Nachteil!
Die gwählte Partei bzw. der gewählte Politiker nimmt sich (aus persönlichen Karrieregründen) nach der Wahl skrupellos jedes Recht heraus Entscheidungen zu treffen die sicherlich nicht im Interesse der Wähler sind die ihn gewählt haben - und zwar mit dem Verweis auf die demokratischen Wahlen (demokratisch legitimiert)!

Vor der Wahl buhlen die Parteien/Politiker um uns und nach der Wahl entmündigen Sie uns zu ihrem persönlichen (Karriere)Vorteil! Bestes Beispiel sind Kostenexplosionen die der Steuerzahler schultert, bestimmt durch die gewählten kapital- und karriereorientierten Parteien/Politiker.
Bürgerliche, sprich kapitalorientierte Politik läßt grüßen!

Im Gegensatz zu Ihnen glaube ich persönlich jedoch daran, dass (noch) nicht alle Parteien gleich (stark) versaut sind.
Würde "Die Linke" JETZT und damit meine ich bei der nächsten Bundestagswahl (nicht bei der übernächsten) MASSENHAFT gewählt werden (und das müsste die alleinige Mehrheit sein) würde sich für die Menschen in Deutschland sprich für das Allgemeinwohl vieles verbessern (Gesundheit, Energie, ÖPNV, Bildung, Wohnen, Ernährung). Es käme auf einen Versuch an.
Wer "Die Linke" mit der ehemaligen DDR bzw. deren stalinistischer Diktatur gleichsetzt weiß nicht von was er spricht und spaltet nur. Ein (demokratischer) Sozialismus orientiert sich in erster Linie an den Bedürfnissen der Menschen und nicht an Ausbeutung von Mensch und Umwelt und den Kapitalinteressen weniger Eliten!
Reibt sich "Die Linke" über kurz oder lang in Koalitionen auf, wird sie - und da gebe ich Ihnen Recht - enden wie die Grünen - als angepasste, sprich bürgerliche, am Kapital orientierte Einheitspartei! Deshalb JETZT!

CharlotteRath, 23.10.2014 15:53
@Schwabe:
Kollektives Bewusstsein, wie soll das entstehen?

Unsere Medienlandschaft ... oje, zum allergrößten Teil fallen deren Beiträge entweder unter Unterhaltung/Ablenkung oder unter Hofberichterstattung. Siehe auch Beiträge und Leserbriefe in Kontext zu dem Thema.

Die Gesetzgebung liegt in Deutschland in der Hand der Parlamente. Die mögen ja allerlei tun - aber von alleine ganz bestimmt nichts, was ihnen Rechenschaftpflichten oder gar dem einzelnen Parlamentarier Verantwortung zuschreiben würde. Ich wäre beispielsweise sehr dafür, dass Abgeordnete, die gegen ein Gutachten des jeweiligen Rechnungshofes (Bund, Länder) oder Rechnungsprüfungsamtes (Kommune) stimmen, mit ihrem persönlichen Vermögen für Fehlentscheidungen haftbar gemacht werden (es gibt ja Manager- und Vermögenshaftpflichtversicherungen, insofern träfe es sie nicht wirklich schwer).
Tatsächlich passiert aber das Gegenteil: Die Rechnungshöfe haben bald gar keine Kontrollfunktion mehr (oder nur noch hinterher), dürfen ihre Gutachten nicht mehr veröffentlichen oder werden via Parteibuch besetzt und auf Linie gebracht.
Aus denselben Gründen (wer gibt schon gerne Macht ab) sind in den letzten Jahrzehnten auch die Hürden für Bürger- und Volksentscheide kaum niedriger geworden.
Da sind sie alle, alle gleich, "unsere" Parteien.

Schwabe, 22.10.2014 19:03
Ich schließe mich dem Kommentar von CharlotteRatz vollumfänglich an. Doch warum funktioniert die Bevölkerung als "Anzapfquelle" so reibungslos (warum der Spruch "da kann man eh nichts machen?)?
Das ist ganz einfach! Wir die Bevölkerung bzw der deutsche Staat hält demokratische Wahlen ab. Mit diesen Wahlen werden die sogenannten "Volksvertreter" gewählt an die wir vertrauensvoll die Verantwortung abgeben (also auch über unser Geld (Steuergelder).
Stimmen diese Volksvertreter (evtl aus persönlichen Karrieregründen/Partei- oder Staatsräson) explosionsartigen Kostensteigerungen zu sind diese demokratisch legitimiert! Jeder der dies kritisch betrachtet ist schnell ein Antidemokrat und Fortschrittsverweigerer. Würde es um privates, persönliches Vermögen gehen würde die Entscheidung sicherlich anders ausfallen. Hier sollte das kollektive Bewusstsein geschärft werden.

Margit Dütsch, 22.10.2014 13:53
Was soll man dazu sagen? Wir als deutsche Nation sind mal wieder die Dummen, da Dank Adenauer immer noch Sklaven der ehemaligen Besatzer. USA ist ja immer noch präsent. Künstlich forsch aufgebaut mit, bis 89 in Pseudodemokratie gehalten, genau wie die US-Amerikaner selbst, gehen wir mit großen Schritten einem neuen Weltkrieg entgegen, der wohl mittels Kernkraft und Genpflanzen eine neue Zeit ohne viele gesunde Menschen erst mal erhalten soll.
Die Lebenden werden die Toten beneiden. So soll es auch sein.
Unmenschliche Irre haben das sagen. Und Feiglinge helfen ihnen. So in etwa hat es ein kluger Mann gesagt. Alles wahr.

tillupp, 22.10.2014 09:33
Und die Entsorgung des Atommülls ist auch noch nicht eingerechnet, genauso wenig wie der Rückbau des Atommeilers nach Ende der Laufzeit. Der Kostet wegen des Verstrahlten Baumaterials wahrscheinlich doppelt so viel wie der Aufbau. Da das AKW aber wahrscheinlich als unabhängige Ltd (GmbH) geführt wird, kann EDF diesen Firmenzweig dann einfach pleite gehen lassen. Die "Gewinn"-Ausschüttungen (bzw. Abzug der Subventionsüberschüsse) fanden ja in den Jahren davor schon statt. Immer das gleiche. Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert. Am Ende behaupten dann die Kapitalisten noch, dass Sozialismus nicht funktioniert. Hoffentlich kann Österreich mit der Klage noch was verhindern. Dank CETA und TTIP wird dann über eine amerikanisch/canadische Tochterfirma die EU vor einem Schiedsgericht zu Milliarden Pfund Gewinneinbußen verklagt. Ich sehe es schon kommen.

CharlotteRath, 22.10.2014 09:16
Das ist längst kein singulärer Fall mehr, nur ein etwas krasseres Beispiel dafür, wie wir Bürgerinnen und Bürger als Goldeselchen missbraucht werden (bzw. ein weiterer Hinweis auf die moderne Form der Sklavenhaltung - längst wird circa die Hälfte unserer Arbeitsleistung durch direkte oder indirekte Steuern abgeschöpft, ohne dass wir irgend einen nennenswerten Einfluss auf Mittelaufbringung oder Mittelverwendung öffentlicher Haushalte hätten).
Wolfgang J. Koschnick beschreibt das so: "Die repräsentativen Demokratien vertreten nicht mehr die Interessen ihrer Völker. ... Ihr politischer Apparat entfaltet eine Eigendynamik, bei der die Bevölkerung nur noch als Anzapfquelle taugt."
http://www.wallstreet-online.de/nachricht/7087672-meinung-geschmierte-pleitegeier

Jährlich werden Billiarden von Euro bzw. Dollar durch die öffentliche Hand mit Infrastruktur- und Hochbauprojekten "umgewälzt" - wen wundert es da, dass hier massives Lobbying betrieben wird bzw. Großprojekte fast durchweg teurer werden als zunächst kommuniziert?

So richtig spannend wird der Umgang mit öffentlichem Geld übrigens, wenn PPP und TIPP zueinander finden: In mehr als der Hälfte der Bauvorhaben werden Nachverhandlungen nötig (siehe beispielsweise hier: http://www.wip.tu-berlin.de/fileadmin/fg280/forschung/projekte/lvf_ppp/studie-leistungs-_und_verguetungsanpassungen_bei_ppp-projekten-v800final_01.02.2009.pdf). Und nun soll also auch noch auf Betreiben unserer "Mandatsträger" (? Hallo Herr Gabriel?) dank TIPP auch noch die Position der Kommunen und Länder gegenüber international agierenden Firmen geschwächt werden.

Übrigens auch mal einen kleinen Artikel wert wäre, was ist denn aus dem ehemaligen, milliardenschweren Bundeseigentum "Bahnnebenflächen" geworden ist. Als Einstiegshilfe:
http://www.aurelis-real-estate.com/unternehmen/historie/

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Ausgabe 269 / Ein Tunnel blamiert die Kanzlerin / Ansgar, 26.05.2016 10:58
Wieso baut denn die Bahn nicht den Tunnel und man tut immer so als sei das Aufgabe der Politik? Bei Stuttgart 21 wissen es alle Leute besser und machen einen Heidenlärm wegen einem kleinen Bahnhof. So kann Investition in Deutschland...

Ausgabe 269 / Ein Tunnel blamiert die Kanzlerin / Dr. Uwe Prutscher, 26.05.2016 10:54
GERMAN ENGINEERING - DAS ist nicht das Problem! Das Problem sind unsere gewählten Vertreter, die ohne Rückkopplung nach Gutsherrenart wissen, was für den tumben Pöbel, diesen unsäglichen Lümmel Volk, gut ist! Das noch größere...

Ausgabe 269 / Pressefotografen außer Gefecht / Fox, 26.05.2016 09:53
@ Rechtsanwalt a.D., 25.05.2016 07:06 : Ich gehe davon aus, dass gemeint ist, die Staatsanwaltschaft solle, auf Grund der der Festsetzung zugrundeliegenden Anschuldigungen, Klage gegen die Journalisten erheben.

Ausgabe 269 / Ein Tunnel blamiert die Kanzlerin / Blender, 25.05.2016 23:48
Wenn man beim Betonieren der Bodenplatte dran denkt, könnte man die Bahnsteigkante einebnen in dem man alle 5 Meter eine 7,5 cm Stufe einbaut, also auf die Bahnsteiglänge ca. 100- 150 possierliche Stufen. Für Rollstuhlfahrer wird die...

Ausgabe 269 / Ein Tunnel blamiert die Kanzlerin / Blender, 25.05.2016 23:19
In Mannheim hat die Bahn kürzlich festgestellt, dass die bestehenden Gleise nicht ausreichen weshalb ein zusätzlicher Bahnsteig oberirdisch gebaut werden soll. Sowas wird in Stuagart's Tiefschräghaltestelle nie und nimmer möglich sein.

Ausgabe 269 / Puzzlespiel Panama Papers / Statistiker, 25.05.2016 23:06
@Dr. Uwe Prutscher Wenn der Firmenname "Herrenknecht Tunnelling Services Panama Corp." eindeutig auf den Eigentümer verweist, spricht in diesem Fall nichts für ein "Geschäftsgebaren in der Grauzone des Halbdunkels", wie Sie...

Ausgabe 269 / Pressefotografen außer Gefecht / Jurist, 25.05.2016 22:56
Wie wärs denn mit einer Anzeige wegen Nötigung (§240 StGB) und Freiheitsberaubung (§239 StGB), erstmal gegen Unbekannt? Die Beamten welche die Festnahmen tätigten wird man ja sicher ausfindig machen können.

Ausgabe 269 / 31 026 Stimmen / Rolf Steiner, 25.05.2016 18:10
Immer dieselben Leutchen, die hinter realen Gründen und Entscheidungen eine Verschwörung wittern. Schon 2009 wurde publik, die „FPÖ schreibt offenbar an den Protokollen der Weisen von Bagdad“. Österreichs atheistische und...

Ausgabe 269 / Pressefotografen außer Gefecht / Rolf Steiner, 25.05.2016 17:32
Schön, dass wir den Erdogan haben - weil er ja die kurdischen Abgeordneten und die Journalisten auf dem Kiker hat. So fallen dabei die Ferkeleien, die in Deutschland passieren, nicht mehr auf.

Ausgabe 269 / Ein Tunnel blamiert die Kanzlerin / Contra-Müller, 25.05.2016 17:20
Ach ja? Zitat: "Und auch bei der NBS und S21 laufen alle Baustellen problemlos." Das ist aber dann seltsam - dann müßte ja eigentlich schon längst die Bodenplatte fertig sein, die wunderschönen weißen Lichtaugen-Kelche bereitstehen...

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