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Auch Hermann will Maut verzögern

Wenn es nach den Grünen geht, wird die Landesregierung gemeinsam mit Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz oder dem Saarland versuchen, die Einführung der PKW-Maut über den Bundesrat noch zu verzögern oder gar zu verhindern. Verkehrsminister Winne Hermann kündigte einen entsprechenden Vorstoß an. Er habe bereits im Verkehrsausschuss des Bundesrats Position bezogen und insbesondere kritisiert, dass "die Grenzregionen schwer tangiert sind, ausgerechnet in Zeiten, in denen wir den europäischen Geist betonen wollen". Die "Bürokratie-Maut" passe nicht in die Zeit. Außerdem würden Milliarden eingenommen, Milliarden an deutsche Autofahrer wieder zurückgegeben und "vielleicht bleiben ein paar Millionen übrig".

Saarland, Rheinland-Pfalz oder NRW wollen den Vermittlungsausschuss zwischen Bundesrat und Bundestag anrufen, nachdem letzterer die Maut am Freitag beschlossen hat. Das Gesetz ist allerdings nicht zustimmungspflichtig, weshalb die Einführung der Maut auf diesem Wege lediglich verzögert werden kann. Allerdings könnte Verzögerung am Ende auch das Scheitern bedeuten, weil womöglich nach der Bundestagswahl im September die Karten ganz neu gemischt werden, und die CSU bisher bekanntlich die einzige Partei ist, die die Maut wirklich will. (24.3.2017)


Aras legt sich mit Erdogan an

Die Stuttgarter Grünen-Abgeordnete und Landtagspräsidentin Muhterem Aras hat die deutschtürkische Community aufgefordert, sich mit dem Verfassungsreferendum am 16. April kritisch auseinanderzusetzen. Von den Imamen wünscht sich die Stimmenkönigin ihrer Partei bei den Landtagswahlen 2016, dass die "in den Freitagspredigten zu einem respektvollen und fairen Umgang miteinander aufrufen und die hier geltenden Werte von Meinungs-, Presse- und Religionsfreiheit entschieden weitergeben". Sie selber verzichte derzeit auf Reisen in die Türkei, "weil ich nicht weiß, ob ich mich dort frei bewegen könnte". Zugleich müssten sich Demokraten weigern, sich zu Feinden der Türkei machen zu lassen. Aras nutzte eine Landtagsdebatte zum 60. Geburstag der EU auch zu scharfer Krtik am türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, weil der "auf das Infamste" gebaute Brücken wieder einreißen und die Gesellschaft spalten wolle. Von den Vertretern AKP-naher Institutionen erwartet die Grüne eine öffentliche Distanzierung von den "die Opfer verhöhnenden Nazivorwürfen". Im Südwesten dürfen insgesamt rund 230 000 Türken am Referendum teilnehmen – und zwar vorab: Die Wahl beginnt bereits am 27. März und endet am 9. April. (22.3.2017)

Mehr zum Thema: "Meister der Feindbilder", "Unverschämt und dumm"


Stuttgart 21: Aktionsbündnis warnt Aufsichtsrat

Drei Tage vor einer Sitzung des DB-Aufsichtsrats verlangt das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 erneut eine "faktenehrliche Bestandsaufnahme". Sollte sich der Aufsichtsrat wieder um die Auseinandersetzung drücken oder gar unbeirrt den Weiterbau beschließen, so Eisenhart von Loeper, schädige er wider besseres Wissen das Vermögen der Deutschen Bahn AG. "Das würde", erklärt der Bündnissprecher weiter, "den Tatbestand der Untreue erfüllen." Eine strafrechtliche Aufarbeitung sei die Konsequenz; darauf habe das Bündnis zuletzt am 11. März 2017 den Aufsichtsrat per Brief hingewiesen.

Ihren Appell richten die Stuttgart-21-Gegner nicht nur an den Vorsitzenden des Aufsichtsrats Utz-Hellmuth Felcht, sondern auch an den designierten Vorstandsvorsitzenden Richard Lutz. Als erstes sei "eine Bestandsaufnahme der ungelösten Probleme und hohen Risiken notwendig, die sich an den Realitäten und nicht an den Gesichtswahrungsproblemen der politisch Verantwortlichen orientiert". Von Loeper argumentiert damit, dass sich das Projekt "jenseits aller wirtschaftlichen Rationalität bewegt", und mit dem weiter offenen Brandschutz. Außerdem solle der Aufsichtsrat "endlich zur Kenntnis nehmen, dass sich die DB mit S 21 einen Dauerengpass für viel Geld baut, der den Bahnverkehr behindert und den viel beschworenen Deutschlandtakt im Südwesten irreversibel unmöglich macht". Nach der Devise "Politik beginnt mit der Kenntnisnahme der Realität" will das Aktionsbündnis den neuen Bahnchef zu Gesprächen einladen, bei denen sie ihm auch die von der Bürgerbewegung entwickelten Alternativen zum Weiterbau erläutern wollen. Deren "ernsthafte Prüfung" wünscht sich nach einer repräsentativen Umfrage von infratest dimap in Baden-Württemberg sogar eine Mehrheit der Projektbefürworter. (19.3.2017)

Mehr zum Thema: "Bahnfeinde im Bahnvorstand"


IHK will nicht mehr gegen Kakteen polemisieren

Auch ein Vergleich kann ein Erfolg sein: Vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart akzeptierte die IHK Region Stuttgart die Feststellung, dass sie in der Vergangenheit mit Angriffen gegen die IHK-Rebellen der Kaktus-Initiative ihre Kompetenz überschritten hat. Stein des Anstoßes waren zwei IHK-Pressemitteilungen, in denen Hauptgeschäftsführer Andreas Richter gegen die Kakteen polemisiert habe, so Kaktus-Mitglied Klaus Steinke, der in der Folge Klage eingereicht hatte.

Konkret einigten sich die Streitparteien am heutigen Donnerstag, den 16. März, auf folgenden Vergleich: Die IHK Region Stuttgart erklärt, "dass ohne Beratung und Beschlussfassung durch die Vollversammlung keine weiteren öffentlichen Äußerungen der IHK und ihrer Organe über Binnenkonflikte, die keine wirtschaftspolitischen Positionen betreffen, abgegeben werden", und dass es den beiden strittigen Pressemitteilungen "an einer solchen Beratung und Beschlussfassung mangelte". Außerdem trägt die IHK trägt die Kosten des Verfahrens von 5000 Euro.

Für Steinke ist es "ein gutes Ergebnis, weil es die Transparenz innerhalb der IHK stärkt, und weil es deutlich die Frage artikuliert, was Geschäftsführer und Präsident dürfen und was nicht". Zwar wäre es, so Steinke, spannend gewesen, wenn das Gericht in einem Urteil Grundsatzregeln für die Öffentlichkeitsarbeit der IHK aufgestellt hätte. Aber er sei mit dem Vergleich zufrieden, "weil es mir in der Sache nicht darum geht, zu siegen, sondern eine Veränderung innerhalb der IHK zu bewirken". Zudem habe das Ergebnis, so hofft Steinke, auch "eine Signalwirkung auf andere IHKs".

Die Kaktus-Initiative, 2011 gegründet, kritisierte in den letzten Jahren immer wieder intransparente Wahlverfahren und die offizielle Pro-Haltung der IHK zu Stuttgart 21. (16.3.2017)

Mehr zum Thema: "Rebellen im Weinberghäusle" und "Die IHK wackelt nicht".


Afghanistan-Rückkehrer bekommt zweimonatiges Arbeitsvisum

Es ist ein kleines Wunder. Denn trotz der mannigfaltigen Unterstützung in den vergangenen Wochen, glaubten nicht viele seiner Freunde wirklich daran, dass der Zahnarzt Ahmad Shakib Pouya, der in einem französischen Krankenhaus in Herat gearbeitet hat, zurück in die Bundesrepublik kommen kann. Pouya war in seiner früheren Heimat von den Taliban bedroht, floh 2010 nach Deutschland. Hier war er einer der Hauptdarsteller in der vielbeachten Produktion der Mozart-Oper "Zaide" und hatte eine doppelte Zusage auf Festanstellung – vom Münchner Gärtnerplatztheater und der IG Metall. Dennoch wurde er zur Abschiebung vorgesehen, weshalb er am 20. Januar 2017 ausreiste. Seither machten seine Unterstützer vom im Mai 2014 gegründeten Stuttgarter Verein "Zuflucht Kultur. Entweder. Oder. Frieden." bundesweit auf sein Schicksal aufmerksam. Auch mit einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), mit der Bitte um "ein Visum und ein langfristiges Bleiberecht als wertvoller Bürger unseres Landes".

Jetzt kam die gute Nachricht. Der 33-Jährige kann für zwei Monate zurück nach Deutschland. Mitausschlaggebend dürfte ein Schreiben von Georg Podt gewesen sein, dem Intendanten des kommunalen Münchner Kinder- und Jugendtheaters "Schauburg", der Pouya in einer Neuinszenierung von Rainer Werner Fassbinders "Angst essen Seele auf" als Hauptdarsteller besetzt hat. Die Proben sollen in der kommenden Woche beginnen, Premiere wird am 22. April sein. Mitte Mai läuft das Visum aus. Pouya will gemeinsam mit dem Verein die Zeit nutzen, um das angestrebte dauerhafte Bleiberecht zu bekommen. Die Chancen stehen angesichts der 2015 eigentlich gelockerten Regelungen gar nicht so schlecht. Allerdings werden die nach den Erkenntnissen von Pro Asyl oder dem Flüchtlingsrat viel zu selten von den Behörden angewandt.


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Ausgabe 186
Überm Kesselrand

Atomare Preisbombe

Von Jürgen Lessat
Datum: 22.10.2014
Die EU-Kommission billigt staatliche Milliardenbeihilfen für das britische Atomkraftwerk Hinkley Point C. Das Subventionsgeschenk wird "geschmückt" von einer heimlichen Kostenexplosion: Während der französische Staatskonzern EDF als Bauherr Baukosten von 20 Milliarden Euro nennt, rechnen Brüssel und London bereits mit über 30 Milliarden Euro. Erstaunlich ist, dass sich niemand am gewaltigen Preissprung stört. Selbst die Medien ignorieren ihn.

Wer im Supermarkt Camembert und Bordeaux auswählt, kann sich sicher sein, dass er an der Ladenkasse noch den gleichen Preis für die Gaumenfreuden bezahlt wie an Käsetheke und Weinregal ausgeschildert. Bei großen Bauvorhaben der öffentlichen Hand ist das anders. Zwischen Bestellen und Bezahlen explodieren gewöhnlich Kosten. Der Hauptstadtflughafen BER (1,7 auf ca. 5,4 Mrd. Euro), die Hamburger Elbphilharmonie (77 auf 789 Mill. Euro), der tiefergelegte Stuttgarter Hauptbahnhof (2,45 Mrd. auf derzeit bis zu 6,5 Mrd. Euro) sind leuchtende Beispiele, wie sich hierzulande die Preise von Großprojekten während der Planungs- und Bauzeit verselbstständigen. Vervielfachungen sind nichts Außergewöhnliches – und bleiben üblicherweise ohne Konsequenzen für die Verantwortlichen. Schließlich sind die Steuerzahler Gesamtschuldner.

Auch wenn bei den genannten Projekten die Preise zusammengenommen um rund 8,5 Milliarden Euro gegenüber den anfänglich genannten Kosten explodierten – gute Chancen, als inflationärstes Großprojekt der Gegenwartsgeschichte zu enden, hat ein anderes Vorhaben: Hinkley Point C. Der erste Neubau eines Atomkraftwerks seit fast 20 Jahren in Großbritannien hat sich bislang auf einen Schlag um mehr als zehn Milliarden Euro verteuert. Und dies innerhalb weniger Monate. Nach neuesten Angaben werden die Baukosten für die zwei Druckreaktoren des neuartigen EPR-Typs (Europäischer Druckwasserreaktor) an einem malerischen Küstenstreifen der Grafschaft Somerset auf 24,5 Milliarden britische Pfund (GBP) geschätzt. Nach aktuellem Wechselkurs sind das knapp 31 Milliarden Euro.

Idyllischer Küstenstreifen: AKW-Standort Hinkley Point in der Grafschaft Somerset. Foto: Richard Baker
Idyllischer Küstenstreifen: AKW-Standort Hinkley Point in der Grafschaft Somerset. Foto: Richard Baker

Die Zahlen stammen aus einer absolut vertrauenswürdigen Quelle, nämlich von der EU-Kommission. Am 8. Oktober veröffentlichte sie ihre Entscheidung, wonach die Subventionspläne des Vereinigten Königreichs zur Förderung von Bau und Betrieb des neuen Kernkraftwerks mit EU-Beihilferecht vereinbar sind. Der Brüsseler Bescheid enthält neben den geschätzten Baukosten weitere aufschlussreiche Angaben. Demnach wird sich das "Gesamtkapital auf ungefähr 34 Mrd. GBP (rund 43 Mrd. Euro) belaufen". Zu Deutsch: Wenn's dumm läuft, können die zwei Atommeiler auch doppelt so viel wie angenommen bis zur geplanten Fertigstellung im Jahr 2023 kosten.

Vor einem Jahr kostete der Neubau noch 14 Milliarden Pfund

Für Kenner der Hinkley-Pläne sind die jüngsten Einlassungen der EU-Kommission eine faustdicke Überraschung. Denn bisher war der vom französischen Staatskonzern Électricité de France (EDF) geplante AKW-Neubau weitaus günstiger zu haben. Auf einer Konferenz am 21. Oktober vergangenen Jahres feierten der britische Premier David Cameron und EDF-Chef Henri Proglio die Verständigung auf die staatlichen Subventionsmaßnahmen, dank derer sich der eigentlich unwirtschaftliche AKW-Neubau für den Erbauer und späteren Betreiber EDF doch noch rechnet. In den offiziellen Statements und Unterlagen wurden auch die "erwarteten" Investments zum Preisstand des Jahres 2012 genannt, nämlich 14 Milliarden britische Pfund (17,7 Milliarden Euro) als Baukosten. Im Original: "The construction cost of the two nuclear power units at Hinkley Point, expressed in 2012 money, is expected to be £14bn." Zusätzlich veranschlagten Cameron und Proglio "andere Kosten" in Höhe von zwei Milliarden Pfund (2,5 Milliarden Euro), unter anderem für Landerwerb, Gebühren und die Schulung der 900-köpfigen AKW-Betreibermannschaft. Summa summarum kamen britischer Premier und französischer Konzernboss zum gleichen Ergebnis, nämlich dass Hinkley Point C bis zur Inbetriebnahme "ungefähr 16 Milliarden Pfund" (Preisstand 2012) kosten werde ("This means that the total costs to first operation are expected to be close to £16bn, expressed in 2012 money").

AKW-Preisschild auf EDF-Homepage: 16 Milliarden Pfund. Screenshot
AKW-Preisschild auf EDF-Homepage: 16 Milliarden Pfund. Screenshot

Auf dem englischsprachigen EDF-Portal im Internet wird das AKW-Projekt – Slogan: "An opportunity to power the future" – bis heute weiter zum "Schnäppchenpreis" beworben. Der örtlichen englischen Bauwirtschaft wird unter anderem in Aussicht gestellt, an einem Teil der 16 Milliarden Pfund teuren Investition zu verdienen. Über einen Link lassen sich nähere Informationen zum genau bezifferten Milliardenprojekt herunterladen. Auf Kontext-Nachfrage in der vergangenen Woche in der EDF-Konzernzentrale in Paris beharrt Électricité de France auf dieser Summe: "Die exakten Kosten für den Bau der beiden Reaktoren betragen 16 Milliarden Pfund bzw. 19 Milliarden Euro". Und betont: "Es ist exakt der gleiche Betrag wie vor einem Jahr genannt. Die Kosten haben sich nicht geändert."

Trotzdem ist der extreme Preissprung der Öffentlichkeit bislang kaum aufgefallen. Sämtliche Medien, die in den vergangenen Tagen über die Beihilfe-Entscheidung der EU-Kommission berichteten, nannten ungeprüft und unkommentiert 24,5 Milliarden Pfund als Baukosten. Selbst der britische "Guardian", der im vergangenen Herbst in einem kritischen Beitrag die damals genannten Baukosten von 16 Milliarden Pfund angezweifelt hatte, verschlief die widersprüchliche Kostenexplosion.

Bereits stillgelegt: die zwei Reaktoren von Hinkley Point A. Foto: Mark Robinson
Bereits stillgelegt: die zwei Reaktoren von Hinkley Point A. Foto: Mark Robinson

Warum schlägt der Bau des englischen Atomkraftwerks dann nur aus Brüsseler Sicht um rund die Hälfte mehr zu Buche? Auf Nachfrage bei der Vertretung der EU-Kommission in Berlin verweist deren Sprecher nach London: "Die Zahlen zu Bau- und Investitionskosten wurden der Kommission im Rahmen des Beihilfe-Prüfverfahrens von der britischen Regierung mitgeteilt." Ein Anruf in London bestätigt dies. "Die von der EU veröffentlichten Zahlen entsprechen den aktuellen Baukosten", sagt der Sprecher des zuständigen Department of Energy and Climate Change. Demnach wurden die zum Jahr 2012 errechneten Kosten um die bis heute aufgelaufenen Baupreissteigerungen nach oben korrigiert. Dies klingt wenig glaubwürdig, da die jährliche Inflation dann bei rund 25 Prozent liegen müsste. Eine andere Vermutung für den gigantischen Preissprung hat der Sprecher der EU-Kommission in Berlin parat: Wie bei Großprojekten üblich, sei wohl auch Hinkley Point C zunächst "billiger" gerechnet worden.

Neue Reaktortechnik noch nirgends in Betrieb

Die englischen Steuerzahler dürfen sich auf weitere Kostenexplosionen gefasst machen. Denn das Kernkraftwerk Hinkley Point wird die bisher noch nirgendwo in der Welt eingesetzte EPR-Technologie nutzen. Derzeit sind nur drei Projekte weltweit in Bau, die auf der Technik des Europäischen Druckwasserreaktors beruhen werden: in Frankreich, Finnland und China. Das finnische EPR-Atomkraftwerk Olkiluoto 3 machte erst vor Kurzem wieder Schlagzeilen: Anfang September gaben die Zulieferer Areva und Siemens bekannt, dass der Reaktor erst 2016 fertiggestellt werden kann. Grund für die Verzögerungen sind Probleme mit den Instrumenten und dem Kontrollsystem. Strom liefern soll der fünfte finnische Atomreaktor, an dem seit 2005 gebaut wird, deshalb nicht vor Ende 2018. Zahlreiche Pannen und Probleme verzögerten und verteuerten das Projekt enorm. Der Bau stockte auch wegen juristischer Streitigkeiten zwischen Baufirmen und Betreiber. Ursprünglich sollte das 1600-Megawatt-Kraftwerk bereits im Jahr 2009 ans Netz gehen und schlüsselfertig etwa drei Milliarden Euro kosten. Im Oktober 2011 wurden die Baukosten auf 6,6 Milliarden Euro prognostiziert. Inzwischen ist Olkiluoto 3 ein Verlustbringer.

Kinderaugen und intakte Natur: Titelseiten von EDF-Werbebroschüren für Hinkley Point C. Screenshots
Kinderaugen und intakte Natur: Titelseiten von EDF-Werbebroschüren für Hinkley Point C. Screenshots

Durch die weiteren Verzögerungen sollen laut dem französischen Atomkonzern Areva zwar keine zusätzlichen Kosten entstehen, mittlerweile belaufen sich die Verluste aber schon auf 3,9 Milliarden Euro. Auch Siemens, Lieferant des nicht nuklearen Turbinenteils, musste bereits dreistellige Millionenbeträge auf den geplanten Bau abschreiben. Olkiluoto ist für Siemens das letzte AKW-Projekt, nach dem Reaktorunglück im japanischen Fukushima hatte der Münchener Technologiekonzern sich aus der Atomsparte zurückgezogen.

Eventuell bleibt den Briten ein ähnliches Atomschicksal erspart. Die österreichische Regierung hat angekündigt, gegen den Beihilfe-Bescheid für die englischen EPR-Reaktoren zu klagen. Am Abend der Bekanntgabe der EU-Entscheidung billigte der Umweltausschuss des österreichischen Parlaments einstimmig den Antrag der Grünen auf Nichtigkeitsklage vor dem Europäischen Gerichtshof. "Die Entscheidung, der Atomkraft in Europa mit einer Beihilfe von 20 Milliarden Euro unter die Arme greifen zu wollen, ist ein fatales energiepolitisches Signal. Mit diesem strahlenden Abschiedsgeschenk an die Atomlobby verabschiedet sich die scheidende EU-Kommission auch von der Marktwirtschaft in Europa", so Eva Glawischnig, Bundessprecherin der österreichischen Grünen. In Österreich wird befürchtet, dass andere Atomprojekte, etwa der Ausbau des benachbarten tschechischen AKWs Temelín, mit der Entscheidung zu Hinkley Point C begründet werden.

In Deutschland schmetterte die Große Koalition aus CDU, CSU und SPD vor wenigen Tagen einen Antrag der Grünen ab, sich der Nichtigkeitsklage Österreichs anzuschließen. Gegen den Vorstoß stimmte auch Umweltministerin Barbara Hendriks (SPD), die sich zuvor noch kritisch gegenüber den englischen Atomplänen geäußert hatte. Lediglich der CSU-Abgeordnete Josef Göppel enthielt sich im Lager der Regierungskoalition der Stimme.

Hintergrund

Die scheidende EU-Kommission genehmigte am 8. Oktober auf Betreiben des Wettbewerbs-Kommissars, des spanischen Sozialdemokraten Joaquín Almunia, mit 16 zu 11 Stimmen Subventionen für das geplante britische AKW Hinkley Point. Für den ersten AKW-Neubau seit 20 Jahren in GB garantiert die britische Regierung dem französischen Energiekonzern EDF als Investor 35 Jahre lang einen Abnahmepreis von umgerechnet 112 Euro (plus Inflationsausgleich) je Megawattstunde Atomstrom – fast das Doppelte des aktuellen Marktpreises. Das Subventionsgeschenk macht klar, dass AKWs auch 60 Jahre nach Markteinführung unwirtschaftlich sind. Im Kontext-Interview hatte der scheidende EU-Energiekommissar Günther Oettinger gesagt, er sehe "die englischen Zubaupläne sehr kritisch". Überliefert ist eine weitere Aussage Oettingers zu den englischen Atomsubventionen: "Sowjetisch."


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Kommentare

Horcice nad Labem, 29.10.2014 21:25
Der Reaktor OL3 in Finnland - der erste EPR- kostet nach mir vorliegenden Informationen momentan ca. 11 Mrd EUR, und wird wohl bauseitig nicht vor 2017 fertig, dann noch 1 Jahr Inbetriebnahme. Wenn man Areva kennt, und weiß dass bisher noch jeder der selbst erstellten Terminpläne nicht eingehalten worden ist, so wird sich das wohl auch nicht ganz halten lassen.. Ich denke, dass in den französischen Staatskonzernen einfach Idiotie und Karrieretum herrscht; Know how kommt nur schwer weiter.

Schwabe, 28.10.2014 16:50
Ich bin für alle Maßnahmen offen die unsere gewählten Volksvertreter nach der Wahl dazu zwingen (überlassen kann man es ihnen nicht) die ihnen von den Wählern übertragene Macht nicht für ihre Karriere zu missbrauchen sondern im Sinne des Allgemeinwohls einzubringen (was sich momentan gegenseitig ausschließt). Das heißt m.E. aber gleichzeitig das der einzelne keiner Partei- oder Staatsräson ausgesetzt sein darf (Stichwort Lobbyismus) welche einzuhalten Voraussetzung dafür ist, dass der Politiker beruflich eine Perspektive hat.
Wenn die Abschaffung der Listen dem dient (was ich mir zu beurteilen nicht zutraue) bin ich bei Ihnen.

Stephan Becker, 28.10.2014 12:16
@Schwabe

Was Gregor Gysi, Bernd Riexinger, Katja Kipping, Petra Pau und andere in den letzten Jahren von sich gegeben haben, ganz ohne Fraktions- oder Koalitionszwang, bestätigt genau das, was ich Ihnen durch meine Zitate aufzeigen wollte.

Ist es Fraktions- oder Koalitionszwang gewesen, dass die wirklich linke Sarah Wagenknecht nur noch in der zweiten Reihe agiert?

Die Grünen waren mal pazifistisch und umweltbewusst. Und heute? Ich sage nur Stuttgart 21 und Kosovo-Krieg mit grüner Unterstützung. Die Ex-Grüne Jutta Ditfurth hat zu diesem Wandel der Grünen ein interessantes Buch verfasst.

In der Politik geht es immer und vor allem um Macht, nicht um Moral, egal was dahingehend aus der Politik für Äußerungen gemacht oder Veranstaltungen durchgeführt werden (ich war mehrere Jahr Mitglied in der JU, das hat mir gereicht).

Viel wichtiger als eine bestimmte Partei wäre die Abschaffung der Listen bei Bundes- und Landtagswahlen, damit die Abgeordneten sich wirklich für die Menschen vor Ort und weniger für ihre Parteigranden einsetzen.

Schwabe, 28.10.2014 09:08
@Stephan Becker
Wenn ich von massenhaft und alleiniger Mehrheit spreche meine ich keine Koalitionen wie in Berlin. Sie sollten aufmerksamer lesen wenn Sie einen Kommentar kritisieren - siehe u.a. mein letzter Absatz.

Stephan Becker, 28.10.2014 07:20
@Schwabe
"Würde "Die Linke" JETZT und damit meine ich bei der nächsten Bundestagswahl (nicht bei der übernächsten) MASSENHAFT gewählt werden (und das müsste die alleinige Mehrheit sein) würde sich für die Menschen in Deutschland sprich für das Allgemeinwohl vieles verbessern (Gesundheit, Energie, ÖPNV, Bildung, Wohnen, Ernährung). Es käme auf einen Versuch an."

Diesen Versuch kann man sich getrost schenken:

Berliner Wohnungspolitik: Teil 2 – Die rot-rote Koalition
(Dieser Artikel ist ursprünglich im MieterEcho Nr. 335 (August 2009) erschienen.)
Die Wahlen im Jahr 2002 brachten eine Mehrheit für eine rot-rote Koalition. Die neoliberale Politik der 90er Jahre, für die Strieder, Fugmann-Heesing u. Co. standen, war damit jedoch keineswegs beendet. Im Gegenteil, sie wurde von der noch immer die Geschäfte dieser Stadt verwaltenden rot-roten Koalition ungebrochen und viel effizienter, weil nun auch ohne Opposition, fortgesetzt.

Deutschland ist das einzige Land, das seine öffentlichen Wohnungsbestände an Finanzinvestoren verkauft hat. Die rot-rote Koalition stellt die Landesregierung, die den Rekord im Verkauf von landeseigenen Wohnungen hält und zugleich am wenigsten deswegen ins Gerede gekommen ist.
http://www.bmgev.de/politik/wohnungspolitik/berliner-wohnungspolitik-die-rot-rote-koalition.html

Im Land Brandenburg ist die Linke auch an der Macht und was passiert:

Rot-Rot stimmt weiterem Tagebau zu: Die Linke sinkt in der Brandenburger Wählergunst
02.06.2014
http://www.berliner-zeitung.de/brandenburg/rot-rot-stimmt-weiterem-tagebau-zu-die-linke-sinkt-in-der-brandenburger-waehlergunst,10809312,27328968.html

Geld verdirbt bekanntlich den Charakter und bei Macht ist es genau das Gleiche. Unser Kreuz können wir nur alle vier Jahre machen, aber wem wir unser Geld (und damit ein Teil unserer Macht) (ab)geben, können wir täglich frei entscheiden - da haben wir wirklich die Wahl.

tillupp, 27.10.2014 14:22
Dem Fraktionszwang in den Landesparlamenten und im Bundestag ist es geschuldet, dass das Parlament die Regierung nicht kontrolliert, bzw. dass wenige Personen an den Schlüsselstellen (Minister, Ministerpräsidenten, Kanzlerin etc.) im kleinen Kreis verabreden können was die Parlamente schließlich durchwinken. Würde man den Fraktionszwang abschaffen würde bei Abstimmungen vielleicht auch mal ein guter Vorschlag der Opposition angenommen. So aber gönnt man dem politischen Gegner nicht die Butter auf dem Brot und stimmt wg. Fraktionszwang ohne nachzudenken für was eigenes schlechtes statt für gute Vorschläge der Opposition. In Bezug auf die Wahlmüdigkeit sind die Parlamente also auch ein Spiegel unserer Gesellschaft.

Schwabe, 25.10.2014 15:19
Leider habe ich bezüglich einem schnellen kritischeren "kollektiven Bewußtsein" auch keinen Masterplan Frau Rath - schön wärs!
Genau wie Sie bin ich mir aufgrund der herrschenden (politischen) Verhältnisse in diesem Land darüber bewußt, dass dies ein wünschenswertes - jedoch wenn überhaupt - nur ein mühsam zu erreichendes Ziel ist.
Ich persönlich versuche mit meinen eingeschränkten und bescheidenen Mittel zumindest einen kleinen Beitrag hierzu zu leisten.
Diese beschränken sich i.d.R. darauf, so viel Menschen wie möglich auf kritische Websites aufmerksam zu machen (z.B. Kontext, NachdenkSeiten, Campact, etc.). Weiter bin ich bemüht die (mittlerweile ausschließlich) von Finanzinteressen geleiteten Machenschaften und Manipulationen unserer egoistischen Machteliten in Wirtschaft, Politik und Medien aufzudecken, da diese im Gegensatz zu einer anständigen öffentlichen Daseinsfürsorge stehen. Hierzu versuche ich einfache Worte für scheinbar komplexe Zusammenhänge zu finden, denen bei genauerer, kritischerer Betrachtung nur persönliche Finanz-/Karriereinteressen unserer Machteliten zugrunde liegen.
Sie schreiben z.B. zurecht (sinngemäß), dass insbesondere unsere Eliten ihre Macht nicht hergeben und mit allen Mitteln verteidigen - "wer gibt schon gerne Macht ab"?! Ich behaupte, dass einer solchen Suggestivfrage die meisten Menschen - egal wie hart sie arbeiten und wie wenig sie verdienen - zustimmen, ohne kritisch/differenziert darüber nachzudenken. Dabei liegt eine Antwort, wenn auch eine wahrscheinlich unerwartete - sehr nahe. Nämlich "Wir" - wir als Wähler und Wählerinnen geben anscheinend gerne Macht ab!
Denn in der heutigen Zeit, steht den zu wählenden Politikern ihre persönliche Karriere an erster Stelle. Die wiederum steht oder fällt ausschließlich mit der Unterwerfung hin zur Partei-/Staatsräson (den Staatszielen) und nicht mit den Bedürfnissen der Wähler/Innen. Die Partei-/Staatsräson wiederum ist von Lobbyisten maßgeblich beeinflußt sind. Das bedeutet für Wahlberechtigte wählen (insbesondere auch nicht wählen) das abgeben von Macht - und zwar ausschließlich zu seinem Nachteil!
Die gwählte Partei bzw. der gewählte Politiker nimmt sich (aus persönlichen Karrieregründen) nach der Wahl skrupellos jedes Recht heraus Entscheidungen zu treffen die sicherlich nicht im Interesse der Wähler sind die ihn gewählt haben - und zwar mit dem Verweis auf die demokratischen Wahlen (demokratisch legitimiert)!

Vor der Wahl buhlen die Parteien/Politiker um uns und nach der Wahl entmündigen Sie uns zu ihrem persönlichen (Karriere)Vorteil! Bestes Beispiel sind Kostenexplosionen die der Steuerzahler schultert, bestimmt durch die gewählten kapital- und karriereorientierten Parteien/Politiker.
Bürgerliche, sprich kapitalorientierte Politik läßt grüßen!

Im Gegensatz zu Ihnen glaube ich persönlich jedoch daran, dass (noch) nicht alle Parteien gleich (stark) versaut sind.
Würde "Die Linke" JETZT und damit meine ich bei der nächsten Bundestagswahl (nicht bei der übernächsten) MASSENHAFT gewählt werden (und das müsste die alleinige Mehrheit sein) würde sich für die Menschen in Deutschland sprich für das Allgemeinwohl vieles verbessern (Gesundheit, Energie, ÖPNV, Bildung, Wohnen, Ernährung). Es käme auf einen Versuch an.
Wer "Die Linke" mit der ehemaligen DDR bzw. deren stalinistischer Diktatur gleichsetzt weiß nicht von was er spricht und spaltet nur. Ein (demokratischer) Sozialismus orientiert sich in erster Linie an den Bedürfnissen der Menschen und nicht an Ausbeutung von Mensch und Umwelt und den Kapitalinteressen weniger Eliten!
Reibt sich "Die Linke" über kurz oder lang in Koalitionen auf, wird sie - und da gebe ich Ihnen Recht - enden wie die Grünen - als angepasste, sprich bürgerliche, am Kapital orientierte Einheitspartei! Deshalb JETZT!

CharlotteRath, 23.10.2014 15:53
@Schwabe:
Kollektives Bewusstsein, wie soll das entstehen?

Unsere Medienlandschaft ... oje, zum allergrößten Teil fallen deren Beiträge entweder unter Unterhaltung/Ablenkung oder unter Hofberichterstattung. Siehe auch Beiträge und Leserbriefe in Kontext zu dem Thema.

Die Gesetzgebung liegt in Deutschland in der Hand der Parlamente. Die mögen ja allerlei tun - aber von alleine ganz bestimmt nichts, was ihnen Rechenschaftpflichten oder gar dem einzelnen Parlamentarier Verantwortung zuschreiben würde. Ich wäre beispielsweise sehr dafür, dass Abgeordnete, die gegen ein Gutachten des jeweiligen Rechnungshofes (Bund, Länder) oder Rechnungsprüfungsamtes (Kommune) stimmen, mit ihrem persönlichen Vermögen für Fehlentscheidungen haftbar gemacht werden (es gibt ja Manager- und Vermögenshaftpflichtversicherungen, insofern träfe es sie nicht wirklich schwer).
Tatsächlich passiert aber das Gegenteil: Die Rechnungshöfe haben bald gar keine Kontrollfunktion mehr (oder nur noch hinterher), dürfen ihre Gutachten nicht mehr veröffentlichen oder werden via Parteibuch besetzt und auf Linie gebracht.
Aus denselben Gründen (wer gibt schon gerne Macht ab) sind in den letzten Jahrzehnten auch die Hürden für Bürger- und Volksentscheide kaum niedriger geworden.
Da sind sie alle, alle gleich, "unsere" Parteien.

Schwabe, 22.10.2014 19:03
Ich schließe mich dem Kommentar von CharlotteRatz vollumfänglich an. Doch warum funktioniert die Bevölkerung als "Anzapfquelle" so reibungslos (warum der Spruch "da kann man eh nichts machen?)?
Das ist ganz einfach! Wir die Bevölkerung bzw der deutsche Staat hält demokratische Wahlen ab. Mit diesen Wahlen werden die sogenannten "Volksvertreter" gewählt an die wir vertrauensvoll die Verantwortung abgeben (also auch über unser Geld (Steuergelder).
Stimmen diese Volksvertreter (evtl aus persönlichen Karrieregründen/Partei- oder Staatsräson) explosionsartigen Kostensteigerungen zu sind diese demokratisch legitimiert! Jeder der dies kritisch betrachtet ist schnell ein Antidemokrat und Fortschrittsverweigerer. Würde es um privates, persönliches Vermögen gehen würde die Entscheidung sicherlich anders ausfallen. Hier sollte das kollektive Bewusstsein geschärft werden.

Margit Dütsch, 22.10.2014 13:53
Was soll man dazu sagen? Wir als deutsche Nation sind mal wieder die Dummen, da Dank Adenauer immer noch Sklaven der ehemaligen Besatzer. USA ist ja immer noch präsent. Künstlich forsch aufgebaut mit, bis 89 in Pseudodemokratie gehalten, genau wie die US-Amerikaner selbst, gehen wir mit großen Schritten einem neuen Weltkrieg entgegen, der wohl mittels Kernkraft und Genpflanzen eine neue Zeit ohne viele gesunde Menschen erst mal erhalten soll.
Die Lebenden werden die Toten beneiden. So soll es auch sein.
Unmenschliche Irre haben das sagen. Und Feiglinge helfen ihnen. So in etwa hat es ein kluger Mann gesagt. Alles wahr.

tillupp, 22.10.2014 09:33
Und die Entsorgung des Atommülls ist auch noch nicht eingerechnet, genauso wenig wie der Rückbau des Atommeilers nach Ende der Laufzeit. Der Kostet wegen des Verstrahlten Baumaterials wahrscheinlich doppelt so viel wie der Aufbau. Da das AKW aber wahrscheinlich als unabhängige Ltd (GmbH) geführt wird, kann EDF diesen Firmenzweig dann einfach pleite gehen lassen. Die "Gewinn"-Ausschüttungen (bzw. Abzug der Subventionsüberschüsse) fanden ja in den Jahren davor schon statt. Immer das gleiche. Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert. Am Ende behaupten dann die Kapitalisten noch, dass Sozialismus nicht funktioniert. Hoffentlich kann Österreich mit der Klage noch was verhindern. Dank CETA und TTIP wird dann über eine amerikanisch/canadische Tochterfirma die EU vor einem Schiedsgericht zu Milliarden Pfund Gewinneinbußen verklagt. Ich sehe es schon kommen.

CharlotteRath, 22.10.2014 09:16
Das ist längst kein singulärer Fall mehr, nur ein etwas krasseres Beispiel dafür, wie wir Bürgerinnen und Bürger als Goldeselchen missbraucht werden (bzw. ein weiterer Hinweis auf die moderne Form der Sklavenhaltung - längst wird circa die Hälfte unserer Arbeitsleistung durch direkte oder indirekte Steuern abgeschöpft, ohne dass wir irgend einen nennenswerten Einfluss auf Mittelaufbringung oder Mittelverwendung öffentlicher Haushalte hätten).
Wolfgang J. Koschnick beschreibt das so: "Die repräsentativen Demokratien vertreten nicht mehr die Interessen ihrer Völker. ... Ihr politischer Apparat entfaltet eine Eigendynamik, bei der die Bevölkerung nur noch als Anzapfquelle taugt."
http://www.wallstreet-online.de/nachricht/7087672-meinung-geschmierte-pleitegeier

Jährlich werden Billiarden von Euro bzw. Dollar durch die öffentliche Hand mit Infrastruktur- und Hochbauprojekten "umgewälzt" - wen wundert es da, dass hier massives Lobbying betrieben wird bzw. Großprojekte fast durchweg teurer werden als zunächst kommuniziert?

So richtig spannend wird der Umgang mit öffentlichem Geld übrigens, wenn PPP und TIPP zueinander finden: In mehr als der Hälfte der Bauvorhaben werden Nachverhandlungen nötig (siehe beispielsweise hier: http://www.wip.tu-berlin.de/fileadmin/fg280/forschung/projekte/lvf_ppp/studie-leistungs-_und_verguetungsanpassungen_bei_ppp-projekten-v800final_01.02.2009.pdf). Und nun soll also auch noch auf Betreiben unserer "Mandatsträger" (? Hallo Herr Gabriel?) dank TIPP auch noch die Position der Kommunen und Länder gegenüber international agierenden Firmen geschwächt werden.

Übrigens auch mal einen kleinen Artikel wert wäre, was ist denn aus dem ehemaligen, milliardenschweren Bundeseigentum "Bahnnebenflächen" geworden ist. Als Einstiegshilfe:
http://www.aurelis-real-estate.com/unternehmen/historie/

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Ausgabe 311 / Blut und Hoden / brigitte gegner, 25.03.2017 14:43
ich bin froh über diese interessante, differenzierte und überzeugende darstellung. dank an rupert koppold, dass er seinen journalistischen auftrag so ernst nimmt.

Ausgabe 312 / Ächzen im Maschinenraum / Hertle, 25.03.2017 09:25
Der Artikel ist gut. Frage: warum kein Hinweis auf das Buch: "Das Ende der Megamaschine - Geschichte einer scheiternden Zivilisation"? Nicht alle wohn im Raum Stuttgart und können die Transformationstagung vom 24. bis 26. besuchen -...

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