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Ein Zeichen für Europa

Über Stuttgart wehen EU-Flaggen! Mit der Verkündung des amtlichen Endergebnisses der Volksabstimmung in Großbritainnien über den Austritt aus der EU werden auf der Villa Reitzenstein und dem Neuem Schloss in Stuttgart europäische Flaagen gehisst. Die grün-schwarze Koalition möchte damit ein Zeichen für Europa setzen. "Wir wollen unsere proeuropäische Haltung deutlich zeigen", so Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Die gehöre in Baden-Württemberg "zur Staatsräson". Als "überzeugten Europäer" treffe ihn die Entscheidung der Briten "ganz persönlich ins Mark". Europa sei in den Grundfesten erschüttert.


AfD-Fraktion schließt Gedeon vorerst nicht aus

Die Zerreißprobe in der "Alternative für Deutschland" (AfD) ist aufgeschoben. Ihr Bundesvorsitzender Jörg Meuthen, zugleich Chef der baden-württembergischen Landtagsfraktion, hatte am Dienstag jedenfalls keine erforderliche Zweidrittelmehrheit für den Ausschluss von Wolfgang Gedeon. Über die Äußerungen Gedeons, Anhänger der antisemitischen "Protokolle der Weisen von Zion", wird jetzt statt dessen ein Gutachten bei drei Fachleuten in Auftrag gegeben – von Religionswissenschaftlern ist die Rede, ein Experte soll jüdischen Glaubens sein –, um die von Meuten selbst erhobenen Antisemitismus-Vorwürfe gegen den Singener Mediziner zu überprüfen. Der lässt vorerst seine Mitgliedschaft in der Fraktion ruhen und wird im Plenarsaal auch einen neuen Platz erhalten.

Fraktionsgeschäftsführer Bernd Grimmer erklärte nach den dreistündigen Beratungen, die für einen Ausschluss notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit sei nicht klar gewesen und etwa ein Drittel der Abgeordneten nicht bereit gewesen, Meuthen zu folgen. Sie schätzten den Stellenwert von Meinungsfreiheit höher ein als den einer "politisch korrekten Ausdrucksweise". Sollte die Fraktion nach der Sommerpause und der Bewertung des Gutachtens abermals nicht bereit sein, dem von Meuthen seit Tagen vehement verlangten Antrag auf Ausschluss Gedeons zuzustimmen, bleibt der dabei, seinerseits die Fraktion verlassen zu wollen. Außerdem gibt es Gerüchte, dass eine Handvoll Abgeordneter Gedeon – im Falle seines Ausschlusses – nicht allein gehen lassen, sondern mit ihm aus der Fraktion ausscheiden wolle.

Nicht nur im Internet tobt seit Tagen eine heftige Auseinandersetzung über den künftigen Kurs der Partei, die sich zur Retterin Deutschlands ernannt hat. Meuthens Co-Vorsitzende auf Bundesebene Frauke Petry hat sich öffentlich gegen ihn gestellt, ist damit aber im Bundesvorstand isoliert. Zahlreiche Mitglieder des rechten Flügels verlangen von dem Kehler Wirtschaftsprofessor, von sich aus die AfD zu verlassen. "Die Bewegung muss sich von Volksverrätern wie Meuthen trennen", postet ein Thorsten Baeuml. Und weiter: "Linksversiffte Gutmenschen braucht die Bewegung nicht! Ein Krebsgeschwür wird auch entfernt, so lange es noch geht und Meuthen hat sich zur Selbstoperation verdonnert. Gut so!" Den Ausdruck "linksversifft" hatte Meuthen selbst vor Wochen benutzt, ihn allerdings auf die ganze Bundesrepublik bezogen.


S 21: BUND verlangt "Öffnung in Richtung Kombi-Lösung"

Der BUND Baden-Württemberg hat am Montag ein Positionspapier zu Stuttgart 21 vorgelegt, um "konstruktive Lösungen aus der Sackgasse" aufzuzeigen. Im Mittelpunkt steht der "Einstieg in eine Kombi-Lösung". Wie die Landesvorsitzende Brigitte Dahlbender erläutert, könnten damit "einerseits die Kosten und Risiken von Stuttgart 21 deutlich gesenkt und andererseits finanzielle Spielräume zur Realisierung eines tatsächlich zukunftsfähigen Bahnknotenpunkts gewonnen werden". Außerdem sieht das Konzept vor, auf den unterirdischen Flughafenbahnhof zu verzichten und stattdessen einen oberirdischen Halt beim Messeparkhaus zu errichten. Zudem soll die Gäubahn über die bestehende Panoramabahn oberirdisch in den Hauptbahnhof geführt werden und "die Zuführungsstrecken zum Hauptbahnhof und die Wendlinger Kurve sollen leistungsfähig ausgebaut werden".

Dahlbender, die für die Tiefbahnhofgegner 2010 in der Schlichtung saß, nennt S 21 ein "auch heute noch in ganz wesentlichen Teilen weder vollständig geplantes noch vollständig genehmigtes Projekt". Es gebe weiterhin keine qualifizierten Aussagen zu Kosten und zum Zeitablauf. Für die SPD-Politikerin und Ulmer Gemeinderätin steht fest, dass deutlich mehr als acht Bahnsteiggleise unverzichtbar sind für einen Großknoten Stuttgart und eine Entmischung der S-Bahn, des Regional- und des Fernverkehrs. Eine nachhaltige Mobilitätswende müsse sich an den Wünschen der Bahnkunden und der tatsächlichen Verkehrsströme orientieren, "und das bedeutet einen Einstieg in die Diskussion einer Kombi-Lösung".

Mehr dazu unter diesem Link.


Jetzt offiziell: Kefer geht späestens im Herbst 2017

Von einem "Eingeständnis des Scheiterns" sprechen die Parkschützer, von "großem Respekt und Wertschätzung" der Aufsichtsratsvorsitzende der DB Utz-Hellmuth Felcht. Auf jeden Fall wirft der für Stuttgart 21 zuständige Bahnvorstand Volker Kefer das Handtuch. Er stehe für eine Verlängerung seines im September 2017 auslaufenden Vertrags nicht zur Verfügung, teilte er dem Aufsichtsrat am Mittwochvormittag mit. Möglicherweise wird er, wenn seine Nachfolge geregelt ist, den Konzern aber schon deutlich früher verlassen. Hier werde kein "Bauer geopfert", so der Sprecher der Parkschützer Matthias von Herrmann. Vielmehr nehme sich ein "allzu stolzer Turm selbst aus dem Spiel": Der für Stuttgart 21 verantwortliche oberste Bahnmanager ziehe "nun offenbar seine persönliche Notbremse vor dem sicheren Aufprall auf dem Prellbock eines baulich, finanziell und kommunikativ völlig unkontrolliert taumelnden Projekts". Kefer ist seit 2009 bei der Deutschen Bahn und galt lange Zeit als möglicher Nachfolger von Bahnchef Rüdiger Grube, dessen Stellvertreter er auch ist. Kritisiert wird intern vor allem, dass der frühere Siemens-Vorstand den Aufsichtsrat zu spät über die Kostenexplosionen und die immer neuen Risiken bei Stuttgart 21 informiert hat.

Insider in Berlin sehen auch Grube selber nicht mehr sicher im Sattel, weil der nicht nur das nach seinen vielzitierten Worten "bestgerechnete" Milliardenprojekt nie wirklich in den Griff bekommen hat. Matthias von Herrmann erinnert an des marode, dringend sanierungsbedürftige Schienennetz und daran, dass trotz der groß angekündigten fernverkehrsoffensive nicht einmal mehr 78 Prozent der Züge pünktlich fahren: "Wir brauchen endlich wieder eine gute zuverlässige Bahn statt Tunnelwahn." Zum Vergleich: In der Schweiz treffen knapp 97 Prozent der Züge pünktlich im Bahnhof ein. (15.6.2017)


Hermann kritisiert S-21-Befürworter scharf

Der grüne Verkehrsminister Winne Hermann wirft den Befürworter von Stuttgart 21 "in der Politik und bei der Bahn" vor, jahrelang die Kosten heruntergerechnet und die Risiken des Milliardenprojekts nicht ernst genommen zu haben. Jetzt zeige sich immer mehr, wie richtig die Kritiker gelegen hätten. Als Beispiel nennt der S-21-Gegner seit Mitte der Neunziger im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk den Tunnelbau. Zehn Jahre sei über die Schwierigkeiten in dem Gestein diskutiert worden, das die Bahn aktuell für einen Teil der Kostensteigerungen verantwortlich mache.

Der DB wirft er zudem vor, die Glaubwürdigkeit zu "zerstören", wenn an die Landesregierung "kurz vor der Veröffentlichung dieser neuen Dinge beruhigende fünf Zeilen" geschickt würden, dass letztendlich alles in Ordnung sei. "Und dann liest man einen Tag später, es wird wieder teurer, und es wird wieder später", so Hermann weiter. Das mache misstrauisch. Einem Ausstieg erteilt er dennoch eine Absage: Die Bevölkerung habe "keinen Ausstieg beschlossen", und seitdem sei es für jeden in der Regierung Pflicht, das Projekt zu begleiten und zu befördern.


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Ausgabe 186
Überm Kesselrand

Atomare Preisbombe

Von Jürgen Lessat
Datum: 22.10.2014
Die EU-Kommission billigt staatliche Milliardenbeihilfen für das britische Atomkraftwerk Hinkley Point C. Das Subventionsgeschenk wird "geschmückt" von einer heimlichen Kostenexplosion: Während der französische Staatskonzern EDF als Bauherr Baukosten von 20 Milliarden Euro nennt, rechnen Brüssel und London bereits mit über 30 Milliarden Euro. Erstaunlich ist, dass sich niemand am gewaltigen Preissprung stört. Selbst die Medien ignorieren ihn.

Wer im Supermarkt Camembert und Bordeaux auswählt, kann sich sicher sein, dass er an der Ladenkasse noch den gleichen Preis für die Gaumenfreuden bezahlt wie an Käsetheke und Weinregal ausgeschildert. Bei großen Bauvorhaben der öffentlichen Hand ist das anders. Zwischen Bestellen und Bezahlen explodieren gewöhnlich Kosten. Der Hauptstadtflughafen BER (1,7 auf ca. 5,4 Mrd. Euro), die Hamburger Elbphilharmonie (77 auf 789 Mill. Euro), der tiefergelegte Stuttgarter Hauptbahnhof (2,45 Mrd. auf derzeit bis zu 6,5 Mrd. Euro) sind leuchtende Beispiele, wie sich hierzulande die Preise von Großprojekten während der Planungs- und Bauzeit verselbstständigen. Vervielfachungen sind nichts Außergewöhnliches – und bleiben üblicherweise ohne Konsequenzen für die Verantwortlichen. Schließlich sind die Steuerzahler Gesamtschuldner.

Auch wenn bei den genannten Projekten die Preise zusammengenommen um rund 8,5 Milliarden Euro gegenüber den anfänglich genannten Kosten explodierten – gute Chancen, als inflationärstes Großprojekt der Gegenwartsgeschichte zu enden, hat ein anderes Vorhaben: Hinkley Point C. Der erste Neubau eines Atomkraftwerks seit fast 20 Jahren in Großbritannien hat sich bislang auf einen Schlag um mehr als zehn Milliarden Euro verteuert. Und dies innerhalb weniger Monate. Nach neuesten Angaben werden die Baukosten für die zwei Druckreaktoren des neuartigen EPR-Typs (Europäischer Druckwasserreaktor) an einem malerischen Küstenstreifen der Grafschaft Somerset auf 24,5 Milliarden britische Pfund (GBP) geschätzt. Nach aktuellem Wechselkurs sind das knapp 31 Milliarden Euro.

Idyllischer Küstenstreifen: AKW-Standort Hinkley Point in der Grafschaft Somerset. Foto: Richard Baker
Idyllischer Küstenstreifen: AKW-Standort Hinkley Point in der Grafschaft Somerset. Foto: Richard Baker

Die Zahlen stammen aus einer absolut vertrauenswürdigen Quelle, nämlich von der EU-Kommission. Am 8. Oktober veröffentlichte sie ihre Entscheidung, wonach die Subventionspläne des Vereinigten Königreichs zur Förderung von Bau und Betrieb des neuen Kernkraftwerks mit EU-Beihilferecht vereinbar sind. Der Brüsseler Bescheid enthält neben den geschätzten Baukosten weitere aufschlussreiche Angaben. Demnach wird sich das "Gesamtkapital auf ungefähr 34 Mrd. GBP (rund 43 Mrd. Euro) belaufen". Zu Deutsch: Wenn's dumm läuft, können die zwei Atommeiler auch doppelt so viel wie angenommen bis zur geplanten Fertigstellung im Jahr 2023 kosten.

Vor einem Jahr kostete der Neubau noch 14 Milliarden Pfund

Für Kenner der Hinkley-Pläne sind die jüngsten Einlassungen der EU-Kommission eine faustdicke Überraschung. Denn bisher war der vom französischen Staatskonzern Électricité de France (EDF) geplante AKW-Neubau weitaus günstiger zu haben. Auf einer Konferenz am 21. Oktober vergangenen Jahres feierten der britische Premier David Cameron und EDF-Chef Henri Proglio die Verständigung auf die staatlichen Subventionsmaßnahmen, dank derer sich der eigentlich unwirtschaftliche AKW-Neubau für den Erbauer und späteren Betreiber EDF doch noch rechnet. In den offiziellen Statements und Unterlagen wurden auch die "erwarteten" Investments zum Preisstand des Jahres 2012 genannt, nämlich 14 Milliarden britische Pfund (17,7 Milliarden Euro) als Baukosten. Im Original: "The construction cost of the two nuclear power units at Hinkley Point, expressed in 2012 money, is expected to be £14bn." Zusätzlich veranschlagten Cameron und Proglio "andere Kosten" in Höhe von zwei Milliarden Pfund (2,5 Milliarden Euro), unter anderem für Landerwerb, Gebühren und die Schulung der 900-köpfigen AKW-Betreibermannschaft. Summa summarum kamen britischer Premier und französischer Konzernboss zum gleichen Ergebnis, nämlich dass Hinkley Point C bis zur Inbetriebnahme "ungefähr 16 Milliarden Pfund" (Preisstand 2012) kosten werde ("This means that the total costs to first operation are expected to be close to £16bn, expressed in 2012 money").

AKW-Preisschild auf EDF-Homepage: 16 Milliarden Pfund. Screenshot
AKW-Preisschild auf EDF-Homepage: 16 Milliarden Pfund. Screenshot

Auf dem englischsprachigen EDF-Portal im Internet wird das AKW-Projekt – Slogan: "An opportunity to power the future" – bis heute weiter zum "Schnäppchenpreis" beworben. Der örtlichen englischen Bauwirtschaft wird unter anderem in Aussicht gestellt, an einem Teil der 16 Milliarden Pfund teuren Investition zu verdienen. Über einen Link lassen sich nähere Informationen zum genau bezifferten Milliardenprojekt herunterladen. Auf Kontext-Nachfrage in der vergangenen Woche in der EDF-Konzernzentrale in Paris beharrt Électricité de France auf dieser Summe: "Die exakten Kosten für den Bau der beiden Reaktoren betragen 16 Milliarden Pfund bzw. 19 Milliarden Euro". Und betont: "Es ist exakt der gleiche Betrag wie vor einem Jahr genannt. Die Kosten haben sich nicht geändert."

Trotzdem ist der extreme Preissprung der Öffentlichkeit bislang kaum aufgefallen. Sämtliche Medien, die in den vergangenen Tagen über die Beihilfe-Entscheidung der EU-Kommission berichteten, nannten ungeprüft und unkommentiert 24,5 Milliarden Pfund als Baukosten. Selbst der britische "Guardian", der im vergangenen Herbst in einem kritischen Beitrag die damals genannten Baukosten von 16 Milliarden Pfund angezweifelt hatte, verschlief die widersprüchliche Kostenexplosion.

Bereits stillgelegt: die zwei Reaktoren von Hinkley Point A. Foto: Mark Robinson
Bereits stillgelegt: die zwei Reaktoren von Hinkley Point A. Foto: Mark Robinson

Warum schlägt der Bau des englischen Atomkraftwerks dann nur aus Brüsseler Sicht um rund die Hälfte mehr zu Buche? Auf Nachfrage bei der Vertretung der EU-Kommission in Berlin verweist deren Sprecher nach London: "Die Zahlen zu Bau- und Investitionskosten wurden der Kommission im Rahmen des Beihilfe-Prüfverfahrens von der britischen Regierung mitgeteilt." Ein Anruf in London bestätigt dies. "Die von der EU veröffentlichten Zahlen entsprechen den aktuellen Baukosten", sagt der Sprecher des zuständigen Department of Energy and Climate Change. Demnach wurden die zum Jahr 2012 errechneten Kosten um die bis heute aufgelaufenen Baupreissteigerungen nach oben korrigiert. Dies klingt wenig glaubwürdig, da die jährliche Inflation dann bei rund 25 Prozent liegen müsste. Eine andere Vermutung für den gigantischen Preissprung hat der Sprecher der EU-Kommission in Berlin parat: Wie bei Großprojekten üblich, sei wohl auch Hinkley Point C zunächst "billiger" gerechnet worden.

Neue Reaktortechnik noch nirgends in Betrieb

Die englischen Steuerzahler dürfen sich auf weitere Kostenexplosionen gefasst machen. Denn das Kernkraftwerk Hinkley Point wird die bisher noch nirgendwo in der Welt eingesetzte EPR-Technologie nutzen. Derzeit sind nur drei Projekte weltweit in Bau, die auf der Technik des Europäischen Druckwasserreaktors beruhen werden: in Frankreich, Finnland und China. Das finnische EPR-Atomkraftwerk Olkiluoto 3 machte erst vor Kurzem wieder Schlagzeilen: Anfang September gaben die Zulieferer Areva und Siemens bekannt, dass der Reaktor erst 2016 fertiggestellt werden kann. Grund für die Verzögerungen sind Probleme mit den Instrumenten und dem Kontrollsystem. Strom liefern soll der fünfte finnische Atomreaktor, an dem seit 2005 gebaut wird, deshalb nicht vor Ende 2018. Zahlreiche Pannen und Probleme verzögerten und verteuerten das Projekt enorm. Der Bau stockte auch wegen juristischer Streitigkeiten zwischen Baufirmen und Betreiber. Ursprünglich sollte das 1600-Megawatt-Kraftwerk bereits im Jahr 2009 ans Netz gehen und schlüsselfertig etwa drei Milliarden Euro kosten. Im Oktober 2011 wurden die Baukosten auf 6,6 Milliarden Euro prognostiziert. Inzwischen ist Olkiluoto 3 ein Verlustbringer.

Kinderaugen und intakte Natur: Titelseiten von EDF-Werbebroschüren für Hinkley Point C. Screenshots
Kinderaugen und intakte Natur: Titelseiten von EDF-Werbebroschüren für Hinkley Point C. Screenshots

Durch die weiteren Verzögerungen sollen laut dem französischen Atomkonzern Areva zwar keine zusätzlichen Kosten entstehen, mittlerweile belaufen sich die Verluste aber schon auf 3,9 Milliarden Euro. Auch Siemens, Lieferant des nicht nuklearen Turbinenteils, musste bereits dreistellige Millionenbeträge auf den geplanten Bau abschreiben. Olkiluoto ist für Siemens das letzte AKW-Projekt, nach dem Reaktorunglück im japanischen Fukushima hatte der Münchener Technologiekonzern sich aus der Atomsparte zurückgezogen.

Eventuell bleibt den Briten ein ähnliches Atomschicksal erspart. Die österreichische Regierung hat angekündigt, gegen den Beihilfe-Bescheid für die englischen EPR-Reaktoren zu klagen. Am Abend der Bekanntgabe der EU-Entscheidung billigte der Umweltausschuss des österreichischen Parlaments einstimmig den Antrag der Grünen auf Nichtigkeitsklage vor dem Europäischen Gerichtshof. "Die Entscheidung, der Atomkraft in Europa mit einer Beihilfe von 20 Milliarden Euro unter die Arme greifen zu wollen, ist ein fatales energiepolitisches Signal. Mit diesem strahlenden Abschiedsgeschenk an die Atomlobby verabschiedet sich die scheidende EU-Kommission auch von der Marktwirtschaft in Europa", so Eva Glawischnig, Bundessprecherin der österreichischen Grünen. In Österreich wird befürchtet, dass andere Atomprojekte, etwa der Ausbau des benachbarten tschechischen AKWs Temelín, mit der Entscheidung zu Hinkley Point C begründet werden.

In Deutschland schmetterte die Große Koalition aus CDU, CSU und SPD vor wenigen Tagen einen Antrag der Grünen ab, sich der Nichtigkeitsklage Österreichs anzuschließen. Gegen den Vorstoß stimmte auch Umweltministerin Barbara Hendriks (SPD), die sich zuvor noch kritisch gegenüber den englischen Atomplänen geäußert hatte. Lediglich der CSU-Abgeordnete Josef Göppel enthielt sich im Lager der Regierungskoalition der Stimme.

Hintergrund

Die scheidende EU-Kommission genehmigte am 8. Oktober auf Betreiben des Wettbewerbs-Kommissars, des spanischen Sozialdemokraten Joaquín Almunia, mit 16 zu 11 Stimmen Subventionen für das geplante britische AKW Hinkley Point. Für den ersten AKW-Neubau seit 20 Jahren in GB garantiert die britische Regierung dem französischen Energiekonzern EDF als Investor 35 Jahre lang einen Abnahmepreis von umgerechnet 112 Euro (plus Inflationsausgleich) je Megawattstunde Atomstrom – fast das Doppelte des aktuellen Marktpreises. Das Subventionsgeschenk macht klar, dass AKWs auch 60 Jahre nach Markteinführung unwirtschaftlich sind. Im Kontext-Interview hatte der scheidende EU-Energiekommissar Günther Oettinger gesagt, er sehe "die englischen Zubaupläne sehr kritisch". Überliefert ist eine weitere Aussage Oettingers zu den englischen Atomsubventionen: "Sowjetisch."


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Kommentare

Horcice nad Labem, 29.10.2014 21:25
Der Reaktor OL3 in Finnland - der erste EPR- kostet nach mir vorliegenden Informationen momentan ca. 11 Mrd EUR, und wird wohl bauseitig nicht vor 2017 fertig, dann noch 1 Jahr Inbetriebnahme. Wenn man Areva kennt, und weiß dass bisher noch jeder der selbst erstellten Terminpläne nicht eingehalten worden ist, so wird sich das wohl auch nicht ganz halten lassen.. Ich denke, dass in den französischen Staatskonzernen einfach Idiotie und Karrieretum herrscht; Know how kommt nur schwer weiter.

Schwabe, 28.10.2014 16:50
Ich bin für alle Maßnahmen offen die unsere gewählten Volksvertreter nach der Wahl dazu zwingen (überlassen kann man es ihnen nicht) die ihnen von den Wählern übertragene Macht nicht für ihre Karriere zu missbrauchen sondern im Sinne des Allgemeinwohls einzubringen (was sich momentan gegenseitig ausschließt). Das heißt m.E. aber gleichzeitig das der einzelne keiner Partei- oder Staatsräson ausgesetzt sein darf (Stichwort Lobbyismus) welche einzuhalten Voraussetzung dafür ist, dass der Politiker beruflich eine Perspektive hat.
Wenn die Abschaffung der Listen dem dient (was ich mir zu beurteilen nicht zutraue) bin ich bei Ihnen.

Stephan Becker, 28.10.2014 12:16
@Schwabe

Was Gregor Gysi, Bernd Riexinger, Katja Kipping, Petra Pau und andere in den letzten Jahren von sich gegeben haben, ganz ohne Fraktions- oder Koalitionszwang, bestätigt genau das, was ich Ihnen durch meine Zitate aufzeigen wollte.

Ist es Fraktions- oder Koalitionszwang gewesen, dass die wirklich linke Sarah Wagenknecht nur noch in der zweiten Reihe agiert?

Die Grünen waren mal pazifistisch und umweltbewusst. Und heute? Ich sage nur Stuttgart 21 und Kosovo-Krieg mit grüner Unterstützung. Die Ex-Grüne Jutta Ditfurth hat zu diesem Wandel der Grünen ein interessantes Buch verfasst.

In der Politik geht es immer und vor allem um Macht, nicht um Moral, egal was dahingehend aus der Politik für Äußerungen gemacht oder Veranstaltungen durchgeführt werden (ich war mehrere Jahr Mitglied in der JU, das hat mir gereicht).

Viel wichtiger als eine bestimmte Partei wäre die Abschaffung der Listen bei Bundes- und Landtagswahlen, damit die Abgeordneten sich wirklich für die Menschen vor Ort und weniger für ihre Parteigranden einsetzen.

Schwabe, 28.10.2014 09:08
@Stephan Becker
Wenn ich von massenhaft und alleiniger Mehrheit spreche meine ich keine Koalitionen wie in Berlin. Sie sollten aufmerksamer lesen wenn Sie einen Kommentar kritisieren - siehe u.a. mein letzter Absatz.

Stephan Becker, 28.10.2014 07:20
@Schwabe
"Würde "Die Linke" JETZT und damit meine ich bei der nächsten Bundestagswahl (nicht bei der übernächsten) MASSENHAFT gewählt werden (und das müsste die alleinige Mehrheit sein) würde sich für die Menschen in Deutschland sprich für das Allgemeinwohl vieles verbessern (Gesundheit, Energie, ÖPNV, Bildung, Wohnen, Ernährung). Es käme auf einen Versuch an."

Diesen Versuch kann man sich getrost schenken:

Berliner Wohnungspolitik: Teil 2 – Die rot-rote Koalition
(Dieser Artikel ist ursprünglich im MieterEcho Nr. 335 (August 2009) erschienen.)
Die Wahlen im Jahr 2002 brachten eine Mehrheit für eine rot-rote Koalition. Die neoliberale Politik der 90er Jahre, für die Strieder, Fugmann-Heesing u. Co. standen, war damit jedoch keineswegs beendet. Im Gegenteil, sie wurde von der noch immer die Geschäfte dieser Stadt verwaltenden rot-roten Koalition ungebrochen und viel effizienter, weil nun auch ohne Opposition, fortgesetzt.

Deutschland ist das einzige Land, das seine öffentlichen Wohnungsbestände an Finanzinvestoren verkauft hat. Die rot-rote Koalition stellt die Landesregierung, die den Rekord im Verkauf von landeseigenen Wohnungen hält und zugleich am wenigsten deswegen ins Gerede gekommen ist.
http://www.bmgev.de/politik/wohnungspolitik/berliner-wohnungspolitik-die-rot-rote-koalition.html

Im Land Brandenburg ist die Linke auch an der Macht und was passiert:

Rot-Rot stimmt weiterem Tagebau zu: Die Linke sinkt in der Brandenburger Wählergunst
02.06.2014
http://www.berliner-zeitung.de/brandenburg/rot-rot-stimmt-weiterem-tagebau-zu-die-linke-sinkt-in-der-brandenburger-waehlergunst,10809312,27328968.html

Geld verdirbt bekanntlich den Charakter und bei Macht ist es genau das Gleiche. Unser Kreuz können wir nur alle vier Jahre machen, aber wem wir unser Geld (und damit ein Teil unserer Macht) (ab)geben, können wir täglich frei entscheiden - da haben wir wirklich die Wahl.

tillupp, 27.10.2014 14:22
Dem Fraktionszwang in den Landesparlamenten und im Bundestag ist es geschuldet, dass das Parlament die Regierung nicht kontrolliert, bzw. dass wenige Personen an den Schlüsselstellen (Minister, Ministerpräsidenten, Kanzlerin etc.) im kleinen Kreis verabreden können was die Parlamente schließlich durchwinken. Würde man den Fraktionszwang abschaffen würde bei Abstimmungen vielleicht auch mal ein guter Vorschlag der Opposition angenommen. So aber gönnt man dem politischen Gegner nicht die Butter auf dem Brot und stimmt wg. Fraktionszwang ohne nachzudenken für was eigenes schlechtes statt für gute Vorschläge der Opposition. In Bezug auf die Wahlmüdigkeit sind die Parlamente also auch ein Spiegel unserer Gesellschaft.

Schwabe, 25.10.2014 15:19
Leider habe ich bezüglich einem schnellen kritischeren "kollektiven Bewußtsein" auch keinen Masterplan Frau Rath - schön wärs!
Genau wie Sie bin ich mir aufgrund der herrschenden (politischen) Verhältnisse in diesem Land darüber bewußt, dass dies ein wünschenswertes - jedoch wenn überhaupt - nur ein mühsam zu erreichendes Ziel ist.
Ich persönlich versuche mit meinen eingeschränkten und bescheidenen Mittel zumindest einen kleinen Beitrag hierzu zu leisten.
Diese beschränken sich i.d.R. darauf, so viel Menschen wie möglich auf kritische Websites aufmerksam zu machen (z.B. Kontext, NachdenkSeiten, Campact, etc.). Weiter bin ich bemüht die (mittlerweile ausschließlich) von Finanzinteressen geleiteten Machenschaften und Manipulationen unserer egoistischen Machteliten in Wirtschaft, Politik und Medien aufzudecken, da diese im Gegensatz zu einer anständigen öffentlichen Daseinsfürsorge stehen. Hierzu versuche ich einfache Worte für scheinbar komplexe Zusammenhänge zu finden, denen bei genauerer, kritischerer Betrachtung nur persönliche Finanz-/Karriereinteressen unserer Machteliten zugrunde liegen.
Sie schreiben z.B. zurecht (sinngemäß), dass insbesondere unsere Eliten ihre Macht nicht hergeben und mit allen Mitteln verteidigen - "wer gibt schon gerne Macht ab"?! Ich behaupte, dass einer solchen Suggestivfrage die meisten Menschen - egal wie hart sie arbeiten und wie wenig sie verdienen - zustimmen, ohne kritisch/differenziert darüber nachzudenken. Dabei liegt eine Antwort, wenn auch eine wahrscheinlich unerwartete - sehr nahe. Nämlich "Wir" - wir als Wähler und Wählerinnen geben anscheinend gerne Macht ab!
Denn in der heutigen Zeit, steht den zu wählenden Politikern ihre persönliche Karriere an erster Stelle. Die wiederum steht oder fällt ausschließlich mit der Unterwerfung hin zur Partei-/Staatsräson (den Staatszielen) und nicht mit den Bedürfnissen der Wähler/Innen. Die Partei-/Staatsräson wiederum ist von Lobbyisten maßgeblich beeinflußt sind. Das bedeutet für Wahlberechtigte wählen (insbesondere auch nicht wählen) das abgeben von Macht - und zwar ausschließlich zu seinem Nachteil!
Die gwählte Partei bzw. der gewählte Politiker nimmt sich (aus persönlichen Karrieregründen) nach der Wahl skrupellos jedes Recht heraus Entscheidungen zu treffen die sicherlich nicht im Interesse der Wähler sind die ihn gewählt haben - und zwar mit dem Verweis auf die demokratischen Wahlen (demokratisch legitimiert)!

Vor der Wahl buhlen die Parteien/Politiker um uns und nach der Wahl entmündigen Sie uns zu ihrem persönlichen (Karriere)Vorteil! Bestes Beispiel sind Kostenexplosionen die der Steuerzahler schultert, bestimmt durch die gewählten kapital- und karriereorientierten Parteien/Politiker.
Bürgerliche, sprich kapitalorientierte Politik läßt grüßen!

Im Gegensatz zu Ihnen glaube ich persönlich jedoch daran, dass (noch) nicht alle Parteien gleich (stark) versaut sind.
Würde "Die Linke" JETZT und damit meine ich bei der nächsten Bundestagswahl (nicht bei der übernächsten) MASSENHAFT gewählt werden (und das müsste die alleinige Mehrheit sein) würde sich für die Menschen in Deutschland sprich für das Allgemeinwohl vieles verbessern (Gesundheit, Energie, ÖPNV, Bildung, Wohnen, Ernährung). Es käme auf einen Versuch an.
Wer "Die Linke" mit der ehemaligen DDR bzw. deren stalinistischer Diktatur gleichsetzt weiß nicht von was er spricht und spaltet nur. Ein (demokratischer) Sozialismus orientiert sich in erster Linie an den Bedürfnissen der Menschen und nicht an Ausbeutung von Mensch und Umwelt und den Kapitalinteressen weniger Eliten!
Reibt sich "Die Linke" über kurz oder lang in Koalitionen auf, wird sie - und da gebe ich Ihnen Recht - enden wie die Grünen - als angepasste, sprich bürgerliche, am Kapital orientierte Einheitspartei! Deshalb JETZT!

CharlotteRath, 23.10.2014 15:53
@Schwabe:
Kollektives Bewusstsein, wie soll das entstehen?

Unsere Medienlandschaft ... oje, zum allergrößten Teil fallen deren Beiträge entweder unter Unterhaltung/Ablenkung oder unter Hofberichterstattung. Siehe auch Beiträge und Leserbriefe in Kontext zu dem Thema.

Die Gesetzgebung liegt in Deutschland in der Hand der Parlamente. Die mögen ja allerlei tun - aber von alleine ganz bestimmt nichts, was ihnen Rechenschaftpflichten oder gar dem einzelnen Parlamentarier Verantwortung zuschreiben würde. Ich wäre beispielsweise sehr dafür, dass Abgeordnete, die gegen ein Gutachten des jeweiligen Rechnungshofes (Bund, Länder) oder Rechnungsprüfungsamtes (Kommune) stimmen, mit ihrem persönlichen Vermögen für Fehlentscheidungen haftbar gemacht werden (es gibt ja Manager- und Vermögenshaftpflichtversicherungen, insofern träfe es sie nicht wirklich schwer).
Tatsächlich passiert aber das Gegenteil: Die Rechnungshöfe haben bald gar keine Kontrollfunktion mehr (oder nur noch hinterher), dürfen ihre Gutachten nicht mehr veröffentlichen oder werden via Parteibuch besetzt und auf Linie gebracht.
Aus denselben Gründen (wer gibt schon gerne Macht ab) sind in den letzten Jahrzehnten auch die Hürden für Bürger- und Volksentscheide kaum niedriger geworden.
Da sind sie alle, alle gleich, "unsere" Parteien.

Schwabe, 22.10.2014 19:03
Ich schließe mich dem Kommentar von CharlotteRatz vollumfänglich an. Doch warum funktioniert die Bevölkerung als "Anzapfquelle" so reibungslos (warum der Spruch "da kann man eh nichts machen?)?
Das ist ganz einfach! Wir die Bevölkerung bzw der deutsche Staat hält demokratische Wahlen ab. Mit diesen Wahlen werden die sogenannten "Volksvertreter" gewählt an die wir vertrauensvoll die Verantwortung abgeben (also auch über unser Geld (Steuergelder).
Stimmen diese Volksvertreter (evtl aus persönlichen Karrieregründen/Partei- oder Staatsräson) explosionsartigen Kostensteigerungen zu sind diese demokratisch legitimiert! Jeder der dies kritisch betrachtet ist schnell ein Antidemokrat und Fortschrittsverweigerer. Würde es um privates, persönliches Vermögen gehen würde die Entscheidung sicherlich anders ausfallen. Hier sollte das kollektive Bewusstsein geschärft werden.

Margit Dütsch, 22.10.2014 13:53
Was soll man dazu sagen? Wir als deutsche Nation sind mal wieder die Dummen, da Dank Adenauer immer noch Sklaven der ehemaligen Besatzer. USA ist ja immer noch präsent. Künstlich forsch aufgebaut mit, bis 89 in Pseudodemokratie gehalten, genau wie die US-Amerikaner selbst, gehen wir mit großen Schritten einem neuen Weltkrieg entgegen, der wohl mittels Kernkraft und Genpflanzen eine neue Zeit ohne viele gesunde Menschen erst mal erhalten soll.
Die Lebenden werden die Toten beneiden. So soll es auch sein.
Unmenschliche Irre haben das sagen. Und Feiglinge helfen ihnen. So in etwa hat es ein kluger Mann gesagt. Alles wahr.

tillupp, 22.10.2014 09:33
Und die Entsorgung des Atommülls ist auch noch nicht eingerechnet, genauso wenig wie der Rückbau des Atommeilers nach Ende der Laufzeit. Der Kostet wegen des Verstrahlten Baumaterials wahrscheinlich doppelt so viel wie der Aufbau. Da das AKW aber wahrscheinlich als unabhängige Ltd (GmbH) geführt wird, kann EDF diesen Firmenzweig dann einfach pleite gehen lassen. Die "Gewinn"-Ausschüttungen (bzw. Abzug der Subventionsüberschüsse) fanden ja in den Jahren davor schon statt. Immer das gleiche. Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert. Am Ende behaupten dann die Kapitalisten noch, dass Sozialismus nicht funktioniert. Hoffentlich kann Österreich mit der Klage noch was verhindern. Dank CETA und TTIP wird dann über eine amerikanisch/canadische Tochterfirma die EU vor einem Schiedsgericht zu Milliarden Pfund Gewinneinbußen verklagt. Ich sehe es schon kommen.

CharlotteRath, 22.10.2014 09:16
Das ist längst kein singulärer Fall mehr, nur ein etwas krasseres Beispiel dafür, wie wir Bürgerinnen und Bürger als Goldeselchen missbraucht werden (bzw. ein weiterer Hinweis auf die moderne Form der Sklavenhaltung - längst wird circa die Hälfte unserer Arbeitsleistung durch direkte oder indirekte Steuern abgeschöpft, ohne dass wir irgend einen nennenswerten Einfluss auf Mittelaufbringung oder Mittelverwendung öffentlicher Haushalte hätten).
Wolfgang J. Koschnick beschreibt das so: "Die repräsentativen Demokratien vertreten nicht mehr die Interessen ihrer Völker. ... Ihr politischer Apparat entfaltet eine Eigendynamik, bei der die Bevölkerung nur noch als Anzapfquelle taugt."
http://www.wallstreet-online.de/nachricht/7087672-meinung-geschmierte-pleitegeier

Jährlich werden Billiarden von Euro bzw. Dollar durch die öffentliche Hand mit Infrastruktur- und Hochbauprojekten "umgewälzt" - wen wundert es da, dass hier massives Lobbying betrieben wird bzw. Großprojekte fast durchweg teurer werden als zunächst kommuniziert?

So richtig spannend wird der Umgang mit öffentlichem Geld übrigens, wenn PPP und TIPP zueinander finden: In mehr als der Hälfte der Bauvorhaben werden Nachverhandlungen nötig (siehe beispielsweise hier: http://www.wip.tu-berlin.de/fileadmin/fg280/forschung/projekte/lvf_ppp/studie-leistungs-_und_verguetungsanpassungen_bei_ppp-projekten-v800final_01.02.2009.pdf). Und nun soll also auch noch auf Betreiben unserer "Mandatsträger" (? Hallo Herr Gabriel?) dank TIPP auch noch die Position der Kommunen und Länder gegenüber international agierenden Firmen geschwächt werden.

Übrigens auch mal einen kleinen Artikel wert wäre, was ist denn aus dem ehemaligen, milliardenschweren Bundeseigentum "Bahnnebenflächen" geworden ist. Als Einstiegshilfe:
http://www.aurelis-real-estate.com/unternehmen/historie/

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Letzte Kommentare:

Ausgabe 273 / Wer eine Grube gräbt / Blender, 24.06.2016 23:47
Das einzig Richtige wäre die bereits gebauten Tunnelröhren für den Autoverkehr zu nutzen um die Autos zweispurig und kreuzungsfrei aus der Stadt bzw. auf die A8/A81 zu bringen, den Kopfbahnhof zu modernisieren, und im Park nach Vorbild...

Ausgabe 273 / Wer eine Grube gräbt / Blender, 24.06.2016 23:35
Ich vermisse die an dieser Stelle das so oft von Alias @Müller geäußerte Hohelied auf die deutsche Ingenieurskunst. Aber Kostensteigerungen und Zeitverzögerungen von S21/22/23/.. wegen unerwartet gefundenem Gipskeuper ließen Menschen...

Ausgabe 273 / Wer eine Grube gräbt / Fred Heine, 24.06.2016 21:04
Peter S., 23.06.2016 15:46 "@Fred Heine, wollten Sie mir nicht noch eine Antwort geben aus der letzten Woche? Stichwort "Täuschung und Lüge"?" Ich stehe zu dem, was ich sage. Auch mit meinem Namen. Das bringt mich bisweilen in eine...

Ausgabe 273 / Jeden Tag ein guter Freund / noch ein Insider, 24.06.2016 18:17
Wem die halbe Wahrheit reicht, der kann diesen Artikel (und auch die zugehörigen Beiträge auf seemoz und bei der StZ) getrost weiter feiern. Jeder sieht, was er sehen will, gell... Absurd, dass ausgerechnet diese Zeitgenossen das Schild...

Ausgabe 273 / Jeden Tag ein guter Freund / holger reile, 24.06.2016 14:30
Werter Dieter Kief, Tut mir leid - aber ich habe Ihre Texte noch nie verstanden, und den schon gleich gar nicht. Ich habe vielmehr den Eindruck, dass Sie bei Ihrem jahrzehntelangen Bemühen, aufgepumpte Intellektualität mit Witz zu...

Ausgabe 273 / Trumps Luftnummer / Horst Ruch, 24.06.2016 13:09
.....Glücklicherweise gibt es @ Müller, einer der wenigen Optimisten unter den Kommentatoren. Er kennt die Welt wie kein anderer bei Kontext. Leider vermisse ich öfters seinen Realitätsverlust zu Stuttgarts Stadtgestaltung. Die lose ...

Ausgabe 273 / Wer eine Grube gräbt / Horst Ruch, 24.06.2016 12:26
Ich hoffe es war ironisch gedacht...@ ophir, gut daß es nicht nur "Gutmenschen" sondern auch Optimisten gibt. Allerdings jene, die den ganzen Tag vor lauter Freude die Realität aus den Augen verlieren, da ist es besser die Notbremse zu...

Ausgabe 273 / "Gysi ist top" / Emily W., 24.06.2016 11:11
Also das würde ich an Gysis Stelle aber nicht auf mir sitzen lassen! In jeder Hand eine Flug-Schoko-Torte würde ich mich den beiden stinkreaktionären und ziemlich geschäftstüchtigen Extremquerfrontlern nähern... :-)

Ausgabe 273 / Wer eine Grube gräbt / ophir, 24.06.2016 07:44
@ adabei, 23.06.2016 11:45: Einfach grotesk, Ihr Vergleich mit anno 1933. Soll mal wieder die "Nazi-Keule" geschwungen werden? Lächerlich! Mehrheit bleibt Mehrheit! Basta!

Ausgabe 273 / Schattenboxen und Schienenrealität / Erwin Bosak, 24.06.2016 00:08
Alltag Am 21.06.2016 von Schorndorf Richtung Stuttart, gedachte Abfahrt um 14.14.Uhr mit RE, angekündigte Verspätung : 5 Minuten, tatsächlich: 8 Minuten, Begründung: keine. Ankunft in Stuttgart nach Fahrplan 14.37 Uhr, tatsächlich:...

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