KONTEXT Extra:
Fahrverbote beschlossen – Nordost-Ring vom Tisch

Wie ein Gespenst geisterte seit Wochen ein vor fast 40 Jahren beerdigtes Verkehrsprojekt durch die Debatte um Feinstaubalarmtage und Fahrverbote in der Landeshauptstadt: der Nordost-Ring. Jetzt hat Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) allen Spekulationen eine Absage erteilt. Auch deswegen, weil die Baumaßnahme entgegen den Behauptungen von Teilen der CDU keineswegs bereits im Bundesverkehrswegeplan steht. "Dort geht es um neun Kilometer der B 29", so Hermann nach dem heutigen Kabinettsbeschluss zu Fahrverboten ab 1.1.2018 an Feinstaubtagen, den schlussendlich auch die CDU-Landtagsfraktion mittrug.

Prompt gab es Lob von Umwelt- und Naturschützern. Hermann habe erkannt, so die BUND-Landesvorsitzende Brigitte Dahlbender, "wenn nicht zeitnah effiziente Maßnahmen greifen, so werden die Gerichte die Entscheidungen zum Schutze der Bürger*innen treffen und die Politik das Heft aus der Hand geben müssen". Die Stuttgarter CDU ist noch nicht ganz so weit. Für den Kreisvorsitzenden Stefan Kaufmann sind Fahrverbote weiterhin "politisch klar abzulehnen". Und er träumt von Nordost-Ring: Jetzt gelte es "endlich neue Verkehrsprojekte wie den Nord-Ost-Ring auf den Weg zu bringen". Hermann machte dagegen deutlich, dass das nach dem eben erst in Kraft gesetzten Bundesverkehrswegeplan gar nicht möglich ist. 

In den Sechzigern und Siebzigern waren zwei Varianten durchdacht worden: eine größere mit einem Autobahnzubringer bei Mundelsheim und eine kleinere etwa auf der Gemarkungsgrenze zwischen Waiblingen und Fellbach. Schon damals vertraten Verkehrswissenschaftler allerdings die Ansicht, dass ein Ringschluss rund um Stuttgaart weniger die Stadt, sondern die Autobahnen im Westen und Süden entlasten würde.


Korntal: Opfervertreter verlangen mehr Engagement der Landeskirche

Die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in der evangelischen Brüdergemeinde Korntal ist unterbrochen. Die Opfervertreter verlangen einstimmig, dass sich Frank Otfried July endlich entscheidend einbringt. "Wir werden nicht mehr mit den Brüdern sprechen", so Netzwerk-Sprecher Detlev Zander. Jetzt müsse "der Oberhirte, also der Bischof, ran". Im Betroffenen-Netzwerk organisiert, werfen mehr als 300 ehemalige Heimkinder der Brüdergemeinde vor, in den 1950er- bis 1980er-Jahren in deren zwei Einrichtungen sexuell missbraucht, misshandelt und gedemütigt worden zu sein.

Dass mehr Engagement von July gefordert wird, ist nicht neu. Im Sommer 2016 hatte einer der Betroffenen in einem langen Schreiben an den Landesbischof appelliert: "Die Kirche ist mit in der Verantwortung und wenn Sie als Oberhirte weiter schweigen, machen Sie sich persönlich schuldig. Die Heimopfer warten auf ein klärendes Wort von Ihnen." Denn die Korntaler Fürsorge habe "einen menschlichen Scherbenhaufen hinterlassen". (20.02.2017)


NSU-Ausschuss will weitere Akten

Der zweite parlamentarische Untersuchungsausschuss zum "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) geht auf die Suche nach zusätzlichen Akten, um dessen Verbindungen nach Baden-Württemberg besser auszuleuchten. Die Abgeordneten meinen, beim Generalbundesanwalt und/oder im Bundesamt für Verfassungsschutz fündig werden zu können. Beauftragt ist Bernd von Heintschel-Heinegg. Der Rechtswissenschaftler war schon für den ersten Ausschuss des Landtags und als Sonderermittler auch für den Bundestag tätig.

Zurückgestellt wurde in diesem Zusammenhang die Ladung von Mike Markus Friedel. Vor allem der NSU-Experte Hajo Funke hatte immer wieder darauf gedrängt, dass der gebürtige Sachse gehört wird. Dessen Name stand auf der sogenannten Garagenliste, die 1998 in Jena sichergestellt, aber erst mit großer zeitlicher Verzögerung detailliert ausgewertet wurde. Vor fast zwanzig Jahren zog er nach Heilbronn. "Markus Friedel war mit 'Erbse' (V-Mann), Torsten Ogertschnig, zusammen im Ländle im Gefängnis", schreibt Funke. Und von Friedel habe "Erbse" seine Kenntnisse über den NSU und Mundlos.

Bei einer Veranstaltung der "Anstifter" im Stuttgarter Kunstverein hat Rainer Nübel, der im ersten Ausschuss als Sachverständiger aufgetreten war, erneut von den Abgeordneten verlangt, sich ernsthafter mit der Anwesenheit ausländischer Geheimdienste am 25. April 2007 in Heilbronn zu befassen. An diesem Tag waren die Polizistin Michèle Kiesewetter ermordet und ihr Kollege Martin Arnold schwer verletzt worden. Der zweite Ausschuss hat bereits mehrere Zeugen vernommen. Jetzt ist ein Bericht beim Bundesnachrichtendienst angefordert.

Die nächste Ausschusssitzung beginnt am Freitag, den 24. Februar, um 9.30 Uhr im Landtag. Zwei Kriminalbeamtinnen sollen Auskünfte über die rechte Szene geben und die Verbindungen des NSU in den Südwesten. Geladen sind außerdem drei Zeuginnen, die Kontakt zu Beate Zschäpe gehabt haben sollen.

Auch die weiteren Sitzungstermine bis zur parlamentarischen Sommerpause sind festgelegt: 20. März, 28. April, 15. Mai, 19. Juni und der 17. Juli 2017.

Mehr zum Thema: "Geheimdienste im Fokus", "Eh-wurscht-Akten" 


WKZ liest mit

Anfang Januar hatte der Waiblinger Lokalhistoriker und Anstifter Ebbe Koegel sich darüber beschwert, dass das Land dem Firmengründer Andreas Stihl eine Kunstmedaille gewidmet hat. "Andreas Stihl war ein überzeugter Nazi, NSDAP-Mitglied seit 1933, seit 1935 SS-Mitglied mit dem Rang eines Hauptsturmführers (seit 1939)", schrieb er an Finanzministerin Edith Sitzmann. Die Waiblinger Kreiszeitung (WKZ) schwieg dazu - bis Kontext den Fall am 25. Januar aufgriff. Nun erschien am 11. Februar ein zweiseitiges Extra mit ausdrücklichem Bezug auf den Kontext-Artikel. Der Redakteur Peter Schwarz zitiert darin aus der 100-seitigen Entnazifizierungsakte. Die beiden Kinder Stihls, der langjährige IHK-Präsident Hans Peter Stihl und seine Schwester Eva Mayr-Stihl wurden befragt. Die Recherche ergibt, wie die WKZ selbst schreibt, ein "außerordentlich schillerndes Bild."

Der Redakteur zitiert mehrere Fremdarbeiter - den Begriff Zwangsarbeiter meidet er - die sich im Verfahren positiv über Stihl geäußert haben. Ein Slowake berichtet, Stihl habe einem Freund geholfen zu fliehen, der sich den Partisanen anschließen wollte. Ein Jugoslawe meinte, der Patriarch habe sich "mit großer Empörung geäußert über die Gemeinheit und den Terror des dritten Reiches", ein Holländer, er habe "gelitten, als er sehen musste, wie schmutzig dieses System war, und konnte doch nicht mehr von demselben weg." Der Betriebsrat sagte dagegen aus, Stihl sei "100 Prozent Nationalsozialist" gewesen, habe "mehrere seiner Lehrlinge zum Eintritt in die SS" bewogen und Regimekritiker als "Eiterbeulen" bezeichnet, denen er "in die Fresse" schlagen wolle. (16.2.2017)


Wüstenjubiläum: Fünf Jahre Parkräumung

Vor genau fünf Jahren, am 14. Februar 2012, räumten rund 2500 Polizeibeamte das Protestcamp der Stuttgart-21-Gegner im Mittleren Schlossgarten. Drei Tage später waren rund 180 teils bis zu 300 Jahre alte Bäume gefällt oder (ein kleiner Teil der jüngeren) verpflanzt, und einer der ehemals schönsten innerstädtischen Parks Deutschlands hatte sich in eine Schlammwüste verwandelt.

Zum fünften Jahrestag der Parkräumung wollen die Parkschützer am heutigen Dienstag daran erinnern, mit einer Versammlung und Kundgebung an der Lusthausruine im Mittleren Schlossgarten um 17 Uhr. Es soll Reden, Musik und Gedichte geben, anschließend einen Demozug durch die Königstraße.

Kontext hat damals mit einer Reportage von der Parkräumung berichtet – und danach immer wieder von der erstaunlich langen Untätigkeit oder auch von Baufortschritt vorgaukelnden Alibi-Arbeiten. (14.2.2017)


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16 Prozent potenzielle Rechtsaußen-Wähler gibt es in Baden-Württemberg. Foto und Farbe: Joachim E. Röttgers

16 Prozent potenzielle Rechtsaußen-Wähler gibt es in Baden-Württemberg. Foto und Farbe: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 245
Politik

Rechts, rechter, Baden-Württemberg

Von Johanna Henkel-Waidhofer
Datum: 09.12.2015
Im Südwesten ist die Bereitschaft, einer Rechtsaußen-Partei die Stimme zu geben, doppelt so hoch wie in den anderen Bundesländern. So lautet das alarmierende Fazit des Esslinger Sozialwissenschaftlers Kurt Möller, der für den NSU-Untersuchungsausschuss ein 140-seitiges Gutachten geschrieben hat.

Dunkeldeutschland, das steht für grölende Männer vor der Dresdner Semper-Oper, für AfD-Schreihals Björn Höcke mit seinen Anspielungen auf das tausendjährige Nazi-Reich, für "Lügenpresse"-Sprechchöre, Brandsätze und den Galgen für die Kanzlerin. Falsch, sagt Kurt Möller, und es wird ganz still im Plenarsaal des Landtags. Rechtsextremismus, dieser Begriff assoziiere zwar "in vielen Köpfen Trommeln schlagende, marschierende Uniformierte mit abgewandelten Hakenkreuz-Armbinden, Hinterzimmer, die mit NPD-Fahnen dekoriert sind, Braunhemden tragende Scheitel-Nazis und glatzköpfige Skinhead-Horden in grünen Bomberjacken und Fallschirmspringer-Stiefeln". Tatsächlich gebe es aber vielfältige Erscheinungsformen.

Wahlplakat der Republikaner aus dem Jahr 1992. Quelle: Landesarchiv Baden-Württemberg, CC BY 3.0 DE
Wahlplakat der Republikaner aus dem Jahr 1992. Quelle: Landesarchiv Baden-Württemberg, CC BY 3.0 DE

Und was Möller besonders stört, ist das über Jahrzehnte festzustellende, grob mangelhafte Interesse, die Entwicklung im eigenen Land zu erforschen. Anlässe dazu hätte es genug geben. So oft wie in keinem anderen Parlament saßen hier rechtsradikale Abgeordnete - von der NPD (1968 - 1972) und den "Republikanern" (1992 bis 2001). "Nicht nachvollziehbar" sei, dass die Ursachen dafür niemals wissenschaftlich untersucht wurden. Damit habe man sich "schmutzige Lorbeeren" verdient.

Im Dunkeln tappt der Extremismusforscher aus Esslingen dennoch nicht. Einzelne Zahlen, oft erhoben zum Vergleich mit anderen Bundesländern, liegen vor (das komplette Gutachten finden Sie hier). Zum Beispiel dazu, dass die prinzipielle Bereitschaft der Wähler und Wählerinnen in Baden-Württemberg, auch mal einer Rechtsaußen-Partei die Stimme zu geben, mit 16 Prozent doppelt so hoch ist wie in den anderen Bundesländer. Die tatsächlichen Wahlergebnisse "bilden nur höchst unvollständig die tatsächliche Verbreitung rechtsextremen Gedankenguts ab", sagt der Wissenschaftler. Nicht weniger als ein Fünftel der CDU- und sogar ein Viertel der SPD-Anhänger kann sich vorstellen, rechts zu wählen. (Und null Prozent der Grünen übrigens.)

Die Hochburg liegt in der Heimat von Mappus und Rülke

Eine Geisteshaltung, die sich aktuell in AfD-Wahlergebnissen niederschlägt. Seit den Kommunalwahlen 2014 sind die Rechtspopulisten mit 28 Sitzen in Gemeinderäten vertreten und mit 18 in Kreistagen. Die Partei erreichte zudem auf Anhieb bei den Europawahlen 2014 in Baden-Württemberg knapp acht Prozent, was - wie schon frühere Rechtsaußen-Ergebnisse - wiederum über dem Bundesdurchschnitt liegt. Und die bundesweite AfD-Hochburg liegt ebenfalls im Südwesten: In Pforzheim, der Heimat von Hans-Ulrich-Rülke (FDP) und Stefan Mappus (CDU), kam die AfD bei der Europa-Wahl auf 14,5 Prozent.

Anfällig für einschlägiges Gedankengut sind nicht nur Modernisierungsverlierer im Osten, sondern auch Modernisierungsgewinner im Westen, genauer gesagt im Südwesten. Prosperität und "die Tradition des schaffe, schaffe, Häusle baue" führten zu einem "marktförmigen Extremismus mit einer strikten Wettbewerbsideologie", erläutert der Gutachter und verweist auf die aktuelle Flüchtlingsdebatte: Wer von Wirtschaftsflüchtlingen rede, leiste einem Kosten-Nutzen-Denken Vorschub, "das alle die ausgrenzt, die wir nicht brauchen können". Die Rede von "Flüchtlingsströmen oder Asyl-Tsunamis" führe in Rechtsextremismus oder zumindest ins "rechtspopulistischen Chaos".

Herbstoffensive der rechtspopulistischen AfD. Foto: Joachim E. Röttgers
Herbstoffensive der rechtspopulistischen AfD. Foto: Joachim E. Röttgers

Die Trennlinie zwischen beiden Phänomenen zieht der Wissenschaftler bei der Gewaltbereitschaft. Bei Populisten halte sich die Gewaltakzeptanz in Grenzen. Zum Extremismus "gehört die Auffassung, das Leben ist ein Kampf, und dass Menschen über Kampf zu befähigen sind, sich durchzusetzen". Wer "kleine Uwes" verhindern will, sagt Möller unter Anspielung auf Böhnhardt und Mundlos, der müsse um die "Sinnvakua" wissen, müsse die Unfähigkeit zur Lebensfreude außerhalb von Gewalt und Saufereien empfinden und sich vor Augen führen, wie radikale Organisationen sich unterentwickelte Sozial- und Selbstkompetenzen zunutze machen: "Da passen die Angebote wie Schlüssel ins Schloss."

Wenn die Abgeordneten die Analyse der "Phänomene, Hintergründe, Handlungsempfehlungen" rechter Tendenzen im Land von 1992 bis heute studieren, müssen sie sich noch ganz anderen, lang tradierten Vorurteilen stellen. Denn die Spitzenplätze in Wirtschaft und Forschung, "unsere vielen Hidden Champions", wie Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) so gern betont, die weltweite Erschließung von Märkten und die selbstdiagnostizierte Weltoffenheit, sie alle ändern nichts daran, dass nirgends in der Republik die Bereitschaft größer ist, den Nationalsozialismus zu verharmlosen. "Baden-Württemberg ist Spitzenreiter über 20 Jahre hinweg", heißt Möllers düstere Bilanz. Platz drei belegt der Südwesten auf der Antisemitismus-Skala.

Fachleute kennen die regionalen Schwerpunkte und die Wege, auf denen rechte Volksverhetzung verbreitet wird. Zum Beispiel werbe die mit der NPD verbandelte Kampagne "Nein zum Heim" auf Facebook in Baden-Württemberg um Mitglieder. Die Facebook-Seite "Kein Asylheim in der Reinhardt-Kaserne" in Ellwangen hat bereits über 6000 Likes, jene in Meßstetten 3000. "Seiten wie diese bieten unbegrenzte Plattformen für rassistische Propaganda und entsprechenden Austausch unter Gleichgesinnten", weiß Möller. In Städten und Ortschaften wie Heilbronn, Efrigen-Kirchen, Ulm, im Neckar-Alb-Kreis und in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg gibt es "FacebookGidas" oder ebenfalls Anti-Asyl-Auftritte.

Hans und Edda Schmidt (NPD) dürfen nicht fehlen

Sogar ein NS-Versand-Antiquariat ist ganz unbehelligt angesiedelt im Südwesten: "Hans und Edda Schmidt betreiben es in Bisingen unter ihrem Namen", schreibt der Gutachter. Edda Schmidt sitzt im Landesvorstand der NPD und wurde erst kürzlich nach der Verteilung von Flugblättern gegen Georg Elser wegen "Verunglimpfung des Staates" zu 90 Tagessätzen à 10 Euro verurteilt. Da ist nur ein kleiner Trost, dass Baden-Württemberg "keine Hochburg rechtsextremer Kriminalität und rechtsextrem motivierter Gewalt ist". Allerdings existiere ein Dunkelfeld von ganz erheblicher Größe, und "es deutet sich an, dass die Problematik der Aufnahme und Unterbringung von Geflüchteten neue Gefahrenpotenziale beinhaltet".

Alles Erkenntnisse, denen künftig viel engagierter nachgegangen werden muss. Ebenso wie der Frage, was die von der grün-roten Landesregierung initiierten Projekte eigentlich konkret bringen. Das originäre Engagement hält sich ohnehin in engsten Grenzen: Hamburg stellt pro Jahr 500 000 Euro zur Verfügung, Baden-Württemberg mit sechs Mal mehr Einwohnern 400 000 Euro. Selbst darum musste der Karlsruher Grünen-Landtagsabgeordnete Alexander Salomon auch noch kämpfen.

Möller lobt den Ansatz grundsätzlich, befürwortet er aber eine viel breitere Herangehensweise: Alle Akteure und alle Projekte im Land müssten erfasst und vernetzt werden. Wegen der mangelhaften Finanzausstattung komme es auf die "Hebelwirkung" der eingesetzten Mittel an. Eingerichtet werden müsste ein Aktionsfond für besonders innovative Ansätze und - wenig genug - eine Koordinationsstelle, die unter anderem die Projekte auf ihre Qualität hin begutachtet.

Und noch eine Handlungsempfehlung gibt der Professor den Abgeordneten mit auf den langen Weg. Sich in der Prävention gegen rechts allein mit Kindern und Jugendlichen zu befassen, greift zu kurz. Denn: Es seien Erwachsene, die das Gedankengut überhaupt erst an die Kinder und Jugendlichen herantragen. Wie Jugend- so müsse es auch Erwachsenenarbeit geben. Von "Umschlagplätzen rechter Gesinnung", spricht Möller, an Stammtischen, in Pausenräumen, am Arbeitsplatz, in Umkleidekabinen der Fußballmannschaften, im Verein, selbst in der Familie, bei der Feuerwehr und - die Ausschussmitglieder wissen es nach 37 Sitzungen nur zu gut - auch bei der Polizei: "Denn nur dann erreicht man die, die es, salopp formuliert, besonders nötig haben."


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Kommentare

Loren, 29.02.2016 20:18
@Stephan Carstensen: Mit der Bildung kann es bei Ihnen trotz zwei Hochschulabschlüssen nicht so weit her sein. Formale Bildung ist halt was anderes als Intellekt und Bildung im Humboldtschen Sinne. Aber müssen Sie nicht verstehen, Sie haben die fünf Kisten, die Villa und die Yacht ;-)

Barolo, 11.12.2015 17:41
Hey vino, ob bei mir fast nix stimmt oder alles neben der Kapp ist, sei mal dahingestellt. Statt Polemik wären Argumente allemal besser. Aber damit kann ich umgehen.
Verstecken ist bei mir allerdings gar nicht und das gilt auch für die autoren welche hier schreiben und die Kommentatoren hier, welche häufig viel zum Artikel beitragen.

Ich bin aber tatsächlich noch offen, wen ich wähle, hab allerdings schon eine erschreckend lange Liste, wen ich definitiv nicht wähle ;-)

Und nein, ich habe nicht "in bester verschwörungstheoretikermanier etwas ganz anderes aufschwatzen wollen."

Auf die Gefahr mich zu wiederholen. Ich sagte nur: Die offizielle Version kann so nicht sein und ist vermutlich eine bewusste Lüge von den obersten sogenannten "Staatsdienern"
Und nochmal ganz langsam für Sie (und jeden der sich für meine bescheidene Prämie interessiert)
Es geht um einen BEWEIS (z.B. DNA, Fingerabdruck o.ä.) entstanden VOR dem 4.11.2011, und nicht um eine Aussage einer Angeklagten Beate in 2015 welche verstndliche Interessen verfolgt.
Und wenn Sie vino, schon zu denen gehören, die an die total realitätsferne BKA Selbstmordtheorie der Uwes glauben, dann appeliere ich an den letzten Rest von Hirnschmalz bei Ihnen um folgendes zu erklären.
In maximal 30 Sekunden auf die Polizei schiessen, den Kumpel auf Wunsch selbstmorden (kann der das nicht selber?), das Womo anzünden, die Luft anhalten bis das Feuer brennt und dann sich selber erschiessen............ Weltrekord! Versuchen Sie das mal zu Hause als Gesellschaftsspiel nachzumachen.

Aber nun für Sie als finale Denkaufgabe: Wie erschiesse ich meinen Kumpel und anschliessend mich selbst, ohne auch nur einen Fingerabdruck auf der Waffe und wie entwende ich den zwei Polizisten in Heilbronn die Pistolen ohne sie zu berühren (Uwe DNA fehlt, wie übrigens an ALLEN anderen Tatorten auch)

Der Magische Zirkel arbeitet fieberhaft an der Rekonstruktion dieses Tricks.

Klaus, 11.12.2015 13:14
Unser Wohlstand fußt auf der Armut der Anderen.

Ausbeutung der Rohstoffe für ganz ganz billig, ohne Gewerkschaft, ohne Tariflohn, ohne RV/KV/PV/AV,
ohne fliessend Wasser, ohne Strom, ohne Kläranlage, ohne
Müllabfuhr, ohne Schule, Kinderarbeit, hohe Sterblichkeit resp. geringe Lebenserwartung, niedriges medizinisches Niveau.

Dafür Drohnenangriffe, Import teuerer westlicher Produkte (Auto, Chemie, Maschinen, etc.), diese oft finanziert durch westliche Entwicklungshilfe (Entwicklungshilfe für wen? Deutsche Unternehmen?).

Reichtum / Armut = derselbe Taler, vorn und hinten.

Was muss man tun, um "das Dreifache" zu verdienen?
Waffen? Immobilien? Bank? Chemie? Pharma?

Was ist mit "Gott suchen", "All-Eins-Sein"-Realisieren, Ego zurückstellen? Frei nach der Bedürfnispyramide nach Maslow?
Essen - DachübermKopf - Was denken die Anderen?

Klaus, 11.12.2015 11:48
http://www.sueddeutsche.de/politik/sachsen-mob-greift-bus-vor-fluechtlingsunterkunft-an-1.2778128

Setzen sich die Angreifer auch öffentlich, willentlich, bewusst und selbstsicher für die öffentlichen Interessen aller Deutschen ein?

Ich sehe das so:
In Stuttgart wurde mit Unterstützung tausender PolizistInnen auch aus anderen Bundesländern rechtswidrig ein Park geräumt.

In Sachsen lässt die Polizei das zu, was in dem o.a. Artikel beschrieben ist.

Nun denn. Diese Leute haben keinen Respekt vor dem Rechtsstaat. Wozu auch?

invinoveritas, 11.12.2015 10:58
@barolo

bei Ihnen stimmt fast nix.

Ihr weltbild von USNATO, lakaien und der (das meinen Sie ja offenbar) alleinschuld des westens in der ukraine und syrien ist so schlicht wie neben der kapp. übrigens: wozu verstecken Sie sich hinter den afdlern? Sie "denken" doch ganz ähnlich wie die.

und bzgl. nsu versuchen Sie sich rauszureden. relevant ist für Sie und mich ja nicht, ob beate zschäpe ihren eigenen anteil an den morden wahrheitsgemäß geschildert hat. sondern dass sie die täterschaft der uwes bestätigte, bundesweit und auch in heilbronn. und da haben Sie uns monatelang in bester verschwörungstheoretikermanier etwas ganz anderes aufschwatzen wollen.

übrigens: einen dafür präparierten wohnwagen in brand zu setzen und einen für den fall des entdecktwerdens längst vorher vereinbarten suizid per erschießen zu begehen - wieso soll so etwas mehr zeit beanspruchen als eine halbe minute? auch auf so etwas reiten nur verschwörungstheoretiker herum. im vertrauen darauf, dass derart halbgare "argumente" von ihrem so kolossal kritischen publikum begierig aufgesogen und abgenickt werden.

Barolo, 10.12.2015 22:42
Hey vino, wo hab ich denn in meinem post etwas verschwörerisches gesagt?
Wer AfD wählt, findet sich eben von allen anderen (den s.g. etablierten) Parteien nicht mehr vertreten.
Die werden eben zunehmend als Lakaien der USNATO wahrgenommen. Beispiele gibt es jede Menge. TTIP, NSA, Ukraine, und Syrien sind nur ein paar.

Und nun noch zu Ihrer Ausschweifung mit dem unglaulichen Zschäpe Protokol.
Daß dieses stimmt glaubt ja nun gar keiner. Nicht mal die bekannten staatstreuen UA Mitglieder.
Meine Wette steht immer noch unverändert bis Weihnachten. Unveränderte Regeln.
Etwas zum nachdenken für Sie. Warum haben die Uwes die Polizisten getötet/verletzt?
Um statt der fehlerhaften eigenen Waffe ein paar H+K Pistolen zu bekommen? LoL
Und trotz massiven Körperkontakts gibt es nicht ein Fitzelchen Uwe DNA in Heilbronn? Wow.
Das ist ja so noch toller wie der unmögliche Mord/Selbstmord der Uwes ohne Fingerabdrücke an der Waffe im Womo. Und das innerhalb von 30 Sekunden ;-)

Herbert Kröter, 10.12.2015 22:01
Ich habe vergessen, noch die Definition für AfD anzuhängen: Asoziale f***** Deutschland.

Herbert Kröter, 10.12.2015 21:58
@Stephan Carstensen: Schön, dass Sie in Deutsch-Südwest so empor gekommen sind, ich halte es mit einem ehemaligen Außenminister (der mir selbst höchst zuwider ist): Mit Verlaub, Sie sind ein …

Julius Schmitt, 10.12.2015 18:32
@Stephan Carstensen: Auch ich bin aus BW. Ich habe zwei Hochschulabschlüsse, einen Job mit deutlich über dem Bundesdurchschnitt liegendem Gehalt, ein Haus, ein Ferienhaus und drei Autos. Ich wähle AfD :-)

Auch ich bin aus BW. Ich habe keinen Hochschulabschluss, aber einen durchaus guten Verdienst, kein Haus, kein Ferienhaus und nur ein Auto und ich wähle auch nicht AfD. Im Gegensatz zu Ihnen habe ich aber kapiert, was Kosten-Nutzen-Denken, das Mantra der 'Wettbewerbsfähigkeit', der Zwang zum markgemäßen Sich-Verkaufen-Müssen, sprich DER KAPITALISMUS, mit den Menschen macht: Er macht sie zu egozentrischen, auf sich selbst bezogenen Monstern, die - trotz Hochschulabschluss, 3 Jachten, weit überdurchschnittlichem Verdienst, 5 Autos und einem Helikopter - jede Empathie an der Gardarobe abgeben und - quasi als 'Dank' obendrein Neonazis wählen.

Paul, 10.12.2015 15:32
Natürlich gilt die AfD als rechtsextrem wenn die Mitte schon fast links runterfällt.

invinoveritas, 10.12.2015 14:37
@stephan carstensen

linke haben keine argumente gegen Ihren chauvinismus? das hätten Sie wohl gern. allerdings fürchte ich, Sie haben keine ahnung von ihnen.

wenn die welt von heute immer mehr einer ansammlung fürchterlicher krisenherde gleicht, dann ganz zentral deshalb, weil allenthalben politik und wirtschaft diesen AfD-typischen jeweiligen nationalen egoismus praktizieren.

diese strategie ist oberflächlich, kurzsichtig und verhängnisvoll - auch für die, die ihr folgen. denn die völker und die umwelt, die in diesem rat race unter die räder kommen, zahlen das irgendwann zurück.

weltweit gebraucht werden mehr denn je solidarität und kluge einsicht. nicht dagegen die beschränktheit von leuten, die glücklich glucksend auf ihre drei autos und ihren gehaltszettel starren und am wahltag in der völkischen sackgasse herumstolzieren.

Stephan Carstensen, 10.12.2015 12:58
Danke für diesen Text!
Wurde selten so gut unterhalten. Das Gejammere und die linke Larmoryanz haben mitlerweile beeindruckende Züge angenommen. Waren Wähler "rechter" Parteien sonst nur dumme Primitivlinge, Wilde, Loser und sonstige gescheiterte Persönlichkeiten, so sind jetzt auch Gewinner und Gebildete. Die Fassungslosigkeit des Autors ist herrlich. Was Linke eben nicht verstehen können ist, dass es Menschen gibt, die bewusst solche Parteien wählen, die sich für Deutschland und für die Interessen des deutschen Volkes einsetzen. Linke haben keine Argumente hiergegen, folglich auch das übliche Diffamierungsgeschreie.

Auch ich bin aus BW. Ich habe zwei Hochschulabschlüsse, einen Job mit deutlich über dem Bundesdurchschnitt liegendem Gehalt, ein Haus, ein Ferienhaus und drei Autos. Ich wähle AfD :-)

invinoveritas, 10.12.2015 12:25
@barolo (und die anderen verschwörungstheoretiker)


interessant, so viel verständnis für afd-fans.

hauptsache, man kann einmal mehr auf die versagende politik eindreschen.

dabei wäre nach der zschäpe-aussage doch wohl eher erst mal sehr laute und pfefferscharfe selbstkritik angebracht:

wie war das noch mit den beiden uwes, die mit der mordserie und speziell mit dem tod von michèle kiesewetter gar nichts zu tun hatten?

weil ja die wahren täter unbedingt irgendwie bei diesem grässlichen staat sitzen müssen ...

Barolo, 09.12.2015 16:51
Die Antirassismusskala hätt ich auch gerne mal gesehen.
Was mir persönlich auffällt, dass ganz normale berufstätige Menschen heute frustriert sagen "Dann wähl ich halt nächstes mal die AfD".
Das kling selten so als ob sie das gerne machen, sondern eher als ob ihre ehemalige politische Heimat ihnen fremd geworden ist.
Das sind genauso ex SPD, CDU oder Grünen Wähler.
Und Mutti tut auch wirklich alles dazu, diese Unzufriedenheit und Angst zu verstärken.
Wenn ich als Politiker versage, dann darf ich mich über die Reaktion des "Packs" nicht wundern.

Blender, 09.12.2015 15:55
Es ist zu Befürchten dass eine rechtsextreme Nachfolgepartei das neueste NPD-Verbotsverfahren als Vorlage verwendet um sobald es die Verhältnisse zulassen nacheinander Linke, SPD, CDU, und die FDP zu verbieten. Was die NPD-ler denken kriegt man durch ein Verbot eh nicht aus deren Köpfen raus. Besser wäre es die Jugendlichen zu betreuen und zu fördern damit diese Ideologien nicht in deren Köpfe reingehen.

CharlotteRath, 09.12.2015 09:20
Was ist eine "rechtsaußen Gesinnung" bzw. Geisteshaltung, und warum ist sie in Baden-Württemberg besonders verbreitet?
Ich kann es anhand dieses Artikels nicht nachvollziehen.

Ein Kosten-Nutzen-Denken, "das alle die ausgrenzt, die wir nicht brauchen können", findet sich auch in anderen Ideologien bzw. Gesellschaftskonstrukten.
Möglicherweise wird eine solche Einstellungsweise z. B. durch das Mantra der "Wettbewerbsfähigkeit" und die Aufforderung zur ständigen Selbstoptimierung im Neokapitalismus gefördert. Wenn dem so sein sollte, gehört es aber auch deutlich ausgesprochen. Denn "Häusle bauen" dient zunächst einmal, ganz schlicht, der Altersvorsorge.

"Platz drei belegt der Südwesten auf der Antisemitismus-Skala." Wo ist diese Skala zu finden?

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