KONTEXT Extra:
Abschiebung nach Afghanistan: Strobls "katastrophale Pannen"

Immerhin eines ist geklärt: was CDU-Innenminister Thomas Strobl unter dem "konsequenten Vollzug von Recht und Gesetz" versteht. Nach einer Einzelfallprüfung durch sein Haus sollten am Mittwochabend ein psychisch kranker Mann, der per Gerichtsbeschluss schon einmal von der baden-württembergischen Abschiebe-Liste geholt wurde, und ein afghanisch-türkischer Familienvater aus München nach Kabul reisen müssen. Abermals griffen Gerichte ein. Der grüne Koalitionspartner tobt, von "katastrophalen Pannen" ist die Rede und davon, dass der CDU-Landeschef alle Absprachen gebrochen hat. Sogar Ministerpräsident Winfried Kretschmann knöpfte sich den Stellvertreter vor. Und die baden-württembergischen Jusos sprechen von einem "Spiel mit dem Leben der Betroffenen". Dass wieder Gerichte "eingreifen müssen, um diesem Irrsinn ein Ende zu setzten, zeigt, wie leichtfertig mit dem Schicksal einzelner Menschen umgegangen wird". Die Landesregierung habe den Spielraum, "das zu stoppen, und muss diesen endlich nutzen".

Bisher wollte sich Kretschmann dem vorübergehenden Abschiebestopp nach Afghanistan, den andere grün-mitregierte Länder bereits umsetzen, allerdings nicht anschließen. Der Druck auf ihn steigt aber weiter, nachdem am Mittwoch auch ein Mann abgeschoben wurde, der seit Jahren einen Arbeitsplatz in Baden-Württemberg hatte. Außerdem ist Strobl weiter uneinsichtig und will die Aufregung beim Koalitionspartner, bei den Jusos, den Flüchtlingsorganisationen und vielen Unterstützern vor Ort nicht verstehen. Stattdessen sieht er in einer Aussetzung von Abschiebungen eine "Aushöhlung des Rechtsstaats". Er könne nicht nachvollziehen, sagt der Merkel-Vize, dass es Länder gibt, die sich "systematisch weigern", geltendes Recht zu vollziehen: "Das sind Schläge gegen den Föderalismus."

Mehr zum Thema: "Späte Einsicht", "Kritik ist Lüge", "Der Hardliner", "Geisterfahrer unterwegs" https://www.kontextwochenzeitung.de/politik/300/der-hardliner-4100.html


Alles von vorne

Nicht alle bekommen eine zweite Chance, baden-württembergische Landtagsabgeordnete nehmen sie sich: Mit einem sogenannten Aufhebungsgesetz beginnen die Reparaturarbeiten nach dem bisher größten Aufreger der Legislaturperiode, der im Hau-Ruck-Verfahren beschlossenen knappen Verdoppelung der Pauschalen für Aufwand und Wahlkreis, sowie der Rückkehr zur staatlichen Altersversorgung. Die Grünen wollten alle Vorhaben gemeinsam auf den Prüfstand stellen, CDU und SPD setzten sich durch mit einer Expertenkommission, die allein die Rentenreform prüfen wird.

Zuerst allerdings muss Mitte März das entsprechende Gesetz endgültig aufgehoben werden. Danach werden die Experten, einschließlich jener vom Rechnungshof, benannt. Irgendwann im Herbst soll dann mit jener Transparenz, an der es im ersten Durchlauf bitter mangelte, über die Veränderungen, mit denen eine Anhebung der Alters- und Hinterbliebenenversorgung einhergeht, diskutiert werden. Eile haben die Abgeordneten keine, denn niemand will sich ausgerechnet in den Wochen vor der Bundestagswahl abermals Vorwürfen aussetzen, sich eine Luxuspension auf Staatskosten zu genehmigen. (22.2.2017)

Mehr zum Thema: "Raffkes mit Mandat"


Fahrverbote beschlossen – Nordost-Ring vom Tisch

Wie ein Gespenst geisterte seit Wochen ein vor fast 40 Jahren beerdigtes Verkehrsprojekt durch die Debatte um Feinstaubalarmtage und Fahrverbote in der Landeshauptstadt: der Nordost-Ring. Jetzt hat Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) allen Spekulationen eine Absage erteilt. Auch deswegen, weil die Baumaßnahme entgegen den Behauptungen von Teilen der CDU keineswegs bereits im Bundesverkehrswegeplan steht. "Dort geht es um neun Kilometer der B 29", so Hermann nach dem heutigen Kabinettsbeschluss zu Fahrverboten ab 1.1.2018 an Feinstaubtagen, den schlussendlich auch die CDU-Landtagsfraktion mittrug.

Prompt gab es Lob von Umwelt- und Naturschützern. Hermann habe erkannt, so die BUND-Landesvorsitzende Brigitte Dahlbender, "wenn nicht zeitnah effiziente Maßnahmen greifen, so werden die Gerichte die Entscheidungen zum Schutze der Bürger*innen treffen und die Politik das Heft aus der Hand geben müssen". Die Stuttgarter CDU ist noch nicht ganz so weit. Für den Kreisvorsitzenden Stefan Kaufmann sind Fahrverbote weiterhin "politisch klar abzulehnen". Und er träumt von Nordost-Ring: Jetzt gelte es "endlich neue Verkehrsprojekte wie den Nord-Ost-Ring auf den Weg zu bringen". Hermann machte dagegen deutlich, dass das nach dem eben erst in Kraft gesetzten Bundesverkehrswegeplan gar nicht möglich ist. 

In den Sechzigern und Siebzigern waren zwei Varianten durchdacht worden: eine größere mit einem Autobahnzubringer bei Mundelsheim und eine kleinere etwa auf der Gemarkungsgrenze zwischen Waiblingen und Fellbach. Schon damals vertraten Verkehrswissenschaftler allerdings die Ansicht, dass ein Ringschluss rund um Stuttgaart weniger die Stadt, sondern die Autobahnen im Westen und Süden entlasten würde.


Korntal: Opfervertreter verlangen mehr Engagement der Landeskirche

Die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in der evangelischen Brüdergemeinde Korntal ist unterbrochen. Die Opfervertreter verlangen einstimmig, dass sich Frank Otfried July endlich entscheidend einbringt. "Wir werden nicht mehr mit den Brüdern sprechen", so Netzwerk-Sprecher Detlev Zander. Jetzt müsse "der Oberhirte, also der Bischof, ran". Im Betroffenen-Netzwerk organisiert, werfen mehr als 300 ehemalige Heimkinder der Brüdergemeinde vor, in den 1950er- bis 1980er-Jahren in deren zwei Einrichtungen sexuell missbraucht, misshandelt und gedemütigt worden zu sein.

Dass mehr Engagement von July gefordert wird, ist nicht neu. Im Sommer 2016 hatte einer der Betroffenen in einem langen Schreiben an den Landesbischof appelliert: "Die Kirche ist mit in der Verantwortung und wenn Sie als Oberhirte weiter schweigen, machen Sie sich persönlich schuldig. Die Heimopfer warten auf ein klärendes Wort von Ihnen." Denn die Korntaler Fürsorge habe "einen menschlichen Scherbenhaufen hinterlassen". (20.02.2017)


NSU-Ausschuss will weitere Akten

Der zweite parlamentarische Untersuchungsausschuss zum "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) geht auf die Suche nach zusätzlichen Akten, um dessen Verbindungen nach Baden-Württemberg besser auszuleuchten. Die Abgeordneten meinen, beim Generalbundesanwalt und/oder im Bundesamt für Verfassungsschutz fündig werden zu können. Beauftragt ist Bernd von Heintschel-Heinegg. Der Rechtswissenschaftler war schon für den ersten Ausschuss des Landtags und als Sonderermittler auch für den Bundestag tätig.

Zurückgestellt wurde in diesem Zusammenhang die Ladung von Mike Markus Friedel. Vor allem der NSU-Experte Hajo Funke hatte immer wieder darauf gedrängt, dass der gebürtige Sachse gehört wird. Dessen Name stand auf der sogenannten Garagenliste, die 1998 in Jena sichergestellt, aber erst mit großer zeitlicher Verzögerung detailliert ausgewertet wurde. Vor fast zwanzig Jahren zog er nach Heilbronn. "Markus Friedel war mit 'Erbse' (V-Mann), Torsten Ogertschnig, zusammen im Ländle im Gefängnis", schreibt Funke. Und von Friedel habe "Erbse" seine Kenntnisse über den NSU und Mundlos.

Bei einer Veranstaltung der "Anstifter" im Stuttgarter Kunstverein hat Rainer Nübel, der im ersten Ausschuss als Sachverständiger aufgetreten war, erneut von den Abgeordneten verlangt, sich ernsthafter mit der Anwesenheit ausländischer Geheimdienste am 25. April 2007 in Heilbronn zu befassen. An diesem Tag waren die Polizistin Michèle Kiesewetter ermordet und ihr Kollege Martin Arnold schwer verletzt worden. Der zweite Ausschuss hat bereits mehrere Zeugen vernommen. Jetzt ist ein Bericht beim Bundesnachrichtendienst angefordert.

Die nächste Ausschusssitzung beginnt am Freitag, den 24. Februar, um 9.30 Uhr im Landtag. Zwei Kriminalbeamtinnen sollen Auskünfte über die rechte Szene geben und die Verbindungen des NSU in den Südwesten. Geladen sind außerdem drei Zeuginnen, die Kontakt zu Beate Zschäpe gehabt haben sollen.

Auch die weiteren Sitzungstermine bis zur parlamentarischen Sommerpause sind festgelegt: 20. März, 28. April, 15. Mai, 19. Juni und der 17. Juli 2017.

Mehr zum Thema: "Geheimdienste im Fokus", "Eh-wurscht-Akten" 


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Ob die Magistrale Paris–Budapest kommt, wer weiß das schon. Foto: Martin Storz

Ob die Magistrale Paris–Budapest kommt, wer weiß das schon. Foto: Martin Storz

Ausgabe 215
Politik

Alles Kokolores

Von Josef-Otto Freudenreich (Interview)
Datum: 13.05.2015
Alles ist gut – zumindest für die Bahn. Ihre Manager präsentierten sich vor den Bundestagsabgeordneten voll entspannt und die Vertreter von CDU und SPD als Stichwortgeber. Die Ruhe störte eigentlich nur der "Stern"-Autor Arno Luik, der als S-21-Kritiker aufgetreten ist. Ein Interview.

Keine schriftlichen Stellungnahmen von den Bahnmanagern, keine Übertragung aus dem Saal, keine Fotos und begrenzte Plätze. Die Anhörung im Verkehrsausschuss des Bundestags am vergangenen Mittwoch (6. Mai) hätte eigentlich "offene Fragen""zu Stuttgart 21 klären sollen. In Wirklichkeit war es ein Ritual mit gelenkten Spielregeln: Die Bahn geht unbeirrt ihren Weg, alles im Plan und Griff, und die Gegner schlagen die Schlachten von gestern. Arno Luik hat das zum ersten Mal als Redner in einem Parlamentsausschuss erlebt.

Kollege Luik, als gute Demokraten nehmen wir an, dass eine Rede vor Parlamentariern wichtig ist. Nach dem, was so zu hören und zu lesen war, traf das für die S-21-Anhörung nicht unbedingt zu. Wie müssen wir uns das konkret vorstellen?

Arno Luik.
Arno Luik.

Der erste Eindruck: Die Luft in dem Gebäude ist extrem trocken, kein Laut von draußen dringt rein, man ist abgeschottet im eigenen Kosmos. Die Abgeordneten und die Aufsichtsräte der Bahn, fast alle in ähnlichen Anzügen. Sie wirken wie gesättigte Senatoren, die sich nun auf etwas einlassen müssen, weil es die demokratischen Regeln vorschreiben, aber auf das sie jetzt überhaupt keine Lust haben: auf diese Anhörung zum Bahnprojekt Stuttgart 21.

Die Linken und die Grünen wollten "offene Fragen" klären. Das scheint ein frommer Wunsch geblieben zu sein.

Offene Fragen, die gibt es für die meisten nicht, das spürt man schon nach wenigen Sekunden. Die Fronten sind klar. Die Parteilinien sind einzuhalten. Wenn die Abgeordnete der Linken etwas sagt, murren und knurren die CDU-Leute, wenn der Abgeordnete der Grünen etwas anmerkt, gucken die SPDler in ihre Smartphones, sie tuscheln oder blättern in ihren Unterlagen – verblüffend flegelhaft das alles.

Und wir hatten immer gedacht, das Hohe Haus sei ein Hort der Seriosität.

Der Abgeordnete Funk (CDU) eröffnet die Sitzung, stellt seine erste Frage an die Bahn und endet so: "Niemand hat die Absicht, einen unsicheren Bahnhof zu bauen." Ich nehme später Funks Satz auf und sage: "Wir sind hier ja in Berlin, und da sagte schon mal jemand: 'Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten'." Plötzlich ist Leben im Raum, Zwischenrufe, Ausrufe: "Das ist ja, das ist eine Unverschämtheit!"

Immerhin, unsere Volksvertreter waren wach.

Ja, um kurz aufzujaulen. Doch während der ganzen Sitzung hatte ich keinen Moment das Gefühl, dass das Gros der Abgeordneten, die das Tun der Bahn in Stuttgart kontrollieren sollen, echtes Interesse an dem teuersten Bauprojekt in Deutschland haben. Für sie, so mein Eindruck, ist das Ganze ganz weit weg, irgendwo in der Südprovinz, irgendwie beschlossen, irgendwie abgesegnet – und dass S 21 finanziell aus dem Ruder läuft, dass sich S 21 in sehr vielen Fragen am Rande der Legitimität bewegt. Vielleicht sogar jenseits davon, die Stichworte sind Brandschutz, Kapazitätsabbau, die gegen alle Sicherheitsrichtwerte verstoßende Gleisneigung im Tiefbahnhof: Kokolores, alles lästige, lässliche Details, über die man gar nicht aufgeklärt werden möchte. Das wäre ja anstrengend. Gegen zwölf Uhr, die Anhörung geht bis 13 Uhr, kommt ein Saaldiener, fragt jeden und jede, ob man etwas essen möchte. Und dann redet man zu Abgeordneten, die auf ihren Snacks herumkauen.

Mit vollem Mund soll man auch nicht sprechen. Im Ernst: Mehr Ernsthaftigkeit wäre wünschenswert gewesen, demokratietheoretisch gesprochen. 

Es ist ein Ritual. Ein Muss, das die meisten der anwesenden Abgeordneten einfach hinter sich bringen wollen. Wie ernst diese öffentliche Kontrolle vom wichtigsten, mit vielen Milliarden Euro Steuergeldern subventionierten Akteur genommen wird, dokumentiert sich daran, dass die Bahn und ihre anwesenden Experten es nicht für nötig hielten, für diese wichtige Sitzung, vorab eine schriftliche Stellungnahme abzugeben – es gehört sich so. Da drückt sich eine deutliche Verachtung, Überheblichkeit gegenüber den Parlamentariern und auch der Öffentlichkeit aus.

Das scheint uns nicht ganz neu zu sein. Die Bahn hat sich bei S 21 nie durch besondere Aufrichtigkeit ausgezeichnet.

Wenn die Sache nicht so wichtig wäre, könnte man es drollig finden, dass die Kritiker, wie in diesem Fall Matthias Lieb vom Verkehrsclub Deutschland und ich, sich in ihren schriftlichen Stellungnahmen um Argumente bemühen, die Bahn aber einfach dasitzt und sagt: Es ist alles gut. Die meisten Abgeordneten geben sich damit zufrieden. Sie geben sich auch zufrieden, wenn die Bahn bei fragwürdigen Dingen beruhigend auf Gutachten verweist. Nicht hinterfragt wird aber in der Anhörung, wie diese Gutachten zustande kamen. Ob die Bahn (wie etwa im Fall des so wichtigen Brandschutzes) ihr Rettungskonzept für die Kontrollbehörde von einem eigenen Sachverständigen beurteilen ließ. Dass die Kontrollbehörde der Bahn, das Eisenbahn-Bundesamt (EBA), sich dafür keinen eigenen unbefangenen Gutachter besorgt hat. Sondern bei der "Begutachtung" akzeptiert hat, dass die Bahn kontrolliert, was der angeblich unabhängige Gutachter für das EBA formuliert – die Bahn ihr Sicherheitskonzept also selbst überprüft. Schon eigenartig, dass die Parlamentarier das hinnehmen.

Also alles in den Gully geredet.

Ich hoffe nicht. Nur einmal, ein einziges Mal, hörten allerdings alle aufmerksam zu, nur einmal verspürte man eine leichte Verunsicherung in der allgemeinen Gleichgültigkeit. Die Bahn ist ja eine Aktiengesellschaft. Es gilt das Aktienrecht. Jeder Aufsichtsrat ist damit verpflichtet, Schaden von seinem Unternehmen abzuhalten. Jeder ist persönlich haftbar. Es ist aber bekannt, dass S 21 jenseits der Rentabilität ist, also ein ökonomischer Schadbahnhof ist, dass Milliarden Euro Steuergelder womöglich verschwendet werden. Ich habe deshalb an die Finanzaffäre um die Nürburgring AG erinnert, bei der vor einem Jahr der rheinland-pfälzische Ex-Finanzminister und Aufsichtsratschef der Nürburgring AG, Ingolf Deubel (SPD), wegen Untreue und Gefährdung von Steuergeldern zu drei Jahren Haft verurteilt worden war. Die Nürburgringsache aber ist eine Lappalie im Vergleich zu S 21. Da war Ruhe im Saal.

Womöglich ist das eine sehr menschliche Reaktion. Niemand sitzt gerne im Knast.

Im neuen Aufsichtsrat der Bahn sitzen zwei juristisch versierte Personen: die frühere Justizministerin Brigitte Zypries und die Polizeikommissarin Kirstin Lühmann. Beide wissen von Amts wegen und von ihrer Ausbildung her, was Recht und Ordnung, Gesetz und Gesetzlichkeit sind. Man darf gespannt sein, wie sie die Tatsache verarbeiten, dass S 21 ein volkswirtschaftlich nicht zu verantwortendes Projekt ist. Denn: Die Rentabilitätsgrenze für S 21, so Bahnchef Rüdiger Grube, liegt bei 4,7 Milliarden Euro Baukosten – aber der Bau verschlingt schon jetzt 6,8 Milliarden Euro. Und noch eine kleine Anmerkung: Der anwesende Technikvorstand der Bahn, Volker Kefer, war einmal wirklich souverän süffisant – als der Grüne Matthias Gastel S 21 heftig kritisierte, konterte Kefer lächelnd: Sie haben hier in Berlin wohl noch nicht mitbekommen, dass Ihre Parteifreunde in Stuttgart in Sachen S 21 schon viel weiter sind als Sie! Und er lobte die überaus gute Zusammenarbeit mit den Stuttgarter Grünen, die sei "konstruktiv-vertrauensvoll". Vielleicht erklärt sich auch so, dass der grüne Verkehrsminister in Stuttgart, Winfried Hermann, nicht mal das Einfachste und Selbstverständlichste macht: zu verlangen, auch öffentlich zu verlangen, dass endlich die Kosten, die der Bundesrechnungshof zu S 21 erhoben hat, öffentlich gemacht werden. Diese Zahlen werden seit zwei Jahren unter Verschluss gehalten.

Das klingt alles sehr ernüchternd, um nicht zu sagen deprimierend. Welche Konsequenzen sind daraus zu ziehen?

Ich hoffe, dass der eine oder andere Abgeordnete, die eine oder die andere Aufsichtsrätin der Bahn AG, angeregt durch diese Sitzung, sich doch noch um die so offenkundig allzu vielen offenen Fragen kümmert – jenseits von den offiziellen Bahnexperten. Und dass die regierenden Grünen in Baden-Württemberg es sich doch noch trauen, die Sinnhaftigkeit von S 21 zu hinterfragen – anstatt dieses Bauvorhaben nun so brav mitzutragen, von dem sie doch so genau wissen, dass es, freundlich gesagt: kompletter Unfug ist. Winfried Kretschman vor seiner Wahl zum Ministerpräsidenten über S 21: "Verfassungswidrig!" Winfried Hermann vor seiner Wahl zum Verkehrsminister über S 21: "Absurder Schwabenstreich!" Und dass sie sich daran erinnern, dass sie an der Macht sind, weil sie einst gegen S 21 waren. Vielleicht sind sie ja bald nicht mehr an der Macht, weil sie nun dafür sind. Das sind die Konsequenzen, die die Baden-Württemberger ziehen können.


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Kommentare

B. Noeske, 17.05.2015 18:44
Der Artikel mit seiner Faktensammlung hat mir gut gefallen. Was mir zu kurz kommt, ist, dass nun die Grünen / Verkehrsminister Hermann als kooperative DB-Partner beschrieben werden. Das mag für den Bereich des Flughafenanschlusses gelten, aber sonst sehe ich lediglich eine notgedrungene Mitarbeit auf Grund des Koalitionsbeschlusses mit der SPD. Die unbelehrbare SPD ist in meinen Augen das Hauptproblem.
Lediglich eine Koalition aus schwarz - rot hätte S 21 offensiver angegangen.
Jetzt muss also Druck auf die SPD gemacht werden, Denn wenn 2016 nur Koalitionen mit den Schwarzen möglich werden, kann man nur noch auf den Wassereinbruch hoffen.

Kornelia, 14.05.2015 19:47
Ich möchte an dieser Stelle danke sagen dass die linke luik aufgestellt hat, denn ist nicht spätestens seit dem faktencheck klar, es geht nicht um sachliche Argumente, sondern um die mittlerweile dt.übliche LGPCK Politik, oder wie es auch heißt die nachkriegs 4Affen-politik:nichts hören, nichts sehen, nichts fragen, merkel-teflon!

Aber was mich fassungslos macht wie vorauseilenden gehorsam die Presse sich einen Maulkorb verpassen lässt! In einer öffentlichen Sitzung, bezahlt vom Volk, mit vom Volk bezahlten"Dienstleistern" und "es darf nicht fotographiert oder aufnahmen gemacht werden?!?!"
Den Journalisten in Deutschland wird sehend die Augen verbunden und sie mucken nicht auf!
Das ist mir ein Rätsel!
Auch hier wird eine wichtige Errungenschaft der demokratisierenden Bürgerbewegungen von Machtnehmern für ihre Zwecke missbraucht und von HerrenKnechte unterstützt!

yarkon, 14.05.2015 13:23
Sehr geerte Frau Selbstreflexion, ich möchte mich bei Ihnen bedanken das Sie so früh arbeiten (Selbstreflexion, 13.05.2015 08:20). Ich kann Sie vrestehen das Sie als Zwangslohnschreiberin alles schreiben MÜSSEN was der Chef "denkt". Bravos.

By-the-way, 13.05.2015 21:27
Die Lösung des Dilemmas steht doch schon im Text!

Zitat:
"Die Bahn ist ja eine Aktiengesellschaft. Es gilt das Aktienrecht. Jeder Aufsichtsrat ist damit verpflichtet, Schaden von seinem Unternehmen abzuhalten. Jeder ist persönlich haftbar."

Also dann:
die Treibjagd ist eröffnet! Wer hat wann und was bei Stuttgart 21, wider besseren Wissens, mitentschieden?
Diesem Kesseltreiben würde Niemand entkommen.

Voraussetzung wäre allerdings eine Justiz, die tatsächlich gewillt ist, schwere organisierte Wirtschaftskriminalität zu verfolgen und entsprechend zu bestrafen.

Da habe ich in diesem Land wenig Hoffnung...

Gottfried Ohnmacht-Neugebauer, 13.05.2015 20:56
Das Lied des grünen Ministers:

Vor der Wahl dagegen,
nach der Wahl dafür,
so spricht der Herr Minister,
denn jetzt regieren wir!

https://cappellarebella.mtmedia.org/das-lied-des-gruenen-ministers/

Ernst Hallmackeneder, 13.05.2015 17:14
Immer wieder diese diabolischen S21-Gegner! Fakt ist, dass dieses fortschrittliche Projekt ein Geschenk unseres HERRn für alle redlichen, keuschen und gottgefällig lebenden Stuttgarter Bürger ist. Beweis: Die Heilige katholische Kirche äußert sich dazu überhaupt nicht, und selbst der (häretische) evangelische Oberkirchenrat erklärt sich für neutral, ist also für S21. Wer anders als die christlichen Kirchen kann denn einen solch direkten Draht zum HERRn haben?
Große Brandschutzmaßnahmen und ähnlichen Sicherheitsklimbim braucht es auch nicht, denn der Herr sorgt für alle, die tief und fest an S21 glauben. Zugegebenermaßen kann der HERR als vielbeschäftigter Schöpfer des Universums auch nicht ständig über sein geliebtes Stuttgart wachen, eventuelle Unfälle sind also nicht zur Gänze auszuschließen aber: Wer fest an Stuttgart 21 glaubt und dabei zu Tode kommt, wird umgehend in das Himmelreich auffahren, S21-Dagegner werden jedoch bis zum jüngsten Gericht im Fegefeuer brennen. Halleluja!
Im übrigen wird Stuttgart mit der Fertigstellung von S21 in ferner Zukunft aus dem Provinzschlaf erwachen und die einzige deutsche Weltmetropole, Kassel, aber gaanz locker abhängen, ist das nicht schön!

dichtbert, 13.05.2015 16:54
Selbstreflexion, 13.05.2015 08:20 ... lustig, Sie selbst liefern einen hochpeinlichen Beitrag hier gerade ab. Verstecken Sie sich deshalb hinter einem anonymen Account? Herr Luik argumentiert mit offenem Visier. Das machen die meisten Rest-Befürworter eben nicht.

Roman Lobinger, 13.05.2015 14:03
@selbstrefelexion: wenn etwas absurd ist, dann sind es ihre ebenso unsinnig wie bedeutungslosen Ausschweifungen zum Thema Neuordnung des Bahnknotens.
60 km Tunnelstrecke braucht S21 nur deshalb, weil man Bahnhöfe um 90° dreht und in der Erde vergräbt. Einen Abstellbahnhof brauchts deshalb, weil es im Durchgangs-Schräg-Tiefbahnof keine Abstellmöglichkeit wie im Kopfbahnhof gibt.
Einen Nesenbachdüker (schon fertig?) sowie 3 weitere Düker brauchts beim Kopfbahnhof ebensowenig wie die kropfunnötige, teure Verlegung von Haltestellen im Stadtzentrum.
Diesen ganzen mind. 7 Mrd. teuren Bockmist wollen Sie und ihre Proler den Leuten als "zukunftsfähig" verkaufen. Tztztztz!

Dr. Diethelm Gscheidle, 13.05.2015 13:31
Sehr geehrte Frau Selbstreflexion,

was für ein hervorragender Kommentar! Ganz besonders gut gefällt mir, dass Sie keinerlei Sachargumente haben, sondern den unredlichen Herrn Luik einfach persönlich angreifen! Schließlich wissen wir redlichen S21-Befürworter genau: Mit Herabwürdigungen und unterschwelligen Beleidigungen haben wir die besten Schanzen, dass sich diese garstigen S21-Gegner endlich zurückziehen - auf Sachargumentationsebene haben wir es hingegen sehr schwer.

Da Sie das so gut beherzigt haben: Haben Sie Interesse an einem gutbezahlten Arbeitsplatz als Pro-Stuttgart-21-Lohnschreiber? Leute wie Sie werden von mir und meinen Auftraggebern immer gesucht! Die entsprechende Stellenausschreibung finden Sie auf der Heimseite meines redlichen Forschungsinstitutes unter http://omec.us/ddg/bewerbung_S21.html - dort ist auch der Einstieg für das Internetz-Bewerbungsverfahren und den entsprechenden Redlichkeitstest, nach dessen Bestehen Sie Ihre Bewerbung an mich absenden können!

Mit redlichen und freundlichen Grüßen und in der Hoffnung, einen neuen, wertvollen Mitarbeiter zu gewinnen, verbleibe ich
mit freundlichen Grüßen

Dr. Diethelm Gscheidle
(Verkehrswissenschaftler, Dipl.-Musikexperte, sowie Koordinator der Pro-S21-Lohnschreiber)

P.S.: Wie Sie ja wissen, ist der Arbeitsplatz aufgrund der Bauzeit von Stuttgart-21 für mindestens die nächsten 20 Jahre gesichert - sollte er wider Erwarten doch wegfallen, garantieren wir die Übernahme auf einen Arbeitsplatz mit gleicher Bezahlung bei der Herrenknecht AG oder der Deutschen Bahn AG!

Markus Hitter, 13.05.2015 12:19
Hallo Problemfall,

pardon "Selbstreflektion". Sie scheinen ja genau Bescheid zu wissen. Als ob Sie dabei gewesen wären.

Tillupp, 13.05.2015 10:25
Ich habe es schon mal an anderer Stelle geschrieben bei Kontext geschrieben. Mein Vorschlag wäre, den Bahnhof oben zu lassen, und die bis zur Einstellung des Projekts gebauten Tunnelröhren für den Straßenverkehr verwenden, um die Autos aus der Stadt zu bringen. So könnte doch noch was sinnvolles draus werden.

Stefan S., 13.05.2015 10:19
Irgendwo anders hab ich gelesen, dass die Unionsvertreter die ganze Zeit rumgefeixt hätten. Es ist einfach nur widerlich und deprimierend.

Selbstreflexion, 13.05.2015 08:20
Wenn man dermaßen frustriert nach so einen Auftritt nach Hause geht wie Herr Luik, dann könnte man unter seriösen Journalisten doch mal die Frage in den Raum stellen:"Was denken Sie Herr Luik: Woran liegt es, dass Sie niemand ernst nimmt? Was waren eigentlich Ihre Ziele bei der Anhörung? Haben Sie diese erreicht. Falls nicht, lag es vielleicht an Ihrer schlechten Vorbereitung? Haben Sie wirklich nicht gewusst, dass hinter S21 die Neuordnung eines ganzen Bahnknotens mit vier Bagnhöfen und über 60km Strecke steht? Wie kommen Sie auf diesen absurden Vergleich mit dem Berliner Bahnhof? Mit entsprechender Vorbereitung wären Sie nicht ausgelacht worden. Und warum machen Sie sich über die schwäbische Provinz lustig? Wissen Sie nicht, dass die Metropolregionen Stuttgart und Berlin nahezu gleich groß sind? ..."

Wenn ich so einen peinlichen Auftritt hinter mir hätte würde ich nachts vor Selbstzweifeln nicht einschlafen können. Das ging ja voll in die Hosen.
Außer mein Ziel wäre gewesen, nur ein wenig rumzustänkern.
Luik ist für die Gegner wie Mappus für die Proler.
Mappus hat mit seiner Arroganz S21 geschadet.
Luik hat mit seinen vollkommen unsäglichen Weltuntergangsgeschichten und seinen spätpupertären Auftritten den bürgerlichen Protest
zum Randgruppenprotest geführt.
Mit einem Luik am Tisch ist jede sachliche Diskussion tot.

Aber er macht sich die Welt widdewiddewie sie ihm gefällt. Er war toll und alle sind doof.
Und die Grünen fliegen in Bawü aus der Regierung weil sie S21-Unterstützer sind.
Wie immer wird das Gegenteil eintreten.

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