KONTEXT Extra:
Kretschmann Schirmherr für 199 kleine Helden

Ihr Dokumentarfilm hat bei drei Kinderfilmfestivals Preise abgeräumt, zuletzt in Chicago. Klar, dass sich die Regisseurin Sigrid Klausmann über diese Auszeichnungen freut. Seit Jahren begleitet die Stuttgarterin für ihr Filmprojekt "199 kleine Helden" Kinder weltweit auf ihrem Schulweg. Sie redet mit ihnen über ihre Ängste und Wünsche und darüber, wie sich die kleinen Protagonisten die Zukunft vorstellen. Daraus hat Klausmann den preisgekrönten Dokumentarfilm "Nicht ohne uns!" gemacht. Bereits diesen Sonntag (4.12.) wird er im Stuttgarter Metropol Kino gezeigt (16 Uhr), der offizielle Kinostart ist am 19. Januar.

Dass Stuttgart so früh dran ist, liegt mit daran, dass der Stuttgarter OB Fritz Kuhn die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen hat. Zusammen mit der Schauspielerin Senta Berger, die sich nun allerdings altersbedingt zurückzieht. Demnächst werden Sigrid Klausmann und ihre kleinen Helden neue Schirmeltern bekommen: Winfried Kretschmann und Hannelore Kraft, die Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Beide Länder unterstützen die kleinen Helden über ihre Landesfilmförderung.

Die Stuttgarter Preview am Sonntag wird ein Familienfest werden. Die Regisseurin Sigrid Klausmann wird ebenso vor Ort sein wie ihr Mann Walter Sittler (Produzent) und die Tochter Lea. Die Musikerin hat den Titelsong zum Film der Mutter komponiert. (2.12.2016)


Im Hajek-Haus soll wieder Feuer brennen

Das Trauerspiel um das Hajek-Haus mag jetzt zumindest die Fraktion SÖS/Linke/Plus nicht mehr mit ansehen. Sie will, per Antrag im Stuttgarter Gemeinderat, dass die Stadt das Kultur-Denkmal "vor dem Verfall" rettet. Wie in Kontext ausführlich berichtet steht die Villa an der Hasenbergsteige 65 seit dem Tod des Bildhauers (2005) leer. Vor fünf Jahren kaufte sie der Möbelfabrikant Markus Benz und ließ sie – Denkmalschutz hin oder her – entkernen. Das wiederum gefiel den behördlichen Denkmalschützern nicht, die sich auf den Gerichtsweg machten, bis heute ohne Ergebnis.

Und seitdem rottet das Haus in bester Halbhöhenlage vor sich hin. Die kulturpolitische Sprecherin der Fraktionsgemeinschaft, Guntrun Müller-Enßlin, vermutet, dass der Möbelmensch auf einen Abriss, und damit eine "verdeckte Immobilienspekulation" hin arbeitet. Stadträtin Laura Halding-Hoppenheit erinnert an die Tradition des Hauses, in dem auch schon Willy Brandt Rotwein trank. Die Villa sei ein Treffpunkt für Menschen gewesen, die etwas bewegen wollten, und dieses "Feuer muss weiter brennen", sagt sie.(30.11.2016)


Das Geschäft mit Waffen läuft

Heckler & Koch hat einen Großauftrag erhalten und wird französische Soldaten aller drei Teilstreitkräfte ab 2017 zehn Jahre lang mit 100 000 Sturmgewehren vom Typ HK 416 ausstatten. Es soll um ein Volumen von 300 Millionen Euro gehen. Der Rüstungsauftrag, heißt es in Paris, werde "die soliden Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich im Verteidigungssektor und besonders in der Rüstungsindustrie" stärken. Die Nachbarn stehen also auf der Liste der sogenannten "grünen Länder", denn – immerhin – nur die sollen weiter beliefert werden.

Am Montagmorgen wurde bekannt, dass der Oberndorfer Waffenhersteller Neugeschäfte allein mit Staaten abschließen will, die demokratisch und nicht korrupt sind. Nach einer Meldung der Deutsche-Presse-Agentur würden damit Kunden wie Saudi-Arabien, Mexiko, Brasilien, Indien oder die Türkei wegfallen. Alte Aufträge sollen allerdings abgewickelt werden, gerade auch mit den Saudis. Das Unternehmen wartet aktuell auf die Genehmigung deutscher Behörden zur Ausfuhr unter anderen von Bauteilen für eine Gewehrfabrik.

Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte bei seinem Auftritt kürzlich auf dem Bundesparteitag der Grünen in Münster ausdrücklich die Politik in der Pflicht gesehen: "Wohin wir exportieren, das muss die Politik entscheiden." Zugleich machte er klar, dass es für sein Unternehmen um 3500 von 100 000 Trucks gehe. Appelle, freiwillig auf deren Verkauf zu verzichten, verhallten bisher ungehört. (28.11.2016)


Bahnchef Grube mag Stuttgart 21 nicht mehr

Da rennt der Mann jahrelang rum und erzählt, wie großartig der Tiefbahnhof ist - und jetzt? Jetzt sagt Rüdiger Grube laut "Spiegel": "Ich habe Stuttgart 21 nicht erfunden und hätte es auch nicht gemacht". Nun wird schon spekuliert, ob es vielleicht ein Doppelgänger war, der diesen Satz beim Bundesverband Führungskräfte Deutscher Bahnen gesprochen hat, oder hier ein Fall von Persönlichkeitsspaltung vorliegt? Aber nein, es war der leibhaftige Grube.

Auf die Reaktionen all seiner Freunde darf man gespannt sein. Vorneweg auf jene seiner Chefin Angela Merkel, die mit S 21 die Zukunftsfähigkeit Deutschlands verband. Oder auf die von Teufel, Oettinger, Mappus, Gönner usw., die stets vor dem Abseits warnten, sollte der unterirdische Bahnhof nicht kommen. Nur der amtierende Ministerpräsident Kretschmann kann heimlich sagen, dass er auch schon immer dagegen war. (25.11.2016)


S 21: Kein neuer Deal mit der Bahn

Das Land Baden-Württemberg und die Stadt Stuttgart zeigen der Deutschen Bahn die kalte Schulter und wollen die sogenannte Verjährungshemmungsvereinbarung nicht unterzeichnen. Damit versuchte die Bahn eine frühzeitige Entscheidung darüber zu vermeiden, ob sie eine Beteiligung von Stadt, Land und Region an den Mehrkosten des Milliardenprojekts einklagt. Alle Partner sollten einer Verlängerung der Verjährung für mögliche Ansprüche der Bahn auf zusätzliche Gelder für Stuttgart 21 zustimmen. Für die Stadt Stuttgart schlägt die Verwaltung dem Gemeinderat vor, diese Verlängerung abzulehnen. Endgültig entschieden wird am 8. Dezember.

"Die Vertragspartner sind der Auffassung, dass die DB Bauherrin ist und dass die Vertragspartner begrenzte und vor allem freiwillige Zuwendungen gewähren", erläuterte Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) den mit der Stadt abgestimmten Standpunkt. Man werde sich "grundsätzlich auch gemeinsam gegen die Bahn verteidigen". Das Land sei mit der Stadt und der Region der Ansicht, "dass es ein falsches Signal wäre, eine Vereinbarung zu unterzeichnen, weil die Vertragspartner die Ansprüche der DB für unbegründet halten".

Hermann erwartet jetzt eine vergleichsweise schnell eingereichte Klage, aber "viel länger hätte die DB ohnehin nicht gewartet". Denn bis zu einem letztinstanzlichen Urteil würden voraussichtlich mehrere Jahre vergehen, nach der Prognose des Minister werden aber "in ungefähr drei Jahren die vertraglichen Finanzierungsbeiträge der Vertragspartner erschöpft sein". Im Finanzierungsvereinbarung zu Stuttgart 21 ist der Kostenrahmen inklusive Risikopuffer auf 4,526 Milliarden Euro begrenzt. Bei weiteren Kostensteigerungen sind, unter Nutzung der Sprechklauseln, Gespräche vorgesehen. Im März 2013 hat der DB-Aufsichtsrat den Finanzierungsrahmen auf 6,526 Milliarden Euro erhöht und zugleich die Projektpartner aufgefordert, über weitere Beiträge zu verhandeln. Das lehnen diese allerdings strikt ab. (24.11.2016)


KONTEXT
per E-Mail:
Immer informiert:

Durch diese Anmeldung erhalten Sie regelmäßig immer mittwochs um 9 Uhr unsere neueste Ausgabe unkompliziert per E-Mail.

Datenschutz-Hinweis

Das letzte Kapitel des EnBW-Abenteuers ist noch lange nicht geschrieben. Hier: Ex-Ministerpräsident Stefan Mappus. Fotos und Montage: Joachim E. Röttgers

Das letzte Kapitel des EnBW-Abenteuers ist noch lange nicht geschrieben. Hier: Ex-Ministerpräsident Stefan Mappus. Fotos und Montage: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 167
Politik

"Ein guter Coup, ein gutes Geschäft"

Von Johanna Henkel-Waidhofer
Datum: 11.06.2014
Die CDU im Landtag versucht sich von jeder Mitverantwortung für den milliardenschweren Rückkauf der EnBW-Aktien reinzuwaschen: Nach 30 Monaten Untersuchungsausschuss schiebt die Fraktion Ex-Ministerpräsident Stefan Mappus die alleinige Schuld zu. Dabei hatte jeder einzelne CDU-Abgeordnete die Transaktion bereitwillig abgesegnet.

Die Rollen sind verteilt. Diesmal heißt die Ziege Stefan Mappus. Im Buch Mose steht zu lesen, wie einfach es ist, Sünden loszuwerden: Ein Tier, ebenjenes mit den Hörnern, wird entsprechend der daraus abgeleiteten Redewendung beladen und auf Nimmerwiedersehen fortgejagt in die Wüste. In der Bibel hat Aaron Erfolg mit seiner Aktion zum Wohl der Israeliten. In der CDU-Fraktion ist der Heilbronner Abgeordnete und Rechtsanwalt Alexander Throm in die Rolle des Freisprechers geschlüpft. Drei Gründe nennt er dafür, warum der Kurzzeitregierungschef den Rückkauf von 45,01 Prozent am Karlsruher Energieversorger für 4,7 Milliarden Euro ganz allein zu verantworten haben soll: Er habe die Ministerialverwaltung "komplett ausgeschaltet" und auf deren Sachverstand verzichtet, der Zeitraum von 13 Tagen sei zu kurz gewählt gewesen für eine seriöse Abwicklung, und Mappus habe das Heft des Handelns aus der Hand gegeben, um seinen langjährigen Freund, den Banker Dirk Notheis, frei schalten und walten zu lassen. "Notheis war die zentrale Figur", heißt es im 74 Seiten starken Abschlussbericht der CDU, "er steuerte das Geschehen zentral."

Schön aus-, aber zu kurz gedacht. Gerade an der Figur Notheis, dem ehemaligen Deutschlandchef von Morgan Stanley und Weggefährten vieler CDUler seit gemeinsamen Zeiten in der Jungen Union, wird deutlich, wie die blinde Begeisterung von damals vergessen gemacht werden soll. "Der Eindruck von Interessenkonflikten hat sich als Folge der Näheverhältnisse zwischen den Hauptakteuren ergeben", steht in der "Conclusio", die die heutige Oppositionsfraktion zieht. Und weiter: "Der Grundsatz, keine Geschäfte unter Freunden zu machen, kann dies vermeiden und ist dazu einzuhalten." Throm ist praktischerweise erst seit 2011 im Landtag, hat also keine Aktien an der Zustimmung zum Deal, Peter Hauk hingegen sitzt seit 22 Jahren im Parlament und ist seit Februar 2010 Fraktionschef. Er konnte an den inzwischen beklagten persönlichen Verstrickungen zwischen Politiker und Banker nichts Anstößiges finden. Es gebe keinen Grund, einen Freund auszuschließen von solchen – ausgesprochen lukrativen – Großaufträgen, sagte er vor Journalisten. Dass der Banker Parteimitglied war, "ist eine Bereicherung für die Union, hat aber mit dem Geschäft nichts zu tun", schleuderte er SPD und Grünen in einer Landtagsdebatte im Dezember 2010 entgegen. Und Mappus selber beklagte sich unter anhaltendem Beifall der CDU-Fraktion darüber, wie die Opposition auf Notheis losgehe.

Dirk Notheis, Weggefährte vieler CDUler. Foto: Joachim E. Röttges
Dirk Notheis, Weggefährte vieler CDUler. Foto: Joachim E. Röttges

Diese 106. Landtagssitzung der 14. Legislaturperiode dokumentiert die bescheidenen Erfolgsaussichten jeder Form der Reinwaschung. Als Mappus den Coup durchzog, glaubte er fest daran, parallel zur Stuttgart-21-Schlichtung einen Befreiungsschlag starten zu können. Er bejubelte den Rückkauf als "gute Nachricht für den Industrie- und Energiestandort Baden-Württemberg" und sich selbst als tatkräftigen Gestalter, der handelte, "bevor Unsicherheiten und schädliche Spekulationen über die zukünftige Eigentümerstruktur bei der EnBW entstehen konnten". Die Volksvertreter von CDU und FDP jubelten mit – auch um aufkeimender Skepsis zu begegnen. Denn sechs Tage nach Bekanntwerden des Alleingangs lagen bereits so viele heikle Informationen auf dem Tisch, dass SPD und Grüne ihre anfängliche Zustimmung beträchtlich einschränkten. "Inhaltlich sind wir weiterhin der Meinung, dass der Rückkauf richtig ist", differenzierte SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel, "aber von uns hat sich niemand vorstellen können, auf welch dünnem Eis hier gearbeitet wurde." Es gehe "um demokratische Prinzipien, die zu opfern wir nicht bereit sind, egal für welches Geschäft". Der Ministerpräsident habe agiert nicht "wie ein Ministerpräsident, sondern wie der Vorstandsvorsitzende der Baden-Württemberg AG", rüffelte Winfried Kretschmann. Und warf Mappus Machtmissbrauch vor, weil er die Regeln der Finanzmärkte über die des demokratischen Rechtsstaats gestellt, das Notbewilligungsrecht des Parlaments überdehnt und dem ahnungslosen, aber zuständigen Finanzminister Willi Stächele die notwendige Unterschrift abgezwungen habe.

Der Kaufvertrag hätte so nicht ausgehandelt werden dürfen

Die Wogen gingen hoch in den beiden Regierungsfraktionen. Kaskaden von Zwischenrufen, viele Vorwürfe, auch Häme an die Adresse von SPD und Grünen. Hauk sagte der Opposition eine Depression für die nächsten Monate voraus. Und er war so sehr überzeugt vom Trumpfass im Ärmel, dass er sogar namentliche Abstimmung beantragte. Also ist alphabetisch im Protokoll festgehalten, wie alle CDU- und alle FDP-Abgeordneten einer Bürgschaft zustimmten, mit Ausnahme des früheren FDP-Fraktionschefs Ulrich Noll. Diese Bürgschaft war Basis des ganzen Vorhabens. Heute weiß selbst Hauk, dass der Kaufvertrag so nicht hätte ausgehandelt werden dürfen. Im CDU-Bericht sind die Verflechtungen grafisch mit vier Pfeilen dargestellt. "Für die Gewährung der Bürgschaft war ein Landtagsbeschluss erforderlich", heißt es weiter. Ohne die "wäre das Geschäft nicht finanzierbar gewesen" und die eigens gegründete Gesellschaft "bereits nach wenigen Tagen insolvent gewesen". Im Dezember 2011 klang es noch ganz anders, da machte der CDU-Fraktionschef den Herren Schmiedel, Schmid und Kretschmann "eines klar: Es gibt bestimmte Geschäfte, die man entweder jetzt machen kann oder gar nicht". SPD und Grüne wollten "einen guten Coup, einen guten Deal, ein gutes Geschäft für unser Land madig machen, weil Sie noch ein paar Haare in der Suppe suchen". Und der FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke hatte den ultimativen Rat für die damalige Opposition: "Ziehen Sie doch vor den Staatsgerichtshof und greifen diese Entscheidungen an! Dann werden wir sehen, ob die Verfassung gebrochen wurde oder nicht." Sie zogen. Zuerst aus dem Plenarsaal aus, um ihre Kritik zu unterstreichen, und dann vor den Staatsgerichtshof, der SPD und Grünen recht gab ...

Peter Hauk: "Es gibt Geschäfte, die man jetzt machen kann oder gar nicht." Foto: Joachim E. Röttgers
Peter Hauk: "Es gibt Geschäfte, die man jetzt machen kann oder gar nicht." Foto: Joachim E. Röttgers

Recht bekommen – nicht zum eigenen Plaisir – haben vor allem die Grünen auch in ihrer Bewertung der Risiken des Rückkaufs. Noch vor Fukushima beklagten der heutige Ministerpräsident und der heutige Umweltminister Franz Untersteller die Positionierung des Energieversorgers und die Ausrichtung auf die Atomkraft. "In welcher Sparte ist die EnBW so aufgestellt, dass es attraktiv wäre, sich ausgerechnet in diesem Unternehmen zu engagieren?", fragte Kretschmann angesichts der Tatsache, dass sein Vorgänger die Anteile des Landes umgehend wieder verscherbeln wollte, um damit Kasse zu machen. Auch das hat die CDU aus ihrem kollektiven Gedächtnis gestrichen. "Die Beteiligung liegt im wohlverstandenen Landesinteresse", weiß die Union heute, als "Erwerbsgrundlage vieler Tausend Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen" und zwecks "Sicherung der öffentlichen Daseinsvorsorge". Der stolze Käufer Mappus verfolgte 2010 ganz andere Ziele. Er versprach den Handel mit der Dividende zu refinanzieren und Anteilscheine "auf mittlere Sicht" im DAX zu platzieren. "Läuft es gut", sagte er damals, " können wir damit sogar noch etwas Geld verdienen, und die viel zitierte schwäbische Hausfrau wäre damit hoch zufrieden."

Woraus bekanntlich nichts wurde. Der Konzern fuhr Verluste ein, wird komplett umgebaut, verkauft Tochtergesellschaften und streicht Arbeitsplätze. Obendrein ist weiterhin strittig, ob das Land nicht fast eine Milliarde Euro zu viel gezahlt hat, diesen Betrag jedenfalls klagt Grün-Rot vor dem Internationalen Schiedsgericht ein. Das letzte Kapitel des EnBW-Abenteuers ist noch lange nicht geschrieben. Auch und gerade für Stefan Mappus nicht. Er will seine Ehre zurück – und Geld von den Anwälten der Kanzlei Gleiss Lutz, weil die den Deal am Parlament vorbei für zulässig erklärt, ihn insofern falsch beraten und ihm Schaden zugefügt hätten. Sündenböcke überall. Am 19. September wird vor dem Stuttgarter Landgericht verhandelt.


Gefällt Ihnen dieser Artikel?

Kommentare

Klaus Neumann, 14.06.2014 23:04
Zitat aus dem Text: "...Winfried Kretschmann. Und warf Mappus Machtmissbrauch vor, weil er die Regeln der Finanzmärkte über die des demokratischen Rechtsstaats gestellt, das Notbewilligungsrecht des Parlaments überdehnt und dem ahnungslosen, aber zuständigen Finanzminister Willi Stächele die notwendige Unterschrift abgezwungen habe...." Der heutige Herr MP sollte nicht nur zum Notbewilligungsrecht einmal seine Nase in die Landesverfassung stecken, denn das Notbewilligungsrecht der Landesverfassung wurde nicht "überdehnt " sondern glatt pervertiert, sondern auch zum Quorum der Landesverfassung bei einer Volksabstimmung und speziell dann da zur höheren Norm des verfassungsrechtlichen Gleichstellungsprinzips.

Der heutige MP ist bei der VA zu S21 ganz bewusst so "schwach" auf der Brust in Bezug auf die Landesverfassung wie es Herr Mappus mit seinem Notbewilligungsrecht beim EnBW - Deal war. Hier nimmt sich keiner dieser beiden Herrn etwas, wenn es um die besonders verluderte Charakterlosigkeit in der Regierungsverantwortung geht.

Und da wir bei der Charakterlosigkeit sind machen wir gleich weiter bei Herrn Stächele, damals Finanzminister des Landes, den Herr Kretschmann laut Zitat oben so schön freigesprochen hat: Herr Stächele hat zu seiner eigenen Ent - schuldung damals einen handschriftlichen Vermerk mit genauem Zeitpunkt durchsickern lassen, zu dem er nachts von Herrn Mappus aus dem Bett geholt und somit quasi mit dem Auftrag übertölpelt worden sei, bis zum folgenden Morgen die Finanzierung zu regeln. Herr Stächele wusste daher mutmasslich sehr genau, was von ihm da nachts gefordert worden war und wollte sich mit dieser Aktion von seiner Charakterlosigkeit, hier gegründet im Opportunismus gegen über seinem Vorgesetzten, freisprechen.

Der anständige Herr Stächele ist somit die typische sexualökonomisch anal fixierte Feldwebelnatur, wie sie Wilhelm Reich einmal treffend beschrieben hat: die Hacken knallen lassen, wenn der Übergeordnete es verlangt, aber nach unten treten, sobald ihn seine Position in dieses Recht versetzt und dabei immer für sich einen Ausgang offen haltend.

Nein. Hier ist keiner besser. Und eine Amtshaftung, verehrte Frau CharlotteRath, wird es nie geben: der Gesetzgeber ist nun einmal unsere Nomenklatura oder das neuartige Feudalsystem und dieses nimmt sich nicht selbst die Möglichkeit für die Abzocke jener, von denen er sich wählen lässt.

Finden wir uns einfach damit ab, dass das die politische Intelligenz ist, mit der wir es heute zu tun haben. Wir können noch so schimpfen und tun und fordern. Die Menscheit hat ein Charakterproblem. Und das ist wie es die Wahlen wiederund wieder beweisen, nicht nur oben angesiedelt.

Werner, 13.06.2014 17:51
invinoveritas

Kann es sein, dass zu viel Vino manches vernebelt?
Ich sehe in den Beiträgen keinen Hass, keine Selbstgerechtigkeit oder Übertreibungen, sondern die Angst vieler Menschen, dass die Politiker in ihrem Obrigkeitsdenken die Karre an die Wand fahren. Jedenfalls will ich mir mal nicht ein Handeln wie bei den 3 Affen vorwerfen lassen. Es gab bei uns schon mal Zeiten, nach denen kaum einer etwas von irgendwelchen Geschehnissen gewusst hat.

Ilse K., 13.06.2014 09:19
@invinoveritas
das Unterscheidet Sie von uns - Sie würden weglaufen und wir stellen uns der Verantwortung.

invinoveritas, 12.06.2014 15:23
Die hier versammelten Kommentare sind in ihrer großen Mehrheit kein Grund zur Freude über eine im guten Sinne "kritische Masse", sondern eher zum Fürchten. Kornelia singt zum zigsten Mal ihr Lied von der verkommenen Scheindemokratie, Ilse vermag erneut nur Verlogenheit und Egoismus bei den Politikern zu erkennen, Werner will das ganze Pack verjagen und das Volk sich selbst regieren lassen, weil er sich nach 1789 sehnt, fernderheimat darf natürlich nicht fehlen mit seiner zweihundertachtundsiebzigsten messerscharfen Diagnose von der allgegenwärtigen Staatskriminalität. Liebe Leute, es liegen viele Dinge im argen bei uns, das ist wohl wahr. Aber wenn ich Euren Hass, Eure Selbstgerechtigkeit, Eure Übertreibungen, Euren unentwegt moralisierenden Rigorismus und Eure abstrusen Utopien wahrnehme und mir vorstelle, das Land werde regiert von Leuten wie Euch - da gäb's nur noch eins: auf und davon!

Manfred Fischer, 12.06.2014 09:34
Es war ein Zufall, dass ich am 15.12.2010 die überraschend angesetzte Regierungserklärung von Herrn Mappus anhörte. Ich war nämlich zum nachfolgenden Tagesordnungspunkt, der sich mit Stuttgart 21 befasste, in den Landtag gekommen. Was ich allerdings im Zusammenhang mit der Regierungserklärung erlebte, hat mir meine Achtung vor den meisten Abgeordneten der damaligen Regierungsparteien CDU und FDP vollständig genommen. Nicht nur, dass sie bereit waren, sich scheinbar mit Begeisterung ihrer demokratischen Rechte zu beschneiden, sondern auch glaubten in der Diskussion mit üblen Zwischenrufen, jegliche Hüllen des Anstandes fallen lassen zu dürfen. Nie habe ich das C im Namen der CDU unpassender gefunden als in dieser Veranstaltung.
Anstatt sich heute diese Orgie mit Hilfe des vorhandenen Protokolls ( http://www.landtag-bw.de/files/live/sites/LTBW/files/dokumente/WP14/PlP/14_0106_15122010.pdf ) selbst nochmal vor Augen zu führen, und anschließend in sich zu gehen, wie es Christus im Neuen Testament uns Sündern empfiehlt, bleiben diese Abgeordneten selbstgerecht, indem sie nunmehr nach Sündenböcken suchen. Auch unsere „Demokratie“ wird durch dieses Verhalten geschädigt.

CharlotteRath, 11.06.2014 17:28
Ein Wählermandat tragen, steuerfinanziert seine Zeit zubringen, der Legislative angehören - aber dann das Fehlen dringend notwendiger Regeln für unser Gemeinwesen nicht erkennen: Gehört das zum Selbstverständnis unserer heutigen Parlamentarier?

Für bestimmte Entscheidungen in Parlamenten und Aufsichtsräten öffentlicher Unternehmen gehört die persönliche Haftung der Amtsträger eingeführt - denn wer sich beispielsweise bewusst gegen Gutachten der Rechnungshöfe stellt (wie Bundestagsabgeordnete beim Projekt S 21), muss aus meiner Sicht in anderer Form zu mehr Sorgfalt mit öffentlichen Gütern verpflichtet werden.
Sonst klafft zwischen öffentlicher Verschwendung bzw. Verfilzung und den immer strengeren Strafen für private Steuersünder bwz. rigiderer Verfolgung eine immer größere "Gerechtigkeits"lücke.

Kornelia, 11.06.2014 14:01
Zaghaft in die richtige Richtung!!!
1.Fakt ist: es besteht eine aus mehreren Köpfen bestehende Regierung! SIE haben den Auftrag sich gegenseitig zu konrollieren, und die Oppostition noch "brutaler"!!! Sonst bräuchten wir keine bezahlten Gremien!!!
Also wozu braucht es Abgeordnete aus FDP/CDU UND ein Parlamentspräsidium wenn die keine "Aufsicht" führen?
Notheis und Metz haben gezeigt: jeder dahergelaufene Wichtigtuer hat offensichtlich mehr zu sagen als unsere Volks(ver)treter!! Und die bejubeln diese öffentliche Penetration auch noch!!!! (incl STN STZ SWR!)
DAS ist also Demokratie21?

2. DER sog "Deal" war ein einfacher "kaufen um zu verkaufen" Finanz-hai-Deal!! Finanzspiele machen wollen auf Kosten des Volkes....
Hätte nicht spätestens ab Finanzsupergau, ab LBBW Desaster ein Aufschrei stattfinden müssen!!!
die ENBW Aktien sind unter Hochdruck (immer schlecht für den Käufer und super für den Anbieter....DAS weiss ein jedes Kind!!!) gekauft worden!!
nicht weil eine Idee von neuer Energie-Politik dahinter steckte, sondern "einfach so" weil ICH das kann", weil "ICH das brauch für mein Krönchen"...
Sie wurden gekauft um sie wieder zu verkaufen!!! (das hat mich schon damals aufgeregt!!)
Die Einzigen die davon profitieren sind die Zwischenhändler: die sog Beratern al la Notheis und Bankers und hie und da Politiker (Rau, Goll, Stächele etc...)
zuerst beim Ankauf dann beim Bringen an die Börse!!!
Noch heute glaube ich da ist viel mehr Geld in dunkle Kanäle "verschwunden" als wir wissen!

Aber da Justiz und Polizei ja mehr mit Berufsdemonstranten beschäftigt ist, denn mit Berufs-Dieben.... wird da auch nix kommen!

Ernst, 11.06.2014 12:05
Ich will keinen neuen ReGIERigen. Mehr. Danke. Habe fertig. Erst wenn "Alles zusammenbricht", werden wir wieder als Mitmenschen miteinander umgehen lernern - müssen. Durch Erkenntnis wird das wohl nix. Grad en onserm Land: ein Entwicklungsland - quasi mindestens vierte Welt. Die Korntaler wissens jetzt vielleicht auch.

Werner, 11.06.2014 11:45
Es wird sich in Deutschland nichts ändern. Der FDP-Oberfuzzy Rülke reisst seine Klappe auf, als hätte er und seine Partei noch irgendetwas zu melden. Nach der x-ten Wählerabstrafung hat er so wenig begriffen wie seine CDU-Kumpels Haug, Strobl und Konsorten. Leider ist es bei uns so, dass die Parteivorderen selbst bei den größten Wahlniederlagen immer auf ein weiches Polster fallen. Frau Gönner kann sich wahrscheinlich schon gar nicht mehr erinnern, irgendwann irgendeine Verantwortung in der Baden-Württembergischen CDU gehabt zu haben, Frau Homburger nimmt in ihrem neuen Job sicherlich an, diesen durch eigenes Können und Verdienste erhalten zu haben. Nach der nächsten Landtagswahl ergeht es Schmiedel und Schmid bzw. den Kretsch- u. Hermännern sicherlich nicht anders.
Warum jagen wir nicht einfach das ganze Pack davon und regieren uns selbst? Frankreich 1789 lässt grüßen.

Ilse K., 11.06.2014 10:50
Der Fall EnBW spiegelt lediglich die heutzutage normal abgehobene, verlogene und egoistische Politik im deutschen Macht- und Profit-System wieder!
Die Auswirkungen solch verabscheuungswürdiger von Menschen gemachter Politik wird vom Verhalten nicht eines einzigen Lebewesen auf diesem Planeten an Dummheit und Grausamkeit übertroffen!

FernDerHeimat, 11.06.2014 07:35
Staatskriminalität und das Zuweisen jeglicher Schuld an Sündenböcke waren schon immer die "Spezialität" der so zutreffend abgekürzten "Cash Dividende Umsatz".

Kommentar hinzufügen




CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.


* Pflichtfeld!

Letzte Kommentare:

Ausgabe 297 / Intellektuell prügeln / Wolf Reineck, 07.12.2016 22:30
Sicherlich lässt sich über vieles diskutieren was Frau Wagenknecht und ihre Interviewerinnen erzählen . Aber mit welcher selbstherrlichen Arroganz da einige Leser verbal gegen Frau Wagenknecht vorgehen ist schon erstaunlich und zeugt...

Ausgabe 297 / Intellektuell prügeln / Klaus Ammann, 07.12.2016 22:16
Eine Stimme aus der Schweiz: Hätten wir doch auch solche gescheiten Politiker bei uns, leider sind die so rar wie im Deutschen Bundestag. S.W. hat sich über die Jahre zu einer wichtigen Stimme der Mitte entwickelt. Leider ist nur allzu...

Ausgabe 297 / Bauers Uni-Maut / Jona Gold, 07.12.2016 21:32
Die FDP mit Fahrrad halt.... ....wobei. Nicht mal mehr Fahrrad.

Ausgabe 297 / Der ewige Lehrer / Dr. Uwe Prutscher, 07.12.2016 20:38
DANKE DR.ERHARD EPPLER für Ihre Lebensleistung innerhalb und außerhalb Ihrer SPD, die es im Kern schon lange nicht mehr gibt. Nachdem sie die Lohnabhängigen an das Kapital verraten hat, waren und sind Sie zum sehr einsamen Rufer in der...

Ausgabe 297 / Intellektuell prügeln / Gela, 07.12.2016 20:06
Liebe Frau Hunger, liebe Frau Wolf, Ihr Interview hat mich mächtig enttäuscht. Ich habe kürzlich das Buch von Sahra Wagenknecht "Reichtum ohne Gier" gelesen und hätte mir gewünscht, dass Sie mit ihr über ihre sozialpolitischen...

Ausgabe 297 / Intellektuell prügeln / Kornelia, 07.12.2016 19:20
Was für ein schlechter, polemischer ups populistischer stil! Allein das großBild ist eine Unverschämtheit! Kein Wunder dass die Linke und damit leider auch links denkende Menschen über 5% kaum hinauskommen! In BW bei 3%...

Ausgabe 297 / Der erfundene Grüne / Zaininger, 07.12.2016 18:26
... und für Kommentatoren wie einen "Stefan", faker aus dem völkisch-rassistischen Block und andere ist das doch ein gefundenes Fressen: Grüne richten Jugendliche zu Internetspürhunden ab, entwickeln die Stasi fort und planen dumme...

Ausgabe 297 / Intellektuell prügeln / Dr. Dierk+Helmken, 07.12.2016 18:13
Welch große Toleranz Sarah zeigt gegenüber den teilweise wirklich nervenden und unzumutbaren Fragen der Interviewerinnen. Im Bundestag war Sarah bei Ihrer Rede zum Etat der Kanzlerin wirklich großartig und gnadenlos. Dass sie auch ...

Ausgabe 297 / "Ich hab' da einen Syrer" / Dr. Diethelm Gscheidle, 07.12.2016 16:26
Sehr geehrte Damen und Herren, was für eine vortreffliche Idee, Asylbewerber als Lehrlinge einzusetzen! Ich werde dies sofort meinem redlichen Schwager vorschlagen, denn nachdem wir unseren letzten unredlichen Lehrling aus gut...

Ausgabe 297 / Der erfundene Grüne / Stefan, 07.12.2016 15:10
Alles in allem doch eine sehr lustige Geschichte und irgendwas wird immer hängenbleiben. Auch witzig, dass sich die Verbotsexperten der grünen Partei einen "Internetspürhund" halten, da wären manche Stasichefs neidisch gewesen.

Die KONTEXT:Wochenzeitung lebt vor allem von den kleinen und großen Spenden ihrer Leserinnen und Leser.