KONTEXT Extra:
Auch Hermann will Maut verzögern

Wenn es nach den Grünen geht, wird die Landesregierung gemeinsam mit Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz oder dem Saarland versuchen, die Einführung der PKW-Maut über den Bundesrat noch zu verzögern oder gar zu verhindern. Verkehrsminister Winne Hermann kündigte einen entsprechenden Vorstoß an. Er habe bereits im Verkehrsausschuss des Bundesrats Position bezogen und insbesondere kritisiert, dass "die Grenzregionen schwer tangiert sind, ausgerechnet in Zeiten, in denen wir den europäischen Geist betonen wollen". Die "Bürokratie-Maut" passe nicht in die Zeit. Außerdem würden Milliarden eingenommen, Milliarden an deutsche Autofahrer wieder zurückgegeben und "vielleicht bleiben ein paar Millionen übrig".

Saarland, Rheinland-Pfalz oder NRW wollen den Vermittlungsausschuss zwischen Bundesrat und Bundestag anrufen, nachdem letzterer die Maut am Freitag beschlossen hat. Das Gesetz ist allerdings nicht zustimmungspflichtig, weshalb die Einführung der Maut auf diesem Wege lediglich verzögert werden kann. Allerdings könnte Verzögerung am Ende auch das Scheitern bedeuten, weil womöglich nach der Bundestagswahl im September die Karten ganz neu gemischt werden, und die CSU bisher bekanntlich die einzige Partei ist, die die Maut wirklich will. (24.3.2017)


Aras legt sich mit Erdogan an

Die Stuttgarter Grünen-Abgeordnete und Landtagspräsidentin Muhterem Aras hat die deutschtürkische Community aufgefordert, sich mit dem Verfassungsreferendum am 16. April kritisch auseinanderzusetzen. Von den Imamen wünscht sich die Stimmenkönigin ihrer Partei bei den Landtagswahlen 2016, dass die "in den Freitagspredigten zu einem respektvollen und fairen Umgang miteinander aufrufen und die hier geltenden Werte von Meinungs-, Presse- und Religionsfreiheit entschieden weitergeben". Sie selber verzichte derzeit auf Reisen in die Türkei, "weil ich nicht weiß, ob ich mich dort frei bewegen könnte". Zugleich müssten sich Demokraten weigern, sich zu Feinden der Türkei machen zu lassen. Aras nutzte eine Landtagsdebatte zum 60. Geburstag der EU auch zu scharfer Krtik am türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, weil der "auf das Infamste" gebaute Brücken wieder einreißen und die Gesellschaft spalten wolle. Von den Vertretern AKP-naher Institutionen erwartet die Grüne eine öffentliche Distanzierung von den "die Opfer verhöhnenden Nazivorwürfen". Im Südwesten dürfen insgesamt rund 230 000 Türken am Referendum teilnehmen – und zwar vorab: Die Wahl beginnt bereits am 27. März und endet am 9. April. (22.3.2017)

Mehr zum Thema: "Meister der Feindbilder", "Unverschämt und dumm"


Stuttgart 21: Aktionsbündnis warnt Aufsichtsrat

Drei Tage vor einer Sitzung des DB-Aufsichtsrats verlangt das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 erneut eine "faktenehrliche Bestandsaufnahme". Sollte sich der Aufsichtsrat wieder um die Auseinandersetzung drücken oder gar unbeirrt den Weiterbau beschließen, so Eisenhart von Loeper, schädige er wider besseres Wissen das Vermögen der Deutschen Bahn AG. "Das würde", erklärt der Bündnissprecher weiter, "den Tatbestand der Untreue erfüllen." Eine strafrechtliche Aufarbeitung sei die Konsequenz; darauf habe das Bündnis zuletzt am 11. März 2017 den Aufsichtsrat per Brief hingewiesen.

Ihren Appell richten die Stuttgart-21-Gegner nicht nur an den Vorsitzenden des Aufsichtsrats Utz-Hellmuth Felcht, sondern auch an den designierten Vorstandsvorsitzenden Richard Lutz. Als erstes sei "eine Bestandsaufnahme der ungelösten Probleme und hohen Risiken notwendig, die sich an den Realitäten und nicht an den Gesichtswahrungsproblemen der politisch Verantwortlichen orientiert". Von Loeper argumentiert damit, dass sich das Projekt "jenseits aller wirtschaftlichen Rationalität bewegt", und mit dem weiter offenen Brandschutz. Außerdem solle der Aufsichtsrat "endlich zur Kenntnis nehmen, dass sich die DB mit S 21 einen Dauerengpass für viel Geld baut, der den Bahnverkehr behindert und den viel beschworenen Deutschlandtakt im Südwesten irreversibel unmöglich macht". Nach der Devise "Politik beginnt mit der Kenntnisnahme der Realität" will das Aktionsbündnis den neuen Bahnchef zu Gesprächen einladen, bei denen sie ihm auch die von der Bürgerbewegung entwickelten Alternativen zum Weiterbau erläutern wollen. Deren "ernsthafte Prüfung" wünscht sich nach einer repräsentativen Umfrage von infratest dimap in Baden-Württemberg sogar eine Mehrheit der Projektbefürworter. (19.3.2017)

Mehr zum Thema: "Bahnfeinde im Bahnvorstand"


IHK will nicht mehr gegen Kakteen polemisieren

Auch ein Vergleich kann ein Erfolg sein: Vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart akzeptierte die IHK Region Stuttgart die Feststellung, dass sie in der Vergangenheit mit Angriffen gegen die IHK-Rebellen der Kaktus-Initiative ihre Kompetenz überschritten hat. Stein des Anstoßes waren zwei IHK-Pressemitteilungen, in denen Hauptgeschäftsführer Andreas Richter gegen die Kakteen polemisiert habe, so Kaktus-Mitglied Klaus Steinke, der in der Folge Klage eingereicht hatte.

Konkret einigten sich die Streitparteien am heutigen Donnerstag, den 16. März, auf folgenden Vergleich: Die IHK Region Stuttgart erklärt, "dass ohne Beratung und Beschlussfassung durch die Vollversammlung keine weiteren öffentlichen Äußerungen der IHK und ihrer Organe über Binnenkonflikte, die keine wirtschaftspolitischen Positionen betreffen, abgegeben werden", und dass es den beiden strittigen Pressemitteilungen "an einer solchen Beratung und Beschlussfassung mangelte". Außerdem trägt die IHK trägt die Kosten des Verfahrens von 5000 Euro.

Für Steinke ist es "ein gutes Ergebnis, weil es die Transparenz innerhalb der IHK stärkt, und weil es deutlich die Frage artikuliert, was Geschäftsführer und Präsident dürfen und was nicht". Zwar wäre es, so Steinke, spannend gewesen, wenn das Gericht in einem Urteil Grundsatzregeln für die Öffentlichkeitsarbeit der IHK aufgestellt hätte. Aber er sei mit dem Vergleich zufrieden, "weil es mir in der Sache nicht darum geht, zu siegen, sondern eine Veränderung innerhalb der IHK zu bewirken". Zudem habe das Ergebnis, so hofft Steinke, auch "eine Signalwirkung auf andere IHKs".

Die Kaktus-Initiative, 2011 gegründet, kritisierte in den letzten Jahren immer wieder intransparente Wahlverfahren und die offizielle Pro-Haltung der IHK zu Stuttgart 21. (16.3.2017)

Mehr zum Thema: "Rebellen im Weinberghäusle" und "Die IHK wackelt nicht".


Afghanistan-Rückkehrer bekommt zweimonatiges Arbeitsvisum

Es ist ein kleines Wunder. Denn trotz der mannigfaltigen Unterstützung in den vergangenen Wochen, glaubten nicht viele seiner Freunde wirklich daran, dass der Zahnarzt Ahmad Shakib Pouya, der in einem französischen Krankenhaus in Herat gearbeitet hat, zurück in die Bundesrepublik kommen kann. Pouya war in seiner früheren Heimat von den Taliban bedroht, floh 2010 nach Deutschland. Hier war er einer der Hauptdarsteller in der vielbeachten Produktion der Mozart-Oper "Zaide" und hatte eine doppelte Zusage auf Festanstellung – vom Münchner Gärtnerplatztheater und der IG Metall. Dennoch wurde er zur Abschiebung vorgesehen, weshalb er am 20. Januar 2017 ausreiste. Seither machten seine Unterstützer vom im Mai 2014 gegründeten Stuttgarter Verein "Zuflucht Kultur. Entweder. Oder. Frieden." bundesweit auf sein Schicksal aufmerksam. Auch mit einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), mit der Bitte um "ein Visum und ein langfristiges Bleiberecht als wertvoller Bürger unseres Landes".

Jetzt kam die gute Nachricht. Der 33-Jährige kann für zwei Monate zurück nach Deutschland. Mitausschlaggebend dürfte ein Schreiben von Georg Podt gewesen sein, dem Intendanten des kommunalen Münchner Kinder- und Jugendtheaters "Schauburg", der Pouya in einer Neuinszenierung von Rainer Werner Fassbinders "Angst essen Seele auf" als Hauptdarsteller besetzt hat. Die Proben sollen in der kommenden Woche beginnen, Premiere wird am 22. April sein. Mitte Mai läuft das Visum aus. Pouya will gemeinsam mit dem Verein die Zeit nutzen, um das angestrebte dauerhafte Bleiberecht zu bekommen. Die Chancen stehen angesichts der 2015 eigentlich gelockerten Regelungen gar nicht so schlecht. Allerdings werden die nach den Erkenntnissen von Pro Asyl oder dem Flüchtlingsrat viel zu selten von den Behörden angewandt.


KONTEXT
per E-Mail:
Immer informiert:

Durch diese Anmeldung erhalten Sie regelmäßig immer mittwochs um 9 Uhr unsere neueste Ausgabe unkompliziert per E-Mail.

Datenschutz-Hinweis

Foto: Joachim E. Röttgers

Foto: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 157
Politik

Anonyme Truppe, die alles darf?

Von Roger Repplinger (Interview)
Datum: 02.04.2014
Die grün-rote Landesregierung in Baden-Württemberg will eine Kennzeichnungspflicht für Polizisten. Die Polizeigewerkschaften laufen dagegen Sturm und sehen sich "unter Generalverdacht gestellt". Dabei hat just ein Ereignis in Stuttgart jede Menge Argumente dafür geliefert, dass Ordnungshüter identifizierbar sein sollten: der Schwarze Donnerstag. Für den Hamburger Polizeiprofessor Rafael Behr ist das nicht zuletzt eine Frage des Selbstschutzes.

Herr Behr, 156 Verfahren gegen Polizisten im Zusammenhang mit dem Polizeieinsatz vom 30. September 2010 wurden eingestellt, weil die Polizisten nicht identifiziert werden können. Ist das rechtsstaatlich ein Problem?

Juristisch nicht, es kann immer Gründe der Verfahrensökonomie geben, um ein Verfahren einzustellen. Wenn man den Rechtsstaat als Gerechtigkeitsstaat versteht, der zu Transparenz verpflichtet ist, und man Straftaten nicht verfolgen kann, nur weil man die Leute nicht erkennt, dann ist das ein Problem für die freiheitlich-demokratische Grundordnung. Wenn dann die Gewerkschaften der Polizei sagen, es gäbe kein Problem mit der Identifikation von Polizeibeamten, ist das zynisch. Es sind ja keine Freisprüche wegen erwiesener Unschuld, sondern es ist die Unmöglichkeit der Identifizierung von Tatverdächtigen, die den Fortgang des Verfahrens verhindert.

Was wäre mit den Polizisten geschehen, wenn sie identifizierbar wären?

Sie wären den Gang durch das Ermittlungsverfahren gegangen. Sie wären vernommen worden, es wären Beweise gesichert worden, und dann wäre entschieden worden, ob Anklage erhoben wird oder nicht. Oder ob etwa wegen geringer Schuld eingestellt wird. Ich finde ja, die Fürsorge des Dienstherrn kann nicht darin bestehen, Verfahren zu verhindern, sondern sie zu ermöglichen und dann die Betroffenen zu begleiten, die Beschuldigten so zu unterstützen, dass ein faires Verfahren möglich ist.

Es kommt ja schon, wenn man Polizisten identifizieren kann, nicht zwingend zu Verfahren.

Ja, oder wenn es zu Verfahren kommt, wird Polizisten etwas mehr geglaubt. So langsam entsteht doch in der Öffentlichkeit der Eindruck: Polizei im geschlossenen Einsatz ist eine anonyme Truppe, die alles darf. Wenn es um 156 eingestellte Verfahren geht, kann man nicht mehr von Einzelfällen sprechen.

Foto: Joachim E. Röttgers
Foto: Joachim E. Röttgers

Warum muss sich der Bürger ausweisen, der Polizist nicht?

Das ist eines der Geheimnisse des staatlichen Gewaltmonopols in Zentraleuropa. Der Staat genießt eine Vormachtstellung, er darf kontrollieren, lässt sich selbst aber nicht gerne von der Bevölkerung in die Karten schauen. Das ist anders als im angloamerikanischen Raum. Dort wird der Sheriff von den Bürgern gewählt. Wir leben staatstheoretisch immer noch in der Tradition des aufgeklärten Absolutismus, da wird davon ausgegangen, dass etwa das Verhalten der Polizei rechtsstaatlich immer in Ordnung ist, weil es vom Staat ausgeht, und keiner weiteren Kontrolle mehr bedarf.

Ist das ein vordemokratisches Privileg der Polizei?

Exakt, der Staat ist quasi etwas Sakrosanktes, er steht über allen Zweifeln. Diese Vorstellungen finden Sie in vielen Argumenten der Gegner der Kennzeichnung von Polizeibeamten, wenn sie zum Beispiel vom "Generalverdacht" sprechen, der mit einer Kennzeichnung verbunden sei.

Grüne und SPD haben in Baden-Württemberg im Koalitionsvertrag vereinbart, dass eine "individualisierte anonymisierte Kennzeichnung" von Polizisten bei "Großlagen" eingeführt wird. Was halten Sie davon?

Das halte ich für unbedingt notwendig. Auch im Sinne der Polizei. So, wie es jetzt ist, gibt es bei "Großlagen", also bei Demonstrationen, keine individuelle Identifikation und damit keine individuelle Verantwortung. Im Verdachtsfall wird nicht der eine Beamte, der einen Übergriff begangen hat, sondern es werden neun oder zehn Beamte mit dem Vorwurf des Übergriffs konfrontiert. Wenn es überhaupt so weit kommt.

Bislang wurden in Baden-Württemberg Polizisten bei Großlagen so gekennzeichnet, dass sie einer Zehnergruppe von Beamten zugeordnet werden können. Reicht das aus?

Dann stehen immer alle zehn am Pranger. Da hilft eine siebenstellige Nummer, die mit dem Handy fotografiert werden kann. Jeder Polizist, auch im Getümmel, ist für das, was er tut, individuell verantwortlich. Wenn der Polizist von vorneherein weiß, dass er bei Großlagen durch Anonymität geschützt ist, läuft das auf eine Paramilitarisierung der Polizei hinaus. Es geht bei der Identifikation um die Rekonstruierbarkeit von Verantwortung.

Rüdiger Seidenspinner, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, will gegen die von der baden-württembergischen Landesregierung geplante Kennzeichnung klagen. Auch Joachim Lautensack, Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft, ist dagegen.

Das gehört zum traditionellen Selbstverständnis der Berufsorganisationen, die glauben, ihre Mitglieder schützen zu müssen. Sie rufen: Wir werden zu Unrecht verfolgt, wir werden unter Generalverdacht gestellt. Die Begründung für die Drohung mit Klagen ist immer die informationelle Selbstbestimmung und die Angst vor Nachstellung im Netz, dahinter steht die Vermutung, dass durch die Nummer, die der Beamte trägt, eine persönliche Identifizierung durch Leute, die dazu nicht befugt sind, möglich ist, und der Polizist dadurch in Gefahr gerät. Wir wissen, z.B. aus Berlin, dass dem nicht so ist. Wer anonym ist, hat heutzutage sogar einen Nachteil, er kann nicht entlastet werden, er hat etwas zu verbergen. Dieser Vorwurf wird nicht ganz zu Unrecht gegen die Polizei erhoben.

Angesichts der eingestellten Verfahren rund um den "schwarzen Donnerstag" kann man doch sagen: Die Gegner der Identifikation vertreten die Interessen der Polizisten.

Aber lange nicht die aller Polizisten. Außerdem funktioniert das nur kurzfristig. Auf Dauer wird das Ansehen der Polizei schwer geschädigt. Es werden sich die sozial wacheren jungen Menschen nicht mehr für diesen Beruf interessieren. Wer will schon in einem gewaltgeneigten Beruf arbeiten? Das werden dann wieder bestimmte Leute sein, die gern anonymisiert und gesellschaftlich isoliert arbeiten wollen. Diese mittel- und langfristigen Folgen für die Reputation des Berufs haben die Gewerkschaften nach meinem Eindruck nicht im Blick. Für eine demokratisch legitimierte Polizei ist das ein Desaster.

Berlin und Brandenburg haben eine Kennzeichnungspflicht. Wie sind die Erfahrungen?

Im Einzeldienst tragen die Beamten Namensschilder, sonst Nummern. Es gibt eine empirische Untersuchungen, dabei wurden über 200 Bereitschaftspolizisten befragt: Es ist nichts Negatives passiert. Es gab keine unberechtigten Anzeigen, es wurde niemand über seine Nummer im Internet oder sonst irgendwo identifiziert. Und das in einer Metropole wie Berlin. Es gab Gegrummel unter den Polizisten wegen des bürokratischen Aufwands, aber es gibt eine steigende Zahl von Polizisten, die das nicht mehr so vehement ablehnen.

In anderen Demokratien funktioniert das auch.

In England hat jeder Bobby seine Ziffer und keiner fühlt sich dadurch zu einer Sache degradiert. Andere Demokratien haben kein Problem damit.

Was bedeutet die Anonymität für das Selbstverständnis des deutschen Polizisten?

Sie suggeriert Sicherheit in Situationen, in denen es nicht gut ist, sich sicher, unbeobachtet zu fühlen. Es hemmt die Übernahme individueller Verantwortung. Dabei ist unser Ausbildungssystem stark darauf ausgerichtet, dass Polizisten selbstverantwortliche Entscheidungen treffen. In geschlossenen Einheiten entfällt das, damit auch Verantwortung und Selbstkontrolle.

Selbstkontrolle in dem Sinn, dass sich der Polizist bewusst ist, was er tut.

Ja. Und die Folgen des eigenen Handelns mit bedenkt. Es gibt gruppendynamische Prozesse in geschlossenen Abteilungen, da handeln Polizisten anders, als sie handeln würden, wenn sie alleine wären. Da entstehen auch Situationen, in denen die Polizisten froh sind, nicht identifizierbar zu sein.

Drückt sich in dieser Anonymität das Verhältnis der deutschen Polizei zum Staat aus?

Es drückt sich die starke Orientierung des Handelnden an der Staatsräson aus, Polizei wird dann leicht zum einem Instrument von autoritärer "Law and order"-Politik. Da entsteht eine Situation, in der sich niemand mehr bemüht, die Diskrepanz zwischen Staat und Zivilgesellschaft auszugleichen. In den 90er-Jahren war diese Atmosphäre des Interessenausgleichs zwischen Staat und Gesellschaft in der Polizei spürbarer, denken Sie an die großen Themen wie Frieden und Umwelt. Die Polizei hat es damals geschafft, sich aus der Rolle des bloßen Vertreters staatlicher Repression zu lösen. Nach Stuttgart 21 sehe ich diesen Erfolg wieder eher gefährdet.

Und was bedeutet die Anonymität der Polizei für den Bürger?

Die Nichtsichtbarkeit des Staates im Sinne einer fehlenden Kontrollierbarkeit. Der Bürger sieht die Polizisten, also den Staat, aber er kann ihn nicht kontrollieren. Der Staat hat kein Gesicht. Das erzeugt ein Gefühl der Ohnmacht, größere Angst vor dem Staat. Das hohe Ansehen, das die Polizei in Umfragen hat, resultiert aber nicht aus dem rigorosen Gebrauch des Gewaltmonopols, sondern im angemessenen Umgang oder auch im Verzicht auf Gewalt. Wenn ich das wegnehme, bekommen Bürger wieder die Angst vor der Polizei, wie sie mal vor 40 Jahren da war.

Wird sich am Selbstverständnis und am Handeln durch die Kennzeichnung der Polizisten etwas ändern?

Da kann man nur Vermutungen anstellen. Ich vermute, dass der Bezug auf individuelle Verantwortung größer wird. Gerade bei geschlossenen Einsätzen. Mit Kennzeichnung würde vermutlich die Verantwortung für individuelles Handeln stärker im Bewusstsein verankert. Umgekehrt kann das heißen, dass Polizisten ohne Kennzeichen für Handeln im geschlossenen Einsatz weniger Verantwortung übernehmen. Das wäre schädlich.

Der Menschenrechtskommissar des Europarats sowie Bürgerrechtsorganisationen wie Amnesty oder die Humanistische Union fordern neben der Kennzeichnung eine "unabhängige Kontrollinstanz zur Untersuchung von Polizeigewalt". Was halten Sie davon?

"Polizei-Beauftragte" würde mir als Bezeichnung besser gefallen. Auch das halte ich für ein Merkmal, das für eine demokratische Polizei unabdingbar ist. Dient, wie die Identifizierung, nicht nur der Kontrolle der Polizei, sondern auch ihrem Schutz vor ungerechtfertigten Beschuldigungen, die durch den Beauftragten geklärt werden können. Die reflexhafte Abwehr solche Vorschläge zeigt ein unverändert preußisches Denken. Für den Bürger würde sich die Chance bieten, den durch die Einstellung der 156 Verfahren erzeugten schalen Geschmack loszuwerden.

Foto: Akademie der Polizei
Foto: Akademie der Polizei

Rafael Behr lehrt seit Oktober 2008 als Professor an der Hochschule der Polizei in Hamburg und leitet dort die Forschungsstelle Kultur und Sicherheit. Behr war über 15 Jahre als Polizeibeamter in Hessen tätig, bevor er ein Studium der Soziologie absolvierte. Anschließend arbeitete er als Dozent an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Güstrow und als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich Erziehungswissenschaften der Universität Frankfurt am Main.


Gefällt Ihnen dieser Artikel?
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!

Kommentare

Ulrich Frank, 05.04.2014 16:49
Den Ausführungen Professor Behrs kann, auch hinsichtlich der Hinweise auf die geschichtliche Dimension, kaum etwas hinzugefügt werden.

Dieselbe immer wieder auf den Prüfstand zu stellende Rationalität welche hierzulande besonders bei der älteren Generation zu einer verinnerlichten Quasi-Vergottung des Staates führte (aber auch bei konservativen politischen Interessenten zur Hochhaltung die man trefflich auszunutzen weiß) - welchem Staat dann, in Gestalt seiner zur Wahrung der äußerlichen Ordnung abgestellten Vertreter, den Polizeikräften, quasi global und ohne Rücksicht auf Verluste legitimierte Kräfte der Selbstbehauptung zugesprochen wurden, dieselbe Rationalität scheint eine der Gründe zu sein aus welchen sich Interessenvertreter der Polizei (wie die Herren Lautensack und Seidenspinner) jeder Form von Individualisierung der, bei Gelegenheit mit Vermummung begleiteten Uniformiertheit, entgegenstemmen.

Aber genausowenig wie der Staat in der typisch deutschen Verinnerlichung noch die sittliche Substanz repräsentiert (obwohl manche Politiker das gerne glauben machen wollen), noch das Machtzentrum der Gesellschaft ist - die Zügel wurden aus der Hand gegeben - genausowenig Glaubwürdigkeit kann die Position von polizeilichen Interessenvertretern besitzen welche die Vertretenen durch Anonymität quasi rechtlich immunisieren wollen.

Sehr richtig verweist Herr Behr darauf, daß das zivilgesellschaftliche Bewußtsein der Polizei in den letzten Jahrzehnten wieder nachgelassen hat. Mag dies auch teilweise durch Reaktionsbildung bedingt sein - die Polizei hat im wesentlichen über weite Strecken das letztendlich staatszerstörende Versagen der Politik der sog. "Volksparteien" zu kompensieren - so scheint dieser Sachverhalt weder bei den Verantwortlichen - das sind in erster Linie die Politiker selber wie auch Führungskräfte und Interessenvertreter - angekommen zu sein. Noch scheint dort darüber nachgedacht werden zu wollen und in notwendige Ausbildung (auch in zivilgesellschaftlicher Hinsicht) investiert werden zu wollen. Die Interessenlage dort scheint eher zu sein daß man von diesem Zustand profitieren will.

Lieber schickt man deutsche Polizeiausbilder ins Ausland. Wo sich dann bei Gelegenheit herausstellt daß ein weiteres autokratisches Regime in den Genuß dieser Ausbildung kam.

Praktisch äußert sich diese angesprochene zivilgesellschaftliche Defizienz bei vielen - selbstverständlich nicht allen - , Beamten in unprofessioneller, übellauniger, eben unziviler Umgangsweise mit Bürgern welche ihre bürgerlichen Rechte in Anspruch nehmen. Wird im gegebenen Fall nach dem Namen des Beamten gefragt erfolgt z.B. eine Antwort wie (z.B.) "Schmidt". Fragt man nach dem Vornamen erhält man die Antwort. "Es gibt hier nur einen". Desgleichen werden überflüssige Kontrollen von Bürgern vorgenommen welche auf transparente Weise ein Recht ausüben, z.B. das Verteilen von Flyern mit Informationen zum umstrittenen Großprojekt. Anstatt sich überhaupt vorher bei der Zentrale über die vorhandene Genehmigung des auf Sandwich-Boards sichtbar deklarierten Zwecks zu informieren schneidet der Stuttgarter Polizeibeamte, ansonsten nur zu oft bei Anliegen des Bürgers schwer in Bewegung zu setzen, dem Verteiler, aufs Trottoir fahrend, den Weg ab um diesen kritisch zu beäugen und nach der Genehmigung zu fragen.

Ganz abgesehen einmal von der Frage, ob bei dieser Haltung der Polizei und insgesamt der Polizeigewerkschaftler nicht einmal mehr wieder die CDU mit ihrem besonderen Interesse an ihrem "Staat" (und ihrem Projekt) ihr Netzwerkgeflecht ins Spiel gebracht hat ist die Kennzeichnung von Vertretern der öffentlichen Ordnung, in anderen Ländern eine Selbstverständlichkeit, durchaus ein geeignetes Mittel wieder eine fundamentale Asymmetrie abzuschwächen und mehr Gleichgewicht herzustellen.

Die Ablehnung einer Kennzeichnung ist durch emotionale Irrationalität mitbestimmt. Sie nimmt bei Gelegenheit die Form an, daß die Kennzeichnung auf der Uniform - auf welche Art auch immer - "einem Barcode-Tattoo auf der Stirn" gleichkäme - so ein hiesiger Polizeibeamter.

Eine breitere Diskussion wäre hier durchaus angebracht. In der gestrigen Ausgabe der SZ-Online war ein Bericht zu lesen, der von der Klage einer Bochumer Polizeibeamtin handelte: die Polizei "verlöre Macht und Respekt" (http://www.sueddeutsche.de/panorama/gewalt-gegen-polizisten-wir-verlieren-macht-und-respekt-1.1929228). Zwar ging es in diesem Artikel und bei dieser Klage in erster Linie um die Gewalt von Migranten gegen Polizeibeamte, es läßt aber stutzen daß die Beamtin das Wort "Macht" verwendet. Dieses Wort, auf die Polizei angewendet, ist doch fragwürdig. Soll die Polizei "Macht" ausüben? Gelegentlich lugt aus Polizeieinsätzen, und dem Verhalten von Beamten, etwas hervor was diesen Eindruck bestätigt, und was gewissen Vertretern der Politik nicht so unrecht zu sein scheint. - Das online-Forum zu diesem Artikel wurde dann, nachdem einige nicht sonderlich extreme Beiträge erschienen waren, abrupt abgewürgt.

Es wäre aber angebracht hierüber auf breiterer Basis nachzudenken, in Verbesserungen zu investieren. Und dem Bürger durch individuelle Kennzeichnung zu erkennen zu geben: hier steht nicht über allem die "Staatsmacht". Hier steht auch ein einzelner Bürger in Uniform.

Rolf Steiner, 05.04.2014 14:12
Rüdiger Seidenspinner und Joachim Lautensack wollen in Wahrheit doch jene Polizisten schützen, die unrechtmäßig vorgehen. Nur so ist deren, die Demokratie beschädigendes Vorgehen zu sehen.

johanna, 03.04.2014 18:59
Hier meine Petition Kennzeichnungspflicht für Polizeibeamte in Baden-Württemberg über avaaz.org,, die sich über Unterstützung und Weiterverbreitung freut:
http://www.avaaz.org/de/petition/An_Landesinnenminister_Reinhold_Gall_BadenWuerttemberg_Kennzeichnungspfllicht_von_Polizeibeamten/?email

johanna, 03.04.2014 18:55
Das Maß ist allmählich voll und wenn von Staat die Rede ist, dann sind wir alle damit gemeint und nicht eine machtbesessene Elite,die meint sich alles erlauben zu können. Kann/muss ich vor Personen Respekt haben, die einen Dienstseid geleistet haben, aber wahrscheinlich zentrale Punkte ignorieren? Wie allein Recht und Gesetz verpflichtet zu sein, keiner Gruppierung oder Partei untergeordnet zu sein, Diener des ganzen Volkes zu sein....
Die Polizei hat bei bliockupy im Mai 2013 wahrscheinlich Gerichtsurteile auf Befehl ignoriert und am 30.9.10 , als Art. des GG von der Polizei verletzt wurden.
Was sieht es mit der Wahrung des Gerichtsurteils des VGH-Mannheim vom Dez. 2011 das GWM betreffend aus? Hätte da die Polizei nicht das gerichtlich verbotene wahrscheinliche Arbeiten am GWM unterbinden müssen? Macht sie sich nicht strafbar, wenn sie wahrscheinlich wegschaut ?
Warum werden diese skandalösen Umstände nicht entsprechend von einer breiten Presse thematisiert?
Ich fordere als Teil des Souveräns in Bälde eine Kennzeichnungspflicht für Polizeibeamte in Baden-Württemberg und habe dazu eine Petition laufen, die der dringenden Unterstützung bedarf.
Damit verloren gegangenes Vertrauen wieder hergestellt werden kann und sich die Polizei ihrer besonderen Verantwortung Recht, Gesetz und dem Bürger gegenüber bewusst ist und sich dieser stellt.

CharlotteRath, 03.04.2014 12:55
Eine Polizistin, ein Polizist möchte ja wohl, dass ich seinen Anweisungen folge, die Anweisung respektiere. Respektvolles (einsichtiges) Verhalten erbringe ich aber innerhalb eines demokratisch verfassten Rechtsstaats nur gegenüber Personen, identifizierbaren Personen.
Alles andere erinnert mich stark an die von Wilhelm Tell geforderte Reverenz an den Gesslerschen Hut - mit den bekannten Folgen ...

Habnix, 03.04.2014 10:56
Vielleicht hat es in Deutschland auch damit zu tun das Beamte nur auf Empfehlung ihren Dienst verrichten und keine Schriftliche Anweisung folgen sollen,da unsere BRD-Regierung ja nur eine Verwaltung von Deutschland ist.Eine Verwaltung der USA, denn wenn man genau hinschaut mussten einige Allierten ja erst mal befreit werden.

Es gab mal eine Zeit da war England umzingelt von Deutschen U-booten und Frankreich besetzt.

Wir haben aber noch US-Truppen hier in Deutschland.

Habnix, 03.04.2014 10:47
Anonnyme Polizei Truppen.Der Bürger welcher eine Regierung braucht sagt gemeinhin: "Es wäre Anarchie, wenn marodierende Banden durch die Straßen ziehen und greift zur Gegenwehr.Hinther stellt sich dann heraus man habe einen oder mehrere Polizisten tätlich angegriffen.Meine Ansicht nach, ist Anarchie nur der Stäkste Warlord und der bildet dann eine Regierung.Genau ich bezeichene eine Regierung als das, was Regierungen mit Anarchie meinen.

Meine Vorstellung von Anarchie ist aber Gleichberechtigung und keiner Höher und keiner Niedriger.

DCe, 03.04.2014 10:35
"Die Polizei, die Polizei, hat immer Recht. Denn wer kämpft für das Recht, der hat immer Recht.

Und, Kollegen, es bleibe dabei;
Denn wer kämpft für das Recht,
Der hat immer recht.
Und, Kollegen, es bleibe dabei;
Denn wer kämpft für das Recht,
Der hat immer recht."

Genauso läßt sich nach meiner Erfahrung die Haltung der Polizei im allgemeinen und im besonderen auf den Punkt bringen.

Syntagma, 03.04.2014 09:54
Die Tatsache, dass Staatsbedienstete nicht verurteilt werden (ausser die Beweislage ist erdrückend genug), ist eben genau darin geschuldet, dass ein staatlicher Richter (als Agent des Staates = Auftragnehmer) einen anderen staatlichen Agenten (Polizeibeamter) nicht verurteilen wird, solange er es irgendwie rechtfertigen kann. Nicht zuletzt auch aus ökonomischen Gründen.

Es liegt schon im Prinzip des Staatswesens ein Intressenkonflikt und vor allem ein Missstand vor, da der Staat als höchste gerichtliche Instanz agiert und dabei zuerst die eigenen Interessen wahrnimmt. Der Bürger ist quasi Aussenstehender in einem Konflikt zwischen ihm und dem Staat.

Hinzu kommt, dass die meisten Rechtsanwälte mit Richtern und Staatsanwälten gut vernetzt sind. Nicht selten werden Gerichtsverhandlungen zu theatralischen Kunstwerken, solange ein Bürger oder ein Unternehmen die Aufführung bezahlt. Im Konflikt zwischen Bürger und Staat wird entweder abgewiesen, oder nicht selten eine Gegenklage erhoben, sei es zur Einschüchterung oder um Kosten abzuwälzen.

Aber der gemeine Bürger kann und will diesen Missstand nicht erkennen, solange er es nicht selber erlebt hat.

Tillupp, 02.04.2014 11:40
@ [...] individualisierte anonymisierte Kennzeichnung" von Polizisten bei "Großlagen" soll eingeführt werden

Da Frage ich mich doch, warum nur bei Großeinsätzen. Verhalten sich denn die Polizisten die Streife gehen garantiert immer richtig? Die konsequente Kennzeichnung während des Dienstes wäre auch gut gegen Haustürbetrüger, die sich durch Polizisten-Kostüme zutritt zu Wohnungen verschaffen wollen. Von mir wird die Nummernschildkennzeichnung meines Autos auch jeden Tag rund um die Uhr verlangt, und nicht nur wenn ich auf die Autobahn fahre.

Dr. Diethelm Gscheidle, 02.04.2014 10:20
Sehr geehrte Damen und Herren,

selbstverständlich benötigen wir keinerlei Kennzeichnungspflicht für redliche Polizisten! Und die allermeisten Polizisten sind absolut redlich, das kann ich Ihnen versichern, denn sie sorgen für die Bekämpfung unredlicher Menschen (z.B. Stuttgart-21-Gegner) und böser Krimineller (z.B. Krachmusik-während-der-Mittagsruhe-Hörer oder Altglastonnen-Falschbefüller). Derart redliche Leute würden doch niemals eine Straftat begehen!

Allerdings sollten Polizisten, die nachweislich unredlich waren, gekennzeichnet werden. Damit meine ich jedoch nicht die mutigen, ehrbaren und redlichen Polizisten, die am 30.09.2010 den diabolischen Stuttgart-21-Gegnern mal gezeigt haben, was eine Harke ist und damit zu einer Verwirklichung des hoch-redlich geplanten Kapazitäts-Verdreifachungs-Projektes "Stuttgart 21" aktiv beigetragen haben, sondern z.B. den unredlichen Polizisten am Rande einer Montagsdemonstration, der sich weigerte, meine Anzeige gegen Herrn Hannes Rockenbauch wegen des Amoklaufes von Aurora aufzunehmen (wenn Sie die Fotos betrachten sieht doch jedes Kind, dass Herr Rockenbauch der Amokläufer von Aurora war!). Oder den Polizisten, der mir verbot, künftig in Bussen und Straßenbahnen Fahrkartenkontrollen durchzuführen (dabei trage ich doch damit nur zur Redlichkeit bei und kann kriminelle Schwarzfahrer überführen und damit der Polizei sogar Arbeit abnehmen! Selbstverständlich habe ich mir von diesem Polizisten nichts sagen lassen und kontrolliere weiterhin die Fahrkarten, um von kriminellen Schwarzfahrern das erhöhte Beförderungsentgelt von EUR 60,-- direkt zu kassieren)! Solche Polizisten sollten mit einem großen grünen Band an ihrer Uniform mit dem Aufdruck "unredlich" gekennzeichnet werden, damit der brave und redliche Bürger weiß, dass er sich an diese gar nicht wenden muss, wenn er mal wieder für Recht und Ordnung sorgen möchte.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Diethelm Gscheidle
(Verkehrswissenschaftler & Dipl.-Musikexperte)

P.S.: Glücklicherweise arbeiten auf dem Polizeirevier in meinem Wohnviertel ausschließlich sehr redliche Polizisten! Wenn ich aufs Revier komme, um z.B. mal wieder einen kriminellen Falschparker anzuzeigen, rennt der diensthabende Polizist immer sofort ganz dienstbeflissen ins Hinterzimmer und ruft laut seinen Kollegen zu: "Kommt mal alle her - der Gscheidle hat mal wieder einen Kriminalfall!" - wie redlich!

Frank Kirsch, 02.04.2014 08:12
Natürlich sollten Polizisten identifizierbar sein, wenn auch durch eine Nummer an der Uniform. Ich bin als Krankenpfleger doch auch persönlich für meine Arbeit verantwortlich und ggf. haftbar zu machen. Dazu trage ich ein deutlich sichtbares Namensschild (neben der Dokumentation meiner Dienste anhand eines Dienstplans und der Unterschrift in der Patientendokumentation).

FernDerHeimat, 02.04.2014 06:56
Ein "Generalverdacht" gilt sowieso schon - für all diejenigen, die auf der anderen Seite stehen.

Schon seltsam, dass in anderen Ländern so eine Kennzeichnungspflicht schon seit Jahren funktioniert.

Aber vermutlich will man seitens der "Gewerkschaft" den Anfängen wehren, die von der dumm-dreisten Argumentation der "Einzelfälle" bei Gewalttaten der Polizei gegen Wehrlose und Unschuldige hin zu einer möglichen Identifikation von systematischen und systemischen Tätern in den Reihen der Exekutive führen könnte.

Der dort (immer noch) virulente Korpgeist bedeutet in der einen Richtung sicherlich, dass man als Zeuge von Straf- und Gewalttaten gefälligst aus Loyalität stillhält - oder im schlimmsten Fall glaubt eines Tages selber von der "Omerta" profitieren zu können.

Und natürlich der fromme Wunsch, dass die Politik ihre "Prügelknaben" als nützliche Vollstrecker immer vor Schaden behüten wird und schon "weiss", was sie denen da befiehlt (siehe schwarzer Donnerstag).

Und die "agent provocateurs", die immer öfters auf unerwünschten Demonstrationen auffliegen, sind sowieso "grosszügig" von einer Kennzeichnungspflicht ausgenommen...

Kommentar hinzufügen




CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.


* Pflichtfeld!

Letzte Kommentare:

Ausgabe 312 / Das große Fressen / tauss, 24.03.2017 15:03
@HifppiE ... so darf man unterschiedlicher Meinung sein... Ich bleibe dabei: Eine völlig verantwortungslose Staatengemeinschaft, die über "Werte" faselt, sich allein über die Steigerung von Rüstungsausgaben definiert und die UN-...

Ausgabe 312 / Die unheiligen Apostel / Jupp, 24.03.2017 07:17
Mein Herz geht auf. Hier wird nicht nur über die Vergangenheit oder Gegenwart gschimpft. Nein, es wird tatsächlich über die Zukunft nachgedacht! Und ich bin vollkommen bei Frau Rath :-) Was soll ein Fussgängerstegle? Wir haben...

Ausgabe 312 / Afrika kommt / leo loewe, 24.03.2017 00:24
"Die künftige Entwicklung gestalten!" Wir sollten versuchen, die globale Entwicklung weiterhin aktiv mitzugestalten. Gleichzeitig müssen wir anerkennen, dass sich die Welt um uns herum rasch verändert und dass es dabei um so mehr auf...

Ausgabe 312 / Das große Fressen / HippiE, 23.03.2017 23:50
@tauss: Dieser gelungene Beitrag handelt nicht von Kompensation, sondern von haarsträubender Ungleichheit und niederschmetternder Selbstbezogenheit und Gleichgültigkeit. Er nervt daher nicht, sondern macht betroffen und fassungslos.

Ausgabe 312 / Die unheiligen Apostel / Horst Ruch, 23.03.2017 22:12
....a propos "Stegle". Das ist es gerade was W.Backes angesprochen hat: Think big. Stirling hatte nicht umsonst die Planung für die Erschließung der Staatsgalerie und Musikhochschule auf einer höheren Ebene angeordnet, somit die (Teil)...

Ausgabe 312 / Ächzen im Maschinenraum / Schwabe, 23.03.2017 17:35
Auch von mir vielen Dank an den Autor und an Kontext (E.M., 22.03.2017 01:27 hat das wunderbar formuliert). Dennoch, um das erfolgreich anzupacken bzw. umzusetzen was Fabian Scheidler so treffend wie beängstigend und unmissverständlich...

Ausgabe 312 / Die unheiligen Apostel / CharlotteRath, 23.03.2017 14:51
Fußgängerstegle ... eine echt schwäbische Lösung. München hat sich einen Park gegönnt, um zwei voneinander getrennte Stadtteile über eine große Straße hinweg zusmmenzuführen: https://de.wikipedia.org/wiki/Petuelpark Mit...

Ausgabe 312 / Die unheiligen Apostel / Bruno Neidhart, 23.03.2017 09:51
Selbstverständlich bräuchte Stuttgart in dieser Kulturecke einen Fußgängersteg. Möglichst als breite Grünbrücke. Dies hat weder mit Sozialwohnungen, noch mit Kitas zu tun. Es ist eine andere, ebenso stadtbildende Ebene.

Ausgabe 312 / Afrika kommt / Dr. Diethelm Gscheidle, 23.03.2017 09:24
Sehr geehrte Damen und Herren, selbstverständlich ist es äußerst wichtig, Entwicklungshilfe zu betreiben - und das geht natürlich jeden Einzelnen von uns an. Als bekennender und praktizierender Katholik ist mir die Entwicklungshilfe...

Ausgabe 66 / Gnadenlose Bank / Gerald Wiegner, 22.03.2017 22:45
Das ist eine traurige, aber wahre Geschichte. Ich habe mit Herrn Nusser telefoniert und möchte noch folgende Ergänzung machen. Herr Nusser war ein langjähriges Genossenschaftsmitglied. Genossenschaften sind gesetzlich verpflichtet...

Die KONTEXT:Wochenzeitung lebt vor allem von den kleinen und großen Spenden ihrer Leserinnen und Leser.
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!