KONTEXT Extra:
Korntal: Opfervertreter verlangen mehr Engagement der Landeskirche

Die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in der evangelischen Brüdergemeinde Korntal ist unterbrochen. Die Opfervertreter verlangen einstimmig, dass sich Frank Otfried July endlich entscheidend einbringt. "Wir werden nicht mehr mit den Brüdern sprechen", so Netzwerk-Sprecher Detlev Zander. Jetzt müsse "der Oberhirte, also der Bischof, ran". Im Betroffenen-Netzwerk organisiert, werfen mehr als 300 ehemalige Heimkinder der Brüdergemeinde vor, in den 1950er- bis 1980er-Jahren in deren zwei Einrichtungen sexuell missbraucht, misshandelt und gedemütigt worden zu sein.

Dass mehr Engagement von July gefordert wird, ist nicht neu. Im Sommer 2016 hatte einer der Betroffenen in einem langen Schreiben an den Landesbischof appelliert: "Die Kir¬che ist mit in der Verantwortung und wenn Sie als Oberhirte weiter schweigen, machen Sie sich persönlich schuldig. Die Heimopfer warten auf ein klärendes Wort von Ihnen." Denn die Korntaler Fürsorge habe "einen menschlichen Scherbenhaufen hinterlassen". (20.02.2017)


NSU-Ausschuss will weitere Akten

Der zweite parlamentarische Untersuchungsausschuss zum "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) geht auf die Suche nach zusätzlichen Akten, um dessen Verbindungen nach Baden-Württemberg besser auszuleuchten. Die Abgeordneten meinen, beim Generalbundesanwalt und/oder im Bundesamt für Verfassungsschutz fündig werden zu können. Beauftragt ist Bernd von Heintschel-Heinegg. Der Rechtswissenschaftler war schon für den ersten Ausschuss des Landtags und als Sonderermittler auch für den Bundestag tätig.

Zurückgestellt wurde in diesem Zusammenhang die Ladung von Mike Markus Friedel. Vor allem der NSU-Experte Hajo Funke hatte immer wieder darauf gedrängt, dass der gebürtige Sachse gehört wird. Dessen Name stand auf der sogenannten Garagenliste, die 1998 in Jena sichergestellt, aber erst mit großer zeitlicher Verzögerung detailliert ausgewertet wurde. Vor fast zwanzig Jahren zog er nach Heilbronn. "Markus Friedel war mit 'Erbse' (V-Mann), Torsten Ogertschnig, zusammen im Ländle im Gefängnis", schreibt Funke. Und von Friedel habe "Erbse" seine Kenntnisse über den NSU und Mundlos.

Bei einer Veranstaltung der "Anstifter" im Stuttgarter Kunstverein hat Rainer Nübel, der im ersten Ausschuss als Sachverständiger aufgetreten war, erneut von den Abgeordneten verlangt, sich ernsthafter mit der Anwesenheit ausländischer Geheimdienste am 25. April 2007 in Heilbronn zu befassen. An diesem Tag waren die Polizistin Michèle Kiesewetter ermordet und ihr Kollege Martin Arnold schwer verletzt worden. Der zweite Ausschuss hat bereits mehrere Zeugen vernommen. Jetzt ist ein Bericht beim Bundesnachrichtendienst angefordert.

Die nächste Ausschusssitzung beginnt am Freitag, den 24. Februar, um 9.30 Uhr im Landtag. Zwei Kriminalbeamtinnen sollen Auskünfte über die rechte Szene geben und die Verbindungen des NSU in den Südwesten. Geladen sind außerdem drei Zeuginnen, die Kontakt zu Beate Zschäpe gehabt haben sollen.

Auch die weiteren Sitzungstermine bis zur parlamentarischen Sommerpause sind festgelegt: 20. März, 28. April, 15. Mai, 19. Juni und der 17. Juli 2017.

Mehr zum Thema: "Geheimdienste im Fokus", "Eh-wurscht-Akten" 


WKZ liest mit

Anfang Januar hatte der Waiblinger Lokalhistoriker und Anstifter Ebbe Koegel sich darüber beschwert, dass das Land dem Firmengründer Andreas Stihl eine Kunstmedaille gewidmet hat. "Andreas Stihl war ein überzeugter Nazi, NSDAP-Mitglied seit 1933, seit 1935 SS-Mitglied mit dem Rang eines Hauptsturmführers (seit 1939)", schrieb er an Finanzministerin Edith Sitzmann. Die Waiblinger Kreiszeitung (WKZ) schwieg dazu - bis Kontext den Fall am 25. Januar aufgriff. Nun erschien am 11. Februar ein zweiseitiges Extra mit ausdrücklichem Bezug auf den Kontext-Artikel. Der Redakteur Peter Schwarz zitiert darin aus der 100-seitigen Entnazifizierungsakte. Die beiden Kinder Stihls, der langjährige IHK-Präsident Hans Peter Stihl und seine Schwester Eva Mayr-Stihl wurden befragt. Die Recherche ergibt, wie die WKZ selbst schreibt, ein "außerordentlich schillerndes Bild."

Der Redakteur zitiert mehrere Fremdarbeiter - den Begriff Zwangsarbeiter meidet er - die sich im Verfahren positiv über Stihl geäußert haben. Ein Slowake berichtet, Stihl habe einem Freund geholfen zu fliehen, der sich den Partisanen anschließen wollte. Ein Jugoslawe meinte, der Patriarch habe sich "mit großer Empörung geäußert über die Gemeinheit und den Terror des dritten Reiches", ein Holländer, er habe "gelitten, als er sehen musste, wie schmutzig dieses System war, und konnte doch nicht mehr von demselben weg." Der Betriebsrat sagte dagegen aus, Stihl sei "100 Prozent Nationalsozialist" gewesen, habe "mehrere seiner Lehrlinge zum Eintritt in die SS" bewogen und Regimekritiker als "Eiterbeulen" bezeichnet, denen er "in die Fresse" schlagen wolle. (16.2.2017)


Wüstenjubiläum: Fünf Jahre Parkräumung

Vor genau fünf Jahren, am 14. Februar 2012, räumten rund 2500 Polizeibeamte das Protestcamp der Stuttgart-21-Gegner im Mittleren Schlossgarten. Drei Tage später waren rund 180 teils bis zu 300 Jahre alte Bäume gefällt oder (ein kleiner Teil der jüngeren) verpflanzt, und einer der ehemals schönsten innerstädtischen Parks Deutschlands hatte sich in eine Schlammwüste verwandelt.

Zum fünften Jahrestag der Parkräumung wollen die Parkschützer am heutigen Dienstag daran erinnern, mit einer Versammlung und Kundgebung an der Lusthausruine im Mittleren Schlossgarten um 17 Uhr. Es soll Reden, Musik und Gedichte geben, anschließend einen Demozug durch die Königstraße.

Kontext hat damals mit einer Reportage von der Parkräumung berichtet – und danach immer wieder von der erstaunlich langen Untätigkeit oder auch von Baufortschritt vorgaukelnden Alibi-Arbeiten. (14.2.2017)


Jörg Meuthen weiter an Björn Höckes Seite

Im vergangenen Sommer hatte der AfD-Rechtsaußen Björn Höcke seinen Bundesparteichef als "meinen verehrten Freund" begrüßt. Und Jörg Meuthen rückte sich selbst, auf dem Kyffhäuser-Treffen, zu dem ihn die Ultras geladen hatte, in die Nähe der besonders weit rechts stehenden parteiinternen Gruppierung "Der Flügel": Er wolle gar nicht als liberaler Kopf der Partei bezeichnet werden, sondern er stehe für "ein gemeinsames Wertefundament". Da hatte Höcke gerade alle anderen Parteien in Deutschland für "inhaltlich entartet" erklärt. Der Schulterschluss hält auch aktuell: Meuthen stellt sich gegen den Rausschmiss, den – wie am Montag bekannt wurde – der Bundesvorstand gegen den Thüringer Landes- und Fraktionschef anstrengt.

Nicht zum ersten Mal. Denn Höcke sollte 2015 schon einmal mit einem Verfahren überzogen werden. Da ging es ebenfalls um eine rassistische Rede, um Aussagen wie, man könne "nicht jedes einzelne NPD-Mitglied als extremistisch einstufen" und um den Vorwurf, Höcke schreibe unter Pseudonym für NPD-Publikationen. Meuthen äußerte sich reichlich schwammig, nahm für sich in Anspruch "als erster aus dem Bundesvorstand scharf reagiert zu haben". Zugleich erklärte er allerdings, dass Höckes "Äußerungen ohne weiteres als rassistisch interpretiert werden können – wobei man darüber diskutieren kann, ob sie es tatsächlich sind". Hans-Olaf Henkel, damals noch AfD-Mitglied, konterte unmissverständlich: "Herr Meuthen ist für mich ein klassischer Schattenboxer." Nach außen tue er immer wieder so, als würde er sich gegen den rechtsnationalen Flügel stellen, nach innen agiere er völlig anders. (13.2.2017)


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Lange her: Sitzkunst vor der Staatsgalerie. Fotos: Joachim E. Röttgers

Lange her: Sitzkunst vor der Staatsgalerie. Fotos: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 307
Kultur

Sitzen verboten

Von Josef-Otto Freudenreich
Datum: 15.02.2017
Die Stuttgarter Staatsgalerie gilt als heiliger Hort hehrer Meisterwerke. Sehr profan ist der Streit hinter den Kulissen. Direktorin Christiane Lange übe eine "Schreckensherrschaft" aus, heißt es in der Belegschaft, die sich einer Flut von Abmahnungen gegenübersieht.

Ein Fettfleck. Das kann Kunst sein wie bei Joseph Beuys. Das kann aber auch stören wie an der Wand der Staatsgalerie. Dort sind sie hingekommen durch die Hinterköpfe der AufseherInnen, die im Stuhl gesessen sind, und in zurückgelehnter Haltung ihre Häupter an dem Mauerwerk geschuppert haben. Die Direktorin der Einrichtung, Christiane Lange (52), hat sich das nicht lange angeschaut und schon beim Amtsantritt 2013 beschlossen, dass die Stühle weg müssen. "Ich will kein klinisch reines Museum", sagt sie bei unserem Besuch, "aber ein aufgeräumtes." Irgendwann komme es so weit, dass die Bediensteten ein Kissen, ein Kreuzworträtsel und einen Blumentopf mitbringen würden. Und seitdem müssen sie stehen und gehen.

Seit 2013 Direktorin der Staatsgalerie: Christiane Lange.
Seit 2013 Direktorin der Staatsgalerie: Christiane Lange.

Manchmal sind es eben die kleinen Dinge, die große Gefühle auslösen können. Auch negative. Die ihrer Sitzgelegenheiten Beraubten jedenfalls sind sauer. Wieder so eine Aktion ihrer Direktorin, schimpfen sie, mit der sie zeige, wie gering sie ihre Belegschaft schätze. Einfaches "Wachpersonal" sollen sie sein, was sie in ihrem Selbstverständnis trifft, schließlich sind sie zu einem Gutteil kunstaffine AkademikerInnen. ArchitektInnen, LehrerInnen, JuristInnen, die sich etwas dazu verdienen und bisweilen eingreifen, wenn sie finden, dass die Erläuterungen der Bilder durch die BesucherInnen nicht fachkundig genug sind.

Das wiederum regt Dirk Rieker (49), den kaufmännischen Geschäftsführer der Staatsgalerie, auf. Er hat Wirtschaft studiert und als Handballer bei der SG Bietigheim den Kampf gelernt. Der stramme Manager will kein besserwisserisches Sitzpersonal in den Sälen, sondern eine umhergehende Observation, mittels derer die wertvollen Exponate vor Vandalismus aller Art geschützt werden. "Wer redet", erklärt Rieker, "passt nicht auf." Um diesem Problem Herr zu werden, hat er bereits früh begonnen, das "Wachpersonal" in professionelle Hände zu legen, vulgo outzusourcen.

Phil Collins darf seine Einsätze auch nicht verpassen

39 AufseherInnen haben noch feste Verträge mit der Staatsgalerie, eine ähnlich hohe Anzahl wird von privaten Sicherheitsdiensten bei Bedarf bestellt. Für zwei Euro weniger die Stunde, aber mit der gemeinsamen Pflicht, sich einen Arbeitsethos anzueignen, der verhindern soll, dass einer erst um elf kommt, obwohl er schon um neun da sein sollte. Das sei immer wieder passiert, berichtet Rieker, und das könne er nicht dulden. Phil Collins, sein Lieblingssänger, könne es sich auch nicht leisten, seine Trommeleinsätze auf der Bühne zu verpassen.

Nicht berühren!
Nicht berühren!

Auch deshalb ist der Geschäftsführer dazu übergegangen, das Abmahnwesen zu verstärken. Waren es im Jahr 2015 noch 15 offizielle Ermahnungen, verdoppelte sich die Zahl 2016 auf 30, unter anderem wegen verspäteter Krankmeldungen oder privater Internetnutzung. Allerdings, schränkt er ein, seien die Abmahnungen mehrheitlich letztlich nicht ausgesprochen worden. Trotzdem, das sei schon viel bei 200 MitarbeiterInnen. Vor seiner Zeit bei der Staatsgalerie, also vor 2012, habe er in 15 Jahren ganze vier Abmahnungen gehabt.

Das deutet auf eine besondere Lage in dem Stuttgarter Kunsttempel hin. Was Rieker als "führungsresistente" Belegschaft bezeichnet, hat Tradition. Hier sind KuratorInnen, KunsthistorikerInnen und kunstbeflissene Menschen versammelt, die sich nicht in ein betriebswirtschaftliches Korsett zwängen lassen wollen, das sie als Kostenfaktor begreift. Wenn sie unter Langes Vorgänger Sean Rainbird gestreikt haben, war das genau so egal wie eine verlängerte Kaffeepause. Heute müssen sie dafür an die Stechuhr.

Unter ihm konnten die AufpasserInnen machen, was sie wollen: Sean Rainbird.
Unter ihm konnten die AufpasserInnen machen, was sie wollen: Sean Rainbird.

Sie sei fassungslos gewesen, erzählt Direktorin Lange, was sie bei ihrem Amtsantritt vorgefunden habe. Es erschien ihr, als könne an jenem Ort, dessen Werte sie zu "bewachen" und dessen "große Kunst" sie zu verantworten habe, jeder machen, was er wolle. Und für ihren Geschäftsführer muss es ein Alarmsignal gewesen sein, in der Bildzeitung zu lesen, vor seiner Zeit sei die Staatsgalerie ein "Saustall" gewesen.

Umfassende Überwachung gefordert

Konsequenterweise wird in der Ausschreibung für die Leitung des Besucherservices auch viel verlangt: fortlaufende unangekündigte Kontrollgänge (Einhaltung der Verhaltensregeln, Kleiderordnung, Position etc.), Wahrnehmung der disziplinarischen Personalverantwortung, Überwachung des Arbeitsbeginns, der Pausenzeiten und der Krankmeldungen, Unterstützung des Outsourcing-Prozesses. Außerdem muss die Person, die am 1. April das Kommando übernehmen soll, ein "ausgeprägtes Kostenbewusstsein" haben und "durchsetzungsstark" sein.

Nun ist die Staatsgalerie, die, wie viele Museen, mit kriselnden BesucherInnenzahlen zu kämpfen hat, kein Knast, aber auch kein Anarchohotel. Mit einem Jahresetat von elf Millionen Euro, der zu drei Vierteln aus Steuergeldern gespeist wird, ist sie gehalten, verantwortlich mit Geld und Kunst umzugehen. Nur: Die Peitsche wird auch nicht helfen. Dazu gibt es in dem Stirling-Bau zu viele eigenständige und widerborstige Köpfe, die sich dem Diktat der Betriebswirtschaftslehre und dem "Change-Management-Prozess" nicht beugen werden. Da ist viel Sachverstand versammelt, auch viel Ego, das in den Jahren gewachsen ist, als manche dachten, Götter regierten in ihrem Reich.

Das weiß auch Christiane Lange, deren Vertrag Ende 2017 ausläuft. Sie hat bis heute keinen Draht zu dieser Belegschaft gefunden. Die Härte, die sie nach innen zeigt, weicht im Gespräch eher einer Rat- und Hilflosigkeit. Sie erwarte ein "Mindestmaß an Respekt", sagt sie, gibt ihn aber offenbar nicht zurück. Langjährige MitarbeiterInnen werfen ihr die Missachtung von Ressortkompetenzen vor, vom Personalrat wird sie als autokratisch und selbstherrlich gescholten, von Verdi-Sekretär Markus Kling wird ihr eine "unsägliche Personalführung" bescheinigt. In Fachkreisen, die sie von außen argwöhnisch betrachten, gilt sie als konservative Ausstellungsfrau mit einem elitären Kunstverständnis, mit einem verengten Blick auf Gängiges, auf Design und Quote. Das ist selbst der "Stuttgarter Zeitung" zu langweilig. "Mehr Lust auf aktuelle Debatten" wünscht sich das Blatt.

Dementi: Keine Medusa mit den Schlangenhaaren

Das Wissen um den endlosen Streit heißt freilich nicht, dass Lange ihn auch versteht. Zu klein und eine zu sichere Bank dürfte ihre letzte Wirkungsstätte, die Münchner Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, gewesen sein, um das Große wuppen zu können. Sie müsse noch üben, bekennt die promovierte Kunsthistorikerin, aber sie sei doch nicht die "Medusa mit den Schlangenhaaren". Das klingt durchaus sympathisch, aber dem steht eben das Wort von der "Schreckensherrschaft" entgegen, das der Personalrat verwendet, wenn er über sie redet. Vielleicht ist es einfach so, dass die Direktorin, die durchaus kluge Sachen sagen kann ("Das kapitalistische Modell vom Wachstum gefährdet die Zukunft der Museen"), die Menschen nicht mitnehmen kann, bei dem, was sie denkt. Wie wär's eigentlich mit einem Coach?

Archivbild aus der guten alten Zeit.
Archivbild aus der guten alten Zeit.

Der Kontrollfreak, der sie ist, macht Kooperation schwer. Und wenn sie in der Ausstellung Papierfetzen vom Boden klaubt, sich selbst als "schwäbische Hausfrau" bezeichnet, dann mag das die Erinnerung an die Kehrwoche beleben. Aber das "Wachpersonal" steht daneben und staunt. Und wenn sie sagt, "Frauen räumen eher auf, wenn's unangenehm wird", dann sieht der Personalrat weniger Let's putz auf sich zukommen als eine neue Kampfansage.

Im Politsprech würde man wohl sagen, die Fronten sind verhärtet, die Lager unversöhnlich. Umgangssprachlich wäre von einer beschissenen Stimmungslage zu reden, die beim zweistündigen Kontext-Besuch in Langes Büro so auch benannt wird. Zu befürchten ist, dass sie auch nicht besser wird.

Und dann noch eine Schlafmatratze im Keller

Am Ende des Gesprächs legt Geschäftsführer Rieker noch Fotos auf den Tisch, die erstaunliche Gegenstände aus dem Keller des Hauses zeigen: einen Männerbarren, einen Stepper, Pfannen, Kochtöpfe, Teller und eine Schlafmatratze. Hier habe sich ein geheimer Fitnessraum, eine Küche und eine Schlafstätte befunden, mutmaßt Rieker, genutzt von MitarbeiterInnen. Das erinnert stark an das klandestine "Jägerstüble" im alten Süddeutschen Rundfunk, das tief unter dem Fernsehstudio Villa Berg verborgen war. In den 80er-Jahren sei dort, ohne Wissen der Intendanz und bei hochfliegenden Tassen, so manche treffliche Idee geboren worden, heißt es. In der Staatsgalerie ist der Technikleiter dafür fristlos gefeuert worden.

Den ollen Kram aus dem Keller haben sie weggeräumt. Die olle Banane von Graffitikünstler Thomas Baumgärtel prangt noch am Eingang.
Den ollen Kram aus dem Keller haben sie weggeräumt. Die olle Banane von Graffitikünstler Thomas Baumgärtel prangt noch am Eingang.

Die kleinen Fluchten gehören der Vergangenheit an. Der Fitnessraum ist geschlossen, ein neuer Fünfjahresvertrag liegt unterschriftsreif auf Christiane Langes Tisch. Sie wolle weiter machen, betont sie und äußert die Hoffnung, dass jeder seine "Verantwortung im Sinne des Ganzen" übernimmt. Die Oberverantwortung liegt beim Wissenschaftsministerium, das auch für die Kunst zuständig ist. Dienstherrin Theresia Bauer (Grüne) lässt auf Anfrage wissen, man habe sich für Frau Lange entschieden, man setze auf Kontinuität.


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Kommentare

F. Stirling, London, 20.02.2017 14:54
Die Totenruhe ist gestört

Die wiederkehrenden Erschütterungen am Grabe von Sir James Frazer Stirling, die vor einigen Jahren in London zu zahlreichen Vermutungen Anlass gab, scheinen nun eine plausible Erklärung zu finden: sie wurden zeitgleich mit der Neubesetzung der Leitung der Staatsgalerie Stuttgart festgestellt und seither immer häufiger und stärker im Epizentrum London aufgezeichnet.
Bei dem Entwurf zur Staatsgalerie Stuttgart, von 1977 - 1983 errichtet, wurde in Anlehnung an den bestehenden Altbau eine Idee übernommen und auf bemerkenswerte Weise weiter entwickelt. Nämlich die Idee einer Tageslichtgalerie, die, mit sich selbst regulierenden Verschattungslamellen neu gedacht und vorbildlich umgesetzt wurde. Dieser lichte Bau, zusammen mit seinen verschiedensten Ausblicken auf Innenhof, der Terrasse und Rotunde, wurde zu seiner Eröffnung und in den Jahren danach zu einer Stil-Ikone moderner Architektur. Hiervon ist nicht mehr viel übrig geblieben.
Den heutigen Besucher begrüßt kein großzügiges und offenes Foyer mehr, geblieben ist nur Farbe des Bodenbelages, giftgrün, ansonsten sieht man sich einem Ramschladen und einem Besucherterminal gegenüber, die jeder Beschreibung spotten. Bei diesem Umbau hatte wohl nur ein Kaufmann das Sagen.
Beim Besuch der Ausstellungsräumen selbst fallen dem aufmerksamen Besucher, der Haus aus seinen Anfangszeiten her kennt, schmerzhaft auf, dass von einer Tageslichtgalerie eigentlich nicht mehr gesprochen werden kann. Sind doch die meisten Glastüren Zugestrichen oder gar verbaut, die Fenster zur Terrasse zugeklebt oder verhangen, gar nicht zu reden von den Oberlichtern. Nichts mehr von einem hellen offen und lichten Bauwerk! Nichts mehr zu spüren von der Verbindung von Innenraum zu Aussenraum, die Rotunde und die Terrasse gehören nicht mehr dazu. Zudem vermittelt der Rundgang nicht den Eindruck, dass man als Besucher erwünscht ist und eingeladen wird vor den Kunstwerken zu verweilen. Denn es gibt fast keine Sitzmöglichkeiten, es befällt einen den Eindruck schnellstmöglich durchgeschleust zu werden, um schnellstmöglich das Haus wieder verlassen zu können. Es gibt keine Cafeteria mehr, Sofas stehen deplaziert im Treppenhaus vor dem Aufzug.
Alles Anzeichen dafür, dass hier kein Sachverstand und Respekt vor dem Erbauer herrscht, weshalb sich den Verdacht erhärtet, es könnte tatsächlich Sir James Frazer Stirling sein, der sich wegen dieser Zustände in Stuttgart seither unruhig im Grabe wälzt.

M.Kersting, 19.02.2017 22:10
Dieser Artikel lässt staunen: Eine Redaktion, die für sich in Anspruch nimmt, »Wichtiges von Unwichtigem« unterscheiden zu können, echauffiert sich über die selbstverständliche Durchsetzung von notwendigen Regularien im Museumsalltag. Dass die Staatsgalerie mit ihrem gesamten Team dem Publikum in den jüngst vergangenen Jahren grandiose Ausstellungen geboten hat und ihren Bestand um exquisite Stücke bereichern konnte, die Institution also ihre Kernaufgaben glänzend erfüllt hat, gerät auf der Suche nach dem »Wichtigen« völlig aus dem Blick.
Statt dessen werden die einstmals angestammten Stühle zu einem gravierenden Problem stilisiert. »Journalisten, die ihr Handwerk gelernt haben« – als ein solcher möchte der Autor wahrgenommen werden –, wären gut beraten, nicht bereits im Titel eines veröffentlichten Textes mit einer Lüge aufzuwarten: Nicht das Setzen ist den Aufsichtführenden verboten, wie behauptet wird, sondern lediglich die allein ihnen vorbehaltenen Sitzgelegenheiten wurden verräumt. In dieser für die meisten Museen völlig außer Frage stehenden und zur Sicherung öffentlichen Eigentums bewährten Praxis die Auswüchse einer »Schreckensherrschaft« erkennen zu wollen, ist allerdings ebenso lächerlich wie die Verteidigung des Privilegs der Unpünktlichkeit für akademisch vorgebildete Mitarbeiter. Dem dazu zitierten Personalrat – ein Personalrat? der Personalrat? – scheint über dieses Lamento abhanden gekommen zu sein, dass ihm vom Gesetzgeber nicht nur das rechtliche Instrumentarium zur Verhinderung betrieblicher »Schreckensherrschaften« zur Verfügung gestellt wurde, sondern dass ihm eben dies auch durch die Wahl in eine solche privilegierte Funktion von den Mitarbeitern zur Pflicht gemacht ist.
Tatsächlich lässt auch die Diktion in dieser Angelegenheit ahnen, dass es gar nicht um Missstände geht, die in konstruktivem Umgang miteinander zu beseitigen wären. Umso mehr erscheint dem Leser das mit ebenso generöser wie unangenehmer Herablassung des Autors zugestandene Lob, die Direktorin der Staatsgalerie könne »durchaus kluge Sachen sagen«, als läppisch inszenierte Diffamierung. Mutmaßungen über die wahren Absichten eines solchen Kampagnenversuchs verbieten sich. Die Reaktionen der netznotorischen Anonymlinge allerdings lassen erahnen, dass man mit diesen Absichten eindeutig auch nicht konfrontiert werden möchte. Das Wichtige zu würdigen, nämlich die an der Staatsgalerie Stuttgart und von ihren Mitarbeitern geleistete Arbeit, wie es von der sachkundigen Presse auch getan worden ist, taugt allerdings nicht für den Klick-Klamauk. Allein ein Blick auf die im und für das Ensemble dieses Museums so präzise konzipierte Bacon-Ausstellung hätte zur wirklichen Qualität des Hauses aktuell allerbestens Auskunft zu geben vermocht.

Haelgie, 19.02.2017 20:47
Ich erinnere mich noch gut, wie Frau Lange 2013 in ihr Amt eingeführt wurde und auf der Pressekonferenz kichernd mitteilte, dass sie nun auch vom damaligen Staatssekretär Jürgen Walter die Handynummer hätte. Mehr blieb mir nicht in Erinnerung: keine Visionen, keine Ausstellungen im Gepäck. Die Schlemmerausstellung war schon in Vorbereitung, oder? In München waren die Ausstellungen alle eingekauft. Aus informierten Quellen aus der Münchner Kunstszene war zu hören: „Na dann mal viel Spaß mit ihr. Hier ist keiner traurig, dass sie geht.“ Aus anderen informierten Quellen hat man auch erfahren, dass sich so Kaliber wie Moritz Wullen (Direktor der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen Berlin) beworben haben. Aber offensichtlich ging man nach dem Peter-Prinzip vor.
Mich würde interessieren, warum das Ministerium an dieser „Kontinuität“ festhalten will? Die Besucherzahlen sinken, die Hängung ist unspektakulär, die Ausstellungen keine Publikumsmagnete mehr. Lang ist es her: Giacometti, Max Ernst, „Magie der Zahl“, Gauguin, Funny Cuts – die Besucher standen Schlange... Wo sind die kreativen Ausstellungkuratoren? Wo ist die zeitgenössische Kunst? Wie durch ein Wunder zeigt die Staatsgalerie „Manifesto“ von Julian Rosefeldt – eine Neuerwerbung der Freunde der Staatsgalerie. Zum Glück gibt es den Galerieverein. Doch landen viele dieser Geschenke im Depot. Oder wissen Sie, wo der „Ordnungshüter“ von Neo Rauch hängt? Die Betrachtung dieses Werkes wäre für alle Beteiligten ein gute Übung.
Und übrigens: Was sagt denn die neue Staatssekretärin dazu? Liebe Petra Olschowski, brechen Sie den Fluch des Peter-Prinzips. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

I. Gaehr, 19.02.2017 16:36
Es hat halt immer alles zwei Seiten. Hier zwei Beispiele: ich erinnere mich an eine Situation vor Längerem bei meinem Besuch der Monet Ausstellung, dort saß eine Aufsichtsperson auf ihrem Stuhl zwischen zwei hochkarätigen Leihgaben und war eingeschlafen, eine ungeheuerliche Situation. Wäre sie gestanden oder hätte sie sich bewegt, hätte sie aufpassen können. Bei der Sonderausstellung Giorgio De Chirico hatten sich zwei Aufsichtspersonen stehend laut miteinander unterhalten und hatten sich selbst genügt. Es könnten noch weitere Beispiele zugefügt werden.
Ich kann mir schon vorstellen, wie frustrierend es ist, überqualifiziert einen Job ausfüllen zu sollen, aber ich bin wie Herrn Rieker auch der Meinung, dass man die Aufgabe ausführen sollte, für die man eingestellt wurde. Man sollte diese Unzufriedenheit nicht auf Frau Dr. Lange und den Verwaltungsleiter projizieren. Ich finde unter der jetzigen Leitung hat sich manches erfreulich verändert, z.B. ist der Eingangsbereich im Stirlingsbau wieder attraktiv gemacht worden, wurde der Schlemmerraum angemessen gestaltet usw.
Ich freue mich, wenn ich Frau Dr.Lange durch die Räume gehen sehe wie früher Herrn Dr.v.Holst.

Joseph-Maria, 19.02.2017 16:12
Die Konsequenzen eines derart systematisch von einem so selbstherrlichen wie subalternen Vorstand ausgeübten Mobbings lassen natürlich die Institution als ganze nicht ungeschoren. Unter der Leitung eben dieses Vorstands - heutzutage ist es leider nicht selten, dass ein Vorstand gebildet ist aus einem nicht notwendigerweise fachlich gebildeten Geschäftsführer und einem Direktor, der an ein großes Haus berufen wurde, obgleich er die nötige Leitungserfahrung in Sachen Personalführung, Sammlungsverantwortung und Entwicklung wissenschaftlicher Forschungsprojekte gar nicht vorweisen konnte - unter solcher Leitung ist die Staatsgalerie in allerkürzester Zeit zu einem vergessenen Provinzmuseum verkommen. Heute gibt es dort ein Qualitätsmanagement, dem offenbar die ehemalige internationale Bedeutung bzw. die weltweit beachtete Qualität des Museums ein Dorn im Auge ist, zumal das zuständige Ministerium diese Auffassung teilt: Sonst setzte es nicht auf „Kontinuität“ dieser Misere, und sonst hätte es bei der Besetzung des Vorstands gewisse Maßstäbe angelegt.
Über das Niveau des sein Amt so gründlich missverstehenden und ihm so wenig gewachsenen Geschäftsführers macht übrigens dieser selbst eine klare Aussage, wenn er nämlich öffentlich kundtut, er habe vom vorigen Direktor einen „Saustall“ übernommen.

Oh. Schlemmer, 19.02.2017 16:06
Der kaufm. Geschäftsführer, der selbst in Halbhöhenlage des StaGa-Areals residiert, einen unbezahlbaren kostenlosen Ausblick auf die City genießt, scheint der Ansicht zu sein, das Paradies seines kleinen Reichs liegt in den Katakomben, in der Technikzentrale.
Ein Gewirr aus Lüftungs- und Heizungsrohren, Pumpen und Aggregaten, schlechte Luft, kein Tageslicht, keine Fenster. Offenbar hatte er Zeit während seiner Dienstzeit hier zu fotografieren, Dinge die nicht unbedingt in die StaGa gehören... warum hat er kein Selfie gemacht?
Was sagt es aus, eine Matratze, einen Barren zu fotografieren...
Vergessen zu erwähnen hat er den Kasten Bier, der auch gefunden wurde- allerdings waren nur zwei Flaschen leer- ein Synonym für die StaGa?

Wow, man spart bei den Aufsichten- angeblich zwei Euro die Stunde!
In der Regel werden Rentner rekrutiert deren einzige Qualifikation für diesen Job ist, dass sie lange stehen können, weil sie nach Sozialleistungen, Sonderangeboten und bei der „Tafel“ anstehen müssen um ihr karge Rente aufzubessern. Sie werden in schnieke Anzüge gesteckt und schon sind sie Fachpersonal einer Sicherheitsfirma.
Und das in einem sooo reichen Bundesland.
Würde Frau Lange acht Stunden in ihren Diensträumen stehen, (ihre rechte Hand könnte dann gern das Schreiben von Abmahnungen für zehn Minuten unterbrechen und als Sitzpausenvertretung zur Verfügung stehen...) wäre das Gleichbehandlung.

Wenn man sonst schon nichts auf die Beine stellen kann, dann zumindest die Aufsichten.

Der Haustechniker, auf den sie eigentlich stolz sein sollten, der die technischen Anlagen kennt und beherrscht wie kein Zweiter, konnte nach dem zweiten AG-Prozess das Viktory-Zeichen machen.
Aber die Schikanen gehen weiter.
Und wer zahlt die Prozesskosten? Die Kosten der Arbeitsunfähigkeit?
Durch unfähige Vorgesetzte, denen jegliche soziale Kompetenz fehlt, durch Mobbing, durch Abmahnungen, durch ungerechtfertigte Kündigungen, gehen der Volkswirtschaft jährlich Milliardenbeträge durch die Folgekosten verloren!
Und da wünscht sich die Ministerin Kontinuität?
„Setzen sechs, Frau Bauer!“ Und da sollten sie sich glücklich schätzen, noch eine Sitzgelegenheit zu haben.

Gertrud Klartext, 18.02.2017 19:33
Jeder Arbeitnehmer hat einen fest definierten Arbeitsbereich den er ausfüllen muss und für den er bezahlt wird. Man erwartet von einem Chef, oder Direktor,dass er sich darum kümmert ,dass die Angestellten ihre Arbeit entsprechend ausführen.
Dieses korrekte Verhalten zu kritisieren ist völlig ungerechtfertigt!
Im Gegenteil: ein Museum ordentlich und betriebswirtschaftlich effektiv zu führen ist ganz im Sinne von uns Steuerzahlen!
Die Neugestaltung und Veränderung der Staatsgalerie durch Christiane Lange ist ein riesiger Gewinn für Stuttgart und die Kunstwelt.

Isolde Vetter, 18.02.2017 18:44
!***Aufruf zur FALTHOCKER-Spende für die AufseherInnen***
Hiermit rufe ich uns Leser zur Spende für FALTHOCKER für die AufseherInnen auf! Es soll welche geben, die kaum größer als ein Taschenschirm in der Hülle und ganz leicht auf- und zuzuklappen sind (und dann in einem Winkel oder hinter der Fußleiste oder der Heizung oder ...im Hosenbein... zu verstecken sind).
??? Wer findet schnell ein solches Modell ???

Und bitte, liebe Kontext, legen Sie ein Spendenkonto an und veröffentlichen Sie die Nummer in der nächsten Nummer - - - - -
DAS WÄR 'NE NUMMER ! ! ! ! ! ! ! !

Aufreger, 17.02.2017 18:30
@Nach Mir das Lava-Inferno

Bei der Großen Klappe wünsche ich Ihnen mal stundenlang am Stück stehen, regungslos, mehrmals die Woche. Und das so lange bis AUCH SIE gesundheitliche Probleme davon bekommen. Und dann gleich mal das sonstige Mobbing dazu, Wegen PILLEPALLE ständig Abmahnungen - riesige Angst um die Existenz wenn man weiß dass man in dem Alter nicht eben was neues findet.

Und für Leute wie Sie, da sollte man am Besten jegliche Kultur in diesem Land auf BILDzeitung und Mainstream-Cineplex beschränken... da sieht man, was unsere Schulen bringen, wenn Leute mit Abitur solche Einstellungen haben ...

Schwabe, 17.02.2017 08:30
zu Huckleberry, 16.02.2017 14:19
tja, die (hausgemachten) Probleme kommen mit der verbetriebswirtschaftung öffentlicher Einrichtungen.
Diktiert von den politisch Hauptverantwortlichen (bürgerlich neoliberal), welche das Ganze auch gerne "...,man setze auf Kontinuität" nennen. Und mit dieser Aussage hat die Hauptverantwortliche Dienstherrin Theresia Bauer (Grüne) m.E. noch nicht einmal unrecht, denn auch ein unschön verlaufender Prozess besitzt Kontinuität solange man daran festhält, sprich solange er von oben diktiert wird (natürlich demokratisch legitimiert - auch wenn eine evtl. Mehrheit der Wähler solche Entscheidungen womöglich nie "gewählt" hätten).

Direkte Vorgesetzte die sich an betriebswirtschaftlichen Vorgaben (sparen), sachlich notwendigem und evtl. mangelnder Führungskompetenzen aufreiben und abarbeiten setzen diesem Ganzen die Krönung auf.

Und fertig ist das Gebräu aus unangemessenem sparen, Unfähigkeit und Desinteresse. So wirtschaftet man leise aber bestimmt öffentliche Einrichtungen herunter und damit nicht zuletzt öffentliches Leben bzw. eine gesunde Gesellschaftsordnung aus Sicht der hart arbeitenden Bevölkerungsmehrheit.

Und wie schon gesagt, diese Politik des Herunterwirtschaftens geschieht erstens bewusst und findet sich nicht nur in der Kunstszene wieder sondern auch in Schwimmbädern, Schulen, Kindergärten, öffentlichen Räumen (vermüllung), Bibliotheken, Verwaltungen, Behörden, etc., etc.!

Huckleberry, 16.02.2017 14:19
Der "Fettfleck an der Wand" stammt weder von Joseph Beuys noch von einem Hinterkopf einer Aufsicht, die auf einem Stuhl herumgelümmelt hat, noch befindet er sich an der Wand, sondern an einem Durchgang zwischen zwei Ausstellungsräumen. Dort STEHEN die Aufsichten oft, damit sie zwei Räume auf einmal im Blick haben, und lehnen sich mit ihrer schwarzen Kleidung auch manchmal an. Daher der Fleck.
Diese Flecken gibt es schon immer, denn auch schon zu Rainbirds Zeiten und zu den Zeiten von Herrn von Holst haben die Aufsichten keineswegs gemacht, was sie wollten, die allermeisten haben ihren Job gut und mit viel Freude gemacht!
GESESSEN wurde nur, wenn es die Situation erlaubte.
Etwas länger gesessen ist vielleicht mal jemand, der kurz vor der Rente stand und körperlich nach langjähriger Tätigkeit auf den Beinen in den zugigen Räumen am Ende war. Das stellte aber meiner Meinung nach kein sicherheitsrelevantes Problem dar, da die Jüngeren und Fitteren in dieser Zeit für ihn mitgeschaut haben.
So haben wir jahrelang Besucherströme in Ausstellungen bewältigt, von denen man heute nur noch träumen kann (von den Ausstellungen und den Besucherströmen), ohne das je etwas passiert ist.

Nach Mir das Lava-Inferno, 16.02.2017 12:23
Quatsch. Zumachen das Dingens. Shopping Mall und Cineplex rein, zwanzig Kameras an die Aussenfassade, fünfzig innen an die Decken, fertig! Die Region braucht mehr PsyOps - Verzeihung - Hollywood! Das ist mal echte Kunst und Kultur.
Die freiwerdenden Mittel direkt umdelegieren zur Panzer-Uschi für die künftige Atommacht. So löst man Pillepalle-probleme. Ach Gottchen, die sensiblen Künstler-Versteher dürfen nicht mehr auf Kissen sitzen bei der Arbeit. Pfft.
Euch Kontextlern würden ein paar mehr BWLer in der Redaktion auch gut tun. Überhaupt, das BWL Bashing reicht langsam. Wer hat denn bitte dafür gesorgt, daß es Deutschland besser geht als je zuvor? Und ohne Security-Firmen geht's nun mal nicht. Es kann gar nicht genug von denen geben. Wird auch höchste Zeit, daß die alle mal mit Tasern ausgestattet werden, usw. usf. ..

Ghostnotes, 16.02.2017 10:34
Man kann trefflich beobachten, wie ein einstmal renomiertes Museeum dank unfähiger Leitung in die drittklassigkeit absteigt. Mag der Wissenschaftsministerin Gender als Qualitätskriterium für die Direktions des Hauses genügen, in Verbindung mit einem kleinkarierter BWLer als kaufmännischer Direktor und der Leiterin der Verwaltung - ebenfalls BWLerin und mit dem kaufmännischen Direktor liiert - führen sie ein gnadenloses Regime, wobei damit wohl die zu Tage tretenden persönlichen Unfähigkeiten kompensiert werden sollen. Mit dem fristlosen Hinauswurf des technischen Leiters hat man versucht, sich der einzigen Person im Hause zu entledigen, der sich mit den komplexen technischen Anlagen der Gebäude auskennt! Bei dem Versuch ihn los zu werden - der technische Leiter ist zum Glück noch immer da - hat man durch alle Instanzen des Arbeitsrechts geklagt und ohne Sinn sehr viel Geld des Steuerzahlers verbrannt.
Das "Triumphirat des Schreckens" in der Staatsgalerie sollte abtreten und es sollte eine Hausspitze gefunden werden, die das notwendige Kunstverständnis und das erforderliche Fingerspitzengefühl und Empathie hat, die Staatsgalerie wieder zu dem zu machen, was sie einmal war die wichtige und gewichtige Institution in Sachen Kunst in Stuttgart und der Region.

halb-insider, 16.02.2017 08:02
Es mag ja sein das die StaGa mal ein Klub-Med war, aber da passierte wenigstens mal was.
Jetzt sind Stasi Methoden im Gange und es passiert nichts mehr.
Die Guten, die noch was geschafft haben, sind gegangen und gehen immer schneller weg.
Der fisch stinkt vom Kopf ab.. sagt man. Und so ist es: Minister, Chefin und Oberverwalter müssen sich da mal im Spiegel gucken.
Ich bin gespannt auf das Jahresergebnis 2016. Bis jetzt waren diese Jahresheftchen immer voller positiver Meldungen (die Präsentierte Zahlen waren stets größer, wenn auch nicht vergleichbar von Jahr zu Jahr). Mal sehen welche kreative Tricks diesmal eingefallen sind (da scheint was zu tun im Hause.. bei den Ausreden).
Bin auch gespannt auf die neue ISO Zertifizierungsrunde. Wenn wenigstens das mal richtig gemacht wäre, dann wusste jeder was er zu tun hat im dem Laden. Dann wären die Ausreden endlich passé. Aber traurig das ein Museum soweit gehen muss.

Jona Gold, 15.02.2017 14:35
ein Jammer. Eine derartige Führung ist in erfolgreichen und gut aufgestellten Unternehmen nicht mehr das, worauf gesetzt wird.
Unsäglich deppert.
Erinnert irgendwie daran, wenn Unternehmensberatungen Gärten in Krankenhäusern wegrationalisieren, weil die ja nur Geld kosten.
Der Künstler braucht eine Art kratives Chaos um zu schaffen. Die Ausstellungshallen sollten dieses Prinzip nicht mit Druck, Gewalt und Macht zerschlagen sondern vielleicht auf eine Art kultivieren.
Aber hey.. Die schranken im Schädel sind halt überall einfach phänomenal groß!
Shame on you, Rieker und Lange!

Philippe Ressing, 15.02.2017 13:14
Das was hier am Beispiel Staatsgalerie beschrieben wird, ist weder ein Einzelfall, noch neu. Ich hatte 2007 bis 2009 das 'Vergnügen' im Landesmuseum als Aufsicht zu arbeiten. Damals gab es bereits eine Anordnung, das man nicht Sitzen durfte - und so achteten wir immer darauf, einen 'toten Winkel' zu finden, um sich auf einen der wenigen Stühle zu setzen oder an eine Fensterbank zu lehnen. Und wehe die Museumschefin erwischte einen dabei. Obwohl halbtags war man am Ende seiner Schicht ziemlich alle: Knie, Beine und Füße taten unsäglich weh. Und so mancher Besucher meinte, hier seine schlechte Kinderstube präsentieren zu dürfen...
Seit dieser Zeit habe ich hohen Respekt vor den Verkäuferinnen in den Kaufhäusern und den Museums-Aufsichten. Der Job als Aufsicht im Museum war damals gerade für Ältere eine der wenigen Möglichkeiten, eine Arbeit mit anständiger Bezahlung zu bekommen. VIele hatten einst bessere Zeiten gesehen, in meiner Schicht arbeiteten etwa eine Architektin und eine Ingenieurin, die keinen besseren Job mehr bekamen. Wenige Jahre später ging das Landesmuesum dazu über, neben ein paar festen Mitarbeitern Sicherheitsfirmen mit der Aufsicht zu beauftragen. Die Folge: die Leute bekamen deutlich weniger Lohn und es gab eine unerhörte Fluktuation. Das Museum profitierte davon, meldete sich jemand krank, musste ja der Sicherheitsdienst für Ersatz sorgen. Für die besseren Herrschaften aus der Leitungsetage waren wir wohl so was wie eine Herde dressierter Schimpansen - nicht 'Satisfaktionsfähig' - manchem hätte ich gerne mal meine Universitätsdiplome um die Ohren gehauen... Museum - außen Hui innen pfui, aber wen interessiert das schon...

Schwabe, 15.02.2017 10:26
"Die Oberverantwortung liegt beim Wissenschaftsministerium, das auch für die Kunst zuständig ist. Dienstherrin Theresia Bauer (Grüne) lässt auf Anfrage wissen, man habe sich für Frau Lange entschieden, man setze auf Kontinuität."
Sachbefreites festhalten (auch eine Art von Kontinuität) an nicht funktionierendem (zumindest aus manchen Perspektiven) ist ein Markenzeichen bürgerlicher CDU/SPD/GRÜNEN/FDP/AfD-Politik (siehe S 21).
Die Gründe liegen m.E. darin, dass sich die Politik (hier in Person von Theresia Bauer) zu wenig mit der Materie/den Umständen beschäftigt und stattdessen dem jeweils zu verantwortenden Bereich ein (sachbefreites) betriebswirtschaftliches Korsett überstülpen bzw. diesem blind fröhnen - oft das Ergebnis von externen Unternehmensberatern die von Politikern wie Götter betrachtet werden (die in öffentlichen Strukturen m.E. jedoch nichts zu suchen haben, zumindest kritisch zu betrachten sind).

Diese betriebswirtschaftlichen Strukturen passen in ein bürgerlich neoliberales Konzept, jedoch nur selten in ein funktionierendes Konzept im öffentlichen Verwaltungsbereich. Und dies lässt sich an der Kunstszene besonders gut ablesen. Aber auch an Schwimmbädern, Schulen, Kindergärten, Behörden, Verwaltungen, usw.!

Verantwortliche in der Politik (Volksvertreter) verstehen sich oft selbst als Bosse großer Unternehmen (wie falsch und anmaßend das ist bedarf m.E. einer extra Diskussion) dabei handelt es sich aber nicht um Unternehmen sondern i.d.R. um Verwaltungen. Und während diese sich in ihrer "Chefrolle" sulen, reicht deren Horizont nicht mal soweit angemessene Schritte einzuleiten bzw. anzustoßen. da braucht es ein medium wie Kontext die naheliegendes formuliert " Wie wär's eigentlich mit einem Coach?"

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