KONTEXT Extra:
Abschiebung nach Afghanistan: Strobls "katastrophale Pannen"

Immerhin eines ist geklärt: was CDU-Innenminister Thomas Strobl unter dem "konsequenten Vollzug von Recht und Gesetz" versteht. Nach einer Einzelfallprüfung durch sein Haus sollten am Mittwochabend ein psychisch kranker Mann, der per Gerichtsbeschluss schon einmal von der baden-württembergischen Abschiebe-Liste geholt wurde, und ein afghanisch-türkischer Familienvater aus München nach Kabul reisen müssen. Abermals griffen Gerichte ein. Der grüne Koalitionspartner tobt, von "katastrophalen Pannen" ist die Rede und davon, dass der CDU-Landeschef alle Absprachen gebrochen hat. Sogar Ministerpräsident Winfried Kretschmann knöpfte sich den Stellvertreter vor. Und die baden-württembergischen Jusos sprechen von einem "Spiel mit dem Leben der Betroffenen". Dass wieder Gerichte "eingreifen müssen, um diesem Irrsinn ein Ende zu setzten, zeigt, wie leichtfertig mit dem Schicksal einzelner Menschen umgegangen wird". Die Landesregierung habe den Spielraum, "das zu stoppen, und muss diesen endlich nutzen".

Bisher wollte sich Kretschmann dem vorübergehenden Abschiebestopp nach Afghanistan, den andere grün-mitregierte Länder bereits umsetzen, allerdings nicht anschließen. Der Druck auf ihn steigt aber weiter, nachdem am Mittwoch auch ein Mann abgeschoben wurde, der seit Jahren einen Arbeitsplatz in Baden-Württemberg hatte. Außerdem ist Strobl weiter uneinsichtig und will die Aufregung beim Koalitionspartner, bei den Jusos, den Flüchtlingsorganisationen und vielen Unterstützern vor Ort nicht verstehen. Stattdessen sieht er in einer Aussetzung von Abschiebungen eine "Aushöhlung des Rechtsstaats". Er könne nicht nachvollziehen, sagt der Merkel-Vize, dass es Länder gibt, die sich "systematisch weigern", geltendes Recht zu vollziehen: "Das sind Schläge gegen den Föderalismus."

Mehr zum Thema: "Späte Einsicht", "Kritik ist Lüge", "Der Hardliner", "Geisterfahrer unterwegs" https://www.kontextwochenzeitung.de/politik/300/der-hardliner-4100.html


Alles von vorne

Nicht alle bekommen eine zweite Chance, baden-württembergische Landtagsabgeordnete nehmen sie sich: Mit einem sogenannten Aufhebungsgesetz beginnen die Reparaturarbeiten nach dem bisher größten Aufreger der Legislaturperiode, der im Hau-Ruck-Verfahren beschlossenen knappen Verdoppelung der Pauschalen für Aufwand und Wahlkreis, sowie der Rückkehr zur staatlichen Altersversorgung. Die Grünen wollten alle Vorhaben gemeinsam auf den Prüfstand stellen, CDU und SPD setzten sich durch mit einer Expertenkommission, die allein die Rentenreform prüfen wird.

Zuerst allerdings muss Mitte März das entsprechende Gesetz endgültig aufgehoben werden. Danach werden die Experten, einschließlich jener vom Rechnungshof, benannt. Irgendwann im Herbst soll dann mit jener Transparenz, an der es im ersten Durchlauf bitter mangelte, über die Veränderungen, mit denen eine Anhebung der Alters- und Hinterbliebenenversorgung einhergeht, diskutiert werden. Eile haben die Abgeordneten keine, denn niemand will sich ausgerechnet in den Wochen vor der Bundestagswahl abermals Vorwürfen aussetzen, sich eine Luxuspension auf Staatskosten zu genehmigen. (22.2.2017)

Mehr zum Thema: "Raffkes mit Mandat"


Fahrverbote beschlossen – Nordost-Ring vom Tisch

Wie ein Gespenst geisterte seit Wochen ein vor fast 40 Jahren beerdigtes Verkehrsprojekt durch die Debatte um Feinstaubalarmtage und Fahrverbote in der Landeshauptstadt: der Nordost-Ring. Jetzt hat Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) allen Spekulationen eine Absage erteilt. Auch deswegen, weil die Baumaßnahme entgegen den Behauptungen von Teilen der CDU keineswegs bereits im Bundesverkehrswegeplan steht. "Dort geht es um neun Kilometer der B 29", so Hermann nach dem heutigen Kabinettsbeschluss zu Fahrverboten ab 1.1.2018 an Feinstaubtagen, den schlussendlich auch die CDU-Landtagsfraktion mittrug.

Prompt gab es Lob von Umwelt- und Naturschützern. Hermann habe erkannt, so die BUND-Landesvorsitzende Brigitte Dahlbender, "wenn nicht zeitnah effiziente Maßnahmen greifen, so werden die Gerichte die Entscheidungen zum Schutze der Bürger*innen treffen und die Politik das Heft aus der Hand geben müssen". Die Stuttgarter CDU ist noch nicht ganz so weit. Für den Kreisvorsitzenden Stefan Kaufmann sind Fahrverbote weiterhin "politisch klar abzulehnen". Und er träumt von Nordost-Ring: Jetzt gelte es "endlich neue Verkehrsprojekte wie den Nord-Ost-Ring auf den Weg zu bringen". Hermann machte dagegen deutlich, dass das nach dem eben erst in Kraft gesetzten Bundesverkehrswegeplan gar nicht möglich ist. 

In den Sechzigern und Siebzigern waren zwei Varianten durchdacht worden: eine größere mit einem Autobahnzubringer bei Mundelsheim und eine kleinere etwa auf der Gemarkungsgrenze zwischen Waiblingen und Fellbach. Schon damals vertraten Verkehrswissenschaftler allerdings die Ansicht, dass ein Ringschluss rund um Stuttgaart weniger die Stadt, sondern die Autobahnen im Westen und Süden entlasten würde.


Korntal: Opfervertreter verlangen mehr Engagement der Landeskirche

Die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in der evangelischen Brüdergemeinde Korntal ist unterbrochen. Die Opfervertreter verlangen einstimmig, dass sich Frank Otfried July endlich entscheidend einbringt. "Wir werden nicht mehr mit den Brüdern sprechen", so Netzwerk-Sprecher Detlev Zander. Jetzt müsse "der Oberhirte, also der Bischof, ran". Im Betroffenen-Netzwerk organisiert, werfen mehr als 300 ehemalige Heimkinder der Brüdergemeinde vor, in den 1950er- bis 1980er-Jahren in deren zwei Einrichtungen sexuell missbraucht, misshandelt und gedemütigt worden zu sein.

Dass mehr Engagement von July gefordert wird, ist nicht neu. Im Sommer 2016 hatte einer der Betroffenen in einem langen Schreiben an den Landesbischof appelliert: "Die Kirche ist mit in der Verantwortung und wenn Sie als Oberhirte weiter schweigen, machen Sie sich persönlich schuldig. Die Heimopfer warten auf ein klärendes Wort von Ihnen." Denn die Korntaler Fürsorge habe "einen menschlichen Scherbenhaufen hinterlassen". (20.02.2017)


NSU-Ausschuss will weitere Akten

Der zweite parlamentarische Untersuchungsausschuss zum "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) geht auf die Suche nach zusätzlichen Akten, um dessen Verbindungen nach Baden-Württemberg besser auszuleuchten. Die Abgeordneten meinen, beim Generalbundesanwalt und/oder im Bundesamt für Verfassungsschutz fündig werden zu können. Beauftragt ist Bernd von Heintschel-Heinegg. Der Rechtswissenschaftler war schon für den ersten Ausschuss des Landtags und als Sonderermittler auch für den Bundestag tätig.

Zurückgestellt wurde in diesem Zusammenhang die Ladung von Mike Markus Friedel. Vor allem der NSU-Experte Hajo Funke hatte immer wieder darauf gedrängt, dass der gebürtige Sachse gehört wird. Dessen Name stand auf der sogenannten Garagenliste, die 1998 in Jena sichergestellt, aber erst mit großer zeitlicher Verzögerung detailliert ausgewertet wurde. Vor fast zwanzig Jahren zog er nach Heilbronn. "Markus Friedel war mit 'Erbse' (V-Mann), Torsten Ogertschnig, zusammen im Ländle im Gefängnis", schreibt Funke. Und von Friedel habe "Erbse" seine Kenntnisse über den NSU und Mundlos.

Bei einer Veranstaltung der "Anstifter" im Stuttgarter Kunstverein hat Rainer Nübel, der im ersten Ausschuss als Sachverständiger aufgetreten war, erneut von den Abgeordneten verlangt, sich ernsthafter mit der Anwesenheit ausländischer Geheimdienste am 25. April 2007 in Heilbronn zu befassen. An diesem Tag waren die Polizistin Michèle Kiesewetter ermordet und ihr Kollege Martin Arnold schwer verletzt worden. Der zweite Ausschuss hat bereits mehrere Zeugen vernommen. Jetzt ist ein Bericht beim Bundesnachrichtendienst angefordert.

Die nächste Ausschusssitzung beginnt am Freitag, den 24. Februar, um 9.30 Uhr im Landtag. Zwei Kriminalbeamtinnen sollen Auskünfte über die rechte Szene geben und die Verbindungen des NSU in den Südwesten. Geladen sind außerdem drei Zeuginnen, die Kontakt zu Beate Zschäpe gehabt haben sollen.

Auch die weiteren Sitzungstermine bis zur parlamentarischen Sommerpause sind festgelegt: 20. März, 28. April, 15. Mai, 19. Juni und der 17. Juli 2017.

Mehr zum Thema: "Geheimdienste im Fokus", "Eh-wurscht-Akten" 


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Kultur, wohin das Auge in Stuttgart auch blickt. Aber reicht das für den Titel der Kulturhauptstadt? Fotos: Joachim E. Röttgers

Kultur, wohin das Auge in Stuttgart auch blickt. Aber reicht das für den Titel der Kulturhauptstadt? Fotos: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 200
Kultur

Kulturhauptstadt in Feinstaub

Von Dietrich Heißenbüttel
Datum: 28.01.2015
Soll sich Stuttgart um den Titel der Europäischen Kulturhauptstadt 2025 bewerben? Die Stadt bietet von Hoch- bis Subkultur eine enorme künstlerische Bandbreite, hat aber auch massive Probleme wie fehlende Nachhaltigkeit und kurzsichtige Stadtplanung. Unser Autor meint: Es gibt noch viel zu tun.

Es sei die "Chance auf einen ganz großen Wurf", ist sich Ludwigsburgs Oberbürgermeister Werner Spec sicher. Zum Jahreswechsel ließ der Vorsitzende der Kulturregion Stuttgart wissen: Langsam wäre es an der Zeit, sich zu bewerben. Seit 2001 wird der Titel Kulturhauptstadt Europas jeweils an Städte aus zwei Ländern vergeben, die im Turnus vorab festgelegt werden: eines in Ost-, eines in Westeuropa. Deutschland ist 2025 das nächste Mal an der Reihe. Bis in vier Jahren müsste die Bewerbung erfolgen.

Werner Spec hat hierzu hehre Ziele formuliert: Über obligatorische Kulturveranstaltungen hinaus möchte er "nachhaltige Konzepte zur Mobilität" entwickeln, zur "Energiewende und zur Generalfrage, wie wir künftig leben wollen". Jürgen Sauer, Sprecher der CDU im Kulturausschuss des Stuttgarter Gemeinderats, stellt sich eine Schlossgartenphilharmonie vor. Das klingt zumindest ambitioniert. Die Stuttgarter Grünen hatten schon im Juli 2011 Oliver Scheytt zu einer Diskussion ins Theaterhaus eingeladen, den Geschäftsführer der Ruhr.2010 GmbH, die das Ruhrgebiet überaus erfolgreich zur europäischen Kulturhauptstadt gemacht hatte. Grünen-Stadtrat Andreas Winter zeigt sich nach wie vor angetan von der Idee. Nur der grüne OB Fritz Kuhn reagiert bislang zurückhaltend. Er scheint wenig erfreut, dass sein Ludwigsburger Amtskollege vorprescht.

Aber worum geht es eigentlich? Um ein neues Konzerthaus? Um nachhaltige Mobilität?

Mehr als nur Shopping: Das Projekt Fluxus in der Calwer Passage wurde Anfang des Monats bis Ende 2015 verlängert.
Mehr als nur Shopping: Das Projekt Fluxus in der Calwer Passage wurde Anfang des Monats bis Ende 2015 verlängert.

Bisher war das Ziel des Wettbewerbs, die kulturelle Vielfalt der Europäischen Union sichtbar zu machen und zu stärken. Im März 2014 hat der Europäische Rat die Kriterien für die Jahre 2020 bis 2033 neu formuliert. Über die ursprüngliche Zielsetzung hinaus soll auch der interkulturelle Dialog und ein "Gefühl der Zugehörigkeit zu einem gemeinsamen Kulturraum" gefördert werden.

Gefordert wird eine "Erweiterung des Zugangs zur Kultur sowie der Teilhabe an der Kultur" ebenso wie die "Einbindung der örtlichen Bevölkerung und Zivilgesellschaft bei den Bewerbungsvorbereitungen und der Durchführung". Eine langfristige Strategie, wie die Kultur über das Veranstaltungsjahr hinaus gestärkt werden kann, soll erkennbar sein. Dresden und die Metropolregion Nürnberg haben bereits ihren Hut in den Ring geworfen. Mannheim arbeitet an einer Bewerbung. Was haben Stuttgart und seine Region zu bieten?

Nachhaltigkeit sieht anders aus

Eine ganze Menge, nicht nur ein gut besuchtes Theater, ein mehrfach prämiertes Opernhaus und ein international gerühmtes Ballett. Das 2001 gegründete Literaturhaus bietet ein exzellentes Programm, was sich in einer regen Publikumsbeteiligung bemerkbar macht. Die Akademie Schloss Solitude ist das größte Stipendiatenhaus Europas, das Künstlerhaus findet weltweit Beachtung. Neben der Staatsgalerie und dem Kunstmuseum in Stuttgart gibt es unter anderem in Böblingen, Sindelfingen, Heilbronn, Bietigheim-Bissingen, Backnang, Waiblingen, Esslingen und Reutlingen städtische Galerien und Museen, die allesamt hervorragende Arbeit leisten, aber vergleichsweise wenig Beachtung finden.

Wie sich dies ändern ließe, hat 2010 das Festival Zukunftsmusik gezeigt: Unter Federführung des Stuttgarter Veranstalters "Musik der Jahrhunderte" wurden von Leonberg bis Schwäbisch Gmünd, von Backnang bis Göppingen unter anderem ein Wasserspeicher, eine alte Fabrik, ein Gartenschaugelände, der Hohenstaufen und ganze Städte bespielt, unter Beteiligung ihrer Bewohner, von Migranten, Kindern und Jugendlichen, Behinderten. Fortsetzung fehlt. Das Projekt, Teil des bundesweiten Netzwerks "Neue Musik", gefördert von der Bundeskulturstiftung, lief 2011 mit dessen Förderung aus. Ähnlich erging es bereits 2005 dem "Forum Neues Musiktheater" im Cannstatter Römerkastell: Nur mit einer "Anschubfinanzierung" der Landesstiftung ausgestattet, musste das Programm trotz weltweiter Resonanz eingestellt werden. Nachhaltigkeit sieht anders aus.

Das Hegelhaus in der Eberhardstraße.
Das Hegelhaus in der Eberhardstraße.

Stuttgart ist in mancher Hinsicht vorbildlich: Dank der hervorragenden Arbeit des Forums der Kulturen, des Dachverbands der Migrantenvereine, mit dem jährlichen Sommerfest auf dem Marktplatz, aber auch des Instituts für Auslandsbeziehungen und vieler anderer Akteure funktionieren die viel beschworene Inklusion und der Kulturaustausch. Kulturschaffende haben mit der "Art Parade", einer Demonstration gegen geplante Kürzungen im Herbst 2009, ein Signal gesetzt. Ein zweijähriger Kulturdialog war die Folge, aus dem die Kultur gestärkt hervorging. Dass sich der Gemeinderat 2012 nicht an die Zusage halten wollte, das zweite Jahr des Dialogs zu finanzieren: geschenkt. Die im Abschlussdokument genannten Ziele könnten direkt als Vorlage für eine Kulturhauptstadt-Bewerbung dienen. Darin ist etwa von kultureller Bildung, Diversität, aber auch vom Selbstverständnis der städtischen Kulturpolitik die Rede.

Dennoch: Kann sich eine Stadt, eine Landeshauptstadt zumal, Kulturhauptstadt nennen, die eines ihrer Wahrzeichen, den Hauptbahnhof, ein eingetragenes Kulturdenkmal besonderer Bedeutung, zu großen Teilen abreißt, wo es doch explizit auch um nachhaltige Mobilität gehen soll? Und was, wenn 2025 mitten im Zentrum der Stadt noch immer ein großes Loch klafft, weil der Tiefbahnhof nicht wie geplant fertig wird? Derzeit nimmt außerdem der Autoverkehr in der Landeshauptstadt immer weiter zu, Stuttgart bleibt europäische Feinstaubhauptstadt, und die S-Bahnen und Regionalzüge kommen häufig zu spät. Ein paar Elektroautos sind da allenfalls ein Tropfen auf dem heißen Stein. Ein Gesamtkonzept fehlt völlig.

Blankes Entsetzen bei Stadtplanern

Auch die Antwort auf die Frage, "wie wir künftig leben wollen", die Ludwigsburgs OB Spec so vollmundig in den Ring wirft, bleibt spannend. Denn was in den letzten zwei Jahrzehnten im Talkessel geschehen ist, ruft bei Stadtplanern und auswärtigen Gästen blankes Entsetzen hervor. Baukultur sieht anders aus, wie immer man sie definiert. "Mir fehlt eine ordnende Idee", hat der weltbekannte Bauingenieur Werner Sobek, Gründer der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen, schon vor Jahren zur Stuttgarter Stadtplanung bemerkt und kürzlich erneut einen Zukunftsentwurf angemahnt. Emissionsfreiheit, soziale Mischung, Kindgerechtigkeit und Automobilfreiheit wären für ihn lohnende Ziele. Stuttgart verfüge wie kaum eine Stadt über entsprechendes Wissen und Können, mache davon aber viel zu wenig Gebrauch.

Auch auf dem engeren Gebiet der "schönen Künste" wären noch viele Aufgaben abzuarbeiten. Warum überlässt die Stadt eines ihrer herausragenden Baudenkmale, die Villa Berg, einem privaten Investor, obwohl sich sowohl die Fachhochschule als auch eine mustergültige Initiative für die Restauration der Villa einsetzen? Seit 2008 fehlt in Stuttgart ein Kommunales Kino. Seit einem missglückten Versuch der Kulturbürgermeisterin, das zu ändern, hat sich nichts mehr getan, allem Bürgerengagement zum Trotz. Künstlerateliers und Räume für Subkultur fehlen der Stadt. Ein Pluspunkt sind da nur die achtzig Künstler der Wagenhalle, die sich derzeit allerdings in einer prekären und ungeklärten Situation befinden.

Der Kunstboulevard an den Wagenhallen im Stuttgarter Norden.
Der Kunstboulevard an den Wagenhallen im Stuttgarter Norden.

Es fehlt in all diesen Fällen die Entschlossenheit und die Bereitschaft, zu investieren. Noch immer sind Stadt und Land allzu schnell bereit, der klingenden Münze der Investoren den Vortritt zu lassen statt eigene Vorstellungen zu entwickeln. Dabei wird, Offenheit gegenüber anderen Kulturen hin oder her, der ärmere Teil der Bevölkerung zunehmend aus der Stadt gedrängt, darunter auch viele Migranten. Viele Stuttgarter sind bereits überschuldet, einige Hundert verlieren jedes Jahr ihre Wohnung. Auch im ökonomischen und sozialen Sinne sieht Nachhaltigkeit anders aus.

All dies ist tausendmal gesagt worden, doch ein Umdenken ist nicht erkennbar. Dabei wäre es genau das, was eine Kulturhauptstadt-Jury beeindrucken könnte. Dass eine wohlhabende Stadt wie Stuttgart an ihrer Oper nicht spart, reicht nicht. Honoriert wird, wenn eine Stadt oder Region eine Zukunftsperspektive entwickelt. Wie die im vergangenen Jahr zur Kulturhauptstadt 2019 gewählte süditalienische Stadt Matera: In der Nachkriegszeit zur nationalen Schande erklärt, zählt die Stadt bereits seit 1992 zum Weltkulturerbe und konnte sich nun unter anderem gegen Siena, Ravenna sowie Perugia und Assisi durchsetzen. Während anderswo der Tourismus stagniert, hat Matera durch die Bewerbung Auftrieb erhalten. Die ganze Stadt brach bei der Bekanntgabe in Jubel aus. Oder wie 2010 der Ruhrpott, die prototypische Kohleregion, die sich als Kulturhauptstadt eine neue Perspektive zu geben versuchte. Dass die Erwartungen hoch gesteckt und letztlich nicht zu erfüllen waren, ändert nichts daran: Der Versuch hatte Signalwirkung.

Wenn sich Stuttgart ernsthaft Chancen ausrechnen will, müsste eine solche Perspektive in der Bewerbung erkennbar sein. Zum Beispiel das Thema der Nachhaltigkeit, städtebaulich ebenso wie im sozialen Sinne. Null-Energie-Häuser nicht nur für Wohlhabende zu bauen, sondern die ökonomisch Schwächeren in der Stadt zu halten und dabei dem Flächenverbrauch Einhalt zu gebieten. Wenn der Ausverkauf der Grundstücke an Investoren und die Verdrängung der sozial Schwachen aufhört, könnten auch Baukultur und Inklusion auf eine neue Grundlage gestellt werden. Dafür würde sich lohnen zu kämpfen. Dafür würde sich sicher ein großer Rückhalt in der Bevölkerung finden. Unabhängig davon, ob Stuttgart Kulturhauptstadt wird oder nicht.


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Kommentare

FernDerHeimat, 30.01.2015 06:18
Für die Stuttgarter Politik zählt seit Jahrzehnten nur die "Wirtschaftsnähe".

Kultur hingegen gilt dort nur als wertlose Position in der Bilanz, im Normalfall aber Streichposten, den man höchstens einmal zu Wahlkampfzeiten auf der Liste abarbeitet. Weil es immer noch bürgerliche Kreise gibt, die ihre Lebensqualität daran definieren.

Echte Kultur findet in Stuttgart nur noch Nischen und am Rande des Getöses der Stadtmitte statt.

Schwabe, 29.01.2015 10:34
mueller = Jupp und viele andere

Barbara Bosch, 29.01.2015 10:20
Endlich, endlich findet das Thema "Fehlendes Kommunales Kino" auch mal in Kontext eine (kleine) Erwähnung. An was liegt es nur, dass bislang alle Initiativen scheiterten? Fehlen außergewöhnliche Filme, die nicht von vornherein ein breites Publikum ansprechen, tatsächlich in Stuttgart niemandem? Fahren die Interessierten nach Karslruhe oder Freiburg? ...

mueller, 29.01.2015 07:43
@nina Picasso
Ich gebe zu, dass ich manchmal zu Schubladen denken neige. Was wohl an dieser unpersönlichen Kommunikationsform liegt.
Ich habe den Flyer gelesen und freue mich, wenn hier an Lösungen für die Herausforderungen einer modernen Großstadt gearbeitet wird. Die Themen sind ja nicht Stittgart-spezifisch, sondern auf jede Großstadt übertragbar.
Kann man auch kurzfristig teilnehmen?
Ich denke dieser Veranstaltung würde so mancher Gegenpol guttun.

Die wichtigste Frage hierbei ist auch über die größte städtebauliche Chance der letzten hundert Jahre gesprochen wird: die freiwerdenden Flächen. Schließlich bietet S21 viele Antworten auf die Workshopthemen wie z.B. die Wohnungsknappheit.

Ich sehe das leider auf keinem Agendapunkt.

Wenn hier S21 ausgeklammert wird oder man noch über K21- Gespinste redet bleibe ich fern.
Das wäre ja eine Veranstaltungen ohne Bezug zur Realität.

Folgendes Zitat: "...Die gebaute Geschichte dieser Stadt verschwindet immer mehr, wie sich
dies besonders am Projekt Stuttgart 21 zuspitzt..."
Sehe ich als die Umkehr der Tatsachen.
Die Entfernung des Gleisfeldes stellt die Geschichte wieder her. Es ist ja nicht so, dass Gott uns diesen Gigant aus Schotter, Stahl und Beton ins einstmals schöne Stuttgarter Tal gelegt hat.
Es war die Industrialisierung.
Stellt euch mal vor eure Veranstaltung würde im frühen 19. Jahrhundert stattfinden.
Wieviele von euch wären für die Zerstörung des Tals?

Nochmals die wichtigsten Fragen:
a) ist S21 von zentralem Inhalt
b) kann man ohne Voranmeldung teilnehmen?

Ulrich Frank, 28.01.2015 22:11
Rathauschef (mit Fragezeichen) Fritz Kuhn dürfte wohl auch deshalb auf den Bewerbungsvorschlag "zurückhaltend" reagieren weil er sich nämlich, im Falle einer von ihm in Initiativfunktion mitgetragenen Bewerbung, endlich einmal ernsthaft mit den Kollateralschäden vor allem von Stuttgart 21, aber auch der der restlichen katastrophalen Baugeschichte der letzten Jahre auseinandersetzen müßte.

Anstatt das zu tun was er sonst vor allem tut: Reden zu Festivitäten zu halten und dann einfach einmal "weg" zu sein. Oder Luftschlösser wie Bürgerbeteiligungen zum Rosensteinviertel in die Welt zu setzen - bei dem finanzielle Verwertungsinteressen plötzlich weit außen vor bleiben dürfen.

Bezeichnend ist, was den sich auf seiner (Wahlkampf-)Agenda befindlichen Hauptpunkt: den Kampf gegen den Feinstaub betrifft, daß in seinen Verlautbarungen Stuttgart 21 als Quelle von Umweltverschmutzung und auch Feinstaub überhaupt nicht vorkommt - zumindest in der jüngst vom swr übertragenen Stellungnahme in welchem er ca. 24 Quellen von Feinstaub bemühte - auch die offenen Kamine der mittleren Höhenlagen mußten herhalten und das Umland. Die schweren Mulden-LKW die auf und neben der Rosensteinstrasse, zu Lasten der Anwohner, meterhohe Staubwolken hinter sich herziehen liegen außerhalb des Kuhnschen bzw. Grünen stockbürgerlich-festgezurrten Horizonts.

Noch abgesehen vom andauernden Netto-Verlust an Vegetation in und um die Stadt - da ist keinerlei (!) grüne Handschrift erkennbar. Der Neubau der Ballettschule wie auch eine "Schloßgartenphilharmonie" - sofern dort wieder im Interesse der CDU Beton fließen soll - knüpfen da nur ungeniert an ans Miserable.

Hinsichtlich Eindämmung des Autoverkehrs hat man bei den Grünen die Flinte sowieso kampflos ins Korn geworfen, in praktisch jeder Hinsicht. "Politisch nichts zu machen". Da schiebt man alles weiter mehr oder weniger vor sich her, die EU-Strafen werden dann ja von der Allgemeinheit bezahlt. - Immerhin gab's auch folgerichtig 100.000 EUR von der Metallbranche. Die Autobranche wird nicht in die Pflicht genommen. Aus der kniefälligen Kretschmann-Phalanx schert niemand aus.

Der Verzicht auf die Bewerbung brächte dem Grünen Fritz Kuhn vor allem auch eines: er müßte nicht noch mehr lügen ("kritische Begleitung"), nicht noch mehr falsche Hoffnungen wecken, die Bürger und Bürgerinnen betrügen. Das hat er bis jetzt schon genug getan.

Nina Picasso, 28.01.2015 21:39
@ mueller
vielleicht haben Sie es vor lauter Seitenhiebeverteilen noch gar nicht mitgekriegt. Diese fürchterlichen Nörgler finden Sie am Freitag abend und Samstag den ganzen Tag auf einem Städtebausymposium, veranstaltet u.a. von den Architekten für K21:

Vielleicht finden Sie neben dem ständigseitenhiebverteilen auch Zeit und gehen dort hin. Sie werden feststellen-lauter nette engagierte Leute mit Blick auf die Zukunft-eben weil die Stuttgarter Gemeinderäte (CDU, FDP SPD..) in alten Zeiten und leider auch in der heutigen Zeit aus ihrem ständig rückwärtsgewandtem technokratischen Investitionsbauen mit ein bisschen Pseudo-Begleitgrün nicht herauskommen-da ist das "Motzen" absolut berechtigt.
Sie nehmen den Bürgern die lebendigen Plätze weg. Immer alles schön begradigen-selbst die Bäume sind "geradlinig" und ja keine lauschigen Hecken mehr-Beton und "Architektenpetersilie". Das Auge soll nur noch auf die Konsumtempel gerichtet werden. Bloß nichts mehr entdecken dürfen-Nichts darf ablenken. Die Seele geht weiter "baden" und als Ausgleich soll der Konsumrausch von der weiteren Seelenlosigkeit ablenken. Viel zu viel Geld geht ständig für Mist raus-was könnte man mit den jährlich 650 000 (!) Euro tolles für die SubKultur tun, wenn die Stadt endlich auf Wunsch vieler Bürger, das Geld für die S21-Werbung streichen würde. Wie viele nette ehrenamtliche Vereine, Initiativen bräuchten nur ca. 2000-10000 Euro-sie gingen leer aus-Stadt muss ja "sparen"-für S21 ist alles da! Darüber sollten Sie nachdenken. Bis jetzt ging über eine Milliarde (!) Euro für S21 flöten! Das Geld fehlt Stuttgart. Sie blockiert sich selber dauerhaft. Und leider haben die "technokratisch Handelnden " auch viel von der bestehenden Subkultur vertrieben-eben durch diese Investitionsbauten und Stuttgart 21. Dazu die Gentrifizierung!

Der Artikel beschreibt die Zustände sehr gut! Eine gute soziale Durchmischung der Menschen ist für eine Stadt essentiell -aber es werden gerade die weniger gut betuchten Menschen dauerhaft rausgedrängt. Nehmen sie das Eisenbahnerviertel. Die Wohnungen gingen an Patrizia. Jetzt wird schon der erste Bewohner rausgeklagt., weil er sich die Miete nicht mehr leisten kann. Die Stadt verkauft ihre eigenen Bürger-Bürger die jahrzehntelang die Stadt mitgetragen haben-sie lebendig gemacht haben. Nachhaltig sieht anders aus.
Ein kleines Schmankerl: Wenn ein Technikbürgermeister die Heilbronnerstraße als "Boulevard" sieht, braucht man sich nicht weiter wundern:-)

https://www.youtube.com/watch?v=cjCEhIkqFYk

Vielleicht wird sich das irgendwann mal ändern-sehr viel Hoffnung ist momentan nicht da, aber wer weiß...
Vielleicht gibt es gute Anreize beim Symposium.
Sie dürfen gerne teilnehmen @mueller. Am Freitagabend geht es, wie schon beschrieben los. siehe:
http://www.bei-abriss-aufstand.de/wp-content/uploads/Flyer_Staedtebausymposium_Jan15.pdf

mueller, 28.01.2015 19:15
@thomas w.
Sie beziehen sich wohl auf meine Kommentare der letzten Ausgabe.
Dort habe ich seitenweise die STÄDTISCHEN Qualitäten aus meiner subjektiven Sichtweise beschrieben. Und ebenso auch aufgezeigt, dass Stuttgart auch STÄDTEBAULICH und in der STADTPLANUNG so manches richtig gemacht hat.
Als Beispiel nannte ich unter anderem das Tieferlegen der alten Strampe in den Untergrund oder das Verlegen der Messe. Beide schaffte Raum für den Menschen und Erholungsmöglichkeiten wo vorher nur Stau und Lärm herrschte.
Und auch wenn nicht alles richtig gemacht wurde ist meinem Mitforisten kein einziger Ort eingefallen wo es in den 60ern in Stuggi schöner war als heute. Aber dennoch wird verklärt über die schönen alten Zeiten gesprochen und wie ein Rohrspatz über die schlimme Gegenwart geschumpfen.
Vielleicht fällt Ihnen etwas aus der wunderschönen alten Zeit ein. Bin ja gespannt.
Klar, ich hätte gerne weniger Verkehr in der Stadt. Eine Lösung hierfür wäre ein geschlossener Autobahnring welcher den Durchgangsverkehr aus der Stadt verbannen würde.
Und ich hätte gerne das Vorkriegsrathaus. Haben leider welche kaputt gemacht.
Dann hätte ich gerne einen größeren Park und vielleicht noch ein paar große Plätze mitten in der City. Aber das bekommen wir ja bald.

Und ja, ich vertrete vehement die Meinung, dass man die Welt nicht durch schimpfen, sondern durch Taten verbessert.
Ich begrüße es außerordentlich, dass Herr Kuhn aktiv die
STADTPLANUNG vorantreibt in dem er nicht über das böse S21 schimpft sondern zum Dialog über die freiwerdenden Flächen aufruft.
Aber dafür bekommt er von den K21er richtig eine auf die Mütze. Was meine These bestätigt, dass es vielen nicht um die Zukunft sondern um das Schimpfen über längst vergangene Entscheidungen geht. Wenn es kein S21 gäbe müsste halt der Nachbar oder das Wetter herhalten.
Und ich würde mich sehr freuen, wenn wir Stuttgarter aller Couleur uns für eine Bewerbung zur Kulturhauptstadt aussprechen. Wegen mir per Bürgerentscheid.
Ich bin mir sicher, dass in unserem Städtle noch viel Potential steckt. Eine solche Bewerbung könnte da vieles voranbringen.

So genug geschrieben.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft von Stuttgart?
Wo sollte was geändert werden?
Wie sollen die freiwerdenden Flächen gibt gestaltet werden?
Wie bekommen wir den Verkehr in den Griff?
Uawg...

Fairnetzer, 28.01.2015 16:25
Stuttgart kann nur Kulurhauptstadt werden, wenn es sich vom
desaströsen Bauprojekt S21 verabschiedet und ganz unerwartet
noch Vorbild für vernünftige ( in jeder Hinsicht nachhaltige)
Stadtplanung wird ! ...Mit einem renovierten Kopfbahnhof - eingebunden in eine ökologische, wirtschaftliche und bürgerfreundliche Verkehrsplanung - und mit zukunftsträchtiger Klimapolitik, mit einem dezentralen erneuerbaren Energiekonzept, das auch private und genossenschaftliche Projekte einbindet und fördert und auch zum Wohl des Kleinverdieners und der Stadtkasse sinnvoll vernetzt....
Da dies nur durch eine ganz andere Bürgerbeteiligung , ein ganz anderes Demokratieverständnis zustande kommen kann als wir es nach wie vor von den "Macht-und Finanz-Zirkeln" hier kennen, wäre dieses Wunder einer zurück in die Hände
verantwortungsbewußter Bürger entwickelte "Stadt - für- alle -
Modell" das beste Beispiel für eine wahre Kulturstadt der Zukunft ... ..Wie schaffen wir dieses Wunder ??

thomas w., 28.01.2015 14:22
"mueller", Sie haben ein unnachahmliches Talent, nur das zu sehen, was Ihnen in den Kram paßt, und daraus ihre konservative Wohlfühl- und Kuschelpropaganda zu spinnen. Heißenbüttels fundierte Bestandsaufnahme der durchaus vorhandenen STÄDTISCHEN Qualitäten Stuttgarts gefällt Ihnen natürlich, seine nicht nur in diesem Artikel nicht minder fundierte Kritik an den STÄDTEBAULICHEN Defiziten und dem vollkommenen Fehlen einer zukunftsorientierten STADTPLANUNG fürs "Städtle" blenden Sie dagegen vollkommen aus (normalerweise schreibe ich meine Texte nicht einmal so teilweise in Großbuchstaben, aber Sie kriegen sonst wieder alles durcheinander).

Genausowenig können Sie sich anscheinend die ständigen Seitenhiebe auf die "Miesmacher, Nörgler und Griesgrame" verkneifen. Unsubstantiierte Denunziation berechtigter Kritik ist aber kein Argument, auch wenn Sie das gerne so hätten. Und selbst wenn die Kritik unberechtigt oder überzogen ist, muß man ihr das nachweisen.

Doch Argumente oder gar Gegenargumente sind bei Ihnen Fehlanzeige. Ein paar sehr subjektive Eindrücke aus einer anscheinend materiell sorgenfreien Perspektive und penetrant paternalistische Appelle an ein diffuses, undefiniert bleibendes "Wir" und doch bitte "nach vorne zu blicken", zu mehr bringen Sie es nicht. Wer bei diesem konservativ angehauchten Ringelpiez nicht kritiklos mit anfassen möchte, sondern anfängt, Fragen über Sinn und Zweck und vor allem Ziel des Ganzen zu stellen, wird dann ganz automatisch wieder in die Kategorie "MNG" eingeordnet. Catch 22.

So kann man natürlich auch ohne ein einziges echtes Argument erfolgreich einer Diskussion aus dem Weg gehen. Warum muß ich jetzt nur gerade wieder an S21 denken?

mueller, 28.01.2015 08:00
Prima Artikel. Wäre schön, wenn durch solch eine Bewerbung mal wieder alle im Städtle an einem Strang ziehen. Wäre schön, wenn man wieder mal nach vorne schauen würde. Viele, gerade von der Kontextleserschaft, verbringen ein Leben im Rückspiegel. Es geht nur darum Entscheidungen zu kritisieren, die mal vor zig Jahren gefallen sind.
Man sieht doch im Ruhrgebiet welche Chancen ein solches Projekt bietet.
Es wird aber in Stuttgart nie mehr so sein wie z.B. in Matera :
"...hat Matera durch die Bewerbung Auftrieb erhalten. Die ganze Stadt brach bei der Bekanntgabe in Jubel aus. "
Schade eigentlich

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Ausgabe 308 / Die Kahlschlag-Gartenschau / Bernd Lange, 23.02.2017 12:46
Es wird von Tag zu Tag erschreckender, wie der Mensch als solcher mit unserer Welt umgeht. Wahrscheinlich muss man fast die gesamte Menschheit erst zum Teufel scheren, damit die Erde m Leben bleibt. Ich könnt kotzen!

Ausgabe 308 / Von Gewinnern, Verlierern und Analneurotikern / Heinz Greiner, 23.02.2017 11:46
Es sind ganz wenige , denen ich soviel Respekt zolle wie Herrn Schneider . Ein paar Anmerkungen dennoch : Anders als im 19. Jahrhundert als die Nutzung der fossilen Energien Fortschritt versprach , ist heute die Umstellung auf neue...

Ausgabe 308 / Die Kahlschlag-Gartenschau / Martina Poll, 23.02.2017 09:53
Die Umweltzerstörung nennt sich heutzutage "Renaturierung" und Landesgartenschau. Damit ist offenbar ein gutes Geschäft zu machen. Und die gutbezahlten Bürokraten in den Amtsstuben sind dabei gerne behilflich. Der Kardinalfehler...

Ausgabe 308 / Die Kahlschlag-Gartenschau / Peterwmeisel, 23.02.2017 08:51
Eine "Garten Schau" ?? Die Geburt der Philosophie im Garten der Lüste. Das Paradies -Das Geschützte / Eingezäunte hätte ohne schattenspendenden Baum nicht existiert. Schaut auf die Gärten im Zweistromland. Daraus folgte die...

Ausgabe 308 / Die Kahlschlag-Gartenschau / Heike V., 22.02.2017 23:27
Wie pervers ist das denn? 160 alte Bäume abholzen für eine "Garten"schau? Statt sie zu integrieren. Nicht zu fassen! Wie kann man als "Landschaftsarchitekt" sowas planen? Wie kann man als politisch Verantwortlicher sowas...

Ausgabe 308 / Die Kahlschlag-Gartenschau / by-the-way, 22.02.2017 22:48
... eine "Landesgartenschau" für die ein Kulturdenkmal , bestehend aus alten Platanen abgeholzt werden soll? Zitat: "entschied sich das Preisgericht ausgerechnet für den Entwurf des Stuttgarter Büros Relais Landschaftsarchitekten und...

Ausgabe 308 / Von Gewinnern, Verlierern und Analneurotikern / Zaininger, 22.02.2017 22:42
Man rechne mal die Leistungen derer zum Bruttosozialprodukt hinzu, die sich neben ihrer sonstigen Erwerbsarbeit um alte und/oder kranke Familienangehörige kümmern, um Flüchtlinge, in Sport- und anderen Vereinen und Initiativen engagiert...

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