KONTEXT Extra:
Auch Hermann will Maut verzögern

Wenn es nach den Grünen geht, wird die Landesregierung gemeinsam mit Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz oder dem Saarland versuchen, die Einführung der PKW-Maut über den Bundesrat noch zu verzögern oder gar zu verhindern. Verkehrsminister Winne Hermann kündigte einen entsprechenden Vorstoß an. Er habe bereits im Verkehrsausschuss des Bundesrats Position bezogen und insbesondere kritisiert, dass "die Grenzregionen schwer tangiert sind, ausgerechnet in Zeiten, in denen wir den europäischen Geist betonen wollen". Die "Bürokratie-Maut" passe nicht in die Zeit. Außerdem würden Milliarden eingenommen, Milliarden an deutsche Autofahrer wieder zurückgegeben und "vielleicht bleiben ein paar Millionen übrig".

Saarland, Rheinland-Pfalz oder NRW wollen den Vermittlungsausschuss zwischen Bundesrat und Bundestag anrufen, nachdem letzterer die Maut am Freitag beschlossen hat. Das Gesetz ist allerdings nicht zustimmungspflichtig, weshalb die Einführung der Maut auf diesem Wege lediglich verzögert werden kann. Allerdings könnte Verzögerung am Ende auch das Scheitern bedeuten, weil womöglich nach der Bundestagswahl im September die Karten ganz neu gemischt werden, und die CSU bisher bekanntlich die einzige Partei ist, die die Maut wirklich will. (24.3.2017)


Aras legt sich mit Erdogan an

Die Stuttgarter Grünen-Abgeordnete und Landtagspräsidentin Muhterem Aras hat die deutschtürkische Community aufgefordert, sich mit dem Verfassungsreferendum am 16. April kritisch auseinanderzusetzen. Von den Imamen wünscht sich die Stimmenkönigin ihrer Partei bei den Landtagswahlen 2016, dass die "in den Freitagspredigten zu einem respektvollen und fairen Umgang miteinander aufrufen und die hier geltenden Werte von Meinungs-, Presse- und Religionsfreiheit entschieden weitergeben". Sie selber verzichte derzeit auf Reisen in die Türkei, "weil ich nicht weiß, ob ich mich dort frei bewegen könnte". Zugleich müssten sich Demokraten weigern, sich zu Feinden der Türkei machen zu lassen. Aras nutzte eine Landtagsdebatte zum 60. Geburstag der EU auch zu scharfer Krtik am türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, weil der "auf das Infamste" gebaute Brücken wieder einreißen und die Gesellschaft spalten wolle. Von den Vertretern AKP-naher Institutionen erwartet die Grüne eine öffentliche Distanzierung von den "die Opfer verhöhnenden Nazivorwürfen". Im Südwesten dürfen insgesamt rund 230 000 Türken am Referendum teilnehmen – und zwar vorab: Die Wahl beginnt bereits am 27. März und endet am 9. April. (22.3.2017)

Mehr zum Thema: "Meister der Feindbilder", "Unverschämt und dumm"


Stuttgart 21: Aktionsbündnis warnt Aufsichtsrat

Drei Tage vor einer Sitzung des DB-Aufsichtsrats verlangt das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 erneut eine "faktenehrliche Bestandsaufnahme". Sollte sich der Aufsichtsrat wieder um die Auseinandersetzung drücken oder gar unbeirrt den Weiterbau beschließen, so Eisenhart von Loeper, schädige er wider besseres Wissen das Vermögen der Deutschen Bahn AG. "Das würde", erklärt der Bündnissprecher weiter, "den Tatbestand der Untreue erfüllen." Eine strafrechtliche Aufarbeitung sei die Konsequenz; darauf habe das Bündnis zuletzt am 11. März 2017 den Aufsichtsrat per Brief hingewiesen.

Ihren Appell richten die Stuttgart-21-Gegner nicht nur an den Vorsitzenden des Aufsichtsrats Utz-Hellmuth Felcht, sondern auch an den designierten Vorstandsvorsitzenden Richard Lutz. Als erstes sei "eine Bestandsaufnahme der ungelösten Probleme und hohen Risiken notwendig, die sich an den Realitäten und nicht an den Gesichtswahrungsproblemen der politisch Verantwortlichen orientiert". Von Loeper argumentiert damit, dass sich das Projekt "jenseits aller wirtschaftlichen Rationalität bewegt", und mit dem weiter offenen Brandschutz. Außerdem solle der Aufsichtsrat "endlich zur Kenntnis nehmen, dass sich die DB mit S 21 einen Dauerengpass für viel Geld baut, der den Bahnverkehr behindert und den viel beschworenen Deutschlandtakt im Südwesten irreversibel unmöglich macht". Nach der Devise "Politik beginnt mit der Kenntnisnahme der Realität" will das Aktionsbündnis den neuen Bahnchef zu Gesprächen einladen, bei denen sie ihm auch die von der Bürgerbewegung entwickelten Alternativen zum Weiterbau erläutern wollen. Deren "ernsthafte Prüfung" wünscht sich nach einer repräsentativen Umfrage von infratest dimap in Baden-Württemberg sogar eine Mehrheit der Projektbefürworter. (19.3.2017)

Mehr zum Thema: "Bahnfeinde im Bahnvorstand"


IHK will nicht mehr gegen Kakteen polemisieren

Auch ein Vergleich kann ein Erfolg sein: Vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart akzeptierte die IHK Region Stuttgart die Feststellung, dass sie in der Vergangenheit mit Angriffen gegen die IHK-Rebellen der Kaktus-Initiative ihre Kompetenz überschritten hat. Stein des Anstoßes waren zwei IHK-Pressemitteilungen, in denen Hauptgeschäftsführer Andreas Richter gegen die Kakteen polemisiert habe, so Kaktus-Mitglied Klaus Steinke, der in der Folge Klage eingereicht hatte.

Konkret einigten sich die Streitparteien am heutigen Donnerstag, den 16. März, auf folgenden Vergleich: Die IHK Region Stuttgart erklärt, "dass ohne Beratung und Beschlussfassung durch die Vollversammlung keine weiteren öffentlichen Äußerungen der IHK und ihrer Organe über Binnenkonflikte, die keine wirtschaftspolitischen Positionen betreffen, abgegeben werden", und dass es den beiden strittigen Pressemitteilungen "an einer solchen Beratung und Beschlussfassung mangelte". Außerdem trägt die IHK trägt die Kosten des Verfahrens von 5000 Euro.

Für Steinke ist es "ein gutes Ergebnis, weil es die Transparenz innerhalb der IHK stärkt, und weil es deutlich die Frage artikuliert, was Geschäftsführer und Präsident dürfen und was nicht". Zwar wäre es, so Steinke, spannend gewesen, wenn das Gericht in einem Urteil Grundsatzregeln für die Öffentlichkeitsarbeit der IHK aufgestellt hätte. Aber er sei mit dem Vergleich zufrieden, "weil es mir in der Sache nicht darum geht, zu siegen, sondern eine Veränderung innerhalb der IHK zu bewirken". Zudem habe das Ergebnis, so hofft Steinke, auch "eine Signalwirkung auf andere IHKs".

Die Kaktus-Initiative, 2011 gegründet, kritisierte in den letzten Jahren immer wieder intransparente Wahlverfahren und die offizielle Pro-Haltung der IHK zu Stuttgart 21. (16.3.2017)

Mehr zum Thema: "Rebellen im Weinberghäusle" und "Die IHK wackelt nicht".


Afghanistan-Rückkehrer bekommt zweimonatiges Arbeitsvisum

Es ist ein kleines Wunder. Denn trotz der mannigfaltigen Unterstützung in den vergangenen Wochen, glaubten nicht viele seiner Freunde wirklich daran, dass der Zahnarzt Ahmad Shakib Pouya, der in einem französischen Krankenhaus in Herat gearbeitet hat, zurück in die Bundesrepublik kommen kann. Pouya war in seiner früheren Heimat von den Taliban bedroht, floh 2010 nach Deutschland. Hier war er einer der Hauptdarsteller in der vielbeachten Produktion der Mozart-Oper "Zaide" und hatte eine doppelte Zusage auf Festanstellung – vom Münchner Gärtnerplatztheater und der IG Metall. Dennoch wurde er zur Abschiebung vorgesehen, weshalb er am 20. Januar 2017 ausreiste. Seither machten seine Unterstützer vom im Mai 2014 gegründeten Stuttgarter Verein "Zuflucht Kultur. Entweder. Oder. Frieden." bundesweit auf sein Schicksal aufmerksam. Auch mit einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), mit der Bitte um "ein Visum und ein langfristiges Bleiberecht als wertvoller Bürger unseres Landes".

Jetzt kam die gute Nachricht. Der 33-Jährige kann für zwei Monate zurück nach Deutschland. Mitausschlaggebend dürfte ein Schreiben von Georg Podt gewesen sein, dem Intendanten des kommunalen Münchner Kinder- und Jugendtheaters "Schauburg", der Pouya in einer Neuinszenierung von Rainer Werner Fassbinders "Angst essen Seele auf" als Hauptdarsteller besetzt hat. Die Proben sollen in der kommenden Woche beginnen, Premiere wird am 22. April sein. Mitte Mai läuft das Visum aus. Pouya will gemeinsam mit dem Verein die Zeit nutzen, um das angestrebte dauerhafte Bleiberecht zu bekommen. Die Chancen stehen angesichts der 2015 eigentlich gelockerten Regelungen gar nicht so schlecht. Allerdings werden die nach den Erkenntnissen von Pro Asyl oder dem Flüchtlingsrat viel zu selten von den Behörden angewandt.


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Energy from outer space: Auf der Esoterikmesse in der Liederhalle wird sich mit dem Universum rückverbunden.

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Ausgabe 249
Gesellschaft

Glück reloaded

Von Elena Wolf (Text) und Joachim E. Röttgers (Fotos)
Datum: 06.01.2016
Die Zeit um die Jahreswende ist berüchtigt für den Blick in die Zukunft und die Sterne. Esoterik und Sinnsuche boomen auch 2016. Das ist oft zum Kichern, aber auch zum Frösteln.

Egal ob "Vogue", "Elle", "Brigitte" oder "Bunte": Es gibt kaum ein Lifestyle-Magazin, das seinen LeserInnen zum Jahreswechsel nicht die Sterne liest und die Zukunft orakelt. Sogar in der Kinder-Pferdezeitschrift "Wendy" gibt es Antworten für 8- bis 14-Jährige: "Was erwartet dich im nächsten Jahr in Sachen Freundschaft und Schule? Und welches Pferd bringt dir Glück?" Im Zentrum des Blicks in die Sterne stehen die großen W-Fragen: "Wie steht's um meine Gesundheit?", "Was passiert im Job?" und "Wann kommt mein Herzblatt um die Ecke?" Bleibt man beim Durchzappen gar auf Astro TV hängen, offenbart sich die volle Breitseite der esoterischen Sinnsuche in all ihren wahnsinnigen Facetten – rund ums Jahr.

Hier werden Pflanzenorakel befragt, Kristallkugeln poliert, Seelenschlüssel gesucht, und es wird gechannelt, was das Zeug hält. Alles übers Telefon, alles für läppische 3,99 Euro die Minute. Und wenn nicht gerade sexuelle Chakren unter lautem Stöhnen geöffnet werden oder Wasser gelesen wird, dann kann man – solange man in der Warteschleife hängt – auch mal fix einen "Feng-Shui Reichtumsgeldbeutel mit Zahlenschwingungscode" für 89,99 Euro bestellen. Wer um Gottes willen kauft so einen Jenseits-Schrott?, mag man denken. Doch die argumentative Logik der an Frohsinn fast platzenden Eso-Verkäuferin überzeugt offenbar viele: "Es ist super, damit einzukaufen, denn Sie kaufen super damit ein." Wer da nicht zuschlägt, den beißen die Elfen.

Zwischen Atlantis-Globuli und Cloudbustern liegen bunte Smileys aus Ton. Ihre Mission: gute Laune!
Zwischen Atlantis-Globuli und Cloudbustern liegen bunte Smileys aus Ton. Ihre Mission: gute Laune!

Und es wird zugeschlagen. Im Geschäftsjahr 2013/2014 erzielte die Adviqo AG in Berlin als Eigentümerin von Astro TV und zahlreichen anderen Plattformen für "spirituelle Bedürfnisse" nach eigenen Angaben einen Umsatz von über 100 Millionen US-Dollar – das Geschäft mit den Sternen brummt.

Das zeigt sich auch auf Amazon: Über 158 000 Ergebnisse spuckt der Online-Versandhändler in der Rubrik "Esoterik" aus; in 36 Kategorien ist vom praktischen Pendelset für Einsteiger bis zum Eso-Hit "Bestellungen beim Universum. Ein Handbuch zur Wunscherfüllung" (gefolgt von "Reklamationen beim Universum" – kein Witz!) alles dabei, was das spirituelle Herz begehrt.

Doch nicht nur online, auch im Real-Life wird auf zahlreichen Messen rund ums Jahr der Eso-Lust gefrönt. Einen gemeinsamen Nenner haben die Veranstaltungen dabei nicht: Ernährung, Life-Coaching, alternative Heilverfahren, Ökologie, Schmuck – oft stehen Bio-Nudelhersteller und Totenbeschwörer nebeneinander, während einen Stand weiter profane Hot-Stone-Massagen angeboten werden.

Engel-Aura-Spray und Bionudeln – Esoterik ist ein weites Feld

Wer seine Aura mal wieder fotografieren lassen will, kann im Februar auf die Esoterik-Messe in den Kursaal Bad Cannstatt oder im März in die Stadthalle Sindelfingen pilgern. Hier wird drei Tage lang hellgesehen, handgelesen und Engel-Aura-Spray verspritzt, bis die Einhörner im Kleinhirn wiehern. Vielleicht ist dann auch wieder Brigitte Wuertele da. Im vergangenen Jahr zog sie in der Liederhalle Stuttgart in einer Art Tanz unsichtbare Fäden aus einer Frau, die bäuchlings auf einer Pritsche lag, und wob sie in geheimnisvollen Bewegungen um ihre Hände – zehn Meter von der Pritsche entfernt.

Klassiker im Eso-Business: Klangschalen für gute Vibes.
Klassiker im Eso-Business: Klangschalen für gute Vibes.

"Reconnective Healing" nennt sich das, was aussieht, als würde ein Waldorf-Schüler auf LSD seinen Namen rückwärts tanzen. "Ursprünglich waren die Meridianlinien des Körpers mit den energetischen Rasterlinien um unseren Planten verbunden. Ich stelle diesen Zustand wieder her", erklärte sie interessierten ZuschauerInnen. Alles klar. Dann vielleicht doch lieber "Hanfdessous – made in Germany"? Da der Freund gepflegter Lichtfeldspektralanalysen auch Wert auf nachhaltige Reizwäsche legt, kann man nur hoffen, dass es den erntefrischen Fummel für Drunter (natürlich kompostierbar) auch in diesem Jahr wieder zu shoppen gibt.

Doch während Energiefäden-Spinner und selbsternannte Aura- und Engel-Spezialisten ein Völkchen darstellen, dessen "Lächle in die Welt und die Welt lächelt zurück"-Eskapismus immerhin zu einer lustigeren Welt beiträgt, ist die dunkle Seite der Eso-Macht weniger zum Lachen.

Denn viele esoterische Ansätze folgen einer höheren, kosmischen Ordnung, der sich die Anhänger bedingungslos zu unterwerfen haben. Schnell wird vergessen, dass der Sektenführer Bhagwan kein netter Geschichtenonkel war, sondern jemand, der von einer makellosen Welt träumte und Behinderte in den "ewigen Schlaf" schicken wollte, damit sich ihre Seele durch Wiedergeburt einen "gesunden" Schoß suchen könnte. Homosexualität war seiner Ansicht nach "eine Perversion", die Ursache für Aids und als Folge "hässlicher Bedingungen in den Klöstern aller Religionen entstanden" – alles 1988 in Bhagwans eigener Kommunen-Zeitung "Rajneesh Times" zu lesen. In einem Gespräch mit dem "Spiegel" 1985 erklärte der (Sex-Sekten-)Führer auch, dass Hitler ein Heiliger gewesen sei. Spirituelle Sinnsuche und Glück – ohne Führer: ein No-Go.

Einmal Zukunft bitte.
Einmal Zukunft bitte.

Auch der Ex-B.TV-Chef Thomas Hornauer darf sich in die Reihe absolutistischer Gurus einreihen – wenn auch nicht im ganz so großen Stil. Nachdem der schwäbische Regionalsender B.TV 2003 in die Insolvenz ging, übernahm "Horni" Hornauer, der zuvor mit Telefonsex-Hotlines zu Geld gekommen war, den Laden und machte mit grotesken Wahrsage- und Kartenlege-Shows von sich reden, bis ihm die Landesmedienanstalt Baden-Württemberg Ende 2004 die Lizenz entzog. Die Begründung: Er neige zu Allmachtsfantasien und sei nicht in der Lage, persönliche Überzeugungen von seiner Verantwortung als TV-Chef zu trennen.

Ehemalige MitarbeiterInnen berichteten laut taz ("Bizarr-TV im Aus" vom 20. 7. 2004) zudem von sektenähnlichen Zuständen und Gehirnwäsche. Bis 2008 trieb der "kuriose Selfmade-Guru" ("Süddeutsche Zeitung") dann auf dem österreichischen TV-Sender Kanal Telemedial sein Geschäft mit einer "spirituellen Lebensschule". Nach Jahren in Thailand hat Hornauer nun den Christ-Buddhismus erfunden und lässt sich nur noch mit "Seine königliche Heiligkeit" ansprechen – nicht mehr im Fernsehen, aber im Live-Stream. Im vergangenen Sommer reiste er in seine Heimat, nach Plüderhausen, um dort eine Edelsteinmesse zu eröffnen und eine königliche Audienz abzuhalten. Klingt alles arg lustig, doch Hornauer hat sich in zahlreichen Sendungen als frauenverachtender, homophober Patriarch geoutet, der in einer Livesendung kraft seines Amtes als "Gesellschafter, Innovator, Erfinder, Geschäftsführer und als Thomas" auch schon mal das "deutschsprachige Volk in Europa" von jeglicher Schuld freisprach. Dazu verbreitete er Hypothesen zu Neuschwabland, was in braun-esoterischen Kreisen als Rückzugsort der Nazis gilt.

Mit dem Cloudbuster gegen Chemtrails

Wo Esoterik draufsteht, ist Verschwörungstheorie oft nicht weit. Bestes Beispiel dafür sind zwei unscheinbare Baumaschinen-Tüftler aus Schwabmünchen, die auf den Esoterik-Tagen in der Liederhalle im Herbst 2015 einen riesigen Cloudbuster bewarben – keine fünf Meter neben dem quietschfreundlichen Rainer Wemhöner, der handgeformte Smileys aus Ton verkaufte –, "um der Welt ein lächelndes, süßes, kalorienarmes Lächeln zu verpassen". Der Cloudbuster, eine riesige Metallrohr-Vorrichtung, ist laut den beiden Schwabmünchnern in der Lage, Wolken und Regen zu machen und die Menschheit vom krebserregenden Niederschlag der Chemtrails zu befreien. Das, was man seit Kindertagen nämlich für Kondensstreifen der Flugzeuge halte, seien in Wirklichkeit giftige Chemikalienstreifen, die von der Regierung aus diversen Gründen absichtlich in den Himmel gesprüht würden. Der Cloudbuster könne die todbringenden Kondensstreifen aber glücklicherweise zerstören.

Es bleibt festzuhalten, dass sich der Hang zum Esoterischen und der damit verbundenen bräunlichen Suppe trotz Hegel, Kant und I-Phone nicht relational zum gesellschaftlichen und technischen Fortschritt zurückentwickelt hat. Auch in diesem Jahr wird auf Astro TV und den anderen Esoterik-Spielwiesen wieder hart orakelt und Geld gescheffelt – da muss man keine Hellseherin sein. Ganz erfreuliche Entwicklungen zeigen sich beim Astro-TV-Eigentümer Adviqo. Der hatte im Geschäftsjahr 2013/14 nämlich nicht, wie auf seiner Homepage angegeben, 100 Millionen US-Dollar Gewinn erzielt, sondern laut Bundesanzeiger etwa neun Millionen weniger. Außerdem sank der Firmenumsatz in den letzten drei Jahren stetig. Es besteht also noch Hoffnung.


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Kommentare

Michael Greiner, 04.04.2016 02:20
Sehr geehrte Kontext-Reaktion,

Was ich an diesem Artikel gut finde ist, dass viele schlimme Dinge öffentlich angesprochen werden.
Was ich an diesem Artikel nicht gut finde ist, dass nach meiner Meinung zu viel in den Artikel reingepackt ist, mit zu wenig Struktur.
Es ist wohl so, dass es in "der ESO-Szene" einen absolutistischen, homophoben, braunen, sektenähnlichen und was-auch-immer-Bodensatz gibt. Sauber fände ich, wenn der Artikel von diesem Bodensatz handeln würde. Von konkreten zu kritisierenden Dingen. Aber ein Artikel über die gesamte "ESO-Szene", in dem es dann in den letzten Absätzen um den unguten Bodensatz geht, da finde ich das Bild passend: Der Bodensatz wird aufgerührt, das Wasser wird trübe und der klare Blick und eine klare Diskussion wird eher verhindert.
Um was es der Autorin mit diesem Artikel wirklich geht, kann ich nur erraten (vermutlich soll das Thema schon der "Bodensatz" sein? - und eben nicht ein Bericht über die Esoterikmesse in der Liederhalle, oder?).
Um es esoterisch auszudrücken :-) : Ich finde, der Artikel verbreitet ungute Energie.
Im vorletzten Absatz ein Knackpunkt, warum ich mit Kontext so hadere...
Das Wort "Verschwörungstheorie": Eine Autorin, die sich z.B. mit dem Vortrag von Daniele Ganser https://www.youtube.com/watch?v=cgkQXJ3mugY inhaltlich auseinandergesetzt hat, verwendet den Begriff "Verschwörungstheorie" nicht mehr. Was mich freut ist, wenn Kontext präzise über Dinge berichtet. Ist im Stresstest zu Stuttgart 21, der Computersimulation, die statistische Verteilungsfunktion für die Haltezeitverlängerungen gekappt worden? Ist eine so gravierende Manipulation in einem dermaßen von der Öffentlichkeit beobachteten Verfahren möglich? Ist am 11. September 2001 ein dritter Wolkenkratzer eingestürzt? Ist dabei Freifallbeschleunigung aufgetreten? Ist die Untersuchung des Einsturzes des World Trade Centers durch das NIST plausibel? Sind die Ausführungen von Daniele Ganser zu diesem Komplex plausisbel? Ist es möglich, dass in der Öffentlichkeit - den großen Medien - eine offensichtliche Irreführung rund um 9/11 nicht bemerkt wird (wo 9/11 doch der Grundstein für die heutige menschliche Tragödie im gesamten mittleren Osten ist)?
Mit dem letzten Absatz will ich nichts über riesige Cloudbuster aus Schwabmünchen geschrieben haben.
Jetzt bleibt mir noch zu hoffen, dass mein Kommentar nicht beim ZDF-Mediathek-Eintrag von Jan Böhmermann landet...

Mit hochachtungsvollen Grüßen

Reblaus, 20.01.2016 06:57
Wie der Kommentar unseres "Ober-Rationalisten" wohl aussehen würde, wenn dieser Artikel stattdessen über die Kirche bzw. die christliche Religion an sich wäre...

Suje, 19.01.2016 13:48
Ich muss hier invinoveritas Recht geben.

Die wissenschaftliche (sie würden es wohl "streng rationell" nennen) Methode ist ja schon selbstkritisch und ohne ein Wimpernzucken dazu bereit, alte Theorien über Bord zu werfen oder modifizieren. Nahezu der gesamte technische Fortschritt um Sie und mich herum gründet eben auf solchen wissenschaftlichen, durch empirische Untersuchungen untermauerten, Theorien.

Ich habe selbst jahrelang im (natur)wissenschaftlichen Bereich geforscht und teile gerade in Hinblick auf Mittelallokation und daraus resultierender Fokussierung auf bestimmte (oft wirtschaftsnahe) Themengebiete innerhalb der einzelnen Fachbereiche durchaus einiges an der Kritik bezüglich des Foschungssystems.
Schaue ich mir die pharmazeutische Entwicklung der letzten Jahr(zehnt)e an, so kam es seitens der Pharmaindustrie jedoch mit einigen Ausnahmen (z.B. THC/CBD-Produkte) weniger zu grundsätzlichen Blockaden bestimmter Medikamenten(gruppen). Vielmehr wurden vielversprechende Medikamente sofort aufgekauft und zu teilweise horrenden Preisen vermarktet. Das ist ebenfalls sehr kritikwürdig, aber ebenso wie die Forschungsstruktur eher ein politisches Problem.

Die Anpreiser solcher "übernatürlichen" Methoden jedoch, die sich empirischen Untersuchungen gar nicht unterziehen wollen oder schon vielfach in Studien widerlegt wurden, machen mich eher wütend, da ihr Geschäftsmodell daraus besteht, den Menschen, die sich in sehr schlimmen gesundheitlichen Zuständen befinden und deren Angehörigen falsche Hoffnung zu geben, die durch keinen sachlichen Anhaltspunkt gerechtfertigt ist.

Ja, das Gesundheitswesen krankt an vielen Stellen (Finanzialisierung, Fokus auf pharmazeutische Behandlung etc.), aber durch solche Scharlatane wird es auch nicht besser.

Maja, 11.01.2016 20:17
Hallo Invinoveritas,

wie wäre es mal mit einer direkten Erfahrung einer RH Sitzung
statt nur im Wein( und in der streng rationalistischen Weltsicht) die Wahrheit zu suchen..?

invinoveritas, 10.01.2016 21:48
@Maja

dass Ihre tochter vorübergehend keine anfälle mehr hatte, freut mich für sie.

alles andere, was Sie da schreiben, ist hochgradig ärgerlich.

reconnective healing zählt zum schlimmsten blödsinn auf dem geistheilermarkt. und Sie machen hier reklame dafür.

rh bietet den kompletten unsinn von licht, energie, liebe, schwingungen, der da üblicherweise verzapft wird. sein erfinder eric pearl schwadroniert von axiotonalen linien, durch die der menschliche körper mit dem "gitternetz der erde" und so mit den sternen verbunden wird, und er behauptet, mit rh seien "verschiedene formen von krebs über erkrankungen im zusammenhang mit aids bis zu angeborenen missbildungen und hirnschäden" geheilt worden.

wenn Sie schon selbst so unkritisch sind, dass Sie auf einen derartigen humbug hereinfallen, sollten Sie wenigstens andere leute mit ihm verschonen. denn er ist gefährlich.

und hätte Shakespeare gewusst, welchen schindluder heilige einfalt in den folgenden jahrhunderten unzählige male mit seinem spruch von den many things in heaven and earth treiben würde, hätte er ihn hamlet wohl nicht in den mund gelegt (wo er nicht als billiges scheinargument gegen die schulmedizin dienen sollte, sondern bloß als erklärung für das erscheinen eines gespensts auf der bühne).

p.s. dass die schulmedizin oft nicht helfen kann und obendrein fehler macht, ist unbestritten. es ist aber abwegig, aus solchen schwächen der schulmedizin zu schlussfolgern, irgendwelche dinge zwischen himmel und erde könnten an ihre stelle treten. definitionsgemäß weiß man nämlich über deren vorhandensein, beschaffenheit, funktionsweise und erfolgsquote buchstäblich NICHTS.

alles andere gehorcht der logik: "das auto von herrn müller aus hamburg bleibt manchmal liegen. also hat herr meier aus münchen ein fahrrad."

Maja, 09.01.2016 19:33
Sicher gibt es auch manch Fragwürdiges in der Esoterikszene-
wir als Eltern eines schwer behinderten Kindes sind aber auch auf die anderen Dinge zwischen Himmel und Erde angewiesen, da die Schulmedizin oft nur begrenzt helfen kann.
So hatte unsere Tochter nach 3 Sitzungen mit
Reconnective Healing (das, was Frau Würtele macht) für über ein Jahr keine epileptischen Anfälle mehr (ohne Medikamente, die sie nicht vertragen hatte)
So eine Erfahrung macht stutzig und neugierig- da tanze ich gerne meinen Namen rückwärts!

Stuttgarter, 07.01.2016 22:01
Gehirnwäsche auf esoterisch könnte man die Berieselung und Vermarktung der Sehnsucht nach Spiritualität nennen.
Die Bauernfänger lauern überall.
Das Zeitalter der Aufklärung muss sich doch nochmal wiederholen, fürchte/hoffe ich.

invinoveritas, 07.01.2016 12:54
dieser ganze esoterik-schrott bietet mitnichten einen anlass zu fröhlichen witzeleien über blödheit und gutgläubigkeit abgedrehter konsumentinnen. sondern muss leider ganz humorlos gewertet werden als indikator eines offenbar unausrottbaren und nach wie vor in breitesten gesellschaftsschichten grassierenden irrationalismus.

speziell der astrologie-schwachsinn nistet hierzulande in millionen köpfen. gefördert wird er von opportunistischen medien mit albernen horoskopen und verharmlosend-wohlwollenden betrachtungen.

dabei ist das übliche entlastungsargument, der glaube an die sterne stifte doch keinen schaden, grottenfalsch. in wahrheit richtet er mentale verheerungen an und bereitet insofern dem nächsten, schon deutlich gefährlicheren unfug wie etwa dem rassismus oder anderen ideologischen obsessionen den boden.

astrologie lebt vom gedankenlosen nachplappern, von in jeder hinsicht boden-losen behauptungen über herbeifantasierte beziehungen zwischen gestirnen und mensch, vom ignorieren wissenschaftlicher widerlegung, vom geradezu programmatischen verzicht auf eigenes nachdenken. durch letzteres käme jedermann mühelos zu dem ergebnis, dass an der astrologie nichts ist und nichts dran sein k a n n .

was in früheren jahrtausenden mit ganz anderen vorstellungen vom kosmos und seinen mystisch-magischen mächten noch selbstverständlich war und gelehrte sogar zu intellektuellen höchstleistungen trieb, muss heute aufgrund fortgeschrittener einsichten als das benannt werden, was es ist: mummenschanz. und verrat an der aufklärung.

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