KONTEXT Extra:
Büttel der Bahn - nein danke

Vor dem S-21-Lenkungskreis am Donnerstag (30.6.) wird Verkehrsminister Winfried Hermann und Oberbürgermeister Fritz Kuhn (beide Grüne) heftig ins Gewissen geredet. Der Theologe Martin Poguntke vom Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 erklärt, die Projektgegner hätten es aufgegeben zu hoffen, dass "wir politische Helden an die Macht gebracht haben". Aber verlangt werden könne, dass sie ihr Amt "nicht so ganz der Würdelosigkeit preisgeben". Konkret bedeute das:

Fordern Sie von der Bahn die restlose Offenlegung aller Zahlen und deren Überprüfung durch eine wirklich unabhängige Stelle. Sie haben nicht das Recht, sich auf die Bahn einfach zu verlassen - denn Sie sind uns, dem Souverän, gegenüber verantwortlich.

Fordern Sie, dass die Bahn dem Vieregg&Rössler-Gutachten von mindestens 9,8 Milliarden nicht nur blumig widerspricht, sondern es Punkt für Punkt mit konkreten Zahlen widerlegt. Es geht hier nämlich nicht nur um eine Kostensteigerung von wenigen hundert Millionen, sondern seit 2009 sind die von der Bahn scheibchenweise eingestandenen Kosten um 3,4 Milliarden von 3,1 auf 6,5 Milliarden gestiegen - das sind über 100 Prozent in sieben Jahren.

Fordern Sie - wenn schon keinen Projekt-Abbruch - wenigstens ein Moratorium, bis alle strittigen Fragen geklärt sind. Denn in weniger als der Hälfte der geplanten Bauzeit hat die Bahn 99 Prozent des Risikopuffers von 1,5 Milliarden verbraucht. Es kann nicht sein, dass die Bahn jetzt immer weiter baut, immer mehr Verpflichtungen eingeht, ein immer höheres Erpressungspotenzial an schon ausgegebenem Geld aufhäuft - bevor geklärt ist, wie sie das bezahlen will.

Fordern Sie eine ergebnisoffene Gegenüberstellung der Chancen und Risiken von S21 mit den Chancen und Risiken eines Umstiegs auf den modernisierten Kopfbahnhof und verstecken Sie sich nicht hinter dem angeblichen Ergebnis der Volksabstimmung. Kein halbwegs verantwortlicher Politiker kann ignorieren, dass ein Umstieg auf eine Modernisierung des Kopfbahnhofs nur ca. 2 Milliarden kosten würde und dass nur 1,5 Milliarden des bereits verbauten Geldes wirklich verloren, also viele Milliarden gespart wären - dafür, dass wir einen besseren Bahnhof bekommen, als es S21 je hätte sein können.

Und schließlich bei all Ihren Forderungen: Nennen Sie Konsequenzen, für den Fall, dass Ihre Forderungen nicht erfüllt werden. Was tun Sie, wenn die Bahn nicht auf Ihre Forderungen eingeht? Denn Forderungen ohne Ankündigung von Konsequenzen sind leeres Gerede fürs Publikum.

Zeigen Sie einmal, dass Sie nicht die Büttel der Bahn sind! Zeigen Sie einmal ein klein wenig politische Größe! Zeigen Sie einmal, dass der Lenkungskreis wirklich lenkt!


Ein Zeichen für Europa

Über Stuttgart wehen EU-Flaggen! Mit der Verkündung des amtlichen Endergebnisses der Volksabstimmung in Großbritainnien über den Austritt aus der EU werden auf der Villa Reitzenstein und dem Neuem Schloss in Stuttgart europäische Flaagen gehisst. Die grün-schwarze Koalition möchte damit ein Zeichen für Europa setzen. "Wir wollen unsere proeuropäische Haltung deutlich zeigen", so Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Die gehöre in Baden-Württemberg "zur Staatsräson". Als "überzeugten Europäer" treffe ihn die Entscheidung der Briten "ganz persönlich ins Mark". Europa sei in den Grundfesten erschüttert.


AfD-Fraktion schließt Gedeon vorerst nicht aus

Die Zerreißprobe in der "Alternative für Deutschland" (AfD) ist aufgeschoben. Ihr Bundesvorsitzender Jörg Meuthen, zugleich Chef der baden-württembergischen Landtagsfraktion, hatte am Dienstag jedenfalls keine erforderliche Zweidrittelmehrheit für den Ausschluss von Wolfgang Gedeon. Über die Äußerungen Gedeons, Anhänger der antisemitischen "Protokolle der Weisen von Zion", wird jetzt statt dessen ein Gutachten bei drei Fachleuten in Auftrag gegeben – von Religionswissenschaftlern ist die Rede, ein Experte soll jüdischen Glaubens sein –, um die von Meuten selbst erhobenen Antisemitismus-Vorwürfe gegen den Singener Mediziner zu überprüfen. Der lässt vorerst seine Mitgliedschaft in der Fraktion ruhen und wird im Plenarsaal auch einen neuen Platz erhalten.

Fraktionsgeschäftsführer Bernd Grimmer erklärte nach den dreistündigen Beratungen, die für einen Ausschluss notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit sei nicht klar gewesen und etwa ein Drittel der Abgeordneten nicht bereit gewesen, Meuthen zu folgen. Sie schätzten den Stellenwert von Meinungsfreiheit höher ein als den einer "politisch korrekten Ausdrucksweise". Sollte die Fraktion nach der Sommerpause und der Bewertung des Gutachtens abermals nicht bereit sein, dem von Meuthen seit Tagen vehement verlangten Antrag auf Ausschluss Gedeons zuzustimmen, bleibt der dabei, seinerseits die Fraktion verlassen zu wollen. Außerdem gibt es Gerüchte, dass eine Handvoll Abgeordneter Gedeon – im Falle seines Ausschlusses – nicht allein gehen lassen, sondern mit ihm aus der Fraktion ausscheiden wolle.

Nicht nur im Internet tobt seit Tagen eine heftige Auseinandersetzung über den künftigen Kurs der Partei, die sich zur Retterin Deutschlands ernannt hat. Meuthens Co-Vorsitzende auf Bundesebene Frauke Petry hat sich öffentlich gegen ihn gestellt, ist damit aber im Bundesvorstand isoliert. Zahlreiche Mitglieder des rechten Flügels verlangen von dem Kehler Wirtschaftsprofessor, von sich aus die AfD zu verlassen. "Die Bewegung muss sich von Volksverrätern wie Meuthen trennen", postet ein Thorsten Baeuml. Und weiter: "Linksversiffte Gutmenschen braucht die Bewegung nicht! Ein Krebsgeschwür wird auch entfernt, so lange es noch geht und Meuthen hat sich zur Selbstoperation verdonnert. Gut so!" Den Ausdruck "linksversifft" hatte Meuthen selbst vor Wochen benutzt, ihn allerdings auf die ganze Bundesrepublik bezogen.


S 21: BUND verlangt "Öffnung in Richtung Kombi-Lösung"

Der BUND Baden-Württemberg hat am Montag ein Positionspapier zu Stuttgart 21 vorgelegt, um "konstruktive Lösungen aus der Sackgasse" aufzuzeigen. Im Mittelpunkt steht der "Einstieg in eine Kombi-Lösung". Wie die Landesvorsitzende Brigitte Dahlbender erläutert, könnten damit "einerseits die Kosten und Risiken von Stuttgart 21 deutlich gesenkt und andererseits finanzielle Spielräume zur Realisierung eines tatsächlich zukunftsfähigen Bahnknotenpunkts gewonnen werden". Außerdem sieht das Konzept vor, auf den unterirdischen Flughafenbahnhof zu verzichten und stattdessen einen oberirdischen Halt beim Messeparkhaus zu errichten. Zudem soll die Gäubahn über die bestehende Panoramabahn oberirdisch in den Hauptbahnhof geführt werden und "die Zuführungsstrecken zum Hauptbahnhof und die Wendlinger Kurve sollen leistungsfähig ausgebaut werden".

Dahlbender, die für die Tiefbahnhofgegner 2010 in der Schlichtung saß, nennt S 21 ein "auch heute noch in ganz wesentlichen Teilen weder vollständig geplantes noch vollständig genehmigtes Projekt". Es gebe weiterhin keine qualifizierten Aussagen zu Kosten und zum Zeitablauf. Für die SPD-Politikerin und Ulmer Gemeinderätin steht fest, dass deutlich mehr als acht Bahnsteiggleise unverzichtbar sind für einen Großknoten Stuttgart und eine Entmischung der S-Bahn, des Regional- und des Fernverkehrs. Eine nachhaltige Mobilitätswende müsse sich an den Wünschen der Bahnkunden und der tatsächlichen Verkehrsströme orientieren, "und das bedeutet einen Einstieg in die Diskussion einer Kombi-Lösung".

Mehr dazu unter diesem Link.


Jetzt offiziell: Kefer geht späestens im Herbst 2017

Von einem "Eingeständnis des Scheiterns" sprechen die Parkschützer, von "großem Respekt und Wertschätzung" der Aufsichtsratsvorsitzende der DB Utz-Hellmuth Felcht. Auf jeden Fall wirft der für Stuttgart 21 zuständige Bahnvorstand Volker Kefer das Handtuch. Er stehe für eine Verlängerung seines im September 2017 auslaufenden Vertrags nicht zur Verfügung, teilte er dem Aufsichtsrat am Mittwochvormittag mit. Möglicherweise wird er, wenn seine Nachfolge geregelt ist, den Konzern aber schon deutlich früher verlassen. Hier werde kein "Bauer geopfert", so der Sprecher der Parkschützer Matthias von Herrmann. Vielmehr nehme sich ein "allzu stolzer Turm selbst aus dem Spiel": Der für Stuttgart 21 verantwortliche oberste Bahnmanager ziehe "nun offenbar seine persönliche Notbremse vor dem sicheren Aufprall auf dem Prellbock eines baulich, finanziell und kommunikativ völlig unkontrolliert taumelnden Projekts". Kefer ist seit 2009 bei der Deutschen Bahn und galt lange Zeit als möglicher Nachfolger von Bahnchef Rüdiger Grube, dessen Stellvertreter er auch ist. Kritisiert wird intern vor allem, dass der frühere Siemens-Vorstand den Aufsichtsrat zu spät über die Kostenexplosionen und die immer neuen Risiken bei Stuttgart 21 informiert hat.

Insider in Berlin sehen auch Grube selber nicht mehr sicher im Sattel, weil der nicht nur das nach seinen vielzitierten Worten "bestgerechnete" Milliardenprojekt nie wirklich in den Griff bekommen hat. Matthias von Herrmann erinnert an des marode, dringend sanierungsbedürftige Schienennetz und daran, dass trotz der groß angekündigten fernverkehrsoffensive nicht einmal mehr 78 Prozent der Züge pünktlich fahren: "Wir brauchen endlich wieder eine gute zuverlässige Bahn statt Tunnelwahn." Zum Vergleich: In der Schweiz treffen knapp 97 Prozent der Züge pünktlich im Bahnhof ein. (15.6.2017)


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Solche Bohrer werden beim S-21-Tunnelbau eingesetzt. Foto: Firma Herrenknecht

Solche Bohrer werden beim S-21-Tunnelbau eingesetzt. Foto: Firma Herrenknecht

Ausgabe 242
Gesellschaft

Hammer unter der Hütte

Von Anna Hunger
Datum: 18.11.2015
Erich Wolf hat mit seinen Visualisierungen maßgeblich dazu beigetragen, das strahlende Bild des Bahnprojekts Stuttgart 21 zu kreieren. Heute liegt er mit der Bahn im Clinch. Weil sein Haus wackelt.

Erich Wolf macht Visualisierungen. Es ist sein Beruf, Baupläne von Stadtteilen, Malls und Häusern in virtuelle Wirklichkeiten zu übersetzen, seine Leidenschaft aus Zahlen und Rechnungen kleine Welten zu erschaffen. Dafür brennt er. "Das größte Lob ist es, wenn ein Projekt genau so aussieht, wie wir es vorher gezeigt haben", sagt der Architekt. 

Auch Stuttgart 21 hat sein Büro Aldinger+Wolf zum Leben erweckt. Strahlend, sauber, schön der Bahnhof, Züge, die sich malerisch durch grüne Landschaften schlängeln. Zu sehen auf den Webseiten des Kommunikationsbüros Stuttgart–Ulm, mit diesen Bildern ist die mobile Presseabteilung von Stuttgart 21 durchs Land getourt, vor allem vor der Volksabstimmung 2011. "Wir haben den Leuten eine Vorstellung davon gegeben, wie es aussehen wird", sagt Erich Wolf.

Wolf sitzt in Stuttgart in seinem Büro mit den hübschen antiken Möbeln, viel Apple, poliertem Parkett, kantigen Ledersofas. Er ist einer, der den neuen Tiefbahnhof als eine großartige Lösung sieht, für eine topografisch so beengte Stadt wie Stuttgart. Stuttgart 21 an sich sei ein Gewinn, ein tolles Projekt. Auch auf seine Arbeit für die Bahn lässt er nichts kommen. Er trennt scharf zwischen Beruf und privat. Seine Visualisierungen sind Beruf.

"Man muss ja Opfer bringen"

Privat ist er der Besitzer eines Hauses, in dem die Fenster zittern und die Wände wummern, weil die Bahn gerade einen der Tunnel für die neue Bahnstrecke drunterdurchsprengt. Dass sie das tun wird, weiß er seit 2005. Seitdem findet er, das Planfeststellungsverfahren sei völlig veraltet, das hätte man mit der Zeit zumindest anpassen müssen. Privat saß er kürzlich für das ZDF und den SWR vor der Kamera und hat den beiden Fernsehsendern die fiese Geschichte vom Gewummer und Gezitter erzählt. Privat liegt er seit einer ganzen Weile schon im Clinch mit der Bahn, seinem Auftraggeber, der Polizei und der Politik.

Erich Wolf beim SWR. Screenshot
Erich Wolf beim SWR. Screenshot

Wolf, 48, sanft und freundlich, sagt: "Es gibt nicht umsonst Gesetze und Regeln." Die gelten auch für die Bahn. Erschütterungen, die durch Sprengungen ausgelöst werden, seien zwar in Gutachten der Bahn bedacht worden. Nicht aber, dass sich der Schall fortpflanzt und die Häuser plötzlich zu Lautsprechern werden. Mit Schall kennt sich Wolf mittlerweile aus.

Laut Gesetz dürfe von 7 bis 20 Uhr gelärmt werden. Die Bahn wummere aber immer. Tags und nachts und das, obwohl im Planfeststellungsbeschluss, Seite 236, wortwörtlich stünde, dass überhaupt keine Lärmbelästigung durch den Tunnelbau zu erwarten sei. Zitat: "In den Tunnelbereichen - auch bei nur geringer Überdeckung - sind keine Auswirkungen durch Baustellenlärm zu befürchten, da die Baumaßnahmen in bergmännischer Bauweise, d.h. unterirdisch erfolgen."

Und es kümmere sich? Exakt keiner! Wolf schnaubt ein bisschen.

Kürzlich sei er an einer Baustelle im Stuttgarter Westen vorbeigekommen und habe mal gefragt, wie sie das so mit dem Lärm handhaben. Der Bauarbeiter sagte, 19 Uhr sei Lärmschluss. Gesetze müsse man ja nicht ausreizen. "Gesetze schreiben ja eigentlich vor, wo die Obergrenze ist", sagt Wolf. "Bis hierhin und nicht weiter." Warum das eigentlich nicht für die Bahn gelte? Tja.

Nächtliche Anrufe bei der Polizei – sinnlos. "Anzeigen wegen Lärmbelästigung nehmen die gar nicht erst auf", sagt Wolf. "Der normale Bürger, der sich über S 21 beschwert, wird sofort in die Hardcore-Gegner-Schublade gesteckt", was zur Folge habe, dass keiner mehr zuhöre. Sei doch alles genehmigt, sagte die Polizei, und zuständig für Lärm unter der Erde seien sie auch nicht. Wenn der Nachbar zu laute Musik mache, könne er sich ja noch mal melden, mit Bohr- und Sprenggewummer aber bitte an die Bahn wenden.

Ein paar Hotelgutscheine reichen nicht als Entschädigung

Die Bahn sei aber auch nicht zuständig, sagt Wolf. Sondern das Eisenbahn-Bundesamt. Und das wiederum sei der Meinung, mit ein paar Hotelgutscheinen für die Lärmgeplagten sei die Nachtruhe wieder hergestellt. Mit Hund und Kind und Frau und Sack und Pack ins Hotel? Das sei ein ganzer Umzug! Wer um sechs arbeiten müsse, bekäme im Hotel kein Frühstück. Zudem leide das Familienleben, das Leben generell, wer bezahlt die Mehrkilometer, die da gefahren werden müssen? Und die Umstände? Und die fehlende Lebensqualität?

Wolf wünscht sich mehr Sensibilität gegenüber dem Bürger. Mehr Bürgerbeteiligung generell. Den Protest gegen das Projekt, sagt er, fände er gut, gut für die Diskussion, notwendig, um Verbesserungen durchzusetzen. Es dürfe natürlich nicht so sein, dass ein Projekt nicht mehr machbar sei. Es müsse Kompromisse geben, die zu einer gemeinsamen, vertretbaren Linie führen.

Schöne neue Welt: Leider nur virtuell. Visualisierung: Aldinger & Wolf
Schöne neue Welt: Leider nur virtuell. Visualisierung: Aldinger & Wolf

Aber die Kommunikation aller Beteiligten an S 21 sei himmelschreiend. "Wenn eine Stadt ein Projekt plant, das noch Jahrzehnte Nachwirkungen und Veränderungen bringt, muss man das doch mit den Leuten besprechen!" Mittlerweile wünscht er sich, dass irgendwer auch mal das Innenleben des Projekts, all die Prozesse, die dort stattfinden und es begleiten, so schön anschaulich visualisiert hätte wie er die Außenhülle. Aber? Pfeifendeckel.

1500 Leute seien betroffen von der Bohrerei und dem Gesprenge unterm eigenen Grundstück. "Das sind viele! Da hätte sich die Stadt Stuttgart doch mal kümmern müssen!" Ob er zur Volksabstimmung mit ja, also für eine Aussteig aus dem Projekt, oder mit nein gestimmt hat? Dazu mag sich Wolf nicht äußern. Das tue ja nichts zur Sache.

"Eigentlich bräuchte jeder Betroffene einen Anwalt, um überhaupt die Verträge zu verstehen, die da alle unterschreiben sollen, damit die Bahn die Grundstücke untertunneln darf." Zwangsenteignung, nennt er das. Die Bahn würde sich neue Grundstücke beschaffen, indem sie unter privaten Grundstücken durchbohrt. "Und die eigenen werden zu Bestpreisen verkauft."

Am Killesberg, das habe er zumindest gehört, soll die Bahn wie eine Drückerkolonne von Haustür zu Haustür gelaufen sein, habe ihre Verträge hingelegt und zu den armen Ahnungslosen gesagt, oh, kucken Sie mal, liebe Frau, Sie sind die Einzige, die noch nicht unterschrieben hat. Und bei ihm in Wangen gebe es eben auch Leute, die der Situation hilflos ausgeliefert seien. Auch für die sieht er sich in der Pflicht mit seinem Engagement.

Die Beweislastumkehr, das sei zum Beispiel auch so eine undurchsichtige Sache. Solange die Bahn, so erklärt es Wolf, unter seinem Haus bohrt und dann was auch immer passiert, ist es offensichtlich, dass die Bahn schuld ist. Wenn die Grabung aber schon unter des Nachbars Grundstück verläuft und das Wolf'sche Haus erst dann aufs Nachbarhaus kippt, ist der erste Augenschein nicht mehr gegeben, und die Wolfs müssen der Bahn nachweisen, dass ihr Haus umgefallen ist, weil die Bahn drunter gebohrt hat.

2003, erzählt Wolf, sei der hübsche Altbau, in dem er sein Büro hat, renoviert worden. 2013 habe er plötzlich einen Fleck an der Wand entdeckt. Wasserschaden. Zehn Jahre früher hat wohl einer eine Muffe von einer Leitung nicht richtig verschraubt. So lange kann es dauern, bis was passiert! "Und wer ist dann zuständig?"

Die Stadt sollte Rechtsbeistand für die Bürger sein

Der grüne Oberbürgermeister Fritz Kuhn, Nachfolger von Stuttgart-21-Freund Wolfgang Schuster, sagte bei seiner Wahl 2012, der Bahn müssen man auf die Finger schauen, erinnert sich der Visualisierer. "Jetzt sagt Kuhn: Wir können da auch nichts machen. Aber so eine Stadtverwaltung sollte doch Rechtsbeistand für die Bürger sein. Die Bahn hat ja auch einen Rechtsbeistand. Warum haben den die Bürger nicht?"

Und: Wenn die Bahn den Schall und Lärm für die Baustellen in ihren Gutachten schon nicht ausreichend berücksichtigt hat, fragt er sich, was ist dann später? Höre ich jeden Zug, der unter meinem Haus durchfährt? "Dann müsste die Bahn eigentlich so eine Art Lizenzgebühr bezahlen, für jeden Zug, der da unterm Haus durchdonnert, einen Cent oder so." Tut sie aber nicht. So gesehen ist das: "Der Hammer."

Und warum eigentlich kann nicht einfach nicht nachts gebohrt werden? Weil sie eh zu spät dran sind mit ihrem Zeitplan. "Hätten sie halt früher anfangen müssen!"

Und dann geht einer wie Wolf an die Presse. Und erzählt dem SWR das ganze Dilemma direkt in die Kamera. Man dürfe natürlich nicht überdramatisieren, sagt Erich Wolf, aber man müsse schon beide Seiten hören. Die Wolf'sche und die der Bahn. Als der Beitrag dann kam, sagt Wolf, sei er viel weniger kritisch gewesen, als gedacht. "Und der Projektsprecher darf unkommentiert ins Mikro sagen, dass das Problem, das wir mit dem Lärm haben, ein Graubereich ist. Und keiner widerspricht! Das ist kein Graubereich, es gibt doch Gesetze!" Dass er der Mann fürs Visualisieren des wunderbaren Tiefbahnhofs war, hat der Sender auch nicht verraten.

Hätte Erich Wolf vorher gewusst, wie sich das anfühlt, so Sprengungen und Bohrungen unterm Hintern, wie es ist, wenn man plötzlich selbst über den Tisch gezogen und beschissen wird, wie es ist, nicht gehört zu werden, nur immer gesagt zu bekommen, es sei doch alles genehmigt, dann wäre er nicht für das Projekt gewesen, sagt er.

Zu spät.


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Kommentare

andromeda, 25.11.2015 01:37
Für die sofortige Aufnahme von Herrn Doktor Diethelm + Gscheidle
in die S21-PR- Abteilung !! Ich bin schon jetzt glühender und lebenslänglicher Anhänger seiner Pressearbeit für Syssiphus 21 . Ein Vorbild für Herrn Wolf und jeden anständigen Bürger !

Schwabe, 21.11.2015 11:37
Extra nochmal für den "Müller"
Hat der Herr Erich Wolf noch nie etwas von der Projektförderpflicht von Stadt und Land gehört (hinter der sich unsere Politikerhelden u.a. so gerne verstecken) und dass sich das bei S 21 evtl. mit Recht und Gesetz nicht verträgt? Oder vom Investorenschutz und dem Privatisierungswahn a la Merkel (insbesondere der gesellschaftlichen Daseinsvorsorge)?
Es ist immer wieder ein Trauerspiel - erst wenn es an den eigenen Pelz geht werden sie munter die Befürworter bzw. erst dann wird mal (etwas) nachgedacht und man fühlt sich von seinem Staat im Stich gelassen. Wohlgemerkt nur wenn es um den eigenen Pelz geht, nicht wenn es um das Gemeinwohl geht - z.B. um unsere Eisenbahn. Dieser Egoismus ist bezeichnend für unsere heutige Gesellschaft und gleichzeitig ein Armutszeugnis. Als Vorbild dient unsere regierende, bürgerlich neoliberale CDU/CSU, SPD oder Grünenpolitik, welche sich radikal am Großkapital und an der eigenen Karriere orientiert (neoliberal = neue Freiheit (des Marktes)).
Das der Herr Erich Wolf bei der (rechtlich nicht bindenden) Volksbefragung treudoof mit "Nein" zum Ausstieg aus der Finanzierung gestimmt hat ist ihm in diesem Zusammenhang peinlich und "tut nichts zur Sache".
Ebenso treudoof (anstatt sich offen und gemeinsam mit dem Widerstand zu wehren) ist die Unterzeichnung der Verträge mit Eintragung einer Grunddienstbarkeit zugunsten der Bahn. "Beweislastumkehr" - was für ein schönes Wort. Solange sie einen im Zusammenhang mit S 21 nicht trifft und einem schlagartig die himmelschreiende Ungerechtigkeit (Erpressung) dahinter klar wird. Wie heißt es so schön: "Unwissenheit schützt vor Strafe nicht"! Und was die Sache für Herrn Erich Wolf nicht besser macht - er hätte es besser wissen können.

Link zu "Integraler Taktfahrplan (ITF)" vs. S 21
http://www.bei-abriss-aufstand.de/2015/11/17/rede-von-prof-dr-wolfgang-hesse-bei-der-297-montagsdemo/#more-59479

Müller, 20.11.2015 12:25
Lieber Schwabe,
Sie haben unter dem falschen Artikel kommentiert. Hier ging es nicht um die Leistungsfähigkeit von S21.
Aber wenn wir schon dabei sind...
Ich bin, wie 99,99 % der S21-Gegner kein Bahnexperte.
Zwar habe ich schon mit einigen K21-ern gesprochen, die sich als Bahnexperten ausgaben. Aber auf Nachfrage waren dies stets Lehrer, Hausfrauen oder gar (Lebens-)Künstler.
Können Sie, da Sie sich anscheinend gut mit der Materie auskennen, mir kurz und verständlich erklären, warum die Züge 15 min auf dem Bahngleis rumstehen? Obwohl sie nicht, wie bei K21, wenden müssen?
Und warum gibt es keinen einzigen echten Bahnexperten, die die 8*4-Rechnung eines vollkommen fachfremden bestätigt?
Aber nicht nur vom Engelhardt abschreiben, gelle. Der hat mit Bahn so viel zu tun wie der VfB mit Championsleague.
Schwäbische Grüße und schönes Wochenende.

Schwabe, 20.11.2015 10:00
Durch die Ablehnung des 4. Bürgerbegehrens (20.000 Unterschriften) zum Leistungsrückbau durch den neuen, schrägen Tunnelhaltepunkt S 21 stellen sich die Stadt Stuttgart (Mehrheit des Gemeinderats von Grüne, CDU und SPD)) und deren Gutachter m.E. sinngemäß auf den Standpunkt, dass dessen Leistungsfähigkeit mit 32 Zügen/Stunde (vom VGH 2014 bestätigt) mehr sind als die Leistungsfähigkeit des bestehenden Kopfbahnhohs mit 38 Zügen/Stunde (was durch die Modernisierung des Kopfbahnhofs noch ausgebaut werden kann).
Weiter rechtfertigen die Stadt Stuttgart und deren Gutachter damit m.E. sinngemäß das "vernichten" von Milliarden an Steuergeldern für eine massive Verschlechterung des Gemeinwohls der Mehrheitsbevölkerung (m.E. Verletzung des Grundrechts auf Mobilität).

"Antrag gegen die Ablehnung des 4.Bürgerbegehrens gegen S 21"
http://www.bei-abriss-aufstand.de/2015/11/19/antrag-gegen-die-ablehnung-des-4-buergerbegehrens-gegen-s-21/#more-59512

"Stuttgart wird abgehängt" - Rede von Prof. Dr. Wolfgang Hesse
http://www.bei-abriss-aufstand.de/2015/11/17/rede-von-prof-dr-wolfgang-hesse-bei-der-297-montagsdemo/

Müller, 19.11.2015 07:02
OMG. Hat man tatsächlich einen Proler der jetzt jammert. Bitte die nächsten 100 Montagsdemonstrationen als Redner einladen.
PS: wie viele Tage besteht die akustische Beeinträchtigung, wenn man weiterhin mit >1000m Tunnelvortrieb/Monat im Stadtgebiet vorankommt? Kann das mal jemand ausrechnen?
Und wie zum Teufel ist eigentlich das alles da draußen entstanden? Wieviel Mio Rammstöße direkt vor der Haustür gab es beim Bau der U-Bahn? Wie entstanden die Straßen, die Wohnblocks, der Bonatzbau, die S-Bahn?
Gibt es nur bei S21 Lärmbelästigungen? Ist ein Tunnelbau in bergmännischer Bauweise nicht um ein vielfaches leiser als eine offene Bauweise mit Eammstößen? Wo waren früher die Wutbürger?
Oder ist es wie bei den Bäumen im Park die wegen dem B10-Tunnel gefällt wurden? Als die Parkschützer gefragt wurden warum es keinen Protest gegen die Fällung gab antwortete MvH dass dies doch keine S21-Bäume waren... Ach so, es ging also gar nie um die Bäume. Welche Überraschung.
PS: ich wohne an einer Bahnlinie. Ich hätte dort gerne eine Tunnelbaustelle und danach die Ruhe...
Aber sicher würd sich auch bei mir im Wohngebiet jemand finden, der während der Bauzeit jammern würde. Wenn man nur lange genug recherchiert.

Piepmatz, 19.11.2015 01:39
Auf Mitgefühl kann Herr Wolf nicht spekulieren. Dafür hat er sich viel zu naiv und uninteressiert an maßgeblichen Details der Bahn angedient. Es geschieht ihm also durchaus recht, wenn er jetzt - freilich reichlich spät und NUR, weil es ihn unerwartet persönlich tangiert - sein Vertragsverhältnis mit einem so (insgesamt) betrügerisch handelnden Partner teilweise zu bedauern scheint. Aber eben auch nur: scheint, denn er findet ja nach wie vor die Keller-Haltestelle in Ordnung. Manche Leute (leider viel zu viele) brauchen eben sehr lange, bis sie ansatzweise zu begreifen lernen - wenn überhaupt -, dass Gemeinwohl ein schützenswertes Gut ist.

Matthias, 18.11.2015 19:06
Architektentrost, so heißt eine schnell wachsende Rankpflanze mit Spitznamen, die schlimme Bausünden schön schnell überwuchert. Viel Grün hat auch Herr Wolf verwendet, wenn er die Bäume auf das Betondach der neuen Haltestelle pflanzt. Und in der Keller-Haltestelle mit ganz viel Sonnenlicht visualisiert was es nicht gibt - einen Keller in dem die Sonne strahlt. Das sind zwar ganz kleine Nebensächlichkeiten bei diesem komplett verhunzten Projekt, aber damit hat die Bahn den ganzen Mist als strahlende neue Zukunft verkaufen können. Mit der Hilfe von Herrn Wolf.

Bilder sagen ja mehr als tausend Worte – nur leider nicht unbedingt die Wahrheit. Zeitungen und Redakteure gehen deshalb zu Recht mit verfälschten Bildern in der Berichterstattung sehr hart ins Gericht. Nur bei komplett künstlich erschaffenen Bildwelten findet überhaupt keine Kritik statt. Da ist man ja froh über jeden bunten Pixel den man zu einem noch nicht existierenden Projekt zeigen kann.

Die Bildvisualisierungen zur neuen Tunnel-Haltestelle Stuttgart halte ich schon immer für eine absolute Frechheit. Wenn ich dann noch lese: "Das größte Lob ist es, wenn ein Projekt genau so aussieht, wie wir es vorher gezeigt haben". Au wei. Ich hätte mir mal eine Darstellung der Haltestelle unten gewünscht mit realistischer Lichtdarstellung und nicht mit sonnendurchfluteter Halle, die es nicht geben wird. Das wird schlicht ein dunkles Loch wie jede U-Bahn-Haltestelle, nur mit ein paar Lichtluken. Damit hätte man diesen verkorksten Mist aber nicht verkaufen können. Da mag ich den beschönigenden Hern Architekten Wolf auch nicht mehr trösten wenn in der Realität sein Haus wackelt. Shit happens.

Marcus S., 18.11.2015 18:13
Ich hätte den Auftrag der Bahn ganz einfach abgelehnt, oder ich hätte ihn angenommen und mir wäre klar gewesen, was auch mich zukommt, wenn ich dort lebe, wo Herr Wolf lebt.

Dem Herrn fehl meines Erachtens, wie so vielen Zeitgenossen ganz einfach Rückgrat. Und / Oder er ist einfach nur ein ganz naiv gebliebener Mensch. Von beiden Sorten haben wir zu viele auf diesem Planeten.

PS: Vielleicht visualisiert er nun den neuen Berliner Flughafen, also den, der nach dem Abriss der Neubauruine entstehen wird …

invinoveritas, 18.11.2015 15:25
"Wolf wünscht sich mehr Sensibilität gegenüber dem Bürger." Prima. Von wem? Natürlich von der Bahn. Oder von der Stadt, von der der Guteste heute meint, sie müsse ihm gratis einen Rechtsbeistand zur Verfügung stellen.
Besser wäre es, wenn da stünde: "Wolf ist sinksauer auf sich selbst, weil er früher vollkommen unsensibel war gegenüber seiner Stadt."

bluemoon, 18.11.2015 14:10
Oooooooch

Horst Ruch, 18.11.2015 13:15
Es ist nie zu spät......auch Herr Wolf wird eines Tages dazugelernt haben, daß seine Visualisierungen auf einer großen Lüge aufgebaut waren.

Dr. Diethelm+Gscheidle, 18.11.2015 13:03
Sehr geehrter Herr Wolf,

so ein Nestbeschmutzer wie Sie hat uns redlichen Stuttgart-21-Freunden gerade noch gefehlt! So eine Unverschämtheit von Ihnen: Am redlichen Stuttgart-21-Projekt Geld verdienen, und dann der löblichen Deutschen Bahn und dem ehrenwerten Kaufmann, Herrn Dr. Grube, einfach in den Rücken fallen! Wenn Sie auch nur einen Funken Anstand im Leib hätten, würden Sie wenigstens das von der Bahn für Ihre Aufträge erhaltene Geld sofort zurückzahlen! Denn bei Stuttgart-21 ist doch von vornherein klar, dass der Geld-Kuchen ausschließlich unter redlichen Stuttgart-21-Befürwortern aufgeteilt werden darf!

Mein verkehrswissenschaftliches Forschungsinstitut wurde ja auch von der Deutschen Bahn für verkehrswissenschaftliche Studien im Rahmen des hervorragenden Umweltschutzprojektes "Stuttgart-21" bezahlt - denken Sie, die hätten das getan, wenn ich ein unredlicher Stuttgart-21-Gegner wäre, der dem neuen Tiefbahnhof nur eine Kapazität von 30 Zügen bescheinigt hätte? Natürlich nicht - selbstverständlich habe ich für Stuttgart-21 mittels anerkannter verkehrswissenschaftlicher Standards eine Kapazität von 128 Zügen bescheinigen können, während der derzeitige Schrottbahnhof lediglich auf eine Kapazität von 42,5 Zügen kommt! Damit habe ich nachgewiesen, dass Stuttgart-21 die dreifache Leistungsfähigkeit hat - und wurde dafür selbstverständlich gut bezahlt! Glauben Sie, ich hätte den Auftrag bekommen, wenn ich ein diabolischer Stuttgart-21-Gegner wäre? Und glauben Sie, man hätte mir dann den lukrativen Auftrag erteilt, die Pro-S21-Lohnschreiberaktivitäten in den Medien zu koordinieren? Da Sie aber jetzt offenbar aus unverständlichen Gründen diese Kehrtwendung gemacht haben, ist es nur recht und billig, wenn Sie Ihre von der Bahn erhaltenen Gelder zurückzahlen! Beißen Sie nicht in die Hand, die Sie füttert - und sägen Sie nicht länger an dem Ast, auf dem Sie sitzen!

Mit vorzüglicher Hochachtung

Dr. Diethelm Gscheidle
(Verkehrswissenschaftler, Dipl.-Musikexperte, sowie Koordinator der Pro-S21-Lohnschreiber)

Mannheimer, 18.11.2015 11:10
Die Mannheimer haben es gut mit den Stuttgartern gemeint und gegen S21 gestimmt, aber die Stuttgarter waren ja mehrheitlich dafür und wollten die "Stadtmodernisierung" um jeden Preis ("Jetzt sind wir mal dran, was zu bekommen, nicht nur die bankrotten Hamburger und Berliner").
Nun, das ist jetzt der Preis: Vergammelung der Könisgsstraße und Verlagerung des Einzelhandels ins Milaneo und Gerber. Verkehrsstau, Baulärm, Feinstaub und Dreck, und Zwietracht. Was noch kommen könnte: Anhebung des Erdreichs durch quellenden Gipskeuper. Auch davor wurde rechtzeitig gewarnt. Abwarten. Gentrifizierung geht auch andersrum: Alle die es sich leisten können ziehen weg. Ich bin mir sicher: Wolf's Tuttlingen stünde als neue Ersatzlandeshauptstadt zur Verfügung.

Schwabe, 18.11.2015 10:59
Hat der Herr Erich Wolf noch nie etwas von der Projektförderpflicht
von Stadt und Land gehört (hinter der sich unsere Politikerhelden u.a. so gerne verstecken) und dass sich das bei S 21 evtl. mit Recht und Gesetz nicht verträgt? Oder von Investorenschutz a la Merkel?
Es ist immer wieder ein Trauerspiel - erst wenn es an den eigenen Pelz geht werden sie munter die Befürworter bzw. erst dann wird mal (etwas) nachgedacht und man fühlt sich im Stich gelassen. Wohlgemerkt nur wenn es um den eigenen Pelz geht, nicht wenn es um das Gemeinwohl geht. Dies ist bezeichnend für unsere heutige Gesellschaft und gleichzeitig ein Armutszeugnis.
Das der Herr Erich Wolf bei der (rechtlich nicht bindenden) Volksbefragung treudoof mit "Nein" zum Ausstieg aus der Finanzierung gestimmt hat ist ihm jetzt peinlich und "tut nichts zur Sache".
Ebenso treudoof (anstatt sich offen und gemeinsam mit dem Widerstand zu wehren) ist die Unterzeichnung der Verträge mit Eintragung einer Grunddienstbarkeit zugunsten der Bahn. "Beweislastumkehr" - was für ein schönes Wort. Solange sie einen im Zusammenhang mit S 21 nicht trifft und einem schlagartig die himmelschreiende Ungerechtigkeit (Erpressung) dahinter klar wird. Wie heißt es so schön: "Unwissenheit schützt vor Strafe nicht"! Und was die Sache für Herrn Erich Wolf nicht besser macht - er hätte es besser wissen können.

Link zu "Integraler Taktfahrplan (ITF)" vs. S 21
http://www.bei-abriss-aufstand.de/2015/11/17/rede-von-prof-dr-wolfgang-hesse-bei-der-297-montagsdemo/#more-59479

Valentin, 18.11.2015 09:28
Tut mir leid, aber in diesem Fall hält sich mein Mitgefühl in engen Grenzen.

Heike Schiller, 18.11.2015 08:25
Täts bei denen nicht wummern, gäbs kein wimmern. Das war doch von Anfang an klar, wenn gebaut und gebohrt wird ist schluß mit sauberer virtueller apfelwelt. Ein bisschen Schwund ist immer. Muss man aushalten, wenn man dafür so was großartiges bekommt wie den brötchenexpress nach Bratislava. Sorry. Jetzt soll die Stadt Mama spielen. Heissa. Was soll denn die Stadt da tun, nach der jetzt gerufen wird? Appelle an die Bauherrin? Gegen die Bauherrin klagen, obwohl keine Grundstücke und Häuser der Stadt betroffen sind. Hmmmm. Lärmbelästigungen durch einen Bauherrn muss man halt juristisch klären.

Thomas A, 18.11.2015 07:23
Aus Gier Geld am Projekt verdienen und dann es auch noch behalten wollen. Stuttgart21 an sich sei ein Gewinn. Völlig oberflächliches Geschwafeln ohne sich mit der Sache auseinandergesetzt zu haben. Der scheint zu glauben, nach dem Bau seien die Nachteile vorbei. Wie der Lärm. Dann gibt es auch dank ihm viele die weiter nicht zur Ruhe kommen, wenn der Zug anstelle der Baumaschine unterm Haus ist. Soll er mal mit Anschlußfinanzierungswünschen zur Bank. Die erzählt ihm sein Haus ist weniger wert, der Risikozuschlag verteuert den Kredit. Viel Spaß. S21 hat wenige Seiten die positiv betrachtet werden können und mehr Aspekte sind negativ. Und wie beim Geländegewinn wird bei der Verursachungszuschreibung gelogen.
Die Visualisierung hat eben nicht S21 gezeigt , sondern Wolkenkuckucksheim.

beate würtele, 18.11.2015 01:03
Herzlich Willkommen auf den Montagsdemos gegen diesen
verbrecherischen Irrsinn S21


http://www.parkschuetzer.de/assets/statements_neu/000/186/701/original/DreihundertsteMontagsdemo_071215.jpg?1447580762

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Letzte Kommentare:

Ausgabe 273 / Wer eine Grube gräbt / Müller, 28.06.2016 07:27
@frau Rath Selbstverständlich ist nicht der behördliche Schwergang alleine für die Verzögerungen verantwortlich. S21 hat einfach eine mords Komplexität. Aber auch K21 würde man in viele Planfeststellungen zerschneiden. Das geht...

Ausgabe 273 / Wer eine Grube gräbt / CharlotteRath, 27.06.2016 17:56
@mueller zu "damals" bzw. "langwierige Genehmigungsverfahren": Sie meinen tatsächlich, vor Erlass der "Planungsvereinfachungs- und -beschleunigungsgesetze" und vor der Änderung der öffentlichen Haushaltsordnungen ging alles...

Ausgabe 273 / Sofadeutsche / Horst Ruch, 27.06.2016 17:05
......nur nach vorne blicken, nie mit den Schmuddelkindern spielen. Die NATO das wirkliche TTIP-Europa, das aus den USA gesteuerte Programm, zur wundersamen Geldvermehrung. Kaiser Wilhelm war mit Krupp&Co zwar auch schon ohne Amerika...

Ausgabe 83 / Rassismus im Kinderzimmer / Demokrator, 27.06.2016 07:08
Ist dieser Artikel ernst gemeint?

Ausgabe 273 / Jeden Tag ein guter Freund / Demokrator, 27.06.2016 07:07
Man merkt schon, Kontext hat den Finger in die Wunde gelegt.

Ausgabe 273 / Trumps Luftnummer / Demokrator, 27.06.2016 07:05
Na, "Müller", wieder nur gegen die Kritiker keilen, wenn einem die Argumente ausgegangen sind? http://omec.us/ddg/lohnschreiber-regeln.html

Ausgabe 273 / Jeden Tag ein guter Freund / Dieter Kief, 26.06.2016 21:33
Grüzi Hr. Reile! Die Entwicklung des "Südkurier-Skandals" hat leider eine neue Wendung genommen, von der Ihr hiesiges Entlastungsangriffle auf mich am Ende sogar ablenken könnte, was aber nicht richtig wäre. Josef-Otto Freudenreich...

Ausgabe 273 / "Gysi ist top" / era, 26.06.2016 17:10
Und noch Gratulation an die vielen anderen aufmerksamen Leser, denen die Ungereimtheiten auch nicht entgangen sind - prost!

Ausgabe 273 / "Gysi ist top" / era, 26.06.2016 17:06
>>Die Griechen haben die Banken der westlichen Welt gerettet, nicht wir die Griechen>Und die, die Charakter haben und Sachverstand, wie Sahra Wagenknecht, die sind in der falschen Partei.>Ein faires direktes Steuersystem, das viel...

Ausgabe 83 / Rassismus im Kinderzimmer / Jochen Schaudig, 26.06.2016 05:45
Mal ohne Scheiß... ich bekam die Umbenennung von Tarzan in Tim gerade noch mit, und ich konnte das nicht verstehen. Vor nicht allzulanger Zeit packte ich die Hörspiele wieder aus (als Kind mochte ich die Bücher mehr), und ich höre...

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