KONTEXT Extra:
Auch Hermann will Maut verzögern

Wenn es nach den Grünen geht, wird die Landesregierung gemeinsam mit Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz oder dem Saarland versuchen, die Einführung der PKW-Maut über den Bundesrat noch zu verzögern oder gar zu verhindern. Verkehrsminister Winne Hermann kündigte einen entsprechenden Vorstoß an. Er habe bereits im Verkehrsausschuss des Bundesrats Position bezogen und insbesondere kritisiert, dass "die Grenzregionen schwer tangiert sind, ausgerechnet in Zeiten, in denen wir den europäischen Geist betonen wollen". Die "Bürokratie-Maut" passe nicht in die Zeit. Außerdem würden Milliarden eingenommen, Milliarden an deutsche Autofahrer wieder zurückgegeben und "vielleicht bleiben ein paar Millionen übrig".

Saarland, Rheinland-Pfalz oder NRW wollen den Vermittlungsausschuss zwischen Bundesrat und Bundestag anrufen, nachdem letzterer die Maut am Freitag beschlossen hat. Das Gesetz ist allerdings nicht zustimmungspflichtig, weshalb die Einführung der Maut auf diesem Wege lediglich verzögert werden kann. Allerdings könnte Verzögerung am Ende auch das Scheitern bedeuten, weil womöglich nach der Bundestagswahl im September die Karten ganz neu gemischt werden, und die CSU bisher bekanntlich die einzige Partei ist, die die Maut wirklich will. (24.3.2017)


Aras legt sich mit Erdogan an

Die Stuttgarter Grünen-Abgeordnete und Landtagspräsidentin Muhterem Aras hat die deutschtürkische Community aufgefordert, sich mit dem Verfassungsreferendum am 16. April kritisch auseinanderzusetzen. Von den Imamen wünscht sich die Stimmenkönigin ihrer Partei bei den Landtagswahlen 2016, dass die "in den Freitagspredigten zu einem respektvollen und fairen Umgang miteinander aufrufen und die hier geltenden Werte von Meinungs-, Presse- und Religionsfreiheit entschieden weitergeben". Sie selber verzichte derzeit auf Reisen in die Türkei, "weil ich nicht weiß, ob ich mich dort frei bewegen könnte". Zugleich müssten sich Demokraten weigern, sich zu Feinden der Türkei machen zu lassen. Aras nutzte eine Landtagsdebatte zum 60. Geburstag der EU auch zu scharfer Krtik am türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, weil der "auf das Infamste" gebaute Brücken wieder einreißen und die Gesellschaft spalten wolle. Von den Vertretern AKP-naher Institutionen erwartet die Grüne eine öffentliche Distanzierung von den "die Opfer verhöhnenden Nazivorwürfen". Im Südwesten dürfen insgesamt rund 230 000 Türken am Referendum teilnehmen – und zwar vorab: Die Wahl beginnt bereits am 27. März und endet am 9. April. (22.3.2017)

Mehr zum Thema: "Meister der Feindbilder", "Unverschämt und dumm"


Stuttgart 21: Aktionsbündnis warnt Aufsichtsrat

Drei Tage vor einer Sitzung des DB-Aufsichtsrats verlangt das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 erneut eine "faktenehrliche Bestandsaufnahme". Sollte sich der Aufsichtsrat wieder um die Auseinandersetzung drücken oder gar unbeirrt den Weiterbau beschließen, so Eisenhart von Loeper, schädige er wider besseres Wissen das Vermögen der Deutschen Bahn AG. "Das würde", erklärt der Bündnissprecher weiter, "den Tatbestand der Untreue erfüllen." Eine strafrechtliche Aufarbeitung sei die Konsequenz; darauf habe das Bündnis zuletzt am 11. März 2017 den Aufsichtsrat per Brief hingewiesen.

Ihren Appell richten die Stuttgart-21-Gegner nicht nur an den Vorsitzenden des Aufsichtsrats Utz-Hellmuth Felcht, sondern auch an den designierten Vorstandsvorsitzenden Richard Lutz. Als erstes sei "eine Bestandsaufnahme der ungelösten Probleme und hohen Risiken notwendig, die sich an den Realitäten und nicht an den Gesichtswahrungsproblemen der politisch Verantwortlichen orientiert". Von Loeper argumentiert damit, dass sich das Projekt "jenseits aller wirtschaftlichen Rationalität bewegt", und mit dem weiter offenen Brandschutz. Außerdem solle der Aufsichtsrat "endlich zur Kenntnis nehmen, dass sich die DB mit S 21 einen Dauerengpass für viel Geld baut, der den Bahnverkehr behindert und den viel beschworenen Deutschlandtakt im Südwesten irreversibel unmöglich macht". Nach der Devise "Politik beginnt mit der Kenntnisnahme der Realität" will das Aktionsbündnis den neuen Bahnchef zu Gesprächen einladen, bei denen sie ihm auch die von der Bürgerbewegung entwickelten Alternativen zum Weiterbau erläutern wollen. Deren "ernsthafte Prüfung" wünscht sich nach einer repräsentativen Umfrage von infratest dimap in Baden-Württemberg sogar eine Mehrheit der Projektbefürworter. (19.3.2017)

Mehr zum Thema: "Bahnfeinde im Bahnvorstand"


IHK will nicht mehr gegen Kakteen polemisieren

Auch ein Vergleich kann ein Erfolg sein: Vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart akzeptierte die IHK Region Stuttgart die Feststellung, dass sie in der Vergangenheit mit Angriffen gegen die IHK-Rebellen der Kaktus-Initiative ihre Kompetenz überschritten hat. Stein des Anstoßes waren zwei IHK-Pressemitteilungen, in denen Hauptgeschäftsführer Andreas Richter gegen die Kakteen polemisiert habe, so Kaktus-Mitglied Klaus Steinke, der in der Folge Klage eingereicht hatte.

Konkret einigten sich die Streitparteien am heutigen Donnerstag, den 16. März, auf folgenden Vergleich: Die IHK Region Stuttgart erklärt, "dass ohne Beratung und Beschlussfassung durch die Vollversammlung keine weiteren öffentlichen Äußerungen der IHK und ihrer Organe über Binnenkonflikte, die keine wirtschaftspolitischen Positionen betreffen, abgegeben werden", und dass es den beiden strittigen Pressemitteilungen "an einer solchen Beratung und Beschlussfassung mangelte". Außerdem trägt die IHK trägt die Kosten des Verfahrens von 5000 Euro.

Für Steinke ist es "ein gutes Ergebnis, weil es die Transparenz innerhalb der IHK stärkt, und weil es deutlich die Frage artikuliert, was Geschäftsführer und Präsident dürfen und was nicht". Zwar wäre es, so Steinke, spannend gewesen, wenn das Gericht in einem Urteil Grundsatzregeln für die Öffentlichkeitsarbeit der IHK aufgestellt hätte. Aber er sei mit dem Vergleich zufrieden, "weil es mir in der Sache nicht darum geht, zu siegen, sondern eine Veränderung innerhalb der IHK zu bewirken". Zudem habe das Ergebnis, so hofft Steinke, auch "eine Signalwirkung auf andere IHKs".

Die Kaktus-Initiative, 2011 gegründet, kritisierte in den letzten Jahren immer wieder intransparente Wahlverfahren und die offizielle Pro-Haltung der IHK zu Stuttgart 21. (16.3.2017)

Mehr zum Thema: "Rebellen im Weinberghäusle" und "Die IHK wackelt nicht".


Afghanistan-Rückkehrer bekommt zweimonatiges Arbeitsvisum

Es ist ein kleines Wunder. Denn trotz der mannigfaltigen Unterstützung in den vergangenen Wochen, glaubten nicht viele seiner Freunde wirklich daran, dass der Zahnarzt Ahmad Shakib Pouya, der in einem französischen Krankenhaus in Herat gearbeitet hat, zurück in die Bundesrepublik kommen kann. Pouya war in seiner früheren Heimat von den Taliban bedroht, floh 2010 nach Deutschland. Hier war er einer der Hauptdarsteller in der vielbeachten Produktion der Mozart-Oper "Zaide" und hatte eine doppelte Zusage auf Festanstellung – vom Münchner Gärtnerplatztheater und der IG Metall. Dennoch wurde er zur Abschiebung vorgesehen, weshalb er am 20. Januar 2017 ausreiste. Seither machten seine Unterstützer vom im Mai 2014 gegründeten Stuttgarter Verein "Zuflucht Kultur. Entweder. Oder. Frieden." bundesweit auf sein Schicksal aufmerksam. Auch mit einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), mit der Bitte um "ein Visum und ein langfristiges Bleiberecht als wertvoller Bürger unseres Landes".

Jetzt kam die gute Nachricht. Der 33-Jährige kann für zwei Monate zurück nach Deutschland. Mitausschlaggebend dürfte ein Schreiben von Georg Podt gewesen sein, dem Intendanten des kommunalen Münchner Kinder- und Jugendtheaters "Schauburg", der Pouya in einer Neuinszenierung von Rainer Werner Fassbinders "Angst essen Seele auf" als Hauptdarsteller besetzt hat. Die Proben sollen in der kommenden Woche beginnen, Premiere wird am 22. April sein. Mitte Mai läuft das Visum aus. Pouya will gemeinsam mit dem Verein die Zeit nutzen, um das angestrebte dauerhafte Bleiberecht zu bekommen. Die Chancen stehen angesichts der 2015 eigentlich gelockerten Regelungen gar nicht so schlecht. Allerdings werden die nach den Erkenntnissen von Pro Asyl oder dem Flüchtlingsrat viel zu selten von den Behörden angewandt.


KONTEXT
per E-Mail:
Immer informiert:

Durch diese Anmeldung erhalten Sie regelmäßig immer mittwochs um 9 Uhr unsere neueste Ausgabe unkompliziert per E-Mail.

Datenschutz-Hinweis

Deutsche Ärzte verschreiben massenhaft Medikamente, deren Nutzen in keinem Verhältnis zu den Nebenwirkungen steht. Foto: C. Nöhren/Pixelio

Deutsche Ärzte verschreiben massenhaft Medikamente, deren Nutzen in keinem Verhältnis zu den Nebenwirkungen steht. Foto: C. Nöhren/Pixelio

Ausgabe 212
Gesellschaft

Die grenzenlose Gier der Pharmakonzerne

Von Gastautor Peter Schwoerer
Datum: 22.04.2015
5,8 Millionen Menschen haben die Schorlau-Verfilmung "Dengler – Die letzte Flucht" im ZDF gesehen: Medikamente werden schon lange nicht mehr nur verschrieben und verkauft, weil sie heilen. Vielmehr bringen sie den Pharmakonzernen eine Menge Geld. In der Realität sieht das nicht anders aus, sagt unser Experte.

Wolfgang Schorlau schilderte 2011 in seinem Roman "Die letzte Flucht" den mafiösen Einfluss der pharmazeutischen Industrie auf Wissenschaft, Ärzte, Gesundheitsmanagement und Politik. Seine alarmierende Schlussfolgerung: In Deutschland werden durch Einflussnahme pharmazeutischer Konzerne Patienten unter Vorspiegelung falscher Heilungschancen mit nutzlosen und dabei gesundheitsgefährdenden Medikamenten behandelt. Diese Botschaft wurde durch Veröffentlichungen, wie zum Beispiel Peter C. Götzsches "Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität" und Markus Grills "Die Krebs-Mafia", "Spiegel" 15/2012, offensichtlich rechtssicher belegt.

Diese publikumswirksamen Artikel beschrieben in einer auch für Politiker verständlichen Form Missstände, die eine schnelle gesetzgeberische Reaktion erforderten. Theoretisch hätten wir uns also am vergangenen Montag (20. April 2015) vor den Fernseher setzen und die Verfilmung des Romans gelassen als "Schnee von gestern" abtun können. Im Glauben, dass die Politiker, die für unsere Gesundheit verantwortlich sind, die Rahmenbedingungen der Forschung und der pharmazeutischen Industrie so geändert haben, dass die Pharmaindustrie zwar immer noch adäquate Gewinne erzielt, diese aber nur mit legalen und ethisch einwandfreien Mitteln. So ist es leider nicht.

Kein Nutzen, aber maximaler Gewinn

Erstens: Immer noch werden Patienten mit Medikamenten behandelt, deren gesicherter Nutzen für die Kranken in einem Missverhältnis zu ihren Nebenwirkungen stehen. Auch 2014 wurden Patienten mit Dickdarmtumoren oder Mammakarzinomen nicht nur mit modernen, hochwirksamen Medikamenten behandelt, sondern auch mit Medikamenten, die den Patienten keinen Nutzen, der Industrie aber einen maximalen Gewinn sichern. Dies geschieht, obwohl inzwischen bewiesen ist, dass bei bestimmten Untergruppen dieser Krebserkrankungen die so angewandten Medikamente keine heilende Wirkung, aber erhebliche Nebenwirkungen haben.

Die Regale sind immer gut gefüllt. Fotos: Joachim E. Röttgers
Die Regale sind immer gut gefüllt. Fotos: Joachim E. Röttgers

Zweitens: Im Jahre 2014 waren die Gewinne der pharmazeutischen Industrie mit steigender Tendenz an der Spitze aller Industriezweige. Sie wurden nur durch die sehr hohen Kosten für Marketing und Verwaltung (zwischen 25 und 35 Prozent der Umsätze) geschmälert. Wenig Auswirkung auf die Gewinne haben aber die Kosten für Forschung, die bei vielen Betrieben allenfalls bei 20 Prozent des Umsatzes liegen (siehe dazu diesen Link) und keinesfalls die enormen Kosten neuer Medikamente begründen können.

Diese Gewinne wären vielleicht noch gerechtfertigt, wenn sie ausschließlich auf Verschreibungen beruhten, die einerseits Heilung oder Linderung von Krankheiten erreichen und andererseits eine für die Sozialversicherungen verträgliche Kosten-Nutzen-Relation nachweisen können. So ist es aber nicht.

Nach wie vor werden die Zulassung und die Vermarktung von Medikamenten durch unethische Marketingmethoden beeinflusst. So wurden Ärzte auch im Jahre 2014 in Form von Anwendungsbeobachtungsstudien für die Verschreibung von Medikamenten bezahlt. Das sind eigentlich legale Studien an Patienten, mit dem Ziel, auch nach Marktzulassung Kenntnisse über Wirkungen und Nebenwirkungen von Arzneimitteln zu erhalten. Sie werden aber in einer Weise durchgeführt, ausgewertet und veröffentlicht beziehungsweise nicht veröffentlicht, dass inzwischen von Wissenschaftlern, Juristen und Ärzten der Verdacht des Arzneimittelmarketings durch Korruption diskutiert wird.

Diese Studien sind zwar im Verhältnis zu früheren Jahren geringfügig rückläufig, und es sind auch nur noch zehn Prozent der deutschen Ärzte bereit, dabei mitzumachen. Gemeldet werden noch 430 neue Studien im Jahr 2014. Die Auswirkungen dieser Studien bleiben aber weiterhin für Patienten und die gesetzliche Krankenversicherung gravierend. Sie werden vermutlich bevorzugt durch hochspezialisierte Zentren und Ärzte durchgeführt, die einen zwingenden Einfluss auf die Verordnungsgewohnheiten aller anderen behandelnden Ärzte haben. So wird ein nachbehandelnder Arzt sich in der Regel auf die Expertise einer hochspezialisierten Einrichtung wie einer Universitätsklinik verlassen und die angeordnete Arzneimitteltherapie durchführen.

Die "Kickbacks" an die Ärzte laufen unter Geschäftsgeheimnis

Erstaunlich ist allerdings, dass sogenannte Kickbacks (Rückzahlungen) auch im Jahre 2015 nicht nur im Rahmen von Anwendungsbeobachtungen gewährt werden, sondern dass auch andere völlig legale Zahlungen der pharmazeutischen Industrie an Ärzte und Kliniken möglich sind. Verträge nach § 130 c SGB V erlauben es Pharmakonzernen und Krankenkassen, Verträge zu schließen, die in Abhängigkeit von der Menge der verordneten Medikamente oder der Zahl der Patienten sowohl Rückzahlungen der Industrie an die Krankenkassen als auch Zahlungen an die behandelnden Ärzte erlauben. Wie hoch diese Kickbacks sind, kann nicht beziffert werden. Sie werden unter Verweis auf "zu wahrende Geschäftsgeheimnisse" unter Verschluss gehalten.

Drittens: Besondere Aufmerksamkeit verdienen auch im Jahr 2015 die Regularien der Zulassung von Medikamenten zur Behandlung. Die überwiegend von der Pharmaindustrie finanzierte Europäische Zulassungsbehörde für Medikamente (EMA) in London orientiert sich nicht sonderlich am nachgewiesenen Nutzen für den kranken Patienten oder an der Kosten-Nutzen-Relation für die Gesellschaft. Eher spielen geringe Kosten und schnelle Ergebnisse eine entscheidende Rolle. Studien mit wenigen Patienten, kurzen Nachbeobachtungszeiten, Auswahl eines für die Zulassung idealen Patientenkollektivs (wie etwa bevorzugt junge, möglichst gesunde Versuchspersonen) führen zu einer schnellen Zulassung. Auch die naheliegende Frage nach einer beweisbaren Verlängerung des Lebens wird oft durch sogenannte weiche Endpunkte der Studien umgangen. "Weich" heißt zum Beispiel die Zeit bis zum Fortschreiten einer Erkrankung.

Eine Mitarbeiterin sortiert Medikamente bei einem Großhändler.
Eine Mitarbeiterin sortiert Medikamente bei einem Großhändler.

Immerhin findet in Deutschland durch den Gemeinsamen Bundesausschuss der Krankenkassen und Ärzte seit 2012 eine Nutzenbewertung innovativer Medikamente statt. Geplant war vom Gesetzgeber freilich mehr: eine Bewertung aller Medikamente hinsichtlich ihrer Kosten-Nutzen-Verhältnisse. Das Vorhaben wurde im Rahmen einer undurchsichtigen Entscheidungsfindung wieder zurückgezogen. Das heißt: Wenn neue Medikamente einen beträchtlichen Zusatznutzen nachweisen können, bleibt die Preisgestaltung weitgehend der Fantasie der Pharmaindustrie überlassen. So kamen in den Jahren 2014 und 2015 Medikamente zur erfolgreichen Behandlung der Hepatitis C auf den Markt, die, sollten sie allen betroffenen Patienten zugute kommen, schlicht die Hälfte des deutschen Arzneimitteletats für ambulante Behandlung in Anspruch nehmen würden. In Zahlen: Bei vermutlich 300 000 Infizierten und Behandlungskosten von rund 60 000 Euro pro Patient kämen wir auf 18 Milliarden Euro.

Viertens: Last, but not least muss der Einfluss der pharmazeutischen Industrie auf die Forschung in Deutschland beleuchtet werden. Auch 2015 können forschende Ärzte an Kliniken oder Instituten ohne Unterstützung der pharmazeutischen Industrie nicht arbeiten. Ihre finanzielle Ausstattung durch die Politik ist völlig unzureichend. Dies führt jenseits aller Anwendungsbeobachtungen zu einer fatalen Abhängigkeit der Wissenschaft von der pharmazeutischen Industrie. Es ist paradox: Die Sozialversicherungssysteme beziehungsweise Steuern der Industrieländer finanzieren zwar die Pharmaindustrie, haben aber keinen relevanten Einfluss auf Inhalt, Ziel und Bewertung der Forschung.

Unbestritten ist, dass die Gewinne der internationalen Pharmaindustrie die Finanzgrundlagen der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland gefährden. Richtig ist auf der anderen Seite aber auch, dass deren Verluste im Jahr 2015 nicht nur den Pharmakonzernen anzulasten sind. Sie beruhen auch auf Missständen in anderen Sektoren des Gesundheitswesens, und insbesondere sind sie krassen politischen Fehlentscheidungen der Vergangenheit geschuldet.

Die Pharmaindustrie hat nur ein Ziel: Profit

Grundsätzlich gilt: Die pharmazeutische Industrie kann nur in einem deregulierten und auf Wettbewerb ausgerichteten Gesundheitswesen in der oben geschilderten Form agieren. Die in den Neunzigerjahren gefallene Entscheidung der deutschen Politik, das Gesundheitswesen unter der Vorstellung höherer Produktivität und Qualität wettbewerblich zu organisieren, hat fatale Folgen. Der Patient ist nun mal kein Kunde, er hat keine Möglichkeit, auf indizierte und qualifizierte Behandlung seiner Krankheit zu verzichten, es kann ihm auch nicht zugemutet werden, auf billigere "Produkte" zurückzugreifen. Diese Problematik im Wettbewerb um unverzichtbare Güter des täglichen Lebens zeigt sich auch in anderen Märkten wie zum Beispiel dem "liberalisierten" Strommarkt.

Was genau er da schluckt, weiß kaum ein Patient.
Was genau er da schluckt, weiß kaum ein Patient.

Im Wettbewerb hat die Pharmaindustrie, wie alle anderen Unternehmen auch, nur ein Ziel: Profit. Dass diese Gewinne aufgrund teilweise unethischer und unseriöser Forschung- und Marketingmethoden in sozial unverträglicher Höhe anfallen (siehe dazu diesen Link), muss durch eine qualifizierte Gesetzgebung und durch entsprechend wirksame Kontrollen der dafür zuständigen Behörden unterbunden werden. Dass Universitäten von Drittmitteln der Pharmaindustrie abhängig werden, weil sie staatlich unterfinanziert sind, kann nur durch eine direkte Forschungsfinanzierung verhindert werden. Und dies tunlichst auf der Basis einer klaren bundesweiten Gesetzgebung.

Professor Peter Sawicki, der ehemalige Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen der Bundesrepublik, fasst die Situation wie folgt zusammen: (Der Pharmakritiker) "Götzsche beschreibt und bestätigt, dass das Gewinnstreben der Pharmaunternehmen unsere Gesundheit gefährdet, dass die dafür zuständigen Behörden insuffizient arbeiten und die Parlamente keine wirksamen Gesetze zum diesbezüglichen Schutz der Bevölkerung erlassen".

Politiker und Lobbyisten mauscheln

Und tatsächlich, nach Einschätzung der Antikorruptionsorganisation Transparency International (TI) gibt es noch zu viel Spielraum für Mauscheleien zwischen Politikern und Lobbyisten in ganz Europa, aber insbesondere leider auch in Deutschland. Bei einer Untersuchung konnten laut TI bei nur sieben Staaten der EU gezielte Regelungen identifiziert werden, die die Einflussnahme von Interessenverbänden auf Entscheidungsprozesse fair regeln sollen. Deutschland zählte nicht dazu.

Der seinem Alter entsprechend an mehreren Krankheiten leidende Autor dieses Artikels ist dem Autor Schorlau dankbar für seine dramatische Darstellung eines von der Politik sträflich begünstigten Missstands im deutschen Gesundheitswesen. Er wird aber angesichts seiner eigenen Erfahrungen mit und im deutschen Gesundheitswesen und angesichts der Kenntnis der objektiven Fakten auch nach der Lektüre des Krimis seinen behandelnden Ärzte und Krankenhäusern weiter vertrauen. Weit kritischer beobachtet er aber die Gesetzgebung und ist gespannt, ob es der Pharmalobby gelingen wird, die wenigen vernünftigen Steuerungsansätze in der derzeitigen Gesetzgebung (Gesetzliche-Krankenversicherung-Versorgungsstärkungsgesetz, Entwurf vom 25. 2. 2015) unter intensiver Nutzung ihrer politischen Verbindungen zu verwässern.

 

Peter Schwoerer (74) war 20 Jahre Allgemeinarzt in Neustadt (Schwarzwald) und danach in führenden Funktionen der Ärzteschaft und des Medizinischen Dienstes der gesetzlichen Krankenversicherungen tätig. Als unabhängiger Gutachter ist er immer noch aktiv.


Passend zum Thema eine aktuelle Pressemitteilung der Techniker Krankenkasse Baden-Württemberg.


Gefällt Ihnen dieser Artikel?
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!

Kommentare

Gela, 27.04.2015 20:12
Warum müssen die Diskussionen hier eigentlich immer so aggressiv, ,rechthaberisch und mit persönlichen Beleidigungen geführt werden? So nach dem abgewandelten Motto "Sachlichkeit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr".

Die Kritik in dem Artikel geht gegen das Gewinnstreben der Pharmakonzerne und die mangelnde Kontrolle von Behörden und Politik, aber nicht gegen die wichtige Forschungsarbeit und er bestreitet auch nicht, daß es nützliche und wirksame Medikamente gibt mit vertretbaren Nebenwirkungen. Also keine allgemeine Verteufelung! Aber es gibt durchaus sachliche Kritikpunkte an der Politik der Pharmaindustrie. Beispiele: Bis vor kurzem verschwanden Studien mit ungünstigen Beurteilungen stillschweigend in der Schublade, während die günstigen Ergebnisse veröffentlicht wurden - erst in letzter Zeit sollen die Firmen zur Offenlegung aller Ergebnisse gezwungen werden. Dabei können dann auch Trixereien im Studiendesign besser erkannt werden: Auswahl der Prüfgruppe (jung und gesund), Wahl des Vergleichsmedikamentes ( zu niedrige Dosierung, also nicht gut wirksam!) etc.
2. Beispiel; die Preispolitik. Kurz vor Ablauf eines Patentes wird das Präparat geringfügig verändert und als teure Innovation (ohne Zusatznutzen) mit neuem Patentschutz verkauft. Oder aber: bei einem altbewährtem, preisgünstigen Medikament findet man zufällig eine neue Indikation: Dann wird das Mittel unter neuem Namen und 10-oder noch höherfachem Preis verkauft und ggf. das alte vom Markt genommen Beispiele: Memantine, Ergotamin...

Die Crux ist wirklich, daß das Gesundheitswesen in vielen Bereiche unterfinaziert ist und es zu wenig pharmaindistrie-unabhängige Forschung gibt. Der Vergleich mit der Autoindustrie hinkt aber gewaltig: niemand ist gezwungen, ein neues Auto zu kaufen - aber wer gesund sein will, braucht die Medizin!

Schwabe, 26.04.2015 18:05
@Helmut Dietrich
Sie haben m.E. eine sehr merkwürdig verallgemeinernde und verfälschende Art der Argumentation:
"Dass ein Forscher mit Engagement und Spass an an seinem Thema arbeitet, sei es Demenz , Polyathritis, MS oder an den dringend benötigten neuen Antibiotika, passt nicht recht ins Weltbild vom Pharmaverbrecher, mindestens sollte er das Modell der öfffentlichen Dienstes, das der inneren Kündigung, vetreten um akzeptiert zu werden."
Sie versuchen auf eine nicht nachvollziehbare, m.E. radikale und damit bemerkenswert plumpe Art und Weise dem informativen und aufklärenden Artikel von Kontext Aussagen zu unterstellen die nicht vorhanden sind.
Mit Ihrer hier zitierten Aussage unterstellen Sie das Angestellte/Arbeiter solch krimineller Konzerne durch den Artikel von Kontext und/oder verschiedener Kommentatre angegangen werden. Doch genau das Gegenteil ist der Fall - haben Sie den Artikel/die Kommentare nicht gelesen?
Weiter verurteilen Sie pauschal Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes!

Warum sind Sie so aggressiv Herr Dietrich?
Eine Erklärung für mich wäre, dass Sie sich als fleisiger Forscher schwer damit tun, sich einzugestehen, einem kriminellen Konzern zu dienen. Aber es wäre ein Anfang - bleiben Sie dran, auch wenn es schwer fällt!

Helmut Dietrich, 25.04.2015 02:22
Der Kommentar zeigt welche Sumpfblüten aus der Desinformation spriessen.

Dass ein Forscher mit Engagement und Spass an an seinem Thema arbeitet, sei es Demenz , Polyathritis, MS oder an den dringend benötigten neuen Antibiotika, passt nicht recht ins Weltbild vom Pharmaverbrecher, mindestens sollte er das Modell der öfffentlichen Dienstes, das der inneren Kündigung, vetreten um akzeptiert zu werden.

Bleibt die Frage warum die Konzerne überhaupt tausende der teuren Spezialisten in Screening, Synthese, Entwicklung und Analytik bezahlen wenn alles Lug und Trug ist, wie Film und Text behaupten. Zum Fälschen von Ergebnissen genügt ein BA.

Natürlich wird in engen Segmenten mit harten Bandagen gekämpft, aber dann genau dort wo die Margen gering sind weil die Patente ausgelaufen und die Generika auf den Markt drängen,. Dabei geht eben nicht um Fantastillionen an Gewinnen sondern eher um den Erhalt der Arbeitsplätzen in Produktion, Entwicklung und Forschung. Wenn dann Präparate mit geringem Zusatznutzen auf den Markt kommen ist es zur Verteidigung der Marktanteile. Wobei die neuen Mittel keinen Deut schlechter sind als die Vorgänger- und vielleicht nur Verbesserungen in der Compliance bieten, bleibt die Wrkung in ihren natürlichen Grenzen die Gleiche. Völlig sinnlose Mittel gibts nur wg fehlender Wirkstoffe in der Homöopathie.
Niemand nimmt Anstoss wenn Im Elektonik- oder Autommarkt im Monatstakt neue Modelle ohne erkennbaren grösseren Nutzen auf den Markt kommen, nur in der Pharmabranche gilt das offensichtlich als Verbrechen.

Das ganze nennt man Wettbewerb und der Verbraucher profitiert davon, trotz unbestreitbarer Auswüchsen. Nennen sie mir eines- ein einziges- funktionierendes planwirtschaftlich entwickeltes Zytostatika !

Schwabe, 24.04.2015 17:13
@Helmut Dietrich
Zombies? "Die Beschäftigten" nicht, sehr wohl aber die Führungsebenen!
Weshalb machen Sie es sich so schwer Herr Dietrich?
Die wenigsten Lohn-/Gehaltsabhängigen Arbeiter/Angestellten/Beamten gehören zu den Führungsebenen/Karrieristen welche fleisig mithelfen die oft Mensch und Umwelt ausbeutende/zerstörende Unternehmensphilosophie umsetzen. Die arbeitende/lohnabhängige Mehrheitsbevölkerung hat keine große Wahl, irgendwo muss man/frau ja arbeiten um über die Runden zu kommen! Als Lohnabhängiger hilft da nur eins: Sich nicht mit dem Unternehmen zu identifizieren.
Fleisige Angestellte wie Sie können für solche kriminellen Zustände m.E. nicht verantwortlich gemacht werden. Aber vielleicht sind Sie ja gar kein einfacher Angestellter?! Dann erscheint Ihr Kommentar für mich in einem anderen Licht.

Helmut Dietrich, 24.04.2015 01:00
Ich habe selbst einige Jahre an der Entwicklung von Wirkstoffen mirgearbeitet und selten einen schlechteren und einseitigeren Bericht zum Thema gelesen, man sollte meinen die dort Beschäftigten wären alles Zombies die nur den Gewinn im Auge hätten.
Allein die ferndiagnostische Behauptung dass Patienten wirksame Medikamente absichtlich vorenthalten würden ist eine unbelegte und böswillige Behauptung.
Natürlich wollen Pharmachemiker nach 16 Semestern Studium und 3 Jahre Promotion endlich auch mal normal verdienen, wobei es Jahre dauert bis man mit einem Bänker gleichziehen kann der nach 6 Jahren voll Kasse macht.
Zwischen vielen schöpferischen Ideen bis zu einem marktfähigen Mittel liegen hunderte von Rückschlägen und Irrwegen die nur Kosten aber keine Gewinne bringen.
Jeder der diesen reisserischen Beitrag für wahr hält sollte konsequenterweise seine Lungenentzündung, Diabetes, grüner Star, Bluthochdruck, Infektionen, Thrombosenneigung, Impotenz, erworbene Immunschwäche oder seine Schilddrüsenprobleme mit Kamillensalbe und Wadenwickeln kurieren

Tillupp, 23.04.2015 10:58
Die Ausrottung einer Krankheit ist der "Größte Anzunehmende Unfall" für die Medikamentenhersteller. Wieviele Dosen Pockenimpfstoff hätte man noch verkaufen können, wenn es wenigstens ab und zu noch einen Ausbruch gäbe? Antwort: Milliarden. Mich würde nicht wundern, wenn Impfgegnerforen von Baxter, Merck etc. logistisch und finanziell unterstützt würden, um die Ausrottung der Masern zu hintertreiben. Genauso wird es mit Hepatitis C kommen und würde mit einem Malariamedikament /Impfstoff passieren. Das gute Zeug wird so teuer gemacht, damit es sich nicht jeder leisten kann, damit es immer wieder Menschen gibt die sich anstecken. Die freie Preisgestaltung ist in einer kapitalistischen Marktwirtschaft legitim da die Eigentümer das Recht habe maximale Gewinne zu machen (unter der Voraussetzung, dass dabei der Markt versorgt wird), aber eben nicht in einer sozialen Marktwirtschaft. Deshalb gehören solche Präparate nach indischem Vorbild verstaatlicht und die Firmen ggf. für die tatsächlichen Entwicklungskosten entschädigt. Ob man es auch als "Entwicklungskosten" sieht, wenn man, wie Merck, gar nichts selbst entwickelt, sondern als Investor agiert und innovative Unternehmen zum Fantasiepreis von 3,85 Milliarden für wenige Wirkstoffe aufkauft, sollte gesondert diskutiert werden. Ich denke nicht.

history_repeating, 23.04.2015 09:42
@Schwabe
Selbstverständlich - im Gegensatz zu Ihnen.
(einzelne) Pharmakonzerne sollten (zurecht) verklagt werden, wenn sie überhöhte Preise für Medikamente fordern, siehe: http://www.heise.de/tp/artikel/44/44124/1.html
Gleiches sollte jedoch auch bei AlternativMittelchen (Homöopathie ist KEINE Medizin, da unwirksam) gelten.
Die Verkaufspreise stehen im krassen Gegensatz zu den Produktionskosten (Zuckerkügelchen kosten praktisch nichts und Forschung wird nicht betrieben).
Ganz allgemein sollten Regelungen gefunden werden, welche Monopole verhindern und nicht unterstützen. Beispielsweise wäre es sinnvoll den Patentschutz auf Erfindungen zu beschränken und die Gültigkeit massiv einzuschränken.
Anmerkungen: Genkombinationen und auch Arzneimittelkombinationen sind keine Erfindungen, es sind bestenfalls Entdeckungen!

Thomas Lederer, 22.04.2015 19:08
Die Alternatvmedizin und die sogenannte Schulmedizin können sich eigentlich sehr gut ergänzen. Der Unterschied dieser 2 Varianten liegt in dem vermeintlich wissenschaftlichen Nachweis der Wirksamkeit. Für Heilmittel die die Natur liefert, wie Kurkumin, Mistel, Amigdalin etc. etc. ist kein Unternehmen bereit die Millionen teuren Pharmastudien durchzuführen, diese Produkte sind frei verkäuflich und im Vergleich zu Pharmaprodukten günstig zu haben- damit kann man keine Gewinnmarchen von 20% realisieren . 20% werden bei den Verhandlungen mit Europäischen Länderregierungen und Krankenkassen im Schnitt angesetzt. Weil diese Alternativen Therapien und Medikamente diese kurzzeit empirischen Studien nicht durchlaufen haben, behaupten viele Kassen, viele Ärzte, insbesondere in den Unikliniken und selbstverständlich auch die "Pharmazeitischen" Fachzeitschriften, es gäbe keinen wissenschaftlichen Nachweis für die Wirksamkeit derselbigen. Tatsache ist das bei den meisten Alternativen Mitteln langzeitempirische Studien, zum Teil mit Zeiträumen von über 100 Jahren gibt. Als Beispiel möchte ich die Akkupressur, Akkupunktur anführen. Über Hunderte von Jahren wurde Massenhaft gepresst und punktiert und die Wirkung festgehalten, gesamt ausgewertet und die Ergebnisse wieder Massenhaft verbreitet. So konnte diese feinsensorische Methode soweit entwickelt, dass damit Bestimmte Operationen ohne schädliche Beteubungsmittel durchgeführt werden können. Diese Entwicklung wäre mit den 3 Stufen Studien der Schulmedizin gar nicht möglich.
An unserem Medizinischen System kann man die Perversität des Kapitalismus gut erkennen.

Ulrich Frank, 22.04.2015 16:14
Vgl. hierzu auch, insbesondere hinsichtlich des Drucks der Pharmaindustrie auch auf den medizinischen Fachjournalismus, den Artikel: http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/medizin-kann-man-das-nicht-abschwaechen-1.2419538.
Die durchdringende Herrschaft der Pharmakonzerne wird selbstverständlich durch die Politik der hiesigen eingefleischten Volksparteien gewährleistet. Nicht umsonst wurde vor einigen Jahren ein unbequemer öffentlich-rechtlich bestellter Gutachter von Medikamentennutzen aufgrund fadenscheiniger Vorwürfe außer Gefecht gesetzt.

Schwabe, 22.04.2015 14:59
@Historie_repeating
Mit dem Finger auf andere zeigen und damit ablenken und relativieren.
Haben Sie zur eigentlichen Sache - dem korrupten Spiel mit der menschlichen Gesundheit - auch etwas zu sagen?

history_repeating, 22.04.2015 10:47
Grundsätzlich stimme ich vielen Behauptungen in dem Artikel zu - jedoch halte ich die Verallgemeinerung "Pharmaindustrie" zu weitreichend und gleichzeitig zu einschränkend.
Was ist mit der Alternativ-Pharma? Gerade auch hierbei wird ungehörig verdient, vertuscht und lobbyiert.
Alternativmedizin (wie sie sich gerne selbst nennt) unterliegt kaum/keiner Regulierung. Da werden Mittelchen vertrieben, die von Null-Wirkung bis zu Gesundheitsgefährdend alles dabei haben. Da diese Mittel keiner Zulassung bedürfen (meistens wirken sie schlicht nicht, bzw. verursachen keine Schäden) können sie von Hinz und Kunz zu unerhörten Preisen verkauft werden.

Ulrich Scheuffele, 22.04.2015 10:02
Vor einiger Zeit hatte ich ein Gespräch mit dem Ehemann einer ehemaligen Bundestagsabgeordneten. Seine Frau wurde kurz, nachdem sie in den Bundestag gewählt wurde, von einem Pharmalobbyisten angesprochen und ihr wurde der Vorschlag gemacht, dass sie von der Pharmaindustrie sowohl ihr Büro, als auch das Personal bezahlt bekommt. Sie hat sich nicht darauf eingelassen, jedoch erfahren, dass viele der Roten, Gelben und Schwarzen Abgeordneten sich darauf eingelassen haben. Vor diesem Hintergrund ist mir klar, dass wir keine ordentliche Gesundheitsreform hinbekommen und dass die Pharmaindustrie ungestraft sich wie in einem Selbstbedienungsladen bereichern kann.

Kommentar hinzufügen




CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.


* Pflichtfeld!

Letzte Kommentare:

Ausgabe 312 / Das große Fressen / tauss, 24.03.2017 15:03
@HifppiE ... so darf man unterschiedlicher Meinung sein... Ich bleibe dabei: Eine völlig verantwortungslose Staatengemeinschaft, die über "Werte" faselt, sich allein über die Steigerung von Rüstungsausgaben definiert und die UN-...

Ausgabe 312 / Die unheiligen Apostel / Jupp, 24.03.2017 07:17
Mein Herz geht auf. Hier wird nicht nur über die Vergangenheit oder Gegenwart gschimpft. Nein, es wird tatsächlich über die Zukunft nachgedacht! Und ich bin vollkommen bei Frau Rath :-) Was soll ein Fussgängerstegle? Wir haben...

Ausgabe 312 / Afrika kommt / leo loewe, 24.03.2017 00:24
"Die künftige Entwicklung gestalten!" Wir sollten versuchen, die globale Entwicklung weiterhin aktiv mitzugestalten. Gleichzeitig müssen wir anerkennen, dass sich die Welt um uns herum rasch verändert und dass es dabei um so mehr auf...

Ausgabe 312 / Das große Fressen / HippiE, 23.03.2017 23:50
@tauss: Dieser gelungene Beitrag handelt nicht von Kompensation, sondern von haarsträubender Ungleichheit und niederschmetternder Selbstbezogenheit und Gleichgültigkeit. Er nervt daher nicht, sondern macht betroffen und fassungslos.

Ausgabe 312 / Die unheiligen Apostel / Horst Ruch, 23.03.2017 22:12
....a propos "Stegle". Das ist es gerade was W.Backes angesprochen hat: Think big. Stirling hatte nicht umsonst die Planung für die Erschließung der Staatsgalerie und Musikhochschule auf einer höheren Ebene angeordnet, somit die (Teil)...

Ausgabe 312 / Ächzen im Maschinenraum / Schwabe, 23.03.2017 17:35
Auch von mir vielen Dank an den Autor und an Kontext (E.M., 22.03.2017 01:27 hat das wunderbar formuliert). Dennoch, um das erfolgreich anzupacken bzw. umzusetzen was Fabian Scheidler so treffend wie beängstigend und unmissverständlich...

Ausgabe 312 / Die unheiligen Apostel / CharlotteRath, 23.03.2017 14:51
Fußgängerstegle ... eine echt schwäbische Lösung. München hat sich einen Park gegönnt, um zwei voneinander getrennte Stadtteile über eine große Straße hinweg zusmmenzuführen: https://de.wikipedia.org/wiki/Petuelpark Mit...

Ausgabe 312 / Die unheiligen Apostel / Bruno Neidhart, 23.03.2017 09:51
Selbstverständlich bräuchte Stuttgart in dieser Kulturecke einen Fußgängersteg. Möglichst als breite Grünbrücke. Dies hat weder mit Sozialwohnungen, noch mit Kitas zu tun. Es ist eine andere, ebenso stadtbildende Ebene.

Ausgabe 312 / Afrika kommt / Dr. Diethelm Gscheidle, 23.03.2017 09:24
Sehr geehrte Damen und Herren, selbstverständlich ist es äußerst wichtig, Entwicklungshilfe zu betreiben - und das geht natürlich jeden Einzelnen von uns an. Als bekennender und praktizierender Katholik ist mir die Entwicklungshilfe...

Ausgabe 66 / Gnadenlose Bank / Gerald Wiegner, 22.03.2017 22:45
Das ist eine traurige, aber wahre Geschichte. Ich habe mit Herrn Nusser telefoniert und möchte noch folgende Ergänzung machen. Herr Nusser war ein langjähriges Genossenschaftsmitglied. Genossenschaften sind gesetzlich verpflichtet...

Die KONTEXT:Wochenzeitung lebt vor allem von den kleinen und großen Spenden ihrer Leserinnen und Leser.
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!