KONTEXT Extra:
S 21-Bürgerbegehren in der nächsten Runde

Bei neun Gegenstimmen und sechs Enthaltungen hat der Stuttgarter Gemeinderat die beiden Bürgerbegehren zu Stuttgart 21 abermals als rechtlich nicht zulässig abgelehnt. Hannes Rockenbauch, der Sprecher von SÖS/Linke-plus, bewertet die Darlegungen der Mehrheit als nicht schlüssig. Gerade die Tatsache, dass die Bahn jetzt vor Gericht ziehe, sei Beleg für den Entfall der "Geschäftsgrundlage zur Finanzierung von Stuttgart 21". Der Gutachter der Stadt, Christian Kirchberg, argumentiert mit Blick auf "Storno 21", dass eine Veränderung der Kostensituation nach dem Willen der Vertragspartner "gerade nicht zu einem Ausstieg aus dem Projekt führen sollte". Für diesen Fall sei vielmehr die Sprechklausel vereinbart worden, die aber nur das Land und die Bahn betrifft. Für das Bürgerbegehren "Ausstieg der Stadt Stuttgart aus S 21 aufgrund des Leistungsrückbaus" sieht Kirchberg ebenfalls keinen Wegfall, vielmehr "würde sich die Stadt vertragsbrüchig verhalten, wenn sie die Verträge kündigte". Die Leistungsfähigkeit des Schienenverkehrs - Hauptanliegen des angestrebten Bürgerbegehrens - falle nicht in die kommunale Zuständigkeit. Daher, so Kirchberg, "wäre die Stadt auch gar nicht berechtigt". Der Gemeinderat hatte die Bürgerbegehren im Sommer 2015 schon einmal abgelehnt. Die Initiatoren widersprachen. Mit der Mehrheit von 42 Stimmen wurde am Donnerstagabend festgesstelllt, "dass diesen Widersprüchen nicht abgeholfen werden kann", wie es in der Pressemitteilung der Stadt heißt. Nun würde die Entscheidung dem Regierungspräsidium Stuttgart vorgelegt. Gegen einen Widerspruch sei dann der Klageweg eröffnet. (09.12.2016)


Räuberpreis für Wolfgang Niedecken

Der Whistleblower Edward Snowden hat ihn verliehen bekommen, ebenfalls die Initiative "Wunsiedel ist bunt - nicht braun" für den Spendenmarsch "Rechts gegen Rechts". In diesem Jahr ging der "Widerstandspreis der Freunde der Räuberhöhle" an Wolfgang Niedecken, Frontmann von BAP – für mehr als 40 Jahre konsequenten Einsatzes für Toleranz und gegen Rechts.

Seit zwei Jahren verleiht die antifaschistische Gruppe rund um den Aktivisten Made Höld und die linke Szene-Kneipe "Räuberhöhle" in Ravensburg den Preis an Personen, die sich im Sinne einer bunten und gerechten Gesellschaft engagieren. Der Widerstandspreis selbst ist geklaut: Bis 2010 haben sich Rechtsradikale gegenseitig damit ausgezeichnet, dann kaperten Höld und seine Räuber die Auszeichnung von links.

Made Höld ist der wohl bunteste Hund in ganz Oberschwaben. Immer wieder machen er und seine Bande mit durchdachten und öffentlichkeitswirksamen Aktionen auf sich aufmerksam. Höld bewarb sich einmal als Landrat, um den Filz aufzuzeigen, der bei dieser Wahl vorherrscht. Er und seine Gruppe organisierten eine digitale Menschenkette gegen Rechts und boten Edward Snowden exterritoriales Asyl in ihrer Kneipe an. (8.12.2016)


Kretschmann Schirmherr für 199 kleine Helden

Ihr Dokumentarfilm hat bei drei Kinderfilmfestivals Preise abgeräumt, zuletzt in Chicago. Klar, dass sich die Regisseurin Sigrid Klausmann über diese Auszeichnungen freut. Seit Jahren begleitet die Stuttgarterin für ihr Filmprojekt "199 kleine Helden" Kinder weltweit auf ihrem Schulweg. Sie redet mit ihnen über ihre Ängste und Wünsche und darüber, wie sich die kleinen Protagonisten die Zukunft vorstellen. Daraus hat Klausmann den preisgekrönten Dokumentarfilm "Nicht ohne uns!" gemacht. Bereits diesen Sonntag (4.12.) wird er im Stuttgarter Metropol Kino gezeigt (16 Uhr), der offizielle Kinostart ist am 19. Januar.

Dass Stuttgart so früh dran ist, liegt mit daran, dass der Stuttgarter OB Fritz Kuhn die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen hat. Zusammen mit der Schauspielerin Senta Berger, die sich nun allerdings altersbedingt zurückzieht. Demnächst werden Sigrid Klausmann und ihre kleinen Helden neue Schirmeltern bekommen: Winfried Kretschmann und Hannelore Kraft, die Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Beide Länder unterstützen die kleinen Helden über ihre Landesfilmförderung.

Die Stuttgarter Preview am Sonntag wird ein Familienfest werden. Die Regisseurin Sigrid Klausmann wird ebenso vor Ort sein wie ihr Mann Walter Sittler (Produzent) und die Tochter Lea. Die Musikerin hat den Titelsong zum Film der Mutter komponiert. (2.12.2016)


Im Hajek-Haus soll wieder Feuer brennen

Das Trauerspiel um das Hajek-Haus mag jetzt zumindest die Fraktion SÖS/Linke/Plus nicht mehr mit ansehen. Sie will, per Antrag im Stuttgarter Gemeinderat, dass die Stadt das Kultur-Denkmal "vor dem Verfall" rettet. Wie in Kontext ausführlich berichtet steht die Villa an der Hasenbergsteige 65 seit dem Tod des Bildhauers (2005) leer. Vor fünf Jahren kaufte sie der Möbelfabrikant Markus Benz und ließ sie – Denkmalschutz hin oder her – entkernen. Das wiederum gefiel den behördlichen Denkmalschützern nicht, die sich auf den Gerichtsweg machten, bis heute ohne Ergebnis.

Und seitdem rottet das Haus in bester Halbhöhenlage vor sich hin. Die kulturpolitische Sprecherin der Fraktionsgemeinschaft, Guntrun Müller-Enßlin, vermutet, dass der Möbelmensch auf einen Abriss, und damit eine "verdeckte Immobilienspekulation" hin arbeitet. Stadträtin Laura Halding-Hoppenheit erinnert an die Tradition des Hauses, in dem auch schon Willy Brandt Rotwein trank. Die Villa sei ein Treffpunkt für Menschen gewesen, die etwas bewegen wollten, und dieses "Feuer muss weiter brennen", sagt sie.(30.11.2016)


Das Geschäft mit Waffen läuft

Heckler & Koch hat einen Großauftrag erhalten und wird französische Soldaten aller drei Teilstreitkräfte ab 2017 zehn Jahre lang mit 100 000 Sturmgewehren vom Typ HK 416 ausstatten. Es soll um ein Volumen von 300 Millionen Euro gehen. Der Rüstungsauftrag, heißt es in Paris, werde "die soliden Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich im Verteidigungssektor und besonders in der Rüstungsindustrie" stärken. Die Nachbarn stehen also auf der Liste der sogenannten "grünen Länder", denn – immerhin – nur die sollen weiter beliefert werden.

Am Montagmorgen wurde bekannt, dass der Oberndorfer Waffenhersteller Neugeschäfte allein mit Staaten abschließen will, die demokratisch und nicht korrupt sind. Nach einer Meldung der Deutsche-Presse-Agentur würden damit Kunden wie Saudi-Arabien, Mexiko, Brasilien, Indien oder die Türkei wegfallen. Alte Aufträge sollen allerdings abgewickelt werden, gerade auch mit den Saudis. Das Unternehmen wartet aktuell auf die Genehmigung deutscher Behörden zur Ausfuhr unter anderen von Bauteilen für eine Gewehrfabrik.

Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte bei seinem Auftritt kürzlich auf dem Bundesparteitag der Grünen in Münster ausdrücklich die Politik in der Pflicht gesehen: "Wohin wir exportieren, das muss die Politik entscheiden." Zugleich machte er klar, dass es für sein Unternehmen um 3500 von 100 000 Trucks gehe. Appelle, freiwillig auf deren Verkauf zu verzichten, verhallten bisher ungehört. (28.11.2016)


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Gewicht per App. Fotos: Thomas Siudmak

Gewicht per App. Fotos: Thomas Siudmak

Ausgabe 185
Gesellschaft

Vernetzt und ausgeleuchtet

Von Ana-Marija Bilandzija
Datum: 15.10.2014
Blutzucker, Schlafrhythmus, Hobbys: Immer mehr Menschen vermessen mit Smartphone, Tablet und Apps ihr Dasein. Ihr Ziel: gesünder, schöner und produktiver zu werden. Die sogenannte Selbstoptimierer-Szene gewinnt auch hierzulande immer mehr Anhänger.

Ein schwarzes, mit Elektroden besetztes Stirnband um den Kopf, eine Pulsuhr am Handgelenk und das Handy neben dem Kopfkissen: So schlafen Selbstoptimierer wie Philipp Kalwies. Der 32-Jährige vermisst sich permanent. Eine Schlafstörung hat er nicht; man könnte aber sagen, er ist besessen von der Vorstellung, seinen Körper bis ins kleinste Detail zu erfassen. Neben dem täglichen Schlafprotokoll (Einschlafdauer, Intensität des Schlafs, Bewegungen, Dauer der Traumphase) vermisst Philipp nach jeder Mahlzeit seinen Blutzuckergehalt und klemmt sich – selbst im Urlaub – einen Schrittzähler an den Hosenbund.

Kalwies' Messgeräte, die sogenannten Gadgets, stapeln sich auf seinem Schreibtisch in einem Berliner WG-Zimmer. Ihr Wert: mehr als 500 Euro. Gerade erst ist eine neue Lieferung angekommen: eine Matratzenunterlage, die selbst die kleinste Bewegung im Schlaf analysiert. Auch das gehört zum Selbstoptimierer-Dasein: testen, was neu auf dem Markt ist, und die Erfahrung mit Gleichgesinnten teilen.

Alles unter Kontrolle auch im Schlaf: Philipp Kalwies träumt mit Stirnmessband.
Alles unter Kontrolle auch im Schlaf: Philipp Kalwies träumt mit Stirnmessband.

"The Quantified Self" heißt die Bewegung, die Gary Wolf und Kevin Kelly, zwei US-amerikanische Journalisten, 2007 ins Rollen brachten. 2010 schafft es der Trend nach Deutschland. Das Motto: Selbsterkenntnis durch Zahlen. In 175 Gruppen in 37 Ländern treffen sich die Anhänger der Selbststatistik – in Schanghai oder Stuttgart, Buenos Aires oder Berlin. In den USA schlägt die Bewegung größere Wellen als hierzulande. Doch die Selbstvermessung tritt allmählich ins öffentliche Bewusstsein.

Krankenkassen prüfen in Umfragen, welche Gesundheits-App am besten bei ihren Kunden ankommt. Banken locken Neukunden mit einem Aktivitätsmessgerät fürs Handgelenk als Willkommensgruß. "Spiegel TV" widmet den Selbstvermessern einen eigenen Sendeabend.

Studie identifiziert typischen Selbstvermesser

Dennoch: Das Thema umgibt ein mysteriöser Schleier von Digitalesoterik, der an den von Orwell entworfenen Präventionsstaat in "1984" erinnert. Die Sorge um Datenschutz und Fremdsteuerung ist auch bei Self-Quantifiern ein Thema. Am Ende ist der Spaß am Schein, sein Leben völlig kontrollieren zu können, jedoch größer. Philipp Kalwies begreift sich als "Early Adopter", als Vorreiter, Trendsetter und Vordenker einer Bewegung, die auf dem Weg ist, die Gesellschaft umzuwälzen. Eine Art Selbstoffenbarungsavantgarde. Der durchschnittliche Selbstvermesser ist 33,55 Jahre alt, männlich und arbeitet im technischen Bereich. Das hat eine Studie des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. 

Viele Self-Quantifier wissen um ihren Status als Sonderling, können sich mit Begriffen wie "Technikfreak" und "Nerd" anfreunden. Doch sie wissen genauso, dass die Sache Zukunft hat. Pharmakonzerne wie Beyer sind in der Szene aktiv, knüpfen Kontakte zu Selbstvermessern und suchen in Wettbewerben nach Ideen, die sich im großen Stil vermarkten lassen.

Die Kilos stets im Blick: Gewichts-App auf Tablet.
Die Kilos stets im Blick: Gewichts-App auf Tablet.

Der App-Markt wächst täglich, über 15 000 Gesundheits-Apps gibt es heute laut dem Informatikerverband Bitkom. Von der Kalorienzähler-App über den Produktivitätstracker bis zum Stimmungsmesser ist für jeden etwas dabei. Die bunte Welt der Apps verspricht für jedes Problem eine Lösung. Ein Problem können sie jedoch noch nicht lösen: Wer Zahlen und Werte kennt, muss sie auch richtig interpretieren, um sie nutzen zu können.

Auch Kranke greifen zu vernetzten Messgeräten

Während es Philipp Kalwies darum geht, seinen – gesunden – Körper nach allen Regeln der Selbstvermessung in Zahlenreihen zu erfassen, um sich selbst "besser zu erkennen", greifen andere Selbstvermesser zu Smartphone und Messgeräten, weil sie krank sind. So wie Mathias Elgeti. Der 51-jährige Werbemacher leidet seit neun Jahren an Arthrose. Klassische Therapieansätze brachten keine Heilung, Elgeti musste seinen geliebten Kraftsport aufgeben und begann, selbst nach einer Lösung zu suchen. Eine Entsäuerungskur brachte Besserung, doch es fiel ihm schwer, motiviert zu bleiben. Auf einem Quantified-Self-Treffen entdeckt er die Motivation durch Zahlen für sich. Er programmiert die "Sauerkraut-App" und protokolliert fortan, was er isst. Mit einem pH-Meter, der eigentlich für Aquarien gedacht ist, überprüft er den pH-Wert seines Urins und interpretiert so die Auswirkung der Entsäuerung auf seinen Körper.

Motivation durch Zahlenreihen: Mathias Elgeti protokolliert seine Nahrungsaufnahme.
Motivation durch Zahlenreihen: Mathias Elgeti protokolliert seine Nahrungsaufnahme.

Ein gutes Gefühl sei es gewesen, als Elgeti seinem Arzt die Ergebnisse seines Selbstversuchs präsentiert hat. Sich unabhängig machen von einer Gesundheitsindustrie, die Behandlungskosten spart und Gewinne mehrt: Dieses Potenzial sieht er in der Selbstvermessung. Eine Form der Emanzipation vom Arzt – und Hobby zugleich. Das Beraterhaus PwC hat ausgerechnet, dass EU-weit rund 100 Milliarden Euro durch "Mobile Health" im Gesundheitswesen eingespart werden könnten. Revolutionäre Gedanken kommen auf: In ein paar Jahren könnten Patienten den USB-Stick in die Arztpraxis mitbringen und die selbst gemessenen Werte mit dem Doktor durchgehen.

In Zukunft messen Mikrochips unter der Haut

Für Philipp Kalwies ist das heute schon Standard. Er freut sich auf eine Zukunft, in der wir uns Mikrochips implantieren lassen. "Der kommt unter die Haut und trackt permanent alles, was man macht", erzählt er begeistert. Bedenken habe er keine. Für ihn ist die Beobachtung des menschlichen Körpers nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten erstrebenswert. Ob Kreativität, Anderssein und Überraschungen in einer solchen Welt noch Platz fänden, ist fraglich. Das Ziel ist letztlich, zu funktionieren, und Zahlenreihen vermitteln ein Gefühl von Kontrolle. In einer immer komplizierter werdenden Gesellschaft strahlen sie eine Glaubwürdigkeit und Klarheit aus, die verführerisch ist.

Auf die Frage, ob er mit der Selbstvermessung aufhören würde, wenn er seine Wunschwerte erreicht hätte, entgegnet Philipp, dass es menschlich sei, immer besser werden zu wollen. Wer sein Traumgewicht erreicht hat, kann bei Produktivität und Kontakte-Management weitermachen. Fabio Santos, ein bekanntes Gesicht der deutschen Quantified-Self-Szene, führt Protokoll über jede Person, die er trifft. Wie lange er sich mit wem worüber unterhalten hat und ob er sich danach besser oder schlechter fühlte, kann er noch Wochen später nachlesen. Wirklich wichtig sind diese Erkenntnisse nicht. Sie lassen ihn den Alltag jedoch mit anderen Augen sehen. Selbstvermessung als Selbstfindungstrip. Im Grunde geht es um den ewigen Versuch, das Leben zu begreifen – mit den Mitteln des 21. Jahrhunderts.


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Kommentare

Rano, 30.10.2014 17:46
Man könnte ja einfach lachen über solche traurigen Gestalten. Leider aber sind diese unsäglichen Dummköpfe die Wegbereiter für eine totalitäre Welt, in der diese Überwachung zur Pflicht werden wird.

ahendrix, 17.10.2014 21:36
Hallo Schorsch, ich antworte mal an Stelle von St. Kugler. Meditation hat mit Esoterik nichts zu tun, sondern ihren Ursprung in der Lehre des Buddhismus. Es ist mittlerweile erwiesen, dass Meditation einen positiven Einfluss auf die körperliche und geistige Gesundheit haben kann. www.meditation.de

Schorsch, 17.10.2014 14:05
St. Kugler, 16.10.2014 11:40
Ehrlich gesagt, ich zähle mich eher zum Kreis der "Skeptiker", habe mit Esoterik nicht viel im Sinn. Nennen Sie mir bitte Links, dass ich meine Meinung vielleicht ändere. Das meine ich jetzt aufrichtig, Danke!

St. Kugler, 16.10.2014 11:40
Auf die Idee seinen Körper und Geist mittels Meditation zu ergründen kommt der Herr Selbstoptimierer leider nicht. Die kostet ja auch kein Geld und führt zu echten Ergebnissen.

zara, 16.10.2014 09:41
Zu diesem Thema gibt es ein spannendes Buch von Marc Elsberg, Zero von 2014. Edward Snowden lässt grüßen:
http://www.krimi-couch.de/krimis/marc-elsberg-zero-sie-wissen-was-du-tust.html

maguscarolus, 16.10.2014 09:24
Wenn sich da nur ein paar Kontrollfreaks (Zwangsneurotiker?) austoben würden! Aber wie lange wird es dauern, bis solch "löbliche" Selbstüberwachung zur Voraussetzung für dies und das und jenes wird?

>> Sie beantragen eine Krankenversicherung? Ich kann aber gar kein Tracking-Protokoll von Ihnen finden ... <<

Dieser ganze digitale Überwachungsscheiß kommt mir allmählich vor wie die nächste Vertreibung aus dem Paradies!

anefuma, 15.10.2014 19:44
Wer alles messen und wiegen muss, kann nicht genießen.
Arme Menschen, die sich auf diese Weise ihrer Existenz vergewissern müssen.

Blinkfeuer, 15.10.2014 10:29
Hätt' ich fast vergessen: Muss Bier bestellen!

FernDerHeimat, 15.10.2014 08:54
Die "Selbstoptimierer" üben nicht nur einen impliziten Druck auf den Rest der Bevölkerung aus, sich doch gefälligst selber ständig zu "überwachen", sie wecken auch Begehrlichkeiten, diese Daten über Lebenswandel und Gesundheit konsequent auszunützen.

Angefangen bei Smartphones, deren Betriebssysteme schon generell gern alles mögliche an Informationen "nach Hause telefonieren" und natürlich den entsprechenden "kostenlosen" Apps, die das häufig genauso tun.

Den "Sportlichen" konnte man ja schon bisher sehr gut allerlei Nahrungsmittel und Technologie andrehen. Jetzt kann man ihre freiwillig gesammelten Daten gleich direkt weiterverkaufen.

Werbung, Versicherungen aber auch staatliche Stellen freuen sich gewiss darüber.

Wenn die BfA beispielsweise schon jetzt Hartz IV-Empfänger auf Facebook bespitzeln lässt, spricht für die sicherlich auch nichts dagegen, deren Tagesgewohnheiten über eine "Selbstoptimierungs"-App auszuwerten. Vielleicht kann man dann so noch ein paar Tausend Sanktionen mehr rechtfertigen.

Und die Versicherungen wollen sowieso alles wissen, mit dem sich Gebührenerhöhungen einerseits und Leistungsreduzierungen andererseits begründen lassen.

Am Ende ist dann einer, der auf diesen ganzen Klimbim verzichtet, gleich pauschal im Nachteil, weil er ja "offensichtlich" einen ungesunden Lebenswandel "verbergen" will.

Nun, von Winston Churchills "no sports" einmal abgesehen. Wie genau diese Messungen denn sind und welchen Erfolg sie für die Gesundheit und Lebenserwartung tatsächlich haben, darüber streiten sich bis heute Mediziner und Biologen.

Aber wenn etwas so hipp und angesagt ist - vor allem aber einige gut daran verdienen - dann hinterfragt man seinen Sinn und Nutzen lieber nicht zu sehr in der Öffentlichkeit...

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@Jimmy: Was trifft auf Ihre Kommentare hier zu? a) Pauschalisierend b) Diffamierend c) Undifferenziert d) oder alles zusammen Mekrwürdig, dass die Rechte besonders im Westen (Frankreich) stark ist. Aber ich bin mir sicher,...

Ausgabe 297 / Intellektuell prügeln / Georg Frank, 08.12.2016 14:11
@Bernd Oehler: Habe ich behauptet, Sie würden dies tun? Ich habe so allgemein formuliert, wie Sie auch.

Ausgabe 297 / Intellektuell prügeln / Bernd Oehler, 08.12.2016 14:07
@Dr. Diethelm Gscheidle: Ihre redlichen Bemühungen in allen Ehren, aber Sie sehen doch, dass diese manchen Leuten komplett am Textverständnis vorbeigehen - um einen unredlichen Ausdruck zu vermeiden!

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