KONTEXT Extra:
Satte 1,5 Prozent mehr für das schreibende Personal

Die JournalistInnen sitzen wieder an ihren Schreibtischen. Am Mittwoch (29. Juni) haben sich die Zeitungsverleger und die Gewerkschaften auf einen Abschluss geeinigt, der eine Gehalts- und Honorarerhöhung von 1, 5 Prozent rückwirkend zum 1. Juni vorsieht. Den nächsten Aufschlag um 1,6 Prozent soll es zum 1. August 2017 geben. Damit habe man einen „vertretbaren Abschluss“ erreicht, meinte der stellvertretende Verdi-Vorsitzende Frank Werneke. Dieses Ergebnis habe man nur dank der Streiks der KollegInnen in den vergangenen Tagen erreichen können, wodurch der Druck auf die Verleger erhöht worden sei. In der Öffentlichkeit war der Ausstand weitgehend unbemerkt geblieben, nachdem sich auch die Zeitungen große Zurückhaltung bei der Berichterstattung auferlegt haben. (30.6.2016)  


Bürgerfoyer "Zeitungen unter Druck" heute Abend abgesagt

Da kam der Journalisten-Streik dazwischen: Die Stuttgarter Volkshochschule hat das für heute geplante Podium mit Michael Maurer (Stuttgarter Zeitung), Susanne Stiefel (Kontext) und David Rau (Stuggi.TV) abgesagt. Viele KollegInnen - auch der Stuttgarter Blätter - streiken derzeit für mehr Lohn. Der Vize-Chefredakteur der Stuttgarter Zeitung kann daher heute Abend nicht diskutieren, sondern muss produzieren. Und auch die Gewerkschaftsvertretet haben abgesagt. Schweren Herzens hat sich die Stuttgarter vhs dazu entschlossen, das für heute geplante Bürgerfoyer abzusagen - aber nicht zu vergessen. "Die  Medienlandschaft Stuttgart ist uns wichtig", betont Ulrike Rinnert, Stabstelle Beteiligung, "wir wollen das Thema im Herbst wieder im Bürgerfoyer aufgreifen." (29.6. 2016)


Büttel der Bahn - nein danke

Vor dem S-21-Lenkungskreis am Donnerstag (30.6.) wird Verkehrsminister Winfried Hermann und Oberbürgermeister Fritz Kuhn (beide Grüne) heftig ins Gewissen geredet. Der Theologe Martin Poguntke vom Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 erklärt, die Projektgegner hätten es aufgegeben zu hoffen, dass "wir politische Helden an die Macht gebracht haben". Aber verlangt werden könne, dass sie ihr Amt "nicht so ganz der Würdelosigkeit preisgeben". Konkret bedeute das:

Fordern Sie von der Bahn die restlose Offenlegung aller Zahlen und deren Überprüfung durch eine wirklich unabhängige Stelle. Sie haben nicht das Recht, sich auf die Bahn einfach zu verlassen - denn Sie sind uns, dem Souverän, gegenüber verantwortlich.

Fordern Sie, dass die Bahn dem Vieregg&Rössler-Gutachten von mindestens 9,8 Milliarden nicht nur blumig widerspricht, sondern es Punkt für Punkt mit konkreten Zahlen widerlegt. Es geht hier nämlich nicht nur um eine Kostensteigerung von wenigen hundert Millionen, sondern seit 2009 sind die von der Bahn scheibchenweise eingestandenen Kosten um 3,4 Milliarden von 3,1 auf 6,5 Milliarden gestiegen - das sind über 100 Prozent in sieben Jahren.

Fordern Sie - wenn schon keinen Projekt-Abbruch - wenigstens ein Moratorium, bis alle strittigen Fragen geklärt sind. Denn in weniger als der Hälfte der geplanten Bauzeit hat die Bahn 99 Prozent des Risikopuffers von 1,5 Milliarden verbraucht. Es kann nicht sein, dass die Bahn jetzt immer weiter baut, immer mehr Verpflichtungen eingeht, ein immer höheres Erpressungspotenzial an schon ausgegebenem Geld aufhäuft - bevor geklärt ist, wie sie das bezahlen will.

Fordern Sie eine ergebnisoffene Gegenüberstellung der Chancen und Risiken von S21 mit den Chancen und Risiken eines Umstiegs auf den modernisierten Kopfbahnhof und verstecken Sie sich nicht hinter dem angeblichen Ergebnis der Volksabstimmung. Kein halbwegs verantwortlicher Politiker kann ignorieren, dass ein Umstieg auf eine Modernisierung des Kopfbahnhofs nur ca. 2 Milliarden kosten würde und dass nur 1,5 Milliarden des bereits verbauten Geldes wirklich verloren, also viele Milliarden gespart wären - dafür, dass wir einen besseren Bahnhof bekommen, als es S21 je hätte sein können.

Und schließlich bei all Ihren Forderungen: Nennen Sie Konsequenzen, für den Fall, dass Ihre Forderungen nicht erfüllt werden. Was tun Sie, wenn die Bahn nicht auf Ihre Forderungen eingeht? Denn Forderungen ohne Ankündigung von Konsequenzen sind leeres Gerede fürs Publikum.

Zeigen Sie einmal, dass Sie nicht die Büttel der Bahn sind! Zeigen Sie einmal ein klein wenig politische Größe! Zeigen Sie einmal, dass der Lenkungskreis wirklich lenkt!


Ein Zeichen für Europa

Über Stuttgart wehen EU-Flaggen! Mit der Verkündung des amtlichen Endergebnisses der Volksabstimmung in Großbritainnien über den Austritt aus der EU werden auf der Villa Reitzenstein und dem Neuem Schloss in Stuttgart europäische Flaagen gehisst. Die grün-schwarze Koalition möchte damit ein Zeichen für Europa setzen. "Wir wollen unsere proeuropäische Haltung deutlich zeigen", so Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Die gehöre in Baden-Württemberg "zur Staatsräson". Als "überzeugten Europäer" treffe ihn die Entscheidung der Briten "ganz persönlich ins Mark". Europa sei in den Grundfesten erschüttert.


AfD-Fraktion schließt Gedeon vorerst nicht aus

Die Zerreißprobe in der "Alternative für Deutschland" (AfD) ist aufgeschoben. Ihr Bundesvorsitzender Jörg Meuthen, zugleich Chef der baden-württembergischen Landtagsfraktion, hatte am Dienstag jedenfalls keine erforderliche Zweidrittelmehrheit für den Ausschluss von Wolfgang Gedeon. Über die Äußerungen Gedeons, Anhänger der antisemitischen "Protokolle der Weisen von Zion", wird jetzt statt dessen ein Gutachten bei drei Fachleuten in Auftrag gegeben – von Religionswissenschaftlern ist die Rede, ein Experte soll jüdischen Glaubens sein –, um die von Meuten selbst erhobenen Antisemitismus-Vorwürfe gegen den Singener Mediziner zu überprüfen. Der lässt vorerst seine Mitgliedschaft in der Fraktion ruhen und wird im Plenarsaal auch einen neuen Platz erhalten.

Fraktionsgeschäftsführer Bernd Grimmer erklärte nach den dreistündigen Beratungen, die für einen Ausschluss notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit sei nicht klar gewesen und etwa ein Drittel der Abgeordneten nicht bereit gewesen, Meuthen zu folgen. Sie schätzten den Stellenwert von Meinungsfreiheit höher ein als den einer "politisch korrekten Ausdrucksweise". Sollte die Fraktion nach der Sommerpause und der Bewertung des Gutachtens abermals nicht bereit sein, dem von Meuthen seit Tagen vehement verlangten Antrag auf Ausschluss Gedeons zuzustimmen, bleibt der dabei, seinerseits die Fraktion verlassen zu wollen. Außerdem gibt es Gerüchte, dass eine Handvoll Abgeordneter Gedeon – im Falle seines Ausschlusses – nicht allein gehen lassen, sondern mit ihm aus der Fraktion ausscheiden wolle.

Nicht nur im Internet tobt seit Tagen eine heftige Auseinandersetzung über den künftigen Kurs der Partei, die sich zur Retterin Deutschlands ernannt hat. Meuthens Co-Vorsitzende auf Bundesebene Frauke Petry hat sich öffentlich gegen ihn gestellt, ist damit aber im Bundesvorstand isoliert. Zahlreiche Mitglieder des rechten Flügels verlangen von dem Kehler Wirtschaftsprofessor, von sich aus die AfD zu verlassen. "Die Bewegung muss sich von Volksverrätern wie Meuthen trennen", postet ein Thorsten Baeuml. Und weiter: "Linksversiffte Gutmenschen braucht die Bewegung nicht! Ein Krebsgeschwür wird auch entfernt, so lange es noch geht und Meuthen hat sich zur Selbstoperation verdonnert. Gut so!" Den Ausdruck "linksversifft" hatte Meuthen selbst vor Wochen benutzt, ihn allerdings auf die ganze Bundesrepublik bezogen.


KONTEXT
per E-Mail:
Immer informiert:

Durch diese Anmeldung erhalten Sie regelmäßig immer mittwochs um 9 Uhr unsere neueste Ausgabe unkompliziert per E-Mail.

Datenschutz-Hinweis

"Roter Teppich" für Fußgänger. Foto: VCD/Markus Bachmann

"Roter Teppich" für Fußgänger. Foto: VCD/Markus Bachmann

Ausgabe 184
Gesellschaft

Risikoreiches Pforzheim

Von Jürgen Lessat
Datum: 08.10.2014
Fußgänger verunglücken im Straßenverkehr relativ selten. Erfreulich: Mit am sichersten unterwegs sind sie in baden-württembergischen Großstädten, wie eine VCD-Studie ergab. Mit einer Ausnahme: Die Schmuckstadt Pforzheim ist das gefährlichste Pflaster im Südwesten.

Mehr als jeder vierte Weg wird hierzulande zu Fuß zurückgelegt. Wie sicher Fußgänger dabei in deutschen Großstädten unterwegs sind, untersucht der ökologische Verkehrsclub Deutschland (VCD) seit Längerem im Fünf-Jahres-Turnus. Der aktuelle "VCD Städtecheck 2014 – Verkehrssicherheit für Fußgänger und Fußgängerinnen" kommt grundsätzlich zu einem erfreulichen Ergebnis: Die langsamsten Verkehrsteilnehmer sind relativ sicher unterwegs. So kamen innerorts in den letzten fünf Jahren durchschnittlich 12 Prozent aller im Straßenverkehr Verunglückten zu Fuß zu Schaden. Die schlechte Nachricht: In 41 der 80 untersuchten Großstädte haben die Verunglücktenzahlen in den letzten fünf Jahren tendenziell zugenommen. Die jeweiligen Städte erhielten auf der "VCD-Städtecheck-Karte" eine rote Ampel.

Schuld an den Unfällen sind oft die anderen Verkehrsteilnehmer. "Fußgänger verunglücken zu über 80 Prozent beim Queren der Straße, und das nicht, weil sie sich fehlverhalten, sondern oft aufgrund falscher Abbiegemanöver oder überhöhter Geschwindigkeit von Autofahrern", nennt Anja Hänel, VCD-Referentin für Verkehrssicherheit, die Hauptunfallursachen. Die Geschwindigkeit zu senken und die Sichtbarkeit von Fußgängern zu erhöhen seien deshalb zentrale Handlungsfelder, um das Gehen sicherer zu machen.

Fehlende Knautschzonen erhöhen Todesrisiko

Vereinzelt zeigten Städte bereits, wie mit wenig Aufwand, zum Beispiel durch Farbmarkierungen, Straßenräume so umgestaltet werden können, dass sie sicherer werden. "Falschparken ist kein Kavaliersdelikt ist, sondern kann für Kinder zur tödlichen Falle werden, weil Kinder hinter den Autos nicht gesehen werden", betont Hänel auch. Die Lösung liege hier nicht in Einzelmaßnahmen, sondern in einem guten Mix aus Baumaßnahmen, Öffentlichkeitsarbeit und regelmäßigen Kontrollen.

Rote Ampeln für Mehrzahl der Großstädte. Grafik: VCD
Rote Ampeln für Mehrzahl der Großstädte. Grafik: VCD

Mehr Sicherheit ist gerade bei Fußgängern lebensnotwendig. Denn wenn es zum Unfall kommt, sind die Folgen für die schwächsten Verkehrsteilnehmer meist gravierend: Die Gefahr, bei einem Unfall schwer oder sogar tödlich verletzt zu werden, ist unverhältnismäßig hoch. Mehr als ein Drittel aller im innerörtlichen Straßenverkehr Getöteten waren in den letzten fünf Jahren Fußgänger. "Im Jahr 2013 lag der Anteil sogar bei 40 Prozent", warnen die VCD-Autoren.

Sicher per pedes ist man im bundesweiten Vergleich in südwestdeutschen Großstädten unterwegs. "Im Mittel kommen nur 10,4 Prozent aller im Straßenverkehr Verunglückten, die zu Fuß unterwegs sind, in hiesigen Kommunen zu Schaden", erklärt Matthias Lieb, VCD-Landesvorsitzender in Baden-Württemberg. Allerdings zeigen sich im landesweiten Städtevergleich bemerkenswerte Unterschiede: Das gefährlichste Pflaster für Fußgänger ist die Stadt Pforzheim, als sicheres Fußgängerparadies kann die Freiburg durchgehen.

Kein schmückendes Ergebnis für die Schmuckstadt

In der Gold- und Schmuckstadt an der Enz lag der Anteil aller im Straßenverkehr verunglückten Fußgänger mit durchschnittlich 13,6 Prozent annähernd doppelt so hoch wie in Freiburg, wo im Mittel 7,8 Prozent verunglückten. Zudem liegt Pforzheim als einzige der untersuchten Südwestmetropolen über dem Bundesdurchschnitt. Über den landesweiten Mittelwert von 10,4 Prozent Fußgängeropfern lagen Reutlingen (11,5 Prozent), Heilbronn (11,5 Prozent) und Mannheim (10,6 Prozent). Während in Heidelberg (9,2 Prozent), Karlsruhe (9,3 Prozent), Ulm (9,9 Prozent) und Stuttgart (10,1 Prozent) die Fußgänger sicherer unterwegs waren. Als einzige Stadt im Land ergatterte die sichere Breisgaumetropole Freiburg auch eine grüne Ampel auf der VCD-Karte, weil die Unfallzahlen dort zuletzt sanken.

Den VCD-Vorsitzenden Lieb verwundern die Ergebnisse nicht. "In Pforzheim dominiert der Autoverkehr mit 58 Prozent, während in Freiburg und Heidelberg nur ein Drittel aller Wege mit dem Pkw, dafür zwei Drittel mit Bus, Bahn, Rad oder zu Fuß zurückgelegt werden", erläutert der Verkehrsexperte. "Der Anteil des Autoverkehrs ist in der Tat relativ hoch", bestätigt Joachim Dürr vom Ordnungsamt der Stadt Pforzheim auf Kontext-Nachfrage. Einen Grund dafür sieht der Abteilungsleiter in der örtlichen Topografie. Wegen der Tallage der Stadt mit den Flüssen Enz, Nagold und Würm müsse sich der Verkehr über wenige Brücken wälzen, was zu extrem hohem Verkehrsaufkommen an den zuführenden Knotenpunkten und Straßen führe. "Auch kreuzen sich in Pforzheim drei Bundesstraßen, und die seit langer Zeit eingeforderte Westtangente zur Entlastung steht immer noch nicht zur Verfügung", so Dürr.

Pforzheim gelobt, Gefahrenstellen zu beseitigen

Das Ergebnis des VCD-Städtechecks soll nicht folgenlos bleiben, verspricht Dürr, dass die Verantwortlichen neuralgische Stellen nochmals überprüfen wollen. Einen Schub verspricht sich der Verkehrsplaner durch den neuen Innenstadtring, der in diesen Tagen fertiggestellt ist. Über ihn soll der Durchgangsverkehr um die Innenstadt herumfließen, um dort die Aufenthaltsqualität und die Verkehrssicherheit für Fußgänger und Radfahrer zu optimieren. Verbessern lässt sich dann auch die Sicherheitssituation in der Zerrennerstraße, einer der Haupteinkaufsstraßen der Goldstadt, durch die täglich über 30 000 Kraftfahrzeuge rollen. "Für Fußgänger ist es schwierig, die Straße zu überqueren, nicht zuletzt wegen der breiten Fahrbahnen. Im Verhältnis dazu sind die Gehwege recht schmal, Radwege sind überhaupt nicht vorhanden", schildert Dürr. Im November beginnen die Arbeiten, die Straße zum fußgängerfreundlichen Stadtboulevard umzugestalten.

Zerennerstraße Pforzheim: heute Hauptverkehrsachse, morgen Stadtboulevard. Foto: Stadt Pforzheim
Zerennerstraße Pforzheim: heute Hauptverkehrsachse, morgen Stadtboulevard. Foto: Stadt Pforzheim

Für den VCD liegt der Schlüssel für mehr Sicherheit von Fußgängern in den Rathäusern vor Ort, in Händen der Kommunalpolitiker und Verkehrsplaner. Ein Stadtverkehrskonzept, das letztlich den Autoverkehr verringert und den "Umweltverbund" aus Radverkehr, Bussen und Bahnen sowie Fußgängerverkehr fördert, erhöhe die Verkehrssicherheit – und nebenbei auch die Lebensqualität in den Städten, so Lieb. Deshalb unterstützt der VCD etwa auch das Ziel der Stadt Stuttgart, den Autoverkehr um 20 Prozent zu reduzieren. Zwar hätten auch andere Städte wie Pforzheim ähnliche Konzepte in ihren Verkehrsentwicklungsplänen stehen. Doch Papier sei geduldig: Es gelte, diese auch ernsthaft umzusetzen, mahnt Lieb.

Im Internet preist die Stadt Pforzheim bereits den geplanten Stadtboulevard Zerrenerstraße. "Wer als Autofahrer direkt in die Innenstadt möchte, kommt auch weiterhin dorthin. Der Parkring führt Suchende gezielt zu Parkmöglichkeiten", heißt es an erster Stelle, welche Vorteile die Umgestaltung bietet.


Gefällt Ihnen dieser Artikel?
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!

Kommentare

Oli, 09.10.2014 09:59
Ich verzichte seit Jahren bewußt auf ein Auto um mich nicht weiter mitschuldig zu machen an der Zerstörung unserer Umwelt (Ölförderung, Feinstaub, CO²), am Töten von Menschen durch Öl-Verteilungskriege (Irak, Kuwait, etc.) oder Unfälle und an der extrem geldgierigen und rückständigen Haltung der Ölindustrie, Autoindustrie und des Bundes (Mineralölsteuer) der nicht ernsthaft versucht den Individualverkehr einzudämmen.
Heizen tue ich übrigens mittels Natursteinplatten (an der Wand) und mit Strom aus Schönau (nur für den Fall das hier Vorhaltungen kommen).
Der "Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV)" auf den ich angewiesen bin wird mit Billigung der Politik zunehmend schlechter (bis auf die großen Ballungszentren) und stellt Deutschland damit im 21. Jahrhundert ein Armutszeugnis aus und ist keine adäquate Alternative (was nicht so sein müsste aber gewollt).

Ich erzähle dass, da ich der Meinung bin, dass diese VCD-Studie nichts am grundsätzlichen Ausbau des Individualverkehrs in Deutschland ändern wird. Auch nicht an der grundsätzlichen Haltung der Kommunalpolitik zum Autoverkehr.
Kleines wahres Beispiel welches m.E. ein Offenbarunseid und gleichzeitig ein Armutszeugnis darstellt. Eine "große Kreisstadt" beruhigt die Durchgangsstrassen in ihren Teilorten mittels farbigem Fahrbahnbelag (Pflaster) und 20er-Zonen (!!) - so weit so gut. Schafft es aber nicht in den 20er-Zonen die rechts vor links Regel einzuführen! Macht das Sinn? Kann mir das jemand erklären?
Des Rätsels Lösung besthet darin, dass gewinnorientierte privaten Busunternehmen, die den rudimentären ÖPNV in diesen Gebieten betreiben (bezahlt vom Steuerzahler - z.B. Kommunen, Landkreis), die zeitlichen Taktungen für ihre Fahrer (die darunter leiden) so eng machen, dass sich selbst öfteres abbremsen - schauen - anfahren an rechts vor links Kreuzungen schon zu Verspätungen führt! Auch Schilder mit Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Landstrassen wurden entfernt (60 km/h), so dass die Busse jetzt mit satten 80 km/std (meist 90-100) rasen können.
Soviel zum Thema Autoverkehr, ÖPNV und die damit verbundene (Kommunal)Politik.
Was bitte schön sollen diese zwar gut gemeinten und durchaus sinnvollen Studien den grundsätzliches bewirken. Die Stadt Pforzheim bedankt sich artig für die Studie und gelobt Besserung (lokal begrenzt auf Pforzheim).
Den individuellen Durchgangsverkehr kosequent aus der "großen Kreisstadt" heraus zu halten traut sich die Kommunalpolitik in meinem kleinen Beispiel übrigens nicht bzw. will sie gar nicht! Es könnten ja ein paar "Unternehmen" protestieren!

By-the-way, 08.10.2014 22:46
Zitat:
"Die Schmuckstadt Pforzheim ist das gefährlichste Pflaster im Südwesten. "

Wie wahr!

Allerdings nicht nur den Autoverkehr betreffend, sondern vor allem den "GRÖPFATZ" (= grösstem Pforzheimer aller Zeiten),
Stefan Mappus!

Sehr unwahrscheinlich, dass dieser auch mal fußläufig im Städtle anzutreffen ist.

Leider!

Weil, ansonsten würde ich mir doch die Anschaffung des dicksten SUV´s überlegen, mit richtig Masse, und, natürlich Automatik-Version, könnte ja sein, dass man gelegentlich mal Brems- und Gaspedal verwechselt, vor Schreck, welches Polit-Monster da plötzlich vor der Kühlerhaube auftaucht.

Schuld ist hinterher natürlich der Fahrzeughersteller, weil das Gaspedal 2 mm zu wenig Abstand zum Bremspedal hatte, braucht man halt einen Anwalt aus USA, aber dank TTIP dürfte das dann gar kein Problem darstellen; was in USA geht, geht hier auch!
Da gibt´s noch Schadenersatz wegen psychischer Qualen für den armen Unfallpiloten.

Und die Statistik, dass Fußgänger gefährlich in Pforzheim leben, wurde eindrucksvoll bestätigt und stimmt auch wieder!
;-))

CharlotteRath, 08.10.2014 16:04
Man stelle sich vor: All die Telekom-Kästen und die Kundenstopper, die Gelben Säcke und der Sperrmüll, der Schilderwald und die Lampenpfosten, Bordstein 'rauf und 'runter, all die Hindernisse (einschließlich Falschparkern, Postzustellern, Handwerkern usw.) wären einmal nicht auf dem Gehweg. Sie müssen ja nicht gleich auf die Fahrbahn verschoben werden - auch wenn sich dann eine himmlische Ruhe in unseren Städten ausbreiten könnte :o).

Wie wäre es mit einer "Gehbahn" für Fußgänger? Womöglich sogar im Winter gleichmäßig geräumt und gestreut?

Heute wird die Nutzung des öffentlichen Raums vom Automobil klar dominiert (man vergleiche nur die Fahrbahnbreiten). Zur Schonung des heiligen Blechles rücken in Winterzeiten auch schon morgens um drei die Streufahrzeuge aus. Die weniger Mobilen (Kinder, Alte, Kranke ...) können selbst sehen, wo sie bleiben und sich privatim auf Glatteis die Haxen brechen. Ein seltsames Verständnis von sozialem Miteinander. In unseren deutschen Städten eine tägliche, nie in Frage gestellte Praxis.

Kommentar hinzufügen




CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.


* Pflichtfeld!

Letzte Kommentare:

Ausgabe 274 / Rebellion im Remstal / Kornelia, 01.07.2016 17:31
@Rolf Steiner Ich dachte mal, das mantraartige "Fortschritt Fortschritt über alles" sei ein Relikt der letzten Jahrhunderte! Ist "behutsam und nachhaltig" nur noch ein PR Wort für die Automobilindustrie? Tja wie man sich täuschen...

Ausgabe 274 / Nur Druck hilft / Horst Ruch, 01.07.2016 17:07
....ich frage mich auch, ob mit Molitor der richtige Diskutant für unabhängigen Qualitätsjournalismus ausgewählt wurde. Man denke nur zurück an seine "Schustergetreuen" Kommentare bei der "Geißler"schen Schlichtung 2010, während...

Ausgabe 274 / Rebellion im Remstal / Kornelia, 01.07.2016 16:36
@Rolf Steiner: wow! "NIcht umsonst haben wir eine "repräsentive Demokratie" " Nein, umsonst ist die garantiert nicht, sowohl die vielen postenausgaben, als auch der Unterhalt der Postenvertreter aber auch die Herkunft, die Historie der...

Ausgabe 274 / Rebellion im Remstal / Schwabe, 01.07.2016 16:20
"Um den Blick über das Remstal schweifen zu lassen, braucht es keine Aussichtsplattform. Außerhalb der baumbestandenen Hügelkuppe versperrt ohnehin nichts die Sicht. Und selbst mitten aus der Baumgruppe heraus fällt der Blick...

Ausgabe 274 / Rebellion im Remstal / Rolf Steiner, 01.07.2016 15:00
Korrektur: Ich hoffe, K e r n e n bringt den Mut auf, im Remstal einen weiteren Höhepunkt in der Architektur zu setzen.

Ausgabe 274 / Rebellion im Remstal / Rolf Steiner, 01.07.2016 14:55
NIcht umsonst haben wir eine "repräsentive Demokratie" . Wäre es in Ulm nach dem Bürgerentscheid gegangen, wäre die Donau-Stadt trotz Münster heute nicht so attraktiv und hätte in der Architektur-Geschichte ohne das Maier-Stadthaus...

Ausgabe 274 / Rebellion im Remstal / Schwabe, 01.07.2016 11:24
@Dieter Binder "Wir, die Befürworter, wollen diesen Steg nicht um uns ein Denkmal zu setzen, sondern einen Anziehungspunkt für unseren Ort bei der Remstalgartenschau erstellen, was ist daran so verwerflich?" Was daran verwerflich...

Ausgabe 274 / Rebellion im Remstal / Rolf Steiner, 01.07.2016 11:06
Mutlos so weitermachen? Manche scheinen an der Moderne zu verzweifeln und wünschen sich in die Steinzeit zurück. Nicht anders die alles Rückständig bewahren wollenden Pegida-Anhänger. In zehn Jahren wird sich diese Architektur zum...

Ausgabe 274 / Pflegefall Pflege / Dispater, 01.07.2016 08:39
Dürfte einmal Praktikum in einem Seniorenheim machen. Ständig laufen Leute, Putze, Pfleger, Praktikanten im Zimmer herum, ständig muss ich irgentwas essen und in der Küche sind sich die Herrschaften zu fein Kartoffeln zu schälen....

Ausgabe 274 / Rebellion im Remstal / regina, 30.06.2016 22:43
es ist absurd, in das naturdenkmal sieben-linden in kernen im remstal einen steg zu rammen. im sinne von nachhaltigkeit und beständigkeit sollte man stolz das zeigen, was man hat, die yburg mit den nuss-skulpturen, die trockenmauern mit...

Die KONTEXT:Wochenzeitung lebt vor allem von den kleinen und großen Spenden ihrer Leserinnen und Leser.
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!