KONTEXT Extra:
Auch Hermann will Maut verzögern

Wenn es nach den Grünen geht, wird die Landesregierung gemeinsam mit Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz oder dem Saarland versuchen, die Einführung der PKW-Maut über den Bundesrat noch zu verzögern oder gar zu verhindern. Verkehrsminister Winne Hermann kündigte einen entsprechenden Vorstoß an. Er habe bereits im Verkehrsausschuss des Bundesrats Position bezogen und insbesondere kritisiert, dass "die Grenzregionen schwer tangiert sind, ausgerechnet in Zeiten, in denen wir den europäischen Geist betonen wollen". Die "Bürokratie-Maut" passe nicht in die Zeit. Außerdem würden Milliarden eingenommen, Milliarden an deutsche Autofahrer wieder zurückgegeben und "vielleicht bleiben ein paar Millionen übrig".

Saarland, Rheinland-Pfalz oder NRW wollen den Vermittlungsausschuss zwischen Bundesrat und Bundestag anrufen, nachdem letzterer die Maut am Freitag beschlossen hat. Das Gesetz ist allerdings nicht zustimmungspflichtig, weshalb die Einführung der Maut auf diesem Wege lediglich verzögert werden kann. Allerdings könnte Verzögerung am Ende auch das Scheitern bedeuten, weil womöglich nach der Bundestagswahl im September die Karten ganz neu gemischt werden, und die CSU bisher bekanntlich die einzige Partei ist, die die Maut wirklich will. (24.3.2017)


Aras legt sich mit Erdogan an

Die Stuttgarter Grünen-Abgeordnete und Landtagspräsidentin Muhterem Aras hat die deutschtürkische Community aufgefordert, sich mit dem Verfassungsreferendum am 16. April kritisch auseinanderzusetzen. Von den Imamen wünscht sich die Stimmenkönigin ihrer Partei bei den Landtagswahlen 2016, dass die "in den Freitagspredigten zu einem respektvollen und fairen Umgang miteinander aufrufen und die hier geltenden Werte von Meinungs-, Presse- und Religionsfreiheit entschieden weitergeben". Sie selber verzichte derzeit auf Reisen in die Türkei, "weil ich nicht weiß, ob ich mich dort frei bewegen könnte". Zugleich müssten sich Demokraten weigern, sich zu Feinden der Türkei machen zu lassen. Aras nutzte eine Landtagsdebatte zum 60. Geburstag der EU auch zu scharfer Krtik am türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, weil der "auf das Infamste" gebaute Brücken wieder einreißen und die Gesellschaft spalten wolle. Von den Vertretern AKP-naher Institutionen erwartet die Grüne eine öffentliche Distanzierung von den "die Opfer verhöhnenden Nazivorwürfen". Im Südwesten dürfen insgesamt rund 230 000 Türken am Referendum teilnehmen – und zwar vorab: Die Wahl beginnt bereits am 27. März und endet am 9. April. (22.3.2017)

Mehr zum Thema: "Meister der Feindbilder", "Unverschämt und dumm"


Stuttgart 21: Aktionsbündnis warnt Aufsichtsrat

Drei Tage vor einer Sitzung des DB-Aufsichtsrats verlangt das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 erneut eine "faktenehrliche Bestandsaufnahme". Sollte sich der Aufsichtsrat wieder um die Auseinandersetzung drücken oder gar unbeirrt den Weiterbau beschließen, so Eisenhart von Loeper, schädige er wider besseres Wissen das Vermögen der Deutschen Bahn AG. "Das würde", erklärt der Bündnissprecher weiter, "den Tatbestand der Untreue erfüllen." Eine strafrechtliche Aufarbeitung sei die Konsequenz; darauf habe das Bündnis zuletzt am 11. März 2017 den Aufsichtsrat per Brief hingewiesen.

Ihren Appell richten die Stuttgart-21-Gegner nicht nur an den Vorsitzenden des Aufsichtsrats Utz-Hellmuth Felcht, sondern auch an den designierten Vorstandsvorsitzenden Richard Lutz. Als erstes sei "eine Bestandsaufnahme der ungelösten Probleme und hohen Risiken notwendig, die sich an den Realitäten und nicht an den Gesichtswahrungsproblemen der politisch Verantwortlichen orientiert". Von Loeper argumentiert damit, dass sich das Projekt "jenseits aller wirtschaftlichen Rationalität bewegt", und mit dem weiter offenen Brandschutz. Außerdem solle der Aufsichtsrat "endlich zur Kenntnis nehmen, dass sich die DB mit S 21 einen Dauerengpass für viel Geld baut, der den Bahnverkehr behindert und den viel beschworenen Deutschlandtakt im Südwesten irreversibel unmöglich macht". Nach der Devise "Politik beginnt mit der Kenntnisnahme der Realität" will das Aktionsbündnis den neuen Bahnchef zu Gesprächen einladen, bei denen sie ihm auch die von der Bürgerbewegung entwickelten Alternativen zum Weiterbau erläutern wollen. Deren "ernsthafte Prüfung" wünscht sich nach einer repräsentativen Umfrage von infratest dimap in Baden-Württemberg sogar eine Mehrheit der Projektbefürworter. (19.3.2017)

Mehr zum Thema: "Bahnfeinde im Bahnvorstand"


IHK will nicht mehr gegen Kakteen polemisieren

Auch ein Vergleich kann ein Erfolg sein: Vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart akzeptierte die IHK Region Stuttgart die Feststellung, dass sie in der Vergangenheit mit Angriffen gegen die IHK-Rebellen der Kaktus-Initiative ihre Kompetenz überschritten hat. Stein des Anstoßes waren zwei IHK-Pressemitteilungen, in denen Hauptgeschäftsführer Andreas Richter gegen die Kakteen polemisiert habe, so Kaktus-Mitglied Klaus Steinke, der in der Folge Klage eingereicht hatte.

Konkret einigten sich die Streitparteien am heutigen Donnerstag, den 16. März, auf folgenden Vergleich: Die IHK Region Stuttgart erklärt, "dass ohne Beratung und Beschlussfassung durch die Vollversammlung keine weiteren öffentlichen Äußerungen der IHK und ihrer Organe über Binnenkonflikte, die keine wirtschaftspolitischen Positionen betreffen, abgegeben werden", und dass es den beiden strittigen Pressemitteilungen "an einer solchen Beratung und Beschlussfassung mangelte". Außerdem trägt die IHK trägt die Kosten des Verfahrens von 5000 Euro.

Für Steinke ist es "ein gutes Ergebnis, weil es die Transparenz innerhalb der IHK stärkt, und weil es deutlich die Frage artikuliert, was Geschäftsführer und Präsident dürfen und was nicht". Zwar wäre es, so Steinke, spannend gewesen, wenn das Gericht in einem Urteil Grundsatzregeln für die Öffentlichkeitsarbeit der IHK aufgestellt hätte. Aber er sei mit dem Vergleich zufrieden, "weil es mir in der Sache nicht darum geht, zu siegen, sondern eine Veränderung innerhalb der IHK zu bewirken". Zudem habe das Ergebnis, so hofft Steinke, auch "eine Signalwirkung auf andere IHKs".

Die Kaktus-Initiative, 2011 gegründet, kritisierte in den letzten Jahren immer wieder intransparente Wahlverfahren und die offizielle Pro-Haltung der IHK zu Stuttgart 21. (16.3.2017)

Mehr zum Thema: "Rebellen im Weinberghäusle" und "Die IHK wackelt nicht".


Afghanistan-Rückkehrer bekommt zweimonatiges Arbeitsvisum

Es ist ein kleines Wunder. Denn trotz der mannigfaltigen Unterstützung in den vergangenen Wochen, glaubten nicht viele seiner Freunde wirklich daran, dass der Zahnarzt Ahmad Shakib Pouya, der in einem französischen Krankenhaus in Herat gearbeitet hat, zurück in die Bundesrepublik kommen kann. Pouya war in seiner früheren Heimat von den Taliban bedroht, floh 2010 nach Deutschland. Hier war er einer der Hauptdarsteller in der vielbeachten Produktion der Mozart-Oper "Zaide" und hatte eine doppelte Zusage auf Festanstellung – vom Münchner Gärtnerplatztheater und der IG Metall. Dennoch wurde er zur Abschiebung vorgesehen, weshalb er am 20. Januar 2017 ausreiste. Seither machten seine Unterstützer vom im Mai 2014 gegründeten Stuttgarter Verein "Zuflucht Kultur. Entweder. Oder. Frieden." bundesweit auf sein Schicksal aufmerksam. Auch mit einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), mit der Bitte um "ein Visum und ein langfristiges Bleiberecht als wertvoller Bürger unseres Landes".

Jetzt kam die gute Nachricht. Der 33-Jährige kann für zwei Monate zurück nach Deutschland. Mitausschlaggebend dürfte ein Schreiben von Georg Podt gewesen sein, dem Intendanten des kommunalen Münchner Kinder- und Jugendtheaters "Schauburg", der Pouya in einer Neuinszenierung von Rainer Werner Fassbinders "Angst essen Seele auf" als Hauptdarsteller besetzt hat. Die Proben sollen in der kommenden Woche beginnen, Premiere wird am 22. April sein. Mitte Mai läuft das Visum aus. Pouya will gemeinsam mit dem Verein die Zeit nutzen, um das angestrebte dauerhafte Bleiberecht zu bekommen. Die Chancen stehen angesichts der 2015 eigentlich gelockerten Regelungen gar nicht so schlecht. Allerdings werden die nach den Erkenntnissen von Pro Asyl oder dem Flüchtlingsrat viel zu selten von den Behörden angewandt.


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Ausgabe 209
Editorial

Auf welcher Seite stehst du?

Von unserer Redaktion
Datum: 01.04.2015

Der Lokalchef der "Stuttgarter Nachrichten", Jörg Hamann, wechselt zur Deutschen Bahn. Den Blättern vor Ort war es eine dürre, von dem Staatskonzern formulierte Meldung wert. Sonst war Schweigen im Blätterwald. Ist nur ein Sack Reis umgefallen oder zucken wir mit den Schultern: business as usual?

Die coole Variante: Kein Problem, mehr Geld für die gleiche Arbeit, nur die Gehaltsabrechnungen tragen einen anderen Absender. Und wenn man die Lage im Stuttgarter Pressehaus betrachtet, ist es ein Jobwechsel mit einer Perspektive, die der Journalismus (angeblich) nicht mehr bietet.

Die empörte Variante: Moralisch verwerflich, Verrat an einem Beruf, der für Aufklärung, Kontrolle und Bemühen um Wahres steht. Also genau jenes leisten sollte, was in den PR-Abteilungen der neuen Arbeitgeber nicht zum Kerngeschäft gehört. Wolfgang Dietrich, Hamanns Vorgänger, lässt grüßen.

In dieser Bandbreite ist das Thema zu diskutieren, weil es an den Grundfesten eines Berufsstandes rüttelt, der eben nicht mit Seifen handelt. Sondern mit Informationen, Analysen und Kommentaren, denen eine demokratische Öffentlichkeit trauen kann. Dazu braucht es kritische und unabhängige Medien und JournalistInnen, die dafür arbeiten.

Kontext hat den Fall Hamann zum Aufmacher gewählt. Nicht, weil die Person wichtig wäre, sondern weil sie eine Symbolfigur ist für eine fatale Entwicklung. Für die Beliebigkeit einer Profession, in der es ganz normal erscheint, ins andere Lager zu wechseln, Hauptsache das Konto stimmt. Für die Ignoranz in den Verlagshäusern und Rundfunkanstalten, die sich als Warenhäuser verstehen und wundern, dass ihre Produkte immer weniger Kunden finden. Aber immer noch sagen sie, die Glaubwürdigkeit sei ihr höchstes Gut. 

Der Medienjournalist Hans Hoff, ein profunder Kenner der Materie, hat daraus seine Konsequenz gezogen. Er will sich aus diesem Gewerbe verabschieden, weil der Journalismus "nicht mehr existiert", weil er eine "tote Hülle" und Moral das ist, "was Klicks bringt". Eine bittere Erkenntnis, aber vielleicht auch ein Weckruf für alle, die schon am Bahnsteig warten.

Hoff bezieht sich, als letzten Auslöser, auf die Berichterstattung über den Airbus-Absturz. Genauso wie Thomas Rothschild, der die Heuchelei der politischen Trauer und das Verhalten der medialen Transporteure kritisiert. Das PEN-Mitglied schreibt, dass sich jene, die über das Flugzeugunglück berichtet haben, bald wieder "wichtigeren Themen" zuwenden würden: Dem Abspeckprogramm für Hund und Herrchen oder der Scheidung von Bettina und Christian Wulff. Auch diese beiden Texte mussten in Kontext stehen, egal wie egal es dem Zeitgeist ist.

"Ihr schon wieder"

Präsidial könnte man es nennen, wie OB Fritz Kuhn am Montag die zehn Aktenordner mit mehr als 20 000 Unterschriften in Empfang nahm, die ihm die Initiatoren eines Bürgerbegehrens um Christoph Engelhardt, Betreiber der Internet-Plattform wikireal.org, übergaben. Der neue Bahnhof leiste deutlich weniger als der Bestehende, argumentieren die Projektgegner.

Kuhn mit Unterschriften. Foto: Ulli Fetzer
Kuhn mit Unterschriften. Foto: Ulli Fetzer

"Ich erkenne die Mühe so vieler Unterschriften an", sagte das Stadtoberhaupt in nonchalantem Verwaltungssprech. Heißt übersetzt wahrscheinlich so viel wie: "Ihr schon wieder". Da sich Herr Kuhn in der Sache aber gewohnt zurückhaltend gibt, verweist er auf den Gemeinderat, der jetzt entscheiden soll, ob er ein Bürgerbegehren zulässt. Eine Positionierung des OB im Vorfeld würde dem entgegenstehen, meint Kuhn, qua Amt immerhin stimmberechtigter Vorsitzender des Gemeinderats.

Gut möglich, dass es so weit aber gar nicht erst kommt. Die Initiatoren rechnen damit, dass der Gemeinderat sich zunächst ein Rechtsgutachten über die Zulässigkeit eines Bürgerentscheids einholt. Im Falle einer Nicht-Zulassung sei der Rechtsweg offen. OB Kuhn wird die Gegner halt einfach nicht los.

Tine ist tot

Für uns von Kontext ist das Café Stella zwei Stockwerke drunter so etwas wie unsere Kantine. Dort trinken wir einen schnellen Cappucino vor Arbeitsbeginn, weil er besser schmeckt als der Filtercafe in der Redaktion. Dort treffen wir Informanten zum Gespräch und essen auch mal ein veganes Süppchen. Und immer, fast immer, war da Tine mit den auffälligen, blonden Zöpfen unter dem Kopftuch, die den Cappucino mit einem fröhliches Wort garnierte oder das Bier mit einer freundlich-frechen Bemerkung. Klar, dass sie jeden mit Namen kannte und persönlich begrüßte. Sie wusste, wann wir besonders gestresst waren (am letzten Produktionstag am Dienstag), sie interessierte sich für unser Überleben, wenn das Geld mal wieder besonders knapp war. Vielleicht auch, weil sie das aus eigener Erfahrung kannte.

Am vergangenen Freitagmorgen ist Tina Raetzer nach einem Herzinfarkt gestorben. Sie wurde 46 Jahre alt. Dass sie die Seele das Café Stella war und noch viel mehr, hat Joe Bauer in seinem Nachruf Zum Tod von Tine, nachzulesen in seinen Depeschen eindrücklich beschrieben. Tine wird uns in unserer Kantine Stella fehlen.


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Kommentare

Schwabe, 07.04.2015 10:58
@Fred Heine, Invinoveritas, Sandra, Ignaz Wrobel und ähnliche
Falls Sie es noch nicht gemerkt haben sollten: Die Informationen zu S 21 sprechen gegen das Projekt - insofern haben Sie alle Recht.

Ignaz Wrobel, 07.04.2015 00:27
" Es wurde in über 200 Kontext-Ausgaben noch kein einziger Artikel über S21 geschrieben. Aber fast 1000 gegen S21."

- das letztere setzt das erste vorraus. Siehe HEGELsche Trias

"Herr Schwabe wird den Unterschied nicht erkennen."

- "Kas-Sandra " der Tunnelwelten u. Brandgasdematerialisierer ?
Oder woher nehmen Sie Ihre Gewissheiten ?

Dann häufen sich die " man " und " ihr ".
Alles bleibt faktenleer,simplifizierend und ad hominem "argumentierend ".
Irgendwie verdächtig similar zu Ergüssen selbsternannter Diplomierter aus der Truppe der ubiquitär die S-21-Threads in der STZ bevölkernd.
Franzisken sprach den Segen über vermeintlich Gottgewolltes urbi ohne orbi, da nicht der römische gemeint ist.

Udo Cronauge, 06.04.2015 17:27
>> Aussagen Engelhardts << sind wissensbasiert:
Bei den der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemachten Aussagen Engelhardts geht geht es gerade nicht um ein möglichst ausgleichendes Lavieren von allen möglichen pro und contra Stuttgart 21 Meinungen. Denn die objektive Wahrheit-22 hinter dem weitverbreiteten Irrtum-21 läßt sich wohl nicht einfach mit einer nur die extremen pro und contra Standpunkte ausbügelnden Berichterstattung ergründen. Denn auch ein allgemein verkäuflicher Durchschnitts-Irtum-21 bleibt mehr oder weniger ein Stuttgart-21-Irrtum.
Zur Findung der Wahrheit-22 bedarf es demzufolge einer geeigneten Methode-22. Mittels des von Engelhardt ins Leben gerufene Faktencheck-Portals WikiReal.info +++ https://www.qwant.com/?q=WikiReal.info +++ scheint es nun möglich, daß ein fundierter Erkenntnis-Sprung-22 über die Irrtumsbarriere-21 gelingt.

Sandra, 06.04.2015 11:49
Herr Hein trifft den Nagel auf den Kopf. Es wurde in über 200 Kontext-Ausgaben noch kein einziger Artikel über S21 geschrieben. Aber fast 1000 gegen S21.
Herr Schwabe wird den Unterschied nicht erkennen.
Und weil man wenig seriöse Argumente gegen das Zukunftsprojekt findet schreibt man eben jahrelang die Aussagen eines Dr. Engelhardt oder sonstiger Bahn-Laien nieder. Jeder der in der Glaskugel Argumente gegen S21 findet darf mal ran.
Und das nennt man dann Qualitätsjournalismus. Ohne jede Ironie.
Und verzweifelt sieht man dass die Baustellen ohne Probleme laufen. Meist sogar schneller als geplant. Die Risiken (bei jeder Großbaustelle gibt es ein Risikomanagement. Nur Kontext macht daraus einen Skandal) treten weniger ein als erwartet.
Wie wäre es mal mit einem Artikel in dem man sich über alle ausgebliebenen Vorhersagen entschuldigt?
Recherchiert mal eure eigenen Artikel und schaut mal wieviel % Realität geworden sind.
Das wäre (selbst-) kritischer Qualitätsjournalismus.

F. Fischer, 05.04.2015 18:36
Bei Fred Heine ist und war halt nie so ganz transparent, inwieweit ihm seine Anbiederungen bei der DB AG berufliche Vorteile bringen oder er sich das zumindest erhofft. Man sollte ihn daher nicht wirklich Ernst nehmen. Das so jemand natürlich an Hamann und Konsorten und deren fadenscheinigem Pseudojournalismus keinen Anstoß nimmt, vielmehr zu hahnebüchenen Pseudogegenattacke auf KONTEXT bläst, braucht kaum verwundern. Ich rate, solche fragwürdige Figuren ... wie auch angebliche Weinhellseher, deren Feigheit und Namen schon alles sagen ... einfach zu ignorieren.

treffler, 04.04.2015 22:51
Ach Herr Heine ...

"Die Stuttgarter Nachrichten (wie im Übrigen auch die Stuttgarter Zeitung) haben zu Beginn der großen Proteste klar gemacht, wie sie zu dem Projekt stehen."

Ja genau und zwar konsequent und marktschreierisch befürwortend, etwa bei der Benennung dieses Milliardengrabs als "unumkehrbar" , gerne wissentlich oder unwissentlich Halbwahrheiten verblasend und teils polemisch übergriffig, wie beim Ansäfteln von Kritikern als "Kretschmanns Chaoten im Park". Die Belohnung bekommt die Mietfeder jetzt direkt von der Bahn, nicht mehr über den Umweg Mitteilungsblatt StN.

"Aber auch, was sie unter journalistischer Sorgfaltspflicht verstehen."

Ja genau, lobhudelnde PR-Texte zu verfassen und für S21 Stimmung zu machen. Siehe oben.

"In diesem Sinne haben sie umfassend und größtenteils aus objektivem Blickwinkel über die vielfältigen Aspekte dieses Projekts berichtet."

Guter Witz, aber ich nehme an, Sie meinen das völlig ernst? Objektiv ist, was S21 nützt...

invinoveritas, 04.04.2015 19:38
Das kommt bestimmt von dieser bürgerlich-neoliberalen Selbstentfremdung der Gesellschaft, dass Schwabe, kaum hat er "Ein guter (...) Journalist schreibt nicht für oder gegen S 21 - er informiert über S 21" hinausposaunt, seine Urheberschaft für diese profunde, von intimer Sachkenntnis zeugende Belehrung schon wieder vergisst. Mannomann.

Ignaz Wrobel, 04.04.2015 17:39
" Die Stuttgarter Nachrichten (wie im Übrigen auch die Stuttgarter Zeitung) haben zu Beginn der großen Proteste klar gemacht, wie sie zu dem Projekt stehen. Aber auch, was sie unter journalistischer Sorgfaltspflicht verstehen. In diesem Sinne haben sie umfassend und größtenteils aus objektivem Blickwinkel über die vielfältigen Aspekte dieses Projekts berichtet." ( Zitat Fred Heine ).

Ein Anderer, der im Wein die Wahrheit vermutet , diofferenziert zwar wahrheitsgemäß nach Berichten, Leitartikeln und Kommentaren , verschweigt aber , wie aktuell o.g. Publikationen AUCH Meinung machen können : Durch Unterlassung oder Präferierung.

Aktuell in der Stuttgarter Zeitung zu S- 21-Artikeln :
Über 24 Stunden ausschließlich Freischaltung von Kommentaren einer Sichtweise. Ob die nun Wendel, Weber, Zahn Adler, Biberle oder Kruse getauft werden. Meine Kommentare erreichen seit 10 Tagen nur noch den Server, dann versickern sie beim Empfänger. Aber ausschließlich dort. Aus der Welt sind sie deshalb nicht.

Fred Heine, 04.04.2015 11:11
Da regen sich gerade die Richtigen auf. Die Stuttgarter Nachrichten (wie im Übrigen auch die Stuttgarter Zeitung) haben zu Beginn der großen Proteste klar gemacht, wie sie zu dem Projekt stehen. Aber auch, was sie unter journalistischer Sorgfaltspflicht verstehen. In diesem Sinne haben sie umfassend und größtenteils aus objektivem Blickwinkel über die vielfältigen Aspekte dieses Projekts berichtet.

Kontext-Wochenzeitung ist dagegen als Meinungsblatt der S21-Gegner gegründet worden. Man gibt sich als "Zeitung", berichtet vermehrt auch über andere landespolitische Themen. ÜBER Stuttgart 21 wurde hier jedoch nie eine einzige Zeile geschrieben, sondern immer nur GEGEN Stuttgart 21. Kein Wunder, dass sich die Leser hier nach der verlorenen Volksabstimmung fassungslos die verheulten Augen rieben.

Kein Wunder auch, dass man vor einem solchen Hintergrund jede neutrale Berichterstattung als Angriff und jeden neutralen Beobachter als Feind betrachten muss.

Was könnte einen Stuttgarter Bürger dazu bewogen haben, bei der VA mit Nein zu stimmen? Im traditionell roten bzw. grünen S-Wangen (meinem Wohnort) waren es fast 7 von 10? Kein Wort darüber auf dieser Seite hier! Wäre es nicht auch in Ihrer journalistischen Verantwortung, Ihre Leser darüber zu informieren. Wie gesagt, ich spreche nicht vom großbürgerlichen Killesberg!

Kontext-Wochenzeitung ist ein Tendenzblatt. Daran ist auch gar nichts auszusetzen, sofern man sich offen dazu bekennt. Bloß sind das halt nicht alle anderen Zeitungen auch. Nur weil Ihnen eine andere Wahrheit nicht passt, muss sie keine Lüge sein.

Wer Ausgewogenheit nicht ertragen kann, der sollte wenigstens seinen Geifer zurückhalten.

Schwabe, 04.04.2015 09:56
Lieber Invinoveritas,
In Sandras Kommentar geht es - eigentlich für jeden offensichtlich - nicht explizit um die Unterscheidung "Berichterstattung" oder "Meinungsbeitrag" (Kolumne). Wie sie darauf kommen bleibt wohl Ihr Geheimnis.

Vor kurzem hat jemand als Reaktion auf einen Artikel von Ihnen gefragt "Hat denn noch keine Besenwirtschaft auf?" - fand ich ganz witzig. Ich hab mir dann nur gedacht: Da kommt er gerade her!

Frohe Ostern

invinoveritas, 02.04.2015 22:15
An diesem nur scheinbar abgeklärten Hinweis von Schwabe an Sandra merkt man, dass er - entgegen dem Eindruck, den er immer wieder zu erwecken versucht - von Journalismus keinen blassen Schimmer hat.
Von Leitartikeln und Kommentaren, in denen der Autor nicht berichtet, sondern Stellung bezieht, hat er offenbar noch nix gehört.
Und weil es dieses Genre nun mal gibt und es obendrein ein legitimes ist, liegen alle daneben, die von Journalisten
"Neutralität" einfordern.

Kleines Einmaleins:
B e r i c h t e t werden im Sinn von Informationsvermittlung soll so objektiv und fair wie möglich (subjektive Einflüsse sind aber unvermeidlich; achtzig Zeitungszeilen beispielsweise über eine halbstündige Pressekonferenz enthalten zwangsläufig subjektive Faktoren bei der Auswahl dessen, was erwähnt oder eben weggelassen wird; mit Manipulation, wie so oft unterstellt, hat das noch gar nichts zu tun).
M e i n u n g s a r t i k e l dürfen und sollen sogar klarmachen, dass und warum der Autor beispielsweise für oder gegen S 21 ist. Und anderntags, man denke, darf derselbe Autor oder ein anderer wieder einen investigativen Artikel zum selben Thema verfassen. Und da kann und darf, man denke nochmal, die Tendenz des einen Artikels gegenläufig sein zu der des andern.

Schwabe, 02.04.2015 18:13
"Auf welcher Seite stehst Du"
Liebe Sandra,
Ein guter und redlicher (investigativer) Journalist schreibt weder für noch gegen S 21 - er informiert über S 21. Ich wünsche mir das Sie den Unterschied erkennen.

"Tine ist tot"
Schließe mich dem herzlichen Beileid von Cindy an (01.04.2015, 14:56)

Sandra, 02.04.2015 13:51
Ach ist das kindisch:
"..die empörte Variante: Moralisch verwerflich, Verrat an einem Beruf, der für Aufklärung, Kontrolle und Bemühen um Wahres steht...."

Und dafür soll etwa Kontext stehen?
Das Blatt das niemals einen neutralen, wahren Bericht zu S21 schreiben würde weil es sonst keine Spenden mehr bekommen würde.
Die Welt ist einfach:
Ein guter und redlicher Journalist schreibt gegen S21.
Und wer die Wahrheit schreibt, z.B. dass alle 16 Stuttgarter Baustellen problemlos laufen und die Kontextartikel der Vergangenheit jeder Grundlage entbehrten, der ist ein Verräter.
Kinderparty....

Insider, 02.04.2015 11:15
Der eine Journalist wechselt zur Bahn, andere wechselten zum Staatsministerium. Möglicherweise gibt es nach der nächsten Landtagswahl wieder berufliche Wechsel bei den Journalisten.

maguscarolus, 01.04.2015 17:08
Was soll man sich über solche Wechselbälger noch wundern? So verkommen wie unsere politischen "Eliten" sind – wer möchte da beiseite treten bei solchen Chancen? Und bekanntlich stinkt Geld ja auch nicht mehr, sobald es auf dem Konto ist.

Cindy, 01.04.2015 14:58
Vielen Dank an die Redakteure, hoffentlich bringt das diesmal was, man könnte schon fast verzweifeln über soviel verbrecherische Ignoranz.

Cindy, 01.04.2015 14:56
Leider konnte ich Tine nie kennenlernen, aber nach Eurer Beschreibung war sie sicherlich eine ganz liebe Seele. Ihr Tot geht mir irgendwie sehr nahe, schon weil meine 5 Kinder zwischen 44 und 50 Jahren sind. Der Gedanke, dass eines davon vor mir gehen müsste macht mich sehr traurig.
Herzliches Beileid den Angehörigen und dem Kontext Team.

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