KONTEXT Extra:
S 21-Bürgerbegehren in der nächsten Runde

Bei neun Gegenstimmen und sechs Enthaltungen hat der Stuttgarter Gemeinderat die beiden Bürgerbegehren zu Stuttgart 21 abermals als rechtlich nicht zulässig abgelehnt. Hannes Rockenbauch, der Sprecher von SÖS/Linke-plus, bewertet die Darlegungen der Mehrheit als nicht schlüssig. Gerade die Tatsache, dass die Bahn jetzt vor Gericht ziehe, sei Beleg für den Entfall der "Geschäftsgrundlage zur Finanzierung von Stuttgart 21". Der Gutachter der Stadt, Christian Kirchberg, argumentiert mit Blick auf "Storno 21", dass eine Veränderung der Kostensituation nach dem Willen der Vertragspartner "gerade nicht zu einem Ausstieg aus dem Projekt führen sollte". Für diesen Fall sei vielmehr die Sprechklausel vereinbart worden, die aber nur das Land und die Bahn betrifft. Für das Bürgerbegehren "Ausstieg der Stadt Stuttgart aus S 21 aufgrund des Leistungsrückbaus" sieht Kirchberg ebenfalls keinen Wegfall, vielmehr "würde sich die Stadt vertragsbrüchig verhalten, wenn sie die Verträge kündigte". Die Leistungsfähigkeit des Schienenverkehrs - Hauptanliegen des angestrebten Bürgerbegehrens - falle nicht in die kommunale Zuständigkeit. Daher, so Kirchberg, "wäre die Stadt auch gar nicht berechtigt". Der Gemeinderat hatte die Bürgerbegehren im Sommer 2015 schon einmal abgelehnt. Die Initiatoren widersprachen. Mit der Mehrheit von 42 Stimmen wurde am Donnerstagabend festgesstelllt, "dass diesen Widersprüchen nicht abgeholfen werden kann", wie es in der Pressemitteilung der Stadt heißt. Nun würde die Entscheidung dem Regierungspräsidium Stuttgart vorgelegt. Gegen einen Widerspruch sei dann der Klageweg eröffnet. (09.12.2016)


Räuberpreis für Wolfgang Niedecken

Der Whistleblower Edward Snowden hat ihn verliehen bekommen, ebenfalls die Initiative "Wunsiedel ist bunt - nicht braun" für den Spendenmarsch "Rechts gegen Rechts". In diesem Jahr ging der "Widerstandspreis der Freunde der Räuberhöhle" an Wolfgang Niedecken, Frontmann von BAP – für mehr als 40 Jahre konsequenten Einsatzes für Toleranz und gegen Rechts.

Seit zwei Jahren verleiht die antifaschistische Gruppe rund um den Aktivisten Made Höld und die linke Szene-Kneipe "Räuberhöhle" in Ravensburg den Preis an Personen, die sich im Sinne einer bunten und gerechten Gesellschaft engagieren. Der Widerstandspreis selbst ist geklaut: Bis 2010 haben sich Rechtsradikale gegenseitig damit ausgezeichnet, dann kaperten Höld und seine Räuber die Auszeichnung von links.

Made Höld ist der wohl bunteste Hund in ganz Oberschwaben. Immer wieder machen er und seine Bande mit durchdachten und öffentlichkeitswirksamen Aktionen auf sich aufmerksam. Höld bewarb sich einmal als Landrat, um den Filz aufzuzeigen, der bei dieser Wahl vorherrscht. Er und seine Gruppe organisierten eine digitale Menschenkette gegen Rechts und boten Edward Snowden exterritoriales Asyl in ihrer Kneipe an. (8.12.2016)


Kretschmann Schirmherr für 199 kleine Helden

Ihr Dokumentarfilm hat bei drei Kinderfilmfestivals Preise abgeräumt, zuletzt in Chicago. Klar, dass sich die Regisseurin Sigrid Klausmann über diese Auszeichnungen freut. Seit Jahren begleitet die Stuttgarterin für ihr Filmprojekt "199 kleine Helden" Kinder weltweit auf ihrem Schulweg. Sie redet mit ihnen über ihre Ängste und Wünsche und darüber, wie sich die kleinen Protagonisten die Zukunft vorstellen. Daraus hat Klausmann den preisgekrönten Dokumentarfilm "Nicht ohne uns!" gemacht. Bereits diesen Sonntag (4.12.) wird er im Stuttgarter Metropol Kino gezeigt (16 Uhr), der offizielle Kinostart ist am 19. Januar.

Dass Stuttgart so früh dran ist, liegt mit daran, dass der Stuttgarter OB Fritz Kuhn die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen hat. Zusammen mit der Schauspielerin Senta Berger, die sich nun allerdings altersbedingt zurückzieht. Demnächst werden Sigrid Klausmann und ihre kleinen Helden neue Schirmeltern bekommen: Winfried Kretschmann und Hannelore Kraft, die Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Beide Länder unterstützen die kleinen Helden über ihre Landesfilmförderung.

Die Stuttgarter Preview am Sonntag wird ein Familienfest werden. Die Regisseurin Sigrid Klausmann wird ebenso vor Ort sein wie ihr Mann Walter Sittler (Produzent) und die Tochter Lea. Die Musikerin hat den Titelsong zum Film der Mutter komponiert. (2.12.2016)


Im Hajek-Haus soll wieder Feuer brennen

Das Trauerspiel um das Hajek-Haus mag jetzt zumindest die Fraktion SÖS/Linke/Plus nicht mehr mit ansehen. Sie will, per Antrag im Stuttgarter Gemeinderat, dass die Stadt das Kultur-Denkmal "vor dem Verfall" rettet. Wie in Kontext ausführlich berichtet steht die Villa an der Hasenbergsteige 65 seit dem Tod des Bildhauers (2005) leer. Vor fünf Jahren kaufte sie der Möbelfabrikant Markus Benz und ließ sie – Denkmalschutz hin oder her – entkernen. Das wiederum gefiel den behördlichen Denkmalschützern nicht, die sich auf den Gerichtsweg machten, bis heute ohne Ergebnis.

Und seitdem rottet das Haus in bester Halbhöhenlage vor sich hin. Die kulturpolitische Sprecherin der Fraktionsgemeinschaft, Guntrun Müller-Enßlin, vermutet, dass der Möbelmensch auf einen Abriss, und damit eine "verdeckte Immobilienspekulation" hin arbeitet. Stadträtin Laura Halding-Hoppenheit erinnert an die Tradition des Hauses, in dem auch schon Willy Brandt Rotwein trank. Die Villa sei ein Treffpunkt für Menschen gewesen, die etwas bewegen wollten, und dieses "Feuer muss weiter brennen", sagt sie.(30.11.2016)


Das Geschäft mit Waffen läuft

Heckler & Koch hat einen Großauftrag erhalten und wird französische Soldaten aller drei Teilstreitkräfte ab 2017 zehn Jahre lang mit 100 000 Sturmgewehren vom Typ HK 416 ausstatten. Es soll um ein Volumen von 300 Millionen Euro gehen. Der Rüstungsauftrag, heißt es in Paris, werde "die soliden Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich im Verteidigungssektor und besonders in der Rüstungsindustrie" stärken. Die Nachbarn stehen also auf der Liste der sogenannten "grünen Länder", denn – immerhin – nur die sollen weiter beliefert werden.

Am Montagmorgen wurde bekannt, dass der Oberndorfer Waffenhersteller Neugeschäfte allein mit Staaten abschließen will, die demokratisch und nicht korrupt sind. Nach einer Meldung der Deutsche-Presse-Agentur würden damit Kunden wie Saudi-Arabien, Mexiko, Brasilien, Indien oder die Türkei wegfallen. Alte Aufträge sollen allerdings abgewickelt werden, gerade auch mit den Saudis. Das Unternehmen wartet aktuell auf die Genehmigung deutscher Behörden zur Ausfuhr unter anderen von Bauteilen für eine Gewehrfabrik.

Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte bei seinem Auftritt kürzlich auf dem Bundesparteitag der Grünen in Münster ausdrücklich die Politik in der Pflicht gesehen: "Wohin wir exportieren, das muss die Politik entscheiden." Zugleich machte er klar, dass es für sein Unternehmen um 3500 von 100 000 Trucks gehe. Appelle, freiwillig auf deren Verkauf zu verzichten, verhallten bisher ungehört. (28.11.2016)


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Schweizer Franken: bald "sicherstes Geld der Welt"?

Schweizer Franken: bald "sicherstes Geld der Welt"?

Ausgabe 166
Überm Kesselrand

Den Banken den Hahn zudrehen

Von Martin Ebner
Datum: 04.06.2014
Am 7. Juni startet mit einem Fest in Zürich eine Schweizer Volksinitiative, die mit einer Verfassungsänderung den Spekulanten den Hahn zudrehen und den Schweizer Franken zum "sichersten Geld der Welt" machen will.

Heute hat der Staat das alleinige "Recht zur Ausgabe von Münzen und Banknoten". Nach den Reformern soll in dieser Vorschrift künftig außerdem "und Buchgeld" stehen. Die Folge dieser kleinen Ergänzung wäre eine Revolution des Finanzwesens: Als erstes Land würde die Schweiz die Vollgeld-Theorie verwirklichen und auch das elektronische Geld zum voll gültigen gesetzlichen Zahlungsmittel machen. Vor allem die Geschäfte der Investmentbanker würden davon empfindlich getroffen.

Zentrum der Schweizer Bankenwelt: Paradeplatz in Zürich. Foto: Andreas Praefcke
Zentrum der Schweizer Bankenwelt: Paradeplatz in Zürich. Foto: Andreas Praefcke

Der radikale Umsturzversuch wird bereits seit 2011 gründlich vorbereitet von dem überparteilichen Verein "Monetäre Modernisierung". Seine rund 300 Mitglieder sind bislang nicht als Wirrköpfe aufgefallen; zu ihnen gehören zum Beispiel Reinhold Harringer, ehemaliger Leiter des Finanzamts St. Gallen, und Peter Hablützel, früherer Direktor des Eidgenössischen Personalamts. Den wissenschaftlichen Beirat bilden Ökonomen. Der St. Galler Professor Hans Christoph Binswanger etwa wurde vor allem mit Plänen für eine ökologische Steuerreform bekannt. Sie alle wollen die Geldschöpfung durch private Banken abschaffen. Das soll Finanzblasen und Inflation verhindern, die freie Marktwirtschaft wieder herstellen und zur Schonung von Mensch und Natur den durch das Zinssystem verursachten "Wachstumsdruck auf die Wirtschaft" verringern.

Geldmenge soll nicht stärker als die Wirtschaft wachsen

"Die heutige Geldordnung ist aus den Fugen geraten, weil die Zentralbanken die Kontrolle über die Geldmenge verloren haben", erläutert Binswanger sein Engagement. Geld ist schon lange nicht mehr durch Gold gedeckt, sondern nur durch die Wirtschaftskraft des jeweiligen Landes. Daher sollte die Geldmenge ungefähr gleich wie die Wirtschaft wachsen. In Deutschland zum Beispiel legte die Wirtschaft jedoch von 1993 bis 2008 real nur um 25 Prozent zu, dagegen wurde die Geldmenge M 1 (Bargeld und Sichteinlagen) um satte 190 Prozent vergrößert. In der Schweiz schwoll die Geldmenge M 1 in den letzten fünf Jahren von 270 Milliarden Franken auf 550 Milliarden an. Diese Flut schwappte vor allem ins Finanzkasino: Inflation bei Wertpapier- und Immobilienpreisen. Wenn Spekulationsblasen platzen, trifft das aber nicht nur die Zocker, sondern die gesamte Wirtschaft: viele Firmenpleiten und hohe Arbeitslosigkeit.

Woher kommt die Geldschwemme? In der Schweiz – wie in der EU – werden die Münzen von der Regierung in Umlauf gebracht, die Banknoten von der Zentralbank. Das staatliche Bargeld macht aber nur noch etwa zehn Prozent der gesamten Geldmenge aus. Der allergrößte Teil ist elektronisches Buchgeld, auch Giralgeld genannt: Per Computer-Tastendruck erzeugen die privaten Geschäftsbanken Geld, nämlich indem sie Kredite vergeben und die Summen auf Girokonten verbuchen. Anders als viele Laien glauben, vermitteln die Banken an Kreditnehmer überwiegend nicht Einlagen von Sparern, sondern machen sich ihr virtuelles Geld selbst – und das verleihen sie dann für reale Zinsen, gegen handfeste Sicherheiten wie Häuser. Für das Do-it-yourself-Giralgeld gibt es keine Rechtsgrundlage, es ist aber ein tolles Geschäft: Um 100 Franken aus dem Nichts zu erzeugen, müssen Banken lediglich 2,5 Franken Nationalbank-Geld haben. Großbanken umgehen selbst diese niedrige Hürde und leihen sich die nötigen Reserven einfach nachträglich aus.

"Guthaben" auf Girokonten sind eigentlich Schulden von Kreditnehmern – und aus Sicht des Kontoinhabers lediglich Ansprüche auf gesetzliche Zahlungsmittel. Wenn zu viele Kunden sich diese gleichzeitig bar auszahlen lassen wollen, bricht die Bank zusammen, weil sie so viele Reserven gar nicht hat; wer zu spät kommt, verliert sein Geld. Da dann auch der Zahlungsverkehr und weite Teile der Wirtschaft kollabieren würden, muss der Staat derartige Anstürme auf Banken verhindern. Zur Rettung von bankrotten, aber systemrelevanten Banken muss der Staat Schulden machen – natürlich bei Banken. Die Steuerzahler berappen die Zinsen.

Neben Unsicherheit und ständiger Gefahr von Überschuldung und Bankrott sieht der Ökonom Mark Joób weitere Nachteile des heutigen Giralgeldsystems: "Es erzeugt Inflationsdruck und ist prozyklisch. Je mehr Kreditgeld die Geschäftsbanken schöpfen, desto größer sind ihre Zinseinnahmen und ihre Profite – solange die Schuldner zahlungsfähig sind." In Zeiten des Aufschwungs würden die Banken daher zu viel Geld in Umlauf bringen, dafür in der Rezession zu stark auf die Bremse treten. "So verstärken sie die Schwankungen im Wirtschaftszyklus." Oft trägt es sie ganz aus der Kurve: Allein seit 1970 hat der Internationale Währungsfonds in seinen Mitgliedsländern 145 Bankenkrisen, 208 Währungskrisen und 72 Staatsschuldenkrisen gezählt.

Die Idee, die Kreditgeldschöpfung der Geschäftsbanken zu unterbinden, entstand bereits in den 1930er-Jahren in den USA. Der "Chicago-Plan" für zu 100 Prozent durch Zentralbank-Reserven gedecktes Geld, den Irving Fisher, Milton Friedman und andere Wissenschaftler ausarbeiteten, überzeugte zwar den US-Präsidenten Franklin Roosevelt, scheiterte aber am Widerstand der Banken. Später wollte zum Beispiel der deutsche Bundesbank-Direktor Rolf Gocht dem Staat wieder die Kontrolle über die gesamte Geldmenge verschaffen. Die heutigen Vollgeld-Konzepte gehen auf den Berliner Ökonomen Joseph Huber zurück. Für seinen Ansatz werben Bürgerinitiativen mittlerweile nicht nur in der Schweiz, sondern von Island bis Neuseeland auch in 15 weiteren Ländern.

Das Ende der hohen Boni für die Banker

Joseph Huber, der sich als Ordoliberalen bezeichnet, sieht Geldschöpfung als öffentlich-rechtliche Aufgabe: Geld soll nicht mehr durch verzinsliche Schulden in Umlauf kommen, sondern als schuldfreier Wert der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden, nämlich durch Überweisung der Zentralbank an den Staat. Damit dabei keine Inflation entsteht, soll die Zentralbank zur eigenständigen "Monetative" ausgebaut werden – strikt unabhängig von Regierung und Parlament. Gelder auf Girokonten werden in diesem Modell von den Geschäftsbanken nur verwaltet; sie gehen also nicht mehr in die Bankbilanzen ein und werden im Konkursfall – wie heute schon Wertpapiere – einfach auf ein anderes Geldinstitut übertragen. Dann kann der Staat unfähige Privatbanken ruhig pleitegehen lassen. Die Banken sollen weiterhin verzinste Sparkonten anbieten und Kredite vergeben, gerne auch an der Börse spekulieren – aber eben nicht mehr mit selbst gemachten Geld. Banken verlieren so ihre Privilegien und werden zu normalen Unternehmen. Und der beträchtliche Gewinn, der bei der Geldschöpfung anfällt, soll nicht mehr für hohe Banker-Gehälter und Boni verwendet werden, sondern an den Staat fallen. Bei der Umstellung der bestehenden Giralgelder auf Vollgeld, die rund 15 Jahre braucht, sollen in der Schweiz einmalige Mehreinnahmen von etwa 300 Milliarden Franken anfallen.

Die Schweizer Banken, deren Geschäftsmodell frontal angegriffen wird, sind überraschend still. Vielleicht wollen sie das Stimmvolk nicht unnötig auf heikle Themen aufmerksam machen? "Die Schweizerische Bankiervereinigung beschäftigt sich derzeit nur am Rande mit dieser Diskussion", sagt jedenfalls deren PR-Chefin Sindy Schmiegel: "Die SBVg lehnt die Idee einer Vollgeldreform klar ab." Es bestehe kein Handlungsbedarf, "denn das heutige System hat sich bewährt. Die Inflation und die öffentliche Verschuldung sind in der Schweiz tief, die Wirtschaft stabil wachsend, die Kreditversorgung ausreichend." Ein "so tiefgreifender Umbau des Wirtschaftssystems" berge "unkalkulierbare Risiken". Es sei "zu befürchten, dass die Nationalbank zu einem Spielball politischer Interessen würde", wenn sie allein alles Geld schöpfe. Ähnlich argumentiert auch das von UBS, Credit Suisse und anderen Konzernen bezahlte Institut Avenir Suisse, das im März die Studie "Leere Vollgeld-Hoffnungen" veröffentlichte: Das Finanzsystem könne "durch kontrollierte Schritte zuverlässiger reformiert werden als durch einen kühnen Salto".

Umfragen belegen den Vertrauensverlust der Großbanken

Ob die Mehrheit der Schweizer das auch so sieht, wird spannend. Den Großbanken vertraut laut neuen Umfragen kaum mehr jemand. Dagegen fand die Vollgeld-Initiative schon vor ihrem amtlichen Start mehr als 64 000 Unterstützer für die Forderung, "dass die Banken künftig gleich lange Spieße haben sollen wie alle anderen Unternehmen, welche ja weder selbst Geld herstellen noch auf staatliche Rettungsaktionen zählen können". Jetzt müssen innerhalb von 18 Monaten mindestens 100 000 Unterschriften gesammelt werden, um eine Volksabstimmung durchzusetzen. In letzter Zeit verloren die Eliten mehrfach Referenden, etwa zu Managerlöhnen und Einwanderung. Es wäre daher durchaus möglich, dass es 2015 so kommt wie im Jahr 1891: Damals verbot das Schweizer Volk den Geschäftsbanken das Drucken von Papiergeld, weil die private Zettelwirtschaft Inflation angerichtet hatte. Jetzt würde die Nationalbank auch das Monopol für elektronisches Geld bekommen.

 

Martin Ebner ist freier Journalist und lebt in Konstanz. Weitere Texte von ihm gibt es hier. 


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Kommentare

Wilhelm, 06.06.2014 20:14
So stelle ich mir guten Journalismus vor. Danke!

Stupor Mundi, 05.06.2014 10:29
Entgegen aller Behauptungen und volkswirtschaftlichem Wachstum ist es leider zutreffend das unser Geld nur durch Schuldenvergabe entsteht. Andersrum gesprochen: würden alle Staaten dieser Welt nebst allen privaten Schuldnern ihre Schulden zum selben Zeitpunkt begleichen so gäbe es kein Geld mehr. Wer dazu mehr Wissen will dem empfehle ich:

http://www.youtube.com/watch?v=1rvPPxnITzU
http://www.youtube.com/watch?v=5eO681rrVd8
http://www.youtube.com/watch?v=i-6gr_10NZU

Das erste Video dauert zwei Stunden, ist aber SEHR gründlich!

Philosoph, 04.06.2014 19:32
Augenwischerei. Alles Geld soll zuerst direkt an den Staat? Und wo ist dann die Gegenbuchung bei der SNB? Das heisst also, dass die Nationalbank einfach Zetteli herstellt, die durch nichts gedeckt sind? Und diese Zetteli müssen dann zwangsweise angenommen werden? Es gibt ein Jahrhunderte mit Erfolg erprobtes Geldsystem, eines, das auf Leistung beruht und einen intrinsischen Wert hat: ehrliches Warengeld. Allerdings ist das jenes Geldsystem, das die Mächtigen verabscheuen: Das können sie nämlich nicht einfach aus dem Hut zaubern und damit Macht ausüben. Es bleibt nur zu hoffen, dass das Schweizer Volk einmal mehr die Verschleierungstaktik durchschaut, wie es nicht vertreten, sondern vera...t wird. Andernfalls sehe ich schwarz für unser Land und die Zukunft unserer Kinder.

Buerger67, 04.06.2014 15:26
Super ! Das finde ich klasse ! Herr Prof. Hörmann ist noch einen Schritt weiter gegangen und hat mit Mitstreitern Strafanzeigen gestellt, denn wenn virtuelles Buchgeld "aus dem Nichts" von Banken erschaffen wurde bzw. wird, das "verleihen" sie auch faktisch NICHTS an einen "Kreditnehmer". Auf welcher Rechtsgrundlage können Sie dann eine Rückzahlung und Zinsen verlangen ? In Bezug auf die Bilanzverlängerung entsteht ja gar kein Kreditrisiko für eine Bank und somit kein Anspruch auf ein Gewinn. Und da das virtuelle Buchgeld "aus dem Nichts" erschaffen, gehört es NICHT der Bank und auf welcher Rechtsgrundlage sollte dann eine Bank diese "Kredite" wieder zurück verlangen können ?
Ich bin auch der Rechtsauffassung, das es ein Betrugssystem ist und dafür Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen werden müssten.

Dirk, 04.06.2014 14:28
Ich kenne zwar die genauen Verhältnisse in der Schweiz nicht, aber wenn man davon ausgeht, dass der schweizerische Staat ähnlich kreditfinanziert ist wie die umliegenden Republiken, gehört der Staat praktisch sowieso den Investoren - in der Regel also den gleichen Leuten, denen auch die bösen Banken gehören.
Selbst wenn die Initiative erfolgreich verläuft, dürfte das höchstens der Anfang für einen sehr langen Prozess sein.
Hat tatsächlich noch jemand Hoffnung, dass sich auf solcherlei Art und Weise etwas Grundsätzliches ändert?

FernDerHeimat, 04.06.2014 13:45
Die dortige Bankenlobby wird es - auch dank ihrer willigen Handlanger in der Politik - gewiss mit allen Mitteln zu verhindern wissen, dass man ihr ernsthaft ans Leder geht. Leider.

Brigitte, 04.06.2014 13:00
@ Rainer Stieber und Martin Ebner,

"Ob Gewinn und Gespartes nur durch Verschuldung entstehen kann, wage ich zu bezweifeln."
"Dass Gewinn und Ersparnisse nur bei Verschuldung entstehen können, scheint mir nicht zwingend."

Eine einfache Frage : Was steht dem Gewinn und den Ersparnissen gegenüber - Äpfel, Kuchen, ....? Damit ich etwas von meinem Lohn sparen kann, muss ich diesen zunächst erhalten. In der Regel finanzieren (verschulden) die Unternehmen diesen vor und ich führe das erhaltene Geld über meinen Konsum wieder zurück zu den Unternehmen. Würde man mein Sparen global sehen, so würden also die Unternehmen in eine Pleite rutschen, da sie die vorfinanzierten Gelder nicht wieder zurückerhalten. Zusätzlich zu den vorfinanzierten Kosten erwarten die Unternehmen für ihre Tätigkeit ein Zubrot und zwar den Gewinn. Wo kommt dieser her? Da es vielen Menschen an den nötigen Sicherheiten und geregelten Einkommen fehlt, fallen sie nun als adäquate Schuldner aus. So bleibt lediglich der Staat übrig, welcher über HartzIV, Kindergeld, etc. den Menschen das nötige Geld gibt, damit diese, anstatt der Sparer, konsumieren und zur Entstehung von Gewinn innerhalb der Unternehmen beitragen können.
Die Guthaben und Ersparnisse kumulieren sich bei wenigen Personen, während der Großteil der Bevölkerung leer ausgeht.

Zum besseren Verständnis bezüglich der Zusammenhänge zwischen dem Bruttoinlandsprodukt und der Geldmenge hatte ich folgende Aufstellung bei den Gelben eingestellt: http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=293226

@ Martin Ebner
Mit einem Krieg wird die betreffende Industrie durch den Staat gefördert. So sorgt man sich halt um den Erhalt von Arbeitsplätzen. :-(

Martin Ebner, 04.06.2014 10:28
Grüezi,
die Links zum Weiterlesen sind wohl verloren gegangen:
- www.vollgeld-initiative.ch
- www.vollgeld.ch (Trägerverein "Monetäre Modernisierung")
- www.vollgeld.de/ (der intellektuelle Unterbau)

@Brigitte:
Dass Gewinn und Ersparnisse nur bei Verschuldung entstehen können, scheint mir nicht zwingend. Zumindest in der Anfangszeit des Kapitalismus hatte man es noch mit der Produktion realer Dinge versucht. Und Arbeit...
Und könnte man nicht auch auf große Teile der Staaten gut verzichten? Zumindest die schuldenfinanzierten Kriege?

Allen Schwaben weiterhin frohes Schaffen und Häuslebauen! (Die Kreissparkasse sorgt für Euch...)

http://martin-ebner.net/topics/money/

Rainer Stieber, 04.06.2014 10:09
Ob Gewinn und Gespartes nur durch Verschuldung entstehen kann, wage ich zu bezweifeln.
Man sollte nicht vergessen, dass es auch noch eine Wertschöpfung gibt, die aus dem produzierten Mehrwert entsteht.
Unbestritten ist, dass der Aufbau von Guthaben oder Vermögen sehr viel schneller aber auch riskanter geht, wenn ich diesen finanziere. Funktioniert mein Modell dann nicht, bin ich pleite.

Das virtuelle Geld (Giralgeld) explodierte auf Grund der rasanten Verbesserung der elektronischen Rahmenbedingungen. Schnelles Internet bedeutet auch schneller fließendes Giralgeld. Auch Paypal, Online-Banking und ähnliche zählen dazu.

Die gesetzlichen Anpassungen in der EU, wie Erhöhung der Eigenkapitalquote in Abhängigkeit von Risiken (Basel III), sind da nur Kosmetik, weil der Hebel dadurch nur minimal verkürzt wird.

Wer schlägt eine Chance aus, mit einem Euro 100 zu gewinnen?
Wenn wir viele Nullen dran hängen, sind wir beim Geschäftsmodell der Banken. Stark vereinfacht.

history_repeating, 04.06.2014 09:43
Den Artikel finde ich ebenfalls einen der Aufschlussreichsten der letzten Dekade. Allerdings würde ich nicht so weit gehen, das gesamte Geldsystem zum Vollgeld umzubauen.
Meines Erachtens ist das gar nichts notwendig. Es würden einige wenige - jedoch konsequent durchzuziehenden Maßnahmen reichen:
1. Trennung Geschäftsbanken / Spekulationsbanken. Spekulierende Banken dürfen Pleite gehen.
2. Spekulation auf Kursgewinne hoch besteuern (mind. 50% des jeweiligen Gewinns) - heute spielt der reale Wert eines Unternehmens keine Rolle mehr; es ist auch egal was Produziert wird. Einzig wichtig sind PR-Wirksame Nachrichten. Das ist nicht nachhaltig!
3. Die Banken die spekulative Produkte an Privatpersonen anbieten müssen für ihre Versprechen haften. Die vertragliche Übertragung der Haftung auf den Kunden durch Unterschrift / Beratungsprotokoll ist komplett zu verbieten.
4. Scoring ist zu verbieten. Die Banken sollen nur und ausschließlich aufgrund eigener Bewertung Produkte / Kredite anbieten. Das bringt wieder mehr Wettbewerb (auch um Investoren) in den "Markt". Heute verlassen sich fast alle Banken auf die weitgehend wertlosen Scoring-Werte von externen Beraterfirmen. Die haften jedoch weder gegenüber der Bank, noch dem zu bewertenden Unternehmen / Endkunden, wenn durch den falschen Scoringwert Schäden entstehen.

Brigitte, 04.06.2014 08:58
Leider wurde hier die eigentliche Problematik nicht erkannt.

Damit Gewinn oder Gespartes entstehen kann, muss sich jemand verschulden. In obigem Falle wäre es wohl der Staat, dessen Verschuldung steigen und steigen würde. Möchte man beschriebenes System ohne steigende Verschuldung am Laufen halten, müsste man den Gewinn und die gesparten Gelder den jeweiligen Personen wieder wegnehmen und dem Staat z.B. über Steuern zuführen, damit dieser das Geld an die Zentralbank zurückgeben kann (Intakter Kreislauf)

Wird die hauptsächlich einseitige, steuerliche Belastung der Arbeitnehmer und deren Familien nicht auf alle Beteiligten der Bruttowertschöpfung (Arbeitnehmerentgelt, Abschreibungen, Gewinn) verteilt, wird es nach wie vor, auch im obig beschriebenen System, immer höher wachsende Schulden- und Guthabenberge geben.

Brigitte

peterwmeisel, 04.06.2014 00:46
Großartig! Das ist das Beste was ich seit Jahren über "Geld" gelesen habe. Mir hat mal die Landeszentralbank Stuttgart erklärt, "wissen Sie, wenn wir Geld brauchen, dann schreiben wir eine Zahl auf einen Zettel und dann haben wir das Geld". Aber das war die Zentralbank BW als Tochter der Bundesbank. Dann kam das Finanzmarktförderungsgesetz 1990.
Dr. Helmut Kohl, Bundeskanzler, Theo Waigel, Bundesminister der Finanzen mit Dr. Wolfgang Schäuble. Am 15. November 1984 wurde er als Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes in die von Bundeskanzler Helmut Kohl geführte Bundesregierung (Kabinett Kohl II) berufen.
Seit Kohl, Waigel und Schäuble 1990 mit dem Finanzmarkt-Förderungsgesetz die Banken von jeder Umsatzsteuer befreit haben, wächst unsere Geldmenge fünf mal so stark wie die Volkswirtschaft!
Das erste „Finanzmarktförderungsgesetz” vom 22. Februar 1990 (BGBl. I S. 266) trägt den amtlichen Langtitel „Gesetz zur Verbesserung der Rahmenbedingungen der Finanzmärkte” und änderte ab 1. März 1990 Regelungen zu den Kapitalanlagegesellschaften und zu ausländischen Investmentanteilen. Außerdem wurden die Börsenumsatzsteuer ab 1991 und die Wechselsteuer ab 1992 aufgehoben.

Das ist lediglich virtuelles Wachstum. Den Rest kann jeder bei John M. Keynes, 1934 nachlesen. Deshalb zittert Wolfgang Schäuble so vor den "Märkten", die er als Zauberlehrling nicht mehr beherrschen kann. Die Schweiz scheint dies begriffen zu haben und beenden zu wollen. Gut so.

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@Bernd Oehler: Habe ich behauptet, Sie würden dies tun? Ich habe so allgemein formuliert, wie Sie auch.

Ausgabe 297 / Intellektuell prügeln / Bernd Oehler, 08.12.2016 14:07
@Dr. Diethelm Gscheidle: Ihre redlichen Bemühungen in allen Ehren, aber Sie sehen doch, dass diese manchen Leuten komplett am Textverständnis vorbeigehen - um einen unredlichen Ausdruck zu vermeiden!

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