KONTEXT Extra:
Zwei Afd-Fraktionen im Landtag zulässig

Nach dem von der Landtagsverwaltung in Auftrag gegebenen Gutachten zur Vertretung der "Alternative für Deutschland" (AfD) im baden-württembergischen Parlament gibt es keine Handhabe gegen die Parallelfraktion. Die Professoren Christofer Lenz, Martin Morlok und Martin Nettesheim schreiben in ihrer 35-seitigen Stellungnahme: Der unter der Bezeichnung "Fraktion der Alternative für Baden-Württemberg im Landtag von Baden-Württemberg" auftretende Zusammenschluss von 14 der AfD angehörenden Abgeordneten sei "seit seiner Konstituierung am 06.07.2016 eine Fraktion im Sinne der Geschäftsordnung des Landtags". Einer Anerkennung bedürfe es nicht. Es bestünden keine über den Wortlaut Geschäftsordnung "hinausgehende, rechtliche Anforderungen an die Zulässigkeit einer Fraktionsbildung".

Auch das "Verbot der Fraktionsvermehrung" greift nach Einschätzung der Gutachter nicht. "Der Landtag würde die verfassungsrechtlichen Grenzen seiner Geschäftsordnungsautonomie aber nicht überschreiten", heißt es weiter, "wenn er eine Regelung erließe, die die Gründung einer 'Parallelfraktion' untersagt." Einer bereits bestehenden Fraktion ist der Status aber auch dadurch nicht zu nehmen. Denn: "Eine derartige Regelung dürfte nur mit Wirkung für die Zukunft erlassen werden, zweckmäßigerweise zum Zeitpunkt des Zusammentritts des neuen Landtag."

Damit müssen sich die anderen Fraktionen, wenn der AfD-Bundes- und Landessprecher Jörg Meuthen mit den Bemühungen eines Zusammenschlusses unter seiner Führung keinen Erfolg hat, weiterhin mit mindestens zwei rechtspopulistischen Rednern und Rednerinnen zu jedem Tagesordnungspunkt abfinden. Die geschätzen Kosten der Spaltung für die Steuerzahler und Steuerzahlerinnen liegen bei drei Millionen Euro. Denn auch die zweite AfD-Fraktion hat ein Recht auf die allen anderen zustehende finanzielle Ausstattung. (25.7.2016)


Zweiter NSU-Ausschuss: Geheimdienste auf der Theresienwiese?

Der zweite NSU-Untersuchungsausschuss des Landtags hat in seiner konstituierenden Sitzung am Donnerstag die ersten zwei Zeugen benannt. Sie sollen nach den Worten des Vorsitzenden Wolfgang Drexler (SPD) Auskunft darüber geben, "ob sich am Tag des Anschlags auf die beiden Polizeibeamten in Heilbronn Geheimdienste am oder in der Nähe des Tatorts befunden" haben.

Im ersten Ausschuss in der vergangenen Legislaturperiode hatte der Journalist und NSU-Experte Rainer Nübel als Sachverständiger dazu Stellung genommen. "Er verwies", wie es im Abschlussbericht heißt, "zunächst auf die mutmaßliche Anwesenheit der Defence Intelligence Agency (DIA) zur Tatzeit am Tatort". Mitte November 2011 habe er, wie Nübel weiter zitiert wird, eine Nachricht von der "Stern"-Redaktion in Hamburg erhalten, wonach ein dort vorliegendes Papier ein mutmaßliches Observationsprotokoll des amerikanischen Militärgeheimdienstes DIA darstelle. Daraus gehe hervor, dass zur Tatzeit eine Observation von "M. K." und einer weiteren, nicht näher definierten Person durch US-Agenten stattgefunden habe. Zumindest eine dieser beiden Personen habe zuvor bei der Santander-Bank 2,3 Millionen Dollar oder Euro abgeholt. Und weiter: "Sicherheitsbeamte entweder aus Baden-Württemberg oder Bayern sollten präsent gewesen sein und die Operation aufgrund eines 'Shooting Incident' zwischen 'White Wings', also Neonazis bzw. Rechtsextremisten, und einer Polizeistreife abgebrochen worden sein."

Nübel hatte bei seinem Auftritt als Sachverständiger umfangreiche Ausführungen zu den eigenen Recherchen gemacht. Aus Zeitgründen und angesichts des Endes der Legislaturperiode, so Drexler, der auch den ersten Ausschuss führte, habe diesem Komplex aber nicht mehr detailliert nachgegangen werden können. Im Einsatzbeschluss des zweiten Gremiums heißt es jetzt, insbesondere sei zu klären, ob "Angehörige von ausländischen Sicherheitsbehörden auf der Theresienwiese oder in der Umgebung im Umfeld des Mordanschlags am 25. April 2007 anwesend waren, ob und welche Rolle diese beim Tatgeschehen gespielt und welche Erkenntnisse dazu bei deutschen Sicherheits- und Ermittlungsbehörden vorgelegen haben". Die erste öffentliche Sitzung des Untersuchungsausschusses findet am 19. September statt. Gehört werden zum Auftakt auch noch einmal vier Sachverständige.


Keine Nebenabsprache zu Stuttgart 21

Um Streit zu vermeiden, sind laut Winfried Kretschmann die bis zum Wochenanfang geheimen Nebenabreden mit der CDU zusätzlich zum Koalitionsvertrag getroffen worden. Die Aufregung darüber, dass Ausgaben von 1,3 Milliarden Euro ohne Finanzierungsvorbehalt an der Öffentlichkeit vorbei festgeschrieben wurden, versuchte der Regierungschef mit neuen Einblicken in seinen Politikstil zu kontern: "Auch ich muss mal mauscheln, auch ich muss mal dealen." Kein Mensch auf der Erde, der vernünftig Politik machen wolle, kriege das hin ohne Absprachen hinter den Kulissen. Da habe er kein schlechtes Gewissen, denn es sei "unspektakulär", einzelne Maßnahmen zu priorisieren, die grundsätzlich ohnehin im Koalitionsvertrag vereinbart seien.

Unter anderem ist im Detail aufgeführt, dass 325 Millionen Euro ohne Finanzierungsvorbehalt in die Digitalisierung fließen sollen, 100 Millionen in die bessere Ausstattung der Polizei oder 40 Millionen in die Elektromobilität. Der mit 500 Millionen Euro größte Betrag ist allerdings nicht mit konkreten Informationen versehen, die Summe steht für "Investieren/Sanieren (Straße/Schiene, Hochbau, Hochschulen, ...)" zur Verfügung. Der Ministerpräsident widersprach Mutmaßungen, dass in dieser halben Milliarde auch zusätzliche Mittel für Stuttgart 21 über den Kostendeckel hinaus versteckt sein könnten. Für die laufenden Zahlungen gebe es einen Sonderposten im Haushalt. Nebenabsprachen zu diesem Thema hätten nicht stattgefunden.

(19.07.2016)


Die Reichen sind noch viel reicher

Einkommenserhebungen bei Spitzenverdienern aus mehr als 1300 Firmen haben ergeben, dass alle offiziellen Einschätzungen zur wachsenden sozialen Kluft in der Bundesrepublik die Situation beschönigen. Nach den Zahlen, die das ARD-Magazin "Monitor" in diesen Tagen veröffentlichte, verdienen Manager und Vorstände im Durchschnitt nicht 200 000 Euro jährlich, sondern rund eine halbe Million. Die 200 000 Euro sind aber offiziell im sogenannten Sozioökonomischen Panel (SOEP) ausgewiesen, welches wiederum wichtiger Eckpfeifer der bisherigen Armuts- und Reichtums-Berichterstattung in Bund und Ländern ist.

Das Bundesarbeitsministerium will die Daten dort jetzt einfließen lassen, ebenso wie die Erkenntnisse einer in der vergangenen Woche von der Bertelsmann-Stiftung veröffentlichten Studie. Danach verdienen die einkommensstärksten zehn Prozent der Bevölkerung mehr als die unteren 40 Prozent zusammen. Und die Einkommensungleichheit wächst weiter. In "Monitor" präsentierte Wirtschaftsweise Peter Bofinger eine vergleichsweise einfache Lösung: "Aus meiner Sicht würde es naheliegen, wieder zu den Steuersätzen zurückzukehren, die wir in den Neunzigerjahren hatten, und das war ein Spitzensteuersatz in der Einkommenssteuer von 53 Prozent." Zurzeit liegt er bei 42 Prozent. Ab einer bestimmten Einkommenshöhe werden drei Prozentpunkte Reichensteuer hinzugerechnet. Von ihr sind aber nicht einmal ein halbes Prozent der Steuerzahler und Steuerzahlerinnen betroffen.


Stuttgart 21: Großdemo und Umstiegskonzept

Zur Großdemo gegen Stuttgart 21 am kommenden Samstag erwarten die Initiatoren Tausende Teilnehmer. Kontext kommt auch. Mit hübschen neuen Postkarten und Aufklebern!

Heute, Freitag, hat eine Expertengruppe des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21 ihr Konzept "Umstieg21" vorgestellt, mit dem die derzeitige Projektbaustelle doch noch zu einem sinnvollen Ende finden könnte. Unter www.umstieg-21.de stellen die Planer ihre Ideen in einer umfänglichen Broschüre dar. "In meinen dreißig Jahren als Literaturkritiker im Fernsehen habe ich nie eine Prosa gelesen, die so wohltuend war, so sinnvoll wohltätig", schreibt der berühmte Schriftsteller aus Freiburg, Jürgen Lodemann, über das Heft. "Endlich wird da nicht mehr nur Nein gesagt, sondern entstand da eine wunderbare Broschüre, die mit Sorgfalt und mit großer Eisenbahnliebe und Stuttgartliebe reale Vorschläge macht, wie man aus dem unverantwortlichen Desaster noch jetzt 'positiv' aussteigen kann - und muss! - das spart tatsächlich immense Kosten und da bleibt im Herzen der Landeshauptstadt keine dauerhaft blamable Bau-Ruine, sondern es entstehen zahlreiche überaus einleuchtende Lösungen rund um einen tollen Kopfbahnhof!"


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Sobald Wasser durch blaue Rohre fließt, könnte sich der Bahnhofsturm neigen. Foto: Jo E. Röttgers

Sobald Wasser durch blaue Rohre fließt, könnte sich der Bahnhofsturm neigen. Foto: Jo E. Röttgers

Ausgabe 124
Gesellschaft

Pisa am Nesenbach

Von Jürgen Lessat
Datum: 14.08.2013
Der Stuttgarter Bahnhofsturm steht auf Holzpfählen – das bezeugt ein ehemaliger Bahnmitarbeiter gegenüber Kontext. Dadurch hat die Bahn ein weiteres Problem mit ihrem Tiefbahnhof Stuttgart 21. Grundwasserentnahmen während des Baus könnten das Wahrzeichen in Schieflage bringen. Der Konzern tut derzeit alles, damit die Schwabenmetropole zu einem zweiten Pisa wird: nämlich nichts.

Die Turmbauer zu Pisa planten einen prächtigen Campanile aus Marmor. Der freistehende Glockenturm sollte bei der Grundsteinlegung am 11. April 1173 eine Höhe von 100 Metern erreichen. Doch als man nach zwölf Jahren Bauzeit in der dritten Etage angelangt war, begann sich der Turm zu neigen. Die Architekten hatten den sandigen Untergrund am Rande eines Hafenbeckens ignoriert, der unter dem Gewicht des Turms nachgab. Versuche, das Bauwerk zu stabilisieren, scheiterten. Anfang 1990 musste es wegen akuter Einsturzgefahr gesperrt werden. Zwölf Jahre dauerte die Sanierung, in deren Verlauf der 14 500 Tonnen wiegende Turm um 44 Zentimeter gerade gerückt wurde. Nun soll das schiefe Wahrzeichen die nächsten 300 Jahre sicher stehen.

Was haben Stuttgart und Pisa gemeinsam? Auch in der Schwabenmetropole steht ein Turm auf schwammigem Boden: Vor rund einem Jahrhundert wurde der 56 Meter hohe Turm des Hauptbahnhofs ins sumpfige Nesenbachtal gestellt. Anders als in der Toskana gab es hierzulande schon früh Fachleute, die sich deswegen Sorgen machten.

Turmarchitekt Paul Bonatz.
Turmarchitekt Paul Bonatz.

"Der Geologe Sauer behauptete, der Turm würde gegen die (Park-)Anlagen wandern. Aber wir hatten guten Mut, und in den ersten 30 Jahren ist er nicht gewandert", beschrieb Turmarchitekt Paul Bonatz die Bedenken in seinen 1950 erschienenen Lebenserinnerungen. Warum das 10 300 Tonnen schwere Wahrzeichen seither wie ein Fels in der Brandung steht, begründete der berühmte Architekt an gleicher Stelle: "Unter dem Turm wurden in der vier Meter tiefen Grube 290 Pfähle von je elf Meter Länge eingerammt", schrieb er.

Doch nun könnte ausgerechnet das Bahnprojekt Stuttgart 21 den schwäbischen Bahnhofsturm aus seinem jahrhundertealten Gleichgewicht bringen. Das befürchtet Peter Dübbers, der Enkel von Paul Bonatz. Für den Aushub des Tiefbahnhoftrogs, der entlang von Turm und großer Bahnsteighalle verlaufen soll, müssen Millionen Kubikmeter Grundwasser abgepumpt werden. Ein aufwendiges Grundwassermanagement soll während der mehrjährigen Bauzeit sicherstellen, dass die Baugrube nicht absäuft. Der Enkel von Bonatz aber argwöhnt, dass auch der Bahnhofsturm, vom neuen Bahnhofstrog nur 15 Meter entfernt, zeitweilig auf dem Trockenen steht. Mit fatalen Folgen.

Bonatz sprach von Eichenpfählen 

"Mein Großvater hat stets von einer Eichenpfahlgründung des Bahnhofsturms gesprochen", erinnert sich Dübbers, der selbst Architekt ist. Eine Holzgründung müsse aber ständig im Grundwasser stehen. "Das Wasser konserviert das Pfahlholz", erläutert Dübbers die uralte Technik, die schon die Erbauer von Venedig nutzten. Sinkt der Wasserspiegel und kommt das Material mit Sauerstoff in Berührung, startet die mikrobiologische Zersetzung. "Das Holz beginnt zu faulen", so Dübbers. An der Oberfläche würden die Schäden zunächst nicht auffallen. Erst nach Jahren wohl würde der Stuttgarter Bahnhofsturm immer instabiler werden und sich wie das schiefe Vorbild zu Pisa langsam zur Seite neigen. Je stärker, desto einsturzgefährdeter wäre das Wahrzeichen.

In einem Brandbrief hat Dübbers deshalb jüngst alle Fraktionen im Stuttgarter Gemeinderat gebeten, "unabhängig von Ihrer grundsätzlichen Haltung zu S 21 die Verwaltung in einem Antrag aufzufordern, von der DB AG den Nachweis zur absoluten Standsicherheit des Turms zu verlangen." Schnell Klarheit schaffen könne eine Sondierungsbohrung.

Mit den Händen das Holz gefühlt 

Doch die ist nach Überzeugung von Heinz Reich gar nicht nötig. "Ich habe die Holzpfähle mit eigenen Augen gesehen, mit meinen Händen gespürt", bekräftigt der 88-jährige Pensionär aus Steinenbronn bei Stuttgart gegenüber Kontext. Der gelernte Schlosser arbeitete ein halbes Jahrhundert bei der Stuttgarter Bahndirektion, 35 Jahre davon als Werkstattleiter der Hochbaubahnabteilung. Bis zur Pensionierung im Jahr 1990 war er für die Haustechnik im Stuttgarter Hauptbahnhof zuständig. Wie kein anderer kennt er die Katakomben unter Gebäuden, Bahnsteigen und Gleisen. "In den Sechzigerjahren wurde das Turmhotel eingerichtet", erinnert sich Reich. Damit das Wasser auch noch im neunten Stock der einzigartigen Herberge kräftig aus den Hähnen sprudelte, musste damals im Kellergeschoss neben dem Turm eine Druckerhöhungsanlage eingebaut werden. "In dem Raum gab es eine Wandöffnung, durch die ich auf die Pfahlgründung des Turms blicken konnte. Es roch modrig, die Pfahloberfläche war schmierig", schildert er seine Erkundung. Später seien das Turmuntergeschoss und die angrenzenden Räumlichkeiten umgebaut und anderen Nutzungen zugeführt worden. Reich stand vor abgeschlossenen Türen, als er vor einigen Jahren aus Neugierde nochmals in den Turmkeller herabsteigen wollte. "Die Bahn besitzt sicher noch Pläne aus den Sechzigerjahren, in denen auch die entsprechende Wandöffnung zur Pfahlgründung eingezeichnet ist", ist sich der rüstige Pensionär sicher.

Für die Bahn steht der Turm auf Beton

Dagegen bestreitet die Bahn bis heute, dass der Bahnhofsturm auf Eichenpfählen ruht. Ein Sprecher des S-21-Kommunikationsbüros verwies auf die Schlichtungsgespräche im Herbst 2010. Am sechsten Schlichtungstag hatten die Befürworter ein Dokument zur Statik des Turmfundaments aus dem Jahr 1914 präsentiert. Allerdings nur als Digitaldatei und nicht im Original. Aus der mit einem Prüfvermerk versehenen Urkunde geht hervor, dass der Turm des Bonatz-Baus auf 289 Eisenbetonpfählen steht. Diese sind gegenüber schwankenden Grundwasserständen unempfindlich. Für eine Betongründung spricht aus Sicht der Bahn zudem, dass auch der an den Turm angrenzende, inzwischen abgerissene Südflügel auf Betonpfählen ruhte, betonte der Sprecher. Dübbers entgegnet, dass der Südflügel aber erst nach dem Turm errichtet wurde. "In der Zwischenzeit könnten sich Bauverfahren geändert haben." Während des Trogbaus werde man mit einem dreidimensionalen Berechnungsmodell eine "detaillierte Setzungsbetrachtung" vornehmen, um die bestehende Bausubstanz von Turm und Bonatz-Bau nicht zu schädigen, heißt es ergänzend aus dem Kommunikationsbüro. 

Andererseits veröffentlichte die Bahn selbst früher etwas anderes. In der offiziellen Festschrift zum 65-jährigen Bestehen des Stuttgarter Hauptbahnhofs aus dem Jahr 1987 spricht der damalige Bahnhofsvorsteher Egon Hopfenzitz von einer Turmgründung "auf 290 Eichenpfählen". Auf Seite 32 der Publikation der Stuttgarter Bundesbahndirektion ist eine zeitgenössische Abbildung der Turmbaustelle abgebildet. Die Bildunterschrift ist eindeutig: "Der Turm ruht auf 290 Eichenpfählen, die zusammen eine Länge von mehr als drei Kilometer aufweisen."

Kein Interesse an Aufklärung?

Warum die Bahn bislang eine Sondierungsbohrung, die einen vierstelligen Eurobetrag kostet, verweigert, dazu wollte sich der S-21-Sprecher nicht äußern. "Am fehlenden Geld kann es kaum liegen", sagt Peter Dübbers. Vielmehr vermutet er, dass der Konzern kein Interesse daran hat, unter Umständen eine Holzgründung als Untersuchungsergebnis präsentieren zu müssen. "Die Bahn müsste dann nachweisen, dass die Turmpfähle auch während des Trogbaus nicht trocken fallen", so Dübbers. Das könnte den Bahnhofsbau zu Stuttgart weiter verzögern und verteuern.

Im Stuttgarter Rathaus sind Grüne und die Fraktionsgemeinschaft von SÖS/Linke Dübbers Aufruf inzwischen gefolgt und fordern Aufklärung. Keine Reaktionen gab es bislang von CDU, SPD, FDP und Freie Wählern. Die S-21-Befürworterparteien sehen das Stuttgarter Wahrzeichen offenbar nicht in Gefahr.


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Kommentare

Messetiger, 17.12.2013 08:20
Man kann so etwas ja auch einfach mal aussitzen. Wenn die Probleme auftreten, wird man schon eine Lösung finden. Die Probleme werden auch erst in einigen Jahren auftreten, wenn es kein Zurück mehr gibt. Dann muss gehandelt werden, koste es, was es wolle ;-( die Verantwortlichen sind dann vermutlich in Rente oder auf anderen Posten, "nach mir die Sinflut".

Roland Weber, 21.08.2013 20:07
Der schiefe Turm von Pisa ist weltweit berühmter als der des Stuttgarter Bahnhofs. Für Pisa ist er "das" touristische Erfolgsmodell schlechthin. Die Welt vertägt zwei solche Türme.

phil55, 16.08.2013 18:49
Der Zeitraum des Beginns der Gründungs-Arbeiten des Turmes könnte durchaus vor der Gründung des Südflügels liegen. Der Bau des Turmes und der Hauptgebäude ist komplizierter und somit langwieriger. Zumindest scheint erwiesen, daß es sich bei Turm und Seitenflügel um getrennte Bauabschnitte handelt. Mittels der Turmgründung sind höhere Lasten in den Baugrund zu übertragen, als im Bereich des Südflügels. Eine tiefere Pfahlgründung mit mehr Pfählen pro Flächeneinheit scheinen beim Turm statisch notwendig. Tiefen unterhalb des minimalen Grundwasserstandes wären durch die ständige Feuchtigkeit für Holzpfähle geeignet. Aggressives Grundwasser ist dagegen eine Gefahr für den wenig Sulfat-beständigen Beton der damaligen Zeit. Aufgrund dieser Bedenken könnte an dieser Stelle eine Entscheidung für die dauerhaft geeigneten Eichenpfähle gefallen sein. Die Seitenflügel sind enventuell nur bis an die obere Grenze eines mittleren Grundwasserstandes gegründet. In diesem Fall wären kürzere Pfähle aus "Eisenbeton" zu bevorzugen.

Thor, 15.08.2013 18:10
Deutschlands Fundamente,sind doch schon länger instabil...

Peter S., 15.08.2013 14:27
Irgendwas kann da nicht stimmen. " Dübbers entgegnet, dass der Südflügel aber erst nach dem Turm errichtet wurde." Aber auf dem Bild oben sieht es so aus, als ob vom Südflügel aus der Turm fotografiert wurde.

Sybille Kleinicke, 15.08.2013 10:57
Das wäre nicht das erste Gebäude in Stuttgart, das "versehentlich" einstürzt oder wegen der Bauarbeiten als einsturzgefährdet abgerissen wird. Das weiß jeder Stuttgarter, das ist Absicht, denn es geht um Geld, Macht und Prestige einiger weniger. Man kann nicht so viel essen, .....

Nachdenker, 14.08.2013 21:38
Frage: Wenn Herr Reich sagt, dass er durch eine Wandöffnung auf die Pfahlgründung blicken kann, heißt dass doch dass die Pfahlgründung irgendwo offen daliegen muss! Selbst wenn diese schmierig war, verwundert es mich doch, dass diese sichtbar ist. Denn der Logik der oben angeführten Argumentation folgend müsst es hier ja das Potential für Sauerstoffzutritt geben, in der Folge, Fäulnis und Instabilität des Turmes. Warum ist das nicht schon längst passiert? V.a. weils ja schon modrig roch?!

Obenbleiber, 14.08.2013 10:17
Der Bonatzbau steht dem ganzen Projekt S21 ohnehin nur im Weg - schliesslich ist er durch seine Position auch an den Planungsproblemen (schmale Bahnsteige, Brandschutz usw.) "schuld". Es würde mich nicht wundern, wenn am Ende eine ganz andere Planung für den Tiefbahnhof vorgesehen ist, bei der der Bonatzbau abgerissen wird. Selbstverständlich wird die Bahn erst weitere Fakten schaffen und die Bundestagswahl abwarten, bevor solche Szenarien öffentlich diskutiert werden. Der Bürger hat dann möglicherweise schon aufgegeben, über das Projekt nachzudenken und ist froh, wenn ihm die Aussicht auf einen irgendwann mal wieder funktionierenden Bahnhof bleibt. Danke Bahn...

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Siehe hierzu: http://www.zeit.de/digital/games/2016-07/killerspiele-amoklauf-muenchen-thomas-de-maiziere-debatte

Ausgabe 278 / Kill, kill, kill / Blender, 27.07.2016 12:45
Egal was Jugendliche heutzutage so schlimmes treiben und wieviele unschuldige durch Amok sterben, die schlimmste deutsche Jugendgeneration aller Zeiten war die zwischen 1933 und 1945.

Ausgabe 278 / Dietrich for President / Blender, 27.07.2016 12:37
Es ist schonerstaunlich welche Qualifikationen ausreichen um ein Millionen-Euro-Umsatz-Unternehmen wie den VfB zu leiten. Ab und zu Fußball zu gucken reicht meines Erachtens nicht aus. Ein Fall für die SWR3 Maultaschen-Connection.

Ausgabe 278 / 300 Euro gegen die Schmerzen / Volker Klenk, 27.07.2016 12:32
In dem ansonsten korrekten Artikel fehlt mein zum wiederholten Male geäußerter Hinweis, dass ich bereits 1982 (Ende der sozialliberalen Koalition, Kohl statt Brandt, im Zorn die FDP verlassen habe. Volker Klenk

Ausgabe 278 / 300 Euro gegen die Schmerzen / Blender, 27.07.2016 12:22
Allein schon für die posttraumatische Belastungsstörung sollte jeder Verletzte unabhängig, und zuzüglich eines Schmerzensgeldes für den körperlichen Schaden, mindestens 10000 Euro bekommen, Herr Kretschmann.

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