KONTEXT Extra:
Jetzt doch ein Koalitionsausschuss zu Afghanistan

Vor Weihnachten hatten Grünen und CDU eine inhaltliche Aussprache über die Abschiebepraxis nach Afghanistan vermieden. Stattdessen wurde im Koalitionsausschuss vor allem darüber diskutiert, ob Grünen-Landeschef Oliver Hildenbrand es "schäbig" nennen darf, wenn sein CDU-Pendant, Innenminister Thomas Strobl, auch alte oder kranke Menschen abschieben will. Zur bisher einzigen Sammelabschiebung wurde ein Mann sogar aus einer Psychiatrischen Klinik geholt, dann allerdings doch nicht ins Flugzeug nach Kabul gesetzt.

Am kommenden Dienstag werden dieser und andere Fälle sowie die grundsätzliche Vorgehensweise im Koalitionsausschuss diskutiert. Die Grünen, die die Debatte durchgesetzt haben, erinnern an die geltenden Leitlinien des Landes zu Abschiebungen und Rückführungen, nach denen eine Einzelfallprüfung ohnehin zwingend ist. Bisher hatte sich Strobl gegen eine inhaltliche Behandlung der von ihm mitinitiierten verschärften Abschiebepraxis im Koalitionsausschuss ausgesprochen. Die Grünen gehen davon aus, dass die Leitlinien und damit die Einzelfallprüfung bestätigt werden.

Auf dem Tisch liegt auch ein Papier der sogenannten G-Länder, also aller Koalitionen, an denen Grüne beteiligt sind. Diesem zufolge muss gewährleistet sein, "dass Ausreisepflichtige keinen Schaden an Leben und Gesundheit nehmen". Die Regierungspartner in Baden-Württemberg, Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen "betonen eine Reihe von Grundlinien und Anforderungen bezüglich Rückführungen nach Afghanistan". Sie fordern die Bundesregierung aber auch auf, die Sicherheitslage in Afghanistan "erneut zu überprüfen". (14.1.2017)


Ein zweites Raumwunder für Geflüchtete

Engagement kann sich lohnen. Im September hatte Kontext über die Initiative der Künstlerin Martina Geiger-Gerlach berichtet, eine Wohnung in einem zum Abriss vorgesehenen Haus im Stuttgarter Stadtteil Steckfeld monatsweise Flüchtlingen zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig finden dort immer Ausstellungen statt, die Nachbarn und Interessierten Gelegenheit geben, Künstlern und Geflüchteten zwanglos zu begegnen. Nun hat der Vermieter, das katholische Siedlungswerk, der Künstlerin eine zweite Wohnung im selben Haus als Lernwohnung zur Verfügung gestellt, damit Geflüchtete, die im Trubel ihrer Unterkunft nicht zur Ruhe kommen, eine Rückzugsmöglichkeit finden. Zudem bleibt das Haus länger stehen: voraussichtlich zwei Jahre. Dem Siedlungswerk gefällt das Projekt so gut, dass Martina Geiger-Gerlach gefragt wurde, ob sie sich vorstellen könnte, im Quartiersraum des Neubauareals an Stelle des früheren Olgahospitals eine Aufgabe zu übernehmen. Und: Ihr Wohnungs-Projekt ist für den Stuttgarter Bürgerpreis der Bürgerstiftung vorgeschlagen worden. Am 20. Januar um 19 Uhr eröffnet in der Karlshofstraße 42 in Steckfeld die nächste Ausstellung mit Gemälden von Ivan Zozulya und dem DJ Roman Levin. Am 31. Januar wird die Entscheidung zum Bürgerpreis bekannt gegeben. Jeder kann mit abstimmen!


Der Gewitterwanderer im Glück

Mitte November hatte der 33-jährige Göppinger Schriftsteller Kai Bleifuß noch geschimpft wie ein Rohrspatz. Der promovierte Goethe-Experte rackert sich seit Jahren mit Schreiben ab. Fabrizierte zuletzt einen Roman über den Dichterfürsten und wie der so wäre, würde er in unserer Zeit leben. "Goethes Mörder" heißt das gute Stück. Gutes Zeug. Guter Mann. Das weiß auch Bleifuß selbst. Kontext gegenüber machte er keinen Hehl daraus, dass er sich selbst für einen ziemlich duften Typen hält. Doch bislang schlug ihm seitens des ganzen "Literaturzirkus" und der Verlage kalter Wind entgegen. Niemand wolle mehr ein Risiko eingehen. Literatur würde immer mehr unter ökonomischen Abwägungen betrachtet, konstatierte der resolute Literaturnerd. "Schreiben ist das Idiotischste, was man machen kann. Nicht schreiben aber auch."

Ein Bleifuß lässt sich aber nicht unterkriegen – und jetzt hat es gerappelt im Karton: Am vergangenen Sonntag sackte der Göppinger für seinen Text "Fünf Variationen auf das Unsagbare" den Autorenpreis "Irseer Pegasus 2017" ein. 150 Schriftsteller aus dem ganzen Land hatten sich mit ihren Werken beworben, doch Bleifuß hat den mit 2000 Euro dotierten Preis gewonnen. Neben ihm auf dem Siegertreppchen der Preisverleihung im Kloster Irsee im Allgäu strahlte David Krause aus Kerpen.

"Der glücklose Autor hatte endlich einmal Glück!", schrieb Goethe-Glücksbärchen Bleifuß voller Freude an Kontext, mit der Bitte unseren LeserInnen mitzuteilen, dass man am 27.1. ab 21:05 Uhr im BR2 sein Hörspiel "Pinball" senden werde. Machen wir doch gerne. (11.1.2017) 


Abstand halten von den Volksverrätern

Aus 594 Wörtern haben die Sprachwissenschaftler um die Darmstädter Professorin Nina Janich das Unwort des Jahres 2016 ausgesucht: "Volksverräter". Aus dem Erbe der NS-Diktatur werde das Wort von Pegida, AfD und anderen Rechtsaußen verwendet, um PolitikerInnen  zu diffamieren. Mit der Folge, dass das "ernsthafte Gespräch" und notwendige Diskussionen in der Gesellschaft abgewürgt würden, begründet die Jury. Auf den weiteren Plätzen folgen "postfaktisch", "Populismus", "Gutmensch" sowie eine "Armlänge Abstand". Mit in der fünfköpfigen Jury saß auch Kontext-Autor Stephan Hebel. (10.1.2016)


Sichere Herkunftsstaaten: Kretschmann schon lange für längere Liste

Winfried Kretschmann hat sich mit jüngsten Äußerungen zur Einstufung von Marokko, Tunesien und Algerien als sichere Herkunftsländer derart in die Nesseln gesetzt, dass sich sein Staatsministerium zu einer "Klarstellung" aufgerufen sah. Tatsächlich handelt es sich um einen durchsichtigen Versuch der Schadensbegrenzung. Der grüne Regierungschef hatte auf Anfrage der "Rheinischen Post" in einer Stellungnahme zur aktuellen Sicherheitsdebatte erklärt: "Die kriminelle Energie, die von Gruppierungen junger Männer aus diesen Staaten ausgeht, ist bedenklich und muss mit aller Konsequenz bekämpft werden." Zugleich sprach er sich für die Aufnahme der drei Maghreb-Staaten auf die Liste sicherer Herkunftsländer aus: "Baden-Württemberg wird der Ausweitung zustimmen, sofern die Bundesregierung das Ansinnen in den Bundesrat einbringt."

Die Wirkung beider Sätze im Zusammenhang sind ihm und "meinen Leut", wie er seine engsten Mitarbeiter gern nennt, offenbar entgangen. Jedenfalls stellte "das Staatsministerium klar, dass die signalisierte Zustimmung weder aus aktuellem Anlass beschlossen wurde, noch ihre Begründung in der Gewaltbereitschaft mancher Gruppen junger Männer aus diesen Ländern hat". Vielmehr sei die Entscheidung "schon im Frühsommer 2016 nach einem langen Abwägungsprozess, in dem vor allem der Frage nachgegangen wurde, ob es angesichts der Menschenrechtssituation in den besagten Ländern vertretbar wäre, diese zu sicheren Herkunftsländern zu erklären (...), als sich die Bundesregierung dem Ministerpräsidenten gegenüber bereit erklärte, in einer Protokollerklärung festzuhalten, Personen aus sogenannten vulnerablen Gruppen wie Homosexuellen, verfolgten Journalisten, religiösen Minderheiten mit gleicher Sorgfalt zu prüfen wie Flüchtlinge aus sonstigen Ländern". Das Staatsministerium sagt allerdings nichts dazu, ob die Forderung erfüllt wurde und warum das Thema nicht längst endgültig ausgetreten ist. Denn laut dem Bundesamt für Flüchtlinge und Migration werden die drei Länder in der Statistik überhaupt nicht mehr einzeln ausgewiesen, weil die Zahl der einreisenden Asylbewerber so niedrig ist. Und bereits 2015 gehörten die drei Staaten nicht zu jenen zehn Ländern, aus denen die meisten Flüchtlinge nach Deutschland kamen. (5.1.2017)


KONTEXT
per E-Mail:
Immer informiert:

Durch diese Anmeldung erhalten Sie regelmäßig immer mittwochs um 9 Uhr unsere neueste Ausgabe unkompliziert per E-Mail.

Datenschutz-Hinweis

Demonstration am vergangenen Freitag auf dem Stuttgarter Schillerplatz. Fotos: Martin Storz

Demonstration am vergangenen Freitag auf dem Stuttgarter Schillerplatz. Fotos: Martin Storz

Ausgabe 223
Politik

Wer links wählt, wird bestraft

Von Gastautor Dieter Spöri
Datum: 08.07.2015
Die Griechen sollen für ihr "Oxi" büßen. Die Botschaft eines revanchelüsternen Parteienkartells lautet: Neue linke Protestbewegungen scheitern mangels Kompetenz, Linke sind einfach Loser. Unser Autor kritisiert auch das Tsipras-Bashing von Sigmar Gabriel.

Mit dem Referendum haben die Griechen ein klares Signal gesetzt: Schluss mit der endlosen ruinösen neoliberalen Sparideologie. Allen Drohungen und von außen geschürten Ängsten zum Trotz. Aber damit ist noch nichts gewonnen, denn der Kampf des regierenden Parteienkartells in der EU gegen den von Ministerpräsident Alexis Tsipras verlangten Kurswechsel wird jetzt noch härter werden.

Die Mehrheit der politischen Funktionselite in Europa schäumt vor Wut und mit ihr die breite Front der Mainstream-Medien. Diese verstehen sich heute überwiegend als politische Akteure und Komplizen der Politik. Man hat dabei den Eindruck, dass Athen trotz einer auch von der griechischen Opposition unterstützten neuen Verhandlungsinitiative unbedingt aus dem Euro gedrängt werden soll. In zahlreichen Talkshows, Interviews und Sondersendungen dominiert ein rabiater Druck, "den Griechen" als Strafe für das Nein den Finanzhahn der EZB völlig abzudrehen. Ein Paradebeispiel ist der ARD-Korrespondent Wolf Dieter Krause in Brüssel, der, wie viele andere, nicht mehr nur berichtet, sondern in Nachrichtensendungen polemisiert und wie ein Derwisch in Diskussionsrunden gegen die griechische Regierung ausfällig wird. Dieser deformierte Journalismus ist sich einig: Die älteste Demokratie der Geschichte soll jetzt für ihr unbotmäßiges "Oxi" büßen!

Tsipras ist für das EU-Establishment ein knallrotes Tuch

Tsipras ist zwar für Millionen in Europa ein charismatischer Hoffnungsträger, aber für das Gros des politischen Establishments in der EU ein knallrotes Tuch einfach weil er in der Gremienmühle Europas nicht all das aufgegeben hat, was er vor den Wahlen versprochen hatte: eine andere Politik! Diese Ungeheuerlichkeit, an einer anderen Politik festzuhalten und nicht, wie alle Vorgängerregierungen, nach den Wahlen geschmeidig einzuknicken, war die Hauptursache für die aggressive politische und mediale Hetzjagd. Die Jagd auf einen manchmal auch ungeschickten Idealisten, der sich die provozierende "Naivität" eines politischen Traums bewahrt hat. Wer in dem europäischen Machtkartell wäre eigentlich bereit, sein Amt aus Loyalität zu seiner politischen Botschaft durch einen ergebnisoffenen Volksentscheid nur sechs Monate nach erfolgreichen Parlamentswahlen zur Disposition zu stellen? Das ist der psychologische Hintergrund des unglaublichen Furors gegen das griechische Referendum.

"Schluss mit dem Totsparen", steht auf der kleinen Flagge.
"Schluss mit dem Totsparen", steht auf der kleinen Flagge.

Wenn jetzt Chaos und noch größere Not von revanchelüsternen Syriza-Gegnern ganz offen herbeigeredet wird, dann ist das nicht nur unüberlegte Emotionalität, sondern strategisches Kalkül. Die rasende Wut über den "David" Tsipras, der den Austeritätskurs der Europa-Queen Angela Merkel durchkreuzt, ist das eine, die Furcht vor der Ansteckung mit dem griechischen Virus das andere: Ein Verhandlungserfolg von Tsipras etwa ein Schuldenschnitt und ein Stimmungsaufschwung in Griechenland könnte bei den anstehenden Wahlen in Spanien im Herbst dazu führen, dass Mariano Rajoy, der Lieblingseleve von Merkel, durch den jungen Pablo Iglesias von der Protestbewegung Podemos aus dem Sattel gehoben wird.

Die Botschaft des etablierten Parteienkartells in Europa ist deshalb klar: Wer die neuen linken Protestbewegungen in Südeuropa wie Syriza oder Podemos wählt, wird durch noch größere ökonomische und soziale Rückschläge bestraft. Iglesias wird wie Tsipras im Drahtverhau der EU-Institutionen durch den Widerstand der "ewigen" Koalition aus Konservativen, Christdemokraten, Sozialdemokraten und oft auch Liberalen stecken bleiben. Denn in Wahrheit geht es in der EU um einen zähen Abwehrkampf der neoliberalen Ideologie gegen neue linke Bewegungen wie in Griechenland, Spanien und Portugal, sprich um den Machterhalt des traditionellen europäischen Parteienkartells.

Linke Strömungen sollen im Verhandlungsmarathon scheitern

Deshalb muss am Beispiel Griechenlands symbolhaft deutlich gemacht werden, dass die neuen linken Strömungen in der EU nicht nur konzeptionell unfähig, sondern auch machtpolitisch isoliert sind. Zusätzlich soll vermittelt werden, dass hier idealistische Charismatiker mit ihren Visionen von mehr sozialer Gerechtigkeit die Prozesse professioneller Regierungskunst nicht beherrschen und in ihrem Dilettantismus mit einer falschen "politischen DNA" einfach scheitern müssen. Der monatelange Verhandlungsmarathon in der Eurogruppe über eine zusätzliche griechische Finanzhilfe von 7,2 Milliarden Euro war nichts anderes als eine dramaturgisch raffiniert genutzte Bühne, um eine einfache Botschaft zu vermitteln: Linke sind Loser.

An der Spitze Deutschland, die europäische Führungsmacht, mit dem routinierten und sarkastischen Wolfgang Schäuble vorneweg und den folgsamen Mitgliedstaaten hinterher. Sie setzten Athen durch eine ständige Erpressung in der Eurogruppe unter Druck: Entweder ihr setzt unter Bruch eures Wahlprogramms einen nachweislich prozyklischen Rezessionskurs mit uns gemeinsam fort und bekommt Hilfszahlungen, oder ihr seid nicht mehr dabei und geht bankrott. Eine offen perfide Erpressung.

Tsipras und sein (inzwischen zurückgetretener) Finanzminister Yannis Varoufakis versuchten, durch ihre wachstumsorientierte Konsolidierungsstrategie aus dieser Schlinge einer verstärkten Rezession und politischen Unglaubwürdigkeit zu schlüpfen, und konnten deshalb zahlreiche verlangte sogenannte Reformen nicht akzeptieren. Dafür wurden sie wie verstockte oder trotzige Halbstarke behandelt, die einfach nicht die geforderte Reformliste liefern, die im EU-Sprech als "Gegenleistung" geliefert werden muss, bevor Geld fließt. Diese Strategie der Erpressung mit einem nicht hinterfragten, deformierten Reformbegriff ging voll auf: Die zwei griechischen "Spitzbuben" lieferten trotz angeblich größter Geduld und guten Zuredens, insbesondere der bekanntlich immer gutwilligen Angela Merkel, nicht die gewünschte Liste und wurden deshalb kollektiv in der europäischen Presse verrissen.

In Wahrheit kappte die Kanzlerin auch die letzten Vermittlungsversuche der EU-Kommission und des französischen Staatspräsidenten François Hollande. Tsipras und Varoufakis hätten in dieser zugespitzten Situation fast das gesamte letzte Angebot der Geldgeber allerdings nur unter der Prämisse einer verbindlichen Perspektive für einen Schuldenschnitt geschluckt. Dieser allerletzte Einigungsversuch wurde von der Bundesregierung wieder als Wackelkurs und Unzuverlässigkeit verhöhnt, und Tsipras musste die Verzweiflungsaktion, ein Ja im Referendum doch noch empfehlen zu können, abbrechen.

An der Spitze einer grotesken Kampagne: Sigmar Gabriel

Dazu kam eine groteske deutsche Kampagne in Politik und Medien, die Tsipras unterstellten, niemals ernsthaft verhandeln zu wollen. Das Referendum mit einem Nein sei sein politisches Ziel gewesen. An der Spitze der Bewegung der sozialdemokratische Vizekanzler Sigmar Gabriel, der sich zu dem Vorwurf hinreißen ließ, man könne den Deutschen nicht die Finanzierung der unseriösen Wahlversprechen einer kommunistisch beeinflussten Syriza zumuten. Im Bemühen, auch noch die Hardliner der Union zu übertreffen, warf er der griechischen Regierung vor, dass sie "politisch, man kann sagen, ideologisch eine andere Eurozone" wolle. Das hieße absurderweise, dass eine wirklich konsequent keynesianische Ausrichtung der Krisenpolitik in der Eurozone bereits eine politisch suspekte Systemveränderung ist. Sigmar Gabriel betonte zwar immer wieder, dass er das Votum des Referendums respektiere. Am Abend des Referendums aber krönte der SPD-Parteivorsitzende die wütenden Attacken der europäischen Führungsmacht Deutschland auf Tsipras mit der These, der griechische Ministerpräsident habe "alle Brücken abgebrochen" und sein Volk in eine Perspektive der "Hoffnungslosigkeit" geführt. Wenn diese Scharfmacherei nicht so traurig wäre, könnte man sich den burlesken Bezug nicht verkneifen, dass diese Hoffnungslosigkeit eher zu dem bundesweiten Umfragetrend der SPD passt.

61,31 Prozent der Griechen stimmten gegen die neuen Sparauflagen.
61,31 Prozent der Griechen stimmten gegen die neuen Sparauflagen.

Ganz anders dagegen das Gros renommierter US-Ökonomen: vorneweg der Nobelpreisträger Paul Krugman, der seit Jahren den von Berlin durchgesetzten Austeritätskurs in der Eurozone als kontraproduktiv analysiert. James Galbraith sagte sogar, beim Referendum mit Nein zu stimmen sei für Griechenland die einzige Chance, im Euro zu bleiben. Selbst David Kelly von J. P. Morgan, übrigens keine kommunistische Tarnorganisation, hält die gesamte Krisenpolitik Europas weitgehend für verfehlt. Und der renommierte Nobelpreisträger Josef Stiglitz warnt schon lange davor, dass der von Berlin durchgesetzte einseitige Sparkurs Griechenland und die ganze Eurozone destabilisiert.

Finanzminister Yannis Varoufakis wurde zum Buhmann, weil er nicht damit aufhörte, diese Kritik der US-Ökonomen in der Runde der makroökonomisch teilweise überforderten Kollegenschaft vorzutragen. Er wurde dort zur Unperson, weil Wolfgang Schäuble mit der gesamten Eurogruppe die schlichte Wahrheit nicht mehr hören wollte, dass Griechenland übrigens vom IWF längst belegt ohne Schuldenschnitt nie mehr wirtschaftlich und finanziell auf die Beine kommen würde und die mühselig zusammengestupfelten Hilfsprogramme nur kontraproduktive Selbstbeschäftigung sind, die die griechische Abwärtsspirale fortsetzen.

Die Griechen sind einfach undankbar

Aber warum funktioniert die Propaganda für den ruinösen Krisenkurs Berlins dennoch wie geschmiert? Der deutsche Publizist Georg Dietz hat zu Recht auf die psychologische Dimension des Bündnisses von politischem Establishment und Mainstream-Medien hingewiesen. Dieses Bündnis reduziert die Finanzkrise in Euroland auf die Fiktion, dass Merkel und Schäuble durch die Programme Griechenland bisher "gerettet" haben. Die Wahrheit aber ist, dass in Griechenland und anderswo primär die Banken gerettet wurden. Wenn einmal der Begriff "Rettungspaket" für Griechenland in der Debatte etabliert ist, werden automatisch die "Retter" mit edlen Motiven aktiv, während die "undankbaren" Empfänger des "Rettungspakets" die gütige Hand der geduldigen Spender ausschlagen.

Vorläufiges Fazit: Durch die Verluderung der politischen Debatte und hohle Parolen wie "Die müssen ihre Hausaufgaben machen" wird von der ökonomisch völlig berechtigten Kritik abgelenkt, dass der Berliner Brüning-Kurs in Griechenland die Wirtschaft weitgehend zerstört, die Verschuldung dramatisch erhöht und die Jugendarbeitslosigkeit auf 50 Prozent gesteigert hat. An diesen Fakten dürfte eigentlich auch ein Sigmar Gabriel nicht vorbeikommen.

 

Dieter Spöri war SPD-Wirtschaftsminister in Baden-Württemberg. Er ist Ehrenpräsident der Europäischen Bewegung Deutschland, arbeitet heute als Publizist in Berlin und ist einer der Herausgeber des Blogs der Republik.


Gefällt Ihnen dieser Artikel?

Kommentare

invinoveritas, 20.08.2015 00:09
Was die Geldgeber mit Griechenland veranstaltet haben, war nicht in Ordnung: unsozial, undemokratisch und obendrein auch ökonomisch weitgehend ineffizient. Trotzdem möchte ich den sage und schreibe über elfhundert Likern und allen anderen, die so begeistert waren von Dieter Spöris Auslassungen, empfehlen, sie heute noch mal zu lesen - im Lichte dessen, was in den Wochen seither geschehen ist. Und sich dann - selbstkritisch, man denke!! - zu fragen, ob sie nicht besser daran getan hätten, diesem Wust aus wüsten Unterstellungen und schlechter Ideologie mit deutlich mehr Distanz zu begegnen. Merke: Nicht alles, was einem runterläuft wie Sahne, ist auch welche.

CharlotteRath, 15.07.2015 18:11
Yascha Mounk: "Hiermit trete ich aus der SPD aus. ... Den letzten Ausschlag für meine Entfremdung von der SPD aber gab Eure unsolidarische Politik gegenüber Griechenland – und die damit verbundene Abkehr vom sozialdemokratischen Bekenntnis zur europäischen Einigung: Das, lieber Sigmar, ist mit meinem Gewissen ganz und gar nicht zu vereinbaren. Seit Wochen beteiligt sich die SPD an einer selbstgerechten Meinungskampagne. Sozialdemokratische Politik würde heißen, für das langfristige Wohl der Menschen sowohl in Deutschland als auch in Griechenland einzustehen. Wie können wir in der Eurozone nachhaltiges Wachstum schaffen und Griechenland gleichzeitig eine menschenwürdige Zukunft ermöglichen? Aber statt für diese Fragen pragmatische Lösungsvorschläge zu erarbeiten, ließ sich die SPD-Spitze vom Finanzministerium und der Bild-Zeitung zum billigen Griechen-Bashing verführen. ... "
http://www.zeit.de/politik/deutschland/2015-07/spd-griechenland-sigmar-gabriel-brief-austritt

Rainer Marwede, 14.07.2015 11:02
Thomas Strobl etc. LIVE am 13.7. ZDF


https://www.youtube.com/watch?v=Sxr1udMt0X0

Früher "stand der Russe vor der Tür",
noch früher war "der Jude" an allem schuld.
Aber letzteres würde "der Deutsche" heute wohl nicht wagen, laut zu sagen...

Kein weiterer Kommentar zu dieser CDU-Elite....

Rainer Marwede, 13.07.2015 14:27
Hallo ( Moin, moin ) in Stuttgart!

Als TAZ-Leser in Norderstedt bei Hamburg "genieße" ich ( Genuß ist vielleicht das falsche
Wort..) an jedem Wochenende die paar Seiten des KONTEXT. Besonders die Berichterstattung
zu Stuttgart21 und den "Nachwehen" haben mich interessiert, um nicht zu sagen : schockiert.
Über die gerichtliche "Aufarbeitung" der Vorgänge erfuhr man/frau ja auch in sogenannten seriösen
Medien wenig bis nichts.

Nun aber zu diesem Beitrag.

Ich hatte - besonders nach Lektüre des Schirrmacher - FAZ-Artikels vcm NOV2011 - vor,zumindest
ein wenig in die "Öffentlichkeit" zu gehen. Mittels Leserbrief, Gesprächen im Freundeskreis,
in Diskussionen etc. etc. Seit Wochen "formuliere ich deshalb selbst an dem Thema Griechenland herum",
schriftlich oder im Kopf. Natürlich versuche ich - wo immer es geht - sachlich zu recherchieren und
mit Menschen zu sprechen ( nicht immer zur "Freude" befragter Mitbürger. )
https://www.palverlag.de/Bilder/griechische-philosophen.jpg
Dies muss ich nun nicht mehr. Bzw. ich kann diesen Beitrag dafür nutzen. Dieter Spöri hat ALLES gesagt.
Das Schlimme ist: er hat ja so Recht mit seiner Analyse und der Kritik, die sich daraus ergibt. Wobei mich
als "in die SPD hineingeborener Sozi ohne Mitgliedsbuch" die m.E. berechtigte Kritik an Gabriels "Wirken"
als SPD-Chef und Vizekanzler ( nicht nur bez. Griechenland ) seit langem entsetzt. Aber dies wäre ein neues,
abendfüllendes Thema...

Man/frau müsste eigentlich ob der uns noch bevorstehenden Konsequenzen aus dem globalen System
der systematischen Verdummung und Ent-Sozialisierung der Menschen zum Lemming werden und sich von
der nächsten Klippe ins Meer stürzen. Das würde aber mit Sicherheit dem Rest der Welt am "Dickdarm"
vorbeigehen...Entschuldigung für meinen "Ausbruch", aber hinterher ist mir immer zumindest ein bißchen
wohler...

Rheinländer pflegen zu sagen:
"et kütt wi et kütt" , und: "et is noch immer jotjejange"

aber ob das auch DIESMAL zutreffen wird ????

Auch diese Beiden dürften Zweifel haben....!

Mit freundlichen Grüßen aus dem "hohen Norden"

Ihr
Rainer Marwede
Jahrgang 1944
Rentner

Ulrich Frank, 12.07.2015 16:36
Lauter schöne Worte, von SPD-Mann und Ex-Landesminister Dieter Spöri, welche man, wenn man nicht nur "Stuttgarter Nachrichten" oder den nationalistischen Hetzer Gerd Schneider liest in der Untertürkheimer Zeitung oder den Informationsbedarf allein durch die öffentlich-rechtliche "Tagesschau" befriedigen läßt, unterschreiben kann. Allein, die Worte sind nicht ganz neu, nicht ganz originell. Im Magazin telepolis - z.B.- wird die Idee daß die nordeuropäische Strategie der vorgeschriebenen Austerität für Griechenland mit dem perfiden Ziel verfolgt werde eine eher links stehende und damit nicht ins neoliberal-konservative Konzept passende Regierung zu zerstören, koste es was es wolle (und man ist dabei bereit auch über Leichen zu gehen) schon seit Wochen wenn nicht seit Monaten vorgestellt und diskutiert.

Lobenswert immerhin diese klare Stellungsnehme des Herrn Spöri. Wieso und weshalb aber ist er nicht konsequent und tritt aus der SPD aus - insbesondere seit man dort, in der Gestalt des Herrn Gabriel (man nehme den aktuellen Artikel im Print-SPIEGEL zur Kenntnis) sich noch rechts von der CDU platziert und BILD wieder einmal als Regierungsorgan in Anspruch nimmt - WESHALB TRITT HERR SPÖRI NICHT AUS DER SPD AUS?? Was verspricht er sich noch von dieser aufs Submentale und charakterfrei-Wabernde verkommenen Partei? Wieso verlautbart er seine Haltung exemplarisch in einem Nischenprodukt wie der kontextwochenzeitung (das darf sich gerne ändern), wieso schreibt er keinen offenen Brief an die SPD, veranstaltet ein alternatives Symposion, fordert zum Austritt aus solange diese Politik noch betrieben wird von Gabriel& Co.?

Ist die SPD immer noch der Saucen-Zug den man auch für die Karriere gut gebrauchen kann - oder was? Wie wäre es einmal mit ERNST machen, was Ihnen, Herrn Spöri, mit dem Kredit des ehemaligen öffentlichen Amtes im Rücken, auch über das bloße Stellung-Nehmen in schriftlicher Form hinaus möglich wäre?

Schwabe, 11.07.2015 15:36
Die Finanzminister der Europäische Union (mit Ausnahme Griechenlands) gleichen einer Gemeinschaftspraxis mit Quaksalbern! Allen voran Wolfgang Schäuble!
Ein Arzt der eine lebensbedrohliche Krankheit erkennt, um die Ursachen weiß und entsprechend behandelt, ist gut (sollte der Normalfall sein). Ein Arzt, der einem Patienten nicht helfen kann, weil er nicht weiß, was die Ursache der Erkrankung ist, dies aber offen sagt, richtet zumindest keinen Schaden an. Ein Quacksalber, der in der selben lebensbedrohlichen Situation einen Aderlass empfiehlt, wirHarry
gegen tödlich sein. Dabei ist es für das Ergebnis egal, ob er dies aus Unwissenheit tut oder sogar wider besseres Wissen (aus politischem Kalkül).
@harry
Sie haben wohl vergessen das die EU gemeinsam mit Nea Demokratika und Pasok (vergleichbar mit CDU und SPD) Griechenland in diese Situation gebracht haben! Die Tsipras Regierung hingegen erst seit rund einem halben Jahr im Amt ist.
Seit wann wurde die DDR links sprich friedlich, freiheitlich, sozial und ausgewogen regiert?

M. Stocker, 11.07.2015 14:13
Vielleicht sollte die griechische Regierung dem deutsch-europäischen Herrenmenschengesindel erstmal einen Gegenvorschlag machen, um offenzuzlegen, wie es um die Reformfähigkeit der EU selbst steht.

Und zwar dadurch, dass sie von den EU-Staaten fordert:

1.) eine Steuerunion zu beschließen, die das fröhliche Ausspielen der EU-Mitgliedsstaaten durch die Konzerne untereinander unterbindet,

2.) an den Außengrenzen notfalls wieder Zollschranken zu errichten, um die Maßnahme 1 nicht zu unterlaufen, und damit das fröhliche Ausspielen Europas gegen den Rest der Welt zu blockieren

3.) verbindliche Mindestlöhne und Sozialstandards einzuführen, sodass auch da niemand auf die Idee kommt, durch Ausbeutung von Resten nichtstaatlicher Sozialsysteme (vulgo Familienzusammenhalt) sich Vorteile zu verschaffen (gerne auch gegenüber asiatischen Schwellenländern anzuwenden, d.h. nicht nur auf ökologisch korrekt produzierte Textilwarenimporte zu achten, sondern auch auf die Menschen, die sie produzieren)

5.) in ausnahmslos allen EU-Ländern die Löhne und Einkommen oberhalb des Mindestlohns an die Produktivität der Industrieproduktion des Landes anzupassen.

6.) eine Finanztransaktionssteuer einzuführen, die die überhitzten Finanzmärkte deutlich abkühlt und für einen stetigen Zustrom von Mitteln für Infrastruktur und Investitionen in den Sektor der wertschöpfenden Warenproduktion sorgt,

7.) diese Mittel ähnlich dem Länderfinanzausgleich überwiegend an die bedürftigsten EU-Länder zu verteilen

8.) last not least: Eine Entwicklungshilfe einzurichten, die den Menschen v.a. im Nachbarkontinent Afrika wieder eine Lebensperspektive gibt, und damit am sichersten auf lange Sicht das erbärmliche Flüchtlingselend und die rassistischen und nationalistischen Strömungen in Europa schwächt.

Und das ganze bitte innerhalb von zwei Wochen.

Wie? Das geht nicht? Zwei Wochen reichen nicht? Gesetzgebungsverfahren, höre ich da, benötigen Beratung und ihre Zeit! Ich dachte, das wäre in Griechenland aber anders.
Höre ich da Hohngelächter? Ahh, das greift also in die Souveränitätsrechte der Mitgliedsstaaten ein?

Natürlich, wie konnte ich nur vergessen, dass es wichtiger ist, sich auf europaweite Regelungen der Gurkenkrümmung zu einigen, und dass es natürlich keinerlei Eingriff in die Souveränität eines Landes ist, eine unerwünschte Regierung mit finanziellem Waterboarding zur Strecke zu bringen.

Angesichts der nahezu gleichgeschalteten Medien-Berichterstattung und Kommentierung (siehe S. Krause-Burger in der StZ) kann man garnicht soviel fressen, wie man kotzen möchte.


Was Herr Spöri, dem ich ansonsten überwiegend zustimme, nicht auf dem Schirm hat, sind die Fliehkräfte, die sich jetzt schon in den Kernländern Europas entwickeln.

Wer garantiert selbst den Bürgern Frankreichs, dass eine demokratische Wahl, wenn sie denn wie die Griechen eine Wahl hätten, noch etwas wert ist? Marine Le Pen wird das großartig auszuschlachten wissen, und die Gefahr, dass die literarische Fiktion Michel Houellebecqs auf einmal von der Realität eingeholt wird, ist so groß wie noch nie. Houellebecq sieht das Dilemma der Verhinderung einer Staatspräsidentin des Front National im Jahr 2022. Es könnte sich auch schon bei der nächsten Wahl ergeben.

Schäuble und Merkel sind die Totengräber Europas.

A. Link, 11.07.2015 11:55
Zu Harry : Lieber Harry ,

nenne mir eine einzige pseudokonservative ,pseudoliberale oder pseudosozialdemokratische Regierung , die irgendwann einmal vernünftig gehaushaltet hat. In D oder anderswo.
Unter Helmut Schmidt sind die Schulden auf ca. 380-Mrd DM
gestiegen , unter Helmut Kohl - VOR der Wiedervereinigung bis 1990 - auf über 850 Mrd.DM. Das in den wirtschaftlich fettesten Jahren überhaupt. Dannach noch weiter.
Die tollen Manager der Hypo Real Estate haben 80Mrd. Euro nur in diesem einen Institut an Schulden für die Steuerzahler hinterlassen.
Funke , der Vorstandsvorsitzende glaube ich so hieß er , dann noch auf 80 Mio.Euro entgangene Einkünfte geklagt.Bitte bloß keine Manager mit Geldsachen betrauen . Schrempff ist auch so ein Beispiel usw.usw.
Im Vergleich zu dieser einen Bank steht Griechenland nun bei Deutschland , - die Schulden wurden von Bankmanagern/Banken und CDU/CSU/SPD/FDP/GRÜNE Politikern ja auf den Staat ,- ohne jede Gegenleistungen der Banken oder Änderung des Finanzsystems-, abgewälzt, mit geradezu bescheidenen 86 Mrd. in der Schuld.
Auch die deutsche Regierung kann nicht mit Geld umgehen.
10 Mrd. Steuergeldverschwendung , 70-100 Mrd. Steuerhinterziehung , sowie 30Mrd .organisierter Umsatzsteuerbetrug per Anno seit Dekaden . Ohne Willen der Politik , der GroßenWirtschaft und der organisierten Kri- minalität ist der Fortgang nicht zu erklären (ehem. Sprecher des Bundes der deutschen Kriminalbeamten Dolata bei Pelzig in BR3 zum Thema Korruption in youtube sinngemäß: Wirtschaft, Politik und organisierte Kriminalität sind heutzutage eine Melange ). Z. B. Schäuble und Co. wehrten sich vehement gegen den Ankauf der Steuer-CDs.
Folge : 5Mrd. Einnahmen statt angestrebte 2 MRD. durch anonyme Amnestie. Bei 70-100Mrd. Steuerhinterziehung p.a. ?? Auf wessen Seite stehen diese "Politiker" ?
Das ich nicht lache , nur Linke können nicht mit Geld umgehen.
Island ist gerade ein Beispiel dafür , daß Bürger , aber nicht alteingesessene pseudoliberale, pseudokonservative noch pseudosozialdemokratische Politiker und Manager Staatsinteressen verteidigen und mit Geld umgehen können .

harry, 11.07.2015 06:49
welche linke Regierung war finanziell erfolgreich - DDR war pleite - welches linksregierte Land ist finanziell gesund ?? es ist einfach so, dass die linken einfach nicht rechnen können und nicht wahr haben wollen dass 1 plus 1 zwei ist - linke können schön reden und viel versprechen - aber nichts halten - das einfach volk können sie schön beschwichtigen aber mehr auch nicht - der film - animal farm zeigt einfach wie genossen und ihre sogenannte solidarität funktioniert

Schwabe, 10.07.2015 16:48
"...Finanzminister Yannis Varoufakis wurde zum Buhmann, weil er nicht damit aufhörte, diese Kritik der US-Ökonomen in der Runde der makroökonomisch teilweise überforderten Kollegenschaft vorzutragen..."
Traurig aber wahr - doch es paßt für mich ins Bild das es nicht um die Sache bzw. um sachgerechte Lösungen geht! Denn wer innerhalb pro-kapitalistischer Parteien "Karriere" machen will bzw. Minister werden will braucht keinen Sachverstand (besser noch: darf keinen haben) sondern muss sich der vorherrschenden Ideologie (auch Parteiräson genannt) unterordnen und handelt somit zwangsläufig immer gegen die Bedürfnisse der Mehrheitsbevölkerung!
Der griechische Finanzminister Yannis Yaroufakis ist zu intelligent bzw. ein zu guter (linker sprich sozialdemokratischer) Politiker im Gegensatz zu seinen europäischen Kollegen. Ich persönlich bedaure sehr das er zurückgetreten ist und kann nur hoffen das er politisch am Ball bleibt!

H.Ewerth, 09.07.2015 22:16
Ich habe ein Déjà-vu seit einiger Zeit, wenn ich die Aussagen von Politik, Medien und Kommentare heutiger Zeiten im Jahre 2015 verfolge, werde ich mehr an die Zeit um 1933 erinnert, als an 2015.

VÖLKER DIESER WELT SCHAUT AUF DIESES KLEINE LAND GRIECHENLAND UND SOLIDARISIERT EUCH MIT GRIECHENLAND. WIR ALLE SIND GRIECHENLAND IN DIESEN TAGEN

Nicht Griechenland ist Schuld an dieser Krise, sondern die Institutionen vorher auch Troika genannt. Austerität hat noch nie auf der Welt funktioniert, und führte immer wieder zu mehr Elend und Arbeitslosigkeit.

Dass musste schon Deutschland unter Brünning schmerzhaft erfahren, was letztendlich ja auch in die Katastrophe führte.

Warum also weigert sich Deutschland vehement, Griechenland zu den gleichen Konditionen, wie einst Deutschland bei der Londoner Schuldenkonferenz 1953 zu helfen? Ideologie oder Angst vor den eigenen Wählern?

Es scheint so, als hätten die internationalen Gläubiger 1953 aus der Geschichte gelernt, im Gegensatz zu Deutschland heute? Sonst wäre wohl damals wieder Austerität verordnet worden, da hatte Deutschland aber wirklich noch einmal Glück gehabt. Gut das die internationalen Gläubiger ihre Ideologie damals beiseite geschoben haben, und so einen Neuanfang für Deutschland und Europa zu ermöglichen.

Jona Gold, 09.07.2015 15:25
Chapeau Herr Spöri für diesen, leider so treffenden Beitrag!

JDJB33, 09.07.2015 10:34
Herr Spöri irrt damit, dass Schäuble nichts von einem Schuldenschnitt hören will. Dazu sei hier noch mal auf die jüngsten Wikileaks-Veröffentlichungen von NSA-Dokumenten hingewiesen: Demnach wollte Schäuble bereits 2011 aufgrund der damals schon erkannten Nichttragfähigkeit der griechischen Staatsschulden einen massiven Schuldenschnitt - nur war Merkel dagegen. Die völlige Übereinstimmung in der eigentlichen (dh nicht öffentlich verkündeten) Einschätzung der Sachlage zwischen Schäuble/Merkel einerseits und Varoufakis/Tsipras andererseits zeigt doch umso mehr, dass hier die angesprochenen politischen Gründe ausschlaggebend für die Position von Schäuble und Merkel sind.

Horst Ruch, 09.07.2015 00:14
....nur eine Nach-Kohl-Hysterie konnte diesen ökonomisch dümmlichsten €-Wahnweg/Unsinn bereiten. Merkels Machtgelüste wurden durch dies Unwissen beseelt.
Volkswirtschaften sind doch keine monopoly-Spielwiese.
Alle Wirtschafts-Daten aus Griechenland waren den Finanzokraten aus Brüssel und dem IWF bekannt. Aber nein, das NATOgrenzland wurde politisch auf Druck der USA (von wem wurden die Putschisten in den 60/70.er Jahren gesteuert?) zum Mitglied eingeschworen.
Die höchsten Militärbudgets in Europa, wenn das kein Warnzeichen ist. Wer hat daran verdient? Natürlich unser Säbelrassler "now it's over" war beglückt seine schwarze Null mit Zinsen u.a. aus Hellaskrediten zu deklamieren.
Deshalb ist diese miserable Diskussion in Presse und Finanzwelt ein Armutszeichen für Europa, indem man gedankenlos die Schuld der Misere der zuletzt, gerade mal vor 6 Monate demokratisch gewählten Regierung aufbürdet.
So wie die Bankenrettung mit bad-Bankübertragungen in der Finanzkrise "funktionieren"? mußte, so kann auch hier mit neuer (alter) Währung ein stabileres Staatsfinanzgerüst konstruiert werden.
Europas Finanz-Schlauberger haben sowieso ihre Währung beibehalten, darüber wird nur unter vorgehaltener Hand spekuliert, komischerweise oder war's auch Erpressung?.

Wolfgang Hoepfner, 08.07.2015 23:13
Einen wesentlichen Punkt hat Herr Spöri allerdings nicht erwähnt.

Syriza ist genauso wie "Podemos" und "Ciudadanos" in Spanien auch ein Produkt nicht nur des politischen, sondern auch moralischen Bankrotts der politischen Eliten.
Man konnte schon 2008 wissen, daß der griechische Staat in der Hand von "Nea Demokratia" oder "PASOK" durch und durch korrupt war.
Trotzdem hat man diesen Regierungen die Milliarden hinterhergeschmissen. Das der größte Teil versickerte und in den Taschen der politischen und wirtschaftlichen Eliten landete und Reformen zB im Steuerrecht unterbleiben würden, war vorhersehbar.

In Spanien ist die Situation ähnlich. PP, PSOE, diverse Regionalparteien und auch die "vereinigte Linke" haben sich hemmungslos bereichert. Diese Bereicherung funktionierte (und funktioniert bis heute) ähnlich wie in Griechenland.
Langsam (und etwas langsamer als in Griechenland) merken die Menschen, wer die Rechnung bezahlt - es sind nicht die Eliten. Genau deswegen haben Podemos und Ciudadanos einen derartigen Zulauf.

Besonders infam ist dann der Vorwurf der Europafeindlichkeit, wenn diese neuen Bewegungen sich nicht den alten "Sachzwängen" unterordnen wollen, die Korruption, Spekulation und "Steueroptimierung" der Wohlhabenden zementieren und die Krisenkosten den Mittel- und Unterschichten aufbürden.
Für Syriza kann ich das nur eingeschränkt beurteilen, aber Podemos und Ciudadanos sind weit überwiegend entschiedene Europäer - bloß haben sie andere Vorstellungen über ein geeintes Europa als die Profiteure der alten Krisenpolitik a la Troika.

CharlotteRath, 08.07.2015 22:48
"Der griechische Weg - Demokratie ist Ramsch - Wer das Volk fragt, wird zur Bedrohung Europas. Das ist die Botschaft der Märkte und seit vierundzwanzig Stunden auch der Politik. Wir erleben den Kurssturz des Republikanischen"
so war bereits am 01.11.2011 ein Artikel von Frank Schirrmacher
überschrieben. Er ist unverändert lesenswert:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/der-griechische-weg-demokratie-ist-ramsch-11514358.html

Chri S, 08.07.2015 21:21
Diesen Artikel hätte ich gern in der Süddeutschen oder wenigstens in der taz gelesen. Mal wieder gut, dass es Kontext gibt. Der Propaganda-Hass gegenüber Griechenland in den deutschen Medien ist derzeit unerträglich. Da kann man ich den Kopf schütteln in Anbetracht der beleidigten Medienvertreter, wenn die kopflosen Massen (oft auch hasserfüllt) "Lügenpresse" skandieren. Wo ist der Mut? Es gibt sicher genügend Journalisten in den großen Medienhäusern, die eine ähnliche Meinung haben wie D. Spöri, nur scheinen sie es nicht schreiben zu wollen oder dürfen.

Peterwmeisel, 08.07.2015 19:09
Ein Ballett in Stuttgart sagt deutlich: Wer nicht hinschaut, kann nichts sehen. KRABAT von Demis Volpi ist ein Lehrstück- Sehr empfehlenswert und Motivation auch auf Griechenland zu schauen. Zum Beispiel SZ S. 2 EIN ZIEMLICH GUTER SCHNITT Grafik Eurostat EU-Kommision:
https://www.dropbox.com/s/8jywiu4ygwguokj/Screenshot%202015-07-08%2008.07.45.png?dl=0

Die Grafik zeigt deutlich: 2008 Lehman Brother Crash und die folgenden Bankenkrisen. bei genauem Hinschauen sehe ich, es wird Zeit links zu wählen. Allein der Hannes Rockenbauch im Landtag ist es mir wert.
Im o. a. Text schreibt die SZ : "Betrachtet man die nackten Zahlen, steht Griechenland bei in- und ausländischen Schuldnern mit fast 320 Mrd. EURO in der Kreide."
Da muss jemand den Griechen unheimlich viele Produkte verkauft haben trotz der Kenntnis, dass Griechenland mit seinem Bruttoinlandsprodukt 242,1 (2008) diese niemals würde bezahlen
können.
Ende 2012 wird deutlich, mit Griechenland Hilfe wird heftig verdient (Zitat FTD) : ""Es gab im Sommer Hedge-Fonds - vor allem aus London und aus den USA -, die griechische Anleihen gekauft haben, weil sie der Meinung waren, dass die Papiere zum damaligen Preis unterbewertet waren", sagte Marcus Storr, Hedge-Fonds-Analyst beim Analysehaus Feri. "Diese Fonds würden davon profitieren, falls die Anleihen jetzt zu einem doppelt so hohen Preis zurückgekauft werden." Einige Fonds hätten jedoch zuvor mit Griechenland-Anleihen Geld verloren." https://www.dropbox.com/s/7e8y38s9kpqskm6/Hedge-Fonds%20machen%20Kasse%20in%20Athen%20%7C%20FTD.de%E2%80%9C.pdf?dl=0
Das ist DER GLOBALE MINOTAURUS den Yanis Varoufakis 2011 in seinem gleichnamigen Buch beschreibt. Es beschreibt die Optimierungs Falle (vgl Julian Nida-Rümelin)

Deutschland bekennt "WIR SIND EXPORT WELTMEISTER". Für mich stellt sich die Frage, wer diese Exporte bezahlen soll?
Nach I. KANT sollten wir uns um Aufklärung bemühen: Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.

Andi, 08.07.2015 17:10
Aktuell, heute mehr denn je: https://www.youtube.com/watch?v=W8_oWVRrrhU

Kornelia, 08.07.2015 16:58
Hier schon mal jemand, der bashed!
http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/07/08/skandal-im-eu-parlament-merkel-mann-liefert-brutale-hass-rede-ab/

Lustig ein CSU Mensch wirft Griechenland Sonderrecht haben zu wollen vor (Bayern ist ein einziges Sonderrecht!)
ein CSUler fordert "aufhören mit dem lügen" (waren nicht die junker\schulz aussagen VOR der Abstimmung erstunken und gelogen? )
Und dann auch noch mit Würde, Moral und Sitte zu kommen CSU??? Die Strauss Partei? Die"Familien(hüstel)Partei? Die doppel-frauen-seehofer Partei?

http://www.heise.de/tp/artikel/45/45360/1.html

Kommentar hinzufügen




CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.


* Pflichtfeld!

Letzte Kommentare:

Ausgabe 303 / Dann klopft mal schön / Jürgen Falkenstein, 18.01.2017 10:09
https://correctiv.org/correctiv/aufsichtsrat-ethikrat/ https://correctiv.org/correctiv/foerderer/ https://correctiv.org/correctiv/finanzen/ Damit ist ja wohl sichergestellt, daß da nix passieren wird, was unsere Eliten verärgern...

Ausgabe 303 / "Der Kalte Krieg ist zurück" / RB001, 18.01.2017 10:09
Heinz Greiner - Für wahr, nomen est omen.

Ausgabe 303 / Dann klopft mal schön / Marie, 18.01.2017 10:08
@Schwabe Dazu: https://correctiv.org/correctiv/finanzen/ Eine tolle Wertsteigerung von Schraven und Humborg, oder? Offenlegung der Bruttogehälter der Geschäftsführung und Chefredaktion 2015 David Schraven: 111.038 Euro Dr....

Ausgabe 303 / Kein Platz für Heuschrecken / Karl Heinz Siber, 18.01.2017 09:44
Tja, Stuttgart scheint wohl ein Peter Glotz'scher Großtanker zu sein, der seinen trägen Kurs weiterfährt, egal welcher Kapitän am Ruder steht. Man hatte ja irgendwie gehofft, dass mit OB Kuhn ein Ruck durch Stuttgart gehen würde. So...

Ausgabe 303 / Dann klopft mal schön / Schwabe, 18.01.2017 09:24
Ausgerechnet „Correctiv“ soll Facebook von Falschmeldungen befreien? Da wird doch der Bock zum Gärtner gemacht! Die Debatte um „Fake-News“, also Falschmeldungen, auf Facebook nimmt kein Ende. Nun soll ausgerechnet das...

Ausgabe 303 / Kein Bock auf Partei / Dr. Diethelm Gscheidle, 18.01.2017 08:15
Sehr geehrte Damen und Herren, bitte beachten Sie, dass Studiengebühren sehr redlich sind! Sie setzen einen Anreiz für die größtenteils faulen Studenten, endlich ihr Studium durchzuziehen. Außerdem haben ausgebildete Akademiker ein...

Ausgabe 303 / "Der Kalte Krieg ist zurück" / Heinz Greiner, 18.01.2017 08:03
Herr Alt bleibt seiner Linie treu . Gegen die , deren Politik er im SWF und der ARD schon stützte kein Wort . Wie bei seiner Sonnenseite , schön allgemein bleiben und auf der richtigen Seite . In Alter wird mancher aus der...

Ausgabe 302 / Hilfe für Snowdens Helfer / Florian S. Müller, 17.01.2017 21:14
Den Vortrag von Sönke Iwersen beim 33C3 ist unter diesem Link anzuschauen und runterzuladen: https://media.ccc.de/v/33c3-8416-the_untold_story_of_edward_snowden_s_escape_from_hong_kong#video&t=830 Am Anfang gab es technische...

Ausgabe 302 / Eliten mit Sehschwäche / Renate Knapper, 16.01.2017 12:10
Hallo Kontext-Redaktion, Ich finde es super, dass ihr das Thema reich/arm zum Schwerpunkt machen wollt. Und dass ihr gleich in BaWü anfangt und v.a. auch Namen nennt. Bitte weiter so!! Hoch spannend ist in meinen Augen auch die Aussage...

Ausgabe 300 / Kopp auf der Resterampe / Barolo, 16.01.2017 11:30
@R.N. volle Zustimmung.

Die KONTEXT:Wochenzeitung lebt vor allem von den kleinen und großen Spenden ihrer Leserinnen und Leser.