KONTEXT Extra:
NSU: Unterstützerumfeld nicht ausermittelt

Die NSU-Expertin im Landeskriminalamt Sabine Rieger hat dem zweiten parlamentarischen Untersuchungsausschuss empfohlen, weitere Zeugen zu den Verbindungen von Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos nach Baden-Württemberg zu vernehmen. Denn: Sie hält nicht für plausibel, dass die Kontakte 2001 tatsächlich abrupt abrissen – bis dahin sind rund 30 Besuche des Trios belegt – und dementsprechend die Arbeit nicht für "hundertprozentig abgeschlossen". Sie könne sich nicht vorstellen, dass es über 2001 hinaus "keinen gab, der zumindest Ansprechpartner war", sagte die Kriminalhauptkommissarin in der siebten Sitzung am Freitag im Landtag. Rieger nannte dem Ausschussvorsitzenden Wolfgang Drexler (SPD) verschiedene Namen von Zeugen, die möglicherweise ihrerseits Kontakt zu Kontaktpersonen gehabt haben könnten. Ein starkes Indiz dafür, dass der NSU immer weiter Verbindungen nach Baden-Württemberg pflegte, ist der Stadtplan von Ludwigsburg, der nach dem Auffliegen im November 2011 im Brandschutt von Zwickau gefunden wurde. Der stammt auf dem Jahr 2009.

Bekannt wurde inzwischen auch, dass die drei Rechtsterroristen vor ihrem Abtauchen 1998 von Thüringer Behörden abgehört wurden. Nach Angaben Drexlers ist allerdings ungeklärt, ob die entsprechenden Protokolle noch vorhanden sind. Der Ausschuss will dem nachgehen, weil darin ebenfalls Kontakte, etwa nach Ludwigsburg oder nach Heilbronn, belegt sein könnten. (24.2.2017)

Weitere Ausschuss-Termine: 20. März, 28. April, 15. Mai, 19. Juni, 17. Juli 2017. 


Abschiebung nach Afghanistan: Strobls "katastrophale Pannen"

Immerhin eines ist geklärt: was CDU-Innenminister Thomas Strobl unter dem "konsequenten Vollzug von Recht und Gesetz" versteht. Nach einer Einzelfallprüfung durch sein Haus sollten am Mittwochabend ein psychisch kranker Mann, der per Gerichtsbeschluss schon einmal von der baden-württembergischen Abschiebe-Liste geholt wurde, und ein afghanisch-türkischer Familienvater aus München nach Kabul reisen müssen. Abermals griffen Gerichte ein. Der grüne Koalitionspartner tobt, von "katastrophalen Pannen" ist die Rede und davon, dass der CDU-Landeschef alle Absprachen gebrochen hat. Sogar Ministerpräsident Winfried Kretschmann knöpfte sich den Stellvertreter vor. Und die baden-württembergischen Jusos sprechen von einem "Spiel mit dem Leben der Betroffenen". Dass wieder Gerichte "eingreifen müssen, um diesem Irrsinn ein Ende zu setzten, zeigt, wie leichtfertig mit dem Schicksal einzelner Menschen umgegangen wird". Die Landesregierung habe den Spielraum, "das zu stoppen, und muss diesen endlich nutzen".

Bisher wollte sich Kretschmann dem vorübergehenden Abschiebestopp nach Afghanistan, den andere grün-mitregierte Länder bereits umsetzen, allerdings nicht anschließen. Der Druck auf ihn steigt aber weiter, nachdem am Mittwoch auch ein Mann abgeschoben wurde, der seit Jahren einen Arbeitsplatz in Baden-Württemberg hatte. Außerdem ist Strobl weiter uneinsichtig und will die Aufregung beim Koalitionspartner, bei den Jusos, den Flüchtlingsorganisationen und vielen Unterstützern vor Ort nicht verstehen. Stattdessen sieht er in einer Aussetzung von Abschiebungen eine "Aushöhlung des Rechtsstaats". Er könne nicht nachvollziehen, sagt der Merkel-Vize, dass es Länder gibt, die sich "systematisch weigern", geltendes Recht zu vollziehen: "Das sind Schläge gegen den Föderalismus."

Mehr zum Thema: "Späte Einsicht", "Kritik ist Lüge", "Der Hardliner", "Geisterfahrer unterwegs" https://www.kontextwochenzeitung.de/politik/300/der-hardliner-4100.html


Alles von vorne

Nicht alle bekommen eine zweite Chance, baden-württembergische Landtagsabgeordnete nehmen sie sich: Mit einem sogenannten Aufhebungsgesetz beginnen die Reparaturarbeiten nach dem bisher größten Aufreger der Legislaturperiode, der im Hau-Ruck-Verfahren beschlossenen knappen Verdoppelung der Pauschalen für Aufwand und Wahlkreis, sowie der Rückkehr zur staatlichen Altersversorgung. Die Grünen wollten alle Vorhaben gemeinsam auf den Prüfstand stellen, CDU und SPD setzten sich durch mit einer Expertenkommission, die allein die Rentenreform prüfen wird.

Zuerst allerdings muss Mitte März das entsprechende Gesetz endgültig aufgehoben werden. Danach werden die Experten, einschließlich jener vom Rechnungshof, benannt. Irgendwann im Herbst soll dann mit jener Transparenz, an der es im ersten Durchlauf bitter mangelte, über die Veränderungen, mit denen eine Anhebung der Alters- und Hinterbliebenenversorgung einhergeht, diskutiert werden. Eile haben die Abgeordneten keine, denn niemand will sich ausgerechnet in den Wochen vor der Bundestagswahl abermals Vorwürfen aussetzen, sich eine Luxuspension auf Staatskosten zu genehmigen. (22.2.2017)

Mehr zum Thema: "Raffkes mit Mandat"


Fahrverbote beschlossen – Nordost-Ring vom Tisch

Wie ein Gespenst geisterte seit Wochen ein vor fast 40 Jahren beerdigtes Verkehrsprojekt durch die Debatte um Feinstaubalarmtage und Fahrverbote in der Landeshauptstadt: der Nordost-Ring. Jetzt hat Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) allen Spekulationen eine Absage erteilt. Auch deswegen, weil die Baumaßnahme entgegen den Behauptungen von Teilen der CDU keineswegs bereits im Bundesverkehrswegeplan steht. "Dort geht es um neun Kilometer der B 29", so Hermann nach dem heutigen Kabinettsbeschluss zu Fahrverboten ab 1.1.2018 an Feinstaubtagen, den schlussendlich auch die CDU-Landtagsfraktion mittrug.

Prompt gab es Lob von Umwelt- und Naturschützern. Hermann habe erkannt, so die BUND-Landesvorsitzende Brigitte Dahlbender, "wenn nicht zeitnah effiziente Maßnahmen greifen, so werden die Gerichte die Entscheidungen zum Schutze der Bürger*innen treffen und die Politik das Heft aus der Hand geben müssen". Die Stuttgarter CDU ist noch nicht ganz so weit. Für den Kreisvorsitzenden Stefan Kaufmann sind Fahrverbote weiterhin "politisch klar abzulehnen". Und er träumt von Nordost-Ring: Jetzt gelte es "endlich neue Verkehrsprojekte wie den Nord-Ost-Ring auf den Weg zu bringen". Hermann machte dagegen deutlich, dass das nach dem eben erst in Kraft gesetzten Bundesverkehrswegeplan gar nicht möglich ist. 

In den Sechzigern und Siebzigern waren zwei Varianten durchdacht worden: eine größere mit einem Autobahnzubringer bei Mundelsheim und eine kleinere etwa auf der Gemarkungsgrenze zwischen Waiblingen und Fellbach. Schon damals vertraten Verkehrswissenschaftler allerdings die Ansicht, dass ein Ringschluss rund um Stuttgaart weniger die Stadt, sondern die Autobahnen im Westen und Süden entlasten würde.


Korntal: Opfervertreter verlangen mehr Engagement der Landeskirche

Die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in der evangelischen Brüdergemeinde Korntal ist unterbrochen. Die Opfervertreter verlangen einstimmig, dass sich Frank Otfried July endlich entscheidend einbringt. "Wir werden nicht mehr mit den Brüdern sprechen", so Netzwerk-Sprecher Detlev Zander. Jetzt müsse "der Oberhirte, also der Bischof, ran". Im Betroffenen-Netzwerk organisiert, werfen mehr als 300 ehemalige Heimkinder der Brüdergemeinde vor, in den 1950er- bis 1980er-Jahren in deren zwei Einrichtungen sexuell missbraucht, misshandelt und gedemütigt worden zu sein.

Dass mehr Engagement von July gefordert wird, ist nicht neu. Im Sommer 2016 hatte einer der Betroffenen in einem langen Schreiben an den Landesbischof appelliert: "Die Kirche ist mit in der Verantwortung und wenn Sie als Oberhirte weiter schweigen, machen Sie sich persönlich schuldig. Die Heimopfer warten auf ein klärendes Wort von Ihnen." Denn die Korntaler Fürsorge habe "einen menschlichen Scherbenhaufen hinterlassen". (20.02.2017)


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Karikatur: Oliver Stenzel

Karikatur: Oliver Stenzel

Ausgabe 201
Politik

Gönner ohne Gedächtnis

Von Johanna Henkel-Waidhofer
Datum: 04.02.2015
Ihr Auftritt vor dem Untersuchungsausschuss zum Schwarzen Donnerstag hat unterstrichen: Ein Blick in die dienstlichen Mails von Ex-Umweltministerin Tanja Gönner (CDU) könnte aufschlussreich sein. Denn die 45-Jährige leidet unter schlechtem Gedächtnis. Damit wollen sich nicht einmal Parteifreunde abfinden.

"Ein Ministerium ist eine Institution", sagt Reinhard Löffler, "weshalb eine Ministerin bei ihrem Abgang inhaltliche Fragen nicht einfach mitnehmen darf." Der Rechtsanwalt und Stuttgarter CDU-Abgeordnete kann ziemlich stur sein, wenn ihm etwas gegen den Strich geht. Das haben schon Landtagsvizepräsidentin Brigitte Lösch oder der Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Uli Sckerl zu spüren bekommen. Löffler sprach sogar dem ganzen Gremium seine Rechtsmäßigkeit ab. Jetzt will er wissen, warum Gönner verschlossen ist wie eine Auster.

Vor dem Verwaltungsgericht in Sigmaringen hatte die Juristin aus Bingen auf der Alb – zwischenzeitlich mit tätiger Hilfe von Angela Merkel Vorstandsvorsitzende der Gesellschaft für internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit (GIZ) und Chefin von mehr als 16 000 Beschäftigten geworden – Klage gegen die Vorlage der dienstlichen Mails eingereicht. Zum Auftakt ihrer Zeugenaussage in der vergangenen Woche bezog sie sich ausdrücklich auf "die ausgesprochen interessante Rechtsprechung" des VGH in Mannheim. Der hatte im Sommer 2014 Stefan Mappus Recht gegeben in seinem Anspruch, bestimmte Mails nicht an die Abgeordneten übergeben zu müssen.

Was dienstlich ist, hat Ewigkeitswert

Den kleinen, aber feinen Unterschied arbeitet Rechtsanwalt Löffler mit Präzision heraus: Die private Korrespondenz des abgewählten Regierungschefs war nur durch einen Zufall in Kopie im Staatsministerium vorhanden, Mappus selbst hatte die Löschung vor seinem Ausscheiden aus dem Amt angeordnet. Der digitale Schriftverkehr der Ministerin hingegen befindet sich auf Bändern, die zu Zeiten der CDU/FDP-Koalition eigens und mit ihrem Wissen angefertigt wurden, um – etwa im Fall einer Umstrukturierung des Umwelt- und Verkehrsressorts – später darauf zurückgreifen zu können. "Alles, was dienstlich ist, hat Ewigkeitswert", meint Löffler, der hinter den Kulissen sogar versucht hatte, der Parteifreundin "eine goldene Brücken zu bauen".

Weiß von nichts mehr: Tanja Gönner. Foto: Joachim E. Röttgers
Weiß von nichts mehr: Tanja Gönner. Foto: Joachim E. Röttgers

Ohne Erfolg, Gönner lehnte ab. Sie wollte Dienstliches nicht von Privatem trennen. Sie wollte nicht gemeinsam mit einer Vertrauensperson über die Accounts gehen, und sie wollte sich auch gar nicht erst mit diversen Vorschlägen zum weiteren Prozedere befassen. Alle vier Fraktionen reagierten mit einer einhelligen Entscheidung: Nach der nächsten Sitzung am 23. Februar wird die Arbeit unterbrochen. Jürgen Filius, der Vorsitzende, will einen letzten Versuch unternehmen, zu einer gütlichen Einigung zu kommen. Wenn das nicht gelingt, beraten die Abgeordneten erst nach der Entscheidung der Sigmaringer Richter über das weitere Vorgehen. "Wir werden nichts unversucht lassen", kündigt SPD-Obmann Sascha Binder an, der sich mit den Erinnerungslücken der Exministerin nicht abfinden will.

Die neue Wendung in der parlamentarischen Aufklärungsarbeit birgt Brisanz. Denn eine dem ersten Ausschuss im Winter 2010 nicht vorgelegte Ministerinnen-Mail hatte überhaupt erst dazu geführt, dass sich das zweite Gremium zusammenfand. Der Schluss liegt nicht fern, dass weitere Mails weitere Erkenntnisse bringen. Neun Tage vor dem Polizeieinsatz hatte die damalige Umwelt- und Verkehrsministerin den Regierungschef Mappus über den Stand in verschiedenen Komplexen unterrichtet, darunter organisatorische Details zum Wechsel an der Spitze des Stuttgart-21-Büros. Sie stellte aber auch einen Zusammenhang zwischen den Baumfällarbeiten in der Nacht zum 1.Oktober und der vom Ministerpräsidenten geplanten Regierungserklärung her: "Ziel ist, dass bis zu deiner Regierungserklärung alles mit den Bäumen erledigt ist."

Keine Alternative zum Wasserwerfereinsatz

Das wiederum wundert ausgerechnet Wolfgang Drexler. Der ehemalige Projektsprecher, der diese Funktion zwei Wochen vor dem Schwarzen Donnerstag niederlegte, weil er sie für unvereinbar mit der damals neuen SPD-Forderung nach einem Baustopp hielt, erinnert sich bestens an diese Tage, als er noch – quasi kommissarisch – im Amt war. Vor allem daran, dass der Termin, an dem die ersten Platanen im Schlossgarten fallen sollten, schon seit Monaten feststand. Weshalb also meldete Gönner Vollzug, wenn der 30. September gar keine Neuigkeit war? Vielleicht weil eben doch ein neuer direkter Zusammenhang zum Termin der Regierungserklärung bestand?

Der ehemalige Oberstaatsanwalt Bernhard Häußler. Foto: Raimund Wimmer
Der ehemalige Oberstaatsanwalt Bernhard Häußler. Foto: Raimund Wimmer

In diese Argumentationskette reihen sich mehrere Antworten des ebenfalls in der vergangenen Woche gehörten pensionierten Oberstaatsanwalts Bernhard Häußler. Stoisch beantwortete er viele Fragen und bot aufschlussreiche Einblicke. "Die Aufopferung, mit der sich Leute dem Wasserwerfer entgegenstellten", habe er "nicht für möglich gehalten", sagte er. Und, dass es "kein Geheimnis ist, dass sich die Polizei auf ein anderes Szenario eingestellt hat". Aber er sagte auch: "Ein Abbruch des Einsatzes war nicht in der Diskussion. Ich hätte mir die Freiheit, das zu verlangen, herausgenommen, wenn es eine Alternative gegeben hätte."

Keine Alternative? Also doch ein außergewöhnlicher Zeit- und Erfolgsdruck in den entscheidenden Stunden? Dass Mappus Ergebnisse zu sehen verlangte, ist belegt. Dass er kochte, dass er – siehe EnBW-Geheimverhandlungen – wieder in die Offensive wollte. Die Kanzlerin hatte den Pforzheimer gerade erst im Bundestag unter Druck gesetzt mit ihrer Umdeutung der baden-württembergischen Landtagswahl 2011 zum Plebiszit über den Tiefbahnhof. Erstmals waren 50 000 Menschen im Talkessel auf der Straße. Beim Landestag der Jungen Union am dritten September-Wochenende ließ er mächtig die Muskeln spielen: "Mir ist der Fehdehandschuh hingeworfen worden, und ich nehme ihn auf."

Ihr taffes Auftreten brachte Gönner den Spitznamen "Schwarze Mamba"

Und nicht zuletzt: Wichtige Meinungsmacher in den Medien spekulierten am Tag vor dieser Gönner-Mail erstmals darüber, dass ein gewisser Winfried Kretschmann demnächst das drittgrößte Bundesland regieren könne. Der stellvertretende Bundestagsfraktionsvorsitzende und heutige Stuttgarter OB Fritz Kuhn erhob den Anspruch nach der Regel "Der Stärkere stellt den Chef oder die Chefin", die SPD-Landeschef Nils Schmid ausdrücklich akzeptierte. Da soll nicht im kleinsten Kreis heftig an einer Strategie gezimmert worden sein, die miese Stimmung für die CDU mit historisch tiefen Umfragewerten per Befreiungsschlag zu drehen?

Reinhard Löffler, Rechtsanwalt und Stuttgarter CDU-Abgeordnete. Foto: Joachim E. Röttgers
Reinhard Löffler, Rechtsanwalt und Stuttgarter CDU-Abgeordnete. Foto: Joachim E. Röttgers

Sieben Jahre war Gönner Ministerin im Land. Sieben Jahre brillierte sie mit Detailwissen. In Heiner Geißlers Schlichtung konnten sich Millionen Zuschauer ein Bild vom taffen Auftreten machen, das ihr den Beinamen "Schwarze Mamba" eintrug. Viereinhalb Jahre nach dem Schwarzen Donnerstag ist diese Zäsur in der Landesgeschichte, sind die Ereignisse rund um die einmalige Eskalation im Schlossgarten versackt im Nirgendwo. "Ich komme gerade aus Palästina", berichtet sie, als wäre das eine Erklärung für den wenig glaubwürdigen Gedächtnisschwund.

Auf die Sprünge könnten ihr und der Öffentlichkeit Mails in drei entscheidenden Fragen helfen: Gönner will nichts erfahren haben vom Ansinnen des Verwaltungsgerichts Stuttgart, die Baumfällungen entsprechend einem Eilantrag des BUND aufzuschieben. "Unvorstellbar" ist das für Reinhard Löffler, der weiß, dass sie sich damals per Mail sogar mit dem neuen Schreibtisch für den neuen Projektsprecher befasst hat. Dazu hat ihr Amtschef Bernhard Bauer, der am 23. Februar als letzter Zeuge vor der Pause geladen ist, sie seinerzeit angeblich nicht über eine wichtige Mitteilung des Eisenbahn-Bundesamts informiert: "Hin und wieder schützen Amtschefs ihre Minister", antwortet sie im Landtag schnell und lächelte schmal.

Entfallen ist ihr auch Mappus' Bitte, den Polizeibericht über den Einsatz am 30. 9. zu prüfen. "Das mag schon sein", meint Löffler milde, das mache er ihr nicht zum Vorwurf. Aber genau wegen solcher Dinge müssten die dienstlichen Mails auf den Tisch: "Ich habe keine Lust, mir sagen zu lassen, alles wäre aufgeklärt worden, wenn der Ausschuss die nur zu Gesicht bekommen hätte." Dafür nimmt er sogar in Kauf, dass sich Arbeit möglicherweise in den Herbst und damit ziemlich nahe an den nächsten Wahlkampf zieht.


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Kommentare

Insider, 10.03.2015 12:53
Stuttgart dpa/lsw Die Staatsanwaltschaft Stuttgart leitet keine Ermittlungen gegen die ehemalige Verkehrsministerin Tanja Gönner (CDU) wegen des sogenannten großen Verkehrsvertrags mit der Bahn ein. Es gebe keine Anhaltspunkte für ein strafbares Verhalten oder für eine vorsätzliche Pflichtverletzung, teilte die Behörde am Dienstag mit.
Konnte man etwas anderes erwarten?

By-the-way, 09.02.2015 21:25
@Werner

"Mappus-Alzheimer" trifft "in´s Schwarze",
denn Mappus = Morbus (Krankheit, Leiden).

Glückwunsch, Sie haben ein Synonym beschrieben, das noch nicht im Duden steht!

"Und lasst doch die Frau auf ihrem Posten bei der GIZ"

Ääääähhhh - wieso ?

Wozu gibt´s Hartz IV, wenn´s mit der "Anschlußverwendung" nicht klappt?
Damit wäre diese Politikerin allerdings dann noch überbezahlt!

Werner, 09.02.2015 18:31
By-the way
Sie meinen sicherlich die Krankheit `Mappus-Alzheimer`? Und lasst doch die Frau auf ihrem Posten bei der GIZ. Sonst kommt eine andere Pfeife dort hin und was wäre dann gewonnen?

By-the-way, 06.02.2015 00:26
Mit solchen "Gedächnislücken" muss man, und zwar ohne das noch weitere Untersuchungen erforderlich sind, bei Frau Gönner eindeutig eine Demenzerkrankung diagnostizieren.
Mit hoher Wahrscheinlichkeit leidet sie an Morbus Alzheimer...

Unter diesen Umständen eine Führungsposition bei der GIZ auszuüben, kann nicht mehr verantwortet werden.

Diese kranke Frau ist in einer solchen Position nicht mehr tragbar,
kann -krankheitsbedingt- ihrer Verantwortung nicht mehr gerecht werden und sollte UMGEHEND aus dieser Stellung entfernt werden!

Heike, 05.02.2015 18:32
Dass Löffler sich so geäußert hat, kann ich mir nicht so recht vorstellen. Im Untersuchungsausschuss hat er die schwarze Mamba mit Samthandschuhen angefasst!

Und zu Gönner selbst: Es passt nicht zusammen, dass sie sich einerseits mit Erinnerungslücken herausredet, andererseits sich aber genau dran erinnern kann, dass es keine politische Einflussnahme auf den Polizeieinsatz gab!

Warum sollte si sich daran denn so genau erinnern, wenn sie sich sonst an fast nichts mehr erinnert??

Da sollte man lieber das glauben, was sie damals schriftlich von sich gegeben hat: ""Ziel ist, dass bis zu deiner Regierungserklärung alles mit den Bäumen erledigt ist."

Und das spricht ganz klar FÜR eine poltische Einflussnahme!!

Insider, 05.02.2015 17:09
An manche Dinge erinnert man sich gern und manch andere vergisst man gern. Ich erinnere mich noch gut an den 40. Geburtstag von Frau Gönner, als der damalige Ministerpräsident Stefan Mappus mit dem Hubschrauber in Gönners Heimatgemeinde ankam. Selbst mit dem Erscheinen der Bundeskanzlerin, die im benachbarten Krauchenwies zu einem Kurzbesuch weilte, wurde gerechnet. So wie ich mich an die Hubschrauber und vielen dunklen Karossen mit S-Kennzeichen erinnern kann, wird sich auch Frau Gönner an manche ihrer Mails an den MP erinnern.

Quatsch-mit-Soße, 05.02.2015 16:57
marode marode, alles marode. irgendwann haut das nich mehr hin, lässt sich das "normale" Volk nicht mehr alles gefallen und dann gibt's mal wieder ne große Explosion von Wut und wohl auch Gewalt und Umsturz und alles rollt. dann macht man was neues, das funktioniert ne Weile, bis es dann auch wieder vor die Hunde geht, die Macht verlockt und noch nie hat irgendein system der gier widerstanden. Auf ein gutes nächstes was-auch-immer.

MCBuhl, 05.02.2015 13:26
tillup schrieb: "Die Demonstranten erinnern sich noch genau an den Tag,..."

Da muss ich widersprechen. Ich kann mich noch genau an das Grinsen des Manns am Joystick erinnern. Keine Ahnung, welches Spiel der geglaubt hat zu spielen. Auch an das Gefühl der Treffer erinnere ich mich.
Aber das Gesicht des Mannes selbst habe ich, zum Glück!, mittlerweile vergessen. Zum Glück, weil ich das nicht ewig mit mir rum schleppen will und weil ich v.a. nicht jedem Polizisten prüfend ins Xicht guggen will, war er's, war er's net. Irgendwann muss auf persönlicher Ebene Ruhe einkehren.

Das Grinsen aber, das vergesse ich nicht. Und dafür gehören einige zur Verantwortung gezogen. Nicht die, die gegrinst haben. Die, die's befohlen haben. Und wenn das immer noch nicht möglich ist, dann sind wir zivilisatorisch seit 1945 immer noch keinen Schritt weiter gekommen.

MCBuhl, 05.02.2015 13:20
Betr. "schwarze Mamba"
Könnte man mal bitte aufhören, die Tierle ständig zu diffamieren? Egal wie deren Ruf, aber _den_ Vergleich haben sie echt nicht verdient!

Manfred Fischer, 05.02.2015 13:14
Offensichtlich besteht ja nunmehr ein großes Interesse bei den „unterschiedlichsten“ Mitgliedern des Untersuchungsausschusses, Einsicht in die Mails von Frau Gönner zu bekommen. Der SPD-Obmann Sascha Binder kündigte gar an, dass er sich mit den Erinnerungslücken der Exministerin nicht abfinden will. Da wundert mich aber, dass nunmehr längere Zeit „untätig“ abgewartet werden soll, was das Verwaltungsgericht in Sigmaringen dazu zu sagen hat. Alleine der Ort dieses Gerichtes ruft bei mir eine gewisse Skepsis über die Neutralität dieses Gerichtes hervor.

Als Laie gehe ich von der Annahme aus, dass es rechtliche Prinzipien gibt, die für die Notwendigkeit der Aufzeichnung von Dienst-Mails gelten. Und dass diese Prinzipien auch Aussagen darüber machen, wer das Recht besitzt, die Mails einzusehen. Ich habe daher den Wunsch, dass der Untersuchungsausschuss auch die Expertise eines unabhängigen Gutachters mit einschlägigem Wissen einholt.

Als Bürger sollte ich doch noch eine gewisse Gewähr dafür haben, dass die öffentlichen Äußerungen von Politikern auch mit ihrem Handeln überein stimmen. Ohne Kontrollen ist das nicht möglich. Schließlich muss politisches Handel auch mit Verantwortlichkeit gegenüber der Gesellschaft verbunden sein. Diese Verantwortung scheint mir aber bei Politikern mehr und mehr abhanden zu kommen.

FernDerHeimat, 05.02.2015 12:57
Gönnern wir uns eine Gedächtnislücke...

Passend zur Demokratielücke, die es bei der CDU ja schon seit Jahrzehnten gibt.

Erwin, 05.02.2015 09:50
Ein Grosses, ein Ekliges, ein Hässliches: Ego.
Der Körper ist das sichtbare Bild der Seele.
Schmerz. Laß. Nach.

Peter Boettel, 04.02.2015 13:45
Wer hat etwas anderes von Gönner erwartet, durch Verweis auf Gedächtnislücken konnte Gönner ihren Gönner Mappus schützen. Diese Gedächtnislücken sind ja bei CDU-Politikern seit den Spendenaffären nichts Neues. Schlimm wäre es nur für einen Normalbürger, wenn er sich vor Gericht oder ansonsten in der Öffentlichkeit auf soviele Gedächtnislücken berufen würde. Normalbürger hätten dann sicherlich Probleme, berufliche Karriere zu machen oder überhaupt eine Arbeitsstelle zu erhalten. Aber bei Politikern vom Schlage Gönner, Pofalla und anderen gelten andere Regeln. Alle Menschen sind gleich, nur manche sind gleicher.

Schwabe, 04.02.2015 11:05
Löffler hat versucht Gönner "eine goldene Brücke zu bauen"! Na da ist er doch der Filz - zumindest schimmert er durch.
Weshalb ist der m.E. ansonsten so notorische Aufklärungsverhinderer Löffler plötzlich so an Aufklärung interessiert?! Was ja grundsätzlich gut ist, doch wie hätte "die Brücke" zwischen Löffler und Gönner ausgesehen?! Ist das jetzt nur "verletzter Stolz" bei Löffler weil Gönner nicht auf seine Bemühungen eingegangen ist?!

Den von Löffler laut Frau Henkel-Waidhofer ach so präzise herausgearbeiteten kleinen aber feinen Unterschied von dienstlichen und privaten Mails halte ich für wenig lobenswert. Es mag ein juristischer Unterschied bestehen zwischen privaten und dienstlichen Mails, doch hier geht es um nicht mehr und nicht weniger als um Grundsätze der Demokratie (Einflussnahme der Politik auf die Polizei). Vor diesem Hintergrund halte ich diesen "kleinen aber feinen Unterschied" für mehr als fragwürdig, wenn nicht gar für katastrophal! Lobenswert ist er jedenfalls nicht!

tillupp, 04.02.2015 09:10
Die Demonstranten erinnern sich noch genau an den Tag, und jede Wette, keiner der Hauptverantwortlichen hat auch nur ein einziges Detail vergessen. Mappus nicht, Stumpf nicht, Häußler nicht, und auch Gönner nicht. Sicherlich hat jeder von Ihnen eine ausführliche Akte im Keller liegen um sich notfalls zu entlasten. Aber H. Kohl's Backout hat es allen vorgemacht. Man muß nur dreist genug lügen. Dann kommt man zwar posthum nicht ins Paradies, aber eben im Diesseits auch nicht ins Gefängnis. Ziel der Verteidigung ist jetzt erst mal in die Verjährungszone zu kommen.
P.S.: Zumindest Gönner selbst könnte ja mal in ihren alten Mails nachlesen, um sich die Erinnerung aufzufrischen. Will sie aber nicht, und sie weiß auch warum.

Alfred, 04.02.2015 02:30
...und lächelte schmal. So ist das wenn man nach dem Motto no risk no fun lebt.

By-the-way, 04.02.2015 00:29
Wie jetzt?!!

Klingt wie eine Lobrede auf den, rechtskräftig verurteilten,"C"DU-Schläger, Reinhard Löffler.

Was soll dabei bitte, POSITIV, im Sinne der Aufklärung, mit dieser UNperson, am Ende herauskommen?!!

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