KONTEXT Extra:
NSU: Unterstützerumfeld nicht ausermittelt

Die NSU-Expertin im Landeskriminalamt Sabine Rieger hat dem zweiten parlamentarischen Untersuchungsausschuss empfohlen, weitere Zeugen zu den Verbindungen von Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos nach Baden-Württemberg zu vernehmen. Denn: Sie hält nicht für plausibel, dass die Kontakte 2001 tatsächlich abrupt abrissen – bis dahin sind rund 30 Besuche des Trios belegt – und dementsprechend die Arbeit nicht für "hundertprozentig abgeschlossen". Sie könne sich nicht vorstellen, dass es über 2001 hinaus "keinen gab, der zumindest Ansprechpartner war", sagte die Kriminalhauptkommissarin in der siebten Sitzung am Freitag im Landtag. Rieger nannte dem Ausschussvorsitzenden Wolfgang Drexler (SPD) verschiedene Namen von Zeugen, die möglicherweise ihrerseits Kontakt zu Kontaktpersonen gehabt haben könnten. Ein starkes Indiz dafür, dass der NSU immer weiter Verbindungen nach Baden-Württemberg pflegte, ist der Stadtplan von Ludwigsburg, der nach dem Auffliegen im November 2011 im Brandschutt von Zwickau gefunden wurde. Der stammt auf dem Jahr 2009.

Bekannt wurde inzwischen auch, dass die drei Rechtsterroristen vor ihrem Abtauchen 1998 von Thüringer Behörden abgehört wurden. Nach Angaben Drexlers ist allerdings ungeklärt, ob die entsprechenden Protokolle noch vorhanden sind. Der Ausschuss will dem nachgehen, weil darin ebenfalls Kontakte, etwa nach Ludwigsburg oder nach Heilbronn, belegt sein könnten. (24.2.2017)

Weitere Ausschuss-Termine: 20. März, 28. April, 15. Mai, 19. Juni, 17. Juli 2017. 


Abschiebung nach Afghanistan: Strobls "katastrophale Pannen"

Immerhin eines ist geklärt: was CDU-Innenminister Thomas Strobl unter dem "konsequenten Vollzug von Recht und Gesetz" versteht. Nach einer Einzelfallprüfung durch sein Haus sollten am Mittwochabend ein psychisch kranker Mann, der per Gerichtsbeschluss schon einmal von der baden-württembergischen Abschiebe-Liste geholt wurde, und ein afghanisch-türkischer Familienvater aus München nach Kabul reisen müssen. Abermals griffen Gerichte ein. Der grüne Koalitionspartner tobt, von "katastrophalen Pannen" ist die Rede und davon, dass der CDU-Landeschef alle Absprachen gebrochen hat. Sogar Ministerpräsident Winfried Kretschmann knöpfte sich den Stellvertreter vor. Und die baden-württembergischen Jusos sprechen von einem "Spiel mit dem Leben der Betroffenen". Dass wieder Gerichte "eingreifen müssen, um diesem Irrsinn ein Ende zu setzten, zeigt, wie leichtfertig mit dem Schicksal einzelner Menschen umgegangen wird". Die Landesregierung habe den Spielraum, "das zu stoppen, und muss diesen endlich nutzen".

Bisher wollte sich Kretschmann dem vorübergehenden Abschiebestopp nach Afghanistan, den andere grün-mitregierte Länder bereits umsetzen, allerdings nicht anschließen. Der Druck auf ihn steigt aber weiter, nachdem am Mittwoch auch ein Mann abgeschoben wurde, der seit Jahren einen Arbeitsplatz in Baden-Württemberg hatte. Außerdem ist Strobl weiter uneinsichtig und will die Aufregung beim Koalitionspartner, bei den Jusos, den Flüchtlingsorganisationen und vielen Unterstützern vor Ort nicht verstehen. Stattdessen sieht er in einer Aussetzung von Abschiebungen eine "Aushöhlung des Rechtsstaats". Er könne nicht nachvollziehen, sagt der Merkel-Vize, dass es Länder gibt, die sich "systematisch weigern", geltendes Recht zu vollziehen: "Das sind Schläge gegen den Föderalismus."

Mehr zum Thema: "Späte Einsicht", "Kritik ist Lüge", "Der Hardliner", "Geisterfahrer unterwegs" https://www.kontextwochenzeitung.de/politik/300/der-hardliner-4100.html


Alles von vorne

Nicht alle bekommen eine zweite Chance, baden-württembergische Landtagsabgeordnete nehmen sie sich: Mit einem sogenannten Aufhebungsgesetz beginnen die Reparaturarbeiten nach dem bisher größten Aufreger der Legislaturperiode, der im Hau-Ruck-Verfahren beschlossenen knappen Verdoppelung der Pauschalen für Aufwand und Wahlkreis, sowie der Rückkehr zur staatlichen Altersversorgung. Die Grünen wollten alle Vorhaben gemeinsam auf den Prüfstand stellen, CDU und SPD setzten sich durch mit einer Expertenkommission, die allein die Rentenreform prüfen wird.

Zuerst allerdings muss Mitte März das entsprechende Gesetz endgültig aufgehoben werden. Danach werden die Experten, einschließlich jener vom Rechnungshof, benannt. Irgendwann im Herbst soll dann mit jener Transparenz, an der es im ersten Durchlauf bitter mangelte, über die Veränderungen, mit denen eine Anhebung der Alters- und Hinterbliebenenversorgung einhergeht, diskutiert werden. Eile haben die Abgeordneten keine, denn niemand will sich ausgerechnet in den Wochen vor der Bundestagswahl abermals Vorwürfen aussetzen, sich eine Luxuspension auf Staatskosten zu genehmigen. (22.2.2017)

Mehr zum Thema: "Raffkes mit Mandat"


Fahrverbote beschlossen – Nordost-Ring vom Tisch

Wie ein Gespenst geisterte seit Wochen ein vor fast 40 Jahren beerdigtes Verkehrsprojekt durch die Debatte um Feinstaubalarmtage und Fahrverbote in der Landeshauptstadt: der Nordost-Ring. Jetzt hat Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) allen Spekulationen eine Absage erteilt. Auch deswegen, weil die Baumaßnahme entgegen den Behauptungen von Teilen der CDU keineswegs bereits im Bundesverkehrswegeplan steht. "Dort geht es um neun Kilometer der B 29", so Hermann nach dem heutigen Kabinettsbeschluss zu Fahrverboten ab 1.1.2018 an Feinstaubtagen, den schlussendlich auch die CDU-Landtagsfraktion mittrug.

Prompt gab es Lob von Umwelt- und Naturschützern. Hermann habe erkannt, so die BUND-Landesvorsitzende Brigitte Dahlbender, "wenn nicht zeitnah effiziente Maßnahmen greifen, so werden die Gerichte die Entscheidungen zum Schutze der Bürger*innen treffen und die Politik das Heft aus der Hand geben müssen". Die Stuttgarter CDU ist noch nicht ganz so weit. Für den Kreisvorsitzenden Stefan Kaufmann sind Fahrverbote weiterhin "politisch klar abzulehnen". Und er träumt von Nordost-Ring: Jetzt gelte es "endlich neue Verkehrsprojekte wie den Nord-Ost-Ring auf den Weg zu bringen". Hermann machte dagegen deutlich, dass das nach dem eben erst in Kraft gesetzten Bundesverkehrswegeplan gar nicht möglich ist. 

In den Sechzigern und Siebzigern waren zwei Varianten durchdacht worden: eine größere mit einem Autobahnzubringer bei Mundelsheim und eine kleinere etwa auf der Gemarkungsgrenze zwischen Waiblingen und Fellbach. Schon damals vertraten Verkehrswissenschaftler allerdings die Ansicht, dass ein Ringschluss rund um Stuttgaart weniger die Stadt, sondern die Autobahnen im Westen und Süden entlasten würde.


Korntal: Opfervertreter verlangen mehr Engagement der Landeskirche

Die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in der evangelischen Brüdergemeinde Korntal ist unterbrochen. Die Opfervertreter verlangen einstimmig, dass sich Frank Otfried July endlich entscheidend einbringt. "Wir werden nicht mehr mit den Brüdern sprechen", so Netzwerk-Sprecher Detlev Zander. Jetzt müsse "der Oberhirte, also der Bischof, ran". Im Betroffenen-Netzwerk organisiert, werfen mehr als 300 ehemalige Heimkinder der Brüdergemeinde vor, in den 1950er- bis 1980er-Jahren in deren zwei Einrichtungen sexuell missbraucht, misshandelt und gedemütigt worden zu sein.

Dass mehr Engagement von July gefordert wird, ist nicht neu. Im Sommer 2016 hatte einer der Betroffenen in einem langen Schreiben an den Landesbischof appelliert: "Die Kirche ist mit in der Verantwortung und wenn Sie als Oberhirte weiter schweigen, machen Sie sich persönlich schuldig. Die Heimopfer warten auf ein klärendes Wort von Ihnen." Denn die Korntaler Fürsorge habe "einen menschlichen Scherbenhaufen hinterlassen". (20.02.2017)


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Ausgabe 296
Kultur

Rechtsrock in Filderstadt

Von Krsto Lazarevic
Datum: 30.11.2016
Bei seinen Konzerten werden faschistische Symbole gezeigt und Lieder gespielt, in denen die Schlächter zweier Konzentrationslager besungen werden. Kommende Woche will der kroatische Musiker Thompson in Filderstadt auftreten. Protest dagegen gibt es kaum.

Marko Perković hat sich nach dem Gewehr Thompson benannt, das er als Frontsoldat im Kroatienkrieg benutzte. Bei seinen Shows werden regelmäßig die Symbole der faschistischen Ustascha zur Schau gestellt. Dabei handelt es sich um die kroatische Organisation, die im Zweiten Weltkrieg mit den Nazis zusammenarbeitete, Konzentrationslager betrieb und für die Vernichtung Hunderttausender Menschen verantwortlich ist. Alleine im KZ Jasenovac wurden mindestens 82 000 Menschen ermordet, hauptsächlich Juden, Serben, Roma und Partisanen.

Hat die Hymne der rechtsextremen Partei HSP komponiert: Thompson. Foto: Roberta F., CC BY-SA 3.0, Link

Thompson spielte in der Vergangenheit auf seinen Konzerten Ustaschalieder wie "Jasenovac i Gradiška Stara", in dem die Opfer verhöhnt und die Täter gefeiert werden – aus Protest gegen die damals sozialdemokratische Regierung in Kroatien, sagte der Musiker einmal, die er als "kommunistisch" und als "Feinde Kroatiens" bezeichnete. Thompsons bekanntestes Lied "Bojna Cavoglave" beginnt mit dem kroatisch-faschistischem Schlachtruf "Za dom spremni" (für die Heimat bereit), mit denen er oft seine Shows eröffnet. Der Titel des Liedes "Ljuta Trava na ljutu ranu" (Bitteres Kraut auf bittere Wunden) ist ein Zitat, das dem Ustascha-Führer Ante Pavelić zugeschrieben wird, mit dem dieser den Massenmord an den Serben rechtfertigte. Thompson ist bekennender Serben-Feind. Kein Künstler wird in Kroatien kontroverser diskutiert als er. Nun will er am 9. und 10. Dezember im Club Hotspot in Filderstadt zwei Konzerte geben.

Organisiert werden die Auftritte vom Eventveranstalter Urnebes und dem Club Hotspot selbst. Maria Marić von Urnebes sagt im Gespräch mit der Kontext Wochenzeitung: "Wir wollen einen schönen Abend für die kroatische Community organisieren und keine nationalistische Propaganda verbreiten." Der Problematik mit den Ustascha-Symbolen bei den Konzerten ist sie sich dennoch bewusst: "Wir haben beim Vorverkauf Merkblätter angefügt, in denen klar drinsteht, dass keine rechtsextremen Symbole auf dem Konzert erwünscht sind. Darauf werden wir auch achten." Laut Marić wird Thompson aufgrund zweier Lieder in eine rechtsextreme Ecke gedrängt, die auf den Konzerten aber nicht mehr gespielt werden.

Der Veranstalter sieht kein Problem

In den vergangenen Jahren hat der kroatische Sänger Kreide gefressen. Offiziell distanziert sich Thompson vom Vorwurf des Rechtsextremismus. Er habe schon Konzerte abgebrochen, weil der Hitlergruß gezeigt worden sei. Bei seinen Auftritten belässt er es bei Anspielungen auf das Faschisten-Regime. Von seinen Fans werden sie allerdings verstanden. Und gefeiert.

"Viele Kroaten empfinden die Musik von Thompson als heimatverbunden", sagt Maria Marić von der Eventagentur. "Menschen, die den Krieg miterlebt haben, können das nachvollziehen. Leider gibt es viele jüngere Fans, die die Musik sehr rechts auslegen." Vlado Spehar, der Betreiber des Club Hotspot, sagt im Gespräch mit Kontext: "Wir machen regelmäßig Veranstaltungen für verschiedene Gruppen. Neben den kroatischen Abenden, haben wir auch türkische, russische oder griechische Abende. Mit Nationalismus hat das nichts zu tun." Vlado Spehar sagt, das Konzert habe sich zufällig ergeben und er ergreife "die wirtschaftlichen Chancen", die damit verbunden seien: "Der Club ist für mich keine Fläche, um Politik zu betreiben. Wir haben ein Stammpublikum bei diesen Abenden, von denen noch nie Probleme ausgegangen sind."

Stolze Preise für stramme Rechte, zudem prominente Werbung. Screenshot: clubhotspot.de
Stolze Preise für stramme Rechte, zudem prominente Werbung. Screenshot: clubhotspot.de

Der Erfolg von Thompson in Kroatien und den kroatischen Gemeinden in Deutschland ist ein Produkt der Jugoslawienkriege, die von einem extremen Nationalismus geprägt waren. In den Neunzigerjahren begannen kroatische Nationalisten, den sogenannten "Unabhängigen Staat Kroatien", der von 1941 bis 1945 als Vasallenstaat der Nationalsozialisten existierte, als wichtigen Schritt in die Unabhängigkeit Kroatiens zu interpretieren. Verbrechen der Ustascha wurden relativiert und die Nazikollaborateure von Teilen der kroatischen Gesellschaft zu Freiheitskämpfern umgedeutet. Der Ustascharuf "za dom spremni" ertönt nicht nur auf Konzerten von Thompson, sondern auch regelmäßig bei Spielen der kroatischen Fußballnationalmannschaft.

Efraim Zuroff, der Direktor des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Jerusalem, bezeichnete die Musik des kroatischen Sängers einmal als "Ustascha-Rock 'n' Roll". Aber was in Bezug auf eine deutschsprachige Band für Empörung sorgen würde, produzierte bislang keinen Aufschrei innerhalb der kroatischen Gemeinden in Deutschland. In Kroatien selbst ist Thompson zwar umstritten, aber dennoch einer der erfolgreichsten Musiker, nicht nur im rechtsextremen Milieu.

Hetzaufrufe gegen Journalisten

Auch der Vorsitzende der kroatischen Gemeinden in Deutschland ist ein Besucher von Thompson-Konzerten. "Ich sehe die Musik von Thompson nicht kritisch", sagt Franjo Akmadža. "Früher waren die Texte härter, aber heute sind sie es nicht mehr." Akmadža betont allerdings gleichzeitig, jüngere Fans bei Konzerten darauf hinzuweisen, dass die Symbole der Ustascha "gar nicht gehen".

In der Vergangenheit wurden Thompson-Konzerte mehrfach abgebrochen. So fand ein Konzert in der Berliner Columbiahalle im April 2014 nicht statt, nachdem "B.Z", "Berliner Zeitung" und "taz" darüber berichtet hatten. Die Columbiahalle sagte das Konzert ab.

Für die beiden Journalisten Sead Husić ("taz") und Jerko Bakotin ("Neues Deutschland"), die darüber berichteten, hatten ihre Beiträge ein Nachspiel. Auf der Webseite von Thompson wurden die Namen der "Feinde Kroatiens" veröffentlicht und dazu aufgerufen diese "Jugokommunisten" im Auge zu behalten, da "der Kampf gegen sie" noch nicht beendet sei. Der kroatische Journalist Jerko Bakotin erhielt Drohungen nach der Konzertabsage in Berlin: "Ich habe das der Polizei gemeldet, die den Fall sehr ernst genommen hat. Der Manager von Thompson hat auf seiner Webseite eine Kampagne gegen uns gestartet", sagt Bakotin.

In der Schweizer Stadt Schlieren wurde erst im September 2016 wieder ein Thompson Konzert abgesagt. Die Gemeinde argumentierte, sie könne bei einer solchen Veranstaltung nicht für die öffentliche Sicherheit sorgen. Die Schweiz verweigerte dem Musiker auf Grundlage eines Antirassismusgesetzes zeitweise sogar die Einreise. In Filderstadt hat laut Vlado Spehar, dem Betreiber des Club Hotspot, bislang niemand gegen das Konzert protestiert.


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Kommentare

Georg Halder, 06.12.2016 12:51
@Gela:
Streng genommen genommen haben Sie natürlich recht.

Aber das bleibt reine Theorie, weil sich Nationalisten in der Regel als solche nicht zu erkennen geben. Patriotismus ist das Mäntelchen, das sich der Nationalist umhängt, um sich darunter zu verbergen. Insofern verliert die neuere wohlwollende Definition des Begriffs "Patriot" ihren Sinn.
Aus meiner Sicht kann man dann auch gleich Klartext reden.

Gela, 06.12.2016 12:08
@ Georg Halder: Ich möchte Begriffe klären: nicht PATRIOTISMUS ist ausgrenzend, sondern NATIONALISMUS. Patriotismus ist Liebe zum Heimatland, auch Stolz darauf, auch Kritik daran gehört dazu - aber er ist nicht ausgrenzend, sondern erlaubt auch anderen Völkern ihren Patriotismus. Nationalismus dagegen ist Überheblichkeit und Abschottung gegenüber anderen Ländern und wird von Faschisten geschürt.
Ich finde das wichtig, um den Nationalisten und Rassisten den Wind aus den Segeln zu nehmen. Ich als Deutsche schätze unsere Sprache, unsere Kultur, unsere Landschaften und auch unsere einigermaßen freiheitliche und gerechte Staatsform , ich schäme mich für die furchtbaren Verbrechen unseres Volkes , bin aber auch stolz darauf, daß wir uns damit auseinandersetzen - was Nationalisten aller couleur eben nicht tun.

Georg Halder, 06.12.2016 10:22
Herr Steiner:
Was Sie da schreiben, dem kann man nur zustimmen.
Wenn man den Begriff Faschismus von der Begriffsbedeutung her erklärt - fascio, das nicht zerbrechbare Rutenbündel der Römer, und sich überlegt, wieso Mussolini gerade diese Eigenbezeichnung für seine Bewegung gewählt hat, wird sofort klar, dass Faschismus von der Ausgrenzung Anderer "lebt".
Also kein Faschismus ohne Rassismus oder Patriotismus oder sonstiger hegemonistischer Tendenzen - das ist der Treibstoff, mit dem Faschismus funktioniert

Wenn man an diesem Punkt weiter denkt, kommt man natürlich auch darauf, dass unsere "Menschliche Kultur" insgesamt irgendwie faschistisch unterlaufen ist - das könnte erklären, weshalb die Historiker und Soziologen seit Jahrzehnten ein solches Theater um die Definition dieses Begriffes machen, weshalb dieser Begriff im Allgemeinen so ungern verwendet wird.

Aber genau deshalb gilt: Patriotismus IST faschistisch, was denn sonst. Und ich würde vorschlagen, nicht " widerlicher Faschismus" zu schreiben, denn Faschismus ist per se widerlich - immer und überall.

Und was diesen Herrn "Thompson" angeht: Faschist würde ich ihn sicher nicht nennen, das hat er nicht verdient. Er bedient mit seinen Auftritten die niederen Instinkte der Leute weil er damit Geld machen kann. Mehr seh' ich da nicht.

Rolf Steiner, 02.12.2016 17:43
Ist der "Patriotismus" eines Thompson denn nicht in Wirklichkeit ein widerlicher Faschismus, der einen irgendwann vielleicht möglichen Heilungsprozess auf dem Balkan nicht nur behindert, sondern unmöglich macht?

In Wahrheit ist es ein volksfeindliches Verhalten. Denn: Dieses ständige Aufwiegen von Schuld und Aggression zeigt deutlich, dass die alten Feinde die neuen Feinde sind. Sie sind es, die den normalen Menschen vor Ort keinen Frieden gönnen und dem "lieben Nachbar" nicht einmal das Wasser für die Suppe. Diese Dummheiten auf allen Seiten müssen immer wieder angeprangert werden. Jede "Hatespeech" in bestimmten Liedtexten bleibt für immer schäbig.

Norbert, 02.12.2016 00:36
Es ist immer wieder faszienierend, wieviel über den kroatischen Patriotismus geschrieben wird, ohne den serbischen auch nur zu erwähnen. Man könnte aus dem Artikel glatt den Eindruck gewinnen, die Kroaten hätten den Krieg gegen die Serben angezettelt, um ihre Unabhängigkeit zu erlangen und einen eigenen Nationalstaat zu gründen. Schon vergessen, dass Milosevic aus Jugoslawien ein Grossserbien machen wollte? Die Ursachen des aufkommenden Patriotismus in Kroatien liegen in der fehlenden Aufarbeitung und zwar vor allem auf Seiten der serbischen Nationalstaats, der ganz im Gegensatz zu Deutschland nie gegenüber dem kroatischen Staat seine Schuld eingestanden hat oder sich entschuldigt hat. Auch die Prozesse in Den Haag haben leider diesen Fehler nicht korrigiert. Es blieb immer der Eindruck, die Kroaten hätten diesen Krieg gleichermaßen verschuldet. Das ist falsch, wenn auch auf beiden Seiten Kriegsverbrechen begangen wurden.

Rolf Steiner, 01.12.2016 14:51
Wie nationalistische "Ghost-Writer" reagieren, zeigen die absolut interessanten Zuschriften. Es wird ein Reinwaschen dieses hyperventilierenden Heimathirsches versucht, das dessen Funktion in dem blutigen Krieg der Kroaten gegen Serben verharmlost.

Bei einer dringend notwendigen Aussöhnung zwischen Serben und Kroaten sind solch zwielichtige Gestalten ein extremes Hindernis.

Rolf Steiner, 01.12.2016 14:44
Schon in der Chronik rechtsradikaler Umtriege von 2008 erscheint dieser Nazi-Rocker als Negativ-Schlagzeile: "Am Mittwoch, dem 21. Mai 2008 trat 20-22 Uhr im Stuttgarter - Bad Cannstatter Stadion Festwiese der rechtsextreme kroatische Rocksänger Marko Perkovic, genannt Thompson, vor 2000 BesucherInnen auf. " Und im Jahr darauf: "Am 26. Juni 2009 trat der extrem rechte kroatische Musiker Marko Perković („Thompson“) in der Stuttgarter Schleyerhalle auf."

In einem Artikel vom 28. November 2012 beendete ein landesweit tätiger NPD-Funktionär mit dem Spruch "Freiheit für Kroatien, Deutschland – und ganz Europa." Ergänzt mit "Zadom spremni" – "Für die Heimat bereit", dem traditionellen kroatisch-faschistischen Gruß. Er, dieser NPD-Mann, habe helfen wollen, den muslimischen Staat Bosnien-Herzegowina zu verhindern und dafür einen Bauchdurchschuss "von den Muselmännern" erhalten, wie er die muslimischen Bosniaken voll Verachtung bezeichnete.

Ein hochgefährlicher Brandbeschleuniger des kroatischen Ultranationalismus im Exil ist bis heute der Sänger Marko Perković, der sich nach einer Maschinengewehrmarke auch "Thompson" nennt. Das war der Spitzname von Perković im Kroatienkrieg. "Weichgespült"? Darüber können Beobachter nur verächtlich lachen.

"Thompson" inszeniert sich auf der Bühne mit Schwert nach dem Vorbild einer Fantasyserie als eine Art faschistischer "Highlander"-Verschnitt. Seine Texte sind aggressiv-nationalistisch. Immer wieder begrüßt er sein Publikum mit "Zadom Spremni!", zu Deutsch "Für die Heimat bereit", ein alter Gruß der faschistischen Ustaša., die mit Hitler eng zusammenarbgeite und für unzählige Gräueltaten im ehemaligen Jugoslawien verantwortlich ist. Thompson singt für Gott, Familie und Vaterland und gegen dessen (vermeintliche) Feinde. Textbeispiel: "Oj, Neretwa, fließ abwärts, treib die Serben in die blaue Adria." Seine wüsten Zeilen gegen die "Söhne des Judas" lassen auch eine antisemitische Interpretation zu.

Bekannt wurde Perkovic 1991 mit dem Lied »Bojna Cavoglave«. Darin besingt er seine Truppe – das »Bataillon von Cavoglave« – die im dalmatinischen Hinterland kämpfte und 1995 bei der blutigen Vertreibung der serbischen Bevölkerung beteiligt war.

"Das singende Maschinengewehr" ("Spiegel") beziehungsweise der "bekennende Serbenhasser" ("Jungle World") namens Perković und alias "Thompson" ist nicht nur in seiner Heimat bei ausgewiesenen Rechtsextremen populär. Dass deutsche Neonazis mit ihm zusammen "arbeiten", wirft ein übles Licht auf Veranstalter und Besucher.

neologica, 01.12.2016 12:41
@Nikša Offensichtlich wissen Sie nichts über Krsto Lazarevic, den sonst würden Sie nicht sinnfrei auf seine Nationalität hinweisen, die sie im Übrigen gar nicht kennen können, trotz seines Namens...ich empfehle mehr von seinen Artikeln zu lesen, dann würden Sie sehen, dass er vor allem ein kritischer Journalist ist und zwar auch jenseits der "Balkanthemen". Der Rest ihres Beitrags ist mit "whataboutism" zu beschreiben.

@Ivan Maric Weil Kroatien sich vor der serbischen Aggression verteidigt hat, ist Herrn Perkovics positiver Bezug auf den Ustasa-Staat gerechtfertigt...sehe ich anders, interessanterweise versuchen Sie diesen Bezug auch gar nicht zu widerlegen, sondern lenken nur ab. Selbst wenn "Za dom spremni" älter sein sollte, hat Herr Perkovic in der Vergangenheit deutlich gemacht auf welche Phase er diesen Gruß bezogen wissen will, er hat den Zusammenhang mit dem Ustasa-Staat selbst hergestellt und sich bis heute bestenfalls halbherzig davon distanziert. Mal ganz abgesehen davon, dass man mit Ihrer Argumentation auch das Hakenkreuz rehabilitieren könnte, den schließlich ist es schon weit vor den Nationalsozialisten in Verwendung gewesen...und spätestens an der Stelle sollten Sie merken, dass ihr Argument nicht wirklich gut sein kann.

Statt Thompson zu hören, sollten sie sich beide lieber Herrn Lazarevic Texte zu Gemüte führen oder mal in den Podcast auf dieser Seite hier reinhören: http://ballaballa-balkan.de/

Ivan Maric, 01.12.2016 11:14
Sehr geehrte und liebe Redaktion,

es ist sehr traurig dass manche Menschen immer noch nicht begriffen haben dass sich Kroatien von der serbischen Aggression verteidigt hat!

Kroatien und Herrn Marko Perkovic Thompson mit zweiten Weltkrieg zu vergleichen hat weder was mit Tatsachen noch mit Menschlichen Verstand zu tun!

Kro. Gruß "ZA DOM SPREMNI" ist älter als erster und zweiter Weltkrieg zusammen und jeder der das verwechselt hat nicht mal 1% Ahnung von der kroatische Geschichte.

Jeder der den Uhralten kroatischen Gruß ZA DOM SPREMNI mit "Sieg-Heil" vergleichen tut rate ich dringen die oder der muss so schnell wie möglich zum Arzt! Der Rest ist Propaganda!

Vielen Dank.

Viele Grüße

Ivan Maric

Georg Halder, 01.12.2016 08:21
... wenn einer seine Konzerte mit dem alten Faschisten-Schlachtruf "Za dom spremni" (für die Heimat - bereit) einleitet, dann ist das vergleichbar mit einem "Sieg-Heil" Ruf einer deutschen Band auf einer deutschen Bühne.
Rein sprachlich ist da nichts dabei, warum soll einer nicht "Für die Heimat - bereit!" sein wollen, oder sich "Heil zum Sieg" wünschen. In einem historischen Kontext gesehen sind beides Schlachtrufe faschistischer Mörderbanden.
Der Unterschied besteht nun darin, dass "Sieg-Heil" in Deutschland verboten ist, "Za dom spremni" in Kroatien nicht. Was daran liegt, dass in Kroatien so gut wie keine öffentliche Aufarbeitung der faschistischen Vergangenheit stattgefunden hat.
Dabei gibt es auch in Kroatien durchaus einen sensibleren Umgang mit diesen Problemen: Herrn "Thompson" wurde 2008 ein Konzert im Süd-Westen Kroatiens untersagt, nach einer Intervention von Lokalpolitikern, die unterstützt wurden vom damaligen Staatspräsident Mesić.

Wie auch immer: Wir haben hierzulande doch nun wirklich genug rechtspopulistische "Patrioten" am Hals, als dass wir die noch aus dem Ausland einladen müssten. Das könnten sich die Damen und Herren Veranstalter mal durch den Kopf gehen lassen.

Danijel Majic, 01.12.2016 07:39
@Nikša Wenn Sie eh schon alle Antworten wissen, warum fragen Sie dann überhauot noch?

Nikša, 30.11.2016 21:43
Was wisse Sie überhaupt über Thompson? Einen Sch.... Nichts, nur das was Krsto Lazarevic ein Serbe über einen Kroaten schreibt. Muss man Sie noch einmal über den Krieg im Ex Jugoslawien aufklären? Muss man Sie noch einmal Aufklären über alles das, was die Serben in Kroatien und Bosnien angerichtet haben? Über Massengräber und Massenexekutionen? Über ethnische Säuberungen? Ich hoffe nicht. Wissen Sie überhaupt über was Thompson singt? Über den Inhalt der Lieder? Natürlich nicht! Er singt über die Familie, Gott und sein Land. Macht ihn das zu einem Faschisten?
Er ist so viel ein Faschist wie Helene Fischer oder Andrea Berg. Soviel über objektiven Journalismus

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