KONTEXT Extra:
Korntal: Opfervertreter verlangen mehr Engagement der Landeskirche

Die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in der evangelischen Brüdergemeinde Korntal ist unterbrochen. Die Opfervertreter verlangen einstimmig, dass sich Frank Otfried July endlich entscheidend einbringt. "Wir werden nicht mehr mit den Brüdern sprechen", so Netzwerk-Sprecher Detlev Zander. Jetzt müsse "der Oberhirte, also der Bischof, ran". Im Betroffenen-Netzwerk organisiert, werfen mehr als 300 ehemalige Heimkinder der Brüdergemeinde vor, in den 1950er- bis 1980er-Jahren in deren zwei Einrichtungen sexuell missbraucht, misshandelt und gedemütigt worden zu sein.

Dass mehr Engagement von July gefordert wird, ist nicht neu. Im Sommer 2016 hatte einer der Betroffenen in einem langen Schreiben an den Landesbischof appelliert: "Die Kir¬che ist mit in der Verantwortung und wenn Sie als Oberhirte weiter schweigen, machen Sie sich persönlich schuldig. Die Heimopfer warten auf ein klärendes Wort von Ihnen." Denn die Korntaler Fürsorge habe "einen menschlichen Scherbenhaufen hinterlassen". (20.02.2017)


NSU-Ausschuss will weitere Akten

Der zweite parlamentarische Untersuchungsausschuss zum "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) geht auf die Suche nach zusätzlichen Akten, um dessen Verbindungen nach Baden-Württemberg besser auszuleuchten. Die Abgeordneten meinen, beim Generalbundesanwalt und/oder im Bundesamt für Verfassungsschutz fündig werden zu können. Beauftragt ist Bernd von Heintschel-Heinegg. Der Rechtswissenschaftler war schon für den ersten Ausschuss des Landtags und als Sonderermittler auch für den Bundestag tätig.

Zurückgestellt wurde in diesem Zusammenhang die Ladung von Mike Markus Friedel. Vor allem der NSU-Experte Hajo Funke hatte immer wieder darauf gedrängt, dass der gebürtige Sachse gehört wird. Dessen Name stand auf der sogenannten Garagenliste, die 1998 in Jena sichergestellt, aber erst mit großer zeitlicher Verzögerung detailliert ausgewertet wurde. Vor fast zwanzig Jahren zog er nach Heilbronn. "Markus Friedel war mit 'Erbse' (V-Mann), Torsten Ogertschnig, zusammen im Ländle im Gefängnis", schreibt Funke. Und von Friedel habe "Erbse" seine Kenntnisse über den NSU und Mundlos.

Bei einer Veranstaltung der "Anstifter" im Stuttgarter Kunstverein hat Rainer Nübel, der im ersten Ausschuss als Sachverständiger aufgetreten war, erneut von den Abgeordneten verlangt, sich ernsthafter mit der Anwesenheit ausländischer Geheimdienste am 25. April 2007 in Heilbronn zu befassen. An diesem Tag waren die Polizistin Michèle Kiesewetter ermordet und ihr Kollege Martin Arnold schwer verletzt worden. Der zweite Ausschuss hat bereits mehrere Zeugen vernommen. Jetzt ist ein Bericht beim Bundesnachrichtendienst angefordert.

Die nächste Ausschusssitzung beginnt am Freitag, den 24. Februar, um 9.30 Uhr im Landtag. Zwei Kriminalbeamtinnen sollen Auskünfte über die rechte Szene geben und die Verbindungen des NSU in den Südwesten. Geladen sind außerdem drei Zeuginnen, die Kontakt zu Beate Zschäpe gehabt haben sollen.

Auch die weiteren Sitzungstermine bis zur parlamentarischen Sommerpause sind festgelegt: 20. März, 28. April, 15. Mai, 19. Juni und der 17. Juli 2017.

Mehr zum Thema: "Geheimdienste im Fokus", "Eh-wurscht-Akten" 


WKZ liest mit

Anfang Januar hatte der Waiblinger Lokalhistoriker und Anstifter Ebbe Koegel sich darüber beschwert, dass das Land dem Firmengründer Andreas Stihl eine Kunstmedaille gewidmet hat. "Andreas Stihl war ein überzeugter Nazi, NSDAP-Mitglied seit 1933, seit 1935 SS-Mitglied mit dem Rang eines Hauptsturmführers (seit 1939)", schrieb er an Finanzministerin Edith Sitzmann. Die Waiblinger Kreiszeitung (WKZ) schwieg dazu - bis Kontext den Fall am 25. Januar aufgriff. Nun erschien am 11. Februar ein zweiseitiges Extra mit ausdrücklichem Bezug auf den Kontext-Artikel. Der Redakteur Peter Schwarz zitiert darin aus der 100-seitigen Entnazifizierungsakte. Die beiden Kinder Stihls, der langjährige IHK-Präsident Hans Peter Stihl und seine Schwester Eva Mayr-Stihl wurden befragt. Die Recherche ergibt, wie die WKZ selbst schreibt, ein "außerordentlich schillerndes Bild."

Der Redakteur zitiert mehrere Fremdarbeiter - den Begriff Zwangsarbeiter meidet er - die sich im Verfahren positiv über Stihl geäußert haben. Ein Slowake berichtet, Stihl habe einem Freund geholfen zu fliehen, der sich den Partisanen anschließen wollte. Ein Jugoslawe meinte, der Patriarch habe sich "mit großer Empörung geäußert über die Gemeinheit und den Terror des dritten Reiches", ein Holländer, er habe "gelitten, als er sehen musste, wie schmutzig dieses System war, und konnte doch nicht mehr von demselben weg." Der Betriebsrat sagte dagegen aus, Stihl sei "100 Prozent Nationalsozialist" gewesen, habe "mehrere seiner Lehrlinge zum Eintritt in die SS" bewogen und Regimekritiker als "Eiterbeulen" bezeichnet, denen er "in die Fresse" schlagen wolle. (16.2.2017)


Wüstenjubiläum: Fünf Jahre Parkräumung

Vor genau fünf Jahren, am 14. Februar 2012, räumten rund 2500 Polizeibeamte das Protestcamp der Stuttgart-21-Gegner im Mittleren Schlossgarten. Drei Tage später waren rund 180 teils bis zu 300 Jahre alte Bäume gefällt oder (ein kleiner Teil der jüngeren) verpflanzt, und einer der ehemals schönsten innerstädtischen Parks Deutschlands hatte sich in eine Schlammwüste verwandelt.

Zum fünften Jahrestag der Parkräumung wollen die Parkschützer am heutigen Dienstag daran erinnern, mit einer Versammlung und Kundgebung an der Lusthausruine im Mittleren Schlossgarten um 17 Uhr. Es soll Reden, Musik und Gedichte geben, anschließend einen Demozug durch die Königstraße.

Kontext hat damals mit einer Reportage von der Parkräumung berichtet – und danach immer wieder von der erstaunlich langen Untätigkeit oder auch von Baufortschritt vorgaukelnden Alibi-Arbeiten. (14.2.2017)


Jörg Meuthen weiter an Björn Höckes Seite

Im vergangenen Sommer hatte der AfD-Rechtsaußen Björn Höcke seinen Bundesparteichef als "meinen verehrten Freund" begrüßt. Und Jörg Meuthen rückte sich selbst, auf dem Kyffhäuser-Treffen, zu dem ihn die Ultras geladen hatte, in die Nähe der besonders weit rechts stehenden parteiinternen Gruppierung "Der Flügel": Er wolle gar nicht als liberaler Kopf der Partei bezeichnet werden, sondern er stehe für "ein gemeinsames Wertefundament". Da hatte Höcke gerade alle anderen Parteien in Deutschland für "inhaltlich entartet" erklärt. Der Schulterschluss hält auch aktuell: Meuthen stellt sich gegen den Rausschmiss, den – wie am Montag bekannt wurde – der Bundesvorstand gegen den Thüringer Landes- und Fraktionschef anstrengt.

Nicht zum ersten Mal. Denn Höcke sollte 2015 schon einmal mit einem Verfahren überzogen werden. Da ging es ebenfalls um eine rassistische Rede, um Aussagen wie, man könne "nicht jedes einzelne NPD-Mitglied als extremistisch einstufen" und um den Vorwurf, Höcke schreibe unter Pseudonym für NPD-Publikationen. Meuthen äußerte sich reichlich schwammig, nahm für sich in Anspruch "als erster aus dem Bundesvorstand scharf reagiert zu haben". Zugleich erklärte er allerdings, dass Höckes "Äußerungen ohne weiteres als rassistisch interpretiert werden können – wobei man darüber diskutieren kann, ob sie es tatsächlich sind". Hans-Olaf Henkel, damals noch AfD-Mitglied, konterte unmissverständlich: "Herr Meuthen ist für mich ein klassischer Schattenboxer." Nach außen tue er immer wieder so, als würde er sich gegen den rechtsnationalen Flügel stellen, nach innen agiere er völlig anders. (13.2.2017)


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Ausgabe 267
Kolumne

Flammenwerfer

Von Peter Grohmann
Datum: 11.05.2016

Auch wenn Sie jetzt erschrecken: Das Christentum gehört nicht zu Deutschland! Nicht nur deshalb nicht, weil Jesus wie bekannt vor ungefähr 2000 Jahren in Galiläa (Palästina) in einer jüdischen Familie geboren wurde, sondern auch, weil sich der Mann als linker Wanderprediger besonders um Leute kümmerte, die wenig angesehen waren: Arme, Kranke, Gesetzesbrecher.

Das Christentum widerspricht in seiner völligen Einseitigkeit zugunsten der Armen und Entrechteten, der Geschlagenen und Getretenen nicht nur gängiger Theorie und Praxis in unserem schönen Vaterland, sondern ist in seiner Radikalität ja auch fundamentalistisch. Zu uns gehören Odin und Thor, Donar, Loki und Wotan und Frigg, die Nibelungen, der Wartburg, Volkswagen, die Deutsche Mark, die Deutsche Bank und Heintje.

Man könnte es allerdings auch anders sehen – damit Sie jetzt nicht erschrecken: Zu uns gehören Atheisten und Monetaristen, Leute mit Handicap wie ich und du, Söder und Frauke Petry, Karl Marx und Karl Mosch, Pietisten, Wehrkraftzersetzer wie Gangolf Stocker, Hegel und die Sloterdijks, Bismarck der Hering, Petra Kelly und Petra Pau, Schwarze, Grüne, Gelbe, Rosarote und Rote und – auch wenn Sie sich auf den Kopf stellen - Sachsen, wie meine Omi Glimbzsch aus Zittau.

Wer anfängt, andere Menschen wegen ihrer Überzeugungen, ihres Unglaubens, ihrer Herkunft, sozialen Lage oder Hautfarbe auszugrenzen, verlässt freiwillig den heiligen Boden des Grundgesetzes, denn so etwas darf es bei uns nicht geben, auch wenn es das massenhaft gibt. Das eine ist eben Theorie, das andere Praxis.

Eine etwas andere Nummer ist da dieser Professor, der (deutsche) Studierende an der Hochschule Kehl zu Beamten des Landes Baden-Württemberg ausbildet, etwa Regierungsinspektoren, Kulturamtsleitern oder Finanzbürgermeistern. Wenn dieser öffentliche Professor davon spricht, unsere Republik sei rot-grün versifft und verseucht, dann steht der Saal im Jubel. Seuche und Siff – da braucht es letztlich Feuer und Schwert, Gift und Galle, ja, Flammenwerfer, um die Übel auszurotten mit Stumpf und Stiel.

 

Peter Grohmann ist Kabarettist und Initiator des Bürgerprojekts Die AnStifter.


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Kommentare

Gela, 17.05.2016 20:39
Nur zur Klarstellung: es war nicht die Rede vom Glauben, sondern von der Ethik, die im Neuen Testament vertreten wird.

Kornelia, 16.05.2016 17:24
Volker Pispers:
"Die kath.Kirche ist das Opfer der grössten Einzeltäter-Zusammenrottung aller Zeiten"
05:35
https://youtu.be/eoAE5q0kcts

Kornelia, 16.05.2016 15:04
Es ist schon faszinierend wie schnell sofort ein meta-intellektuellen himmel erklommen wird... und da wird dann hoch komplex über wort, punkt und komma gestritten....und vom ursächlichen abgelenkt...

auch die schrift gehört nicht zu deutschland!!! Ist auch ein flüchtling!

Alle schriften haben gemeinsam: sie können so und so ausgelegt werden!
Die juristen- industrialisierung der letzten 30Jahre spricht da doch eine eindeutige Sprache
(Alice Kayser geht ohne Schütz nirgendwo hin! Und die zunehmende extraristische juristenanhäufung, sprich schiedsgerichte, auch! )

Das perfide an diesen schriften und ihren auslegern ist, daß sie mit dem urbedürfnis des menschen kollidieren und herumspielen: die notwendigkeit von gut und böse!
Ich muss die überzeugung haben, dass mein partner meine kinder meine freunde meine nachbarn gut sind, sonst kann ich nicht existieren und mutig sein und risiken eingehen!
Stellen wir uns mal z.b. die bankster vor...wären sie die spielsüchtigen risiken eingegangen wenn sie nicht damit gerechnet hätten vom volk "aufgefangen" und "gesund gepflegt" zu werden? (nicht umsonst hat bahn aufsichtsrat nachfragen lassen ob ihre S21-risiken vom volk geschützt werden)

Immer wieder wird mit schriften auf das übelste mit den menschlichen lebensgrundlagen "gespielt"

Mit der neuen "bibel", das grundgesetz, verhält es sich nicht anders: kriege werden damit begründet, unterdrückung von mind 3/4 der bevölkerung wurden und werden damit gerechtfertigt, massive verstösse gegen die menschenwürde, gegen die gleichheit vor dem gesetz juristblablanisch und grundgesetzgläubig ausgelegt abgesegnet.Und jede betonierung dieser neofeudalen klassendemokratie begründet! 3 millionen kinder erleben eine form der sanktionierung, der uberwachung, der vernächlässiggung der grundgesetz-gläubigen, die doch genauso gut den hoeness und maschmeyers und piechs etc pp zu "gute" kommen müsste!

http://www.neues-deutschland.de/artikel/1011257.neuermittlung-der-regelsaetze-erst-zum-januar.html
Neuermittlung der Regelsätze erst zum 1. Januar 2017
Entgegen den gesetzlichen Vorgaben hat die Bundesregierung die Regelsätze von Hartz IV nicht zum 1. Januar 2016 grundlegend neu ermittelt. Dies soll nun erst zum 1. Januar 2017 geschehen. […]"

Aber so ist das mit den schriften...man kann sich die welt schön reden...die schriften lassen alle interpretationen zu und -was am schlimmsten ist- sie legitimieren und verschaffen dem einzelmenschen die verantwortungs- und haltungslosigkeit!

invinoveritas, 15.05.2016 23:24
@gela

das ist die typische immunisierung von glauben gegen kritik: themen wechseln, thesen entgegentreten, die nicht aufgestellt wurden, und speziell: die kirche war's.

so soll der traditionell großartig beleumdete religionsstifter verklärt werden. anstatt zu erkennen, dass seine lehre partiell hochgradig inhuman war und, davon abgesehen, zu sehr großen teilen unzutreffend überliefert bzw. erfunden wurde.

wie dünn da argumentiert wird, zeigen Sie selbst z.b. mit Ihrem hinweis auf eine geburt im stall, die zwar einerseits etwas positives bedeuten soll, nämlich die zuwendung zu armen und ausgegrenzten, andererseits aber "natürlich nicht historisch zu sehen" sein soll. wie denn nun? interessengeleitete phantasien als basis der größten weltreligion, die seit eh und je und mit enormem erfolg mit eben solchen ammenmärchen auf sympathiewerbung geht?

und das heikle wird verharmlost mit floskeln von gewissen "stellen", die es "sicher" auch gebe. Ihre behauptung, die seien doch "immer auch verbunden" mit freundlichen angeboten, ist faktisch grottenfalsch, und das dürften Sie nur zu gut wissen.

gläubigen geht es eben für gewöhnlich nicht um das herausfinden schnöder wirklichkeit. sondern um den bau von schutzwällen. dahinter soll ein hilfreicher, "ehrwürdiger" irrationalismus guten gewissens weitergepflegt werden können - indem man die augen vor seinen abgründen verschließt.

Gela, 15.05.2016 16:51
Lieber @Invinoveritas, was Sie da über das Christentum und die Überlieferung schreiben, ist nicht ganz falsch, aber doch sehr einseitig. Mit dieser Sicht halten besonders strenge Pietisten oder Sekten ihre Leute ( und ihre Kinder) in Angst und Schrecken und bei der Stange. Natürlich ist historisch über den Wanderprediger Jesus wenig aus 1. Hand bekannt Aber was die Evangelisten später gedrängt hat, es aufzuschreiben, ist ja gerade das Nonkonforme an seinem Leben und seinen Predigten. Sicher gibt es auch Stellen von Strafen für die Bösen und Ungläubigen - aber immer auch verbunden mit dem Angebot der Vergebung und der Gnade. Doch das Wesentliche ist , daß immer wieder betont wird, wie Jesus sich den Armen und Ausgegrenzten zugewendet hat . Das fängt mit der (natürlich nicht so als historisch zu sehenden) Geburt als "Emigrant" in einem Stall an, das zeigt sich in vielen Gleichnissen wie dem vom Barmherzigen Samariter ( die Samariter wurden von den Juden verachtet) , der Heilung von Aussätzigen, mit denen sonst niemand zu tun haben wolltel, dem Schutz von Prostituierten, dem gemeinsamen Essen mit "Sündern" usw. , aber auch in seinen Predigten, vor allem der Bergpredigt. Es stimmt, daß Jesus kein politischer Revolutionär war, aber es ging ihm nicht nur darum, Armen ein Almosen zu geben, sondern sie und alle Ausgegrenzten als gleichwertig oder sogar als besonders wertvoll (Geschichte vom Verlorenen Sohn!) zu behandeln. Jesus hat im Gegensatz zu Mohammed keine militärischen Kämpfe für seine Lehre ausgefochten , sondern er hat sie vorgelebt .

Was die offizielle Kirche dann in den folgenden Jahrhunderten draus gemacht hat, ist allerdings katastrophal und verbrecherisch: Dogmatismus, Verfolgung und Morde, Kreuzzüge, Inquisition, Hexenverbrennung, Kriege. Immer gab es aber auch die Strömungen, die sich an der Urgemeinde orientierten und sich auch für Arme und Kranke einsetzten. Auch heute spielen gerade diese Strömungen in der Kirche ja eine beispielhafte Rolle in ihrem Einsatz für Benachteiligte, für Frieden, gegen Unterdrückung in der 3. Welt, für Flüchtlinge usw. Sie können ja mal Dorothee Sölle oder den tschechischen Marxisten und Vordenker der "PragerFrühlings" MilanMachovec lesen!

invinoveritas, 13.05.2016 21:28
lieber peter,

du denkst ganz entschieden zu wohlwollend über den mann aus nazareth. der war nicht links und hatte gar nichts gegen das gesellschaftliche oben und unten; es genügte ihm, wenn - zumal von den "reichen" - den armen irgendwie "gegeben" wurde.

außerdem erstens: wir wissen herzlich wenig über J.C. als gesichert gelten nur wenige der aussagen, die ihm das neue testament zuschreibt. weitaus mehr sind erwiesen als erfunden oder verfälscht. auch seine zahlreichen angeblichen wundertaten sind vernünftigerweise als indiz dafür anzusehen, dass die historische wahrheit im zusammenhang mit J.C. eklatant und systematisch missachtet wurde.

außerdem zweitens: du schreibst: "wer anfängt, andere wegen ihres unglaubens auszugrenzen, verlässt den heiligen boden des grundgesetzes." seit zweitausend jahren wird von einer großen mehrheit nicht bemerkt, wie sehr das christentum eine religion einer maßlosen, vollkommen inakzeptablen intoleranz ist, indem es ungläubige mit ewiger verdammnis zu bestrafen ankündigt. zur Illustrierung lasse man die in der bibel wiedergegebenen äußerungen des angeblichen gottessohns auf sich wirken, die geradezu schwelgen von den höllischen qualen, die er den ungläubigen zugedacht hat (das paradies, soll er ferner gesagt haben, warte nur auf eine minderheit).

faktum ist: das christentum hat weder in seiner geschichte noch in seiner lehre eine "völlige einseitigkeit zugunsten der geschlagenen und getretenen" an den tag gelegt, wie Du meinst. das ist bloß das schöne trügerische bild, das von ihm entworfen wurde, unter tätiger mithilfe von zahllosen in dieser hinsicht gutgläubigen menschen wie Dir.

etliche andere außerdems erspare ich dir und mir.

Barolo, 13.05.2016 14:09
Hallo Kornelia,
"gegen die versifften links 68er wettert.... Wart ihr echt sooo schlimm?"
Eigentlich nicht, denn die 68 haben damals laut und deutlich Lügenpresse gerufen.
War sicherlich in vielen Teilen berechtigt. (Ermordung Ohnsorg durch Polizei, bewusstes Anheizen von Demo Gewalt etc)
Leider sind die damals staatskritischen Stimmen verstummt bzw fixieren sich nur noch auf böse Nazis und AfD.

Kornelia, 13.05.2016 00:44
Jetzt hab ichs gefunden....
Deine Kollegen von der Anstalt.....haben da mal recherchiert....
Der Koran und die Bibel - Die Anstalt ZDF - YouTube
https://www.youtube.com/watch?v=NF3rSRS9poo

Kornelia, 12.05.2016 21:58
Und Peter,
wenn du den Kretschi siehst...kannst du ihn mal fragen warum er sowenig "aus Erfahrung klug" agiert?
Er gehört "knapp daneben" auch zu den Berufsverbotenen. Viele Linke leiden bis heute - im Gegensatz zum MP.
Nur...kommt jetzt nicht alles wieder hoch?
Nach 45 konnten Nazis unbehelligt "durchmaschieren" während die Linken McCarthied wurden!
Wenn ich die AfD Liste so anschaue, dann kriege ich schon ein mulmiges Gefühl....
Eine Diskussion auf einem 3.Demokratie21-Kongress dazu wäre spannend, oder? ;)
Und da die AfD volle Rohr gegen die versifften links 68er wettert.... Wart ihr echt sooo schlimm?
Ich weiss nur ohne diese Linken würde Christina Baum nicht im Landtag sitzen.
Ob Meuthen wirklich Prof vor 68 geworden wäre? Und hätte er so eine gute Vollkaskoversicherung erhalten? Job bleibt erhalten, dafür kriegt er
monatlich 7.448 Euro als Diät
monatlich 1.545 Euro fürs Allerlei
monatlich 1.638 Euro für die alten Tage
Daneben gibt es Aufwandsentschädigungen. Reisekosten werden auf Nachweis erstattet. Das Land zahlt dem Abgeordneten auch die tatsächlich entstandenen Kosten für eine Büro- oder Schreibkraft. Als Alternative ist aber auch eine monatliche Pauschale von 400 Euro möglich. Im Übrigen kann er die Deutsche Bahn innerhalb Baden-Württembergs frei nutzen.
Nach dem Ausscheiden aus dem Landtag steht dem Abgeordneten Übergangsgeld zu. "

Da wird er und die anderen AfDler bestimmt als Erstes gegen angehen, gegen soviel Vollkaskoabsicherung!

Kornelia, 12.05.2016 21:29
Lieber Peter,
Du hast bei all den Verachteten dieses christlichen Abendlandes vergessen: Maria, hochschwanger von einem Fremden und mit einem anderen Mann auf engstem Raum, tz, tz
Schon vor 2000 Jahren Patchwork, tz,tz
Und Jesus, der doch mit 12 im Gotteshaus herumrandaliert, Tische umschmeisst und rumschreit!

Und was mich massiv amüsiert: zur Zeit geht die Forschung davon aus, dass wir alle Wirtschafts-, Abenteuer- und Reissaus- Flüchtlinge aus Afrika sind! In den Genen der Weissen gibt es also schwarze streifen! Ganz natürlich! Biodeutsch halt! ;)
http://www.sueddeutsche.de/wissen/die-aelteste-vorfahrin-des-menschen-unsere-neue-nummer-eins-1.44175
In Äthiopien wurde auch Lucy entdeckt!

Versucht also der weisse Mensch seit Jahrhunderten seine "Unreinheit" zu tilgen?

Und als hier "im weissen" Land Ackerkruhmen gegessen wurden, Kartoffeln als giftiges Zeug galten war der Orient Hochkultur in Forschung, Medizin und so...
Deswegen "Hochmut kommt vor dem Fall" wie meine Oma sagte...

Claus Stroheker, 12.05.2016 17:11
Hallo Herr Grohmann,

gut geschrieben, voll getroffen - Spitze!

Nur, dass Sie in der Aufzählung der Gruppen, mit denen sich dieser Rebell namens Jesus da herum getrieben hat, nun die Huren (ausgerechnet!!) vergessen haben, macht mich nachdenklich. -
Was wollen Sie uns denn damit sagen?

Ansonsten, alles gut, besser, Grohmann!

Franko, 11.05.2016 09:19
Lieber Herr Grohmann,

genau so ist es. Nagel auf den Kopf getroffen.
Wunderbar, diese Art des immer wieder Wachrüttelns !!

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