KONTEXT Extra:
Auch Hermann will Maut verzögern

Wenn es nach den Grünen geht, wird die Landesregierung gemeinsam mit Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz oder dem Saarland versuchen, die Einführung der PKW-Maut über den Bundesrat noch zu verzögern oder gar zu verhindern. Verkehrsminister Winne Hermann kündigte einen entsprechenden Vorstoß an. Er habe bereits im Verkehrsausschuss des Bundesrats Position bezogen und insbesondere kritisiert, dass "die Grenzregionen schwer tangiert sind, ausgerechnet in Zeiten, in denen wir den europäischen Geist betonen wollen". Die "Bürokratie-Maut" passe nicht in die Zeit. Außerdem würden Milliarden eingenommen, Milliarden an deutsche Autofahrer wieder zurückgegeben und "vielleicht bleiben ein paar Millionen übrig".

Saarland, Rheinland-Pfalz oder NRW wollen den Vermittlungsausschuss zwischen Bundesrat und Bundestag anrufen, nachdem letzterer die Maut am Freitag beschlossen hat. Das Gesetz ist allerdings nicht zustimmungspflichtig, weshalb die Einführung der Maut auf diesem Wege lediglich verzögert werden kann. Allerdings könnte Verzögerung am Ende auch das Scheitern bedeuten, weil womöglich nach der Bundestagswahl im September die Karten ganz neu gemischt werden, und die CSU bisher bekanntlich die einzige Partei ist, die die Maut wirklich will. (24.3.2017)


Aras legt sich mit Erdogan an

Die Stuttgarter Grünen-Abgeordnete und Landtagspräsidentin Muhterem Aras hat die deutschtürkische Community aufgefordert, sich mit dem Verfassungsreferendum am 16. April kritisch auseinanderzusetzen. Von den Imamen wünscht sich die Stimmenkönigin ihrer Partei bei den Landtagswahlen 2016, dass die "in den Freitagspredigten zu einem respektvollen und fairen Umgang miteinander aufrufen und die hier geltenden Werte von Meinungs-, Presse- und Religionsfreiheit entschieden weitergeben". Sie selber verzichte derzeit auf Reisen in die Türkei, "weil ich nicht weiß, ob ich mich dort frei bewegen könnte". Zugleich müssten sich Demokraten weigern, sich zu Feinden der Türkei machen zu lassen. Aras nutzte eine Landtagsdebatte zum 60. Geburstag der EU auch zu scharfer Krtik am türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, weil der "auf das Infamste" gebaute Brücken wieder einreißen und die Gesellschaft spalten wolle. Von den Vertretern AKP-naher Institutionen erwartet die Grüne eine öffentliche Distanzierung von den "die Opfer verhöhnenden Nazivorwürfen". Im Südwesten dürfen insgesamt rund 230 000 Türken am Referendum teilnehmen – und zwar vorab: Die Wahl beginnt bereits am 27. März und endet am 9. April. (22.3.2017)

Mehr zum Thema: "Meister der Feindbilder", "Unverschämt und dumm"


Stuttgart 21: Aktionsbündnis warnt Aufsichtsrat

Drei Tage vor einer Sitzung des DB-Aufsichtsrats verlangt das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 erneut eine "faktenehrliche Bestandsaufnahme". Sollte sich der Aufsichtsrat wieder um die Auseinandersetzung drücken oder gar unbeirrt den Weiterbau beschließen, so Eisenhart von Loeper, schädige er wider besseres Wissen das Vermögen der Deutschen Bahn AG. "Das würde", erklärt der Bündnissprecher weiter, "den Tatbestand der Untreue erfüllen." Eine strafrechtliche Aufarbeitung sei die Konsequenz; darauf habe das Bündnis zuletzt am 11. März 2017 den Aufsichtsrat per Brief hingewiesen.

Ihren Appell richten die Stuttgart-21-Gegner nicht nur an den Vorsitzenden des Aufsichtsrats Utz-Hellmuth Felcht, sondern auch an den designierten Vorstandsvorsitzenden Richard Lutz. Als erstes sei "eine Bestandsaufnahme der ungelösten Probleme und hohen Risiken notwendig, die sich an den Realitäten und nicht an den Gesichtswahrungsproblemen der politisch Verantwortlichen orientiert". Von Loeper argumentiert damit, dass sich das Projekt "jenseits aller wirtschaftlichen Rationalität bewegt", und mit dem weiter offenen Brandschutz. Außerdem solle der Aufsichtsrat "endlich zur Kenntnis nehmen, dass sich die DB mit S 21 einen Dauerengpass für viel Geld baut, der den Bahnverkehr behindert und den viel beschworenen Deutschlandtakt im Südwesten irreversibel unmöglich macht". Nach der Devise "Politik beginnt mit der Kenntnisnahme der Realität" will das Aktionsbündnis den neuen Bahnchef zu Gesprächen einladen, bei denen sie ihm auch die von der Bürgerbewegung entwickelten Alternativen zum Weiterbau erläutern wollen. Deren "ernsthafte Prüfung" wünscht sich nach einer repräsentativen Umfrage von infratest dimap in Baden-Württemberg sogar eine Mehrheit der Projektbefürworter. (19.3.2017)

Mehr zum Thema: "Bahnfeinde im Bahnvorstand"


IHK will nicht mehr gegen Kakteen polemisieren

Auch ein Vergleich kann ein Erfolg sein: Vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart akzeptierte die IHK Region Stuttgart die Feststellung, dass sie in der Vergangenheit mit Angriffen gegen die IHK-Rebellen der Kaktus-Initiative ihre Kompetenz überschritten hat. Stein des Anstoßes waren zwei IHK-Pressemitteilungen, in denen Hauptgeschäftsführer Andreas Richter gegen die Kakteen polemisiert habe, so Kaktus-Mitglied Klaus Steinke, der in der Folge Klage eingereicht hatte.

Konkret einigten sich die Streitparteien am heutigen Donnerstag, den 16. März, auf folgenden Vergleich: Die IHK Region Stuttgart erklärt, "dass ohne Beratung und Beschlussfassung durch die Vollversammlung keine weiteren öffentlichen Äußerungen der IHK und ihrer Organe über Binnenkonflikte, die keine wirtschaftspolitischen Positionen betreffen, abgegeben werden", und dass es den beiden strittigen Pressemitteilungen "an einer solchen Beratung und Beschlussfassung mangelte". Außerdem trägt die IHK trägt die Kosten des Verfahrens von 5000 Euro.

Für Steinke ist es "ein gutes Ergebnis, weil es die Transparenz innerhalb der IHK stärkt, und weil es deutlich die Frage artikuliert, was Geschäftsführer und Präsident dürfen und was nicht". Zwar wäre es, so Steinke, spannend gewesen, wenn das Gericht in einem Urteil Grundsatzregeln für die Öffentlichkeitsarbeit der IHK aufgestellt hätte. Aber er sei mit dem Vergleich zufrieden, "weil es mir in der Sache nicht darum geht, zu siegen, sondern eine Veränderung innerhalb der IHK zu bewirken". Zudem habe das Ergebnis, so hofft Steinke, auch "eine Signalwirkung auf andere IHKs".

Die Kaktus-Initiative, 2011 gegründet, kritisierte in den letzten Jahren immer wieder intransparente Wahlverfahren und die offizielle Pro-Haltung der IHK zu Stuttgart 21. (16.3.2017)

Mehr zum Thema: "Rebellen im Weinberghäusle" und "Die IHK wackelt nicht".


Afghanistan-Rückkehrer bekommt zweimonatiges Arbeitsvisum

Es ist ein kleines Wunder. Denn trotz der mannigfaltigen Unterstützung in den vergangenen Wochen, glaubten nicht viele seiner Freunde wirklich daran, dass der Zahnarzt Ahmad Shakib Pouya, der in einem französischen Krankenhaus in Herat gearbeitet hat, zurück in die Bundesrepublik kommen kann. Pouya war in seiner früheren Heimat von den Taliban bedroht, floh 2010 nach Deutschland. Hier war er einer der Hauptdarsteller in der vielbeachten Produktion der Mozart-Oper "Zaide" und hatte eine doppelte Zusage auf Festanstellung – vom Münchner Gärtnerplatztheater und der IG Metall. Dennoch wurde er zur Abschiebung vorgesehen, weshalb er am 20. Januar 2017 ausreiste. Seither machten seine Unterstützer vom im Mai 2014 gegründeten Stuttgarter Verein "Zuflucht Kultur. Entweder. Oder. Frieden." bundesweit auf sein Schicksal aufmerksam. Auch mit einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), mit der Bitte um "ein Visum und ein langfristiges Bleiberecht als wertvoller Bürger unseres Landes".

Jetzt kam die gute Nachricht. Der 33-Jährige kann für zwei Monate zurück nach Deutschland. Mitausschlaggebend dürfte ein Schreiben von Georg Podt gewesen sein, dem Intendanten des kommunalen Münchner Kinder- und Jugendtheaters "Schauburg", der Pouya in einer Neuinszenierung von Rainer Werner Fassbinders "Angst essen Seele auf" als Hauptdarsteller besetzt hat. Die Proben sollen in der kommenden Woche beginnen, Premiere wird am 22. April sein. Mitte Mai läuft das Visum aus. Pouya will gemeinsam mit dem Verein die Zeit nutzen, um das angestrebte dauerhafte Bleiberecht zu bekommen. Die Chancen stehen angesichts der 2015 eigentlich gelockerten Regelungen gar nicht so schlecht. Allerdings werden die nach den Erkenntnissen von Pro Asyl oder dem Flüchtlingsrat viel zu selten von den Behörden angewandt.


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Ausgabe 267
Kolumne

Flammenwerfer

Von Peter Grohmann
Datum: 11.05.2016

Auch wenn Sie jetzt erschrecken: Das Christentum gehört nicht zu Deutschland! Nicht nur deshalb nicht, weil Jesus wie bekannt vor ungefähr 2000 Jahren in Galiläa (Palästina) in einer jüdischen Familie geboren wurde, sondern auch, weil sich der Mann als linker Wanderprediger besonders um Leute kümmerte, die wenig angesehen waren: Arme, Kranke, Gesetzesbrecher.

Das Christentum widerspricht in seiner völligen Einseitigkeit zugunsten der Armen und Entrechteten, der Geschlagenen und Getretenen nicht nur gängiger Theorie und Praxis in unserem schönen Vaterland, sondern ist in seiner Radikalität ja auch fundamentalistisch. Zu uns gehören Odin und Thor, Donar, Loki und Wotan und Frigg, die Nibelungen, der Wartburg, Volkswagen, die Deutsche Mark, die Deutsche Bank und Heintje.

Man könnte es allerdings auch anders sehen – damit Sie jetzt nicht erschrecken: Zu uns gehören Atheisten und Monetaristen, Leute mit Handicap wie ich und du, Söder und Frauke Petry, Karl Marx und Karl Mosch, Pietisten, Wehrkraftzersetzer wie Gangolf Stocker, Hegel und die Sloterdijks, Bismarck der Hering, Petra Kelly und Petra Pau, Schwarze, Grüne, Gelbe, Rosarote und Rote und – auch wenn Sie sich auf den Kopf stellen - Sachsen, wie meine Omi Glimbzsch aus Zittau.

Wer anfängt, andere Menschen wegen ihrer Überzeugungen, ihres Unglaubens, ihrer Herkunft, sozialen Lage oder Hautfarbe auszugrenzen, verlässt freiwillig den heiligen Boden des Grundgesetzes, denn so etwas darf es bei uns nicht geben, auch wenn es das massenhaft gibt. Das eine ist eben Theorie, das andere Praxis.

Eine etwas andere Nummer ist da dieser Professor, der (deutsche) Studierende an der Hochschule Kehl zu Beamten des Landes Baden-Württemberg ausbildet, etwa Regierungsinspektoren, Kulturamtsleitern oder Finanzbürgermeistern. Wenn dieser öffentliche Professor davon spricht, unsere Republik sei rot-grün versifft und verseucht, dann steht der Saal im Jubel. Seuche und Siff – da braucht es letztlich Feuer und Schwert, Gift und Galle, ja, Flammenwerfer, um die Übel auszurotten mit Stumpf und Stiel.

 

Peter Grohmann ist Kabarettist und Initiator des Bürgerprojekts Die AnStifter.


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Kommentare

Gela, 17.05.2016 20:39
Nur zur Klarstellung: es war nicht die Rede vom Glauben, sondern von der Ethik, die im Neuen Testament vertreten wird.

Kornelia, 16.05.2016 17:24
Volker Pispers:
"Die kath.Kirche ist das Opfer der grössten Einzeltäter-Zusammenrottung aller Zeiten"
05:35
https://youtu.be/eoAE5q0kcts

Kornelia, 16.05.2016 15:04
Es ist schon faszinierend wie schnell sofort ein meta-intellektuellen himmel erklommen wird... und da wird dann hoch komplex über wort, punkt und komma gestritten....und vom ursächlichen abgelenkt...

auch die schrift gehört nicht zu deutschland!!! Ist auch ein flüchtling!

Alle schriften haben gemeinsam: sie können so und so ausgelegt werden!
Die juristen- industrialisierung der letzten 30Jahre spricht da doch eine eindeutige Sprache
(Alice Kayser geht ohne Schütz nirgendwo hin! Und die zunehmende extraristische juristenanhäufung, sprich schiedsgerichte, auch! )

Das perfide an diesen schriften und ihren auslegern ist, daß sie mit dem urbedürfnis des menschen kollidieren und herumspielen: die notwendigkeit von gut und böse!
Ich muss die überzeugung haben, dass mein partner meine kinder meine freunde meine nachbarn gut sind, sonst kann ich nicht existieren und mutig sein und risiken eingehen!
Stellen wir uns mal z.b. die bankster vor...wären sie die spielsüchtigen risiken eingegangen wenn sie nicht damit gerechnet hätten vom volk "aufgefangen" und "gesund gepflegt" zu werden? (nicht umsonst hat bahn aufsichtsrat nachfragen lassen ob ihre S21-risiken vom volk geschützt werden)

Immer wieder wird mit schriften auf das übelste mit den menschlichen lebensgrundlagen "gespielt"

Mit der neuen "bibel", das grundgesetz, verhält es sich nicht anders: kriege werden damit begründet, unterdrückung von mind 3/4 der bevölkerung wurden und werden damit gerechtfertigt, massive verstösse gegen die menschenwürde, gegen die gleichheit vor dem gesetz juristblablanisch und grundgesetzgläubig ausgelegt abgesegnet.Und jede betonierung dieser neofeudalen klassendemokratie begründet! 3 millionen kinder erleben eine form der sanktionierung, der uberwachung, der vernächlässiggung der grundgesetz-gläubigen, die doch genauso gut den hoeness und maschmeyers und piechs etc pp zu "gute" kommen müsste!

http://www.neues-deutschland.de/artikel/1011257.neuermittlung-der-regelsaetze-erst-zum-januar.html
Neuermittlung der Regelsätze erst zum 1. Januar 2017
Entgegen den gesetzlichen Vorgaben hat die Bundesregierung die Regelsätze von Hartz IV nicht zum 1. Januar 2016 grundlegend neu ermittelt. Dies soll nun erst zum 1. Januar 2017 geschehen. […]"

Aber so ist das mit den schriften...man kann sich die welt schön reden...die schriften lassen alle interpretationen zu und -was am schlimmsten ist- sie legitimieren und verschaffen dem einzelmenschen die verantwortungs- und haltungslosigkeit!

invinoveritas, 15.05.2016 23:24
@gela

das ist die typische immunisierung von glauben gegen kritik: themen wechseln, thesen entgegentreten, die nicht aufgestellt wurden, und speziell: die kirche war's.

so soll der traditionell großartig beleumdete religionsstifter verklärt werden. anstatt zu erkennen, dass seine lehre partiell hochgradig inhuman war und, davon abgesehen, zu sehr großen teilen unzutreffend überliefert bzw. erfunden wurde.

wie dünn da argumentiert wird, zeigen Sie selbst z.b. mit Ihrem hinweis auf eine geburt im stall, die zwar einerseits etwas positives bedeuten soll, nämlich die zuwendung zu armen und ausgegrenzten, andererseits aber "natürlich nicht historisch zu sehen" sein soll. wie denn nun? interessengeleitete phantasien als basis der größten weltreligion, die seit eh und je und mit enormem erfolg mit eben solchen ammenmärchen auf sympathiewerbung geht?

und das heikle wird verharmlost mit floskeln von gewissen "stellen", die es "sicher" auch gebe. Ihre behauptung, die seien doch "immer auch verbunden" mit freundlichen angeboten, ist faktisch grottenfalsch, und das dürften Sie nur zu gut wissen.

gläubigen geht es eben für gewöhnlich nicht um das herausfinden schnöder wirklichkeit. sondern um den bau von schutzwällen. dahinter soll ein hilfreicher, "ehrwürdiger" irrationalismus guten gewissens weitergepflegt werden können - indem man die augen vor seinen abgründen verschließt.

Gela, 15.05.2016 16:51
Lieber @Invinoveritas, was Sie da über das Christentum und die Überlieferung schreiben, ist nicht ganz falsch, aber doch sehr einseitig. Mit dieser Sicht halten besonders strenge Pietisten oder Sekten ihre Leute ( und ihre Kinder) in Angst und Schrecken und bei der Stange. Natürlich ist historisch über den Wanderprediger Jesus wenig aus 1. Hand bekannt Aber was die Evangelisten später gedrängt hat, es aufzuschreiben, ist ja gerade das Nonkonforme an seinem Leben und seinen Predigten. Sicher gibt es auch Stellen von Strafen für die Bösen und Ungläubigen - aber immer auch verbunden mit dem Angebot der Vergebung und der Gnade. Doch das Wesentliche ist , daß immer wieder betont wird, wie Jesus sich den Armen und Ausgegrenzten zugewendet hat . Das fängt mit der (natürlich nicht so als historisch zu sehenden) Geburt als "Emigrant" in einem Stall an, das zeigt sich in vielen Gleichnissen wie dem vom Barmherzigen Samariter ( die Samariter wurden von den Juden verachtet) , der Heilung von Aussätzigen, mit denen sonst niemand zu tun haben wolltel, dem Schutz von Prostituierten, dem gemeinsamen Essen mit "Sündern" usw. , aber auch in seinen Predigten, vor allem der Bergpredigt. Es stimmt, daß Jesus kein politischer Revolutionär war, aber es ging ihm nicht nur darum, Armen ein Almosen zu geben, sondern sie und alle Ausgegrenzten als gleichwertig oder sogar als besonders wertvoll (Geschichte vom Verlorenen Sohn!) zu behandeln. Jesus hat im Gegensatz zu Mohammed keine militärischen Kämpfe für seine Lehre ausgefochten , sondern er hat sie vorgelebt .

Was die offizielle Kirche dann in den folgenden Jahrhunderten draus gemacht hat, ist allerdings katastrophal und verbrecherisch: Dogmatismus, Verfolgung und Morde, Kreuzzüge, Inquisition, Hexenverbrennung, Kriege. Immer gab es aber auch die Strömungen, die sich an der Urgemeinde orientierten und sich auch für Arme und Kranke einsetzten. Auch heute spielen gerade diese Strömungen in der Kirche ja eine beispielhafte Rolle in ihrem Einsatz für Benachteiligte, für Frieden, gegen Unterdrückung in der 3. Welt, für Flüchtlinge usw. Sie können ja mal Dorothee Sölle oder den tschechischen Marxisten und Vordenker der "PragerFrühlings" MilanMachovec lesen!

invinoveritas, 13.05.2016 21:28
lieber peter,

du denkst ganz entschieden zu wohlwollend über den mann aus nazareth. der war nicht links und hatte gar nichts gegen das gesellschaftliche oben und unten; es genügte ihm, wenn - zumal von den "reichen" - den armen irgendwie "gegeben" wurde.

außerdem erstens: wir wissen herzlich wenig über J.C. als gesichert gelten nur wenige der aussagen, die ihm das neue testament zuschreibt. weitaus mehr sind erwiesen als erfunden oder verfälscht. auch seine zahlreichen angeblichen wundertaten sind vernünftigerweise als indiz dafür anzusehen, dass die historische wahrheit im zusammenhang mit J.C. eklatant und systematisch missachtet wurde.

außerdem zweitens: du schreibst: "wer anfängt, andere wegen ihres unglaubens auszugrenzen, verlässt den heiligen boden des grundgesetzes." seit zweitausend jahren wird von einer großen mehrheit nicht bemerkt, wie sehr das christentum eine religion einer maßlosen, vollkommen inakzeptablen intoleranz ist, indem es ungläubige mit ewiger verdammnis zu bestrafen ankündigt. zur Illustrierung lasse man die in der bibel wiedergegebenen äußerungen des angeblichen gottessohns auf sich wirken, die geradezu schwelgen von den höllischen qualen, die er den ungläubigen zugedacht hat (das paradies, soll er ferner gesagt haben, warte nur auf eine minderheit).

faktum ist: das christentum hat weder in seiner geschichte noch in seiner lehre eine "völlige einseitigkeit zugunsten der geschlagenen und getretenen" an den tag gelegt, wie Du meinst. das ist bloß das schöne trügerische bild, das von ihm entworfen wurde, unter tätiger mithilfe von zahllosen in dieser hinsicht gutgläubigen menschen wie Dir.

etliche andere außerdems erspare ich dir und mir.

Barolo, 13.05.2016 14:09
Hallo Kornelia,
"gegen die versifften links 68er wettert.... Wart ihr echt sooo schlimm?"
Eigentlich nicht, denn die 68 haben damals laut und deutlich Lügenpresse gerufen.
War sicherlich in vielen Teilen berechtigt. (Ermordung Ohnsorg durch Polizei, bewusstes Anheizen von Demo Gewalt etc)
Leider sind die damals staatskritischen Stimmen verstummt bzw fixieren sich nur noch auf böse Nazis und AfD.

Kornelia, 13.05.2016 00:44
Jetzt hab ichs gefunden....
Deine Kollegen von der Anstalt.....haben da mal recherchiert....
Der Koran und die Bibel - Die Anstalt ZDF - YouTube
https://www.youtube.com/watch?v=NF3rSRS9poo

Kornelia, 12.05.2016 21:58
Und Peter,
wenn du den Kretschi siehst...kannst du ihn mal fragen warum er sowenig "aus Erfahrung klug" agiert?
Er gehört "knapp daneben" auch zu den Berufsverbotenen. Viele Linke leiden bis heute - im Gegensatz zum MP.
Nur...kommt jetzt nicht alles wieder hoch?
Nach 45 konnten Nazis unbehelligt "durchmaschieren" während die Linken McCarthied wurden!
Wenn ich die AfD Liste so anschaue, dann kriege ich schon ein mulmiges Gefühl....
Eine Diskussion auf einem 3.Demokratie21-Kongress dazu wäre spannend, oder? ;)
Und da die AfD volle Rohr gegen die versifften links 68er wettert.... Wart ihr echt sooo schlimm?
Ich weiss nur ohne diese Linken würde Christina Baum nicht im Landtag sitzen.
Ob Meuthen wirklich Prof vor 68 geworden wäre? Und hätte er so eine gute Vollkaskoversicherung erhalten? Job bleibt erhalten, dafür kriegt er
monatlich 7.448 Euro als Diät
monatlich 1.545 Euro fürs Allerlei
monatlich 1.638 Euro für die alten Tage
Daneben gibt es Aufwandsentschädigungen. Reisekosten werden auf Nachweis erstattet. Das Land zahlt dem Abgeordneten auch die tatsächlich entstandenen Kosten für eine Büro- oder Schreibkraft. Als Alternative ist aber auch eine monatliche Pauschale von 400 Euro möglich. Im Übrigen kann er die Deutsche Bahn innerhalb Baden-Württembergs frei nutzen.
Nach dem Ausscheiden aus dem Landtag steht dem Abgeordneten Übergangsgeld zu. "

Da wird er und die anderen AfDler bestimmt als Erstes gegen angehen, gegen soviel Vollkaskoabsicherung!

Kornelia, 12.05.2016 21:29
Lieber Peter,
Du hast bei all den Verachteten dieses christlichen Abendlandes vergessen: Maria, hochschwanger von einem Fremden und mit einem anderen Mann auf engstem Raum, tz, tz
Schon vor 2000 Jahren Patchwork, tz,tz
Und Jesus, der doch mit 12 im Gotteshaus herumrandaliert, Tische umschmeisst und rumschreit!

Und was mich massiv amüsiert: zur Zeit geht die Forschung davon aus, dass wir alle Wirtschafts-, Abenteuer- und Reissaus- Flüchtlinge aus Afrika sind! In den Genen der Weissen gibt es also schwarze streifen! Ganz natürlich! Biodeutsch halt! ;)
http://www.sueddeutsche.de/wissen/die-aelteste-vorfahrin-des-menschen-unsere-neue-nummer-eins-1.44175
In Äthiopien wurde auch Lucy entdeckt!

Versucht also der weisse Mensch seit Jahrhunderten seine "Unreinheit" zu tilgen?

Und als hier "im weissen" Land Ackerkruhmen gegessen wurden, Kartoffeln als giftiges Zeug galten war der Orient Hochkultur in Forschung, Medizin und so...
Deswegen "Hochmut kommt vor dem Fall" wie meine Oma sagte...

Claus Stroheker, 12.05.2016 17:11
Hallo Herr Grohmann,

gut geschrieben, voll getroffen - Spitze!

Nur, dass Sie in der Aufzählung der Gruppen, mit denen sich dieser Rebell namens Jesus da herum getrieben hat, nun die Huren (ausgerechnet!!) vergessen haben, macht mich nachdenklich. -
Was wollen Sie uns denn damit sagen?

Ansonsten, alles gut, besser, Grohmann!

Franko, 11.05.2016 09:19
Lieber Herr Grohmann,

genau so ist es. Nagel auf den Kopf getroffen.
Wunderbar, diese Art des immer wieder Wachrüttelns !!

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