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Auch Hermann will Maut verzögern

Wenn es nach den Grünen geht, wird die Landesregierung gemeinsam mit Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz oder dem Saarland versuchen, die Einführung der PKW-Maut über den Bundesrat noch zu verzögern oder gar zu verhindern. Verkehrsminister Winne Hermann kündigte einen entsprechenden Vorstoß an. Er habe bereits im Verkehrsausschuss des Bundesrats Position bezogen und insbesondere kritisiert, dass "die Grenzregionen schwer tangiert sind, ausgerechnet in Zeiten, in denen wir den europäischen Geist betonen wollen". Die "Bürokratie-Maut" passe nicht in die Zeit. Außerdem würden Milliarden eingenommen, Milliarden an deutsche Autofahrer wieder zurückgegeben und "vielleicht bleiben ein paar Millionen übrig".

Saarland, Rheinland-Pfalz oder NRW wollen den Vermittlungsausschuss zwischen Bundesrat und Bundestag anrufen, nachdem letzterer die Maut am Freitag beschlossen hat. Das Gesetz ist allerdings nicht zustimmungspflichtig, weshalb die Einführung der Maut auf diesem Wege lediglich verzögert werden kann. Allerdings könnte Verzögerung am Ende auch das Scheitern bedeuten, weil womöglich nach der Bundestagswahl im September die Karten ganz neu gemischt werden, und die CSU bisher bekanntlich die einzige Partei ist, die die Maut wirklich will. (24.3.2017)


Aras legt sich mit Erdogan an

Die Stuttgarter Grünen-Abgeordnete und Landtagspräsidentin Muhterem Aras hat die deutschtürkische Community aufgefordert, sich mit dem Verfassungsreferendum am 16. April kritisch auseinanderzusetzen. Von den Imamen wünscht sich die Stimmenkönigin ihrer Partei bei den Landtagswahlen 2016, dass die "in den Freitagspredigten zu einem respektvollen und fairen Umgang miteinander aufrufen und die hier geltenden Werte von Meinungs-, Presse- und Religionsfreiheit entschieden weitergeben". Sie selber verzichte derzeit auf Reisen in die Türkei, "weil ich nicht weiß, ob ich mich dort frei bewegen könnte". Zugleich müssten sich Demokraten weigern, sich zu Feinden der Türkei machen zu lassen. Aras nutzte eine Landtagsdebatte zum 60. Geburstag der EU auch zu scharfer Krtik am türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, weil der "auf das Infamste" gebaute Brücken wieder einreißen und die Gesellschaft spalten wolle. Von den Vertretern AKP-naher Institutionen erwartet die Grüne eine öffentliche Distanzierung von den "die Opfer verhöhnenden Nazivorwürfen". Im Südwesten dürfen insgesamt rund 230 000 Türken am Referendum teilnehmen – und zwar vorab: Die Wahl beginnt bereits am 27. März und endet am 9. April. (22.3.2017)

Mehr zum Thema: "Meister der Feindbilder", "Unverschämt und dumm"


Stuttgart 21: Aktionsbündnis warnt Aufsichtsrat

Drei Tage vor einer Sitzung des DB-Aufsichtsrats verlangt das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 erneut eine "faktenehrliche Bestandsaufnahme". Sollte sich der Aufsichtsrat wieder um die Auseinandersetzung drücken oder gar unbeirrt den Weiterbau beschließen, so Eisenhart von Loeper, schädige er wider besseres Wissen das Vermögen der Deutschen Bahn AG. "Das würde", erklärt der Bündnissprecher weiter, "den Tatbestand der Untreue erfüllen." Eine strafrechtliche Aufarbeitung sei die Konsequenz; darauf habe das Bündnis zuletzt am 11. März 2017 den Aufsichtsrat per Brief hingewiesen.

Ihren Appell richten die Stuttgart-21-Gegner nicht nur an den Vorsitzenden des Aufsichtsrats Utz-Hellmuth Felcht, sondern auch an den designierten Vorstandsvorsitzenden Richard Lutz. Als erstes sei "eine Bestandsaufnahme der ungelösten Probleme und hohen Risiken notwendig, die sich an den Realitäten und nicht an den Gesichtswahrungsproblemen der politisch Verantwortlichen orientiert". Von Loeper argumentiert damit, dass sich das Projekt "jenseits aller wirtschaftlichen Rationalität bewegt", und mit dem weiter offenen Brandschutz. Außerdem solle der Aufsichtsrat "endlich zur Kenntnis nehmen, dass sich die DB mit S 21 einen Dauerengpass für viel Geld baut, der den Bahnverkehr behindert und den viel beschworenen Deutschlandtakt im Südwesten irreversibel unmöglich macht". Nach der Devise "Politik beginnt mit der Kenntnisnahme der Realität" will das Aktionsbündnis den neuen Bahnchef zu Gesprächen einladen, bei denen sie ihm auch die von der Bürgerbewegung entwickelten Alternativen zum Weiterbau erläutern wollen. Deren "ernsthafte Prüfung" wünscht sich nach einer repräsentativen Umfrage von infratest dimap in Baden-Württemberg sogar eine Mehrheit der Projektbefürworter. (19.3.2017)

Mehr zum Thema: "Bahnfeinde im Bahnvorstand"


IHK will nicht mehr gegen Kakteen polemisieren

Auch ein Vergleich kann ein Erfolg sein: Vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart akzeptierte die IHK Region Stuttgart die Feststellung, dass sie in der Vergangenheit mit Angriffen gegen die IHK-Rebellen der Kaktus-Initiative ihre Kompetenz überschritten hat. Stein des Anstoßes waren zwei IHK-Pressemitteilungen, in denen Hauptgeschäftsführer Andreas Richter gegen die Kakteen polemisiert habe, so Kaktus-Mitglied Klaus Steinke, der in der Folge Klage eingereicht hatte.

Konkret einigten sich die Streitparteien am heutigen Donnerstag, den 16. März, auf folgenden Vergleich: Die IHK Region Stuttgart erklärt, "dass ohne Beratung und Beschlussfassung durch die Vollversammlung keine weiteren öffentlichen Äußerungen der IHK und ihrer Organe über Binnenkonflikte, die keine wirtschaftspolitischen Positionen betreffen, abgegeben werden", und dass es den beiden strittigen Pressemitteilungen "an einer solchen Beratung und Beschlussfassung mangelte". Außerdem trägt die IHK trägt die Kosten des Verfahrens von 5000 Euro.

Für Steinke ist es "ein gutes Ergebnis, weil es die Transparenz innerhalb der IHK stärkt, und weil es deutlich die Frage artikuliert, was Geschäftsführer und Präsident dürfen und was nicht". Zwar wäre es, so Steinke, spannend gewesen, wenn das Gericht in einem Urteil Grundsatzregeln für die Öffentlichkeitsarbeit der IHK aufgestellt hätte. Aber er sei mit dem Vergleich zufrieden, "weil es mir in der Sache nicht darum geht, zu siegen, sondern eine Veränderung innerhalb der IHK zu bewirken". Zudem habe das Ergebnis, so hofft Steinke, auch "eine Signalwirkung auf andere IHKs".

Die Kaktus-Initiative, 2011 gegründet, kritisierte in den letzten Jahren immer wieder intransparente Wahlverfahren und die offizielle Pro-Haltung der IHK zu Stuttgart 21. (16.3.2017)

Mehr zum Thema: "Rebellen im Weinberghäusle" und "Die IHK wackelt nicht".


Afghanistan-Rückkehrer bekommt zweimonatiges Arbeitsvisum

Es ist ein kleines Wunder. Denn trotz der mannigfaltigen Unterstützung in den vergangenen Wochen, glaubten nicht viele seiner Freunde wirklich daran, dass der Zahnarzt Ahmad Shakib Pouya, der in einem französischen Krankenhaus in Herat gearbeitet hat, zurück in die Bundesrepublik kommen kann. Pouya war in seiner früheren Heimat von den Taliban bedroht, floh 2010 nach Deutschland. Hier war er einer der Hauptdarsteller in der vielbeachten Produktion der Mozart-Oper "Zaide" und hatte eine doppelte Zusage auf Festanstellung – vom Münchner Gärtnerplatztheater und der IG Metall. Dennoch wurde er zur Abschiebung vorgesehen, weshalb er am 20. Januar 2017 ausreiste. Seither machten seine Unterstützer vom im Mai 2014 gegründeten Stuttgarter Verein "Zuflucht Kultur. Entweder. Oder. Frieden." bundesweit auf sein Schicksal aufmerksam. Auch mit einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), mit der Bitte um "ein Visum und ein langfristiges Bleiberecht als wertvoller Bürger unseres Landes".

Jetzt kam die gute Nachricht. Der 33-Jährige kann für zwei Monate zurück nach Deutschland. Mitausschlaggebend dürfte ein Schreiben von Georg Podt gewesen sein, dem Intendanten des kommunalen Münchner Kinder- und Jugendtheaters "Schauburg", der Pouya in einer Neuinszenierung von Rainer Werner Fassbinders "Angst essen Seele auf" als Hauptdarsteller besetzt hat. Die Proben sollen in der kommenden Woche beginnen, Premiere wird am 22. April sein. Mitte Mai läuft das Visum aus. Pouya will gemeinsam mit dem Verein die Zeit nutzen, um das angestrebte dauerhafte Bleiberecht zu bekommen. Die Chancen stehen angesichts der 2015 eigentlich gelockerten Regelungen gar nicht so schlecht. Allerdings werden die nach den Erkenntnissen von Pro Asyl oder dem Flüchtlingsrat viel zu selten von den Behörden angewandt.


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Hostessen für das Geburtstagskind. Foto: Kontext

Hostessen für das Geburtstagskind. Foto: Kontext

Ausgabe 271
Gesellschaft

Der feine Herr Marguerre

Von Anna Hunger
Datum: 08.06.2016
In Heidelberg gab's am Wochenende eine ganz besondere Sause: Wolfgang Marguerre, Milliardär und Mäzen der Stadt, feierte seinen 75. Geburtstag. Drei Tage lang. Dass er dazu den Schlossgarten des Heidelberger Wahrzeichens blockiert hat, hat nicht allen gefallen.

Um kurz vor sieben Uhr abends schiebt sich einer von vielen schwarzen S-500-Mercedessen an diesem Tag den Berg zum Heidelberger Schloss hinauf. Schnurgerade auf den kleinen Haufen bunter Demonstrant*innen zu. "Leute, zur Seite!", ruft einer mit Fahrradhelm. "Macht Platz für die Elefanten des Sultans!" Die Limousine schwebt zwischen Trillerpfeifen-Sound und Protestplakaten hindurch – "Alles ist käuflich", steht da drauf, oder "Hände weg vom Schlosspark" oder "Bescheidenheit ist eine Zier". Im Wagenfonds sitzt hinter dunklen Scheiben eine Frau mit enormer Frisur.

Es ist Samstag, die Sonne knallt vom Himmel. Links erhebt sich die Ruine des Heidelberger Schlosses, rechts steht eine portable zweistöckige Festhalle, unter Bäumen und genau dort, wo normalerweise der frei zugängliche Teil des Schlossgartens liegt. Drumherum ziehen sich Absperrgitter, davor hat sich eine schwarze Phalanx Security aufgebaut, Ringelkabel im Ohr, breitbeinig, die Hände fein vor dem Gemächt gefaltet.

Schlossgartenmieter Wolfgang Marguerre. Foto: Octapharma (CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=32195089)
Schlossgartenmieter Wolfgang Marguerre. Foto: Octapharma (CC BY 3.0, commons.wikimedia.org/w/index.php)

Wolfgang Marguerre, Geschäftsführer und Gründer der Firma Octapharma, Chef über 6000 Mitarbeiter*innen, einer von Heidelbergs Reichsten, feiert seinen 75. Geburtstag. Drei Tage lang. Und für den Höhepunkt am Samstagabend hat er sich den Schlossgarten gemietet. Ausgerechnet. Seit Wochen ist der Ort für den Aufbau des Fests gesperrt. Normalerweise lümmeln hier Student*innen, Familien picknicken, Japaner*innen fotografieren, es ist DER Ort in Heidelberg. Sozialer Treffpunkt. Touristenmagnet. Historisch. Ein Ort für die Bürger*innen.

"Eine echte Frechheit", sagt Gerd Guntermann, Bezirksbeirat für die Grün-Alternative Liste Heidelberg. "Als ich gehört habe, dass der im Schlossgarten feiert, dachte ich, jetzt driften die tektonischen Platten zwischen Arm und Reich vollends auseinander", sagt Nera Vukovic, 60, Diplom-Psychologin der Caritas und seit anno dazumal Mitglied der Initiative "Lebenswerte Altstadt". "Das ist unser Park", sagt sie und guckt grimmig.

Für die Feier wird der historische Ort für die Öffentlichkeit gesperrt

Tatsächlich geht es hier nicht um ein paar hundert Quadratmeter Rasen. Denn die Schlösser im Land finanzieren sich durch Vermietungen. Es geht um Gerechtigkeit. Und um Transparenz. Vom Fest gewusst hat nämlich kaum einer. Das Naturschutzreferat habe gerade noch Amphibienzäune ziehen können. Wegen der Feuersalamander und Kröten, die ausgerechnet jetzt in den drei Teichen heranreifen, sagt Guntermann. Unverschämt nicht zuletzt deshalb, weil da mit zweierlei Maß gemessen werde, schreibt er in einem Mailverteiler empört: "Fukushima, danach hänge ich ein großes Transparent mit Anti-Atom-Sonne an die Mauer meines Gartens am Philosophenweg. Nach wenigen Tagen Schreiben des Heidelberger Baubürgermeisters: sofort abhängen, weil Gründe des Baurechts, Landschaftsschutzes und der Gesamtanlagenschutzordnung dagegen sprächen!" Der Rasen am Schlosspark läge auch im Naturschutzgebiet. Und der, das ist nicht zu übersehen, ist hinüber.

Festzelt im Salamander-Habitat. Foto: Thomas Rathay
Festzelt im Salamander-Habitat. Foto: Thomas Rathay

Die Stadt, sagt der Pressesprecher des Heidelberger Rathauses, habe damit nichts zu tun, das sei eine Landesliegenschaft. Arnulf Weiler-Lorentz, Stadtrat der Bunten Linken, fragte dennoch kürzlich: "Weshalb wurde der Gemeinderat über diese Großveranstaltung nicht informiert?" Immerhin sei die Stadt zuständig für die Erteilung von Genehmigungen: Denkmalschutz, Verkehrsführung, Brandschutz.

Aber Wolfgang Marguerre ist nicht irgendwer. Sondern "ein sehr verdienter Bürger unserer Stadt, der mit seiner großzügigen Unterstützung viel für seine Heimatstadt Heidelberg getan hat", lässt Oberbürgermeister Eckart Würzner auf Kontext-Anfrage ausrichten. Er ist Mäzen und einer von vier superreichen Heidelbergern: Manfred Lautenschläger, Gründer des Finanzdienstleisters MLP, früher Marschollek, Lautenschläger und Partner, der jüngst verstorbene Viktor Dulger von Dosierpumpen "Prominent", dazu SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp. "Der Hopp würde sich so etwas nicht trauen", schreibt eine Frau im Internet.

Festgäste in Robe mogeln sich an Demonstranten vorbei

"Ja was! Haben Sie denn keinen Wagen gestellt bekommen? Die anderen wurden alle gefahren!", ruft einer, während eine hochgewachsene Frau mit azurblauer Abendgarderobe vorbeigeht, verkniffen an den Arm ihres Mannes geklammert. "Aaaachtung! Da kommen die Kategorie-B-Gäste!", ruft ein anderer, reckt sein Schild hoch und verbeugt sich: "Schönen Abend noch." Von irgendwoher weht ein leises "Party für alle" über den Park.

Wolfgang Marguerre ist kürzlich von Winfried Kretschmann der Verdienstorden des Landes verliehen worden. "Das langjährige Wirken von Wolfgang Marguerre als Förderer unserer Stadt ist beispielhaft und ein wichtiger Grundpfeiler für die Bewältigung anstehender gesellschaftlicher Herausforderungen", sagte Heidelbergs Oberbürgermeister bei der Gelegenheit. Den Orden gab's, weil der Mäzen die ungerechte Steuerpolitik Deutschlands ein klein wenig ausgleicht und Kultur und Gesellschaft etwas abgibt von seiner Kohle. Zumindest dort, wo er meint, dass es sich lohnt.

"Ich unterstütze Dinge, die für Heidelberg sinnvoll sind", sagt Wolfgang Marguerre am Telefon. Die Uni-Klinik Heidelberg zum  Beispiel hat 250 000 Euro bekommen, kürzlich hat er eine Million für Flüchtlinge gespendet und vor einigen Jahren gab es von ihm 15 Millionen für die Sanierung des Theaters. Es ist ein Saal nach ihm benannt, obwohl er nicht darauf bestanden habe, das ist ihm wichtig, dem Musikliebhaber und passionierten Hobbygeiger. Viele Jahre lang hat er seine Geschäftspartner zu Weihnachten statt mit einer Kiste Wein mit einer Geigenquartett-CD beschenkt, selbst eingespielt mit Kammerorchester.

Heidelberger Demonstranten. Foto: privat
Heidelberger Demonstranten. Foto: privat

Seit 35 Jahren lebt er in Deutschland, sagt er, davor habe er in Paris, Kopenhagen, Brüssel gewohnt, mehr als sechs Milliarden Vermögen besitzt er aktuell, Forbes listet ihn auf Platz 17 der reichsten Deutschen. Der Otto-Normalreiche schaffe seine Kohle ja ins Ausland, Marguerre lacht durchs Telefon, er habe sie mitgebracht. Der Hauptsitz seiner Firma Octapharma, Blutplasma rund um den Globus, ist in der Schweiz. Da lacht er nochmal.

Als Christian Wulff noch Ministerpräsident in Niedersachsen war, wollte Marguerres Pharmaunternehmen erweitern und dafür ein Eichenwäldchen in einem niedersächsischen Naturschutzgebiet fällen lassen. Wurde gerade noch verhindert. Es gab 1993 einen Artikel im "Spiegel", es ging um verseuchtes Blut und Briefkastenfirmen und Wolfgang Marguerre, den "schrägen Tausendsassa der Branche", schrieb das Blatt. "Seine Karriere ist ein Lehrstück über das Metier, in dem große Schiebereien alltäglich sind. Der Aufstieg des Wolfgang Marguerre begann im beschaulichen Glarus, er ist Teil des bislang größten Kriminalfalles im deutschen Blutbusiness." Der "Spiegel" musste letztlich eine Gegendarstellung drucken. Die "FAZ" schrieb Ende 2015, dass Marguerres Firma dem ehemaligen portugiesischen Regierungschef José Sócrates im Jahr 2013 Beraterhonorar gezahlt haben soll. 2014 saß der Portugiese wegen Korruptionsvorwürfen im Knast. Die Geschichte sei glatt gelogen gewesen, sagt Marguerre, darüber regt er sich heute noch auf. Am Telefon jedenfalls kriecht die Säuernis deutlich durch die Leitung. 

Durch die kleine Demo am Heidelberger Schloss laufen zwei weißhaarige Damen, untergehakt, mit Schirmen überm Arm. "Der Mann hat fürs Theater gespendet!", ruft eine und schwingt ihre Faust. "Lassen Sie den in Ruhe seinen Ehrentag feiern!" "Wenn der 'ne Million spendet, dann ist das, wie wenn Sie zehn Cent spenden!", ruft einer der Demonstranten hinterher. Der Rasen im Schlossgarten jedenfalls, sagt Marguerre, würde nach seiner Feier neu gemacht und viel schöner aussehen als davor.

Private Gegenparty mit Techno und Heavy Metal

"Dieser Schlossgarten", sagt Marie-Luise Memmer, "wird behandelt wie der Nürburgring. Das ist doch ein schützenswerter Ort und kein Event-Gelände!" Andauernd sei da was – Schlossfestspiele, Filmfestival, und jetzt auch noch Privatpartys. Sie steht mit ihrem Mann auf der Terrasse ihres hübschen Häuschens und beschallt den Schlossgarten von oben mit Heavy-Metal und Techno, so laut, dass die Polizei schon gebeten hat, das doch mal leiser zu drehen. "Aber wir sind auch 'ne Privatparty", sagte ihr Mann Florian Michel zufrieden, zwei Leute, eine Flasche Wein. Beide 40 Jahre alt, beide an der Uni-Klinik beschäftigt, beide sehen eher nach WG aus als nach Anwohnern in bester Hanglage.

Protest-Villa am Hang. Foto: Kontext
Protest-Villa am Hang. Foto: Kontext

Michel holt eine Kippe aus einer American-Spirit-Box aus Metall und trillert ein paar Mal kräftig von der Terrasse in Richtung Festzelt hinunter. "Party für alle!", brüllt seine Frau hinterher. Dann erzählt sie, dass es alleine vier Wochen gedauert habe, bis sie herausgefunden hat, wer Ansprechpartner für diese zeltmäßige Grausamkeit im Heidelberger Kleinod ist.

Denn Schlossverwalter Michael Bös darf sich zur Sache öffentlich nicht äußern. Wer sich dazu äußert, ist letztlich Michael Hörrmann von den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg, zuständig für Verwaltung und Vermarktung feudaler Landesliegenschaften. Und der sagt auf Kontext-Nachfrage, man hätte ohnehin die Rasenfläche sanieren müssen. Nicht nur zahle Herr Marguerre einen anständigen Batzen Miete – der Mietzins sei so hoch, dass er beim Erhalt des Schlosses spürbar helfen werde –, sondern auch noch die Runderneuerung des demolierten Rasens hintennach. So als "Zückerchen", sagt Hörrmann. Also ein "doppelter Glücksfall"!

Auch Martina Schäfer vom 
Ministerium für Finanzen und Wirtschaft, dem die Staatlichen Schlösser und Gärten unterstellt sind, bemüht sich, dem Ganzen einen offiziellen Anstrich zu verpassen. Im Schloss Salem gebe es ja auch Open Airs. Aber ein Privatmann? Ministerien würden ebenfalls gerne mal große Landesflächen mieten. Und die Bischofskonferenz! Ein Unternehmer darf für seinen Geburtstag einen öffentlichen Park sperren? Wochenlang? Das sei halt die "Spannung zwischen Teilhabe der Bevölkerung und Erhalt des kulturellen Erbes", sagt Hörrmann. Außerdem täte der Mann ja Gutes für die Stadt.

Rollrasen vor dem Theater. Foto: Kontext
Rollrasen vor dem Theater. Foto: Kontext

Es wird geflüstert, dass das Orchester bei Premieren erst dann loslegen darf, wenn der feine Herr Marguerre auf seinem Ehrenplatz im Marguerre-Saal sitzt. Das stimmt natürlich nicht, sagt man im Theater. Der Herr Marguerre sei ein zurückhaltender und ganz bescheidener Mann. Dafür hat er sich für den Start seiner großen Sause am Abend davor das ganze Theater gemietet – geschlossene Gesellschaft mit Rollrasen vor der Tür für den "Sommerempfang" und Marguerres Lieblingsoper Figaros Hochzeit im eigenen Saal. Freitag Theater, Samstag Schloss, Sonntag Abschlussfeier auf der neuen "Königin Silvia", dem Neuzugang der Weissen Flotte Heidelberg: 59 Meter lang, 10,60 Meter breit, drei Meter hoch, Panoramafenster, frisch getauft am 7. Mai. Das ganze untermalt von einem mehrtägigen Kongress in der Kongresshalle der Stadt. "Wenn man genau guckt hat er das Ganze auch noch als Firmenfeier abgesetzt", sagt Gerd Guntermann.

Zwei Japanerinnen in Rosé und Rosa fahren einen pinkfarbenen Selfiestick aus und machen ein Bild vor einem der Schlosspark-Teiche, in denen die kleinen Feuersalamander heranreifen. "Feudalherrschaft", giftet ein Spaziergänger im blauen Feincord-Sakko im Vorbeigehen. Von Ferne hört man die Trillerpfeife von Florian Michel. Und ein leises "Party für alle!"


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Kommentare

Demokrator, 16.07.2016 12:42
Die Neidkeule hast Du noch vergessen, "blablabla", wenn wir schon die Augen zudrücken und gefälligst über die Allüren reicher "Mäzene" und ihrer willfährigen Handlanger in den Ämtern und Parlamenten hinwegsehen sollen. Erst recht wenn dieses Gehabe Steuergelder kostet und (nachweisbar) dem Gemeinwohl schadet.

blablabla, 16.07.2016 03:17
als ob es nichts wichtigeres…bla bla bla! Meine Güte…wir sollten uns auf wirklich wichtige Dinge…bla bla bla…gabs denn Hummer? Wurde der lebendig aufs Schloss gebracht…??? Bla Bla Bla …echt schlimm…werft weiter mit Legosteinen

Marie Memmer, 13.06.2016 15:46
Ja, ja... so funktioniert das: hergestellte Zusammenhänge und Relativierungen einfach nicht mitlesen, dafür aber die Vorurteilskeule auspacken (Wohnlage, natürlich dadurch nur Eigeninteressen, ggf. leitende Postionen).

Schwabe, 13.06.2016 09:26
@Horst Ruch
Natürlich wirkt sich S 21 in jeder Hinsicht um ein vielfaches negativer aus als die dekadent/feudale Milliardärsfeier. Meines Erachtens sollte man jedoch nicht ein Übel (aus Sicht der Bevölkerung) mit einem anderen vergleichen, sondern beides ablehnen. Denn die undemokratische Botschaft von abgehobenen Bürokratien/Verantwortlichen an die Bevölkerung steckt m.E. in beidem gleichermaßen.

Sonstnochwas, 12.06.2016 18:35
@Herrn Ruch und zur Richtigstellung:
der Schlossgarten war nicht für 3 Tage der Öffentlichkeit entzogen, sondern für mehr als 3 Monate! 6 Wochen dauerte alleine der Aufbau, der den Rasen komplett zerstörte. Nun muss man noch mit 4 Wochen Abbau rechnen. Bauzäune und schweres Gerät werden also noch eine Weile erhalten bleiben.
Dann folgt noch die Zeit, in der der unnatürliche Rollrasen anwachsen muss...
Es war und bleibt eine egozentrische Veranstaltung.

Schwabe, 12.06.2016 13:30
Liebe Marie Memmer,

es ist richtig das ich verstanden habe, dass Sie es mit Ihrer Kritik am Milliardärsfest damit bewenden lassen wollen ausschließlich die Informationspolitik von Land, Stadt und Veranstalter anzuprangern - ich nehme an insbesondere Ihnen beiden gegenüber als Angrenzer.

Wenn Sie eine Verbindung herstellen zwischen Milliardären sprich dem Kapital und dem Leiden von Natur und Volk (worauf Sie sinngemäß auf Ihrem Banner hinweisen) sollten Sie m.E. das eigene Land nicht ausnehmen bzw. relativierend von den Problemen in Deutschland ablenken ("Es gibt nämlich verdammt viele Völker und auch Natur, die noch sehr viel mehr leiden, als wir.").

Wenn Sie den moralischen Zeigefinger heben um "...mal über den Tellerrand zu schauen" sollte Sie m.E. diverse globale und nationale wirtschaftspolitische Zusammenhänge schon herstellen. Ich möchte nur ein paar Beispiele nennen:
Die Unterdrückung vieler afrikanischer Länder und der dortigen Bevölkerung (Zerstörung von Familien/Existenzen/Umwelt) durch das durch die Europäische Union brutal durchgesetzte Freihandelsabkommen EPA (Economic Partnership Agreement) mit Afrika oder die vernichtenden Auswirkungen der nach EU-Richtlinien (folgenlosen) illegalen großen deutschen Exportüberschüsse und die wirtschaftlich verheerenden Auswirkungen auf viele Länder - auch in Europa (siehe Griechenland).

Gerade Sie als Mitarbeiter (leitende Funktion ?!) an der Uni Klinik (Gesundheitswesen) sollten wissen (und zugeben) was extreme wirtschaftliche Interessen (Profitgier) bewirken - Stichwort Mensch/Krankheit als Ware/Kostenfaktor. Egal ob im In- oder Ausland!

Gerd Guntermann, 12.06.2016 13:29
Statt die Gegner der Aufführungen des Heidelberger Theateroligarchen auf dem Schloss und sonstwo mit "Neid" in Zusammenhang zu bringen, könnte man/frau auch ein bisschen weiterdenken: Wie wär's mit der Aufforderung zu Bescheidenheit in Richtung eines Menschen, der nie soviel gearbeitet haben kann, wie er Reichtum angehäuft hat?

Marie Memmer, 11.06.2016 18:59
Lieber Schwabe,
schön, dass du es verstanden hast. Eigentlich geht es nämlich nur darum, mal über den Tellerrand zu schauen (die Infos haben wir ja).
Unsere Stellungnahme "das Kapital feiert, Natur und Volk leiden" hing zwar anlässlich dieses unsäglichen Ereignisses. Stellt jedoch auch meine Meinung hinsichtlich dessen dar, was global um uns herum passiert.
Es gibt nämlich verdammt viele Völker und auch Natur, die noch sehr viel mehr leiden, als wir. Vielleicht sollte man einfach mal über den Tellerrand schauen und sich überlegen, ob man es auch bei uns soweit kommen lassen will. Noch können wir versuchen, uns zu wehren?! -Vielleicht sind wir aber einfach nur immer noch zu satt...

Schwabe, 11.06.2016 14:12
Falsch ist nur eines Herr Doktor Andreas Andresl - und zwar das die von Ihnen angesprochenen 100.000 mündigen Bürger nicht nach ihrer Zustimmung gefragt wurden, ob Sie möchten, dass ihr Schloss und der dazugehörige Park für Wochen gesperrt wird, als dekorativer Rahmen einer Milliardärsfeier herhalten soll und was der Milliardär dafür bezahlen soll.
Oder maßen Sie sich an für diese 100.000 mündigen Bürger sprechen zu können?

Kornelia, 11.06.2016 13:22
Ach liebe Frau @Katharina von Lekow..... schon als "Neid" in ungefähr Ende der 80er/anfang der 90er von Journalisten, Politikern und sogenannten Experten vorauseilend (und die unbotmässige Bereicherung der Reichen begleitend) eingeführt, war klar das stimmt so nicht!
Aber schon damsl wurde jede demokratische und damit rechtmässige Frage nach dem Grund der Bereicherung mit Neid, ja sogar mit Neidkultur weggewischt!
Gerade Sie müssten doch im Geschichtsunterricht gelernt haben, dass Adel und deren Privilegien auf Macht, auf Diebstahl, auf Unterdrückung, auf Versklavung, auf Günstlingswirtschaft und auf der bis heute nicht bewiesenen Forderung besteht: mein Samen wird auch geadelte samen hervorbringen! Also den Erbadel!

Neid ist es noch nie gewesen, ich bin nur stinksauer, dass wir so offenen Auges mittelalterliche Strukturen aufbauen! Denn diese zeit gilt nicht umsonst als DunkelDeutschland!

@Andresl: und hier ist es wieder: wer nicht meiner meinung ist ist ein querulant?

Dr. Andreas Andresl, 10.06.2016 21:35
Falsch! Das bedeutet im Egebnis, dass in einer Stadt von über 100.000 mündigen Bürgern nur 12 Querulanten auf Abwegen unterwegs waren. Eine sehr armselige Vorstellung von Möchtegern-Alternativyuppies.

Schwabe, 10.06.2016 16:04
Das Foto zeigt 12 Demonstranten (11 + Fotograph). Einschließlich Marie Memmer, Florian Michel und den 7 kritischen Kommentatoren (einschließlich mir) bis jetzt macht insgesamt 21 Menschen.

Das heißt 21 Menschen von vielen Millionen gegen "die Ökonomisierung bzw. Verramschung genuin öffentlicher Räume", die "neoliberal (kapitalistische - Anm. von mir) Botschaft" oder gegen "Das Kapital feiert, Natur + Volk leiden".
Das sind traurig wenige und zeigt das die meisten Menschen nicht ansatzweise begreifen was (mit ihnen) passiert!

CharlotteRath, 09.06.2016 18:02
Der Erhalt und die Nutzung öffentlicher Infrastruktur sind keine Bagatelle. Und die Ökonomisierung bzw. Verramschung genuin öffentlicher Räume hat ein trauriges Ausmaß angenommen.

In Stuttgart wurde sogar schon der Sitzungssaal des Gemeinderats - also der Ort, in dem sich der Bürgerwille im Sinne der Selbstverwaltung formiert - für Maklerveranstaltungen vermietet;
Bürgerinnen und Bürger mussten draußen bleiben.
Falls man der Demokratie einen ideellen Wert beimessen will, wäre das Rathaus vergleichbar mit dem Tempel, aus dem die Geldwechsler vor zweitausend Jahren verjagt wurden. Damals durften die Gläubigen immerhin noch hinein in den Tempel, und nicht nur die Geldwechsler ...

Marie Memmer und Florian Michel, 09.06.2016 17:58
Vielen Dank für den Artikel.
Leider scheint es im Eifer des Gefechts zu ein paar Unklarheiten gekommen zu sein.

DAS WICHTIGSTE:
Auf unsere Polizei lassen wir in dieser Sache (gesamter Mai und Juni) nichts kommen (heißer Draht). Auch am Abend unserer Party, 04.06.2016, wurde die Polizei zwar losgeschickt, weil die feinen Gäste Angst vor einem Mob im Schlossgarten hatten.
Als sie dann vor unserem Haus standen und gefragt wurden, ob wir denn jetzt leiser drehen müssten, war die Antwort: "Nein, das ist ja eine Privatparty".
Auch unser Protestplakat hatte wohl Anstoß erregt, aber auch hier sah unsere Polizeistreife keinen Anlass dieses abzuhängen (Photo haben sie gemacht).

Ganz im Gegenteil möchten wir uns daher nochmals bei der Polizei für ihre Geduld und ihren unermüdlichen Einsatz bedanken. In unserer Wahrnehmung hatten nämlich auch sie unter der Informationspolitik von Land, Stadt und Veranstalter zu leiden. -Zumindest waren sie nicht über erteilte Sondergehmigungen informiert worden.

Horst Ruch, 09.06.2016 10:21
Neiddebatte?.... bei diesem Artikel frage ich mich schon, was schlimmer ist:
3 Tage Schloßpark gesperrt für eine private Party, oder 3650 Tage Schloßgarten/Stadtzerstörung gesperrt im Interesse "öffentlicher" Belange. Wohlgemerkt, ohne vorherige Information / Aussprache. Ein suggerierter Begriff mit dem die politisch motivierte Justiz sich anmaßt, der Öffentlichkeit für ein eigenwirtschaftliches Projekt einer "AG " mit allem Drum und Dran, Vorstand und Aufsichtsräten den Marsch zu blasen. Zur Erinnerung: es handelt sich um den Rückbau einer intakten Infrastruktur für ....zig...Milliarden Steuergeldern zu einem unterirdischen provinziellen Haltepunkt auf schiefer Ebene in der Landeshauptstadt Stuttgart und deren 600 000 Einwohnern. (ein "Geschenk" der DB AG an die Einwohner, laut Aussage des Spruchblasen-Bahnchefs Dr. Grube).
Heidelberg und seine 150 000 Einwohner + jede Menge Touristen haben zugegebenermaßen eine aussichtreicher gelegene Schloßruine mit einem Park dessen Zugang für 3 Tage eingeschränkt war, dessen Ordnung aber unverzüglich wieder in den Original-Zustand (ohne Inanspruchnahme von Steuergeldern) hergerichtet wird.
War das wegen der vielen Tages-Touristen wirklich so anprangerungswürdig?

Katharina von Lekow, 09.06.2016 09:15
Neid muss man sich verdienen, mein Mitleid für die Neider gibt es umsonst.

Wolfgang Weber, 08.06.2016 17:20
Die abgebildeten "Hostessen" hätten möglicherweise gut zu einem Kindergeburtstag gepasst. Im Vorübergehen hörte man ihr Englisch mit osteuropäischem Akzent. Als sie nochmals vorbei kamen, diesmal in Alltagskleidung, trug eine hinten auf dem Shirt die Aufschrift "rich bitch". Ob man durch solche "Mädels" das Niveau eines Festes verbessert?

Dr. Dierk+Helmken, 08.06.2016 11:29
Die Reporterin hätte noch erwähnen sollen, dass über die Rolle des Wolfgang Marguerre im Blutplasmaskandal von 1993 ein Buch geschrieben wurde mit dem Titel "Böses Blut". Es ist im Verlag Hoffmann und Campe erschienen. Der Autor ist Egmont Koch.
Wichtig zu wissen ist auch noch, dass der Geschäftsführer von "Schösser und Gärten", der Ministerialbeamte Hörrmann, 2008 schon einmal strafrechtlich auffällig war, weil er sich, wie Ex-Präsident Christian Wulf, vom Eventmanager Schmidt in dessen Ferienanwesen an der Riviera einladen ließ. Durch Zahlung einer Gelbuße konnte Hörrmann 2012 die Anklageerhebung wegen Vorteilsnahme abwenden. Dass er danach nicht von seinem Posten als wichtigster Entscheider über die Vermietung und Verpachtung der baden-württembergischen Schlösser und Gärten u.a. an große Eventagenturen, wie in diesem Heidelberger Fall, abberufen wurde, muss verwundern. Jedenfalls ist er offensichtlich unfähig, bei seinen Entscheidungen auch die Interessen des Gemeinwohls und der Öffentlichkeit zu berücksichtigen. Dass durch derartige Ausnahmegenehmigungen an Superreiche die Kluft zwischen Arm und Reich in unserer Republik weiter vertieft wird und die neoliberale Botschaft, dass alles käuflich ist, scheint Hörmann nicht in den Sinn zu kommen. Hier ist die Finanzministerin gefordert, restriktive Richtlinien zum Schutz der öffentlichen >Interessen zu erlassen.

Maier, 08.06.2016 10:48
"die Hände fein vor dem Gemächt gefaltet", rate den Security-Männern Anzeige wegen sexistischer Diskriminierung zu stellen. Durchgendern ist nicht alles.

Herr Schneider, 08.06.2016 10:13
Es wird höchste Zeit, dass wir eine Vermögensdeckelung von 30 Millionen Euro bekommen. (Alle Beträge darüber werden zu 100% weg-gesteuert.) Das Ganze in Verbindung mit einer Umsatzprovisions- und einer Unterbeschäftigungssteuer. Dazu noch das Bedingungsloses-Grundeinkommen 2.0, das 2.000 € pro Monat bedeutet. Damit könnte blitzschnell endlich einmal eine saubere Demokratie entstehen.

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Letzte Kommentare:

Ausgabe 312 / Das große Fressen / tauss, 24.03.2017 15:03
@HifppiE ... so darf man unterschiedlicher Meinung sein... Ich bleibe dabei: Eine völlig verantwortungslose Staatengemeinschaft, die über "Werte" faselt, sich allein über die Steigerung von Rüstungsausgaben definiert und die UN-...

Ausgabe 312 / Die unheiligen Apostel / Jupp, 24.03.2017 07:17
Mein Herz geht auf. Hier wird nicht nur über die Vergangenheit oder Gegenwart gschimpft. Nein, es wird tatsächlich über die Zukunft nachgedacht! Und ich bin vollkommen bei Frau Rath :-) Was soll ein Fussgängerstegle? Wir haben...

Ausgabe 312 / Afrika kommt / leo loewe, 24.03.2017 00:24
"Die künftige Entwicklung gestalten!" Wir sollten versuchen, die globale Entwicklung weiterhin aktiv mitzugestalten. Gleichzeitig müssen wir anerkennen, dass sich die Welt um uns herum rasch verändert und dass es dabei um so mehr auf...

Ausgabe 312 / Das große Fressen / HippiE, 23.03.2017 23:50
@tauss: Dieser gelungene Beitrag handelt nicht von Kompensation, sondern von haarsträubender Ungleichheit und niederschmetternder Selbstbezogenheit und Gleichgültigkeit. Er nervt daher nicht, sondern macht betroffen und fassungslos.

Ausgabe 312 / Die unheiligen Apostel / Horst Ruch, 23.03.2017 22:12
....a propos "Stegle". Das ist es gerade was W.Backes angesprochen hat: Think big. Stirling hatte nicht umsonst die Planung für die Erschließung der Staatsgalerie und Musikhochschule auf einer höheren Ebene angeordnet, somit die (Teil)...

Ausgabe 312 / Ächzen im Maschinenraum / Schwabe, 23.03.2017 17:35
Auch von mir vielen Dank an den Autor und an Kontext (E.M., 22.03.2017 01:27 hat das wunderbar formuliert). Dennoch, um das erfolgreich anzupacken bzw. umzusetzen was Fabian Scheidler so treffend wie beängstigend und unmissverständlich...

Ausgabe 312 / Die unheiligen Apostel / CharlotteRath, 23.03.2017 14:51
Fußgängerstegle ... eine echt schwäbische Lösung. München hat sich einen Park gegönnt, um zwei voneinander getrennte Stadtteile über eine große Straße hinweg zusmmenzuführen: https://de.wikipedia.org/wiki/Petuelpark Mit...

Ausgabe 312 / Die unheiligen Apostel / Bruno Neidhart, 23.03.2017 09:51
Selbstverständlich bräuchte Stuttgart in dieser Kulturecke einen Fußgängersteg. Möglichst als breite Grünbrücke. Dies hat weder mit Sozialwohnungen, noch mit Kitas zu tun. Es ist eine andere, ebenso stadtbildende Ebene.

Ausgabe 312 / Afrika kommt / Dr. Diethelm Gscheidle, 23.03.2017 09:24
Sehr geehrte Damen und Herren, selbstverständlich ist es äußerst wichtig, Entwicklungshilfe zu betreiben - und das geht natürlich jeden Einzelnen von uns an. Als bekennender und praktizierender Katholik ist mir die Entwicklungshilfe...

Ausgabe 66 / Gnadenlose Bank / Gerald Wiegner, 22.03.2017 22:45
Das ist eine traurige, aber wahre Geschichte. Ich habe mit Herrn Nusser telefoniert und möchte noch folgende Ergänzung machen. Herr Nusser war ein langjähriges Genossenschaftsmitglied. Genossenschaften sind gesetzlich verpflichtet...

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