KONTEXT Extra:
Fahrverbote beschlossen – Nordost-Ring vom Tisch

Wie ein Gespenst geisterte seit Wochen ein vor fast 40 Jahren beerdigtes Verkehrsprojekt durch die Debatte um Feinstaubalarmtage und Fahrverbote in der Landeshauptstadt: der Nordost-Ring. Jetzt hat Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) allen Spekulationen eine Absage erteilt. Auch deswegen, weil die Baumaßnahme entgegen den Behauptungen von Teilen der CDU keineswegs bereits im Bundesverkehrswegeplan steht. "Dort geht es um neun Kilometer der B 29", so Hermann nach dem heutigen Kabinettsbeschluss zu Fahrverboten ab 1.1.2018 an Feinstaubtagen, den schlussendlich auch die CDU-Landtagsfraktion mittrug.

Prompt gab es Lob von Umwelt- und Naturschützern. Hermann habe erkannt, so die BUND-Landesvorsitzende Brigitte Dahlbender, "wenn nicht zeitnah effiziente Maßnahmen greifen, so werden die Gerichte die Entscheidungen zum Schutze der Bürger*innen treffen und die Politik das Heft aus der Hand geben müssen". Die Stuttgarter CDU ist noch nicht ganz so weit. Für den Kreisvorsitzenden Stefan Kaufmann sind Fahrverbote weiterhin "politisch klar abzulehnen". Und er träumt von Nordost-Ring: Jetzt gelte es "endlich neue Verkehrsprojekte wie den Nord-Ost-Ring auf den Weg zu bringen". Hermann machte dagegen deutlich, dass das nach dem eben erst in Kraft gesetzten Bundesverkehrswegeplan gar nicht möglich ist. 

In den Sechzigern und Siebzigern waren zwei Varianten durchdacht worden: eine größere mit einem Autobahnzubringer bei Mundelsheim und eine kleinere etwa auf der Gemarkungsgrenze zwischen Waiblingen und Fellbach. Schon damals vertraten Verkehrswissenschaftler allerdings die Ansicht, dass ein Ringschluss rund um Stuttgaart weniger die Stadt, sondern die Autobahnen im Westen und Süden entlasten würde.


Korntal: Opfervertreter verlangen mehr Engagement der Landeskirche

Die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in der evangelischen Brüdergemeinde Korntal ist unterbrochen. Die Opfervertreter verlangen einstimmig, dass sich Frank Otfried July endlich entscheidend einbringt. "Wir werden nicht mehr mit den Brüdern sprechen", so Netzwerk-Sprecher Detlev Zander. Jetzt müsse "der Oberhirte, also der Bischof, ran". Im Betroffenen-Netzwerk organisiert, werfen mehr als 300 ehemalige Heimkinder der Brüdergemeinde vor, in den 1950er- bis 1980er-Jahren in deren zwei Einrichtungen sexuell missbraucht, misshandelt und gedemütigt worden zu sein.

Dass mehr Engagement von July gefordert wird, ist nicht neu. Im Sommer 2016 hatte einer der Betroffenen in einem langen Schreiben an den Landesbischof appelliert: "Die Kirche ist mit in der Verantwortung und wenn Sie als Oberhirte weiter schweigen, machen Sie sich persönlich schuldig. Die Heimopfer warten auf ein klärendes Wort von Ihnen." Denn die Korntaler Fürsorge habe "einen menschlichen Scherbenhaufen hinterlassen". (20.02.2017)


NSU-Ausschuss will weitere Akten

Der zweite parlamentarische Untersuchungsausschuss zum "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) geht auf die Suche nach zusätzlichen Akten, um dessen Verbindungen nach Baden-Württemberg besser auszuleuchten. Die Abgeordneten meinen, beim Generalbundesanwalt und/oder im Bundesamt für Verfassungsschutz fündig werden zu können. Beauftragt ist Bernd von Heintschel-Heinegg. Der Rechtswissenschaftler war schon für den ersten Ausschuss des Landtags und als Sonderermittler auch für den Bundestag tätig.

Zurückgestellt wurde in diesem Zusammenhang die Ladung von Mike Markus Friedel. Vor allem der NSU-Experte Hajo Funke hatte immer wieder darauf gedrängt, dass der gebürtige Sachse gehört wird. Dessen Name stand auf der sogenannten Garagenliste, die 1998 in Jena sichergestellt, aber erst mit großer zeitlicher Verzögerung detailliert ausgewertet wurde. Vor fast zwanzig Jahren zog er nach Heilbronn. "Markus Friedel war mit 'Erbse' (V-Mann), Torsten Ogertschnig, zusammen im Ländle im Gefängnis", schreibt Funke. Und von Friedel habe "Erbse" seine Kenntnisse über den NSU und Mundlos.

Bei einer Veranstaltung der "Anstifter" im Stuttgarter Kunstverein hat Rainer Nübel, der im ersten Ausschuss als Sachverständiger aufgetreten war, erneut von den Abgeordneten verlangt, sich ernsthafter mit der Anwesenheit ausländischer Geheimdienste am 25. April 2007 in Heilbronn zu befassen. An diesem Tag waren die Polizistin Michèle Kiesewetter ermordet und ihr Kollege Martin Arnold schwer verletzt worden. Der zweite Ausschuss hat bereits mehrere Zeugen vernommen. Jetzt ist ein Bericht beim Bundesnachrichtendienst angefordert.

Die nächste Ausschusssitzung beginnt am Freitag, den 24. Februar, um 9.30 Uhr im Landtag. Zwei Kriminalbeamtinnen sollen Auskünfte über die rechte Szene geben und die Verbindungen des NSU in den Südwesten. Geladen sind außerdem drei Zeuginnen, die Kontakt zu Beate Zschäpe gehabt haben sollen.

Auch die weiteren Sitzungstermine bis zur parlamentarischen Sommerpause sind festgelegt: 20. März, 28. April, 15. Mai, 19. Juni und der 17. Juli 2017.

Mehr zum Thema: "Geheimdienste im Fokus", "Eh-wurscht-Akten" 


WKZ liest mit

Anfang Januar hatte der Waiblinger Lokalhistoriker und Anstifter Ebbe Koegel sich darüber beschwert, dass das Land dem Firmengründer Andreas Stihl eine Kunstmedaille gewidmet hat. "Andreas Stihl war ein überzeugter Nazi, NSDAP-Mitglied seit 1933, seit 1935 SS-Mitglied mit dem Rang eines Hauptsturmführers (seit 1939)", schrieb er an Finanzministerin Edith Sitzmann. Die Waiblinger Kreiszeitung (WKZ) schwieg dazu - bis Kontext den Fall am 25. Januar aufgriff. Nun erschien am 11. Februar ein zweiseitiges Extra mit ausdrücklichem Bezug auf den Kontext-Artikel. Der Redakteur Peter Schwarz zitiert darin aus der 100-seitigen Entnazifizierungsakte. Die beiden Kinder Stihls, der langjährige IHK-Präsident Hans Peter Stihl und seine Schwester Eva Mayr-Stihl wurden befragt. Die Recherche ergibt, wie die WKZ selbst schreibt, ein "außerordentlich schillerndes Bild."

Der Redakteur zitiert mehrere Fremdarbeiter - den Begriff Zwangsarbeiter meidet er - die sich im Verfahren positiv über Stihl geäußert haben. Ein Slowake berichtet, Stihl habe einem Freund geholfen zu fliehen, der sich den Partisanen anschließen wollte. Ein Jugoslawe meinte, der Patriarch habe sich "mit großer Empörung geäußert über die Gemeinheit und den Terror des dritten Reiches", ein Holländer, er habe "gelitten, als er sehen musste, wie schmutzig dieses System war, und konnte doch nicht mehr von demselben weg." Der Betriebsrat sagte dagegen aus, Stihl sei "100 Prozent Nationalsozialist" gewesen, habe "mehrere seiner Lehrlinge zum Eintritt in die SS" bewogen und Regimekritiker als "Eiterbeulen" bezeichnet, denen er "in die Fresse" schlagen wolle. (16.2.2017)


Wüstenjubiläum: Fünf Jahre Parkräumung

Vor genau fünf Jahren, am 14. Februar 2012, räumten rund 2500 Polizeibeamte das Protestcamp der Stuttgart-21-Gegner im Mittleren Schlossgarten. Drei Tage später waren rund 180 teils bis zu 300 Jahre alte Bäume gefällt oder (ein kleiner Teil der jüngeren) verpflanzt, und einer der ehemals schönsten innerstädtischen Parks Deutschlands hatte sich in eine Schlammwüste verwandelt.

Zum fünften Jahrestag der Parkräumung wollen die Parkschützer am heutigen Dienstag daran erinnern, mit einer Versammlung und Kundgebung an der Lusthausruine im Mittleren Schlossgarten um 17 Uhr. Es soll Reden, Musik und Gedichte geben, anschließend einen Demozug durch die Königstraße.

Kontext hat damals mit einer Reportage von der Parkräumung berichtet – und danach immer wieder von der erstaunlich langen Untätigkeit oder auch von Baufortschritt vorgaukelnden Alibi-Arbeiten. (14.2.2017)


KONTEXT
per E-Mail:
Immer informiert:

Durch diese Anmeldung erhalten Sie regelmäßig immer mittwochs um 9 Uhr unsere neueste Ausgabe unkompliziert per E-Mail.

Datenschutz-Hinweis

Ausgabe 163
Gesellschaft

Nur ein Steinwurf

Von Anna Hunger
Datum: 14.05.2014
Die Krautheimer waren entsetzt. Erst über die Asylsuchenden, die sie beherbergen sollten, dann über den Stein, der ins Heim geworfen wurde. Der Stein wurde zum Anstoß, nachzudenken. Mittlerweile hat sich aus Ablehnung beinahe Freundschaft entwickelt. Doch die Skepsis bleibt.

Beste Stimmung an einem Freitagnachmittag in der Krautheimer Birkenallee 6–8. "Das ist eine Fünf", sagt Jasmin, blond, neun Jahre alt, zu Ibrahim Hussein, dunkles Haar, 30. Der klappt artig das "Nummer 5"-Holzklötzchen auf dem Spielbrett um. "Funf", sagt er. "Genau", sagt Jasmin. Im Untergeschoss gibt Gisela Stromer Deutschunterricht, Serdar Mousa, Mohammed Sharif al-Hejazi und Muhammad Kamran sitzen drum herum und diskutieren in Deutsch-Englisch-Arabisch-Kauderwelsch, ob es nun "machst du am Sonntag Frühstück" oder "machst du im Sonntag Frühstück" heißen muss.

Jasmin Rettich und Ibrahim Hussein beim Zahlenlernen. Fotos: Kontext
Jasmin Rettich und Ibrahim Hussein beim Zahlenlernen. Fotos: Kontext

Auf der Terrasse der Flüchtlingsunterkunft sitzt Jutta Kobald, heute die Mutter einer selbst organisierten Intergrationsbewegung, die mittlerweile eine Menge Krautheimer erfasst hat. Das war nicht immer so.

Die Birkenallee 6–8 liegt zwischen Einfamilienhäuser mit Holzäunen und Rosenbüschen. Samstags, sagt ein Nachbar, seien die 20 Meter Gehweg vor dem Haus so sauber wie sonst nirgends. "Irgendwer hat unseren Jungs erzählt, was die Kehrwoche ist", sagt er. "Unsere Jungs", das sind acht Syrer und sechs Männer aus Pakistan, zwischen 20 und 40 Jahre alt und seit acht Wochen in Krautheim, einem verschlafenen Ort, über den ganz plötzlich die Globalität hereingebrochen ist und dessen Bürger seitdem eine Menge über Menschenwürde gelernt haben.

Überall im Haus stapeln sich Brettspiele und Deutschbücher. Es gibt selbst gebastelte Uhren aus Pappe, damit alle lernen, was "Viertel" und "Dreiviertel" ist, eine Fußballfibel mit Fragen und Antworten ("Was ist Fritz-Walter-Wetter?"), sie gehört Danish aus Pakistan, passionierter Bayern-München-Fan, seitdem er in Deutschland lebt. "Mia san mia", ruft er in den Raum und verschwindet in seinem Zimmer, um sich standesgemäß sein Bayern-Trikot überzuwerfen. Die Fußballfibel hat ihm Melanie geschenkt, damit er Leidenschaft und Lernen gleich verbinden kann. Sie ist 17 und seit ein paar Wochen Mitglied des selbst ernannten Integrationsprojekts, das an diesem Tag mit insgesamt zwölf Männern und Frauen zu Nachhilfe und Körnchenkaffee in das Krautheimer Asylbewerberheim angerückt ist. Die Stimmung ist bestens, kommuniziert wird bislang vor allem mit Händen und Füßen.

Krautheim liegt im Hohenlohischen zwischen Zweiflingen und Bad Mergentheim, kurz vor Bayern. Hier sagt man nicht "Kinder", sondern "Kinnas" und "owadruff" statt "obendrauf". Es gibt einen Edeka, einen alten Bahnhof und ein Wohnzentrum für körperbehinderte Menschen. 

Der Ort ist CDU- und Freie-Wähler-regiert, einen SPD-Ortsverein gab es mal, aber das ist lange her. Krautheim ist die Stadt des "Götzenspruchs", dort gibt es den Götz-Gedenkstein für Götz von Berlichingen, original an der Stelle, wo selbiger 1516 dem Kurmainzer Amtmann Max Stumpf den berühmten Satz "... er aber sag's ihm, er könne mich ..." um die Ohren gehauen hat. Das sei bisher das einzig Denkwürdige in der Geschichte dieser Gemeinde gewesen, sagen manche. Bis die Asylbewerber in die Birkenallee einzogen. 

Im Untergeschoss der Birkenallee sitzt Ali Hassan vor einem Deutschbuch. Er ist ein schmaler Mann, 25 Jahre alt, hat Literaturwissenschaften studiert, war in seiner Heimat Englischlehrer und ist die Schnittstelle zwischen Ausland und Krautheim. Er kommt aus Syrien, geflohen über die Türkei, mit dem Schiff nach Griechenland, dann nach Italien, mit dem Lkw in die Schweiz, von Bülach nach Waldshut ist er gelaufen, 40 Kilometer bei Nacht durch den Wald. Als er vor Wochen dort ankam, hatten die Bürger von Krautheim bereits ein Flugblatt im Briefkasten, eine Unterschriftensammlung hinter sich und eine brechend volle Bürgerversammlung, auf der ein Nachbar der Birkenallee 6–8 sagte, er ziehe einen Zaum um sein Grundstück und wehe dem Asylbewerber, der den anfasst!

Die Birkenallee 6–8.
Die Birkenallee 6–8.

Ein anderer rechnete schon den Wertverfall seines Anwesens aus oder die Bedrohungslage der Schulkinder durch die "Asylanten", weil die Schulbus-Haltestelle genau gegenüber dem neuen Asylbewerberheim liegt, fünf Meter Luftlinie, Krautheimer Tugend auf der einen Seite, Sodom und Gomorra auf der anderen. Bei Facebook hatte die "Identitäre Bewegung" eine Gruppe gegen die "Asylbetrüger" gegründet: "Jetzt geht's auch bei uns los. Wir sagen NEIN zum HEIM!!!!"

Als sie in Waldshut ein Foto von Ali Hassan machten für seine Aufenthaltsgestattung, veröffentlichte die örtliche Zeitung in Krautheim den Leserbrief einer Zwanzigjährigen: "Ich habe Angst! Ich frage mich, ob ich mich bald nicht mehr alleine aus dem Haus trauen kann." Eine rund zehnköpfige Bürgerinitiative hatte einen Anwalt beauftragt, der die Unterbringung prüfen sollte, und der Bürgermeister bat in einer Stellungnahme seine Bürger "um Verständnis, dass die Stadt gegen die Unterbringung von Flüchtlingen in einem privaten Anwesen rechtlich nichts unternehmen kann". Drei Monate hat Ali Hassans Flucht gedauert. Auf dem Foto, das sie in Waldshut gemacht haben, sieht er unendlich müde aus. In Krautheim kochte derweil die Volksseele.

Vor acht Wochen ist Ali Hassan in Krautheim angekommen. Oben zogen die Pakistaner ein. Ein Investor hat das Anwesen gekauft, und als die Flüchtlinge von den EU-Außengrenzen auch auf deutsche Dörfer verteilt wurden, hat er es dem Landratsamt vermietet, und keiner wusste davon, nicht mal der Bürgermeister, behauptet er selbst, es habe nur "inoffizielle Hinweise" gegeben, das da womöglich etwas "auf uns zukomme".

Krautheimer Idyll. Der Ort besteht auf neun Teilorten, der Kern hat 2000 Einwohner.
Krautheimer Idyll. Der Ort besteht auf neun Teilorten, der Kern hat 2000 Einwohner.

Die Bürger von Krautheim sagen, genau das sei das Problem. Das es keiner gewusst haben will. Der Landrat nicht, der Bürgermeister, kein Gemeinderat. Dass alle ihre Kommunalpolitiker die Köpfe einzogen und dachten, der Kelch ginge an ihnen vorüber, bis eine Nachbarin von einem Bauarbeiter zufällig erfuhr, dass da "40 junge Männer" in die Birkenallee einziehen sollten. 40!, sagt die Nachbarin, immer noch entsetzt. Selbst wenn man die freiwillige Feuerwehr von Krautheim mit 40 Mann zwei Wochen in dieses Haus quetschen würde, würde es irgendwann Zoff geben. Außerdem: Wer wusste denn, dass das keine drogenabhängigen, kriminellen, saufenden Schläger sein würden? Was, sagt sie, weiß man in Krautheim schon über Syrien und Pakistan, außer dem, was im Fernsehen kommt? Nichts! Woher auch? Als der Streit auf seinem Höhepunkt kochte, hatte der evangelische Pfarrer in die Morgenandacht einen Text eines Kollegen aufgenommen. Es ging um den Libanon, den Nachbarstaat zu Syrien, in den über eine Million Syrer geflüchtet sind. "Von den Libanesen lernen?", beginnt der Text. "Ja, das können wir Deutschen, wir Europäer." 

Jutta Kobald, Fotografin und bereits aus der SPD ausgetreten, bevor sich der Ortsverein ins politische Nirwana verabschiedete, sitzt auf der Terrasse der Birkenalle an einem großen, grünen Plastiktisch. Mithilfe einiger Krautheimer Frauen hat sie die Unterschriften- und Flugblattaktion gegen die Überbelegung des neuen Asylbewerberheims, den Bürgermeister und den Landrat organisiert. Heute sagt sie, das Problem seien weniger die Asylbewerber gewesen, sondern mehr die Kommunikationspolitik des Rathauses und das Haus, das zu klein sei für 40 Mann. Einige im Ort sagen, dieses Flugblatt und die Unterschriftensammlung der Kobalds hatten schon den Anstrich von "überall anders, nur nicht hier".

Als die Bewerber schließlich doch nicht "überall anders", sondern eben "hier" und erst einmal nur mit 14 Mann anstatt mit 40 einzogen, packte das Mädchen, das den Leserbrief geschrieben hatte, einen Obstkorb, ein bisschen Mut und die Frau Mama als Beschützerin ein und stattete den neuen Nachbarn einen Besuch ab. Jutta Kobald und ihre Damen standen neugierig mit selbst gebackenem Kuchen auf der Schwelle der Birkenallee, um die Stimmungslage der Neuankömmlinge zu checken. Etwas skeptisch anfangs, weil keiner von ihnen wusste, ob man Moslems nun die Hand gibt oder nicht oder ob sie überhaupt mit Frauen sprechen würden, die keine Kopftücher tragen. Der Bürgermeister hatte zudem eine Vorstellungsrunde organisiert, damit sich alle kennenlernen, ein runder Tisch, an dem Ali, der Dolmetscher, aufstand, sich bedankte für Obst und Kuchen und die Gastfreundschaft und dann sagte, er wünsche sich eine gute Nachbarschaft und bitte keinen Streit. Auch deshalb machen die 14 Männer jeden Samstag Kehrwoche.

Bayern-München und Pakistan in Krautheim.
Bayern-München und Pakistan in Krautheim.

Nach ein paar Tagen zerschlug in einer Nacht ein Stein ein Fenster der Birkenallee und landete in der Küche. Wer den Stein auf das Asylbewerberheim geworfen hat, weiß keiner so genau. Und eigentlich will es auch keiner wissen, denn für diesen Stein schämen sich die Krautheimer. Eigentlich schämen sich viele in diesem Ort sowieso. Für die aufgebrachte Bürgerversammlung im Vorfeld, die Unterschriftenaktion, bevor auch nur ein einziger Syrer im Ort angekommen war. Auch die Facebook-Seite "NEIN zum HEIM!!!!" ist mittlerweile gelöscht. Viele Krautheimer waren erschrocken, dass aus bösen Worten auch Taten werden können.

Norman Weyrosta ist ein ruhiger, freundlicher Mann mit stubbeligem, grauem Haar. Er hat die Unterschriftenliste auch mit gezeichnet, weil er es menschenunwürdig fand, 40 Männer auf 200 Quadratmeter mit zwei Toiletten zu pferchen. Aber er sei auch entsetzt, gewesen über die knallharten Äußerungen der Dorfbewohner auf der Bürgerversammlung. Wer da was genau gesagt hat, erzählt er nicht. "Lange her", sagt er. Wie der Steinwurf. Fast vergessen. Mittlerweile gibt es kaum noch jemanden in diesem Ort, der die Asylbewerber aus der Birkenallee als störend empfinden würde. 

Weyrosta ist der Leiter des Eduard-Knoll-Wohnzentrums, einer Einrichtung für insgesamt rund 80 Menschen mit Behinderung. Sahid und Ali arbeiten bei ihm, 80 Stunden im Monat sind erlaubt. Ein Rollstuhlfahrer kommt um die Ecke gedüst, "Sahid, wann spielen wir wieder Räuber und Gendarm?", ruft er. "Bald", sagt Sahid, er lacht und drückt den Mann herzlich. Seine Bewohner kennen das mit dem Ausgegrenztsein, sagt Norman Weyrosta. Deshalb klappe das so gut. Die Toleranz der Krautheimer haben auch sie sich hart erarbeiten müssen.

Mittlerweile fast Kumpels: Mohammed Sharif al Hejazi, Norman Weyrosta und Ali Hassan (v.l.).
Mittlerweile fast Kumpels: Mohammed Sharif al-Hejazi, Norman Weyrosta und Ali Hassan (v. l.).

Zwei der Syrer singen mittlerweile im Chor. Der katholische Pfarrer hat Honig und Tee vorbeigebracht, der evangelische hat eine Handvoll "unserer Jungs" zum Maibaumstellen am Ort mitgenommen, und als sie ihn dort gefragt haben, wer die denn seien, sagte er: "Syrische Freunde." Jutta Kobald und ihre Frauen haben zwei Hände voll Helfer organisiert, die an drei Nachmittagen die Woche beim Deutschlernen helfen – zusätzlich zum Deutschkurs am Morgen. Sie haben Fahrräder gesammelt, bringen Kleidung, manchmal Kaffee vorbei, eine Nähmaschine, weil einer der Syrer ein Schneider ist. Sie sind mit ihnen nach Schwäbisch Hall gefahren zur Stadtführung. Eine Nachbarin kommt nachmittags immer mit dem Hund vorbei und fragt, ob einer mitspazieren möchte. Dann zeigen sie auf Bäume und Schilder und Wege, und lernen die Worte dazu. Kürzlich haben die Kurden im Ort zum Championsleague-Spiel in ihr Dönerrestaurant eingeladen. Jeden Tag ein Event. Manche sagen, es sei ein bisschen viel des Guten, ja beinahe Bevormundung. Jutta Kobald sagt, sie arbeite momentan an einem Plan, damit nicht jeder in die Birkenallee käme, wann er grade Lust habe.

Nun scheint sich die Krautheimer Geschichte zu wiederholen. Jutta Kobald hat schon wieder eine Unterschriftenaktion und einen Brief an den Landrat vorbereitet, weil demnächst weitere 14 Flüchtlinge in Krautheim ankommen sollen. Wenn das der Fall sei, seien "unsere bisherigen Integrationsbemühungen gefährdet", schreibt sie.

Norman Weyrosta hat diesmal nicht unterschrieben. Manchmal sitzt er nach Feierabend mit Ali Hassan bei einem Bier. "Jeder von diesen Menschen", sagt er, "hat ein großes Päckchen auf den Schultern zu tragen. Und wir in Krautheim haben eine Menge Platz. Da könnten wir locker 100 Asylbewerber aufnehmen und nicht nur 28."


Gefällt Ihnen dieser Artikel?
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!

Kommentare

Hartmann Ulrich, 17.05.2014 18:45
Bezeichnend ist nicht nur, daß der Artikel die Stadt Krautheim partout als Hintertupfingen darstellen möchte, bezeichnend ist auch, daß nur von Krautheim die Rede ist - weil es dort Auseinandersetzungen gab. Daß es in der Umgebung - und wahrscheinlich an vielen Stellen im Land - Ortschaften gibt, wo Asylbewerber in diesen Tagen wie selbstverständlich willkommen geheißen wurden, ist keine Erwähnung wert. Es paßt eben nicht zu dem Bild von den Dorfdeppen, die erst einmal lernen müssen, was Menschenwürde heißt.
Krautheim hat übrigens nie zu Hohenlohe gehört, auch wenn es jetzt im Hohenlohekreis liegt. Hohenlohisch heißt es nicht "Kinnas", sondern "Kiind".

Holger, 17.05.2014 12:04
ach Gott, ein Gutmenschen Blog ! Nun dass es Syrer im Miment nicht leicht haben möchte ich hier nicht anzweifeln, es sollte aber jeder mal darüber nachdenken wer dafür verantwortlich ist, nämlich nicht Asad, sonder die USA und ihre Geo-Politik. Mein Gott sind Sie alle wirklich immer noch so naiv und denken die"Amis" und die "Nato" sind die Guten ? Sie tun mir leid. Außerdem, gehen Ihre "Freunde" auch wieder nach hause wenn der von der CIA bezahlte Konflikt vorbei ist; und helfen sie dann ihr Land wieder aufzubauen, oder bleiben sie lieber hier, bei all den schönen Sozialleistungen ? Und welche gründe haben Pakistanis hier zu sein ? Der einzige mir einfallende Grund sind die tausende Angriffe von US-Drohnen auf die Zivilbevölkerung ! Und, alle schön CDU und SPD Wähler hier ? Warum sagen Gabriel und Merkel dann nicht dass USA damit aufhören soll ? Ach so ja, der internationale Terrorismuss, nicht wahr, nein, auch der wurde von CIA ausgebildet und bis heute finanziert. Auch in einem 2000 Seelen Ort sollte es Internet geben heutzutage, also informieren Sie sich und werfen Sie die Bildzeitung weg, schalten Sie den Fernseher aus, vor allem bei der Tagesschau. Jeder von Ihnen kennt doch bestimmt Peter Scholl Latour oder ? Suchen Sie doch mal im Internet nach einem Fernsehauftritt wo er die Wahrheit über USA/NATO und den Westen sagt. Und dann, suchen Sie weiter nach Informationen, suchen Sie auch nach Christoph Hörstel, ehemaliger ARD Korrspondent im Ausland und seinen Beweggründen dies Mainstreammedien zu verlassen. INFORMIEREN SIE SICH ! Sie sind es Ihren Kindern und Enkelkindern schuldig.

Schwabe, 15.05.2014 17:57
Ich habe den Artikel nur aufgrund der beiden Kommentare der "Krautheimerinnen" gelesen!
Ich finde nicht das die Krautheimer unverhältnismäßig schlecht wegkommen und darüber hinaus die Bemühungen der Krautheimer um Integration großartig und die Kehrwoche der Asylanten spitze :-) !
Ich finde, der Artikel zeichnet ein authentisches Gesicht einer deutschen ländlichen Dorfgemeinschaft die mit so etwas konfrontiert wird. Deren Sorgen, Nöte, Ängste - Gefühle auf und ab. Der Artikel zeigt nichts wofür sich die Krautheimer m.E. schämen müssten - im Gegenteil!

Was mir viel mehr Sorgen macht, ist das gemeinschaftliche, sicherlich heimlich abgesprochene Vorgehen der Gemeinde mit dem profitgierigen Investor! Der Investor kassiert sicherlich für ein Zweifamilienhaus überhöhte Mieten vom Sozialamt (also von uns), schreibt das Gebäude hoch/schnell ab und wird die Instandhaltung vernachlässigen (Vermutung von mir)!

Rolf Steiner, 15.05.2014 17:43
Ich möchte den Menschen, die in Krautheim und anderswo für Flüchtlinge ehrenamtlich arbeiten, ein großes Lob aussprechen. Sie sind der Schlüssel für eine gute Ausgangssituation, dass sich die bei uns Schutz Suchenden einigermaßen wohl fühlen, dass sie Deutsch lernen können und dass ihre Kinder von unserem Schulsystem soviel mit nehmen können wie irgend möglich. Garten- und Grenzzäune werden von Menschen errichtet, die Angst vor anderen Mitmenschen haben und denen ein paar Blicke über den Zaun nicht schaden können. Der Weg zum "Anderen" beginnt mit einem menschlichen Blick und einem freundlichen Wort.

Tillupp, 15.05.2014 17:06
Danke für diesen hoffnungsgebenden Artikel. Wenn wir es erst einmal gelernt haben, dass wir die Menschen hier Willkommen heißen, ihnen deutsch beibringen und ggf. ausbilden, zumindest aber Arbeiten lassen (sobald sie deutsch können, aber erst dann, als Ansporn), dann wird diese Saat in Jahren aufgehen, wenn sie als Botschafter zwischen Deutschland und ihren Heimatländern mithelfen die deutschen Waren in ihre Heimatländer zu exportieren, oder Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Natürlich muss man wissen, dass nicht alle die kommen hochbegabt sind, dass vielleicht auch unter ihnen Rassisten und Nationalisten sind, oder Kriminelle (so wie unter uns Deutschen auch). Aber sehr viele von ihnen sind die Eliten Ihrer Länder. Jedem sollte man seine Chance geben sich zu integrieren.

Jutta Kobald, 14.05.2014 23:39
Kleine Korrekturen zum Bericht von Anna Hunger "Nur ein Steinwurf"

Es gab und gibt keine Anti-Asylbewegung in Krautheim !
Im Flugblatt wurden offene Fragen gestellt. Wie kann es sein, dass Bürgermeister, Stadtrat und die Bevölkerung nicht im Vorfeld informiert wurden. Warum hat die Stadt kein Gebäude zur Verfügung gestellt um die Asylbewerber menschenwürdig unterzubringen? Warum hat ein Privatinvestor das Gebäude gekauft, schon mit der Absicht es dem Landratsamt zu vermieten.
Diese Fragen waren uns wichtig. Das auch wir in Krautheim Asylbewerber aufnehmen müssen und auch sollen ist für uns eine Selbstverständlichkeit. Wir haben uns nur dagegen gewehrt, dass 40 Personen in einem 2- Familien- Haus mit 2 WC's und 2 Duschen eingepfercht werden.
Nachdem wir einen Rechtsanwalt eingeschalten hatten der unter anderem die Nutzungsänderung für dieses Gebäude anmahnte hat der Gemeinderat selbst ein Gutachten in Auftrag gegeben und da kam heraus, dass maximal 28 Personen in diesem Gebäude untergebracht werden können.
Diese Leute, die sich von Anfang an für die menschenwürdige Unterbringung von Asylbewerbern eingesetzt haben werden jetzt als "Speerspitze einer Anti-Asylbewegung" diffamiert.
Erstaunt hat uns auch die Aussage in dem Bericht, dass neben dem vom Landratsamt organisierten Deutsch Unterricht auch von uns zusätzlich Unterricht erteilt wird. Es entsteht der Eindruck wir würden uns einmischen. Fakt ist der Unterricht vom Landratsamt geht nur 4 Wochen. Unser Unterricht schließt sich an und wurde mit dem offiziellen Deutsch Lehrer abgesprochen. Wir sind sicher, dass niemand innerhalb 4 Woche die deutsche Sprache erlernen kann, dies aber die wichtigste Grundlage für eine Integration der Asylbewerber ist.
Wir haben keinen Plan erstellt, damit nicht jeder in die Birkenallee kommen kann wie er will, sondern damit die Leute sinnvoll eingeteilt werden können, die den Deutschkurs weiterführen.
Das die Menschen in der Birkenallee "angerückt" waren hatte nur den einzigen Grund weil Frau Hunger am Anfang ihrer Recherche meinte sie brauche auch Bilder für Ihren Bericht und wir annahmen, dass sie eventuell ein Gruppenbild machen möchte. Da hätte man die angeblichen "Asylgegner" aber friedlich mit den Asylbewerbern auf einem Bild gesehen. War wahrscheinlich nicht gewünscht.
Der Brief an den Landrat, indem wir ihm über die bisherigen Integrationsmaßnahmen informiert haben liegt ihnen vor. Kein Mensch hat allerdings angekündigt "schon wieder eine Unterschriftenaktion" zu starten.
Es gibt in Krautheim durchaus mehr als einen Edeka und einen alten Bahnhof. (Schmalspurbahn, seit vielen Jahren außer Betrieb). Penny, Lidl, 2 Metzgereien, 2 Bäckereien, Schuhgeschäft, Schreibwaren, Wolle-Laden, Bastelladen, Malerzubehör, Fotostudio, Kosmetikstudio, Arzt, Zahnarzt, Tierarzt, Kindergärten Grund-u. Hauptschule, Werkrealschule, Realschule, 2 Industriebetriebe, Handwerksbetriebe, Tankstelle. Wir glauben, dass der Eindruck erweckt werden sollte, Holzzäune, Rosenhecken und Brett vor dem Kopf. So sollen die Krautheimer Bürger anscheinend wahr genommen werden.
Was meine ehemalige Mitgliedschaft in der SPD betrifft, so bin ich schon vor mehr als 15 Jahren ausgetreten und nicht erst, als sich der Ortsverein ins "Nirvana" verabschiedet hat.
Wir sind nur Bürger, die sich nicht gerne überrumpeln lassen sondern aktiv zur Gestaltung ihrer Heimat beitragen möchten. Da gehört auch die Integration von Asylbewerbern dazu. Dies muss im einem Umfang geschehen in dem Integration auch wirklich durchführbar ist.
Wir bedauern es sehr, dass Bürgern, die sich wirklich um Menschen kümmern und sorgen unterstellt wird Ausländerfeindlich zu sein. Solche Artikel tragen ganz bestimmt nicht zum vermehrtem Engagement der Bürger bei.

Zaininger, 14.05.2014 14:22
Aus welchen Gründen kaufen Schlepper Boote, laden sie voll mit Flüchtlingen und schicken sie über das Mittelmeer?
Nächstenliebe? Nein, Profitgier!
Aus welchen Gründen kaufen Leute leerstehende Häuser, auch mitten in Wohngebieten, ohne ausreichende Ausstattung und bringen dort in Absprache mit dem Bürgermeister aber ohne Gespräche mit den Anwohnern Flüchtlinge unter?
Nächstenliebe? Nein, Profitgier!
Und dieses Vorgehen war Auslöser für die anfänglichen Proteste der betroffenen Krautheimer/innen.

Sabine Maurer, 14.05.2014 14:01
Richtigstellung über einige Stellen im Artikel " Nur ein Steinwurf"

Wir waren nicht entsetzt über die Asylsuchenden sondern über die Art und Weise wie mit der Bevölkerung speziell rund um das Anwesen Birkenallee 6 umgegangen wird.
Wir wurden im Vorfeld weder von der Gemeinde noch vom Landratsamt über das Vorhaben " 40 junge Männer ( Asylsuchende)
in einem zwei Familien Haus unterzubringen informiert.

Deshalb wurde ein Brief mit einer Unterschriftenliste an den Landrat geschickt mit der Bitte uns umfassend und schnellstmöglich über das Vorhaben zu informieren.
Darin wurden auch unsere Bedenken die wir hatten vorgebracht.

Die Informationsveranstaltung war auf Einladung des Bürgermeisters an die nahe angrenzenden Nachbarn veschickt worden. Wir haben dann in einer Flugblattaktion alle Krautheimer zu dieser Informationsveranstaltung eingeladen.
Jutta Kobald und auch alle anderen die sich an dieser Aktion beteiligt haben waren keineswegs die "Speerspitze der Anti Asylbewerber Bewegung "da es so etwas gar nicht gegeben hat. Wir fühlten uns verpflichtet für die Asylbewerber und auch für uns dafür zu kämpfen das wir :
a.) nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden mit denen wir dann leben müssen
b,) die Asylsuchenden nicht wie Hühner in einen Stall gepfercht werden. Jeder Hund hat laut Gesetz mehr Platz zur Verfügung als Asylbewerber.

Krautheim liegt auch nicht zwischen Zweiflingen und Bad Mergentheim, was mit dem Problem aber nichts zu tun hat.

Wir haben ausser dem Götz bestimmt auch noch andere Denkwürdige Ereignisse in Krautheim, aber die Asylbewerber gehören für uns nicht dazu. Denkwürdig ist für den Bürgermeister und den Landrat vielleicht das sich ein paar Wenige aus Krautheim gegen die Willkür die manchmal bei solchen Themen herrscht gewehrt haben.

Mit manchen Aussagen die während der Informationsveranstaltung gefallen sind waren auch wir nicht sehr glücklich und sie haben uns bestärkt unseren Plan die Asylbewerber zu unterstützen und gegebenenfalls auch zu schützen.

Die Flugblattaktion war nie gegen die Asylbewerber gerichtet und es ist unverständlich für mich wie sie solche falschen Aussagen machen können.
Auch von "überall anders nur nicht hier "war bei uns nie die Rede.

Auch die" Wiederholung der Geschichte" ist so nicht richtig den der erwähnte Brief an den Landrat soll nur aufzeigen das die Integration gut klappt und wir immer noch Bedenken haben 28 Menschen in diesem Haus unterzubringen. Der Brief wurde von allen unterschrieben die mithelfen den Asylbewerbern Deutsch beizubringen und sie ein wenig in Krautheim zu integrieren.

Es stimmt das wir in Krautheim eine Menge Platz haben um Asylbewerber aufzunehmen, aber nicht alle in einem Haus und nicht ohne das die Gemeindeverwaltung auch ihren Teil der Integration beiträgt.

Ich habe mich eigentlich gefreut, als ich hörte das sich eine Journalistin für unsere " Jungs" und unsere freiwillige Integrationshilfe interessiert.
Ich hatte bei dem Besuch und dem Gespräch in der Birkenallee auch nicht das Gefühl das wir falsch verstanden wurden.

Dieser Artikel beweist mir in Zukunft vorsichtig zu sein wem ich Informationen gebe und mit wem ich spreche über dieses Projekt.

Man wird sehr schnell in eine Ecke gedrängt in die man nicht gehört und es werden Sachen abgedruckt die so nicht wahr sind.

Norman Weyrosta, 14.05.2014 02:09
Nur ein paar Anmerkung des freundlichen des Mannes mit dem strubbeligem grauen Haar :

Ich habe das Flugblatt damals nicht unterschrieben, weil mir eine positive Aussage dazu gefehlt hat, dass es unsere Verpflichtung ist Asylbewerber aufzunehmen und für deren Integration zu Sorgen.

Ich trinke auch gerne mit Ali Hassan und den anderen Asylbewerbern ein Bier, aber nicht in der Asylbewerberunterkunft, sondern bei regelmäßigen Zusammenkünften mit den Menschen mit Behinderung in unserem Wohnzentrum.

Nicht nur Krautheim könnte/müsste mehr Asylbewerberaufnehen, sondern ganz Deutschland. Was wir im Vergleich zum Libanon, zu Jordanien, aber auch der Türkei leisten , ist beschämend

Kommentar hinzufügen




CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.


* Pflichtfeld!

Letzte Kommentare:

Ausgabe 308 / Zum Weinen / Cornelia Marcus, 22.02.2017 16:06
Heute abend (22.2), 19 Uhr, in der Geschäftsstelle SÖS (Arndtstr.29 im Westen) sehr gute Infos dazu von Tom Adler "Wohnen in Stuttgart" Meine Bitte : Doch noch reichlich Initiative von unten zeigen - über den Bürgerhaushalt Stuttgart...

Ausgabe 308 / Wenn Kunst verschimmelt / Kunstfreundin aus+Berlin, 22.02.2017 14:41
Nun auch noch die Kunst die verschimmelt..Keine Mitarbeiter/in, keine Kunst, keine gescheites Museumscafé - dann kann man den Laden ja zumachen..Vielleicht erregt das mehr Aufmerksamkeit. Die reine Schikane der Mitarbeiter/in am...

Ausgabe 308 / Die Kahlschlag-Gartenschau / Rita Winter, 22.02.2017 14:07
Ihren Angaben zufolge lebt Martin Walser in Überlingen, was längst nicht mehr der Fall ist, da er seit geraumer Zeit in München residiert. Und was die Bäume angeht, wird mir ganz schlecht. Immer und immer wieder lassen es die Bürger...

Ausgabe 308 / Die Kahlschlag-Gartenschau / Monika Spiller, 22.02.2017 14:03
Es ist eine himmelschreiende Kulturschande, was hier an Zerstörungswerk durch Amtsträger angerichtet wird, die von außerhalb kommen und alsbald auch wieder gehen und die keinen Funken Sensibilität für den Charme dieser Stadt mit ihrer...

Ausgabe 308 / Macht mal nen Punkt! / Thomas Ott, 22.02.2017 13:53
~769.000 Kilometer von der Erde zum Mond und zurück.

Ausgabe 308 / Die Kahlschlag-Gartenschau / Bernd Kruczek, 22.02.2017 12:40
Wenn man das liest bleibt einem die Luft weg. Nur weiter so Überlinger Stadtverwaltung, so treibt man Wähler in die Arme der AfD

Ausgabe 307 / Sitzen verboten / U.M., 22.02.2017 12:35
Beim Lesen mancher Kommentare entsteht für Außenstehende der Eindruck, frustrierte Mitarbeiter wagen im Schutz der Anonymität des Internets "Vorgesetzten-Bashing". Dabei überschreiten sie allerdings Grenzen, indem sie sich beleidigend...

Ausgabe 308 / Macht mal nen Punkt! / Beate Siek, 22.02.2017 12:20
Genial! Dieses Satzbau-Wunder hat mir den Tag gerettet :-) Vielen Dank dafür! Dieses Editorial ist deutlich humoriger als sämtliche Büttenreden und Kappen jeder Karnevals-Saison.

Ausgabe 308 / Späte Einsicht / Rolf Steiner, 22.02.2017 11:56
Kretschmann sollte endlich mal, wie Luther schon sagte, "das Maul aufmachen!" Wenn auch schon die beiden großen Kirchen und die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Bärbel Kofler (SPD), die Abschiebepraxis deutlich...

Ausgabe 308 / Die Kahlschlag-Gartenschau / Julius Hauck, 22.02.2017 11:47
Es ist für mich nicht verständlich wie man derart Ignorant gegenüber der Seele einer Stadt sein kann. Überlingen lebt von deiner Beschaulichkeit und den vielen Jahren in der die Stadt gewachsen ist. Dazu gehören auch, vielleicht sogar...

Die KONTEXT:Wochenzeitung lebt vor allem von den kleinen und großen Spenden ihrer Leserinnen und Leser.
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!