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Auch Hermann will Maut verzögern

Wenn es nach den Grünen geht, wird die Landesregierung gemeinsam mit Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz oder dem Saarland versuchen, die Einführung der PKW-Maut über den Bundesrat noch zu verzögern oder gar zu verhindern. Verkehrsminister Winne Hermann kündigte einen entsprechenden Vorstoß an. Er habe bereits im Verkehrsausschuss des Bundesrats Position bezogen und insbesondere kritisiert, dass "die Grenzregionen schwer tangiert sind, ausgerechnet in Zeiten, in denen wir den europäischen Geist betonen wollen". Die "Bürokratie-Maut" passe nicht in die Zeit. Außerdem würden Milliarden eingenommen, Milliarden an deutsche Autofahrer wieder zurückgegeben und "vielleicht bleiben ein paar Millionen übrig".

Saarland, Rheinland-Pfalz oder NRW wollen den Vermittlungsausschuss zwischen Bundesrat und Bundestag anrufen, nachdem letzterer die Maut am Freitag beschlossen hat. Das Gesetz ist allerdings nicht zustimmungspflichtig, weshalb die Einführung der Maut auf diesem Wege lediglich verzögert werden kann. Allerdings könnte Verzögerung am Ende auch das Scheitern bedeuten, weil womöglich nach der Bundestagswahl im September die Karten ganz neu gemischt werden, und die CSU bisher bekanntlich die einzige Partei ist, die die Maut wirklich will. (24.3.2017)


Aras legt sich mit Erdogan an

Die Stuttgarter Grünen-Abgeordnete und Landtagspräsidentin Muhterem Aras hat die deutschtürkische Community aufgefordert, sich mit dem Verfassungsreferendum am 16. April kritisch auseinanderzusetzen. Von den Imamen wünscht sich die Stimmenkönigin ihrer Partei bei den Landtagswahlen 2016, dass die "in den Freitagspredigten zu einem respektvollen und fairen Umgang miteinander aufrufen und die hier geltenden Werte von Meinungs-, Presse- und Religionsfreiheit entschieden weitergeben". Sie selber verzichte derzeit auf Reisen in die Türkei, "weil ich nicht weiß, ob ich mich dort frei bewegen könnte". Zugleich müssten sich Demokraten weigern, sich zu Feinden der Türkei machen zu lassen. Aras nutzte eine Landtagsdebatte zum 60. Geburstag der EU auch zu scharfer Krtik am türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, weil der "auf das Infamste" gebaute Brücken wieder einreißen und die Gesellschaft spalten wolle. Von den Vertretern AKP-naher Institutionen erwartet die Grüne eine öffentliche Distanzierung von den "die Opfer verhöhnenden Nazivorwürfen". Im Südwesten dürfen insgesamt rund 230 000 Türken am Referendum teilnehmen – und zwar vorab: Die Wahl beginnt bereits am 27. März und endet am 9. April. (22.3.2017)

Mehr zum Thema: "Meister der Feindbilder", "Unverschämt und dumm"


Stuttgart 21: Aktionsbündnis warnt Aufsichtsrat

Drei Tage vor einer Sitzung des DB-Aufsichtsrats verlangt das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 erneut eine "faktenehrliche Bestandsaufnahme". Sollte sich der Aufsichtsrat wieder um die Auseinandersetzung drücken oder gar unbeirrt den Weiterbau beschließen, so Eisenhart von Loeper, schädige er wider besseres Wissen das Vermögen der Deutschen Bahn AG. "Das würde", erklärt der Bündnissprecher weiter, "den Tatbestand der Untreue erfüllen." Eine strafrechtliche Aufarbeitung sei die Konsequenz; darauf habe das Bündnis zuletzt am 11. März 2017 den Aufsichtsrat per Brief hingewiesen.

Ihren Appell richten die Stuttgart-21-Gegner nicht nur an den Vorsitzenden des Aufsichtsrats Utz-Hellmuth Felcht, sondern auch an den designierten Vorstandsvorsitzenden Richard Lutz. Als erstes sei "eine Bestandsaufnahme der ungelösten Probleme und hohen Risiken notwendig, die sich an den Realitäten und nicht an den Gesichtswahrungsproblemen der politisch Verantwortlichen orientiert". Von Loeper argumentiert damit, dass sich das Projekt "jenseits aller wirtschaftlichen Rationalität bewegt", und mit dem weiter offenen Brandschutz. Außerdem solle der Aufsichtsrat "endlich zur Kenntnis nehmen, dass sich die DB mit S 21 einen Dauerengpass für viel Geld baut, der den Bahnverkehr behindert und den viel beschworenen Deutschlandtakt im Südwesten irreversibel unmöglich macht". Nach der Devise "Politik beginnt mit der Kenntnisnahme der Realität" will das Aktionsbündnis den neuen Bahnchef zu Gesprächen einladen, bei denen sie ihm auch die von der Bürgerbewegung entwickelten Alternativen zum Weiterbau erläutern wollen. Deren "ernsthafte Prüfung" wünscht sich nach einer repräsentativen Umfrage von infratest dimap in Baden-Württemberg sogar eine Mehrheit der Projektbefürworter. (19.3.2017)

Mehr zum Thema: "Bahnfeinde im Bahnvorstand"


IHK will nicht mehr gegen Kakteen polemisieren

Auch ein Vergleich kann ein Erfolg sein: Vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart akzeptierte die IHK Region Stuttgart die Feststellung, dass sie in der Vergangenheit mit Angriffen gegen die IHK-Rebellen der Kaktus-Initiative ihre Kompetenz überschritten hat. Stein des Anstoßes waren zwei IHK-Pressemitteilungen, in denen Hauptgeschäftsführer Andreas Richter gegen die Kakteen polemisiert habe, so Kaktus-Mitglied Klaus Steinke, der in der Folge Klage eingereicht hatte.

Konkret einigten sich die Streitparteien am heutigen Donnerstag, den 16. März, auf folgenden Vergleich: Die IHK Region Stuttgart erklärt, "dass ohne Beratung und Beschlussfassung durch die Vollversammlung keine weiteren öffentlichen Äußerungen der IHK und ihrer Organe über Binnenkonflikte, die keine wirtschaftspolitischen Positionen betreffen, abgegeben werden", und dass es den beiden strittigen Pressemitteilungen "an einer solchen Beratung und Beschlussfassung mangelte". Außerdem trägt die IHK trägt die Kosten des Verfahrens von 5000 Euro.

Für Steinke ist es "ein gutes Ergebnis, weil es die Transparenz innerhalb der IHK stärkt, und weil es deutlich die Frage artikuliert, was Geschäftsführer und Präsident dürfen und was nicht". Zwar wäre es, so Steinke, spannend gewesen, wenn das Gericht in einem Urteil Grundsatzregeln für die Öffentlichkeitsarbeit der IHK aufgestellt hätte. Aber er sei mit dem Vergleich zufrieden, "weil es mir in der Sache nicht darum geht, zu siegen, sondern eine Veränderung innerhalb der IHK zu bewirken". Zudem habe das Ergebnis, so hofft Steinke, auch "eine Signalwirkung auf andere IHKs".

Die Kaktus-Initiative, 2011 gegründet, kritisierte in den letzten Jahren immer wieder intransparente Wahlverfahren und die offizielle Pro-Haltung der IHK zu Stuttgart 21. (16.3.2017)

Mehr zum Thema: "Rebellen im Weinberghäusle" und "Die IHK wackelt nicht".


Afghanistan-Rückkehrer bekommt zweimonatiges Arbeitsvisum

Es ist ein kleines Wunder. Denn trotz der mannigfaltigen Unterstützung in den vergangenen Wochen, glaubten nicht viele seiner Freunde wirklich daran, dass der Zahnarzt Ahmad Shakib Pouya, der in einem französischen Krankenhaus in Herat gearbeitet hat, zurück in die Bundesrepublik kommen kann. Pouya war in seiner früheren Heimat von den Taliban bedroht, floh 2010 nach Deutschland. Hier war er einer der Hauptdarsteller in der vielbeachten Produktion der Mozart-Oper "Zaide" und hatte eine doppelte Zusage auf Festanstellung – vom Münchner Gärtnerplatztheater und der IG Metall. Dennoch wurde er zur Abschiebung vorgesehen, weshalb er am 20. Januar 2017 ausreiste. Seither machten seine Unterstützer vom im Mai 2014 gegründeten Stuttgarter Verein "Zuflucht Kultur. Entweder. Oder. Frieden." bundesweit auf sein Schicksal aufmerksam. Auch mit einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), mit der Bitte um "ein Visum und ein langfristiges Bleiberecht als wertvoller Bürger unseres Landes".

Jetzt kam die gute Nachricht. Der 33-Jährige kann für zwei Monate zurück nach Deutschland. Mitausschlaggebend dürfte ein Schreiben von Georg Podt gewesen sein, dem Intendanten des kommunalen Münchner Kinder- und Jugendtheaters "Schauburg", der Pouya in einer Neuinszenierung von Rainer Werner Fassbinders "Angst essen Seele auf" als Hauptdarsteller besetzt hat. Die Proben sollen in der kommenden Woche beginnen, Premiere wird am 22. April sein. Mitte Mai läuft das Visum aus. Pouya will gemeinsam mit dem Verein die Zeit nutzen, um das angestrebte dauerhafte Bleiberecht zu bekommen. Die Chancen stehen angesichts der 2015 eigentlich gelockerten Regelungen gar nicht so schlecht. Allerdings werden die nach den Erkenntnissen von Pro Asyl oder dem Flüchtlingsrat viel zu selten von den Behörden angewandt.


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Ausgabe 163
Gesellschaft

Nur ein Steinwurf

Von Anna Hunger
Datum: 14.05.2014
Die Krautheimer waren entsetzt. Erst über die Asylsuchenden, die sie beherbergen sollten, dann über den Stein, der ins Heim geworfen wurde. Der Stein wurde zum Anstoß, nachzudenken. Mittlerweile hat sich aus Ablehnung beinahe Freundschaft entwickelt. Doch die Skepsis bleibt.

Beste Stimmung an einem Freitagnachmittag in der Krautheimer Birkenallee 6–8. "Das ist eine Fünf", sagt Jasmin, blond, neun Jahre alt, zu Ibrahim Hussein, dunkles Haar, 30. Der klappt artig das "Nummer 5"-Holzklötzchen auf dem Spielbrett um. "Funf", sagt er. "Genau", sagt Jasmin. Im Untergeschoss gibt Gisela Stromer Deutschunterricht, Serdar Mousa, Mohammed Sharif al-Hejazi und Muhammad Kamran sitzen drum herum und diskutieren in Deutsch-Englisch-Arabisch-Kauderwelsch, ob es nun "machst du am Sonntag Frühstück" oder "machst du im Sonntag Frühstück" heißen muss.

Jasmin Rettich und Ibrahim Hussein beim Zahlenlernen. Fotos: Kontext
Jasmin Rettich und Ibrahim Hussein beim Zahlenlernen. Fotos: Kontext

Auf der Terrasse der Flüchtlingsunterkunft sitzt Jutta Kobald, heute die Mutter einer selbst organisierten Intergrationsbewegung, die mittlerweile eine Menge Krautheimer erfasst hat. Das war nicht immer so.

Die Birkenallee 6–8 liegt zwischen Einfamilienhäuser mit Holzäunen und Rosenbüschen. Samstags, sagt ein Nachbar, seien die 20 Meter Gehweg vor dem Haus so sauber wie sonst nirgends. "Irgendwer hat unseren Jungs erzählt, was die Kehrwoche ist", sagt er. "Unsere Jungs", das sind acht Syrer und sechs Männer aus Pakistan, zwischen 20 und 40 Jahre alt und seit acht Wochen in Krautheim, einem verschlafenen Ort, über den ganz plötzlich die Globalität hereingebrochen ist und dessen Bürger seitdem eine Menge über Menschenwürde gelernt haben.

Überall im Haus stapeln sich Brettspiele und Deutschbücher. Es gibt selbst gebastelte Uhren aus Pappe, damit alle lernen, was "Viertel" und "Dreiviertel" ist, eine Fußballfibel mit Fragen und Antworten ("Was ist Fritz-Walter-Wetter?"), sie gehört Danish aus Pakistan, passionierter Bayern-München-Fan, seitdem er in Deutschland lebt. "Mia san mia", ruft er in den Raum und verschwindet in seinem Zimmer, um sich standesgemäß sein Bayern-Trikot überzuwerfen. Die Fußballfibel hat ihm Melanie geschenkt, damit er Leidenschaft und Lernen gleich verbinden kann. Sie ist 17 und seit ein paar Wochen Mitglied des selbst ernannten Integrationsprojekts, das an diesem Tag mit insgesamt zwölf Männern und Frauen zu Nachhilfe und Körnchenkaffee in das Krautheimer Asylbewerberheim angerückt ist. Die Stimmung ist bestens, kommuniziert wird bislang vor allem mit Händen und Füßen.

Krautheim liegt im Hohenlohischen zwischen Zweiflingen und Bad Mergentheim, kurz vor Bayern. Hier sagt man nicht "Kinder", sondern "Kinnas" und "owadruff" statt "obendrauf". Es gibt einen Edeka, einen alten Bahnhof und ein Wohnzentrum für körperbehinderte Menschen. 

Der Ort ist CDU- und Freie-Wähler-regiert, einen SPD-Ortsverein gab es mal, aber das ist lange her. Krautheim ist die Stadt des "Götzenspruchs", dort gibt es den Götz-Gedenkstein für Götz von Berlichingen, original an der Stelle, wo selbiger 1516 dem Kurmainzer Amtmann Max Stumpf den berühmten Satz "... er aber sag's ihm, er könne mich ..." um die Ohren gehauen hat. Das sei bisher das einzig Denkwürdige in der Geschichte dieser Gemeinde gewesen, sagen manche. Bis die Asylbewerber in die Birkenallee einzogen. 

Im Untergeschoss der Birkenallee sitzt Ali Hassan vor einem Deutschbuch. Er ist ein schmaler Mann, 25 Jahre alt, hat Literaturwissenschaften studiert, war in seiner Heimat Englischlehrer und ist die Schnittstelle zwischen Ausland und Krautheim. Er kommt aus Syrien, geflohen über die Türkei, mit dem Schiff nach Griechenland, dann nach Italien, mit dem Lkw in die Schweiz, von Bülach nach Waldshut ist er gelaufen, 40 Kilometer bei Nacht durch den Wald. Als er vor Wochen dort ankam, hatten die Bürger von Krautheim bereits ein Flugblatt im Briefkasten, eine Unterschriftensammlung hinter sich und eine brechend volle Bürgerversammlung, auf der ein Nachbar der Birkenallee 6–8 sagte, er ziehe einen Zaum um sein Grundstück und wehe dem Asylbewerber, der den anfasst!

Die Birkenallee 6–8.
Die Birkenallee 6–8.

Ein anderer rechnete schon den Wertverfall seines Anwesens aus oder die Bedrohungslage der Schulkinder durch die "Asylanten", weil die Schulbus-Haltestelle genau gegenüber dem neuen Asylbewerberheim liegt, fünf Meter Luftlinie, Krautheimer Tugend auf der einen Seite, Sodom und Gomorra auf der anderen. Bei Facebook hatte die "Identitäre Bewegung" eine Gruppe gegen die "Asylbetrüger" gegründet: "Jetzt geht's auch bei uns los. Wir sagen NEIN zum HEIM!!!!"

Als sie in Waldshut ein Foto von Ali Hassan machten für seine Aufenthaltsgestattung, veröffentlichte die örtliche Zeitung in Krautheim den Leserbrief einer Zwanzigjährigen: "Ich habe Angst! Ich frage mich, ob ich mich bald nicht mehr alleine aus dem Haus trauen kann." Eine rund zehnköpfige Bürgerinitiative hatte einen Anwalt beauftragt, der die Unterbringung prüfen sollte, und der Bürgermeister bat in einer Stellungnahme seine Bürger "um Verständnis, dass die Stadt gegen die Unterbringung von Flüchtlingen in einem privaten Anwesen rechtlich nichts unternehmen kann". Drei Monate hat Ali Hassans Flucht gedauert. Auf dem Foto, das sie in Waldshut gemacht haben, sieht er unendlich müde aus. In Krautheim kochte derweil die Volksseele.

Vor acht Wochen ist Ali Hassan in Krautheim angekommen. Oben zogen die Pakistaner ein. Ein Investor hat das Anwesen gekauft, und als die Flüchtlinge von den EU-Außengrenzen auch auf deutsche Dörfer verteilt wurden, hat er es dem Landratsamt vermietet, und keiner wusste davon, nicht mal der Bürgermeister, behauptet er selbst, es habe nur "inoffizielle Hinweise" gegeben, das da womöglich etwas "auf uns zukomme".

Krautheimer Idyll. Der Ort besteht auf neun Teilorten, der Kern hat 2000 Einwohner.
Krautheimer Idyll. Der Ort besteht auf neun Teilorten, der Kern hat 2000 Einwohner.

Die Bürger von Krautheim sagen, genau das sei das Problem. Das es keiner gewusst haben will. Der Landrat nicht, der Bürgermeister, kein Gemeinderat. Dass alle ihre Kommunalpolitiker die Köpfe einzogen und dachten, der Kelch ginge an ihnen vorüber, bis eine Nachbarin von einem Bauarbeiter zufällig erfuhr, dass da "40 junge Männer" in die Birkenallee einziehen sollten. 40!, sagt die Nachbarin, immer noch entsetzt. Selbst wenn man die freiwillige Feuerwehr von Krautheim mit 40 Mann zwei Wochen in dieses Haus quetschen würde, würde es irgendwann Zoff geben. Außerdem: Wer wusste denn, dass das keine drogenabhängigen, kriminellen, saufenden Schläger sein würden? Was, sagt sie, weiß man in Krautheim schon über Syrien und Pakistan, außer dem, was im Fernsehen kommt? Nichts! Woher auch? Als der Streit auf seinem Höhepunkt kochte, hatte der evangelische Pfarrer in die Morgenandacht einen Text eines Kollegen aufgenommen. Es ging um den Libanon, den Nachbarstaat zu Syrien, in den über eine Million Syrer geflüchtet sind. "Von den Libanesen lernen?", beginnt der Text. "Ja, das können wir Deutschen, wir Europäer." 

Jutta Kobald, Fotografin und bereits aus der SPD ausgetreten, bevor sich der Ortsverein ins politische Nirwana verabschiedete, sitzt auf der Terrasse der Birkenalle an einem großen, grünen Plastiktisch. Mithilfe einiger Krautheimer Frauen hat sie die Unterschriften- und Flugblattaktion gegen die Überbelegung des neuen Asylbewerberheims, den Bürgermeister und den Landrat organisiert. Heute sagt sie, das Problem seien weniger die Asylbewerber gewesen, sondern mehr die Kommunikationspolitik des Rathauses und das Haus, das zu klein sei für 40 Mann. Einige im Ort sagen, dieses Flugblatt und die Unterschriftensammlung der Kobalds hatten schon den Anstrich von "überall anders, nur nicht hier".

Als die Bewerber schließlich doch nicht "überall anders", sondern eben "hier" und erst einmal nur mit 14 Mann anstatt mit 40 einzogen, packte das Mädchen, das den Leserbrief geschrieben hatte, einen Obstkorb, ein bisschen Mut und die Frau Mama als Beschützerin ein und stattete den neuen Nachbarn einen Besuch ab. Jutta Kobald und ihre Damen standen neugierig mit selbst gebackenem Kuchen auf der Schwelle der Birkenallee, um die Stimmungslage der Neuankömmlinge zu checken. Etwas skeptisch anfangs, weil keiner von ihnen wusste, ob man Moslems nun die Hand gibt oder nicht oder ob sie überhaupt mit Frauen sprechen würden, die keine Kopftücher tragen. Der Bürgermeister hatte zudem eine Vorstellungsrunde organisiert, damit sich alle kennenlernen, ein runder Tisch, an dem Ali, der Dolmetscher, aufstand, sich bedankte für Obst und Kuchen und die Gastfreundschaft und dann sagte, er wünsche sich eine gute Nachbarschaft und bitte keinen Streit. Auch deshalb machen die 14 Männer jeden Samstag Kehrwoche.

Bayern-München und Pakistan in Krautheim.
Bayern-München und Pakistan in Krautheim.

Nach ein paar Tagen zerschlug in einer Nacht ein Stein ein Fenster der Birkenallee und landete in der Küche. Wer den Stein auf das Asylbewerberheim geworfen hat, weiß keiner so genau. Und eigentlich will es auch keiner wissen, denn für diesen Stein schämen sich die Krautheimer. Eigentlich schämen sich viele in diesem Ort sowieso. Für die aufgebrachte Bürgerversammlung im Vorfeld, die Unterschriftenaktion, bevor auch nur ein einziger Syrer im Ort angekommen war. Auch die Facebook-Seite "NEIN zum HEIM!!!!" ist mittlerweile gelöscht. Viele Krautheimer waren erschrocken, dass aus bösen Worten auch Taten werden können.

Norman Weyrosta ist ein ruhiger, freundlicher Mann mit stubbeligem, grauem Haar. Er hat die Unterschriftenliste auch mit gezeichnet, weil er es menschenunwürdig fand, 40 Männer auf 200 Quadratmeter mit zwei Toiletten zu pferchen. Aber er sei auch entsetzt, gewesen über die knallharten Äußerungen der Dorfbewohner auf der Bürgerversammlung. Wer da was genau gesagt hat, erzählt er nicht. "Lange her", sagt er. Wie der Steinwurf. Fast vergessen. Mittlerweile gibt es kaum noch jemanden in diesem Ort, der die Asylbewerber aus der Birkenallee als störend empfinden würde. 

Weyrosta ist der Leiter des Eduard-Knoll-Wohnzentrums, einer Einrichtung für insgesamt rund 80 Menschen mit Behinderung. Sahid und Ali arbeiten bei ihm, 80 Stunden im Monat sind erlaubt. Ein Rollstuhlfahrer kommt um die Ecke gedüst, "Sahid, wann spielen wir wieder Räuber und Gendarm?", ruft er. "Bald", sagt Sahid, er lacht und drückt den Mann herzlich. Seine Bewohner kennen das mit dem Ausgegrenztsein, sagt Norman Weyrosta. Deshalb klappe das so gut. Die Toleranz der Krautheimer haben auch sie sich hart erarbeiten müssen.

Mittlerweile fast Kumpels: Mohammed Sharif al Hejazi, Norman Weyrosta und Ali Hassan (v.l.).
Mittlerweile fast Kumpels: Mohammed Sharif al-Hejazi, Norman Weyrosta und Ali Hassan (v. l.).

Zwei der Syrer singen mittlerweile im Chor. Der katholische Pfarrer hat Honig und Tee vorbeigebracht, der evangelische hat eine Handvoll "unserer Jungs" zum Maibaumstellen am Ort mitgenommen, und als sie ihn dort gefragt haben, wer die denn seien, sagte er: "Syrische Freunde." Jutta Kobald und ihre Frauen haben zwei Hände voll Helfer organisiert, die an drei Nachmittagen die Woche beim Deutschlernen helfen – zusätzlich zum Deutschkurs am Morgen. Sie haben Fahrräder gesammelt, bringen Kleidung, manchmal Kaffee vorbei, eine Nähmaschine, weil einer der Syrer ein Schneider ist. Sie sind mit ihnen nach Schwäbisch Hall gefahren zur Stadtführung. Eine Nachbarin kommt nachmittags immer mit dem Hund vorbei und fragt, ob einer mitspazieren möchte. Dann zeigen sie auf Bäume und Schilder und Wege, und lernen die Worte dazu. Kürzlich haben die Kurden im Ort zum Championsleague-Spiel in ihr Dönerrestaurant eingeladen. Jeden Tag ein Event. Manche sagen, es sei ein bisschen viel des Guten, ja beinahe Bevormundung. Jutta Kobald sagt, sie arbeite momentan an einem Plan, damit nicht jeder in die Birkenallee käme, wann er grade Lust habe.

Nun scheint sich die Krautheimer Geschichte zu wiederholen. Jutta Kobald hat schon wieder eine Unterschriftenaktion und einen Brief an den Landrat vorbereitet, weil demnächst weitere 14 Flüchtlinge in Krautheim ankommen sollen. Wenn das der Fall sei, seien "unsere bisherigen Integrationsbemühungen gefährdet", schreibt sie.

Norman Weyrosta hat diesmal nicht unterschrieben. Manchmal sitzt er nach Feierabend mit Ali Hassan bei einem Bier. "Jeder von diesen Menschen", sagt er, "hat ein großes Päckchen auf den Schultern zu tragen. Und wir in Krautheim haben eine Menge Platz. Da könnten wir locker 100 Asylbewerber aufnehmen und nicht nur 28."


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Kommentare

Hartmann Ulrich, 17.05.2014 18:45
Bezeichnend ist nicht nur, daß der Artikel die Stadt Krautheim partout als Hintertupfingen darstellen möchte, bezeichnend ist auch, daß nur von Krautheim die Rede ist - weil es dort Auseinandersetzungen gab. Daß es in der Umgebung - und wahrscheinlich an vielen Stellen im Land - Ortschaften gibt, wo Asylbewerber in diesen Tagen wie selbstverständlich willkommen geheißen wurden, ist keine Erwähnung wert. Es paßt eben nicht zu dem Bild von den Dorfdeppen, die erst einmal lernen müssen, was Menschenwürde heißt.
Krautheim hat übrigens nie zu Hohenlohe gehört, auch wenn es jetzt im Hohenlohekreis liegt. Hohenlohisch heißt es nicht "Kinnas", sondern "Kiind".

Holger, 17.05.2014 12:04
ach Gott, ein Gutmenschen Blog ! Nun dass es Syrer im Miment nicht leicht haben möchte ich hier nicht anzweifeln, es sollte aber jeder mal darüber nachdenken wer dafür verantwortlich ist, nämlich nicht Asad, sonder die USA und ihre Geo-Politik. Mein Gott sind Sie alle wirklich immer noch so naiv und denken die"Amis" und die "Nato" sind die Guten ? Sie tun mir leid. Außerdem, gehen Ihre "Freunde" auch wieder nach hause wenn der von der CIA bezahlte Konflikt vorbei ist; und helfen sie dann ihr Land wieder aufzubauen, oder bleiben sie lieber hier, bei all den schönen Sozialleistungen ? Und welche gründe haben Pakistanis hier zu sein ? Der einzige mir einfallende Grund sind die tausende Angriffe von US-Drohnen auf die Zivilbevölkerung ! Und, alle schön CDU und SPD Wähler hier ? Warum sagen Gabriel und Merkel dann nicht dass USA damit aufhören soll ? Ach so ja, der internationale Terrorismuss, nicht wahr, nein, auch der wurde von CIA ausgebildet und bis heute finanziert. Auch in einem 2000 Seelen Ort sollte es Internet geben heutzutage, also informieren Sie sich und werfen Sie die Bildzeitung weg, schalten Sie den Fernseher aus, vor allem bei der Tagesschau. Jeder von Ihnen kennt doch bestimmt Peter Scholl Latour oder ? Suchen Sie doch mal im Internet nach einem Fernsehauftritt wo er die Wahrheit über USA/NATO und den Westen sagt. Und dann, suchen Sie weiter nach Informationen, suchen Sie auch nach Christoph Hörstel, ehemaliger ARD Korrspondent im Ausland und seinen Beweggründen dies Mainstreammedien zu verlassen. INFORMIEREN SIE SICH ! Sie sind es Ihren Kindern und Enkelkindern schuldig.

Schwabe, 15.05.2014 17:57
Ich habe den Artikel nur aufgrund der beiden Kommentare der "Krautheimerinnen" gelesen!
Ich finde nicht das die Krautheimer unverhältnismäßig schlecht wegkommen und darüber hinaus die Bemühungen der Krautheimer um Integration großartig und die Kehrwoche der Asylanten spitze :-) !
Ich finde, der Artikel zeichnet ein authentisches Gesicht einer deutschen ländlichen Dorfgemeinschaft die mit so etwas konfrontiert wird. Deren Sorgen, Nöte, Ängste - Gefühle auf und ab. Der Artikel zeigt nichts wofür sich die Krautheimer m.E. schämen müssten - im Gegenteil!

Was mir viel mehr Sorgen macht, ist das gemeinschaftliche, sicherlich heimlich abgesprochene Vorgehen der Gemeinde mit dem profitgierigen Investor! Der Investor kassiert sicherlich für ein Zweifamilienhaus überhöhte Mieten vom Sozialamt (also von uns), schreibt das Gebäude hoch/schnell ab und wird die Instandhaltung vernachlässigen (Vermutung von mir)!

Rolf Steiner, 15.05.2014 17:43
Ich möchte den Menschen, die in Krautheim und anderswo für Flüchtlinge ehrenamtlich arbeiten, ein großes Lob aussprechen. Sie sind der Schlüssel für eine gute Ausgangssituation, dass sich die bei uns Schutz Suchenden einigermaßen wohl fühlen, dass sie Deutsch lernen können und dass ihre Kinder von unserem Schulsystem soviel mit nehmen können wie irgend möglich. Garten- und Grenzzäune werden von Menschen errichtet, die Angst vor anderen Mitmenschen haben und denen ein paar Blicke über den Zaun nicht schaden können. Der Weg zum "Anderen" beginnt mit einem menschlichen Blick und einem freundlichen Wort.

Tillupp, 15.05.2014 17:06
Danke für diesen hoffnungsgebenden Artikel. Wenn wir es erst einmal gelernt haben, dass wir die Menschen hier Willkommen heißen, ihnen deutsch beibringen und ggf. ausbilden, zumindest aber Arbeiten lassen (sobald sie deutsch können, aber erst dann, als Ansporn), dann wird diese Saat in Jahren aufgehen, wenn sie als Botschafter zwischen Deutschland und ihren Heimatländern mithelfen die deutschen Waren in ihre Heimatländer zu exportieren, oder Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Natürlich muss man wissen, dass nicht alle die kommen hochbegabt sind, dass vielleicht auch unter ihnen Rassisten und Nationalisten sind, oder Kriminelle (so wie unter uns Deutschen auch). Aber sehr viele von ihnen sind die Eliten Ihrer Länder. Jedem sollte man seine Chance geben sich zu integrieren.

Jutta Kobald, 14.05.2014 23:39
Kleine Korrekturen zum Bericht von Anna Hunger "Nur ein Steinwurf"

Es gab und gibt keine Anti-Asylbewegung in Krautheim !
Im Flugblatt wurden offene Fragen gestellt. Wie kann es sein, dass Bürgermeister, Stadtrat und die Bevölkerung nicht im Vorfeld informiert wurden. Warum hat die Stadt kein Gebäude zur Verfügung gestellt um die Asylbewerber menschenwürdig unterzubringen? Warum hat ein Privatinvestor das Gebäude gekauft, schon mit der Absicht es dem Landratsamt zu vermieten.
Diese Fragen waren uns wichtig. Das auch wir in Krautheim Asylbewerber aufnehmen müssen und auch sollen ist für uns eine Selbstverständlichkeit. Wir haben uns nur dagegen gewehrt, dass 40 Personen in einem 2- Familien- Haus mit 2 WC's und 2 Duschen eingepfercht werden.
Nachdem wir einen Rechtsanwalt eingeschalten hatten der unter anderem die Nutzungsänderung für dieses Gebäude anmahnte hat der Gemeinderat selbst ein Gutachten in Auftrag gegeben und da kam heraus, dass maximal 28 Personen in diesem Gebäude untergebracht werden können.
Diese Leute, die sich von Anfang an für die menschenwürdige Unterbringung von Asylbewerbern eingesetzt haben werden jetzt als "Speerspitze einer Anti-Asylbewegung" diffamiert.
Erstaunt hat uns auch die Aussage in dem Bericht, dass neben dem vom Landratsamt organisierten Deutsch Unterricht auch von uns zusätzlich Unterricht erteilt wird. Es entsteht der Eindruck wir würden uns einmischen. Fakt ist der Unterricht vom Landratsamt geht nur 4 Wochen. Unser Unterricht schließt sich an und wurde mit dem offiziellen Deutsch Lehrer abgesprochen. Wir sind sicher, dass niemand innerhalb 4 Woche die deutsche Sprache erlernen kann, dies aber die wichtigste Grundlage für eine Integration der Asylbewerber ist.
Wir haben keinen Plan erstellt, damit nicht jeder in die Birkenallee kommen kann wie er will, sondern damit die Leute sinnvoll eingeteilt werden können, die den Deutschkurs weiterführen.
Das die Menschen in der Birkenallee "angerückt" waren hatte nur den einzigen Grund weil Frau Hunger am Anfang ihrer Recherche meinte sie brauche auch Bilder für Ihren Bericht und wir annahmen, dass sie eventuell ein Gruppenbild machen möchte. Da hätte man die angeblichen "Asylgegner" aber friedlich mit den Asylbewerbern auf einem Bild gesehen. War wahrscheinlich nicht gewünscht.
Der Brief an den Landrat, indem wir ihm über die bisherigen Integrationsmaßnahmen informiert haben liegt ihnen vor. Kein Mensch hat allerdings angekündigt "schon wieder eine Unterschriftenaktion" zu starten.
Es gibt in Krautheim durchaus mehr als einen Edeka und einen alten Bahnhof. (Schmalspurbahn, seit vielen Jahren außer Betrieb). Penny, Lidl, 2 Metzgereien, 2 Bäckereien, Schuhgeschäft, Schreibwaren, Wolle-Laden, Bastelladen, Malerzubehör, Fotostudio, Kosmetikstudio, Arzt, Zahnarzt, Tierarzt, Kindergärten Grund-u. Hauptschule, Werkrealschule, Realschule, 2 Industriebetriebe, Handwerksbetriebe, Tankstelle. Wir glauben, dass der Eindruck erweckt werden sollte, Holzzäune, Rosenhecken und Brett vor dem Kopf. So sollen die Krautheimer Bürger anscheinend wahr genommen werden.
Was meine ehemalige Mitgliedschaft in der SPD betrifft, so bin ich schon vor mehr als 15 Jahren ausgetreten und nicht erst, als sich der Ortsverein ins "Nirvana" verabschiedet hat.
Wir sind nur Bürger, die sich nicht gerne überrumpeln lassen sondern aktiv zur Gestaltung ihrer Heimat beitragen möchten. Da gehört auch die Integration von Asylbewerbern dazu. Dies muss im einem Umfang geschehen in dem Integration auch wirklich durchführbar ist.
Wir bedauern es sehr, dass Bürgern, die sich wirklich um Menschen kümmern und sorgen unterstellt wird Ausländerfeindlich zu sein. Solche Artikel tragen ganz bestimmt nicht zum vermehrtem Engagement der Bürger bei.

Zaininger, 14.05.2014 14:22
Aus welchen Gründen kaufen Schlepper Boote, laden sie voll mit Flüchtlingen und schicken sie über das Mittelmeer?
Nächstenliebe? Nein, Profitgier!
Aus welchen Gründen kaufen Leute leerstehende Häuser, auch mitten in Wohngebieten, ohne ausreichende Ausstattung und bringen dort in Absprache mit dem Bürgermeister aber ohne Gespräche mit den Anwohnern Flüchtlinge unter?
Nächstenliebe? Nein, Profitgier!
Und dieses Vorgehen war Auslöser für die anfänglichen Proteste der betroffenen Krautheimer/innen.

Sabine Maurer, 14.05.2014 14:01
Richtigstellung über einige Stellen im Artikel " Nur ein Steinwurf"

Wir waren nicht entsetzt über die Asylsuchenden sondern über die Art und Weise wie mit der Bevölkerung speziell rund um das Anwesen Birkenallee 6 umgegangen wird.
Wir wurden im Vorfeld weder von der Gemeinde noch vom Landratsamt über das Vorhaben " 40 junge Männer ( Asylsuchende)
in einem zwei Familien Haus unterzubringen informiert.

Deshalb wurde ein Brief mit einer Unterschriftenliste an den Landrat geschickt mit der Bitte uns umfassend und schnellstmöglich über das Vorhaben zu informieren.
Darin wurden auch unsere Bedenken die wir hatten vorgebracht.

Die Informationsveranstaltung war auf Einladung des Bürgermeisters an die nahe angrenzenden Nachbarn veschickt worden. Wir haben dann in einer Flugblattaktion alle Krautheimer zu dieser Informationsveranstaltung eingeladen.
Jutta Kobald und auch alle anderen die sich an dieser Aktion beteiligt haben waren keineswegs die "Speerspitze der Anti Asylbewerber Bewegung "da es so etwas gar nicht gegeben hat. Wir fühlten uns verpflichtet für die Asylbewerber und auch für uns dafür zu kämpfen das wir :
a.) nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden mit denen wir dann leben müssen
b,) die Asylsuchenden nicht wie Hühner in einen Stall gepfercht werden. Jeder Hund hat laut Gesetz mehr Platz zur Verfügung als Asylbewerber.

Krautheim liegt auch nicht zwischen Zweiflingen und Bad Mergentheim, was mit dem Problem aber nichts zu tun hat.

Wir haben ausser dem Götz bestimmt auch noch andere Denkwürdige Ereignisse in Krautheim, aber die Asylbewerber gehören für uns nicht dazu. Denkwürdig ist für den Bürgermeister und den Landrat vielleicht das sich ein paar Wenige aus Krautheim gegen die Willkür die manchmal bei solchen Themen herrscht gewehrt haben.

Mit manchen Aussagen die während der Informationsveranstaltung gefallen sind waren auch wir nicht sehr glücklich und sie haben uns bestärkt unseren Plan die Asylbewerber zu unterstützen und gegebenenfalls auch zu schützen.

Die Flugblattaktion war nie gegen die Asylbewerber gerichtet und es ist unverständlich für mich wie sie solche falschen Aussagen machen können.
Auch von "überall anders nur nicht hier "war bei uns nie die Rede.

Auch die" Wiederholung der Geschichte" ist so nicht richtig den der erwähnte Brief an den Landrat soll nur aufzeigen das die Integration gut klappt und wir immer noch Bedenken haben 28 Menschen in diesem Haus unterzubringen. Der Brief wurde von allen unterschrieben die mithelfen den Asylbewerbern Deutsch beizubringen und sie ein wenig in Krautheim zu integrieren.

Es stimmt das wir in Krautheim eine Menge Platz haben um Asylbewerber aufzunehmen, aber nicht alle in einem Haus und nicht ohne das die Gemeindeverwaltung auch ihren Teil der Integration beiträgt.

Ich habe mich eigentlich gefreut, als ich hörte das sich eine Journalistin für unsere " Jungs" und unsere freiwillige Integrationshilfe interessiert.
Ich hatte bei dem Besuch und dem Gespräch in der Birkenallee auch nicht das Gefühl das wir falsch verstanden wurden.

Dieser Artikel beweist mir in Zukunft vorsichtig zu sein wem ich Informationen gebe und mit wem ich spreche über dieses Projekt.

Man wird sehr schnell in eine Ecke gedrängt in die man nicht gehört und es werden Sachen abgedruckt die so nicht wahr sind.

Norman Weyrosta, 14.05.2014 02:09
Nur ein paar Anmerkung des freundlichen des Mannes mit dem strubbeligem grauen Haar :

Ich habe das Flugblatt damals nicht unterschrieben, weil mir eine positive Aussage dazu gefehlt hat, dass es unsere Verpflichtung ist Asylbewerber aufzunehmen und für deren Integration zu Sorgen.

Ich trinke auch gerne mit Ali Hassan und den anderen Asylbewerbern ein Bier, aber nicht in der Asylbewerberunterkunft, sondern bei regelmäßigen Zusammenkünften mit den Menschen mit Behinderung in unserem Wohnzentrum.

Nicht nur Krautheim könnte/müsste mehr Asylbewerberaufnehen, sondern ganz Deutschland. Was wir im Vergleich zum Libanon, zu Jordanien, aber auch der Türkei leisten , ist beschämend

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Letzte Kommentare:

Ausgabe 313 / Begleitmusik des Terrors / Dr. Diethelm Gscheidle, 29.03.2017 10:47
Sehr geehrter Herr Barolo, bestimmte Musik ist wirklich sehr gefährlich und gewaltverursachend und kann somit Menschen tatsächlich töten! Die innovativen Forschungen des redlichen Freiburger Musikwissenschaftlers Dr. Klaus Miehling...

Ausgabe 313 / "Mutige Kraft für ein gutes Morgen" / Peter S, 29.03.2017 10:28
Ach ja die Grünen. Einmal dachte ich, ich brauche sie. Was danach kam war eine totale Enttäuschung. Heute sage ich, Parteien sind nicht nur überflüssig, sondern auch schädlich. Eine Direktwahl bei der der Kandidat den Bürgern...

Ausgabe 313 / Richard Lutz, der Stellschraubendreher / Thomas A, 29.03.2017 10:04
Es gibt "gutes" Sparen, nennen wir es optimieren und "schlechtes", so eine Art Kahlschlag mit Folgeschäden. Effizienzssteigerung kann auch zu mehr Beschäftigung durch mehr Umsatz führen. Firmen mit der Kundenorientierung (siehe...

Ausgabe 313 / Begleitmusik des Terrors / Barolo, 29.03.2017 10:02
Unfassbar mit was sich der NSU Untersuchungsausschuss im Ländle befasst. Statt auch nur eine der den Uwes nachgesagten Straftaten aufzudecken macht man auf Musik. Da muss ich wirklich scharf nachdenken, wann denn schon mal Musik einen...

Ausgabe 313 / PETA zwickt den Oberförster / Dr. Diethelm Gscheidle, 29.03.2017 09:34
Sehr geehrte Damen und Herren, der unredlichen und kriminellen Tierschutzorganisation MEBT ("Menschen für die ethische Behandlung von Tieren") das Verbandsklagerecht zu verweigern, ist sehr redlich und zeigt erneut, dass es sich bei...

Ausgabe 313 / Geschichte klittern mit Günther Oettinger / Thomas A, 29.03.2017 09:30
Bis zur Geschichtsstunde um Filbinger(man dachte fast die Nazis seien gegen Hitler gewesen) war der wahre Oppositionsführer im Landtag der Stefan Mappus. Von da ab wurde Oettinger weniger vom Parteifreund malträtiert. Kurz darauf wurden...

Ausgabe 313 / Richard Lutz, der Stellschraubendreher / Horst Ruch, 29.03.2017 09:27
......drehen wir die Bilanz besser um... er wird ein Wahnzeichen für Stuttgart, als Wahrzeichen machen.... Ich dachte immer der Boss einer Aktiengesellschaft hat für den Gewinn seiner Aktionäre zu sorgen. Hier ist es umgekehrt, der...

Ausgabe 313 / Revolution und Wahrheit / Peterwmeisel, 29.03.2017 09:05
Herzlichen Dank für die Darstellungen "der Anstalt" in der wir leben! Das Konzept ist ein bedeutender Bruder der "Aufklärung". der uns hilft hin zu schauen und zu erkennen was mit uns, dem "Souverän" gespielt wird. Wir lernen, dass das...

Ausgabe 313 / Richard Lutz, der Stellschraubendreher / Jue.So Jürgen Sojka, 29.03.2017 08:45
Hier lässt sich informatives zu jenem Dr. Richard Lutz nachlesen (¹) Auszug: Tatsächlich - Neue Demut bei der Bahn? Dazu müsste es allerdings zuvor Demut gegeben haben, um "Neue Demut" zu zeigen!! Wie sich erkennen lässt, lediglich...

Ausgabe 313 / "Mutige Kraft für ein gutes Morgen" / Heinz Heckele, 29.03.2017 08:41
Die Botschaft hör ich wohl..... Ich glaube dagegen, daß Urban Priol kürzlich den Nagel auf den Kopf getroffen hat, als er feststellte, "die heutigen Grünen sind wie FDP mit Fahrrad". Siehe Kretschmann!

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