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S-21-Ausstieg ernsthaft erwogen

Jetzt ist es amtlich: Aus den entschwärzten Teilen eines für Angela Merkel erstellten Vermerks vom 5. Februar 2013 geht hervor, dass die Staatssekretäre der beteiligten Bundesministerien vor drei Jahren die Frage eines Ausstiegs aus Stuttgart 21 ernsthaft prüfen lassen wollten, bevor über die Kostensteigerungen entschieden werden sollte. Der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium Michael Odenwald (CDU) hatte "eine umfassende Unterlage" erstellen lassen, wonach, wie es in dem vierseitigen Schreiben an die Kanzlerin heißt, "offenbar die Antwortentwürfe der DB AG auf die Fragen des AR kritisch kommentiert, weitere Fragen zur Kostenentwicklung und Risiken sowie nach Projektabbruch und Alternativen formuliert" wurden.

Unter anderem gibt der Vermerk die Auffassung des Bahnvorstands wieder, nach der die seinerzeit eingeräumten Kostensteigerungen nicht allein zu Lasten des Bundes gehen und andere Vorhaben der Bahn nicht tangieren würden. Das Bundesverkehrsministerium hatte dieser Ansicht zuvor widersprochen. Abschließend heißt es: "Um ein Scheitern des Projekts auf der Zeitschiene zu verhindern, muss der Aufsichtsrat nach Erörterung und Bewertung der von der DB beantworteten Fragen zügig eine Entscheidung (...)" fällen. Und das Verkehrsministerium wird gedrängt, "zügig zu einer abschließenden Bewertung der Faktenlage zu kommen und diese mit den anderen Ressorts abzustimmen".

Für Eisenhart von Loeper, der die Entschwärzung am Donnerstag in Berlin in einem Vergleich vor dem Verwaltungsgericht erreicht hat, ist damit der "Verdacht der rechtswidrigen Einflussnahme auf die Weiterbauentscheidung erhärtet". Die weiteren nun einsehbaren Passagen des bisher Dokuments zeigten, so das Aktionsbündnis in seiner Pressemitteilung, "dass es in der Sache massive, wenn auch diplomatisch formulierte Forderungen gab, Verkehrs-Staatssekretär Odenwald solle seine begründete Forderung der ernsthaften Prüfung des Ausstiegs aus dem Projekt aufgeben". Von Loeper weiter: "Obwohl es den Staatssekretären darum ging, bei Stuttgart 21 'vor dem Hintergrund der Entwicklung beim BER eine möglichst belastbare Finanzierung gewährleisten und Risiken soweit wie möglich ausschließen' zu können, sollte sich das Verkehrsministerium die Meinung des Bahnvorstands zu eigen machen. Dieser votierte dann trotz der enormen Kostensteigerung für Weiterbau."


Stuttgart 21: Steter Tropfen

Das Kanzleramt entschwärzt weitere Teile eines brisanten Stuttgart-21-Vermerks. Wie Eisenhart von Loeper am Donnerstag nach dem Erörterungstermin zur Aktenvorlage vor dem Berliner Verwaltungsgericht mitteilte, werden damit rund 80 Prozent jenes Papiers mit Datum 5. Februar 2013 öffentlich, in dem es um das Okay des DB-Aufsichtsrats für das Milliardenprojekt trotz der Kostensteigerungen und vor allem der Tatsache geht, dass nicht geklärt war und ist, wer die Mehrkosten trägt. Von Loeper hofft jetzt nachvollziehen zu können, wie und was in den entscheidenden Wochen 2013 intern diskutiert wurde. Im Raum steht seit dem umstrittenen Votum der Vorwurf, dass das Kanzleramt Einfluss auf die Aufsichtsräte genommen hat. Schon im Sommer 2014 hatte von Loeper die Herausgabe wichtiger Dokumente durchsetzen können, die seither auf der Internetseite www.strafvereitelung.de eingesehen werden können. Die neuen Passagen sollen dem Aktionsbündnis noch diese Woche zugestellt werden.


VfB gewinnt die Süperlig

Der VfB ist nun doch noch Meister geworden! Nach dem Abstieg aus der 1. Bundesliga am Samstag hat er schon am Tag darauf die türkische Süperlig gewonnen. Wenigstens ein bisschen. Sagen wir mal, unter Einberechnung des Schön-war-die-Zeit-Vergangenheitsbonus', zu zwei Elfteln. Die beiden Besiktas-Istanbul-Spieler Mario Gomez und Andreas Beck haben nämlich ihre VfB-Meisterschaftserfahrung aus dem Jahr 2007 in den türkischen Club eingebracht. Nach dem 3:1-Sieg gegen Osmanlispor kann Besiktas am letzten Spieltag nicht mehr eingeholt werden. Gefeiert wurde das auch auf dem Stuttgarter Schlossplatz, schließlich hat der Verein viele Fans. Die sind übrigens Weltrekordhalter: in einem Spiel gegen Tottenham im Jahr 2006 (nach anderen Angaben 2007 gegen Liverpool) haben sie sich mit 132 Dezibel den Höchstwert für Fußballstadien zusammengejubelt. Die Besiktas-Fangruppe Carsi (offiziell aufgelöst, aber weiter virulent und freundschaftlich mit Sankt Pauli verbunden) umrundet das A im Namen zum Zeichen für Anarchie, versteht sich auch als soziale Bewegung und war etwa bei den Taksim-Platz-Protesten gegen Erdogan aktiv. Was jetzt eventuell weniger an den VfB und seine Fans erinnert. Aaaaaber: Trainiert wurde Besiktas auch einige Jahre von Christoph Daum, der den VfB 1992 zum Meister machte. Und drei Jahre später hat Daum mit Besiktas die Süperlig gewonnen! Wenn man also auch noch den Daum-Faktor einrechnet, dann ist der VfB an diesem Sonntag sogar mit mehr als Zwei-Elfteln türkischer Meister geworden. (17.5.2016)


Stuttgarter Friedenspreis 2016 an Jürgen Grässlin

Die Verleihung des diesjährigen Anstifter-Preises an Jürgen Grässlin ist ein Signal. Denn dem Rüstungsgegner droht eine Haftstrafe. Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft hat wenige Monate nach seinem Enthüllungsbuch "Netzwerk des Todes" über die Verflechtungen von Rüstungsindustrie und Behörden Vorermittlungen eingeleitet: Gegen ihn und seine Mitautoren Daniel Harrich und Danuta Harrich-Zandberg - wegen des Verdachts verbotener Mitteilungen über Gerichtsverhandlungen gemäß § 353d Strafgesetzbuch.

Dabei hatte Mitautor und Regisseur Daniel Harrich der Staatsanwaltschaft zahlreiche Dokumente zur Verfügung gestellt, auf deren Basis die staatsanwaltschaftliche Klageschrift gegen Heckler & Koch verfasst werden konnte. Vor rund einem Monat hat Daniel Harrich noch den Grimme-Preis dafür entgegengenommen. Nicht nur im Fall Böhmermann - auch sonst sehen sich deutsche Medienmacher und kritische Autoren immer wieder mit Strafermittlungen konfrontiert. Jetzt erst recht - Kontext gratuliert zum Friedenspreis.

In diesem Jahr wird er zum 14. Mal verliehen, 25 Vorschläge gingen bei den Anstiftern ein. Der erste Preis ist mit 5000 Euro dotiert. Auf weiteren Plätzen folgen der Zeitzeuge Theodor Bergmann, Seawatch (Geflüchtete in Seenot), Ärzte ohne Grenzen und die kurdische Menschenrechtsaktivistin Leyla Zana. (16.Mai 2016)


Bündnis gegen rechts

Winfried Kretschmann engagiert sich im österreichischen Präsidentschaftswahlkampf: Er ist einem breit verankerten Komitee gegen rechts und zur Unterstützung von Alexander van der Bellen beigetreten. Der frühere Bundesvorsitzende der österreichischen Grünen, der als parteiunabhängiger Kandidat antritt, kam bei der Volkswahl Mitte April im ersten Wahlgang auf 21,3 Prozent der Stimmen. Norbert Hofer, der Kandidat der rechtspopulistischen "Freiheitlichen Partei Österreichs" (FPÖ), liegt mit 35 Prozent weit vorn. Zusammengefunden haben sich vor dem entscheidenden zweiten Wahlgang am 22. Mai viele Promis aus dem deutschsprachigen Raum, die sich für van der Bellen stark machen. Darunter Oscar-Preisträger Christoph Waltz, Everest-Bezwinger Reinhold Messner oder Liedermacher Konstantin Wecker und hunderte Schauspieler, Künstler, Journalisten, Politiker, Unternehmer, Wissenschaftler oder Diplomaten aus dem linken, aber auch aus dem bürgerlichen Lager. Nach Pfingsten, am Dienstagabend,  wird Kretschmann nach Wien reisen, um im Wahlkampf des Universitätsprofessors aufzutreten. Er habe van der Bellen "als engagierten, fairen und vertrauenswürdigen Menschen kennen und schätzen gelernt, der für Demokratie, Menschenrechte, ökologische Nachhaltigkeit, gegenseitigen Respekt und Chancengleichheit" eintrete. Unter weiter: "Gerade in diesen bewegten Zeiten ist eine besonnene, weltoffene und weitsichtige Person in einem solchen Amt besonders wichtig." Hofer ist programmatisch einer der führenden Köpfe der FPÖ und damit der europäischen Rechten. Seine schlagende Verbindung Marko Germania hält wenig vom selbständigen Staat Österreich, sondern bekennt sich zu einem "deutschen Vaterland", "unabhängig von bestehenden staatlichen Grenzen". Er wäre in Mitteleuropa der erste Rechtspopulist im höchsten Amt eines Staates. (15.5.2016)


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Ausgabe 126
Gesellschaft

Todesfalle S-Bahnhof

Von Jürgen Lessat
Datum: 28.08.2013
Stuttgarts S-Bahn ist aus dem Takt geraten. Experten warnen vor noch chaotischeren Zuständen, wenn 2014 die Bahn beginnt, den Trog für den Tiefbahnhof Stuttgart 21 auszuheben: Tausende Pendler müssen sich dann in Stuttgarts größter S-Bahn-Station durch zu enge Treppenhäuser zwängen, die leicht zu Todesfallen werden können.

Als im Jahr 1978 die Stuttgarter S-Bahn aufs Gleis gestellt wurde, konnte sich niemand vorstellen, welchen Ansturm das Schnellbahnsystem einmal erlebt. Heute nutzen an Werktagen rund 360 000 Fahrgäste die sechs auf die Stuttgarter City zulaufenden Linien S 1 bis S 6 sowie die vor Kurzem eröffnete Tangentiallinie S 60. Rein rechnerisch ist damit jeder Stuttgarter – vom Säugling bis zum Senior – jeden zweiten Tag mit der S-Bahn unterwegs.

Vielen Fahrgästen ist die Freude am S-Bahn-Fahren zuletzt vergangen. Die Züge sind oft verspätet, immer wieder fallen Verbindungen aus. Beim Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) häufen sich die Beschwerden über verpasste Anschlüsse und längere Reisezeiten. Tatsächlich sank die Drei-Minuten-Pünktlichkeit 2012 auf einen neuen Negativrekord. Zur Hauptverkehrszeit (HVZ) fuhr jede vierte S-Bahn (24,7 Prozent) dem Fahrplan um mehr als drei Minuten hinterher. 2004 war nur etwa jeder zehnte Zug derart unpünktlich (11,8 Prozent). Seit Jahren verletzt die Deutsche Bahn damit den Verkehrsvertrag mit dem Auftraggeber, dem Verband der Region Stuttgart. Dieser toleriert nur einen Verspätungsanteil von 8,5 Prozent.

Das Magazin "Eisenbahn Revue International" hat in seiner Juni-Ausgabe die Situation des Stuttgarter Schnellbahnsystems ausführlich analysiert. Das renommierte Fachblatt identifiziert einerseits strukturelle Schwachstellen im Netz als Grund der Unzuverlässigkeit. Vor allem frisst aber der Erfolg seine Kinder: Je mehr Fahrgäste die S-Bahn nutzen, umso länger braucht der Fahrgastwechsel, was zu längerem Halten als geplant an den Stationen führt. Zusätzlich sorgt der Türmechanismus der modernen S-Bahn-Baureihen 423 und 430 für Verspätungen: Blockiert ein Fahrgast die Lichtschranke, schließt die Tür nicht. Vor allem in der unterirdischen Station Hauptbahnhof, der Haltestelle mit den meisten Umsteigern, fahren die Bahnen in der Rushhour verspätet ab. Da sich S 1 bis S 6 durch den unterirdischen Innenstadttunnel zwängen müssen, schaukelt sich so eine Verspätung schnell bis durch das ganze Netz auf.

Weitere Wege, mehr verpasste Anschlüsse

Und die Zukunft sieht noch düsterer aus. "Mit dem Bau von Stuttgart 21 droht das Chaos", prophezeit die "Eisenbahn Revue International". Ein Grund: Im Herbst sollen im Stuttgarter Hauptbahnhof die Bahnsteige der Fernbahn um 120 Meter ins Gleisvorfeld verschoben werden, um Platz für die Baugrube des Tiefbahnhofs zu schaffen. Dadurch verlängern sich die Wege der Pendler zwischen Regional- und Fernzügen sowie S-Bahn von bislang maximal 600 auf künftig bis zu 800 Meter. Der verantwortliche DB-Bahnhofsmanager Sven Hantel hatte im Stuttgarter Gemeinderat sowie im Verkehrsausschuss der Region eine verlängerte Übergangszeit von vier Minuten zwar erwähnt, die Folgen aber wohlweislich verschwiegen. "Die fahrplanmäßige Übergangszeit wird von neun auf 13 Minuten erhöht, was bei unveränderten Fahrplänen zahlreiche Anschlüsse kosten wird", schreibt das Fachblatt – Pendler müssten sich auf längere Reisezeiten einstellen.

Gefährlicher Andrang auf Stuttgarts Schnellbahn. Foto: DB
Gefährlicher Andrang auf Stuttgarts Schnellbahn. Foto: DB

Noch größere Probleme deuten sich an, wenn in der Bahnhofshalle der Aushub des Tiefbahnhoftrogs beginnt. Nach mehrjähriger Verschiebung soll dies Mitte 2014 der Fall sein. Sobald die Bagger losschaufeln, fällt die direkte Treppenverbindung von der Fernbahnsteighalle an Gleis 3 hinunter in die unterirdische S-Bahn-Station (siehe Bild ganz oben) ersatzlos weg. Mehreren Zehntausend Pendlern bleibt dann nur der Umweg über den rolltreppenlosen Mittelausgang des Hauptbahnhofs durch eine unterirdische Verteilerebene der Stadtbahnhaltestelle Klett-Passage, an dessen Ende ein kleiner Abgang hinunter zur S-Bahn führt. "Die Umsteiger müssen sich über eine nicht einmal drei Meter breite Treppe und eine Rolltreppe hinunter auf den S-Bahnsteig zwängen", kritisiert das Fachblatt. Zudem mündeten Treppe und Rolltreppe an der engsten Stelle des Bahnsteigbereichs in der unterirdischen Station. Die Menschenmassen, die sich dort zur Hauptverkehrszeit drängen, würden unweigerlich zu Staueffekten führen. "Aussteigende Fahrgäste können den Zug nicht verlassen, weil der Bahnsteig von den gegenläufigen Fahrgastströmen regelrecht verstopft ist", heißt es in dem Bericht. Die Folge sind noch längere Haltezeiten der Züge, was die Stuttgarter S-Bahn noch unpünktlicher und unzuverlässiger als schon heute machen wird, prophezeit das Magazin.

Harmlose Stolperer lösen Katastrophen aus

Neben Verspätungen könnte die neue Wegeführung durch den Stuttgarter Hauptbahnhof auch zu Sicherheitsproblemen führen, wie Recherchen von Kontext ergaben. So warnt der Panikforscher Michael Schreckenberg von der Universität Duisburg-Essen vor einem gefährlichen Flaschenhals durch den zu engen Treppenabgang. "Wenn an dieser Stelle zu hohe Dichten entstehen, wird es kritisch", sagt Schreckenberg. Im Gedränge könnten einzelne Reisende zu drücken und schubsen beginnen, um schneller auf den Bahnsteig zu kommen. Die Dichte würde sich dadurch weiter erhöhen, was wiederum im Treppenbereich zu Stürzen führen könne. "Die Leute sehen die Stufen nicht mehr und fallen, was wiederum den Druck auf weiter unten Stehende erhöht", erläutert Schreckenberg eine verhängnisvolle Kettenreaktion. Derartige Phänomene liefen immer nach demselben Schema ab, so zuletzt beim Love-Parade-Unglück in Duisburg am 24. Juli 2010, bei dem 21 Menschen im Gedränge getötet und 541 zum Teil schwer verletzt wurden. Harmlose Stolperer lösten auch im Dezember 1999 eine Katastrophe in Innsbruck aus. Fünf Menschen wurden zu Tode getrampelt, 39 weitere zum Teil schwer verletzt, nachdem während einer Veranstaltung im Skistadion mehrere Personen auf dem abschüssigen Gelände ausgerutscht und gestürzt waren. "Das Fatale ist: Solche Situationen entstehen in kürzester Zeit und sind räumlich begrenzt. Eine Leitstelle hat keine Chance, rechtzeitig einzugreifen", so Schreckenberg.

Bei der Präsentation der neuen Wegeführung im Stuttgarter Hauptbahnhof Anfang des Jahres im Stadtrat und im Verkehrsausschuss der Regionalversammlung betonte die Bahn zwar, alle Sicherheitsnachweise hinsichtlich Brandschutz und Evakuierung erbracht zu haben. Auch sei die Leistungsfähigkeit der neuen Passagierwege analysiert und nachgewiesen worden. Zugleich gestand die Bahn aber ein, dass der bestehende enge S-Bahn-Abgang schon heute in der Hauptverkehrszeit überlastet ist. "Treppe 5 hat bereits eine Qualitätsstufe 'E' und wird nicht angesetzt", heißt es wörtlich in der Präsentation, die Bahnhofsmanager Sven Hantel den politischen Gremien vorstellte. Übersetzt: Über diese Treppenabgang können keine weiteren Pendler geschleust werden, weil bereits "gegenseitige Behinderungen auftreten und die Kapazität erreicht" ist. Zudem geht die Bahn in ihrer Präsentation davon aus, dass nahezu die Hälfte der Pendler freiwillig längere Umwege über weniger belastete Zugänge in der Großen Schalterhalle sowie in der Klett-Passage (Treppe 6) nehmen. "Menschen sehen zwar Leithinweise, befolgen sie aber häufig nicht, sondern nehmen weiter den kürzesten Weg", kritisiert Stauforscher Schreckenberg.

Auch die Umleitungsstrecke ist überlastet

Die als Alternative präsentierte Treppe 6 in der Klett-Passage, gleich dimensioniert wie die bereits überlastete Treppe 5, besitzt heute die Qualitätsstufe C ("Die freie Geschwindigkeitswahl ist eingeschränkt, die Verkehrsdichte erreicht ein spürbares Maß"). Die zusätzlichen Pendlerströme während des Trogaushubs werden auch sie auf Stufe E und damit an ihre Kapazitätsgrenze bringen. "Aufgrund der starken Belastung in der HVZ sind zusätzliche Maßnahmen hinsichtlich Wegeleitung und Reisendenlenkung notwendig und vorgesehen", gestand Hantel vor den Gremien ein. Details nannte er damals jedoch nicht.

Wie die Bahn die täglichen Pendlermassen während der Bauzeit von Stuttgart 21 jahrelang sicher vom Zug zur S-Bahn bringen will, bleibt weiter ein Geheimnis. Eine Kontext-Anfrage ließ das S-21-Kommunikationsbüro bis Redaktionsschluss unbeantwortet.


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Kommentare

Rüdiger Bächtle, 08.11.2013 07:25
Da sieht man mal, wie schlecht recherchiert wird.
Es gibt in Stuttgart nicht nur einen Abgang hinunter zu S-Bahn mit 3M Breite sondern deren 3! Und es gibt auch noch zusätzlich 2 Rolltreppen die von dieser Verteilerebene hinunter bzw. Hinauf zur S-Bahn führen. Auch gibt es einen Abgang mit Rolltreppen zu dieser Verteilerebene im Arnulf-Klett-Platz. Hauptsache man schreibt was dagegen obwohl. An offensichtlich nicht die Lokalität kennt. Wie der Laufweg allerdings von 600 auf 800 Meter sich erhöht, wenn die Verlegung der Bahnsteige um 120m erfolgt ist, wurde auch nicht plausibel dargelegt. Schaut man sich den Verkehrsstrom einmal an, der über die wegfallende Verbindung zu den Zügen im Kopfbahnhof führt gegenüber den. Die die anderen 3 auf nehmen, so wird diese zusätzliche Belastung für diese anderen Aufgänge keine nennenswerte Mehrbelastung darstellen.

ars, 29.08.2013 23:53
Und dazwischen sind Gehbehinderte, auch mit Rollatoren....

Peter Schwabe, 29.08.2013 22:25
Der Flaschenhals bei den Rolltreppen wird noch dadurch verschlimmert die Spaßvögel von der SSB/DB oben an den Rolltreppen die Raucherpunkte einerichtet haben. Es stehen immer rauchende Menschen an diesen Stellen so das wenn man oben ankommt immer durch die Raucher und die Rauchschwaden muß.

laus Wilcke, 29.08.2013 17:52
Es ist das Prinzip der Wurstmühle: Unten werden die Partikel zusammengepresst, aber der Antrieb am langen Hebel, weit entfernt von allen Problemen ist das Geld, das zuerst mit der Baustelle und danach mit Grundstücken in Stuttgart gemacht wird. Präsentiert wird uns das alles auf der demokratischen Grundlage des weiterhin lebendigen CDU-Wirtschafts-Wir-sind-Fortschritt-Filzes.

Fred Strassner, 29.08.2013 01:18
About S21
The most abundent things in the Universe are Hydrogen and Stupitity.

Fred Strassner, 29.08.2013 01:15
Vernunft ist wie ein Deoderant.Die Leute die es noetig brauchen verwenden es nie.(Common sense is like deoderant.the people who need it most,never use it.)
If voting could really change things,it would be illegal.

Cathrin, 28.08.2013 20:42
@Max Gruber
warum ist doch klar. Es werden schon einige mitverdienen am ganzen Debakel für die Steuerzahler.
Und sie fahren ja auch nicht selber Bahn sondern Dienstwagen und müssen sich damit nicht auseinandersetzen.

Claus Schöttle, 28.08.2013 12:43
Liebe Pendler, bedankt euch bei euren Landsleuten in Hohenlohe, Oberschwaben, im Remstal, in Ulm und um Ulm herum und sonstigen schwarzen Gebieten für dies wundervolle Desaster. Wann kommt euer Aufschrei? Ich meine nicht nur Gebruddel, nein, Aufschrei! Wie leidensfähig seid ihr? Ich empfehle bei den kommenden Wahlen diejenigen zu wählen, die S21 nicht befürworten. Ihr könnt auch demonstrieren kommen, speziell am 30.09. zur Montagsdemo (gleichzeitig 3. Jahrestag der Schlacht im Schlossgarten). Ihr werdet erleben, dass der Nahverkehr regelmäßig zusammenbrechen wird und zig Tausende von Euch zu spät zu Ihrer Arbeitsstätte kommen. Aber das haben eure Firmenbosse so gewollt (Stihl, Daimler, BOSCH und viele andere), auch die IHK will das so, Und keine Bange, eure Arbeitsplätze sind sicher, weil kein Fachpersonal der Welt in die Region Stuttgart kommen mag. Und wenn, dann nur überredet durch ein immens hohes Gehalt. Aber dafür sind eure Chefs zu geizig. Sie dachten immer, S21 kostet sie nichts, sondern sie profitieren davon. Profit, Gier, das war in deren Hirnen. Jetzt aber kommt alles anders und eine saftige Langzeit-Rechnung dazu. Aber bitte keine Wehklagen, ihr bekommt alles, was die Mehrheit wollte! Und dazu zählten viele von euch. Wie lange noch?

Dorothea Geiges, 28.08.2013 10:47
Wenn es nicht schon genügend andere Gründe gäbe, S21 nicht zu bauen - diese Situation wäre doch schon hinreichend! Aber "unsere" Politiker und "unsere" Bahnleute fahren eben selber nie mit der S-Bahn.

Susanne Jallow, 28.08.2013 10:18
"Menschen sehen zwar Leithinweise, befolgen sie aber häufig nicht, sondern nehmen weiter den kürzesten Weg" - Sowas aber auch - da folgen die Leute einfach nicht den Anwisungen, sondern denken selbst. Womöglich auch, weil Sie es eilig und nicht den ganzen Tag Zeit haben? Dieser Bahn-Dilletantismus in fast allen Belangen dieses Projekts ist wirklich nur noch sehr schwer zu ertragen - zumal er immer wieder Gefahr für Leib und Leben in sich birgt - und das keinen der Verantwortlichen interessiert.

Max Gruber, 28.08.2013 08:18
Man sieht es, unsere Politiker lernen es einfach nicht, warum? Keine Ahnung!

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