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AfD: Nichts wissen, nichts machen, nichts zahlen

Schon wieder hat AfD-Fraktionschef Jörg Meuthen ein Versprechen nicht gehalten. Aber wahrscheinlich kann er nicht mehr daran erinnern, dass er am 6. März zum ersten Mal seit dem Einzug in den Landtag zu einer regulären und nicht durch Skandale, Trennungen oder Wiedervereinigungen notwendig geworden Pressekonferenz geladen hat. Um mitzuteilen, dass seine Fraktion selbstverständlich der Ankündigung nachkommt, dem Landtag die Gelder zurückzuzahlen, die die vorübergehende Fraktionsspaltung gekostet hat. Sogar ein Datum konnten Meuthen und Fraktionsvize Rainer Podeswa nennen: den 11. März 2017, jenen Tag also an dem die Frist für die Rechnungslegung der Fraktionen ohnehin abläuft. Bis dahin sollten 257.000 Euro fließen. Insgesamt war von 425.000 Euro, einmal auch von 571.000 Euro die Rede.

Eingelöst wurde die Zusicherung nicht. Meuthen und die Seinen, die schon bei unvergleichlich geringeren Anlässen Zeter und Mordio schreien angesichts des Sittenverfalls der von ihnen sogenannten Altparteien, haben nach Auskunft der Landtagsverwaltung gar nichts zurückgezahlt. Jetzt verlangt der Fraktionsgeschäftsführer der SPD, Ex-Innenminister Reinhold Gall, von der Landtagsverwaltung, eine "härtere Gangart" einzuschlagen und rechtliche Schritte einzuleiten.

Vor allem auf Facebook, dem wichtigsten Kommunikationsmittel der AfD, hatte sich die Fraktion immer wieder dafür gerühmt, alle Gelder zu erstatten. Tatsächlich war das peinliche Finanzgebaren schon in der Plenarsitzung vom 9. Februar Gegenstand der Debatte, als FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke daran erinnert, dass "die operettenhafte Fraktionsteilung" viel Geld gekostet habe und konkret fragte: "Haben Sie zurückgezahlt?" Laut Protokoll rief der AfD-Fraktionschef: "Ja, natürlich!". Inzwischen will Meuthen die Äußerung auf die schon geflossenen Gelder bezogen wissen, ohne konkret zu sagen, um welche Summen es sich handelt. Wahrscheinlich hat er es nicht (mehr) gewusst. (21.4.2017)

Mehr zum Thema: "Sein Name ist Hase"


Kakteen lassen IHK-Vollversammlung platzen

Johannes Schmalzl, früher Zentralstellenleiter im FDP-geführten Justizministerium, dann Präsident des Landesamts für Verfassungsschutz und Stuttgarter Regierungspräsident, ist am Donnerstagabend nicht wie geplant zum Hauptgeschäftsführer der IHK Stuttgart gewählt worden. Die kammerkritische Kaktus-Initiative hat die Vollversammlung platzen lassen. Zuvor fand der vorab angekündigte Antrag der IHK-Rebellen zur Änderungen der Tagesordnung allerdings keine Mehrheit. Darin war verlangt worden, Tagesordnungspunkte, die in der vorigen Vollversammlung nicht behandelt wurden, noch vor der Wahl abzuhandeln.

Nach der Abstimmungsniederlage zog ein Großteil der Initiative aus, während einer ihrer Sprecher mit Erfolg die Feststellung der Beschlussunfähigkeit der Versammlung forderte. Damit war die Vollversammlung beendet. Jetzt soll es zu einer Sondersitzung kommen, um Schmalzl vor der nächsten turnusmäßigen Sitzung im Juli zu wählen. Am Vorgehen der Kakteen gibt es Kritik – auch in den eigenen Reihen. Mehrere Mitglieder hatten die Versammlung mit ausdrücklichem Hinweis auf die demokratische Niederlage in der Abstimmung über die Tagesordnung nicht verlassen. Jetzt sollen interne Beratungen stattfinden.

Jürgen Klaffke, einer der führenden Kakteen, hatte im Vorfeld der Vollversammlung für die Verschiebung der Wahl plädiert. Sein Argument: Es könne nicht sein, "dass eine Findungskommission nach monatelanger Suche einen einzigen Kandidaten präsentiert". Da der Vertrag mit dem amtierenden Hauptgeschäftsführer Andreas Richter erst Anfang des nächsten Jahres ausläuft, sei genügend Zeit, das Verfahren für eine Kandidatensuche nochmals aufzurollen. Die Kaktus-Initiative, die unter anderem für die Abschaffung der Zwangsmitgliedschaft eintritt, hält ein Drittel der hundert Sitze. (20.4.2017)

Mehr zum Thema: "Das ganze Klavier bespielen", "Rebellen im Weinberghäusle"


Besonders viele Evet-Sager in Stuttgart

Nur in Dortmund, Essen und Düsseldorf haben mehr Deutschtürken für Recep Tayyip Erdogans Präsidialsystem gestimmt als in Stuttgart. Mit 66,22 Prozent liegt die Landeshauptstadt nach den Zahlen der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu auch über dem Deutschland-Schnitt von 63,2 Prozent. Das Ergebnis der Bundesrepublik ist international von besonderer Bedeutung, weil mit rund 1,4 Millionen Menschen nirgends mehr Auslandstürken wahlberechtigt waren. Auffallend ist das Abstimmungsverhalten in Berlin, mit 50 Prozent Nein-Sagern, in der Schweiz mit 70 Prozent und in den USA mit sogar einer 90prozentigen Ablehnung der Verfassungsreform. In den Vereinigten Staaten hat allerdings weniger als ein Prozent der Bevölkerung einen türkischen Pass.

Dass sich aus dem Anteil an türkischstämmiger Bevölkerung allein kein Zusammenhang zum Abstimmungsverhalten ablesen lässt, zeigen nicht nur Berlin und Stuttgart, sondern EU-weit auch Belgien und Österreich. In beiden Ländern gibt es mehr als 70-Prozent Evet-Sager. In Belgien haben rund zwei Prozent der Menschen türkische Wurzeln, in Österreich aber mehr als fünf Prozent. Im deutschen Zustimmungsranking deutlich hinter Stuttgart rangieren unter anderem Karlsruhe mit 61 Prozent, Hamburg mit 57 und Nürnberg mit 55 Prozent. Nach den Zahlen von Anadolu hat die Hälfte der Deutschtürken ihr Wahlrecht auch tatsächlich ausgeübt.


Kakteen wollen neue IHK-Findungskommission

Die IHK-Kritiker von Kaktus fordern, die Wahl des neuen Hauptgeschäftsführers zu verschieben. "Es kann doch nicht sein, dass eine Findungskommission nach monatelanger Suche einen einzigen Kandidaten präsentiert", so Jürgen Klaffke von der Kaktus-Initiative. Ende vergangener Woche war bekannt geworden, dass der frühere Stuttgarter Regierungspräsident Johannes Schmalzl der Vollversammlung am 20. April als einziger Kandidat präsentiert werden soll. Die IHK-Rebellen wollen nicht nur abnicken, sondern eine wirkliche Wahl zwischen mindestens drei Kandidaten. Sie fordern daher eine gewählte Findungskommission aus aktuellen Vertretern der Vollversammlung und ein faires, transparentes Auswahlverfahren. Da der Vertrag mit dem aktuellen Hauptgeschäftsführer Andreas Richter erst Anfang des nächsten Jahres ausläuft, sei genügend Zeit, das Verfahren für eine Kandidatensuche nochmals aufzurollen. (11.4.2017)


Buchvorstellung mit Kontext-Autor: in_visible limits

Grenzen sind allgegenwärtig, ob sicht- oder unsichtbare: Menschen pflegen ihre Barrieren im Kopf, sortieren die Welt in Gut und Böse. Zuletzt haben leider auch die ganz materiellen Grenzzäune durch die sogenannte "Flüchtlingskrise" wieder eine Renaissance in Europa erlebt, von Trumps Mauer ganz zu schweigen. Das Thema reflektiert momentan der Kunstverein Kontur, in seinem Projekt "in_visible limits" zeigt er Werke von vier Schweizer und vier deutschen Kunstschaffenden, aktuell im Kunst(Zeug)Haus Rapperswil. Aus dem Projekt heraus entstand eine Buchveröffentlichung, verschiedene Autoren sollten das Thema "Grenzen" aus ihrer Sicht beleuchten. Kontext-Mitarbeiter Dietrich Heißenbüttel ist einer von ihnen, er befasst sich mit der "Macht der Grenzen" aus historisch-politischer Sicht. Am Sonntag, den 9. April, wird das Buch um 17 Uhr im Theaterhaus in Stuttgart-Feuerbach vorgestellt, Heißenbüttel ist dabei. Der Eintritt ist frei. (08.04.2017)


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Angeblich des Innenministers liebstes Schild. Foto: Pixabay

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Ausgabe 279
Debatte

De-Maizière mich nicht voll!

Von Elena Wolf
Datum: 03.08.2016
Da sind sie wieder: die Verbots-Fetischisten. Nach dem Amoklauf in München wird der Schrei nach einem Verbot von "Killerspielen" wieder laut. In unserer letzten Ausgabe empörte sich unsere Autorin Johanna Henkel-Waidhofer über das fehlende politische Interesse, endlich zu handeln ‒ und den verteufelten Spielen den Garaus zu machen. Eine Replik.

Zertreten, abschlachten, vergewaltigen, vernichten, Blut, Rache, kill, kill, kill ‒ wieso wird die Bibel eigentlich nicht verboten? Als Christdemokrat müsste Innenminister Thomas de Maizière wissen, dass das Buch der Bücher vor widerwärtigen Gewaltakten nur so strotzt. Besteht bei übermäßigem Konsum der Killerspiele von Moses, Samuel, Jesaja und unzähligen blutigen Gewaltpsalmen nicht die Gefahr, dass sie sich im Kopf und in der Seele der Menschen festsetzen? Besonders in denen junger Menschen? Wie können es Bibel-Lobbyisten vertreten, dass in ihrem All-Time-Kassenschlager "Kinder vor ihren Augen zerschmettert, ihre Häuser geplündert und ihre Frauen geschändet werden" (Jesaja 13, 16)? Klar kann die überwiegende Zahl ihrer LeserInnen mit den Inhalten der Bibel umgehen. Zu viele eben aber auch nicht. Abertausende christliche Amokläufer zerstörten Millionen von Menschenleben.

Zum Glück hat man sich irgendwann dazu entschieden, Staat und Kirche zu trennen. Wer die Bibel-Gang joinen will, soll's tun. Wer nicht, dem werden die Eingeweide von keinen Kreuzrittern mehr herausgerissen. Die Bibel aber wurde nicht verboten und das ist gut so. Die Menschen lernten vielmehr einen differenzierten Umgang mit ihrem Inhalt. Wenn heute jemand Amok läuft, der eine Bibel im Nachtkästchen hatte, entbrennt keine Debatte über ein Verbot.

De Maizière verbietet gern – ob per Dekret oder
De Maizière verbietet gern – ob per Dekret oder
Fernsehauftritt. Fotos: www.thomasdemaiziere.de
Fernsehauftritt. Fotos: www.thomasdemaiziere.de

Dass sich dieser Tage PolitikerInnen wieder einmal anschicken, Videospiele verbieten zu wollen, die explizite Gewalt beinhalten, ist absurd und scheinheilig. Statt sich einzugestehen, dass die Ursachen amoklaufender Jugendlicher komplex sind, reduziert man sie auf einen Sündenbock. Dieses täglich grüßende Murmeltier kennen wir bereits. Bevor es Videospiele gab, schossen sich PolitikerInnen auf Horrorfilme oder Rockmusik ein. Als zwei Jugendliche 1999 an der Columbine-Highschool in den USA 13 Menschen erschossen, wurde der "Schock-Rocker" Marilyn Manson von PolitikerInnen mit in die Verantwortung gezogen. Die Amokläufer seien von seiner gewaltverherrlichenden Musik inspiriert gewesen. Auch zahlreiche Regisseure kamen an den öffentlichen Pranger, als nach Filmen wie "Taxi Driver" (1976), "Natural Born Killers" (1994) oder "Scream" (1996) Menschen zu Mördern wurden, die diese "bösen" Filme gesehen hatten.

Mit schwitzigen Fingern wird der Repressions-Buzzer gedrückt

Heute sind es also wieder einmal die bösen Videospiele. Immer noch ist die Diskussion undifferenziert, hysterisch und populistisch. Mangels fruchtbarer Argumente wird der so bitter notwendige Diskurs über den Umgang mit popkulturellen Phänomenen wie Videospiele einfach de-maizièristisch, paternalistisch abgeblockt. "Kein vernünftiger Mensch könne bestreiten", dass Videospiele eine "schädliche Entwicklung auf Jugendliche" haben, erklärte de Maizière. Dass sich die Fakten der brennenden GegnerInnen meist auf die höchst umstrittenen Ergebnisse diverser Hirnforschungen beziehen, oder ganz schlicht auf ihre persönlichen, "vernünftigen" Einsichten, zeigt nur, mit welcher Hilflosigkeit dem Thema begegnet wird.

Will oder kann man nach Erfurt, Emsdetten, Winnenden und jüngst München das große Fass nicht aufmachen, drückt man mit schwitzigen Fingern wieder den Repressions-Buzzer. Ist ja auch einfacher. Außerdem simuliert er Aktivismus. Das Totschlagargument: Alle Amokläufer haben "Killerspiele" gespielt. Das ist Stammtisch-Evidenz. Heroinabhängige StraftäterInnen haben womöglich schon mal gekifft in ihrem Leben. Doch wer kifft, wird nicht zwangsläufig heroinabhängig oder straffällig. So einfach ist es halt nicht.

Das große Fass bleibt zu. Dass viele Heranwachsende heute schon in der Schule unter Burn-Out leiden. Dass sie keine Zeit mehr haben, mit einer komplexen Welt klarzukommen. Dass sie massiv unter Leistungsdruck stehen. Dass sie orientierungslos sind. Mobbing. Konkurrenzdruck. Depression. Dass sie in einer Gesellschaft groß werden, die ihnen vorgaukelt, alles erreichen zu können, wenn man sich nur genügend anstrengt. Dass es heute fast schon eine Ausnahme ist, wenn man mit 30 nicht schon völlig am Ende ist: Das ist der Stoff, der junge Menschen krank macht. Nicht nur. Nicht alle. Aber viel zu viele.

Mit diesen Teufelsgeräten wird die Abdrückhemmschwelle gesenkt. Foto: Pixabay
Mit diesen Teufelsgeräten wird die Abdrückhemmschwelle gesenkt. Foto: Pixabay

Die Welt samt der Probleme, die sie jungen Menschen machen, ist komplizierter geworden als die Welt, in denen ihre Eltern aufgewachsen sind. Die Lösungsansätze der zuständigen PolitikerInnen hingegen sind dieselben eindimensionalen. Im Fall der Videospiele heißt das: verbieten. Punkt.

Doch wollen wir in einer Welt leben, in der PolitikerInnen entscheiden, welche Kulturprodukte "gut" und welche "schlecht" sind? Noch dazu aufgrund einer Faktenlage, die dünner nicht sein könnte? Kein vernünftiger Mensch, um bei de Maizère zu bleiben, kann widerspruchslos belegen, dass Gewaltspiele Menschen monokausal zu Mördern werden lassen. Wäre dem so, könnte tatsächlich kein vernünftiger Mensch gegen ein Verbot sein. Doch so viele neurowissenschaftliche "Beweise" es für die Killer-Theorie gibt, so viele gibt es dagegen.

Soziale Phänomene mit Hirnforschung erklären – ganz dünnes Eis

Wenn man glaubt, neurowissenschaftlich ergründen zu können, was Ulrike Meinhof zur RAF-Terroristin werden ließ, gelingt das auch. So geschehen bis 2002: An der Uni Magdeburg dokterte man an ihrem Gehirn herum und stellte Veränderungen fest, die besondere Kaltblütigkeit begünstigen würden. Gesellschaftlicher und politischer Kontext? Fehlanzeige. Wer sozialen Phänomenen mit Hirnforschung begegnet, argumentiert auf dünnem Eis. Die kurzschlüssigen Zusammenhänge zwischen Videospielen, die Mord und Totschlag beinhalten, und Amokläufen, rechtfertigen kein Verbot.

Sonst müsste man viel verbieten. Bücher wie "American Psycho" etwa, Filme wie "300" und Tarantino-Streifen oder Bushido. Sie und viele andere Kulturprodukte distanzieren sich nicht von der Gewalt, die sie beinhalten. Sie feiern sie. Man kann davon halten, was man mag. Doch wer, bitteschön, sind de Maizière, Günther Oettinger oder Günther Beckstein, darüber zu richten? Sie sind Männer im Rentenalter, die sich aufgrund ihrer Meinung befähigt sehen, über das Verbot eines Videospiel-Genres zu entscheiden. Dass Meinungen hier ausreichen, muss jeder vernünftige Mensch bestreiten. Es gibt Regeln und Gesetze, die gewisse Kulturprodukte erst ab 16 oder 18 Jahren zugänglich machen. Das ist gut und das reicht. Dringlicher als die Sorge, dass ein 14-Jähriger an eine Counter-Strike-Version kommt, sollte die Sorge sein, dass er so leicht an reale Waffen kommt.

Nicht umsonst heißen die Dinger Controller. Mit ihnen kontrolliert die Spieleindustrie unsere Kinder. Foto: Pixabay
Nicht umsonst heißen die Dinger Controller. Mit ihnen kontrolliert die Spieleindustrie unsere Kinder. Foto: Pixabay

Der Fairness halber sei gesagt: Wie in Literatur, Film und Musik auch, gibt es Videospiele, die an abartiger Menschenfeindlichkeit nicht zu toppen sind. Sie heißen "Manhunt", "Postal" oder "Hatred". Sie alle sind unfassbar grausam, teils faschistoid und belohnen ihre SpielerInnen für möglichst niederträchtige Handlungen. Doch erstens sind diese Spiele im Gegensatz zu Kassenschlagern wie "GTA", "Call of Duty" oder "Doom" nicht sonderlich beliebt, weil bloßer Menschenhass auf Dauer langweilt. Zweitens findet innerhalb der SpielerInnen-Szene und der internationalen Gaming-Presse ein Diskurs statt, der sich kritisch mit Gewalt in Videospielen auseinandersetzt. Schnell machte es die Runde, dass die polnischen Macher von "Hatred" Verbindungen zur rechtsradikalen Szene in Polen haben. VideospielerInnen, wie die kanadisch-amerikanische Medienkritikerin Anita Sarkeesian, setzen sich vielbeachtet mit Frauenrollen in Games auseinander und treten wichtige Debatten los.

Deutschland fehlt eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Videospielen

Genau das fehlt hierzulande: ein ernsthafter, differenzierter Diskurs. Videospiele wurden und werden in der Kulturrezeption nicht ernst genommen. Während protofaschistische Gewaltverherrlichungen wie etwa die Comicverfilmung "300" aufgrund einer funktionierenden Kinokultur repressionsfrei gefeiert werden darf, schießen sich überforderte PolitikerInnen bei Gewalt im Videospiel ins Knie. Wir brauchen eine Kultur des Videospiels statt Verbote. Sie vermittelt intellektuelle Werkzeuge, die es (jungen) Menschen ermöglicht, sich kritisch mit dem auseinander zu setzen, was sie sehen, hören und 2016 eben spielen. Bei den Killer-Spielen von Moses, Jesaja und dem Rest des Bibel-Teams "Heiliger Krieg" hat's ja auch geklappt.

Dass de Maizère und Co. keine Lehre aus der Kulturgeschichte "jugendgefährdender" Medien ziehen, ist peinlich. Sie erinnern an die alten Männer, die Allen Ginsberg und seinem Verleger 1957 den Prozess machen wollten. Sein Gedicht "Howl" wurde trotz seines sexuell expliziten Inhalts vom Vorwurf freigesprochen, "obszön" zu sein. Heute zählt Ginsberg neben William S. Burroughs und Jack Kerouac zu den berühmtesten Vertretern der Beat-Poeten.


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Kommentare

Jörg Krauss, 13.08.2016 14:19
Aus meiner Sicht, wenn ich die WG meines Sohnes (3 Jungs, alle Mitte 20) ab und an besuche, sehe ich vor allem eines. Diese Spiele verbieten ist völliger Schwachsinn. Das sind hervorragende Tranquilizer gegen die gesellschaftspolitische Bildung junger Leute. Ich sehe die Verbotsdebatteure in einem Dilemma. Verbieten würde ja bedeuten, das sich diese jungen Menschen u.U. damit zu befassen hätten, wieso, weshalb, warum diese Verbote ausgesprochen werden. Und sich neue Betätigungsfelder in der Freizeit suchen müssten, die u.U. den öffentlichen Haushalt belasten, da sich dann verstärkt junge Leute wieder im öffentlichen Raum nach eben Räumen umschauen, evtl. in den seit 20 Jahren meist heruntergewirtschafteten "Jugendhäusern" oder "Jugendzentren", wo man von Verwaltungsseite gar nicht mehr damit gerechnet hatte, das überhaupt noch jemand kommt, bei den vielfältigen Versuchen, junge Menschen von diesen Häusern fernzuhalten.

Lisa Bäuml, 12.08.2016 17:01
Frau Wolf befasst sich in ihrem Artikel mit dem drohenden Verbot von Killerspielen durch Herrn De Maizière. Dabei verweist sie auf die Bibel und die darin geschilderten Gräueltaten und meint offensichtlich, dass die Brutalitäten hier wie da gleich zu beurteilen seien, aber niemandem einfallen würde, die Bibel zu verbieten. Da meine ich doch, dass dieser Vergleich sehr hinkt. Wer von den Jugendlichen liest täglich die Bibel oder besser, die bewussten Stellen darin? Und noch dazu immer und immer wieder? Und ist es nicht etwas völlig anderes, innerhalb weniger Minuten einen Text zu lesen als stundenlang Bilder vor Augen zu haben, die an Brutalität nichts zu wünschen übrig lassen? Ich behaupte, dass das etwas macht mit dem Seelenleben von Jugendlichen, dass sie abstumpfen und verrohen und, vor allem, dass die Unterschiede zwischen der virtuellen Welt und der realen für sie verschwimmen können. Ich halte diese Spiele für extrem schädlich. Und den Artkel von Frau Wolf für ziemlich daneben.

Dr. Diethelm Gscheidle, 10.08.2016 19:34
Sehr geehrtes Fräulein Kornelia,

bitte beachten Sie, dass es sich bei Herrn Miehling um einen hochredlichen Herrn handelt! Er ist ein absoluter Spezialist, wenn es um die Gründe für Gewalt und Verbrechen geht - schon früh hat er die schlechte Musik und natürlich auch die Krachmusik als Hauptgrund dafür ausfindig gemacht. Selbstverständlich forscht er jedoch innovativ weiter und informiert in seinem wöchentlichen Nachrichtenbrief über Gewaltausbrüche und Verbrechen von Krach- und Gewaltmusikern (wussten Sie z.B. dass Herr Ludwig Armstark Haschgift spritzte? Herr Miehling hat diese Tatsache, die klar aufzeigt, dass auch die schlechte Dschess-Musik zu Kriminalität führt, ans Tageslicht gebracht!).

Ein derart redlicher Herr mit einem derart fundierten Wissen über die Ursachen von Gewalt ist selbstverständlich auch extrem kompetent, wenn es um die Gewaltursache "Schieß-Spiele" geht.

Es ist daher sehr unredlich, dass Sie hier absolut unfundierte Kommentare unredlicher Jugendlicher zitieren, welche Herrn Miehling nur deswegen angreifen, weil sie Angst haben, ihre scheußliche Krachmusik nicht mehr anhören zu dürfen! Diese Jugendlichen haben Herrn Miehlings Buch noch nicht einmal gelesen, meinen jedoch, eine Meinung dazu vertreten zu können (das ist ganz typisch für unsere unredliche Jugend - zu allem eine Meinung, aber keine Ahnung haben). Daher: Akzeptieren Sie endlich, dass Herr Miehling selbstverständlich völlig recht hat - unterstützen Sie lieber diesen hochredlichen Menschen bei der Verhinderung von Gewalt und Verbrechen, indem auch Sie gegen Schieß-Spiele und Krachmusik eintreten!

Hochachtungsvoll

Dr. Diethelm Gscheidle
(Erziehungs-Fachmann, Verkehrswissenschaftler & Dipl.-Musikexperte)

Kornelia, 10.08.2016 12:16
Wer und was sich hier so rumtreibt, tz
Klaus Miehling:
http://www.vice.com/de/read/wurde-die-huffington-post-von-einem-rechtskonservativem-troll-gehackt853
https://www.amazon.de/Gewaltmusik-Werteverfal-Dr-Klaus-Miehling/dp/3869316055
die Kommentare unter dem Buch sind spannend!
"Das beginnt mit dem generellem Blick auf den "WERTEVERFALL!", der grob überschlagen nichts anderes formuliert als "früher war die Jugend besser". Das wusste allerdings auch Sokrates schon, von daher ist diese Idee nicht neu, falsch bleibt sie dennoch. Anders bedeutet nicht besser oder schlechter. Die Idee eines Werteverfalls versucht Herr Miehling dann mit Zahlen zu untermauern die er, in dem ansonsten reich bequelltem Buch, nicht belegt.
Was den Werteverfall angeht sind diese Zahlen die da angeführt werden auch noch zusätzlich einseitig betrachtet. Die steigende Bedeutung der Sexualität für Frauen hat, so kommt es, natürlich nichts mit der Pille zu tun, welche Frauen ermöglichte ihre Sexualität und ihren Lebensweg über eine selbstbestimmte Verhütung selbst und unabhängig zu bestimmen. NEIN! Filme, Videospiele und Musik sind Schuld. Besondes Musik, GEWALTMUSIK, Herr Miehling hat hier einen sehr breiten Begriff denn alles was sich im Bereich Musik aus Blues, Folk und Volksmusik entwickelt hat ist GEWALTMUSIK, ja auch Volkstümliches und Schlager, eigentlich fast alles was in irgendeiner Form ein Schlagzeug oder elektronische Beats nutzt. Und seiner These nach der Motor des gesellschaftlichen Wandels, der Motor des generellen Werteverfalls. Der Motor der Kinder verführt, krimineller Energie produziert, sexualisiertes Verhalten zu Tage trägt und die Gesellschaft in den unweigerlichen Abgrund treibt. Wobei er dabei immer wieder auf das Thema Sexualität und vorehelicher Verkehr kommt."

"Auf jeder Seite ist ersichtlich, wie unfundiert und verbissen der Autor seine persönliche Meinung zu untermauern versucht. Die Oberflächlichkeit, mit der der Autor an sog. Gewaltmusik herangeht, ist unerträglich. Dieses Buch ist absoluter Schwachsinn, das sage ich als leidenschaftlicher (Jazz-)Musiker, der sich in sehr vielen Musikrichtungen zu Hause fühlt."

Dr. Klaus Miehling, 09.08.2016 23:05
Die Bibel mit Gewaltvideospielen zu vergleichen, ist noch weiter hergeholt als der sprichwörtliche Vergleich von Äpfeln und Birnen.
Das eine ist eine gedruckter Text, der von kaum einem Jugendlichen gelesen wird - und wenn, dann ist es das harmlose Neue Testament. Was freilich passieren kann, wenn man bestimmte Passagen des Alten Testaments als Handlungsanweisungen versteht, hat die christliche Geschichte gezeigt. Was der Koran anrichtet, sehen wir noch aktuell.

Videospiele beanspruchen aber das Gehirn und die Sinne weit mehr als ein Buch. Sie sind in der heutigen Perfektion zu einer zweiten Realität geworden, die man auch als solche erlebt. Bei Gewaltvideospielen trainiert man Gewalt und senkt die Hemmschwelle.

Die Autorin sollte einschlägige Studien zur Kenntnis nehmen, anstatt Küchenpsychologie zu betreiben:
Craig A. Anderson, Douglas A. Gentile u. Katherine E. Buckley: Violent Video Game Effects on Children and Adolescents, Oxford 2007.

Ich zitiere aus meiner bei Amazon veröffentlichten Rezension:
"Unter 14 aufgelisteten Risikofaktoren (S. 143) ist lediglich die Mitgliedschaft in einer 'gang' (Effektstärke .31) ein (geringfügig) höherer Risikofaktor für aggressives und gewalttätiges
Verhalten als der Konsum von Videospielgewalt (.30). Überspitzt formuliert: Wenn man seine Kinder gewalthaltige Videospiele spielen läßt, könnte man sie genausogut in eine
kriminelle Jugendbande stecken. Demgegenüber nehmen sich so gerne vorgebrachte Risikofaktoren wie asoziale ('antisocial') Eltern (.16) oder Armut (.10) eher bescheiden aus."

Fritz, 05.08.2016 11:44
Ganz richtig erkannt, Kelutti.

Die meisten ernsthaften* Gegner der "Killerspiele" fallen nicht nur durch einen Mangel an Wissen - bzw. das "Überlegenheitsgefühl", damit schon demonstrativ nichts am Hut haben zu wollen - unangenehm auf. Sie neigen dazu ihre Überzeugung über die Freiheiten anderer Menschen zu stellen.

Hier geht es also gar nicht um einen Erkenntnisprozess hin zur Überzeugung, sondern vielmehr um eine "Religion", an die gefälligst - ohne jeden Zweifel - geglaubt werden soll.

Und damit kann man sich die pauschale Verdammung aller Andersdenkenden, das ständige "Predigen" und Wiederholen realitätsferner Phrasen und den akuten Profilierungszwang erklären*.

Ich mache mir mehr Sorgen, mit so einem Menschen konfrontiert zu werden als mit einem, der offen zugibt "Gewaltspiele" zu spielen.


* Im Gegensatz zu Populisten, die nur einen Vorteil daraus schlagen wollen.

Kelutti, 04.08.2016 14:02
Es gibt eine Sache, die ausnahmslos auf alle Menschen zutrifft, die Videospiele als gefährlich ansehen - Sie haben niemals selbst welche gespielt. (Und einmal für 5 Minuten zählt nicht :P)

Sonst wüssten sie, dass man mit einer Maus oder einem Controller nicht das Zielen und erst recht nicht das Schießen lernen kann. Jeder, der schon einmal eine echte Schusswaffe in Händen gehalten hat, wird dem zustimmen können.

Sonst wüssten sie, dass beim Spielen nicht der Akt des Tötens im Vordergrund steht (Sonderfälle wie Manhund ausgenommen). Vielmehr ist es die Herausforderung, den vom Entwickler bereitgestellten Parkour zu überwinden. Im Falle von Spielen wie Counterstrike geht es schlicht um Konkurrenzkampf. Die Leute könnten sich auch mit Quietscheentchen beschießen und es würde trotzdem keiner aufhören zu spielen. Weil es eben um den Kampf gegeneinander und nicht um das "Töten" als solches geht.

Sonst wüssten sie, dass wir selbst heute noch weit von realistischer Gewaltdarstellung entfernt sind, wie sie beispielsweise in Filmen zu finden ist. Weder Grafik noch Technik sind dazu in der Lage.
Dann müsste man auch gegen Gewalt abgestumpft werden, wenn man regelmäßig Tomaten zermatscht.

Dann wüssten sie, dass solche Spiele deswegen so häufig bei Amokläufern gefunden werden, weil sie heute bereits zur Kultur dazugehören. Wer heute unter seinen Freunden "cool" sein will, spielt mit ihnen solche Spiele.

Man schaue sich einfach einmal die Verkaufszahlen solcher Spiele an und vergleiche sie mit der Zahl an Besitzern, die amokgelaufen sind. Sie werden millionenfach verkauft!

Und selbst "wenn" diese Spiele irgendeine Schuld daran tragen würden... dann wäre jegliche Religion immer noch um ein vielfaches gefährlicher. Ich muss nicht an Kreuzzüge und Hexenverbrennungen erinnern... und jüngste Terroraktivitäten.

Fritz, 03.08.2016 22:20
Chris S. kennt sich immer noch nicht bei diesen Spielen (oder diesem Thema) aus. Die Wiederholung seines Standpunktes macht es offensichtlich. Aber eben nicht besser.

invinoveritas, 03.08.2016 13:38
gut geschrieben, elena wolfs beitrag. aber argumentativ manchmal etwas dünn.

1. de maizière hat sich gar nicht für ein verbot ausgesprochen, sondern ein solches im gegenteil bezeichnet als "nicht der richtige weg und auch schwer umzusetzen". wieso wird er hier als "verbots-fetischist" hingestellt?

2. weder de maizière noch ein anderer politiker hat meines wissens erklärt, "dass gewaltspiele menschen monokausal zu mördern werden lassen". anderen leuten äußerungen in den mund zu legen, die sie gar nicht getan haben, oder ihnen ohne anhaltspunkt abstruse denkweisen anzudichten, ist beliebt, aber unfair.

3. die gleichsetzung von killerspielen und bibel unter der rubrik "kulturgut" funktioniert nicht. die bibel enthält nämlich neben einer unzahl von fürchterlichkeiten auch andere, humane elemente; in europa wird sie seit fast zwei jahrtausenden von jeder generation vorgefunden; eine massenhafte, tägliche und stundenlange bibellektüre zumal ihrer blutrünstigen "stellen" findet nicht statt und dürfte auch etwa zu zeiten von kreuzzügen eher die ausnahme gewesen sein. das alles unterscheidet die bibel elementar von killerspielen. ohnehin tut schon das prädikat "kulturgut" den eben erst auf den markt geworfenen produkten aus den fabriken von zynikern - deren kapitalistischer renditetrieb hier sonst zu recht scharf und oft gegeißelt wird - entschieden zuviel ehre an.

4. der artikel operiert zu oft mit den jahren, die andersdenkende auf dem buckel haben. vor torheit schützt aber jugend auch nicht besser als alter.

5. mit namen zu spielen, ist nicht cool, ey. vermutlich möchte auch die verfasserin nur ungern billigen wölfischen anspielungen auf gemeinheit, gier und rudelgeheul begegnen.
.

Dr. Diethelm Gscheidle, 03.08.2016 13:10
Sehr geehrter Herr Kiming,

wie bitte, Sie lassen Ihre verzogenen Bengels und Gören diese amoklaufverursachenden Schieß-Spiele spielen? Und fühlen sich natürlich durch schmierenjournalistische Artikel wie den Obenstehenden auch noch in Ihrer Haltung bestätigt (wie wunderbar war da doch der Artikel von Frau/Fräulein Henkel-Waldhofer in der letzten Ausgabe)? Ich kann Ihnen sagen, dass Sie in der Erziehung Ihrer Kinder offenbar alles falsch gemacht haben, wenn Sie Ihren Kindern diese gewaltverursachenden Schieß-Spiele erlauben - ich empfehle Ihnen das traditionelle, bewährte und erfolgreiche Erziehungs-Instrument "Rohrstock" um diese gewalt-verursachenden Schieß-Spiele Ihren Kindern aus dem Hirn zu schlagen! Aber ich kenne ja diese Montessori- oder Wald-Dorf- beeinflussten "alles-durchgehenlassen"-Eltern wie Sie: Bestimmt hören Ihre Kinder auch scheußliche Krachmusik (die übrigens lt. hochseriösen Forschungen des ehrenwerten Musikwissenschaftlers Dr. Klaus Miehling ebenfalls zu Verbrechen und Gewalt führen), rauchen ekelerregenden Tabak und praktizieren vielleicht sogar diese widernatürliche, extrem unredliche und absolut ekelerregende sogenannte "Sechs"-Sache da! Und nur, weil Ihre Kinder bisher noch keinen Amoklauf begangen haben, können Sie daraus doch nicht auf die Zukunft schließen - Ihre Kinder sind auf jeden Fall potenzielle Amokläufer, wenn sie diese grässlichen und brandgefährlichen Schieß-Spiele spielen!

Aber noch eine ganz andere Sache zu diesem Thema: Es gibt tatsächlich einen einzigen Einsatzort, wo ich Schieß-Spiele für sinnvoll erachte, und zwar bei der redlichen Bundeswehr! Hier werden solche Spiele bekanntlich eingesetzt, damit unsere redlichen Soldaten bei der Verteidigung unseres schönen deutschen Vaterlandes sich nicht scheuen, ihre Feinde zu töten. Wenn nun die unredlichen Schieß-Spieler sich wenigstens bei der redlichen Bundeswehr verpflichten würden, dann könnte ich ihnen die Schieß-Spiele als Vorbereitung für das Militär gerade noch durchgehen lassen. Leider werden diese Schieß-Spiele auch von Mädchen(!) gespielt, die bekanntlich beim Militär nichts verloren haben, und die Knaben, welche den Schieß-Spielen fröhnen, sind zum allergrößten Teil vaterlandslose, verweichlichte Drückeberger, welche nicht im Traum daran denken, sich redlicherweise bei unserer löblichen Bundeswehr zu verpflichten, und lieber unser Vaterland im Stich lassen! Da die Schieß-Spiele damit bei unserer Jugend keinerlei Nutzen haben, fordere ich ein sofortiges Verbot - damit unser schönes deutsches Vaterland wieder ein sichererer Ort wird!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Diethelm Gscheidle
(Erziehungs-Fachmann, Verkehrswissenschaftler & Dipl.-Musikexperte)

Klaar Kiming, 03.08.2016 12:21
Ich oute mich jetzt mal: Ich fand Natural born killers toll und wahnsinnig romatisch ;))
Meine Kinder spielen hin und wieder diese bösen Spiele (auch von Postal habe ich schon gehört) und wissen Sie was? Von uns hat noch keiner jemanden umgebracht- also danke für diesen Beitrag!

Wenn das mit dem ganzen Verbieten so weitergeht, folge ich dem Vorschlag Dieter Nuhrs: Ich fahre Fahrrad ohne Helm und mit Kippe in der Hand! Auch wenn die mir nach Jahren der Abstinenz nicht mehr schmecken wird. Ich verspüre einfach den Impuls, mich wie ein kleines Kind zu benehmen, wenn ich ständig als ein solches behandelt werde...

Chris S, 03.08.2016 10:23
Der Artikel ist ein Paradebeispiel dafür, wie dualistisches Denken mittlerweile auch in intellektuellen, gebildeten Kreisen immer populärer wird. Immer schön schwarz-weiß malen. Wenn man Videospiele verbieten will, muss man ja gleich alles verbieten was irgendwie Gewalt darstellt. Dabei wird derart eindimensionales Denken einem solchermaßen komplexen Problem mitnichten gerecht. Man kann nicht einfach den Spieß umdrehen und sagen, die anderen Leute, die Killer-Videospiele spielen, sind ja auch keine Amokläufer. Natürlich ist es Quatsch, "dass Gewaltspiele Menschen monokausal zu Mördern werden lassen". Hat ja auch keiner gesagt. Genausowenig ist die deutsche Waffenindustrie schuld an den ganzen Morden, die mit ihren Waffen begangen werden. Aber man darf Werkzeuge nicht mit Ursachen gleichsetzen, und das ist das, was hier und dauernd passiert. Rückwirkend kann man sich eben schon fragen, ob Ballerspiele aus der Egoperspektive, gespielt über Stunden mit immersivem Kopfhörerton, nicht doch ein recht realistisches Training darstellen, das einen potentiellen Amokläufer auf seine evtl. geplante Tat praktisch vorbereitet. Ob man deswegen diese Spiele verbieten muss steht auf einem anderen Blatt, aber so zu tun, als seien solche Argumente völlig aus der Luft gegriffen ist eben auch einfach ignorant, und erinnert an die Argumentation der NRA und anderer. Eine klare Unterscheidung von Ursache und Werkzeug halte ich also für unbedingt angebracht.

Die tatsächlichen Ursachen für Amokläufe und Mord liegen zumeist tief im sozialen Gefüge des Täterumfelds und der Gesellschaft. Diese anzugehen wäre das Ideal, gleichsam schwierig und langwierig. Amokläufe ganz zu verhindern ist wahrscheinlich auch utopisch. Aber die Zahl der Opfer zu reduzieren, indem man den Zugang zu Mordwerkzeugen und -Training weiter erschwert, ist doch nüchtern betrachtet auch schon was. Natürlich muss man dabei (und hier wird's dann auch wieder dualistisch) klar unterscheiden, was wirklich Werkzeug und Training ist, und was nicht (Marilyn Manson).

Stephan Nordstadt, 03.08.2016 08:33
Danke für diesen Artikel. Der sich um jeden Bereich unseres Lebens kümmernde Nanny-Staat wird langsam unerträglich, man muss ihn nicht noch durch weitere Verbotswünsche stärken.

Alle zehn Jahre passiert mal ein Amoklauf. Und das war auch schon vor der Erfindung der Computerspiele so. Ein Verbot wäre sinnloser Aktionismus.

tauss, 03.08.2016 04:17
Hätte sich Henkel-Waidhofer nach Winnenden u. A. mit den Anhörungsergebnissen im Landtag vertraut gemacht und sich einmal ernsthaft mit Medienwirkungsforschung beschäftigt, müsste sie den Unfug der de Maizière & Co nicht nachplappern.

Danke an Frau Wolf für den pointierten Beitrag wider den Verbots- Fetischismus der oberflächlichlichen Populisten, die sich im Lande immer mehr breit machen und deren einfache Lösungen für und gegen Alles & Jedes herausposaunen.

Jörg Tauss, Kraichtal

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